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Hildburghausen: Auf den Spuren der Dunkelgräfin

Es ist eine der rätselhaftesten Episoden der europäischen Geschichte: Wer war die legendäre „Dunkelgräfin“, die Anfang des 19. Jahrhunderts unter mysteriösen Umständen in das südthüringische Herzogtum Sachsen-Hildburghausen kam? Gemeinsam mit ihrem Begleiter Leonar­dus Cornelius van der Valck, dem „Dunkelgrafen“, lebte sie jahrelang unerkannt, wurde vor fremden Blicken geschützt wie ein kostbarer Schatz.

Handelte es sich bei ihr wirklich um „Madame Royale“, einem Sprößling des französischen Königspaares, das 1793 auf der Guillotine hingerichtet wurde? Unter welchen Umständen war Marie Therese Charlotte, die Tochter von Ludwig XVI. und Marie Antoinette, im Pariser Staatsgefängnis Temple inhaftiert? Wurde sie nach ihrer Gefangenschaft gegen eine andere Person ausgetauscht, vielleicht erst an der Grenze von Frankreich zu Österreich - und wer wußte davon? Historiker und Literaten streiten seit 170 Jahren europaweit darüber. Bis heute gibt es mehr als 200 Veröffentlichungen zum Geheimnis der Dunkelgräfin. Sie kommen alle keinem endgültigen Schluß. Beweise existieren nicht, Zweifel sind angebracht. Es gibt in Hildburghausen einen eigenen Verein, der im August 2013 aus dem Nachlaß eines holländischen Dunkelgräfin-Verehrer 50 Bücher zum Thema erhielt.

 

 

Nach einer kaum nachvollziehbaren Odyssee war das seltsame Paar 1807 nach Hildburghausen gelangt. Am 7. Februar 1807 hält eine Kutsche vor dem Hotel „Englischer Hof“. Ein reicher Mann und eine vornehme Dame ziehen ein. Ein seltsames Paar. Keine Kontakte, ein völlig zurückgezogenes Leben. Mitunter sieht man den Herrn in der Kutsche ausfahren, manchmal in Begleitung der Dame. Die ist stets verschleiert, trägt meist eine grüne Brille. Niemand kennt ihren Namen. Von ihm weiß man, daß er sich „Vavel de Ver­say“ nennt.

Nach drei Jahren zieht das Paar in die Einöde und mietet das dortige Schloß. Ab 1810 lebte es im Schloß Eishausen, das es gemietet hatte. Mitglieder des Heimatvereins und der evangelischen Kirchengemeinde Eishausen gestalteten am 30. September 2010 die Zeremonie nach: Die Glocken der Eishäuser Kirche läuten. Eine Kutsche mit einem geheimnisvollen Paar nähert sich von Hildburghausen kommend.  So oder so ähnlich soll es sich auf den Tag genau vor 200 Jahren abgespielt haben, als das geheimnisvolle Paar in ihrem zukünftigen Exil-Ort Eishausen einst eintraf.

Das „Dunkelgrafenpaar“ waren und 35 Jahre lang die Geschichte des Dorfes mitgeschrieben haben. Noch heute gibt es in Eishausen Familien, die aus den Erzählungen ihrer Großeltern wissen, daß deren Groß- oder Urgroßeltern im Dienste des Paares standen. Die Geschichten haben die Eishäuser in ihrer Erinnerung wachgehalten.

Das Paar lebte dort 30 Jahre in absoluter Isolation, bis die Dame 1837 stirbt. Kein Schriftstück verrät die wahre Identität. Doch es gab trotz der Verschleierung Zeugen, die ihre Ähnlichkeit mit der französischen Königstochter Marie Therese, genannt Madame Royale, bemerkt haben wollen. Es sprach sich herum, wurde kolportiert, wurde zum Gerücht, zur Legende.

Das Paar in völliger Abgeschiedenheit und unerkannt. Man hatte Bedienstete, aber sonst wurde niemand vorgelassen. Das Paar hatte viel Geld, die Frau ließ sich immer wieder Kleider nach der neuesten Mode aus Frankfurt kommen

Im Schloß Eishausen starb die Dunkelgräfin 1837 und wurde in einem namenlosen Grab auf dem Hildburghäuser Schulersberg in aller Stille beigesetzt. Der Dunkelgraf verbrannte nachts Handschriften und Porträts im Schloßgarten, um die Spuren und die Identität der Dunkelgräfin zu verwischen. Eine Porträtzeichnung geht in Flammen auf. Der „Dunkelgraf“ starb sieben Jahre später und liegt in Eishausen begraben. Die Einträge mit Kirchenbuch geben nur irgendwelche Namen an.

Das Schloß wurde 30 Jahre später wegen Baufälligkeit abgerissen - es war ja die ganze Zeit nichts an ihm gemacht worden, denn niemand wurde hineingelassen. Dort befindet sich jetzt eine Wiese. Nur ein verfallenes Nebengebäude ist noch vorhanden.

Das Geheimnis wurde gehütet wie ein Schatz, Versuche einer Graböffnung wurden immer wieder abgeblockt. Einmal war es zwar schon geschehen - am 8. Juli 1890 hatte Dr. Armin Human das Grab geöffnet und seine Erkenntnisse publiziert: Weibliche Person, 58 Jahre alt. Doch DNA-Tests waren zu dieser Zeit noch nicht möglich, und so konnte auch er nur von der „vermutlichen Tochter Ludwig des XVI.“ schreiben, die als „Dunkelgräfin“, später oft auch als „Madame Royal“ bezeichnet worden ist. Doch weitere angestrebte Graböffnungen und Untersuchungen, die es Ende des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart gab, scheiterten, weil der Stadtrat von Hildburghausen entsprechende Beschlüsse gefaßt hatte.

Im Jahre 2012 plante der Mitteldeutsche Rundfunk eine Exhumierung, um durch eine DNA-Test die mögliche Identität festzustellen. Aus rein wissenschaftlichen Gründen, wie es hieß. Der Stadtrat schien gespalten, und die Einwohner erst recht. Eine Bürgerinitiative hatte sich gegründet, die sich gegen die Graböffnung wandte, und vom Stadtrat forderte, sich an seinen Beschluß zu halten.

Fast täglich meldeten sich in den Medien die Befürworter und Gegner zu Wort. Die einen sahen den wissenschaftlichen Wert der Untersuchung der Zeit angemessen, die anderen erkannten darin eine unzulässige Störung der Totenruhe. Die Argumente prallten hart aufeinander, und nicht immer wurden sie sachlich und fair ausgetauscht. Selten hat ein Thema so viele Emotionen ausgelöst, so sehr man sich von offizieller Seite auch um eine Verständigung bemühte. Auch ein großes Bürgerforum im Stadttheater konnte keine Einigung zwischen Gegnern und Befürwortern herbeiführen.

Der Stadtrat ließ sich schließlich von den Argumenten des MDR überzeugen, hob seinen eigenen Beschluß wieder auf und stimmte der Graböffnung durch die Filmemacher zu. Auch das Bürgerbegehren und der Bürgerentscheid konnten dies nicht verhindern. Zwar gab es weit mehr Stimmen, die gegen eine Graböffnung waren als die sich dafür aussprachen. Doch sie reichten nicht aus, da die Wahlbeteiligung zu gering war und die Stimmen hochgerechnet werden auf alle Wahlberechtigten

 

Am 28. Juli 2014 um 22.05 Uhr strahlte der MDR den Film über das Rätsel von Hildburghausen aus. Zunächst machte  die Freiburger Anthropologin Professor Ursula Wittwer-Backofen einen dreidimensionalen Porträtvergleich aus verschiedenen Lebensphasen der Königstochter und der späteren Herzogin von Angoulême. Es gibt ein Bild von ihr im Alter von zwölf Jahren und nunmehr eine Rekonstruktion des Gesichts anhand des Schädels. Aber das Ergebnis war unentschieden: Es könnte sich vielleicht um die gleiche Person handeln, vielleicht aber auch nicht.

Szenenwechsel nach Wien: Ein merkwürdiges Grab auf dem Hietzinger Friedhof. „Le fidéle Clery – dernier serviteur de Louis XVI“. Der treue Clery liegt hier, der letzte Diener von Ludwig XVI. Clery war seinem König freiwillig in die Haft im Temple gefolgt. Ein halbes Jahr lang hat er mit dem gefangenen König gebetet, die Königin frisiert, mit den beiden Kindern - dem Dauphin und der 14-jährigen Prinzessin Marie Therese - gespielt. Als Louis und Marie Antoinette guillotiniert werden, ist der unglückliche Diener frei, die Kinder bleiben allein. Der Dauphin überlebt Einsamkeit und Verwahrlosung im Temple nicht, die Prinzessin wächst heran.

Drei Jahre später hört Clery von der Freilassung der Prinzessin Marie Therese im Austausch gegen gefangene Revolutionäre. Clery eilt zur Prinzessin. Doch am Wiener Hof hält man ihn fern von ihr. Er wird die Prinzessin - die spätere Herzogin von Angoulême - nicht wiedersehen. Auch die anderen Vertrauten aus Paris entfernt der Wiener Hof. Eine der Hofdamen wird die Herzogin später erpressen. Was wußten die Begleiter? Verdächtige Spuren finden sich im Archiv der Kaiserfamilie. Es ist anzunehmen, daß doch die echte Königstochter am Hof in Wien lebte.

 

 

Im Oktober 2013 wurde das Grab der Dunkelgräfin in Hildburghausen geöffnet. Die Wissenschaftler fanden darin, was die Historie vermuten ließ. Eine Frau in entsprechendem Alter, die nie in ihrem Leben hart gearbeitet hat. Es wurden DNA-Proben genommen, die von zwei Instituten unabhängig voneinander untersucht wurden: von Professor Walther Parson vom Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck und von Dr. Sabine Lutz-Bonengel vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg.

 

Aus einem Stück des Oberschenkelknochens (es wurde richtig ein ganzes Stück herausgesägt)

wurde DNA gewonnen. Diese wurde verglichen mit der DNA eines Nachkommens der Kaiserin Maria Theresia. Und außerdem hat man noch DNA-Material aus dem Herzen des Dauphin (der Schwester der Prinzessin), das in Paris aufbewahrt wird und die schon 2001 bestimmt wurde. Verglichen hat man aber nur die mitochondrische DNA, also die mütterliche Linie, wie das in solchen Fällen üblich ist.


Es stellte sich heraus, daß zwar die Erbanlagen der Prinzessin aus Wien und die des Königssohns aus Paris übereinstimmen, aber sie stimmen nicht überein mit den Erbanlagen der Frau aus Hildburghausen. Die „Dunkelgräfin“ ist also nicht Königstochter. Doch wer war sie dann? Ihre DNA stimmt mit keiner bisher bekannten DNA eines Menschen auch nur annähernd  überein. Aber die Forschung macht auf diesem Gebiet rasche Fortschritte, so daß man schon einen genetischen Zwilling finden wird und dann vielleicht sagen kann, woher die „Dunkelgräfin“ stammt.

Was ändert sich für die südthüringische Kreisstadt Hildburghausen, wenn das Ergebnis

bekannt wird? Auch das ist Spekulation, wie zuvor die Identität der Dame. Fällt ein „Zugpferd“ für den Tourismus weg, falls sie keine Königstochter ist? Oder wird der Besucherstrom größer werden, wenn hier ein französischer Adelssproß begraben liegt?

 

 

 

 

 

Creuzburg an der Werra

Der geschichtsträchtige Ort liegt nun wieder in der Mitte Deutschlands. Wer von Eisenach kommend auf der Bundesstraße 7 in Richtung Kassel fährt, wird unweigerlich von der Creuzburg, der alten thüringischen Landgrafenburg, beeindruckt. Gleichsam am Eingangsportal Thüringens erhebt sich die Schwesternburg der Wartburg im Werratal.

Einst soll bei der Christianisierung durch Bonifatius auf diesem 40 Meter hochragenden Felsen ein Kreuz errichtet worden sein. Später hat wohl ein Kloster dort gestanden, bevor an diesem strategisch wichtigen Ort eine stolze Burg, die Creuzburg (1165 bis 1168), errichtet wurde. Jedenfalls soll 1170 Kaiser Friedrich Barbarossa durch eine Urkunde mit Siegel und Unterschrift den Bau der Creuzburg bestätigt haben.

Die Thüringer Landgrafen hatten von der Creuzburg aus einen der wichtigsten Handelswege und die Werra in fester Hand.

Eine überaus bewegte Geschichte umgibt die Creuzburg. Nicht nur Landgraf Ludwig IV residierte zeitweise hier, auch seine Gemahlin, die Landgräfin Elisabeth, die als kleines Kind dem 11-Jährigen anvertraut wurde, liebte diesen Ort, der von der starken Stadt umgeben war. Ziemlich sicher ist, daß die junge Landgräfin auf der Creuzburg 1222 ihren Sohn Hermann geboren hat. Zu dieser Zeit war Landgraf Ludwig IV. unterwegs in Hessen. Doch seine große Freude und Dankbarkeit soll er dadurch zum Ausdruck gebracht haben, daß er 1223 eine steinerne Brücke mit sieben Bögen über die Werra hat bauen lassen. Sie ist noch heute ein großartiges Bauwerk (älteste Natursteinbrücke in Mitteldeutschland!).

Viele Legenden ranken sich um die mildtätige Landgräfin Elisabeth, die ihr Christsein in besonderer Weise mit der praktischen Liebestätigkeit zu verbinden wußte. Im Jahre 1227 begleitete Elisabeth von der Burg aus ihren Gemahl bei seinem Aufbruch zum Kreuzzug bis nach Schmalkalden. Bereits im September 1227 verstarb Landgraf Ludwig in Italien. Die Boten überbrachten die Todesnachricht. Elisabeth war zutiefst betrübt. „Übergroß, wie ihre Liebe gewesen war, war auch ihr Schmerz.“

Nach der Geburt der jüngsten Tochter Gertrud, die ebenfalls auf der Creuzburg geboren wurde, verließ die junge Mutter mit ihren Kindern Thüringen. Sie wurde in Marburg aufgenommen, begründete ein Spital, diente wie eine Magd, legte die Kutte der Franziskanerinnen an und verstarb 1231. Bereits 1235 wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

Der älteste Sohn Landgraf Hermann II. konnte erst nach seiner Mündigkeit das Landgrafenamt für Thüringen einnehmen. Er residierte kurze Zeit auf seiner Lieblingsburg und verstarb hier 1241. Sein plötzlicher Tod blieb geheimnisumwittert!

Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen haben immer wieder die Burg verwüstet. Aber auch wichtige Zusammenkünfte in der Reformationszeit haben Landgrafen und Fürsten auf der Creuzburg zusammengebracht. Kurfürst Johann der Beständige hat mit den Landgrafen von Hessen und Sachsen über die Einführung der Reformation hier konferiert. Martin Luther hat auf dem Weg zu den Marburger Religionsgesprächen mit seinen Freunden die Creuzburg aufgesucht. Minister Johann Wolfgang von Goethe und Herzog Karl August von Weimar haben den steilen Weg zur Burg im Jahre 1779 nicht gescheut.

Nicht zu vergessen, daß Michael Schultheiss, der Sohn des Creuzburger Pfarrers, genannt Michael Praetorius, ein Kind Creuzburgs ist. Von ihm stammt die Melodie des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“.

Als 1945 deutsche Truppen den Untergang des 3. Reiches im Werratal aufhalten wollten, wurde die alte Stadt Creuzburg zu über 85 Prozent zerstört. Vieles ist verloren gegangen, nicht nur mittelalterliche Gebäude, sondern auch wertvolle Gemälde und Kunstgegenstände. Große Teile des Ortes lagen von 1962 an in der fünf Kilometer-Sperrzone. Zugang war nur mit einem Passierschein möglich. Erst nach der Wende ist wieder neues Leben und neue Hoffnung eingezogen.

 

 

 

Eisenach

Früher oder später zieht der Reiz der mittelalterlichen Feste über der Stadt einfach alle in ihren Bann: die Wartburg. Sie gehört zum UNESCO- Weltkulturerbe, denn kaum ein anderes Bauwerk ist für die deutsche Geschichte von ähnlicher Bedeutung. Im Jahre 1080 erstmals erwähnt, war die Wartburg bereits im Mittelalter Zentrum des politischen, kulturellen und religiösen Lebens. Die „deutscheste aller Burgen“", sie steht für Stein gewordene Rittertugenden und Minne- sang. Nach der Sage fand hier der legendäre Sängerkrieg statt, der durch Richard Wagners „Tannhäuser" in die ganze Welt ging. Elisabeth, die Schutzheilige von Thüringen, verbrachte viele Jahre auf der Wartburg und kümmerte sich selbstlos um Arme und Kranke. Ihr Leben und ihre Wirkungsgeschichte als „Mutter Theresa des Mittelalters“ werden im Focus der 3. Thüringer Landesausstellung „Elisabeth von Thüringen - eine europäische Heilige“ stehen. Eine Würdigung anlässlich ihres 800sten Geburtstages, und eine Auseinandersetzung mit ihrem Leben zwischen den Extremen ihrer Herkunft aus dem Hochadel und ihrer Hinwendung zur Welt der Ärmsten.

Doch nicht nur die Wartburg ist Ausstellungsort, auch in der Predigerkirche in Eisenachs Stadtzentrum wird ein Teil der vier- bis fünfhundert Exponate zu bewundern sein. Eine adäquate Stätte, ist doch die Predigerkirche eine der ersten Kirchen, die der heiligen Elisabeth geweiht wurden. Nach einer Chronik von etwa 1400 gelangte das Kruzifix von der Wartburg, vor welchem Elisabeth ihre goldene Krone niedergelegt hatte, hierher. Gezeigt werden hochkarätige Originale, unter anderem aus St. Petersburg und dem Vatikan, anhand derer Elisabeths Leben und Wirkungsgeschichte eindrucksvoll nachempfunden werden kann.

Heimstatt und schützendes Gemäuer war die Wartburg auch für Martin Luther, der hier 1521/22 in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Während seiner Schulzeit - von 1498 bis 1501 - hatte der spätere Reformator im so genannten Lutherhaus gelebt, wo seine beiden Wohnstübchen noch immer zu besichtigen sind. Das Rathaus von 1564, die prächtige Rathausapotheke und das Stadtschloss aus dem 18. Jahrhundert vermitteln dem Besucher ein Bild vom Eisenach vergangener Zeiten.

Der Dr. Kleist-Stadtrundgang hingegen führt Besucher an die Originalschauplätze der aktuellen TV- Serie. Die echten Dr. Kleist-Fans können so „ihrer“ Fernsehfamilie ein Stückchen näher sein. Schon seit der ersten Staffel gehören die Dreharbeiten um den beliebten Fernseharzt in Eisenach zum Stadtbild. Seither streifen zahlreiche neue Gäste in der Stadt umher, um möglichst viel „Dr. Kleist-Feeling“ zu erhaschen - und erleben dabei auch das wahre Eisenach, mit seinen Traditionen und historischen Sehenswürdigkeiten. „Johannes Kleist“-Darsteller UIlrich Pleitgen sagt: Mein persönliches Highlight sind die historischen Villen in der Südstadt, die von Fabrikanten und anderen besonders betuchten Eisenacher Bürgern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden. Heute ist das Südviertel eines der bemerkenswertesten Villengebiete Deutschlands - und Spaziergänge machen hier immer besonderen Spaß, denn man kann jedes Mal eine noch unbekannte architektonische Kostbarkeit entdecken. Am Klosterweg 10 steht ja auch „meine“, also Johannes Kleists Villa - ein wunderschönes altes Gemäuer, sozusagen das Zentrum der Serie!“

Aber letztlich stiehlt die fiktive Person des Dr. Kleist den „alten“ Eisenachern nur temporär die Show. Luther und Bach sind eben doch die wahren Stars, und das schon seit einigen hundert Jahren. Hätte es 1685 schon Fernsehen gegeben, wäre die Geschichte des Eisenacher Zweigs der Musiker-Familie Bach sicher auch ein „Straßenfeger“ geworden. Am 21. März dieses Jahres brachte die Frau des Hoftrompeters Johann Ambrosius Bach nämlich ihr jüngstes Kind zur Welt - Johann Sebastian. Sieben Generationen von „Bachen“ brachten einst über 100 Musiker hervor - doch keiner konnte an das Genie Johann Sebastian Bachs heranreichen.

Das Geburtshaus in der Fleischgasse, heute Lutherstraße, ist leider nicht erhalten, doch im 400 Jahre alten Bachhaus am Frauenplan wird bis heute anschaulich des großen Musikers gedacht. Sehenswert sind der Instrumentensaal und die originalen Einrichtungsgegenstände aus der Zeit des großen Organisten und Komponisten Johann Sebastian Bach. Ergänzt wird die bisherige Ausstellung durch interessante Exponate und Projekte rund um die Welt der Musik im neuen Museumsbau auf dem Nachbargrundstück des Bachhauses. Am 17. Mai 2007 soll der Neubau im Rahmen der Festwoche „100 Jahre Bachhaus“ feierlich eröffnet werden.

 

 

Hainich

Der Hainich als 13. Nationalpark in Deutschland mit zentraler, gut zu erreichender Lage bietet mit seinen vielgestaltigen geschlossenen Waldflächen, insbesondere einem wertvollen Buchenbestand, großen Wiesen und verwilderten Hecken unzählige Wandermöglichkeiten. Naturliebhaber, Allwetterwanderer, entdeckungsfreudige und ruhesuchende Menschen können sich zu jeder Jahreszeit erholen und entspannen. Eine Fülle selten gewordener Pflanzen und Tiere hat hier Lebensräume und Schutz gefunden, darunter 14 Fledermaus- und 22 Orchideenarten. Über 600 verschiedene Großschmetterlinge tummeln sich im Hainich, nahezu 800 Blütenpflanzen wurden bisher erfasst. Jede Begegnung mit dem „Urwald mitten in Deutschland“ zeigt uns den Reichtum der Natur, wenn man sie „Natur sein lässt“. Mutigen sei gesagt: Eine Nachtwanderung kann zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Der Weg führt uns sowohl durch die Tiefen des Hainicher Urwaldes wie auch durch offenes Gelände mit Panoramablick über das Thüringer Becken, überspannt von einem schier unendlichen Himmel. Wer sich ganz leise verhält und Luchsaugen hat, kann vielleicht in der Tiefe des verwildernden Waldes eine der seltenen Wildkatzen erspähen, die in einer kleinen Population wieder heimisch geworden sind. Ornithologisch interessierte Wanderer werden sich an der Vielfalt der Vogelstimmen - über 170 Arten - freuen. Die meisten Dörfchen am Saum des Hainich bieten Möglichkeit zu Rast und Einkehr. www.hainichland.de

 

Baumkronenpfad

Eine einzigartige Attraktion seit August 2005 ist der 306 Meter lange Baumkronenpfad in der Nähe des Parkplatzes Thiemsburg bei Bad Langensalza. Er führt die Besucher in einer Höhe bis 24 Meter durch die Baumkronen von neun Laubbaumarten, unterwegs erfährt man in mehreren thematischen Stationen viel Wissenswertes über Flora und Fauna. Der Pfad mündet in einen Turm, dessen Plattform in 44 Meter Höhe atemberaubend schöne Aussichten auf den Nationalpark und dessen Umgebung bietet. Stündliche Führungen.

Öffnungszeiten: 1. April - 31. Oktober 10 - 19 Uhr, 1. November- 31. März 10 -16 Uhr,

 

Opfermoor

Wo ist Deutschlands Mitte? Geografisch gesehen: zwischen Nieder- und Oberdorla, seit 1990 wissenschaftlich nachgewiesen, fünf Kilometer nördlich von Kammerforst. Just hier wurden 1957 beim Torfstechen Reste einer germanischen Kultstätte entdeckt. Der Fund war bedeutend, wenn auch damals noch unmittig. Heute werden Originale und Nachbildungen im Ausstellungszentrum „Opfermoor“ gezeigt. Öffnungszeiten: täglich von 10 - 18 Uhr.

Zweckverband „Mittelpunkt Deutschland“, Schleifweg 8, 99986 Niederdorla Tel./Fax: 0 36 01 - 75 60 40, E-Mail:

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

,  und „wwvv.opfermoor.de“.

 

 

 

 

 

Ohrdruf

Dass in Ohrdruf Thüringer Kirchengeschichte begann, ist bekannt. Wenn aber archä­ologische Erkenntnisse historische Quellen bestätigen und erweitern, kann das zu einer Sensation werden. Funde, die ihresgleichen in Thüringen suchen, gibt es noch bis zum „Tag des offenen Denkmals“ im Hof von Schloss Ehrenstein in Ohrdruf zu bestaunen. Dazu gehört vor allem die ins frühe 11. Jahrhundert datierte Krypta der ehemaligen Peter- und Paulskirche. Den Fund der Krypta bewertet Sven Ostritz, Präsident des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie, als sensationell und einmalig, ist sie doch die älteste im Freistaat. Die freigelegte Krypta spricht für die Bedeutung des Ohrdrufer Gotteshauses, schließlich konnte der Bau von Krypten in Thüringen bislang nur an wenigen Orten belegt werden.

Ostritz geriet als oberster Archäologe des Freistaats richtig ins Schwärmen, als er die Ausgrabungen kürzlich der Öffentlichkeit vorstellte und dabei am Standort des ältesten nachweislich von Bonifatius gegründeten Klosters bekundete: „Bonifatius war nicht alles“.

Tatsächlich zählt die einstige St. Peter-und-Pauls-Kirche zu den ältesten Thüringer Kirchen. Die nun ergrabene dreischiffige und dreijochige Krypta als Unterkirche, die es, so Ostritz, „in Thüringen nur dieses eine Mal gibt“, unterstreicht die Bedeutung des Gotteshauses. Die Existenz des Bauwerks war kein Geheimnis, schließlich berichtete das Reliquienverzeichnis des Propstes Wolfram von Ichtershausen aus dem Jahr 1190 von der Restaurierung einer ziemlich zerfallenen Kirche, in die im Jahr 980 Kanoniker eingesetzt und kostbare Reliquien verbracht worden seien. Das Verzeichnis erwähnt auch den großen Brand von 1184

Doch Berichte sind das eine, archäologische Reste das andere. So fanden die Archäologen um Grabungsleiter Udo Hopf neben den Mauerstrukturen auch Hinweise auf starke Brandspuren in der Krypta und Belege für den anschließenden Wiederaufbau des Gotteshauses - nach dem Brand - ein Glücksfall, bei dem historische Quellen und archäologische Erkenntnisse zusammenfinden.

Die Maße der Kirche wirken auch heute noch beeindruckend, erst recht für die Menschen des Mittelalters. Nach 1184 entstand eine rund 40 Meter lange, 17 Meter breite Pfeilerbasilika mit einem 23 Meter breiten Querhaus. Zu den besonderen Funden, die Hopf und seine Kollegen bargen, gehören Teile eines um 1200 datierten Gips-Estrichfußbodens mit mehrfarbigen ornamentalen Einlegearbeiten.

Bereits seit Juli 2008 laufen die Ausrabungen im Schlosshof. Erforderlich wurden sie durch dessen geplante Neugestaltung. Dabei fanden die Archäologen südwestlich des Kirchenstandortes auch Reste eines 18 Meter langen Holzbaues aus dem 10. Jahrhundert. Dieser als „Halle“ bezeichnete Bau könnte möglicherweise dem späteren König Otto I. als Aufenthaltsort bei seinem Zug nach Italien gedient haben. Tatsächlich wurde in Ohrdruf Reichsgeschichte geschrieben, denn König Otto I. urkundete auf seiner Italienreise 961 in Ohrdruf. Ob der Bau damit in Zusammenhang steht, bleibt allerdings Spekulation. Wenige Jahre später entstand an Stelle des Holzbaues ein repräsentativer Steinbau. Dieser und die Einrichtung eines Kanonikerstiftes am Standort der Peterskirche 980 unter Abt Gozbert von Hersfeld stehen wohl in engem Zusammenhang. Zur zeitlichen Einordnung trägt der Fund eines silbernen Denars (um 1000) aus der Regierungszeit Kaiser Ottos III. bei.

Zu den interessanten Grabungsergebnissen gehören ferner 34 Gräber bzw. Grabgruben, von denen 16 vollständig freigelegt werden konnten. 25 der Gräber werden ins 10. bis 12. Jahrhundert datiert und drei stammen aus der Zeit zwischen 777 und 930. Sie verweisen in die frühe Zeit des Klosters, für das es sonst keine archäologischen Befunde gibt. Im Nachfolgebau lebten bis 1344 Augustiner-Chorherren und von 1463 bis zur Reformation 1525 Karmelitermönche. Anstelle des Klosters ließen die Grafen von Gleichen zwischen 1550 und 1570 Schloss Ehrenstein errichten. Im Nordflügel integriert überdauerte der Turmstumpf der Kirche die Jahrhunderte. Nach Fertigstellung des Schlosshofes im Herbst 2010 soll der Grundriss des mittelalterlichen Gotteshauses im Pflaster sichtbar gemacht werden.

 

Siechenhofskirche: Markanter Akzent in der Winterlandschaft

Die Ohrdrufer Siechhofskirche - ein frühklassizistisches Juwel - hat seine Farbfassung zurück.  Schon von Weitem leuchtet 2010 die Siechhofskirche im Farbkanon Goldocker-Weiß-Grau und setzt - zumal in der derzeitigen Winterlandschaft - einen markanten Akzent. Aus den Händen von Bauamtsleiter Peter Meinung erhielt Ohrdrufs Pfarrer Martin Heinke am 9. Dezember die Schlüssel zurück und damit einmal mehr die Verfügungsgewalt über das kleine Gotteshaus an der Gothaer Straße. Farbfassung und Restaurierung erfolgten in enger Abstimmung zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und der örtlichen Bauverwaltung. Eigentümer der Kirche ist die politische Gemeinde. Nach einem alten Regulativ obliegt jedoch das alleinige Nutzungsrecht der evangelischen Kirchengemeinde.

Vor den Toren Ohrdrufs gab es einst den Siechenhof, der Arme, Kranke und Siechende aufnahm, und eine kleine Kirche. Dort war in den 1780er Jahren auf den Vorgängerbauten die frühklassizistische Kapelle errichtet worden. Für das stark in die Jahre gekommene Gotteshaus schien eine Sanierung und Restaurierung unausweichlich. Zwar geriet das Projekt zunächst erst einmal auf die berüchtigte lange Bank, doch gelang es der Stadtverwaltung, in diesem Jahr endlich das umfangreiche Vorhaben zu schultern.

Die Gesamtbaukosten von 240.000 Euro stemmte die Gemeinde großenteils aus eigener Kraft, darunter 72.000 Euro Fördermittel aus dem Landesprogramm für städtebauliche Sanierungsmaßnahmen und 1600 Euro private Spenden, die bei zahlreichen Veranstaltungen im Ort und der Region eingeworben wurden.

Unter den Gäster zur Schlüsselübergabe fehlte einer, den man als die gute Seele der Siechen­hofskirche bezeichnen kann: Rudolf Messing war es, der das Gotteshaus in den  zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten am Leben hielt, Reparaturen ausführte und mit frischem, selbstgezogenem Blumenschmuck versorgte.

Denn die Siechhofskiriche ist nicht nur ein schöner Bau, sondenr sie wird zwischen Christi Himmelfahrt und Erntedank 14-tägig imWechsel mit der Stadtkiriche  St. Trinitatis für die Sonntagsgottesdienste genutzt. Das wird auch künftig so bleiben. Zudem bildet sie einen wunderbarenRahmen  für Taufen, Trauungen und Einsegnungen, etwa für Goldene Hochzeiten und - nicht zu vergessen für Konzerte. Man darf also gespannt sein, wie Kantor Marco Le mme die Kapelle künftig in seine musikalische Planung einbezieht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erfurt

Majestätisches Erfurt - die Landeshauptstadt wurde schon oft als „thüringisches Rom“ bezeichnet, wegen seiner Vielzahl an Kirchen und Klöstern. Doch Erfurt ist nicht erstarrt in sakraler Würde; Erfurt ist lebendig, ist gastlich, ist mediterran entspannt. In Deutschlands grüner Mitte liegt eine Metropole, die ihren eigenen Charakter hat: Erfurt ist bedeutend - und Erfurt ist schön. Die Stadt der Türme wird sie gerne auch genannt; „Erfordia turrita - türmereiches Erfurt“. Der eine oder andere Blick nach oben lohnt in Erfurt allemal, nicht nur der Türme wegen. Wer Erfurt besucht, sollte seinen Blick erheben, denn eine Vielzahl von Entdeckungen wartet auf jene, die mit offenen Augen die Landeshauptstadt erforschen.

 

 

 

Geschichte:

742

Erste urkundliche Erwähnung anläßlich der Bistumsgündung durch Bonifatius

um 754

Das Erfurter Bistum wird dem Mainzer Bistum angeschlossen

805

Karl der Große erhebt Erfurt zum Grenzhandelsplatz und verleiht dem Ort das Stapelrecht

 

uUm 1000

Erfurt wird als königliche Schenkung an das Erzbistum Mainz gegeben

 

1168

 

Ein erster Doppelmauerring mit Zwinger umschließt die Stadt

 

1331

 

Kaiser Ludwig vergibt das Messeprivileg an Erfurt

 

1392

 

Eröffnung der Universität durch den Rat der Stadt

 

1432 - 46

 

Bau der äußeren Stadtmauer

 

1458

 

Die Juden werden ausgewiesen, erst ab 1810 erhalten sie wieder Zuzugsrecht

 

1472

 

ein Stadtbrand zerstört mehr als die Hälfte der Häuser

 

1501 - 05

 

Martin Luther als Student in Erfurt

 

1505 - 11

 

Martin Luther als Mönch im Augustiner-Eremiten-Kloster

 

1509 / 10

 

Tolles Jahr mit Bürgerunruhen wegen der Verschuldung der Stadt

 

1521 - 25

 

Die lutherische Reformation hält Einzug in Erfurt

 

1631 - 49

 

Zeit der schwedischen Besetzung mit mehrmaligem Aufenthalt des Königs Gustav II. Adolf von Schweden

 

1664

 

Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn erobert die unter der Reichsacht stehende Stadt; Erfurt verliert seine Selbständigkeit; der Petersberg wird zur Zitadelle ausgebaut; die Regierung wird von Mainzer Statthaltern wahrgenommen

 

1685

 

Beginn des Erwerbsgartenbaus

 

1802

 

Erfurt wird preußisch

 

1806 - 13

 

Französische Besetzung

 

1808

 

Erfurter Fürstenkongreß, Napoleon teilt Europa auf

 

1847

 

Erfurt wird an die Eisenbahn angeschlossen

 

1850

 

Das Unionsparlament tagt in der Augustinerkirche

 

1873

 

Entfestung der Stadt nach der Reichsgründung

 

1891

 

Erfurter Parteitag der SPD

 

1906

 

Erfurt wird mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt

 

1925

 

Der erste Flugplatz am Roten Berg wird eröffnet

 

1938

 

Im Pogrom in der sogenannten Reichskristallnacht wird die Synagoge vernichtet und die jüdische Bevölkerung deportiert

 

1945

 

Besetzung der Stadt durch amerikanische, später durch sowjetische Truppen

 

1970

 

Treffen des Bundeskanzlers Willy Brandt mit dem DDR- Ministerpräsidenten Willi Stoph im Hotel „Erfurter Hof

 

1991

 

Erfurt wird thüringische Landeshauptstadt im wiedervereinten Deutschland

 

1994

 

Wiedergründung der Erfurter Universität

 

 

Rundgang:

Wenn man von der Autobahnabfahrt Erfurt-West kommt, biegt man am Stadtring nach rechts ab Richtung Hauptbahnhof. Auf der Schillerstraße fährt man bis zum Schmidsteder Knoten. Dort geht es links ab, unter den Schienen hindurch und gleich wieder links. Noch ein Stück weiter geht es spitz nach links in die Trommsdorfstraße. Wenn man nicht schon dort parken kann (nur Montag bis Freitag 8-20 Uhr ist die Parkzeit auf eine Stunde beschränkt) fährt man weiter Richtung Bahnhof, dann rechts und wieder links zum Parkhaus (über eine Stunde kosten schon 2,50 Euro).

 

 

Reglerkirche:

Ausgangspunkt ist der Bahnhof. Die Eisenbahnunterführung durchsticht den ehemaligen Festungswall aus dem 15. Jahrhundert, auf dem nach der Entfestung der Stadt die Bahngleise verlegt wurden. Man geht nach Norden in die Bahnhofstraße mit ihren Häusern aus der Gründerzeit. Rechts steht die evangelische Reglerkirche, die im 12. Jahrhundert als Klosterkirche des regulierten Augustiner-Chorherrenstiftes errichtet wurde. Sie hat einen sehenswerten Doppelflügelaltar von 1460.

 

Anger:

Der Anger vor Jahrhunderten Gemeindeweide an der Stadtmauer, dann Haupthandelsplatz für Wolle, Weizen, Waid und Wein und ist heute die Hauptgeschäftsstraße Erfurts.

 

Geradeaus sieht man zur im 12. Jahrhundert gegründeten und im 15. Jahrhundert umgebauten katholischen Lorenzkirche. Zwischen der Lorenzkirche und dem Hauptpostamt am östlichen Anger befindet sich das Palmenhaus, das 1888 im Jugendstil als gußeiserne Konstruktion mit Glasdach für eine Gartenbaufirma gebaut wurde.

Bis auf wenige Ausnahmen wird das Bild des Angers von Bauwerken des historisierenden Stils der Jahrhundertwende geprägt. Im Haus Nr. 6 „Zur güldenen Aue und Kardinal“ wohnte zum Fürstenkongreß 1808 der russische Zar Alexander I. Das Haus wurde 1713 anstelle von zwei abgebrannten Häusern erbaut. Das von 1577 stammende Haus Nr. 11 „Zum schwarzen Löwen“ war im 30jährigen Krieg die schwedische Statthalterei. Das Hauptpostgebäude wurde  1892 bis 1895 im gotisierenden Stil erbaut.

Südlich des Platzes am östlichen Ende des Angers steht das Ursulinenkloster, das 1235 erst­mals erwähnt wird und seit etwa 300 Jahren von Ursulinen bewohnt. Weil sie hauptsächlich durch Unterricht und Erziehung wirken, entging ihr Kloster der Säkularisierung im vorigen Jahrhundert und ist heute der letzte Zeuge aus Erfurts vielfältigem Klosterleben.

 

Kaufmannskirche:

 

An der Nordostecke steht die evangelische Kaufmannskirche,  die als einzige Bürgerkirche zwei Türme hat. Im 11.. Jahrhundert wurde sie von reisenden friesischen Kaufleuten gegründet. Im Jahre 1522 predigte Martin Luther dort und am 18. April 1668 heirateten dort die Eltern Johann Sebastian Bachs. Das Lutherdenkmal vor der Kirche wurde 1889 von Schaper geschaffen.          

 

 

Johannesstraße:

 

 

Man geht rechts vorbei in die Johannesstraße,  auf deren Ostseite einst mächtige Waidjunkerhöfe gestanden haben. Einige von ihnen, so das spätgotische Haus „Zur Mühlhaue“ (Nr. 166) mit seiner ausdrucksvollen Eckquaderung und das Haus „Zum Mohrenkopf“ (Nr. 168) mit sehr schönen bildhaft dargestellten Bierlochsteinen, erzählen noch heute von der wirtschaftlichen Stärke ihrer Erbauer. Im Haus „Zum Stockfisch“ (Nr. 169), das 1607 auf den Kellergewölben seines gotischen Vorgängerbaues errichtet wurde, befindet sich das Stadtmuseum. Seine reich geschmückte Fassade mit dem prachtvoll verzierten Eingangsportal zeugt vom Reichtum der Waidhändlerfamilien. Über dem Portal wird in einem Steinrelief das Hauszei-  chen, ein Stockfisch, dargestellt.

Ein typisches Waidhändlerhaus ist das Haus „Zur Wachsenburg“ (Nr. 174), dessen Fassade heute verputzt ist. Es wurde im 15. Jahrhundert mit mehreren Dachböden zur Waidverarbeitung erbaut. Am Ende der Johannesstraße steht das Haus „Zum grünen Sittich und gekrönten Hecht“, das zwischen 1557 und 1584 durch den Umbau eines gotischen Hauses entstanden ist. Sein Erdgeschoß ist massiv, während die Obergeschosse in Fachwerkbauweise errichtet wurden. Die Giebelseite zeigt einen besonderen Fachwerkverbund, der „Wilder Mann“ genannt wird.

Man geht bis zum Johannesturm. und biegt nach links ab in die Augustinerstraße und zur Augustinerkirche und zum Augustinerkloster.

Vorher sieht man links in die romantische Kirchgasse, deren Häuschen nicht höher sein durften als die Klostermauer.

 

 

Augsutinerklsoter:

Das seit 1277 erbaute Augustinerkloster ist nach der Beseitigung der schweren Kriegsschäden eine sehenswerte gotische Klosteranlage. Die Kirche zeigt alle Besonderheiten der strengen Bauregeln des Bettelmönchsordens und hat wertvolle Glasfenster vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Hier lebte Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch. Erfurt gilt als Luthers geistige Heimat; hier begann er nach dem Studium der Rechtswissenschaften sein Theologiestudium. Am 17. Juli 1505 bat Luther um Aufnahme in das Erfurter Augustinerkloster, wo er über Jahre in strenger Askese und wissenschaftlicher Einkehr als Mönch lebte. Im Jahre 1507 weihte man ihn im Mariendom zum Priester.

Seit 1525 ist die Kirche evangelisch. Das Kloster wurde Ratsgymnasium und Waisenhaus.

Heute befindet sich hier die Augustinergemeinde, eine große Bibliothek und ein Tagungsheim. Mit der ständigen Ausstellung zum Leben des Reformators und der Lutherzelle ist das Augustinerkloster eine bedeutende Lutherstätte in Thüringen. Die Besichtigung des Klosters ist nur im Rahmen von Führungen möglich.

An der Kreuzung mit der Comthurstraße strh der Turm der 1744 abgebrochenen Nikolaikirche, auf dem bis in unser Jahrhundert hinein hat ein Türmer gewohnt und über der Stadt Wache gehalten hat.

 

Lehmannsbrücke:

Die Augustinerstraße überquert die Gera an der Lehmannsbrücke. Von hier sieht man eine künstlich angelegte Insel, durch die die Fließgeschwindigkeit der Gera erhöht wird. Das ist bei dem geringen Gefälle durch die Stadt notwendig, trieben doch die mehrfach verzweigten Flußarme im Stadtgebiet zeitweise über 50 Mühlen an. Seit dem Mittelalter wird das Wasser des Flüßchens mehrmals im Jahr umgeleitet, so daß bei dieser „Flußfege“ wasserbauliche Arbeiten vorgenommen werden können.

 

Comthurhof:

 

Man geht nach Süden an der Gera entlang. An der nördlichen Ecke mit der Schildgasse steht der  Comthurhof von 1570, der an die glanzvollen Zeiten des Deutschen Ordens erinnert.           

 

Dämmchen:

Durch die etwas weiter südlich gelegene Hütergasse kommt man über den östlichen Arm der Gera auf das Dämmchen. Das Haus „Zu den kleinen Füchsen und roten Hirsch“ aus dem 17. Jahrhundert (Hütergasse 13) wurde aus ursprünglich zwei Häusern zu einem Grundstück zusammengefaßt. . Am Wasserlauf ist eine Schöpfstelle und ein Waschplatz aus der „guten alten Zeit“ erhalten geblieben, während unter dem Fußgängerbrückchen letztens eine neue künstliche Insel angelegt wurde.

Am gegenüberliegenden Flußufer ragen die beiden Häuser der ehemaligen Armenburse über das Wasser. Einst war hier ein Internat, in dem mittellose Studenten der Erfurter Universität unterkommen konnten.

 

 

Haus „Zur Steinecke“:

Nach Süden kommt man in die Horngasse. Von der Brücke aus öffnet sich der Blick auf die Krämerbrücke, zu deren Schutz auch das um 1200 erbaute Haus „Zur Steinecke“ (Horngasse 4) diente. Es ist eines der ältesten Häuser der Stadt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts war es Universitätshospital, dann öffentliches Badehaus, danach wieder Wohnhaus, und heute beherbergt es die Restaurierungswerkstätten der Denkmalpflege.

 Von der kleinen Grünanlage am Wasser blickt man auf die seichte Flußdurchfahrt, die der Stadt den Namen gegeben hat: die Furt durch die „Erphe“, wie die Gera in frühmittelalterlicher Zeit genannt wurde. Unweit dieser „Erphesfurt“ hatte der Missionsbischof Bonifatius 742 ein Bistum gegründet und dies in einem Brief mit der Bitte um Bestätigung dem Papst mitgeteilt. Damit taucht der Name „Erfurt“ erstmals aus dem Dunkel der Geschichte auf und gleichzeitig die Nachricht, daß hier eine befestigte Burg heidnischer Bauern zu finden war. Seit alters her kreuzten sich im Schutze dieser Siedlung wichtige Handels- und Heerstraßen: die in West-Ost-Richtung verlaufende Via regia (von Paris nach Nowgorod) und die Nürnberger Geleitstraße, die in Nord-Süd-Richtung Norddeutschland mit Italien verband. Die Bundesstraßen 4 und 7 folgen zum Teil diesen uralten Wegen.

 

Futterstraße:

Durch die Horngasse kommt man in die Gotthardtstraße, auf der man nach rechts weiter geht und dann links in die Schottengasse. An ihrem östlichen Ende steht die Schottenkirche, deren barocke Fassade die einzige romanische Kirche Erfurts verbirgt. Auf der Schottenstraße geht man dann nach Süden bis zur Futterstraße.

Durch die Futterstraße führte einst die „Via regia“ in Richtung Nowgorod. Hier konnten sich die reisenden Kaufleute für die erste Reiseetappe mit Pferdefutter versehen, denn die hier wohnenden Bürger hatten ein heute vergessenes Gewerbe: sie waren Pferdefütterer. Wenn die Kaufleute aufgrund des Stapelrechts ihre Reise unterbrachen, mußten die Pferdegespanne versorgt werden. Die Futterhändler haben damit soviel Geld verdient, daß sie nach dem 30jährigen Krieg fast als einzige Bürger der Stadt Erfurt neue Häuser im Barockstil bauen konnten.

Die renovierte klassizistische Fassade des Kaisersaales fällt gleich auf. Es ist das alte Universitätsballhaus, das 1715 aus zwei älteren Gebäuden errichtet wurde. Im Jahr 1791 war die Uraufführung der Prosafassung von Schillers „Don Carlos“ und 1808 trafen sich Napoleon I. und Zar Alexander I. zum Fürstenkongreß in diesem Haus. Im Jahre 1891 wurde in ihm der Erfurter Parteitag der SPD abgehalten. Im Jahr 1994 wurde das traditionsreiche Haus als Kultur- und Kongreßzentrum mit gepflegter Gastronomie wieder eröffnet.

Schräg gegenüber (Futterstraße 2) steht das Haus „Zum Rebstock“, im Jahr 1451 vom Ratsherrn Otto Ziegler erbaut, der von seiner Reise ins Heilige Land einen Rebstock mitgebracht hatte. Das Haus Nr. 12 „Zum Würzgarten und Aron“ (1737) und das Haus Nr. 13 / 13a „Zum gekrönten Löwen und kleinen Wachsberg“ sind über den Kelleranlagen ihrer Vorgängerbauten errichtet worden.

 

 

Wenigemarkt:

Der Wenigemarkt ist von Bürgerhäusern des vergangenen Jahrhunderts umstanden ist. Der moderne Brunnen auf der Platzmitte zeigt spielende Knaben. Einst war dieser Platz der östlichste Marktplatz des Frankenreiches. Hier trafen sich die fränkischen und die slawischen Kaufleute zu Handel und Austausch.

 

Ägidienkirche:

Vom Wenigemarkt sieht man die letzte der vier Brückenkopfkirchen Erfurts, die Ägidien­kirche. Sie ist als Wegekapelle schon 1100 erwähnt worden, ihre steinerne Nachfolgerin

wurde 1321 - 1324 im Zusammenhang mit der Krämerbrücke erbaut und diente den reisen-

den Kaufleuten und ihren Begleitern zur Seelsorge und zum Empfang der Sakramente.

Durch den Torbogen, über dem das Kirchenschiff liegt, könnte man schon auf die Krämerbrücke gelangen. Da, wo heute ein romantisches Cafe zum Verweilen einlädt, beobachtete einst die Wachmannschaft der Brücke das geschäftige Treiben.

 

 

Haus „Zum alten Schwan“:

Man geht aber östlich um die Kirche herum und kommt noch einmal in die Gotthardtstraße, auf deren östlicher Seite das Haus Nummer 7 steht, der Gasthof. „Zum alten Schwan“, dessen Gebäude bis in das 15. Jahrhundert zurückgeht. In den Jahren 1769 bis 1772 wohnte hier der Dichter Christoph Martin Wieland, als er Professor an der Universität war.

 

Krämerbrücke:

Absoluter Star unter den Erfurter Bauwerken ist unumstritten die Krämerbrücke, mit 120 Metern die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas. Das heutige Bauwerk hat verschiedene Vorgänger. Um bei Hochwasser den Fluß überqueren zu können, wurde neben der Furt mehrmals eine hölzerne Fußgängerbrücke, im Jahre 1325 eine Brücke aus Stein errichtet, auf der von Anfang an die Händler ihre Krambuden aufschlugen. Nach einem Stadtbrand 1472 wurde sie durch Pfeilervorlagen und hölzerne Sprengwerke auf ihre heutige Breite von 18 Metern erweitert. Die Brücke überspannt mit mehreren starken Sandsteinbözen die beiden Flußarme, so daß ursprünglich 62 schmale, inzwischen auf 32 zusammengefaßte Häuser darauf Platz gefunden haben. Ost- und Westende der Brücke wurden durch Brückenkopf-Kirchen abgeschlossen, von denen nur noch die östliche Ägidien­kirche existiert, während die westliche Benediktikirche im vorigen Jahrhundert abgebrochen wurde.

Wenn man zwischen den kunterbunt zusammen gewürfelten Fachwerkhäusern entlanggeht, hat man nicht das Gefühl, auf einer Brücke zu sein - erst wenn man wieder seitlich an der Gera steht, kann man die gewaltigen Balkenkonstruktionen betrachten, auf denen die Bauwerke ruhen. . Einst boten die Händler nur nur Luxusartikel wie Gewürze und Arzneien, Färbemittel, Edelmetalle, Seide und Papier an. Eine Vielzahl von Hauszeichen lassen die phantasievollen Namen der Gebäude erkennen. Auch heute befinde sich hier viele kleine Geschäfte. Die Erfurter feiern ihre schöne alte Brücke jedes Jahr im Juni mit dem mehrtägigen Krämerbrückenfest.

 

 

Haus „Zum schwarzen Horn“:

Am Ende der Krämerbrücke ist links die die 1895 gebaute Rathausbrücke und rechts geht es in die Michaelisstraße. Hier steht auf der rechten Seite das Haus Nr. 48 „Zum schwarzen Horn“, im 15. Jahrhundert erbaut und Druckort vieler Flugschriften Luthers, auch seines ersten Gesangbuches. Im Jahre 1502 wurde hier zum ersten Mal nördlich der Alpen in griechischer Sprache gedruckt.

 

Alte Synagoge:

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Stadtviertel um die Michaelisstraße von jüdischen Kaufleuten bewohnt. Im Jahr 1458 wurde durch den Rat der Stadt aller jüdischer Besitz beschlagnahmt und die Juden der Stadt verwiesen. Erst 1810 erhielten sie wieder Zuzugsrecht. In der Waagstraße steht die alte Synagoge, die rund 1000 Jahre alt ist und erst beim Abbruch von Häusern wieder zum Vorschein kam. Doch nicht nur das Gebäude, das erst nach 1990 wiederentdeckt wurde, ist einzigartig. Ebenso beispiellos ist der „Erfurter Judenschatz“, der dort auf Dauer zu sehen sein soll. Der sensationelle Fund von 1998 sorgte bereits bei Ausstellungen in Paris, New York und London für Aufsehen. Dabei war der fast 30 Kilogramm schwere Schatz mit über 3.100 Silbermünzen, 14 Silberbarren, Silberbestecken und mehr als 600 Goldschmiedearbeiten ein Zufallsfund in letzter Minute. Entdeckt wurde er bei archäologischen Vorarbeiten für einen Neubau in der Altstadt. Fachleute datierten ihn auf das späte 13. und das frühe 14. Jahrhundert.

In der Umgebung des Fundortes lebten bis zum Pest-Pogrom von 1349 überwiegend Mitglieder der ersten jüdischen Gemeinde Erfurts. Deshalb liegt für Experten die Vermutung nahe, daß der Schatz einst aus Angst vor Vertreibung und Verfolgung vergraben wurde. Die gefundenen Schmuckstücke werden nun im Kellergewölbe der Alten Synagoge großzügig präsentiert. Dazu gehört auch ein kunstvoll gearbeiteter goldener Hochzeitsring, der mittlerweile zum Symbol für das Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“ wurde.

Das Schicksal des Gebäudes als Spiegelbild der wechselvollen jüdischen Stadtgeschichte dokumentiert das Museum im Erdgeschoß. Juden sind nach jüngsten Forschungen für Erfurt bereits im karolingischen 8. Jahrhundert nachgewiesen. Ältester schriftlicher Beleg dafür ist der im Obergeschoß gezeigte „Judeneid“ von 1183. Damit müßten Juden einst bei einem Rechtsstreit mit Nichtjuden ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.

Zu den ausgestellten jüdischen Handschriften gehört ferner die größte bekannte hebräische Bibel, ein Zeugnis der herausragenden Stellung der damaligen jüdischen Gemeinde. Sie sei trotz wiederholter Pogrome im mittelalterlichen Erfurt bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Gemeinden im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gewesen, erläutert Beese.

Einzelheiten zu ihrer Geschichte rückten jedoch erst in den vergangenen Jahren wieder stärker ins öffentliche Bewußtsein. Ein wichtiger Anstoß dafür war neben dem Schatzfund zweifellos die Wiederentdeckung des historischen Bethauses. Ein Foto aus der Zeit vor der Entdeckung zeigt am später nachgewiesenen Standort lediglich abenteuerliche Anbauten. Das sichtlich brüchige Gebälk eines Spitzgiebels war das Dach der Synagoge.

Erst der Marburger Bauforscher Elmar Altwasser hat das Gebäude 1992 zweifelsfrei als Ort des jüdischen Glaubens und Lebens identifiziert. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Synagoge, deren Anfänge bis in die Zeit um das Jahr 1100 zurückreichen, schon seit fast 650 Jahren nicht mehr. Nach dem Pogrom von 1349 machte ein Erfurter Kaufmann das beschädigte Gebäude zum Lagerhaus. In den zwölf Meter hohen Raum mit Tonnengewölbe wurden Toreinfahrten, eine Zwischendecke und im Keller ein Kreuzgewölbe eingezogen.

Seit dem 19. Jahrhundert gehörten die Räume zu Gaststätten in der Nachbarschaft. Im bunt ausgemalten Obergeschoß mit umlaufender Galerie spielten Musiker zum Tanz. So bewahrte jahrhundertelange Zweckentfremdung die Synagoge letztlich vor der Zerstörung. Anders als die am Stadtring gelegene Synagoge von 1884 überstand so das einstige Bethaus in der Altstadt das nationalsozialistische Pogrom von 1938. Es gilt heute als die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge in ganz Europa. Für 1,4 Millionen Euro ist sie in den vergangenen Jahren zu einem Museum und damit zu einem einzigartigen und sorgsam bewahrten Zeugnis jüdischen Lebens geworden. Im Oktober 2009 wurde das Museum eröffnet. Es ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 5 Euro.

 

 

Haus „Zum Güldenen Krönbacken“:

Weiter in der Michaelisstraße kommt man zum Haus „Zum Güldenen Krönbacken“ (Michaelisstraße 10). Die Erfurter Patrizierfamilie von Milwitz ließ es  in den Jahren 1534 bis 1561 umbauen, aber es geht auf weit ältere Vorgängerbauten zurück. Die An­lage ist noch gut erhalten und wird seit der Sanierung öffentlich als Kulturhof genutzt. Wechselnde Ausstellungen im ehemaligen Waidspeicher in der tiefen Hofanlage und im Wohnhaus ziehen das Interesse der Besucher an.

 

Michaeliskirche:

Es folgt die evangelische Michaeliskirche, I m Jahre 1183 gegründet hatte sie ihre große Zeit als Universitätskirche. Im Kirchturm hängt die älteste Erfurter Glocke, die 1380 gegossen wurde. Vom romantischen Kirchhof mit alten Grabmalen gelangt man über eine Treppe zur Dreifaltigkeitskapelle, die Bischof Johann Bonemilch von Laasphe im Jahr1500 bauen ließ. Dieser Sakralraum ist ein Ruhepunkt, wo Nachdenken und stilles Gebet ihren Platz haben.

 

Universität:

Rechts gegenüber stand die Erfurter Universiät“ (Michaelisstraße 39). Nur das Kielbogenportal des 1945 zerstörten „Collegium maius“ erinnert an die glanzvollen Zeiten der Erfurter Universität. Im Jahre 1392 wurde  sie durch den städtischen Rat als fünfte Universität im deutschen Sprachraum eröffnet und wurde sie schnell zur meistbesuchten in Mitteleuropa, da von Anfang an alle vier Fakultäten (Theologie, Philosophie, Medizin, Jura) zugelassen waren. Ihr berühmtester Student warvon 1501-1505 Martin Luther.´Im Jahre 1816 wurde die Universität geschlossen. Eine Neugründung erfolgte 1994. Heute ist in dem Gebäude das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland untergebracht.

 

 

Haus „Zur Großen Arche Noä“ und „Engelsburg“:

Eionstück weiter an der Nordseite der Furthmühlgasse steht das  1568 erbaute Haus „Zur großen Arche Noä“und „Engelsburg" (Michaelisstraße 38), dessen rechte Hausecke durch eine Rustikasäule geschützt wird. Hier lebte Adam Ries fünf Jahre lang. Sein berühmtes Rechenbuch wurde im Haus „Zum schwarzen Horn“ (Michaelisstraße 48) gedruckt.

 

 

Haus „Zum güldenen Stern“:

Man geht auf der Michalisstraße ein Stück zurück und biegt nach Westen in die Allerheiligenstraße ein. Das Haus „Zum güldenen Stern“ (Allerheiligenstraße 11) trägt auf seinem spätgotischen Erker die Jahreszahl 1459 in gotischer Schreibweise. Es war ein Wohnhaus und eine Druckerei, in der 1473 erstmals in Erfurt mit beweglichen Lettern gedruckt wurde (ein Ablaßbrief).

 

Waage-Gasse:

Gegenüber dem Haus Allerheiligenstraße 8 „Zum güldenen Sternberg“ (1519) mündet die Waagegasse mit einer langen Front stattlicher dreigeschossiger Speichergebäude aus dem (16. und 17. Jahrhundert in Fachwerkbauweise. Es waren Lagergebäude für die Waren, die auf dem Transport durch Erfurter Gebiet nach dem „Stapelrecht“ zum Verkauf angeboten werden mußten (Das Stapelrecht wurde 805 von Karl dem Großen der Stadt verliehen). Die Waagegasse ist in ihrem Verlauf mehrfach verschwenkt, die Grundrisse der Speichergebäude wurden dem Gassenverlauf angepaßt und die Einfahrten der Speicher sind so angeordnet, daß die oft mehrspännigen Fuhrwerke ohne Schwierigkeiten einfahren konnten. Heute sind in den meisten Speicherhäusern Werkstätten der Denkmalpflege untergebracht.

 

Haus zur Windmühle:

Weiter in der Allerheiligenstraße findet man das Haus Nr. 6 „Zur Windmühle“ aus dem 16. Jahrhundert (heute Musikschule). Interessant ist das Renaissanceportal, dessen Gewände abgeschrägt ist, um den Fuhrwerken die Einfahrt zu erleichtern. Über dem Portal sind zwei Löcher, in die Strohbündel als Verkaufssignal gesteckt wurden, wenn ein „gut neu Bier aufgetan“ war. Hier sei auch an die Tradition des Bierausrufers erinnert, der in vergangenen Zeiten die Qualität des hausgebrauten Bieres prüfte, bevor er in der Stadt das Gebräu durch Ausrufen anpries. An vielen alten Häusern sind die Bierlöcher noch heute zu sehen.

 

Turniergasse:

Einige Schritte weiter lohnt ein Abstecher in die Turniergasse. Die Häuser „Zur blauen Lilie“ und „Zum Hirschsprung“ (Turniergasse 4 und 15) sind prächtige gotische Wohnbauten. Im Haus „Zum Turniere“ (Turniergasse 17) hat Eulenspiegel einem Esel das Lesen beigebracht und damit eine Wette mit den Professoren der Universität gewonnen.

 

Engelsberg:

Wenn man in der Allerheiligenstraße weiter geht, komtm man zu der doppelgeschossigen Kelleranlage der „Engelsburg“. Hier sind noch romanische Reste aus dem Hospital zu finden. Nachdem es im 14. Jahrhundert an eine andere Stelle der Stadt verlegt wurde, gingen die Gebäude in Privatbesitz über. In der Zeit Luthers war der Arzt und Universitätsprofessor Georg Sturz Eigentümer der „Engelsburg“. Er stellte den Philosophen des Erfurter Huma­nisten­kreises um Crotius Rubianus ein Zimmer seines Hauses zur Verfügung. Dort wurden mindestens zwei der „Dunkelmännerbriefe“ (anonyme Streitschriften) verfaßt.

 

Allerheiligenkirche:

Am Ende der Straße steht die katholische Allerheiligenkirche aus dem 13./14. Jahrhundert.

Ihr unregelmäßiger Grundriß paßt sich der Straßengabelung genau an. Ursprünglich gehörte die Allerheiligenkirche zu einem Hospital.

 

Andreaskirche:

Auf der Marktstraße geht man nach Westen. An der Andreasstraße erblickt man die die evangelische Andreaskirche. Sie wurde schon 1182 erwähnt, jedoch stammt der heutige Bau aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Lange Zeit, von 1484 bis 1689, nutzten die Benediktiner-Non­nen aus dem ehemals gegenüberliegenden Kloster die Andreaskirche mit. Östlich schließt sich das historische Andreasviertel an, das seit dem 12. Jahrhundert von Handwerkern bewohnt wurde. Mit viel Liebe wurden die kleinen Häuser und romantischen Innenhöfe restauriert.

Langsam entsteht eine vergnügliche Mischung aus Kunst und Kommerz, die dem Andreasviertel einen ganz eigenen Reiz verleiht.

Der einzeln stehende Georgenkirchturm (1380) ist seit dem 30jährigen Krieg von der 1132 erwähnten Kirche übriggeblieben. Sie wurde von den schwedischen Truppen für die Verstärkung der Stadtbefestigung abgebrochen, der Kirchturm diente lange Zeit als Glockenturm für die Michaeliskirche.

 

Domplatz:

Man kommt zum etwa zwei Hektar großen Domplatz, einem der größten und schönsten Plätze in Deutschland. Die Nordseite des Domplatzes wird vom 1904 im neugotischen Stil erbauten Gerichtsgebäude beherrscht Der nördliche Teil war bis 1813 mit Wohnhäusern bebaut war, die bei den kriegerischen Auseinan­der­setzungen zwischen Preußen und Franzosen zerstört wurden. Der ursprüngliche Teil des Platzes ist mit Basaltsteinen gepflastert, während die ehemals bebaute Fläche mit Betonsteinen befestigt ist.

Auf dem Domplatz können Jahrmärkte und Wochenmärkte bequem zur gleichen Zeit abgehalten werden . Seit dem 8. Jahrhundert soll hier ein Handelsplatz gewesen sein. Jedes Jahr im Advent ist der Domplatz der Schauplatz eines der zauberhaftesten Weihnachtsmärkte des Landest.

Der Obelisk erinnert an den Besuch des Mainzer Erzbischofs J. K. F. von Erthal im Jahr 1777. Der Marktbrunnen mit der Minervafigur aus dem 18. Jahrhundert spendet Trinkwasser.

Auf der Südseite blieb die historische Bebauung erhalten. Bemerkenswert ist das Haus Domplatz Nr. 31, das Haus „Zur hohen Lilie“, welches im Jahr 1538 unter Verwendung älterer Hausteile gebaut wurde. Daneben steht die  1632 erbaute ehemalige „Grüne Apotheke“.

 

Mariendom und Pfarrkirche St.Severi:

Die dominierende Baugruppe auf dem Domplatz sind die beiden Kirchen auf dem Domhügel. Links der katholische Mariendom, der auf eine von Bonifatius um 742 gegründete Kapelle zu-

rückgeht. Sein Chor ruht auf einem gewaltigen Unterbau. mit dem der Domhügel erweitert wurde. Die Freitreppe mit 70 Stufen („Graden“ genannt) ist wie der Chorbau und der dreieckige Portalvorbau (Triangel) ein Werk des 14. Jahrhunderts. Im Inneren des Doms sind unter anderem sehenswert: Glasfenster, Chorgestühl (14. Jahrhundert), die romanische Stuckmadonna und der Bronzeleuchter „Wolfram“ (1160). Im mittleren Domturm hängt die große Glocke „Gloriosa“, 1497 gegossen, deren Klang zu hohen kirchlichen Festen weit über die Stadt schallt.

Die rechtsstehende katholische Pfarrkirche St. Severi entstand als Klosterkirche. Schon vor 836, als die Gebeine des Heiligen Severus (Bischof von Ravenna) nach Erfurt überführt wurden, war hier das Benediktiner-Kloster St. Paul. Der Bau der heutigen Kirche wurde 1280 begonnen. In der fünfschiffigen Hallenkirche findet man neben dem Severi-Sarkophag (1365), dessen Seitenwände den Lebensweg des Heiligen zeigen, eine Steinmadonna (1345) und einen 15 Meter hohen Taufstein (1467) und weitere Kunstwerke.

Das Ensemble von Mariendom und Severikirche bietet, vor allem abends festlich illuminiert, ein unvergessliches Bild. Auf den Domstufen findet in jedem Jahr das gleichnamige Festival statt. Jährliche Uraufführungen und die Inszenierung der Open-Air Domstufenfestspiele sind besondere kulturelle Highlights der Stadt.

 

Petersberg:

Man kann noch eine Abstecher machen auf den Petersberg, vorbei an Deutschlands jüngstem Opernhaus hinter dem Dom steht. Der Aufstieg belohnt mit einem Blick über das turmreiche Panorama Erfurts. Dazu sollte man bedenken, daß von den fast 90 Kirchen, Klöstern und Kapellen, die es um 1500 in der Stadt gab, nur noch 20 vorhanden sind. Aber nicht nur wegen des Rundblickes sollte man den Berg hinaufsteigen. Die alte Peterskirche ist 1103 - 1147 von Hirsauer Mönchen als Benediktiner-Klosterkirche erbaut worden. Die Mönche hatten das Recht - und die Pflicht - den König zu beherbergen, so daß einige Reichstage und Hoftage im Peterskloster stattfanden. Nach Jahrhunderten regen geistlichen Lebens wurde das Kloster während der Reformation nahezu von den Mönchen verlassen und durch den Festungsbau ab 1664 immer mehr eingeengt und 1803 säkularisiert.

Die Zitadelle, die von 1664 bis 1707 angelegt wurde, ist noch heute beeindruckend in ihren Ausmaßen und in weiten Teilen auch zugänglich. In ihrer langen militärischen Geschichte wurde die Zitadelle von Schweden, Kurmain­zern, Preußen und Franzosen beherrscht. Eine Ausstellung im ehemaligen Kommandantenhaus zeigt Soldatenalltag aus vergangenen Zeiten und ist gleichzeitig der Einstieg in die Minengänge, die im Inneren der Festungsmauern entlangführen.

 

Waidspeicher:

Vom südlichen Teil des Domplatzes geht es weiter durch die Mettengasse, die nach Osten abzgeht. Hier steht gleich am Anfang der Waidspeicher, wo früher aus den getrockneten Blättern der Waidpflanze (Isatis tinctoria L.) blauer Textil-Farbstoff gewonnen wurde. Seit dem

13. Jahrhundert wurde im Thüringer Becken Waid angebaut und nach der Ernte hauptsächlich nach Erfurt verkauft. Die getrockneten Blätter wurden mit Wasser und Urin begossen und zur Gärung gebracht. Nach dem monatelangen Reifeprozeß der Waidfarbe konnten die Waidhändler halb Europa mit dem fertigen Farbpulver beliefern. Bis etwa 1600 flossen durch den Waidhandel jährlich etwa drei Tonnen Gold nach Thüringen und machten die Region zu einer der reichsten im mittleren Europa. Durch den Import von tropischem Indigofarbstoff brach der Thüringer Waidhandel innerhalb weniger Jahrzehnte zusammen und die wirtschaftlichen Probleme konnten erst mit der Einführung des Erwerbsgartenbaues gemildert werden. Heute gibt es wieder eine kleine Waidfabrik in Neudietendorf bei Erfurt. Die erhaltenen Waidspeicher werden kulturell genutzt. Das Theater „Waidspeicher“ beherbergt Kabarett und Puppentheater.

 

Haus „Zum Sonneborn“:

Durch den Archehof, der von einem Märchenbrunnen mit den Bremer Stadtmusikanten bereichert wird, kommt man zur Querstraße „Großen Arche“. Ihrdominierendes Gebäude ist das „Haus zum Sonneborn“  von 1536 (heute Hochzeitshaus und Standesamt). Vom ursprünglichen Haus ist bei der Rekonstruktion nur weniges zu retten gewesen. Lediglich das prächtige Portal und im Inneren eine Bohlenstube mit Renaissancemalereien konnte neben einigem Fachwerk erhalten werden. Die Sgraffiti aus dem 16. Jahrhundert stellen Gerechtigkeit und Eitelkeit dar.

 

Predigerkirche:

Geradeaus und rechts herum kommt man durch die „Kleine Arche“ und links nach Osten in die Predigerstraße. Dort steht die evangelische Predigerkirche. Der einzeln stehende Kirchturm der abgebrannten Paulskirche ist heute Glockenturm für die Predigerkirche, wie die Kirche des Dominikanerordens genannt wird. Dieser Kirchenbau begann 1270 und dauerte bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Wenn die Möglichkeit zur Besichtigung besteht, sollte diese unbedingt genutzt werden.

 

Fischmarkt:

In der Predigerstraße nach Osten kommt man zum Fischmarkt, dem Mittelpunkt der Stadt. Bedeutende Bürgerhäuser von reichen Waidhändlern verleihen dem Platz einen besonderen Reiz Hier steht das neugotische Rathaus (1870 - 1875), das anstelle des gotischen Vorgängerbaus errichtet wurde und in seinem Inneren im Treppenaufgang und Festsaal von zahlreichen Wandgemälden zur Thüringer Geschichte und Sagenwelt geschmückt ist. Der Kaisersaal wurde 1715 erbaut, hier fand 1808 die Begegnung Napoleons I. mit Zar Alexander statt, heute ist hier ein Kultur- und Kongresszentrum.

Das Haus  Nummer 7, in der sich eine Kunstgalerie befindet, ist das Haus „Zum roten Ochsen“ (1562). Der Figurenfries über dem Erdgeschoß stellt die Wochentage und die griechischen Musen dar. Wesentlich bescheidener ist das Haus Nummer 6 „Zur güldenen Krone“, in dem von 1615 an die Posthalterei untergebracht war.

 

An der Nordseite des Fischmarktes fällt die      prächtige Renaissancefassade des Hauses „Zum breiten Herd“ (1584) auf. Die Brüstungsplatten über dem Erdgeschoß stellen die fünf Sinne dar: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen (von links nach rechts betrachtet). Fortgesetzt wird dieser Fries         am Gildehaus (1892 - 1893) mit der Darstellung der vier Haupttugenden: Gerechtigkeit, Klugheit, Mut und Mäßigung.               

 

Die Standfigur in der Mitte des Platzes gibt oft Anlaß zu Verwechslungen. Da Erfurt nie Freie Reichsstadt war, konnte auch     kein Roland aufgestellt werden. Der niederländische Bildhauer

Israel von der Milla schuf 1591 in städtischem Auftrag die Figur eines Kriegers mit den Insignien der römischen Republik. Der Unabhängigkeitsdrang des Rates und der Bürger kommt an dieser ungewöhnlichen Darstellung zum Ausdruck. Der „Mann auf der Säule“ steht an der Stelle, wo sich lange Zeit eine Darstellung des Heiligen Martin, Schutzpatron der Stadt. befand.

 

Kleine Synagoge:

Östlich hinter dem Rathaus findet man die inzwischen restaurierte „Kleine Synagoge“, die nach dem Umbau aus einem Privathaus von 1840 bis 1884 der wiederentstandenen jüdischen Gemeinde als gottesdienstlicher Versammlungsort diente. Nach dem Neubau der großen Synagoge am Karthäuserring (1884 geweiht, 1938 zerstört, 1952 wiedererrichtet) wurde die bisherige säkularisiert und als Essigfabrik und später als Wohnhaus genutzt. Nach dem Abschluß der Restaurierungsarbeiten wird die „Kleine Synagoge“ als multikulturelle Begegnungsstätte genutzt.

 

Steinernes Haus:

Unbedingt besuchen sollte man noch das „Steinerne Haus nördlich des Rathauses, in dem sich

die Tourist-Information befindet und das im Jahr 1469 mit typischem Fachwerkobergeschoß errichtet worden sein soll. In ihm befindet sich ein mehr als siebenhundert Jahre alter Saal, der erst im Jahre 2011 als Sensationsfund mittelalterlichen jüdischen Lebens entdeckt wurde. Der quadratische Raum mit wuchtigen, bemalten Deckenbalken und einer Lichtnische ist seit seiner Bauzeit im 13. Jahrhundert nahezu unverändert und damit ein außerordentlicher Glücksfall.

Der Bau erhebt sich über einem mittelalterlichen Keller, der zuletzt von Gerümpel befreit werden mußte und der anhand eines romanischen Portals bis in das 12. Jahrhundert zurückdatiert werden kann . Ein Innenportal aus dem 13. sowie eine Einwölbung aus dem 14. Jahrhundert, ergänzen den außergewöhnlichen Befund.

Als ein herausragendes und mögliches Zeugnis spätmittelalterlicher Wohnräume kann das erste Obergeschoß des Steinernen Hauses angeführt werden. Um 1300 geht aus den Quellen eine „caminata“ hervor. Eine Kemenate als typische Bauform eines Steinbaus könnte auf einen Raum im ersten Obergeschoß übertragen und eine Wohnnutzung angenommen werden.

Dafür könnte seine kulturhistorisch wertvolle Gestaltung sprechen.

Sowohl die erhaltenen Holzdeckenbalken als auch die Tannenholz-Deckenbretter weisen eine farbliche Fassung mit unterschiedlicher Ornamentik auf,  die Gutachten auf 1241/42 datieren. Künstlerisch wird die Bemalung als wenig grazil, aber von großer Bedeutung für die Kulturgeschichte eingeschätzt.

Weiterhin von herausragender Bedeutung ist der Stufengiebel im Dachgeschoß des Gebäudes, der die Raumsituation im Übergang vom Steinernen Haus zum Querhaus dominiert. Seine an dieser Stelle heute ungewöhnliche Plazierung und der gute Erhaltungszustand der Ober­flächen mit sichtbaren Ritzfugen resultiert aus der Überdeckung durch einen Anbau von 1385/86.

Der Gebäudekomplex gibt eine Vorstellung, wie reichere Bürger im späten Mittelalter wohnten. Auch die einfachen Deckenmalereien deuteten darauf hin, daß er als Wohnraum oder auch als repräsentativer Raum für Geschäftsabschlüsse genutzt wurde. Es muß ein betuchter Erfurter gewesen sein, der sich um 1250 das steinerne Haus errichten ließ. Gelegen an der wichtigen nord-südlichen Handelsstraße, schuf er sich auf etwa acht mal acht Metern Grundfläche einen Ort zum Leben und Arbeiten, als Wohnraum oder auch als repräsentativer Raum für Geschäftsabschlüsse. Offenbar wurde der Raum zeitweilig als Lager für Bohnensamen und Gerste genutzt, es wurden Saatgutreste gefunden. Viel später diente er wieder als Lager - diesmal der Kulturdirektion, die neben der Tourismusgesellschaft ihren Sitz im Gebäudekomplex hat.

Wer der Erbauer war und was er genau tat, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Erst ab 1293 ist durch schriftliche Aufzeichnungen bewiesen, daß sich das Gebäude in jüdischem Besitz befand. In diesem Jahr ist Salemon de Ascaphenborc als Besitzer des Hauses genannt. In jüdischem Besitz war es wenigstens bis zum Judenpogrom 1349, dann wieder ab 1370 bis 1458. Jedenfalls legte der einstige Besitzer offenbar Wert darauf, daß er im ausgeschmückten Raum im ersten Obergeschoß nicht „eingeräuchert“ wurde: Die erhalten gebliebene Nische, in der sich an einem Zwickel eine Öllampe aufhängen ließ, verfügte über einen eigenen Rauchabzug im Mauerwerk. Der Nachweis, ob und wie der Raum beheizt wurde, fehlt bislang.

Der mittelalterliche Gebäudekomplex ist über Hunderte Jahre aus mehreren Baugliedern zu­sammengewachsen. Der „Zum Paradies und Esel“ genannte Gebäudekomplex lag im 13. Jahrhundert in einem Quartier, welches vorwiegend von Juden bewohnt war. Nach ersten Erweiterungen 1366, 1371 und 1375 erfolgte 1639 die Vereinigung verschiedener Grundstücke und Bauglieder zum Komplex „Zum Paradies und Esel“, dem 1745 das Grundstück „Zum Rosen­kranz“ hinzugefügt wurde. Für das bekannteste Gebäude „Zum Paradies“ sind erste namentliche Zuordnungen und jüdische Besitzer für das Ende des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich.

Es handelt sich vermutlich „um den ältesten erhaltenen städtischen Wohnraum nördlich der Alpen“.  Im Thesenpapier des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie heißt es: „Der Gebäudekomplex Benediktsplatz 1 ist ein bedeutendes Objekt für die Kulturgeschichte. Zugleich muß es als frühes, charakteristisches und wohl nahezu singuläres Beispiel für die Stadtentstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines mittelalterlichen Gebäudekomplexes bis in die Gegenwart im mitteleuropäischen Raum angeführt werden“.

Seit etwa 20 Jahren sei den Denkmalpflegern klar, daß der achtmal acht Meter große Raum im Steinernen Haus etwas Besonderes sei. Bereits 1992 erfolgten in diesen Bereichen restau­ratorische, kunsthistorische und dendrochronologische Untersuchungen. Im Ergebnis wurde der Raum in etwa auf das Jahr 1250 datiert, und bestätigt, daß es sich um die Erstfassung handelt. Aber erst jetzt im Jahre 2011 haben sich die Forschungsergebnisse derart verdichtet, daß man damit an die Öffentlichkeit ging.

Das Haus ist neben der Alten Synagoge aus dem 11. Jahrhundert und dem vor wenigen Jahren wiederentdeckten Ritualbad Mikwe das dritte Zeugnis des einst reichen jüdischen Lebens in Erfurt. Und es ist neben den beiden religiösen Bauten ein weltliches Gebäude.

Damit sei es bei der geplanten Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Die Thüringische Landeshauptstadt strebt mit seinen Zeugnissen mittelalterlicher jüdischer Kultur, zu der noch ein Gold- und Juwelen-Schatz aus dem 14. Jahrhundert gehört, bis zum Jahr 2017 die Aufnahme in die Welterbe-Liste an.

Die von der UNESCO geforderte Authentizität und Integrität, also die historische Echtheit und die Unversehrtheit, sind hinreichend belegt. Nach weiteren Forschungsarbeiten wird eine Entscheidung über die zukünftige Nutzung getroffen. Mittelfristig könnten im Keller des Gebäudes die mittelalterlichen Grabsteine vom jüdischen Friedhof aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

Neue Mühle:

Vom Rathaus geht man nach Süden durch die Schlossergasse zur Neuen Mühle an der Gera, der letzten funktionstüchtige Wassermühle Erfurts. Erfurt war eine Stadt der Wassermühlen, mehr als 50 wurden von der Gera angetrieben. Eine der letzten ist die „Neue Mühle“, die heute als Mühlenmuseum eingerichtet ist. An dieser Stelle ist schon seit 1255 eine Mühle bekannt. Das heutige Gebäude stammt von 1826. Ganz neu ist die gläserne Ausfachung des Radhauses, damit das große unterschlächtige Wasserrad sichtbar ist.

 

Barfüßerkirche:

Nach rechts geht es dann weiter in der Schlosserstraße zur Ruine der 1944 zerstörten Barfüßerkirche. Im wieder aufgebauten Chor befindet sich heute das Museum für mittelalterliche Kunst. Die Klostergebäude dieser seit 1224 bestehenden Niederlassung der Franziskaner sind im Dreißigjährigen Krieg für die Gewinnung von Baumaterial abgebrochen worden.

 

Angerbrunnen:

Nach Süden geht man durch die Barfüßerstraße zur Regierungsstraße. Dort trifft man auf den Angerbrunnen von 1890, Die Figuren stellen Industrie und Gartenbau, den Erfurter Gewerbefleiß, dar. Hier steht auch die katholische Wigbertikirche mit einer schönen Rokokoausstattung. Unmittelbar im Anschluß an die Kirche befindet sich der Valentinerhof, der den Beginen, die fromm, ehelos und in Gütergemeinschaft lebten, als Wohnung diente. Nach der Reformation wurde dieses „Nonnenhaus“ geschlossen, und die Augustinermönche nutzten das Kloster von 1651 bis 1824.

Rechts blickt man zur Staatskanzlei. Das barocke Palais wurde als kurmainzische Statthalterei in den Jahren von 1711 bis 1720 unter Einbeziehung der Renaissancehäuser „Zum stolzen Knecht“ und .,Zur güldenen Flechte“ nach Plänen des Baumeisters Maximilian von Welsch ein errichtet. Heute ist in diesem Gebäude die Staatskanzlei des Landes Thüringen untergebracht. Unzählige Male hat Johann Wolfgang von Goethe, oft als Begleiter seines Herzogs Carl August, Erfurt besucht und dabei immer im Weimarer Geleitshaus (Regierungsstraße 72) gewohnt. Von hier aus schritt Goethe am 2.10.1808 zur Audienz bei Kaiser Napoleon, der in der benachbarten Statthalterei seine Residenz hatte. Die kleine Grünanlage wurde im 18. Jahrhundert angelegt und stand damals am Sonntag „anständig gekleideten Bürgern“ offen, wie auch die Assembleen bei Statthalter Dalberg. Er war der letzte Vertreter des Mainzer Erzbistums, denn nach dem Reichsdeputationshauptschluß wurde Erfurt im Jahr 1802 an Preußen angeschlossen. Nach links geht es auf den Anger.

 

Bartholomäuskirchturm:

Hier steht noch der Turm der 1182 erstmals erwähnten Bartholomäuskirche, die nicht mehr existiert. Er  trägt seit einigen Jahren ein Glockenspiel. Am untersten Geschoß befindet sich ein Epitaph aus der Zeit um 1510, der eine Ölberg-Szene mit Christus in Gethsemane darstellt.

Kulturvoll ging es zu im „Haus Dacheröden“ (Anger 37 / 38), das seinen Namen nach einem Eigentümer aus der Goethezeit hat. Der Tee-Salon der Tochter des Hauses zog so berühmte Gäste wie Goethe und Schiller an. Wilhelm von Humboldt entführte dann die schöne Caroline von  Dache­röden als Ehefrau nach Berlin. In Erinnerung an sie blieb der Name des Gebäudes, er verdrängte sogar die historischen Bezeichnungen des 1833 erneuerten Doppelhauses.

 

Angermuseum:

An der Kreuzung mit der Bahnhofstraße steht rechts  das leuchtend gelbe Angermuseum, das 1705 als kurmainzischer Pack- und Waage­hof zur Belebung des Handels errichtet wurde. und eines der wenigen Barockgebäude im Zentrum der Stadt ist. Seit mehr als 100 Jahren sind hier eine bedeutende Mittelalter­samm­lung, Landschaftsmalerei des 19. und 20. sowie Fayencen des 18. Jahrhunderts untergebracht. Nach rechts geht es dann wieder zurück in die Bahnhofstraße.

 

Die Tourismus-Gesellschaft Erfurt (Benediktsplatz 1) hat ein sehr informatives Faltblatt mit einem historischen Stadtrundgang herausgebracht, aus auch hier Informationen entnommen wurden. Allerdings ist dieser Rundgang ausgedehnter und länger. Aber er führt nur noch zu vier weiteren Punkten:

(39) Lange Brücke: Auch Friedrich von Schiller weilte häufig in Erfurt; Wohnung nahm er dann meist im Haus „Zum Bürgerstreit“ (Lange Brücke 36). Fast in letzter Minute konnte dieses Haus vor dem endgültigen Verfall gerettet werden, und es war der Anfang der Restaurierung des gesamten historischen Straßenzuges. Auch die mehr als 700 Jahre alte Sackpfeifenmühle am nördlichen Flußarm ist wieder zu einem Kleinod geworden. Eine Besonderheit ist der auf nur einen Ständer gestützte Erker von 1736.

(45) Haus „Zum güldenen Rade“:Eines der wenigen giebelständigen Häuser der Stadt findet man in der Marktstraße 50. Das Haus  „Zum güldenen Rade“ ist 1767 unter Einbeziehung weit älterer Bauteile errichtet worden. Im Hof befinden sich die Reste einer Tabakmühle aus dem 18. Jahrhundert.

(48) Venedig: „Venedig“ heißt eine schmale Straße im Norden, in deren Bereich sich die Gera in viele Arme verzweigt und wo früher sieben Mühlen standen. Die ungewöhnliche Straßenbezeichnung hat nichts mit der italienischen Lagunenstadt zu tun, vielmehr ist sie die Erinnerung daran, daß hier durch die früher häufigen Überschwemmungen ein sumpfiges Gelände war.

(49) Kornhaus: Für die Zeiten der Not wurde in den Jahren von 1465 bis 1473 in der Großen Ackerhofsgasse ein gewaltiges Kornhaus gebaut. Bis heute wird das große Haus als Lager genutzt.

 

 

 

Weitere Ziele:

Museum für Thüringer Volkskunde im ehemaligen städtischen Hospital von 1547, Dokumentation der Alltagskultur des 18. und 19. Jahrhundert in Thüringen

„Haus zum Roten Ochsen“: Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen moderner Kunst

Stadtmuseum: Ausstellungen von der ersten ur- und frühgeschichtlichen Ansiedlung bis zur Gegenwart

Egapark: Freigelände und Hallen an der Cyriaksburg, Schmetterlings- und Kakteenhaus, japanischer Garten und vieles andere mehr. Dazu das einzige Gartenbaumuseum Deutschlands auf dem Gelände des Egaparkes.

Tierpark am Roten Berg nördlich von Erfurt.

 

 

 

 

 

Weimar

Lucas Cranach, Friedrich der Weise, Friedich Myconius, Johann Gottfried Herder ... Namen, die mit Weimars Kirchengeschichte verbunden sind. Doch diese reicht Hunderte Jahre weiter zurück. Zu den frühesten Quellen gehören 300 Originalurkunden des Klosters Oberweimar, die sich im Thüringischen Hauptstaatsarchiv befinden und deren älteste aus dem Jahre 1244 stammt.

Die Kirche der Burg - an der Stelle des heutigen Schlosses gelegen - tritt erstmals in einer Oberweimarer Urkunde aus dem Jahr 1250 mit ihrem Geistlichen in Erscheinung. In einer Ablassurkunde von 1317 wird der heilige Martin als Schutzpatron genannt. Diesen hatten die Franken mit nach Thüringen gebracht, als sie hier seit dem sechsten Jahrhundert ihre Stütz- punkte ausbauten und Kirchen errichteten. Historiker vermuten deshalb, dass die Martinskirche auf der Burg im achten Jahrhundert (oder früher) errichtet wurde. Die Erklärung des Namens Weimar als „heiliges Wasser“  deutet zudem auf ein vorchristliches Heiligtum hin. So könnte hier nicht ohne Grund eine christliche Kirche errichtet worden sein, zu der ein größerer Pfarrsprengel gehörte.

Seit 1168 hatte das Jakobsviertel seine eigene Kirche, 1249 wird erstmals der Pfarrer zu St. Peter, also der Stadtkirche, genannt. So verlor der Geistliche auf der Burg noch im 13. Jahrhundert seine Pfarrereigenschaft und wirkte hauptsächlich als Kaplan der gräflichen Familie.

 

Neben dem Augustinerorden im „Rollbackhause“ (in der Rollgasse), in dem Luther gelegentlich abgestiegen ist, gab es im späteren Kornhaus (heutige Musikhochschule, Am Palais) seit Mitte des 15. Jahrhunderts die Bruderschaft der Franziskaner. In dieser empfing Friedrich Myconius, der spätere „Reformator Thüringens“, 1516 die Priesterweihe, acht Jahre darauf wurde er evangelischer Pfarrer und 1529 Superintendent in Gotha.

Luther predigte mehrfach in der Weimarer Stadtkirche. Von dieser aus ließ Kurfürst Johann der Beständige 1525 - nach dem Tode seines Bruders Friedrichs des Weisen - die Reformation im ganzen Land offiziell einführen, als der bisherige Mitregent das Weimarer Schloss verließ und mit seinem Sohn Johann Friedrich, der 1532 Kurfürst wurde, als neuer Landesherr nach Torgau und Wittenberg zog.

Bei seiner Antrittspredigt schaute Johann Gottfried von Herder 1776 von der Lutherkanzel der Stadtkirche auf die großen Altarbilder von Lucas Cranach und fühlte sich von den dort gemalten Zeugen der Reformationsgeschichte angezogen. Auf Goethes Vorschlag war der Philosoph, Theologe und Pädagoge durch Herzog Carl August auf die Stelle des Generalsuperintendenten und Ersten Predigers berufen worden, die er bis 1803 ausübte. Bereits 1850 wurde ihm als erstem der Weimarer Dichter ein Denkmal vor der Stadtkirche errichtet.

 

Goethes Wohnhaus am Frauenplan, ist fast immer die ultimative Anlaufstelle für Besucher der Stadt an der Ilm. Goethe selbst hat seine Residenz zu einem Gesamtkunstwerk geformt, hat Schätze und Sammelstücke aus aller Welt zusammengetragen. Besucher empfing der Herr Geheimrat im Juno- oder im Urbinozimmer - die Zimmer, in denen er seine Sammlungen verwahrte. Die dem Garten zugewandten Räume waren bestenfalls engsten Freunden und Familienangehörigen zugänglich und dienten dem Dichter als Refugium. Heute sind alle 24 Räume des Hauses der Öffentlichkeit zugänglich. Zuweilen sollte der Gast, wie schon zu Zeiten des Dichterfürsten, ein wenig Geduld mitbringen - wenn auch heute wegen der Beschränkung der Besucherzahlen. Die Wartezeit lässt sich jedoch hervorragend im angrenzenden Goethe- Nationalmuseum überbrücken, wo man auch an Tagen größten Ansturms meist noch Einlass findet und in einem hochinteressanten Schnellkurs eine Einführung in Leben und Wirken des Dichters, Forschers, Staatsmannes und Theaterintendanten Goethe erhält.

 Oder man begibt sich - zwecks Feldforschung und Stärkung von Leib und Seele - in Goethes Lieblings-Etablissement, das Gasthaus „Zum weißen Schwan“, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnhaus am Frauenplan auch heute wieder seine Gäste jederzeit mit weit offenen Flügeln“ begrüßt, wie schon der Meister im Jahre 1827 erfreut feststellte.

Wer abends nach der „Pflicht“ noch Kraft für die „Kür“ aufbringt, sollte sich über die Tourist-Info am Markt (neben dem CranachHaus) oder sein Hotel rechtzeitig Karten für das Deutsche Nationaltheater sichern. Hier war Goethe von 1791-1817 Intendant, hier wacht er bis heute über das kulturelle Leben der Stadt, auf dem Denkmalsockel vor dem Theater neben seinem Freund Friedrich Schiller stehend. Ein kleines Geheimnis wollen wir noch verraten: In Wirklichkeit war Goethe ein ganzes Stück „kürzer“ als sein junger Freund Schiller. Angesichts ihrer literarischen Bedeutung stellte der Bildhauer Ernst Rietschel die beiden Dichter gleich groß dar. So musste sich keiner der beiden im Grabe umdrehen - das sie sich im Übrigen ebenfalls teilen, in der sogenannten Fürstengruft auf dem historischen Friedhof von Weimar.

Ein gastfreundliches Völkchen waren die Weimarer schon immer, schließlich haben sie reichlich Übung darin. Als Bühne für zahlreiche Feste und Veranstaltungen hält die Klassikerstadt bis heute gerne her - vom Kunstfest im Sommer bis zum legendären Weimarer Zwiebelmarkt im Herbst. Einen vorläufigen Höhepunkt der Festivitäten bildete das Kulturstadtjahr 1999 - und einen willkommenen Anlass, mit Hilfe europäischer Fördergelder so manche Not leidende Fassade zu restaurieren. Millionen von Besuchern aus aller Welt präsentiert sich Weimar seitdem frisch herausgeputzt, als vorbildliche Museumsstadt, als Tagungsort oder als besonderer Ort für die unvergessliche Hochzeit im gotischen Rathaus am Markt. In jüngster Zeit wird das malerische Weimar verstärkt zur gefragten Filmkulisse. Besonders spektakulär waren für Weimars Bürger und Besucher die Dreharbeiten für den Ende 2006 ausgestrahlten Tatort-Krimi „Schlaflos in Weimar“. An jeder Ecke tauchte das Filmteam um den beliebten Leipziger Kommissar Ehrlicher auf, vom Dorint Hotel über die Villa Haar im Goethepark bis hin zur neuen Uni-Bibliothek. Seither werden immer häufiger Rufe nach einem eigenen Weimarer Tatort-Ermittlerteam laut. Eigentlich doch eine schöne Idee - abgesehen davon, dass im idyllischen Weimar das Verbrechen zum Glück eher nicht zuhause ist. Aber eine Kornmis­sarin Friederike Schiller mit Assistent Johannes Wolf- reizvoll wäre das schon!

(nach Marion Bröhl, Weimar, siehe „www.broehltxt.de“, herzlichen Dank für die Genehmigung)

 

 

 

 

 

 

 

 

Eisenberg

 

 

Kreisstadt und einstige Residenzstadt

Die einstige Residenzstadt Eisenberg ist die größte Stadt des Saale-Holzlandes und gleichzeitig Sitz der Kreisverwaltung. Besucher sind immer wieder überrascht von der angenehmen Atmosphäre des historischen Stadtkerns mit der gut erhaltenen Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert.

Besonderer Anziehungspunkt für Touristen ist das Schloß Christiansburg mit der barocken Schloßkirche, einer der schönsten Kirchenbauten Thüringens. Interessantes zur Stadtgeschichte erfahren Besucher im Klötznerschen Haus, dem Sitz des Stadtmuseums mit Kelleranlagen aus dem 13. Jahrhundert.

Eisenberg war Geburtsstadt berühmter Persönlichkeiten, so des Philosophen Karl-Friedrich Krause und des bekannten Künstlers Gunther Emmerlich.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Eisenberger Mühltal, welches durch seine oft überraschende landschaftliche Schönheit von Tausenden Natur- und Wanderfreunden besucht wird.

Die vormaligen Mahl- und Schneidemühlen wurden zu Gaststätten, Pensionen und einer Jugendherberge umgebaut.

Die Stadt Eisenberg liegt in einer anmutigen, von mäßigen Höhen umgebenen Landschaft, deren Vegetation teils aus Laub-, teils aus Nadelwald besteht. Mit über 11.500 Einwohnern ist Eisenberg die größte Stadt des Saale-Holzland-Kreises und Sitz der Kreisverwaltung. Direkt an der A9 Berlin-München und der B7, der wichtigen West-Ost-Verbindung Weimar-Jena-Altenburg, gelegen, ist die Stadt verkehrstechnisch günstig zu erreichen.

Eisenberg breitet sich zum größten Teil auf einer Hochebene aus, die sich in 280 Meter mittlerer Höhe von Westen nach Osten erstreckt. Im Süden und Norden fällt die Stadt steil in zwei Täler ab, in denen der Malz- und Raudabach fließen. Im Nordwesten befindet sich eine aus Muschelkalk bestehende bewaldete Anhöhe, die Beuche.

 

Ortsgeschichte:

Schon vor über 50.000 Jahren, in der Altsteinzeit, war das Gebiet um Eisenberg für Siedler interessant. Nördlich der heutigen Stadt, auf dem Etzdorfer Berg wurden Funde aus dieser Zeit gemacht. Auch spätere Perioden der Steinzeit haben ihre Spuren überall hinterlassen.

Im 7./8. Jh. begannen Slawen das Gebiet östlich der Saale zu besiedeln. Ortsnamen mit den Endungen -itz, -witz, -nitz erinnern an die slawischen Siedlungen. Auch die alte Stadt „Eisenberg” wird ursprünglich eine slawische Ansiedlung gewesen sein. Sie lag im Tal, nördlich der heutigen Stadt und nur der Flurname „Donitzschkau“ ist an ihr geblieben. Ob diese Stadt Eisenberg hieß, ist nicht bekannt. Ebenso ist nicht bekannt, woher der Stadtname stammt. Die alten Chronisten gehen davon aus, daß er von einem Ritter Iso abgeleitet wurde.

Der Bergsporn, auf dem in der zweiten Hälfte der Ostexpansion die neue Stadt angelegt wurde, war bis ins 12. Jahrhundert unbesiedelt. Ob sich auf ihm eine slawische Kultstätte befand, ist nicht eindeutig geklärt. Einzig der 14 Meter tiefe Schacht im Museum deutet darauf hin. Unweit des Schachtes, im gleichen Keller, befindet sich eine kreuzförmige, in Fels gehauene Krypta, die aus der frühen Missionszeit unseres Gebietes stammen könnte.

Die erste Missionierung scheint im 8./9. Jh. zu beginnen. Alte Missionsstraßen wie die alte Regensburger-, die Wein- und Salzstraße zeugen noch davon. Speziell das Patrozinium St. Peter soll im Dienste der Mission gestanden haben. Im 10. Jahrhundert wird als Missionar für unser Gebiet Boso aus St. Emmeram genannt.

Im Jahr 1189 wird die alte Stadt fast vollständig durch Brand und Plünderung zerstört. Weiter ist bekannt, daß Markgraf Otto der Reiche von Meißen 1171 die Stadt ummauern ließ. Die erste urkundliche Erwähnung „Ysenberchs“ stammt aus dem Jahr 1196. Dietrich, Graf zu Weißenfels verleiht dem Kloster Altenzelle den Zehnten von Weinbergen u. a. zu „Ysenberch“.

Dietrich der Bedrängte, Markgraf von Meißen verlegt 1219 ein Zisterzienserinnen-Kloster von Zwickau nach Triptis und dann nach Eisenberg. Es befand sich zwischen der neuen und der alten Stadt und ist heute vollständig abgerissen. Es wurde mit Einführung der Reformation in Eisenberg 1524 aufgelöst.

Im Jahre 1270 heiratete Markgraf Albrecht der Entartete Kunigunde von Eisenberg. Dieser Heirat ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Stadtrechtsverleihung im Jahre 1274 zu verdanken. Durch die Trennung des Hauses Wettin 1485 wurde die Stadt ernestinisch.

Nach Einführung der Reformation löste man 1524/25 das bestehende Nonnenkloster auf. In den Jahren 1527 und 1529 fand die erste und zweite Kirchenvisitation statt. Auf seinen Reisen zum Augsburger Reichstag 1530 und 1537 weilten Martin Luther und seine Begleiter Philipp Melanchthon, Georg Spalatin und der Berliner Hofprediger und Lutherschüler Johann Agricola in Eisenberg. Durch die Niederlage Johann Friedrichs des Großmütigen im Schmalkaldischen Krieg gehörte die Stadt sieben Jahre zum albertinischen Herrschaftsgebiet.

Der Naumburger Vertrag zwischen Ernestinern und Albertinern im Jahr 1554 beendet die albertinische Herrschaft. Von 1592 bis 1603 war Eisenberg weimarisch. Danach kam es zu Altenburg und 1672 zu Gotha. Im Jahre 1675 erwählte Christian, ein Sohn von Ernst dem Frommen, Eisenberg zu seiner Residenzstadt. Die Ämter Eisenberg, Camburg, Ronneburg und Roda wurden zum Herzogtum Sachsen-Eisenberg vereinigt. Dieses Herzogtum bestand nur 32 Jahre, bis zum Tode Herzog Christians 1707. In seine Regierungszeit fallen der Umbau des Eisenberger Schlosses und der Bau der schönsten Barockkapelle Thüringens.

Im 16. Jahrhundert kann man von einem regelrechten Aufschwung in der Stadt sprechen. Ob die Erweiterung der Stadtkirche, die Pflasterung des Marktes, der Bau wunderschöner Renaissancehäuser oder die Gründung von Innungen; das alles spiegelt einen gewissen Wohlstand wider. Mit der Wahl zur Residenzstadt 1675 durch Herzog Christian von Sachsen/Eisenberg rückt die Stadt regional wieder in den Mittelpunkt. Christian vereinigt die Ämter Camburg, Ronneburg, Roda und Eisenberg zu einem für die Zeit typischen Kleinstaat, der mit seinem Tode 1707 wieder erlischt.

Nach dem Tode Herzog Christians wurde Eisenberg wieder gothaisch, und 1862 kam es wieder zu Altenburg.

Nach dem Abdanken der Herzoglichen Familie werden der Freistaat Sachsen/Altenburg und 1921 das Land Thüringen gegründet. Die Stadt wird dem Land Thüringen angegliedert. Seit 1952 ist sie Kreisstadt. Mit der Gebietsreform am 1. Juli 1994 hat sich der einstige Landkreis Eisenberg erweitert. Heute umfaßt der neue Landkreis außerdem noch die ehemaligen Landkreisgebiete Stadtroda und Jena-Land. Der neue Landkreis nennt sich Saale-Holzland-Kreis.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich Eisenberg zu einem Industriestädtchen. Im Jahre 1796 wurde die Porzellanherstellung durch Heinrich Ernst Mühlberg begründet. Ihr folgten die Ziegel-, Etui- und Wurstwarenproduktion und Möbelbau sowie der Pianobau. Auch die zahlreichen Wurstfabriken hatten einen hohen Stellenwert in der Stadt. Dazu kam seit dem 19. Jahrhundert als wichtige Einnahmequelle der Fremdenverkehr.

Die wirtschaftliche Situation der Stadt Eisenberg wird von zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben geprägt, die zum Teil auf lange Traditionen zurückblicken können. Dazu gehören insbesondere die beiden Armaturenhersteller Sanitärtechnik Eisenberg GmbH und Kludi Armaturen Paul Scheffer GmbH und Co.KG, die Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, die Eisenberger Wohnmöbel GmbH und die Thüringer Pianoforte GmbH, die EWU Fleischverarbeitungsgesellschaft m.b.H. sowie viele andere. Weiterhin befindet sich in Eisenberg eines der modernsten orthopädischen Fachkrankenhäuser des Landes Thüringen.

Im Rahmen der vorausschauenden Planung von Gewerbeflächen ist die Stadt in der Lage, vor allem der sich gut entwickelnden einheimischen Wirtschaft die Möglichkeit zur Erweiterung zu bieten und den Ansiedlungswünschen anderer Interessenten Rechnung zu tragen.

Dem dient insbesondere die Erschließung eines Gewerbegebietes am nördlichen Stadtrand von Eisenberg mit einer Bruttofläche von 24 Hektar sowie einem zusätzlich ausgewiesenen Sondergebiet.

 Dieses Gewerbegebiet „Nord”, welches sich unmittelbar an bereits gewerblich genutzte Flächen anschließt, ist mit Betrieben der Holzverarbeitung, Metallbearbeitung und des Elektroanlagenbaues belegt.

Zusätzlich zu dem Gewerbegebiet „Nord”, das auch durch den Neubau einer Verbindungsstraße zur B7 unmittelbar mit der Autobahn A9 verbunden ist, stehen weitere Gewerbeflächen, insbesondere ein Industriegebiet in unmittelbarer Nähe des Autobahnanschlusses, zur Verfügung. Dabei handelt es sich um das 25 Hektar große Industriegebiet „In der Wiesen”.

Die Stadt Eisenberg unterhält ein breites Angebot an Sport- und Freizeiteinrichtungen, bei denen die moderne Stadthalle, das Freibad, das Hallenbad, das Sportzentrum Schortental mit Fußballplätzen, einer Tennisanlage sowie einem Schießsportstand des ortsansässigen Schützenvereins, ein Bowling-Center und mehrere Sporthallen erwähnenswert sind.

Kulturelles Kleinod der Stadt ist die 300jährige Schloßkirche, die bedeutendste barocke Schloßkapelle Thüringens, in der neben ihrer Nutzung als Kirche regelmäßig Konzerte und Ausstellungen stattfinden. Die Schloßkirche als Teil des Schlosses Christiansburg und der historische Schloßpark, der parkartig angelegte Tiergarten sowie der innerstädtische Friedenspark sorgen für einen hohen Anteil an Grünflächen in Eisenberg. Überregionale Bedeutung hat auch das landschaftlich romantisch gelegene Eisenberger Mühltal, dessen sieben Mühlen als Pensionen und Gaststätten bzw. Jugendherberge genutzt werden.

 

 

 

Das Eisenberger Stadtwappen

Das älteste bekannte Wappen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es zeigt schon Mauer, Tor und drei Türme. Die Helmzier, der Mohrenkopf, taucht erst im 16. Jahrhundert auf. Mauer und Türme sollen sinnbildlich Stadtfreiheit, Gemeinsinn und Kraftbewußtsein des Bürgertums darstellen.

 

 

Zeittafel zur Stadtgeschichte

1196  Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Eisenberg; Dietrich, Graf zu Weißenfels, verlieh dem Kloster Altenzelle den Zehnten von seinen Weinberge bei Camburg, am Jenzig, bei Kirchberg und

„zu Ysenberch”

1274  Erste Erwähnung städtischer Privilegien; Albrecht, Landgraf von Thüringen und Pfalzgraf von Sachsen, verlieh den Ratsherrn und den Bürgern Eisenbergs das Schultheißenamt; des Weiteren erhielt Eisenberg das erste Brauprivileg

1523  Einführung der Reformation in Eisenberg

1530 und 1537  Martin Luther weilt auf seinen Reisen zum Augsburger Reichstag (1530) und zur Tagung des Schmalkaldischen Bundes (1537) in Eisenberg, ihn begleiteten u.a. Philipp Melanchton, Georg Spalatin und der Lutherschüler und Berliner Hofprediger Johann Agricola

1550 -1561  Erste Pflasterung aller wichtigen Straßen, u.a. der Burgstraße, des Steinwegs und der Schloßgasse

1581  Erstmals durchgängige Pflasterung des Marktes

1591  Die Zahl von 197 Feuerstellen, davon 167 innerhalb und 30 außerhalb der Stadtmauer, läßt auf etwa 1000 Einwohner schließen

1675-1707  Regierungszeit Herzog Christians. Durch die Teilung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg entstand 1680 das Herzogtum Sachsen-Eisenberg mit Eisenberg als Residenzstadt

1796  Heinrich Ernst Mühlberg erhielt die Konzession zur Errichtung der ersten Eisenberger Porzellanfabrik

1813  Nach der Völkerschlacht bei Leipzig quartierte sich der russische Zar Alexander I. in einem Haus am Markt ein (später Buchhandlung Bauer); Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen, logierte im Gasthaus „Zum Bären”; Soldaten lagerten nach der Schlacht in und um Eisenberg; das Schützenhaus wurde als Lazarett genutzt

1823  Beginn des Klavierbaus in Eisenberg

1848/49  Bürgerliche Revolution; in Eisenberg wurde eine Bürgergarde aufgestellt; Reichstruppen besetzten die Stadt und schlugen den Aufstand nieder

1850  August Matthes gründete die erste Eisenberger Wurstfabrik; sie stellte Zervelatwürste her, die weithin bekannt wurden

1898  Gründung der Eisenberger Stadtwerke und Inbetriebnahme des Gaswerkes

1901/02  Bau des städtischen Wasserwerkes

1918  Die herzogliche Familie dankte ab; Eisenberg wurde dem Freistaat Sachsen-Altenburg angegliedert

1920  Eisenberg gehört zum Land Thüringen

1952  Aufgliederung des Landes Thüringen in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl; Eisenberg wird Kreisstadt

1989/1990  Friedensgebete in der Stadtkirche „St. Peter” und Demonstrationen der Bürger fordern Veränderungen in Stadt und Kreis

1990  Wieder zum Land Thüringen gehörend

1992  Schloßkirche zum 300-jährigen Jubiläum wieder geweiht; Abriß des letzten Eisenberger Porzellanwerks

1993  Einrichtung der Stadtbuslinie

1994  Jetzt 12.000 Einwohner - erneuter Kreissitz nach Gebietsreform - die ehemaligen Landkreise Stadtroda und Jena-Land sind hinzugekommen und bilden den neuen Saale-Holzland-Kreis; Neugründung der Stadtwerke Eisenberg; Abriß der Graugußgießerei; Einweihung des Feuerwehrgerätehauses

1995  Spatenstich für das Industriegebiet „In der Wiesen”

1996  800-Jahr-Feier; 100 Jahre Sanitätskolonne Eisenberg; Neugestaltung des Busbahnhofes; Wiedereröffnung des Hallenbades nach erfolgter Rekonstruktion

1997  Sanierung Steinweg; 90 Jahre Johanniter-Krankenhaus (Diakoniezentrum Bethesda); Eröffnung der Sporthalle am Friedrich-Schiller-Gymnasium

1998  Inbetriebnahme der neuen Kläranlage; 100 Jahre Stadtwerke Eisenberg; 100 Jahre Postamt Eisenberg; Einstellung der Eisenbahnstrecke Eisenberg-Crossen

1999   Seit 400 Jahren Superintendentur; Thüringer Produktdesign-Preis für Sanitärtechnik Eisenberg; Feierliche Einweihung des sanierten Hauses Bethesda

März 2002  Einweihung und Zertifikat für Biomasse Heizwerk „Ökotech” Juni 2002

140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Eisenberg;

Einweihung des Sportforums „Eisenberger Mohr” nach erfolgter Sanierung und Rekonstruktion von Stadion und Freibad.

Juli 2002  Fertigstellung von 20 neuen Sozialwohnungen in der Fabrikstraße

Juli 2003  Stadtkirche St. Peter erhält neuen Kirchturm

Juni 2004  Eröffnung der Stadthalle Eisenberg

 

 

Rundgang:

 

Beginn auf dem Rathausplatz:

 

01. Rathaus:

Im Jahre 1274 erhält Eisenberg das Stadtrecht und man beginnt mit dem Rathausbau.  Erste Erwähnung 1579 im Schlußstein über der Tür. Im 16. Jahrhundert erfolgen mehrfache Umbauten im Renaissancestil. Der Turm wurde 1702/03 erhöht und der Erker angebaut. Im Jahre 1912 erfolgt ein Anbau an der Nord-Ost-Ecke. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten fanden in den 90iger Jahren statt. Das Haus erhielt 1999 den Bundespreis „Schönstes Rathaus.

 

02. Mohrenbrunnen:

Wie der Eisenberger Mohr ins Wappen kam

Über dem ältesten Brunnen der Stadt, der auf dem kleineren Teile des durch Rathaus und Kirche in zwei ungleich große Flächen geteilten Marktplatzes, erhebt sich, aus einem einzigen Stück groben Sandsteins kunstvoll gearbeitet, ein Mohr mit einer Binde über den Augen und in der Hand ein Trinkgefäß haltend, aus dem an schönen Sommertagen ein Strahl Wasser weit hinauf in die blaue Luft springt. Seit dem Jahre 1727 steht das alte Steinbild hinter dem Rathaus.

Dem alten Mohrenbilde ist aber eine besondere Ehre geschehen. Sein Kopf mit der Binde über den Augen ist nebst drei Türmen in das Stadtwappen übergegangen. Der Mohr selbst, ist das Wahrzeichen der Stadt geworden. Wie die Sage berichtet, hat sich das so zugetragen:

„Vor vielen hundert Jahren, als noch die Grafen von Eisenberg in dem alten Schlosse hausten, hatte sich einer dieser Grafen von einem Kreuzzuge nach dem Heiligen Lande einen Mohren als Diener mitgebracht. Wegen ihrer Treue waren die Mohren hoch geschätzt.

Lange Zeit hatte er nun auch dem Grafen treu und ehrlich gedient, als eines Tages dessen Gemahlin ihre kostbare, goldene Kette vermißte und trotz allen Suchens nicht wiederfinden konnte. Von den gräflichen Dienern war an dem Tag, an dem die Kette verlorenging, nur der Mohr um die Gräfin und in deren Zimmer gewesen. Auf diesen fiel daher sogleich der Verdacht, die verschwundene Kette entwendet zu haben. Auf der Stelle wurde er verhört, gefangen genommen und obwohl er unter Tränen und Flehen seine Unschuld beteuerte, zum Tode verurteilt.

Die Vollziehung des Urteils wurde noch auf den selbigen Nachmittag festgesetzt. Als die Stunde der Enthauptung des sonst treuen und ergebenen Dieners herannahte und viel Volk sich vor dem Palaste versammelte, um den armen Sünder sterben zu sehen, ward es der Gräfin ängstlich und schwer ums Herz. Sie zog sich allein in ihr Gemach zurück und suchte ihr klopfendes Herz zu beruhigen. Da fiel ihr Auge auf das schwere Gebetbuch, das dort am Fenster auf dem kleinen kunstvoll geschnitzten Betschemel lag.

Sie kniete nieder und löste hastig die schweren Goldspangen, die das Buch geschlossen hielten und jetzt mit scharfem Geräusch aufsprangen. Da, wie sie einige Blätter umgeschlagen hatte, klirrte es plötzlich, und aus den Blättern heraus fiel ihr zu Füßen die verlorene Kette. Entsetzt fuhr sie empor. Der Mohr war also doch nicht ein Dieb, er war unschuldig, und unschuldig sollte er gerade jetzt sein Leben um ihretwillen hingeben. Rasch stürzte sie davon und entsandte die wenigen im Palast gebliebenen Diener nach dem Richtplatz. Es war noch nicht zu spät gewesen.

Der Graf schenkte dem Mohren die Freiheit. Um aber seine grundlos geschändete Ehre wieder her-zustellen, nahm der Graf den Kopf des Mohren mit der Binde über den Augen in sein Wappen auf. Zur ewigen Erinnerung an die berichtete Geschichte stellten später die braven Väter der Stadt dem armen Mohren über ihrem ältesten Brunnen ein steinern Standbild auf: das Wahrzeichen der Stadt Eisenberg.”

 

03. Superintendentur:

Das Haus wurde 1599 von dem Stadtschultheiß Sebastian Schlagk erbaut. Es hat eine seltene Spindeltreppe im Treppenhausturm. Später gehörte das Haus der Familie von Maltitz. Nach Reparaturen im Jahr 1725 dient es seit 1728 als Superintendentur. Die Fassade und der kunstvoll gestaltete Erker wurden 1930 erneuert. In den Jahren 1975-1986 wurde das Gebäude von der Kirchengemeinde restauriert.

 

04. Markt:

Gebäude Markt 13/14 (Nordseite)

Südseite Stadtapotheke (Markt):

Nach den großen Pestwellen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde hier eine Apotheke errichtet. Im Jahre 1677 wird der Kämmerer und Apotheker Abraham Pietsch als Besitzer erwähnt.

Nach ihm ging das Haus an die Schultheißenfamilie Beyer über, worauf die Inschrift über dem großen Tor zur Apotheke hindeutet.

 

05. Kollergang einer Porzellanfabrik (zwischen Rathaus und Stadtkirche)

 

06. Evangelische Stadtkirche St. Peter (Patrozinium: 29. Juni)

Die Stadtkirche „St. Peter“, auch Marktkirche oder Peterskirche genannt, entstand vermutlich aus einer Kapelle gleichen Namens, die 1219 bei der Gründung des Zisterzienserinnenklosters erwähnt ist. Sie wurde im Zuge des Wachstums der „neuen Stadt“ mehrfach umgebaut.

Der Kirchenbau besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen, die verschiedenen Epochen entstammen: dem spätgotischen Chor (laut Inschrift eines Kreuzigungsreliefs am Außenbau von 1494), dem Kirchenschiff, das laut Inschrift an der Südseite der Kirche 1585 erbaut wurde, und dem Turm, dessen Datierung ungewiß ist.

Da beim Neubau des Kirchenschiffs 1585 ein Schlußstein aus dem abgerissenen Mittelschiff in den Eingangsbereich des Turmes eingebaut wurde, muß der Turm schon gestanden haben. Er ist auch aus anderem Gestein als das Kirchenschiff und der Chor.

Während die Turmmauern womöglich von der Kapelle aus dem 13. Jahrhundert stammen, sind die romanisch nachempfundenen Fenster vermutlich später entstanden (1878-1880). Der Dachreiter - ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert - wurde 1967 wegen Baufälligkeit abgerissen und 2003 vollkommen neu errichtet. Dank eines immensen Spendenaufkommens und großzügiger Förderung durch die Stadt Eisenberg (Städtebauförderprogramm) konnte er im Juli 2003 wieder auf das Dach der Kirche gesetzt werden.

Von außen scheint die Kirche den Grundriß eines Kreuzes aufzuweisen. Die Sakristei und ihr gegenüber die Herzogskapelle von 1677-1710 erzeugen den Eindruck eines Querhauses.

Beim Gang um die Kirche entdeckt man auf der Südseite über dem Eingang Petrus mit dem Schlüssel, den Namenspatron der Kirche, ferner eine Inschrift: „Anno 1585 ist diese Kirche in Gottes Namen zu bauen angefangen, steht nun in Gottes Hand. Zu Sankt Peter ist sie genannt. Die Zeit regieret Schulthes Johann Pezolt, Johannes Beier, Johan Schuman.“ Eine überlieferte Mitteilung bestätigt diese Angaben: „Das alte enge Kirchlein sey gänzlich abgebrochen bis auf den Chor und wiedererbaut den 21. März 1586.“ Am Stützpfeiler des Chores auf der Südostseite befindet sich ein eigenartiges Steinrelief, dessen Deutung unsicher ist. Handelt es sich hier um die Darstellung des gegeißelten Jesus vor Pilatus mit Dornenkrone, Geißel, Lanze und der inzwischen völlig verwitterten Überschrift: „Ecce homo“ (Sehet der Mensch)? Oder ist hier der Auferstandene dargestellt mit einem Siegeskranz und als weiteren Zeichen des neuen Lebens vielleicht Aronstab, Lilie und Palmwedel? Schon im 18. Jahrhundert tauchten die beiden Deutungs-Möglichkeiten auf.

 

Setzt man den Rundgang fort, so findet man zwei weitere Steinreliefs der gleichen Art: die Kreuzigung Jesu an einem Gabelkreuz mit der Jahreszahl 1494 und nach Norden hin St. Sebastian am Baum mit zwei Soldaten. Geht man weiter um den Sakristeianbau herum, ist ein Relief zu sehen, dem des St. Peter über dem Südportal ähnlich, Christus mit der erhobenen Rechten.

 

Betritt man die Kirche von Westen her durch den breiten Turm, gelangt man durch die kleine Eingangshalle - in der als ein Zeuge der alten Kirche der Schlußstein grüßt (1585 dort eingebaut) - in das geräumig wirkende Kirchenschiff. Der breite, flachgedeckte Saalraum ist an drei Seiten von einer hölzernen Empore auf schlanken Säulen umgeben. Sowohl über als auch unter der Empore beleuchten rundbogige Fenster den Raum.

Ein spitzbogiger Triumphbogen trennt den bedeutend schmäleren Chorraum vom Kirchenschiff. Den Altarraum überspannt ein gotisches Gewölbe. Den Ansatz der Rippen bilden verschiedene figürliche Verzierungen, im Scheitel sitzt ein Schlußstein.

Man kann sich heute kaum vorstellen, daß die Kirche einmal zwei Emporen hatte, bevor sie 1878-1880 unter Leitung des Baurates Enger, Altenburg, umgestaltet wurde. Damals stellte man die Empore auf gußeiserne Säulen, die heute ein prägendes Element der Kirche bilden. Aus dieser Zeit stammen auch die Wappenfenster im Kirchenschiff. Die jetzige farbige Gestaltung erhielt die Kirche 1989/90. Den Mittelpunkt des gotischen Chores bildet das Gabelkreuz. Wie ein Wegweiser nimmt es die Blicke des Besuchers gefangen. Es wurde 1918 auf dem Boden der Eisenberger Gottesackerkirche (heute katholische Pfarrkirche) gefunden und kam danach in die Stadtkirche. Treten wir näher heran, erblicken wir den leidenden, sterbenden Christus, der die Worte des Psalms 22 sprechen könnte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Doch seine Arme und das dahinter befindliche Gabelkreuz erinnern an den Lebensbaum und somit an die Auferstehung. Darum sollten wir wohl hören, wie er sagt: „Es ist vollbracht.“

Die Altarbilder aus der Werkstatt des Samuel Claus entstanden in den Jahren 1622-1629. Die Altarbilder sind wahrscheinlich nicht alle von dem gleichen Maler gemalt worden. Sie stellen jedoch deutlich einen Zyklus dar. Man kann die Unterschiede erkennen, aber auch die Querverweise. So sind manche Personen mehrfach abgebildet- nicht an den Gesichtszügen, aber an der Kleidung erkennbar. Beispiele: Johannes beim Abendmahl auf Jesu Schoß. Johannes unter dem Kreuz hat sich Jesu Mantel umgelegt. Maria als junge Mutter, Maria unter dem Kreuz trauert um ihren Sohn. Über der Predella mit der Darstellung des Heiligen Abendmahles konnte je nach Kirchenjahreszeit die Geburt Christi, die Kreuzigung oder das Pfingstereignis wechselweise angebracht werden. Sie schmückten bis 1880 den Altar und sind heute im Kirchenschiff zu sehen. Die Predella mit der Abendmahlsdarstellung hing immer dort. Die anderen drei Bilder - Weihnachten, Karfreitag, Pfingsten - wurden je nach Kirchenjahreszeit darüber aufgehängt. Das bedeutet, daß das Pfingstbild die längste Zeit im Jahr zu sehen gewesen sein muß. Der jetzige Altar wurde 1880 vom Hofbildhauer G. Kühn aus Eichenholz gefertigt.

Den Taufstein aus Marmor stiftete 1880 von Marie Prinzessin Albrecht von Preußen, geborene Prinzessin von Sachsen-Altenburg.

Gegenüber befindet sich die Kanzel, die 1880 gemeinsam mit dem jetzigen Altar nach Plänen des Baurates Enger, Altenburg, vom Hofbildhauer G. Kühn aus Eichenholz gefertigt worden ist. Sie ist verziert mit dem lehrenden Christus und den vier Evangelisten. Wahrscheinlich predigte Martin Luther bei seinen gesicherten Aufenthalten in Eisenberg am 7./8. April 1530 und am 10./11. März 1537 in der Stadtkirche. Verbürgt ist seine Kritik am Kirchengesang in Eisenberg. Dabei erregten jedoch nicht die Stimmen, sondern das Gemisch von Latein und Deutsch in den Chorälen sein Mißfallen. Die lutherischen Lehren fanden auch in Eisenberg offene Ohren (schon 1523, wenn auch nicht ganz unwidersprochen).

Im Chorraum leuchten die farbigen Fenster, die von links nach rechts „Anbetung der Weisen“, „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und „Jesus trägt das Kreuz“ darstellen. Sie stammen wohl von 1719.

Blickt man nun ins Kirchenschiff zurück, sieht man die 1889 im neugotischen Stil durch die Brüder Poppe gebaute Orgel, in deren Innerem sich jedoch ein Werk der Firma Böhme, Gotha, von 1977 befindet, mit 2 Manualen und 21 Registern. Auf der Empore hängen einige große Bilder von Superintendenten, die daran erinnern, daß Eisenberg seit 1606 Sitz einer Superintendentur ist.

Anläßlich der Wiedereinweihung der Kirche 1990 wurde die Petrusplastik der Künstlerin Elly Viola Nahmmacher gestiftet. Sie fand seinen Platz unter der Orgelempore. Der sinkende Petrus wird von Christus gehalten. Ihm sind der Schlüssel, Symbol für die Vollmacht, Sünden zu vergeben, aber auch der Hahn, in Erinnerung an die Verleugnung des Herrn, zugeordnet. Die Fische erinnern an den Auftrag, Menschen zum Glauben zu rufen, und die Rosen an die dreimalige Frage nach der Liebe. Sie sind gewiß nicht nur an Petrus zu richten, sondern an alle, die für andere Verantwortung tragen.

 

07. Klötznersches Haus (heute Stadtmuseum):

 

Nach Osten in die Rosa-Luxemburg-Straße:

 

08. Haus Bauer (Ecke Markt):

Das Haus wurde um 1750 durch  Prinz Johann Adolph von Sachsen-Gotha gebaut. Dieser hatte geplant, das Häuserviertel Markt - Rosa-Luxemburg-Straße abzureißen und einen Stadtpalast zu errichten. Am 22. Oktober 1813 übernachtete der russische Zar Alexander I. in diesem Haus. Er soll sich sehr über eine aufgeplatzte Thüringer Bratwurst gefreut haben.

 

09. Altes Amtshaus (Südseite)

 

10. Knabenschule (Nordseite)

 

11. Ehemaliges Gymnasium (Nordseite):

Im Jahre1688 wurde durch Herzog Georg Christian ein Lyzeum gegründet, das 1871 in ein Progymnasium und 1875 ein humanistisches Gymnasium umgewandelt wurde. Es wurde nach ihrem Gründer dann „Christianeum“ genannt und im Zuge der sozialistischen Schulreform 1965 in eine erweiterte Oberschule umgestaltet. Schüler dieser Oberschule und Lehrlinge aus Eisenberg schlossen sich 1952 zu einer Widerstandsgruppe zusammen, die als „Eisenberger Kreis“ bekannt wurde. Die Gruppe existierte bis 1968 in Eisenberg und in Jena und machte mit verschiedenen Aktionen auf die kommunistische Diktatur aufmerksam. Im September und Oktober 1958 wurden 24 Mitstreiter dieser Gruppe in Gera zu insgesamt 114 Jahren Haft verurteilt.

 

Nach Südwesten in die Burgstraße:

 

12. Fabrikantenvilla:

Moritz Kretschmann ließ diese  Fabrikantenvilla 1893 erbauen. Ab 1925 ließ der neue Besitzer, der Porzellanhersteller Max Schiller, die Veranda, den Wintergarten und weitere Gebäudeteile errichten. Nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten erstrahlt die Villa heute wieder im alten Glanz.

 

 

 

13. Krausedenkmal:

Der Entwurf für diesen Obelisk aus rotem Sandstein stammt von dem Geheimen Baurat Engel aus Altenburg. Das Bronzemedaillon schuf der Dresdener Bildhauer Robert Henze. Anläßlich des 100. Geburtstags im Jahre 1881 wurde das Denkmal eingeweiht. über dem Bildnis Krauses befinden sich in goldener Schrift seine letzten Worte. Im Jahre 1902 wurde der Platz zu Ehren dieses bekannten Philosophen in „Krauseplatz umbenannt. Karl Christian Friedrich Krause, geboren  6. Mai 1781 in Eisenberg, gestorben 27.September 1832 in München

 

14. Hofgärtnerei Döll:

Das Hofgärtnerhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde wahrscheinlich von Wilhelm Döll (1799-1860) errichtet. Er war von 1826-1860 Hofgärtner am Eisenberger Schloß. An dem Gebäude befanden sich links und rechts kleinere Anbauten, in denen die exotischen Pflanzen des Schloßgartens überwinterten und Arbeitsgeräte gelagert wurden.

 

 

15. Stadtmauer

 

16. Schloßpark Laboratorium:

Für seine alchemistischen Experimente ließ Herzog Christian von Sachsen-Eisenberg um 1700 ein Laboratorium errichten. In dem zweigeschossigen Bau befand sich u.a. ein Schmelzofen. Das Gebäude wurde 1843 abgerissen und die jetzt noch vorhandenen Reste bei der Restaurierung 1998 freigelegt.

 

Weiter in den Schloßpark:

 

17. Schloßpark und Residenzschloß:

Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist an dieser Stelle eine Burg nachweisbar. Sie war durch ihre Lage an der Grenze der Markgrafschaft Meißen strategisch bedeutsam

und mit einem Graben gut geschützt. Die Burg wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach  umgestaltet. 1589 errichtete man die „Neue Küche“. Von der mittelalterlichen Burg und dem Renaissance-Schloß ist heute nur noch der Westflügel erhalten (Haus I).

In der Zeit, als Eisenberg die Residenzstadt Herzogtums Sachsen Eisenberg war (1680 -1707), ließ Herzog Christian das Bauensemble verändern. Das Schloß wurde zu einer barocken Dreiflügelanlage umgestaltet und zwischen 1679 und 1692 wurde an der Ostwand des Schlosses die Schloßkirche angebaut Zu diesem Schloßkomplex gehören heute ebenfalls der zweigeteilte Schloßpark mit Bogengarten, das Laboratorium, der Küchengarten mit Pavillon und die Büste Herzog Christians.

 

18. Die evangelische Schloßkirche St. Trinitatis der Christiansburg zu Eisenberg

(Patrozinium: Sonntag nach Pfingsten).

Die barocke Baukunst, Ausdruck absolutistischen Denkens und Fühlens, entfaltete sich in Deutschland nach dem Dreißig-jährigen Krieg (1618-1648). In ihrem sinnenfrohen Schmuckwerk zeigen sich in der Eisenberger Schloßkirche sowohl Frömmigkeit als auch das wieder erstandene große Repräsentationsbedürfnis der von „Gott eingesetzten Herrscher“. Die Schloßkirche spiegelt auch auf sehr deutliche Weise den nachreformatorischen Wandel des kirchlichen Raumes wider.

Nicht der Altar allein, sondern auch die Kanzel als Ort der Predigt  rücken in den Mittelpunkt religiöser Andacht. Es kommt zur Ausbildung des Kanzelaltars.

Eine Betrachtung der Schloßkapelle, herausgelöst aus der Gesamtheit des ehemaligen Residenzschlosses, ist baugeschichtlich nicht zu vertreten. Zu eng hängt der 1677 begonnene Umbau der bestehenden Anlage in ein zeitgemäßes barockes Wunschlos mit dem Bau der Kapelle zusammen.

Mit dem Tode Herzog Ernsts I. von Sachsen/Gotha entstanden durch die Erbteilung seiner sieben Söhne, gleich viele neue Nebenresidenzen. Diese Bauten werden noch heute als Brüderbauten bezeichnet. Christian, Herzog von Sachsen/Eisenberg bezog 1676 die baufällige Burg und begann schon ein Jahr später mit dem Umbau des Marstalles. Bis zur Fertigstellung der Schloßkapelle im Jahr 1692 folgten noch unzählige Baumaßnahmen am Schloß, der Kapelle und dem angrenzenden Park.

Als die beiden wichtigsten fürstlich-sächsischen Baumeister werden Johann Moritz Richter d. J. und Christian Wilhelm Gundermann genannt. Nach umfangreichen bauarchäologischen und denkmalpflegerischen Untersuchungen kann man sagen, daß große Teile der alten Burg in das Barockschloß integriert wurden.

Dies ist zum Beispiel durch Höhenunterschiede der Fußböden im Schloß oder durch die gotischen Kelleranlagen unter der Schloßkirche nachgewiesen worden. Die Bautätigkeit unter Herzog Christian endete 1692. Er hatte sich so hoch verschuldet, daß er versuchte durch Schatzsuche, Bergbau, Alchemie und zuletzt sogar durch Geisterbeschwörung an Geld zu kommen. Mit seinem Tode 1707 hinterließ er ein Stück Thüringer Barockgeschichte, die noch heute ihresgleichen sucht. In den Jahren 1679-92 wurde die Schloßkirche (eine sogenannte Querkirche) an der Ostwand des Schlosses. gebaut

 

Die erste nachweisliche Restaurierung wurde im Jahr 1901 durch Herzog Ernst von Sachsen/ Altenburg in Auftrag gegeben. Schon hier waren gravierende Schäden an der Malerei durch Feuchtigkeit zu verzeichnen. Im Zuge der Arbeiten wurde auch ein neuer Fußboden in die Kapelle eingebaut. Der historische Sandsteinboden genügte nicht mehr den Ansprüchen der Zeit.

 

Da dieser Mosaikboden in einem dunkelrot bis braunen Farbton ausgelegt war, müßte auch die Farbfassung im Kirchenraum angepaßt werden. So wurden die korinthischen Säulen mit einer rot/braunen Marmorierung gestaltet.     

 

Eine Restaurierung der illusionistischen Malerei an den Wänden war anscheinend zu kostspielig. Deshalb fertigte man davon unzählige Schablonen an, die 1990 im Stadtmuseum wiederentdeckt wurden. Nur mit diesen war es möglich, die 1958 entfernten Malereien zu rekonstruieren. Diese waren der Restaurierung 1958/59 aus finanziellen Gründen zum Opfer gefallen. Viele Heimatfreunde versuchten damals der Zerstörung Einhalt zu gebieten. Am Ende siegte das nicht vorhandene Geld und die illusionistisch bemalten Wände wurden abgewaschen und mit einem Latexanstrich überstrichen. Auch der reiche Stuck in der gesamten Kapelle bekam einen Latexanstrich. Vergleicht man Fotos oder Postkarten aus der Zeit vor der Restaurierung, wirkt die Kirche 1959 hell und freundlich. Aber zu welchem Preis?

Schon in den 60er-Jahren traten wieder Feuchtigkeitsschäden auf. Außer einem Bericht ist nichts überliefert. Etwa. 20 Jahre später ereignete sich dann das Unfaßbare. Die Decke mit dem monumentalen Deckengemälde hatte sich über die fast 300 Jahre zwölf Zentimeter gesenkt - ein Baufehler aus der Barockzeit. Zwei riesige morsche Balken waren durch die Wand über der Orgel gerutscht und hatten mehrere Quadratmeter Freskomalerei heruntergerissen. Das alles war über die Orgel gestürzt. An verschiedenen Stellen im Putz war Hausschwamm zu sehen.

Von der staatlichen Bauaufsichtsbehörde wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt. Aufgrund vieler Besucher aus dem In- und Ausland wurden trotzdem im Eingangsbereich Führungen gemacht. Obwohl die Schloßkapelle auf der Sonderliste von DDR-Denkmalen steht, war an eine Reparatur des Dachstuhles nicht zu denken. Finanzielle Mittel waren vorhanden, was es nicht gab, sind Material und Baufirmen. Die Kirche wurde schon 1921 städtisches Eigentum. Gottesdienste waren dort noch bis 1958. Dann wurde sie instandgesetzt und Teil des Kreisheimatmuseums; sie diente auch als Konzerthalle.

Im Jahre 1989 warf die politische Wende ihre Schatten voraus. Durch den Jenaer Architekten Fritz Bürglen wurde ein Sanierungskonzept für den Dachstuhl erarbeitet. Drei Eisenberger Baufirmen erklärten sich spontan bereit, die Reparaturen durchzuführen.

Fast übergangslos, mit Einführung der D-Mark, kamen für die Kapelle die ersten Fördermittelbescheide für die lange ersehnte Restaurierung. Das Landesamt für Denkmalpflege Erfurt wählte die Eisenberger Schloßkapelle als Vorzeigeobjekt für eine professionelle Restaurierung mit ansässigen Firmen aus. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt wurde eine lückenlose Finanzierung der Arbeiten gewährleistet. Auch Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kamen zum Einsatz. Unter Leitung des Architekten Dieter Müller aus Blankenhain wurde in nicht einmal zwei Jahren die gesamte Kapelle restauriert, viele Neuerungen wurden eingebaut. Am 1. Advent 1992, pünktlich zum 300. Jahrestag des Kirchenbaues, wurde sie wieder feierlich geweiht.

 

Kurze Führung: Betritt man den Schloßhöfe von Norden, ist es zuerst der mächtige achteckige, mit welscher Haube und Laterne versehene Turm der Kapelle, der ins Auge fällt. Aber auch das Schloßportal aus rotem Sandstein mit den beiden kolossalen, korinthischen Säulen, den vier Kolossalpilastern und den beiden Balkonen bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu der schlichten Fassade. An den rechteckigen Türblättern der Kapelle heißen lateinische Verse den Besucher willkommen: „Christus ist die Himmelstür, der das ewige Licht schenkt.” und „Christus nur der Weg ist mir, der zur Himmelsfreude lenket.”. Die Tür selbst ist von einem gesprengten und in Voluten auslaufenden Giebel bekrönt.

Tritt man nun über die vier nach unten führenden Stufen in den Innenraum der Kapelle, blickt man zuerst auf schlanke korinthische Säulen. Die umlaufenden Säulenpaare tragen die beiden Emporen mit ihren niedrigen, geschlossenen Brüstungen. Da die Kapelle als Querkirche, also ein Bau dessen Breite die Länge übertrifft, gebaut wurde, wirkt sie auf den ersten Blick etwas gedrungen. Der Chor ist vorgesetzt, in ihm befinden sich Kanzelaltar und Orgel.

Links und rechts an den Chorwandpfeilern sind die Epitaphien der beiden Herzoginnen angebracht. Rechts das Bildnis von Christiane von Sachsen/Merseburg (1659-1679), der ersten Frau Herzog Christians, und links das seiner zweiten Frau, Sophie Marie von Hessen/Darmstadt (1661-1712). Der Totenkopf mit den gekreuzten Gebeinen ist das „Memento mori“ (Denke an den Tod) des Barock. Die Portraits mit der herzoglichen Krone werden von Putten gehalten und sind in schwere Lorbeerkränze gefaßt.

Das Altarbild Mariä Verkündigung stammt von Hofmaler Benjamin Block. Darüber befindet sich die Kanzel des Altars als fortlaufender Teil der ersten Empore. Der Schalldeckel wird von zwei Engeln gehalten auf dem nochmals drei mit den Leidenswerkzeugen Christi stehen. Auf gleicher Höhe hinter der Kanzel befindet sich der Sockel der Orgel mit den Klaviaturen und Registerzügen. Das darüber befindliche Brustwerk wird von der Kanzel verdeckt. Das Oberwerk der Orgel ruht auf dem Mittelpunkt der oberen Emporenbrüstung.

Der Kontrakt zum Bau wurde 1683 mit dem Leipziger Orgelbauer Christoph Donat geschlossen. Er beinhaltete den Bau einer zweimanualigen Orgel mit 21 Registern. Schon 1731 waren größere Mängel über die Jahre aufgetreten. Der Altenburger Orgelbauer Tobias Gottfried Heinrich Trost erhält den Auftrag die Orgel zu reparieren und umzubauen. Die Donat-Trost-Orgel zählt zu den bedeutendsten Instrumenten im thüringisch-sächsischen Raum.

Kaum zu sehen ist das Kuppelgemälde über der Orgel. Es stellt das 4. Kapitel aus der Johannisoffenbarung mit den 24 Ältesten dar. Der Entwurf dafür stammt vom kurfürstlich-sächsischen Hofmaler Johann Oswald Harms. Er entwarf zwischen 1684 und 1687 auch das monumentale Deckengemälde mit einer Darstellung aus dem 6. Kapitel der Johannisoffenbarung und die vier in den Ecken befindlichen Evangelistenbilder in einem neutralen braunen Grisailleton auf rosafarbenem Untergrund. Im unteren Teil zeigt das Deckengemälde die vier apokalyptischen Reiter, die Seuchen, Krieg, Hunger und Tod bringen; ihnen folgt die Hölle. In der Mitte des Gemäldes thront Gott. Im oberen Teil des Bildes erhalten die Seelen der um des Wortes Gottes Willen Erweckten weiße Kleider.

 

Zwei Verträge von 1684 und 1685 sagen aus, daß Harms auch die Säulen marmorierte, das Gemälde im Fürstenstuhl mit einer Szene aus dem 1. Kapitel der Offenbarung des Johannes malte und die 20 Embleme schuf, die in plastischen Lorbeermedaillons aus Stuck, unter den Emporen zu sehen sind. Das querovale Pfingstgemälde unter der Fürstenempore wird ebenfalls Harms zugeschrieben. Das Altarbild in der Fürstenempore, die Kreuzigung Christi darstellend, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von Benjamin Block.

Die Dekoration an der Vorderseite der Empore ist ein Zusammenspiel an Perfektion. Hier haben die Maler und italienischen Stukkateure eine Glanzleistung vollbracht, um den bedeutendsten Teil des Kirchenraumes zu schmücken. Das lorbeerbekränzte Bildnis Herzog Christians wird als Zeichen seiner Macht von Putten getragen und Palmwedeln gerahmt. Darüber schweben drei weitere Putten, die die herzogliche Krone und das Sachsen/Eisenberger Wappen halten. Kartuschen und Vorhänge rahmen auch die Wappen seiner beiden Frauen, die auch von Putten flankiert werden.

Die Modelliertechnik des Stucks zeigt besonders hier die jahrhundertlange Erfahrung der italienischen Stukkateure. Die aus Oberitalien stammenden Künstler Bartholomeo Quadro und Giovanni Caroveri hatte Herzog Christian 1683 vertraglich gebunden. Nach dem Tode Quadros wurden noch Christoph Trill (Tavillo/Farillo), Nicola Carchani und Giovanni Batta Carchani verpflichtet, die bis 1692 die Ausgestaltung der Kapelle vollendeten. Die Maler Michael Krippendorf und Georg Schilbach gestalten ab 1690 sämtliche Wandflächen mit Palmetten, Festons und floralen Motiven. Am 1. Advent 1692 wurde die Schloßkirche feierlich geweiht.

 

Nach Norden in die Schloßgasse:

 

19. Haus Fritzsche (Ecke Karl-Liebknecht-Straße):

 

 

20. Geburtshaus der Brüder Heineccius (Heinecke) (Ostseite):

In diesem Haus wurden der bedeutende Jurist und Philologe Johann Gottlieb Heineccius und sein Bruder, der  Historiker und Theologe Johann Michael Heineccius, geboren. Beide erlangten überregionale Bedeutung.

Prof. Johann Gottlieb Heineccius * 11.Sept. 1681 in Eisenberg, ???? 31. Aug. 1741 in Halle/ Saale

Prof. Johann Michael Heineccius * 14. Dez. 1674 in Eisenberg, ???? 11. Sep. 1722 in Halle/ Saale

 

21. Schlagksches Haus (Ecke Markt):

Der Name des Hauses, erbaut 1573, leitet sich von dem ersten Besitzer, dem Eisenberger Stadtschultheiß Sebastian Schlagk (+1603) ab. Die Steine zum Bau sollen von der Jakobskapelle stammen, die unweit Eisenbergs an der Klosterlausnitzer Straße stand. Spätere Besitzer gaben dem Gebäude den Namen Baltharsches oder Hundertmarksches Haus.

 

Nach Westen in den Steinweg:

 

22. Gäblersches Haus (Süd-West-Ecke des Marktes):

Eine im Hausflur gefundene Tafel mit der Jahreszahl 1604 weist auf das genaue Baudatum des Gebäudes hin. Das Sitznischenportal im Hof scheint ebenfalls aus dieser Zeit zu stammen. Um 1730 wurde eine Familie Gäbler als Besitzer genannt. Der Umbau des Hauses um 1900 zerstörte fast völlig die Renaissancefassade.

 

23.  Gasthaus „Schwarzer Bär“ (Nordseite)

24.  Reichspost (Nordseite): Heute Stadtbibliothek

25.  Geburtshaus Karl Eduard Bi…, Kupferstecher (Ecke Wächtergasse):

 

26. Alter Friedhof, katholische Pfarrkirche St. .Mariae Verkündigung, Erbbegräbnis Mühlberg

Die heutige katholische Pfarrkirche „Mariae Verkündigung“ vor dem Steintor wurde 1666-1668 als evangelische Kirche für den Hospital-Gottesacker erbaut. Seit 1837 hat sie nach mehreren Umbauten in etwa die heutige Gestalt. Im Jahre 1910 wurde im Norden der Stadt der heutige Friedhof angelegt und die Kirche somit als Friedhofskapelle nicht mehr benötigt. Die Evangelische Kirche verkaufte sie an die Stadt. Als nach 1945 viele katholische Umsiedler nach Eisenberg kamen, wurden die Räumlichkeiten im Pfarrhaus Jenaer Straße zu klein. So erhielt die Katholische Pfarrgemeinde am 11. November 1949 die Kirche durch Pachtvertrag zur Nutzung. Der ehemalige Friedhof wurde zum „Friedenspark“ umgestaltet. Seit 1992 befindet sich die Kirche im Eigentum der Katholischen Pfarrgemeinde.

 

 

27. Schützengasse:

Über die Friedrich-Ebert-Straße kommt man zum Schützenplatz. Dort geht es rechts in die Schützengasse mit den Häuser der Familie „Bier-Schmidt“

 

 

 

28. Lindenstraße:

 

 

29. Die evangelische Dorfkirche St. Salvator in Saasa

An der heutigen B7 in Richtung Jena liegt das kleine, eingemeindete Dorf Saasa mit seiner Dorfkirche. Erstmals urkundlich erwähnt wurde diese 1259. Damals gehörte das Dorf zum Amtsbereich des Zisterzienserklosters von Petersberg. Seit 1559 wird die Saasaer Gemeinde von Eisenberg aus verwaltet und geistlich betreut. Im Jahre 2003 wurde Saasa auch kirchlich nach Eisenberg eingemeindet.

Die jetzige Kirche ist wahrscheinlich auf der Grundlage einer älteren Kapelle erbaut worden; geweiht wurde sie am 1. Adventssonntag 1749. Aus der alten Kirche stammt noch der achteckige Taufstein aus grauem Alabaster. Bei einer Innenrestaurierung in den 60er-Jahren wurde mit den Emporen leider auch der alte barocke Kanzelaltar entfernt. Die Orgel der Gebrüder Poppe aus Roda stammt aus dem Jahr 1863.

 

 

30. Das Eisenberger Mühltal

Das zwischen der Stadt Eisenberg und Bad Klosterlausnitz gelegene acht Kilometer lange Mühltal zählt zu den bekanntesten Tälern des Saalelandes. Heute lauscht man im Mühltal vergebens dem Klopfen und Rasseln der Säge- und Mahlmühlen. Statt dessen erwarten die Mühlen ihre Gäste mit kulinarischen Leckerbissen und Unterkünften. Das Eisenberger Mühltal ist bei Wandergruppen sehr beliebt. Busgruppen werden am Eingang des Mühltals mit Pferdekutschen (Kremserwagen) abgeholt.

Wenn man von Kursdorf kommt, ist die Reihenfolge der  Mühlen wie folgt: Robertsmühle (noch im Bau, geplant ein Mühlen-Miniaturpark im Maßstab von 1:20), Schössersmühle, Amtsschreibermühle, Walkmühle, Pfarrmühle (Waldhotel), Froschmühle (Jugendherberge), Naupoldsmühle (mit Mühlenmuseum), Meuschkenmühle, Gasthaus Milo Barus (gehörte einst Milo Barus, einem der stärksten Männer der Welt, heute Gasthaus).

 

 

 

Holzland: Handwerkskunst und schöne Traditionen

Thüringer Holzland - das klingt nach Wald, Stille, aber auch nach den Rufen der alten Waldarbeiter, Köhler und Fuhrleute. Das Thüringer Holzland umfaßt historisch 8 Orte rund um das staatlich anerkannte Heilbad Bad Klosterlausnitz und die Stadt Hermsdorf. Der Waldreichtum, die reizvollen Täler und Gründe, Fachwerkhäuser, Mühlen und das Holzhandwerk prägten das Gebiet.

Entlang tief eingeschnittener Täler liegen schmucke Straßendörfer und tief im Wald versteckte, kleine Siedlungen. Fachwerkhäuser verleihen den Ortschaften ein markantes Aussehen. Vom handwerklichen Geschick der Holzländer zeugen kunstvolle Schmuckgiebel, Fachwerkkonstruktionen, Bohlenstuben und schöne Hofanlagen, die immer wieder zum Staunen und Verweilen einladen.

Eine besondere Tradition im Holzland hat das Leitermacherhandwerk. Neben Leitern werden viele andere Holzprodukte gefertigt: Mulden, Kuchenbretter, Holzschieber, Rechen, Schubkarren, Dachlatten oder Holzschindeln. Heute sind die Holzländer mit ihren Produkten auf Märkten und Volksfesten anzutreffen.

Im weiteren Sinne gehört zum Holzland das ausgedehnte Waldgebiet zwischen den Städten Eisenberg, Stadtroda, Neustadt/Orla und Gera. Beliebte Wanderziele sind das Eisenberger Mühltal, der Zeitzgrund, die Tälerdörfer rund um die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf. Ebenso laden der Leubengrund bei Kahla und der Reinstädter Grund zum Wandern ein. Jedes der Täler hat einen eigenen Charakter, gemeinsam ist die große Anzahl verschiedenster Mühlen.

Für die Holzländer hat das Maibaumsetzen die gleiche Bedeutung wie für die Kölner der Karneval. Sehenswert ist das Maibaumsetzen in Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz  (Pfingstmontag), Tautenhain (Pfingstsonntag), Weißenborn (Pfingstdienstag), Hermsdorf(zwei Wochen nach Pfingsten).  Die Orte wetteifern jedes Jahr um den höchsten Mai-baum. Das Fest beginnt mit dem Umlegen des alten Maibaumes.

Die Burschen ziehen im weißen Hemd, mit Schärpe und blauer Schürze mit Kutschen, Blasmusik und Liedern in den Wald, um den neuen Baum zu holen. Der Baumstamm und der Gipfel werden unter Anleitung des Richtmeisters aus dem Wald getragen. Am nächsten Tag wird der Maibaum gesetzt. Der Gipfel wird an den Stamm angeschuht. Die Burschen sammeln bei den Mädchen bunte Bänder, um den Baum zu schmücken. Es gibt einen Umzug. Blasmusik und viele Stände umrahmen den feierlichen Akt des Maibaumsetzens. Der alte Maibaum wird zusammen mit Holzwaren aus dem Holzland versteigert.

Das alle zwei Jahre wiederkehrende Strohfest in Gernewitz/Stadtroda ist das größte Volksfest im Saaleland. Es steht für den landwirtschaftlichen Charakter und die schönen, gepflegten Dörfer der Region. Mittelpunkt des Strohfestes ist der Wettbewerb im Strohfigurenbauen. Anläßlich des Strohfestes ist der gesamte Ortsteil Gernewitz mit den verschiedensten Strohfiguren geschmückt. Die nach dem Fest auf den Feldern vor den Toren der Stadt stehenden Strohfiguren sind lange Zeit beliebtes Fotomotiv. Für das Fest wird die gesamte Strohernte des ortsansässigen Agrarunternehmens benötigt. Höhepunkt des Strohfestes ist der Festumzug. Untermalt wird das Strohfest von einem attraktiven Bauernmarkt, einem reichhaltigen Kulturprogramm und vielen anderen Höhepunkten.

 

Bad Klosterlausnitz: Ein Kleinod für Erholung und Entspannung

Das staatlich anerkannte Heilbad, Bad Klosterlausnitz, ist die Perle des Holzlandes. Das 1932 gegründete Moorbad zieht seit Jahrzehnten Heilung und Erholung suchende Gäste an. Das Moor für die Heilbehandlungen wurde früher im Hochmoor von Bad Klosterlausnitz gestochen. Neben den Kurkliniken steht den Gästen das Kurmittelhaus mit ambulanten Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Eine Besonderheit sind auch heute noch Naturmoor-Anwendungen. Der allgemeinen Erholung und Entspannung dient der „Sauna-Wellnesspark mit Soletherme“ in Bad Klosterlausnitz. Er verdankt seinen Namen den fünf Tonnen verarbeiteten Halbedelsteinen und führt den Ruf eines Wellnessbades mit einer vielfältigen und großzügigen Saunalandschaft. Für seine hervorragende Qualität wurde die Sauna 2004 mit dem Prädikat „Europa-Sauna“ ausgezeichnet.

 

 

Die Wälder, die tiefen Täler und das Hochmoor laden zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren ein. Erholung Suchende finden ein breites Angebot an Privatunterkünften, Hotels und Pensionen. Der schöne Kurpark in Bad Klosterlausnitz lädt zu Entspannung und Erholung ein.

Die Kirche in Bad Klosterlausnitz einst gehörte sie dem Augustiner Chorfrauenstift.

 

Bürgel: Das Töpferhandwerk als Zeugnis traditioneller Künste

Von Dornburg aus erblickt man das malerische Gleistal und erkennt am Horizont die Kirchturmspitze der Töpferstadt Bürget. In elf Töpferwerkstätten wird auch heute noch die über die Grenzen Thüringens hinaus bekannte Keramik mit dem blau-weißen Dekor hergestellt. Im Keramikmuseum der Stadt können sich Besucher über die Geschichte des Töpferhandwerkes in der Region informieren. Seit 450 Jahren werden hier ohne Unterbrechung Gefäße aus Ton hergestellt, vielfältig in Formen und Farben. So auch die beliebte und markengeschützte blau-weiße Bürgeler Keramik.

 

 

Thalbürgel

Die Talmühle in Thalbürgel diente einst als Klostermühle des Benediktinerklosters. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle zum gegenwärtig existierenden Gebäudekomplex umgebaut. Sie ist heute ein technisches Schauwerk mit original erhaltener funktionstüchtiger Mühleneinrichtung. Jede Führung findet mit Schaumahlen statt. Öffnungszeiten: täglich nachmittags, vormittags auf Anmeldung.

In der Zinsscheune erwartet den Besucher ein Museum mit einer Sammlung zum alten dörflichen und klein-städtischen Leben der letzten 200 Jahre in der Region. Zu sehen sind Wohnräume um 1900. Für Schüler ist eine Unterrichtsstunde in der alten Dorfschule ein Erlebnis.

Wie wurde früher die Ernte eingebracht? Wie hat ein Schuster gearbeitet? Wie wird aus Flachs Leinen gesponnen? In älteren Menschen weckt die Ausstellung Erinnerungen aus der Kindheit. Kinder können sich Vorstellungen vom Leben im 19. Jahrhundert machen. Öffnungszeiten: Di Fr von 9 - 12 Uhr, April bis Okt. zusätzlich Sa, So, Feiertag 14 - 17 Uhr, sonst auf Voranmeldung. Eintritt/Person: 2,50 €.

 

Dornburg: Nicht nur die Schlösser erinnern an vergangene Zeiten

Im Saaletal erlebt der Besucher zwischen Jena und Camburg eine einmalige, faszinierende Landschaft. Gleichwohl ob man vom Bergfried der Kunitzburg, der Tautenburg, der Burg in Camburg oder von den Bastionen der Dornburger Schlösser ins Saaletal schaut, der Ausblick weitet die Seele und läßt Alltagssorgen nichtig erscheinen.

Wenn der Name Dornburg erklingt, dann denken die meisten an die berühmten drei Dornburger Schlösser. Die Stadt mit ihrer über 1000-jährigen Geschichte ist zentraler Ausgangspunkt für Entdeckungstouren zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Zug oder mit dem Auto. Zu entdecken gibt es geschichtsträchtige Orte, Schlösser, Burgen, Landschaften und Natur. Die wuchtigen, trotzigen Mauern des Alten Schlosses, das holprige Pflaster des seit Jahrhunderten unverändert gebliebenen Straßenmarktes, die verwitterten Steine der Stadtmauer bringen ein Stück deutscher Geschichte greifbar nahe.

 

Kahla:

Gleichwohl aus welcher Richtung sich Besucher der Stadt Kahla nähern, ob mit dem Auto auf der Bundesstraße 88, ob als Wanderer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Kanu auf der Saale, schon von weitem ist die Leuchtenburg zu sehen. Die Leuchtenburg - auch Königin des Saaletals genannt - steht für eine Region, die landschaftliche Schönheit und Kultur auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

Von der Leuchtenburg blickt der Besucher auf die über 1000 Jahre alte Porzellanstadt Kahla, deren historische Innenstadt mit Stadtmauer, Stadttoren, der einstigen Burganlage, dem Rathaus und Hinterhöfen mit Laubengängen von einer wechselvollen Geschichte zeugt.

Von der Leuchtenburg aus, in nördlicher Richtung, bietet sich ein schöner Ausblick auf die Universitätsstadt Jena. Das Museum der Leuchtenburg erinnert an vergangene Jahrhunderte

Die landschaftlich schöne Region des Saaletals wußten bereits Herrscher vergangener Jahrhunderte als reiches Jagdgebiet zu schätzen. Imposant und von märchenhafter Schönheit strecken sich die Türme des Jagdschlosses Hummelshain in die Höhe. Das gut erhaltene Gebäude wurde 1880 bis 1885 im Auftrag von Herzog Ernst I. errichtet und galt 1918 als herzogliche Jagd- und Sommerresidenz. Unweit davon liegt die barocke Jagdanlage Rieseneck. Sie ist die einzige erhalten gebliebene Jagdanlage ihrer Art in Europa und war früher der Mittelpunkt der gesamten Jagdregion des Holzlandes.

Das dritte Jagdschloß „Fröhliche Wiederkunft“ steht im benachbarten Trockenborn-Wolfersdorf, ein von Wäldern umgebener Erholungsort. Schon bald kann es im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

 

Stadtroda: Auf kleiner geschichtsträchtiger Entdeckungsreise

Der Staatlich anerkannte Erholungsort Stadtroda liegt inmitten einer waldreichen Umgebung und bildet den Eingang zum Thüringer Holzland. Bereits im 9. und 10. Jahrhundert, als die Rodetätigkeit durch fränkische Siedler in den urwaldartigen Tälern der Roda und ihrer Nebenflüsse begann, entstand auf hohem Bergsporn die Siedlung Roda. Der viereckige Turm der Heilig-Kreuz-Kirche mit seiner thüringischen Schieferdachhaube grüßt noch heute als Wahrzeichen dieses alten Marktfleckens vom Berg in die Stadt herunter. Wer an einer Stadtführung teilnimmt, wird feststellen, daß Stadtroda viele bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten zieren. Bereits 1500 wird ein Schloß erwähnt. Seine heutige Gestalt erhielt das Barockschloß in den Jahren 1663 bis 1734. Um das Jahr 1240 entstand das von den Herren von Lobdeburg gestiftete Zisterzienser-Nonnenkloster in der Rodaaue. Das Kloster war Hauskloster und Begräbnisstätte der Herren von Lobdeburg als Gründergeschlecht. Der Stadtrundgang führt auch am „Roten Tor“ vorbei. Als sein Vorgänger, das alte „Töpfertor“, verfiel und aus rotem Sandstein ein neues Stadttor gebaut wurde, bekam es seinen markanten Namen. Es ist das einzig erhaltene von ehemals fünf Stadttoren. Mit dem „Roten Tor“ verbindet sich die Sage der Rodschen Möhre aus dem Jahre 1450.

Das enge Tal der Roda und ihre zahlreichen Seitentäler, steil abfallende Bergsporne mit historischen Bauwerken, zahlreiche Gassen nur für die Fußgriffiger vor allem zwischen den oberen und unteren Teilend er Stadt und ein üppiger Baumbestand im Stadtgebiet. Neben der einzigartigen Topographie bestimmen ein dreiflügliges  Barockschloß (heute Amtsgericht), ein repräsentativer Schulbau aus dem Jahr 1907 und mehrere alte Kirchen das Stadtbild.

Geprägt haben die Kleinstadt ihre Funktion als Verwaltungssitz des Westkreises im Herzogtum Sachen-Altenburg, Kurbetrieb bis in die sechziger Jahre und Einrichtungen des Pflege- und Gesundheitsdienstes. Sehenswert das „Schützenhaus zur Louisenlust“ mit dem wohl schönsten Festsaal im Saale-Holzland-Kreis.

Die Ruine eines Zisterzienser-Nonnenklosters steht mitten in der Altstadt. Es wurde 1340 gegründet und bis zur Reformati0on als Kloster betrieben

 

Die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf informiert und gedenkt dem Leben und Werk der Tierforscher Christian und Alfred Brehm

 

Jena: Ein Streifzug durch Industrie und Wissenschaft

An der Saale, umgeben von 400 Meter hohen Muschelkalkhängen, liegt die traditionsreiche und innovative Universitätsstadt Jena, die zu einer der landschaftlich schönsten Städte in Deutschland gehört.

Jenas heutiges Stadtbild ist nicht nur durch eine wechselvolle Geschichte, eine glanzvolle geistige Vergangenheit und eine Vielzahl kulturhistorischer Schätze geprägt, sondern auch durch eine junge Kulturszene, moderne Architektur und dynamische Wirtschafts- und Wissenschaftsstrukturen.

Durch die Gründung der Universität im Jahre 1558 durch den Kurfürsten Johann Friedrich wurde Jena zum Zentrum europäischer Geistesgeschichte. Hier wirkten Ende des 18. Jahrhunderts Goethe und Schiller und hier wurde die Deutsche Romantik begründet. Der Kreis der Frühromantiker unter den Brüdern Schlegel lebte und arbeitete in Jena. Auf den Spuren dieser bekannten Künstler und Gelehrten kann man sich im Romantikerhaus, in Schillers Gartenhaus oder auch in der Goethe‑Gedenkstätte bewegen.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gründete das wissenschaftlich-wirtschaftliche Dreigestirn Carl Zeiss, Otto Schott und Ernst Abbe die feinmechanisch-optische Industrie in Jena. Über die bahnbrechenden Erfindungen und das damalige Arbeitsumfeld jener klugen Köpfe kann man sich heute in zahlreichen Museen, wie zum Beispiel im dienstältesten Planetarium der Welt oder im optischen Museum mit der historischen Zeisswerkstatt, ein Bild machen.

Überdies findet man in Jena aber auch eine moderne Kulturlandschaft. So bringt das jährliche Open Air Festival „Kulturarena“ internationale Stars nach Jena und die breitgefächerten Angebote der Museen, des Jenaer Theaterhauses sowie die Jenaer Philharmonie haben individuelles und hochkarätiges zu bieten.

Liebevoll erhaltene Stadtviertel, Straßenzüge im südländischen Flair, Feinschmeckeradressen und urige Kneipen vermischen sich dabei mit modernen Einkaufsmöglichkeiten, wie in der Goethe Galerie und im Einkaufszentrum „neue mitte“ am 128 Meter hohen Jen Tower, dem höchsten Büroturm der neuen Bundesländer, von dessen Aussichtsplattform sich ein fantastischer Panoramablick eröffnet.

Jena - eine Stadt zwischen Historie und Fortschritt - lebt von seinem Facettenreichtum: Die Verbindung von geschichtsträchtiger und intellektueller Vergangenheit, landschaftlichen Reizen, jungem studentischen Leben, innovativer Forschung und Wirtschaft schafft eine einzigartige Kulisse, die der kleinen, quirligen Großstadt einen Charme verleiht, der ihren Besuchern lange in Erinnerung bleiben wird.

 

 

Schkölen:

Die über 1000 Jahre alte Stadt.gilt als Geheimtip für Geschichtsfreunde und Hobbyarchäologen. Im Zentrum der Stadt liegt die 1000 Jahre alte Wasserburg, die als Vorhut der Kaiserpfalz Domburg  von Otto I. betrachtet werden kann, deren eigentlicher Ursprung jedoch im Dunkel der Geschichte verborgen liegt. Ausgehend von der Wasserburg können Wanderer eine slawische Fluchtburg, eine frühe slawische Siedlung, die Trojaburg, das größte Grabhügelfeld Ostthüringens oder ein Rasenlabyrinth erleben.

 

Crossen:

Die ebenfalls über 1000 Jahre alte Stadt Crossen wird geprägt vom Schloß Crossen, das aus einer Burganlage hervorging. An der touristischen Erschließung der zahlreichen Rittergüter  im Umfeld von Crossen und Schkölen wird gearbeitet. Erlebbar ist die Region mit dem Fahrrad auf dem Elster-Radweg und seinen Verbindungen zu anderen Radwegen, zu Fuß auf interessanten Rundwanderwegen, aber auch mit dem Pferd ausgehend von einem der zahlreichen Reiterhöfe rund um Eisenberg. Hotels, Pensionen, Privatzimmer und Gaststätten bieten Besuchern den passenden Rahmen für geschichtliche und landschaftliche Entdeckungen in und um Eisenberg. Besucher können das romantische Tal mit Kremserwagen, per Fahrrad oder zu Fuß durchqueren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wittenberg: Das evangelische Rom                           „Spiegel“ 43/2008, Seite 62-65

Nur noch zehn Prozent Protestanten leben in der Lutherstadt Wittenberg. Das soll sich jetzt ändern. Martin Luthers Erben wollen die Stadt zu einem protestantischen Wallfahrtsort machen.

Man kommt in der Lutherstadt Wittenberg um Martin Luther nicht herum. Gleich am Bahnhof wirbt ein Hotel, „in dem Martin Luther gern gewohnt hätte“. Dann geht es vorbei an der Luthereiche, der Lutherstraße Richtung Lutherhaus. Unterwegs wird für ein Luthermenü geworben (wahlweise Fleisch oder Fisch). Ein Reisebüro preist ein Motorschiff „Lutherstadt Wittenberg“ an, auf dem man heiraten kann. In den Kneipen wird Lutherbier ausgeschenkt, beim Bäcker gibt es Lutherbrot. Auf dem Marktplatz steht ein großes Lutherdenkmal. Stadtführer springen als Lutherersatz in langen Kutten durch die Straßen. Die Stadt ist komplett verluthert.

Wittenberg ist für die Geschichte des Protestantismus so wichtig wie Rom für die katholische Kirche. Doch es gibt einen Unterschied zwischen den Städten: Rom ist voller Katholiken, von den 46 wo Einwohnern Wittenbergs sind dagegen nur 4500 evangelisch.

Manchmal gibt es Wunder des Glaubens, Marienerscheinungen etwa oder das Comeback der Orthodoxie in Russland nach 70 Jahren Unterdrückung in der Sowjetunion. In Wittenberg aber ist ein Wunder des Unglaubens zu besichtigen. Niemand kann Luther an diesem Ort aus dem Weg gehen, seinem Glauben allerdings schon. Darin verberge sich „eine Spannung, die nicht immer leicht zu ertragen ist“, bekennt die Evangelische Stadtkirchengemeinde.

Doch das soll jetzt anders werden. Vor 500 Jahren kam Luther als Student und Mönch in Wittenberg an, 1517 nagelte er seine Thesen an die Tür der Schlosskirche. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat deshalb eine Lutherdekade ausgerufen, einen frommen Zehnjahresplan gewissermaßen. 500 Jahre nach Luther sehnen sich die Evangelischen nach dem, was sie in Frage gestellt haben - nach Feierlichkeit, Ritus und religiösem Tamtam.

Die EKD-Oberen wollen nicht länger hinnehmen, dass bei den neuen Debatten zum Thema Religion immer nur vom Papst oder vom Islam die Rede ist, dass immer neue Moscheen errichtet werden, im Kernland des Protestantismus aber kein protestantischer Wallfahrtsort existiert. Aus Wittenberg soll nicht weniger werden als ein evangelisches Rom.

Niemand symbolisiert diesen Wunsch nach Augenhöhe mit den frommen Wettbewerbern so sehr wie der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, 66. Früher war der heutige Bischof von Berlin-Brandenburg alternativ kirchentagsbewegt, lila Halstuch inklusive, heute organisiert er „Bischofs-Dinner“ und predigt am liebsten im wilhelminischen Berliner Dom. Wittenberg hat er zur Chefsache gemacht. Am Reformationstag wird Huber erstmals eine „Martin-Luther-Medaille“ verleihen, „für besondere Verdienste um den deutschen Protestantismus“. Eine Auszeichnung für Bestarbeiter des Glaubens?

Protestanten sind ihrer Natur nach Zweifler. Doch Huber will, dass sie in Zukunft mehr vom Glauben als von ihren Zweifeln reden. Sie sollen die frohe Botschaft verkünden und das Wort Mission nicht länger für ein Unwort halten. „Wittenberg soll ein evangelischer Leuchtturm werden“, fordert Huber. „ein symbolischer Ort.“ In Wittenberg will er zeigen, dass man „gegen den Trend wachsen kann“. Aus der ganzen Republik werden religiöse Wachstumsspezialisten an die Glaubensfront geworfen: evangelische Schwestern aus Bayern und ein leibhaftiger Prälat.

Aber kann diese Kampagne überhaupt funktionieren? Kann man in einer Stadt, in der die Tradition verlorenging, in der den Menschen der Glaube durch die SED ausgetrieben wurde, ihn wieder unter die Leute bringen? Kann man die Ossis missionieren wie einst die Indianer? Friedrich Schorlemmer, noch immer der prominenteste Prediger der Stadt, ist misstrauisch. Wachsen gegen den Trend? „Reiner Budenzauber“, höhnt er, ein „Selbstbetrug“. Und dann lästert er über die EKD und deren „Leuchtturmwärter“.

 

Doch deren Missionsprogramm ist bereits im vollen Gange. Die Einführung von Prälat Stephan Dorgerloh (42) in sein Amt wurde zur Demonstration des neuen Selbstbewusstseins. Keine kleine protestantische Feierstunde mit Schmalzbrot vom Mütterkreis, sondern großer, fast katholischer Bahnhof in der Schlosskirche zur Eröffnung der Lutherdekade mit Innenminister. Gemeinden schrumpften, erklärte Protestant Wolfgang Schäuble (CDU). Aber er sei kein Defätist. „Ein starker, selbstbewusster Protestantismus kann für unsere Gesellschaft sehr wichtig sein.“

Ein Minister für Inneres, der nun auch für den Glauben zuständig ist? Im Osten wecken solche Auftritte noch immer Assoziationen. Man denkt an die Staatssekretäre für Kirchenfragen oder das Jahr 1983, in dem Staatschef Erich Honecker Chef eines staatlichen Martin-Luther-Komitees zu dessen 500. Geburtstag war. Die DDR ist zwar tot, aber als Resonanzboden noch lebendig.

Obermissionar Dorgerloh residiert unter dem Dach des Alten Rathauses am Markt. Dorgerloh trägt Anzug, Krawatte, sitzt auf einem schwarzen Ledersessel, und es hängt kein Kreuz in seinem Zimmer. Vergessen? Nein, sagt er, der Raum sei eben noch nicht fertig eingerichtet. In seinem schicken Büro wirkt er nicht wie ein Seelsorger, sondern wie ein Marketingstratege. Und manchmal redet er auch so. Dorgerloh spricht von neuen Konzepten, von langen Linien. er will „Stärken stärken“, will, dass die Kirche mit ihren „Angeboten auf die Marktplätze“ geht. Was jetzt noch fehlt, ist die Powerpoint-Präsentation.

Den Markt hat er auch schon analysiert: Dorgerloh hat die gebildeten Schichten im Visier, die den Kirchen in der DDR verlorengegangen sind. Er weiß, dass sich viele Pfarrer aus der DDR in dem Hauskreis, in den die SED sie verbannt hatte, eingerichtet haben. Er weiß, wie schwer es ihnen fällt, die neue Freiheit zu nutzen. Seine Analyse ist präzise. Aber das Rad, das er dreht, ist doch ziemlich groß für die kleine Stadt Wittenberg. Er will ein „Zentrum für Predigtkultur“, einen „evangelischen Campus“ schaffen. Er verhandelt für die EKD mit dem Land Sachsen-Anhalt darüber, dass Luthers Schlosskirche, die noch im Landesbesitz ist, 2017 an die EKD übertragen wird. Klotzen statt kleckern ist die Devise.

Nur wenige Meter entfernt von Dorgerlohs frommem Elfenbeinturm ist der „Traditionsbruch“ zu besichtigen, den er beklagt. Wer das „Haus der Geschichte“ betritt, ahnt, wie lebensfremd manche der frommen Planspiele sind. Denn in diesem Haus kann man die DDR riechen und schmecken. Die Honecker-Republik besteht in der Ausstellung zum Alltag der DDR aus Blümchentapete, Nierentischen, selbstgebastelten Regalen und Pioniertuch. Es ist ein geistloser Alltag ohne Kreuz, aber mit viel Nordhäuser Doppelkorn, ohne Kirche, aber mit Fotos von saufenden NVA-Offizieren.

Stolz führt ein graugesichtiger und leicht devoter DDR-Untertan durch den DDR- Konsum, der im Parterre nachgebaut wurde. Er zeigt originalgetreue „Bückware“, weil die DDR-Bürger sich nach ihr hinter der Ladentheke bücken mussten: Mangelware wie Ketchup oder Rotwein aus Bulgarien. Man hätte auch Westbücher als Bückware ausstellen können, die wissensdurstige DDR-Bürger auf der Leipziger Buchmesse klauten, um mitreden zu können, wenn der Westbesuch kam. Oder Anstecker der verfolgten Jungen Gemeinde.

„Traumatisiert“ von dieser DDR-Geschichte seien viele seiner Kollegen, bekennt Superintendent Christian Beuchel. Jeder von ihnen kann Episoden erzählen von den Leuten, die fragen, ob Maria die Frau von Jesus war, von Lehrern, die ihren Schülern erzählten, Glaube sei unwissenschaftlich. Für Pfarrer gehörte Überwindung dazu, nach dem Untergang der DDR Schulräume zu betreten. Sie waren feindliche Zonen.

Armin Pra, 44, hat das Glück, dass er die DDR fast nur aus Erzählungen kennt. Er stammt aus Hessen, ist seit 1993 Pfarrer am Rand von Wittenberg. Er sitzt in seinem knallroten Transporter und saust durch die Wittenberger Wirklichkeit, die mit den Planspielen der EKD-Fürsten wenig zu tun hat. „Showveranstaltung“ machten die, findet Pra. Dass die Schlosskirche nun in Kirchenbesitz kommen soll, findet er albern. Die Leute würden ohnehin denken, dass eine Kirche der Kirche gehöre - von den zukünftigen Kosten ganz abgesehen.

Der Mann Gottes gibt Gas und lacht. Er habe Missionswissenschaften studiert: „Da bin ich hier wohl ganz richtig.“ 15 Gemeinden gehören zu seinem Einzugsgebiet, 13 Kirchen, 20 Immobilien. Er muss sich um den Zustand der Gebäude kümmern, obwohl ihm die Menschen viel wichtiger sind und obwohl er hier besonders gefragt ist. „Es läuft ja kaum mehr was von allein“, sagt er.

Er fährt jetzt langsam über altes DDR-Pflaster, dann tritt er auf die Bremse, Ankunft im Dorf Straach, wenige Kilometer von Wittenberg entfernt. Alles sei weg hier. Kein Bahnanschluss, keine Post, keine Schule, kein Laden, selbst der Geldautomat wurde irgendwann abmontiert. „Aber wir sind noch da, und wir dürfen so einen Ort nicht aufgeben.“

Sein Missionskonzept kommt ohne Zielgruppenanalyse aus. Es heißt Präsenz: ein Grußwort zum Feuerwehrfest, Puppenspieler organisieren, beim Fischerverein vorbeischauen. Gesellige, offene Gemeindeabende statt Gottesdienste, die nur frustrieren, weil sie nicht besucht werden. Und irgendwann kämen die Leute bei diesen Gelegenheiten schon und fragten, nach welchen Werten man denn Kinder erziehen solle, was denn noch zähle? „Dann antworten - das ist Mission.“

Pra kann von kleinen Erfolgen erzählen. Von Lehrern, die ganze Bibelsätze bestellt haben, von einem Kirchbauförderverein, der sich für den Erhalt einer Dorfkirche einsetzte. Viele der Mitglieder gehörten nicht zur Kirchengemeinde. Aber „ihre Kirche“ wollten sie doch retten. Sie gehört zur Ortsidentität. Manche ließen in der geretteten Kirche nun ihre Kinder taufen, obwohl sie selbst nicht getauft sind. Vielleicht verheilen so ja die Wunden, die zwei Diktaturen geschlagen haben.

Es gibt einen Ort am Rande von Wittenberg, an dem Neues entsteht - jenseits der vollmundigen Missionskampagnen. „Evangelische Grundschule“ steht in großen Buchstaben weit sichtbar an der Betonwand eines DDR-Plattenbaus. Grit Förster (45) die Schulleiterin, ist gelernte Unterstufenlehrerin aus der DDR und erst als Erwachsene zum „Glauben gekommen“. 13 Schüler hatte sie 2001, als engagierte Eltern mit viel Energie die evangelische Schule ins Leben riefen. „Es waren Eltern, denen an Wertevermittlung besonders gelegen war.“

Förster war die erste und einzige Lehrerin damals, für alles zuständig, „vom Schulbuch bis zur Mülltonne“. Am Anfang sei man beschmunzelt worden, und kaum war die Schule eröffnet, kam die Schulinspektion vorbei. Inzwischen ist die Schule anerkannt, 147 Schüler werden von zwölf Lehrern unterrichtet.

In einfachen Worten kann sie erklären, was christlich an ihrer Schule ist: „Das Evangelische ist das Miteinander.“ Das klingt schlicht, aber es versteht jeder, der hier lebt. Doch Försters Schule ist die große Ausnahme in einer Gegend, in der Bekenntnislosigkeit zum Bekenntnis geworden ist. Selbst an heiligen Stätten des Protestantismus.

 

Eine Frau mit einem freundlichen Lächeln verkauft die Eintrittskarten im Lutherhaus. Sie kann erklären, welche Geschichte Martin Luther hatte, aber nicht, welche Gegenwart. Für sie hat er jedenfalls keine Bedeutung, vom Arbeitsplatz abgesehen. Sie sei „Atheistin“, sagt die 40-Jährige und fügt hinzu: „Sozialistische Erziehung eben.“ Die Tolerantesten seien ohnehin die Atheisten. Es gebe so viele, die sie persönlich bekehren wollten. Katholiken und Evangelische gleichermaßen. Ein paar Jahre sitze sie zwar schon hier, sagt sie, aber gläubig? Nein, das werde sie nun mal nicht.     

 

 

Luther ohne die anderen?                                                           FAZ, 01.11.208, Seite 10

Es gibt Interesse daran, die Reformationsdekade „Luther 2017 -500 Jahre Reformation“ zum Anlass für eine umfassende Bestandsaufnahme der Kulturgeschichte des Protestantismus zu nehmen und sie nicht als Luther-Gedenken zu begehen. Die Organisatoren der Wittenberger Tagung „Spurenlese. Wirkungen der Reformation“, die im Oktober 2007 in Wittenberg zu Ende ging, wollen vermeiden, dass sich das fünfhundertjährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wie manche Jubiläen der Vergangenheit auf Person und Zeit Martin Luthers konzentriert. So ist es konsequent, dass auf dem Programm der Tagung kein Vortrag zu finden war, der sich unmittelbar mit Luther, Zwingli oder Calvin befasste. Die Diskrepanz zwischen dem Programmblatt der Tagung und der von staatlichen und kirchlichen Stellen getragenen Planung der Dekade tritt schon bei der Wahl der Begriffe zutage: Statt von „Lutherdekade“ sprach man auf der Tagung von „Reformationsdekade“.

Am Anfang der Planungen für die Feiern zum Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlags Luthers im Jahr 2017 hatte noch der Begriff  „Reformationsdekade“ gestanden. Später hatte das Kuratorium unter der Leitung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Huber, den Begriff „Lutherdekade“ eingebracht. Diese Personalisierung des Reformationsjubiläums hatte das Kuratorium, dem unter anderen auch die Ministerpräsidenten Böhmer, Tillich und Althaus sowie Bundesinnenminister Schäuble angehören, dann gegen den Widerspruch aus dem Forschungsbeirat durchgesetzt.

Das Kalkül der Organisatoren der Wittenberger Tagung beschreibt der Heidelberger Theologe Klaus Tanner so: Die Lutherdekade könne Gelegenheit sein, den „Wahrnehmungshaushalt“ der Theologie zu durchlüften. Wer die Bedeutung der Reformation begreifen wolle, dürfe in Luther nicht allein den Theologen erkennen. Dann könne man nämlich nicht die durchschlagende Wirkung Luthers erklären. Tanner interpretiert Luther als Rhetor, der Erwartungen weckte und Wirkungen freisetzte, die das überschreiten, was heute gemeinhin als religiös gilt. Wenn dem so sei, dürfe die Theologie nicht die Deutungshoheit über die Reformation beanspruchen. Gerade die suggestivsten Reformationsdeutungen der Vergangenheit - man denke an Hegel, Ranke oder Weber - seien „nie eine reine Theologensache“ gewesen. Deshalb habe man in Wittenberg die Deutungskompetenz von Historikern, Germanisten, Juristen. Kunst- und Musikwissenschaftlern, Soziologen, Ökonomen. Politologen, Philosophen und Religionswissenschaftlern versammelt.

Dass die Diskussionen der Tagung immer wieder auf die großen Reformationstheorien Ernst Troeltschs und Max Webers zurückkamen, ist kein Zufall: Beide Grenzgänger zwischen den Disziplinen untersuchten um 1900 die Bedeutung der Reformation für die Entstehung der modernen Welt und schrieben der Reformation dabei maßgebliche Wirkungen in den Bereichen Staat, Wirtschaft, Wissenschaft, Familie, Kunst und Religion zu.

Im Unterschied zu manchen früheren - und auch manchen späteren - Deutungen sei die Bedeutung der Reformation für das Entstehen der Moderne aber oft indirekt, teilweise ungewollt, ja, für die christliche Religion und die menschliche Lebenswelt mitunter sogar tragisch gewesen. Am bekanntesten dafür ist die These Max Webers über den Zusammenhang zwischen der calvinistischen Prädestinationslehre und der Entstehung des Kapitalismus, aus dem der religiöse Geist entwichen sei.

Der These des Juristen Georg Jellinek, eines Kollegen Webers und Troeltschs in Heidelberg, dass auch die Menschenrechte sich einer protestantisch-religiösen und keiner aufklärerisch-politischen Herkunft verdanken, mochte der Göttinger Soziologe Matthias Koenig in Wittenberg nicht folgen: Zutreffender sei eher, dass sich diese Ableitung der Menschenrechte den Anliegen der Intellektuellen im „Weltdorf Heidelberg“ um 1900 verdanke. Jellinek, Weber und Troeltsch hätten neben einer hohen Sensibilität für die Kulturbedeutung des Protestantismus eben auch dem Wilhelminischen Kaiserreich ein Demokratisierungsdefizit bescheinigt (so Friedrich Wilhelm Graf).

Daher hätten sie die Menschenrechte nicht wie die zeitgenössische französische Geschichtsschreibung mit dem Säkularismus der Französischen Revolution verbunden, sondern sie im Gegenteil vom Verdacht des „Welschen“ befreien wollen. Über einen transatlantischen Umweg bei den zur Auswanderung gezwungenen radikaleren Flügeln der Reformation sei der Anfang der Menschenrechte im germanisch-religiösen Freiheitsbewusstsein Luthers gegeben.

Aufklärung darüber, ob das zutrifft, ist in nächster Zeit - und vielleicht von der Wissenschaft grundsätzlich - nicht zu erwarten.

Das focht in Wittenberg aber niemanden an: Bei der „Spurenlese“ wollte man zunächst lohnende Fragen ausmachen. Dafür müsse man sich Zeit nehmen, wenn das Reformationsjubiläum schon auf zehn Jahre Dauer anlegt sei. „Die Eile geht, aber der Mist bleibt“, merkte der Hallenser Kirchenhistoriker Udo Sträter an.

Das Interesse der Kirchen, dass sich die Bemühungen der Wissenschaft irgendwann auch in „symbolischen Verdichtungen“ niederschlagen mögen, hält sein Kollege Tanner im Grundsatz für legitim. Aber er weiß, dass die Kommunikationsbedingungen dafür seit Troeltsch und Weber nicht einfacher geworden sind. Schon beim nationalisierten Reformationsjubiläum des Kriegsjahres 1917 vermochten deren beeindruckende, aber eben auch verästelten Deutungen kaum noch zu überzeugen.

Man vereinfachte die Deutung, indem man Reformation auf Religion reduzierte - was auch bei Troeltsch schon leise anklingt. Luthers Erbe schien sich so vor allem auf die Rechtfertigung des Sünders durch Gnade allein zu reduzieren. Dass zur gleichen Zeit weite Teile von Theologie und Philosophie den Kontakt mit den Geschichtswissenschaften aus der Hand gaben, ist nicht zufällig.

Es wird darauf ankommen, ob es bis 2017 gelingt, eine sowohl in der Sache haltbare wie auch gegenwartserschließende Erzählung für die Geschichte des Protestantismus zu entwerfen - von seinen Anfängen in der Reformation bis ins unübersichtliche 21. Jahrhundert. Dabei muss weder ein Heldenepos am Ende stehen noch eine schwermütige Melodie wie bei Weber gesungen werden. Aber dass sich Professoren unterschiedlicher Fächer dem Ansinnen auf ein solches Narrativ nicht entzogen und sich dafür auch ein Stück weit vom distanzierten Habitus des Kulturprotestanten lösten, machte den Reiz vieler Luther-Jubiläen der Vergangenheit aus.

 

Luther im Herzen                                                                           FAZ, 20.09.2009, Seite 3

Burghauptmann Günter Schuchardt sitzt in einem der flauschigen beigen Staatsratssessel hoch über dem Thüringer Wald. Ja, beim Cranach-Jahr 2015 habe man „auch die Finger drin“. Erst komme aber 2011 das Liszt-Jahr und 2013 das Wagner-Jahr. 2017 ist dann Luther-Jahr. Luther werde aber eigentlich erst 2021/22 für die Wartburg interessant, wenn die Übersetzung des Neuen Testaments durch Luther vor 500 Jahren gefeiert wird. Er hat sie hier in elf Wochen fertiggestellt. Außerdem, sagt Schuchardt, sei 2017 ja nicht nur 500 Jahre Thesenanschlag, sondern auch 200 Jahre Wartburgfest und 950 Jahre Wartburggründung. Dennoch sei man natürlich an der Dekade „Luther 2017 - 500 Jahre Reformation“ beteiligt. Die wird an diesem Sonntag eröffnet. Die meisten der 600.000 Gäste im Jahr kämen ja wegen Luther auf die Wartburg nach Eisenach. Und wozu seien Jubiläen nicht alles gut? Jedenfalls dazu, Fördermittel zu bekommen.

Schuchardt wartet auf Geld für Renovierungsarbeiten an der Wartburg. Noch wichtiger ist dem Burghauptmann aber der Bau einer Standseilbahn hinauf zur Wartburg. Dagegen sträubt sich indes die Unesco als Hüterin des Weltkulturerbes, zu dem die Wartburg zählt. „Wir haben hier jedes Jahr mehrere Todesfälle auf der Wartburg. Herz-Kreislauf.“

Die Mehrzahl derer, die den steilen Weg vom Parkplatz unterhalb der Wartburg hinaufsteigen, ist älter als sechzig und deutsch. Schuchardt besucht in den Vereinigten Staaten Messen für Religionstourismus, aber nur jeder Zehnte kommt bisher aus dem Ausland zum deutschesten aller Orte. Schon der Wald auf dem Weg hinauf ist sehr deutsch: sattes, nasses Grün. Mischwald. Oben auf der Burg steht stramm die deutsche Fahne im Wind, daneben prangt ein goldenes Kreuz.

Wer unten seinen Wagen abstellt, zahlt für den Parkplatz fünf Euro. Der Eintritt ins Gebäude der Wartburg kostet dann sieben Euro, das Fotografieren einen Euro, Besitzer einer Videokamera zahlen nochmals: fünf Euro, und dürfen Luthers Tintenfleck filmen. Der Legende nach wurde Luther hier des Nachts vom Teufel geweckt und warf sein Tintenfass nach ihm. Schon die ersten Souvenirjäger und Sammler trachteten diesem Fleck nach der Tinte - man musste den Fleck unzählige Male erneuern. Von Legenden zehrt man auch in der Burgschenke. Gäste wählen dort zwischen „Drachentöters Waldpicknick“ (Minihaxe mit Sauerkraut), „Meister Klingsors Zauberstab“ (Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat) und „Kreuzfahrers Fastenspeise“ (Tomatencremesuppe).

Der Vorteil des Burghauptmanns gegenüber Stefan Rhein, dem Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, ist, dass auf der Wartburg alles auf engem Raum zusammengedrängt ist. Drei von vier Burgbesuchern besichtigen das Wartburg-Museum. Das ist in der Lutherstadt Wittenberg - Rhein nennt sie ein großes „Freilichtmuseum“ - anders: Etwa 400.000 Besucher kommen jedes Jahr nach Wittenberg. 250.000 von ihnen besuchen die Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zum Ablass angeschlagen haben soll und in der Luther begraben liegt. Nur jeder fünfte Tourist schafft es den einen Kilometer der Flaniermeile Wittenbergs entlang bis ins 2003 neueröffnete Museum in Luthers Wohnhaus. „Wir verlieren viele an Wurstbuden und Eisdielen“, sagt Rhein. Aber nicht nur kulinarisch lauert man den Touristen unterwegs auf: An keiner anderen Lutherstätte wird so viel Nepp rund um Luther feilgeboten wie hier in Wittenberg. Neben klassischen Altherrendevotionalien wie Lutherbechern aus Zinn und Gedenkmünzen kann man auch Luther-Bier kaufen. Oder die schon beim 450. Todestag Luthers im Jahr 1996 angefeindete „Luthersocke“, in die Luthers Satz auf dem Wormser Reichstag 1521 „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ eingestickt ist.

Inzwischen wurde die Luthersocke zur Aufbewahrungssocke für Handys weiterentwickelt. Wem auch das noch zu bildungsbeflissen ist, der greift zu Katharina von Boras „Nonnenfurz“-Likör oder - eine Spur esoterischer - zu Katharina von Boras „Lebenslust-Tee“. Überhaupt scheint die Verehrung von Katharina von Bora in Wittenberg die ihres Ehemanns fast zu übertreffen.

Von ihr ist zwar wenig Erhebliches überliefert - aber eben auch nichts Anstößiges. Luther dichtete „Erhalt uns Herr, bey deinem Wort / Und steur des Bapsts und Türcken Mord“ und dachte über „Pestis eram vivens, moriens ero mors tua, papa“ (Lebend war ich deine Pest, tot werde ich dein Tod sein, Papst) als Inschrift für sein Grab nach, derweil Katharina treu für ihren Martin braute, brannte und kochte.

Solch brachiale Äußerungen waren für den wahrscheinlich 24 Jahre alten und tief in der spätmittelalterlichen Frömmigkeit versunkenen Augustiner-Eremiten Luther noch undenkbar, als er im September 1508 erstmals nach Wittenberg kam, um an der Artistenfakultät der gerade gegründeten Universität Vorlesungen zur Moralphilosophie zu halten. Das war vor 500 Jahren und ist für sich genommen wenig aufregend. Aber mit der Überschrift „Luther kommt“ hat die Ankunft Luthers in Wittenberg schon einen anderen Klang und kommt gerade recht, das wohl aufwendigste Lutherjubiläum aller Zeiten einzuläuten - die Dekade „Luther 2017“. Innenminister Schäuble, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhmer (beide CDU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutsch­land (EKD), Bischof Huber, werden dafür an diesem Sonntag in Wittenberg erwartet, der Präsident des Lutherischen Weltbundes, der Amerikaner Mark S. Hanson, wird predigen.

Kommt Rom so doch noch zu seinem Vatikan? Bisher, sagt Stiftungsdirektor Rhein, sei Wittenberg für die Protestanten wie „Rom, aber ohne Vatikan“. Die EKD sitzt in Hannover, der Lutherische Weltbund in Genf. Daran wird sich wahrscheinlich wenig ändern, trotzdem bahnt sich in Wittenberg ein fröhlicher Wechsel an: Das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Wittenberg würden gerne das Schloss und die damit verbundene Schlosskirche an die evangelische Kirche übereignen, damit diese dort dauerhaft Einrichtungen unterbringt.

Bisher ist Sachsen-Anhalt durch ein preußisches Privileg, das Friedrich Wilhelm III. zum 300. Reformationstag erließ, dazu verpflichtet, die Schlosskirche zwar der Kirche zur Nutzung zu überlassen, aber selbst die Baulast zu tragen. Beide Parteien verhandeln jetzt darüber, was bei der Übergabe unter dem Wort „saniert“ zu verstehen ist. Denn das Schloss ist marode.

Die Tür zur Schlosskirche, an der die 95 Thesen angeschlagen worden sind, umranken derzeit Gerüste und Planen. Rechtzeitig vor Beginn der Lutherdekade ist der Wittenberger Stadtverwaltung medienwirksam aufgefallen, dass auch das neogotische Lutherstandbild auf dem Marktplatz dringend saniert werden muss. Wenn Luther bis zum großen Reformationsjubiläum 2017 „nicht vom Sockel fallen soll, muss dringend etwas passieren“, sagt der Bürgermeister.

Im Rathaus hinter dem Luther-Standbild richtet in diesen Tagen Stephan Dorgerloh sein Büro ein. Er wird in Wittenberg die EKD vertreten. Dafür hat man ihn mit einer freundlichen Assistentin aus Finnland und dem wohlklingenden Titel „Prälat“ ausgestattet. Dorgerloh klagt, ein jeder denke: Zehn Jahre, das „doch eine irre lange Zeit“. Aber das          ist „kürzer, als man denkt“. Dass jeder Lutherort den Rost von seinem Lutherstandbild entfernt bekommt, ist Dorgerlohs geringste Sorge, denn vor allem will ein un übersichtliches Gremiengeflecht koordiniert werden: Kuratorien, Lenkungsausschüsse, Steuerungsgruppen, interminiserielle Gruppen, Lutherforen. Beteiligt sind Landeskirchen, die EKD, der Bund, die Länder, Universitäten, Stiftungen, Verbände, Kommunen. Sie sollen unter dem Dach von „Luther 2017“ zusammen geführt werden. Viele sehen sich in der Verantwortung - und jeder Ort möchte gern ein „herausragender“ Lutherort sein.

Stiftungsdirektor Rhein, promovierter Altphilologe, sagt, zu Beginn seiner Tätigkeit in Wittenberg habe er an den feinen Unterschieden arbeiten müssen. Die Touristiker sprachen unverdrossen vom „Produkt Luther“. Sein Interesse sei es aber, Luther „weder zu verramschen noch zu vermarkten, sondern zu kommunizieren“. Den Wittenbergern, erzählt Stefan Rhein, liege ihr Luther am Herzen - auch wenn nach fünfzig Jahren Indoktrination weniger als 20 Prozent einer Kirche angehören. Erfolglos sei der Versuch der politischen Führung in den siebziger Jahren geblieben, der Lutherstadt Wittenberg ihren Beinamen zu entwinden.

Der zarte Beginn des Manövers war es, die Busse statt Lutherstadt mit „Chemiestadt Wittenberg“ zu beschriften. Rasch rochen die Wittenberger den nach VEB Piesteritz riechenden Braten und wehrten sich, bis es wieder Lutherstadt hieß.

Auch das harmlosere Ansinnen, die Lutherstatue am Marktplatz zeitweilig auf die Expo 2000 in Hannover zu verfrachten, stieß in Wittenberg auf Ablehnung. Vor dem Standbild Luthers, wo vor der Wende die „Stadtbilderklärer“ das Stadtbild erklärten, bessert heute so manche Ich-AG ihre Bilanz mit Kostümführungen auf. Zwischen Cranach-Haus und Leucorea turnen sie als Luther oder Katharina von Bora verkleidet umher oder führen als „Magd Cranachs zu den Plätzen der Ehepriester und Dirnen“.

Wie es bei den Reformationsjubiläen der Vergangenheit zuging, weiß Udo Sträter, Kirchenhistoriker an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Drei bis vier Monate vor dem Jubiläum sei einem Brief zu entnehmen gewesen, wie sich die Obrigkeit die Feierlichkeit vorstellte. Am Tag selbst gab es dann erst einen Gottesdienst, dann einen Umzug, ein paar Reden, am Nachmittag wieder einen Umzug - „und abends wurde gesoffen“. Kritik am ritualisierten Gedenken der Person Luthers kennt Sträter schon aus universitären Festreden des frühen 18. Jahrhunderts.

Luther, der sich selbst mitunter als „stinkenden Madensack“ bezeichnete, war jeder Kult um seine Person zuwider. Sein Denken lebt bis in die letzte Pore von der Einsicht, dass der Mensch im Gegenüber zu Gott schlechterdings nur als Empfangender gedacht werden kann und jedes Sichrühmen ausgeschlossen bleibe. Der Freiheitgedanke, der den Protestantismus seit seinem Beginn begleitet, widerspricht dem nur scheinbar, denn auch er verdankt sich der Bescheidung, sich nicht selbst über die Welt erheben zu können.

Der Glaube, nur durch Gnade von den Fesseln dieser Welt befreit zu sein, brachte Luther im Jahr 1517 dazu, seinen Namen in Anlehnung an das griechische „eleutherios“ (der Freie) von Luder in Luther abzuändern. Dieses Freiheitspathos Luthers hat man politisiert, nationalisiert und dogmatisiert. Zuletzt ist es oft eine Sache des Dafürhaltens, ob man es dabei im Einzelfall mit Auslegung, Anverwandlung oder Instrumentalisierung Luthers zu tun hat. Auch „Luther 2017“ wird vor dieser Frage nicht gefeit sein, wobei die Reihe der Möglichkeiten um die „Eventisierung“ Luthers erweitert werden müsste.

Auch in der „Lutherstadt Eisleben“ läuft ein kostümierter Stadtbilderklärer wahlweise als „Doktor Martinus“ oder als „Nachtwächter Ambrosius“ herum, aber hier wird weder die EKD noch der Lutherische Weltbund ein Büro eröffnen. Gegen die „Eventisierung“ Luthers in Wittenberg hat Pfarrer Hauke Meinhold nichts einzuwenden. Ihn stört aber, dass die „Events“ meistens nichts mit Luthers Glaube zu tun haben und sogar im Widerspruch zu diesem stehen. In einem Brief an seine Landeskirche hat er sich über einen „Pilgerweg“ mit Luther beschwert, der im Oktober den Fußstapfen Luthers aus seinem Kloster in Erfurt nach Wittenberg folgt. Meinhold sagt, Luther seien solche Frommtuereien ein Greuel gewesen.

Ein „Event“ zum Beginn der Lutherdekade planen die Eislebener Pfarrer aber, und was für eines: Am 11. November 2008 sollen in Luthers Taufkirche St. Petri 525 Menschen getauft werden - 525 Jahre nach Luthers Taufe auf den Namen des Tagesheiligen. Das ehrgeizige Ziel verdankt sich dem amerikanischen Optimismus von Meinholds Kollegen aus der Stadtgemeinde, Scott A. Moore. Inzwischen rechnet Meinhold mit ungefähr 20 Taufen - jetzt versuchen die Gemeinden über das Internet die ganze Welt für die Aktion zu gewinnen. Unterstützung gibt es aus Hawaii, in Caracas, Tallinn und aus Österreich. Die Täuflinge aus der eigenen Gemeinde wären der Kirche zwar irgendwann „auch so in den Schoß gefallen“, aber die Menschen brauchten eben etwas Besonderes als letzten Anstoß für die Taufe oder den Wiedereintritt, sagt Meinhold. „Das sollten die mal machen in Wittenberg.“

Eisleben geht mit einem 2005 von Grund auf neu konzipierten Museum in die Luther-Dekade. Luther ist in der heute 23.000 Einwohner zählenden Stadt westlich von Halle 1483 geboren worden und bei der Schlichtung von Familienzwistigkeiten der Grafen von Mansfeld im Februar 1546 gestorben.

Bis vor zwei Jahren wurde das Museum in Luthers Geburtshaus von einer Müntzer-For­scherin geleitet. Müntzer, der Radikal-Reformator, stand zu DDR-Zeiten weit höher in der Gunst des Gedenkens als der „Fürstenknecht“ Luther. Bis heute zeugen davon die vielen Müntzer-Straßen, die im Unterschied zu vielen Karl-Marx-Straßen auch die Wende überstanden haben.

Die alte Ausstellung in Eisleben war noch dem einst opportunen Blick verpflichtet und zeigte Martin Luther vor allem als Sohn eines Bergmanns. Hinter Luthers tiefer Bindung zum Bergbau im Mansfelder Land konnte der Theologe und Kirchenreformer Luther zum bloßen historischen Zufall verblassen. Der Leiter des neuen Museums im Geburtshaus Luthers, Christian Philipsen, berichtet von Irritationen, als man das Thema Bergbau in der neuen Ausstellung auf einen einzigen Raum zurückstutzte. Der Raum zu Luthers Vater wurde dann auch nicht unter der Überschrift „Hans Luder - der Bergmann“ konzipiert, sondern „Hans Luder - der Unternehmer“ genannt. Denn Luthers Vater war, so sieht es die Geschichtsschreibung heute, mitnichten nur ein einfacher Bergarbeiter gewesen, sondern besaß neben Beteiligungen an Hütten auch Kapitalgeschäfte und Land, das er verpachtete. Selbst ein Toter kann so vom Arbeiter zum Kapitalisten werden.

Was sich in der Gegenwart Eislebens tut, nennt Stiftungsdirektor Rhein halb scherzhaft „Reformationsgeschichte von unten“. In Eisleben fehlten der Kirche die notwendigen bürgerlichen „Trägerschichten“. Und die Unterstützung von oben. Pfarrer Meinhold klagt, bei den Pfarrstellen werde andauernd gestrichen. Diesmal erwischt es uns.“

 

Hildburghausen: Auf den Spuren der Dunkelgräfin

Es ist eine der rätselhaftesten Episoden der europäischen Geschichte: Wer war die legendäre „Dunkelgräfin“, die Anfang des 19. Jahrhunderts unter mysteriösen Umständen in das südthüringische Herzogtum Sachsen-Hildburghausen kam? Gemeinsam mit ihrem Begleiter Leonardus Cornelius van der Valck, dem „Dunkelgrafen“, lebte sie jahrelang unerkannt, wurde vor fremden Blicken geschützt wie ein kostbarer Schatz. Nach einer kaum nachvollziehbaren Odyssee war das seltsame Paar 1807 nach Hildburghausen gelangt. Ab 1810 lebte es im Schloss Eishau sen, wo die Dunkelgräfin 1837 starb und in einem namenlosen Grab auf dem Hildburghäuser Schulersberg in aller Stille beigesetzt wurde.

Handelte es sich bei ihr wirklich um Madame Royale, einem Sprössling des französischen Königspaares, das 1793 auf der Guillotine hingerichtet wurde? Unter welchen Umständen war Marie Theese Charlotte, die Tochter von Ludwig XVI. und Marie Antoinette, im Pariser Staatsgefängnis Temple inhaftiert? Warum wurde sie nach ihrer Gefangenschaft gegen eine andere Person ausgetauscht - und wer wusste davon?

Die Historikerin Helga Rühle von Lilienstern und der Publizist Hans-Jürgen Salier sind zwei hervorragende Kenner der Materie. Nach jahrzehntelanger Forschung ordnen sie auf 420 Seiten die zahlreichen Spuren, Indizien und Beweise: 2Das große Geheimnis von Hildburghausen“. Dabei fügen sie das Geschehen zwischen Paris, Wien, Hildburghausen und Eishausen in die großen politischen Zusammenhänge von der Französischen Revolution bis heute ein.

Ein Nachschlagewerk, das sich gleichermaßen an ausgesprochene Kenner und interessierte Laien wendet. Zahlreiche Quellentexte und historische Abbildungen sowie ein umfangreicher Anhang tragen zur Veranschaulichung der Zusammenhänge bei.

Auch wenn das „große Geheimnis“ nicht endgültig gelüftet werden kann, werden hier schlüssige Schlussfolgerungen gezogen, deren Überzeugungskraft nicht gering ist. Eine spannende Lektüre! (Michael von Hintzenstern in „Glaube und Heimat“ 32/08).

Buch: von Lilienstern, Helga Rühle/Salier, Hans-Jürgen: Das große Geheimnis von Hildburghausen, Salier Verlag, 420 Seiten, zahlr. Abb., ISBN 978-3-93961119-6, 27,50 Euro.

 

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Eisenach

Früher oder später zieht der Reiz der mittelalterlichen Feste über der Stadt einfach alle in ihren Bann: die Wartburg. Sie gehört zum UNESCO- Weltkulturerbe, denn kaum ein anderes Bauwerk ist für die deutsche Geschichte von ähnlicher Bedeutung. Im Jahre 1080 erstmals erwähnt, war die Wartburg bereits im Mittelalter Zentrum des politischen, kulturellen und religiösen Lebens. Die „deutscheste aller Burgen“", sie steht für Stein gewordene Rittertugenden und Minne- sang. Nach der Sage fand hier der legendäre Sängerkrieg statt, der durch Richard Wagners „Tannhäuser" in die ganze Welt ging. Elisabeth, die Schutzheilige von Thüringen, verbrachte viele Jahre auf der Wartburg und kümmerte sich selbstlos um Arme und Kranke. Ihr Leben und ihre Wirkungsgeschichte als „Mutter Theresa des Mittelalters“ werden im Focus der 3. Thüringer Landesausstellung „Elisabeth von Thüringen - eine europäische Heilige“ stehen. Eine Würdigung anlässlich ihres 800sten Geburtstages, und eine Auseinandersetzung mit ihrem Leben zwischen den Extremen ihrer Herkunft aus dem Hochadel und ihrer Hinwendung zur Welt der Ärmsten.

Doch nicht nur die Wartburg ist Ausstellungsort, auch in der Predigerkirche in Eisenachs Stadtzentrum wird ein Teil der vier- bis fünfhundert Exponate zu bewundern sein. Eine adäquate Stätte, ist doch die Predigerkirche eine der ersten Kirchen, die der heiligen Elisabeth geweiht wurden. Nach einer Chronik von etwa 1400 gelangte das Kruzifix von der Wartburg, vor welchem Elisabeth ihre goldene Krone niedergelegt hatte, hierher. Gezeigt werden hochkarätige Originale, unter anderem aus St. Petersburg und dem Vatikan, anhand derer Elisabeths Leben und Wirkungsgeschichte eindrucksvoll nachempfunden werden kann.

Heimstatt und schützendes Gemäuer war die Wartburg auch für Martin Luther, der hier 1521/22 in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Während seiner Schulzeit - von 1498 bis 1501 - hatte der spätere Reformator im so genannten Lutherhaus gelebt, wo seine beiden Wohnstübchen noch immer zu besichtigen sind. Das Rathaus von 1564, die prächtige Rathausapotheke und das Stadtschloss aus dem 18. Jahrhundert vermitteln dem Besucher ein Bild vom Eisenach vergangener Zeiten.

Der Dr. Kleist-Stadtrundgang hingegen führt Besucher an die Originalschauplätze der aktuellen TV- Serie. Die echten Dr. Kleist-Fans können so „ihrer“ Fernsehfamilie ein Stückchen näher sein. Schon seit der ersten Staffel gehören die Dreharbeiten um den beliebten Fernseharzt in Eisenach zum Stadtbild. Seither streifen zahlreiche neue Gäste in der Stadt umher, um möglichst viel „Dr. Kleist-Feeling“ zu erhaschen - und erleben dabei auch das wahre Eisenach, mit seinen Traditionen und historischen Sehenswürdigkeiten. „Johannes Kleist“-Darsteller UIlrich Pleitgen sagt: Mein persönliches Highlight sind die historischen Villen in der Südstadt, die von Fabrikanten und anderen besonders betuchten Eisenacher Bürgern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden. Heute ist das Südviertel eines der bemerkenswertesten Villengebiete Deutschlands - und Spaziergänge machen hier immer besonderen Spaß, denn man kann jedes Mal eine noch unbekannte architektonische Kostbarkeit entdecken. Am Klosterweg 10 steht ja auch „meine“, also Johannes Kleists Villa - ein wunderschönes altes Gemäuer, sozusagen das Zentrum der Serie!“

Aber letztlich stiehlt die fiktive Person des Dr. Kleist den „alten“ Eisenachern nur temporär die Show. Luther und Bach sind eben doch die wahren Stars, und das schon seit einigen hundert Jahren. Hätte es 1685 schon Fernsehen gegeben, wäre die Geschichte des Eisenacher Zweigs der Musiker-Familie Bach sicher auch ein „Straßenfeger“ geworden. Am 21. März dieses Jahres brachte die Frau des Hoftrompeters Johann Ambrosius Bach nämlich ihr jüngstes Kind zur Welt - Johann Sebastian. Sieben Generationen von „Bachen“ brachten einst über 100 Musiker hervor - doch keiner konnte an das Genie Johann Sebastian Bachs heranreichen.

Das Geburtshaus in der Fleischgasse, heute Lutherstraße, ist leider nicht erhalten, doch im 400 Jahre alten Bachhaus am Frauenplan wird bis heute anschaulich des großen Musikers gedacht. Sehenswert sind der Instrumentensaal und die originalen Einrichtungsgegenstände aus der Zeit des großen Organisten und Komponisten Johann Sebastian Bach. Ergänzt wird die bisherige Ausstellung durch interessante Exponate und Projekte rund um die Welt der Musik im neuen Museumsbau auf dem Nachbargrundstück des Bachhauses. Am 17. Mai 2007 soll der Neubau im Rahmen der Festwoche „100 Jahre Bachhaus“ feierlich eröffnet werden.

 

 

 

 

 

 

Creuzburg an der Werra

Der geschichtsträchtige Ort liegt nun wieder in der Mitte Deutschlands. Wer von Eisenach kommend auf der Bundesstraße 7 in Richtung Kassel fährt, wird unweigerlich von der Creuzburg, der alten thüringischen Landgrafenburg, beeindruckt. Gleichsam am Eingangsportal Thüringens erhebt sich die Schwesternburg der Wartburg im Werratal.

Einst soll bei der Christianisierung durch Bonifatius auf diesem 40 Meter hochragenden Felsen ein Kreuz errichtet worden sein. Später hat wohl ein Kloster dort gestanden, bevor an diesem strategisch wichtigen Ort eine stolze Burg, die Creuzburg (1165 bis 1168), errichtet wurde. Jedenfalls soll 1170 Kaiser Friedrich Barbarossa durch eine Urkunde mit Siegel und Unterschrift den Bau der Creuzburg bestätigt haben.

Die Thüringer Landgrafen hatten von der Creuzburg aus einen der wichtigsten Handelswege und die Werra in fester Hand.

Eine überaus bewegte Geschichte umgibt die Creuzburg. Nicht nur Landgraf Ludwig IV residierte zeitweise hier, auch seine Gemahlin, die Landgräfin Elisabeth, die als kleines Kind dem 11-Jährigen anvertraut wurde, liebte diesen Ort, der von der starken Stadt umgeben war. Ziemlich sicher ist, daß die junge Landgräfin auf der Creuzburg 1222 ihren Sohn Hermann geboren hat. Zu dieser Zeit war Landgraf Ludwig IV. unterwegs in Hessen. Doch seine große Freude und Dankbarkeit soll er dadurch zum Ausdruck gebracht haben, daß er 1223 eine steinerne Brücke mit sieben Bögen über die Werra hat bauen lassen. Sie ist noch heute ein großartiges Bauwerk (älteste Natursteinbrücke in Mitteldeutschland!).

Viele Legenden ranken sich um die mildtätige Landgräfin Elisabeth, die ihr Christsein in besonderer Weise mit der praktischen Liebestätigkeit zu verbinden wußte. Im Jahre 1227 begleitete Elisabeth von der Burg aus ihren Gemahl bei seinem Aufbruch zum Kreuzzug bis nach Schmalkalden. Bereits im September 1227 verstarb Landgraf Ludwig in Italien. Die Boten überbrachten die Todesnachricht. Elisabeth war zutiefst betrübt. „Übergroß, wie ihre Liebe gewesen war, war auch ihr Schmerz.“

Nach der Geburt der jüngsten Tochter Gertrud, die ebenfalls auf der Creuzburg geboren wurde, verließ die junge Mutter mit ihren Kindern Thüringen. Sie wurde in Marburg aufgenommen, begründete ein Spital, diente wie eine Magd, legte die Kutte der Franziskanerinnen an und verstarb 1231. Bereits 1235 wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

Der älteste Sohn Landgraf Hermann II. konnte erst nach seiner Mündigkeit das Landgrafenamt für Thüringen einnehmen. Er residierte kurze Zeit auf seiner Lieblingsburg und verstarb hier 1241. Sein plötzlicher Tod blieb geheimnisumwittert!

Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen haben immer wieder die Burg verwüstet. Aber auch wichtige Zusammenkünfte in der Reformationszeit haben Landgrafen und Fürsten auf der Creuzburg zusammengebracht. Kurfürst Johann der Beständige hat mit den Landgrafen von Hessen und Sachsen über die Einführung der Reformation hier konferiert. Martin Luther hat auf dem Weg zu den Marburger Religionsgesprächen mit seinen Freunden die Creuzburg aufgesucht. Minister Johann Wolfgang von Goethe und Herzog Karl August von Weimar haben den steilen Weg zur Burg im Jahre 1779 nicht gescheut.

Nicht zu vergessen, daß Michael Schultheiss, der Sohn des Creuzburger Pfarrers, genannt Michael Praetorius, ein Kind Creuzburgs ist. Von ihm stammt die Melodie des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“.

Als 1945 deutsche Truppen den Untergang des 3. Reiches im Werratal aufhalten wollten, wurde die alte Stadt Creuzburg zu über 85 Prozent zerstört. Vieles ist verloren gegangen, nicht nur mittelalterliche Gebäude, sondern auch wertvolle Gemälde und Kunstgegenstände. Große Teile des Ortes lagen von 1962 an in der fünf Kilometer-Sperrzone. Zugang war nur mit einem Passierschein möglich. Erst nach der Wende ist wieder neues Leben und neue Hoffnung eingezogen.

 

 

Hainich

Der Hainich als 13. Nationalpark in Deutschland mit zentraler, gut zu erreichender Lage bietet mit seinen vielgestaltigen geschlossenen Waldflächen, insbesondere einem wertvollen Buchenbestand, großen Wiesen und verwilderten Hecken unzählige Wandermöglichkeiten. Naturliebhaber, Allwetterwanderer, entdeckungsfreudige und ruhesuchende Menschen können sich zu jeder Jahreszeit erholen und entspannen. Eine Fülle selten gewordener Pflanzen und Tiere hat hier Lebensräume und Schutz gefunden, darunter 14 Fledermaus- und 22 Orchideenarten. Über 600 verschiedene Großschmetterlinge tummeln sich im Hainich, nahezu 800 Blütenpflanzen wurden bisher erfasst. Jede Begegnung mit dem „Urwald mitten in Deutschland“ zeigt uns den Reichtum der Natur, wenn man sie „Natur sein lässt“. Mutigen sei gesagt: Eine Nachtwanderung kann zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Der Weg führt uns sowohl durch die Tiefen des Hainicher Urwaldes wie auch durch offenes Gelände mit Panoramablick über das Thüringer Becken, überspannt von einem schier unendlichen Himmel. Wer sich ganz leise verhält und Luchsaugen hat, kann vielleicht in der Tiefe des verwildernden Waldes eine der seltenen Wildkatzen erspähen, die in einer kleinen Population wieder heimisch geworden sind. Ornithologisch interessierte Wanderer werden sich an der Vielfalt der Vogelstimmen - über 170 Arten - freuen. Die meisten Dörfchen am Saum des Hainich bieten Möglichkeit zu Rast und Einkehr. www.hainichland.de

 

Baumkronenpfad

Eine einzigartige Attraktion seit August 2005 ist der 306 Meter lange Baumkronenpfad in der Nähe des Parkplatzes Thiemsburg bei Bad Langensalza. Er führt die Besucher in einer Höhe bis 24 Meter durch die Baumkronen von neun Laubbaumarten, unterwegs erfährt man in mehreren thematischen Stationen viel Wissenswertes über Flora und Fauna. Der Pfad mündet in einen Turm, dessen Plattform in 44 Meter Höhe atemberaubend schöne Aussichten auf den Nationalpark und dessen Umgebung bietet. Stündliche Führungen.

Öffnungszeiten: 1. April - 31. Oktober 10 - 19 Uhr, 1. November- 31. März 10 -16 Uhr,

 

Opfermoor

Wo ist Deutschlands Mitte? Geografisch gesehen: zwischen Nieder- und Oberdorla, seit 1990 wissenschaftlich nachgewiesen, fünf Kilometer nördlich von Kammerforst. Just hier wurden 1957 beim Torfstechen Reste einer germanischen Kultstätte entdeckt. Der Fund war bedeutend, wenn auch damals noch unmittig. Heute werden Originale und Nachbildungen im Ausstellungszentrum „Opfermoor“ gezeigt. Öffnungszeiten: täglich von 10 - 18 Uhr.

Zweckverband „Mittelpunkt Deutschland“, Schleifweg 8, 99986 Niederdorla Tel./Fax: 0 36 01 - 75 60 40, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , wwvv.opfermoor.de

 

 

 

 

 

Ohrdruf

Dass in Ohrdruf Thüringer Kirchengeschichte begann, ist bekannt. Wenn aber archäologische Erkenntnisse historische Quellen bestätigen und erweitern, kann das zu einer Sensation werden.

Funde, die ihresgleichen in Thüringen suchen, gibt es noch bis zum „Tag des offenen Denkmals“ im Hof von Schloss Ehrenstein in Ohrdruf zu bestaunen. Dazu gehört vor allem die ins frühe 11. Jahrhundert datierte Krypta der ehemaligen Peter- und Paulskirche. Den Fund der Krypta bewertet Sven Ostritz, Präsident des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie, als sensationell und einmalig, ist sie doch die älteste im Freistaat. Die freigelegte Krypta spricht für die Bedeutung des Ohrdrufer Gotteshauses, schließlich konnte der Bau von Krypten in Thüringen bislang nur an wenigen Orten belegt werden.

Ostritz geriet als oberster Archäologe des Freistaats richtig ins Schwärmen, als er die Ausgrabungen kürzlich der Öffentlichkeit vorstellte und dabei am Standort des ältesten nachweislich von Bonifatius gegründeten Klosters bekundete: „Bonifatius war nicht alles“.

Tatsächlich zählt die einstige St. Peter-und-Pauls-Kirche zu den ältesten Thüringer Kirchen. Die nun ergrabene dreischiffige und dreijochige Krypta als Unterkirche, die es, so Ostritz, „in Thüringen nur dieses eine Mal gibt“, unterstreicht die Bedeutung des Gotteshauses. Die Existenz des Bauwerks war kein Geheimnis, schließlich berichtete das Reliquienverzeichnis des Propstes Wolfram von Ichtershausen aus dem Jahr 1190 von der Restaurierung einer ziemlich zerfallenen Kirche, in die im Jahr 980 Kanoniker eingesetzt und kostbare Reliquien verbracht worden seien. Das Verzeichnis erwähnt auch den großen Brand von 1184

Doch Berichte sind das eine, archäologische Reste das andere. So fanden die Archäologen um Grabungsleiter Udo Hopf neben den Mauerstrukturen auch Hinweise auf starke Brandspuren in der Krypta und Belege für den anschließenden Wiederaufbau des Gotteshauses - nach dem Brand - ein Glücksfall, bei dem historische Quellen und archäologische Erkenntnisse zusammenfinden.

Die Maße der Kirche wirken auch heute noch beeindruckend, erst recht für die Menschen des Mittelalters. Nach 1184 entstand eine rund 40 Meter lange, 17 Meter breite Pfeilerbasilika mit einem 23 Meter breiten Querhaus. Zu den besonderen Funden, die Hopf und seine Kollegen bargen, gehören Teile eines um 1200 datierten Gips-Estrichfußbodens mit mehrfarbigen ornamentalen Einlegearbeiten.

Bereits seit Juli 2008 laufen die Ausrabungen im Schlosshof. Erforderlich wurden sie durch dessen geplante Neugestaltung. Dabei fanden die Archäologen südwestlich des Kirchenstandortes auch Reste eines 18 Meter langen Holzbaues aus dem 10. Jahrhundert. Dieser als „Halle“ bezeichnete Bau könnte möglicherweise dem späteren König Otto I. als Aufenthaltsort bei seinem Zug nach Italien gedient haben. Tatsächlich wurde in Ohrdruf Reichsgeschichte geschrieben, denn König Otto I. urkundete auf seiner Italienreise 961 in Ohrdruf. Ob der Bau damit in Zusammenhang steht, bleibt allerdings Spekulation. Wenige Jahre später entstand an Stelle des Holzbaues ein repräsentativer Steinbau. Dieser und die Einrichtung eines Kanonikerstiftes am Standort der Peterskirche 980 unter Abt Gozbert von Hersfeld stehen wohl in engem Zusammenhang. Zur zeitlichen Einordnung trägt der Fund eines silbernen Denars (um 1000) aus der Regierungszeit Kaiser Ottos III. bei.

Zu den interessanten Grabungsergebnissen gehören ferner 34 Gräber bzw. Grabgruben, von denen 16 vollständig freigelegt werden konnten. 25 der Gräber werden ins 10. bis 12. Jahrhundert datiert und drei stammen aus der Zeit zwischen 777 und 930. Sie verweisen in die frühe Zeit des Klosters, für das es sonst keine archäologischen Befunde gibt. Im Nachfolgebau lebten bis 1344 Augustiner-Chorherren und von 1463 bis zur Reformation 1525 Karmelitermönche. Anstelle des Klosters ließen die Grafen von Gleichen zwischen 1550 und 1570 Schloss Ehrenstein errichten. Im Nordflügel integriert überdauerte der Turmstumpf der Kirche die Jahrhunderte. Nach Fertigstellung des Schlosshofes im Herbst 2010 soll der Grundriss des mittelalterlichen Gotteshauses im Pflaster sichtbar gemacht werden.


 

 

 

 

Erfurt

 

 

 

 

Geschichte

742

Erste urkundliche Erwähnung anläßlich der Bistumsgründung durch Bonifatius

um 754

Das Erfurter Bistum wird dem Bistum Mainz angeschlossen

805

Karl der Große erhebt Erfurt zum Grenzhandelsplatz und verleiht dem Ort das Stapelrecht

um 1000

Erfurt wird als königliche Schenkung an das Erzbistum Mainz gegeben

1168

Ein erster Doppelmauerring mit Zwinger umschließt die Stadt

1331

Kaiser Ludwig gibt das Messeprivileg an Erfurt

1392

Eröffnung der Universität durch den Rat der Stadt

1432

Bau der äußeren Stadtmauer

1458

Die Juden werden ausgewiesen, erst ab 1810 erhalten sie wieder Zuzugsrecht

1472

Ein Stadtbrand zerstört mehr als die Hälfte der Häuser

1501 - 05

Martin Luther als Student in Erfurt

1505 - 11

Martin Luther als Mönch im Augustiner-Eremiten-Kloster

1509 - 10

Tolles Jahr mit Bürgerunruhen wegen der Verschuldung der Stadt

1521 - 25

Die lutherische Reformation hält Einzug in Erfurt

1631- 49

Zeit der schwedischen Besetzung mit mehrmaligem Aufenthalt des Königs Gustav Adolf II. von Schweden

1664

Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn erobert die unter Reichsacht stehende Stadt und Erfurt verliert seine Selbständigkeit

1664

Der Petersberg wird zur Zitadelle ausgebaut, die Regierung wird von Mainzer Statthaltern wahrgenommen

1685

Beginn des Erwerbsgartenbaus

1802

Erfurt wird preußisch

1806 - 13

Französische Besetzung

1808

Erfurter Fürstenkongreß, Napoleon teilt Europa auf

1847

Erfurt wird an die Eisenbahn angeschlossen

1850

Das Unionsparlament tagt in der Augustinerkirche

1873

Entfestung der Stadt nach der Reichsgründung

1891

Erfurter Parteitag der SPD

1906

Erfurt wird mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt

1925

Der erste Flugplatz am Roten Berg wird eröffnet

1938

Im Pogrom in der sogenannten „Reichskristallnacht“ wird die Synagoge vernichtet und die jüdische Bevölkerung deportiert

1945

Besetzung der Stadt durch amerikanische, später sowjetische Truppen

1970

Treffend es Bundeskanzlers Willy Brandt mit dem DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph im „Erfurter Hof“

1991

Erfurt wird thüringische Landeshauptstadt im wiedervereinten Deutschland

1994

Wiedergründung der Thüringer Universität

 



 

 

Majestätisches Erfurt - die Landeshauptstadt wurde schon oft als „thüringisches Rom“ bezeichnet, wegen seiner Vielzahl an Kirchen und Klöstern. Doch Erfurt ist nicht erstarrt in sakraler Würde; Erfurt ist lebendig, ist gastlich, ist mediterran entspannt. In Deutschlands grüner Mitte liegt eine Metropole, die ihren eigenen Charakter hat: Erfurt ist bedeutend - und Erfurt ist schön. Die Stadt der Türme wird sie gerne auch genannt; „Erfordia turrita - türmereiches Erfurt“. Der eine oder andere Blick nach oben lohnt in Erfurt allemal, nicht nur der Türme wegen. Wer Erfurt besucht, sollte seinen Blick erheben, denn eine Vielzahl von Entdeckungen wartet auf jene, die mit offenen Augen die Landeshauptstadt erforschen.

 

 

 

Rundgang:

 

Wenn man von der Autobahnabfahrt Erfurt-West kommt, biegt man am Stadtring nach rechts ab Richtung Hauptbahnhof. Auf der Schillerstraße fährt man bis zum Schmidsteder Knoten. Dort geht es links ab, unter den Schienen hindurch und gleich wieder links. Noch ein Stück weiter geht es spitz nach links in die Trommsdorfstraße. Wenn man nicht schon dort parken kann (nur Montag bis Freitag 8-20 Uhr ist die Parkzeit auf eine Stunde beschränkt) fährt man weiter Richtung Bahnhof, dann rechts und wieder links zum Parkhaus (über eine Stunde kosten schon 2,50 Euro).

 

 

 

 

 

Reglerkirche:

 

Ausgangspunkt ist der Bahnhof. Die Eisenbahnunterführung durchsticht den ehemaligen Festungswall aus dem 15. Jahrhundert, auf dem nach der Entfestung der Stadt die Bahngleise verlegt wurden. Man geht nach Norden in die Bahnhofstraße mit ihren Häusern aus der Gründerzeit. Rechts steht die evangelische Reglerkirche, die im 12. Jahrhundert als Klosterkirche des regulierten Augustiner-Chorherrenstiftes errichtet wurde. Sie hat einen sehenswerten Doppelflügelaltar von 1460.

 

 

 

Anger:

 

Der Anger vor Jahrhunderten Gemeindeweide an der Stadtmauer, dann Haupthandelsplatz für Wolle, Weizen, Waid und Wein und ist heute die Hauptgeschäftsstraße Erfurts.

 

 

 

Geradeaus sieht man zur im 12. Jahrhundert gegründeten und im 15. Jahrhundert umgebauten katholischen Lorenzkirche. Zwischen der Lorenzkirche und dem Hauptpostamt am östlichen Anger befindet sich das Palmenhaus, das 1888 im Jugendstil als gußeiserne Konstruktion mit Glasdach für eine Gartenbaufirma gebaut wurde.

 

Bis auf wenige Ausnahmen wird das Bild des Angers von Bauwerken des historisierenden Stils der Jahrhundertwende geprägt. Im Haus Nr. 6 „Zur güldenen Aue und Kardinal“ wohnte zum Fürstenkongreß 1808 der russische Zar Alexander I. Das Haus wurde 1713 anstelle von zwei abgebrannten Häusern erbaut. Das von 1577 stammende Haus Nr. 11 „Zum schwarzen Löwen“ war im 30jährigen Krieg die schwedische Statthalterei. Das Hauptpostgebäude wurde  1892 bis 1895 im gotisierenden Stil erbaut.

 

Südlich des Platzes am östlichen Ende des Angers steht das Ursulinenkloster, das 1235 erst­mals erwähnt wird und seit etwa 300 Jahren von Ursulinen bewohnt. Weil sie hauptsächlich durch Unterricht und Erziehung wirken, entging ihr Kloster der Säkularisierung im vorigen Jahrhundert und ist heute der letzte Zeuge aus Erfurts vielfältigem Klosterleben.

 

 

 

Kaufmannskirche:

An der Nordostecke steht die evangelische Kaufmannskirche,  die als einzige Bürgerkirche zwei Türme hat. Im 11.. Jahrhundert wurde sie von reisenden friesischen Kaufleuten gegründet. Im Jahre 1522 predigte Martin Luther dort und am 18. April 1668 heirateten dort die Eltern Johann Sebastian Bachs. Das Lutherdenkmal vor der Kirche wurde 1889 von Schaper geschaffen.          

 

 

 

Johannesstraße:

 

 Man geht rechts vorbei in die Johannesstraße,  auf deren Ostseite einst mächtige Waidjunkerhöfe gestanden haben. Einige von ihnen, so das spätgotische Haus „Zur Mühlhaue“ (Nr. 166) mit seiner ausdrucksvollen Eckquaderung und das Haus „Zum Mohrenkopf“ (Nr. 168) mit sehr schönen bildhaft dargestellten Bierlochsteinen, erzählen noch heute von der wirtschaftlichen Stärke ihrer Erbauer. Im Haus „Zum Stockfisch“ (Nr. 169), das 1607 auf den Kellergewölben seines gotischen Vorgängerbaues errichtet wurde, befindet sich das Stadtmuseum. Seine reich geschmückte Fassade mit dem prachtvoll verzierten Eingangsportal zeugt vom Reichtum der Waidhändlerfamilien. Über dem Portal wird in einem Steinrelief das Hauszei-  chen, ein Stockfisch, dargestellt.

 

Ein typisches Waidhändlerhaus ist das Haus „Zur Wachsenburg“ (Nr. 174), dessen Fassade heute verputzt ist. Es wurde im 15. Jahrhundert mit mehreren Dachböden zur Waidverarbeitung erbaut. Am Ende der Johannesstraße steht das Haus „Zum grünen Sittich und gekrönten Hecht“, das zwischen 1557 und 1584 durch den Umbau eines gotischen Hauses entstanden ist. Sein Erdgeschoß ist massiv, während die Obergeschosse in Fachwerkbauweise errichtet wurden. Die Giebelseite zeigt einen besonderen Fachwerkverbund, der „Wilder Mann“ genannt wird.

 

Man geht bis zum Johannesturm. und biegt nach links ab in die Augustinerstraße und zur Augustinerkirche und zum Augustinerkloster.

 

Vorher sieht man links in die romantische Kirchgasse, deren Häuschen nicht höher sein durften als die Klostermauer.

 

 

 

 

 

Augsutinerklsoter:

 

Das seit 1277 erbaute Augustinerkloster ist nach der Beseitigung der schweren Kriegsschäden eine sehenswerte gotische Klosteranlage. Die Kirche zeigt alle Besonderheiten der strengen Bauregeln des Bettelmönchsordens und hat wertvolle Glasfenster vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Hier lebte Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch. Erfurt gilt als Luthers geistige Heimat; hier begann er nach dem Studium der Rechtswissenschaften sein Theologiestudium. Am 17. Juli 1505 bat Luther um Aufnahme in das Erfurter Augustinerkloster, wo er über Jahre in strenger Askese und wissenschaftlicher Einkehr als Mönch lebte. Im Jahre 1507 weihte man ihn im Mariendom zum Priester.

 

Seit 1525 ist die Kirche evangelisch. Das Kloster wurde Ratsgymnasium und Waisenhaus.

 

Heute befindet sich hier die Augustinergemeinde, eine große Bibliothek und ein Tagungsheim. Mit der ständigen Ausstellung zum Leben des Reformators und der Lutherzelle ist das Augustinerkloster eine bedeutende Lutherstätte in Thüringen. Die Besichtigung des Klosters ist nur im Rahmen von Führungen möglich.

 

An der Kreuzung mit der Comthurstraße strh der Turm der 1744 abgebrochenen Nikolaikirche, auf dem bis in unser Jahrhundert hinein hat ein Türmer gewohnt und über der Stadt Wache gehalten hat.

 

 

 

Lehmannsbrücke:

 

Die Augustinerstraße überquert die Gera an der Lehmannsbrücke. Von hier sieht man eine künstlich angelegte Insel, durch die die Fließgeschwindigkeit der Gera erhöht wird. Das ist bei dem geringen Gefälle durch die Stadt notwendig, trieben doch die mehrfach verzweigten Flußarme im Stadtgebiet zeitweise über 50 Mühlen an. Seit dem Mittelalter wird das Wasser des Flüßchens mehrmals im Jahr umgeleitet, so daß bei dieser „Flußfege“ wasserbauliche Arbeiten vorgenommen werden können.

 

 

 

Comthurhof:

 

 Man geht nach Süden an der Gera entlang. An der nördlichen Ecke mit der Schildgasse steht der  Comthurhof von 1570, der an die glanzvollen Zeiten des Deutschen Ordens erinnert.           

 

Dämmchen:

 

Durch die etwas weiter südlich gelegene Hütergasse kommt man über den östlichen Arm der Gera auf das Dämmchen. Das Haus „Zu den kleinen Füchsen und roten Hirsch“ aus dem 17. Jahrhundert (Hütergasse 13) wurde aus ursprünglich zwei Häusern zu einem Grundstück zusammengefaßt. . Am Wasserlauf ist eine Schöpfstelle und ein Waschplatz aus der „guten alten Zeit“ erhalten geblieben, während unter dem Fußgängerbrückchen letztens eine neue künstliche Insel angelegt wurde.

 

Am gegenüberliegenden Flußufer ragen die beiden Häuser der ehemaligen Armenburse über das Wasser. Einst war hier ein Internat, in dem mittellose Studenten der Erfurter Universität unterkommen konnten.

 

 

 

 

 Haus „Zur Steinecke“:

 

Nach Süden kommt man in die Horngasse. Von der Brücke aus öffnet sich der Blick auf die Krämerbrücke, zu deren Schutz auch das um 1200 erbaute Haus „Zur Steinecke“ (Horngasse 4) diente. Es ist eines der ältesten Häuser der Stadt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts war es Universitätshospital, dann öffentliches Badehaus, danach wieder Wohnhaus, und heute beherbergt es die Restaurierungswerkstätten der Denkmalpflege.

 

 Von der kleinen Grünanlage am Wasser blickt man auf die seichte Flußdurchfahrt, die der Stadt den Namen gegeben hat: die Furt durch die „Erphe“, wie die Gera in frühmittelalterlicher Zeit genannt wurde. Unweit dieser „Erphesfurt“ hatte der Missionsbischof Bonifatius 742 ein Bistum gegründet und dies in einem Brief mit der Bitte um Bestätigung dem Papst mitgeteilt. Damit taucht der Name „Erfurt“ erstmals aus dem Dunkel der Geschichte auf und gleichzeitig die Nachricht, daß hier eine befestigte Burg heidnischer Bauern zu finden war. Seit alters her kreuzten sich im Schutze dieser Siedlung wichtige Handels- und Heerstraßen: die in West-Ost-Richtung verlaufende Via regia (von Paris nach Nowgorod) und die Nürnberger Geleitstraße, die in Nord-Süd-Richtung Norddeutschland mit Italien verband. Die Bundesstraßen 4 und 7 folgen zum Teil diesen uralten Wegen.

 

 

 

Futterstraße:

 

Durch die Horngasse kommt man in die Gotthardtstraße, auf der man nach rechts weiter geht und dann links in die Schottengasse. An ihrem östlichen Ende steht die Schottenkirche, deren barocke Fassade die einzige romanische Kirche Erfurts verbirgt. Auf der Schottenstraße geht man dann nach Süden bis zur Futterstraße.

 

Durch die Futterstraße führte einst die „Via regia“ in Richtung Nowgorod. Hier konnten sich die reisenden Kaufleute für die erste Reiseetappe mit Pferdefutter versehen, denn die hier wohnenden Bürger hatten ein heute vergessenes Gewerbe: sie waren Pferdefütterer. Wenn die Kaufleute aufgrund des Stapelrechts ihre Reise unterbrachen, mußten die Pferdegespanne versorgt werden. Die Futterhändler haben damit soviel Geld verdient, daß sie nach dem 30jährigen Krieg fast als einzige Bürger der Stadt Erfurt neue Häuser im Barockstil bauen konnten.

 

Die renovierte klassizistische Fassade des Kaisersaales fällt gleich auf. Es ist das alte Universitätsballhaus, das 1715 aus zwei älteren Gebäuden errichtet wurde. Im Jahr 1791 war die Uraufführung der Prosafassung von Schillers „Don Carlos“ und 1808 trafen sich Napoleon I. und Zar Alexander I. zum Fürstenkongreß in diesem Haus. Im Jahre 1891 wurde in ihm der Erfurter Parteitag der SPD abgehalten. Im Jahr 1994 wurde das traditionsreiche Haus als Kultur- und Kongreßzentrum mit gepflegter Gastronomie wieder eröffnet.

 

Schräg gegenüber (Futterstraße 2) steht das Haus „Zum Rebstock“, im Jahr 1451 vom Ratsherrn Otto Ziegler erbaut, der von seiner Reise ins Heilige Land einen Rebstock mitgebracht hatte. Das Haus Nr. 12 „Zum Würzgarten und Aron“ (1737) und das Haus Nr. 13 / 13a „Zum gekrönten Löwen und kleinen Wachsberg“ sind über den Kelleranlagen ihrer Vorgängerbauten errichtet worden.

 

 

 

 

 

Wenigemarkt:

 

Der Wenigemarkt ist von Bürgerhäusern des vergangenen Jahrhunderts umstanden ist. Der moderne Brunnen auf der Platzmitte zeigt spielende Knaben. Einst war dieser Platz der östlichste Marktplatz des Frankenreiches. Hier trafen sich die fränkischen und die slawischen Kaufleute zu Handel und Austausch.

 

 

 

Ägidienkirche:

 

Vom Wenigemarkt sieht man die letzte der vier Brückenkopfkirchen Erfurts, die Ägidien­kirche. Sie ist als Wegekapelle schon 1100 erwähnt worden, ihre steinerne Nachfolgerin

 

wurde 1321 - 1324 im Zusammenhang mit der Krämerbrücke erbaut und diente den reisen-

 

den Kaufleuten und ihren Begleitern zur Seelsorge und zum Empfang der Sakramente.

 

Durch den Torbogen, über dem das Kirchenschiff liegt, könnte man schon auf die Krämerbrücke gelangen. Da, wo heute ein romantisches Cafe zum Verweilen einlädt, beobachtete einst die Wachmannschaft der Brücke das geschäftige Treiben.

 

 

 

 

 Haus „Zum alten Schwan“:

 

Man geht aber östlich um die Kirche herum und kommt noch einmal in die Gotthardtstraße, auf deren östlicher Seite das Haus Nummer 7 steht, der Gasthof. „Zum alten Schwan“, dessen Gebäude bis in das 15. Jahrhundert zurückgeht. In den Jahren 1769 bis 1772 wohnte hier der Dichter Christoph Martin Wieland, als er Professor an der Universität war.

 

 

 

Krämerbrücke:

 

Absoluter Star unter den Erfurter Bauwerken ist unumstritten die Krämerbrücke, mit 120 Metern die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas. Das heutige Bauwerk hat verschiedene Vorgänger. Um bei Hochwasser den Fluß überqueren zu können, wurde neben der Furt mehrmals eine hölzerne Fußgängerbrücke, im Jahre 1325 eine Brücke aus Stein errichtet, auf der von Anfang an die Händler ihre Krambuden aufschlugen. Nach einem Stadtbrand 1472 wurde sie durch Pfeilervorlagen und hölzerne Sprengwerke auf ihre heutige Breite von 18 Metern erweitert. Die Brücke überspannt mit mehreren starken Sandsteinbözen die beiden Flußarme, so daß ursprünglich 62 schmale, inzwischen auf 32 zusammengefaßte Häuser darauf Platz gefunden haben. Ost- und Westende der Brücke wurden durch Brückenkopf-Kirchen abgeschlossen, von denen nur noch die östliche Ägidien­kirche existiert, während die westliche Benediktikirche im vorigen Jahrhundert abgebrochen wurde.

 

Wenn man zwischen den kunterbunt zusammen gewürfelten Fachwerkhäusern entlanggeht, hat man nicht das Gefühl, auf einer Brücke zu sein - erst wenn man wieder seitlich an der Gera steht, kann man die gewaltigen Balkenkonstruktionen betrachten, auf denen die Bauwerke ruhen. . Einst boten die Händler nur nur Luxusartikel wie Gewürze und Arzneien, Färbemittel, Edelmetalle, Seide und Papier an. Eine Vielzahl von Hauszeichen lassen die phantasievollen Namen der Gebäude erkennen. Auch heute befinde sich hier viele kleine Geschäfte. Die Erfurter feiern ihre schöne alte Brücke jedes Jahr im Juni mit dem mehrtägigen Krämerbrückenfest.

 

 

 

 

 

Haus „Zum schwarzen Horn“:

 

Am Ende der Krämerbrücke ist links die die 1895 gebaute Rathausbrücke und rechts geht es in die Michaelisstraße. Hier steht auf der rechten Seite das Haus Nr. 48 „Zum schwarzen Horn“, im 15. Jahrhundert erbaut und Druckort vieler Flugschriften Luthers, auch seines ersten Gesangbuches. Im Jahre 1502 wurde hier zum ersten Mal nördlich der Alpen in griechischer Sprache gedruckt.

 

 

 

Alte Synagoge:

 

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Stadtviertel um die Michaelisstraße von jüdischen Kaufleuten bewohnt. Im Jahr 1458 wurde durch den Rat der Stadt aller jüdischer Besitz beschlagnahmt und die Juden der Stadt verwiesen. Erst 1810 erhielten sie wieder Zuzugsrecht. In der Waagstraße steht die alte Synagoge, die rund 1000 Jahre alt ist und erst beim Abbruch von Häusern wieder zum Vorschein kam. Doch nicht nur das Gebäude, das erst nach 1990 wiederentdeckt wurde, ist einzigartig. Ebenso beispiellos ist der „Erfurter Judenschatz“, der dort auf Dauer zu sehen sein soll. Der sensationelle Fund von 1998 sorgte bereits bei Ausstellungen in Paris, New York und London für Aufsehen. Dabei war der fast 30 Kilogramm schwere Schatz mit über 3.100 Silbermünzen, 14 Silberbarren, Silberbestecken und mehr als 600 Goldschmiedearbeiten ein Zufallsfund in letzter Minute. Entdeckt wurde er bei archäologischen Vorarbeiten für einen Neubau in der Altstadt. Fachleute datierten ihn auf das späte 13. und das frühe 14. Jahrhundert.

 

In der Umgebung des Fundortes lebten bis zum Pest-Pogrom von 1349 überwiegend Mitglieder der ersten jüdischen Gemeinde Erfurts. Deshalb liegt für Experten die Vermutung nahe, daß der Schatz einst aus Angst vor Vertreibung und Verfolgung vergraben wurde. Die gefundenen Schmuckstücke werden nun im Kellergewölbe der Alten Synagoge großzügig präsentiert. Dazu gehört auch ein kunstvoll gearbeiteter goldener Hochzeitsring, der mittlerweile zum Symbol für das Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“ wurde.

 

Das Schicksal des Gebäudes als Spiegelbild der wechselvollen jüdischen Stadtgeschichte dokumentiert das Museum im Erdgeschoß. Juden sind nach jüngsten Forschungen für Erfurt bereits im karolingischen 8. Jahrhundert nachgewiesen. Ältester schriftlicher Beleg dafür ist der im Obergeschoß gezeigte „Judeneid“ von 1183. Damit müßten Juden einst bei einem Rechtsstreit mit Nichtjuden ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.

 

Zu den ausgestellten jüdischen Handschriften gehört ferner die größte bekannte hebräische Bibel, ein Zeugnis der herausragenden Stellung der damaligen jüdischen Gemeinde. Sie sei trotz wiederholter Pogrome im mittelalterlichen Erfurt bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Gemeinden im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gewesen, erläutert Beese.

 

Einzelheiten zu ihrer Geschichte rückten jedoch erst in den vergangenen Jahren wieder stärker ins öffentliche Bewußtsein. Ein wichtiger Anstoß dafür war neben dem Schatzfund zweifellos die Wiederentdeckung des historischen Bethauses. Ein Foto aus der Zeit vor der Entdeckung zeigt am später nachgewiesenen Standort lediglich abenteuerliche Anbauten. Das sichtlich brüchige Gebälk eines Spitzgiebels war das Dach der Synagoge.

 

Erst der Marburger Bauforscher Elmar Altwasser hat das Gebäude 1992 zweifelsfrei als Ort des jüdischen Glaubens und Lebens identifiziert. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Synagoge, deren Anfänge bis in die Zeit um das Jahr 1100 zurückreichen, schon seit fast 650 Jahren nicht mehr. Nach dem Pogrom von 1349 machte ein Erfurter Kaufmann das beschädigte Gebäude zum Lagerhaus. In den zwölf Meter hohen Raum mit Tonnengewölbe wurden Toreinfahrten, eine Zwischendecke und im Keller ein Kreuzgewölbe eingezogen.

 

Seit dem 19. Jahrhundert gehörten die Räume zu Gaststätten in der Nachbarschaft. Im bunt ausgemalten Obergeschoß mit umlaufender Galerie spielten Musiker zum Tanz. So bewahrte jahrhundertelange Zweckentfremdung die Synagoge letztlich vor der Zerstörung. Anders als die am Stadtring gelegene Synagoge von 1884 überstand so das einstige Bethaus in der Altstadt das nationalsozialistische Pogrom von 1938. Es gilt heute als die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge in ganz Europa. Für 1,4 Millionen Euro ist sie in den vergangenen Jahren zu einem Museum und damit zu einem einzigartigen und sorgsam bewahrten Zeugnis jüdischen Lebens geworden. Im Oktober 2009 wurde das Museum eröffnet. Es ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 5 Euro.

 

 

 

 

 

Haus „Zum Güldenen Krönbacken“:

 

Weiter in der Michaelisstraße kommt man zum Haus „Zum Güldenen Krönbacken“ (Michaelisstraße 10). Die Erfurter Patrizierfamilie von Milwitz ließ es  in den Jahren 1534 bis 1561 umbauen, aber es geht auf weit ältere Vorgängerbauten zurück. Die An­lage ist noch gut erhalten und wird seit der Sanierung öffentlich als Kulturhof genutzt. Wechselnde Ausstellungen im ehemaligen Waidspeicher in der tiefen Hofanlage und im Wohnhaus ziehen das Interesse der Besucher an.

 

 

 

Michaeliskirche:

 

Es folgt die evangelische Michaeliskirche, I m Jahre 1183 gegründet hatte sie ihre große Zeit als Universitätskirche. Im Kirchturm hängt die älteste Erfurter Glocke, die 1380 gegossen wurde. Vom romantischen Kirchhof mit alten Grabmalen gelangt man über eine Treppe zur Dreifaltigkeitskapelle, die Bischof Johann Bonemilch von Laasphe im Jahr1500 bauen ließ. Dieser Sakralraum ist ein Ruhepunkt, wo Nachdenken und stilles Gebet ihren Platz haben.

 

 

 

Universität:

 

Rechts gegenüber stand die Erfurter Universiät“ (Michaelisstraße 39). Nur das Kielbogenportal des 1945 zerstörten „Collegium maius“ erinnert an die glanzvollen Zeiten der Erfurter Universität. Im Jahre 1392 wurde  sie durch den städtischen Rat als fünfte Universität im deutschen Sprachraum eröffnet und wurde sie schnell zur meistbesuchten in Mitteleuropa, da von Anfang an alle vier Fakultäten (Theologie, Philosophie, Medizin, Jura) zugelassen waren. Ihr berühmtester Student warvon 1501-1505 Martin Luther.´Im Jahre 1816 wurde die Universität geschlossen. Eine Neugründung erfolgte 1994. Heute ist in dem Gebäude das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland untergebracht.

 

 

 

 

 

Haus „Zur Großen Arche Noä“ und „Engelsburg“:

 

Eionstück weiter an der Nordseite der Furthmühlgasse steht das  1568 erbaute Haus „Zur großen Arche Noä“und „Engelsburg" (Michaelisstraße 38), dessen rechte Hausecke durch eine Rustikasäule geschützt wird. Hier lebte Adam Ries fünf Jahre lang. Sein berühmtes Rechenbuch wurde im Haus „Zum schwarzen Horn“ (Michaelisstraße 48) gedruckt.

 

 

 

 

 

Haus „Zum güldenen Stern“:

 

Man geht auf der Michalisstraße ein Stück zurück und biegt nach Westen in die Allerheiligenstraße ein. Das Haus „Zum güldenen Stern“ (Allerheiligenstraße 11) trägt auf seinem spätgotischen Erker die Jahreszahl 1459 in gotischer Schreibweise. Es war ein Wohnhaus und eine Druckerei, in der 1473 erstmals in Erfurt mit beweglichen Lettern gedruckt wurde (ein Ablaßbrief).

 

 

 

Waage-Gasse:

 

Gegenüber dem Haus Allerheiligenstraße 8 „Zum güldenen Sternberg“ (1519) mündet die Waagegasse mit einer langen Front stattlicher dreigeschossiger Speichergebäude aus dem (16. und 17. Jahrhundert in Fachwerkbauweise. Es waren Lagergebäude für die Waren, die auf dem Transport durch Erfurter Gebiet nach dem „Stapelrecht“ zum Verkauf angeboten werden mußten (Das Stapelrecht wurde 805 von Karl dem Großen der Stadt verliehen). Die Waagegasse ist in ihrem Verlauf mehrfach verschwenkt, die Grundrisse der Speichergebäude wurden dem Gassenverlauf angepaßt und die Einfahrten der Speicher sind so angeordnet, daß die oft mehrspännigen Fuhrwerke ohne Schwierigkeiten einfahren konnten. Heute sind in den meisten Speicherhäusern Werkstätten der Denkmalpflege untergebracht.

 

 

 

Haus zur Windmühle:

 

Weiter in der Allerheiligenstraße findet man das Haus Nr. 6 „Zur Windmühle“ aus dem 16. Jahrhundert (heute Musikschule). Interessant ist das Renaissanceportal, dessen Gewände abgeschrägt ist, um den Fuhrwerken die Einfahrt zu erleichtern. Über dem Portal sind zwei Löcher, in die Strohbündel als Verkaufssignal gesteckt wurden, wenn ein „gut neu Bier aufgetan“ war. Hier sei auch an die Tradition des Bierausrufers erinnert, der in vergangenen Zeiten die Qualität des hausgebrauten Bieres prüfte, bevor er in der Stadt das Gebräu durch Ausrufen anpries. An vielen alten Häusern sind die Bierlöcher noch heute zu sehen.

 

 

 

Turniergasse:

 

Einige Schritte weiter lohnt ein Abstecher in die Turniergasse. Die Häuser „Zur blauen Lilie“ und „Zum Hirschsprung“ (Turniergasse 4 und 15) sind prächtige gotische Wohnbauten. Im Haus „Zum Turniere“ (Turniergasse 17) hat Eulenspiegel einem Esel das Lesen beigebracht und damit eine Wette mit den Professoren der Universität gewonnen.

 

 

 

Engelsberg:

 

Wenn man in der Allerheiligenstraße weiter geht, komtm man zu der doppelgeschossigen Kelleranlage der „Engelsburg“. Hier sind noch romanische Reste aus dem Hospital zu finden. Nachdem es im 14. Jahrhundert an eine andere Stelle der Stadt verlegt wurde, gingen die Gebäude in Privatbesitz über. In der Zeit Luthers war der Arzt und Universitätsprofessor Georg Sturz Eigentümer der „Engelsburg“. Er stellte den Philosophen des Erfurter Huma­nisten­kreises um Crotius Rubianus ein Zimmer seines Hauses zur Verfügung. Dort wurden mindestens zwei der „Dunkelmännerbriefe“ (anonyme Streitschriften) verfaßt.

 

 

 

Allerheiligenkirche:

 

Am Ende der Straße steht die katholische Allerheiligenkirche aus dem 13./14. Jahrhundert.

 

Ihr unregelmäßiger Grundriß paßt sich der Straßengabelung genau an. Ursprünglich gehörte die Allerheiligenkirche zu einem Hospital.

 

 

 

Andreaskirche:

 

Auf der Marktstraße geht man nach Westen. An der Andreasstraße erblickt man die die evangelische Andreaskirche. Sie wurde schon 1182 erwähnt, jedoch stammt der heutige Bau aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Lange Zeit, von 1484 bis 1689, nutzten die Benediktiner-Non­nen aus dem ehemals gegenüberliegenden Kloster die Andreaskirche mit. Östlich schließt sich das historische Andreasviertel an, das seit dem 12. Jahrhundert von Handwerkern bewohnt wurde. Mit viel Liebe wurden die kleinen Häuser und romantischen Innenhöfe restauriert.

 

Langsam entsteht eine vergnügliche Mischung aus Kunst und Kommerz, die dem Andreasviertel einen ganz eigenen Reiz verleiht.

 

Der einzeln stehende Georgenkirchturm (1380) ist seit dem 30jährigen Krieg von der 1132 erwähnten Kirche übriggeblieben. Sie wurde von den schwedischen Truppen für die Verstärkung der Stadtbefestigung abgebrochen, der Kirchturm diente lange Zeit als Glockenturm für die Michaeliskirche.

 

 

 

Domplatz:

 

Man kommt zum etwa zwei Hektar großen Domplatz, einem der größten und schönsten Plätze in Deutschland. Die Nordseite des Domplatzes wird vom 1904 im neugotischen Stil erbauten Gerichtsgebäude beherrscht Der nördliche Teil war bis 1813 mit Wohnhäusern bebaut war, die bei den kriegerischen Auseinan­der­setzungen zwischen Preußen und Franzosen zerstört wurden. Der ursprüngliche Teil des Platzes ist mit Basaltsteinen gepflastert, während die ehemals bebaute Fläche mit Betonsteinen befestigt ist.

 

Auf dem Domplatz können Jahrmärkte und Wochenmärkte bequem zur gleichen Zeit abgehalten werden . Seit dem 8. Jahrhundert soll hier ein Handelsplatz gewesen sein. Jedes Jahr im Advent ist der Domplatz der Schauplatz eines der zauberhaftesten Weihnachtsmärkte des Landest.

 

Der Obelisk erinnert an den Besuch des Mainzer Erzbischofs J. K. F. von Erthal im Jahr 1777. Der Marktbrunnen mit der Minervafigur aus dem 18. Jahrhundert spendet Trinkwasser.

 

Auf der Südseite blieb die historische Bebauung erhalten. Bemerkenswert ist das Haus Domplatz Nr. 31, das Haus „Zur hohen Lilie“, welches im Jahr 1538 unter Verwendung älterer Hausteile gebaut wurde. Daneben steht die  1632 erbaute ehemalige „Grüne Apotheke“.

 

 

 

Mariendom und Pfarrkirche St.Severi:

 

Die dominierende Baugruppe auf dem Domplatz sind die beiden Kirchen auf dem Domhügel. Links der katholische Mariendom, der auf eine von Bonifatius um 742 gegründete Kapelle zu-

 

rückgeht. Sein Chor ruht auf einem gewaltigen Unterbau. mit dem der Domhügel erweitert wurde. Die Freitreppe mit 70 Stufen („Graden“ genannt) ist wie der Chorbau und der dreieckige Portalvorbau (Triangel) ein Werk des 14. Jahrhunderts. Im Inneren des Doms sind unter anderem sehenswert: Glasfenster, Chorgestühl (14. Jahrhundert), die romanische Stuckmadonna und der Bronzeleuchter „Wolfram“ (1160). Im mittleren Domturm hängt die große Glocke „Gloriosa“, 1497 gegossen, deren Klang zu hohen kirchlichen Festen weit über die Stadt schallt.

 

Die rechtsstehende katholische Pfarrkirche St. Severi entstand als Klosterkirche. Schon vor 836, als die Gebeine des Heiligen Severus (Bischof von Ravenna) nach Erfurt überführt wurden, war hier das Benediktiner-Kloster St. Paul. Der Bau der heutigen Kirche wurde 1280 begonnen. In der fünfschiffigen Hallenkirche findet man neben dem Severi-Sarkophag (1365), dessen Seitenwände den Lebensweg des Heiligen zeigen, eine Steinmadonna (1345) und einen 15 Meter hohen Taufstein (1467) und weitere Kunstwerke.

 

Das Ensemble von Mariendom und Severikirche bietet, vor allem abends festlich illuminiert, ein unvergessliches Bild. Auf den Domstufen findet in jedem Jahr das gleichnamige Festival statt. Jährliche Uraufführungen und die Inszenierung der Open-Air Domstufenfestspiele sind besondere kulturelle Highlights der Stadt.

 

 

 

Petersberg:

 

Man kann noch eine Abstecher machen auf den Petersberg, vorbei an Deutschlands jüngstem Opernhaus hinter dem Dom steht. Der Aufstieg belohnt mit einem Blick über das turmreiche Panorama Erfurts. Dazu sollte man bedenken, daß von den fast 90 Kirchen, Klöstern und Kapellen, die es um 1500 in der Stadt gab, nur noch 20 vorhanden sind. Aber nicht nur wegen des Rundblickes sollte man den Berg hinaufsteigen. Die alte Peterskirche ist 1103 - 1147 von Hirsauer Mönchen als Benediktiner-Klosterkirche erbaut worden. Die Mönche hatten das Recht - und die Pflicht - den König zu beherbergen, so daß einige Reichstage und Hoftage im Peterskloster stattfanden. Nach Jahrhunderten regen geistlichen Lebens wurde das Kloster während der Reformation nahezu von den Mönchen verlassen und durch den Festungsbau ab 1664 immer mehr eingeengt und 1803 säkularisiert.

 

Die Zitadelle, die von 1664 bis 1707 angelegt wurde, ist noch heute beeindruckend in ihren Ausmaßen und in weiten Teilen auch zugänglich. In ihrer langen militärischen Geschichte wurde die Zitadelle von Schweden, Kurmain­zern, Preußen und Franzosen beherrscht. Eine Ausstellung im ehemaligen Kommandantenhaus zeigt Soldatenalltag aus vergangenen Zeiten und ist gleichzeitig der Einstieg in die Minengänge, die im Inneren der Festungsmauern entlangführen.

 

 

 

Waidspeicher:

 

Vom südlichen Teil des Domplatzes geht es weiter durch die Mettengasse, die nach Osten abzgeht. Hier steht gleich am Anfang der Waidspeicher, wo früher aus den getrockneten Blättern der Waidpflanze (Isatis tinctoria L.) blauer Textil-Farbstoff gewonnen wurde. Seit dem

 

13. Jahrhundert wurde im Thüringer Becken Waid angebaut und nach der Ernte hauptsächlich nach Erfurt verkauft. Die getrockneten Blätter wurden mit Wasser und Urin begossen und zur Gärung gebracht. Nach dem monatelangen Reifeprozeß der Waidfarbe konnten die Waidhändler halb Europa mit dem fertigen Farbpulver beliefern. Bis etwa 1600 flossen durch den Waidhandel jährlich etwa drei Tonnen Gold nach Thüringen und machten die Region zu einer der reichsten im mittleren Europa. Durch den Import von tropischem Indigofarbstoff brach der Thüringer Waidhandel innerhalb weniger Jahrzehnte zusammen und die wirtschaftlichen Probleme konnten erst mit der Einführung des Erwerbsgartenbaues gemildert werden. Heute gibt es wieder eine kleine Waidfabrik in Neudietendorf bei Erfurt. Die erhaltenen Waidspeicher werden kulturell genutzt. Das Theater „Waidspeicher“ beherbergt Kabarett und Puppentheater.

 

 

 

Haus „Zum Sonneborn“:

 

Durch den Archehof, der von einem Märchenbrunnen mit den Bremer Stadtmusikanten bereichert wird, kommt man zur Querstraße „Großen Arche“. Ihrdominierendes Gebäude ist das „Haus zum Sonneborn“  von 1536 (heute Hochzeitshaus und Standesamt). Vom ursprünglichen Haus ist bei der Rekonstruktion nur weniges zu retten gewesen. Lediglich das prächtige Portal und im Inneren eine Bohlenstube mit Renaissancemalereien konnte neben einigem Fachwerk erhalten werden. Die Sgraffiti aus dem 16. Jahrhundert stellen Gerechtigkeit und Eitelkeit dar.

 

 

 

Predigerkirche:

 

Geradeaus und rechts herum kommt man durch die „Kleine Arche“ und links nach Osten in die Predigerstraße. Dort steht die evangelische Predigerkirche. Der einzeln stehende Kirchturm der abgebrannten Paulskirche ist heute Glockenturm für die Predigerkirche, wie die Kirche des Dominikanerordens genannt wird. Dieser Kirchenbau begann 1270 und dauerte bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Wenn die Möglichkeit zur Besichtigung besteht, sollte diese unbedingt genutzt werden.

 

 

 

Fischmarkt:

 

In der Predigerstraße nach Osten kommt man zum Fischmarkt, dem Mittelpunkt der Stadt. Bedeutende Bürgerhäuser von reichen Waidhändlern verleihen dem Platz einen besonderen Reiz Hier steht das neugotische Rathaus (1870 - 1875), das anstelle des gotischen Vorgängerbaus errichtet wurde und in seinem Inneren im Treppenaufgang und Festsaal von zahlreichen Wandgemälden zur Thüringer Geschichte und Sagenwelt geschmückt ist. Der Kaisersaal wurde 1715 erbaut, hier fand 1808 die Begegnung Napoleons I. mit Zar Alexander statt, heute ist hier ein Kultur- und Kongresszentrum.

 

Das Haus  Nummer 7, in der sich eine Kunstgalerie befindet, ist das Haus „Zum roten Ochsen“ (1562). Der Figurenfries über dem Erdgeschoß stellt die Wochentage und die griechischen Musen dar. Wesentlich bescheidener ist das Haus Nummer 6 „Zur güldenen Krone“, in dem von 1615 an die Posthalterei untergebracht war.

 

 

An der Nordseite des Fischmarktes fällt die      prächtige Renaissancefassade des Hauses „Zum breiten Herd“ (1584) auf. Die Brüstungsplatten über dem Erdgeschoß stellen die fünf Sinne dar: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen (von links nach rechts betrachtet). Fortgesetzt wird dieser Fries         am Gildehaus (1892 - 1893) mit der Darstellung der vier Haupttugenden: Gerechtigkeit, Klugheit, Mut und Mäßigung.               

 

Die Standfigur in der Mitte des Platzes gibt oft Anlaß zu Verwechslungen. Da Erfurt nie Freie Reichsstadt war, konnte auch     kein Roland aufgestellt werden. Der niederländische Bildhauer

 

Israel von der Milla schuf 1591 in städtischem Auftrag die Figur eines Kriegers mit den Insignien der römischen Republik. Der Unabhängigkeitsdrang des Rates und der Bürger kommt an dieser ungewöhnlichen Darstellung zum Ausdruck. Der „Mann auf der Säule“ steht an der Stelle, wo sich lange Zeit eine Darstellung des Heiligen Martin, Schutzpatron der Stadt. befand.

 

 

 

Kleine Synagoge:

 

Östlich hinter dem Rathaus findet man die inzwischen restaurierte „Kleine Synagoge“, die nach dem Umbau aus einem Privathaus von 1840 bis 1884 der wiederentstandenen jüdischen Gemeinde als gottesdienstlicher Versammlungsort diente. Nach dem Neubau der großen Synagoge am Karthäuserring (1884 geweiht, 1938 zerstört, 1952 wiedererrichtet) wurde die bisherige säkularisiert und als Essigfabrik und später als Wohnhaus genutzt. Nach dem Abschluß der Restaurierungsarbeiten wird die „Kleine Synagoge“ als multikulturelle Begegnungsstätte genutzt.

 

 

 

Steinernes Haus:

 

Unbedingt besuchen sollte man noch das „Steinerne Haus nördlich des Rathauses, in dem sich

 

die Tourist-Information befindet und das im Jahr 1469 mit typischem Fachwerkobergeschoß errichtet worden sein soll. In ihm befindet sich ein mehr als siebenhundert Jahre alter Saal, der erst im Jahre 2011 als Sensationsfund mittelalterlichen jüdischen Lebens entdeckt wurde. Der quadratische Raum mit wuchtigen, bemalten Deckenbalken und einer Lichtnische ist seit seiner Bauzeit im 13. Jahrhundert nahezu unverändert und damit ein außerordentlicher Glücksfall.

 

Der Bau erhebt sich über einem mittelalterlichen Keller, der zuletzt von Gerümpel befreit werden mußte und der anhand eines romanischen Portals bis in das 12. Jahrhundert zurückdatiert werden kann . Ein Innenportal aus dem 13. sowie eine Einwölbung aus dem 14. Jahrhundert, ergänzen den außergewöhnlichen Befund.

 

Als ein herausragendes und mögliches Zeugnis spätmittelalterlicher Wohnräume kann das erste Obergeschoß des Steinernen Hauses angeführt werden. Um 1300 geht aus den Quellen eine „caminata“ hervor. Eine Kemenate als typische Bauform eines Steinbaus könnte auf einen Raum im ersten Obergeschoß übertragen und eine Wohnnutzung angenommen werden.

 

Dafür könnte seine kulturhistorisch wertvolle Gestaltung sprechen.

 

Sowohl die erhaltenen Holzdeckenbalken als auch die Tannenholz-Deckenbretter weisen eine farbliche Fassung mit unterschiedlicher Ornamentik auf,  die Gutachten auf 1241/42 datieren. Künstlerisch wird die Bemalung als wenig grazil, aber von großer Bedeutung für die Kulturgeschichte eingeschätzt.

 

Weiterhin von herausragender Bedeutung ist der Stufengiebel im Dachgeschoß des Gebäudes, der die Raumsituation im Übergang vom Steinernen Haus zum Querhaus dominiert. Seine an dieser Stelle heute ungewöhnliche Plazierung und der gute Erhaltungszustand der Ober­flächen mit sichtbaren Ritzfugen resultiert aus der Überdeckung durch einen Anbau von 1385/86.

 

Der Gebäudekomplex gibt eine Vorstellung, wie reichere Bürger im späten Mittelalter wohnten. Auch die einfachen Deckenmalereien deuteten darauf hin, daß er als Wohnraum oder auch als repräsentativer Raum für Geschäftsabschlüsse genutzt wurde. Es muß ein betuchter Erfurter gewesen sein, der sich um 1250 das steinerne Haus errichten ließ. Gelegen an der wichtigen nord-südlichen Handelsstraße, schuf er sich auf etwa acht mal acht Metern Grundfläche einen Ort zum Leben und Arbeiten, als Wohnraum oder auch als repräsentativer Raum für Geschäftsabschlüsse. Offenbar wurde der Raum zeitweilig als Lager für Bohnensamen und Gerste genutzt, es wurden Saatgutreste gefunden. Viel später diente er wieder als Lager - diesmal der Kulturdirektion, die neben der Tourismusgesellschaft ihren Sitz im Gebäudekomplex hat.

 

Wer der Erbauer war und was er genau tat, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Erst ab 1293 ist durch schriftliche Aufzeichnungen bewiesen, daß sich das Gebäude in jüdischem Besitz befand. In diesem Jahr ist Salemon de Ascaphenborc als Besitzer des Hauses genannt. In jüdischem Besitz war es wenigstens bis zum Judenpogrom 1349, dann wieder ab 1370 bis 1458. Jedenfalls legte der einstige Besitzer offenbar Wert darauf, daß er im ausgeschmückten Raum im ersten Obergeschoß nicht „eingeräuchert“ wurde: Die erhalten gebliebene Nische, in der sich an einem Zwickel eine Öllampe aufhängen ließ, verfügte über einen eigenen Rauchabzug im Mauerwerk. Der Nachweis, ob und wie der Raum beheizt wurde, fehlt bislang.

 

Der mittelalterliche Gebäudekomplex ist über Hunderte Jahre aus mehreren Baugliedern zu­sammengewachsen. Der „Zum Paradies und Esel“ genannte Gebäudekomplex lag im 13. Jahrhundert in einem Quartier, welches vorwiegend von Juden bewohnt war. Nach ersten Erweiterungen 1366, 1371 und 1375 erfolgte 1639 die Vereinigung verschiedener Grundstücke und Bauglieder zum Komplex „Zum Paradies und Esel“, dem 1745 das Grundstück „Zum Rosen­kranz“ hinzugefügt wurde. Für das bekannteste Gebäude „Zum Paradies“ sind erste namentliche Zuordnungen und jüdische Besitzer für das Ende des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich.

 

Es handelt sich vermutlich „um den ältesten erhaltenen städtischen Wohnraum nördlich der Alpen“.  Im Thesenpapier des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie heißt es: „Der Gebäudekomplex Benediktsplatz 1 ist ein bedeutendes Objekt für die Kulturgeschichte. Zugleich muß es als frühes, charakteristisches und wohl nahezu singuläres Beispiel für die Stadtentstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines mittelalterlichen Gebäudekomplexes bis in die Gegenwart im mitteleuropäischen Raum angeführt werden“.

 

Seit etwa 20 Jahren sei den Denkmalpflegern klar, daß der achtmal acht Meter große Raum im Steinernen Haus etwas Besonderes sei. Bereits 1992 erfolgten in diesen Bereichen restau­ratorische, kunsthistorische und dendrochronologische Untersuchungen. Im Ergebnis wurde der Raum in etwa auf das Jahr 1250 datiert, und bestätigt, daß es sich um die Erstfassung handelt. Aber erst jetzt im Jahre 2011 haben sich die Forschungsergebnisse derart verdichtet, daß man damit an die Öffentlichkeit ging.

 

Das Haus ist neben der Alten Synagoge aus dem 11. Jahrhundert und dem vor wenigen Jahren wiederentdeckten Ritualbad Mikwe das dritte Zeugnis des einst reichen jüdischen Lebens in Erfurt. Und es ist neben den beiden religiösen Bauten ein weltliches Gebäude.

 

Damit sei es bei der geplanten Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Die Thüringische Landeshauptstadt strebt mit seinen Zeugnissen mittelalterlicher jüdischer Kultur, zu der noch ein Gold- und Juwelen-Schatz aus dem 14. Jahrhundert gehört, bis zum Jahr 2017 die Aufnahme in die Welterbe-Liste an.

 

Die von der UNESCO geforderte Authentizität und Integrität, also die historische Echtheit und die Unversehrtheit, sind hinreichend belegt. Nach weiteren Forschungsarbeiten wird eine Entscheidung über die zukünftige Nutzung getroffen. Mittelfristig könnten im Keller des Gebäudes die mittelalterlichen Grabsteine vom jüdischen Friedhof aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

 

 

 

 

 

 

Neue Mühle:

 

Vom Rathaus geht man nach Süden durch die Schlossergasse zur Neuen Mühle an der Gera, der letzten funktionstüchtige Wassermühle Erfurts. Erfurt war eine Stadt der Wassermühlen, mehr als 50 wurden von der Gera angetrieben. Eine der letzten ist die „Neue Mühle“, die heute als Mühlenmuseum eingerichtet ist. An dieser Stelle ist schon seit 1255 eine Mühle bekannt. Das heutige Gebäude stammt von 1826. Ganz neu ist die gläserne Ausfachung des Radhauses, damit das große unterschlächtige Wasserrad sichtbar ist.

 

 

 

Barfüßerkirche:

 

Nach rechts geht es dann weiter in der Schlosserstraße zur Ruine der 1944 zerstörten Barfüßerkirche. Im wieder aufgebauten Chor befindet sich heute das Museum für mittelalterliche Kunst. Die Klostergebäude dieser seit 1224 bestehenden Niederlassung der Franziskaner sind im Dreißigjährigen Krieg für die Gewinnung von Baumaterial abgebrochen worden.

 

 

 

Angerbrunnen:

 

Nach Süden geht man durch die Barfüßerstraße zur Regierungsstraße. Dort trifft man auf den Angerbrunnen von 1890, Die Figuren stellen Industrie und Gartenbau, den Erfurter Gewerbefleiß, dar. Hier steht auch die katholische Wigbertikirche mit einer schönen Rokokoausstattung. Unmittelbar im Anschluß an die Kirche befindet sich der Valentinerhof, der den Beginen, die fromm, ehelos und in Gütergemeinschaft lebten, als Wohnung diente. Nach der Reformation wurde dieses „Nonnenhaus“ geschlossen, und die Augustinermönche nutzten das Kloster von 1651 bis 1824.

 

Rechts blickt man zur Staatskanzlei. Das barocke Palais wurde als kurmainzische Statthalterei in den Jahren von 1711 bis 1720 unter Einbeziehung der Renaissancehäuser „Zum stolzen Knecht“ und .,Zur güldenen Flechte“ nach Plänen des Baumeisters Maximilian von Welsch ein errichtet. Heute ist in diesem Gebäude die Staatskanzlei des Landes Thüringen untergebracht. Unzählige Male hat Johann Wolfgang von Goethe, oft als Begleiter seines Herzogs Carl August, Erfurt besucht und dabei immer im Weimarer Geleitshaus (Regierungsstraße 72) gewohnt. Von hier aus schritt Goethe am 2.10.1808 zur Audienz bei Kaiser Napoleon, der in der benachbarten Statthalterei seine Residenz hatte. Die kleine Grünanlage wurde im 18. Jahrhundert angelegt und stand damals am Sonntag „anständig gekleideten Bürgern“ offen, wie auch die Assembleen bei Statthalter Dalberg. Er war der letzte Vertreter des Mainzer Erzbistums, denn nach dem Reichsdeputationshauptschluß wurde Erfurt im Jahr 1802 an Preußen angeschlossen. Nach links geht es auf den Anger.

 

 

 

Bartholomäuskirchturm:

 

Hier steht noch der Turm der 1182 erstmals erwähnten Bartholomäuskirche, die nicht mehr existiert. Er  trägt seit einigen Jahren ein Glockenspiel. Am untersten Geschoß befindet sich ein Epitaph aus der Zeit um 1510, der eine Ölberg-Szene mit Christus in Gethsemane darstellt.

 

Kulturvoll ging es zu im „Haus Dacheröden“ (Anger 37 / 38), das seinen Namen nach einem Eigentümer aus der Goethezeit hat. Der Tee-Salon der Tochter des Hauses zog so berühmte Gäste wie Goethe und Schiller an. Wilhelm von Humboldt entführte dann die schöne Caroline von  Dache­röden als Ehefrau nach Berlin. In Erinnerung an sie blieb der Name des Gebäudes, er verdrängte sogar die historischen Bezeichnungen des 1833 erneuerten Doppelhauses.

 

 

 

Angermuseum:

 

An der Kreuzung mit der Bahnhofstraße steht rechts  das leuchtend gelbe Angermuseum, das 1705 als kurmainzischer Pack- und Waage­hof zur Belebung des Handels errichtet wurde. und eines der wenigen Barockgebäude im Zentrum der Stadt ist. Seit mehr als 100 Jahren sind hier eine bedeutende Mittelalter­samm­lung, Landschaftsmalerei des 19. und 20. sowie Fayencen des 18. Jahrhunderts untergebracht. Nach rechts geht es dann wieder zurück in die Bahnhofstraße.

 

 

 

Die Tourismus-Gesellschaft Erfurt (Benediktsplatz 1) hat ein sehr informatives Faltblatt mit einem historischen Stadtrundgang herausgebracht, aus auch hier Informationen entnommen wurden. Allerdings ist dieser Rundgang ausgedehnter und länger. Aber er führt nur noch zu vier weiteren Punkten:

 

(39) Lange Brücke: Auch Friedrich von Schiller weilte häufig in Erfurt; Wohnung nahm er dann meist im Haus „Zum Bürgerstreit“ (Lange Brücke 36). Fast in letzter Minute konnte dieses Haus vor dem endgültigen Verfall gerettet werden, und es war der Anfang der Restaurierung des gesamten historischen Straßenzuges. Auch die mehr als 700 Jahre alte Sackpfeifenmühle am nördlichen Flußarm ist wieder zu einem Kleinod geworden. Eine Besonderheit ist der auf nur einen Ständer gestützte Erker von 1736.

 

(45) Haus „Zum güldenen Rade“:Eines der wenigen giebelständigen Häuser der Stadt findet man in der Marktstraße 50. Das Haus  „Zum güldenen Rade“ ist 1767 unter Einbeziehung weit älterer Bauteile errichtet worden. Im Hof befinden sich die Reste einer Tabakmühle aus dem 18. Jahrhundert.

 

(48) Venedig: „Venedig“ heißt eine schmale Straße im Norden, in deren Bereich sich die Gera in viele Arme verzweigt und wo früher sieben Mühlen standen. Die ungewöhnliche Straßenbezeichnung hat nichts mit der italienischen Lagunenstadt zu tun, vielmehr ist sie die Erinnerung daran, daß hier durch die früher häufigen Überschwemmungen ein sumpfiges Gelände war.

 

(49) Kornhaus: Für die Zeiten der Not wurde in den Jahren von 1465 bis 1473 in der Großen Ackerhofsgasse ein gewaltiges Kornhaus gebaut. Bis heute wird das große Haus als Lager genutzt.

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Ziele:

 

Museum für Thüringer Volkskunde im ehemaligen städtischen Hospital von 1547, Dokumentation der Alltagskultur des 18. und 19. Jahrhundert in Thüringen

 

„Haus zum Roten Ochsen“: Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen moderner Kunst

 

Stadtmuseum: Ausstellungen von der ersten ur- und frühgeschichtlichen Ansiedlung bis zur Gegenwart

 

Egapark: Freigelände und Hallen an der Cyriaksburg, Schmetterlings- und Kakteenhaus, japanischer Garten und vieles andere mehr. Dazu das einzige Gartenbaumuseum Deutschlands auf dem Gelände des Egaparkes.

 

Tierpark am Roten Berg nördlich von Erfurt.

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

Oßmannstedt

Abenteuerspielplatz eines poetischen Landjunkers

Ein solches Projekt ist immer einem langgehegten Tagtraum entsprungen: Der Umzug aufs Land in ein bequemes Gutshaus mit Park und einigem Acker-, Obstbaum- und Wiesengrund, am besten mit der gesamten Familie, den Kindern und Enkeln, viel Platz für Besucher, aber doch weit genug von der rührigen Residenz entfernt, daß nur solche Gäste kommen, die man erträgt - und schreiben, endlich in Ruhe schreiben!

Vielleicht sollte man es beim Traum belassen. Nach sechs Jahren in der Wirklichkeit als „poetischer Landjunker“, gebeutelt von ewigen Geldsorgen, überdies tief getroffen vom Tod der Gattin und der engen Freundin Sophie Brentano, zog jedenfalls Christoph Martin Wieland ein Resümee des geplatzten Traums, nachdem er im Jahr 1803 sein Landgut Oßmannstedt wieder verkauft hatte und nach Weimar zurückgezogen war: „Ich hätte dies Gut wol eigentlich nie kaufen sollen. Die Passivschulden und die bey einer Wirtschaft gar nicht im voraus zu berechnenden Fehlschlagungen drückten mich zu sehr. Ich mußte mehr schreiben, als gut war, blos um den Ausfall in meiner Einnahme zu decken.“

Im Rückblick auf Wielands fast achtzigjähriges Leben scheint das Abenteuer Oßmannstedt, das der Dichter als immerhin schon Dreiundsechzigjähriger begann, nur eine Episode, so wie umgekehrt diese sechs Jahre in der Geschichte des Guts mit seinen wechselnden Besitzern nicht allzu viele Spuren hinterlassen haben. Immerhin ließ Wieland ein Wirtschaftsgebäude errichten und im weitläufigen Garten „über dreihundert fruchtbare Bäume“ pflanzen, wie er im Dezember 1797 an seinen Verleger Göschen schreibt, dem er verspricht, er werde „sich in ein kleines Paradies versetzt“ fühlen, wenn er Oßmannstedt künftig besuche. Doch nach einigen Besitzerwechseln, nach Einrichtung einer Schule im Gutshaus, eines Schulhofes auf dem Gartenstück vor der ehemaligen Orangerie und eines Sportplatzes mitten auf der Wiesenfläche zu DDR-Zeiten erinnerte bis vor kurzem nicht mehr viel an den Dichter. Für den im Westen lebenden Erzähler in Arno Schmidts Roman „Brand's Haide“ ist jedenfalls die Tatsache, daß die ostdeutsche Regierung „Wielands Osmannstädt zerfallen“ lasse, Grund genug, lieber doch nicht Kommunist zu werden.

Es dauerte ein gutes Jahrzehnt nach dem Mauerfall, bis auf Initiative und mit Unterstützung des Wieland-Forschers Jan Philipp Reemtsma die insgesamt 1,9 Millionen Euro teure Sanierung von Gutshaus und Teilen des Parks begonnen wurde, und noch einmal fünf Jahre, bevor am vergangenen Wochenende  das „Wielandgut Oßmannstedt“ getaufte Museum eröffnet wurde.

Mittlerweile gehört es zur Stiftung Weimarer Klassik, der jüngst ein Gutachten Konzeptlosigkeit in der Forschung und mangelhafte Pflege ihrer einzigartigen Bestände vorwarf (F.A.Z. vom 25. Juni). Als deren Präsident Helmut Seemann nun in Wielands ehemaligem Sommersalon vor einem Zitronenbäumchen das neugestaltete Gutshaus vorstellte, pries er es als „Blaupause“ und „Modellfall dafür, was wir mit der Stiftung insgesamt wollen“ - die Verbindung von Forschung mit „lebendiger, bildender Vermittlung“.

Weil das einigermaßen wolkig ist, wird es in Oßmannstedt konkret. Das eigentliche Museum nimmt nur einen kleineren Teil der Fläche ein, andere Räume dienen der Wieland-Forschung, wo unter anderem eine historisch-kritische Werkausgabe erstellt werden soll und eine Bildungsstätte, getragen von der als Verein organisierten „Weimar-Jena-Akademie“. Die will sich. sagt ihr Vorsitzender Justus Ulbricht, dem „Bildungsbegriff“ widmen, „von seiner Entfaltung bis zu seiner Desavouierung“, also „von Weimar bis Buchenwald“.

Wie das fernab aller Ankündigungen mit der Forschung und der Vermittlung zusammengehen soll, zeigt dann das Museum im ersten Stock: ein Korridor, drei Räume, keine schriftlichen Erläuterungen zu den Objekten, statt dessen ein computergestütztes Audioguidesystem, das erkennt, wo sich der Besucher befindet, und es ihm ermöglicht, exzellent ausgewählte und dargebotene akustische Informationen zu den Exponaten, zu Wielands Leben oder dem literarischen Hintergrund abzurufen. Daß man diesen Autor laut lesen sollte, um seine Musikalität, seinen funkelnden Stil ganz zu genießen, hat Reemtsma mit einigen von ihm gesprochenen Wieland-Hörbüchern gezeigt, und die Zitate aus den Audioguides untermauern diesen Eindruck - nicht selten übrigens im Kontrast zu den dort ebenfalls vorgetragenen Sätzen, die von Wielands vielen Besuchern herrühren. Die Datenbank, auf der die Audiokommentare abgelegt sind, soll ständig durch aktuelle Forschung zur Wieland-Zeit erweitert und demnächst von einem Nebenraum aus am PC zugänglich werden.

Allzu viele Originale aus Wielands Besitz werden in Oßmannstedt freilich nicht gezeigt, weil sie der Fundus der Stiftung Weimarer Klassik nicht umfangreicher enthält. So müssen vielfach ähnliche Möbel, zeitgenössische Stiche oder nur motivgleiche Skulpturen reichen. Und daß in Wielands Bibliothekszimmer wuchtige moderne, leere Bücherregale die alte Funktion des Raumes symbolisieren sollen, ist dann doch recht wunderlich.

Natürlich ist es da eine gute Entscheidung, dem Museum die Bildungsstätte in dem einigermaßen geräumigen Haus an die Seite zu stellen und damit auch ein wenig auf die immense geistige Arbeit jener Oßmannstedter Jahre zu verweisen. Denn wenn Wieland den Schreibzwang beklagt. den ihm seine wirtschaftliche Situation auferlegt hätte, so entstehen dabei doch neben vielen anderen Werken - etwa dem „Agathodämon“, den Xenophon-Über­setzungen oder den Arbeiten für das „Attische Museum“ - zwei historische Briefromane, die man zu seinen besten Texten rechnen wird: Umfangreich der eine, „Aristipp und einige seiner Zeitgenossen“: schmal der andere, „Menander und Glycerion“, und wenn in diesem der traurige Charme der Geschichte in der gleitenden, jederzeit nachvollziehbaren Erosion einer ungleichen Liebe besteht, so ist es im „Aristipp“ die Gestalt der schönen Lais, der sich schon die zeitgenössischen Leser nicht entziehen konnten.

Als ihn seine Jugendliebe Sophie von La Roche im Sommer 1799 in Oßmannstedt besuchte (und sich die ehemaligen Verlobten nach fast dreißig Jahren wiedersahen), brachte sie ihre labile dreiundzwanzigjährige Enkelin Sophie Brentano mit, die sich bald eng mit dem Dichter anfreundete und nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt in einem Brief an den Gastgeber dessen Darstellung der Lais überschwenglich feierte: „Zarter, feiner, überirdischer, und doch auch menschlicher, kann es nichts geben als diese Schilderung. Mein Vater, wer hat das tausendfältige Gewebe eines weiblichen Herzens so klar und plan vor Ihren Augen ausgebreitet, daß es scheint als hätte es nur einiger flüchtigen Züge Ihrer Feder bedurft, um eine so herrliche Erscheinung wie Lais, mit allen Schattirungen auszumahlen? - Mir bleibt dies ewig ein Räthsel.“

Im selben Brief kündigt Sophie ihren neuerlichen Besuch „mit der ersten Nachtigall“ ins „theure Osmantinum“ an, „und ich hoffe, mein Vater soll mich nie mehr daraus verweisen. — Wie wohltuend lächelt mir diese Aussicht zu!“ Die Hoffnung auf den Besuch sollte sich erfüllen, der Wunsch nach fortdauerndem Bleiberecht auch, allerdings unter trüben Bedingungen. Denn Sophie starb auf Oßmannstedt und liegt dort auch begraben, in einer gemeinsamen Ruhestätte mit Wielands kurz darauf gestorbener Frau Anna Dorothea und - seit 1813 - dem Dichter selbst, der sich nach dem Verkauf des Gutes vom neuen Besitzer einen eigenen Zugang zu dem Platz am Rande des Parks ausbedungen hatte. Seither führt ein kleiner Fußweg das Ufer der Ilm entlang bis zu dem Aussichtspunkt mit dem Grab, auf dem seit 1807 eine dreiseitige Pyramide an die Toten erinnert.

Jetzt, nach der Einweihung des Gutshauses, soll allmählich auch der Park in den alten Zustand versetzt werden, wenigstens ein bißchen. Der Fußballplatz und die „Sportstätte Max Bamberg“ werden wohl weichen müssen, zum verständlichen Kummer des „Oßmannstedter SV“, der, stolzer Kreismeister der Jahre 1957 und dann noch einmal 1987, gegenwärtig das Gelände nutzt und gerade die neue Saison in der 2. Kreisklasse bereitet. Mit dem erklärten Ziel, am Ende nicht den letzten Platz zu belegen, heißt es auf der Website: „Dabei geht es auch um Argumente im Kampf um längstmögliche Erhaltung unseres Sportplatzes bzw. für den Neubau eines neuen Platzes und damit um die Zukunft Vereins“

Noch wirkt das Gelände auf charmante Weise unfertig, und wer vom Gutshof hinüber zur kleinen Schule schaut, die im Nebengebäude Unterschlupf gefunden hat, auf den Kinderspielplatz im Wiesenstück, die plastikverpackten Heubalen weiter hinten, die Allee, die wie ein und schmaler Wald das Gelände einfaßt von der friedlich plätschernden Ilm abgeschirmt, kann sich durchaus vorstellen, daß dieser Zustand noch ein paar Jahre anhalten wird.

Als Karl Immermann 1837 Weimar besuchte, schlug er vor, man solle doch die Jugend ans Goethehaus führen, „damit sie den Eindruck eines redlich verwandten Daseyns gewinnen“ und dabei „Fleiß, Wahrhaftigkeit und Consequenz“ geloben solle. Oßmannstedt wäre dafür

jedenfalls auch kein schlechter Ort, selbst wenn der Genius loci etwas mühsamer aufzufinden ist als im musealen Haus am Frauenplan. Und auch das Resümee des gebeutelten Wieland fällt am Ende seines ländlichen Abenteuers positiv aus: „Ich habe diesem Oßmannsted doch auch viele selige Stunden zu verdanken. Dieser reinen Natur- und Genuß-Fülle entkeimte die schönste Blüthe meines Alters, mein Aristipp, der ohne diesen stillen Selbstgenuß, ohne dies heitere Land- und Gartenleben nie empfangen und geboren worden wäre.“

Zum Wielandgut Oßmannstedt erscheint ein von Klaus Manger und Jan Philipp Reemtsma herausgegebener und von Friedrich Forssman gestalte reichbebilderter Katalog (Stiftung Weimarer Klassik bei Hanser).

 

 

 

 

Eisenberg

 

Kreisstadt und einstige Residenzstadt

Die einstige Residenzstadt Eisenberg ist die größte Stadt des Saale-Holzlandes und gleichzeitig Sitz der Kreisverwaltung. Besucher sind immer wieder überrascht von der angenehmen Atmosphäre des historischen Stadtkerns mit der gut erhaltenen Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert.

Besonderer Anziehungspunkt für Touristen ist das Schloß Christiansburg mit der barocken Schloßkirche, einer der schönsten Kirchenbauten Thüringens. Interessantes zur Stadtgeschichte erfahren Besucher im Klötznerschen Haus, dem Sitz des Stadtmuseums mit Kelleranlagen aus dem 13. Jahrhundert.

Eisenberg war Geburtsstadt berühmter Persönlichkeiten, so des Philosophen Karl-Friedrich Krause und des bekannten Künstlers Gunther Emmerlich.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Eisenberger Mühltal, welches durch seine oft überraschende landschaftliche Schönheit von Tausenden Natur- und Wanderfreunden besucht wird.

Die vormaligen Mahl- und Schneidemühlen wurden zu Gaststätten, Pensionen und einer Jugendherberge umgebaut.

Die Stadt Eisenberg liegt in einer anmutigen, von mäßigen Höhen umgebenen Landschaft, deren Vegetation teils aus Laub-, teils aus Nadelwald besteht. Mit über 11.500 Einwohnern ist Eisenberg die größte Stadt des Saale-Holzland-Kreises und Sitz der Kreisverwaltung. Direkt an der A9 Berlin-München und der B7, der wichtigen West-Ost-Verbindung Weimar-Jena-Altenburg, gelegen, ist die Stadt verkehrstechnisch günstig zu erreichen.

Eisenberg breitet sich zum größten Teil auf einer Hochebene aus, die sich in 280 Meter mittlerer Höhe von Westen nach Osten erstreckt. Im Süden und Norden fällt die Stadt steil in zwei Täler ab, in denen der Malz- und Raudabach fließen. Im Nordwesten befindet sich eine aus Muschelkalk bestehende bewaldete Anhöhe, die Beuche.

 

Ortsgeschichte:

Schon vor über 50.000 Jahren, in der Altsteinzeit, war das Gebiet um Eisenberg für Siedler interessant. Nördlich der heutigen Stadt, auf dem Etzdorfer Berg wurden Funde aus dieser Zeit gemacht. Auch spätere Perioden der Steinzeit haben ihre Spuren überall hinterlassen.

Im 7./8. Jh. begannen Slawen das Gebiet östlich der Saale zu besiedeln. Ortsnamen mit den Endungen -itz, -witz, -nitz erinnern an die slawischen Siedlungen. Auch die alte Stadt „Eisenberg” wird ursprünglich eine slawische Ansiedlung gewesen sein. Sie lag im Tal, nördlich der heutigen Stadt und nur der Flurname „Donitzschkau“ ist an ihr geblieben. Ob diese Stadt Eisenberg hieß, ist nicht bekannt. Ebenso ist nicht bekannt, woher der Stadtname stammt. Die alten Chronisten gehen davon aus, daß er von einem Ritter Iso abgeleitet wurde.

Der Bergsporn, auf dem in der zweiten Hälfte der Ostexpansion die neue Stadt angelegt wurde, war bis ins 12. Jahrhundert unbesiedelt. Ob sich auf ihm eine slawische Kultstätte befand, ist nicht eindeutig geklärt. Einzig der 14 Meter tiefe Schacht im Museum deutet darauf hin. Unweit des Schachtes, im gleichen Keller, befindet sich eine kreuzförmige, in Fels gehauene Krypta, die aus der frühen Missionszeit unseres Gebietes stammen könnte.

Die erste Missionierung scheint im 8./9. Jh. zu beginnen. Alte Missionsstraßen wie die alte Regensburger-, die Wein- und Salzstraße zeugen noch davon. Speziell das Patrozinium St. Peter soll im Dienste der Mission gestanden haben. Im 10. Jahrhundert wird als Missionar für unser Gebiet Boso aus St. Emmeram genannt.

Im Jahr 1189 wird die alte Stadt fast vollständig durch Brand und Plünderung zerstört. Weiter ist bekannt, daß Markgraf Otto der Reiche von Meißen 1171 die Stadt ummauern ließ. Die erste urkundliche Erwähnung „Ysenberchs“ stammt aus dem Jahr 1196. Dietrich, Graf zu Weißenfels verleiht dem Kloster Altenzelle den Zehnten von Weinbergen u. a. zu „Ysenberch“.

Dietrich der Bedrängte, Markgraf von Meißen verlegt 1219 ein Zisterzienserinnen-Kloster von Zwickau nach Triptis und dann nach Eisenberg. Es befand sich zwischen der neuen und der alten Stadt und ist heute vollständig abgerissen. Es wurde mit Einführung der Reformation in Eisenberg 1524 aufgelöst.

Im Jahre 1270 heiratete Markgraf Albrecht der Entartete Kunigunde von Eisenberg. Dieser Heirat ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Stadtrechtsverleihung im Jahre 1274 zu verdanken. Durch die Trennung des Hauses Wettin 1485 wurde die Stadt ernestinisch.

Nach Einführung der Reformation löste man 1524/25 das bestehende Nonnenkloster auf. In den Jahren 1527 und 1529 fand die erste und zweite Kirchenvisitation statt. Auf seinen Reisen zum Augsburger Reichstag 1530 und 1537 weilten Martin Luther und seine Begleiter Philipp Melanchthon, Georg Spalatin und der Berliner Hofprediger und Lutherschüler Johann Agricola in Eisenberg. Durch die Niederlage Johann Friedrichs des Großmütigen im Schmalkaldischen Krieg gehörte die Stadt sieben Jahre zum albertinischen Herrschaftsgebiet.

Der Naumburger Vertrag zwischen Ernestinern und Albertinern im Jahr 1554 beendet die albertinische Herrschaft. Von 1592 bis 1603 war Eisenberg weimarisch. Danach kam es zu Altenburg und 1672 zu Gotha. Im Jahre 1675 erwählte Christian, ein Sohn von Ernst dem Frommen, Eisenberg zu seiner Residenzstadt. Die Ämter Eisenberg, Camburg, Ronneburg und Roda wurden zum Herzogtum Sachsen-Eisenberg vereinigt. Dieses Herzogtum bestand nur 32 Jahre, bis zum Tode Herzog Christians 1707. In seine Regierungszeit fallen der Umbau des Eisenberger Schlosses und der Bau der schönsten Barockkapelle Thüringens.

Im 16. Jahrhundert kann man von einem regelrechten Aufschwung in der Stadt sprechen. Ob die Erweiterung der Stadtkirche, die Pflasterung des Marktes, der Bau wunderschöner Renaissancehäuser oder die Gründung von Innungen; das alles spiegelt einen gewissen Wohlstand wider. Mit der Wahl zur Residenzstadt 1675 durch Herzog Christian von Sachsen/Eisenberg rückt die Stadt regional wieder in den Mittelpunkt. Christian vereinigt die Ämter Camburg, Ronneburg, Roda und Eisenberg zu einem für die Zeit typischen Kleinstaat, der mit seinem Tode 1707 wieder erlischt.

Nach dem Tode Herzog Christians wurde Eisenberg wieder gothaisch, und 1862 kam es wieder zu Altenburg.

Nach dem Abdanken der Herzoglichen Familie werden der Freistaat Sachsen/Altenburg und 1921 das Land Thüringen gegründet. Die Stadt wird dem Land Thüringen angegliedert. Seit 1952 ist sie Kreisstadt. Mit der Gebietsreform am 1. Juli 1994 hat sich der einstige Landkreis Eisenberg erweitert. Heute umfaßt der neue Landkreis außerdem noch die ehemaligen Landkreisgebiete Stadtroda und Jena-Land. Der neue Landkreis nennt sich Saale-Holzland-Kreis.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich Eisenberg zu einem Industriestädtchen. Im Jahre 1796 wurde die Porzellanherstellung durch Heinrich Ernst Mühlberg begründet. Ihr folgten die Ziegel-, Etui- und Wurstwarenproduktion und Möbelbau sowie der Pianobau. Auch die zahlreichen Wurstfabriken hatten einen hohen Stellenwert in der Stadt. Dazu kam seit dem 19. Jahrhundert als wichtige Einnahmequelle der Fremdenverkehr.

Die wirtschaftliche Situation der Stadt Eisenberg wird von zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben geprägt, die zum Teil auf lange Traditionen zurückblicken können. Dazu gehören insbesondere die beiden Armaturenhersteller Sanitärtechnik Eisenberg GmbH und Kludi Armaturen Paul Scheffer GmbH und Co.KG, die Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, die Eisenberger Wohnmöbel GmbH und die Thüringer Pianoforte GmbH, die EWU Fleischverarbeitungsgesellschaft m.b.H. sowie viele andere. Weiterhin befindet sich in Eisenberg eines der modernsten orthopädischen Fachkrankenhäuser des Landes Thüringen.

Im Rahmen der vorausschauenden Planung von Gewerbeflächen ist die Stadt in der Lage, vor allem der sich gut entwickelnden einheimischen Wirtschaft die Möglichkeit zur Erweiterung zu bieten und den Ansiedlungswünschen anderer Interessenten Rechnung zu tragen.

Dem dient insbesondere die Erschließung eines Gewerbegebietes am nördlichen Stadtrand von Eisenberg mit einer Bruttofläche von 24 Hektar sowie einem zusätzlich ausgewiesenen Sondergebiet.

 Dieses Gewerbegebiet „Nord”, welches sich unmittelbar an bereits gewerblich genutzte Flächen anschließt, ist mit Betrieben der Holzverarbeitung, Metallbearbeitung und des Elektroanlagenbaues belegt.

Zusätzlich zu dem Gewerbegebiet „Nord”, das auch durch den Neubau einer Verbindungsstraße zur B7 unmittelbar mit der Autobahn A9 verbunden ist, stehen weitere Gewerbeflächen, insbesondere ein Industriegebiet in unmittelbarer Nähe des Autobahnanschlusses, zur Verfügung. Dabei handelt es sich um das 25 Hektar große Industriegebiet „In der Wiesen”.

Die Stadt Eisenberg unterhält ein breites Angebot an Sport- und Freizeiteinrichtungen, bei denen die moderne Stadthalle, das Freibad, das Hallenbad, das Sportzentrum Schortental mit Fußballplätzen, einer Tennisanlage sowie einem Schießsportstand des ortsansässigen Schützenvereins, ein Bowling-Center und mehrere Sporthallen erwähnenswert sind.

Kulturelles Kleinod der Stadt ist die 300jährige Schloßkirche, die bedeutendste barocke Schloßkapelle Thüringens, in der neben ihrer Nutzung als Kirche regelmäßig Konzerte und Ausstellungen stattfinden. Die Schloßkirche als Teil des Schlosses Christiansburg und der historische Schloßpark, der parkartig angelegte Tiergarten sowie der innerstädtische Friedenspark sorgen für einen hohen Anteil an Grünflächen in Eisenberg. Überregionale Bedeutung hat auch das landschaftlich romantisch gelegene Eisenberger Mühltal, dessen sieben Mühlen als Pensionen und Gaststätten bzw. Jugendherberge genutzt werden.

 

 

Das Eisenberger Stadtwappen

Das älteste bekannte Wappen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es zeigt schon Mauer, Tor und drei Türme. Die Helmzier, der Mohrenkopf, taucht erst im 16. Jahrhundert auf. Mauer und Türme sollen sinnbildlich Stadtfreiheit, Gemeinsinn und Kraftbewußtsein des Bürgertums darstellen.

 

Zeittafel zur Stadtgeschichte

1196  Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Eisenberg; Dietrich, Graf zu Weißenfels, verlieh dem Kloster Altenzelle den Zehnten von seinen Weinberge bei Camburg, am Jenzig, bei Kirchberg und

„zu Ysenberch”

1274  Erste Erwähnung städtischer Privilegien; Albrecht, Landgraf von Thüringen und Pfalzgraf von Sachsen, verlieh den Ratsherrn und den Bürgern Eisenbergs das Schultheißenamt; des Weiteren erhielt Eisenberg das erste Brauprivileg

1523  Einführung der Reformation in Eisenberg

1530 und 1537  Martin Luther weilt auf seinen Reisen zum Augsburger Reichstag (1530) und zur Tagung des Schmalkaldischen Bundes (1537) in Eisenberg, ihn begleiteten u.a. Philipp Melanchton, Georg Spalatin und der Lutherschüler und Berliner Hofprediger Johann Agricola

1550 -1561  Erste Pflasterung aller wichtigen Straßen, u.a. der Burgstraße, des Steinwegs und der Schloßgasse

1581  Erstmals durchgängige Pflasterung des Marktes

1591  Die Zahl von 197 Feuerstellen, davon 167 innerhalb und 30 außerhalb der Stadtmauer, läßt auf etwa 1000 Einwohner schließen

1675-1707  Regierungszeit Herzog Christians. Durch die Teilung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg entstand 1680 das Herzogtum Sachsen-Eisenberg mit Eisenberg als Residenzstadt

1796  Heinrich Ernst Mühlberg erhielt die Konzession zur Errichtung der ersten Eisenberger Porzellanfabrik

1813  Nach der Völkerschlacht bei Leipzig quartierte sich der russische Zar Alexander I. in einem Haus am Markt ein (später Buchhandlung Bauer); Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen, logierte im Gasthaus „Zum Bären”; Soldaten lagerten nach der Schlacht in und um Eisenberg; das Schützenhaus wurde als Lazarett genutzt

1823  Beginn des Klavierbaus in Eisenberg

1848/49  Bürgerliche Revolution; in Eisenberg wurde eine Bürgergarde aufgestellt; Reichstruppen besetzten die Stadt und schlugen den Aufstand nieder

1850  August Matthes gründete die erste Eisenberger Wurstfabrik; sie stellte Zervelatwürste her, die weithin bekannt wurden

1898  Gründung der Eisenberger Stadtwerke und Inbetriebnahme des Gaswerkes

1901/02  Bau des städtischen Wasserwerkes

1918  Die herzogliche Familie dankte ab; Eisenberg wurde dem Freistaat Sachsen-Altenburg angegliedert

1920  Eisenberg gehört zum Land Thüringen

1952  Aufgliederung des Landes Thüringen in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl; Eisenberg wird Kreisstadt

1989/1990  Friedensgebete in der Stadtkirche „St. Peter” und Demonstrationen der Bürger fordern Veränderungen in Stadt und Kreis

1990  Wieder zum Land Thüringen gehörend

1992  Schloßkirche zum 300-jährigen Jubiläum wieder geweiht; Abriß des letzten Eisenberger Porzellanwerks

1993  Einrichtung der Stadtbuslinie

1994  Jetzt 12.000 Einwohner - erneuter Kreissitz nach Gebietsreform - die ehemaligen Landkreise Stadtroda und Jena-Land sind hinzugekommen und bilden den neuen Saale-Holzland-Kreis; Neugründung der Stadtwerke Eisenberg; Abriß der Graugußgießerei; Einweihung des Feuerwehrgerätehauses

1995  Spatenstich für das Industriegebiet „In der Wiesen”

1996  800-Jahr-Feier; 100 Jahre Sanitätskolonne Eisenberg; Neugestaltung des Busbahnhofes; Wiedereröffnung des Hallenbades nach erfolgter Rekonstruktion

1997  Sanierung Steinweg; 90 Jahre Johanniter-Krankenhaus (Diakoniezentrum Bethesda); Eröffnung der Sporthalle am Friedrich-Schiller-Gymnasium

1998  Inbetriebnahme der neuen Kläranlage; 100 Jahre Stadtwerke Eisenberg; 100 Jahre Postamt Eisenberg; Einstellung der Eisenbahnstrecke Eisenberg-Crossen

1999   Seit 400 Jahren Superintendentur; Thüringer Produktdesign-Preis für Sanitärtechnik Eisenberg; Feierliche Einweihung des sanierten Hauses Bethesda

März 2002  Einweihung und Zertifikat für Biomasse Heizwerk „Ökotech” Juni 2002

140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Eisenberg;

Einweihung des Sportforums „Eisenberger Mohr” nach erfolgter Sanierung und Rekonstruktion von Stadion und Freibad.

Juli 2002  Fertigstellung von 20 neuen Sozialwohnungen in der Fabrikstraße

Juli 2003  Stadtkirche St. Peter erhält neuen Kirchturm

Juni 2004  Eröffnung der Stadthalle Eisenberg

 

 

Rundgang:

 

Beginn auf dem Rathausplatz:

 

01. Rathaus:

Im Jahre 1274 erhält Eisenberg das Stadtrecht und man beginnt mit dem Rathausbau.  Erste Erwähnung 1579 im Schlußstein über der Tür. Im 16. Jahrhundert erfolgen mehrfache Umbauten im Renaissancestil. Der Turm wurde 1702/03 erhöht und der Erker angebaut. Im Jahre 1912 erfolgt ein Anbau an der Nord-Ost-Ecke. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten fanden in den 90iger Jahren statt. Das Haus erhielt 1999 den Bundespreis „Schönstes Rathaus.

 

02. Mohrenbrunnen:

Wie der Eisenberger Mohr ins Wappen kam

Über dem ältesten Brunnen der Stadt, der auf dem kleineren Teile des durch Rathaus und Kirche in zwei ungleich große Flächen geteilten Marktplatzes, erhebt sich, aus einem einzigen Stück groben Sandsteins kunstvoll gearbeitet, ein Mohr mit einer Binde über den Augen und in der Hand ein Trinkgefäß haltend, aus dem an schönen Sommertagen ein Strahl Wasser weit hinauf in die blaue Luft springt. Seit dem Jahre 1727 steht das alte Steinbild hinter dem Rathaus.

Dem alten Mohrenbilde ist aber eine besondere Ehre geschehen. Sein Kopf mit der Binde über den Augen ist nebst drei Türmen in das Stadtwappen übergegangen. Der Mohr selbst, ist das Wahrzeichen der Stadt geworden. Wie die Sage berichtet, hat sich das so zugetragen:

„Vor vielen hundert Jahren, als noch die Grafen von Eisenberg in dem alten Schlosse hausten, hatte sich einer dieser Grafen von einem Kreuzzuge nach dem Heiligen Lande einen Mohren als Diener mitgebracht. Wegen ihrer Treue waren die Mohren hoch geschätzt.

Lange Zeit hatte er nun auch dem Grafen treu und ehrlich gedient, als eines Tages dessen Gemahlin ihre kostbare, goldene Kette vermißte und trotz allen Suchens nicht wiederfinden konnte. Von den gräflichen Dienern war an dem Tag, an dem die Kette verlorenging, nur der Mohr um die Gräfin und in deren Zimmer gewesen. Auf diesen fiel daher sogleich der Verdacht, die verschwundene Kette entwendet zu haben. Auf der Stelle wurde er verhört, gefangen genommen und obwohl er unter Tränen und Flehen seine Unschuld beteuerte, zum Tode verurteilt.

Die Vollziehung des Urteils wurde noch auf den selbigen Nachmittag festgesetzt. Als die Stunde der Enthauptung des sonst treuen und ergebenen Dieners herannahte und viel Volk sich vor dem Palaste versammelte, um den armen Sünder sterben zu sehen, ward es der Gräfin ängstlich und schwer ums Herz. Sie zog sich allein in ihr Gemach zurück und suchte ihr klopfendes Herz zu beruhigen. Da fiel ihr Auge auf das schwere Gebetbuch, das dort am Fenster auf dem kleinen kunstvoll geschnitzten Betschemel lag.

Sie kniete nieder und löste hastig die schweren Goldspangen, die das Buch geschlossen hielten und jetzt mit scharfem Geräusch aufsprangen. Da, wie sie einige Blätter umgeschlagen hatte, klirrte es plötzlich, und aus den Blättern heraus fiel ihr zu Füßen die verlorene Kette. Entsetzt fuhr sie empor. Der Mohr war also doch nicht ein Dieb, er war unschuldig, und unschuldig sollte er gerade jetzt sein Leben um ihretwillen hingeben. Rasch stürzte sie davon und entsandte die wenigen im Palast gebliebenen Diener nach dem Richtplatz. Es war noch nicht zu spät gewesen.

Der Graf schenkte dem Mohren die Freiheit. Um aber seine grundlos geschändete Ehre wieder her-zustellen, nahm der Graf den Kopf des Mohren mit der Binde über den Augen in sein Wappen auf. Zur ewigen Erinnerung an die berichtete Geschichte stellten später die braven Väter der Stadt dem armen Mohren über ihrem ältesten Brunnen ein steinern Standbild auf: das Wahrzeichen der Stadt Eisenberg.”

 

03. Superintendentur:

Das Haus wurde 1599 von dem Stadtschultheiß Sebastian Schlagk erbaut. Es hat eine seltene Spindeltreppe im Treppenhausturm. Später gehörte das Haus der Familie von Maltitz. Nach Reparaturen im Jahr 1725 dient es seit 1728 als Superintendentur. Die Fassade und der kunstvoll gestaltete Erker wurden 1930 erneuert. In den Jahren 1975-1986 wurde das Gebäude von der Kirchengemeinde restauriert.

 

04. Markt:

Gebäude Markt 13/14 (Nordseite)

Südseite Stadtapotheke (Markt):

Nach den großen Pestwellen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde hier eine Apotheke errichtet. Im Jahre 1677 wird der Kämmerer und Apotheker Abraham Pietsch als Besitzer erwähnt.

Nach ihm ging das Haus an die Schultheißenfamilie Beyer über, worauf die Inschrift über dem großen Tor zur Apotheke hindeutet.

 

05. Kollergang einer Porzellanfabrik (zwischen Rathaus und Stadtkirche)

 

06. Evangelische Stadtkirche St. Peter (Patrozinium: 29. Juni)

Die Stadtkirche „St. Peter“, auch Marktkirche oder Peterskirche genannt, entstand vermutlich aus einer Kapelle gleichen Namens, die 1219 bei der Gründung des Zisterzienserinnenklosters erwähnt ist. Sie wurde im Zuge des Wachstums der „neuen Stadt“ mehrfach umgebaut.

Der Kirchenbau besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen, die verschiedenen Epochen entstammen: dem spätgotischen Chor (laut Inschrift eines Kreuzigungsreliefs am Außenbau von 1494), dem Kirchenschiff, das laut Inschrift an der Südseite der Kirche 1585 erbaut wurde, und dem Turm, dessen Datierung ungewiß ist.

Da beim Neubau des Kirchenschiffs 1585 ein Schlußstein aus dem abgerissenen Mittelschiff in den Eingangsbereich des Turmes eingebaut wurde, muß der Turm schon gestanden haben. Er ist auch aus anderem Gestein als das Kirchenschiff und der Chor.

Während die Turmmauern womöglich von der Kapelle aus dem 13. Jahrhundert stammen, sind die romanisch nachempfundenen Fenster vermutlich später entstanden (1878-1880). Der Dachreiter - ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert - wurde 1967 wegen Baufälligkeit abgerissen und 2003 vollkommen neu errichtet. Dank eines immensen Spendenaufkommens und großzügiger Förderung durch die Stadt Eisenberg (Städtebauförderprogramm) konnte er im Juli 2003 wieder auf das Dach der Kirche gesetzt werden.

Von außen scheint die Kirche den Grundriß eines Kreuzes aufzuweisen. Die Sakristei und ihr gegenüber die Herzogskapelle von 1677-1710 erzeugen den Eindruck eines Querhauses.

Beim Gang um die Kirche entdeckt man auf der Südseite über dem Eingang Petrus mit dem Schlüssel, den Namenspatron der Kirche, ferner eine Inschrift: „Anno 1585 ist diese Kirche in Gottes Namen zu bauen angefangen, steht nun in Gottes Hand. Zu Sankt Peter ist sie genannt. Die Zeit regieret Schulthes Johann Pezolt, Johannes Beier, Johan Schuman.“ Eine überlieferte Mitteilung bestätigt diese Angaben: „Das alte enge Kirchlein sey gänzlich abgebrochen bis auf den Chor und wiedererbaut den 21. März 1586.“ Am Stützpfeiler des Chores auf der Südostseite befindet sich ein eigenartiges Steinrelief, dessen Deutung unsicher ist. Handelt es sich hier um die Darstellung des gegeißelten Jesus vor Pilatus mit Dornenkrone, Geißel, Lanze und der inzwischen völlig verwitterten Überschrift: „Ecce homo“ (Sehet der Mensch)? Oder ist hier der Auferstandene dargestellt mit einem Siegeskranz und als weiteren Zeichen des neuen Lebens vielleicht Aronstab, Lilie und Palmwedel? Schon im 18. Jahrhundert tauchten die beiden Deutungs-Möglichkeiten auf.

 

Setzt man den Rundgang fort, so findet man zwei weitere Steinreliefs der gleichen Art: die Kreuzigung Jesu an einem Gabelkreuz mit der Jahreszahl 1494 und nach Norden hin St. Sebastian am Baum mit zwei Soldaten. Geht man weiter um den Sakristeianbau herum, ist ein Relief zu sehen, dem des St. Peter über dem Südportal ähnlich, Christus mit der erhobenen Rechten.

 

Betritt man die Kirche von Westen her durch den breiten Turm, gelangt man durch die kleine Eingangshalle - in der als ein Zeuge der alten Kirche der Schlußstein grüßt (1585 dort eingebaut) - in das geräumig wirkende Kirchenschiff. Der breite, flachgedeckte Saalraum ist an drei Seiten von einer hölzernen Empore auf schlanken Säulen umgeben. Sowohl über als auch unter der Empore beleuchten rundbogige Fenster den Raum.

Ein spitzbogiger Triumphbogen trennt den bedeutend schmäleren Chorraum vom Kirchenschiff. Den Altarraum überspannt ein gotisches Gewölbe. Den Ansatz der Rippen bilden verschiedene figürliche Verzierungen, im Scheitel sitzt ein Schlußstein.

Man kann sich heute kaum vorstellen, daß die Kirche einmal zwei Emporen hatte, bevor sie 1878-1880 unter Leitung des Baurates Enger, Altenburg, umgestaltet wurde. Damals stellte man die Empore auf gußeiserne Säulen, die heute ein prägendes Element der Kirche bilden. Aus dieser Zeit stammen auch die Wappenfenster im Kirchenschiff. Die jetzige farbige Gestaltung erhielt die Kirche 1989/90. Den Mittelpunkt des gotischen Chores bildet das Gabelkreuz. Wie ein Wegweiser nimmt es die Blicke des Besuchers gefangen. Es wurde 1918 auf dem Boden der Eisenberger Gottesackerkirche (heute katholische Pfarrkirche) gefunden und kam danach in die Stadtkirche. Treten wir näher heran, erblicken wir den leidenden, sterbenden Christus, der die Worte des Psalms 22 sprechen könnte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Doch seine Arme und das dahinter befindliche Gabelkreuz erinnern an den Lebensbaum und somit an die Auferstehung. Darum sollten wir wohl hören, wie er sagt: „Es ist vollbracht.“

Die Altarbilder aus der Werkstatt des Samuel Claus entstanden in den Jahren 1622-1629. Die Altarbilder sind wahrscheinlich nicht alle von dem gleichen Maler gemalt worden. Sie stellen jedoch deutlich einen Zyklus dar. Man kann die Unterschiede erkennen, aber auch die Querverweise. So sind manche Personen mehrfach abgebildet- nicht an den Gesichtszügen, aber an der Kleidung erkennbar. Beispiele: Johannes beim Abendmahl auf Jesu Schoß. Johannes unter dem Kreuz hat sich Jesu Mantel umgelegt. Maria als junge Mutter, Maria unter dem Kreuz trauert um ihren Sohn. Über der Predella mit der Darstellung des Heiligen Abendmahles konnte je nach Kirchenjahreszeit die Geburt Christi, die Kreuzigung oder das Pfingstereignis wechselweise angebracht werden. Sie schmückten bis 1880 den Altar und sind heute im Kirchenschiff zu sehen. Die Predella mit der Abendmahlsdarstellung hing immer dort. Die anderen drei Bilder - Weihnachten, Karfreitag, Pfingsten - wurden je nach Kirchenjahreszeit darüber aufgehängt. Das bedeutet, daß das Pfingstbild die längste Zeit im Jahr zu sehen gewesen sein muß. Der jetzige Altar wurde 1880 vom Hofbildhauer G. Kühn aus Eichenholz gefertigt.

Den Taufstein aus Marmor stiftete 1880 von Marie Prinzessin Albrecht von Preußen, geborene Prinzessin von Sachsen-Altenburg.

Gegenüber befindet sich die Kanzel, die 1880 gemeinsam mit dem jetzigen Altar nach Plänen des Baurates Enger, Altenburg, vom Hofbildhauer G. Kühn aus Eichenholz gefertigt worden ist. Sie ist verziert mit dem lehrenden Christus und den vier Evangelisten. Wahrscheinlich predigte Martin Luther bei seinen gesicherten Aufenthalten in Eisenberg am 7./8. April 1530 und am 10./11. März 1537 in der Stadtkirche. Verbürgt ist seine Kritik am Kirchengesang in Eisenberg. Dabei erregten jedoch nicht die Stimmen, sondern das Gemisch von Latein und Deutsch in den Chorälen sein Mißfallen. Die lutherischen Lehren fanden auch in Eisenberg offene Ohren (schon 1523, wenn auch nicht ganz unwidersprochen).

Im Chorraum leuchten die farbigen Fenster, die von links nach rechts „Anbetung der Weisen“, „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und „Jesus trägt das Kreuz“ darstellen. Sie stammen wohl von 1719.

Blickt man nun ins Kirchenschiff zurück, sieht man die 1889 im neugotischen Stil durch die Brüder Poppe gebaute Orgel, in deren Innerem sich jedoch ein Werk der Firma Böhme, Gotha, von 1977 befindet, mit 2 Manualen und 21 Registern. Auf der Empore hängen einige große Bilder von Superintendenten, die daran erinnern, daß Eisenberg seit 1606 Sitz einer Superintendentur ist.

Anläßlich der Wiedereinweihung der Kirche 1990 wurde die Petrusplastik der Künstlerin Elly Viola Nahmmacher gestiftet. Sie fand seinen Platz unter der Orgelempore. Der sinkende Petrus wird von Christus gehalten. Ihm sind der Schlüssel, Symbol für die Vollmacht, Sünden zu vergeben, aber auch der Hahn, in Erinnerung an die Verleugnung des Herrn, zugeordnet. Die Fische erinnern an den Auftrag, Menschen zum Glauben zu rufen, und die Rosen an die dreimalige Frage nach der Liebe. Sie sind gewiß nicht nur an Petrus zu richten, sondern an alle, die für andere Verantwortung tragen.

 

07. Klötznersches Haus (heute Stadtmuseum):

 

Nach Osten in die Rosa-Luxemburg-Straße:

 

08. Haus Bauer (Ecke Markt):

Das Haus wurde um 1750 durch  Prinz Johann Adolph von Sachsen-Gotha gebaut. Dieser hatte geplant, das Häuserviertel Markt - Rosa-Luxemburg-Straße abzureißen und einen Stadtpalast zu errichten. Am 22. Oktober 1813 übernachtete der russische Zar Alexander I. in diesem Haus. Er soll sich sehr über eine aufgeplatzte Thüringer Bratwurst gefreut haben.

 

09. Altes Amtshaus (Südseite)

 

10. Knabenschule (Nordseite)

 

11. Ehemaliges Gymnasium (Nordseite):

Im Jahre1688 wurde durch Herzog Georg Christian ein Lyzeum gegründet, das 1871 in ein Progymnasium und 1875 ein humanistisches Gymnasium umgewandelt wurde. Es wurde nach ihrem Gründer dann „Christianeum“ genannt und im Zuge der sozialistischen Schulreform 1965 in eine erweiterte Oberschule umgestaltet. Schüler dieser Oberschule und Lehrlinge aus Eisenberg schlossen sich 1952 zu einer Widerstandsgruppe zusammen, die als „Eisenberger Kreis“ bekannt wurde. Die Gruppe existierte bis 1968 in Eisenberg und in Jena und machte mit verschiedenen Aktionen auf die kommunistische Diktatur aufmerksam. Im September und Oktober 1958 wurden 24 Mitstreiter dieser Gruppe in Gera zu insgesamt 114 Jahren Haft verurteilt.

 

Nach Südwesten in die Burgstraße:

 

12. Fabrikantenvilla:

Moritz Kretschmann ließ diese  Fabrikantenvilla 1893 erbauen. Ab 1925 ließ der neue Besitzer, der Porzellanhersteller Max Schiller, die Veranda, den Wintergarten und weitere Gebäudeteile errichten. Nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten erstrahlt die Villa heute wieder im alten Glanz.

 

 

 

13. Krausedenkmal:

Der Entwurf für diesen Obelisk aus rotem Sandstein stammt von dem Geheimen Baurat Engel aus Altenburg. Das Bronzemedaillon schuf der Dresdener Bildhauer Robert Henze. Anläßlich des 100. Geburtstags im Jahre 1881 wurde das Denkmal eingeweiht. über dem Bildnis Krauses befinden sich in goldener Schrift seine letzten Worte. Im Jahre 1902 wurde der Platz zu Ehren dieses bekannten Philosophen in „Krauseplatz umbenannt. Karl Christian Friedrich Krause, geboren  6. Mai 1781 in Eisenberg, gestorben 27.September 1832 in München

 

14. Hofgärtnerei Döll:

Das Hofgärtnerhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde wahrscheinlich von Wilhelm Döll (1799-1860) errichtet. Er war von 1826-1860 Hofgärtner am Eisenberger Schloß. An dem Gebäude befanden sich links und rechts kleinere Anbauten, in denen die exotischen Pflanzen des Schloßgartens überwinterten und Arbeitsgeräte gelagert wurden.

 

15. Stadtmauer

 

16. Schloßpark Laboratorium:

Für seine alchemistischen Experimente ließ Herzog Christian von Sachsen-Eisenberg um 1700 ein Laboratorium errichten. In dem zweigeschossigen Bau befand sich u.a. ein Schmelzofen. Das Gebäude wurde 1843 abgerissen und die jetzt noch vorhandenen Reste bei der Restaurierung 1998 freigelegt.

 

Weiter in den Schloßpark:

 

17. Schloßpark und Residenzschloß:

Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist an dieser Stelle eine Burg nachweisbar. Sie war durch ihre Lage an der Grenze der Markgrafschaft Meißen strategisch bedeutsam

und mit einem Graben gut geschützt. Die Burg wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach  umgestaltet. 1589 errichtete man die „Neue Küche“. Von der mittelalterlichen Burg und dem Renaissance-Schloß ist heute nur noch der Westflügel erhalten (Haus I).

In der Zeit, als Eisenberg die Residenzstadt Herzogtums Sachsen Eisenberg war (1680 -1707), ließ Herzog Christian das Bauensemble verändern. Das Schloß wurde zu einer barocken Dreiflügelanlage umgestaltet und zwischen 1679 und 1692 wurde an der Ostwand des Schlosses die Schloßkirche angebaut Zu diesem Schloßkomplex gehören heute ebenfalls der zweigeteilte Schloßpark mit Bogengarten, das Laboratorium, der Küchengarten mit Pavillon und die Büste Herzog Christians.

 

18. Die evangelische Schloßkirche St. Trinitatis der Christiansburg zu Eisenberg

(Patrozinium: Sonntag nach Pfingsten).

Die barocke Baukunst, Ausdruck absolutistischen Denkens und Fühlens, entfaltete sich in Deutschland nach dem Dreißig-jährigen Krieg (1618-1648). In ihrem sinnenfrohen Schmuckwerk zeigen sich in der Eisenberger Schloßkirche sowohl Frömmigkeit als auch das wieder erstandene große Repräsentationsbedürfnis der von „Gott eingesetzten Herrscher“. Die Schloßkirche spiegelt auch auf sehr deutliche Weise den nachreformatorischen Wandel des kirchlichen Raumes wider.

Nicht der Altar allein, sondern auch die Kanzel als Ort der Predigt  rücken in den Mittelpunkt religiöser Andacht. Es kommt zur Ausbildung des Kanzelaltars.

Eine Betrachtung der Schloßkapelle, herausgelöst aus der Gesamtheit des ehemaligen Residenzschlosses, ist baugeschichtlich nicht zu vertreten. Zu eng hängt der 1677 begonnene Umbau der bestehenden Anlage in ein zeitgemäßes barockes Wunschlos mit dem Bau der Kapelle zusammen.

Mit dem Tode Herzog Ernsts I. von Sachsen/Gotha entstanden durch die Erbteilung seiner sieben Söhne, gleich viele neue Nebenresidenzen. Diese Bauten werden noch heute als Brüderbauten bezeichnet. Christian, Herzog von Sachsen/Eisenberg bezog 1676 die baufällige Burg und begann schon ein Jahr später mit dem Umbau des Marstalles. Bis zur Fertigstellung der Schloßkapelle im Jahr 1692 folgten noch unzählige Baumaßnahmen am Schloß, der Kapelle und dem angrenzenden Park.

Als die beiden wichtigsten fürstlich-sächsischen Baumeister werden Johann Moritz Richter d. J. und Christian Wilhelm Gundermann genannt. Nach umfangreichen bauarchäologischen und denkmalpflegerischen Untersuchungen kann man sagen, daß große Teile der alten Burg in das Barockschloß integriert wurden.

Dies ist zum Beispiel durch Höhenunterschiede der Fußböden im Schloß oder durch die gotischen Kelleranlagen unter der Schloßkirche nachgewiesen worden. Die Bautätigkeit unter Herzog Christian endete 1692. Er hatte sich so hoch verschuldet, daß er versuchte durch Schatzsuche, Bergbau, Alchemie und zuletzt sogar durch Geisterbeschwörung an Geld zu kommen. Mit seinem Tode 1707 hinterließ er ein Stück Thüringer Barockgeschichte, die noch heute ihresgleichen sucht. In den Jahren 1679-92 wurde die Schloßkirche (eine sogenannte Querkirche) an der Ostwand des Schlosses. gebaut

 

Die erste nachweisliche Restaurierung wurde im Jahr 1901 durch Herzog Ernst von Sachsen/ Altenburg in Auftrag gegeben. Schon hier waren gravierende Schäden an der Malerei durch Feuchtigkeit zu verzeichnen. Im Zuge der Arbeiten wurde auch ein neuer Fußboden in die Kapelle eingebaut. Der historische Sandsteinboden genügte nicht mehr den Ansprüchen der Zeit.

Da dieser Mosaikboden in einem dunkelrot bis braunen Farbton ausgelegt war, müßte auch die Farbfassung im Kirchenraum angepaßt werden. So wurden die korinthischen Säulen mit einer rot/braunen Marmorierung gestaltet.     

Eine Restaurierung der illusionistischen Malerei an den Wänden war anscheinend zu kostspielig. Deshalb fertigte man davon unzählige Schablonen an, die 1990 im Stadtmuseum wiederentdeckt wurden. Nur mit diesen war es möglich, die 1958 entfernten Malereien zu rekonstruieren. Diese waren der Restaurierung 1958/59 aus finanziellen Gründen zum Opfer gefallen. Viele Heimatfreunde versuchten damals der Zerstörung Einhalt zu gebieten. Am Ende siegte das nicht vorhandene Geld und die illusionistisch bemalten Wände wurden abgewaschen und mit einem Latexanstrich überstrichen. Auch der reiche Stuck in der gesamten Kapelle bekam einen Latexanstrich. Vergleicht man Fotos oder Postkarten aus der Zeit vor der Restaurierung, wirkt die Kirche 1959 hell und freundlich. Aber zu welchem Preis?

Schon in den 60er-Jahren traten wieder Feuchtigkeitsschäden auf. Außer einem Bericht ist nichts überliefert. Etwa. 20 Jahre später ereignete sich dann das Unfaßbare. Die Decke mit dem monumentalen Deckengemälde hatte sich über die fast 300 Jahre zwölf Zentimeter gesenkt - ein Baufehler aus der Barockzeit. Zwei riesige morsche Balken waren durch die Wand über der Orgel gerutscht und hatten mehrere Quadratmeter Freskomalerei heruntergerissen. Das alles war über die Orgel gestürzt. An verschiedenen Stellen im Putz war Hausschwamm zu sehen.

Von der staatlichen Bauaufsichtsbehörde wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt. Aufgrund vieler Besucher aus dem In- und Ausland wurden trotzdem im Eingangsbereich Führungen gemacht. Obwohl die Schloßkapelle auf der Sonderliste von DDR-Denkmalen steht, war an eine Reparatur des Dachstuhles nicht zu denken. Finanzielle Mittel waren vorhanden, was es nicht gab, sind Material und Baufirmen. Die Kirche wurde schon 1921 städtisches Eigentum. Gottesdienste waren dort noch bis 1958. Dann wurde sie instandgesetzt und Teil des Kreisheimatmuseums; sie diente auch als Konzerthalle.

Im Jahre 1989 warf die politische Wende ihre Schatten voraus. Durch den Jenaer Architekten Fritz Bürglen wurde ein Sanierungskonzept für den Dachstuhl erarbeitet. Drei Eisenberger Baufirmen erklärten sich spontan bereit, die Reparaturen durchzuführen.

Fast übergangslos, mit Einführung der D-Mark, kamen für die Kapelle die ersten Fördermittelbescheide für die lange ersehnte Restaurierung. Das Landesamt für Denkmalpflege Erfurt wählte die Eisenberger Schloßkapelle als Vorzeigeobjekt für eine professionelle Restaurierung mit ansässigen Firmen aus. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt wurde eine lückenlose Finanzierung der Arbeiten gewährleistet. Auch Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kamen zum Einsatz. Unter Leitung des Architekten Dieter Müller aus Blankenhain wurde in nicht einmal zwei Jahren die gesamte Kapelle restauriert, viele Neuerungen wurden eingebaut. Am 1. Advent 1992, pünktlich zum 300. Jahrestag des Kirchenbaues, wurde sie wieder feierlich geweiht.

 

Kurze Führung: Betritt man den Schloßhöfe von Norden, ist es zuerst der mächtige achteckige, mit welscher Haube und Laterne versehene Turm der Kapelle, der ins Auge fällt. Aber auch das Schloßportal aus rotem Sandstein mit den beiden kolossalen, korinthischen Säulen, den vier Kolossalpilastern und den beiden Balkonen bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu der schlichten Fassade. An den rechteckigen Türblättern der Kapelle heißen lateinische Verse den Besucher willkommen: „Christus ist die Himmelstür, der das ewige Licht schenkt.” und „Christus nur der Weg ist mir, der zur Himmelsfreude lenket.”. Die Tür selbst ist von einem gesprengten und in Voluten auslaufenden Giebel bekrönt.

Tritt man nun über die vier nach unten führenden Stufen in den Innenraum der Kapelle, blickt man zuerst auf schlanke korinthische Säulen. Die umlaufenden Säulenpaare tragen die beiden Emporen mit ihren niedrigen, geschlossenen Brüstungen. Da die Kapelle als Querkirche, also ein Bau dessen Breite die Länge übertrifft, gebaut wurde, wirkt sie auf den ersten Blick etwas gedrungen. Der Chor ist vorgesetzt, in ihm befinden sich Kanzelaltar und Orgel.

Links und rechts an den Chorwandpfeilern sind die Epitaphien der beiden Herzoginnen angebracht. Rechts das Bildnis von Christiane von Sachsen/Merseburg (1659-1679), der ersten Frau Herzog Christians, und links das seiner zweiten Frau, Sophie Marie von Hessen/Darmstadt (1661-1712). Der Totenkopf mit den gekreuzten Gebeinen ist das „Memento mori“ (Denke an den Tod) des Barock. Die Portraits mit der herzoglichen Krone werden von Putten gehalten und sind in schwere Lorbeerkränze gefaßt.

Das Altarbild Mariä Verkündigung stammt von Hofmaler Benjamin Block. Darüber befindet sich die Kanzel des Altars als fortlaufender Teil der ersten Empore. Der Schalldeckel wird von zwei Engeln gehalten auf dem nochmals drei mit den Leidenswerkzeugen Christi stehen. Auf gleicher Höhe hinter der Kanzel befindet sich der Sockel der Orgel mit den Klaviaturen und Registerzügen. Das darüber befindliche Brustwerk wird von der Kanzel verdeckt. Das Oberwerk der Orgel ruht auf dem Mittelpunkt der oberen Emporenbrüstung.

Der Kontrakt zum Bau wurde 1683 mit dem Leipziger Orgelbauer Christoph Donat geschlossen. Er beinhaltete den Bau einer zweimanualigen Orgel mit 21 Registern. Schon 1731 waren größere Mängel über die Jahre aufgetreten. Der Altenburger Orgelbauer Tobias Gottfried Heinrich Trost erhält den Auftrag die Orgel zu reparieren und umzubauen. Die Donat-Trost-Orgel zählt zu den bedeutendsten Instrumenten im thüringisch-sächsischen Raum.

Kaum zu sehen ist das Kuppelgemälde über der Orgel. Es stellt das 4. Kapitel aus der Johannisoffenbarung mit den 24 Ältesten dar. Der Entwurf dafür stammt vom kurfürstlich-sächsischen Hofmaler Johann Oswald Harms. Er entwarf zwischen 1684 und 1687 auch das monumentale Deckengemälde mit einer Darstellung aus dem 6. Kapitel der Johannisoffenbarung und die vier in den Ecken befindlichen Evangelistenbilder in einem neutralen braunen Grisailleton auf rosafarbenem Untergrund. Im unteren Teil zeigt das Deckengemälde die vier apokalyptischen Reiter, die Seuchen, Krieg, Hunger und Tod bringen; ihnen folgt die Hölle. In der Mitte des Gemäldes thront Gott. Im oberen Teil des Bildes erhalten die Seelen der um des Wortes Gottes Willen Erweckten weiße Kleider.

 

Zwei Verträge von 1684 und 1685 sagen aus, daß Harms auch die Säulen marmorierte, das Gemälde im Fürstenstuhl mit einer Szene aus dem 1. Kapitel der Offenbarung des Johannes malte und die 20 Embleme schuf, die in plastischen Lorbeermedaillons aus Stuck, unter den Emporen zu sehen sind. Das querovale Pfingstgemälde unter der Fürstenempore wird ebenfalls Harms zugeschrieben. Das Altarbild in der Fürstenempore, die Kreuzigung Christi darstellend, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von Benjamin Block.

Die Dekoration an der Vorderseite der Empore ist ein Zusammenspiel an Perfektion. Hier haben die Maler und italienischen Stukkateure eine Glanzleistung vollbracht, um den bedeutendsten Teil des Kirchenraumes zu schmücken. Das lorbeerbekränzte Bildnis Herzog Christians wird als Zeichen seiner Macht von Putten getragen und Palmwedeln gerahmt. Darüber schweben drei weitere Putten, die die herzogliche Krone und das Sachsen/Eisenberger Wappen halten. Kartuschen und Vorhänge rahmen auch die Wappen seiner beiden Frauen, die auch von Putten flankiert werden.

Die Modelliertechnik des Stucks zeigt besonders hier die jahrhundertlange Erfahrung der italienischen Stukkateure. Die aus Oberitalien stammenden Künstler Bartholomeo Quadro und Giovanni Caroveri hatte Herzog Christian 1683 vertraglich gebunden. Nach dem Tode Quadros wurden noch Christoph Trill (Tavillo/Farillo), Nicola Carchani und Giovanni Batta Carchani verpflichtet, die bis 1692 die Ausgestaltung der Kapelle vollendeten. Die Maler Michael Krippendorf und Georg Schilbach gestalten ab 1690 sämtliche Wandflächen mit Palmetten, Festons und floralen Motiven. Am 1. Advent 1692 wurde die Schloßkirche feierlich geweiht.

 

Nach Norden in die Schloßgasse:

 

19. Haus Fritzsche (Ecke Karl-Liebknecht-Straße):

 

20. Geburtshaus der Brüder Heineccius (Heinecke) (Ostseite):

In diesem Haus wurden der bedeutende Jurist und Philologe Johann Gottlieb Heineccius und sein Bruder, der  Historiker und Theologe Johann Michael Heineccius, geboren. Beide erlangten überregionale Bedeutung.

Prof. Johann Gottlieb Heineccius * 11.Sept. 1681 in Eisenberg, ???? 31. Aug. 1741 in Halle/ Saale

Prof. Johann Michael Heineccius * 14. Dez. 1674 in Eisenberg, ???? 11. Sep. 1722 in Halle/ Saale

 

21. Schlagksches Haus (Ecke Markt):

Der Name des Hauses, erbaut 1573, leitet sich von dem ersten Besitzer, dem Eisenberger Stadtschultheiß Sebastian Schlagk (+1603) ab. Die Steine zum Bau sollen von der Jakobskapelle stammen, die unweit Eisenbergs an der Klosterlausnitzer Straße stand. Spätere Besitzer gaben dem Gebäude den Namen Baltharsches oder Hundertmarksches Haus.

 

Nach Westen in den Steinweg:

 

22. Gäblersches Haus (Süd-West-Ecke des Marktes):

Eine im Hausflur gefundene Tafel mit der Jahreszahl 1604 weist auf das genaue Baudatum des Gebäudes hin. Das Sitznischenportal im Hof scheint ebenfalls aus dieser Zeit zu stammen. Um 1730 wurde eine Familie Gäbler als Besitzer genannt. Der Umbau des Hauses um 1900 zerstörte fast völlig die Renaissancefassade.

 

23.  Gasthaus „Schwarzer Bär“ (Nordseite)

24.  Reichspost (Nordseite): Heute Stadtbibliothek

25.  Geburtshaus Karl Eduard Bi…, Kupferstecher (Ecke Wächtergasse):

 

26. Alter Friedhof, katholische Pfarrkirche St. .Mariae Verkündigung, Erbbegräbnis Mühlberg

Die heutige katholische Pfarrkirche „Mariae Verkündigung“ vor dem Steintor wurde 1666-1668 als evangelische Kirche für den Hospital-Gottesacker erbaut. Seit 1837 hat sie nach mehreren Umbauten in etwa die heutige Gestalt. Im Jahre 1910 wurde im Norden der Stadt der heutige Friedhof angelegt und die Kirche somit als Friedhofskapelle nicht mehr benötigt. Die Evangelische Kirche verkaufte sie an die Stadt. Als nach 1945 viele katholische Umsiedler nach Eisenberg kamen, wurden die Räumlichkeiten im Pfarrhaus Jenaer Straße zu klein. So erhielt die Katholische Pfarrgemeinde am 11. November 1949 die Kirche durch Pachtvertrag zur Nutzung. Der ehemalige Friedhof wurde zum „Friedenspark“ umgestaltet. Seit 1992 befindet sich die Kirche im Eigentum der Katholischen Pfarrgemeinde.

 

27. Schützengasse:

Über die Friedrich-Ebert-Straße kommt man zum Schützenplatz. Dort geht es rechts in die Schützengasse mit den Häuser der Familie „Bier-Schmidt“

 

28. Lindenstraße:

 

29. Die evangelische Dorfkirche St. Salvator in Saasa

An der heutigen B7 in Richtung Jena liegt das kleine, eingemeindete Dorf Saasa mit seiner Dorfkirche. Erstmals urkundlich erwähnt wurde diese 1259. Damals gehörte das Dorf zum Amtsbereich des Zisterzienserklosters von Petersberg. Seit 1559 wird die Saasaer Gemeinde von Eisenberg aus verwaltet und geistlich betreut. Im Jahre 2003 wurde Saasa auch kirchlich nach Eisenberg eingemeindet.

Die jetzige Kirche ist wahrscheinlich auf der Grundlage einer älteren Kapelle erbaut worden; geweiht wurde sie am 1. Adventssonntag 1749. Aus der alten Kirche stammt noch der achteckige Taufstein aus grauem Alabaster. Bei einer Innenrestaurierung in den 60er-Jahren wurde mit den Emporen leider auch der alte barocke Kanzelaltar entfernt. Die Orgel der Gebrüder Poppe aus Roda stammt aus dem Jahr 1863.

 

30. Das Eisenberger Mühltal

Das zwischen der Stadt Eisenberg und Bad Klosterlausnitz gelegene acht Kilometer lange Mühltal zählt zu den bekanntesten Tälern des Saalelandes. Heute lauscht man im Mühltal vergebens dem Klopfen und Rasseln der Säge- und Mahlmühlen. Statt dessen erwarten die Mühlen ihre Gäste mit kulinarischen Leckerbissen und Unterkünften. Das Eisenberger Mühltal ist bei Wandergruppen sehr beliebt. Busgruppen werden am Eingang des Mühltals mit Pferdekutschen (Kremserwagen) abgeholt.

Wenn man von Kursdorf kommt, ist die Reihenfolge der  Mühlen wie folgt: Robertsmühle (noch im Bau, geplant ein Mühlen-Miniaturpark im Maßstab von 1:20), Schössersmühle, Amtsschreibermühle, Walkmühle, Pfarrmühle (Waldhotel), Froschmühle (Jugendherberge), Naupoldsmühle (mit Mühlenmuseum), Meuschkenmühle, Gasthaus Milo Barus (gehörte einst Milo Barus, einem der stärksten Männer der Welt, heute Gasthaus).

 

 

Holzland: Handwerkskunst und schöne Traditionen

Thüringer Holzland - das klingt nach Wald, Stille, aber auch nach den Rufen der alten Waldarbeiter, Köhler und Fuhrleute. Das Thüringer Holzland umfaßt historisch 8 Orte rund um das staatlich anerkannte Heilbad Bad Klosterlausnitz und die Stadt Hermsdorf. Der Waldreichtum, die reizvollen Täler und Gründe, Fachwerkhäuser, Mühlen und das Holzhandwerk prägten das Gebiet.

Entlang tief eingeschnittener Täler liegen schmucke Straßendörfer und tief im Wald versteckte, kleine Siedlungen. Fachwerkhäuser verleihen den Ortschaften ein markantes Aussehen. Vom handwerklichen Geschick der Holzländer zeugen kunstvolle Schmuckgiebel, Fachwerkkonstruktionen, Bohlenstuben und schöne Hofanlagen, die immer wieder zum Staunen und Verweilen einladen.

Eine besondere Tradition im Holzland hat das Leitermacherhandwerk. Neben Leitern werden viele andere Holzprodukte gefertigt: Mulden, Kuchenbretter, Holzschieber, Rechen, Schubkarren, Dachlatten oder Holzschindeln. Heute sind die Holzländer mit ihren Produkten auf Märkten und Volksfesten anzutreffen.

Im weiteren Sinne gehört zum Holzland das ausgedehnte Waldgebiet zwischen den Städten Eisenberg, Stadtroda, Neustadt/Orla und Gera. Beliebte Wanderziele sind das Eisenberger Mühltal, der Zeitzgrund, die Tälerdörfer rund um die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf. Ebenso laden der Leubengrund bei Kahla und der Reinstädter Grund zum Wandern ein. Jedes der Täler hat einen eigenen Charakter, gemeinsam ist die große Anzahl verschiedenster Mühlen.

Für die Holzländer hat das Maibaumsetzen die gleiche Bedeutung wie für die Kölner der Karneval. Sehenswert ist das Maibaumsetzen in Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz  (Pfingstmontag), Tautenhain (Pfingstsonntag), Weißenborn (Pfingstdienstag), Hermsdorf(zwei Wochen nach Pfingsten).  Die Orte wetteifern jedes Jahr um den höchsten Mai-baum. Das Fest beginnt mit dem Umlegen des alten Maibaumes.

Die Burschen ziehen im weißen Hemd, mit Schärpe und blauer Schürze mit Kutschen, Blasmusik und Liedern in den Wald, um den neuen Baum zu holen. Der Baumstamm und der Gipfel werden unter Anleitung des Richtmeisters aus dem Wald getragen. Am nächsten Tag wird der Maibaum gesetzt. Der Gipfel wird an den Stamm angeschuht. Die Burschen sammeln bei den Mädchen bunte Bänder, um den Baum zu schmücken. Es gibt einen Umzug. Blasmusik und viele Stände umrahmen den feierlichen Akt des Maibaumsetzens. Der alte Maibaum wird zusammen mit Holzwaren aus dem Holzland versteigert.

Das alle zwei Jahre wiederkehrende Strohfest in Gernewitz/Stadtroda ist das größte Volksfest im Saaleland. Es steht für den landwirtschaftlichen Charakter und die schönen, gepflegten Dörfer der Region. Mittelpunkt des Strohfestes ist der Wettbewerb im Strohfigurenbauen. Anläßlich des Strohfestes ist der gesamte Ortsteil Gernewitz mit den verschiedensten Strohfiguren geschmückt. Die nach dem Fest auf den Feldern vor den Toren der Stadt stehenden Strohfiguren sind lange Zeit beliebtes Fotomotiv. Für das Fest wird die gesamte Strohernte des ortsansässigen Agrarunternehmens benötigt. Höhepunkt des Strohfestes ist der Festumzug. Untermalt wird das Strohfest von einem attraktiven Bauernmarkt, einem reichhaltigen Kulturprogramm und vielen anderen Höhepunkten.

 

Bad Klosterlausnitz: Ein Kleinod für Erholung und Entspannung

Das staatlich anerkannte Heilbad, Bad Klosterlausnitz, ist die Perle des Holzlandes. Das 1932 gegründete Moorbad zieht seit Jahrzehnten Heilung und Erholung suchende Gäste an. Das Moor für die Heilbehandlungen wurde früher im Hochmoor von Bad Klosterlausnitz gestochen. Neben den Kurkliniken steht den Gästen das Kurmittelhaus mit ambulanten Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Eine Besonderheit sind auch heute noch Naturmoor-Anwendungen. Der allgemeinen Erholung und Entspannung dient der „Sauna-Wellnesspark mit Soletherme“ in Bad Klosterlausnitz. Er verdankt seinen Namen den fünf Tonnen verarbeiteten Halbedelsteinen und führt den Ruf eines Wellnessbades mit einer vielfältigen und großzügigen Saunalandschaft. Für seine hervorragende Qualität wurde die Sauna 2004 mit dem Prädikat „Europa-Sauna“ ausgezeichnet.

 

 

Die Wälder, die tiefen Täler und das Hochmoor laden zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren ein. Erholung Suchende finden ein breites Angebot an Privatunterkünften, Hotels und Pensionen. Der schöne Kurpark in Bad Klosterlausnitz lädt zu Entspannung und Erholung ein.

Die Kirche in Bad Klosterlausnitz einst gehörte sie dem Augustiner Chorfrauenstift.

 

Bürgel: Das Töpferhandwerk als Zeugnis traditioneller Künste

Von Dornburg aus erblickt man das malerische Gleistal und erkennt am Horizont die Kirchturmspitze der Töpferstadt Bürget. In elf Töpferwerkstätten wird auch heute noch die über die Grenzen Thüringens hinaus bekannte Keramik mit dem blau-weißen Dekor hergestellt. Im Keramikmuseum der Stadt können sich Besucher über die Geschichte des Töpferhandwerkes in der Region informieren. Seit 450 Jahren werden hier ohne Unterbrechung Gefäße aus Ton hergestellt, vielfältig in Formen und Farben. So auch die beliebte und markengeschützte blau-weiße Bürgeler Keramik.

 

Thalbürgel

Die Talmühle in Thalbürgel diente einst als Klostermühle des Benediktinerklosters. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle zum gegenwärtig existierenden Gebäudekomplex umgebaut. Sie ist heute ein technisches Schauwerk mit original erhaltener funktionstüchtiger Mühleneinrichtung. Jede Führung findet mit Schaumahlen statt. Öffnungszeiten: täglich nachmittags, vormittags auf Anmeldung.

In der Zinsscheune erwartet den Besucher ein Museum mit einer Sammlung zum alten dörflichen und klein-städtischen Leben der letzten 200 Jahre in der Region. Zu sehen sind Wohnräume um 1900. Für Schüler ist eine Unterrichtsstunde in der alten Dorfschule ein Erlebnis.

Wie wurde früher die Ernte eingebracht? Wie hat ein Schuster gearbeitet? Wie wird aus Flachs Leinen gesponnen? In älteren Menschen weckt die Ausstellung Erinnerungen aus der Kindheit. Kinder können sich Vorstellungen vom Leben im 19. Jahrhundert machen. Öffnungszeiten: Di Fr von 9 - 12 Uhr, April bis Okt. zusätzlich Sa, So, Feiertag 14 - 17 Uhr, sonst auf Voranmeldung. Eintritt/Person: 2,50 €.

 

Dornburg: Nicht nur die Schlösser erinnern an vergangene Zeiten

Im Saaletal erlebt der Besucher zwischen Jena und Camburg eine einmalige, faszinierende Landschaft. Gleichwohl ob man vom Bergfried der Kunitzburg, der Tautenburg, der Burg in Camburg oder von den Bastionen der Dornburger Schlösser ins Saaletal schaut, der Ausblick weitet die Seele und läßt Alltagssorgen nichtig erscheinen.

Wenn der Name Dornburg erklingt, dann denken die meisten an die berühmten drei Dornburger Schlösser. Die Stadt mit ihrer über 1000-jährigen Geschichte ist zentraler Ausgangspunkt für Entdeckungstouren zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Zug oder mit dem Auto. Zu entdecken gibt es geschichtsträchtige Orte, Schlösser, Burgen, Landschaften und Natur. Die wuchtigen, trotzigen Mauern des Alten Schlosses, das holprige Pflaster des seit Jahrhunderten unverändert gebliebenen Straßenmarktes, die verwitterten Steine der Stadtmauer bringen ein Stück deutscher Geschichte greifbar nahe.

 

Kahla:

Gleichwohl aus welcher Richtung sich Besucher der Stadt Kahla nähern, ob mit dem Auto auf der Bundesstraße 88, ob als Wanderer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Kanu auf der Saale, schon von weitem ist die Leuchtenburg zu sehen. Die Leuchtenburg - auch Königin des Saaletals genannt - steht für eine Region, die landschaftliche Schönheit und Kultur auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

Von der Leuchtenburg blickt der Besucher auf die über 1000 Jahre alte Porzellanstadt Kahla, deren historische Innenstadt mit Stadtmauer, Stadttoren, der einstigen Burganlage, dem Rathaus und Hinterhöfen mit Laubengängen von einer wechselvollen Geschichte zeugt.

Von der Leuchtenburg aus, in nördlicher Richtung, bietet sich ein schöner Ausblick auf die Universitätsstadt Jena. Das Museum der Leuchtenburg erinnert an vergangene Jahrhunderte

Die landschaftlich schöne Region des Saaletals wußten bereits Herrscher vergangener Jahrhunderte als reiches Jagdgebiet zu schätzen. Imposant und von märchenhafter Schönheit strecken sich die Türme des Jagdschlosses Hummelshain in die Höhe. Das gut erhaltene Gebäude wurde 1880 bis 1885 im Auftrag von Herzog Ernst I. errichtet und galt 1918 als herzogliche Jagd- und Sommerresidenz. Unweit davon liegt die barocke Jagdanlage Rieseneck. Sie ist die einzige erhalten gebliebene Jagdanlage ihrer Art in Europa und war früher der Mittelpunkt der gesamten Jagdregion des Holzlandes.

Das dritte Jagdschloß „Fröhliche Wiederkunft“ steht im benachbarten Trockenborn-Wolfersdorf, ein von Wäldern umgebener Erholungsort. Schon bald kann es im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

 

Stadtroda: Auf kleiner geschichtsträchtiger Entdeckungsreise

Der Staatlich anerkannte Erholungsort Stadtroda liegt inmitten einer waldreichen Umgebung und bildet den Eingang zum Thüringer Holzland. Bereits im 9. und 10. Jahrhundert, als die Rodetätigkeit durch fränkische Siedler in den urwaldartigen Tälern der Roda und ihrer Nebenflüsse begann, entstand auf hohem Bergsporn die Siedlung Roda. Der viereckige Turm der Heilig-Kreuz-Kirche mit seiner thüringischen Schieferdachhaube grüßt noch heute als Wahrzeichen dieses alten Marktfleckens vom Berg in die Stadt herunter. Wer an einer Stadtführung teilnimmt, wird feststellen, daß Stadtroda viele bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten zieren. Bereits 1500 wird ein Schloß erwähnt. Seine heutige Gestalt erhielt das Barockschloß in den Jahren 1663 bis 1734. Um das Jahr 1240 entstand das von den Herren von Lobdeburg gestiftete Zisterzienser-Nonnenkloster in der Rodaaue. Das Kloster war Hauskloster und Begräbnisstätte der Herren von Lobdeburg als Gründergeschlecht. Der Stadtrundgang führt auch am „Roten Tor“ vorbei. Als sein Vorgänger, das alte „Töpfertor“, verfiel und aus rotem Sandstein ein neues Stadttor gebaut wurde, bekam es seinen markanten Namen. Es ist das einzig erhaltene von ehemals fünf Stadttoren. Mit dem „Roten Tor“ verbindet sich die Sage der Rodschen Möhre aus dem Jahre 1450.

Das enge Tal der Roda und ihre zahlreichen Seitentäler, steil abfallende Bergsporne mit historischen Bauwerken, zahlreiche Gassen nur für die Fußgriffiger vor allem zwischen den oberen und unteren Teilend er Stadt und ein üppiger Baumbestand im Stadtgebiet. Neben der einzigartigen Topographie bestimmen ein dreiflügliges  Barockschloß (heute Amtsgericht), ein repräsentativer Schulbau aus dem Jahr 1907 und mehrere alte Kirchen das Stadtbild.

Geprägt haben die Kleinstadt ihre Funktion als Verwaltungssitz des Westkreises im Herzogtum Sachen-Altenburg, Kurbetrieb bis in die sechziger Jahre und Einrichtungen des Pflege- und Gesundheitsdienstes. Sehenswert das „Schützenhaus zur Louisenlust“ mit dem wohl schönsten Festsaal im Saale-Holzland-Kreis.

Die Ruine eines Zisterzienser-Nonnenklosters steht mitten in der Altstadt. Es wurde 1340 gegründet und bis zur Reformati0on als Kloster betrieben

 

Die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf informiert und gedenkt dem Leben und Werk der Tierforscher Christian und Alfred Brehm

 

Jena: Ein Streifzug durch Industrie und Wissenschaft

An der Saale, umgeben von 400 Meter hohen Muschelkalkhängen, liegt die traditionsreiche und innovative Universitätsstadt Jena, die zu einer der landschaftlich schönsten Städte in Deutschland gehört.

Jenas heutiges Stadtbild ist nicht nur durch eine wechselvolle Geschichte, eine glanzvolle geistige Vergangenheit und eine Vielzahl kulturhistorischer Schätze geprägt, sondern auch durch eine junge Kulturszene, moderne Architektur und dynamische Wirtschafts- und Wissenschaftsstrukturen.

Durch die Gründung der Universität im Jahre 1558 durch den Kurfürsten Johann Friedrich wurde Jena zum Zentrum europäischer Geistesgeschichte. Hier wirkten Ende des 18. Jahrhunderts Goethe und Schiller und hier wurde die Deutsche Romantik begründet. Der Kreis der Frühromantiker unter den Brüdern Schlegel lebte und arbeitete in Jena. Auf den Spuren dieser bekannten Künstler und Gelehrten kann man sich im Romantikerhaus, in Schillers Gartenhaus oder auch in der Goethe‑Gedenkstätte bewegen.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gründete das wissenschaftlich-wirtschaftliche Dreigestirn Carl Zeiss, Otto Schott und Ernst Abbe die feinmechanisch-optische Industrie in Jena. Über die bahnbrechenden Erfindungen und das damalige Arbeitsumfeld jener klugen Köpfe kann man sich heute in zahlreichen Museen, wie zum Beispiel im dienstältesten Planetarium der Welt oder im optischen Museum mit der historischen Zeisswerkstatt, ein Bild machen.

Überdies findet man in Jena aber auch eine moderne Kulturlandschaft. So bringt das jährliche Open Air Festival „Kulturarena“ internationale Stars nach Jena und die breitgefächerten Angebote der Museen, des Jenaer Theaterhauses sowie die Jenaer Philharmonie haben individuelles und hochkarätiges zu bieten.

Liebevoll erhaltene Stadtviertel, Straßenzüge im südländischen Flair, Feinschmeckeradressen und urige Kneipen vermischen sich dabei mit modernen Einkaufsmöglichkeiten, wie in der Goethe Galerie und im Einkaufszentrum „neue mitte“ am 128 Meter hohen Jen Tower, dem höchsten Büroturm der neuen Bundesländer, von dessen Aussichtsplattform sich ein fantastischer Panoramablick eröffnet.

Jena - eine Stadt zwischen Historie und Fortschritt - lebt von seinem Facettenreichtum: Die Verbindung von geschichtsträchtiger und intellektueller Vergangenheit, landschaftlichen Reizen, jungem studentischen Leben, innovativer Forschung und Wirtschaft schafft eine einzigartige Kulisse, die der kleinen, quirligen Großstadt einen Charme verleiht, der ihren Besuchern lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Schkölen:

Die über 1000 Jahre alte Stadt.gilt als Geheimtip für Geschichtsfreunde und Hobbyarchäologen. Im Zentrum der Stadt liegt die 1000 Jahre alte Wasserburg, die als Vorhut der Kaiserpfalz Domburg  von Otto I. betrachtet werden kann, deren eigentlicher Ursprung jedoch im Dunkel der Geschichte verborgen liegt. Ausgehend von der Wasserburg können Wanderer eine slawische Fluchtburg, eine frühe slawische Siedlung, die Trojaburg, das größte Grabhügelfeld Ostthüringens oder ein Rasenlabyrinth erleben.

 

Crossen:

Die ebenfalls über 1000 Jahre alte Stadt Crossen wird geprägt vom Schloß Crossen, das aus einer Burganlage hervorging. An der touristischen Erschließung der zahlreichen Rittergüter  im Umfeld von Crossen und Schkölen wird gearbeitet. Erlebbar ist die Region mit dem Fahrrad auf dem Elster-Radweg und seinen Verbindungen zu anderen Radwegen, zu Fuß auf interessanten Rundwanderwegen, aber auch mit dem Pferd ausgehend von einem der zahlreichen Reiterhöfe rund um Eisenberg. Hotels, Pensionen, Privatzimmer und Gaststätten bieten Besuchern den passenden Rahmen für geschichtliche und landschaftliche Entdeckungen in und um Eisenberg. Besucher können das romantische Tal mit Kremserwagen, per Fahrrad oder zu Fuß durchqueren.

 

 

 

Wittenberg: Das evangelische Rom                           „Spiegel“ 43/2008, Seite 62-65

Nur noch zehn Prozent Protestanten leben in der Lutherstadt Wittenberg. Das soll sich jetzt ändern. Martin Luthers Erben wollen die Stadt zu einem protestantischen Wallfahrtsort machen.

Man kommt in der Lutherstadt Wittenberg um Martin Luther nicht herum. Gleich am Bahnhof wirbt ein Hotel, „in dem Martin Luther gern gewohnt hätte“. Dann geht es vorbei an der Luthereiche, der Lutherstraße Richtung Lutherhaus. Unterwegs wird für ein Luthermenü geworben (wahlweise Fleisch oder Fisch). Ein Reisebüro preist ein Motorschiff „Lutherstadt Wittenberg“ an, auf dem man heiraten kann. In den Kneipen wird Lutherbier ausgeschenkt, beim Bäcker gibt es Lutherbrot. Auf dem Marktplatz steht ein großes Lutherdenkmal. Stadtführer springen als Lutherersatz in langen Kutten durch die Straßen. Die Stadt ist komplett verluthert.

Wittenberg ist für die Geschichte des Protestantismus so wichtig wie Rom für die katholische Kirche. Doch es gibt einen Unterschied zwischen den Städten: Rom ist voller Katholiken, von den 46 wo Einwohnern Wittenbergs sind dagegen nur 4500 evangelisch.

Manchmal gibt es Wunder des Glaubens, Marienerscheinungen etwa oder das Comeback der Orthodoxie in Russland nach 70 Jahren Unterdrückung in der Sowjetunion. In Wittenberg aber ist ein Wunder des Unglaubens zu besichtigen. Niemand kann Luther an diesem Ort aus dem Weg gehen, seinem Glauben allerdings schon. Darin verberge sich „eine Spannung, die nicht immer leicht zu ertragen ist“, bekennt die Evangelische Stadtkirchengemeinde.

Doch das soll jetzt anders werden. Vor 500 Jahren kam Luther als Student und Mönch in Wittenberg an, 1517 nagelte er seine Thesen an die Tür der Schlosskirche. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat deshalb eine Lutherdekade ausgerufen, einen frommen Zehnjahresplan gewissermaßen. 500 Jahre nach Luther sehnen sich die Evangelischen nach dem, was sie in Frage gestellt haben - nach Feierlichkeit, Ritus und religiösem Tamtam.

Die EKD-Oberen wollen nicht länger hinnehmen, dass bei den neuen Debatten zum Thema Religion immer nur vom Papst oder vom Islam die Rede ist, dass immer neue Moscheen errichtet werden, im Kernland des Protestantismus aber kein protestantischer Wallfahrtsort existiert. Aus Wittenberg soll nicht weniger werden als ein evangelisches Rom.

Niemand symbolisiert diesen Wunsch nach Augenhöhe mit den frommen Wettbewerbern so sehr wie der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, 66. Früher war der heutige Bischof von Berlin-Brandenburg alternativ kirchentagsbewegt, lila Halstuch inklusive, heute organisiert er „Bischofs-Dinner“ und predigt am liebsten im wilhelminischen Berliner Dom. Wittenberg hat er zur Chefsache gemacht. Am Reformationstag wird Huber erstmals eine „Martin-Luther-Medaille“ verleihen, „für besondere Verdienste um den deutschen Protestantismus“. Eine Auszeichnung für Bestarbeiter des Glaubens?

Protestanten sind ihrer Natur nach Zweifler. Doch Huber will, dass sie in Zukunft mehr vom Glauben als von ihren Zweifeln reden. Sie sollen die frohe Botschaft verkünden und das Wort Mission nicht länger für ein Unwort halten. „Wittenberg soll ein evangelischer Leuchtturm werden“, fordert Huber. „ein symbolischer Ort.“ In Wittenberg will er zeigen, dass man „gegen den Trend wachsen kann“. Aus der ganzen Republik werden religiöse Wachstumsspezialisten an die Glaubensfront geworfen: evangelische Schwestern aus Bayern und ein leibhaftiger Prälat.

Aber kann diese Kampagne überhaupt funktionieren? Kann man in einer Stadt, in der die Tradition verlorenging, in der den Menschen der Glaube durch die SED ausgetrieben wurde, ihn wieder unter die Leute bringen? Kann man die Ossis missionieren wie einst die Indianer? Friedrich Schorlemmer, noch immer der prominenteste Prediger der Stadt, ist misstrauisch. Wachsen gegen den Trend? „Reiner Budenzauber“, höhnt er, ein „Selbstbetrug“. Und dann lästert er über die EKD und deren „Leuchtturmwärter“.

 

 

Doch deren Missionsprogramm ist bereits im vollen Gange. Die Einführung von Prälat Stephan Dorgerloh (42) in sein Amt wurde zur Demonstration des neuen Selbstbewusstseins. Keine kleine protestantische Feierstunde mit Schmalzbrot vom Mütterkreis, sondern großer, fast katholischer Bahnhof in der Schlosskirche zur Eröffnung der Lutherdekade mit Innenminister. Gemeinden schrumpften, erklärte Protestant Wolfgang Schäuble (CDU). Aber er sei kein Defätist. „Ein starker, selbstbewusster Protestantismus kann für unsere Gesellschaft sehr wichtig sein.“

Ein Minister für Inneres, der nun auch für den Glauben zuständig ist? Im Osten wecken solche Auftritte noch immer Assoziationen. Man denkt an die Staatssekretäre für Kirchenfragen oder das Jahr 1983, in dem Staatschef Erich Honecker Chef eines staatlichen Martin-Luther-Komitees zu dessen 500. Geburtstag war. Die DDR ist zwar tot, aber als Resonanzboden noch lebendig.

Obermissionar Dorgerloh residiert unter dem Dach des Alten Rathauses am Markt. Dorgerloh trägt Anzug, Krawatte, sitzt auf einem schwarzen Ledersessel, und es hängt kein Kreuz in seinem Zimmer. Vergessen? Nein, sagt er, der Raum sei eben noch nicht fertig eingerichtet. In seinem schicken Büro wirkt er nicht wie ein Seelsorger, sondern wie ein Marketingstratege. Und manchmal redet er auch so. Dorgerloh spricht von neuen Konzepten, von langen Linien. er will „Stärken stärken“, will, dass die Kirche mit ihren „Angeboten auf die Marktplätze“ geht. Was jetzt noch fehlt, ist die Powerpoint-Präsentation.

Den Markt hat er auch schon analysiert: Dorgerloh hat die gebildeten Schichten im Visier, die den Kirchen in der DDR verlorengegangen sind. Er weiß, dass sich viele Pfarrer aus der DDR in dem Hauskreis, in den die SED sie verbannt hatte, eingerichtet haben. Er weiß, wie schwer es ihnen fällt, die neue Freiheit zu nutzen. Seine Analyse ist präzise. Aber das Rad, das er dreht, ist doch ziemlich groß für die kleine Stadt Wittenberg. Er will ein „Zentrum für Predigtkultur“, einen „evangelischen Campus“ schaffen. Er verhandelt für die EKD mit dem Land Sachsen-Anhalt darüber, dass Luthers Schlosskirche, die noch im Landesbesitz ist, 2017 an die EKD übertragen wird. Klotzen statt kleckern ist die Devise.

Nur wenige Meter entfernt von Dorgerlohs frommem Elfenbeinturm ist der „Traditionsbruch“ zu besichtigen, den er beklagt. Wer das „Haus der Geschichte“ betritt, ahnt, wie lebensfremd manche der frommen Planspiele sind. Denn in diesem Haus kann man die DDR riechen und schmecken. Die Honecker-Republik besteht in der Ausstellung zum Alltag der DDR aus Blümchentapete, Nierentischen, selbstgebastelten Regalen und Pioniertuch. Es ist ein geistloser Alltag ohne Kreuz, aber mit viel Nordhäuser Doppelkorn, ohne Kirche, aber mit Fotos von saufenden NVA-Offizieren.

Stolz führt ein graugesichtiger und leicht devoter DDR-Untertan durch den DDR- Konsum, der im Parterre nachgebaut wurde. Er zeigt originalgetreue „Bückware“, weil die DDR-Bürger sich nach ihr hinter der Ladentheke bücken mussten: Mangelware wie Ketchup oder Rotwein aus Bulgarien. Man hätte auch Westbücher als Bückware ausstellen können, die wissensdurstige DDR-Bürger auf der Leipziger Buchmesse klauten, um mitreden zu können, wenn der Westbesuch kam. Oder Anstecker der verfolgten Jungen Gemeinde.

„Traumatisiert“ von dieser DDR-Geschichte seien viele seiner Kollegen, bekennt Superintendent Christian Beuchel. Jeder von ihnen kann Episoden erzählen von den Leuten, die fragen, ob Maria die Frau von Jesus war, von Lehrern, die ihren Schülern erzählten, Glaube sei unwissenschaftlich. Für Pfarrer gehörte Überwindung dazu, nach dem Untergang der DDR Schulräume zu betreten. Sie waren feindliche Zonen.

Armin Pra, 44, hat das Glück, dass er die DDR fast nur aus Erzählungen kennt. Er stammt aus Hessen, ist seit 1993 Pfarrer am Rand von Wittenberg. Er sitzt in seinem knallroten Transporter und saust durch die Wittenberger Wirklichkeit, die mit den Planspielen der EKD-Fürsten wenig zu tun hat. „Showveranstaltung“ machten die, findet Pra. Dass die Schlosskirche nun in Kirchenbesitz kommen soll, findet er albern. Die Leute würden ohnehin denken, dass eine Kirche der Kirche gehöre - von den zukünftigen Kosten ganz abgesehen.

Der Mann Gottes gibt Gas und lacht. Er habe Missionswissenschaften studiert: „Da bin ich hier wohl ganz richtig.“ 15 Gemeinden gehören zu seinem Einzugsgebiet, 13 Kirchen, 20 Immobilien. Er muss sich um den Zustand der Gebäude kümmern, obwohl ihm die Menschen viel wichtiger sind und obwohl er hier besonders gefragt ist. „Es läuft ja kaum mehr was von allein“, sagt er.

Er fährt jetzt langsam über altes DDR-Pflaster, dann tritt er auf die Bremse, Ankunft im Dorf Straach, wenige Kilometer von Wittenberg entfernt. Alles sei weg hier. Kein Bahnanschluss, keine Post, keine Schule, kein Laden, selbst der Geldautomat wurde irgendwann abmontiert. „Aber wir sind noch da, und wir dürfen so einen Ort nicht aufgeben.“

Sein Missionskonzept kommt ohne Zielgruppenanalyse aus. Es heißt Präsenz: ein Grußwort zum Feuerwehrfest, Puppenspieler organisieren, beim Fischerverein vorbeischauen. Gesellige, offene Gemeindeabende statt Gottesdienste, die nur frustrieren, weil sie nicht besucht werden. Und irgendwann kämen die Leute bei diesen Gelegenheiten schon und fragten, nach welchen Werten man denn Kinder erziehen solle, was denn noch zähle? „Dann antworten - das ist Mission.“

Pra kann von kleinen Erfolgen erzählen. Von Lehrern, die ganze Bibelsätze bestellt haben, von einem Kirchbauförderverein, der sich für den Erhalt einer Dorfkirche einsetzte. Viele der Mitglieder gehörten nicht zur Kirchengemeinde. Aber „ihre Kirche“ wollten sie doch retten. Sie gehört zur Ortsidentität. Manche ließen in der geretteten Kirche nun ihre Kinder taufen, obwohl sie selbst nicht getauft sind. Vielleicht verheilen so ja die Wunden, die zwei Diktaturen geschlagen haben.

Es gibt einen Ort am Rande von Wittenberg, an dem Neues entsteht - jenseits der vollmundigen Missionskampagnen. „Evangelische Grundschule“ steht in großen Buchstaben weit sichtbar an der Betonwand eines DDR-Plattenbaus. Grit Förster (45) die Schulleiterin, ist gelernte Unterstufenlehrerin aus der DDR und erst als Erwachsene zum „Glauben gekommen“. 13 Schüler hatte sie 2001, als engagierte Eltern mit viel Energie die evangelische Schule ins Leben riefen. „Es waren Eltern, denen an Wertevermittlung besonders gelegen war.“

Förster war die erste und einzige Lehrerin damals, für alles zuständig, „vom Schulbuch bis zur Mülltonne“. Am Anfang sei man beschmunzelt worden, und kaum war die Schule eröffnet, kam die Schulinspektion vorbei. Inzwischen ist die Schule anerkannt, 147 Schüler werden von zwölf Lehrern unterrichtet.

In einfachen Worten kann sie erklären, was christlich an ihrer Schule ist: „Das Evangelische ist das Miteinander.“ Das klingt schlicht, aber es versteht jeder, der hier lebt. Doch Försters Schule ist die große Ausnahme in einer Gegend, in der Bekenntnislosigkeit zum Bekenntnis geworden ist. Selbst an heiligen Stätten des Protestantismus.

Eine Frau mit einem freundlichen Lächeln verkauft die Eintrittskarten im Lutherhaus. Sie kann erklären, welche Geschichte Martin Luther hatte, aber nicht, welche Gegenwart. Für sie hat er jedenfalls keine Bedeutung, vom Arbeitsplatz abgesehen. Sie sei „Atheistin“, sagt die 40-Jährige und fügt hinzu: „Sozialistische Erziehung eben.“ Die Tolerantesten seien ohnehin die Atheisten. Es gebe so viele, die sie persönlich bekehren wollten. Katholiken und Evangelische gleichermaßen. Ein paar Jahre sitze sie zwar schon hier, sagt sie, aber gläubig? Nein, das werde sie nun mal nicht.     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luther ohne die anderen?                                                                     FAZ, 01.11.208,

Es gibt Interesse daran, die Reformationsdekade „Luther 2017 -500 Jahre Reformation“ zum Anlass für eine umfassende Bestandsaufnahme der Kulturgeschichte des Protestantismus zu nehmen und sie nicht als Luther-Gedenken zu begehen. Die Organisatoren der Wittenberger Tagung „Spurenlese. Wirkungen der Reformation“, die im Oktober 2007 in Wittenberg zu Ende ging, wollen vermeiden, dass sich das fünfhundertjährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wie manche Jubiläen der Vergangenheit auf Person und Zeit Martin Luthers konzentriert. So ist es konsequent, dass auf dem Programm der Tagung kein Vortrag zu finden war, der sich unmittelbar mit Luther, Zwingli oder Calvin befasste. Die Diskrepanz zwischen dem Programmblatt der Tagung und der von staatlichen und kirchlichen Stellen getragenen Planung der Dekade tritt schon bei der Wahl der Begriffe zutage: Statt von „Lutherdekade“ sprach man auf der Tagung von „Reformationsdekade“.

Am Anfang der Planungen für die Feiern zum Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlags Luthers im Jahr 2017 hatte noch der Begriff  „Reformationsdekade“ gestanden. Später hatte das Kuratorium unter der Leitung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Huber, den Begriff „Lutherdekade“ eingebracht. Diese Personalisierung des Reformationsjubiläums hatte das Kuratorium, dem unter anderen auch die Ministerpräsidenten Böhmer, Tillich und Althaus sowie Bundesinnenminister Schäuble angehören, dann gegen den Widerspruch aus dem Forschungsbeirat durchgesetzt.

Das Kalkül der Organisatoren der Wittenberger Tagung beschreibt der Heidelberger Theologe Klaus Tanner so: Die Lutherdekade könne Gelegenheit sein, den „Wahrnehmungshaushalt“ der Theologie zu durchlüften. Wer die Bedeutung der Reformation begreifen wolle, dürfe in Luther nicht allein den Theologen erkennen. Dann könne man nämlich nicht die durchschlagende Wirkung Luthers erklären. Tanner interpretiert Luther als Rhetor, der Erwartungen weckte und Wirkungen freisetzte, die das überschreiten, was heute gemeinhin als religiös gilt. Wenn dem so sei, dürfe die Theologie nicht die Deutungshoheit über die Reformation beanspruchen. Gerade die suggestivsten Reformationsdeutungen der Vergangenheit - man denke an Hegel, Ranke oder Weber - seien „nie eine reine Theologensache“ gewesen. Deshalb habe man in Wittenberg die Deutungskompetenz von Historikern, Germanisten, Juristen. Kunst- und Musikwissenschaftlern, Soziologen, Ökonomen. Politologen, Philosophen und Religionswissenschaftlern versammelt.

Dass die Diskussionen der Tagung immer wieder auf die großen Reformationstheorien Ernst Troeltschs und Max Webers zurückkamen, ist kein Zufall: Beide Grenzgänger zwischen den Disziplinen untersuchten um 1900 die Bedeutung der Reformation für die Entstehung der modernen Welt und schrieben der Reformation dabei maßgebliche Wirkungen in den Bereichen Staat, Wirtschaft, Wissenschaft, Familie, Kunst und Religion zu.

Im Unterschied zu manchen früheren - und auch manchen späteren - Deutungen sei die Bedeutung der Reformation für das Entstehen der Moderne aber oft indirekt, teilweise ungewollt, ja, für die christliche Religion und die menschliche Lebenswelt mitunter sogar tragisch gewesen. Am bekanntesten dafür ist die These Max Webers über den Zusammenhang zwischen der calvinistischen Prädestinationslehre und der Entstehung des Kapitalismus, aus dem der religiöse Geist entwichen sei.

Der These des Juristen Georg Jellinek, eines Kollegen Webers und Troeltschs in Heidelberg, dass auch die Menschenrechte sich einer protestantisch-religiösen und keiner aufklärerisch-politischen Herkunft verdanken, mochte der Göttinger Soziologe Matthias Koenig in Wittenberg nicht folgen: Zutreffender sei eher, dass sich diese Ableitung der Menschenrechte den Anliegen der Intellektuellen im „Weltdorf Heidelberg“ um 1900 verdanke. Jellinek, Weber und Troeltsch hätten neben einer hohen Sensibilität für die Kulturbedeutung des Protestantismus eben auch dem Wilhelminischen Kaiserreich ein Demokratisierungsdefizit bescheinigt (so Friedrich Wilhelm Graf).

Daher hätten sie die Menschenrechte nicht wie die zeitgenössische französische Geschichtsschreibung mit dem Säkularismus der Französischen Revolution verbunden, sondern sie im Gegenteil vom Verdacht des „Welschen“ befreien wollen. Über einen transatlantischen Umweg bei den zur Auswanderung gezwungenen radikaleren Flügeln der Reformation sei der Anfang der Menschenrechte im germanisch-religiösen Freiheitsbewusstsein Luthers gegeben.

Aufklärung darüber, ob das zutrifft, ist in nächster Zeit - und vielleicht von der Wissenschaft grundsätzlich - nicht zu erwarten.

Das focht in Wittenberg aber niemanden an: Bei der „Spurenlese“ wollte man zunächst lohnende Fragen ausmachen. Dafür müsse man sich Zeit nehmen, wenn das Reformationsjubiläum schon auf zehn Jahre Dauer anlegt sei. „Die Eile geht, aber der Mist bleibt“, merkte der Hallenser Kirchenhistoriker Udo Sträter an.

Das Interesse der Kirchen, dass sich die Bemühungen der Wissenschaft irgendwann auch in „symbolischen Verdichtungen“ niederschlagen mögen, hält sein Kollege Tanner im Grundsatz für legitim. Aber er weiß, dass die Kommunikationsbedingungen dafür seit Troeltsch und Weber nicht einfacher geworden sind. Schon beim nationalisierten Reformationsjubiläum des Kriegsjahres 1917 vermochten deren beeindruckende, aber eben auch verästelten Deutungen kaum noch zu überzeugen.

Man vereinfachte die Deutung, indem man Reformation auf Religion reduzierte - was auch bei Troeltsch schon leise anklingt. Luthers Erbe schien sich so vor allem auf die Rechtfertigung des Sünders durch Gnade allein zu reduzieren. Dass zur gleichen Zeit weite Teile von Theologie und Philosophie den Kontakt mit den Geschichtswissenschaften aus der Hand gaben, ist nicht zufällig.

Es wird darauf ankommen, ob es bis 2017 gelingt, eine sowohl in der Sache haltbare wie auch gegenwartserschließende Erzählung für die Geschichte des Protestantismus zu entwerfen - von seinen Anfängen in der Reformation bis ins unübersichtliche 21. Jahrhundert. Dabei muss weder ein Heldenepos am Ende stehen noch eine schwermütige Melodie wie bei Weber gesungen werden. Aber dass sich Professoren unterschiedlicher Fächer dem Ansinnen auf ein solches Narrativ nicht entzogen und sich dafür auch ein Stück weit vom distanzierten Habitus des Kulturprotestanten lösten, machte den Reiz vieler Luther-Jubiläen der Vergangenheit aus.

 

Luther im Herzen                                                                         FAZ, 20.09.2009, Seite 3

Burghauptmann Günter Schuchardt sitzt in einem der flauschigen beigen Staatsratssessel hoch über dem Thüringer Wald. Ja, beim Cranach-Jahr 2015 habe man „auch die Finger drin“. Erst komme aber 2011 das Liszt-Jahr und 2013 das Wagner-Jahr. 2017 ist dann Luther-Jahr. Luther werde aber eigentlich erst 2021/22 für die Wartburg interessant, wenn die Übersetzung des Neuen Testaments durch Luther vor 500 Jahren gefeiert wird. Er hat sie hier in elf Wochen fertiggestellt. Außerdem, sagt Schuchardt, sei 2017 ja nicht nur 500 Jahre Thesenanschlag, sondern auch 200 Jahre Wartburgfest und 950 Jahre Wartburggründung. Dennoch sei man natürlich an der Dekade „Luther 2017 - 500 Jahre Reformation“ beteiligt. Die wird an diesem Sonntag eröffnet. Die meisten der 600.000 Gäste im Jahr kämen ja wegen Luther auf die Wartburg nach Eisenach. Und wozu seien Jubiläen nicht alles gut? Jedenfalls dazu, Fördermittel zu bekommen.

Schuchardt wartet auf Geld für Renovierungsarbeiten an der Wartburg. Noch wichtiger ist dem Burghauptmann aber der Bau einer Standseilbahn hinauf zur Wartburg. Dagegen sträubt sich indes die Unesco als Hüterin des Weltkulturerbes, zu dem die Wartburg zählt. „Wir haben hier jedes Jahr mehrere Todesfälle auf der Wartburg. Herz-Kreislauf.“

Die Mehrzahl derer, die den steilen Weg vom Parkplatz unterhalb der Wartburg hinaufsteigen, ist älter als sechzig und deutsch. Schuchardt besucht in den Vereinigten Staaten Messen für Religionstourismus, aber nur jeder Zehnte kommt bisher aus dem Ausland zum deutschesten aller Orte. Schon der Wald auf dem Weg hinauf ist sehr deutsch: sattes, nasses Grün. Mischwald. Oben auf der Burg steht stramm die deutsche Fahne im Wind, daneben prangt ein goldenes Kreuz.

Wer unten seinen Wagen abstellt, zahlt für den Parkplatz fünf Euro. Der Eintritt ins Gebäude der Wartburg kostet dann sieben Euro, das Fotografieren einen Euro, Besitzer einer Videokamera zahlen nochmals: fünf Euro, und dürfen Luthers Tintenfleck filmen. Der Legende nach wurde Luther hier des Nachts vom Teufel geweckt und warf sein Tintenfass nach ihm. Schon die ersten Souvenirjäger und Sammler trachteten diesem Fleck nach der Tinte - man musste den Fleck unzählige Male erneuern. Von Legenden zehrt man auch in der Burgschenke. Gäste wählen dort zwischen „Drachentöters Waldpicknick“ (Minihaxe mit Sauerkraut), „Meister Klingsors Zauberstab“ (Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat) und „Kreuzfahrers Fastenspeise“ (Tomatencremesuppe).

Der Vorteil des Burghauptmanns gegenüber Stefan Rhein, dem Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, ist, dass auf der Wartburg alles auf engem Raum zusammengedrängt ist. Drei von vier Burgbesuchern besichtigen das Wartburg-Museum. Das ist in der Lutherstadt Wittenberg - Rhein nennt sie ein großes „Freilichtmuseum“ - anders: Etwa 400.000 Besucher kommen jedes Jahr nach Wittenberg. 250.000 von ihnen besuchen die Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zum Ablass angeschlagen haben soll und in der Luther begraben liegt. Nur jeder fünfte Tourist schafft es den einen Kilometer der Flaniermeile Wittenbergs entlang bis ins 2003 neueröffnete Museum in Luthers Wohnhaus. „Wir verlieren viele an Wurstbuden und Eisdielen“, sagt Rhein. Aber nicht nur kulinarisch lauert man den Touristen unterwegs auf: An keiner anderen Lutherstätte wird so viel Nepp rund um Luther feilgeboten wie hier in Wittenberg. Neben klassischen Altherrendevotionalien wie Lutherbechern aus Zinn und Gedenkmünzen kann man auch Luther-Bier kaufen. Oder die schon beim 450. Todestag Luthers im Jahr 1996 angefeindete „Luthersocke“, in die Luthers Satz auf dem Wormser Reichstag 1521 „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ eingestickt ist.

Inzwischen wurde die Luthersocke zur Aufbewahrungssocke für Handys weiterentwickelt. Wem auch das noch zu bildungsbeflissen ist, der greift zu Katharina von Boras „Nonnenfurz“-Likör oder - eine Spur esoterischer - zu Katharina von Boras „Lebenslust-Tee“. Überhaupt scheint die Verehrung von Katharina von Bora in Wittenberg die ihres Ehemanns fast zu übertreffen.

Von ihr ist zwar wenig Erhebliches überliefert - aber eben auch nichts Anstößiges. Luther dichtete „Erhalt uns Herr, bey deinem Wort / Und steur des Bapsts und Türcken Mord“ und dachte über „Pestis eram vivens, moriens ero mors tua, papa“ (Lebend war ich deine Pest, tot werde ich dein Tod sein, Papst) als Inschrift für sein Grab nach, derweil Katharina treu für ihren Martin braute, brannte und kochte.

Solch brachiale Äußerungen waren für den wahrscheinlich 24 Jahre alten und tief in der spätmittelalterlichen Frömmigkeit versunkenen Augustiner-Eremiten Luther noch undenkbar, als er im September 1508 erstmals nach Wittenberg kam, um an der Artistenfakultät der gerade gegründeten Universität Vorlesungen zur Moralphilosophie zu halten. Das war vor 500 Jahren und ist für sich genommen wenig aufregend. Aber mit der Überschrift „Luther kommt“ hat die Ankunft Luthers in Wittenberg schon einen anderen Klang und kommt gerade recht, das wohl aufwendigste Lutherjubiläum aller Zeiten einzuläuten - die Dekade „Luther 2017“. Innenminister Schäuble, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhmer (beide CDU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutsch­land (EKD), Bischof Huber, werden dafür an diesem Sonntag in Wittenberg erwartet, der Präsident des Lutherischen Weltbundes, der Amerikaner Mark S. Hanson, wird predigen.

Kommt Rom so doch noch zu seinem Vatikan? Bisher, sagt Stiftungsdirektor Rhein, sei Wittenberg für die Protestanten wie „Rom, aber ohne Vatikan“. Die EKD sitzt in Hannover, der Lutherische Weltbund in Genf. Daran wird sich wahrscheinlich wenig ändern, trotzdem bahnt sich in Wittenberg ein fröhlicher Wechsel an: Das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Wittenberg würden gerne das Schloss und die damit verbundene Schlosskirche an die evangelische Kirche übereignen, damit diese dort dauerhaft Einrichtungen unterbringt.

Bisher ist Sachsen-Anhalt durch ein preußisches Privileg, das Friedrich Wilhelm III. zum 300. Reformationstag erließ, dazu verpflichtet, die Schlosskirche zwar der Kirche zur Nutzung zu überlassen, aber selbst die Baulast zu tragen. Beide Parteien verhandeln jetzt darüber, was bei der Übergabe unter dem Wort „saniert“ zu verstehen ist. Denn das Schloss ist marode.

Die Tür zur Schlosskirche, an der die 95 Thesen angeschlagen worden sind, umranken derzeit Gerüste und Planen. Rechtzeitig vor Beginn der Lutherdekade ist der Wittenberger Stadtverwaltung medienwirksam aufgefallen, dass auch das neogotische Lutherstandbild auf dem Marktplatz dringend saniert werden muss. Wenn Luther bis zum großen Reformationsjubiläum 2017 „nicht vom Sockel fallen soll, muss dringend etwas passieren“, sagt der Bürgermeister.

Im Rathaus hinter dem Luther-Standbild richtet in diesen Tagen Stephan Dorgerloh sein Büro ein. Er wird in Wittenberg die EKD vertreten. Dafür hat man ihn mit einer freundlichen Assistentin aus Finnland und dem wohlklingenden Titel „Prälat“ ausgestattet. Dorgerloh klagt, ein jeder denke: Zehn Jahre, das „doch eine irre lange Zeit“. Aber das          ist „kürzer, als man denkt“. Dass jeder Lutherort den Rost von seinem Lutherstandbild entfernt bekommt, ist Dorgerlohs geringste Sorge, denn vor allem will ein un übersichtliches Gremiengeflecht koordiniert werden: Kuratorien, Lenkungsausschüsse, Steuerungsgruppen, interminiserielle Gruppen, Lutherforen. Beteiligt sind Landeskirchen, die EKD, der Bund, die Länder, Universitäten, Stiftungen, Verbände, Kommunen. Sie sollen unter dem Dach von „Luther 2017“ zusammen geführt werden. Viele sehen sich in der Verantwortung - und jeder Ort möchte gern ein „herausragender“ Lutherort sein.

Stiftungsdirektor Rhein, promovierter Altphilologe, sagt, zu Beginn seiner Tätigkeit in Wittenberg habe er an den feinen Unterschieden arbeiten müssen. Die Touristiker sprachen unverdrossen vom „Produkt Luther“. Sein Interesse sei es aber, Luther „weder zu verramschen noch zu vermarkten, sondern zu kommunizieren“. Den Wittenbergern, erzählt Stefan Rhein, liege ihr Luther am Herzen - auch wenn nach fünfzig Jahren Indoktrination weniger als 20 Prozent einer Kirche angehören. Erfolglos sei der Versuch der politischen Führung in den siebziger Jahren geblieben, der Lutherstadt Wittenberg ihren Beinamen zu entwinden.

Der zarte Beginn des Manövers war es, die Busse statt Lutherstadt mit „Chemiestadt Wittenberg“ zu beschriften. Rasch rochen die Wittenberger den nach VEB Piesteritz riechenden Braten und wehrten sich, bis es wieder Lutherstadt hieß.

Auch das harmlosere Ansinnen, die Lutherstatue am Marktplatz zeitweilig auf die Expo 2000 in Hannover zu verfrachten, stieß in Wittenberg auf Ablehnung. Vor dem Standbild Luthers, wo vor der Wende die „Stadtbilderklärer“ das Stadtbild erklärten, bessert heute so manche Ich-AG ihre Bilanz mit Kostümführungen auf. Zwischen Cranach-Haus und Leucorea turnen sie als Luther oder Katharina von Bora verkleidet umher oder führen als „Magd Cranachs zu den Plätzen der Ehepriester und Dirnen“.

Wie es bei den Reformationsjubiläen der Vergangenheit zuging, weiß Udo Sträter, Kirchenhistoriker an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Drei bis vier Monate vor dem Jubiläum sei einem Brief zu entnehmen gewesen, wie sich die Obrigkeit die Feierlichkeit vorstellte. Am Tag selbst gab es dann erst einen Gottesdienst, dann einen Umzug, ein paar Reden, am Nachmittag wieder einen Umzug - „und abends wurde gesoffen“. Kritik am ritualisierten Gedenken der Person Luthers kennt Sträter schon aus universitären Festreden des frühen 18. Jahrhunderts.

Luther, der sich selbst mitunter als „stinkenden Madensack“ bezeichnete, war jeder Kult um seine Person zuwider. Sein Denken lebt bis in die letzte Pore von der Einsicht, dass der Mensch im Gegenüber zu Gott schlechterdings nur als Empfangender gedacht werden kann und jedes Sichrühmen ausgeschlossen bleibe. Der Freiheitgedanke, der den Protestantismus seit seinem Beginn begleitet, widerspricht dem nur scheinbar, denn auch er verdankt sich der Bescheidung, sich nicht selbst über die Welt erheben zu können.

Der Glaube, nur durch Gnade von den Fesseln dieser Welt befreit zu sein, brachte Luther im Jahr 1517 dazu, seinen Namen in Anlehnung an das griechische „eleutherios“ (der Freie) von Luder in Luther abzuändern. Dieses Freiheitspathos Luthers hat man politisiert, nationalisiert und dogmatisiert. Zuletzt ist es oft eine Sache des Dafürhaltens, ob man es dabei im Einzelfall mit Auslegung, Anverwandlung oder Instrumentalisierung Luthers zu tun hat. Auch „Luther 2017“ wird vor dieser Frage nicht gefeit sein, wobei die Reihe der Möglichkeiten um die „Eventisierung“ Luthers erweitert werden müsste.

Auch in der „Lutherstadt Eisleben“ läuft ein kostümierter Stadtbilderklärer wahlweise als „Doktor Martinus“ oder als „Nachtwächter Ambrosius“ herum, aber hier wird weder die EKD noch der Lutherische Weltbund ein Büro eröffnen. Gegen die „Eventisierung“ Luthers in Wittenberg hat Pfarrer Hauke Meinhold nichts einzuwenden. Ihn stört aber, dass die „Events“ meistens nichts mit Luthers Glaube zu tun haben und sogar im Widerspruch zu diesem stehen. In einem Brief an seine Landeskirche hat er sich über einen „Pilgerweg“ mit Luther beschwert, der im Oktober den Fußstapfen Luthers aus seinem Kloster in Erfurt nach Wittenberg folgt. Meinhold sagt, Luther seien solche Frommtuereien ein Greuel gewesen.

Ein „Event“ zum Beginn der Lutherdekade planen die Eislebener Pfarrer aber, und was für eines: Am 11. November 2008 sollen in Luthers Taufkirche St. Petri 525 Menschen getauft werden - 525 Jahre nach Luthers Taufe auf den Namen des Tagesheiligen. Das ehrgeizige Ziel verdankt sich dem amerikanischen Optimismus von Meinholds Kollegen aus der Stadtgemeinde, Scott A. Moore. Inzwischen rechnet Meinhold mit ungefähr 20 Taufen - jetzt versuchen die Gemeinden über das Internet die ganze Welt für die Aktion zu gewinnen. Unterstützung gibt es aus Hawaii, in Caracas, Tallinn und aus Österreich. Die Täuflinge aus der eigenen Gemeinde wären der Kirche zwar irgendwann „auch so in den Schoß gefallen“, aber die Menschen brauchten eben etwas Besonderes als letzten Anstoß für die Taufe oder den Wiedereintritt, sagt Meinhold. „Das sollten die mal machen in Wittenberg.“

Eisleben geht mit einem 2005 von Grund auf neu konzipierten Museum in die Luther-Dekade. Luther ist in der heute 23.000 Einwohner zählenden Stadt westlich von Halle 1483 geboren worden und bei der Schlichtung von Familienzwistigkeiten der Grafen von Mansfeld im Februar 1546 gestorben.

Bis vor zwei Jahren wurde das Museum in Luthers Geburtshaus von einer Müntzer-For­scherin geleitet. Müntzer, der Radikal-Reformator, stand zu DDR-Zeiten weit höher in der Gunst des Gedenkens als der „Fürstenknecht“ Luther. Bis heute zeugen davon die vielen Müntzer-Straßen, die im Unterschied zu vielen Karl-Marx-Straßen auch die Wende überstanden haben.

Die alte Ausstellung in Eisleben war noch dem einst opportunen Blick verpflichtet und zeigte Martin Luther vor allem als Sohn eines Bergmanns. Hinter Luthers tiefer Bindung zum Bergbau im Mansfelder Land konnte der Theologe und Kirchenreformer Luther zum bloßen historischen Zufall verblassen. Der Leiter des neuen Museums im Geburtshaus Luthers, Christian Philipsen, berichtet von Irritationen, als man das Thema Bergbau in der neuen Ausstellung auf einen einzigen Raum zurückstutzte. Der Raum zu Luthers Vater wurde dann auch nicht unter der Überschrift „Hans Luder - der Bergmann“ konzipiert, sondern „Hans Luder - der Unternehmer“ genannt. Denn Luthers Vater war, so sieht es die Geschichtsschreibung heute, mitnichten nur ein einfacher Bergarbeiter gewesen, sondern besaß neben Beteiligungen an Hütten auch Kapitalgeschäfte und Land, das er verpachtete. Selbst ein Toter kann so vom Arbeiter zum Kapitalisten werden.

Was sich in der Gegenwart Eislebens tut, nennt Stiftungsdirektor Rhein halb scherzhaft „Reformationsgeschichte von unten“. In Eisleben fehlten der Kirche die notwendigen bürgerlichen „Trägerschichten“. Und die Unterstützung von oben. Pfarrer Meinhold klagt, bei den Pfarrstellen werde andauernd gestrichen. Diesmal erwischt es uns.“