Greußen

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greussen1: Chronik Haferung bis einschließlich Pfarrer

 

greussen2: Chronik Haferung ab Diakone, Rundgang durch Greußen

 

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Chronik der Stadt Greußen von Pfarrer Haferung

 

Chronik der Stadt Greußen

 vom Jahre 1713 bis 1753

von M. Chr. W. Haferung, Oberpfarrer zu Greußen

 

 

    (1)

Allein Gott die Ehre. Amen!                                                                                                                                                     

         Begonnen den 16. September 1722

 

Das I. Kapitel

Von dem Namen der Stadt Greussen und von der Herrschaft über sie

 

§ 1. In alten Schriften findet sich bei den Namen der Stadt Greußen zwar eine unterschiedliche Schreibweise, nichts aber über den Ursprung und die Bedeutung der Namen. Darüber darf man sich aber weniger wundern, weil auch bei großen und von alten Zeiten her berühmten Orten eine Erklärung nicht zu haben ist, es sei denn, daß man sich auf Mutmaßungen gründen wolle.

Der Name dieser Stadt wird unterschiedlich geschrieben, sowohl im Deutschen als auch im Lateinischen. In der deutschen Sprache schreibt heute jedermann „Greußen“, bei den Alten aber findet man „Gräußen“ oder „Grüßia“. Und in dem Schreiben, in dem der Erzbischof Heinrich zu Mainz im Jahre 1333 dem Abt und dem Kloster zu Ilfeld das Patronatsrecht über diese Stadt bestätigt, heißt sie „Grüzen“. Im Lateinischen aber findet man zuweilen „Greussa“, meist aber und üblicher „Greussena“.

Herr Wilhelm Ernst Tentzel, kursächsischer Rat in Dresden, spricht: „Greußen, eine Stadt in Thüringen, ist nicht ehrwürdig und hat keine große Zahl an Gebäuden im Überfluß, aber die Arbeit der Einwohner ist am Ende nicht vergeblich, weil der Acker dennoch fruchtbar ist.“

Und der Schulrektor und Abt zu Ilfeld, M. Michael Neander, lobt Greußen mit einem besonderen Spruch, wenn er in seiner „Beschreibung des Weltkreises“ aus dem Jahre 1582 schreibt: „Die edle und berühmte Stadt Greußen wird geschätzt wegen des Weins und der Güter. Sie wird wegen ihrer guten Eigenschaften, die man einst beobachten konnte und die bis heute nicht gewichen sind. Die Arbeit dieser Stadt ist richtig und gut geordnet und bemerkenswert von der Freundlichkeit der Bürger her, von ihrer Gastfreiheit, von Schule, Kirche und Stadtverwaltung. Die Schule leitet Volland, er steht ihr geistreich und gelehrt vor. Der Kirche aber steht unser ehrwürdiger D. Matthäus Beinhard vor, liebenswürdig und fleißig. In der Stadtverwaltung stehen nicht zuletzt voran Johannes Tentzel (einst der Rektor der Greußener Schule, darauf Ratgeber der Stadt, jetzt aber Bürgermeister), Jakob Mager, Albert Tentzel, Peter Deunhorn (Meister der Früchte und des Handwerks) und Johannes Henning sowie die besten Ratsherren dieser Gemeinde und weise Männer.“

literis Graecis atque Latinis in Schola Ilfeldensi aliquando excudet et miluti, et omni humanitate, atque virtute praediti, dici (?), tubicines, atque fautores constantes Scholae Ilfeldensis et omnium eorum. qui vel modo in illa literas discunt, vel didicenent illo tempoore, cum ipsi ibidem pietati atque honestis literis navarunt non instrenue, quos, quotiescumque fert occasio, omnibus officus humanitatis, liberalitatis, atque hospitalitatis prosequi, Praeceptori etiam suo veteri, et iis, quos de domesticis suis caros habet, de omni officiorum gerere testatum facere, cum tempus aliquando fert, nunquam definant, a deo, ut non fieri causa honorificum hic eorum mentiorem me inferere opertuent. Deus contra ipis omnia optata offerat! Amen.          (2)

Es ist unbekannt, von wem Greußen erbaut worden sein mag. Auch von seinem ehemaligem Zustande ist nichts bekannt, nachdem - wie die ganze Innenstadt - so auch alle ihre Nachrichten und Urkunden im Feuer zu Grunde gegangen sind, nicht allein in den Jahren 1491 und 1540, sondern auch im Jahre 1687.

 

§ 2. Der ehemalige Stiftsrektor in Ebeleben Paulus Jovius erwähnt zwar in seiner schwarzburgischen Chronik drei Greußen, von denen aber eines absolut „Greußen“ genannt wurde, die anderen beiden aber tragen den Zusatz „Mark-Greußen“ und „West-Greußen“. Er gesteht aber selbst ein, daß er keine Nachricht finde, wo das „Mark-Greußen“ gelegen haben soll. Ebenso findet man nirgends eine Nachricht von der Lage des dritten. Also glaubt man mit Recht, daß das dritte Greußen niemals in der Welt gewesen ist.

Es ist aber auch gewiß, daß das erwähnte „Mark-Greußen“ eben die noch jetzt stehende Stadt ist. Das bezeugt Jovius selber, wenn er von Graf Günther XXIX. von Schwarzburg anführt, daß er seiner Frau im Jahre 1396 hundert Mark löthiges Silber verschrieben hat als jährliche Rente auf Lebenszeit aus der Stadt Mark-Greußen und Clingen.    

Warum man aber die Stadt Greußen in alten Zeiten auch „Mark-Greußen“ genannt hat, läßt sich aus Mangel an historischen Dokumenten nicht beweisen. In der uralten Sprache der Goten, von denen auch die Thüringer ihren Ursprung genommen haben, bedeutet „Marcos“ so viel wie „Grenze“ oder Ende eines Gebiets. Das hat Franciscus Junius aus der gotischen Ausgabe des Neuen Testamentes und aus anderen Gründen dargestellt.

Und so ist auch noch heutigen Tages in der hiesigen Sprache „Mark“ so viel wie „Grenze“. Man pflegt nämlich hier zu sagen: die Topfstedter Mark oder die Ottenhäusische Mark. Oder man sagt: eine „Mark-Säule“, das ist Grenz-Säule. Demnach wäre „Mark-Greußen“ nichts anderes als „Grenz-Greußen“.

Und wenn man in ungewissen Dingen einmal mutmaßen darf, so wird die Stadt schon zu alten Zeiten so genannt worden sein, weil sie - nach der Teilung des Thüringischen Königreiches - gleichsam zum Grenzstein zwischen den Franken und Sachsen gesetzt worden ist. Deshalb ist zu vermuten, daß auch Greußen wie Sachsenburg, Frankenhausen und Sondershausen im Jahre 525 erbaut wurde. Sachsenburg wurde von den Heerführern der Sachsen genau dahin gebaut, weil die Gebiete der Sachsen bis dahin erweitert wurden. Sondershausen aber heißt so, weil es ein „Haus der Absonderung“ oder eine „Ab-Teilung“ war, weil es vom anderen Thüringische Land, das der Gewalt der Franken unterworfen war, abgesondert und abgeschnitten worden war. Greußen sollte die Mark und Grenze sein zwischen den Franken und Sachsen. Daher ist es in alten Zeiten „Mark-Greußen“ genannt worden

(In einer Randbemerkung und auf einem beigelegten Zettel heißt es jedoch: Greußen wurde „Stadt“ genannt, weil sie mit Stadt- und Marktgerechtigkeit begabt war. Denn „forum“ bedeutet „Markt“ oder in der lateinischen Sprache öfters so viel wie „Stadt“. Deshalb wurden auch in alten Zeiten die Bürgermeister „magistri fori“ genannt, das heißt „Markt-Meister“. Ferner gab es Ratsmeister und endlich auch Bürgermeister. Es wird auch noch jetzt ein Markt „Foren“ genannt, aber dieser Zuname dieser Stadt ist unüblich geworden und wird heutzutage gar nicht mehr gehört.

„Mark Greußen“ muß vielmehr „Markt-Greußen“ heißen, weil es mit Stadt- und Markt­ge­rech­tigkeit be­gabt ist. Im Archiv wurden Dokumente aus von alten Zeiten gefun­den, da hat der Bürgermeister sich genannt „Magister fori“ oder „Martmeister“. Danach wurden sie „Rats­meister“ und „Bürgermeister“ genannt. Clingen wird auch „Marktflecken“ genannt, Weißensee ist ein „forum“, und es gibt auch noch den „Markt Tennstedt“. Auch wird ein Marktscheffel noch bis heute nur „foren“ genannt. Auch heute werden „Marktmeister zu Greußen“ die jungen Männer genannt, die in erster Linie auf den Markt zu sehen haben und insbesondere die Gewichte legen müssen. Ein Marktmeister ist einer, die Aufsicht und Verantwortung hat).                                                                                                                         (3)

Das Dorf Westgreußen aber hat den Beinamen „West“ von seiner Lage bekommen. So bleibt es also außer allem Zweifel, daß es niemals mehr als zwei Greußen gegeben hat. Gleichwohl gilt: Aller Dinge Anfang ist klein! Selbst von dem weltberühmten Leipzig ist bekannt, daß es im Jahre 805 noch ein kleines Dorf gewesen ist mit dem Namen „Lieps“.

Auch von der Stadt Greußen ist das gewiß und es ist kein Zweifel, daß sie aus den in dieser Gegend ehemals gelegenen Dörflein erwachsen ist. Die Namen und Dorfstellen sind noch jetzt bekannt. Zum Beispiel „Entzelnhausen“ vor dem Clingener Tor. Deshalb heißen noch jetzt die Gärten dort „zu Entzelnhausen“ oder „Pfaffenhausen“ (vor dem Rittertor) und „Nachhausen“ oder auch „Rüllhausen“, von dem noch die Ortsstelle und der Friedhof in Richtung Ottenhausen bekannt sind.

 

§ 3. Die Herrschaft über die Stadt hat sich seit dem „Interregnum“ dreimal geändert. Zuerst kam es an die Markgrafen zu Meißen. Dann - nachdem Markgraf Heinrich der Durchlauchte das Thüringer Land gegen die Herzogin zu Braband mit streitender Hand erhalten - hat er es neben der Pfalz Sachsen alsbald seinem Sohn Albert übergeben. Das geschah im Jahr 1260.

Weil nun die Stadt Greußen zur Landgrafschaft Thüringen gehörte, kam sie damals auch mit unter die Herrschaft der Markgrafen zu Meißen, blieb aber nicht lange darunter: Weil Graf Heinrich der II. zu Hohnstein dem Markgrafen Albert und seinem Herrn Vater in dem bisherigen Kriege treue Dienste geleistet hatte, hat Albert, um diese Verdienste zu belohnen, diesem Grafen von Hohnstein noch im gleichen Jahr die Dörfer Greußen übertragen, die zuvor zur Landgrafschaft Thüringen gehörten. Und er hat ihm auch zugleich erlaubt, eine Burg oder Festung dort anzulegen, ausgenommen in Mark-Greußen.

Ob nun eine solche gebaut wurde und wo sie gestanden hat, ist nicht bekannt. Zwischen Großenehrich und Westgreußen hat zwar ehemals das Schloß oder die Burg Grolno (?) gestanden. Diese wurde aber - neben anderen wie Spatenberg bei Sondershausen, Rothenburg bei Kelbra und Tretenburg bei Gebesee - im Jahre 1260 auf Befehl des Kaisers Rudolph durch die Bürger von Erfurt zerstört wurden (nachdem unter der nachlässigen Regierung des Landgrafen Albert die Straßen von diesen Burgen aus nur unsicher gemacht worden waren). So sieht man wohl, daß diese Burg nicht gemeint gewesen sein kann.

So war nun die Herrschaft über Greußen an die Grafen von Hohnstein kommen. Auch der frühere Pfarrer und Rektor der Klosterschule zu Walkenried, M. Heinrich Eckstorm (gestorben am 12. Februar 1622) bezeugt in der im Jahre 1593 auf den Graf Ernst zu Hohnstein gehaltenen Leichenpredigt, daß Graf Heinrich II. zu Hohnstein im Jahre 1260 den Klettenberg, Spatenberg, Kirchberg und Greußen an sich gebracht hat. Dessen Sohn Graf Dietrich III. hat auch noch Sondershausen und Strausberg an sich gebracht.

Weil er aber keine männlichen Erben hatte und seine beiden Töchter an Heinrich und Günther vermählt waren, die Grafen von Schwarz­burg, so machte er im Jahre 1347 mit diesen beiden Schwiegersöhnen eine Erb-Vereinigung. Diese besagte, daß sie nach seinem Tode die Herrschaft Sondershausen einnehmen und besitzen sollten. Darüber erteilte er am 13. April Hand und Siegel. Dieses bestätigte auch Landgraf Friedrich am 31. Dezember zu Eisenach. Am zweiten Mittwoch nach dem Sonntag Quasimodogeniti des Jahres 1349 erfolgte außerdem die kaiserliche Bestätigung durch Karl IV. selbst.

Als nun der erwähnte Graf Dietrich von Hohnstein im Jahre 1356 in seiner Stadt Sonders­hau­sen starb, so wurde die Herrschaft von den beiden Herren Grafen von Schwarz­burg wie verabredet eingenommen. So kam also die Herrschaft über die Stadt Greußen von den Grafen zu Hohnstein an die Grafen zu Schwarzburg.                                                                            (4)

Es beschwerten sich zwar die anderen Grafen von Hohnstein, die Vettern des Verstorbenen, und überzogen die beiden Schwarzburg mit Krieg. Weil sich aber Landgraf Friedrich und

Balthasar einschalteten, so wurde die Sache zu Weißensee verglichen, und die Herrschaft Sondershausen blieb schwarzburgisch.

Was sie nun damals geworden, ist sie durch Gottes Gnade und Erhaltung bis auf die gegenwärtige Zeit geblieben. So hat auch die Stadt Greußen mit den gesamten schwarzburgischen Landen in Zukunft einerlei Schicksal gehabt.        

 

§ 4. Der allgemeine Stammvater des noch jetzt blühenden Hauses Schwarzburg, Graf Günther, segnete im Jahre 1552 das Zeitliche. Seine beiden Söhne, nämlich Johann Günther und Albert, haben nicht allein ihre Lande und Herrschaften in zwei Teile geteilt, sondern auch zwei Linien gestiftet, jener die Arnstädter und dieser die Rudolstädter. Greußen ist bei der Arnstädter Linie geblieben und ist es auch noch jetzt, wenn auch nicht ohne Veränderungen beim Tod der Landesväter, wie nunmehr im Folgenden dargestellt wird.

Als der hochangesehene Stammvater der Arnstädter Linie, Graf Johann Günther, im Jahre 1586 aus dem zeitlichen Leben in das ewige wechselte, hinterließ er vier Söhne, nämlich die Grafen Günther, Anton Heinrich, Hans Günther und Christian Günther. Diese vier Herren Grafen haben nun aber die väterlichen Erblande niemals wirklich unter sich verteilt und besondere Regierungen eingesetzt, sondern haben die Erblande gemeinschaftlich verwaltet. Denn obwohl man eine Interims-Teilung untereinander getroffen hat und jeder für sich allein residierte - nämlich Graf Günther zu Arnstadt, Graf Anton Heinrich und Hans Günther zusammen in Sondershausen und Graf Christian Günther in Ebeleben - so ist doch die Regierung selbst gemeinschaftlich und ungeteilt geblieben. Außer dem einem jeden zugewiesenen Anteil sind auch die meisten Einkünfte gemeinsam geblieben.

In dieser Gemeinschaft ist die brüderliche Einigkeit ohne Unterbrechung so fortgesetzt worden, daß ein vornehmer Theologe der damaligen Zeiten öffentlich von ihnen geschrieben hat: „Mit diesem sehr leuchtenden und völlig einzigartigen Beispiel brüderlicher Eintracht leuchten sie allen voran!“ Eine Gerichtsordnung („Stuhl-Mandat“), welche im Jahr 1608 am 16. März unter diesen vier Herren Grafen gemeinschaftlich veröffentlicht wurde, ist noch jetzt hier in Greußen vorhanden und in Gebrauch.

Sie hatten auch als rechte weise und verständige Herrscher allen Grund, in hoher brüderlicher Einigkeit zusammen zu halten, damit sie allezeit im Stande wären, ihre Untertanen zu beschützen. Zumal das im Jahre 1620 in Böhmen angegangene Kriegsfeuer immer weiter um sich griff und sich im Jahre 1626 ihren Landen näherte. Jedoch legte Gott, der Herr, nach seinem heiligen Rat und Willen, in dem letzten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges diesen Landen ein recht hartes Los auf: Er schuf einen großen Riß in dem damaligen hochgräflichen Hause, in dem er binnen zehn Jahren diese vier Brüder hinweg nahm, die bis dahin gemeinschaftlich regiert und durch das Band des Friedens alles zusammen gehalten hatten: nämlich im Jahre 1632 war es Graf Hans Günther, im Jahre 1638 Graf Anthon Heinrich, am 25. November 1642 Graf Christian Günthern in Sondershausen, und am 7. Januar 1643 Graf Günther zu Arnstadt (dabei haben die beiden hochgräflichen Leichname zugleich auf der Bahre gestanden).                                                                                                                          (5)

§ 5. Darauf kam die Regierung an die junge Herrschaft. In den betrübten Zeiten war es hoch vonnöten, die Söhne durch Frömmigkeit und Gottseligkeit zu festigen. Die drei ersten verstarben ohne männliche Erben. Graf Christian Günther aber hatte drei Söhne, nämlich Graf Christian Günther, Graf Anthon Günther und Graf Ludwig Günther. Diese drei fügten sich nun auch in die Zeit: Weil sie das preiswürdige Beispiel ihrer Vorfahren vor Augen hatten, hielten auch sie noch fromm in den schweren Zeiten zusammen und regierten von da an bis zum Jahre 1651 auch gemein­schaftlich.

Infolgedessen hatte abermals das gesamte Land und auch besonders die Stadt Greußen nicht nur einen, sondern drei Herren, die aber doch, wenn es um das Beste für das Land ging, für einen Mann standen.

Im hiesigen Ort wurde die Huldigung am 20. April 1643, am Donnertag nach dem Sonntag Miserikordias gar feierlich vorgenommen. Die Predigt hielte der damalige Pfarrer M. Dreyschärf. Herr Graf Christian Günther und Herr Graf Anthon Günther waren persönlich anwesend, daneben die Fräulein Schwestern und die Herren Räte. Herr Graf Ludwig Günther war aber nicht da, weil er noch verreist und in der Fremde war.

Bei der Prozession in und aus der Kirche gingen die Geistlichen und der Rat von Clingen und Großenehrich hinter dem Wagen her. Nach dem Ende der Predigt mußten auf dem Rathaus zuerst der Rat und die Kirchen- und Schullehrer, danach auf dem Markt auch die gesamte Bürgerschaft und das Landvolk nach vorher gehaltener Rede, Gegen-Antwort und Gratulation die Huldigung gebührend ablegen.            

Als aber das alles vollendet war, hat der Graf die Geistlichen und den Rat von Greußen wie auch die Geistlichen und den Rat von Clingen und Großenehrich sämtlich zur Tafel dabehalten. Sie wurden nicht nur herrlich behandelt, sondern auch aller Gnaden und landesväterlichen Schutzes versichert. Wie schlecht es aber diesem Herrscher später in den kümmerlichen Zeiten ergangen ist, wird in dem XII. Kapitel ausgeführt werden.

Nachdem im Jahre 1650 der so lang gewünschte Friede endlich in Kraft getreten war und nachdem man ihn nunmehr genießen konnte, so wollte jeder der Brüder seinen Teil für sich haben. So teilten sie am 13. Mai 1651 ihre bis daher gemeinschaftlich beherrschten Lande auf: Herr Graf Christian Günther bekam Arnstadt, Herr Graf Anthon Günther Sondershausen und Herr Graf Ludwig Günther Ebeleben.

Zwei Dinge waren bei dieser Teilung besonders bemerkenswert: Einmal, daß die Teilung durch das Los fast ebenso fiel, wie sie der Herr Vater vor seinem Tode hatte aufzeichnen lassen. Danach war bemerkenswert, daß ein jeder an seinem Orte blieb, wo er bis dahin gewesen war und seine Residenz nicht zu verändern brauchte.

Weil nun damals aus dem Amte Clingen die Städte Greußen und Großenehrich samt den Dörfern Rohnstedt und Wenigenehrich ausgegliedert und dem Herren Graf Ludwig Günther zugeteilt wurden, so ist die Stadt Greußen an Ebeleben gekommen.                                          (6)

 

§. 6. Bei dieser Einteilung ist es von 1651 bis 1681 (gerade 30 Jahre) geblieben. Im Jahre 1666 starb Herr Graf Christian Günther zu Arnstadt. Er ließ einen einzigen Sohn und Nachfolger, Johann Günther, im Alter von zwölf Jahren zurück. Dieser hatte aber eine besondere Lust und Liebe zu den Studien und ging nach Tübingen, um dort seine Studien zu treiben. Aber er starb dort im Jahre 1669, drei Jahre nach dem Vater, im Alter von 15 Jahren.

Der andere Herr Graf, Anthon Günther zu Sondershausen, starb in demselben Jahre 1666 wie sein Bruder. Er hinterließ aber nicht allein fünf Töchter, sondern auch zwei Söhne, die Gott recht zum Segen gesetzt hat, nämlich Herrn Graf Christian Wilhelm und Herrn Graf Anthon Günther.   

Da nun im Jahre 1681 auch Herr Graf Ludwig Günther zu Ebeleben ohne männliche Erben starb, kamen die gesamten Lande wieder an die erwähnten Herren Brüder. Und weil die beiden Städte Greußen und Großenehrich wie auch die Dörfer Rohnstedt und Wenigenehrich wieder dem Amt Clingen übertragen wurden, so befindet sich Greußen noch in dieser Stellung, jedoch nicht mit einem Amt, sondern nur schriftfähig (?), wie es schon geworden war, als es dem Herrn Graf Ludwig Günthern zugefallen war.

Unter diesem Gesalbten des Herren, dessen Residenz die Stadt Sondershausen war, hat nun Greußen von 1681 bis 1721 in erwünschter Blüte gestanden. Es hat das besondere Glück erlebt, daß der Kaiser Leopold I. ihren Landesvater in den Reichsfürstenstand allergnädigst erhob. Das ist im Jahre 1698 am Sonntag Reminiszere hier von der Kanzel verlesen worden.

Gleich wie aber Gott dieselben, nachdem sie alt und lebenssatt waren, am 10. Mai 1721 zu sich in den Himmel genommen hat, ist ihnen ihr erstgeborener Sohn Günther in der Regierung nachgefolgt.

Weil wir nun diesen als unseren gnädigsten Landesvater und Erben des väterlichen Stuhls mit untertänigster Ergebenheit anerkennen, so wünschen wir auch und bitten Gott, den Herrn, durch welchen Fürsten und Könige regieren, er wolle ihn auch zu einem Erben der väterlichen Jahre machen und dabei alles hohe fürstliche Wohlergehen erleben lassen.

Was sich aber in der Stadt Greußen unter der Regierung eines jeden Landesvaters in geistlichen und weltlichen Dingen zugetragen hat, wird weiter unten, jedes an seinem Orte, angeführt werden.

 

 

                                                           Das II. Kapitel.

Von dem Stadt-Magistrat, dessen Wappen und Statuten.

 

§ 1. Das Kollegium des edlen und würdigen Rates hat von Anfang an - so weit sich darüber eine Nachricht findet - aus einer Ratsversammlung bestanden (genannt „Mittel“), in dem alle Zeit sechs Bürgermeister und zwölf Ratsherren gewesen sind. Der Vorsitz wurde alle drei Jahre an jeweils einen übertragen. Darüber findet sich seit 300 bis 400 Jahren eine sichere Nachricht.                                                                                                                                 (7)

Im Jahre 1424 wurde durch das Entgegenkommen Heinrichs, des damaligen Abtes zu Ilfeld und Patrons der Kirche, in Gegenwart dreier Räte, der Grundstein für die Kirche Sankt Martin gelegt. Nachdem man den ganzen Bau innerhalb von 59 Jahren vollendet, und im Jahre 1483 die Einweihung geschehen sollte, setzte der Meister eine schöne Altartafel hinten dran: „Im Jahre 1483 am fünften Tag nach dem Tag des Heiligen Bischofs Bonifatius, wurde diese Tafel vollendet durch mich, Leonhard Könberg, jetzt in Erfurt wohnend. Die derzeitigen Bürgermeister sind: Ambrosius Angel und Heinrich Hauschild, Ratsmitglieder Hans Sachse, Werner Ebald, Heinrich Werdin und Hans Schönzail.“

Im Jahre 1532 fing man hier auch an, das Evangelium nach der Reformation Luthers predigen zu lassen, und handelte deswegen am Abend des Nikolaustages in Gegenwart dreier Räte mit dem ehrwürdigen Herrn Johannes Thal wegen seines Lehr- und Predigtamtes aus, daß er jährlich vom Rat sollte 20 Gulden haben, solange er lebte oder bei denen von Greußen bleiben könnte (so besagt es ein altes Handelsbuch auf dem hiesigen Rathaus).

Die Regelung mit den drei Ratsjahrgängen („Mittel“) ist auch geblieben bis zum Jahre 1694, als Fürst Christian Wilhelm aus gewissen Gründen eine Ratsversammlung abschaffte, so daß jetzt nur noch zwei vorhanden sind, und immer eine mit der anderen wechselt. In alten Schriften werden die Bürgermeister genannt „Ratsmeister“, die Ratsherren aber „Rats-Compane“

Weil Greußen von Anfang bis zum Jahre 1651 Sitz eines Amtes gewesen ist und vom Amtmann zu Clingen abhängig war, so pflegte dieser hier auch an bestimmten Tagen mit im Gericht zu sitzen.

Am Michaelistag 1497 (29. September) wurde beispielsweise der neue Rat wie folgt ins Ratsbuch aufgezeichnet:  

               1. Veit von Witzleben, Amtmann zu Clingen.

               2. Hans Fleck,                  Ratsmeister

               3. Hans Hauschild,                    

               4. Barthel Schmidt,          Ratsmitglied

               5. Hans Schönzail                                 

               6. Peter Simon                

               7. Georg Wulner                                     .

Und wenn etwas in das Handelsbuch aufgezeichnet wurde, so hieß es: „Heute ist vor dem Amtmann zu Clingen und den Ratsmeistern und deren Stellvertretern vor der öffentlichen Gerichtsbank erschienen..... usw.“

 

§ 2. Das Wappen des hiesigen Magistrats zeigt nicht allein den Bischof Martin zu Pferde, sondern auch in dem kleinen Schild einen springenden Löwen. Den Sankt Martin zeigt es zu Pferde sitzend, wie er an seinem Schwerte noch ein Stück des zerteilten Mantels hängen hat und die andere Hälfte einem Armen gegeben hat.

Martin wurde zu Sabaria in Ungarn, nicht weit von Posonium, geboren. Danach wurde er in Italien von seinen heidnischen Eltern in Tecinus erzogen. Weil er sich aber von Jugend an der christlichen Religion und Lehre zuwandte und dieses seinem Vater nicht gefiel, brachte er ihn unter die Soldaten und ließ ihn unter dem Kaiser Julian Kriegsdienste tun.

Dieses hatte er nun ganze drei Jahre getan, als er ihm mitten im Winter bei strenger Kälte auf einen Bettler stieß, der ganz nackt war und von vielen Reichen abgewiesen worden war, die er

um eine Decke für seinen Leib angesprochen hatte. Martin nahm seinen Mantel vom Leibe, ließ den Bettler an einem Ende anfassen und er tat es an dem anderen, zerteilte ihn mit dem Schwert in zwei Stücke und gab die eine Hälfte diesem Armen.                                                 (8)

Die folgende Nacht aber erschien ihm Christus mit dem Stücke dieses seines Mantels bekleidet und rühmte gegenüber den heiligen Engeln, wie ihn Martin, ein frommer und selbst armer Soldat bekleidet habe, wo ihn doch viel Reiche nackend gelassen hätten.

Daher sagt Fortunatus 2. also:

 Ambianus tremulum carere Martinus egenum,

   Dinidiae chlamydis nox opamentra tegit.

 Sed coram angelicis turmis, se hanc nocte sitante

   Pauperis in specie Christus haber

Ja abermal:

 Dum chlamidem Martinus inops divisit egeno,

   Christus ea memorat se bene verte tegi.

 Dives paupertas, Dominum qua texit amictu,

   Cui Deus occurrit. etc.

Nachdem er nun diese Erscheinung gehabt hat, wandte er sich an Hilarius, den Bischof von Pietavi, um sich taufen und zum Priester weihen zu lassen. Im Jahre 374 wurde er gar Bischof zu Tours in Frankreich. Als er der Kirche dort mit der Predigt des göttlichen Wortes und der Austeilung der heiligen Sakramente 26 Jahre lang vorgestanden hatte, ist er dort sanft und selig verschieden im Jahre 400, im 82. Jahr seines Alters. Nach dem Bericht in einer Chronik von Tours sollen bei seiner Beerdigung die Engel vom Himmel gesungen haben.

Martin war - nach der Meinung der Katholischen - ein Patron der Thüringer. Deshalb stellen diese nicht allein Gaben für die Soldaten Sankt Martins zur Verfügung, sondern müssen auch noch dem Bistum Mainz gewisse Abgaben von allen Kirchen geben, zu Ehren Martins, des thüringischen Kirchen- und Landespatrons.

Durch den Sankt Martin in dem hiesigen Ratssiegel wird angezeigt, daß man ihn unter der damaligen päpstlichen Finsternis auch als einen Patron dieser Stadt anerkannt hat, wie denn auch die hiesige Pfarrkirche ihm zu Ehren geweiht war und noch jetzt „die Kirche Sankt Martini“ heißt.

Der springende Löwe aber in dem kleinen Schild darunter ist das Zeichen der Schwarzburgischen Oberherrschaft. Diese pflegte früher allgemein durch einen solchen Löwen oder die Gabel angezeigt zu werden. Dieses Siegel ist dem hiesigen Rat übertragen oder erneuert worden im Jahr 1531, wie die Jahreszahl in dem Siegel anzeigt.

Es ließ auch Graf Heinrich XXXIII. im Jahre 1525 einen Taler prägen, auf dessen Vorderseite das alte schwarzburgische Wappen zu sehen ist. Es zeigt ein Schild mit dem schwarzburgischen Löwen, das gehalten wird zur Rechten von einen wilden Mann und zur Linken von einer wilden Frau, die beiderseits auch Wappen führen. Über dem Schild ist ein offener Helm. auf dem der schwarzburgische Löwe zu sehen ist mit der genannten Jahreszahl. Drumherum steht: „Neues Geld Heinrichs, des Grafen von Schwarzburg“. Auf der Rückseite ist ein Heiliger zu Pferde zu sehen, der mit dem Degen ein Stück vom Mantel schneidet, um es einem zwischen den Pferdesbeinen liegenden Krüppel zu geben, mit der Beischrift: „Heiliger Martin, bete für uns!“                                                                                                                    (9)

 

 

                                                           Das III. Kapitel.

Von der Einführung des Christentums, dem Verfall in päpstliche Irrtümer und der darauf erfolgten Reformation Luthers.

 

§. 1. Wenn von dem zu Greußen eingeführten Christentum, dem Verfall in päpstliche Irrtümer und der darauf erfolgten Reformation Luthers geredet wird, so ist das freilich ein Stoff, welcher mit allem Fleiße zu untersuchen wäre. Nachdem aber nicht nur in den Kriegen, sondern auch in den entstandenen Feuersbrünsten die nötigen Dokumente verloren gegangen sind und von den rechten Umständen der Heidenbekehrung in Thüringen nichts Zuverlässiges vorhanden ist, so kann nur schwer eine sichere Nachricht darüber eingeholt werden. Dennoch sollte zu jedem Thema etwas angeführt werden.

Daß Christus sofort nach seiner Himmelfahrt, auch in Thüringen hat Buße und Vergebung der Sünden predigen und so die Menschen zu Gott bekehren lassen, ist außer allem Zweifel. Man muß bedenken, daß seine Jünger nicht allein den Befehl gehabt haben, in alle Welt zu gehen und die Heiden zu bekehren (Matth. 28,19), sondern er hat sie auch so ausgerichtet, daß Paulus schon zu seiner Zeit (das ist im Jahre 64) rühmen konnte, es sei nun keine Kreatur mehr unter dem Himmel, der das Evangelium von Christus nicht bereits gepredigt worden ist (Kol. 1,23).

Nun gehörten aber die alten Thüringer auch mit zu den menschlichen Geschöpfen unter dem Himmel. Man liebte die Finsternis mehr als das Licht und ging bald wieder hin zu den stummen Götzen, zu denen man von der verderbten Natur geführt wurde (1. Korinther 12,2). In dem benachbarten Sachsen waren die Irminsäule, der Crodus und der Tibelinus die vornehmsten Abgötter. Man verehrte sogar den Teufel selbst, damit er ihnen nicht schaden möchte. Die Versöhnung desselben geschah im allgemeinen durch Menschenblut, weshalb sie denn auch von den Kriegesgefangenen jeweils den zehnten Mann zu opfern pflegten.                     (10)

So tat man es auch in Thüringen. Wenn man besonders auf die hiesigen Gegenden des Lan­des sieht, so verehrte man dort den Abgott Püsterich und die Abgöttin Jecha. Jener stand auf der Rothenburg in der Goldenen Aue bei Kelbra. Die heidnischen Pfaffen pflegten von dieser Höhe durch des Püstrichs Donner und Feuerflammen, die er erregte, wenn er mit Wasser angefüllt und aufs Feuer gesetzt wurde, die Einwohner des Landes zu erschrecken und im blinden Gehorsam zu halten. Das Bild selbst, von Erz gegossen, ist noch jetzt im Zeughaus in Sondershausen zu sehen. Jecha aber wurde auf dem Frauenberg bei Sondershausen verehrt. Daher haben auch noch jetzt die beiden Dörfer Jecha und Jechaburg den Namen..

Wann und zu welcher Zeit aber der heidnische Götzendienst in diesem Lande abgeschafft und die christliche Religion wieder eingeführt wurde, läßt sich so eigentlich nicht sagen. Manche wollen ja den Heiligen Bonifatius zum Apostel der Thüringer machen, was ja auch wirklich sein Verdienst und die Wahrheit ist. Diese verbinden die Einführung des Christen­tums mit seiner Ankunft im hiesigen Land: Im Jahre 725 soll er Jecha zerstört haben und im Jahre 731 die Kirche bei Greußen gebaut haben.

Daß schon im 7. Jahrhundert, ja bereits zum Anfang des 6. Jahrhunderts Christen in Thüringen gewesen sind - ehe noch Bonifatius geboren war - das hat Sagittarius in seinem Buch „Altertümer der Heiden und der christlichen Thüringer“ zur Genüge erwiesen. Dennoch ist nicht zu leugnen, daß der christliche Gottesdienst in hiesigem Lande nicht eher recht in die Ordnung gebracht und die heidnische Abgötterei völlig abgeschafft wurde als im 9. Jahrhundert. Wobei Bonifatius freilich viel dazu getan hat und es auch gut gekonnt hat.

Denn nachdem er im Jahre 721 das zweite Mal in Rom gewesen ist und von dem damaligen Papst Gregor II. ein nachdrückliches Empfehlungsschreiben an die fränkischen Könige mitgebracht hatte, hat er sich Kraft desselben die weitere Bekehrung der Thüringer vorgenommen und ist bald zu großem Ansehen gekommen und hat mit seinem Predigen hier und da viel Volks bekehrt.

Ja, als er im Jahre 731 vom Papst Gregor III. gar zum Erzbischof gemacht worden war - jedoch ohne daß er vorerst mit einem bestimmten Ort verbunden gewesen wäre - kam er abermals nach Thüringen und bekehrte noch viele Völker. Und weil die Heiden dieser Lande keine Kirchen gehabt haben, ließ er überall neue Kirchen aufbauen. Dieses ist nun auch hier in Greußen geschehen, weil er in eben demselben Jahre vor dem Clingener Tor eine Kirche hat bauen lassen, von der im nächsten Kapitel weiteres berichtet wird.

 

§ 2. So ist nun zwar das Licht des Evangeliums in Thüringen nach und nach immer heller aufgegangen. Jedoch haben sich auch die päpstlichen Finsternisse wieder ausgebreitet, so daß die Oberen und die Untertanen nicht nach dem geoffenbarten Worte Gottes, sondern nach den vorgeschriebenen Menschensatzungen des Papstes gelebt haben. Und das um so viel mehr, weil der schon vorher dargestellte Apostel Thüringens und der Thüringer Bonifatius selbst das Unkraut der päpstlichen Irrtümer unter den Weizen göttlicher Lehre mit untergemengt hat.        

Denn so mußte er zu Rom vor dem Pabst erst einen körperlichen Eid ablegen und auf die Gebeine des Apostels Petrus schwören, er wollte dem Papst in allem gehorsam sein und nach seinen Kräften das Reich desselben ausbreiten helfen.                                                     (11)

Er brachte auch eine große Menge vermeintlicher Heiligtümer und Reliquien von Totengebeinen und anderem Zeug von Rom mit sich, um mit ihnen den Grund zur neuen Abgötterei und. römischem Aberglauben bei den hiesigen Einwohnern zu legen. Ja, er verbot den Priestern die Ehe. Und wenn sie Christus nicht nach den römischen Satzungen predigen wollten, wurden sie zu Ketzern erklärt und gar ihres Amtes entsetzt.

Daß nun diese päpstlichen Finsternisse auch hier zu Greußen alles bedrückt haben, ist noch aus vielen Merkmalen zu erweisen. Man vergaß ja auch hier Gott und suchte die Hilfe bei den Heiligen. Daher mußte die hiesige Pfarrkirche im Jahre 1483 zur Ehre des Heiligen Martin geweiht werden. Und als im Jahre 1512 die Büchsenschützen-Bruderschaft gegründet wurde, nahmen sie nicht Gott oder Christus zum Patron an, sondern den Heiligen Laurentius und den Heiligen Christophorus.

Ja, man suchte nicht durch den Glauben, sondern durch die guten Werke die Seligkeit zu erlangen.            Deshalb vermachte der hiesige Bürger Hans Bonifatius im Jahre 1489 eine eiserne Kufe für die Kirche zu Clingen, wie solches in den dortigen Statuten mit diesen Worten aufgezeichnet wurde: „Am Montag nach Okuli (Mitfasten), im 89. Jahr des Jahrhunderts (?), hat der ehrsame Greußener Bürger Hans Bonifatius zu seiner Seelen Seligkeit eine eiserne Kufe in die Pfarrkirche Sankt Gumpert zu Clingen gegeben. Diese Kufe soll an der Vortür die Form hergeben für ein Pfund Wachs, das jährlich zu dem Licht unser Lieben Frau in der genannten Pfarrkirche dienen soll. Geschehen wie oben bei dem Ratsmeister Hans Bisckindorf und Heinrich Surbir, gleicher Ort, Jahr wie oben.“

Wenn sich einer nicht auf sein eigenes Werk verlassen konnte, so suchte er sich durch gekaufte Seelenmessen Anteil an fremden Werken zu erlangen: Denn die Einfältigen mußten sich einreden lassen, daß man für an ein Kloster vermachtes Geld oder für Grundstücke Nutzen haben könnte von den guten Werken, die die Mönche darin Tag und Nacht tun, und damit vor Gott so gut bestehen, als habe man sie selbst getan.

In dieser Hoffnung schenkte Bernd von Tettenborn kurz vor der Reformation seinen bei Greußen gelegenen Weinberg an das Kloster Walkenried, weil die Mönche dort versprochen hatten, sie wollten für alle wöchentliche Seelenmessen halten, die aus dem Tettenbornschen Geschlechte seit Adams Zeiten verstorben wären und künftig noch sterben würden. Aus diesem Weinberg haben diese Brüder danach so viel Wein bekommen, daß sie ihn mit ihrem Lesen der Messe nicht verbrauchen konnten, obwohl ein jeder dabei „nur“ ein Maß getrunken hat.

Im Jahre 1391 vermachte zu Sondershausen eine Frau sechzehn Schillinge Geldes guter Währung, die gängig und als Geld anerkannt sind, zu einem ewigen Zins an die Kirche der heiligen zwölf Patrone unseres Herrn Sankt Andreas und damit an die Pfarrei und Stadt Sondershausen. Sie spendete sie zur Seligkeit dem allmächtigen Gott, ohrer lieben Mutter und allen Heiligen zu Lob und Ehren, und zum Trost ihres Mannes und ihrer Seele, und zu Gnaden ihrer aller lieben Eltern und Nachkommen Seele und aller gläubigen Seelen, die im christlichen Glauben verschieden und gestorben sind,

Als im Jahre 1409 drei Grafen von Hohnstein jedem Mönch dieses Klosters bei ihrer Seelenmesse ein Maß Nordhauser Bier vermachten, in der Absicht, daß sie ihr Gebet desto fleißiger und fröhlicher möchten verrichten können, so wird die Messe, wenn nicht den Seelen der Verstorbenen, so doch den Kehlen der Lebendigen schon fein zustatten gekommen sein.

                                                                                                                                             (12)

Ein Dokument aus dem Jahre 1417 erhellt, daß Frau Anna, die hinterlassene Witwe des Herren Grafen Günther, 30 Gulden zu einer Seelenmesse vermacht hat „zu Trost und Seligkeit ihres lieben Herren seligen Grafen Günther von Schwarzburg, und zur Seligkeit ihrer Seele, der Seele ihrer Kinder, und des Grafen Günthers Vater und Mutter, Brüder und Schwestern Seele, und aller derer, die aus der Herrschaft von Schwarzburg verstorben sind oder noch sterben, und auch noch zu Trost und Hilfe der Seelen des Vaters und der Mutter, der Brüder und der Schwestern der obgenannten Frau Anna“.

Im Jahre 1486 vermachte Hans Surling, Bürger in Sondershausen, ein „ewiges Begängnis“ in dem Gotteshaus der Pfarrkirche Sankt Andreas, zu Lob des Allmächtigen, und zu Ehren Marias, der ed­len Königin, und aller Heiligen und Auserwählten Gottes. Es geschah auch zu Ehren der Seele des Hans Surling, seiner Ehefrau, ihrer beider Eltern, Kinder und Erben, und aller derer, die aus dem gräflichen Haus verschieden sind oder noch verschieden werden, zu Hilfe und Trost für sämtliche gläubigen Seelen, die aus ihrem rechten Glauben von dieser Welt geschieden sind. Alle Jahre sollte man in der Pfarrkirche St. Andreas Nachtmessen und Seelenmessen halten. Dazu wurden für Kerzen gute und vollgewichtige Rheinische Gulden gegeben. Es gab diese Blindheit nicht allein bei dem gemeinen Volk und unverständigen Leuten, sondern auch bei den Gelehrten und Vornehmsten.

Ein anderer Fall kam im Jahre 1521 vor, als Frau Catharina „um des ewigen Gottes Willen und um der Seele Seligkeit ihrer Eltern mit anderen Freundinnen“ 25 Gulden vermacht hat. Darauf mußten sich dann die Geistlichen verpflichten, jährliche „ewige Leichenbegängnisse und Seelenmessen“ für den Grafen und dessen Eltern und die wohlgeborene Herrschaft von Loorfort, Schwarzburg, Bleichrunn, Beichlingen und Hohnstein halten zu wollen.

Eine Besonderheit waren die „Seelen-Bäder“. Diese wurden unter dem abergläubischen Papsttum gestiftet: Die Armen durften dort zu gewissen Zeiten umsonst baden und wurden zur Ader gelassen. Das hatte den Zweck, ihnen eine Barmherzigkeit zu erweisen, damit die armen Seelen wenigstens die Hoffnung hätten, aus dem Fegefeuer wie aus einem Schwitzbad erlöst zu werden. Ein solches wurde zu Sondershausen im Jahre 1505 gestiftet, die Urkunde darüber ist noch dort vorhanden.                                                                                       (13)

So sehr waren nun damals auch hier in Greußen die Leute von den päpstlichen Irrtümern eingenommen. Wenn man dabei nicht an Gottes Gerichte dächte, so könnte man nicht begreifen, wie dieses bei einem Menschen mit gesunder Vernunft hat geschehen können. Aber wenn man der Wahrheit nicht glauben will, selig zu werden, so sendet Gott die Irrtümer so kräftig, daß man auch der Lüge glaubt (2. Thessalonicher 2, 11).

Es ist kaum zu glauben, was man auch bei den Pfarrern dieses Landes für greuliche Unverständigkeit und schändliches Leben gefunden hat. Doch zeugt davon das Protokoll, das in Arnstadt liegt. Die meisten hatten ohne Scheu ihre Frauen, teils auch ihre mitgeführten Kinder, und führten ein Leben, welches eher einem Gastwirte als einem Christen anstehen würde.

 

§ 4. Je tiefer nun das päpstliche Unkraut hier seine Wurzeln geschlagen hatte, desto härter hielt es sich, als es durch die Reformation ausgerottet werden sollte. Denn obwohl das aufgehende Licht des Evangeliums den Untertanen von selbst in die Augen fiel, so wurde es doch bald wieder ausgelöscht oder in seinem Aufgang gehindert, sowohl durch den hiesigen Landesherrn Graf Heinrich XXXVI. als auch den Herzog Georg zu Leipzig. Deshalb haben auch im Gebiet von Sondershausen und Frankenhausen die päpstlichen Gebräuche länger gedauert als im Gebiet von Arnstadt, weil diese Lehen von Herzog Georg und Trier-Mainz waren.

Der Anfang wurde im Jahre 1524 gemacht durch Herrn Cyriakus Taubenthal, den Pfarrer zu Ringleben bei Frankenhausen (das damals nach Sondershausen gehörte). Sowie er aus den Schriften Luthers die Wahrheit erkannt hatte, so verwarf er die bisherigen Irrtümer des Papsttums, und seine Lehre des göttlichen Wortes wurde von den Zuhörern mit großer Begierde angenommen.

Als dieses aber die Mönche zu Nordhausen erfuhren, haben sie den damals in Sondershausen regierenden Herren, Graf Henrich XXXVI. angetrieben, dieses aufgehende Licht rechtzeitig zu unterdrücken. Das hat er dann auch als ein eifriger Papstanhänger getan. Insbesondere wurde der erwähnte Cyriakus Taubenthal am 25. Januar (Tag der Bekehrung des Paulus) nach Frankenhausen vorgeladen und es wurde ihm dort von dem Kanzler Hermann Pfister die weitere Reformation verboten. Obwohl er auch gleich sein Bekenntnis dem Grafen selbst anbot und es aus Gottes Wort verteidigen wollte, so wurde ihm doch Schweigen auferlegt und er mußte unterlassen, was er privat hier angefangen hatte.

Dennoch fing dieses Licht bald wieder an, auf eine andere Art aus dem Finstern hervor zu scheinen. Im folgendem Jahr nahm die Unruhe des Landes wegen der aufrührerischen Bauern immer mehr überhand, zumal auch die Sondershäuser Bürger mit dem Rädelsführer Thomas Müntzer heimlich gemeinsame Sache machten.

Weil nun der Landesherr - zumal er hohen Alters war - sich in Sondershausen nicht mehr aufzuhalten wagte, begab er sich nach Nordhausen und überließ das Regiment dem Herren Sohn, Graf Günther XL. Dieser hatte als ein gelehrter und verständiger Herr drei volle Jahre in Leipzig studiert und war Luther sehr günstig gesonnen und wollte seine Lehre im hiesigem Land gern einführen, aber wegen seines Herrn Vater durfte er es nicht öffentlich. Er duldete aber die evangelische Lehre und verhinderte nicht, wenn sie Luthers Lehre einführten, zumal um Frankenhausen herum,

Wenn aber Herzog Georg in Leipzig nichts dagegen getan hätte, so würde dieser preiswürdige Herrscher in Kürze alle reformiert haben. Jener war aber ein eifriger Papstanhänger und geschworener Feind Luthers. Er schickte nicht nur die Priester, die aus dem Papsttum austraten und evangelisch wurden, dem Domherrn zu Merseburg zu, um sie mit Gefängnis, Peitsche und anderen Qualen zu plagen; und wenn sie gestorben waren, ließ er sie durch den Scharfrichter auf dem Schindanger begraben, und die evangelischen Bürger ließ er am „Ort der Sünder“ begraben. Vor allem aber feindete er auch seinen eigenen Herrn Bruder wegen der evangelischen Religion sehr stark an, nämlich Herzog Heinrich, der in aller Stille in Freyburg residierte.                                                                                                                                         (14)

Im Jahre 1524 ließ er in Leipzig den Buchhändler Johann Herrgott wegen eingeführter lutherischer Bücher auf öffentlichem Markte enthaupten und zugleich viele vornehme Bürger mit Weib und Kind wegen der angenommenen lutherischen Lehre verjagen. Im Jahre 1525 wurden dort zwei Bürger wegen ihres Bekenntnisses zur evangelischen Lehre enthauptet und einige Handwerksmeister nach Merseburg ins Gefängnis geschickt. Im Jahre 1529 verbot er, die evangelischen Verstorbenen auf dem Gottesacker zu begraben. Ja, im Jahre 1533 gab er allen Totengräbern den Befehl, die lutherischen Verstorbenen auf einem Karren nach ungeweihten Orten zu fahren und sie dort zu begraben.

Solche Tyrannei mußte man auch hier befürchten. Er nahm auch dem hiesigen Landesherrn die Stadt Frankenhausen weg, und zwar unter dem Vorwand, er tue es als Strafe für die Rebellion, weil sie es mit den aufrührerischen Bauern gehalten hatte. Daß er es aber auf die Unterdrückung der Lehre Luthers abgesehen hatte, konnte man daraus schließen, daß er sie nicht eher wieder hergeben wollte, bis die Reformation in dieser Grafschaft abgeschafft wäre und das Päpstliche von neuem eingeführt worden sei.

So mußte Graf Günther XL. gegen seinen Willen das heilsame Reformationswerk unterlassen. Wenn er auch die lutherische Lehre hegte und sie hier und da annehmen ließ, so durfte er sie weder öffentlich einführen noch sich selbst dazu bekennen, bis daß Herzog Georg als ein rechter Leibeigener des Papstes im Jahre 1539 verstorben war.

Sein Bruder Herzog Heinrich ließ noch in diesem Jahre überall reformieren und ließ auch eine rechte christliche Kirchenordnung drucken. Auch Graf Günther zu Sondershausen hat sich bald öffentlich zur Lehre Luthers bekannt und sie eingeführt, so daß in kurzer Zeit Dörfer und Städte, Kirchen und Schulen von dem päpstlichen Unflat gereinigt und mit dem hellen Licht des Evangeliums erleuchtet worden sind. Das „Augsburgische Bekenntnis“ aber unterschrieben die Grafen Heinrich und Günther erst im Jahre 1541 auf dem Reichstag zu Regensburg.

Daß man auch hier zu Greußen mit unter den ersten gewesen ist, die noch vor der öffentlichen Einführung im Jahre 1539 die Lehre Luthers angenommen haben, ergibt sich aus der Einsetzung des gewesenen Domherrn Johannes Thal. Im Jahre 1532 hat man ihn hier zu dem Zweck als Pfarrer angenommen, daß er ihnen das reine Evangelium predigen möge. Das wird später in Kapitel VI. bei den Pfarrern noch einmal vorkommen. Das geht auch hervor aus der Ehe, in der Pfarrer Petrus Clusener noch vor jenem Datum hier gelebt hat; das wäre ihm nicht erlaubt gewesen, wenn die päpstlichen Irrtümer nicht zuvor wären abgeschafft worden.

Nachdem aber die wahre Lehre und eine evangelische Religion hier in Greußen einmal eingeführt und angenommen wurde, ist sie auch durch Gottes Gnade und Beistand alle Zeit rein und lauter geblieben und niemals durch wieder eingeschlichene Irrtümer befleckt worden. Dazu hat auch das löbliche und recht preiswürdige Beispiel der hiesigen hohen Landesherr­schaft und ihre eifrige Aufsicht das allermeiste beigetragen: Man weiß von ihren in Gott ruhenden Vorfahren keinen, der seit dem Jahre 1534 - als das löbliche Haus Schwarzburg die evangelische Lehre Christi angenommen hat - wieder abgefallen wäre. Und obwohl Anlaß dazu gegeben war, so haben sie sich weder durch die Reiche dieser Welt noch ihre Herrlichkeit, ja weder durch Not noch Tod, zum Abfall bewegen lassen. Dafür hat man Gott mit Recht herzlich zu danken und ihn um weitere Erhaltung seines Wortes inbrünstig anzurufen.

Was von Mönchen und Nonnen in die Klöster kam, mußte die Lehre Luthers annehmen oder das Land räumen. Die sich das gefallen ließen, mußten sofort ihre Kleidung und Zeremonien ändern und die von Mönchen erdachten Gesänge über die Heiligen abstoßen. Als der Herrschaft zugetragen wurde, daß solches in den Klöstern zu Frankenhausen noch nicht geschehen sei, erging ein ernstlicher Befehl an den dortigen Amtmann, es den dortigen Äbtissinnen und ihren Jung­frauen zu befehlen. Dieses Schreiben des Herrn Grafen Günther aus dem Jahre 1543 ist in den „Unschuldige Nachrichten 1723’“ auf Seite 190 zu lesen.                             (15)

 

 

Das IV. Kapitel
Von den Kirchen der Stadt Greussen allgemein und insbesondere von der Pfarrkirche Sankt Martin.

 

§ 1. In den alten Schriften werden vier Kirchen angeführt, die ehemals hier gewesen sind. Denn im Papsttum war es nicht genug, eine Kirche zu haben, in der man den Gottesdienst halten konnte. Weil die Schenkungen der Gemeindeglieder so richtig einkamen, baute man auch noch Kapellen, worin man nur zu gewissen Zeiten Messen zu lesen und Seelengeräte zu halten pflegte. Es hatte auch die Geistlichkeit selbst den besten Gewinn davon.

Vor allem konnte keine Kirche und Kapelle, ja kein Altar, eingeweiht werden, wenn nicht zuerst ein gewisser Vorrat an Reliquien und Heiligtümern dahin geschafft worden war, durch deren Berührung und Verehrung man viel Ablaß erhalten konnte. Weil nun bald in dieser, bald in jener Kapelle der Gedächtnistag der Einweihung gefeiert wurde, so ergab sich allzeit ein großer Zulauf des Volkes, und keiner wurde ohne Geld zur Anrührung oder Verehrung des Heiligtums zugelassen. Entsprechend waren hier zu Greußen auch vier Kirchen.

Die erste war die Kapelle des Heiligen Bonifatius. Diese hat gestanden zwischen Greußen und Clingen am Wege, bei den drei Linden, von denen eine noch zu Menschengedenken gestanden hat. An dieser Stelle sind dann später drei andere gepflanzt worden. Diese Kapelle soll Bonifatius, der ehemalige Bischof zu Mainz und sogenannter „Apostel der Thüringer“ im Jahre 731 hier zuerst erbaut haben. Und weil er lustigen Gemüts war und er sich besonders an grünen Wäldern und schönen Feldern ergötzte, so baute er auch diese Kirche außerhalb der Stadt und im grünen Feld.

Es kann ihn aber auch der große Zulauf des Volkes an solche Orte genötigt haben, weil er öfter so viele Zuhörer bekam, daß die Kirche sie nicht fassen konnte, und er dann außerhalb derselben auf dem freien Felde oder im offenen Wald zu predigen pflegte. Da er nun im angeführten Jahr hierher kam, die hiesigen Heiden zu bekehren und den bereits Bekehrten ihren Gottesdienst auch für die Zukunft einzurichten, so ließ er auch diese Kapelle dahin setzen, wie er es auch schon getan hatte zu Arnstadt, Ohrdruf, Tretenburg, Gebesee und anderen Orten mehr.

Wo die Kapelle gestanden hat, ist noch jetzt bekannt genug. Es liegt auch noch bis zum heutigen Tag ein großer Stein an der Stelle, der allem Anschein nach aus einem Fenster der damaligen Kapelle stammt. Alte Leute wissen sich noch wohl zu erinnern, daß ehemals viele Steine des alten Mauerwerks dort noch beisammen gelegen haben. Wie lange sie aber gestanden und was sie für Einkünfte gehabt hat, ist nicht bekannt. Gewiß aber ist wohl, daß sie im Jahre 1424, als man mit dem Bau der Pfarrkirche begonnen hatte, noch nicht eingegangen war. Die drei jetzt dort stehenden Linden sind dahin gepflanzt worden, um das Gedächtnis an die vor Zeiten dort gestandenen drei Linden und die Kirche für die Nachwelt zu erhalten, wie denn auch die Gegend selbst wohl bis an den Jüngsten Tag wird genannt werden „Bei den drei Linden“.

Die andere war die Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria („Sanct Mariae Virginis“). Diese stand auf dem Markte, dort wo das Wasser aus der Herrengasse hervor läuft. Sie wurde im Jahre 1437 gebaut, also ehe noch die Pfarrkirche Sankt Martin fertig geworden war. Diese Kapelle erhielt eine gewisse Erbpacht auf die Weidegras- und Gartenparzellen des sogenannten „Alten Garten“ und auch ausstehende wiederkäufliche Pachten.                                                (16)

Weil sie der Jungfrau Maria gewidmet gewesen war, so wird man bei ihr wohl nicht geringen Ablaß erhalten haben, weil dieser im Papsttum das allermeiste gilt. Sie wurde allgemein „Mutter der Barmherzigkeiten“ („Mater Misericordiarum“) genannt und es waren in ihr alle Tage 12.000 Jahre Ablaß zu verdienen wie in der Marienkapelle in Rom, die man „Behüte uns vor der Hölle“ zu nennen pflegt. Doch habe ich davon keine Nachricht gefunden.

Im Jahre 1534 aber, als die Reformation hier bereits angefangen hatte, wollte man etwas wegen Baufälligkeit der Kapelle reparieren und ändern, und erhielt deswegen bei dem damaligen Landgericht eine Bewilligung, eine Kapelle in Greußen hinzuzufügen, mit folgenden Worten:

„Iudicer generator per Thuringiam constituti providis senatu, et altemannis Capellae beate Mariae virginis zu Greußen, Salutem in Deo, ut chorum et testudirem eidem ab extra contiguum. et praefate Capellae adjuretum. vetustate ruinam mi nautes, ammovere, diruere, ac demoliri, Ecclesiamque cum duobus Altaribus ac aliis aedificiis adjunctis stare, permittere, ac in unum tectum construere et reparare, ammoverique,dinci dimi, construi, et reparari facere possitis, ac valeatis, dum modo tamen aliud impedimentum canonicum non obstiterit, presentibus indulgenius.

Auf diese Urkunde ist unser Siegel aufgepreßt, ausgestellt im Jahre des Herrn 1534, am Tag des wahren Sabbats im Monat Dezember. Johannes. Gerichtsnotar.“    

Vermutlich aber ist dieser Plan nicht ausgeführt worden, weil man nach der vollzogenen Reformation diese Kapelle nicht mehr brauchte. Vielmehr wurde im Jahre 1558 von Graf Johann Günther befohlen, sie abzureißen, was dann auch geschehen ist.

Im Jahre 1528 aber starb hier Johannes Libol, der bisher das Vikariat „Sankt Agneta“ versah, an dieser Kapelle unserer lieben Frauen, und an seine Stelle kam Johannes Thal.

Die dritte war die Kirche des Hospitals Heiliger Geist („Sanctus Spiritus“) vor dem Grüningischen Tor. Wann dieses sehr kleine Kirchlein für die Hospitalsbewohner und etwa Vorbeireisende zu ihrem Gottesdienste erbaut wurde, ist nicht bekannt, auch nicht, ob sie dem Heiligen Geiste oder einem Heiligen geweiht gewesen ist.

Weil sie aber wie auch das Hospital wegen ihres Alters sehr baufällig geworden war, so wurden im Jahre 1705 auf hohem Befehl des durchlauchtigsten Fürsten und Herren, Herrn Christian Wilhelm, beide abgerissen. Unter der Leitung des Herrn Johannes Andreas Herzog, des damaligen Oberbürgermeisters und Bau-Inspektors, wurde sie neu gebaut. Jetzt wurde jedoch die Kirche mit in das Hospital eingebaut und dort der Gottesdienst in einer großen Stube abgehalten. Vorher hat die Kirche an der Straße nach der Steinfarthsmühle zu gestanden, wie an dem Mauerwerk noch zu sehen ist.

 

§ 2. Die noch jetzt stehende und nunmehr einzige Kirche Sankt Martin, die „Pfarrkirche“ genannt, ist von Anfang an so weitläufig und groß angelegt worden und schön ausgebaut gewesen, wie sie danach mit der Zeit geworden ist. Denn in einem Brief Graf Heinrichs zu Hohnstein, Herren zu Sondershausen, wird sie im Jahre 1307 das „Dorfkirchlein zu Marktgreußen“ genannt und mit ihrer (Reliquien-) Sammlung und was zu ihr gehört dem Abt zu Ilfeld gegeben. So hatte dieser das Einkommen dieser Kirche und sie wurde so dem Kloster eingegliedert und hat ihm angehangen.

Weil aber der große Brand im Jahre 1687 die Kirche gänzlich vernichtet hat, so teilt sich ihre historische Beschreibung in zwei Teile, nämlich vor und nach dem Brand.

 

a) vor dem Brande im Jahre 1687

 

§ 3. Weil das Kloster zu Ilfeld seit dem Jahre 1333 das Patronatsrecht über die Kirche in Greußen gehabt hat, so wurde der Bau dieser Kirche im Jahre 1424 mit Bewilligung des damaligen Abtes Heinrichs angefangen (Er war seiner Geburt nach ein Freiherr von Walk). Mit dem Ausbau aber brachte man ganze 59 Jahre zu, so daß ihre Einweihung nicht eher als im Jahre 1484 erfolgte. Verschiedene Stücke daran wurden auch sehr herrlich gemacht, wie es noch bis zum heutigen Tag vielen in Erinnerung ist.

 

Zu lange Bauzeit. Es ist nicht klar, ob die erste Kirche 1333 oder erst 1424 erbaut wurde.

 

Nachdem aber keine umfangreiche Nachricht über den ganzen Bau mehr vorhanden ist, so will ich nur einige Teile genauer erwähnen. Diese sind:                                                  (17)  

 

I. Die Altäre

 § 4. Man war zu den Zeiten der päpstlichen Finsternis nicht mit einem Altar zufrieden, sondern es mußten ihrer mehr sein. In der Pfarrkirche Sankt Gumpert zu Clingen waren drei, nämlich der Hochaltar, der Sankt-Gehilfen-Altar und Unser-Lieben-Frauen-Altar. In gleicher Weise waren auch in der hiesigen Kirche drei Altäre: der Hochaltar und der Unser-Lieben-Frauen-Altar, die dem Pfarrer zustanden, und der Sankt-Annen-Altar, der dem Kaplan zustand.

Auf dem Hochaltar war eine schöne vergoldete Tafel, die noch heute immer gerühmt wird.

Diese war das letzte Stück, das noch von dem ersten Bau stammte und noch die vollkommene Einweihung erfuhr, wie aus den Worten hervorgeht, die der Meister dieser Platte hinten an die Mauer gesetzt hat: „Im Jahre 1483 am fünften Tag nach dem Tag des Heiligen Bischofs Boni­fatius, wurde diese Tafel vollendet durch mich, Leonhard Könberg, jetzt in Erfurt wohnend. Die derzeitigen Bürgermeister sind: Ambrosius Angel und Heinrich Hauschild, Ratsmit­glie­der Hans Sachse, Werner Ebald, Heinrich Werdin und Hans Schönzail.“

 

§ 5. Jedoch hat man in nachfolgenden Zeiten an dieser Tafel noch immer etwas verbessert und hinzugetan. So geschah es im Jahre 1614, als man die Krone oben auf den Altar gesetzt und wieder zur Ausmalung herabgenommen hat, und - nachdem sie ganz fertiggestellt war - noch vor dem Christfest an ihren Ort gesetzt und befestigt hat. Das obere Täfelchen aber ist nach Herrn Bürgermeister Johannes Tentzels Vorlage im Jahre 1628, volle 125 Jahre danach (?) darauf gesetzt worden. Sie wurde aber den 15. Mai aufgerichtet, nachdem sie von Bernhard Röhler, dem Stukkateur („Kalkpoussierer“) angefertigt und dem Maler Melchior Tümpfel angemalt worden war.

Der schon vorher erwähnte Bürgermeister Tentzel hat auch im Jahre 1632 aus seinem Vermögen an der Außenwand der Kirche eine steinerne Treppe aufführen lassen.  

Die beiden letzten Altäre, nämlich der Unser-Lieben-Frauen-Altar und der Sankt-Annen-Altar sind nach der Reformation abgeschafft worden, weil dieselben nach abgeschaffter päpstlicher Messe nicht mehr vonnöten gewesen sind. Es ist also nur der Hochaltar beibehalten worden.

Dieser ganze Altar war sehr reich vergoldet. Es wurde von dem Altar erzählt, daß im Dreißigjäh­rigen Krieg ein Soldat davon Gold stehlen wollte. Ein Bürger aber hat ihn bei dieser Arbeit erschossen, so daß er darauf sitzen blieb und man ihn von dort hat wegschaffen müssen.

 

II. Die Sakristei

§ 6. Vor Alters waren in den meisten großen Kirchen zwei Sakristeien („Sacraria“) ausgestattet. Die eine war nahe bei dem Altar, damit die Priester darin die geistlichen Kleider und den Ornat anlegen konnten oder sich auch durch Lesungen gewisser darin vorhandener Bücher auf ihren Dienst vorbereiten konnten. Deshalb durfte auch nie­mand anders in diese gehen als die Priester selbst und etwa derjenige, welcher die Schlüssel dazu hatte und „Sakristan“ hieß. Die andere Sakristei aber war an einem mehr verwahrten Orte, wo man die heiligen Kleider und Gefäße und auch die Amtskleidung (den „Kirchen‑Ornat“) und Kirchenschatz hinlegte und verwahrte

 

§ 7. Zwei solcher Sakristeien sind auch von alters her in der hiesigen Kirche gewesen. Eine für die Priester und ihre Bücher, nicht weit weg vom Altar. Diese ist aber durch den Brand von 1687 so verwüstet worden, daß man sie danach von Grund auf hat neu bauen müssen. Die andere Sakristei war hinten unter dem Turme, um die heiligen Gefäße und was der Kirche sonst lieb und wert ist, darin zu verwahren. Sie wurde mit starken eisernen und hölzernen Türen genug verwahrt vor dem Feuer (wegen des schönen Gewölbes) und vor Dieben. Jedoch wurde diese Sakristei im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1631 von den Völkern Tillys aufgebrochen und alles, was darin war, wurde herausge­nommen.

 

II. Die Glocken

§ 6. So wie jetzt auf der hiesigen Kirche vier Glocken sind, so hat es auch von Anfang an so viele gegeben. Die dritte Glocke wurde „Bier-Glocke“ genannt, weil man abends um eine bestimmte Zeit damit zu läuten pflegte, damit die Gäste in den Bierhäusern an das des Heimgehen erinnert wurden. In den Statuten von Clingen, die im Jahre 1353 auf Pergament geschrieben worden, steht: „Nach der Bierglocke soll kein Mann länger beim Bier sitzen. Wer ergriffen wird, der soll fünf Schillinge auf das Rathaus geben und in seinem Haus bleiben.“ In welchem Jahre diese Glocke gegossen worden, weiß man nicht, gewiß aber ist, daß es vor dem Einweihungsjahr 1483 geschehen ist.

Noch gewisser ist, daß alle Glocken nach päpstlicher Weise getauft gewesen sind. Im Papsttum schrieb man den getauften Glocken in ganz abergläubischer Weise eine Kraft zu, Donner und Blitz, Gespenster und Hexen, ja sogar den Teufel selbst zu vertreiben. Daher pflegte man hier mit diesen getauften Glocken zu läuten, wenn ein Donnerwetter entstand, um es zu vertreiben, damit es nicht einschlage und zünde.                                                              (19)

Dieses geschah dennoch am Donnerstag vor Pfingsten des Jahres 1536, des abends um 10 Uhr. Da schlug das Wetter in den Kirchturm und steckte das Pulver an, das man in dem Gewölbe wegen des künftigen Schützenfestes aufgehoben hatte, und erstickte mit seinem Rauch den Kirchendiener („Kirchner“) und seine Frau und Hans Pfeifer, der auf dem Turm war.

 

Lag jemand in Todeszügen, so läutete man mit einer Glocke. Wenn er aber begraben wurde, läutete man mit so vielen Glocken, wie er bezahlen konnte und wollte, um damit die Teufel, die nach seiner Seele trachteten, aus der Luft zu vertreiben und der Seele den Himmel zu öffnen.

Abends und morgens läutete man zum Gebet „Ave Maria“.

Diese abergläubigen Dinge wurden aber später abgeschafft, und obgleich das Abend- und Morgenläuten blieb, so geschah es doch nicht, um zum „Ave Maria“, sondern um zu einem anderen Gebet aufzumuntern. Wenn auch noch jetzt an manchen Orten eine Glocke geläutet wird, wenn jemand mit dem Tode ringt, so geschieht es, um die Frommen an ihre Fürbitte für den Sterbenden zu erinnern. Daher wird eine solche Glocke „Schicksalsglocke“ genannt.

 

Am 12. Februar 1609, am Sonntag Septuagesimä (siebzig Tage vor Ostern), wurde ein ganz neuer Klöppel in die große Glocke gehenkt, 85 Pfund schwer. Der andere aber, der zuvor in dieser Glocke mitten entzwei gebrochen war, wurde wieder zusammen geschweißt und in die Bierglocke gehenkt, und er wog 55 Pfund. Beide wurden angefertigt in (Ober-) Zorge, eine Meile nördlich von Ellrich am Harz, und dort bestellt und abgeholt durch Herrn Jonas Wirckmann.

 

§ 7. Weil aber diese Glocken zu klein waren, so ließ man im Jahre 1615 in Erfurt durch Meister Hieronymus Möhring drei neue gießen. Die große, welche ein Gewicht von 33 Zentner und 52 Pfund hatte (ohne Welle und Eisen), wurde den 27. Juni gegossen und den 8. Juli glücklich hierher gebracht und sofort gegen den Abend auch auf den Turm und an ihre Stelle gebracht und auch versuchsweise geläutet. Am 20. Juli aber wurde für Andreas Schäfer zum ersten Mal mit dieser Glocke zum Begräbnis geläutet.

Die beiden kleinen aber wurden nur umgegossen und den 1. September auch glücklich auf­gezogen. An allen dreien stand der gewöhnliche Reim des Meisters:

                        In Greußen hänge ich,

                        Meinen Klang gebe ich,

                        Alle Christen rufe ich,

                        Hieronymus Möhring in Erfurt goß mich.

                            V. D. M. I. AE.

Auch wurde im Jahre 1617 erneut eine Glocke gegossen, bei deren Aufhängung aber der Schwengel herab fiel und die Frau des Tischlermeisters Jeremias Walther so auf den Kopf traf, daß sie bald tot war und darauf den 19. Juli mit einer Predigt christlich zur Erde bestattet wurde. Wenn in Zukunft von der „Jubelglocke“ die Rede ist, so möge man vielleicht diese darunter verstehen, die so genannt wurde, weil man sie in dem ersten Evangelischen Jubeljahr hat gießen lassen. Diese vier Glocken haben gehangen bis zum Jahre 1687, als sie an dem Fest der Heimsuchung Mariens in dem großen Brande herunter gefallen und zerschmolzen sind.

            

III. Die Kanzel

§ 8. Als die Kanzel gebaut wurde, hat sie am ersten Pfeiler gestanden. Weil man aber im Jahre 1633 eine neue Kanzel bauen ließ, so rückte man sie an die Sakristei heran, wo auch noch heute ihre Stelle ist. Ihre Anfertigung war dem Tischlermeister Hans Voltz übertragen worden, und er brachte mit dieser Arbeit bald ein ganzes Jahr zu. Am 16. November war er mit seiner Arbeit fertig und fing an, sie aufzubauen.                                                                       (20)

Am 1. Februar 1634, wurde die „Krone“ darüber gehenkt und befestigt. Die Bilder aber waren noch nicht fertig. Die eine Tür aber aus der Sakristei war schon im Monat August des vorigen Jahres durchgebrochen worden. Die Unkosten, die man insgesamt dafür aufgewandt hatte, beliefen sich, auf 100 Gulden. Die alte Kanzel aber wurde dem Tischler gegeben und mit in seinem Lohn verrechnet.

Nachdem sie nun ganz fertig war, hielt der damalige Pfarrer Johann Helwig am Sonntag Esto­mihi die erste Predigte darauf und weihte sie gar feierlich ein. Jedermann hatte deswegen in den schweren Kriegeszeiten eine besondere Freude.                

 

§ 9. Nachdem die Kanzel aber auf der Kirche Kosten so weit fertig war und bis zum Jahre 1645 so gestanden hatte, erweckte Gott den Bürgermeister Wolfgang Anthon, der sie auf seine Kosten schön malen und richtig vergolden ließ. Die Arbeit wurde den 1. Mai angefangen und den 16. August zu Ende gebracht und hat ihn über 100 Gulden gekostet.

Damit auch dieses nicht vergessen würde, ließ er zur Nachricht für die Zukunft mit goldenen Buchstaben auf ein Täfelchen neben der Kanzel schreiben:

„Diese heilige Kanzel wurde Gott und der Kirche zu Ehren auf eigene Kosten errichtet von Wolfgang Anthon in Erinnerung an seine geliebte Frau Anna Blandin, aus der Familie Kallenberg stammend, die hier in Greußen fromm begraben wurde, und mit verschiedenen schmückenden Farben und Ornamenten versehen damit man - soweit das möglich ist - herrlicher predigen könne. Im Jahre „VIs, fera sepostIs, Mites Cant seCVLa beLLIs, haLVIVICaqVe IVV et relLIgIone frVI.“.

 

IV. Die Orgel

§ 10. Wie es von Anfang um das Orgelwerk dieser neu erbauten Kirche gestanden hat, habe ich nirgends gelesen. Im Jahre 1624 aber wurde dem Orgelbauer zu Eisleben, Ezechiel Groitsch (oder Grätschen), eine neue in Auftrag gegeben für 600 Gulden, jedoch so, daß er alles dazu selber besorgen mußte. Weil aber noch in diesem Jahre das große Sterben kam und im folgenden Jahr die einbrechende Kriegszeit viel Unruhe machte, so zog es sich mit ihr hin bis zum Jahre 1627. Am 3. Sonntag nach Trinitatis wurde sie von dem Orgelbauer zur Prüfung übergeben. Als sie nun auf hohen Befehl der gnädigsten Herrschaft zu Sondershausen von dem dortigen Organisten Herrn Johann Krause gespielt und von ihm für gut befunden wurde, so war jedermann mit dem Werk selbst gar wohl zufrieden.

Da sich aber der Meister beklagte, daß er mit den vereinbarten 600 Gulden nicht auskommen könne, sondern vielmehr darüber in Schulden geraten wäre, so gab man ihm noch 114 Gulden als Trinkgeld und seinen Gesellen zwei Taler. In allem aber kostete das ganze Werk, samt Transport, Aufstellung und Einrichtung, und was sonst noch ihretwegen aufgewendet wurde, 849 Gulden 20 Groschen 4 Heller.

Bei Übergabe der Orgel hielt der Pfarrer Herr Johann Helwig zur Einweihung eine Orgel-Predigt, und es freute sich jedermann sehr, als man die neue Orgel hörte, weil sich die Einweihung wegen der Sterbens- und Kriegszeit so lange - nämlich vier ganze Jahre - verzögert hatte.                                                                                                                                  (21)

           

§ 11. Bis dahin war die Orgel allein auf Kirchenkosten angefertigt worden. Zur weiteren Verzierung aber erweckte Gott guttätige und milde Herzen. Zuerst gab Herr Bürgermeister Johannes Tentzel das Geld dazu, daß der obere Chorraum von neuem geweißt und mit Steinfarben bemalt wurde. Die Bögen aber wurden marmoriert, um die Fenster wurden Rollwerke gemacht und die Zwölf Apostel an die Fenster gemalt. Diese Arbeit fingen Melchior Tümpfel und Heinrich Kroloch am 21. September 1627 an und vollendeten sie im November.

Weil es aber an der Orgel etwas dunkel war, so gab der vornehme praktische Arzt in Frankenhausen Petrus Erasmus 30 Taler dazu, daß mehr Licht für Orgel und Kirche käme: Im Jahre 1629 wurden zwei große Fenster im Kirchendach angefertigt und außen weiße Knöpfe darauf gesetzt.

Die Orgel stand gegenüber dem Podest für den Singechor, das zwischen der Sakristei und der Kanzel am vordersten Pfeiler war. Das Podest wurde im Jahre 1633 an den Turm unter die Orgel gebracht.

Nachdem aber das Orgelwerk in den Kriegszeiten einigermaßen wüst geworden war und nicht für vollkommen gehalten wurde, wurde am 1. August 1651 die völlige Erneuerung mit dem Naumburger Orgelbauer Ludwig Comparius (oder Camperius) zu einem Preis von 200 Gulden vereinbart. Er selbst mußte dazu alles aus eigenen Mitteln anschaffen. Ausgenommen war nur, daß die Bürgerschaft ihn und einen Gesellen speisen mußte. Die Arbeit wurde am 11. August angefangen und am 10. Oktober vollendet.

Am Nachmittag des 16. Juni 1653, zwischen 1 und 2 Uhr, erhob sich ein geschwindes und brausendes Wetter mit ungestümem Hagel-Regen. Es schlug mit schrecklichem Knall und Blitz in die Kirche ein, über der Orgel am Turm, zwischen dem Dach und den Mauern, so daß die Kirche und Orgel von dem schwefligen Geruch erfüllt wurden und man in großer Gefahr war, weil ein Brand hätte ausbrechen können.

Nachdem aber Rauch und Schrecken vergangen waren und man recht nachschaute, fand man, daß das Wetter erstaunlicherweise auch in die Orgel durchgeschlagen hatte, oben an der großen Prinzipalpfeife; jedoch war die Pfeife selbst nicht verletzt. Aber das Ventil zum Steuern im Rückpositiv und auch drei Wellen unter dem Pedal waren in Stücke geschlagen, und die Drähte an den Zügen (Trakturen) waren krumm gezogen, daß man das Rückpositiv gar nicht mehr gebrauchen konnte. Diesen Schaden ließ man am 23. Juni durch den Orgelbauer in Langensalza reparieren und gab ihm vier Taler.   

 

V. Die Sitzplätze für den Rat (der „Ratsstand“)

§ 12. Der Ratsstand war ehemals unten im Chorraum, zuerst oben, danach aber unten auf der Erde. Im Jahre 1614 wurde er wieder oben hin gebaut. Die Arbeit wurde den 12. Juni fertig und der Stand wurde am Pfingstfest von den sechs Herren Bürgermeistern und dem gesamten Gemeinderat zum erstenmal betreten.                                                                              (22)

 

§ 13. Weil er aber für die Kirche ungünstig war und besonders den ganzen Chorraum verdunkelte, wurde er im Jahre 1631 wieder abgebrochen und zum Platz für den Schülerchor bei der Orgel gebracht. Dagegen wurden unten im Chorraum an beiden Seiten neue Stände für die Ratsmitglieder mit Gittern angefertigt und bald darauf von ihnen betreten. In diesem Jahre wurde auch am 23. April unten im Chorraum eine Tür durch die Mauer gebrochen und verschlossen.

 

 VI. Der Himmel (die Decke der Kirche)

§ 14. Die Decke der Kirche (der „Himmel“) wurde im Jahre 1633 von den beiden Kunstmalern Melchior Tümpfel und Veit Lattermann dem Jüngeren erneuert und ausgemalt. Die Arbeit war ihnen beiden übertragen worden für 50 Gulden. Jedoch mußte die Kirche alle Farben und was sie sonst nötig hatten auf ihre Kosten anschaffen.

 

§ 15. Der damalige Pfarrer, Herr Johann Helwig, ließ zwischen die Bogen die Figuren aus der Offenbarung des Johannes 4 (die himmlische Ratsversammlung) und 21 (das neue Jerusalem), auch 1. Mose 22 (Isaaks Opferung) und 1. Könige 19 (Die Gottesoffenbarung an Elia) malen.

Der Schulrektor M. Starck aber gab an, daß die Verse des Stigelius oben an die Balken geschrieben wurden. Es wurde aber damals nicht allein oben der Himmel, sondern auch die Wände innen zwischen den Pfeilern gemalt. All das bisher Erwähnte geschah in den größten Beschwerungen des Krieges, so daß man also zu recht den Eifer für das Haus des Herren

rühmen muß.

 

VII. Der Knopf und das Dach

§ 16. Am 18. Dezember des Jahres 1612 entstand ein ungewöhnlicher Sturmwind, der viele Gebäude umwarf, in Gärten und Wäldern die größten Bäume mit ihren Wurzeln aus der Erde riß und überall viel Schaden anrichtete. Bei dem Sturm wurde am Mittag zwischen 11 und 12 Uhr der Knopf von der Kirchenspitze herunter geworfen.      

Er wurde am 2. Januar 1613 auf dem Rathhaus geöffnet im Beisein des Diakons Paul Seitz und der sechs Bürgermeister Heinrich König, Jacob Tentzel, Conrad Grüning, Andreas Lauterborn, Albert Tentzel und Zacharias König. Man fand einen Pergamentzettel darin, auf dem diese Worte standen: „Im Jahre 1516 wurde dieser Turm errichtet zur Zeit des Festes des Leibes Jesu Christi. Maria. Seht das Kreuz des Herrn: Hütet euch vor den Feinden!“

Man ließ den Knopf in diesem Jahr wieder erneuern und schön vergolden, weil er an sich gut war und im Herunterstürzen keinen besonderen Schaden genommen hatte. Das Aufsetzen geschah am 8. Juni ohne Unglück, als Christoph Grospitsch Pfarrer war, Paul Seitz Diakon und Heinrich König und Jacob Tentzel die regierenden Bürgermeister. Das Gewicht des Knopfes aber war damals 73 Pfund.

 

§ 17. Im Jahre 1655 wollte man das Dach reparieren lassen. Als aber der Schieferdecker Meister Andreas am 18. Juli das Dach zu besteigen anfing und die Leiter oben an den First des Daches angehängt hatte, brachen die hölzernen Hacken heraus. Er fiel mit der Leiter und einigen Schiefern herunter. Und weil er sich auf der Erde überschlagen und über den Brückenstein in den Bach gestürzt war, meinten viele Leute, die es sahen, er würde sich ganz zerquetscht und zu Tode gefallen haben.

Als er aber aufgehoben wurde, stellte sich heraus, daß er mit den Schultern und dem Kopf im Bach und Schlamm gelegen hatte. Es hatte sich zwar etliche Löcher im Kopf zugezogen, aber sonst hatte er am Leibe und dessen Gliedern keinen Schaden genommen.                           (23)

Nachdem er sich nun erhoben hatte und zu sich selbst gekommen war, wunderte er sich selbst, mit allen, die seinen Fall gesehen, über die gnädige Hilfe und den Beistand Gottes, und sie priesen deswegen seine Allmacht. Am dritten Tag aber machte sich der Schieferdecker auf und reiste in seine Heimat.

 

§ 18. Auch hat man im Jahre 1660 und 1661 das ganze der Gebäude der Kirche ausgebessert. Dazu wurde ein ziemlicher Betrag von den ordentlichen Einkünften der Kirche und des Hospitals genommen und 118 Gulden als Beitrag der Bürgerschaft und noch 75 Gulden 10 Heller 6 Pfennige aus den Kirchenrücklagen.

 

IIX. Das Leichenhaus

§ 18. Das Leichenhaus war außen an die Kirche angebaut und hatte eine offene Halle (Porticus), in der ein Altar stand. So konnte man die Leiche vor der Bestattung darin niedersetzen und zuvor eine Seelenmesse für sie halten. Das einfältige Volk war von der damaligen betrügerischen Geistlichkeit beredet worden, daß eine Seele, über deren Leichnam noch eine Messe gelesen worden ist, entweder an dem Fegefeuer vorbeigehen könne oder sich doch darin nicht lange aufhalten wird. Dieser Aberglaube wurde nun auch in diesem Leichenhaus getrieben. Es war aber so groß, daß man auf seinen Boden Früchte zu schütten pflegte. So haben dann im Jahre 1631 Horst Kästner und Volkmar Koch nachts Korn aus dem Haus gestohlen.

 

§ 19. Dieses Leichenhaus wurde am 17. Juli (acht Tage vor dem Jakobustag) des Jahres 1632 abgerissen, weil es baufällig geworden war und nach der Abschaffung des päpstlichen Aberglaubens nicht mehr in Gebrauch war. Dafür fing man bald danach an, die neue Treppe zu machen. Sie wurde im September fertig und kostete alles in allem 100 Gulden. Die Tür aber, bei der das Leichenhaus gestanden hatte, heißt noch jetzt „die Leichentür“ und „auf Seiten des Leichenhauses“.

Weil man aber nach der Reformation keine Seelenmessen mehr über die zu bestattenden Leichen hielt, so wurden sie statt dessen erst in die Kirche hinein getragen und dort während der Predigt aufgebahrt, damit jedermann sie anschauen konnte. Danach wurden sie auf dem Gottesacker hinausgetragen und begraben. Diesen Brauch hat es noch vor wenigen Jahren hier gegeben.

 

IX. Die Einweihung der Kirche

 § 20. Die Einweihung dieser in 59 Jahren sehr schön ausgebauten Kirche geschah am 11. November 1483 durch einen dazu beauftragten Weihbischof, wie es damals im Papsttum üblich war. Wer dieser Weihbischof aber war, ist nicht bekannt. Er kam mit den übrigen Geistlichen vor die noch verschlossene Kirchentür, fiel auf die Knie, und sprach einige bestimmte Gebete. Nachdem das geschehen war, ging er in guter Ordnung dreimal um die Kirche herum und besprengte die Außenmauern mit seinem Weihwasser an drei Orten, nämlich am Fundament, in der Mitte und am oberen Teil.

Als er wieder vor die verschlossene Tür kam, klopfte er mit seinem Bischofstab daran und sprach: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehe!“ Nachdem ihm nun ein Diakon, der innen hinter der Tür stand, antwortete: „Wer ist der König der Ehre?“ sprach er draußen dreimal: „Er ist der Herr stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit!“ (aus Psalm 24). Hierauf tat sich die Tür auf, damit er mit nur zwei seiner Diener hinein gehe.

Während nun die übrige Geistlichkeit mit dem Volk draußen das Wechselgebet (die Litanei) zu allen verstorbenen Heiligen absang, trat er in die Kirche und sprach: „Friede sei mit diesem Hause und allen, die darinnen wohnen!“ legte sich vor den Altar und betete. Danach schrieb er etwas an die Wände, besprengte sie mit Weihwasser, Salz, Asche und Wein, und machte mit dem ins Wasser getunkten Daumen viele Kreuz-Striche auf die Altäre, an die Wände und in alle Winkel und sprach: „Dieses Gotteshaus werde geheiligt in dem Namen des + Vaters + und des Sohnes und Heiligen + Geistes. Amen.“

Hierauf drang alles Volk in die Kirche hinein. Nachdem es einige Lieder zu Ehren aller Heiligen gesungen hatte, wurde dieser Kirche der Name „Sankt Martin“ gegeben, weil sie diesem Heiligen geweiht sein sollte.                                                                                               (24)

Die Altäre wurden mit dem gleichem Aberglauben eingeweiht. Zuerst fing der Weihbischof an zu singen: „Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe!“ (Psalm 38,Vers 23). Darauf nahm er das Weihwasser, machte damit an den Ecken des Altares vier Kreuze, ging siebenmal um den Altar und besprengte ihn jedesmal mit Weihwasser, legte allerhand Reliquien und heilige Gegenstände in ein Loch mitten auf dem Altar. Dann nahm er drei Körner Weihrauch, tat sie unter vier Kreuzschlägen in ein besonderes Kästchen mit Salböl (Chrisam) legte eine Tafel darauf, die mit einem Kreuz gezeichnet war, salbte den Stein mit Öl und Balsam an fünf Stellen, zündete Rauchwerk an, bekleidete den Altar und hielt die Messe.  

 

§ 21. Es wurde aber viel Ablaß verheißen allen, welche nicht allein jetzt bei der Weihe und Kirchmesse zugegen waren, sondern auch in Zukunft zum Jahrestag der Weihe in dieser Kirche erscheinen und ihr etwas schenken oder vermachen würden. Dieses alles aber war päpstlicher Aberglaube und Menschen-Tand.

Das allermerkwürdigste aber bei dieser Einweihung war, daß sie auf eben den Tag geschah, an dem Luther geboren wurde. Daher hat derjenige Pfarrer, der die Worte auf der Altartafel von 1483 in das alte Kirchenbuch geschrieben hat, zu Recht hinzugesetzt: „Es ist dabei daran zu denken, daß in eben diesem 1483. Jahr, nachdem das Werk unsrer Altartafel zusammen mit der Kirche angefertigt worden war und zur Ehre des heiligen Bischofs (dessen Bild oben darauf auf einem vergoldeten Pferde sitzend gemacht gewesen) eingeweiht wurde, auf den gleichen Sankt Martins-Abend, den 10. November, Martin Luther, der große und wertvolle Prophet Deutschlands, unter den Grafen von Mansfeld geboren wurde und am folgendem 11. No­vember, dem Tag des Bischofs Martin, durch die heilige Taufe in die Gemeinde Gottes aufgenommen wurde. Gott sei ewig Lob, Ehr und Dank gesagt, daß er uns durch diesen Wunder­mann aus dem babylonischen Gefängnis errettet hat und die selige Wahrheit des Evangeliums wieder gespürt, und den Artikel von der wahren Buße, Erkenntnis der Sünde, Glauben an Jesus Christus, von guten Werken, Gebrauch der heiligen Sakramente, Ehestand und Obrigkeit wieder auf die Kanzel und in die Häuser gebracht hat.“ 

 

 b) Nach dem Brand im Jahre 1687

 

§ 22. So herrlich und schön der Tempel des Herrn nach und nach ausgebaut wurde, so jämmerlich wurde er verwüstet, als in dem Brandjahr am 2. Juli (dem Fest der Heimsuchung Mariens) Gott diese Stadt im gerechtem Zorn heimsuchte. Als damals das fressende Feuer auch die nächsten Häuser bei der Kirche ergriffen hatte, fing der Turm zuerst in der Höhe das Feuer, so daß es an der Spitze wie helle Lichter den Schiefer heraus geschlagen hat. Beim Umfallen aber stürzte er in die Kirche, so daß diese auch angesteckt, wurde. Sie wurde im Feuer so verzehrt, daß von der ganzen Kirche nicht so viel Holz übrig geblieben ist, daß man damit einen Wagen hätte beladen können. 

Wie groß der Jammer damals war, ist mit keinem Worte zu beschreiben! Denn das Heiligtum Gottes lag in Asche und von dem herrlichen Gotteshaus war nichts mehr übrig als der gewölbte Chorraum und der Turm, so weit er aus Stein gewesen war. Die Glocken waren vom Turm herunter gefallen und geschmolzen.                                                                                             (25)

Die damaligen Abendmahlsteilnehmer mußten an diesem Tag auf das Abendmahl verzichten, weil keine Möglichkeit bestand, es zu bekommen. Es wurde ihnen erst am dritten Tag danach auf dem Bodischen Freihof vor der Stadt gereicht. Das war sehr betrübt mit anzusehen.

 

§ 23. Weil nun in der hiesigen Stadt kein Ort vorhanden war, wo man den Gottesdienst abhalten konnte, so wandte man sich auf herrschaftlichen Befehl nach Clingen, um in der dortigen Kirche an Sonn- und Festtagen in der Frühe den Gottesdienst zu verrichten. Deswegen mußten die Clingener ihren Gottesdienst eine Stunde früher als sonst gewöhnlich anfangen und beenden.

Nachmittags aber und montags hat man auf dem Kirchhof - nach der Herrengasse zu - den Gottesdienst (Predigten und Betstunden) unter freiem Himmel viele Wochen mit Seufzen und Tränen abgehalten. Der Kirchhof war dazu etwas aufgeräumt und so viel wie möglich gesäubert worden.

Weil die Glocken auch zerschmolzen waren, so bediente man sich eines Glöckchens, das sonst auf dem Rathaus zum Zusammenrufen der Bürgerschaft gebraucht wurde und beim Brand zwar heruntergefallen, aber nicht geschmolzen war. Weil aber ein Stück heraus gesprungen war und nicht klang, sondern klapperte, schaffte man schließlich ein anderes kleines Glöckchen an, das man zum Gottesdienst und zu Beerdigungen gebrauchte, bis im Sommer des Jahres 1690 die neue Glocke wieder fertig war. Da hat man dann jenes Glöckchen als Uhrenglocke verwendet.

Statt der Kanzel (Predigtstuhl) aber hat man das Katheder des Schulrektors verwendet. Das hatte jemand herausgetragen und gerettet, als das Feuer auch die Schule ergriffen hatte. Das ging solange, bis das ganze verbrannte Gewölbe des Chorraums wieder repariert und bis zum Winter zum völligen Gottesdienste hergerichtet werden konnte. Es wurde dann wieder eine neue Kanzel ohne Zierat angefertigt und vor den Altar gesetzt, um darauf zu predigen; diese steht noch jetzt in der Hospitalskirche und wird benutzt.

Die Versammlungen waren aber manchmal zu klein, weil viele der hiesigen Bürger sich aus Mangel an Wohnung in die benachbarten Städte und Dörfer gewandt hatten, und sogar die Geistlichen selbst haben sich eine Zeit lang in Clingen oder auf dem Bodischen Hof aufge­halten.

 

§ 24. Je schmerzlicher es aber die gesamte Bürgerschaft empfunden hat, daß sie sich mit ihrem Gottesdienst - der sie doch in ihrer Trübsal trösten sollte - so kümmerlich behelfen mußte, desto mehr war ein jeder auf den Wiederaufbau der Kirche bedacht. Es wurden zeitweise einige Baumaterialien herbeigeschafft, zumal der Landesvater Christian Wilhelm sehr bald 1.000 Taler dazu gegeben hatte und auch durch Fürsprache bei anderen großen Herren milde Beihilfe erwirkte. Sie haben ihre Milde erwiesen ohne Voreingenommenheit und ohne Verlust ihres hohen Respekts.

Es sind folgende Herren, die geliefert haben: 100 Reichstaler Herr Graf Albrecht Anton zu Schwarzburg und Hohnstein in Rudolstadt, 10 Reichstaler der schwarzburgische Hofrat Wilhelm Friedrich Werner aus Sondershausen, 379 Reichstaler 1 Groschen 6 Pfennig die Handels­stadt Leipzig (wobei sich besonders die Herren Handelsleute als milde erwiesen und ein einziger allein 26 Groschen gegeben hat), 29 Reichstaler 20 Groschen die fürstliche Rentkammer zu Merseburg, 10 Reichstaler der Doktor der Medizin und öffentliche Professor Herr D. Berger in Leipzig (und zwar durch Vermittlung des vorher schon erwähnten Herrn Hofrats Werner), 40 Reichstaler die Grafschaft Stolberg, 52 Reichstaler 8 Groschen 7 Pfennig Amt und Stadt Franken­hausen, 202 Reichstaler 3 Groschen 6½ Pfennig aus dem Fürsten­tum Wolfenbüttel, 32 Reichstaler 19 Groschen 6 Pfennig aus der kaiserlichen freien Reichsstadt Mühlhausen (obwohl diese gute Stadt im Jahre 1689 selbst einen ­schrecklichen Brand erlitten hatte), 59 Reichstaler 18 Groschen aus dem Fürsten­tum Hannover, 19 Reichstaler 18 Groschen von Nordhausen, 80 Reichstaler aus der Mark Brandenburg. 59 Reichstaler 9 Groschen noch aus dem Fürstentum Wolfenbüttel usw.

Dies haben die ausgesandten Geldsammler einge­bracht. Damit auch der Anfang zu der Kirche und den anderen geistlichen Gebäuden gemacht werden konnte, verehrte dazu der Graf mit seinen Brüdern in Arnstadt aus dem Gehölz über dem Amt Gehren im Thü­ringer Wald 660 Stämme.

Man hatte schon viele Steine auf den (neuen) Friedhof geschafft, um auf ihm eine Kirche zu bauen. Die Zeichnungen der Kirche waren bereits gemacht. Der Bau sollte noch im selben Jahr anfangen. Doch die Steine wurden geprüft und verworfen, so daß aus der Kirche nichts wurde. Die übrigen Steine aber und die besonderen Werkstücke zu den äußeren Treppen, Türen und Fenstern, hat man teils freundlicherweise im Clingener Steingraben, teils hinter der Neustadt im Acker gebrochen.

Als die Mauer angefangen wurde, legte man an ihre Ecke an der Nordseite, wenn man in den Chorraum gehen will, ein schönes Quaderstück, auf dem die Buchstaben stehen: „C.W.E.Z.J. C.D.S.E.H. im Jahre 1688“. Das Mauerwerk wurde am 6. Oktober fertig.

 

§ 25. Wie aber die erste Kirche kaum innerhalb 59 Jahren gebaut wurde, also wird wohl auch zu der Erbauung der anderen notwendigerweise eine geraume Zeit erforderlich werden, nach dem allgemeinen Sprichwort: „Gut Ding will Weile haben!“ Nachdem nun (bis heute) einige Stücke an der Kirche sehr kostbar erbaut worden sind, so will ich davon anführen, so viel man erfahren konnte. Das Erste ist

 

I. Der Turm

§ 26. Weil in dem großen Brande nicht nur alles, was aus Holz war, zu Staub und Asche geworden war, sondern auch das Mauerwerk selbst viel Schaden genommen hatte, so kostete die Reparatur desselben eine große Menge. Jedoch wurde man damit im Jahre 1690 ganz fertig, wie die Jahreszahl bezeugt, die außen auf dem Dach steht.

Am 15. Juni des Jahres 1689 wurde der Greußener Zimmermeister Hans Rost beauftragt, auf die Mauern noch ein Stockwerk aus Holz zu setzen, in dem eine Wohnung für einen Hausmann oder Wächter ist. Er bekam dafür 110 Reichstaler. Die Arbeit wurde so angefertigt, daß am 25. November der Anfang mit dem Richten gemacht wurde und am 14. Dezember alles vollendet wurde.                                                                                                                     (26)

 

§ 27. Der Knopf aber auf dem hiesigem Kirchturm wurde am 4. August des Jahres 1690 durch den Schieferdeckermeister Hans Luttisch aus Sondershausen vormittags um 10 Uhr aufgesetzt. Er hat einen Umfang von 140 Zentimeter, es gehen 20 Eimer hinein und er wiegt 63½ Pfund. Das Vergolden aber kostete 15 Taler. Er ist mit der Hülse höher als ein Mann.

Als Nachricht wurde in die Hülse ein kupfernes Schächtelchen gelegt mit einer Schrift auf Pergament: „Am 4. August 1690 ist dieser Knopf auf den Kirchturm gesetzt worden, nachdem am 2. Juli 1687 die Kirche, der Turm und die ganze Mittelstadt erbärmlich in Asche gelegt worden waren. Damals regierte der hochlöbliche und hochgeborene Graf und Herr Christian Wilhelm, mit dem ganzen Titel einer der vier Grafen zu Schwarzburg und Hohnstein und Reichsgraf. Zum re­gierenden Rat gehörten Bürgermeister Theodor Tentzel und Bürgermeister Heinrich Bernhard Rhäse, Ratsmitglieder waren Johannes Christian Buhl, Christoph Gräser, Georg Barthel Wendt und Johann Tobias Lattermann.

Dem allmächtigen Gott sei Dank für diese Wohltat, er gebe Gnade, daß dessen heiliges Haus vor dergleichen schwerem Unglück bis an den lieben jüngsten Tag behütet werde. Wir alle aber leben jetzt in kummer­vollen Zeiten, weil nämlich fast die ganze Welt - besonders der deutsche Kaiser und das ganze deutsche Reich - mit dem Türken und dem mehr als barbarischen König Ludwig XIV von Frankreich als Bundesgenossen in Krieg verwickelt ist und auch Ungerechtigkeit und Falschgeld überall umhergeht.

Wir hoffen, daß durch die künftigen und besonders die gegenwärti­gen treuen Diener Christi - nämlich den philosophischen Magister Herrn Wolff Henrich Benjamin Mosch und den um die hie­sige Stadt und Kirche wohlverdienten Diakon Herrn Johann Kayser - das Wort Gottes rein und lauter ge­predigt wird und wir ewig selig werden mögen.

Es wurde auch am gleichen Tag der Turm und dessen Dach fertig. Darauf kamen 200 Zentner Schiefer zu je 10 Groschen 6 Pfennige. Dem Ziegeldecker aber, Meister Hans Lutjhen und dessen Bruder Nikolaus Lutjhen, wurden 52 Reichtaler Schieferdeckerlohn gegeben, einschließlich wie vereinbart zwei Eimer Bier, zwei Paar Schuhe und zwei Paar Strümpfe.“

 

II. Die Glocken

§ 28. Weil die früheren vier Glocken, nachdem sie bei dem Brand herunter auf das Gewölbe gefallen waren, gänzlich zerschmolzen waren, so mußte man die Bürgerschaft mit einem kleinen Glöckchen zum Gottesdienste zusammenrufen.

Zunächst geschah dieses durch ein Glöckchen, das man sonst auf dem Rathaus zum Zusammenrufen der Bürgerschaft gebrauchte, das beim Brand zwar herunter gefallen war, aber doch nicht zerschmolzen war. Weil aber doch ein Stück heraus gebrochen war, so klang es nicht, sondern es klapperte nur. Danach aber beschaffte man ein anderes und gebrauchte es sowohl zum Gottesdienstgeläut als auch zum Leichengeläut so lange, bis die neuen Glocken gegossen wurden. Danach hat man jenes Glöckchen für die Turmuhr genommen.

 

§ 29. Im Monat August des Jahres 1690 aber wurden in dem gräflichen Gießhaus zu Sondershausen vier schöne, neue Glocken, gegossen, die jetzt noch auf dem hiesigem Turm zu sehen sind.

Die erste Glocke, die 38 Zentner wiegen soll, wurde gegossen in Gegenwart des Grafen Christian Wilhelm, dessen Hofstaat, vieler anderer vornehmer Leute und der hiesigen Bürgermeister Heinrich Bernhard Rhäse und Johann Christian Buhl. Die Schrift aber, die daran stand, war folgende:

Oben herum: „Als während der Regierung des hochgeborenen Grafen und Herren, Herrn Christian Wilhelm IV., Reichsgraf, Graf zu Schwarzburg und Hohnstein, Herr zu Arnstadt, Sondershausen, Leutenberg, Lohra und Klettenberg, durch Gottes Verhängnis die Stadt Greußen, samt Kirche, Schule, Pfarrhaus und Rathaus und auch anderen Bürgerhäusern, so weit sie innerhalb der Ringmauer gestanden haben, auf Mariae Heimsuchung, am 2. Juli 1687, ganz abgebrannt ist und alle Glocken zerschmolzen sind, so ist im Monat August des Jahres 1690 bei noch währender, Gott gebe glücklicher Regierung oben hochgedachter hochgräflicher Gnaden, diese Glocke als erste in dem erbauten gräflichen Gießhaus zu Sondershausen - Gott zu Ehren - von Meister Hans Heinrich Rausch und Hans Christian Geyer, Glockengießer aus Erfurt, gegossen worden“.

In der Mitte steht auf der einen Seite das schwarzburgische Wappen mit dieser Umschrift:

„Christian Wilhelm der IV., Reichsgraf, G. Z. S.V. H. H. Z. A. S. L. L. V. K.“ Auf der anderen Seite aber steht das fürstlich-sächsische Wappen mit dieser Umschrift: „Wilhelmina Christiana, geborene Herzogin zu Sachsen, J. C. V. B. V. Gr. Z. S. V. Hohnstein“.

Unten herum aber ist zu lesen: „Als diese Glocke gegossen wurde, sind im Ratsstand gewesen: Bürgermeister Theodor Tentzel, Heinrich Bernhard Rhäsa, Johannes Christian Buhl,

Christoph Gräser, Georg Barthel Wende, Johann Tobias Lattermann, jetzt regierender C II. J.,

Br. Volkmar Bode, Br. Christoph Schuchardt, Benjamin Zahn, Johann Andreas Herzog, Tobias Sachse, Benjamin Magen, C III. J., Br. Friedrich Ludewig, Br. Philipp Magen, Tobias Pfündel, George Christian Fornfeist, Tobias Christian Magen und Jakob Wüstemann“.

Für diese Glocke wurde im Jahre 1725 ein neuer Klöppel gestiftet, der 79 Pfund wog und - weil das Pfund mit 1 Heller und 9 Pfennig bezahlt wurde - 5 Taler 18 Heller 3 Pfennig kostete.

 

§ 30. Die beiden anderen wurden auch am 21. August gegossen. Die erste wiegt 18, die zweite aber 9 Zentner. Am 31. dieses Monats wurden diese drei Glocken aus Sondershausen abgeholt. Die kleine Glocke führte das Gespann des Hans Christoph Walther, die andere das Gespann des Meisters Hans Tobias Barthel und die dritte das Gespann des Herrn Johann Christian Buhl. Auch hat man danach in Erfurt die vierte Glocke gegossen, die nur 4½ Zentner wiegt. Die Gießer bekamen für den Zentner zu je 100 Pfund zwei Taler, dazu zwölf Taler für die Kost, doch wurde ihnen nichts mit ins Feuer (?) gegeben, wozu sonst das 100. Pfund gerechnet wird.                                                               (27)

Nachdem die Glocken nun am erwähnten 31. August glücklich hierher gebracht worden waren, wurden sie auch am 3. September aufgehängt und mittags 12 Uhr zur Brautmesse des Herrn Sekretärs Johann Jacob Schilling und der Jungfrau Sophia Hase zum erstenmal geläutet.

Nach erfolgter Trauung aber wurden sie bis abends 10 Uhr und am folgenden Tag von früh 4 Uhr bis mittags 10 Uhr durch 24 Männer ohne Aufhören geläutet und wurden in dieser Probe für gut befunden. Es bekamen diese Läuter nur ein Stück Essen und etwas zu Trinken. Weil aber alles schwer zu bewegen war, wurde es ihnen so sauer, daß ihnen zum Teil die Hände bluteten. Doch taten sie es mit Freuden und das Frohlocken der Bürgerschaft war dabei unbeschreiblich.

Am Freitag, dem 5. September, und am Sonntag, dem 7. September (dem 11. Sonntag nach Trinitatis), wurden die Glocken zum ersten Mal zum öffentlichen Gottesdienst geläutet. Deswegen hat am ersten Tag der Diakon Kayser und am anderen Tag der Pfarrer Mosch Gott dem Herren drei Stunden lang gedankt. Dabei führte besonders dieser an, daß er vor genau vier Jahren auf diesen Sonntag seine Gastpredigt und am 14. Tag nach Michaelis seine Einzugspredigt in der damals sehr schönen Kirche gehalten habe, welche aber etwa ¾ Jahr danach so jämmerlich eingeäschert wurde.

Zur vierten Glocke kam noch eine Uhrglocke für den Viertel­schlag. Danach wurde am 29. September eine Sammlung unter der Bürger­schaft veranstaltet, die 36 Reichstaler und 12 Groschen erbrachte. Beide waren am 18. Oktober in Sondershausen gegossen worden und wurden hierher geholt. Die erste wurde am 31. Oktober glücklich auf den Kirchturm gebracht.

 

III. Die Mauern

§ 31. Die Mauern der Kirche wurden zuerst angefangen. Dazu nahm man die Steine, die für die geplante Friedhofskirche angeschafft worden waren. Obwohl sie von Grund auf neu aufgebaut wurden, so haben sie doch keinen Bestand gehabt, denn sie haben nicht viel über 20 Jahre gestanden. Da waren sie schon an allen Stellen gerissen und hatten sich verzogen. Deswegen hat man sie im Jahre 1710 wieder abreißen müssen und ein ganz neues Fundament gelegt. Darauf wurde die Kirche so gebaut, wie sie jetzt vor Augen steht. Das Teil nach der Herrengasse zu wurde zuerst angefertigt, zusammen mit dem Dach. Das folgende Jahr aber wurde mit dem Bau angehalten und neue Materialien wurden herbei geschafft. Im dritten Jahr wurde auch der Teil an der Südseite zustande gebracht.

 

§ 32. Weil die Schwibb-Bogen in der Mitte sehr niedrig und noch nach der alten Mode spitz waren, wurden sie mit großer Mühe ausgebrochen und in die Höhe geführt wie sie jetzt sind, mit einer weiten Rundung, wodurch die Kirche ungemein licht und hell geworden ist.

 

Chorraum (Ergänzung auf Seite 29:)

Am 2. August 1693 fing man an, den Chorraum in der Kirche um einige Schuh hoch zu erhöhen und mit Stein auszulegen, daß er gleichmäßig hoch würde, weil er seit dem Brande noch immer unausgebessert blieben war. Dabei fand man im Chorraum - auf den Brettern liegend - verfallene Steine, die zum großen Teil so weit verbrannt waren, daß die Buchstaben und was an Verzierungen daran gewesen war, ganz abgesprungen waren. Die berühmtesten waren die drei Grabsteine des seligen Herrn Bürgermeisters Josias Thaler, des Herrn Bürgermeisters Ernst Elias Hauser und dessen Tochter der ersten Ehefrau, die gleich zwischen dem kleinen Chorraum und der Sakristeitür lagen.

 

IV. Der Sitzplatz für den Rat (der „Ratsstand“)

Weil der Ratsstand vor dem Brand unter dem Chore ge­wesen ist (wie es bereits oben in § 12 angeführt ist), so wurde von der gnädigsten Herrschaft am 29. Juni 1691 besonders befohlen, daß dieser Raum für die Abendmahlsteilnehmer frei bleiben sollte. An seiner Stelle sollte der zweite und dritte Schwibb‑Bogen gegenüber der Kanzel als Amts­stand für die Ratspersonen genommen werden. Die Personen, die bis dahin dort gestanden haben, sollten unter der Orgel und wo sonst Raum vorhanden war ihre Stelle bekommen. Dagegen hat sich auch niemand aufgelehnt. So bekamen die Abendmahlsteilnehmer zur besseren An­dacht und Bequemlichkeit diesen recht hellen und lichten Platz.

 

Kirchenplätze (Ergänzung auf Seite 30:)

Im Jahre 1691 wurde verordnet, daß jede Kirchenbank („Kirchenstand“) für die Männer unter dem Schwibb‑Bogen und in der ersten Reihe mit zwei Talern bezahlt werden soll, die in der zweiten Reihe mit einem Taler und die in der dritten mit 16 Heller. Weil die besten Bänke sehr begehrt waren, so ergab diese Gebühr eine beträchtliche Summe, für die man Bretter und Holz für diese Kirchenbänke kaufen konnte. Am 29. Juni wurden auch die neu gebauten Frauenbänke ver­lost, in den mittleren Reihe für einen Taler, wenn es aber hinter den Pfeilern war für 16 Heller, in den Nebenreihen aber je nachdem für 12, 8 oder auch 6 Heller.

 

IV. Die Kanzel

§ 33. Als man nach der Einäscherung der Kirche den Gottesdienst auf der Brandstelle verrichten mußte, bediente man sich anstatt der Kanzel des Lesepults (Katheder), das der Rektor sonst in der Schule gebraucht hatte und das von jemanden herausgetragen worden war.

Nachdem aber vor dem Winter das Chorgewölbe wieder repariert war und zur Übung des völligen Gottesdienstes einige Vorbereitungen gemacht worden waren, wurde vorläufig eine neue Kanzel ohne allen Zierat angefertigt und vor den Altar gesetzt, daß man darauf die Predigten halten könne. Schließlich brachte man sie dann auch an die gewöhnliche Stelle der Kanzel. Zum Pfingstfest am 30. Mai 1691 wurde zum erstenmal darauf gepredigt.

 

§ 34. Im Jahre 1709 aber ließ Herr Johann Andreas Herzog, damaliger Oberbürgermeister und Bau-Inspektor, aus seinen eigenen Mitteln bei dem Bildhauer Schwanhold in Kindelbrück die schöne Kanzel anfertigen und aufbauen, wie sie noch jetzt steht. Die vorige dagegen nahm man ab und setzte sie in die Hospitalkirche, wo sie denn auch noch auf den heutigen Tag steht und benutzt wird.

 

V. Die Leuchter

§ 35. Es gibt drei große Hängeleuchter in der hiesigen Kirche, die alle von frommen Christen aus besonderer Mildtätigkeit verehrt wurden.

Den ersten, der nicht weit von der Kanzel hängt und 12 Taler gekostet hat, spendete die hiesige Handwerker-Innung der Bortenmacher (Posamentierer). Sie brachten ihn mit von der Leipziger Michaelismesse. Er wog 32 Pfund und 60 Gramm, jedes Pfund zu 9 Heller, was 12 Taler ausmacht, abgesehen von dem übrigen Gewicht und dem Fuhrlohn. Am 23. Dezember 1690 wurde er aufgehängt und am nächsten Tag wurden die Lichter drauf gesteckt.

Den anderen in der Mitte ließ Herr Johannes Ernst Heinrich, damaliger Stadtschreiber und vorher Bürgermeister in Clingen, hier machen.

Und den letzten, nach der Orgel zu hängend, hat im Jahre 1700 ein gewisser Herr von Fittingshofen gestiftet, angestellter Kammerherr bei dem Kurfürsten zu Sachsen. Er tat es, um sich erkenntlich zu zeigen, weil man seinem seligen Herrn Sohn, Herrn .......... von Fittingshofen, eine Grabstätte in der hiesigen Kirche gestattet hatte.                                                   (28)

 

VI. Der Almosen‑Stock

§ 36. Den Almosen‑Stock ließ Herr Bürgermeister Rhäsa am 11. September 1690 mitten in die Kirche setzen, falls jemand zu Gottes Ehre und zum Bau des Gotteshauses etwas hinein legen wollte. Deshalb wurde auch daran geschrieben: „Erbarmet euch mein, denn die Hand des Herrn hat mich gerührt“. Der Bürgermeister selbst machte den Anfang mit dem Spenden, und drei bis vier Personen folgten gleich. So wurde es Brauch, daß bei allen Kindtaufen und Trauungen von jeden Gast etwas hineingesteckt wurde, und auch wohl von Fremden, die die Kirche besichtigten. Ja, als am 16. September der hiesige Herbstjahrmarkt war, besahen viele Fremde und auch Einheimische die neuen Glocken und legten dabei in diesen Stock reichliche Gaben.                                                                                                                                           

 

VII. Die Orgel

§ 36. Die Orgel ist, wie sie jetzt vor Augen steht, ein so schönes und vollkommenes Werk, wie es eine gleiche im hiesigem Land nicht viele geben wird. Jedoch ist sie nicht auf einmal in diesen Zustand gebracht worden.

Zuerst kaufte die Handwerks-Innung der Tuchmacher im Jahre 1687 in Ohrdruf ein schönes Positiv und verehrte es der hiesigen abgebrannten Kirche. Es wurde im selbem Jahr zum Weihnachtsfest zum erstenmal im Gottesdienst gebraucht. Im Jahre 1691 aber wurde es hinauf auf die neue Empore für den Singechor gebracht und am 10. Sonntag nach Trinitatis wurden die Schullehrer und Schüler und Musikanten dahin gewiesen, so daß zum erstenmal wieder dort musiziert wurde.

So wie man aber an der neuen Kirche immer ein Stück nach dem anderen hinzufügte, so war man dann auch auf ein vollkommenes Orgelwerk aus. Deshalb schloß das Konsistorium in Sondershausen am 27. Juli des Jahres 1701 einen Vertrag ab mit Tobias Gottfried Trost, Orgelmacher in Halberstadt: Er sollte für die hiesige Kirche ein vollständiges Orgelwerk anfertigen für 1.000 Taler bares Geld.

Er versprach, das Werk innerhalb von eineinhalb Jahren anzufertigen. Er sollte alle Materialien selbst anschaffen, wie Zinn, Blei, Holz, Draht, Eisenblech und alles, was zu den Pfeifen und Innenausbauten gehört. Der Rat aber mußte beschaffen, was zur Arbeit der Bildhauer, Tischler, Zimmerer und Mauer nötig war und die Eisenteile und das Holz zum äußeren Aufbau und den Zierrat der Orgel.                                                                                     (30)

Im Jahre 1687 ordnete der Graf an, daß in dem gesamten Lande an den vierteljärlichen Buß‑, Bet‑ und Fastentagen eine durchgehende Kollekte für die hiesige abgebrannte Kirche gespendet wurde, die dann einen bedeutenden Betrag erbrachte.                                                   (32)

 

Das V. Kapitel.

Von einigen anderen zur Kirche gehörenden Dingen

 

I. Von dem Patronatsrecht über Kirchen und Schulen in Greußen

 

§ 1. Wenn heute in der Kirche oder Schule hier eine freie Stelle zu besetzen ist, so steht dem Fürsten in Sondershausen das Vorschlagsrecht zu, dem hiesigen Stadtrat aber das Recht zur Berufung. So übt jeder sein jeweiliges Recht aus. Es wird wohl von alten Zeiten her mit diesem Recht die gleiche Bewandtnis gehabt haben, sowohl unter dem Landgrafen in Thüringen als auch unter dem Grafen von Hohnstein.

Von diesem kam das Berufungsrecht im Jahre 1262 an den Abt und das Kloster zu Ilfeld.

Graf Heinrich II. von Hohnstein verschenkte aber im gleichen Jahr dieses Recht über einige andere Dörfer an das Kloster Ilfeld. Diese Schenkung hat der Erzbischof Gerlach zu Mainz in Heiligenstadt auf dem Eichsfeld bestätigt.

Auch im Jahre 1333 wurde dem Abt Albert und dem Kloster zu Ilfeld das Patronatsrecht über einige Kirchen, darunter auch Greußen, von dem Erzbischof zu Mainz mit diesem Briefe bestätigt: „Heinrich, von Gottes Gnaden Erzbischof des heiligen Sitzes zu Mainz, Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches, den Freunden in Christus und dem Konvent des Prämonstratenser-Klosters in Ilfeld in der Diözese Mainz. Gruß im Herrn.

Justis utentium desideriis dignum est, nos facilem praebere consensum. et vota, quae ae rationis tramite non discedant, effectu prosequente complere. Ea propter vestris de votis precitus inclinati, obtentu quoque dilecti fidelis nostri, Henrici, nobilis viri, Comitis de Hohnstein, cujus precibus nolumus refragari anthoritate praesentium vobis indulgemus, et pachoriales Ecclesiae in villis Grüzen, Holtz Engilde, Veldengilde, Bercka, Belstethe, Hesserode, Sundhausen, Girsbuchesrode, Saxwerffen, Vockenrode, quarum Jus Patronatus progenitores sui, qui vestrum monasterium fundaisse noscu utriu, ac ipsenet, nec non alii Ecclesiae vestrae fautores, verbis vestrisque Jucathoribus contuierunt, habentis in perpetuum pleno jure, ita, quod officietis easdem per idoneos per terras domus vetrae, aut fratres, jura tam Archidiaconi, quod nostro per omnia nobis salvo proventus ipsarum ecclesiarum parochiarum in usus praepositos licitae convertantes. Nulli igitur omnino hominum liceat hanc paginam nostram concessionis infringere, seu ei ausu temerario contra ire. Si quis autem hoc attemptaverit, seu attemptare prae sum ferit, indignationem omnipotentis Dei, et beati Martini, ac nostrum se noverit in cursurum. Gegeben im Jahr Datum 1333, dem 16. September (am dritten Tag nach den Iden des September).                                                                                                                        (33)

 

§ 2. Wie lange aber dieses Recht von dem erwähnten Abt und Konvent ausgeübt wurde und wie es wieder an das Haus Schwarzburg gekommen ist, habe ich nirgends gefunden. Der verstorbene Herr Andreas Toppius sagt zwar, die Berufung der Pfarrer habe dem Abt zu Ilfeld zugestanden bis ins Jahr 1433. Von da an habe man die Pfarrer zu Greußen berufen ohne den Abt.

Dem steht aber entgegen eine alte Nachricht, die sich auf dem hiesigem Rathaus befindet und im Jahre 1450 aufgezeichnet wurde, in der es gleich am Anfang heißt: „Nach altem Herkommen hat der Rat zu Greußen einen Pfarrer angenommen und eingeführt im Beisein zweier Ratsherren. Der Ablauf soll so sein: Der Pfarrer soll vor den Rat zu Greußen einen Brief bringen von unserem gnädigen Herrn Graf Heinrich zu Schwarzburg. daß es seiner Gnaden Gunst, Wissen und Wille sei, und unser gnädiger Herr in dem Brief begehrt und bittet für den Pfarrer, ihn aufzunehmen.

Wenn der Pfarrer diesen Brief den Räten gebracht hat, so pflegen sie ihn zu berufen nach altem Herkommen. Sie wollen es bleiben lassen bei den Satzungen, besonders daß er die Pfarrer lassen wolle in redlicher Amtsführung, um in der Kirche Gottesdienst zu halten und die Messe zu singen und zu lesen, und auch das Pfarrhaus in gutem Bauzustand erhalten, Dach und Schwellen, und anderen Notreparaturen usw.“

Daraus kann man sehen, daß damals - so wie heute - das Präsentationsrecht bei dem Grafen Heinrich zu Schwarzburg gelegen hat, das Berufungsrecht aber bei dem Rat von hier. Weil es aber im Jahre 1450 schon hieß, daß es also gehalten wurde „nach altem Herkommen, Recht und Satzungen“, so kann das Kloster Ilfeld dieses Recht nicht bis zum Jahre 1433 ausgeübt haben, denn von einer Zeit von 17 Jahren kann es nicht heißen: „nach altem Recht und Herkommen“.

Jedoch ist aus einem Vergleich, der im Jahre 1450 zwischen dem hiesigen Pfarrer und dem Rat aufgerichtet wurde (und in Kapitel VI. § 2 angeführt werden soll) zu ersehen, daß der Abt in Kirchenangelegenheiten hier damals noch sehr viel gegolten hat.

 

II. Von den Einkünften der hiesigen Kirche

 § 1. Früchte, die im Sack geliefert werden:

  • 248 Scheffel Getreide, halb Weizen und halb Gerste, von mehr als 8½ Hufen Pfarr- und Vikareiland, von denen die meisten Hufen nur 40 Scheffel, einige aber auch weniger geben. Weil diese Hufen mit der Zeit verkauft wurden, so muß nun ein jeder Eigentümer seinen Anteil entrichten. Jedoch sind im Nachhinein diese Äcker auch mit Steuer belegt worden.
  • 48 Scheffel Roggen, Gerste und Hafer, von vier Hufen, die im Grüningischen Feld liegen und vom hiesigen Rat verpachtet werden, und gibt jedes Viertel einen Scheffel Roggen, einen Scheffel Gerste und einen Scheffel Hafer.          
  • 7¾ Scheffel Korn und Gerste, von einzelnen Äckern in Greußen und Clingen.
  • 48 Scheffel Zehnt von Holzengel, davon 16 Scheffel gemengtes Korn oder Roggen, 16 Scheffel Gerste und 16 Scheffel Hafer. Diese gibt die Gemeinde von guten Körnern und muß sie - nach dem Vertrag vom 25. Januar (Tag der Bekehrung des Paulus) im Jahre 1558 - um den 2. Februar (Tag der Reinigung Marias) herum auf ihre Kosten und auf einmal herschaffen. Den Überbringern wird hier, von dem Herrn Rektor und dem Herrn Kantor, die diese Früchte bekommen, eine Mahlzeit gegeben, und sie bekommen auch 27 Kannen Bier mit nach Hause, die ihnen der Braupächter gibt, der die Bezahlung dafür aus der Kirche empfängt.     

 

§ 2. An Wachs 29 Pfund und 2 Viertel, teils für Wohnhöfe oder Hofstätten, Äcker, Gärten, Weinberge, oder auch für herrschaftliche Kühe und Schafe.

 

§ 3. An Geld: Die Erbzinsen aus dem Jahre 1601, nämlich 14 Gulden 8 Groschen und 8 Heller.                                                                                                                                       (34)

 

III. Von den Schenkungen und Vermächtnissen für die hiesige Kirche

§ 4. Es haben sich auch jederzeit fromme Grafen gefunden, die ihre Milde gegen die hiesige Kirche bezeugt haben und ihr sowohl an Geld als auch an Liegenschaften etwas vermacht haben, auch das eine und das andere Stück in ihr gebaut oder hineingeschafft haben,

beispielsweise

  1. Am Donnertag nach dem 1. September (Aegidius) des Jahres 1506 teilte Claus Beinhards Frau vor dem Amtmann zu Clingen, Veit von Witzleben, und vor drei Räten mit, daß alle ihre nachgelassenen Güter dem Herrn Patron und Bischof Sankt Martin übertragen und gegeben sein sollten, so daß niemand von ihren Verwandten etwas davon sollte zu fordern haben. Es haben die Güter auch empfangen Karsten Heine und Hans Tuthorn, die Vormundschaftspfleger von Sankt Martin.
  2. Ebenso tat auch am Sonntag nach dem 5.Februar (Vitus) des Jahres 1515 Klaus Beinhardt mit seiner Ehefrau Apollonia und vermachten alles, was sie nach ihrem Tode hinterlassen wür­den, der Pfarrkirche Sankt Martin. Nachdem sie verstorben waren, wurde ihre ganze Hinterlassenschaft, nämlich Haus, Hof, Weinberg, ein Acker Landes, Hausgeräte und alles, was im Haus gesucht und ungesucht war, nichts ausgeschlossen, für 100 Gulden an Friedrich Winter übertragen und dieses Geld der Kirche übergeben.
  3. Am 9. März des Jahres 1590 schenkte Hans Günther Urban, derzeit Rentmeister auf der Sachsenburg, des Herrn Mattheus Postille in die hiesige Pfarrkirche, zu des allmächtigen Gottes Ehre und Fortpflanzung der reinen Lehre, besonders aber des Augsburgischen Bekenntnisses, daß sie in der Kirche bleiben sollte. Diese wurde aber im Jahre 1630 bei dem Einfall und den Kriegshandlungen Tillys aus der Sakristei mitgenom­men und auf dem Kirchhof hingeworfen, wodurch sie am Einband und den Blättern übel zerrissen und verderbt wurde, wie sie noch jetzt vorhanden ist.
  4. Am 6. September des Jahres 1598 verehrte Herr Johann Schmidt, Verwalter zu Schlot­heim, der Kirche ein neues Kreuz, das bei Bestattungen vor den Leichen hergetragen wird.
  5. Am 18. August des Jahres 1602 gab Herr Bürgermeister Heinrich König einen Bratenwender mit sechs Spießen, die auch ein Knabe wenden konnte, 24 Taler wert, an die Kirche. Er sollte gegen eine Gebühr zu Kindtaufen und Hochzeiten und wo er sonst begehrt werden sollte, ausgeliehen werden. Weil er sowohl hier als auch an anderen Orten oft gebraucht wurde, und man für den halben 6 Groschen, für den ganzen Wender aber 12 bis 16 Groschen zu geben pflegte, hat er der Kirche viel eingebracht, bis er schließlich am 2. Juli 1687 in dem großen Brand Schaden gelitten hat, so daß er jetzt zwar noch in der Kirche ist, aber unbrauchbar ist.
  6. Am 12. Dezember 1607 hat Herr Johannes Grüning einen Stern mit dem Christkind, den man mit zwölf Lichtern bestecken kann und in der Christmette gebrauchen sollte, der Kirche geschenkt.
  7. Im Jahre 1625 hat Meister Jost Becker, der Schlosser, dreiviertel Weinberg am Warthügel der Kirche und das Gärtchen in der Rittergasse der Diakonatsstelle vermacht.
  8. Im Jahre 1631 ließ Meister Thamm eine silberne Kanne von 50 Loth Gewicht machen und gab sie in die Kirche zum Gebrauch beim Heiligen Abendmahl. Diese wurde aber bei der Plünderung in der Pfingstwoche mitgenommen.
  9. Nachdem auch in dieser Plünderung die Kelche weggekommen waren, hat Herr Hofrat Volkmar Happe einen anderen Kelch zu 62 Loth machen lassen, der mit dem Vergolden und Macherlohn 60 Gulden gekostet hat und am 15. Sonntag nach Trinitatis zum erstenmal gebraucht wurde.
  10. Im Jahre 1633 hat Maria Roßler, Ehefrau des Andreas Roßler, den halben Kelch, gegeben.
  11. Am 11. September 1653 aber Frau Elisabeth Dorothea, Ehefrau des Herrn Bal­thasar Thammer, des verstorbenen Turmvogts in Magdeburg, einen vergoldeten Silberkelch zu 52 Loth gegeben, jedoch mit der Bedingung daß ihr einst eine Grabstätte im Chor­raum möchte vergönnt werden. Das wurde ihr dann auch versprochen - durch das Entgegenkommen des Konsistoriums zu Ebeleben - durch den damaligen Pfarrer, Herrn M. Dreyschärf.
  12. Im Jahre 1682 gab Frau Martha Thal geborene Tentzel, die Witwe des verstorbenen Herrn Josias Thal, hiesiger Bürgermeister, zum christlichen Gedächtnis dieses ihres verstorbenen Ehemanns, den großen Kelch und den Brotteller (Patene) zu 92 Loth in die hiesige Kirche, der auch noch jetzt noch gebraucht wird an den großen Festtagen und wenn es viele Abendmahlsteilnehmer sind.
  13. Am 5. Januar 1683 schenkte Wenzel Bühl, Bürger und Pelzwarenhändler in Leipzig, der hiesigen Kirche 30 Taler 12 Groschen, die er hier bei Herrn Christof Zahn, Bürger und Kürschner, für verkaufte Waren zu fordern hatte.                                           (35)

 

IV. Von den Kirchen- und Schulüberprüfungen (Visitationen)

§ 6. Weil es die hohe Obrigkeit dieses Landes sich allezeit hat höchst angelegen sein lassen, daß in Kirchen und Schulen eine gute Ordnung gestiftet und erhalten werde, so hat sie es auch nicht an nötigen Überprüfungen der Kirchen und Schulen vor Ort mangeln lassen und beide, wenn es nötig gewesen ist, besucht und überprüft. Wann und in welchen Jahren dieses hier geschehen ist und was etwa bei der einen und der anderen im Besonderen vorgenommen wurde, soll hier angeführt werden, so weit man darüber eine Nachricht finden kann.

 

§ 7. Die erste Überprüfung („Visitation“) geschah im Jahre 1533. Damals fing in den hiesigen Landen das Licht der evangelischen Wahrheit an, aus den päpstlichen Finsternissen vollkommen hervorzubrechen. Deshalb hatte man auch hier im Jahre 1532 einen außerordentlichen Prediger, Herrn Johann Thal, zu dem Zweck angenommen, obwohl man sich wegen der großen Verfolgung Herzog Georgs in Leipzig noch nicht öffentlich zu Luthers Lehre bekennen durfte. Damit nun Graf Günther XL. diese Lehre bestmöglichst fördern konnte, wurde im erwähnten Jahr diese Überprüfung vorgenommen, jedoch nicht allein hier, sondern auch im ganzen Land.

 

§ 8. Im Jahre 1553 geschah wieder eine Überprüfung. Sobald Herzog Georg im Jahre 1539 zu Leipzig gestorben war und sich die Anhänger und Bekenner der Lehre Luthers hervorwagen durften, so nahm man auch hier zu Greußen die Kirchen-Ordnung („Agenda“) an, die sein Bruder Herzog Heinrich im Jahre 1536 in Wittenberg hatte drucken lassen. Diese Ausgabe ist noch in hiesiger Kirche zu finden. Ja, bei jener Überprüfung wurden alle Pfarrer des Landes angewiesen, diese zu gebrauchen.

 

§ 9. Im Jahre 1575 wie auch im Jahre 1587 wurden wieder wie im ganzen Land, also auch hier in Greußen Überprüfungen vorgenommen, was aber dabei insbesondere vorgenommen wurde, ist nicht aufgezeichnet.

 

§ 10. Dagegen wurde im Jahre 1615 auf Befehl der damals regierenden Landesherren, nämlich Graf Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, wieder eine Überprüfung vorgenommen, weil seit dem Jahre 1587 keine gehalten worden war und weil so lange eine gewünscht worden war. Sie geschah im ganzen schwarzburgischen Land nicht nur allgemein, sondern auch sehr feierlich, wodurch sowohl die Lehrer als auch die Hörer in Kirche und Schulen an ihre Pflicht erinnert wurden.

Die Herren Visitatoren waren der Dekan in Sondershausen Herr Johannes Götze, die Diakone in Arnstadt M. Johannes Schuckel und M. Bartholomäus Bermel, sowie die Herren Johann Georg von Saalfeld und Christoph Lappe. Der Notar war der Doktor beider Rechte Johannes Heune.

Der Anfang wurde in Arnstadt gemacht, wo Herr Johannes Götze am 17. September, dem 15 Sonntag nach Trinitatis, in der Barfüßerkirche aus 2. Korinther 17, Vers 6-10, zuerst eine Predigt hielt. Darauf wurde am 21. September in Arnstadt eine Überprüfung vorgenommen. Dabei mußten die benachbarten Prediger von den Dörfern mit prüfen helfen.

Hier zu Greußen aber geschah die Überprüfung am 31. Oktober und den 1. und 2. November. Nach­ dieser Überprüfung hat Herr Johannes Götze die neue, aus XII. Artikeln bestehende Gräflich-Schwarzburgische Kirchenordnung angefertigt. Diese wurde zur Grundlage der anderen, im Jahre 1649 veröffentlichten und noch bis heute beachteten Kirchen-Ordnung.          (36)

 

§ 11. Weil danach durch das Kriegsgeschehen das einfache Volk sehr verwildert und zumal eine freche und unbändige Jugend aufgewachsen war, die sich weder regieren noch zum Guten anweisen lassen wollte, so hat der Graf Herr Ludwig Günther zu Ebeleben aus landesväterlicher Sorge in seinem Land eine allgemeine Überprüfung angeordnet, die in der Kirche und Schule zu Greußen am 8. und 9. Juli 1656 gehalten wurde.

Die Herren Visitatoren waren damals Herr Pfarrer Valentin Buhl und die Beisitzer des Konsistoriums zu Ebeleben, der Pfarrer in Groß- und Kleinbrüchter M. Paulus Held, der Gräflich Schwarzburgische Stallmeister in Ebeleben Herr Christof Marschall und der Gräfliche Hof- und Justiz-Rat in Ebeleben Herr Christian Schmidt.

 

§ 12. Auch im Jahre 1686 hat der nun in Gott ruhende Fürst Herr Christian Wilhelm das Gleiche getan. Dabei sind Kommissare gewesen Herr Gustav Christian Happe, kaiserlicher Hofpfalzgraf, gräflich schwarzburgischer Kanzler und Präsident des Konsistoriums zu Sondershausen, und Herr Georg Friedrich Meinhard, Doktor der Heiligen Schrift, gräflicher Superintendent und Pfarrer zu Sondershausen und erster Beisitzer des dortigen Konsistoriums.

 

§ 13. Endlich ist auch unser jetziger teuerster Landesvater, der Fürst zu Schwarzburg Herr Günther, wie ein weiser Salomo in die preiswürdigen Fußtapfen seines Herrn Vaters getreten, der ein gottseliger David war. Er hat gleich zum Anfang der Regierung im Jahre 1721 eine solche Kirchen- und Schulüberprüfung angeordnet, um in Zukunft alles in seinem Land in gute Ordnung zu bringen, damit Gottes Wort und Ehre überall in ihnen reichlich wohnen möge.

Dabei waren Kommissare Herr Caspar Paulus Jahn, kaiserlicher Hofpfalzgraf und fürstlich schwarzburgischer Hof- und. Justiz-Rat, und Herr Michael Heinrich Reinhard, der Heiligen Schrift Doktor, und fürstlich schwarzburgischer hochverdienter Superintendent und auch Pfarrer in Sondershausen und Beisitzer des dortigen Konsistoriums. Der Herr des geistlichen Zions unserer Lande segne ferner diesen seinen Gesalbten und sei allen seinen Gewaltigen ein Schild und sehr großer Lohn!

 

V. Von besonderen Festen (wie Bußtagen), angeordneten Betstunden und besonderen Anordnungen.

§ 14. Am 31. Oktober wie auch den 1. und 2. November 1617 wurde hier das erste Evangelische Jubelfest hochfeierlich feierlich begangen und gehalten, weil vor 100 Jahren das teure und auserwählte Rüstzeug Gottes, der verstorbene Doktor Martin Luther, seine erste gelehrte Streitrede (Disputation) gegen den schändlichen päpstlichen Ablaßkram und andere Greuel angeschlagen hatte.

Weil uns nun Gott durch die geschehene Reformation besonders den rechten Gebrauch seines allerheiligsten Testaments wiedergegeben hatte und seine Kirche von den vielfältigen Mißbräuchen befreit hatte, so wußte man seiner Gnade und Barmherzigkeit nicht genug dafür zu danken und pries ihn deswegen mit großem Frohlocken drei ganze Tage.                              (37)

Die gesamte Bürgerschaft wurde durch eine gedruckte öffentliche Ankündigung dazu eingeladen. An jedem Tag wurden zwei Predigten zu besonderen Texten gehalten. Bei der Frühpredigt kam jeden Tag der ganze Rat mit seiner Bürgerschaft in einer Prozession von dem Rathaus in die Kirche. Es wurde in dem Gottesdienst musiziert, so gut man konnte und wußte.

Die beiden Pfarrer hier waren damals Herr M. Christoph Grosspitz, der selbst bis zum Jahre 1604 im Würzburgischen ein päpstlicher Priester gewesen ist, und der andere Herr Paulus Seitz.

 

§ 15. Im Jahre 1626 wurde eine besondere Verordnung erlassen, daß man in der Woche, dienstags und freitags, nach der Predigt, eine Betstunde halten sollte wegen des hereinbrechenden Krieges. Dabei hatte der verstorbene damalige Superintendent zu Sondershausen Herr D. Glass nicht allein das Aufforderungsschreiben, sondern auch das Gebet selbst entworfen und aufgesetzt.  

 

 § 16. Ebenso hielt man am 25., 26. und 27. Juni 1630 das große Evangelische Jubelfest zum Dank, den man schuldig war für die wunderbare und gnädige Erhaltung der reinen Lehre, die vor hundert Jahren vor dem Kaiser Karl V. zu Augsburg auf dem Reichstag öffentlich bekannt und danach in diesen Landen auch angenommen wurde.

Es bestand auch ein Grund, das mit allem nur denkbaren Dank zu erkennen. Denn als 1530 das Augsburgische Bekenntnis übergeben wurde, durfte man der Lehre Luthers im hiesigem Land noch nicht beipflichten. Obwohl auf diesem Reichstag die vier Grafen von Schwarzburg zugegen waren, nämlich Graf Günther XXXIX., Günther XXXIIX. Heinrich XXXVII. und Günther XL., so waren sie doch Gegner Luthers. Sie erhielten damals vom Kaiser Karl V. wegen ihrer Verdienste für das Deutsche Reich und für seine kaiserliche Majestät, besonders aber auch als Lohn dafür, daß sie der Lehre Luthers nicht zugestimmt hatten, den Titel „Wohl­geboren“ und das „Recht des roten Blattes“, wie es in der Verleihungsurkunde vom 21. Oktober lautet.

In den nächsten Jahren aber, nämlich 1532 und 1533, breitete sich die Lehre Luthers im hiesigem Land dermaßen aus, daß man ihr im Jahre 1534 überall beipflichtete. Um Gott wegen dieser Gnade an diesem dreitägigen Dank- und Freudenfest zu preisen, wurde die hiesige Bürgerschaft abermals durch eine gedruckte öffentliche Ankündigung ermahnt. An jedem Tag wurden zwei Predigten gehalten, die Frühpredigt von dem Pfarrer Johann Helwig und die Nachmittagspredigt von dem Diakon Christoph Oehmich.

 

§ 17. Am 7. September 1632 wurde das angeordnete Dank- und Gedächtnisfest hier gefeiert, wegen des glücklichen Sieges, der drei Jahre zuvor durch göttliche Hilfe vor Leipzig errungen wurde. Es wurde hochfeierlich begangen und man pries Gott mit Freuden, daß er seine Kirche in Gnaden befreit hatte von dem bösem Unternehmen ihrer kaiserlichen Majestät, als man Luthers Lehre und Bekenntnis zu vertilgen suchte.

 

§ 18. Am 14. Februar 1639 (Tag Valentins) wurde die auf gräflichen Befehl eingerichtete tägliche Betstunde früh um 7 Uhr wegen der vor Augen schwebenden großen Kriegsgefahr angefangen. Zumal es nun überall an ein Plündern und Rauben ging, daß weder Untertanen noch Obrigkeit ihren Besitz behalten konnten und man also Ursache hatte, mit dem Bischof und Märtyrer Josaphat die Hilfe bei Gott zu suchen. Und im folgenden Jahr 1640 wurde auch ein Buß-, Bet- und Fasttagtag mit drei Predigten abgehalten.

 

§ 19. Im Jahre 1650 dagegen wurde das große Friedens-, Freuden- und Dankfest gehalten. Den lange gewünschten, von so viel tausend bedrängten Christen mit Seufzen und Tränen von Gott erbetenen allgemeinen Frieden hatte man redlich erbetet. Deshalb konnte man das zu jedermanns Freude erlebte Jahr sehr wohl das gewünschte „Jubeljahr“ nennen. Man sang das „Großer Gott wir loben dich“ (Te Deum laudamus) auch mit großem Frolocken und hielt das Friedens-, Freuden-, Bet- und Dank-Fest, wie es von den damals regierenden drei Landesvätern, Herrn Graf Christian Günther, Anthon Günther und Ludwig Günther, vorgeschrieben worden war                                                                                                                          (38)

Je größer die bisherige Not gewesen war, als diese unsere Stadt das eine um das andere Mal ausgeplündert wurde, die Einwohner mit ganz unerträglichen Geldforderungen geplagt und das ganze Vaterland jämmerlich verwüstet worden war, desto mehr war man erfreut, daß nun dem Blutvergießen, Rauben und Plündern entgegengesteuert hatte und der zu verehrende Friede wieder gebracht worden war.  

Wie einige zusammen gerechnet haben, so kamen in diesem Dreißigjährigem Krieg - in öffentlich in Schlachten und auch sonst - 325.000 Personen um, diejenigen nicht mitgerechnet, die an Hunger gestorben und elend verschmachtet und verreckt sind.

Weil aber dieser Jammer nun ein Ende hatte, sang man an diesem feierlichen Feste hier mit Freuden, ja unter Trompeten- und Paukenschall, das „Großer Gott wir loben dich“. Ja man sang sogar „Gott, der Frieden hat gegeben“, ein Lied, das damals Herzog Wilhelm zu Weimar gemacht hatte.

 

§ 20. Am 9. Oktober 1655 wurde das Jubiläum und Evangelische Dankfest wegen des vor hundert Jahren, am 7. September 1555, erlangten Religionsfriedens, hochfeierlich begangen. Damals war unseren Vorfahren die große Gnade von Gott widerfahren, daß der herrliche Religionsfriede zu ihren Zeiten im ganzen Deutschen Reich ausgerufen wurde, Ja, Gott hatte ihn bis dahin gnädig erhalten und ihn uns hier genießen lassen, wie es in dem Dankgebet gepriesen wurde. So sollten auch alle und jeder an diesem großen Gedächtnistag Gott das schuldige Dankopfer bringen.

Wie das aber geschehen sollte, das hatte der damalige Landesvater Herr Graf Ludwig Günther zu Ebeleben in seinem Landesteil (gleich wie der Kurfürst zu Sachsen und andere evangelische hohe Machthaber) christlich und wohl angeordnet und eine schriftliche Bekanntmachung gemacht.

 

§ 21. Im Jahre 1665 ordnete Herr Graf Ludwig Günther nicht allein vierteljährliche Buß-, Bet- und Fasttage an, sondern wöchentliche Bußpredigten, weil sowohl in den benachbarten Königreichen und Landen blutige Kriege und Seuchen regierten, als auch besonders im Deutschen Reich allerhand große Ungerechtigkeit und Laster umher gingen, daß weit absehbare Gefahren, sowohl in religiösen als auch weltlichen Angelegenheiten von Tag zu Tag zunahmen.

 

§ 22. Im Jahre 1683 wurde das Neujahrssingen abgeschafft und befohlen, daß niemand mehr singen sollte außer den örtlichen Lehrern. Die fremden aber sollten vollständig abgewiesen werden. Auch sollte ein solches Singen auf keinen Fall den Dienstboten, Handwerksburschen, Mägden und den anderen Angestellten gestattet werden.

  

§ 23. Am 18. Juli 1684 wurde hier ein besonderes Dankfest gehalten, nachdem Gott nicht al­lein die Stadt Greußen vor der schädlichen Seuche der Pest in Gnaden behütet hatte, sondern diese sich auch nunmehr überall ganz gelegt hatte. In den benachbarten Orten waren viele Menschen gestorben, zum Beispiel in Nordhausen 6.000, in Erfurt 9.114 und in Mühlhausen 7.000. Die andern Städte dieses Landes waren aber von dieser Seuche verschont geblieben. Weil dieses nun nicht unseren fleißigen Wachtmaßnahmen, sondern allein Gottes Gnade und Obhut zu zuschreiben war, dankte man ihm an diesem Fest öffentlich dafür.

 

§ 24. Im Jahre 1694 wurde anstatt der sonst üblichen Jahrmarktspredigt eine Betstunde verordnet. Dazu wurde befohlen, daß dazu um halb 7 Uhr ausgeläutet wird, damit der Gottesdienst rechtzeitig beendet wird, weil vor dessen Schließung niemand erlaubt sein sollte, Wa­­ren auszulegen oder zu handeln.                                                                                               (39)

 

§ 25. Im Jahre 1695 wurden die Hochzeiten am Sonn- und Montag abgeschafft und dafür alle auf den Mittwoch gelegt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch befohlen, daß Totengräber, Hebammen, Schäfer, Torwärter, Nachtwächter und Stadtknechte sich in Zukunft nicht mehr bei einer Hochzeit melden sollten noch eine Brautsuppe begehren sollten. Es sollte auch niemand erlaubt sein, etwas zu geben. Der erste aber, der an einem Mittwoch verheiratet wurde, war Meister Johannes Zacharias Schonrot, hiesiger Bürger und Tuchmacher, ein Sohn des verstorbenen Herrn Johannes Schonrot, damals Aussiedler (Freisasse) vor Greußen.

 

§ 26. Im gleichen Jahr wurde auch verordnet, daß der Gottesdienst in der Woche, der ebenso wie der sonntägliche halb 8 Uhr angefangen wurde, in Zukunft von Ostern bis Michaelistag genau um 6 Uhr und von da an bis Ostern genau um 7 Uhr beginnen sollte, wenn eine halbe Stunde zuvor zu läuten angefangen wurde. Desgleichen wurde auch angeordnet, daß die öffentlichen Aufgebote der neuen Eheleute ohne Titel geschehen sollten.

 

§ 27. Im Jahre 1710 wurden die Maibäume abgeschafft, die bis dahin zum Pfingstfest in die Kirche gesetzt zu werden pflegten. Weil dem Kirchendiener dadurch ein Verdienstausfall entstand, wurden ihm zum Ausgleich ....... Gulden mehr gegeben.

 

VI. Von dem Friedhof (Gottesacker)

§ 31. Früher wurden die Toten in der Kirche oder auch außerhalb um die Pfarrkirche herum begraben. Denn es konnte nach dem päpstlichen Aberglauben keine Seele zur Ruhe kommen, es sei denn, der Leib sei zuvor an einem geweihten Ort begraben worden. So geschah es nun auch hier in und bei der Pfarrkirche Sankt Martin, weshalb man auch noch heutzutage Totengebeine dort ausgräbt.

Nachdem aber das Papsttum hier abgeschafft wurde und man versuchte, die Reste seines Aberglaubens vollends auszufegen, und auch noch andere Ursachen hinzukamen, hat man am 23. September 1576 angefangen, die Toten auf dem Friedhof vor das Grüningischen Tor zu begraben.

Um das Wissen davon auf die Nachkommen fortzupflanzen, wurde neben dem Tore dieses Freidhofs, links vom Eingang, ein großer Stein eingemauert, auf dem die Geschichte in einigen lateinischen Versen (Distichen) vorgestellt wurde.

Weil aber der Stein inzwischen anderthalb hundert Jahre in Luft und Regen gestanden haben, so ist nur noch folgendes zu lesen:                                                                                        (40)

        Dieser Begräbnisplatz wurde einst Acker genannt,

      Als Matthäus Beinhard und Apollo Speiser

        hier das göttliche Wort bekannten.

       Anführer war Valtin Magen, der mit dem Zepter regiert,  

        Die Handwerker Hartung und Valentin Grefe

       Unsre Ratsmitglieder, Hans Schelmar, Reinbot und auch

        Jan Henning führten mit fröhlichem Sinn dieses Werk aus.

Baumeister war Jan Dirbach, und Johannes

        Langenhain war zu dieser Zeit Schreiber.          

       Gott gebe, daß die Regierung der Stadt Greußen blühe

  Und die Bürger in deiner schönen Kirche wohnen

             Im Jahre 1576.

         

 § 32. Weil der Friedhof von Anfang an nicht genügend geschützt worden war, so haben ihn im Jahre 1602 die Altarleute auf Befehl des hiesigen Rats und auch aus hochdringender Not mit einer Mauer umgeben lassen.

Weil auch die Leichenpredigten auf dem Friedhof gehalten zu werden pflegten, so ließ der Schlotheimer Verwalter Johann Schmidt im Jahre 1608 die Kanzel auf dem Friedhof bauen und auch anmalen. Wo die Kanzel gestanden hat, ist noch jetzt zu sehen. Auch sind die Predigten noch vor 40 Jahren dort gehalten worden.

Dieser Johann Schmidt war übrigens der Vater Herrn Christian Schmidts, der in allerhand Ämtern mit Erfolg tätig war. Er war Stadtschreiber hier in Greußen, aber auch Sekretär in Arnstadt, Steuerereinnehmer des Amtes in Clingen, Sondershausener gemeinschaftlicher Landesrentmeister und auch Hofrat in Ebeleben. Schließlich ist er am 14. Januar 1685 im Alter von 79 Jahren als Kanzler in Arnstadt gestorben.

Im Jahre 1687 hatte man nicht nur Steine und andere Materialien zu einer eigenen Friedhofskirche angeschafft, sondern es war auch bereits ein Zeichnung angefertigt worden, so daß der Bau der Kirche gleich sollte angefangen werden. Da aber Gott in diesem Jahre am 2. Juli (Fest der Heimsuchung Marias) den großen Brand schickte und die Pfarrkirche zu Staub und Asche machte, so bestimmte man diese Steine und andere Materialien zum Wiederaufbau der Pfarrkirche und unterließ den Bau der Friedhofskirche.

 

§ 33. Die Bogen aber, die auf dem Friedhof zu beiden Seiten der Mauer gewesen sind und auch zum Teil jetzt noch sind, waren die Erbbegräbnisstätten der vornehmsten Familien. Wer ein solches haben wollte, mußte es nicht nur gegen eine gewisse Zahlung von der Kirche kaufen, sondern auch die Bau-Unterhaltung übernehmen. Deshalb wurde auch im Jahre 1686 bei der Kirchen- und Schul-Überprüfung von den Herren Kommissaren verfügt, wer einen solchen Bogen zum Begräbnis hätte, sollte ihn entweder unterhalten oder einem anderen abtreten, der das tun wolle.   

 

VII. Von den Hospitälern der Stadt Greußen

§ 34. Früher hatte die Stadt Greußen zwei Hospitäler und Armenhäuser. Das erste lag innen in der Stadt am Grüningischen Tor. Weil es aber wüst und baufällig geworden war, so wurde es am 24. Juni 1535 an Hans Schelmar den Älteren verkauft. Was es aber für Einkünfte gehabt hat und was mit den sich darin befindenden Personen geschah, ist unbekannt. Vielleicht ist an seine Stelle der sogenannte „Konvent“ gekommen, wo jetzt die Armen beherbergt werden.

Das andere Hospital aber, das noch draußen vor dem Grüningischen Tore steht, wird genannt „das Hospital zum Heiligen Geist“. In den alten Schriften hieß es „das Haus der armen Leute“ oder „das Haus des Heiligen Geistes“ oder auch das „Siechenhaus“. Deshalb wird der Graben daneben auch „Siechengraben“ genannt. Die sich im Hospital befindenden Personen aber wur­den ehemals genannt „die Elenden zum Dienst der Heiligen“.                                    (41)

 

§ 35. Das Hospital hatte aber nicht nur seine Erbzinsen und Kupferstücke („ Füchse“) von

ausgeliehenen Kapitalien, sondern auch zwei Hufen Land, eine in Gangloffsömmern und eine in Niedertopfstedt.

Die Hufe in Gangloffsömmern ist abgabenpflichtig gegenüber dem Rat zu Greußen und gibt dem Haus der Armen als Pacht jährlich 20 Scheffel gut gemengtes Korn, die der Besitzer der Hufe auch auf seine Unkosten nach Greußen herschaffen muß. Im Jahre 1533 hat der hiesige Rat diese Hufe übertragen an Hans Breuning in Gangloffsömmern mit der Bedingung, wenn er es unterließe, das Land zu verbessern oder die Pacht nicht entrichte, habe der Rat die Macht, die Hufe von ihm zu fordern und einen anderen neu zu vergeben.

Die Hufe aber zu Niedertopfstedt wurde am 2. Juli 1535 für den heiligen Dienst in Greußen von dem hiesigen Rat und den Vormündern der armen Leute übertragen an Volkmar Krone zu Niedertopfstedt und seine Erben. Jeweils am 29. September (Michaelistag) mußte er 660 Löwengroschen und 1.111 Groschen Erbpacht geben nach Clingen aufs Schloß.   

Desgleichen erhält das Hospital auch 6 Scheffel Korn von Land und Gärten, die vor der Stadt Greußen liegen, wie auch zwei Marktscheffel Korn von der Herrschaft aus der Trebramühle im Amt Clingen.

Auch läßt das Hospital durch seinen Knecht die Almosen einsammeln

1) am Sonntag, Mittwoch und Freitag in Greußen

2) am Dienstag in Niederbösa, Trebra, Holzengel, Feldengel und Topfstedt.

3) am Donnerstag in Abtsbessingen, Großenehrich, Freienbessingen, Rohnstedt und Wolferschwenda.

4) am Sonnabend in Kirchengel, Westerengel, Otterstedt, Thalebra und Westgreußen, wie es in der Ordnung vom Jahre 1506 aufgezeichnet wurde.

 

Im Jahre 1705 war das Gebäude des Hospitals und seiner Kirche ganz verwüstet. Deshalb wurde zum Wiederaufbau des Doppelgebäudes eine Kollekte im ganzen Land eingesammelt, Danach wurde das Gebäude unter der Leitung des Herrn Johann Andreas Herzog, dem damaligen Oberbürgermeister, Ratsherr für das Schulwesen und Bau-Inspektor, von Grund auf neu gebaut, wie es jetzt ist.

 

 

Das VI. Kapitel.

Von den Kirchlichen Ämtern („Kirchendiener“)

 

§. 1. Welche kirchliche Mitarbeiter es gab, als noch das Papsttum hier gewesen ist, habe ich nicht erfahren können. In der alten Nachricht vom Jahre 1450 wird ein Pfarrer erwähnt, der in einem lateinischen Schreiben genannt wird „Erzpriester“. Auch seine Kapläne werden erwähnt mit diesen Worten: „Der Pfarrer soll haben zwei Kapläne, einen weltlichen und einen geistlichen. Er soll auch an den höchsten Festen den Kirchner und seinen Knecht in sein Haus einladen, und ihn etwas zu essen geben, wie es von alters her gewesen ist.“   

Weil auch verschiedene Vikarien hier waren, so werden öfters die Vikarien erwähnt, auch die Vikarie und ihre Einkünfte, denn der Vikarie zahlten Pacht (Erbzins) die Gärten in Entzelnhausen (das ist vor dem Clingener Tor), einige Wohnhöfe oder Hofstätten in der Stadt und auch Äcker in Clingen und Topfstedt.

Die Vikarie hatte auch ihr eigenes Land. So verkaufte noch am 31. Juli 1575 der hiesige Rat ein Viertel Vikarie-Land für 90 Taler an Bürgermeister Valtin Gref, jedoch so, daß er und seine Nachkommen dem Rate jährlich zehn Scheffel geben sollten, halb Korn und halb Gersten, und auch ein Fastnachtshuhn. 

   

Weil in Greußen der Sitz des Erzpriesters war, so ge­hörten hierher viele Pfarrämter und Vikarien. In einem alten Dokument werden sie aufgezählt:

Sitz Greußen: Großenehrich, (Groß-) Ballhausen, Marktgreußen, Clingen, Holzengel, Günstedt (mit Kapelle), Weißensee, Kutzleben, Tennstedt, Tunzenhausen, Kapelle in Haussömmern, Schwerstedt, Westerengel, Feldengel, Obertopfstedt, Niedertopfstedt, Pfaffenhofen (Wüstung bei Greußen), Ottenhausen (mit Kapelle) „Fristedt“, Schilfa, Luthersborn, Straußfurt (mit Kapelle), Wundersleben, Lützensömmern, Gangloffsömmern (mit Kapelle), Mittelsömmern, Abtswind, Nausis, (Klein-) Ballhausen, „In den Osthofen“, „Voringenhofen“ (wohl zwei Wüstungen), Kleintennstedt, Haussömmern, Hornsömmern, Rohnstedt, Grobern, Bliederstedt, Kapelle Herbetoleuben (?), Herrenschwenda, Grüningen

Nicht mehr versorgte Pfründen des Sitzes Greußen:

Greußen: Vikarie des Heiligen Sebastian, Vikarie des Dreikönigstags, Vikarie des Leibes Christi, Vikarie der seligen Jungfrau Maria in der Kappelle, Vikarie des Heiligen Nikolaus und der Heiligen Kunigunde, Vikarie der Heiligen Juliane in der Kapelle, Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie in der Kapelle der Heiligen Gertrud.

Clingen: Vikarie des Heiligen Evangelisten Johannes in der Kapelle des Heiligen Andreas, Vikarie des Heiligen Gumpert, Vikarie der seligen Jungfrau Maria und des Heiligen Nikolaus in der Kirche des Heiligen Andreas.

Pfaffenhofen Vikarie des Heiligen Johannes.

Tunzenhausen: Vikarie an der dortigen Kapelle.

Talheim: Vikarie der Heiligen Katharine.

Strausfurt: Vikarie der Heiligen Juliane und Vikarie im Feld (-lager)

Westgreußen: Vikarie des Dreikönigstags, Vikarie der seligen Jungfrau Maria.

Gundersleben: Vikarie der seligen Jungfrau Maria.

(Groß-) Rüllhausen: Vikarie der Heiligen Katharine  

Mittelsömmern: Vikarie des Heiligen Nikolaus.

Lützensömmern: Vikarie des Altars der seligen Jungfrau Maria und des Sebastian, Vikarie der Heiligen Katharina, Vikarie des Heiligen Nikolaus.

Kutzleben: Kapelle der seligen Maria

Haussömmern: Kapelle.

Gangloffsömmern: Vikarie des Altars der seligen Jungfrau Maria

Tennstedt: Vikarie des Leibes Christi, Vikarie des Heiligen Petrus und Paulus, Vikarie der Kapelle der Heiligen Elisabeth, Vikarie der Heiligen Katharina, Vikarie des Heiligen Sebastian, Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie der Aussätzigen.                    

Klein-Tennstedt: Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie des Leibes Christi.

Osthofen: Vikarie.

Tennstedt: Vikarie des Heiligen Michael, Vikarie des Heiligen Jodokus, Vikarie des Heiligen Jakob, eingezogene Stelle, eingezogene Stelle der Heiligen Anna in der Kapelle des Heiligen Jakob, Vikarie des Thomas in der Kapelle des Heiligen Jakob, eingezogene Stelle.

 

Als im Jahre 1506 dem neuen Erzbischof Jakob in Mainz eine freiwillige Abgabe (subsidium) gegeben werden mußte, betrug der Anteil für den Erzpriestersitz Greußen 7 Mark und 9 Loth Silber. Eine Mark Silber aber oder 16 Loth machen 10 Laum (?) Schock zu je 44 Groschen oder 6 Taler 17 Groschen.

   

§ 2. Nach der Reformation ist aber nie mehr als ein Pfarrer und Diakon hier gewesen, so daß also bei den kirchlichen Mitarbeitern keine anderen in diesem Kapitel anzuführen sind als diese beiden außer dem Kantor, Kirchner und Organisten.

Ihre Besoldung besteht teils in Geld, teils in Früchten, die im Sack geliefert werden müssen, teils in Land. In früheren Zeiten haben sich immer guttätige Herzen gefunden, die zur Verbesserung des Unterhalts der kirchlichen Mitarbeitern etwas von ihrem Besitz dazu vermacht haben. Das wird dann bei einem jeden angeführt werden.                                                 (42)

Wann nun ein jeder sein Amt angetreten hat und wie lange er es verwaltet hat und was er dabei für Schicksale gehabt hat, wird sich in diesem Kapitel aus der Kirchengeschichte und den Schriften, so viel man davon hat finden können, zeigen.

 

I. Von dem Pfarramt und den Pfarrern

§ 1. In den alten Schriften wird der Pastor nur „Pfarrer“ genannt, wie in der Nachricht von 1450, in der steht: „Der Pfarrer und sein Kaplan sollen keinen amtlichen (Messe-) Leser aufnehmen oder halten. Außerdem sollen sie den Hochaltar und den Liebfrauenaltar, die dem Pfarrer zustehen, alle Tage redlich und ehrlich betreuen, wie es in alten Zeiten schon unsere Vorfahren getan und gehalten haben. So soll auch der Pfarrer Macht haben über seine Kapläne, wenn sie Sachen zu tun haben mit den Bürgern, daß sie das vor dem Pfarrer und dem Rat vorzutragen versuchen.

Der Pfarrer soll den Vikaren nicht verbieten, schon vor dem „Opfer“ (der eigentlichen Messe) loszugehen, um Messe zu halten. Sondern die Vikare sollen rechtzeitig losgehen - ohne daß ihnen dafür ein besonderer Lohn gegeben wird - damit der arme Mann, der aufs Feld geht, früh die Messe hören kann.

Wenn aber der Pfarrer einen Kaplan aufnimmt in den Dienst, so soll man das verkünden auf der Kanzel, damit man weiß, wer Kaplan ist oder nicht, damit man Geschenke geben kann.

Zur Feier oder zum Dank soll man geben dem Pfarrer drei Groschen, seinem Kaplan ebenso zwei Groschen. 

 

§ 2. Von den Pfarrern zur Zeit des Papsttums habe nicht mehr als drei gefunden; von dem ersten und letzten will ich eine alte Nachricht anführen.

Der erste war Hartmodus im Jahre 1318. Als zum Anfang des 14. Jahrhunderts der Verwalter und der Konvent zu Sankt Johannis in Weißensee dem Abt und Konvent zu Ilfeld das Patronatsrecht über die Kirche zu Schilfa streitig machen wollten, wurde die Streitsache im Jahre 1318 durch verordnete Schiedsleute - nämlich den Dechant Frederich, den Kanoniker Gottschalk in Jechaburg, den Meßpriester in Jecha und Hartmodus in Greußen - geregelt: dem Abt in Weißensee wurde das Patronatsrecht abgesprochen und dem Abt zu Ilfeld zugesprochen, wie folgendes Schreiben bezeugt:

In Nomine Domini. Amen! Nos Fredericus, Decanus, et Gottschalcus, Canonicus Ecclesiae et officiales praepositurae Jechburg: ex una, Meinardus in Jecha, et Hartmodus Archipresbyter, sedis in Grüzen, Ecclesiarum plebani ex parte albera, in causa quae super Jure Patronatus ecclesiae parochialis in Schilfe inter Dominum Albertum et Conventum in Ilvelt, et Commendatorem et Conventum fratrum S. Johannis in Wizzensee vertitur, arbitri, seu amicabiles compositores, hinc inde electi, visis instrumentis et probationibus partium.

Quia invenimus Dominum Albertum in Ilvelt pro sua intentiere sufficienter proba usse, et commendatorem et conventum in Wizzensee praedictos in sua probatione defecisse, pronunciamus sententionaliter in his Scriptis: Commendatorem et Conventum in Wizzensee nullum jus habere in Ecclesia Schilffe praedicta, et ipsis perpetuum silentium imponimus in praedictis, ita, quod iidem nullum jus in Jure Patronatus habere in Ecclesia Schilffe de caetero usurpabunt Dicimus etiam et pronunciamus in his scriptis, quod idem Jus Patronatus spectare debet ad Dominum Albertum in Ilvelt perpetuo, et ad suum conventum. in quorum omnium certitudirem pleniorem hanc liberam dedimus sigillis officialatus et Decanatus nostri in Jeche sigillatum. acta sua haec im Jahre 1318 am viertenTag nach dem fünften November.      (43)

Der andere war Werner Hußmann, ein Mönch aus dem Kloster Ilfeld und auch im Jahre 1427 Prediger dieses Gotteshauses.

Der dritte aber, Heinrich Kulbe, zwischen dem und dem hiesigen Rat im Jahre 1450 ein Streit beigelegt wurde, wie es in diesem Jahr mit diesen Worten aufgezeichnet ist: „Im Jahr des Herrn 1450, am Dienstag, 16. Oktober (Sankt-Gallus-Tag) wurde der Irrtum zwischen Herrn Heinrich Kulbe, Pfarrer in Greußen, und dem Rat und der Gemeinde dort durch den Grafen Heinrich zu Schwarzburg und durch den Abt zu Ilfeld Wilhelm von Ulstedt, gütlich gerichtet und beigelegt in der Form, daß Herr Pfarrer Heinrich Kulbe alle Artikel, die der Rat und die Gemeinde in Greußen gegen ihn aufgestellt hatten, stetig und ewig, solange er Pfarrer ist, und nach ihm alle, die Pfarrer in Greußen werden, halten solle, nach altem Herkommen und Gewohnheit, wie es von alters her gewesen ist. Er soll den Schulmeister Heinrich Ludenroth, der jetzt Lehrer ist, oder wer in zukünftigen Zeiten ein vom Rat eingesetzter Schulmeister wird, aufnehmen und verköstigen und ihn behandeln wie seinen Kaplan und ihm eine Kammer im Pfarrhaus zum Schlafen geben.

Der Schulmeister wiederum soll es gegenüber dem Pfarrer im Chor und beim Dienst in der Gemeinde auch halten, wie es von alters Herkommen ist, ohne alle Einwände, welchen Gebrauch der Pfarrer oder Meister auch von den guten Sachen mache. Wird aber irgendein Artikel geändert und es anders gemacht, als es von alters gewesen ist, da soll der Rat hineinreden und es wieder richtig machen und beilegen und gut machen, ohne Einrede.“
Diesen Urteilsspruch hat getan der vorerwähnte Graf Heinrich zu Schwarzburg für seinen Teil und der erwähnte Abt Herr Wilhelm von Ulstedt für seinen Teil, in dem Hofturm zu Sondershausen in Gegenwart des gütigen Abtes, des Pfarrers von Holzengel Herrn Heinrich Grimm, des Pfarrers von Greußen Herr Heinrich Kulbe, der Greußener Bürger Friedrich Stigelitz, Klaus Koch, Nikolaus Riche, Klaus Wormstedt, Hans Endter und vieler anderer frommer Leute und des Hofgesindes des obenerwähnten Herren zu Schwarzburg.

 

§ 3. Am 13. Dezember 1606 vermachte Herr Bürgermeister Heinrich König einen Bratenwender für zwei Spieße samt einem Spieß im Wert von drei Talern dem Pfarramt, damit er dort zum Gebrauch bleiben sollte. Er ist auch noch bis zum heutigen Tag dort, wenn auch unbrauchbar, nachdem er in dem Brand am 2. Juli 1687 verderbt wurde.

 

§ 4. Am 16. Mai 1656 hat auch Herr Sekretär Elias Thamm, vornehmer Bürger und öffentlicher Notar von hier und freier Bürger (Bauer) in Clingen, ein gutes schwarzes ländliches Leichentuch der Kirche zur Verfügung gestellt. Damit verbunden war die Bestimmung, daß jeder, der es zur Leichenbestattung seiner Angehörigen gebrauchen wollte, jedesmal dem amtierenden Herrn Pfarrer mindestens einen halben Gulden als Leihgebühr geben sollte und das Leichentuch wieder bringen sollte. Dies hat der Stifter mit vorherigem Wissen und Willen des Herrn Inspektors Herrn M. Joachim Dreyschärf selbst in das Kirchenbuch eintragen lassen.

      

§ 5. Die Wohnung der Pfarrer ist wohl zu alten Zeiten auch an dem Ort gewesen, wo sie noch jetzt neben der Schule und dem Diakonat liegt. Diese Pfarrwohnung war in dem großen Brand am 2. Juli 1687 auch ganz und gar in Asche ge­legt worden. Deshalb ließ der teuerste Landesvater die vornehmste Sorge auch darauf gerichtet sein, daß sie wieder erbaut würde. Da es der Bürgerschaft nicht möglich war, den vielen Brandschutt von der Stelle zu schaffen, so verpflichtete er dazu einige Adlige und befahl auch den Städten, Marktflecken und Dörfern, den Schutt aus der Schule, Kirche und Pfarrhäusern und auch von den Wohnstätten der armen Bürger wegzubringen, so daß der Wiederaufbau vorgenommen werden konnte.

Die gnädigste Herrschaft vertraute aus einem besonderen Vertrauen diesen schwe­ren Bau dem Bürgermeister und berühmten Rechtsbeistand Herr Henrich Bernhard Rhäse gnädigst an. Dieser bewerkstelligte den Wiederaufbau auf das sorgfältigste, so daß innerhalb eines Jahres nach dem vorgegebenen Maß alles angefertigt wurde. Denn so kam bis zum 19. Oktober 1688 alles zustande, nachdem ein ganzes Jahr daran gearbeitet worden war, was nur möglich war. Die Kosten blieben im Rahmen des Voranschlags, so daß der Bau auf 1500 Reichstaler kam, dazu die vielen Frondienste, die die Bürgerschaft dabei geleistet hat, doch einschließlich der ein Jahr zuvor erbauten neuen Scheune und der zwei Schweineställe. Der Pfarrer Herr M. Mosch bezog auch seine neue Wohnung, und zwar desto mehr mit Freuden und Danksagung gegen Gott, weil er sich bis dahin so jäm­merlich hatte behelfen müssen.

 

§ 6. Es sind 19 Pfarrer, die nach der Reformation aufeinander folgten und die bis auf den gegenwärtigen Tag dieses Amt hier durch Gottes Gnade verwaltet haben. Und zwar sind es folgende:

 

1. Heinrich Gäntzel, im Jahre 1517.

Das ist das Jahr gewesen, in dem der verstorbene Luther in Wittenberg seine ersten Thesen gegen das Papsttum angeschlagen hat. Es besteht kein Zweifel daran, daß dem Pfarrer diese Thesen bekannt geworden sind. Denn es ging damals mit der Lehre Luthers gut, wie David sagt: „Sein Wort läuft schnell“ (Psalm 147, Vers 15). Weil aber die päpstlichen Irrtümer hier allzu tief eingewurzelt waren und die Landesherrschaft sehr eifrig für das Papsttum war, so konnte sie so bald nicht stattfinden.

 

2. Petrus Clusener.

Er war zuvor ein Mönch in Köln, und seine Frau Maria war dort eine Nonne gewesen. Ob er mit dem Zunamen „Clusener“ geheißen hat oder ob ihm der Name von seinem vorhergehenden Mönchsstande beigelegt wurde, ist ungewiß. Meines Erachtens hat er den Namen wohl von dem Mönchsstand bekommen, weil auch sonst die Mönche wegen ihrer „Clausen“ oder „Clusen“, darin sie wohnten und darin mit Beten und Fasten ein strenges Leben führten, nur „Clausener“ oder „Clusener“ genannt wurden. Und man pflegte auch früher die Pfarrer mehr nach dem Vornamen als nach dem Zunamen zu benennen. Denn es pflegten sich auch die geistlichen Stiftsherren niemals mit ihrem Geschlechts- oder Zunamen zu schreiben oder sich mit demselben benennen zu lassen, sondern sie waren zufrieden mit dem bloßen Vor- oder Taufnamen. Auch in ihren Briefen haben sie nicht anders geschrieben und haben dabei den ersten deutschen Kaiser Karl III. und dessen Nachfolger nachgeahmt. So setzte auch M. Anthon Leuber, welcher von 1597 bis 1606 hier Pfarrer gewesen ist, im hiesigen Kirchenbuch öfter vor seinen Namen: „Ich, M. Anthonius“.

Es ist nicht bekannt, in welchem Jahr Petrus Clusener hier ins Predigtamt gekommen ist und wann er darin verstorben ist. Weil ihm aber eine Frau zugeschrieben wird, so läßt sich daraus schließen, daß man in Greußen die Lehre Luthers eher angenommen hat als in Sondershausen, weil ihm sonst nicht erlaubt gewesen wäre, in der Ehe zu leben. Seine Frau aber, Frau Maria, ist als seine hinterlassene Witwe hier später Mädchen-Schulmeisterin geworden.

 

3. Johannes Thal, von 1532 bis 1543:

Er wurde geboren in Ottenhausen zwischen Greußen und Weißensee, zwar von gewöhnlichen, jedoch reichen und ehrlichen Eltern. Zum Beispiel war Margareta Thal in dem Kloster dort im Jahre 1498 Äbtissin, und sie war fast die letzte, die das Kloster geleitet hat, weil es bald darauf eingegangen ist

Thal war in Nordhausen im Papsttum erzogen worden. Da ihm aber Gott durch das Licht des Evangeliums die Augen geöffnet hatte, wandte er sich vom Papsttum ab. Anfangs war er Vikar und Kanonikus in Großenehrich. Er war der Erste, der dort und im Amt Clingen das Evan­gelium rein gepredigt und dabei auch geheiratet hat. Danach predigte er in Clingen und danach hier in Greußen das Wort Gottes lauter und rein.

Dieses aufgehende Licht des Evangeliums war aber dem Herzog Georg in Leipzig sehr zuwider. Er versuchte nichts mehr, als es wieder auszulöschen, wenn es hier und da in Thüringen anfing hervorzuscheinen. Deshalb stellte er auch diesem Johann Thal sehr nach. Schließlich hat ihn auch sein Pate nach der Beichte verraten, ihn auf dem Kirchhof aufgegriffen und dem Herzog heimlich überantwortet. Die Abgesandten aber banden ihn auf einen Esel und führten ihn nach Sangerhausen, das damals wegen der vielen hingerichteten Lutheraner nur die „Ketzer-Gosse“ genannt wurde. Darüber ist seine erste Frau, welche nur 25 Wochen mit ihm in der Ehe gelebt hat, dermaßen erschrocken, daß sie noch während der Gefangenschaft ihres Mannes gestorben ist.     

Gleich vielen andern Lutheranern sollte er dort hingerichtet werden. Doch es ergab sich zu seinem Glück und durch göttliche Fügung, daß der Henker eben nicht bei der Hand war und die Hinrichtung vollziehen konnte. Jedoch wurde er auf Fürbitte einiger von Adel, insbesondere des von Tottleben, der am Ende für ihn bürgte und bei dem Kurfürsten zu Sachsen Fürsprache eingelegt hatte, aus dem Gefängnis freigelassen.

Darüber gab ihm der Rentmeister in Sangerhausen das nachfolgende schriftliche Zeugnis:

„Auf Befehl meines gnädigen Herrn, Herzogs Georgen zu Sachsen wurde der Priester Johannes Thal wegen erwiesener Unschuld aus dem Gefängnis entlassen. Geschehen in Sangerhausen, Mittwoch nach Pfingsten des Jahres 1525, Simon Pistorius, Rentmeister“.

Danach haben ihm die Adligen und anderen guten Freunde einen Eimer Wein und andere Sa­chen verehrt. Er hat sie deswegen zusammen mit seinem Paten und Verräter zu Gast gebeten, und diesem dabei besondere Ehre erwiesen. Als das seine Freunde verdroß, hat er gesagt: „Ei­­nem Freunde soll man ein Licht, einem Feinde aber zwei Lichter anstecken!“

Obwohl er in seinem Gefängnis hatte versprechen müssen, sich das Predigtamt in Großenehrich nicht mehr anzumaßen, so hat er doch aus treuer Vorsorge einen anderen Prediger dahin vermittelt, der - ungeachtet der großen Gefahr - die Lehre des Evangeliums dort erhalten hat.

Danach aber ist er hier her nach Greußen gekommen und hat bei dem seligen Werk der Reformation wohl das meiste getan, zumal man im Jahre 1534 hier dem Papsttum schon gänzlich abgedankt und die Lehre Luthers vollkommen angenommen hatte.                                (46)

Es wurde ihm aber hier im Jahre 1528 die Vikarie Sankt Agneta an der Liebenfrauenkapelle, auf dem Markt übertragen, wie es aus diesem Präsentationsschreiben des Rats und der Gemeinde an den Priester (Official) des Stiftes Jechaburg an mehreren Stellen zu ersehen ist:  

„Nos Consules et Proconsules totaque Communitas oppidi Greussen, venerabili viro, officiali Prepositure Ecclesiae Sancti Petri Jechenburgensis. Quic quid poterimus reverencis, et honoris ad vicariam S. Agnetis in Capella B. Mariae Virginis dicti oppidi sitam vacantem nobis per obitum venerabilis viri, domini Johannes Liboll ultimi et novissimi possessonis ejusdem. cujus jus patronatus seu presentandi ad nos pleno jure dinoscitur pertinere, honorabilem Dominum Johannen Thael, Clericum Maguntinensis Diocesis cui eandem pure propter Deum contulimus, vobis duximus presentandum. presentibusque presentamus, Roganius pro cum eo humaniter, prefatum Dominum ad eandem Vicariam investire digremini, sibique de fructibus reditibus et proventibus ad eandem vicariam spectantibus ad integrum responderi faciatis, adhibitis circa hec solennitatibus debitis et consuetis, volumus, pro ut teremur, sedulo deseruire. In cujus rei evidens testimonium sigillum nostrum presentibus est appensum. Geschehen im Jahr des Herrn 1528, am Tag des göttlichen Bartholomäus.“

Im Jahre 1532 wurde er hier Pfarrer. Vorher war er entweder nur ein Stellvertreter des vorherigen Pfarrers auf der Pfarrstelle oder ein Pfarrer außer der Reihe. Das ist zu ersehen aus dem Verzeichnis, das hier auf dem Rathaus geführt wird und die Berufungsurkunde enthält: „Am Nikolausabend 1532 wurde in Gegenwart dreier Räte mit dem würdigen Herren Johann Thal über seine Lehre und sein Predigtamt so verhandelt, daß er jährlich vom Rat 20 Gulden haben sollte, solange er lebt oder in Greußen bleiben kann. Weil die Stadt aber jetzt eine Pfarrstelle mehr hat, soll ihm über die genannte Besoldung hinaus - so lange er das Predigtamt und das Verwalten der Sakramente innehat und der Gemeinde anstatt eines Pfarrers vorsteht - ein Malter Korn, ein Malter Gerste und die Hälfte des jährlichen Pfarrholzes gegeben werden.

Falls im Laufe des Jahres eine Baumaßnahme nötig wäre, soll ihm vergönnt sein, daß das Holz aus dem Pfarrwald auf den Pfarrhof gebracht wird. Wenn aber die Einwohner von Greußen von Gott mit einem Pfarrer versehen würden, sollte dieses Getreide und angefahrenes Holz dem Pfarrstelleninhaber wieder zugewandt werden und Herr Johannes es dazu verwenden können, daß ein Pfarrer ihm mithilft.“

Ob man ihm auch einen Schreckenberger zum Einstand gegeben hat, wie es die Gemeinde zu Sankt Jakobus in Nordhausen dem Johannes Noricus im Jahre 1547 tat, ist dabei nicht aufgezeichnet

So eifrig er nun das Werk des Herren hier vorantrieb, so heftig setzten ihm die Papstanhänger dabei zu. Deshalb hat ihn der alte Johannes Spangenberg, damals Pfarrer zu Sankt Blasii in Nord­hausen, am Michaelistag 1535 mit einem lateinischen Schreiben getröstet.

Er konnte aber auch hier vor Herzog Georg nicht sicher sein. Deshalb wurde er auf Rat Luthers und anderer, insbesondere des schon erwähnten Spangenberg, Pfarrer in Erfurt an der Georgen- oder Kaufmannskirche. Er hielt eine besondere Freundschaft mit D. Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Johannes Spangenberg, Myconius und anderen; aber mit dem Barfüßermönch aus Arnstadt hat er scharfe Streitgespräche geführt.

In seinem Namen hat auch D. Johann Lang, der erste evangelische Prediger in Erfurt und Senior des Geistlichen Ministeriums, im Jahre 1537 die Schmalkaldischen Artikel mit unterschrieben, und zwar mit diesen Worten: „Ich Johannes Lang, Doktor und Oberpfarrer der Kirche zu Erfurt, unterschreibe mit meiner Hand in meinem Namen und im Namen der anderen, die mit mir im Evangelium zusammenarbeiten, nämlich Herr Licentiat Ludwig Plaz aus Melsungen, Herr M. Sigismund Kirchner, Herr Wolfgang Kiesewetter, Herr Melchior Weid­mann, Herr Johannes Thal, Herr Johannes Kilian, Herr Nikolaus Faber und Herr Andreas Meuser.“

Das zweite Mal hat er eine Frau Hemmerle geheiratet, die vorher eine Klosterfrau im Stift Brehmen war. Er hat 16 Jahre mit ihr in der Ehe gelebt, aber doch keine Kinder gehabt. Und zum dritten Mal geheiratet hat er im Jahre 1541 Margreten N., die von dem vornehmen Ratsherrn in Erfurt Elias Butzbach aufgezogen worden war, und mit ihr acht Kinder gehabt, wovon besonders drei Söhne berühmt geworden sind, nämlich:

1. Johann Thal, Arzt in Nordhausen im Jahre 1581. Er wurde am 18. Juli 1583 in Beschendorf abgeholt, um die Krankheit eines Adligen in Sachsen zu heilen. Er ist ums Leben gekommen, als die mutwilligen Pferde durchgegangen sind. Michael Neander erinnert an ihn mit diesen Worten: „D. Johannes Thal, der treffliche Mann, von großem Verstand und vielen hohen Gaben, der treffliche Arzt und Historiker, ordentlicher Arzt in Nordhausen. Er war einige Jahre Schüler der Schule in Ilfeld, daher mein und der Schule in Ilfeld besonderer treuer Freund, und er blieb es auch, solange er lebte. Er war von einem Adligen ins Land Sachsen geholt worden. Er fiel von einer Kutsche, als dem Kutscher seine wohl gehaltenen Pferde weit weg aus der Bahn und von den Straßen in das weite Feld entliefen. Er brach einen Schenkel so gefährlich und übel, daß ihm beide Röhren durch die Stiefel herausragten. Er mußte etliche Stunden allein, von jedermann verlassen, auf dem Platz und bloßem Feld, unter dem bloßen Himmel liegen bleiben, mit großem Wehklagen und Schmerzen, ehe ihm ein Mensch zu Hilfe kommen konnte. Drei Wochen darauf starb er dann, obwohl er drei vortreffliche Chirurgen hatte, die sich alle Mühe gaben.“

2. Wendelin Thal, der 1584 auch in Nordhausen Arzt wurde, aber 1587 wieder entlassen wurde und am 24. Dezember 1601 starb.

3. M. Daniel Thal, Professor der hebräischen Sprache in Altdorf.                                      (48)

Der Vater Johannes Thal starb im Jahre 1551 in Erfurt, wo er Pfarrer in der Sankt Georgenkirche (Kaufmannskirche) war. Seine Witwe ist erst 46 Jahre danach, nämlich am 2. Februar 1597 in Nordhausen, gestorben und wurde dort am 4. begraben. Die Leichenpredigt aber wurde gehalten von dem dortigen Diakon Erasmus Rothmahler, der früher Kantor in Greußen gewesen ist.

 

4. Petrus Wurtzler, von 1543 bis 1556.

Er hatte bisher die Stelle des hiesigen Diakons bekleidet und wurde im Jahre 1543 auf die Pfarrstelle gesetzt. Weil er aber mit dem Rat wegen der Pfarrländerei in Streit gekommen ist und auch mit seinem Kollegen, dem Diakon (Kaplan) Heinrich Krippendorfer, in großem Streit lebte, wurde er im Jahre 1556 entlassen und schließlich Pfarrer in Großmehlra.

Zu seiner Zeit betrug die Pfarrbesoldung 40 Gulden in Geld, 1.080 Bündel Reisigholz, 4 Fuder Stangen, 4 Malter Scheitholz, 4 Gulden 12 Groschen für Holz und dann die ganze Pfarrländerei. Worin aber der Streit mit dem Rate wegen der Pfarrländerei bestanden hat, habe ich nirgends finden können. Vermutlich entstand er wegen des Weinbergs auf dem Warthügel und Triller, den der Rat damals gegen 12 Eimer Pacht unter seiner Hand gehabt hat und erst im Jahre 1611 durch M. Johann Riger wieder an den Pfarrer gebracht wurde.

 

5. M. Sebastian Starck, von 1556 bis 1575.

Es folgte jenem im Jahre 1556 Sebastian Starck. Er war in Meißen geboren, wie es in den Jahrbüchern des Fabricius aus dem  Jahre 1528 steht: „Es wurde geboren in Meißen Sebastian Starck am 13. Februar, der nun in Greußen in der Grafschaft der Schwarzburger das Evangelium lehrt, Sohn meines Bruders Andreas, des landwirtschaftlichen Assessors. Am 13. Februar 1535 wurde geboren Fabian Starck, der Bruder Sebastians, der jetzt in Köln lehrt.“

Weil er aber ein Mann von besonderer Gelehrsamkeit und Gaben war, wurde er auch auswärtig berühmt und am 12. September 1575 auf die Superintendentenstelle in die kaiserliche freie Reichsstadt Mühlhausen berufen, nachdem er das hiesige Pfarramt volle 19 Jahre mit gutem Ruhm ausgeübt hat.

Als dortiger Superintendent hat er im Jahre 1577 die Konkordienformel unterschrieben und dadurch bezeugt, wie standhaft er an der Reinheit der Lehre Luthers und der getreuen Nachfolge festhalte. Er hat auch dort im Jahre 1580 die Wochenpredigten in die Barfüßerkirche eingeführt und ein Spruchbuch herausgegeben. Am 17. August 1586 starb er dort im Alter von 59 Jahren.

Er hatte einen Sohn M. Benjamin Starck, der von 1574 bis 1580 Kantor in Greußen gewesen ist und am 27. Januar 1606 Superintendent in Mühlhausen wurde, aber 1631 wegen hohen Alters seinen Dienst aufgegeben mußte. An diesen schrieb M. Melchior Tilesius im Jahre 1612 von Langensalza: In viris nunc esset Parers tuus (M. Seb. Starcke) ex eijus vultu, totius eine corporis gestu et habitu veneranda elucebat grandis, non tam cum auctoritate senili, quam humanitate singulari coniuncta etc.

Zur Zeit dieses Pfarrers betrug die Pfarrbesoldung hier 100 Gulden in Geld, 5 Marktscheffel und 4 Scheffel Weizen und auch so viel Gerste, 2 Marktscheffel und 8 Scheffel Hafer, 12 Eimer Wein, 12 Malter Holz und 1.080 Schock Wellen, 1 Baumgarten, 1 Acker Wiesen, eine freie Wohnung. Die Gebühren aber waren für das Begräbnis eines Erwachsenen 1 Groschen und für ein Kindes 6 Pfennige, für ein Aufgebot 3 Groschen.

 

6. Matthaus Beinhardt, von 1575 bis 1596.

Sein Geburtsort war die schwarzburgische Stadt Ilmenau. Ob er auch unter dem noch jetzt weltberühmten Schulmann M. Michael Neander, dem Rektor und Abt des Klosters zu Ilfeld, die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung gelegt hat, kann man nicht berichten. Gewiß aber ist es, daß Neander danach viel auf jenen gehalten hat und ihm eine herrliche Lobrede gehalten hat.                                                                                                    (50)

Wenn er in seiner „Beschreibung der ganzen Welt“ den Zustand der Stadt Greußen besonders rühmt, so spricht er: „Die Kirche leitet der ehrwürdige und vortreffliche D. Matthäus Beinhard, unser Freund und Studienkollege“.

In seiner Vaterstadt Ilmenau kam er auch zum ersten Mal ins Predigtamt und verwaltete das Diakonat dort von 1563 bis 1568. Nachdem er aber das Werk des Herrn dort mit allem Fleiß getrieben hatte, kam er im erwähnten Jahr zum Diakonat nach Sondershausen, wobei er denn auch das Pfarramt in dem nahegelegenem Dorf Jecha mit verwaltete, das bis 1653 alle Zeit ein Filialort des Sondershäuser Diakonats gewesen ist.

Jedoch sollte er auch hier noch nicht seine Laufbahn beschließen, sondern es brauchte ihn Gott auch noch an den dritten Ort: Als M. Sebastian Starck am 12. Januar 1575 auf die Superintendentenstelle nach Mühlhausen berufen wurde, mußte er ihm noch im erwähnten Jahr im hiesigem Pfarramt nachfolgen und wurde am Sonntag Miserikordias Domini eingeführt.

Am 23. September 1576, als er das zweite Jahr hier war, fing man an, die Toten auf dem Friedhof vor dem Grüningischen Tore zu begraben. Vermutlich wird Beinhardt ihn auch auf feierliche Art, jedoch nach dem lutherischen Evangelium, eingeweiht haben. Daher wird er auch in den lateinischen Versen erwähnt, die neben dem Eingang des Friedhofs in einen Stein gehauen sind, und zwar mit diesen Worten: „Matthäus Beinhardt lehrte hier zusammen mit Apollo Speiser das himmlische Wort Gottes.“

Er hat auch die Schäflein Christi hier volle 21 Jahre geweidet und sieben Diakone überlebt.

Er ist am 28. April abends gegen 6 Uhr hier gestorben und am 30. begraben worden. Sein Leichnam aber wartet auf die fröhliche Auferstehung am Jüngsten Tag auf dem erwähnten Friedhof. Er hat ausdrücklich festgelegt, dort begraben zu werden, obwohl seine Vorgänger in die Pfarrkirche bestattet worden sind.

Der damalige Rektor in Sondershausen und berühmte Dichter Matthaus Zimmermann hat das auf seinem Grabstein mit diesen Versen ausgedrückt:

        Beinhardum Sacrae tumulare volebat in Aede

            Pastorem civis gratior emeritum.

        Hoc sed agro voluit Mystes dormire sepultus,

            Et caris ovibus junctior esse suis.

        Laeta sonat moriens haec ultima verba: Jehovae

            Inscriptus dextrae funera quid metuam! 

Seine Witwe Anna aber wurde am. 27. November 1631 begraben. Ein Sohn mit dem gleichen Namen wie der Vater wurde am 29. Mai 1609 als Schüler im Alter von 16 Jahren hier begraben.

 

7. M. Anthon Leuber, vom 8. April 1597 bis 1606.

Im Jahre 1580 kam er in das Schulamt und wurde Rektor. Nachdem er aber dieses Amt noch kein Jahr innegehabt hatte, wechselte er die mühsame Unterrichtung der Schuljugend mit dem Pfarramt in Bilschleben. Jedoch blieb er auch hier nicht lange und wurde am 10. März 1581 zum Diakon nach Kindelbrück berufen. Weil er aber dort mit seinem Kollegen, dem Pfarrer Johannes Lang, in öffentlichen und ärgerlichen Zank lebte, so daß die Obrigkeit nicht länger darüber hinwegsehen konnte, so wurde Pfarrer Lang am 21. November 1582 auf Befehl des Oberkonsistoriums in Dresden aus seinem Amt entlassen. Er zog darauf nach Naumburg. Als er über Nacht in Eisleben bleiben wollte, verfiel er in Schwermut und starb dort. Der Diakon M. Anthon Leuber aber wurde auf Befehl des Konsistoriums in Leipzig nach Gorsleben (bei Artern) versetzt und der dortige Pfarrer Melchior Hase kam an seine Stelle nach Kindelbrück.                                                                                                                                    (51)

Nachdem er nun in Gorsleben sein Amt bis zum Jahre 1597 wohl ausgeübt hat, wurde er am 8. April wieder nach Greußen ins Pfarramt berufen. Am Sonntag Miserikordias Domini wurde er hier eingeführt durch den Superintendenten in Arnstadt Herrn M. Friedrich Roth und den Amtmann zu Clingen Nikolaus Wangenman. Daß ihn aber der Superintendent von Arnstadt einführte, geschah vermutlich wegen der Pest, die damals hier schon anfing. An ihr sind dann auch in diesem Jahre seit dem 26. August noch 114 Personen gestorben und im folgenden Jahr noch einmal 328. zusammen also 442. Weil es nun zu dieser Zeit in Sondershausen noch rein war, Arnstadt aber auch schon infiziert war, so hat man aus diesem Grund den dortigen Superintendenten zu dieser Amtshandlung herangezogen. So ist es auch im Jahre 1625 bei dem Diakon Valentin Buhl geschehen.

M. Leuber hatte dann auch hier in dem ersten Jahre seines Amtes einen schweren Stand wegen der grassierenden Pest. Dazu kam noch, daß er vom 8. Januar 1598 an bis auf den 31 Oktober die Dienstgeschäfte allein verrichten mußte, weil sein Herr Kollege Kornelius Kolbe vor seinem Tode über neun Wochen krank lag und danach die unbesetzte Stelle nicht eher besetzt wurde.

Mit welchem Eifer er aber und vermutlich auch in Schriften gegen die Feinde gestritten hat, nämlich gegen die Calvinisten und Bischöflichen, und wie er - nach dem Vorbild des Herrn Vorgängers - nicht in der Kirche, sondern auf dem Friedhof bei seinen Pfarrkindern, hat begraben werden wollen, ist aus seinem Grabstein zu ersehen.

Denn nachdem er am 17. März 1606 zwischen 2 und 3 Uhr mittags, als man den ersten Schlag zur Litanei und Betstunde getan hatte, gestorben ist und darauf am 19. christlich in die Erde bestattet wurde, setzte ihm Herr Matthäus Zimmermann, der Rektor und Dichter in Sonders­hausen folgende Grabschrift:

         Hei, ! et Leuberum tegit urna et arena cathedris         

             Qui pure foruit, coelica Iura sacris.

         In Greussen lamias zelo taxavit aperto ;

             Taxavit populi facta scelesta mali.

         Calvinum. Bezam. Tanneri somnia curvi

              Divino Mystes stravit hic eloquio.

          Iamque valedicens Greussensibus, Auditores

              Ad Christi digito duxit, et ore lytron.

          Mortuus in Templo sepelivi noluit, agro

              Hoc voluit somnum carpere, propter oves. 

Seine Witwe aber wurde im Jahre 1610 an Herrn Johann Fornfeist, öffentlicher Notar in Greußen verheiratet. Dieser wurde ihr aber untreu und verließ sie, so daß sie als eine Verlassene im Jahre 1640 im Alter von 74 Jahren gestorben ist und den 7. Mai begraben wurde. (52)

 

8. M. Johannes Riger, von 1606 bis 1612.

Die kaiserliche freie Reichsstadt Nordhausen war sein Geburtsort. Sie hat ihn zwar dreimal eingesetzt, aber doch endlich auch wieder abgesetzt. Die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung legte er in seiner Vaterstadt und danach wurde er in der damals berühmten Klosterschule in Walkenried weiter ausgebildet, so daß er also auf der Universität mit Ruhm die Magisterwürde annehmen konnte. Im Jahre 1583 wurde er Diakon zu Sankt Petri in Nordhausen, und 1584 kam er in gleicher Eigenschaft an die Kirche Sankt Blasii. Nachdem er aber vier Jahre dieses Amt mit gutem Erfolg innegehabt hatte, wurde er am 23. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1589 Pfarrer am Frauenberg.

Im Jahre 1590 gab er in Frankfurt in acht 19er-Bogen „Zwei Bücher über Ethik, darin die wahre Vernunft des guten Lebens enthalten ist“ heraus. Er widmete sie den damaligen Bürgermeistern von Nordhausen, Herrn Ernst Ernst, Johann Hoffmann und Johann Günther Wiegand, und auch dem juristischen Beamten (Syndikus) Georg Will und dem Doktor beider Rechte Christoph Luder. Weil dieses vermutlich noch eine Frucht seines gelehrten Fleißes war, kann man daraus ersehen, wie wohl er sich in der Jugend in der Philosophie geübt hat.

 

Als im Jahre 1592 im Kurfürstentum Sachsen über die Teufelsaustreibung („Exorzismus“) ein Streit entstand, brachte er seine Anregungen zu Papier, wie man den Sachsen raten könne, und übersandte sie von Nordhausen nach Dresden. Dies wurde ihm aber als ein Vorwitz ausgelegt: Er wolle ein hochmütiger Mann sein, der mit Gewalt etwas sein will und in der Welt groß werden wolle. So schrieb D. Marcus Gerstenberger, Kanzler in Weimar und Kufürstlich-Sächsischer Rat im Jahre 1593 an Ludwig Georg Wilde, einen juristischen Beamten in Nordhausen: „Es hat ein unruhiger Pfaffe vor drei Jahren ein Gutachten nach Dresden geschickt, wie allen Sachen abzuhelfen sei. Weil das aber eine ganz kranke Sache war, wurde er von dem römischen Redner Cato widerlegt: ‚Gib keinen Rat, ehe du nicht gerufen wirst!‘“

 

Da auch unter den kirchlichen Amtsträger in Nordhausen ein Streit über der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Heiligen Abendmahl entstanden war, wollte er diesen aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums in einer besonderen Abhandlung beilegen und sie in Mühlhausen drucken lassen.

Weil er aber dabei irrte, gab das Konsistorium dort es nicht zu, und der Superintendent M. Ludwig Helmbold schrieb deswegen an Pandochäus nach Nordhausen diesen gelehrten Brief:

Salutem in Christo Jesu, Tibi, tuisque omnibus! Reverende Vir, Amice, et Frater in Christo dilecte. Causam controversiae, in Ministerio vestro ortae, ex literis tuis cognovi, nempe diversam interpretationem verborum Christi de carne sua manducanda, et sanguine suo bibendo Joh. VI. Tractatum M. Johannis Rigeri, quo veram corporis Christi praesentiam ex praedicto capite asserit, ante aliquot mensis vidi cum editio ejusdem apud nostrum Typographum quaerebatur, verum justis de causis non concedebatur.

Assertionem illam parte Ministerii vestri aegre ferente fieri scribis, meamque sententiam de tali contradictione requiris, quam. ut simplicem veritatis amicum decet, Tibi paucis expono.

Rigeri vestri assertio ex capite VI. Johannis, non solum contra magni Lutheri, verum etiam contra Maximi Domini nostri Jesu Christi autoritatem pugnat.

Nulla enim ibidem fit mentis Sacramenti, quod Christus prae via Passionis suae nacte instituit, sermone et ritu Matth. XXVI. Marci XIV. Luc. XII. perspicue expresso, et i. Ca. XI. repetito.

Quae descriptiones nisi extarent, nullum ex VI. Johan. capite, si vel mille alia ejusmodi in Bibliis haberentur, benedicti panis et calicis Sacramentum. nulla veri corporis et Sanguinis Christi coena constitui, et celebrari posset.                                                                               (53)

Diversitatem ejus modi capitum et institutionum manifestissima argumenta ex ipso Textu sumta ostendunt, quorum unum. atque alterum ad scribere lubet :

      1. Omnes manducantes et bibentes secundum Joh. VI. habent vitam aeternam

Soli credentes habent vitam aeternam.

E. soli credentes manducant et bibunt juxta Johannem.

      2. Soli credentes manducant juxta Johannem.

Non soli credentes, verum etiam indigni, juxta Paulum. et ceteros Evangelistos.

E. aliud est Pauli manducare, quam Johannis, unum scilicet spirituale, alterum corporale.

      3. Homini esuro panem benedictum opus est probatione sui.

  Homini credituro in Christum non opus ejus modi probatione.

  E. credere secundum Johannem et credere secundum Paulum non sunt idem.

  His similibus argumentis irrefragabiliter evencitur aliam esse sententiam Christi in

  Johanne, quam in caeteris Evangelistis et Paulo.

Velim itaque M. Joh. Rigerum placide et frater memoritum de concepta sua opinione desistere, et Majorum, prae usque Sancti Lutheri vestigiis insistere. Periculosa est quoniam tam hodie longe supra Lutherum illuminationis persuasio.

Spiritus enim, qui contra Lutherum, vel potius contra Christum in VI. capite Johannis sentire jubet, idem ejus modi contradictionem etiam in reliquis Evangelistorum locis de Sacramento scriptis, excitare potest, ut ex Lutherano Calvinista, et Evangelico Augustanae Confessionis amico hostis, ex Concordiae assertorende sertor fiat.

Tam nefandam degenerationem clementer et potenter avertat Deus, Pater Domini nostri Jesu Christi, et veritatem abundi nobis ostensam inter omnes Ecclesiae nostrae Ministros, operante Spiritu sancto, porro conservet. Amen. Molhusii Anno 1592. d. 30. Octobris.

 

Schließlich kam er mit einem Mitpfarrer und seinem Vorgesetzten D. Johannes Pandochäus in einem Streit, der ihm die Absetzung einbrachte. D. Johannes Pandochäus, der Pastor zu Sankt Nicolai und damaliger Superintendent in Nordhausen, hatte sich in Verdacht des Calvinismus ausgesetzt und darüber mit seinen Anhängern einen Streit erregt, der die Kirchengemeinde Nordhausen jämmerlich zerrüttete. Er lehrte, es würden in der Taufe nicht alle Kinder wiedergeboren, und leugnete, daß der menschlichen Natur Christi die Mitteilung der göttlichen Majestät geschehen sei, und behauptete, zwischen Luther und Calvin sei in der Lehre über die Vorherbestimmung (Prädestination) kein Unterschied, und predigte, Christus habe nicht allen Menschen, ohne Unterschied, das ewige Leben erworben, usw.

Diesem aber widersetzte sich M. Johannes Riger mit allem Ernste und widersprach Pando­chäus und seinen Anhängern nicht allein auf der Kanzel, sondern auch in veröffentlichten Schriften. Ich weiß nicht, ob er das Maß überschritten und aus der Widerlegung einen krachenden Blitz gemacht und seinen Gegner in der Erregung nur gelästert hat, daß er aber eine gerechte Sache zu verteidigen versuchte, ist gewiß genug.

Weil es aber damals üblich war, daß diejenigen, die sich dem einreißenden Kryptokalvinismus wiedersetzten, nichts anderes als den Laufzettel zu erwarten hatten - wie es später bei dem achten Kantor Erasmus Rothmahler geschildert werden wird - so ging es auch mit diesem.                                                                                                                                      (54)

Am 22. Februar 1597 wurde ihm nicht allein die Kanzel verboten, sondern man setzte ihn schließlich am 21. April auch ab, weil er es am Sonntag Palmarum gewagt hatte, nach eigenem Wohlgefallen die Kanzel wieder zu betreten. Er ging zwar darauf an das Gericht in Speyer, um den Nordhäuser Rat dort zu verklagen, erhielt aber kein Recht.

Doch Gott sorgte für ihn und erweckte die Herren Grafen von Schwarzburg, daß sie ihn nicht nur alsbald bei seiner Rückkehr nach Schernberg brachten, sondern auch von da nach Greußen setzten. Nachdem der hiesige Vorgänger Magister Anthon Leuber am 17. März 1606 verstorben war, legte Riger hier auf gnädigste Verordnung der damals gemeinschaftlich regierenden vier Herren Grafen von Schwarzburg, Herrn Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, am zweiten Pfingstfeiertag die Probepredigt ab.

Danach haben der Rentmeister zu Clingen, Nikolaus Wangemann, und der Rat und die ganze Bürgerschaft - mit Einwilligung des Diakons Paul Seitz - einmütig die Zustimmung zu seiner Berufung gegeben. So wurde er am 2. August schriftlich berufen, und der Herr Kanzler D. Bodinus hat ihm auf Befehl seiner gnädigsten Herren die Berufung selbst zugestellt. Am 17. Sonntag nach Trinitatis, das war der 12. Oktober, wurde er durch den Herrn Dekan Johann Götze in Sondershausen und den Rentmeister zu Clingen Nikolaus Wangemann eingesetzt und bestätigt.

Er war hier öfters krank, besonders als die Jahre herbeikamen, von welchen es heißt: „Sie gefallen mir nicht!“ (Prediger 12, Vers 1). Daher machte der Dichter Matthäus Zimmermann aus dem Namen Johannes „Rigerus“ den Vers (Anagramm): „Res vera in signo“ (Die Wahrheit liegt im Wunder“). Mit der Erklärung: „Ein kranker Priester: Im Wunderzeichen liegt die Wahrheit! Meine Sache ist wahr: Das Wunder, mit dem ich gewürdigt werde, ist das Kreuz Gottes!“ Am 11. Juni 1610, vormittags um 9 Uhr, nahm ihm Gott seine Frau Kunigunde hinweg. Deswegen wurde die sonst übliche Jahrmarktspredigt nicht gehalten.

In den folgenden Jahren brachte er auch die beiden Weinberge wieder an das Pfarramt. Der hiesige Rat hatte nämlich die beiden zum Pfarramt gehörenden Weinberge seither in seine Hand gebracht, nämlich vier Äcker hinter dem Warthügel und fünf Äcker auf dem Triller. Dafür hat er dem Pfarrer jährlich 12 Eimer Wein von der Kelter oder - falls dieser mißraten war - 12 Gulden Geld gegeben. Er meinte, er könnte diese neun Äcker weit besser nutzen, wenn sie wieder an das Pfarramt gegeben würden. Die vier Äcker hinter dem Warthügel, die schon fast wüst und öde waren, sollten zu Ackerland gemacht werden. Von den fünf Äckern auf dem Triller sollten die beiden besten und obersten in einem zum Anbau geeigneten Zustand erhalten werden, die andern drei aber teuer verkauft werden und von den erzielten Geld dem Pfarrer der Zins gegeben werden.                                                                         (55)

Deswegen hat er am 3. September 1610 beim Rat schriftlich eine Eingabe gemacht. Dieser schickte sie an das Konsistorium nach Sondershausen. Am 15. Februar 1611 wurde sie ihm zurückgegeben und auch von dem Rat und allen Vierleuten angenommen und ihm auch die fraglichen neun Äcker am 21. März wieder tatsächlich übergeben.

Darauf machte er die vier Äcker hinter dem Warthügel zum Ackerland. Von den fünf auf dem Triller wurden zwei abgemessen und die übrigen drei sollten für 100 Gulden verkauft werden, weil sie im damaligen Zustand nicht höher eingeschätzt wurden; der zukünftige Besitzer sollte dafür dem Pfarrer davon auch jährlich 9 Pfennig Erbpacht geben. Dies geschah im Jahre 1611 unter der Leitung der Bürgermeister Conrad Grüning und Andreas Lauterborn

Im folgendem Jahr wurde am 16. März 1612 mit dem Ausreißen der Weinstöcke hinter dem Warthügel angefangen und dies am 29. vollendet, so daß das ganze Stück artgemäß wurde. Auf dem Triller geschah das Ausreißen zwar auch, doch der Verkauf von drei Äckern kam nicht zustande, so daß das ganze Stück noch bis zum heutigen Tag der Pfarrei gehört.

Nachdem er dieses zustande gebracht hatte, starb er am 6. Oktober 1612 nachmittags um drei Uhr, nachdem er gerade 6 Jahre weniger 6 Tage das hiesige Pfarramt durch Gottes Gnade mit gutem Nutzen und Ruhm ausgeübt hatte und alle Zeit, als ein unsträflicher, freundlicher und friedlicher Mann gelobt worden war.

Seine Tochter Anna wurde an Meister Hans Schuchardt, einen Fleischbeschauer und späteren Ratsherrn, getraut und war also eine Großmutter des noch jetzt lebenden hiesigen praktischen Arztes Herrn Johann Philipp Schuchardt.

 

9. M. Christoph Grosspitz, von 1613 bis 1625

Er selbst schrieb seinen Namen „Grosspitsch“ oder lateinisch „Grosspitschius Nyssenus“. Sei­ne Geburtsstadt war Neiße in Schlesien. So wie er dort in der päpstlichen Religion erzogen worden war, also diente er danach auch als ein päpstlicher Pfarrer in Waldaschaff („Waldaschach“) im Bereich des Stiftes Würzburg. Da ihn aber die göttliche Fügung zu dem goldenen Büchlein Luthers über den Brief an die Galater führte, kam er durch Lesung dieses Buches zur Erkenntnis derer Irrtümer im Papsttum und zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit im Luthertum. Er verließ das Papsttum und bekannte sich zum Luthertum. Daher rechnet ihn Herr D. Georg Heinrich Götze, der berühmte und um die Kirche Gottes verdiente Superintendent zu Lübeck, mit unter die Bischöfe, die aus der Lesung der Schriften Luthers bekehrt wurden.

Darauf wandte er sich nach Thüringen und wurde im Jahre 1604 Vierter Lehrer in der Schule zu Arnstadt, und weil er sich im Predigen immer übte und gute Gaben hatte, wurde er im Jahre 1609 Subdiakon an der Sankt Bonifatiuskirche.

Vorher aber hatte er am Pfingstdienstag 1608 in der Pfarrkirche in Jena über den vorgeschriebenen Evangelientext aus Johannes 10 eine Berufungspredigt gehalten und dabei den römischen Rottengeistern Lebewohl gesagt und das allein seligmachende Evangelium Jesu Christi freudig angenommen, wie es in dem ungeänderten Augsburgischen Bekenntnis, den Schmal­­kaldischen Artikeln und der Konkordienformel dargestellt wird.

In der Einleitung vergleicht er sich mit dem Naeman (2. Könige 5) und deutet den Aussatz auf die irrige falsche und verfluchte Lehre, in der er bisher gesteckt hat, und zeigt, wie er durch die Lesung des goldenen Büchleins Luthers über den Brief an die Galater zur Erkenntnis gekommen sei. In der Predigt zeigt er an,

1. was unter der Tür, dem Schafstall, dem Hirten, dem Türhüter und den Schafen verstanden wird.

2. was von denen zu halten ist, die anderswo als durch die Tür in den Schafstall steigen, daß sie Diebe und Mörder sind. Er deutet sie auf die römischen Seelenmörder.

a) Die Tür soll die Heilige Schrift sein, er sagt aber, daß hierunter ein Geist stecke, weil die Schrift über Christus gesetzt und ihm ein Ansehen geben soll, wie noch heutiges Tages im Papsttum die Kirche erhoben wird, über die Schrift zu urteilen. In erster Linie sei Christus die Tür.     

b) Der Schaf-Stall sei die christliche Kirche, deren Vorbild die Arche Noahs (1. Mose 7) und das Haus Rahab (Josua 2)                                                                             (56)

c) Der Türhüter soll nach Chrysostomus Moses sein, nach Cyrill ein besonderer Kirchenengel (Daniel 10 und Offenbarung 2), nach Rupertus und Theodor von Mopsvestia wurde nicht zu Unrecht der heilige Geist darunter verstanden, doch neigt der Verfasser der Meinung zu, daß die ganze Heilige Dreifaltigkeit der Türhüter sei.

d) Der Hirte sei allein Christus (Hesekiel 34). Doch es könne im besonderen Fall auch ein jeder getreuer, frommer Prediger darunter verstanden werden, besonders D. Luther.

e) Die Schafe sind nicht wie nach Bedas Meinung allein die Vorsteher und Auserwählten, sondern nach Chrysostomus alle, die in der Kirche sind, Gute und Böse. Diebe und Mörder sind nicht die rechten Propheten, die vor Christi Ankunft gelebt haben, sondern die Rotte Kora (4. Mose 16), die Söhne Aarons mit dem fremden Feuer (3. Mose 10) und die, von denen Hesekiel 34, Matthäus 24, Erster Timotheusbrief, Apostelgeschichte 20 und 2. Petrusbrief 2 sprechen. 

Damit aber der rechte Zweck getroffen werde, so sagt er rund und von ganzem Herzen, daß all und jedes Stück, das von Dieben, Mördern, Wölfen, falschen Hirten, Lehrern und Propheten erzählt, den römischen Seelenmörder meint, den Papst als den falschen Lehrer, Luzifer, den Obersten und Rädelsführer. Das wird dadurch bewiesen, daß er das Priestertum Christi sich selbst zulegt und als ein Hohepriester ausgerufen sein will und die Heiligen Dinge, Gaben und anderes für sich beansprucht, mit Nadab und Abihu (3. Mose 10,1) fremdes Feuer durch erdichtete Greuel der Messe auf den Altar bringt, die Geschöpfe anstatt des Schöpfers - das Brot in der Monstranz eingeschlossen - und die Heiligen anzubeten befiehlt, die Ehe verbietet, der Geistliche Glocken tauft, Lichter, Öl, Brot und Wein weiht, die Bösen stärkt in der Bosheit durch Ablässe, gibt sich als Nachfolger des Petrus aus, und will doch nicht gestraft sein, da doch Petrus sich von Paulus hat strafen lassen müssen und ihm auch gefolgt ist (Apostelgeschichte 15, Galater 2), daß er das Heilige Abendmahl verstümmelt, usw.  

Nachdem er sich nun also mit Mund und Herz von dem Papsttum abgewandt hatte und die Wahrheit des Evangeliums im Luthertum angenommen hatte, verwaltete er das Amt eines evangelischen Predigers in Arnstadt mit solchem Ruhm, daß er von seinen Zuhörern und auch

Fremden gerühmt und gelobt wurde.

Als hier in Greußen eine unbesetzte Pfarrstelle war, legte er am 15. April 1613 (dem Sonntag Miserikordias Domini) - auf untertänigstes Bitten der Bürger und gnädigste Anordnung der Herrschaft - eine Probpredigt für das Amt des guten Hirten ab. Als er diese zu jedermanns Zufriedenheit gehalten hatte, wurde ihm am 26. mit einhelliger Zustimmung des Rats und der Bürger die Berufung zum Pfarramt in Greußen zugeschickt und am 29. erfolgte die Bestätigung.

Am 19. Mai wurde er mit Weib und Kind und allem, was er hatte, in Arnstadt abgeholt, nicht ohne Klagen der dortigen Bürger, die ihn gern länger behalten hätten. Er kam abends um 7 Uhr glücklich hier an. Zu seiner Abholung waren zwei Herren des Rates bestimmt, nämlich Herr Friedrich Happe und Herr Johann Rothe.

Am zweiten Sonntag nach Trinitatis, wurde er durch die Herren Kommissare, den Dekan von Sondershausen Herrn Johann Götz und den Rentmeister zu Clingen Niko­laus Wangemann, in sein Pfarramt eingesetzt und bestätigt. Von da an fing er auch an, sein Amt mit aller Treue und allem Fleiß zu verwalten.

Dabei hat er ohne Kreuz und Anfechtungen nicht bleiben können. Mit dem Rat hat er vielen Streit wegen der Pfarrländereien. Und die Gräflich-Schwarzburgische Kirchenordnung hat er nicht bestätigen wollen,

Am 3. August 1618 setzte ihn Gott in den betrüblichen Witwerstand. Am 4. Juli 1620 aber wurde er wieder mit Jungfer Maria Catharine getraut, Tochter des Herrn Johann Dauer, Bürgers und Handelsmanns in Weißensee. Er hat aber in dieser Ehe nicht länger gelebt als bis zum Jahre 1625, als er am 19. August in dem großen und sonst hier nie gehörten Sterben auch mit hingerafft wurde.

Er hat das hiesige Pfarramt elf Jahre geleitet. In seinen Predigten war er schriftreich und erbaulich, wie es zu ersehen ist aus einer Leichenpredigt, die er am 3. Dezember 1621 gehalten hat auf das Söhnchen des Herrn M. Balthasar Thamm, Doktor beider Rechte und hiesiger Rechtsanwalt

Zu seiner Zeit kam die für Land und Leute verderbliche Kupfermünze auf, mit der er sich auch hat besolden lassen müssen: Alle Lebensmittel sind im Preis zehnfach höher gestiegen, als sie sonst gekostet haben. Es kostete nämlich der Weizen (Nordhäuser Maß) 20 Gulden, Roggen 8 Gulden, Gerste 4 Gulden, Hafer 2 Gulden 10 Groschen 6 Heller, 1 Scheffel Heckerling 4 Groschen, 1 Scheffel Rübensamen 6 Gulden, 1 Stück Speck 1 Gulden, 1 Pfund Butter 1 Taler, 1 Pfund Käse 10 Gulden, 15 Stück (1 Mandel) Eier 1 Gulden, 1 Pfund Schweinefleisch 10 Gulden, Rindfleisch 9 Gulden, Kalbfleisch 6 Gulden, 60 Stück (1 Schock) Kraut 1 Taler, 1 Kanne Bier 4 Gulden, 1 Paar Schuhe 4 Gulden. Doch im Jahre 1624 wurde alles wieder in den vorigen Stand gesetzt. Diese Jahreszahl steht in dem Vers: „IsVs et est sVbIto, qVt MoDo CroesVs erat“ (die Großbuchstaben MDCVVVVII ergeben nur die Jahreszahl 1622). (57)

 

10. Christoph Oehmich.

Seine Geburtsstadt war die kaiserliche freie Reichsstadt Nordhausen, wie aus seiner eigenen Unterschrift im hiesigen Kirchenbuch zu ersehen ist. Wo er aber die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung gelegt hat und auf welcher Universität er sich zum künftigen Predigtamt vervollkommnet hat, habe ich nirgends gefunden, zumal auch Herr M. Johann Heinrich Kindervater in der gelehrten Abhandlung „Vom gelehrten Nordhausen“ ihn nicht erwähnt.

Sein erster Eintritt ins Lehr- und Predigtamt geschah im Königreich Böhmen, in einer Stadt die Prossen genannt wird („Brußen“, an der Elbe bei Königstein), die auf dem Gebiet des Herrn Wilhelm, Freiherrn von Chiritz und Tattauw, auf Töplitz, Neuschloß usw., sieben Meilen hinter Dresden liegt, wo er Diakon gewesen ist.

Als aber Kaiser Ferdinand II. im Jahre 1621 bei Prag die Schlacht gegen den neuen König in Böhmen Friedrich V. geführt hatte, wurden von da an die Jesuiten wieder in Böhmen aufgenommen und dafür alle Evangelischen und dem reinen ungeänderten Augsburgischen Bekenntnis zugetanen Lehrer und Prediger vertrieben, so daß ganz Meißen, Franken und Thüringen mit lutherischen Vertriebenen angefüllt wurde. Diese allgemeine Verfolgung betraf im Jahre 1624 auch Herrn Christoph Oehmich, so daß er seine Gemeinde mit Weinen und Wehklagen verlassen und sich in seine Vaterstadt nach Nordhausen begeben mußte.

Am 19. August 1625 war M. Grosspitz von hier in der grausamen Pest, die im diesem Jahres in der hiesigen Unterherrschaft wütete - besonders aber in Greußen und Großenehrich - hinweggerafft worden und nur noch als Einziger war Diakon Sander übrig. Die Herrschaft aber, nämlich Herr Graf Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, konnte in dieser großen Not so schnell keinen Pfarrer einsetzen.

Deshalb befahl sie durch die Herren Konsistorialräte in Sondershausen - aber auf das untertänigstes Ersuchen der hiesigen Stadt hin - daß sich Christoph Oehmich von Nordhausen

sich zum Ersatz des erledigten Pfarramts in Greußen bereit erklärte und eine Probepredigt übernehmen wollte.

Er hat sie auf sich genommen, weil er doch unlängst als Bittsteller darum gebeten hatte, an ihn als einen Vertriebenen in Gnaden zu denken. Am 24. August (Bartholomäustag) - an dem 23 Beerdigungen gewesen waren - hat er die Predigt auch gehalten. Am dritten Tag danach, dem 26. August, hat er gleich die Berufung empfangen und am 11. Sonntag nach Trinitatis seine erste Amtspredigt gehalten.             

Sein Kollege Diakon Herr M. Sander wurde an diesem gleichen Sonntag auch an der Pest krank und starb donnerstags darauf, am 31. August, daß also der neue Nachfolger in dieser trübseligen Zeit alleine hinterlassen wurde. Jedoch hat ihn Gott in seinem schweren Amt gnädig gestärkt und wundersam erhalten, obwohl er gleich öfters den an der Pest Kranken und Sterbenden beistehen mußte.

Am 5. November 1626, dem 22. Sonntag nach Trinitatis, wurde er zum Diakon eingesetzt, kam aber gewissermaßen aus einer Trübsal in die andere, weil er nach überstandener Pest auch den Dreißigjährigen Krieg erlebte. Davon wird bei den Diakonen weiteres berichtet.

 

11. Johannes Helwig, von 1626 bis 1637.

Sein Geburtsort war Holzthaleben im schwarzburgischen Amt Keula. Er hatte bereits 11 Jahre Gott in seiner Kirche in Arnstadt treu und fleißig gedient, nämlich von 1615 als Hilfspfarrer und von 1616 bis 1626 als Unter-Diakon.                                                                            (58)

In diesem Jahr aber kam er nach erhaltener ordentlicher Berufung hierher nach Greußen. Es war, nachdem die Pestzeit ganz vorbei war, aber dann doch in einer recht betrübten und elenden Zeit. Denn nicht allein die Stadt war von Einwohnern sehr entblößt, weil sie in vorigem Jahre durch das große Sterben 843 Personen eingebüßt hatte, sondern es hatte sich die Unruhe des Dreißigjährige Krieges bereits im ganzen Land ausgebreitet und es drohte dieser lieben Stadt ein Elend nach dem andern.  

Als er am 3. November hier mit Frau und Kind ankam, hatte er einen solch schlechten Anblick, daß es nicht anders schien, als ob Gott zu ihm spreche: „Ich will ihm zeigen, wie viel er wird leiden müssen an diesem Orte!“ Denn als er des Abends etwas später ankam, waren nicht nur die Tore geschlossen, sondern es war auch die ganze Bürgerschaft in großer Furcht, weil der Großherzog von Florenz mit einiger Mannschaft vor dem Tore hielt und Quartiere begehrte. Dieses wird weiter unten zusammen mit anderen Dingen näher ausgeführt werden.

 

Am 5. November aber, am 22. Sonntag nach Trinitatis, wurde er von Herrn Salomon Glass, dem noch jetzt hochberühmten Doktor der Theologie und Superintendent in Sondershausen, und Hieronymus Heden, Doktor beider Rechte und Hofrat in Sondershausen und auch Herrn Sylvester Schwanengel, dem Rentmeister zu Clingen, eingesetzt und eingeführt.

Es war nun den vorhergehenden Sommer über wegen der Einquartierung der Merodischen Völker hier ein solches Elend gewesen, daß man ganze elf Wochen, nämlich von Sonntag Jubilate bis zum 7. Sonntag nach Trinitatis, keinen öffentlichen Gottesdienst hat halten können. Die Bürger waren nämlich mit all ihrer besten Habe in die Kirche geflüchtet, so daß sie deswegen geschlossen werden mußte. Es wurde im Winter auch nicht besser, weil immer ein Durchzug und eine Einquartierung nach der andern kam, so daß jeder in bezug auf seinen Besitz nur immer noch weniger sicher sein konnte.  

Im Jahre 1631 aber stieß Pfarrer Helwig bei dem Einfall Tillys und der Ausplünderung eine große Trübsal zu. Es wurde nämlich nicht nur die ganze Stadt ausgeplündert, sondern auch die Kirche aufgebrochen, jämmerlich verwüstet und aller ihrer Kostbarkeiten beraubt. Dabei geriet der Pfarrer selbst in die Hände zweier sehr unbarmherziger und gottloser Kriegsknechte, die ihn mit Schlägen übel behandelten und nicht eher losließen, bis er 15 Dukaten und 5 Taler Lösegeld gezahlt hatte. Dennoch hat er dieses Kreuz mit Geduld ertragen und Gott gedankt, daß er ihm nur am Leben keinen Schaden hat erleiden lassen.

So hat es auch der vornehme Theologe und teure Mann Gottes getan, Herr D. Johann Gerhard in Jena. Diesen wollten die kaiserlichen Soldaten auf Anstiften päpstlicher Geistlicher am Kopf nehmen. Weil ihn aber Herr D. Major versteckt hatte, so daß die bösen Buben ihr Vorhaben an seinem Leib und Leben nicht verwirklichen konnten, so nahmen sie ihm alle seine beweglichen Besitztümer, die auf etwa 1000 Gulden geschätzt wurden. Es regte sich aber dieser vornehme Theologe nicht gar sehr darüber auf, sondern sprach in einer zu rühmenden Gelassenheit: „Gott bekehre diese losen Leute und gebe mir nur christliche Geduld.“

Nicht anders machte es der verstorbene Herr Johannes Helwig von hier. Er hielt in diesen trübseligen Zeiten mit Geduld aus, bis daß ihn Gott am 11. Oktober 1637 aus der streitenden Kirche in die triumphierende aufnahm zu sich in den Himmel. Er wurde am 13. begraben, nachdem er das Pfarramt hier elf Jahre mit Ruhm und Geduld ausgeübt hatte. Er hat sein Leben gebracht auf 56 Jahre weniger 12 Wochen und 3 Tage. Seine hinterlassene Witwe aber wurde am 14. April 1645 mit Herrn M. Georg Berthold Rode, den Pfarrer zu Kannawurf, getraut.                                                                                                                                     (59)

Zu seiner Zeit betrug die hiesige Pfarrbesoldung 100 Gulden in Geld, 10 Marktscheffel und 1 Scheffel Früchte, halb Weizen und halb Gerste. Zuvor waren es 8 Marktscheffel und 4 Scheffel Weizen und auch so viel Gerste.

Nachdem man aber eine halbe Hufe Land dem Johann Schonert (oder: Schoumt) wieder abgestritten hatte, der vorher Pacht dafür hat geben müssen, und der Pfarrer 6 Äcker dafür bekommen hatte, so sind an Getreide 3½ Scheffel Weizen und 3½ Scheffel Gerste weggefallen. Die 6 Äcker aber von Schonert sind folgende: 2 Ar beim Langen Stein, 2 Ar im Zwinger und 2 Ar am Tennstetter Weg.

Ferner 1.080 Bündel Reisigholz, davon 360 aus dem Bürgerwald und 72 aus dem Mönchswald, 12 Malter Scheitholz von Gnaden der gnädigen Herrschaft und des Klosters Ilfeld, ein Garten bei der Steinfarthsmühle, das Gras auf dem Friedhof, zu jedem Hauptfest ein Stübchen Wein (fast vier Liter) und 1 Ar Wiese im Ried.

Ferner eine halbe Hufe Land an folgenden Stücken:

5  Ar   hinter dem Warthügel

2 ½ Ar am Kirchberg

2 ½ Ar bei dem Langen Stein

¾ Ar   in der Dreyse (?)

2. Ar   im Flattich

3  Ar   im Bohn-Lande

2  Ar   im Grüningischen Felde, wovon ½ Ar Wiese waren

¾ Ar   am Mönchberg

18 ½ Ar.

 

Ebenso:

2. Ar    im Topfstedter Feld, bei dem Kreuzweg.

4 Ar    ausgerodete Weinberge am Warthügel.

5 Ar    ausgerodete Weinberge am Triller.

Zu dieser Zeit ist also die Besoldung in allen Stücken gewesen wie sie jetzt noch ist, nur daß heute die Wiese im Ried nicht mehr zu finden ist.    

 

12. Joachim Dreyschärf, von 1638 bis 1676.

Das Licht dieser Welt hatte er hier in Greußen am 25. Februar 1605 erblickt. Sein Vater Cae­sar Dreyschärf war ein Musiker. Weil ihn Gott die Trübsal des Dreißigjährigen Krieges wollte erleben lassen, so ließ er ihn erst einmal als Schullehrer Geduld lernen. Zuerst wurde er Rektor in Belgern in Sachsen. Dort hat er auch geheiratet, und dort ist ihm die Frau auch wieder gestorben.

Danach war er hier in seiner Vaterstadt, und zwar noch zu Lebzeiten des Vorgängers M. Sebastian Starck. Weil dieser wegen seines hohen Alters nicht mehr das Haus verlassen konnte, wurde ihm für den übrigen Rest seines Lebens eine Entschädigung vermacht. Dafür wurde M. Joachim Dreyschärf am 17. Dezember 1633 auf gnädigsten Befehl der Herrschaft durch den Amtmann zu Clingen Anhard Schmied und den hiesigen Pfarrer Johann Helwig eingeführt. Weil der pensionierte Pfarrer das Schulhaus noch bewohnte, wurde ihm vom Rat in dem Haus des verstorbenen Herrn M. Grosspitz die untere und obere Stube und eine geschlossene Kammer gemietet.

Im Jahre 1634 wurde er nach dem Tod des Rektors Starcke dessen Nachfolger. Am 15. Mai schloß er hier seine zweite Ehe und wurde getraut mit Jungfer Marie, des verstorbenen Herrn Bürgermeister Zacharias König hinterlassene Tochter.

Nachdem er aber die hiesige Rektorstelle fünf Jahre mit gutem Nutzen für die anvertraute Ju­gend ausgeübt hatte und nicht allein gute Gaben als Lehrer, sondern auch schöne Gaben im Predigen an ihm beobachtet wurden, wurde er am 7. April 1638 von den damals noch gemeinschaftlich regierenden vier Herren Brüder auf die hiesige Pfarrstelle berufen und wurde auch Beigeordneter des Aufsichtsbezirks Sondershausen. Am 18. April hielt er die erste Predigt in diesem neuen Amt und am 20. die erste Leichenpredigt auf die Frau des Bäckermeister Hans Reinhard, die 72 Jahre und 8 Wochen alt war.

Den 21. August wurde die Tochter des Herrn D. Andreas Tentzel, des hiesigen praktischen Arztes und Bürgermeisters, von ihm getauft, weil der Diakon Christoph Oehmich Pate wurde. Das war auch seine erste Taufe, bei der auch mit Erlaubnis der Herren Pfarrer die Jubelglocke zum erstenmal geläutet wurde.       

In diesem seinem Amte hat er nun viel Trübsal erduldet, abgesehen davon, daß die Kriegszeiten besonders für die Geistlichen viel Ungemach mit sich bringen, weil diese, wenn die anderen alle fliehen, aushalten müssen.                                                                                            (60)

In dem letzten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges waren die erwähnten vier hochgräflichen Landesväter alle gestorben. Aber auch die drei Söhne des Herren Graf Christian Günther, nämlich Graf Christian Günther, Anthon Günther und Ludwig Günther, regierten nach dem preiswürdigen Beispiel des in Gott ruhenden Herrn Vaters und der Vettern auch gemeinschaftlich. Am 31. Mai 1651 aber haben sie sich in ihr Land geteilt. Dem Herren Graf Ludwig Günther zu Ebeleben fielen die Stadt Greußen und Großenehrich neben den beiden Dörfern Rohnstedt und Wenigenehrich aus dem Amt Clingen zu. So wurde er Inspektor der Grafschaft Schwarzburg, Ebelebener Teil, und mußte von da an von hier aus die nötigen Konsistorialtage in Ebeleben besuchen.

Dies geschah bis zum Jahre 1657, wo er am 5. Januar von dieser Welt abgefordert wurde, nachdem er das Amt eines evangelischen Predigers in den betrübten Zeiten mit gutem Ruhm ausgeübt und dabei von Gott in zeitlichen Dingen reichlich gesegnet worden war.

Das Begräbnis geschah am 7. Januar. Er wurde er mit volkreichem Geleit und. geistlichen Feierlichkeiten in die Kirche getragen und nach der Leichenpredigt gleich bei den Stufen begraben. Dabei ist besonders erwähnenswert, daß er in das Grab seines verstorbenen Großvaters mütterlicherseits, dem früheren Diakon Herrn M. Weber, gelegt wurde, dessen Grabstein aufgehoben wurde und ein neuer wurde darauf gelegt.

Er hat kein höheres Lebensalter erreicht als 52 Jahre, jedoch unter vielem Jammer und Not.

Zuletzt war er so hinfällig, daß ein Stellvertreter für ihn bestimmt wurde, nämlich M. Michael Tieroff von Nordhausen. Als dieser aber hierher kam, um sich mit ihm abzustimmen, trug man ihn eben zu Grab. Darauf trug Herr Graf Ludwig Günther, dem für Greußen bestimmten Stellvertreter zwar die Pfarrstelle in Rockstedt an, aber die Theologische Fakultät Jena widerriet ihm, diese anzunehmen.

Die hinterlassene Witwe aber, Frau Maria, starb am 25. September 1676, nachdem sie ihr Leben gebracht hatte auf 65 Jahre und wurde am 27. am 29. September (Fest des Erzengels Michael) mit einer Predigt begraben, nachdem sie erst in die Kirche getragen worden war.

 

13. Christoph Toppius (Topf), von 1657 bis 1659.

Er war zu Sondershausen geboren am 4. Februar 1590. Sein Vater war der Tuchmacher Martin Topf, und sein leiblicher Bruder Andreas Toppius war Pfarrer in Wenigentennstedt, dessen Gedächtnis wegen seines großen Fleißes in thüringischen und anderen Geschichten zu Recht alle Zeit im Segen bleibt.

Als sein Vater ein neues Haus baute, fiel sein Sohn Christoph, weil die Zimmerleute über eine schadhafte Stelle eine Brücke gelegt hatten, durch diese Brücke drei Stockwerke hoch herunter auf den Keller. Er zerbrach das rechte Bein, so daß er für tot gehalten und aufgehoben wurde und große Schmerzen hat leiden müssen. Doch wurde er durch einen ge­schick­ten Barbier glücklich geheilt, so daß er dann zur Schule und zu Studien angehalten wurde. Im Jahre 1613 schickt ihn sein Vater auf die Universität Jena und gab ihm zu seinem Studium drei Jahre lang 300 Gulden. Diese wurden ihm bei der Verteilung des Erbes 1637 abgezogen, damit auch die beiden anderen Brüder Paul und Andreas eben so viel wie der erste bekamen.

In den Weinberg des Herrn wurde er einige Male zu einem Mitarbeiter berufen. Im Herbst 1616 wurde er also hier in Greußen Kantor. Im folgenden Jahre hielt er am 4. Mai 1617 in Sondershausen Hochzeit mit Jungfer Catha­rine Topf, Tochter seines verstorbenen Herrn Vetters Nikolaus Topf, der hier Diakon gewesen war.

Im August 1621 (oder erst im Jahre 1622) kam er ins Pfarramt nach Wiedermuth und im Februar 1627 nach Urbach. Dort hielt er am 10. Juni dieses Jahres seine zweite Hochzeit mit Jungfer Barbara Sig­fried, Tochter der Herrn Pfarrer in Urbach.

Wegen des Krieges konnte er in diesem dritten Amt in seinem Pfarrhaus nie sicher wohnen und mußte sich immer verjagen lassen. Als 1631 der kaiserliche Feldherr Graf Johann Tilly sein Feldlager vor Mühlhausen hatte, wurde er als damaliger Pfarrer von Urbach, von einem Trupp Reiter in das kleine Birkenwäldchen gejagt, grimmig bedroht und das Wäldchen fünfmal durchritten; er wurde aber doch nicht gefunden.

Noch in demselben Jahr kam er um alle seine Habe, als die Soldaten Tillys am 4. Juli in der Absicht, die Bauern zu dämpfen, das Pfarr­haus zu Urbach anbrannten, so daß noch sechs Häuser im Dorf mit im Feuer aufgingen.

Am 22. Juni 1632 kam eine starke Partei kaiser­licher Krieger vom Eichsfeld. Es gelang ihnen, ihn auf dem Feld zu fangen. Sie banden ihm den rechten Arm mit einem Strick so hart, daß er ganz grün wurde. Sie plünderten das gräfliche Schloß in Ebeleben und schleppten den gefangenen Pfarrer Toppius mit nach Duderstadt. Sie schlugen und schmähten ihn unterwegs gar übel, ließen ihn dort fünf Wochen im Arrest sitzen, bis der Herzog Georg von Lüne­burg mit schwedischem Volk Duderstadt einnahm, so daß er wieder los kam.

Im Jahre 1632 (oder 1633) ging er nach Groß‑ und Klein‑Brüchter und im Jahre 1639 nach Trebra. Von dort mußte er im Jahre 1640 wegen der Kriegsunruhen mit seiner hochschwangeren Frau Magdalene nach Greußen fliehen. Als bei dieser hier am 15. August die Wehen einsetzten und sie zwei junge Töchter auf einmal zur Welt brachte, taufte er sie in der Not beide selbst. Die erstgeborne wurde genannt Catharina Elisabeth, die andere aber Anna Margreta.

Jene wurde nach der Nottaufe in die Kirche gebracht; aber als sie eingesegnet werden sollte, starb sie der Hebamme auf den Armen. Ein solchen Fall hat wohl kaum ein Pfarrer erlebt, daß ihm ein Kind in der Kirche während des Taufs- oder Einsegnungsakt verstorben wäre. Der damalige Diakon Christoph Oehmich, dem dieses begegnete, wußte daher nicht, wie er das begreifen sollte.   

In Greußen starb am 24. Juni 1642 seine Frau Barbara, mit der er elf Kinder gezeugt hatte (und mit der ersten fünf). Am 12. Februar 1643 hatte er zum drittenmal Hochzeit mit Frau Susanne, welche eine Tochter des Herrn Conrad Grünings war, und die zum erstenmal verheiratet gewesen war mit Hieronymus Hollstein, hiesiger Bürgermeister, zum zweitenmal aber mit Joachim Kaiser.

Am 8. April 1644 wurde er in Greußen in das Amt des Diakons berufen. Am ersten Ostertag, dem 21. April, trat er hier sein Amt an. Jedoch mußte er noch bis zum zweiten Pfingsttag das Pfarramt in Trebra daneben verrichten. Auch seine hiesige Besol­dung fing nicht eher an als am Johannistag, als das halbe Gnadenjahr erst um war.

Weil er sowohl in den ersten Ämtern als auch besonders im Diakonatsamt alles gut ausgerichtet hatte - nach den Fähigkeiten, die ihm Gott gegeben hatte - wurde er am 19. April 1657 nach hier ins Pfarramt berufen. Am 29. Mai 1657 (oder 5. Mai) trug ihm Herr Graf Ludwig zu Ebeleben gnädig die Inspektion über die Kirchen seiner Grafschaft und die Führung des dortigen Konsistoriums an. Er bedankte sich untertänigst dafür, trat die Stelle aber nicht an, weil er schon ein hohes Alter hatte. Die Inspektion aber kam an den Pfarrer in Ebeleben, Herrn Valentin Buhl.

Im Pfarramt lebte er nicht länger als zwei Jahre. Er starb am 24. April 1659 und wurde am 27. April 1659, am Sonntag Jubilate, begraben, nachdem er ein Alter von 69 Jahren erreicht hatte.

 

Als Herr M. Johannes Kalbitz, der Archidiakon in Sondershausen im Jahre 1657 seine andere Pentada Concionum Isenicarum herausgab, machte er diese drei Dictita darauf:

Ecce pedes quam sunt speciosi nuncia pacis,

Qui referunt patriae, futaque cunctaque bonis!

Gratia magna Deo, pravos qui Marte ne coerat;

Contingit timidis pacis amoena quies.

Pacifico ergo Deo fidamus, Eumque colamus,

Ut pacem in terra comprobet atque polo.

 

Nach seinem Tode aber lebte seine Frau noch bis zum Jahre ..... und wurde also über 80 Jahre alt. Ein Sohn Andreas Toppius wurde Pfarrer in Himmelsberg; er wurde am 28. November 1633 in Groß-Brüchter geboren.                                                                                     (61)

 

14. D. Jacobus Tentzel, von 1659 bis 1671.

Das Licht dieser Welt erblickte er hier in Greußen am 1. August 1630. Sein Vater war Herr Ernst Tentzel, hiesiger Bürgermeister und die Mutter Frau Barbara geborene Happ. Obwohl wegen des Krieges sehr elende Zeiten waren, so zeigte sich doch bald bei ihm eine besondere Vorliebe zum Studieren und eine Neigung, die auf nichts Schlechtes hoffen ließ.

Daher gaben ihn seine Eltern im sechsten Lebensjahr nach Erfurt, wo er so lange privat unterrichtet wurde, bis er im Jahre 1643 wieder nach Greußen kam und seine Grundlagen in der Allgemeinbildung vollends so legte, daß er sich im November 1647 auf die Universität nach Wittenberg begeben konnte.

Weil nun Gott aus ihm einen großen Theologen machen wollte, lenkte sich auch sein Gemüte bald auf diejenigen Studienfächer, die für einen solchen erforderlich sind. Die philosophischen Fächer betrieb er in den ersten zwei Jahren mit solchem Fleiße, daß er nicht nur am 23. April 1649 den Grad eines Magisters erhielt, sondern im Jahre 1650 schon anfing, privat die Philosophie zu studieren und besonders die orientalischen Sprachen wie Hebräisch, Chaldäisch, Syrisch und Arabisch. Nicht zu verschweigen ist, daß er mehr als 20 mal sehr kühne Streitgespräche geführt hat. Im Jahre 1654 wurde er Dozent an der Philosophischen Fakultät und im folgenden Jahre bekam er Erlaubnis, als Privatprofessor öffentlich Theologie zu lehren.

Nachdem er sich nun dadurch zum Lehr- und Predigtamt volle zehn Jahre genügend vorbereitet, so öffnete ihm Gott dazu eine Tür hier in seiner Vaterstadt, nachdem der alte Herr Diakon Toppius im Jahre 1657 zum Pfarrer erhoben wurde. Am 2. Mai erhielt er die rechtmäßige Berufung zu dessen Nachfolger und zum Beisitzer im Konsistorium.

Weil es sich aber mit dem Zuzug hinzog, so hielt er am 17. September mit Herrn D. Johannes Meisner ein Streitgespräch über das Recht des Bischöfe in bezug auf die Erlaubnis zur Wahl des deutschen Kaisers.

Darauf wurde er am 15. November, dem 25. Sonntag nach Trinitatis, in Ebeleben ordiniert und hielt am 22. (dem 26. Sonntag nach Trinitatis) hier seine Antrittspredigt. Am 10. Dezember gab ihm Graf Ludwig Günther nicht allein die Beisitzerstelle im Konsistorium in Ebeleben, sondern auch die Zusicherung, daß er in Zukunft die Pfarrstelle in Greußen und die Inspektorstelle erhalten werde.

Am 26. April 1658 heiratete er Jungfer Sophie Elisabeth, Tochter des verstorbenen Herrn Wilhelm Lyser, Doktor der Theologie und öffentlicher Professor in Wittenberg. Am 6. November dieses Jahres wurde ihm auch nach dem Tod des Herrn Valentin Buhl die Inspektion in Ebeleben gegeben, und zwar mit dem Titel „Gräflich-Schwarzbur­gi­scher Superintendent in der Herrschaft Ebeleben“, worauf dann am 25. des Monats die 21 Pfarrer dieser Herrschaft an ihn gewiesen wurden und wie üblich Gehorsam und Ehrerbietung mit Handschlag versprechen mußten.

Bedingung war jedoch, daß er die zum Diakonatsamt gehörigen ordentlichen Sonntags-, Wochen- und Hochzeits-Predigten und auch die Beisitzerstelle im Konsistorium behielt und der Rektor Johannes Kayser als Diakon die Diakonatsaufgaben auf sich nahm.

Am 21. Mai 1659, nachdem der hiesige Pastor Christoph Toppius gestorben war, bekam er auch die Berufung auf die hiesige Pfarrstelle, so wie es ihm vor zwei Jahren gnädigst versprochen worden war. Er wurde am Sonntag Quasimodogeniti 1661 in persönlicher Gegenwart des Grafen dazu eingesetzt.

Am 13. Oktober 1662 bekam er in Wittenberg von Herrn D. Andreas Quensted den Doktortitel, für den Herr Graf Ludwig Günther die meisten Kosten übernahm. Weil er ein Mann von besonderem Geschick war, hat er auch am hiesigen Orte in der Kirche Gottes großen Nutzen gestiftet und ist in wichtigen Streitigkeiten den anderen Ratgeber gewesen.   

Deshalb kam er dann auch auf Befehl der Herrschaft am 2. Juli des erwähnten Jahres nach Arnstadt und hielt dort eine Konferenz über den Fall von Synkretismus in Rinteln. Teilnehmer waren noch der damalige Superintendent in Sondershausen L. Johannes Christoph Nicolai, der Arnstädter Superintendent Herr Nikodemus Lapp und der Arnstädter Archidiakon Weber. Sie sollten auf Wunsch der Theologischen Fakultät in Wittenberg ihr Urteil über den Fall einschicken und machten es dann auch.                                                                        (62)

Jedoch ist Tentzel am hiesigen Ort nicht länger geblieben als bis zum Jahr 1671, als ihn Herr Graf Ludwig Günther zum Superintendenten nach Arnstadt berufen hat, wo er auch ausgeharrt hat, bis ihn sein Jesus selig zu sich genommen in den Himmel hat und ihm als seinem guten Streiter die Siegeskrone aufgesetzt hat. Denn obwohl er zu höheren Aufgaben begehrt und vorgeschlagen wurde - nicht nur von berühmten Universitäten wie die in Wittenberg, Königsberg und Jena, sondern auch von andern großen und vornehmen Städten - so hat er dieses doch solches abgelehnt und sich Gott und seinem Vaterland gewidmet.

Wenn es nun in Arnstadt über ihn von neuem hieß: „Welches Amt er auch bekommen hat, es war ein Schmuck!“ so hat er das mit größtem Nutz und Ruhm getan, sowohl mündlich als auch schriftlich. Als die Professoren in Wittenberg von denen in Rinteln angefochten wurden, weil Tentzel ihr Streitgespräch mit den Calvinisten mißbilligt hatte, so schrieb er zur Verteidigung jener „Über den kirchlichen Frieden“. Im Jahre 1671 gab er gegen den abtrünnigen L. Andreas Fromme „Die gründliche Rettung der Lutherischen Kirche“ heraus, mit der er diesem das Maul so stopft hat, daß er nichts dagegen zu antworten wußte.

Deshalb zählt der berühmte Lübecker Superintendent, Herr D. Georg Heinrich Götze, ihn mit unter die verdienten Verteidiger, die D. Martin Luthers Leben und Lehre erklärt haben, wenn er spricht: Nicht weniger ist auch das Schwarzburgische Kirchenbuch („Agende“) vor allem durch seine Sorge und seinen Fleiß zustande gekommen. Nachdem er nun auf diese Weise sich nicht allein in seiner anvertrauten und untergebenen Kirche hochverdient gemacht hatte, sondern auch in der gelehrten Kirche voll berühmt gemacht hatte, segnete er dieses Zeitliche in Arnstadt am 25. März 1685 im Alter von 54 Jahren. Er wurde am darauffolgenden Sonntag, dem 29. des Monats, in der dortigen Hauptkirche gegenüber der Kanzel begraben.

Auf dem Grab aber steht folgende Inschrift:

Seine Söhne waren

1.) Wilhelm Ernst Tentzel, Königlich Polnischer und Kursächsischer Rat und Geschichtsschreiber, der am 24. November 1707 im Alter von 49 Jahren gestorben ist.

2.) Herr Polycarp Tentzel, jetzt Fürstlich Sächsischer Kirchenrat und Superintendent in Langensalza.

3.) Herr M. Gottfried Tentzel, Diakon in Arnstadt.

 

15. D. Jacob Friedrich Rothe, von 1671 bis 1686.

Er war ein Sohn des Herrn Lorenz Andreas Roth, schwarzburgischer Gemeinschaftsrat und Amtmann zu Gehren. Am 11. Mai 1669 wurde er Pfarrer in Clingen. Weil aber nach Worten des Paulus ein Bischof eines Weibes Mann sein soll, so heiratete er im Jahre 1670 und hielt am 24. und 25. Januar hier in Greußen seine Hochzeit mit Jungfer Clara Sabine, Tochter des Herrn Christian Schmied, schwarzburgischer Kanzleidirektor und Rat zu Ebeleben.

Nachdem aber Herr D. Tentzel von hier nach Arnstadt gezogen war, hielt Rothe am 13. April 1671 (dem Sonntag Judika) seine Probepredigt und empfing auch gleich am folgenden Tag die Berufung zum hiesigem Pfarramt und zur Inspektorstelle in Greußen, Großenehrich, Allmenhausen, Rohnstedt und Wenigenehrich. Gleichzeitig wurde er Beisitzer des Konsistoriums in Ebeleben.

Weil ihm von Graf Ludwig Günther befohlen worden war, den Zuzug zu beschleunigen, verabschiedete er sich am Sonntag Palmarum in Clingen und trat hier am ersten Osterfeiertag sein neues Amt an.

Mit der offiziellen Einsetzung aber zog es sich hin bis zum 15. Oktober, dem 20. Sonntag nach Trinitatis. Da wurde er von dem Herrn Superintendenten zu Arnstadt vor dem Angesicht Gottes und der ganzen christlichen Gemeinde eingesetzt und eingewiesen.

Am 24. März 1681 nahm er in Jena - zum besonderen Wohlgefallen der gnädigsten Herrschaft - den akademischen Grad eines Lizentiaten der Theologie an und führte unter der Leitung des Herrn D. Johannes Musäus ein Streitgespräch über „Die fromme Erinnerung an Jesus Christus, dessen Kreuz, aus 1. Kor. 2, Vers 2“.

Im Jahre 1685 hatten sich zwischen ihm und dem hiesigen Rat (Bürgermeister Volkmar Boden und dessen Ratskollegen) über verschiedene Privatangelegenheiten Zwistigkeiten ergeben, so daß er die Sache zur gütlichen Entscheidung an das Konsistorium nach Sondershausen weiterleitete. Deshalb wurde den Parteien ein Vorbescheid und zur Verhütung weiteren Streits am 23. Mai ein besonderer Vergleich auferlegt.                                                                        (64)

Als er diese verlangte Versöhnung erhalten hatte, starb er im folgenden Jahre 1686 und wurde am 11. April bei volkreicher Versammlung begraben, nachdem er an die 15 Jahre treufleißiger Pfarrer und hiesiger Inspektor gewesen war und kein höheres Alter erreicht hat als 43 Jahre, 6 Wochen und 2 Tage. Sein Leichnam wurde in der Kirche, gleich vor der Kanzel, in seine gewölbte Ruhekammer gesenkt.

Die Leichenpredigt aber hielt der Diakon Herr M. Johannes Kayser, ein Mann von 66 Jahren, der sich bereits nicht nur elf Jahre im Rektorat, sondern auch 28 Jahre im Diakonsamt wohl verdient gemacht hatte. Nachdem die Predigt beendet war und die Leiche versenkt worden war, hielt der damalige Pfarrer in Haßleben Herr Christian Balthasar Fiedler die „Abdankung“.

Pfarrer Rothe hat wie alle andern frommen Christen wegen der in der Nachbarschaft wütenden Pest und auch wegen des schon vorher währenden Türkenkriegs in viel Sorge und Bekümmernis gelebt. Je­doch hat Gott beides, nach seiner Gnade und Barmherzigkeit, von der hiesigen Stadt und dem Land abgewandt.

 

16. M. Wolfgang Heinrich Benjamin Mosch, von 1686 bis 1696.

Er war ein Sohn des Herrn Johann Mosch, des verstorbenen Pfarrers in Bothenheiligen. Die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung legte von 1651 bis 1657 in dem berühmten Gymnasium der kaiserlichen freien Reichsstadt Mühlhausen, unter der gelehrten und getreuen Führung des stellvertretender Rektors M. Ludwig Starck, des Mit-Rektors M. Christoph Schreiber und des Gymnasiallehrers Johannes Girbert.

Obwohl er es durch Gottes Gnade dort so weit gebracht hatte, daß er in griechischer und lateinischer Sprache freie und gebundene Reden gehalten hat und sich zur Wissenschaft genügend befähigt gezeigt hat, so hat ihn der heute verstorbene Vater doch noch nicht auf die Universitäten schicken wollen, sondern ihn wegen seiner Jugend erst einmal nach Gotha gebracht. Dort hat er in dem dortigen Gymnasium weiteren Unterricht in Allgemeinbildung und theologischen Dingen genossen durch gelehrte Männer wie den Mit-Rektor Georg Hess, den Lehrer der höheren Klassen M. Martin Francke und den Rektor Andreas Reyher, bis er sich im Januar 1660 auf die Universität nach Jena begab.

So wie er nun auf den erwähnten Schulen vorläufige Grundlagen gelegt hatte, so hat er auch auf dieser weltberühmten Universität mit glücklichem Erfolg sechs ganze Jahre darauf aufgebaut und hat es in dem einmal gewählten Studium der Theologie durch Gottes Gnade sehr weit gebracht. Die orientalischen Sprachen begriff er vollends unter Johannes Frischmuth, die Philosophie in einer umfassenden geisteswissenschaftlichen Vorlesung des Friedemann Bechmann, und die Theo­logie aus den Vorlesungen der damaligen berühmten Theologen Musäus, Chemnitz, Gerhard und Niemann.

Weil ihm aber der Vater nicht weiter helfen konnte, mußte er sich frühzeitig auf das Halten von Vorlesungen verlegen und sich damit den nötigen Unterhalt suchen. Deshalb führte er im Jahre 1661 unter dem Vorsitz von M. Hundshagen ein Streitgespräch über eine

Schluß­­folgerung („Syllo­gismus"), nahm auch den akademischen Grad „Magister“ an und wurde zum Dichter berufen. Da er sich nun durch viele Streitgespräche sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie bei den Studenten guten Ruhm erworben hatten, fanden sich bald einige, die seine Vorlesungen in Sprachen, Philosophie und Theologie hören wollten. Als er von Übelwollenden an der Ausübung gehindert werden sollte, führte er im Jahre 1664 als Vorsitzender ein Streitgespräch über die damit zusammenhängenden Rechtsfragen, so daß er danach seine philologischen und philosophischen Vorlesungen öffentlich anschlagen und ungehindert halten durfte.

Weil er aber besonders daran dachte, Gott in seiner Kirche zu dienen, so sorgte dieser auch rechtzeitig für ihn, daß er ein Predigtamt erhalten konnte. Im Jahre 1665 wurde er seinem inzwischen verstorbenen Vater im Pfarramt in Bothen­heiligen beigegeben. Das tat er auf anhaltendes Zureden des inzwischen verstorbenen Herrn D. Tentzel, dem damaligen hiesigen Superintendenten, und nach dem Rat seiner Gönner in Jena, der Herren D. Chemnitz, Gerhard und Richter. Er selbst wäre lieber noch länger in Jena geblie­ben.

Im Jahre 1679 kam er ins Pfarramt nach Ebeleben und war zugleich Beisitzer am dortigen Konsistoriums und Inspektor des Amtes. Die Probepredigt erfolgte am Sonntag Miserikordias Domini und der Einzug an Pfingsten.

Nachdem Herr D. Rothe in Greußen gestorben war, teilte ihm der nun in Gott ruhende Graf Christian Wilhelm zu Sondershausen in der Nacht in seiner dortigen Hofkapelle mit, daß Mosch nach Greußen gehen sollte. Dem ist er dann auch mit untertänigstem Gehorsam gefolgt, auch wenn sich einige Zweifel erhoben. Im Jahre 1686 wurde er Pfarrer hier in Greußen. Dabei nahm er jedoch die Inspek­tion des Amtes Ebeleben mit.

Die Probe geschah am 12. Sonntag nach Trinitatis und der Einzug am 20. Sonntag. Die Ämter hat er dann alle Zeit so geführt - nach dem Können, das ihm Gott gegeben hat - daß er Gott viele Seelen ge­wonnen hat und ihm guten Ruhm erworben hat. Dabei hat es an An­fechtungen und Verfolgungen niemals gefehlt. Besonders aber betrübte ihn am 2. Juli 1687 der große Brand. Bei diesem büßte er nicht allein seine schönen Manuskripte ein, sondern wurde auch sonst aller seiner Mittel beraubt. Er hätte mit seiner großen Familie wohl Not leiden müssen, wenn ihm nicht der gnädigste Landesvater und andere fromme Herzen reiche Beihilfe gegeben hätten.

Geheiratet hat er zweimal. Zum ersten Mal im Jahre 1665 am Michaelistag Jungfer Marie Elisabeth, Tochter des Herrn Nikolaus Ulrich, früherer Bürger in Jena. Nachdem diese ihm am 20. April 1676 durch den Tod entrissen wurde, heiratete er ein zweites Mal im Jahre 1677 Jungfer Anne Magdalene, Tochter des verstorbenen Herrn Kaspar Kramer, Schulrektor in Langensalza. Dort geschah dann auch am 6. Februar öffentlich die Hochzeit. Mit dieser Frau hat er gleichfalls jederzeit vergnügt gelebt, bis er am 2. Februar 1696 (am Fest der Reinigung Marias, das damals auf einen Sonntag fiel) abends um 6 Uhr hier sanft und selig entschlafen ist.

Als Pfarrer und Inspek­tor hat er sich hier fast an die 9½ Jahre wohl verdient gemacht, aber kein höheres Lebensalter erreicht als 55 Jahre, 2 Monate, 3 Wochen und 2 Tage. Weil aber am Dienstag darauf der Jahrmarkt war, konnte das Begräbnis nicht gehalten werden. Deshalb wurde er mit besonderer Erlaubnis des Konsistoriums zu Son­dershausen, am folgenden Montag, abends um 8 Uhr, hier in der Kirche in sein Ruhekämmerlein beigesetzt, neben dem Altar, auf der Seite, an der Kelch gespendet wird (von vorne gesehen rechts).

Den Sonntag darauf aber wurde die richtige Trauerfeier unter großer Beteiligung der Bevölkerung gehalten. Herr Georg Friedrich Meinhardt, Doktor der Theologie und hochverdienter Superintendent zu Sonders­hausen, hielt die Predigt über den Sterbegesang des Simeon aus Lukas 2, Vers 29 - 32, den von dem Verstorbenen selbst ausgewählten Leichentext, und der Herr Diakon Magister Johannes Christian Hau­schild sprach den Nachruf.

Seine hinterlassene Witwe aber und sechs Kinder, die er selber mit gezeugt hatte, sind durch Gottes Gnade noch am Leben. Und wenn sie auch ein langes und schweres Witwenleid hat erfahren müssen, so hat sie doch das Glück erlebt, daß die drei ältesten Herren Söhne von Gott zu seinem Dienst in die Kirche berufen wurden und ihm darin nun dienen, der älteste in Bil­leben, der zweite in Großenehrich und der dritte als Kantor in Weißensee. Gott schütze und er­halte sie auch in Zukunft!

 

17. D. Heinrich Tietzmann, von 1696 bis 1702.

Er wurde in Blankenheim geboren, eine Meile von Eisleben, wo sein Vater gleichen Namens an die 37 Jahre Pfarrer gewesen war. Die Grundlagen legte und bildete er ganze fünf Jahre aus in Naumburg unter dem treuen Unterricht des Rektors Johannes Töpfer und des M. Händel wie auch des Mit-Rektors M. Christian Heinz. Im Jahre 1685 konnte er sich auf die Universität in Jena begeben zu den berühmtesten Professoren, und zwar besonders in der Philosophie Herr Johann Andreas Schmid und in der Theologie Herr D. Johann Wilhelm Bayer.

Bei diesen und anderen gelehrten Männern machte er durch Gottes Gnade in kurzer Zeit so Fortschritte, daß Herr Kraft Burckart von Bodenhausen, vertrautester Rat bei dem Kurfürsten zu Brandenburg und Leiter der Grafschaft Hohnstein, ihm nicht allein seine Kinder zur Ausbildung anvertraute, sondern ihn auch im Jahre 1688 mit einem reichen Stipendium für sieben Jahre nach Wittenberg schickte.

Dort hörte er nicht allein die gelehrtesten Leute, in der Ethik Christian Röhrer, in Geschichte Conrad Samuel Schurtzfleischer, in der Logik, Metaphysik und geistlichen Dingen Christian Donat, sondern übte sich auch fleißig unter ihnen im Streitgespräch. Er gelangte bald zu einer solchen Fertigkeit, daß er auch andere lehren durfte, nachdem er unter dem Jura-Professor Herrn Theodor Dassorius zum akademischen Grad des Magisters zugelassen worden war. Als lehrender Magister wurde er wegen seines guten Wohlverhaltens im Jahre 1694 gar in die Zahl der außerordentlicher Professoren aufgenommen. Diese Stellung hat er erreicht durch ein gelehrtes Streitgespräch über „Die begrenzten Zweifel in der Philosophie“. Dasselbe geschah auch in der Theologie.

Was er von den berühmtesten Lehrern, nicht allein in Jena, sondern auch in Wittenberg von Herrn. D. Löscher, Walther und Deutschmann begriffen hatte, trug er seinen Hörern mit guter Klarheit vor. Dabei wurde auch die Übungspredigt in der Schloßkirche nicht versäumt. (65)

Als er sich nun auf diese Art zum Pfarramt genügend vorbereitet hatte und Herr D. Johann Deutschmann, einer seiner vornehmsten Förderer, nach einer qualifizierten Person zum Pfarrer, Konsistorialrat und Superintendenten für Werningerode ersucht wurde, schlug er eben diesen vor.  

Es gab ihm Gott auch die Gnade, daß er nach abgelegter Probepredigt, von hohen und niedrigen Personen einmütig begehrt wurde und schon der Tag der Einsetzung bestimmt war.

Aber aus Haß gegen Wittenberg, von wo er vorgeschlagen und gekommen war, wurde das hintertrieben. Der verstorbene Herr D. Deutschmann schrieb deswegen: Gratus fuit supremo Patrono ordinario, gratus Proceribus, et Civibus Ecclesiae, ex consuetudine Ecclesiae hujus, omnium Auditorum suffragiis in Pastorem fuit electus, et Investiturae destinatus, sed artibus Pietistarum et aliorum male volorum. ac ob odium Witebergae non admissus, sub aliis autem praetextibus, in ejus locum quidam ex gente Pietistarum surrogatus est.

Diese Versuchung machte ihn aber nicht kleinmütig, sondern spornte ihn vielmehr an, in seinem rühmwürdigen Lauf in Wittenberg fortzufahren, zumal er gewiß war, daß Gott anderweitig für ihn sorgen werde. Das ist dann auch geschehen.

Denn als der nun in Gott ruhende Graf Christian Wilhelm IV., Reichsgraf, Graf zu Schwarzburg und Hohnstein usw. dieses aus dem untertänigsten Bericht des Herrn D. Deutsch­­mann vernommen hatten, verlangte er eine Predigt von ihm zu hören. Als er diese mit gnädigster Billigung gehört hatte, wurde er darauf für die hiesige unbesetzte Pfarrstelle und die Inspektorenstelle in Ebeleben vorgeschlagen. Weil nun auch die hiesige Probepredigt am 6. September zu jedermanns Vergnügen abgelaufen war, erfolgte alsbald im September die Berufung und Bestätigung.

Darauf beteiligte er sich am 13. Oktober in Wittenberg an einem Streitgespräch unter Leitung des Herrn D. Deutschmann über „Der ganze Heiland oder völlige und vollkommene Heiland aller. Ein Mensch gegen den Halbheiland der Pietisten“.

Seine Antrittspredigt hielt er an einem Sonntag nach Trinitatis, und am 11. Dezember hielt er seine erste Beerdigungspredigt auf eine Witwe, Frau Martha Catharine Lattermann. Das Jahr darauf, nämlich am 17. November 1697, heiratete er Jungfer Sophie Catharine, die hinterlassene Tochter des verstorbenen Herrn Johannes Andreas Vockerott, schwarzburgischer Amtmann zu Arnstadt.

Obwohl Gott der Herr hier zu seinem Pflanzen und Begießen reichliches Gedeihen gab, so ließ ihn doch Gottes Bestimmung nicht länger als fünf Jahre hier, weil er im Jahr 1701 zum Fürstlich-Brandenburgischen Kirchen- und Konsistorialrat und Stadtpfarrer in die Residenz Ansbach berufen wurde.

Seine Abschiedspredigt hielt er hier am vierten Sonntag nach Epiphanias über das Evangelium Matthäus 8, Vers 23 - 27 (Stillung des Sturms) und gab sie danach im Druck in vier Siebenerbogen heraus.

Der Einstieg ging über Richter 18, Vers 5: „Befrage doch Gott, daß wir erfahren, ob unser Weg, den wir gehen, auch zum Ziel führt“. Die Einleitung legte Apostelgeschichte 27, Vers 23-24 aus: „Diese Nacht ist bei mir gestanden der Engel Gottes, des ich bin, und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt vor den Kaiser gestellt werden, und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren.“

Der eigentliche Vortrag der Predigt ging um den Punkt: Der Engel auf dem bestürmten Kirchenschiff, der zu den Schiffsleuten spricht:

1. Ihr sollt eure Schiffahrt glücklich vollenden.

                  2. Und siehe, Gott hat euch alle geschenkt, die mit euch sind.

Tietzmann hat auch selbst seine Reise nach Brandenburg glücklich vollendet. Und weil ihm Gott vor den Augen der hohen Herrschaft selbst viel Gnade finden lassen, stand er bei jedermann in großem Ansehen, daß man sein Wort annahm, nicht als das Wort eines Menschen, sondern als Gottes Wort selbst.                                                                                              (66)

Jedoch geriet er mit Herrn D. Christian Händel, Fürstlich-Ansbachischer Oberhof­pre­di­ger und Generalsuperintendent, in einen schweren Streit, der danach der Evangelischen Kirche zum großen Ärgernis ausschlug. Im Jahre 1710 gab er eine Predigt heraus, die er am 2. Sonntag nach Epiphanias vor dem Fürsten gehalten hatte, unter dem Titel: „Wunderbarer und angenehmer Hochzeitsgast“. Darin erwähnt er auf Seite 17, daß man ihm seinen Beruf verdächtig zu machen suche und ihn auch mit vielen Flüchen belegt habe; und er erklärt, daß er sich anbietet, schriftlich den Verlauf der Sache im Druck darzulegen.

Da aber Herr D. Händel auch selbst in Schriften hervortrat, gerieten sie beide in solcher Heftigkeit aneinander, daß Tietzmann für abgesetzt erklärt wurde, nachdem er den Vorschlag nicht annehmen wollte, nach Schwabach zu ziehen. Nachdem er verstoßen war und eine sichere Hoffnung auf ein gütliches Endes hatte, wurde er am 9. Juli 1714 auf dem Wege von Coburg nach Nürnberg angehalten und gefangen nach Würzburg („Wiltzburg“) gebracht. Die vielen Schriften, die von beiden Seiten und auch andern über diese Vorfall veröffentlicht wurden, haben die Herrn Sammler der „Unschuldigen Nachrichten“ mehrfach besprochen.

Gott aber hat Herrn D. Tietzmann am 21. Februar 1714 aus der streitenden Kirche weg und zu sich in die triumphierende Kirche genommen.

 

18. D. Johann Caspar Haferung, von 1702 bis 1713.

Er ist aus Kraja, einem schwarzburgischen Dorf im Amt Bodungen (nordwestlich von Bleicherode), wo sein verstorbener Vater Johann Caspar Haferung fast 44 Jahre als Pfarrer Gott und seiner Gemeinde treu gedient hatte. Diesem hatte Gott sechs Söhne gegeben, und weil sie alle zum Studium der Theologie neigten, waren sie darin durch Gottes Gnade und Segen so weit gekommen, daß sie schon zu Lebzeiten des Vaters Gott und seiner Kirche dienen konnten.

Als Erster wurde Johann Caspar nach dem ersten Unterricht bei seinem Vater nach Nordhausen in die Schule gebracht, um dort die Grundlagen der Allgemeinbildung zu legen. Dies geschah dann auch glücklich unter der treuen Führung dreier recht geschickter Schulmänner, nämlich Herrn Rektor M. Conrad Dunckelberg, des Mit-Rektors Christian Buhl und des Kantors Demel.

Nachdem er unter diesen drei Jahre sehr fleißig war, begab er sich nach Halberstadt, um dort in der Thomasschule unter dem Rektor Herr M. Wurtzler sich für die akademischen Studien weiter vorzubereiten. Weil dieses hier mit glücklichem Erfolg geschah, ging er im Jahre 1690 nach Wittenberg.

Hier hörte er im Fach Philosophie einen der berühmtesten Männer mit anhaltendem Fleiß und großer Aufmerksamkeit, Röhrenser in der Moral, Schurtzfleisch in Geschichte, Donat in Logik, Metaphysik und geistlichen Dingen, Dassorius in Philologie, in der Theologie aber Löscher, Deutschmann und Neumann. Er schaffte es auch unter göttlichem Segen, daß er mit gutem Ruhm Magister wurde. Und weil er vorhatte, sich mit Vorlesungen hervorzutun, führte er nicht nur am 1. November 1693 ein Streitgespräch über „Moralische Einstellungen“, bei dem er Christian Röhrenser antwortete, sondern auch als Leiter am 1. Dezember ein Gespräch über „Die Handlungen des äußeren Menschen“. Eine seiner Vorlesungen fand sowohl bei den Philosophen als auch bei den Theologen großen Beifall.        

Er ging dann nach Schweden und leitete dort nicht allein in der königlichen Residenz Stockholm, sondern auch in der berühmtesten Universität dieses Reiches in Uppsala die Söhne des Herren Anton de Boy an und legte überall Proben seiner Kunst an den Tag. So hielt er nicht allein in Stockholm auf den Tod des Königs Karl XI. eine lateinische Rede, sondern führte auch in Uppsala verschiedene Streitgespräche, zum Beispiel am 19. Februar 1698 und an anderen Tagen über die Wissenschaft des natürlichen Geistes, das Handeln des göttlichen Geistes und die Wissenschaft der einfachen Vernunft, der Phantasie und der Mittel.

(67)

Weil er sich aber seinem Vaterlande wieder nähern wollte, kehrte er im Jahre 1700 nach Wit­tenberg zurück und machte sich durch Vorlesungen von neuem bekannt. Bald wurde er Außerordentlicher Professor, eine Stellung, die er am 3. Mai 1701 mit einem gelehrten Streitgespräch über die „Wissenschaften, die verpflichtend tätig sind“ beanspruchte. Er stritt des weiteren am 13. Juli über Cicero als Theologe, über das Buch der Natur, und am 27. Juli über den „Ursprung der vernünftigen Seele“. Daneben wurden aber auch sowohl die philosophischen als auch die theologischen Vorlesungen und nicht weniger das Predigen in der Schloßkirche fleißig wahrgenommen.

Nachdem er sich aber durch dieses alles zum künftigen Lehramt in der Kirche Gottes genügend vorbereitet hatte, schickte es im Jahre 1702 der Herr der Gnade Christi, daß der nun in Gott ruhende Fürst Christian Wilhelm zu Schwarzburg in bezug auf die freie Pfarrstelle in Greußen gnädigst auf ihn abzielte. Und da die befohlene Gastpredigt in seiner Schloßkapelle in Sondershausen zu seiner Zufriedenheit ausging, schlug er ihn dazu vor.

Als er nun auch hier die Probepredigt gehalten und darauf mit einhelliger Zustimmung der ganzen löblichen Bürgerschaft vom Rat be­rufen wurde und am 3. April bestätigt worden war, hielt er am 25. April in Wittenberg unter dem Vorsitz des Präsidenten Caspar Löscher, Doktor der Theologie und auch Professor, ein Streitgespräch über die Ordnung des kirchlichen Konsistoriums, der Beisitzer, Senioren und Doktoren der Kirche in Wittenberg wie über den Kreis zur Wahl des Generalsuperintendenten und die Erlaubnis zu seiner Wiedereinsetzung und deren Gebrauch und Mißbrauch (?).

Darauf wurde er als erster Pfarrer zu Greußen und Stellvertreter der Sondershausener Superintendentur und Beisitzer des dortigen Konsistoriums ordiniert. Er hielt hier seinen Einzug und die Einsetzung geschah durch den Super­intendenten, Herrn D. Meinhardt, und Herrn Caspar Paul Jahn, Hof‑ und Konsistorialrat in Sondershausen. Am 31. Oktober 1703 heiratete er Jungfer Johanna Eleo­nore, einzige Tochter des verstorbenen Herrn Jost Samuel Bergmann, schwarzburgischer Hofrat und Oberbürgermeister in Greußen.

Am 2. Oktober 1711 nahm er in Witten­berg den Doktorgrad an und empfahl sich dort durch zwei gehaltene Predigten, so daß er am 7. Dezember 1712 die Berufung zum Archidiakonat der dortigen Pfarrkirche bekam. Nachdem er nun hier das Amt eines evangelischen Predigers elf Jahre mit aller Treue und guter Erbauung der Zuhörer - jedoch nicht ohne Streit und Widerwärtigkeit - ausgeübt hatte, hielt er am Sonntag Invokavit 1713 über den üblichen Evangelientext seine Abschiedspredigt. Dabei war der Einstieg aus 1. Könige 13, Vers 26: „Es ist der Mann Gottes, der dem Mund des Herrn ist unge­horsam gewesen“ und der Anfang aus 1. Petrus 4, Vers 12: „Die Hitze widerfährt euch, auf daß ihr versuchet werdet“. Das Thema war dann „ein heftig versuchter Prediger“: 1. dessen Aufführung. 2. dessen Versuchung. 3. dessen Überwindung.

Montags darauf zog er unter vielen Tränen seiner Zuhörer, die ihn gern länger behalten hätten, von hier nach Witten­berg, und hinterließ einen guten Ruhm und gutes Andenken. Nach seinem Wegzug nun war die Stadt Greußen bis zum Trini­tatisfest ohne Pfarrer und Diakon, weil der Diakon Herr M. Hau­schild am 8. Januar verstorben war. Alle Dienste mußten durch die Herren Nachbarpfarrer verrichtet werden, was seit der Reformation noch nicht geschehen war. Die Diakonenstelle ist nicht eher als im neuen Jahr 1714 wieder besetzet worden.    (68)

 

Je mehr er nun zu Wittenberg Gelegenheit hatte, mit den von Gott verliehenen Gaben zu wuchern, desto mehr hat er auch dort seinen Fleiß und seine Gelehrsamkeit - sowohl auf der Kanzel als auch auf dem Katheder - unter göttlichem Beistand und Segen an den Tag gelegt. Weil er im Jahre 1715 auch die Stelle eines außerordentlichen Professors der Theologie erhalten hatte, hat er seitdem verschiedene Streitgespräche und Predigten gehalten und heraus gegeben, zum Beispiel 1715 ein öffentlicher Anschlag am schwarzen Brett über die „Wahrheit, nicht als die Wahrheit“ gewonnen aus 1. Johannesbrief 2. Vers 21. womit er am 29. August seine öffentlichen Vorlesungen über das Buch Nehemia begann, im Jahre 1716 ein Streitgespräch über „Gnade um Gnade“ aus Johannes 1, Vers 16.

Im selben Jahr über „Leichtgläubigkeit und Lästerung in der deutschen Frömmigkeit“, auch über „Die Hölle, die nicht nach der Sonne fragt“. Im Jahre 1717 zwei Jubelpredigten, im Jahre 1718 ein Streitgespräch über „Das Zeugnis des Heiligen Geistes”, im gleichen Jahr „Über das Geheimnis der Trinität in den Büchern der Apokryphen“, auch über „Was ist widersprüchlich am Wort Gottes in Jericho“, eine Rede auf das Ehe‑Jubel‑Fest des Herrn Johannes Georg Buhl, nachdem dieser mit seiner Frau 50 Jahre in der Ehe gelebt hatte, auch eine Reformationspredigt und im Jahre 1721 ein Streitgespräch über das, was dem Neuen Testament eigentümlich usw. Gott segne ihn ferner an Leib und Seele, und lasse ihn sowohl in der Kirche als auch in der Öffentlichkeit das Werk des Herrn treiben, zu aller Zuhörer Heil und Seligkeit.

 

19. M. Christoph Friedrich Haferung, von 1713 bis heute durch Gottes Gnade und Beistand. Ich bin ein leiblicher Bruder des Vorgängers und der vierte Sohn meines verstorbenen Vaters. Ich bin am 3. April 1677 in Kraja geboren. Nachdem ich aber nach den eigenen Anweisungen des inzwischen verstorbenen Vaters die nötigen Grundlagen gelegt hatte, wurde ich von ihm am 2. Okto­ber 1692 nach Nordhausen gebracht und bin dort ganze fünf Jahre bis zum 6. Oktober 1697 geblieben.

Es bleibt nun den damaligen Lehrern dieser berühmten Schule - nämlich Herrn Rektor M. Dunckel­berg, Herrn Mit-Rektor Christian Bühl und Herrn Kantor Christian Demel - auch nach ihrem Tod der Ruhm besonderen Fleißes und besonderer Geschicklichkeit zur Unterrichtung der Jugend. Von dem Ersten hat man öffentlich gerühmt, als er am 6. Juni 1708 im Alter von 68 Jahren gestorben war, daß er in seinem 24jährigen Rektorat nicht mehr als vier Stunden versäumt hatte.

So mußte auch ich mit dankbarem Gemüt rühmen, daß ich ihrem Unterricht und ihrem vor vielen anderen genossenen Wohlwollen, wenn nicht alles, so doch das meiste zu danken habe. Im Jahre 1698 bin ich nach Wittenberg gezogen und dort unter dem Rektor Magnifizenz Herrn Conrad Samuel Schurtzfleisch, Lehrer der Geschichte und der griechischen Sprache, und Herrn M. Gottlieb Wernsdorfer, außerordentlicher Professor der philosophischen Fakultät und damaliger Dekan, in die Zahl der Akademiker aufgenommen worden.

Mit allen möglichem Fleiß habe ich nun die damaligen Lehrer dieser berühmten Universität gehört, zum Beispiel Röhren­ser im Fach Ethik, Schröer in der Metaphysik, Logik und geistlichen Dingen, Schurtzfleisch im Fach Geschichte, Dasso­rius in der Philologie - und nach dessen Abzug - seinen Nachfolger Wichmannshausen. In der Theologie aber hörte ich Löscher, Deutsch­mann, Hannessen und Neumann.

Weil ich aber jederzeit den besonderen Schutz des Herrn Professors Johannes Christoph Wichmannshausen genossen habe, habe ich auch unter ihm am 27. April 1701 den Grad eines Magisters angenommen. Weil aber dieser nach akademischem Brauch zu verteidigen war, so habe ich Streitgespräche geführt: Am 27. Juli 1701 unter der Leitung meines Bruders M. Johannes Caspar Haferung, Doktor der Theologie, außerordentlicher Professor der Philosophischen Fakultät, über den „Anfang der vernünftigen Seele“, und am 26. Oktober unter dem Vorsitz des Christian Röhrenser über „Philosophie, Praktische Dinge usw. und das Naturrecht“, und am 11. November - als ich selbst die Leitung hatte - über „Die Unabhängigkeit des Naturrechts“.                                                                                                                      (69)

Das Gleiche tat ich mehrere Male auch auf dem Gebiet der in Theologie unter dem Vorsitz des heute verstorbenen Herrn D. Deutsch­mann. Durch Gottes sonderbare Führung aber geschah es im Jahre 1702, daß der Fürst Christian Wilhelm. mein gnädigster Fürst und Herr, am 5. Mai aus besonderer hohen Gnade - auf Empfehlung des Herrn D. Meinhardt - mir die Unterrichtung der beiden ältesten Prinzen für deren Ehe gnädigst an­vertraute. Wie mir aber bei dieser Aufgabe jederzeit alle hohe Gnade widerfuhr, so wurde ich auch im Jahre 1706, nachdem Herr M. Benjamin Kalbitz an der Stelle des verstorbenen Herrn M. Johannes Gräfe Archidiakon geworden war, von dem Fürsten für die Diakonatsstelle in Sondershausen gnädigst vorgeschlagen.

Nachdem ich nun am 8. Sonntag nach Trinitatis in der Stadtkirche die Probepredigt abgelegt hatte und darauf - nach erfolgter rechtmäßiger Berufung - am 9. Sonntag nach Trinitatis ordiniert und eingesetzt worden war - wobei denn mein inzwischen verstorbener Vater und der hie­sige Bruder dem Herren Superintendenten beistanden - habe ich meine Lehrerstelle noch vier ganze Jahre neben der Diakonatsstelle behalten und dabei immer eine hohe Gnade nach der ande­ren genossen.

Am 26. Oktober 1707 heiratete ich Jungfer Anthonie Elisabeth, jüngste Tochter des Herrn Anthon Ludwig Heuer, verstorbener schwarzburgischer Konsistorial‑Sekretär in Sondershausen.

Als ich aber bis ins achte Jahr das Diakonatsamt in Sonders­hausen ausgeübt hatte entsprechend den mir von Gott gegebenen Möglichkeiten, und im Jahre 1713 die hiesige Pfarrstelle wieder zu be­setzen war, habe ich auf Befehl des Fürsten am Sonntag Exaudi hier die Probepredigt abgelegt. Weil Gott die Herzen der gesamten Zuhörer so geleitet hat, daß ich durch deren einhellige Stimmen berufen wurde, habe ich freitags darauf bei Hofe und am 1. Pfingsttag in der Stadt die Abschiedspredigt gehalten.

Nachdem diese vollendet war, bin ich noch nach Greußen gefahren. Dort wurde ich am zweiten Feiertag von Herrn Superintendenten D. Georg Friedrich Meinhardt und dem schwarzburgischen Hof‑ und Konsistorialrat Herrn ...... von Hünefeld eingesetzt und eingeführt. Am dritten Feiertag habe ich meine Antrittspredigt gehalten über das vorgeschriebene Festevangelium.

Am selben Tag bin ich noch mit diesem Herrn Kommissar wieder zurückgekehrt und habe mich auf den Umzug vorbereitet, der dann auch am Donnerstag darauf geschehen ist, so daß ich also am Trinitatisfest meine erste Amtspre­digt gehalten habe. Weil ich ohne einen Kollegen allein gewesen bin, weil die Diakonstelle noch unbesetzt war, so habe bis ins neue Jahr alle Amtsgeschäfte allein verrichten müssen. Bis hierher hat nun der Herr geholfen! Welchem daher Lob und Dank gesagt sei für alle Gnade und Beistand, die er mir von Jugend an bis auf die gegenwärtige Stunde so redlich erwiesen hat. Er wolle das auch noch ferner tun zu seiner Ehre und zum ewigen Heil aller mir anvertrauten Seelen, um Jesu Christi Willen. Amen!

 

 

 

Rundgang durch Greussen

 

Wenn man die Geschichte der Stadt Greußen heute nacherleben will, muß man sich ihr von außen her nähern. Vom Bahnhof geht man durch die Bahnhofstraße bis zur ampelgeregelten Kreuzung mit der Bundesstraße. Dort geht man links in die Lindenstraße und dann wieder links in die Geschwister-Scholl-Straße. Dort befindet sich gleich links das Heimatmuseum, der Ausgangspunkt eines Rundgangs durch Greußen.

Wer mit dem Bus kommt, steigt an der Haltestelle in der Marienstraße aus (der Querstraße zur Geschwister-Scholl-Straße). Autofahrer biegen von der Bundesstraße in die Geschwister-Scholl-Straße ein, aus Richtung Erfurt nach der Ampel links, aus Richtung Nordhausen vor der Ampel rechts.

 

(1) Heimatmuseum: Das Museum ist vorzugsweise für Gruppen nach Voranmeldung bei der Stadt zu besichtigen. Auf der Geschwister-Scholl-Straße geht man nach Westen bis zur Marienstraße.

 

(2) Bonifatiuskapelle: Chronik Seite 9

Man geht dann links weiter in die Marienstraße und dann nach rechts in die Bahnhofstraße.

 

 (3) Stadtgut: Links in der Bahnhofstraße liegt das Stadtgut. Es wurde nach 1870 erbaut und hat auch den Namen „Lindenhof“. Heute ist es Sitz der Verwaltungs­ge­mein­­schaft.

Am Bahnhof geht man links vorbei und über den Bahnübergang. Rechts liegt westlich des Bahnhofs die Zuckerfabrik von 1873, die ab 1922 die Schokoladenfabrik „Quickborn“ war.

Danach geht es auf dem Fußweg links weiter an der Bahn entlang.

 

(4) Gewässersystem der Helbe: Zunächst überquert man einen tieferen Graben, in dem die Kupferhelbe fließt. Kurz darauf kommt man über die sächsische Helbe, ein kleiner, aber wasserreicher Bach, der sich am Hang entlang zieht. Der Fluß Helbe kommt aus dem Hainich und wird vor Westgreußen an einem Wehr aufgestaut, damit das Wasser besser über das ganze Tal verteilt wird. Der Hauptfluß fließt als Steingraben durch Greußen. Nördlich davon fließt die schwarzburgische Helbe und südlich davon die sächsische Helbe, die vor allem die Stadt Weißensee mit Wasser versorgen sollte. Die Kupferhelbe zweigt von der schwarzburgischen Helbe ab und mündet in die Baderhelbe. Diese wiederum zweigt von der sächsischen Helbe ab in Höhe der Lochmühle. Diese ist die heutige „Greußen Mühle GmbH“, die ihre Zufahrt von Westen hat. An der Südwestseite aber sitzt der Lochstein in der sächsischen Helbe, der nur eine bestimmte Menge Wasser in die Baderhelbe durchläßt. Diese fließt um die Mühle herum und wendet sich dann nach Norden. Sie führt im Bogen um die Stadt herum, kommt am ehemaligen Badhaus vorbei (daher der Name) und trieb früher die Stadtmühle an der Ostseite der Mittelstadt an, ehe sie in den Stadtgraben mündet.

Der Fußweg führt zur Robert-Koch-Straße, in die man nach links einbiegt. Man überquert die Bundesstraße. Südöstlich der Kreuzung liegt der Schieferhof

 

(5) Schieferhof: Chronik Seite 1

Man biegt dann nach links durch die Ritterstraße und die Brühlstraße in Richtung auf die Kirche. Dabei kommt man durch die „Anlagen“ mit Resten der Stadtmauer.

 

(6) Stadtmauer: Chronik Seite 115

 

(7) Brauhof: Chronik Seite 116

Nach rechts wirft man einen Blick in die Leitergasse: Sie führte zum Leiter- und Spritzenhaus südlich der Kirche. Es wurde 1780 errichtet und 1890 abgebrochen  und hinter den Brauhof verlegt.  Es gab drei Leiterhäuser, eins in der Neustadt, eins auf dem Kirchhof (1659 neu erbaut).

 

(8) Kirche: Chronik Seite 15 - 32, besonders Seite ab Seite 25.

 

(9) Kirchliche Gebäude in der Herrenstraße: Chronik Seite 43

Wenn man nach links in die Herrenstraße sieht, folgen nacheinander das Haus des Kirchners, das Haus des Diakons („Kaplanei“, „Diakonat“), die alte Schule und das Pfarrhaus. 

Die Bahnhofstraße führt weiter in Richtung Osten zum Rathaus.

 

(10) Rathaus: Chronik Seite 114

 

(11) Marktplatz: Kreuzung von Handelsstraßen (Chronik Seite 3), Gasthaus „Zum Anker“ und  „Zum goldenen Löwen“ (Chronik Seite 119), Löwenapotheke seit 1712).

 

(12) Liebfrauenkirche: Chronik Seite 16

 

(13) Amtshaus: Chronik Seite 7

 

(14) Neustädter Mitteltor: Dieses Tor stand an der Steingrabenbrücke. Es hatte ein spitzes Dach und eine Schlaguhr. Es wurde 1834 durch den Brand beschädigt und dann abgetragen.

Neben dem Neustädter Mitteltor stand ein Wehrturm, bei dem auch die Badestube stand mit Scheune und Garten (aber ohne Wohnhaus). Der Bader war von Heerzug und Fron befreit, mußte aber Frondienste leisten und Erbzins zahlen. Im Jahre 1682 wurde der Befreiungsbrief erneuert, aus genommen das „Seelbad“. Das war ein kostenfreies Bad, das man zum Heil seiner Seele armen Leuten stiftete (im weiteren Sinn ist es jede Spende zum Heil der eigenen Seele oder der Seele eines Verwandten)(vgl. Seite 12).

 

Über den Steingraben kommt man in die Neustadt, die aber gar nicht so neu ist, sondern vielleicht seit der Erhebung Greußens zur Stadt besteht. Die Hofapotheke in der Neustadt, früher Adlerapotheke, besteht seit 1699. Nach links ging es zum Clingener Tor, einem der ehemaligen äußeren Torbogen.

 

(15) Das Clingener Tor in der westliche Neustadt

Die äußeren Torbogen waren verhältnismäßig niedrig und nur Durchgänge durch bewohnte Gebäude und für manche Heuwagen nicht passierbar. Sie besaßen Fallgitter und Zugbrücken und enthielten Wohnungen für die Torwärter. Sie wurden alle zwischen 1730 und 1780 entfernt.

Vor dem Clingener Tor in der Flattigstraße wurde am 23. März 1956 die katholische Kirche „Mater dolorosa“ geweiht.

Man geht aber in der Neustadt nach rechts in Richtung Grüningen. Links zweigt die Straße „Hinter den Wänden“ ab.

 

(16) Salpeterhütte: Die Straße erinnert an die Salpetergewinnung aus mit Kalk überzogenen Wänden. Hier stand außerhalb der Stadtmauer um die Neustadt die Salpeterhütte, die 1527 erstmals erwähnt wird und um 1631 eingegangen ist.

Im weiteren Verkauf der Straße steht links dann das Kulturhaus an der Stelle des ehemaligen Schützenhauses.

 

(17) Grüninger Tor: Chronik Seite 40.

Das Tor stand westlich des Friedhofs und des Schützenhauses. Ein Stein von diesem Tor befindet sich jetzt an der Ostseite des Haus Neustadt 51, allerdings mit Farbe überstrichen. Er wurde 1615 beim Umbau an der Außenseite des Gebäudes eingesetzt und trägt die Buchstaben M.B.B.H. (= „Mathias Bliedung, Bruno Hauer“ oder „Mathis Bliedung, Bauherr“). Dieses Haus war der sogenannte „Konvent“, ein Armenhaus (Chronik Seite 40). Hier befand sich später das Büro des Elektrizitätswerks,  das im Jahre 1899 auf dem Platz hinter dem Armenhaus errichtet wurde.

 

(18) Schützenhaus: Chronik Seite 116

 

(19) Friedhof: Chronik Seite 40.

Östlich des Friedhofs - jenseits der heutigen Straße - stand das Hospital.

 

(20) Hospital: Chronik Seite 40

Anschließend an das Hospital wurde 1892-93 ein Krankenhaus wurde erbaut, das bis 1922 in Betrieb war. Dann wurde es zur Schule umgebaut, heute ist dort die Grundschule untergebracht.

Man geht dann wieder ein Stück zurück in die Neustadt und biegt hinter dem ehemaligen Elektrizitätswerk nach links in das Gäßchen ein, das über den Steingraben zur Stadtmauer führt. Nach rechts geht es durch die Stadtmauer in die Mühlgasse.

 

(21) Stadtmühle: Im mächtigen Haus Nummer 3 befand sich die Stadtmühle, die vom Wasser der Baderhelbe betrieben wurde.

 

(22) Fronfeste: Ein Stück weiter, an der Nordwestseite der Kreuzung mit der Zwingerstraße, stand die „Fronfeste“, ein Gebäude, das 1837 als Ratsdienerwohnung, Gefängnis und Spritzenaufbewahrungsstätte erbaut wurde. Das westliche Stück der Mühlgasse hieß früher „Ratsgasse“, weil sie auf den Marktplatz fast auf der Höhe des Rathauses führte.

Durch die Zwingerstraße kommt man auf die Straße „Töpfermarkt“, wo am südlichen Ausgang der Mittelstadt das Altstädter Mitteltor stand.

 

(23) Altstädter Mitteltor:

Es stand an der jetzigen Erlenteichbrücke. Es war 20 Meter hoch hatte ein steiles, breit auslaufendes Dach und wurde 1820 abgerissen. Am südlichen Ausgang der Altstadt stand das Erfurter Tor, auch „Schelmentor“ oder „Schindertor“, weil vor dem Tor der „Feldmeister“ sein Anwesen hatte. Am westlichen Ende der Rittergasse stand das Rittertor.

 

(24) Evangelisches Gemeindezentrum: Neben dem Altstädter Mitteltor befindet sich in der ehemaligen Preßlerstiftung das evangelische Gemeindezentrum (früher Diakonissenheim, seit 1912 mit Kindergarten). Im Gemeindesaal steht heute der Altarschrein aus der Hospitalskapelle (Chronik Seite 41). Man geht durch die Anlagen um die Stadt herum und kommt kurz vor der Bahnhofstraße zum Kriegerdenkmal.

 

(25) Denkmäler: Neben der Post steht das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit einer Tafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Früher gab es noch ein Kriegerdenkmal an der Nordseite der Kirche für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Heute ist an der Nordwestseite des Kirche ein Kreuz mit einer Dornenkrone von 1957 zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auch südlich der Rathauses stand früher ein Kriegerdenkmal. Auf der anderen Seite der Bahnhofstraße steht in den Anlagen ein neuer Gedenkstein für die ersten Opfer des Stalinismus in Greußen 1945/46 („Greußener Jungen“).

 

(26) Brühler Pförtchen: An der Bahnhofstraße stand das Brühler Pförtchen. Dieser Durchgang wurde erst um 1600 eingebaut. Nach dem Brand von 1687 wurde das Türchen erweitert und um 1800 der jetzige Eingang zur Stadt zwischen Post und Schule geschaffen. Das Postgebäude wurde 1892 errichtet. Man geht in den Anlagen weiter und sieht rechts die „neue“ Schule.

 

(27) Schule: An der Stelle des Steigerturms der Feuerwehr wurde 1887/88 eine neue Schule errichtet. Die Grundsteinlegung war am 14. April 1887. Es wurden zwölf Klassenräume und eine Aula geschaffen. Die Einweihung war am 28. Juni 1888. Heute ist hier die Regelschule untergebracht.

Von dieser Stelle blickt man hinüber bis zum Stadtgraben. Der Weg führt aber über eine Brücke nach links und am Kindergarten vorbei auf die Lindenstraße und wieder in die Geschwister-Scholl-Straße.