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Hanau Wilhelmsbad

 

 

Wilhelmsbad

Die 38 Hektar große Anlage im Nordwesten Hanaus bietet jede Menge Überraschungen mit dem Karussell, mit dem kleinen Wäldchen und der Eremitage und mit der mittelalterlich anmutenden künstlichen Burgruine. Wer hoch hinaus will, erklettert den Schneckenberg. Wer das Dunkle sucht, wählt den Weg durch den Tunnel. Wilhelmsbad ist mehr als ein Ort der Erholung: Im Arkadenbau wartet das hessische Puppenmuseum auf Besucher. Und die Bühne des schmucken Scheunentheaters wird regelmäßig bespielt.

Der Garten am Wilhelmsbad entstand in der Welt des ausklingenden 18. Jahrhunderts, zwischen 1777 und 1785. Man findet hier eine Anlage in einem für damalige Zeiten neuen Stil. Es war die Abkehr vom überladenen Park der Barockzeit, dem künstlichen, geometrischen, französische Garten zum einfachen, dem englischen Garten, der die freie Natur widerspiegelt. Im liberalen England entstand dieser englische Garten - auch Landschaftsgarten genannt - zu Beginn des 18. Jahrhunderts und fand in Deutschland nach dem 30-jährigen Krieg begeisterte Nachahmung.

In den alten Barockgärten wurde die Natur der Geometrie und der Architektur untergeordnet. Das drückte auch den Machtanspruch der Fürsten über die Natur, das Land und die Menschen aus. Eines der besten Beispiele einer barocken Parkanlage ist der Park von Versailles.

Wilhelmsbad aber entstand in der Epoche der Empfindsamkeit (1770 - 1790). Er zählt zu den frühesten Schöpfungen dieser Art in Deutschland ein hervorragendes Dokument eines „empfindsamen” Landschaftsgartens. dessen stimmungsvolle Kleinbauten (Burg, Pyramide. Eremitage usw.) den auf sentimentale Ausstrahlung zielenden Gestaltungswillen der Zeit veranschaulichen.

 

Dabei geht es für die Menschen der damaligen Zeit um ein verinnerlichtes Naturerleben. Man war überzeugt, daß alles von der Natur Geschaffene vollkommen sei, da es eine Schöpfung Gottes ist. Die Landschaft, die von Menschen unberührt ist, ist daher gut.

Der englische Garten stellt die Natur in den Mittelpunkt. Es war die Zeit von J. J. Rousseau und dem Ansinnen „zurück zur Natur“. Wir finden hier Hügel, Täler, Wasser, alles was für eine seelische Rührung notwendig ist. Gebirge und Felsen stehen für Ehrfurcht und Schrecken, Täler für Melancholie und stille Träumereien, Wälder mit hohen Bäumen für das Heroische und Wiesen für idyllisches Vergnügen.

Zu jeder Jahreszeit hat Wilhelmsbad seinen Reiz. Große Rasenflächen unter alten Bäumen laden im Sommer zum Picknick im Schatten großer Bäume. Das Rascheln bunter Blätter auf den gewundenen Waldwegen begleitet die Spaziergänge im Herbst. Im Winter verdeckt kein Grün den Blick auf die verwunschene Pyramide auf der Pfaueninsel, wo das Herz des im Kindesalter gestorbenen Sohnes des Kurfürsten Wilhelm I. liegt. Wilde Frühlingsblumen und das Geschnatter wollüstiger Enten auf dem zum Teich gestauten Brauchbach verjagen im Frühjahr die Wintermüdigkeit der Besucher.

Der Kurpark Wilhelmsbad steht beispielhaft für den Stellenwert der Gartenarchitektur im 18. Jahrhundert: ein Gesamtkunstwerk mit künstlichen Hügeln und Tälern, kleinen Bauwerken und Spielgeräten. Auf dem kunstvoll angelegten Wegesystem tun sich bis heute vor den Augen der Spaziergänger immer neue Bilder und Blickwinkel auf. Doch Wilhelmsbad ist kein Einzelfall: Denn im 18. Jahrhundert stand die Gartenkunst gleichberechtigt neben den anderen Künsten.

 

Die Anlage am Wilhelmsbad war von Anfang an etwas Besonderes. Sie stand nicht nur den Adeligen offen, sondern auch den bürgerlichen Erholungssuchenden und sie wurde von Anfang an kommerziell betrieben. In Wilhelmsbad nahm man Abschied von der alten höfischen Rangordnung. Beim Mittagessen im Arkadenbau bekam man keinen Platz gemäß seiner gesellschaftlichen Stellung, sondern man nahm in der Reihenfolge Platz, in der man ankam.

Daß Wilhelmsbad heute das besterhaltene Beispiel einer Kuranlage des 18. Jahrhunderts ist, verdanken wir dem Umstand, daß diese Anlage nur ein gutes Jahrzehnt das Modebad der eleganten Welt war und danach in einen Dornröschenschlaf fiel. Das Modebad wurde, nachdem der Erbauer Wilhelm IX. 1785 Hanau verließ und als Landgraf die Regierung in Kassel übernahm. bald unpopulär und konnte aufgrund dieses „Schattendaseins” als nahezu vollständig erhaltenes Beispiel eines Kur- und Badeortes aus dem 18. Jahrhundert bis heute überdauern. Entlang einer Allee reihen sich die spätbarocken Kurgebäude, umgeben von einem Park im Stil englischer Landschaftsgärten.

 

Doch der Zahn der Zeit nagt an den historischen Bauten, die derzeit auf vielfältige Weise genutzt werden. In den ehemaligen Stallungen wohnen Menschen, die Gastronomie klagt über bauliche Mängel. Aus Gründen des Brandschutzes mußte die Hotellerie Anfang der 90er Jahre schließen. Doch aus dem ehedem als Kurbad mit englischem Landschaftsgarten konzipierten vorzüglichen „Kultur‑ und Naturerbe“ hat sich in Wilhelmsbad ein moderner kultureller Schwerpunkt entwickelt.

 

Bücher:

Wilhelmsbad und sein Theater, 1969

Elke Conert: Wilhelmsbad, Garten der Empfindsamkeit, 1997.

Bott, Gerhard:

 

 

Wilhelmsbad                                                                                                                      18.06.09

Zentrale Aktion „Lust am Garten“ mit Festakt im Kurhaus eröffnet

Die Schönheit der Gärten herauszustellen und auf die denkmalpflegerische Verantwortung hinzuweisen, ist Ziel der Aktion „Lust am Garten“". Auftakt für den bundesweiten Tag der Parks und Gärten war am Kurpark Wilhelmsbad. Die Garteninitiativen des Bundesverbandes Gartennetz lockten in ganz Deutschland mit Führungen, Kunst und Kultur die Menschen in die Parks ihrer Region.

Die Auftaktveranstaltung in Hanau war ein Kooperationsprojekt der Kultur Region Frankfurt RheinMain und ihrem Projekt „GartenRheinMain“ sowie der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Der Geschäftsführer der Kultur Region Frankfurt RheinMain, Konrad Dörner, begrüßte die Gäste im Comoedienhaus zu einem Festakt.

Er wies auf die zunehmende Bedeutung von Parks im Hinblick auf die Erholung und Gesundheit der Menschen hin. Wichtig sei daher eine nachhaltige Pflege, um die Parkanlagen zu erhalten. Der hessische Minister für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund, Michael Boddenberg, sprach in Vertretung des Schirmherrn, Ministerpräsident Roland Koch.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky freute sich darüber, daß aus all den historischen und schönen Gärten in Deutschland die Wahl für die zentrale Veranstaltung auf die ehemalige Kur- und Badeanlage Wilhelmsbad aus dem späten 18. Jahrhundert gefallen sei. Dies zeuge von Geschmack und Geschichtsbewußtsein. Wilhelmsbad sei nicht nur als geschlossenes Ensemble komplett erhalten geblieben und biete früher wie heute quasi einen „Erlebnispark“ mit all seinen Versatzstücken, sondern sei darüber hinaus auch ein Ort bedeutender gesellschaftspolitischer Ereignisse und Manifestationen.

So fänden sich das noch zu restaurierende historische Karussell mit seinen Schaukeln, eine künstliche Ruine mit Überraschungswert, ein Park mit der Symbolik des Lebens, mit Licht und Schatten, mit heiteren und melancholischen Momenten, so Kaminsky. Er wies auch auf das historische Scheunentheater hin, das sich mit seiner äußeren Schlichtheit in das Gesamtensemble einreihe. Die noble Rokoko-Architektur werde von Besuchern ebenso wie von Künstlern geliebt. Als das Gesamtkunstwerk im Jahr 1777 entstanden sei, habe man damit auch ein Zeichen gegen den Absolutismus und für den Geist der Aufklärung gesetzt, betonte der Oberbürgermeister. So sei es kein Zufall, daß bedeutsame politische Ereignisse wie der Freimaurer-Konvent im Jahr 1782 und das Wilhelmsbader Fest 1832 dort stattgefunden hätten. Wilhelmsbad sei ein kontemplativer Rückzugsraum für Poesie. Theater und inzwischen auch für Freunde des Museums. Im Sommer sei der Kurpark ein Ort pulsierender Leidenschaft. In einer Epoche der rasenden Veränderungen und Geschwindigkeiten sei der Garten ein Ort der Reflektion, so Kaminsky.

Dr. Klaus-Henning von Krosigk vom Landesdenkmalamt Berlin, gleichzeitig Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, hielt den Festvortrag über den Schutz, die Instandsetzung und Pflege bedeutender historischer Gärten. Seine Dia-Reise durch verschiedene Gärten führte unter anderem nach Potsdam und nach Bad Muskau. „Gartendenkmalpflege in Wilhelmsbad zwischen Realität und Wunschbild“ war Thema eines Vortrags von Dr. Inken Formann, Leiterin des Fachgebiets Gärten der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. •

Der Festakt wurde von Holger Lützen und Freunden musikalisch umrahmt. Beim Catering. organisiert vom Cafe Menges, drehte sich passend zu den Hanauern als „Lustische Geeleriebe“ alles ums Thema Karotten. Bei Führungen mit Heidrun Merk, Projektleiterin Garten Rhein Main, und Eberhard Schmidt vom Karussellverein Hanau, lernten die Besucher den Wilhelmsbader Kurpark, die Burgruine und das historische Karussell näher kennen. Das gesamte Programm war kostenlos, um einen freiwilligen „Garteneuro“ wurde geworben. Er soll den Pflegemaßnahmen des Parks zugute kommen. „Lust am Garten“ als bundesweite Kampagne für die Pflege und den Erhalt deutscher Parks und Gärten soll längerfristig bürgerschaftliches Engagement mobilisieren.

 

Durch fürstliches Ambiente streifen                                                                  11.03.2011

„Ein Tag in Hanau-Wilhelmsbad“ - die im Jahr 2010 von der Comoedienhaus Betriebsgesellschaft, der Hessischen Schlösserverwaltung, dem Hessischen Puppenmuseum und dem Gasthof „Zum Wilhelm“ ins Leben gerufene Kooperationsveranstaltung wird aufgrund der großen Nachfrage auch 2011 fortgesetzt.

Ab sofort können wieder Erlebnispakete für Wilhelmsbad gebucht werden, die in unterschiedlichen Kombinationen Führungen durch den Kurpark, die Burgruine. das Comoedienhaus, das Puppenmuseum und den alten Fürstenbahnhof enthalten und mit einer kulinarischen Pause im Gasthaus „Zum Wilhelm“ verbunden sind. Bei den verschiedenen Führungen am Vormittag oder am Nachmittag werden mehrere Stationen angesteuert.

So führen Mitarbeiter der Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten kompetent durch Park und Burgruine von Wilhelmsbad, das zwischen 1777 und 1785 als vornehmer Badeort entstand. Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel ließ für die höfische Gesellschaft und das aufstrebende Bürgertum die barocken Kurgebäude und den Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens errichten.

Der Park zählt zu den frühesten Schöpfungen dieser Art in Deutschland und ist ein hervorragendes Dokument eines „empfindsamen“ Landschaftsgartens, dessen stimmungsvolle Parkbauten, wie die Burg, die Pyramide oder die Eremitage den Gestaltungswillen der Zeit veranschaulichen. Die Burg war nicht nur malerische Kulisse, sondern diente dem Fürsten als Sommersitz. Der scheinbar verfallene Turm birgt im Innern eine große Überraschung. Er beherbergt ein elegantes Wohnappartement und im Obergeschoß einen prachtvollen Kuppelsaal.

Dem Amüsement der höfischen Gesellschaft diente auch das 1781 gebaute Scheunentheater Comoedienhaus, das wie die Burg hinter scheinbar schlichten Mauern ein zauberhaftes kleines Barocktheater verbirgt.

Im spätbarocken Kurgebäude hat unter anderem heute das Hessische Puppenmuseum sein Do­mi­zil. Auf über 800 Quadratmetern werden Puppen und Spielzeuge von der Antike bis zur heutigen Zeit der Kulturgeschichte lebendig.

Am Rande des Wilhelmsbader Staatsparks steht der Fürstenbahnhof. Hier trafen die Besucher aus Frankfurt und dem Umland zur Sommerfrische und zum Amüsement in Wilhelmsbad ein. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von 1848 beherbergt heute ein Gasthaus.

Das Informationsblatt . „Ein Tag in Wilhelmsbad 2011“ ist in der Tourist-Information im Rathaus. im Puppenmuseum, in der Außenstelle der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten in Wilhelmsbad, im Gasthof „Zum Wilhelm“ und in der Comoedienhaus Geschäftsstelle in der Steinheimer Straße erhältlich.

 

Termine:

Ein Vormittag in Wilhelmsbad: Die Dauer beträgt etwa vier Stunden für 25 Euro pro Person inklusive Mittagessen und einem Getränk an den Samstagen, 25. Juni, 9. Juli, 6. August, mit Führungen durch Bahnhof. Burg und Puppenmuseum.

Ein Nachmittag in Wilhelmsbad: Die Dauer beträgt ebenfalls rund vier Stunden für 19 Euro pro Person inklusive Kaffee und Kuchen an den Freitagen, 24. Juni, B. Juli, 5. August mit Führungen durch Bahnhof. Comoedienhaus und Park.

Individualprogramm für Gruppen nach Absprache. Informationen und Vorverkauf: Comoedienhaus GmbH. Telefon (0 61 81) 295-81 29,  E-Mail: comoedien@ hanau.de.

 

 

Geschichte

 

1779: Nach der Eröffnung am 3. Juni 1779 erlebte Wilhelmsbad eine glanzvolle, freilich recht kurze, Epoche als Treffpunkt der Großen Welt. Nie wieder hat der Fremdenverkehr im Gebiet zwischen Main, Rhön, Vogelsberg und Spessart ähnliche nationale und interna­tionale Bedeutung gehabt wie in Wilhelmsbad in dem Jahrzehnt vor dem Ausbruch der Französischen Revolution und in der unruhigen Zeit Ende des 18. Jahrhunderts. Schon in den ersten Jahren reichten die Gebäude kaum aus, um alle Fremden, die Wilhelmsbad aufsuchen wollten, zu beherbergen, zumal da die Saison sich auf die wärmere Jahreszeit beschränkte. 301 Gäste wurden 1779 registriert.

 

1779: In seiner Glanzzeit war Wilhelmsbad ein mit einer Spielbank verbundener Treffpunkt der vornehmen Welt und Tagungsort verschiedener gewichtiger Veranstaltungen. Die Spielbank dürfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Wilhelmsbad über so manche Krise hinweggerettet haben: Die Spielbank. Ab 1779 versuchten Gäste von Wil­helmsbad dort ihr Glück. Ein Bericht nennt 1794 Pharao, Biribi und Roulette. Am 8. Januar 1849 entschied die Nationalversammlung in Frankfurt, alle Spielbanken zu schließen, was auch in Wilhelmsbad am 30. April 1849 geschah. Im Jahre 1851 erfolgte eine Wiedereröffnung, zunächst nur für eine Woche, dann aber am 2. September für längere Dauer. Eine Auf­zeichnung aus dem Jahr 1862 besagt: „Die Spielbank ist in den Händen eines französischen Pächters, der jährliche Pachtzins beträgt 24.500 Gulden und die sonstigen Kosten 40.000 Gulden. Der höchste seit Menschengedenken hier vorgekommene Gewinn oder Verlust wird 20.000 Gulden nicht erreichen.“ Durch den Norddeutschen Bund kam 1864 jedoch das Aus. Wie so manches andere verschwand die Spiel­bank von der Wilhelmsbader Bildfläche. Im Jahre 1870 hörte der Spielbetrieb in Wilhelmsbad auf.

 

1780: Goethe zu Besuch in Wilhelmsbad

Wenn in Hanau von berühmten Literaten die Rede ist, werden an erster Stelle zumeist die Brüder Grimm genannt. So war auch Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe oft zu Besuch in Hanau. Goethe war offen für vieles, hat gerne ausprobiert, ohne sich zu sehr zu begei­stern. Daß Deutschlands großer Dichter einmal einen Schluck des als Allheilmittel geprie­senen Wilhelmsbader Wassers genommen hat ‑ gut möglich. Ob er indessen auch an die Wirkung ge­glaubt hat?

Für Goethe war Hanau vertrautes Ter­rain; schon als Kind hatte ihn sein Vater zu Spazierfahrten dorthin mitgenommen. Vor allem seine Mutter ist gerne hierher gekommen. In Frankfurt war es ein beliebter Brauch, den Sonntagsausflug nach Wilhelmsbad zu unternehmen. Bis in die 60er Jahre un­seres Jahrhunderts hatte diese Tradition Bestand. Schon zu Goethes Zeiten war es keine weite Reise, auch ohne Auto und Bahn. Man war knapp drei Stunden unterwegs. Die Fahrt ging mit der Kutsche über Bornheim, Bergen und die Mainkur.

Oft machte Goethe zudem nur kurz in Hanau Station, meist während der Durchreise von Weimar nach Frankfurt und retour. Ein Aufenthalt indessen ist in be­sonderer Erinnerung geblieben, allerdings nicht in guter. Im Winter 1779/80 war der Dichter mit dem Herzog von Weimar auf Reisen und weilte dabei auch in Wil­helmsbad. Eine besondere Ehre war es dem Erbprinzen, daß diesen Ort am 9. Januar 1780 der regierende Herzog von Weimar, „ein aufgeklärter, aber eigenartiger Fürst“ besuchte. Er hatte bei sich Goethe, einen deutschen Schriftsteller von einer neuartigen Schreibweise . . .“

Goethe aber war reichlich genervt, wie einem Brief an Frau von Stein zu entnehmen ist:

„So ziehen wir an den Höfen herum, frieren und langweilen, essen schlecht und trinken noch schlechter.“ Noch vier Jahre später denkt Goethe mit Schaudern daran zurück, schreibt von den „bösen Erinne­rungen“, die „ein Reißen in den Gliedern“ verursachen. Getrübt ist sein Blick zu­rück aber wohl auch wegen des heftigen Schnupfens, unter dem er während der Reise litt.

 

1781: Ein gewisser Leonhard Hadermann begann 1781 seine Hymne auf Wilhelmsbad: „O Quell, der du den Namen erhieltest von unserem Fürsten“. Für ein Lust­fahrzeug, das auf dem See des Parks schwamm, fand er die Worte: „... der vergoldete Kahn tanzt auf dem schimmernden Naß. Welch Vergnügen, im Nachen beim Klang der Flöte zu fah­ren, welcher Genuß, im Schiff ohne Gefahren zu ruhn ...“.

1781: Kaiser Josef II. war in Wilhelmsbad zu Gast. Unter den Namen „Graf“ be­sichtigte der Kaiser am 27. Mai 1781 das Bad. Am 19. Juni 1781 war Erzherzog Maximilian von Österreich zu Gast.

 

1782:  Das Bad hat 380 Gäste, von denen 126 im Arkadenbau, 129 in den Pavillons, die anderen im Remisenbau, im Jägerhaus und einige in der Stadt untergebracht wurden.

1782: Großmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig beruft die Freimaurer zu ei­nem „Convent“ nach Wilhelmsbad. Dieser Kongreß trug wesentlich zum Bekanntwerden des jungen Bades bei. In 30 Sitzungen einigte sich eine Mehrheit auf das „Wilhelmsbader oder Recticificirte System“, welches Goldmachen, Geisterbeschwörung und andere magi­sche Künste als unwürdig ablehnte.

 

1785 Wilhelm verlegt seine Residenz von Hanau nach Kassel, was sich nachteilig auf die Entwicklung des Bades auswirkte. Die Bautätigkeiten stoppten. Selbst das vier Jahre zuvor eröffnete Comoedienhaus versank in einen Dornröschenschlaf. Die feine Gesellschaft verkehrt nunmehr in der Residenzstadt und die na­poleonischen Kriege taten ein übriges, das Kurbad einem Dornröschenschlaf zu überlas­sen.

 

1788: Aus dem fernen Amerika kam ein anderer bekannter Mann und logierte in Wilhelmsbad: Tho­mas Jefferson, amerikanischer Gesandter in Paris und später Präsi­dent der Vereinigten Staaten, zeichnete gar eine Ansicht des Kurbades in sein Tagebuch.

 

1798  Auf der erhalten gebliebenen „Liste der Kur‑, Bad‑ und Brunnengäste in Wilhelmsbad vom Anfang bis Ende der Kur 1798“ (Anlage) stehen, hinter „Se. Hochfürstl. Durch­laucht der regierende Herr Landgraf“, unter anderen: die verwitwete Königin von Preußen, der Erbprinz von Isenburg‑Birstein, der kaiserliche General Fürst von Reuß, der englische Minister Cranford, der russische Minister von Simolin, die Fürstin von Usingen „mit zwei Prinzessinen und übriger Suite“, die verwitwete Herzogin von Cumberland, der regierende Fürst von Coburg, Offiziere in beträchtlicher Zahl, aber auch Bankiers, Kaufleute und einige Bürgerliche, die gar keine Profession angaben.

 

1799 König Friedrich Wilhelm III und Königin Luise (+1810) waren 8 Tage Gast des Landgrafen. Wilhelms Sohn Wilhelm wurde mit der Tochter des preußischen Königs verheiratet.

 

1800: Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte der Badeort eine kurze Renaissance. Besonders kurz währte die Blütezeit des Kurbetriebs. Noch in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts war die Nachfrage größer als das Angebot. Doch bereits ein Jahrzehnt später legten sich erste Schat­ten auf das Kurbad. Und über die Heilkraft des Wassers verbreiteten sich allmählich spöttische Witze in Hanau und Umgebung. So friste­te die Anlage ein bescheidenes Dasein, ob­wohl nie Zweifel an ihrer Schönheit be­stand.

 

1803: Im Sommer 1803 laden der König Wilhelm III und die Königin von Preußen (die Königin Luise) Goethes Mutter aus Frankfurt zu einem Besuch von Wilhelmsbad ein. Daß sich zu ihnen auch noch der Herzog von Weimar gesellte, berichtet die alte Dame brieflich ihrem Sohn: „O! Wieviel liebes und Gutes hat Er von dir gesagt.“

 

1815:  Am 26. Juni erfährt König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bei einem Aufenthalt in Wilhelmsbad, daß Napoleon bei Waterloo bzw. Belle Alliance.

besiegt war.

 

1818:  Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Rußland sowie König Fried­rich Wilhelm III. von Preußen und Kanzler Metternich beehren Wilhelmsbad im September. Sie rei­sen zum Aachener Kongreß. Die Hoffnung des Kas­seler Kurfürsten, die „Heilige Allianz von Wilhelmsbad“ wer­de ihn zum König von Hessen machen, geht aber nicht in Er­füllung.

 

1832:  Am 22. Juni war das erste Wilhelms­bader Fest, ein „Hambacher Fest“ in kleinerem Format, etwa vier Wochen nach dem Hambacher Fest (27. - 30. Mai)(siehe auch Datei „Fest“). Es war ein Fanal der erwachenden demokratischen Bewegung, in der Hanau ja be­kanntlich eine bedeutende Rolle spielen sollte. Zehntausende, so die historischen Quellen, ver­sammelten sich im Kurpark.

Vor dem Gasthaus „Zur golde­nen Schachtel“ wehen an diesem Freitag­morgen die Fahnen der republikanischen Insurrektion: „Freiheit, Wahrheit, Gerech­tigkeit und Einheit Deutschlands“ steht auf einem schwarz‑rot‑goldenen Banner, „Ohne Freiheit kein Leben“ auf einem an­deren. Die Menge, die sich an diesem 22. Juni in der Hanauer Krämergasse vor dem Haus Nummer 139 versammelt, will den Geist der Verbrüderung unter den deutschen „Volksstämmen“ stärken, wie es in der Einladung heißt. Mittags wollen 300 Teilnehmer im wenige Kilometer ent­fernten Kurhaus Wilhelmsbad aus diesem Anlaß ein splendides Mahl nehmen.

In diesem Sommer des Jahres 1832 ist das ein Akt mit hoher politischer Brisanz: Der Deutsche Bund, eine Versammlung aus 41 Staaten, die durchweg vom Adel re­giert werden, wacht in Frankfurt am Main mit Argusaugen darüber, daß die feudale Welt mit ihren zahlreichen Zoll‑ und Staatsgrenzen von liberalen Honoratio­ren, studentischen Radikalen und den De­klassierten aus den Industrie‑ und Hand­werksstuben nicht eingerissen wird. Trotz aller Zensur und Überwachung, trotz ei­nes ausgeklügelten polizeilichen Spitzel­systems und der wechselseitigen Versiche­rung der herrschenden Aristokratie, sich im Falle von Unruhen beizustehen, ist der Geist des Nationalismus und Liberalis­mus aber längst entfesselt ‑ entstanden im Abwehrkampf gegen Napoleon und ge­speist nicht zuletzt aus den trüben Quel­len des völkischen Nationalismus mit sei­nen antisemitischen Untertönen.

In diesen Tagen hat das Streben nach Einheit und Freiheit neue Nahrung be­kommen: Die Franzosen hatten zwei Jah­re zuvor ihren König verjagt, allenthalben in den deutschen Staaten brandet Begeis­terung für den Freiheitskampf der Grie­chen und Polen auf Zudem fördern wirtschaftliche Stagnation, Mißernten und ho­he Preise für Lebensmittel die Unzufrie­denheit in der Bevölkerung.

In Hanau, das seit 100 Jahren zu Kur­hessen gehört, ist die Unzufriedenheit längst handgreiflich geworden. In gut zehn Jahren ist die Stadt von 9600 auf 14.000 Einwohner gewachsen, 3.000 Men­schen sind ohne Arbeit und zum guten Teil obdachlos. Elf Armenstiftungen versu­chen, das Leid zu mildern. Weitaus stär­ker als in der Landeshauptstadt Kassel spüren die Menschen die technische Mo­dernisierung und die Fesseln der Zollgren­zen: Die Textilindustrie führt den mechanischen Webstuhl ein und macht viele ar­beitslos. Wegen der Zollgrenzen fließen die Warenströme an Kurhessen vorbei, zum Leidwesen der Hanauer. So entsteht Krawall als politischer Protest gegen die alte Ordnung. Wegen hoher Steuerabgaben, ei­nem kaum zu überblickenden Zollsystem zerstören die Hanauer am 24. September 1830 die Zollstationen in der Stadt und an der Mainkur. Es ist nicht das letzte Mal, daß die Hanauer Ge­walt als politisches Mittel einsetzen, wes­halb ein Heißsporn der kurhessischen Armee, Generalmajor Friedrich Wilhelm von Loßberg, im Frühjahr 1832 den denkwürdigen Satz sagt: „Die Hanauer sind ein un­ruhiges Volk, welches zu züchtigen mir die Freude machen würde. Hätte ich nur 10.000 Mann, ich würde die Stadt in Brand schießen, das Hanauer Volk ver­dient es nicht besser.“

Daß sich von Loßberg bei einer Unter­suchung im Kriegsministerium später auf die in der Verfassung verankerte Redefrei­heit beruft, ist eine der ironischen Wen­dungen dieser Zeit. Diese Verfassung, vom Marburger Juristen Sylvester Jordan aus­gearbeitet und am 8. Januar 1831 verab­schiedet, ist die modernste der Zeit. Karl Marx nennt sie Ende der 50er Jahre „die li­beralste, die je in Europa verkündet wur­de“. Recht auf Steuerbewilligung, Minis­terverantwortlichkeit und die Vereidigung des Militärs auf die Verfassung, nicht auf den Landesherren, sind einmalig im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Und doch sieht sich die nationale und liberale Bewegung nicht am Ziel. Bei der ersten po­litischen Massenveran­staltung bei Neustadt auf der Burgruine Hambach Ende Mai 1832 fordern die 20.000 Teilnehmer, ei­ne politische Vertre­tung des gesamten Vol­kes zu konstituieren. Der bayerische Land­tagsabgeordnete Fried­rich Schüler schlägt vor, solche Veranstal­tungen in allen deut­schen Gauen zu orga­nisieren. Das liberale Honoratiorentum ist nach Hambach ge­warnt: Es scheut die Republik und will sich mit dem Adel auf Grundlage einer konstitutionellen Monar­chie arrangieren. Um Radikale, vor allem Handwerker und Industriearbeiter, fern zu halten, schlägt der Liberale Karl von Rotteck vor, das Hanauer Fest auf Freitag zu legen, um „unglückliche Abschweifun­gen einiger Exaltierter“ zu verhindern.

Und dennoch kommen die, die offenbar nicht willkommen sind: Als der Zug mit­tags in Wilhelmsbad eintrifft, stehen bei­nahe 10.000 Menschen beisammen. Sie kommen aus Gelnhausen, Darmstadt, Neustadt, Kassel, Gießen, Fulda, Hanno­ver und Braunschweig und hören modera­te Reden des Hanauer Pfarrers Georg Jo­nas Merz, des Advokaten Reh aus Darm­stadt und des Theologen Bernhard Dehn­hard. Hanaus Polizeidirektor Friedrich Neuhof hat daran nichts zu beanstanden.

Gegen 13 Uhr beginnt das splendide Mittagsmahl für 300 vermögende Liberale und mit ihm der Regen. Die, die draußen bleiben müssen, schimpfen über die „Aristokraten“ und „Justemilianer“. In dieser angespannten Situation ergreift der Hei­delberger Burschenschaftler Heinrich Brüggemann das Wort. Vom Balkon aus wettert der begabte Redner gegen die Mä­tressenwirtschaft des Kurfürsten, das ab­solutistische Rußland, fordert die Bewaff­nung der Bevölkerung mit Piken und Flin­ten und verlangt den Acht‑Stunden‑Tag ‑ und wenn es mit der Aristokratie nicht an­ders geht, „dann an die Laterne mit ihr“. Wenige Wochen später schreibt Brügge­mann im „Wächter am Rhein“: „Die Anato­men sind der Meinung, daß die Brust ei­nes meineidigen Fürsten sich gar leicht durchbohren läßt.“

Später reden der Frankfurter Journa­list Wilhelm Sauerwein, der mit seinem Kollegen Friedrich Funk zu jenen Radika­len gehört, deren ausgeprägter Antisemi­tismus lange unter dem Deckmantel des Lokalpatriotismus verborgen worden ist. Die Reden wählen das Volk nicht auf, mar­kieren aber deutlich den tiefen Graben zwi­schen dem Großbürgertum und seinem Willen zur Kooperation mit dem Adel, und den radikalen Republikanern mit ihren so­zialen Ideen auf der anderen Seite. Anfang Juli verbietet Kurhessen die schwarz‑rot‑goldene Fahne und untersagt Volksfeste mit politischem Hintergrund.

 

1833: Erneut „Maifest“: 10.000 bis 15000 Menschen finden sich zu den von der Obrigkeit gar nicht gern gesehenen Kund­gebungen vor dem Kurhaus ein und forderten Reformen.

 

1847:  Renovierungsarbeiten am Kur­haus Wilhelmsbad, zahlreiche Tanzveran­staltungen und Gartenilluminationen Eher noch friedvolle, apolitische, scheinidyl­lische Beschaulichkeit des Biedermeier.

 

1847:  Pfingstmontag, 24. Mai 1847: Nachmittags von 4 ‑ 7 Uhr war ich am Wilhelmsbad. Den ganzen Tag über hielt sich das Wetter. Um 3 Uhr hatten wir 23 Grad Wärme. In der vergangenen Woche erbauten Halle (Musikpavillon gegenüber dem Arkadenbau) für die Musiker spiel­ten 30 Mann vom 3. Leibgarde-Infanterie- Regiment und zwar abwechselnd mit Or­chester‑ und Türkischer Musik unter der Direction des Musikmeisters J. G. Heller. Alle nun hergerichteten Säle sind mit Spiegeln vom größten Format, Lustre mit Christalllampen, weiche angezündet einen magischen Efect machen. Es befin­den sich 2 Roulette in zwei Sälen. Auf beiden Seiten des Kurgebäudes, sowie allenthalben stehen Blumen terrassenförmig aufgestellt. Vor den Gebäuden sowie an mehreren anderen Orten sind neue eisengußene Laternenpfähle aufgerichtet. Alle Gebäude nebst Theatergebäude, Küche, Wachthaus pp., sind weiß angestrichen worden.

Heute morgen mögen ca. 8.000 - 9.000( Menschen mit über 150 fremden Wagen daselbst gewesen sein. Portiers und Kellner sind sehr elegant gekleidet. Die heut stattgefundene Etiquette verbot: „Herren, welche keine Halsbinde anhaben, ist der Eintritt in die Säle verboten!“

 

1848: Maifest mit Robert Blum und „Tag der Turner“.

Montag, 3. April 1848 (in Hanau findet der erste Deutsche Turntag statt): Nachmittags, 3 Uhr, versammelten sich die Turner abermals mit ihren Fahnen auf dem (Neustädter) Marktplatz und zo­gen unter Vortritt der Bürgermusik nach dem freundlichen Wilhelmsbad. Hier an­gekommen, wurden sie von der Kesselstädter Schuljugend, welche bewaffnet mit Fahnen und einer Trommel versehen, begrüßt. Es herrschte ein ungeheurer Frohsinn, es wurde im Freien getanzt; der Zudrang war so groß, daß viele der Herren ihr Bier aus Gießkannen trinken mußten.

Sonntag, 14. Mai 1848: Nachmittags fand in Wilhelmsbad ein großes Maifest statt. Schon um 2 Uhr fand im Freien ein Concert mit vollständi­gem Orchester der Hanauer Bürgergarde­ Musik statt. Herr Robert Blum, z. Zt. Mit­glied des 50er Ausschusses der constituie­renden National‑Versammlung in Frankfurt, welcher unsere Stadt heute mit einem Besuch beehrte, war ebenfalls in Wilhelmsbad anwesend.

Abends 6 Uhr betrat derselbe den Bal­kon des Kurhauses, und nachdem ihn Herr Oberbürgermeister Rühl dem versammel­ten Volke vorstellte, hielt er eine lange, aber sehr gediegene Rede. Namentlich hob er die Gesinnungstüchtigkeit der Ha­nauer hervor.

 

1848: Kurfürst Friedrich Wilhelm verlegt seine Residenz für drei Monate nach Wilhelmsbad.

 

1848:  Veranstaltungen im Zusammenhang mit der sogenannten Staatsdienerrevolu­tion in Kassel unter Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen‑Kassel und dem vom Volk gehaßten, in Hanau geborenen Chefminister Ludwig Hassenpflug, ist kurz darauf die innerhalb der Bevöl­kerung gegenüber der Obrigkeit stark ins Negative geänderte Haltung ablesbar: Früher übliche euphorische Hurras zum Geburtstag Friedrich Wilhelm I.. von Hessen‑Kassel wandeln sich in ein für den Fürsten bedrohliches Gemurmel.

 

1848:  Sonntag, 20. August 1848: 46. Geburtstag des Kurfürsten Fried­rich Wilhelm I. von Hessen. Es ist dies der erste Geburtstag, welcher derselbe als Kurfürst feiert. Vergleicht man die Feier dieses Tages in früheren Jahren mit dem heutigen, so findet man einen großen Un­terschied. Zum ersten mal, daß sich die Hanauer, sowohl die Bürgergarde, als auch die Staatsdiener in keiner Weise be­teiligen; und da im Augenblick auch kein Militär in der Stadt liegt, so unterblieben auch von dieser Seite gewöhnlich gebrach­te Huldigungen als: Beleuchtung der Mili­tairkasernen, großer Zapfenstreich am Vorabend, Festessen am Wilhelmsbad. Es verschallte nicht ein Hoch für den Lan­desfürsten, die Bürgergarde unterließ die jedes Jahr stattgefundene große Parade.

Der Pächter und Wirth vom Wilhelms­bad, Herr Carl Panizza, zeigt auf heute Ball und Concert, um 8 Uhr große Illumi­nation mit 3000 farbigen Lampen zu Wil­helmsbad an, wogegen sich jetzt schon eine Demonstration kund gibt, indem ein großer Theil von unseren s. g. innern Feinden heute abend nach Wilhelmsbad ziehen und dort den an jenem Vergnügen Theilnehmenden statt eines Hochs ein all­gemeines Gemurmel (jetzt an der Tages­ordnung) bringen will!“

 

1850:  Dienstag, 17 September 1850 (Wilhelms­bad wird Regierungssitz):

Nachmittags. Wilhelmsbad ist nach al­len Seiten von Militärposten besetzt. Die Wache zählt 60 Mann. Die 3 Bahnhöfe der Frankfurt‑Hanauer Eisenbahn sind mit Militärwachen (12‑16 Mann) an jedem Bahnhof besetzt. Vor dem Palais des Kurfürsten spielt die Musik des 3. Infante­rie‑Regiments. Unter den Gästen befin­den sich weder höhere Militärs noch Civil­angestellte.

Nachmittags, 5 Uhr, kam der Minister Hassenpflug (jetzt allgemein mit dem Na­men der „Hessen Fluch“ bezeichnet) mit seiner Frau von Frankfurt kommend, in Wilhelmsbad an. Sie wurden weder von den Anwesenden begrüßt, noch durch Je­mand empfangen, doch bemühte sich Je­der, Hassenpflug von Angesicht zu schau­en. Insultiert wurde er nicht. Dienstag, 31. Dezember 1850: Durch Verordnung vom 28. d. Mts. ist der Sitz der Regierung von Wilhelmsbad nach Kassel wieder zurückverlegt.

 

1850:  Sonntag, 29. September 1850: Nachmittags, 6 Uhr, fuhr der Kurfürst von Wilhelmsbad nach Frankfurt. Beim Einsteigen in seinen Wagen, um den sich eine Menge Volkes als Neugierige dräng­ten, gab er dem wachthabenden Posten den Befehl: Die Menschen fort zu jagen! Es ist unverschämt! Seine Königliche Ho­heit war in sehr gereizter Stimmung, zu­mal Niemand von den Neugierigen den Hut abzog.

(Das Wissen über die Geschehnisse in Hanau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdanken  wir zum großen Teil einem Mann, der von 1825 bis 1875 in neun dicken Foliobänden von je­weils 500 bis 700 Seiten akribisch und ab­solut zuverlässig über die Hanauer Ereig­nisse Tagebuch geführt hat: Johann Da­niel Wilhelm Ziegler, von Beruf Klavier- ­und Gesangslehrer, geboren in Hanau am 11, März 1809, gestorben ebenfalls in Ha­nau am 11. April 1878. Sein nach ihm benanntes, einzigartiges Werk, die „Ziegler’sche Chronik“, befindet sich heute im Besitz des Hanauer Ge­schichtsvereins 1844. Die Folianten sind in alter deutscher Schrift geführt und enthalten in einer gut lesbaren, flüssigen Schreibe sehr an­schauliche Notizen über Persönlichkeiten der Stadt und der Region, Vereinsver­anstaltungen, Berichte über Brände, Kriminalfälle, Teuerungen, soziale Not­stände, politische Versammlungen, Demonstrationen und noch manches andere. Auch die Kur‑ und Badeanlagen Wil­helmsbad, ehemals zu Wachenbuchen ge­hörig sind von Ziegler mit etlichen Ein­tragungen bedacht worden).

 

1850:  Ein aus Frankreich stammender neuer Kur‑ und Spielpächter richtete im Jahr 1850 ein prächtiges Pfingstfest aus. Die Truppe, die im Comoedienhaus spielte, stammte ebenfalls aus Frankreich.

 

1851 Von September bis Dezember regierte die kurhessische Regierung von Wilhelmsbad aus

 

1857:  In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor Wilhelms­bad allmählich seine Bedeu­tung und wurde zu einem Aus­flugsort der Hanauer und Frankfurter.

Im Jahr 1857 schließlich wurde der Kurbetrieb offiziell eingestellt. Geblieben sind der Park und die meisten der Gebäu­de.

 

1861:  Theaterleiter Hommel übernahm die Spielstätte der Stadt Hanau: Das der länd­lichen Architektur Wilhelmsbads nachempfundene Gebäude ge­riet erneut in Vergessenheit. 

 

1870/71: Die Gebäude waren Lazarett und Erholungsheim für Verwundete, ebenso im Ersten Weltkrieg.

 

um 1881: Verkaufspläne von Wilhelmsbad um 1881 durch den preußischen Besitzer:

Im Jahre 1883 schrieb ein Vertreter der königlichen Regierung in Kassel, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten dem zuständigen Ministerium in Berlin: „Unter dem in Renaissance-Stil des 18. Jahrhunderts errichteten zahlreichen Gebäuden ist nicht ein einziges dem Schönheit oder künstlerischer Wert nachzurühmen wäre. Namentlich entbehren sie sämtliche der reizvollen Ornamentik mit welcher die Rokoko-Zeit die Fassaden und die Treppenhäuser zu schmücken verstand. Künstlerisch Schönes ist in Wilhelmsbad nicht vorhanden. Das Naturschöne wird durch die zahlreichen benachbarten Staats- und Gemeindewaldungen erhabener vertreten, als durch den oft genannten Park, in welchen außerdem das für Studium der Botanik nur durch Eichen, Buchen, Aspen und etliche Weichhölzer gesorgt ist ……   das die Anlage keinerlei Anspruch hat, mit dem Berliner Thiergarten, der Karlsaue, Wilhelmshöhe und Wilhelmsthal bei Kassel und ähnliche Anlagen und Bauwerken auf derselben Stufe betrachtet zu werden!“

Dieser Regierungsvertreter rät dringend zum Verkauf der Wilhelmsbader Anlage, da die Unterhaltungskosten höher als der Miet- und Pachtzins seien. Mögliche Käufer waren die Stadt Hanau und Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel. Der Verkaufswert von 200.000 Mark war aber zu hoch.

Im Jahre 1897 wollte ein Großindustrieller 10 Hektar des hinteren Parks kaufen. Es gab eine Protestwelle in der Hanauer Bevölkerung und Petitionsschreiben an die Minister in Berlin. Ein Hanauer Stadtrat „ ist nach wie vor der Ansicht, daß der preußische Staat berufen sein dürfte, die öffentlichen Anlagen von Wilhelmsbad und die Wirtschaft so zu erhalten, wie er solche übernommen hat.“ Damit war eine Parzellierung des Parks gestoppt.

 

1945:  Im Jahr 1945 lag die Stadt Hanau zum großen Teil in Schutt und Asche: Wilhelmsbad bot we­nigstens einigen der ausgebombten Fami­lien ein Dach über dem Kopf. Im Park fand die Bevölkerung Zerstreuung. Noch heute wohnen 23 Familien in den ehemaligen Ställen, die nie für eine solche Nutzung vorgesehen waren. Es fehlt die Wärmedämmung, Feuchtigkeit dringt ein. Mit den rund 190.000 Mark für die Bauunterhaltung der gesamten Anlage konnten die Verhältnisse kaum verbes­sert werden. Hinzu kommen die Auflagen des Brandschutzes, die oft dem Denkmal­schutz entgegenstehen. Vor diesem Hin­tergrund möchte Mathieu lieber in den Pavillons Wohnungen einrichten.

 

1929 und 1930: Es finden wieder einige Aufführungen im Theater Wilhelmsbad statt.

 

1939: Den Zweiten Weltkrieg überlebte Wilhelmsbad zwar, doch nach dem Kriege war es wichtiger, Heimatvertriebenen und Evakuierten eine Unterkunft zu bieten, als Kureinrich­tungen zu neuem Leben zu erwecken. Immerhin ließ man schon früh dem Park die nötige Pflege angedeihen.

 

1969: Die Hanauer sind auch später ihrem Wilhelmsbad treu geblieben. Der Staatsminister a. D. und Oberbürgermeister i. R. Heinrich Fischer bekannte noch in einem 1969 gedruck­ten Grußwort: „Für die Bürger war es eine Freude, wenn sie dort in der untergehenden Sonne der Feudalherrschaft lustwandeln konnten, und für die Niederen gab es auch einen Platz. Wie viele Hanauer meiner Generation, verbrachte auch ich in meiner Jugend manche Stunde im Park von Wilhelmsbad.“

 

1969: Die Krönung der Restaurierung und des Aufbaus stellte wohl im Ok­tober 1969 die Einweihung des wiedererstandenen Comödienhauses Wilhelmsbad dar, aus dem seit dieser Zeit der Hessische Rundfunk zahlreiche Produktionen übertragen hat.

 

1983: Im Arkadenbau wird das Hessische Puppenmuseum ein­gerichtet und 1986 erweitert. Das ermöglicht den Besuchern auch den Zutritt zu den historischen Räumen. Das mit ebensoviel Sachkenntnis wie Engagement aufgebaute Museum zeigt die Entwicklung der Spielpuppe in verschiedenen Kulturkreisen vom Altertum bis in die Gegenwart.

Ein Parkpflegewerk für Wilhelmsbad beschreibt die Geschichte der Anlage und die Veränderungen und ­gibt vor, was künftig ge­schehen soll. Der Ver­ein Hessisches Puppenmuseum wird auf eigene Kosten räumlich expandieren. Der HR hat signalisiert, sich wieder stärker im als Parktheater bundesweit einzigarti­gen Comoedienhaus zu enga­gieren. Bleibt das Problem der Gastronomie. Der Wirt beklagt die mangelnde Bereitschaft des Landes, in die Bausubstanz zu investie­ren. Umgekehrt mahnt Wiesbaden ein Konzept des Pächters an. Wilhelmsbad ist längst kein Kurort im wörtlichen Sinne mehr, aber es ist ein belieb­tes Ausflugsziel geblieben.

 

2000: Im Kurhaus ist eine eigentümliche Tristesse einge­kehrt. Staub liegt auf den Stühlen, die frü­her einmal als komfortabel gegolten haben mochten. Hier und da ein schmuckloser Tisch, an der Wand ein Klavier. Rosafarbe­ne Tapeten sollten vermutlich die vorneh­me Atmosphäre aufleben lassen, wie sie vor mehr als 200 Jahren den großen Saal im Kurhaus Wilhelmsbad erfüllt hat. Vom einstigen Glanz ist im Inneren kaum etwas übriggeblieben. Einzelne Bir­nen hängen von der Decke; Licht läßt sich aber nicht einschalten ‑ kein Strom. Wäh­rend draußen die Sonne scheint, verde­cken schwere Vorhänge die Fenster, es ist düster und die Luft muffig. Der gegenüber liegende Saal läßt mit Kronleuchter und Spiegel noch eher etwas von der einstigen Pracht erahnen ‑ heruntergekommen ist auch er.

Seit Herbst 1998 sind die beiden großen Gesellschaftsräume verwaist. Sie gehör­ten bis dahin zur Gastronomie und wur­den für Feierlichkeiten aller Art vermie­tet. Vorher schon wenig gepflegt, modern sie seit dem plötzlichen Verschwinden, des Pächters vollends vor sich hin. Das Land Hessen das für die Kuranlage Wilhelms­bad zuständig ist, tut nichts, solange sich kein neuer Gastronom gefunden hat.

Eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Denn ein Pachtvertrag ist Voraussetzung für die Sanierung ‑ aus zweierlei Grün­den: Der künftige Gastronom soll nicht nur ein Nutzungskonzept vorlegen, sondern sich auch an den Kosten beteiligten, in nicht unerheblichem Maße, wie es heißt (unter anderem benötigen die Räume eine neue Heizung und Lüftung, die noch aus den 30er und 40er Jahren stammen). Ein Gespräch mit einem Interessenten aus Ha­nau scheiterte, ohne daß die Gründe be­kannt geworden wären. Inzwischen ist die Verpachtung ein zweites Mal ausgeschrie­ben worden, bislang ohne Ergebnis.

Bei einer Führung der „Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten“ durch die Räumlichkeiten der Kuranlage ist das Erstaunen groß bei jenen, die vorher noch keinen Blick hinter die Türen werfen konn­ten. Außen hui, innen ‑ nun ja. „Das sieht ja aus wie in der ehemaligen DDR“ ent­fährt es einem Teilnehmer beim Anblick des Kursaals. Tatsächlich hat das Land Hessen Wilhelmsbad lange stiefmütter­lich behandelt. Obwohl überall noch viel von der alten Bausubstanz erhalten ist, bieten die Gebäude innen fast durchgän­gig ein ziemlich trauriges Bild.

Im Judenbau unten verschlossene Türen, oben der Mief der 50er Jahre; ein Büro der Schlösser­- und Gärtenverwaltung ist dort unterge­bracht, alles andere als repräsentativ. Türen und Beschläge des Judenbaus stam­men, zum Teil noch aus dem 18. Jahrhun­dert und die frühere Raumaufteilung mit Ankleidekabinen und Badestuben im Erdgeschoß und dem großen Speisesaal fürs koschere Mahl im ersten Stock läßt sich noch gut erkennen.

Immerhin: Im „Fürstenbau“ tut sich et­was. In den Räumen der ehemaligen „Gale­rie Hild“ gibt's nun Informationen zu Wil­helmsbad. Zwei der Zimmer, in denen frü­her hohe Herrschaften nächtigten, sollen demnächst renoviert werden und dabei ih­re originale Farbgebung bekommen: rot das eine, blau und grün das zweite, ein Doppelzimmer mit einem getrennten Wohn‑ und Schlafbereich sowie einem Ka­min für kühlere Tage.

Die Räume, die zum Teil noch über originale Fenster verfügen, sollen nach Auskunft von Thomas Ludwig, dem Leiter des Fachgebietes Baudenkmal­pflege der Verwaltung Staatlicher Schlös­ser und Gärten, so renoviert werden, daß der frühere Gesamteindruck wieder erleb­bar wird. Der blau‑grüne „Fürstenraum“ wird deshalb mit historischen Möbeln ein­gerichtet. Außerdem soll eine Daueraus­stellung über die Kuranlage Wilhelmsbad im Erdgeschoß untergebracht werden.

Erschwerend kommt hinzu, daß bereits seit den 20er Jahren ein Teil der Räumlich­keiten als Wohnungen genutzt wird. Vor die Tür setzen kann das Land niemanden, lediglich bei einem Auszug nicht mehr wei­ter vermieten, wenn etwas frei wird.

Auf diesem Weg kam auch das Hessi­sche Puppenmuseum zu seinen neuen Räu­men. Doch selbst, als die Wohnungen schon längst leer standen, mußte die Mu­seumsleitung noch lange auf die ersten Baumaßnahmen warten. Ein zäher Prozeß war’s, bis die neuen Räume im vergan­genen Jahr endlich eingeweiht werden konnten.

 

Im Jahre 2000 sanierte die Dachde­ckerfirma Lang aus Großenlüder den sogenannten „Langen Bau“. Das ist das eingeschossige zurückgesetzte und in der Tat ewig lange Gebäude zwischen dem Badhaus (heute Restaurant und Café) und dem Kavaliers­haus (das auch als Foyer und Zugang zum Comoedienhaus dient); man könnte auch sagen, der rechte Flügel der Gesamtanla­ge.

„Das muß nachher alles wieder im Origi­nalzustand sein, etwas schepp und krumm wie vor 200 Jahren. Das macht viel Arbeit. Wenn wir’s glatt und sauber machen könnten, wäre viel Arbeit ge­spart,“ sagt Bauleiter Berger. Als Beispiel nennt er die diago­nal übers Dach verlaufenden Kehlen und Grate aus Schieferplatten. „Die wurden beim letzten Dachdecken ‑ nach meiner Schätzung wohl noch vor dem Zweiten Weltkrieg ‑ einfach weggelassen. Das wird nun alles wiederhergestellt, wozu wir alte Bilder und Zeichnungen haben.“

Neben sechs Dachdeckern und zwei Zim­merleuten sind auch zwei Bauschreiner zu Gange. Sie gehören zum Fachbetrieb für Denkmalpflege von Jean Kramer aus Kün­zell/Fulda, sanieren die Holzkonstruktio­nen der Dachgauben und bauen originalge­treue Fenster ein. Mit den gleichen Aufgaben sind Fachleute von Jean Kramer auch auf der zweiten Großbaustelle beschäftigt, sozusagen zwei Häuser weiter.

Denn in Ar­beit ist derzeit auch das große Zentralge­bäude der Wilhelmsbader Kuranlage, der Arkadenbau. 1777/78 als Wandelgang für die Kurgäste gebaut, wurde es bereits 1779 als Kurhaus erweitert und um ein Stockwerk erhöht. Im ersten Stock befin­det sich das Hessische Puppenmuseum. Hier arbeiten Leute von Zimmermeister Matthias Fritz aus Tann in der Rhön und von Dachdeckermeister Siegfried Fiedler aus Triebes in Thüringen.

Drittens ist auch die so genannte Bergküche in Arbeit, das hinter dem Zentralbau erhöht ste­hende Gebäude.

Im ersten Bauabschnitt, der im Sommer 1999 begonnen hatte und im Mai dieses Jahres endete, wurde der Fürstenbau sa­niert, den Erbprinz Wilhelm IX. für sich hatte bauen lassen und wo er auch wirk­lich logierte, das Badhaus sowie der Stall­bau, sozusagen der linke Flügel und das Gegenstück des Langen Baus. Unten wa­ren Pferde und Wagen untergebracht, darüber in den Dachkammern schliefen die Mägde und Knechte.

Der Judenbau ‑ ganz links außen ‑ ist schon 1998 vom Staatsbauamt selbst saniert worden. Das Haus ist inzwischen Außenstelle der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Hes­sens. Bleiben noch Remisenbau und Gar­tenwirtschaft zu sanieren. Zielgerade ist die Landesgartenschau 2002.

Daß derzeit die Dächer erneuert werden, steht schon lange auf dem Sanierungsplan. In die Dachwohnungen kommen neue Fenster. Denn Wilhelmsbad dient auch als feste Bleibe: Außer Bediensteten der Schlösser­verwaltung kamen dort im Jahr 1945 auch ausgebombte Hanauer unter. Derzeit existieren noch 15 schlichte Wohnungen, überwiegend in den ehemali­gen Stallgebäuden. Geplant ist, zwei der Pavillonbauten für Wohnzwecke einzurich­ten.

Neuerdings plätschert sogar wieder der Brunnentempel: Eine Gartenpumpe hat den Job der matten Quellennymphe übernommen.

 

Entstehung

Über die Entstehung Wilhelmsbads gibt es zwei Erzählungen: Der noch sehr junge Prinz Wilhelm hatte bei einer wilden Jagd einen Unfall und fand angeblich Heilung durch Wasser aus dem „Gesund­brunnen“.

Wahrscheinlicher ist aber die andere Geschichte: Im Mai 1709 ent­deckten zwei Kräuter sammelnde Frauen auf einem Steinbruchgelände im Wald zwischen Hanau und Wachenbuchen eine schwach schüttende Quelle, deren Wasser fremdartig schmeckte. Sie haben einen sogenannten. eisenhaltigen Säuerling entdeckt, man würde heute sagen eine Mineralquelle. Eine der Frauen soll nach Ge­nuß des eisenhaltig sauren Trunkes ein gräßliches Bauchweh mit gewaltigem Durchfall bekommen haben. Doch da­mals wurde das durchaus als heilend erachtet. In kurzer Zeit sprach sich herum, wer aus der Quelle trinke, könne Linderung bei mannigfaltigen Beschwerden erlangen.

Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel und Prinz von Hanau ließ rund um die Quelle einen  Kurbetrieb aufbauen. Seine Mutter war Anna, die Tochter des Königs von Großbritannien Georg II, der zugleich als Georg II August Kurfürst von Hannover war. Sein Vater war der spätere Landgraf Friedrich II, ein Sohn von Wilhelm VIII.

Die beiden letzten Hanauer Grafen waren die Brüder Philipp Reinhard Graf von Hanau-Münzenberg (1685 - 1712) und sein Bruder Johann Reinhard Graf von Hanau-Lichtenberg

und Hanau-Münzenberg (1712 - 1736). Sie bauten Schloß Philippsruhe in der Zeit von 1701 bis 1713. Da sie keine männlichen Nachkommen hatten, starben mit ihnen die Hanauer Grafenhäuser aus. Gemäß der alten Erbschaftsverträge von 1643 fielen die nördlichen Hanauer Lande Hanau-Münzenberg an die Landgrafen von Hessen-Kassel und die südlichen Hanauer Lande Hanau-Lichtenberg an die Landgrafen von Hessen- Darmstadt.

Da Wilhelms Vater heimlich zum katholischen Glauben übergetreten war, bestimmte der Großvater Landgraf Wilhelm VIII, daß sein Sohn Friedrich zwar später Landgraf werden dürfte, der Enkel Wilhelm aber dem Einfluß seines Vaters entzogen wurde. Dazu trennte sich Wilhelms Mutter Anna von ihrem Mann und ging mit ihrem Sohn nach Hanau, wo sie als Vormünderin bis 1764 für ihren Sohn tätig war.

Die gesamte Wilhelmsbader Kuranlage war eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Doch es kam anders. Unser Erbprinz Wilhelm stürzte 1768 bei Ansbach im Odenwald vom Pferd und zog sich eine Knochenprellung zu. Man Verordnete ihm zur Linderung seiner Beschwerden Wasser von dieser Quelle, die in der Zwischenzeit nur noch der „Gute Brunnen“ genannt wurde. Wilhelm wurde überraschend schnell gesund. Aus Dank beschloß er, diesen Brunnen zu einem vornehmen Heilbad auszubauen.

 

Dem politisch umstrittenen Souverän verdankt Hanau nicht nur seine Zeichenakademie, sondern auch das Wilhelmsbad. Die ganze Anlage spiegelt die gespaltene Persönlichkeit des brutalen, aber auch kunstsinnigen Herrschers. Wie im Charakter Wil­helms, so stößt man in seinem Bad auf Zeichen schroffer Überheblichkeit ‑ und auf solche der Sehnsucht nach Harmonie mit der Umgebung.

Der Fürst hatte als Platz für den Badebezirk die Umgebung des „Guten Brunnens“ gewählt, einer 1709 entdeckten Mineralquelle. Weil er nach seiner Aussage an einem Ort lag, der „beim Publikum beliebt und durch die Heilquelle des Mineralwassers bekannt war, die mich selbst von meiner Quetschung geheilt hat“.

Schon 1773 setzte Wilhelm bis zu 700 Arbeiter ein, um Sümpfe trockenzulegen und die Land­schaft um den „Guten Brunnen“ zu gestalten. Im selben Jahr, am 3. Juni, an seinem Geburtstag, tat er in Anwesenheit seines Hofstaates feierlich den ersten Spatenstich. Die Quelle war nur ein guter Grund für den baufreudigen Erbprinzen Wilhelm, hier einen Kurort ausbauen zu lassen.

Im September 1775 hatte Erbprinz Wilhelm seinem Vetter, dem englischen König Georg III., Truppen für den Krieg in Amerika angeboten. Er erhielt im Dezember die ersehnte Antwort mit der Annahme seines Angebotes, mit dem er etwa 17.000 Hessen als Soldaten verkaufte, die auf englischer Seite im amerikanischen Unabhängigkeits­krieg kämpfen mußten.

Diese  sogenannten „Subsidien- Geschäfte“ waren eine damals übliche Praxis.

Wilhelm erhielt für seine Subsidien Kasse insgesamt 465.483 Pfund Sterling. Er war dadurch einer der reichsten deutschen Fürsten der damaligen Zeit. Wilhelm verkaufte bzw. vermietete über 2000 hessische Soldaten an Georg III.  Die hanauischen Truppen trafen im August 1776 in Nordamerika ein. Noch heute erinnert ein Lied an die Zwangsrekrutierten, die mit Leben, Freiheit und Gesundheit für Wilhelmsbad zahlten: „Ein Schifflein sah ich fahren, Kapitain und Lieutenant ...“. Es wurde zum ersten Mal auf der Überfahrt der armen Kerle zur Melodie des hessischen Trommlermarsches gesungen.

Am 28. August 1777 bestimmte der Erbprinz 8.000 Gulden aus der Subsidienkasse zum Bau eines Bade­hauses beim „Guten Brunnen in dem Hochstädter Wald“.  Daß  der Erb­prinz Wilhelm seine Soldaten verkauft hät­te, um mit dem Erlös das Kurbad zu bauen, ist ein ebenso falsches wie hartnäckiges Gerücht. Der Verleih von Regimentern ge­gen Entgelt war im 18. Jahrhundert allge­mein Brauch bei den deutschen Fürsten. Der Hanauer Erbprinz freilich verstand dieses Instrument der Geldbeschaffung beson­ders vorteilhaft für seine Schatulle einzu­setzen. Wilhelmsbad ist somit ein Produkt der „Soldatenvermietung“ ebenso wie der fürstlichen Bauwut.

 

Wilhelm war aber Zeit seines Lebens ein guter Kaufmann. So dauerte es noch einmal fast zehn Jahre bis Wilhelm den Auftrag an den höfischen Baudirektor Franz Ludwig Cancrin gab, mit dem Bau einer Kuranlage zu beginnen, denn 1772 hatte man eine zweite, ergiebigere Quelle gefunden. Später kamen drei weitere Quellen hinzu.

Nach dem Plan des fürstlichen Bau­direktors Franz Ludwig von Cancrin wurden sofort die Bauarbeiten begonnen. Er hatte aber die Möglichkeit zum Teil auf Pläne seines Vorgängers Johann Friedrich Heerwagen, einem Hanauer Architekten, zurückgreifen zu können. Im Jahr 1777 begann er mit dem Bau des spätbarocken Gebäude-En­sembles und der Gestaltung des Parks nach englischem Vorbild. In nur wenigen Jahren verzauberte er den ehe­maligen Steinbruch in ein romantisches Fleckchen Erde.

Im Winter mußte der Brunnenaufseher Steiz aus Sicherheits­gründen schon im ersten neuerbauten „Badhaus“ wohnen. Im Frühjahr 1778 wurde weitergebaut und ein weiterer Pavillon, das „Traiteurhaus“, errichtet. Im Juni wurde mit den Arbeiten für einen „,Arkadenbau“ als Wandelgang angefangen. Im Oktober wurde das Holz für den „Logierungsbau in acurater Größe des Bad­hauses“ bestellt. Ende des Jahres betrug die Summe des ausgegebenen Geldes für die angefangenen Bauten bereits 39.779 Gulden, davon stammten aus der „englischen Subsidienkasse“ 30.867 Gulden.

Eine vermutlich von dem Architekten selbst stammende Entwurfszeichnung für diese erste Bauten­reihe am Guten Brunnen hat sich in den Staatlichen Kunstsammlungen in Kassel erhalten. Die Ansicht von Süden zeigt den Brunnentempel als Mittelpunkt der An­lage vor dem „Badhaus“ jenseits der Straße. Freigestellt schließt sich der überdeckte Arkadengang nach links an das „Badhaus“ an. Daneben steht, weiter nach Westen, der „Logierungsbau“, der spätere „Fürstenbau“, als Abschluß der Gebäudereihe. Neben dem „langen Bau“ östlich des „Badhauses“, der als Remise diente und ein Uhrtürmchen mit zwei Bronzeglocken aus der Werkstatt des J. Peter Bach in Windecken trägt, bildet das „Traiteurhaus“, später Kavalierbau“ genannt, den Abschluß der Gebäudereihe.

 

Das Bad entstand in einer Epoche, die dem Heilwert der Bäder besonderes Zutrauen entge­gen­brachte, so daß es rasch in Flor kam und der Erbprinz gezwungen war, an eine Erwei­terung zu denken. Im Sommer 1778 konnte der Fürst in seinem Tagebuch feststellen: „Ich fand den guten Brunnen stark in Mode..“

Aus der nachfolgenden Erweiterung der ursprünglich kleineren Anlage resultiert auch die heutige asymmetrische Lage des den Kurgebäuden vorgelegten klassizistisch wirkenden Brunnentempels, der sich im ersten Stadium von Wilhelms­bad im Zentrum der Anlage befand.

Für die Erstellung dieser Kurgebäude gaben sich der Fürst und sein Architekt, der Baudirektor Franz Ludwig Cancrin, von der fürstlichen „maison de plaisance“ leiten lassen. Die aufgelockerte Anordnung der Gebäude war mit Erfolg schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts im böhmischen Kukus, später in Freienwalde an der Oder und in Pyrmont zur Anwendung gebracht worden - eine Gruppierung, wie sie auch späterhin als Vorbild für die Konzeption eines Bades beibehalten wurde. Cancrin hat seine Erkenntnisse in einem ausführlichen Kapitel seiner 1792 in Gotha verlegten architekturtheoretischen Schrift Grundlehren der Bürgerlichen Baukunst, nach Theorie und Erfahrung vorgetragen“ ausführlich dargelegt.

Vier gleichartige zweistöckige Pavillons mit Mansarddächern, zwei sich ebenfalls in Form und Umfang gleichende eingeschossige Remisenbauten mit ein­fachen Walmdächern und das stattliche ebenfalls mit hohem Mansarddach. Die Architekturformen sind für die Entstehungszeit ‑ ein Kunstgriff des Architekten ‑ ein wenig altertümlich. Cancrin war nämlich der Ansicht, daß er mit einem Rückgriff auf Bauformen des 17. Jahrhunderts wahre antikische Formen gefunden habe, die er im Sinne eines retrospektiven Klassizismus zur Anwendung bringen wollte. Die Mansarddächer mit den reizenden Dachgauben und dem geschwungenen Anstieg der Dachlinie sind noch ganz die „fran­zösischen“ Dächer des Spätbarock. Diese Dächer bestimmen wesent­lich den Eindruck der Badeanlage.

 

Die Badeanlage im Wald trat in Konkurrenz zur Schloßanlage am Main. In dem 1776‑84 als persönliche Schöpfung des Erbprinzen errichteten Bad ist das barocke Schloßbauschema, das wir in Schloß Philippsruhe in so ausgeprägter Weise kennengelernt haben, wieder verlassen. Es gibt keine Achsen mehr, die auf den Hauptbau zu­führen. Die Straße führt an den Häusern vorbei. Der Park ist be­reits als englischer Park, als Landschaftspark, angelegt. Es ist einer der ersten Landschaftsparks in Deutschland.

Das alte Barockschema klingt im Mittelteil der Anlage noch nach: Der Kurbau steht zurückgesetzt zwischen zwei Pavillons. Die Pa­villons stehen aber nicht mehr in Verbindung mit dem Hauptbau. Diese Isolierung der ehemaligen Seitenflügel des alten Schemas ist aber so zaghaft ausgesprochen, daß kein Wagen zwischen den ein­zelnen Bauten durchfahren kann, der Abstand beträgt etwa 1,50 Me­ter. Die Gesamtanlage mit ihrem symmetrischen Wechsel von langen Trakten und Pavillons und dem Mittelbau mit Kolonnade trägt in Einzelheiten schon klassizistische Züge. Verstohlen versucht das Ornament des frühen Klassizismus, der Zopf, sich als Dekoration einen Platz.

 

Mittlerweile hatte der Ort auch einen Namen erhalten: „In den ersten Tagen des Mai 1778 bat mich eine Deputation von Fabrikanten und Bürgern der Neustadt, dem guten Brunnen meinen Namen zu geben. Ich stimmte zu, und dieser Ort wurde Wilhelmsbad genannt“,  berichtete darüber der Erbprinz in seinen Lebens­erinnerungen stolz.

 

Der 3. Juni 1779 war der Tag der Grundsteinle­gung und der 36. Geburtstag des Erbprin­zen Wilhelm von Hessen‑Kassel (1743­-821) war. Die Kur‑ und Badeanlage selbst war zu dieser Zeit in ihrer ersten Gestalt vom Hanauer Hofarchitekten Franz Ludwig Cancrin bereits vollendet worden. Der Baumeister hatte an seinem Werk keine rechte Freude. Franz Ludwig Cancrin wurde in einen Prozeß wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder verwickelt und 1782 zu sechs Monaten Haft verurteilt und entlassen. Er trat später in den russischen Staatsdienst.

Ein „Avertissement“ meldete am 7. Juni  1779 „dem Publico“, daß man nun auch am Badeort sich einquartie­ren konnte. Eine Badeordnung und die Preise wurden veröffentlicht. Die Sommerzeit 1779 brachte erstmals viele Gäste in den neu errichteten Kurort. Am Ende der Saison erschien eine „Liste der Kur‑, Bad‑ und Brunnen‑Gäste“, in der sich manche bekannte Namen aus nah und fern finden. Besonders zahlreich hatte sich das Frankfurter Bürgertum einlogiert. Neben der „Madame Contard­ durfte Madame Bettmann“ nicht fehlen, der „Hr. Geheimer Legat, Rath von Günderode, war der Nachbar von Hr. Leonhardi“, und der Amtmann Use­ner aus Bergen traf die „Frau von Barkhausen“ im Badeort.

Natürlich gab es auch eine Menge adeliger Besucher, die mit ihrem Badeaufenthalt dem Bauherren die Reverenz erwiesen. So schrieb der Erbprinz in sein Tagebuch: 7. Juli 1779. Der Zustrom der Leute war so stark in diesem Sommer, daß es an Platz fehlte. Die neuen Säle waren zu klein. Das Pharaospiel, das man hatte erlauben müssen, um Fremde herbeizulocken, führte alle Welt herbei. „Wilhelmsbad mon bijou et mon endroit favori“, nannte der Fürst nun seinen neu erbauten Badeort.

Der Andrang zur Badesaison 1779 veranlaßte den Erbprinzen, weitere Pläne in Wilhelmsbad zu verwirk­lichen. „Der Mangel an Platz bestimmte mich, die Arkade zu vergrößern, dort dreigroße Säle zu errichten und zwei Stockwerke darüber. Man begann zuerst die Fun­damente zu legen und den Bau zu beschleunigen, damit dieses große Bauwerk vor Jahresende unter Dach sein könnte, was trotz des Regenwetters glücklicherweise gelang“, schrieb er in sein Tagebuch.

Weiter beschloß der Fürst, „eine alte Ruine in Wilhelmsbad zu bauen in der Form eines alten Schlosses oder einer Burg . . . Die Grundmauern meiner neuen Wohnung, der Ich den Namen ‚Burg’ gab. Wurden im September gelegt.“

Durch die Erhöhung und Veränderung des Arkaden­baues, der vordem nur ein überdeckter Wandelgang war, wurde der auf den Mittelpunkt eines Brunnentempels konzipierte Plan des Architekten Cancrin aus dem Gleichgewicht gebracht. Wilhelm wußte dies, veranlaßte aber trotzdem neue Bauarbeiten. Die Arbeiten begannen zuerst „gegen die Ansicht Cancrins“, der sich dreinfinden mußte. Entsprechend der Remise neben dem „Traiteurhaus“ wurden im Westen ein zweites niedriges, langgestrecktes Stallgebäude und ein neuer vierter Pavillon der Gesamtanlage hinzugefügt. Ein zweiter Brunnentempel vor dem „Logierungsbau“ sollte die Symmetrie wieder herstellen ‑ er wurde nicht gebaut.

Der Erbprinz tat alles, damit sein Lieblingsort bekannt wurde. Er veranlaßte eine regelrechte Werbung zum Besuch des Bades. Für sein Wilhelmsbad ließ der Prinz mit allen verfügbaren Medien werben. Das erste war ein bestellter Briefroman. Der hessen‑hanauische Rat Andreas Schäfer verfaßte einen Text, die fingierten „Briefe eines Schweizers über das Wilhelmsbad bei Hanau“. Der Hanauer Hofmaler Anton Wilhelm Tischbein wurde beauftragt, Zeichnungen für Kupferstiche als Beilage zu diesem Büchlein zu fertigen. Der Rat schrieb an eine „reizende Amalie“, seine Geliebte, in Briefform begeisternde Ausbrüche über das neue Bad. „Goethes Werther“, 1774 in Briefform erschienen, war wohl sein Vorbild.

Kupfer­stiche in Massenauflagen nach Bildern des Hofmalers Anton Wilhelm Tisch­bein wurden herausgebracht. Auch andere Künstler, u.a. Johann Georg Schütz, haben das damalige Bild von Wilhelmsbad in reizvollen Veduten festgehalten. von Gotthelf Wilhelm Weise wurden drei Bilder gestochen.

 

Es folgten die glänzendsten Jahre für das neue Bad.  Es war eine glückliche Zeit für das Bad. Der Bauherr verfolgte begeistert jede Regung an  „seinem Badeort“, an dem ein ungezwungenes heiteres Leben herrschte. Als Brunnentrinker mischte er sich unter die Gäste, die seine gewollte Anonymität respektierten. Sein Hofstaat war verärgert über diese Züge einer Menschlichkeit, die im Sinne der Aufklärung eine neue Natürlichkeit suchte. Der junge Fürst suchte nicht mehr den Geist der Repräsentation, der sich in einem monumentalen Schloßbau geäußert hätte, seine Bauten sollten der „ganzen Menschheit“ dienen, so wie er sie verstand. Dabei hatte er auch handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel. Der Kurort sollte ihm Einnahmen bringen, die die Staatskasse dringend brauchen konnte.

 

Im Jahre 1785 siedelte Wilhelm als Landgraf nach Kassel übers und fand dort größere Aufgaben vor. Im Sommer freilich zog es ihn immer wieder nach Wilhelmsbad. Seine Anwesenheit gab dem Treiben der Kurgäste den besonderen Reiz. Auch als Hausherr schien er allgegenwärtig: Jede Kleinigkeit, die den Badebetrieb betraf, wurde ihm gemeldet ‑ etwa die Zahl der vorbestellten Zimmer, Personalien prominenter Gäste, Wirtschaftsnöte und selbst belanglose Zwischenfälle.

 

Kurbauten

An einer Allee aufgereiht liegen in aufgelockerter Bauweise die sieben Gebäude, die heute (von West nach Ost) Judenbau, Langer Bau, Fürstenbau, Kurhaus („Arkadenbau“),  Brunnentempel, Wirtschaftsbau, Stallbau, Kavalierbau und  Theater genannt werden.

Die vier Pavillons sind zweigeschossig mit Mansarddächem. Die Fenstereinrahmungen sind rustikal, behäbig und weisen auf die römische Antike zurück. Der hier vorherrschende Kunststil ist in der Zeit des Übergangs zwischen Rokoko und Klassizismus anzusiedeln. Gemäß der Zopfmode der damaligen Zeit, die in der Landgrafschaft Hessen-Kassel immer noch vorherrschte, nannte man diesen Stil den „Zopfstil“. Der Zopfstil ist die deutsche Variante zum französischen Louis-XVI-Stil.

 

Pavillon  IV (1780) oder „Juden­bau“:

Ihn  gab Erbprinz Wilhelm zuletzt in Auftrag, um den Besuchern mosaischen Glaubens ein eigenes Haus in der Anlage bieten zu können. Dabei trieb ihn nicht allein tolerante Menschlichkeit an, sondern vor al­lem wirtschaftliches Denken. Die Ankleidekabinen und Badestuben waren im Erdgeschoß, der große Speisesaal fürs koschere Mahl war im ersten Stock. Dort sollten ursprünglich nur jüdische Gäste wohnen. Dafür wurde erheblich die Werbetrommel gerührt. Doch trotz der starken Werbung wohnten nie ausschließlich jüdische Heilsuchende dort.

 

Langer Bau oder Marstall (1780):

Hier waren auch Wohnungen für die Bediensteten, an sich war es aber ein Stallbau.

 

Pavillon  III (1778), auch Logierungsbau oder Fürstenbau genannt:

Hier war die Wohnung des Erbprinzen Wilhelm bis zur Erstellung der Ruine 1779. Hier verfaßte er den ersten Band seiner Memoiren in französischer Sprache, ursprünglich für seinen Lieblingssohn den verstorbenen Friedrich.

 

Das prächtige Haus entstand 1779 als Logierungsbau für Kurgäste. Es wurde ab bald vom Kurfürst Wilhelm sowie vom Kasseler Hof als Quartier genutzt. Erbprinz Wilhelm nutzte den Fürstenbau als privates Appartement, bevor er sich 1781 die Burgruine als sommerliches Logis auf einer Insel im Parkweiher erbauen ließ.

„Der Fürstenbau diente Wohnzwecken und war ab 1785 dem Landesherren und seinen Gästen vorbehalten. Im Jahr 2002 wurde in Teilen des restaurierten Gebäudes zur Besucherinformation eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Kurbades und seines Landschaftsgartens eröffnet.“ Nachzulesen ist das sowohl in einer ausführlichen, reich illustrierten Broschüre über den Park Hanau Wilhelmsbad als auch in einem zusätzlichen Kurzführer. Beide Werke stellte Kai Mathieu, Direktor der Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten dieser Tage im Rahmen eines Pressegespräches über den fertiggestellten ersten Bauabschnitt des neuen Besucher- und Informationszentrums im Fürstenbau vor.

Aber das war eher das schmückende Beiwerk. Der eigentliche Anlaß war die Präsentation des teilweise renovierten Fürstenbaus selbst durch Hessens Kunstministerin Ruth Wagner (FDP) sowie als deren Gastgeberin Hanaus Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU).

Der Fürstenbau ist Teil des langgestreckten Gebäudeensembles, dessen Dächer das Land Hessen in den Jahren 2001 und 2002 für rund 2,9 Millionen Euro instandsetzen ließ. Die Arbeiten waren im Dezember 2001 abgeschlossen worden. Hernach erfolgte von Juni 2001 bis März 2002 die Herrichtung des Fürstenbaus.

Mit der Sanierung ist es gelungen, den Fürstenbau wieder in seine ursprüngliche architektonische Gestaltung zurückzuversetzen und dabei Umbauten aus dem Jahr 1921 rückgängig zu machen. Damals war der bereits heruntergekommene Bau an eine Gesellschaft verpachtet worden, die hier kleinteilige Wohnungen einrichtete. In einem der Räume wurde nun eine original bemalte Wandbespannung freigelegt, die in den nächsten Monaten von Restauratoren wieder hergestellt wird. Dann sollen sich auch nach und nach die Räume mit Möbeln füllen.

Das schmucke Café hat nur tagsüber geöffnet. Jahre bereits ist das Land deshalb auf der Suche nach einem Gastronomen und hat sogar europaweit ausgeschrieben; bislang scheiterten aber alle Bemühungen. Einer der Hauptgründe war die hohe Eigenbeteiligung, die das Land von potentiellen Partnern gefordert hatte, ein weiterer die zeitliche Unsicherheit. Denn weil nicht klar war, wann genau das Gebäude saniert werden sollte, konnte ein Pächter eben auch nicht wissen, wann ein geplantes Restaurant seinen Betrieb würde aufnehmen können. Nun soll die Sanierung also absehbar sein.

Weil bereits beim Planen des Arkadenbaus vor rund 200 Jahren Fehler bei der Statik gemacht wurden, hat sich die Decke der Kurhaussäle mittlerweile stark abgesenkt. Deshalb muß eine aufwendige Tragwerkskonstruktion eingebaut werden, was aber weder die historische Bausubstanz beschädigen darf noch den laufenden Betrieb des Hessischen Puppen allzu stark beeinträchtigen soll. Der Umfang dieser nötigen Stabilisierungsarbeiten fällt unerwartet groß aus. Überdies plane das Land, das Gebäude teilweise zu unterkellern, um dort Garderoben und andere Räume unter zubringen.

Die Dauerausstellung über die Geschichte der ehemaligen Kur- und Badeanlage Wilhelmsbad im so genannten Fürstenbau ist von Dienstag bis Donnerstag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 13 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

In dem Pavillongebäude befindet sich heute der Informations‑ und Kassenraum der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten, Telefon 0 6181 / 83376, geöffnet samstags 13 bis 17.30 Uhr, sonntags schon ab 10 Uhr. Dort beginnen die Führungen durch den Park (nächste am Samstag, 7. Oktober, 14 Uhr) oder die Burg (bis 29. Oktober samstags 14, 15 und 16 Uhr; sonntags von 11 bis 16 Uhr zu jeder vollen Stunde). Die Teilnahme kostet 7 Mark. Informationen zu Sonderführungen auch bei Heidrun Merk, Telefon 069 / 595818.

 

Arkadenbau (1778, 1780 erweitert)  oder Kurhaus (ab 1780):

Repräsentativ herausgehoben ist der Arkadenbau. Ursprünglich war er eine Wandelhalle in der Größe der sonstigen langgestreckten Gebäude der Anlage. Ab 1780 ist er als zweigeschossiger Bau der Repräsentationsbau der Gesamtanlage. Vom ursprünglichen Konzept blieb der Arkadengang zu ebener Erde. Zusätzlich hat die Vorderfassade einen Mittel- und zwei Eckrisaliten. Auf den leicht vorspringenden Vorbauten finden wir Giebel, die Hessen-Hanauische Wappen zeigen. In der Mitte ist eine Art Balkon, ein Altan, der auf drei Säulen lagert. Erdgeschoß und erstes Geschoß haben flache vorgelagerte Pfeiler aufliegen. Im Erdgeschoß sind es toskanische und im ersten Geschoß ionische Pilaster. Ihnen liegen waagerechte Steinbalken, die Architave, auf.

 

Im Arkadenbau des Kurhauses Hanau‑Wilhelmsbad befindet sich auf rund 750 Quadratmetern das hessische Puppenmuseum, Telefon 0 6181 / 86212. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Mark, für Kinder 1 Mark, die Familienkarte 10 Mark.

Mit der Sanierung des Hauses einhergehen könnte auch eine Erweiterung des Hessischen Puppenmuseums, auf die dessen Leiter Martin Hoppe hofft, seit vor zwei Jahren die angrenzende Wohnung frei geworden ist. Auf 150 Quadratmetern möchte Hoppe in diesem Teil - es wäre der vierte Bauabschnitt - dann die umfangreiche Japansammlung unterbringen und außerdem Platz für Marionetten und Handpuppen zu schaffen, die bislang im Museum noch nicht präsentiert werden können. Doch vorher bräuchten die Räume Heizung, Stromleitungen und einen neuen Fußboden. Konkrete Informationen über den Baubeginn und darüber, in welchem Umfang das Land die Sanierungsarbeiten übernehmen wird, hat aber auch der Museumsleiter nicht.

Das Problem von Wilhelmsbad ist, daß es seit Jahren weder der Verwaltung noch der Politik gelingt, eine schlüssige Perspektive für das Ensemble zu geben. Die drei Hausherren - Kultusministerium, Staatsbauamt und Schlösserverwaltung - halten sich allemal bedeckt. So steht auch weiterhin in den Sternen, wann denn in Wilhelmsbad wieder das Tanzbein geschwungen werden kann und wie sich die Zukunft des Hessischen Puppenmuseums gestaltet. Und vor dem Hintergrund der geplanten Umwandlung der Schlösserverwaltung in eine GmbH im Zuge des Privatisierungsprogramms des Landes Hessen ist wohl auch nichts für Wilhelmsbad zu erwarten.

 

Arkadenbau wird kommendes Jahr saniert                                                      30.08.2012

Drei Bauabschnitte hat der Arkadenbau in der Wilhelmsbader Kuranlage bereits hinter sich gebracht: Zunächst wurden vor einigen Jahren die Fundamente und das Tragwerk gesichert. Im Jahre 2010 wurden die beiden Säle für rund 4,4 Millionen Euro nach historischem Vorbild wieder instand gesetzt. Weitere 1,4 Millionen Euro flossen in eine komplett neue Kanal- und Wasserversorgung. Für 1,1 Millionen Euro wurden schließlich die Räume des Hessischen Puppenmuseums saniert. Jetzt soll bald die Außenhülle des 1777 errichteten Gebäudes auf­gehübscht werden. Dies scheint dringend nötig, denn an vielen Stellen bröckelt bereits der Putz und es fehlen Teile von Steinen.

Wie Dr. Ulrich Adolphs, Pressesprecher des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, in Wiesbaden auf Nachfrage erklärt, soll dieser vierte Bauabschnitt ab 2013 angegangen werden. Ausgebessert und ergänzt werde der Putz und das Mauerwerk aus Sandstein samt geformter Gliederungen. „Der mehrfarbige Anstrich wird erneuert“, so Adolphs. Gelb und Weiß sind die vorherrschenden Farbtöne am Arkadenbau wie auch in der gesamten Kuranlage.

„Die Architekturmalerei in der Arkade und auf der Nordseite wird rekonstruiert. Ebenso werden die Fenster ausgetauscht“, schildert der Pressesprecher. „Zurzeit keinen Termin“ gibt es nach seinen Angaben für die Herrichtung des an den Arkadenbau grenzenden Gebäudes, die Große Parkwirtschaft. „Deren Herrichtung ist aber im Rahmen des Gesamtkonzepts in Wilhelmsbad vorgesehen“, heißt es weiter. Seit rund zehn Jahren richtet das Land Hessen die Kuranlage samt Einrichtungen wieder her. Adolphs verweist auf die Instandsetzung der Dächer der Haupt- und Nebengebäude für etwa 3,9 Millionen Euro, die Instandsetzung von Erd- und Dachgeschoß des Fürstenbaus sowie die Einrichtung eines Informationszentrums für Besucher einschließlich Museumsshop. Darüber hinaus wurden der Brunnentempel und der Musikpavillon für 800 000 Euro wieder hergerichtet. Im Jahre 2002wurden nach Angaben Adolphs 300.000 Euro für Arbeiten in der Gartendenkmalpflege bereitgestellt, im Winter 2009/2010 für 500.000 Euro der Teich entschlammt und landschaftsgärtnerische Arbeiten auf der Burginsel ausgeführt. „Für den Staatspark Wilhelmsbad hat die Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten 2002 ein mit der Stadt Hanau fachlich abgestimmtes Parkpflegewerk erarbeitet. Nach diesen Vorgaben wird die Anlage seither gepflegt“, erklärt er. Bei der Instandsetzung der Wasserver- und -entsorgung im Herbst 2011 sei zudem die gesamte Burgallee einschließlich aller Wegeanschlüsse nach den gartendenkmalpflegerischen Kriterien des Parkpflegewerks zurückgebaut worden. „Auf verschiedenen Parkwegen, der Burgallee und der Promenade vor den Kurgebäuden wurde Feinkies aufgebracht, damit diese Wege vor allem bei feuchten Wetterlagen sicher begangen werden können.“ Auch 2012 seien Arbeiten vorgenommen worden, wie etwa das Herrichten von Wegen.

 

Park-Feiern wieder möglich                                                                                04.09.10

Staatsministerin Kühne-Hörmann eröffnet die renovierten Säle im Arkadenbau

Die Menschen in und um Hanau haben einen traditionellen Ort des Feierns und der Geselligkeit wieder. Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, hat gestern die beiden frisch renovierten Säle des Arkadenbaus im Staatspark Wilhelmsbad übergeben. Damit ist ein weiterer Abschnitt der Instandsetzung des rund 230 Jahre alten Parks abgeschlossen. Die Sanierung des Arkadenbaus, für die das Land insgesamt rund zehn Millionen Euro aufgewendet hat, dauerte rund vier Jahre.

Bereits beim Betreten des Arkadenbaus spürt der Besucher den Unterschied zwischen Innen und Außen. Während die Fassade noch im alten, maroden Zustand ist und wenig einladend wirkt, verbirgt sich dahinter jetzt ein wahres Kleinod. „Sie haben hier einen Anziehungspunkt, der seinesgleichen sucht“, meinte die Ministerin gestern nachmittag beim Hintergrundgespräch im Kleinen Saal, der mit schönen Wandmalereien aufwartet. Dessen Fenster sind zwar zum Teil zugemauert, dennoch gelangt von draußen jede Menge Licht in den Raum. „Das ist ein schöner Tag, der zum Wetter paßt“, befand Kühne-Hörmann. Die Entscheidung zu der so aufwendigen Sanierung des Baus sei angesichts der hohen Kosten nicht leicht gefallen. „Wir haben uns dann aber dafür entschieden, weil man hier Veranstaltungen durchführen kann“, sagte sie.

Daß nicht nur die Planung, sondern auch die Durchführung eine Herausforderung war, kann Horst Nothnagel vom Hessischen Baumanagement in Frankfurt bezeugen. Besonders die marode, über 200 Jahre alte Dachkonstruktion und der ungünstige Untergrund hätten Probleme verursacht: Alleine für die Unterkellerung des Arkadenbaus wurden vier Millionen Euro benötigt. Schuld daran war der harte Vogelsbergbasalt, der hier gefunden und entfernt werden mußte. Die Holzdecke war schon in einem vorangehenden Bauabschnitt mit Stahl geschient worden, damit das darüber liegende Puppenmuseum wieder betreten werden konnte - auch dies verschlang seinerseits viel Geld. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, faßte er die notwendigen, aber kaum sichtbaren Maßnahmen zusammen.

Dafür ist jetzt alles auf dem aktuellen Stand der Gebäudetechnik. Im Keller befinden sich saubere WCs und eine schicke Garderobe samt Schließfächern. Auch die Heizungstechnik verbirgt sich dort und im Erdgeschoß gibt es ein barrierefreies WC. Unter dem originalgetreu wiederhergestellten Parkettboden samt schwarzem Streifenmuster gibt es in den Sälen jetzt eine Fußbodenheizung. Zur Bewirtung von Veranstaltungen befindet sich hinter dem Durchgang zwischen den beiden Sälen zudem ein kleiner Küchenraum. Nur einer der drei Kronleuchter in den Sälen ist noch original, die beiden anderen ließ man eigens nachbauen. Über der Quelle, die schnell versiegte und dem Kurbad damit den Garaus machte, wird demnächst noch eine Glasplatte angebracht - sozusagen als Blickfang im Eingangsbereich, erläuterte Baumanager Nothnagel.

Die Staatliche Schlösserverwaltung hatte sich laut Bauleiter Dr. Thomas Ludwig im Vorfeld dafür entschieden, in beiden Räumen gut erhaltene Elemente - zum Beispiel beim Fensterschmuck - in ihrem Urzustand zu belassen. An manchen Stellen wirken die Räume daher auf den ersten Blick .,unfertig“. Dies ist jedoch bewußt erfolgt, um die Brücke zur Vergangenheit zu schlagen. Laut Karl Weber, dem Direktor der Hessischen Schlösserverwaltung, sei die Renovierung der beiden Säle lediglich ein Zwischenschritt. Nachdem bereits die Burginsel und das Puppenmuseum renoviert worden sind, stehen als nächstes die Fassade des Arkadenbaus sowie die verwaiste „Große Wirtschaft“ auf dem Programm.

Schließlich ahnt der Besucher nichts von der Pracht, die sich im Inneren verbirgt, wenn er vor dem Arkadenbau flaniert.

Die Ministerin machte der Parkverwaltung bei beiden Anliegen Hoffnung. „Das ist noch nicht der Endstand“, versprach Kühne-Hörmann. Sie habe Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar bereits eine Vorlage für die weiteren Bauabschnitte gegeben. In trockenen Tüchern ist aber noch nichts, schließlich sind nach Schätzungen der Schlösserverwaltung allein für den Gastronomie-Trakt fünf bis sechs Millionen Euro notwendig.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky wollte den Arkaden-bau gestern abend bei einem feierlichen Akt im festlich geschmückten Großen Festsaal mit der Ministerin wiedereröffnen. Die Stadt Hanau, die sich mit lediglich 100.000 Euro an der Renovierung des Arkadenbaus beteiligt hat, sei dankbar, „dieses Kleinod wieder in Besitz nehmen und zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt und der ganzen Region machen zu können“, so Kaminsky in einer Pressemitteilung.

 

Puppenmuseum                                                                                                   03.03.2009

Auf Helfer wartet eine Sisyphusaufgabe

Der Countdown im Hessischen Puppenmuseum läuft: Die Handwerker sind so gut wie fertig. Wenn sie nächste Woche den restaurierten Arkadenbau verlassen, dann können rund 30 Helfer ihre Sisyphusarbeit beginnen. Tausende von Puppen warten in Kisten und Kästen darauf, ausgepackt und abgestaubt zu werden, damit sie sich zu Ostern, wenn das Museum wieder eröffnet werden soll, den Besuchern von ihrer Schokoladenseite präsentieren.

Museumsleiterin Dr. Maren Raetzer behält trotz des Zeitdrucks einen kühlen Kopf und die Zuversicht. Den Satz „dann muß also nur noch ausgepackt werden“ rückt sie allerdings energisch zurecht. Von „nur“ könne angesichts der Riesenstapel an Kartons voller Exponate wahrlich keine Rede sein, betont sie. In die Umbauzeit rückte hin und wieder ein Lichtblick, der das Warten erträglich gestaltete. Jetzt ist dies eine Spende, die Landrat Erich Pipa mitgebracht hat. 5000 Euro hat der Kreis zugeschossen, damit der Weiterausbau zügig vorangetrieben werden kann. „Auf diese Weise haben wir es geschafft, alle Räume bis auf einen zu gestalten“, resümiert Raetzer.

Für den letzten der nach Epochen angeordneten Räume, der die Nachkriegszeit widerspiegeln wird, fehlen noch rund 50.000 Euro. Doch Raetzer ist zuversichtlich, daß sich auch hier noch Sponsoren finden werden, die bei der Vollendung des Werks mithelfen. Der Vorstand des Fördervereins, so dessen Vorsitzender Helmut Geyer, packt dies in den Satz, „daß man ja auch mittelfristig noch Träume haben muß“.

In den übrigen Räumen ist der Innenausbau vollendet, die Vitrinen sind aufgestellt, die mit Stoffen überzogenen Rückwände dort eingebaut und die Beleuchtungskörper angebracht. Gerade werden die letzten Lichter in den Vitrinen installiert. „Ich warte noch händeringend auf die Schrifttafeln“, sagt die Museumsleiterin. Denn im neuen Museum wird es zum einen Raumtafeln geben, die die gezeigten Epochen erläutern.

Zum anderen werden an den Vitrinen Thementafeln angebracht. Dort erfahren die Besucher dann, wie sich die veränderten Lebensgewohnheiten auf die Spielzeugindustrie ausgewirkt haben. So läßt sich anhand von Puppenhäusern des 19. Jahrhunderts nachvollziehen, daß plötzlich in Mittelstandsfamilien Kinderzimmer eingerichtet wurden. „Anfang des 19. Jahrhundert“, unternimmt Raetzer einen kleinen Streifzug durch das, was ab Ostern im Museum in gediegenen Räumlichkeiten zu sehen sein wird, „wurde in den Küchen noch am offenen Herd gekocht. Die Puppenhäuser sind entsprechend ausgestattet.

Die späteren Puppen- Elektroherde waren tatsächlich funktionstüchtig. Schließlich sollten die Mädchen dort lernen, wie man Essen zubereitet.“ Somit hatten die Puppenhäuser einen eindeutig erzieherischen Effekt für die Mädchen. Winzig kleine Einweckapparate mit echten Mini-Rex-Gläsern im Puppenformat waren ebenfalls in der Puppenküche vorhanden. Die Mädchen sollten schon von klein auf lernen, wie sie später die im Haushalt auf sie wartenden Aufgaben erledigen konnten.

Auch die schönen handgearbeiteten Puppen-Porzellangeschirre sollten den Mädchen vermitteln, daß sie schon in jungen Jahren sorgfältig mit den wertvollen Dingen umzugehen hatten. Dieser Anspruch habe sich verändert. Die heutigen Puppenhäuser von Barbie oder Playmobil schaffen laut Raetzer eigene Traum- und Plastikwelten, die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun haben. Vor allem aber seien Sicherheitsbestimmungen so, daß Strom oder Feuer in Kinderzimmern längst tabu seien.

Bevor die Besucher diese und andere Erwachsenenwelten im Miniaturformat im neugestalteten Museum in Wilhelmsbad bewundern dürfen, müssen die Helfer ran. Anfang März treffen sie sich. Dann wird koordiniert und geplant, wie die Einrichtung des Museums vonstatten gehen wird.

 

Puppenmuseum                                                                                                   31.03.09

 Erinnern Sie sich noch an den Hutsalon im alten Museum? „Eine Dame ist ein Weib mit Hut, sagte man früher“, rief sich Gertrud Rosemann den Vitrinentext in Erinnerung. „Vor 25 Jahren lösten diese Zeilen eine ernsthafte Diskussion über die Frage aus, ob man im Museum schmunzeln dürfe2, berichtete die Gründerin des Hessischen Puppenmuseums in Wilhelmsbad. Am Sonntag feierte das Kleinod im Arkadenbau nach zweijähriger Schließung seine Renaissance.

Das Gedränge ist unglaublich, die Garderobenständer fassen die Jacken der Gäste lange nicht mehr. Inmitten des Gewühls schüttelt Museumsleiterin Dr. Maren Raetzer freudig die Hände jedes Neuankömmlings. Sicherlich ist es der wichtigste Tag ihrer Zeit in Hanau, seit sie die Zügel vor vier Jahren aus den Händen Martin Hoppes übernahm. Der Vorgänger ist ebenfalls gekommen, genauso wie Verwalter und Politiker aus Stadt, Kreis und Land, die Vertreter der Kirchen, der Kunst- und Kulturinitiativen und selbstverständlich auch die Mitglieder des Fördervereins.

Komplimente werden getauscht, Küßchen verteilt. Ein Fotograf zieht Rosemann in einen Raum rechts der weiträumigen Galerie, die die Freunde des Puppenmuseums zweifellos für das lange Provisorium entschädigt. „Ich hätte nicht gedacht, daß ich das noch erleben darf', kommentiert die Grande Dame der Hanauer Museumskultur den Aufmarsch der Massen, „aber ich bin überglücklich, daß es so gekommen ist.“ Wer über das Puppenmuseum spricht, kommt an Gertrud Rosemann nicht vorbei. Und das Fest, das da unter dem weißen Schild mit roter Puppe gefeiert wird, ist vor allem ihr Fest, obgleich die bescheidene Frau diese Ehre nie für sich beanspruchen würde.

Als sie vor 40 Jahren begann, das abgenutzte Spielzeug ihrer vier Söhne zu archivieren, legte sie den Grundstein für eine kulturgeschichtliche Spielzeugsammlung, die heute die Antike mit dem 21. Jahrhundert verbindet. „Das große Puppenhaus spiegelte schnell unser Familienleben“, sagt sie, „Sommer und Winter, Ostern und Weihnachten, Krankheit und Geburtstage.“ Überhaupt habe fast jede Puppe, die sie irgendwo erwarb, immer ein Stück Familiengeschichte mitgebracht.

Es bedurfte Gespräche mit internationalen Fachleuten, Reisen in Museen sowie den Erwerb von Schlüsselqualitäten wie dem Etikettieren oder Präsentieren und noch mehr Herzblut, um Rosemanns heftig entfachte Sammelleidenschaft in einen prosperierenden Kulturbetrieb zu verwandeln. Im Jahre 1976 schließlich entdeckte sie Wilhelmsbad. „Es war Hans Mangold. damals Vorsitzender des Hessischen Museumsverbandes, der den Weg für das Puppenmuseum im Staatspark freimachte“, sagt Rosemann: „Er ist der Vater unseres Museums.“ So mußte Hanaus Oberbürgermeister Hans Martin 1981 eigentlich nur noch die Patenschaft übernehmen, als er den Trägerverein gründete und die Übergabe der Sammlung initiierte. Zwei Jahre später öffnete das Haus.

Bis Ende des Jahres wurden dort 197.223 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet und 671.682 Besucher betreut. „Von prächtigen Menschen“, wie Rosemann in ihrer Festrede betont, „es waren diese Helfer, die ihre Freude an der Sammlung an die Gäste weiter gaben.“ Nach der umfassenden Renovierung und Erweiterung wird die thematisch und historisch geordnete Sammlung nun auf 800 Quadratmetern gezeigt. „Die Kosten belaufen sich auf etwa 350.000 Euro“, berichtet Maren Raetzer, die das Vergnügen hat, die Besucher durch das Haus zu führen. Raetzer gelingt es stets, Begeisterung für den Bestand zu erwecken. Wenn Rosemann von Chancen für das Hessische Puppenmuseum spricht, verkörpert Raetzer zweifellos eine bereits ergriffene. „Unser Ziel war stets, Puppen lebendig zu machen“, berichtet Rosemann, „durch die Aufhebung ihrer Isolation, der Formulierung ihrer Aussagen und die Einbeziehung in den Alltag von heute.“ Schließlich seien Puppen außerhalb des Kinderspiels erst einmal tote Objekte.

Wer im Puppenmuseum arbeitet, erlebt immer wieder mal kuriose Geschichten. Manchmal kommt sogar ein Puppensöckchen im Briefumschlag an. „Dabei handelt es sich dann um Kleidungsstücke, die Kinder in der Spielecke versehentlich eingesteckt haben“, weiß Rosemann. Das Puppenmuseum möchte sich sein Sehen-undSpielen-Konzept bewahren. „In all den Jahren hat sich nie jemand über den Holzwagen beschwert, der im Weg stand“, so die Gründerin, die auch den Austausch mit dem Internationalen Spielzeugmuseum Warabekan in Japan etablierte.

„An der Universität unserer Partnerstadt Tottori wurden sogar schon Sondervorlesungen über das Hessische Puppenmuseum gehalten“, erklärt sie, während sie freudig Richtung der japanischen Ehrengäste blickt. Es sei sicherlich kein Zufall gewesen, daß Tottori seine 100-Jahr-Feier 1989 unter das Thema „Völkerfreundschaft durch Spielzeug“ stellte. Auch in Hanau ist Internationalität Konzept: In den großen Vitrinen treffen sich nicht nur Zeitalter, sondern auch Spielzeuge aus vielen verschiedenen Kulturkreisen.

Mit der Sammelleidenschaft begann für Rosemann eine Reise in die Vergangenheit. Während des Zweiten Weltkrieges tauschte sie ihre Lieblingspuppe gegen Lebensmittel. Zur Wiedereröffnung darf sie mit Raetzer und Hoppe bei kleinen Häppchen jubilieren. Alle drei haben Hervorragendes für das Haus geleistet. Hoppe brachte es ins Internetzeitalter, sorgte mit Nachtführungen oder der Einladung des Osterhasen für Bewegung. Raetzer gestaltete den Umbau und bewies beim Arrangieren der Exponate nicht nur Geschick, sondern wie ihre beiden Vorgänger ein Übermaß an notwendiger Leidenschaft. Rosemann schließt ihre Memoiren mit einer Anekdote. „Im Sommer 1994 verbrachte ein Vater mit seiner kleinen Tochter Julie einen Nachmittag in unserem Museum“, erzählt sie, „der Vater sieht und liest, die Tochter sieht und spielt.“ Nach zwei Stunden wollte er gehen, sie aber gern noch bleiben. „Wir kommen im Dezember wieder“, tröstete der Vater. Darauf die Kleine: „Papi, ist morgen Dezember?“ Rosemann wünscht sich für das Puppenmuseum viele Besucher, die täglich fragen, ob morgen wieder Dezember ist.

 

 

Brunnentempel

Den Grund­stein zum Brunnentempel legte Wilhelm 3. Juni 1779, seinem sechsund­dreißigsten Geburtstag, in Anwesenheit mehrerer Tausend Zuschauer. Dieser Tag gilt als offizielle Einweihung des Wilhelmsbades.

Der Brunnentempel im toskanischen Stil ist ein sechsseitiger, über einem Sockel­geschoß in Rundbogenarkaden geöffneter Tempel, bei dem jede Arkade in der Sockelzone durch eine Balusterreihe geschlossen ist. Auf der Eingangsseite ist diese Balusterbrüstung in Holz ausgeführt, damit man die zweigeteilte Brüstung öffnen konnte. Den oberen Abschluß bildet eine mit Puttengruppen gezierte Balustrade, um damit zugleich den Ansatz Daches zu verdecken. Über der Eingangsarkade befindet sich ein Wappen mit den Initialen des Erbauers: ein W und ein L und die Jahreszahl 1779.

Auf dem Brunnentempel steht die lebensgroße Figur des griechischen Heil- und Arzneimittelgottes Äskulap, der sich auf einen Stock stützt, der von einer Schlange umringelt wird. (angeblich auch Delphin).  Vom 5. Jahrhundert an, wurde dieser Äskulapstab zum Sinnbild der Heilberufe. Die Eckpunkte der Balustrade zieren (von links neben dem Wappen) die Elemente Feuer, Luft, die Jahreszeiten Frühling und Sommer, die Elemente Erde und Wasser.

Mit der Ausführung der Figuren hatte man den Mainzer Bildhauer Johann Jakob Juncker betraut, der auch bei den sonstigen bildhauerischen Arbeiten tätig war. Der Brunnentempel mit Putten und dem Äskulap als Bekrönung spricht die klassizistischen Tendenzen in seinen strengen „antiken“ Formen schon offenbar aus.

Ursprünglich sollte nach der Erweiterung der Anlage 1780 aus Symmetriegründen gegenüber dem Pavillon III, dem Fürstenbau, ein zweiter Brunnen ähnlich dem ersten errichtet werden. Auf dem Dach sollte dann Hygieia, die Tochter von Äskulap stehen. Doch dazu kam es nicht.

 

Pavillon  II (1777), auch Badhaus genannt:

Es enthielt Wohnungen für Gäste, Bäder und einen großen Saal mit zwei darunter liegenden Nebenzimmern zum öffentlichen Gebrauch, in denen Tabak und Wein gereicht wurde.

Langer Bau 1778, auch Marstall genannt:

Ursprünglich war es ein Remisenbau für Kutschen und Pferde. Im Jahre 1794 waren dort 8 Bäder, eine Wachstube, die Wohnung des Burgverwalters, eine Küche und kleinere Wohnungen untergebracht.

 

Pavillon  I (1778), auch  Kavalierbau oder Traiteurhaus (Traiteur = Leiter einer Großküche, Speisewirt) genannt. Es ist heute durch einen Gang mit dem Comoedienhaus verbunden:

Hier waren ur­sprünglich 4 Badezimmer, 10 Gästezimmer und ebenso viele Nebenräume für Bedienstete untergebracht.

 

Comoedienhaus 1781 (Theater):

Es wurde am 8. Juli 1781 mit der Operette von Francois Andre „Tom Jones“ eingeweiht. Bis 1785 wurden dort mehrere Aufführungen durchgeführt. Dann erloschen die Lichter im Comoedienhaus, als Wilhelm nach dem Tod seines Vaters als Landgraf Wilhelm IX nach Kassel gehen mußte. Das Comoedienhaus hatte viele verschiedene Nutzungen: Einlagerung verschiedener Güter, Einquartierung von Kriegsflüchtlingen. 1968 wurde das Haus mit Hilfe des Hessischen Rundfunks restauriert und seither für kulturelle Aufführungen von der Stadt Hanau genutzt (siehe eigene Datei)..

 

Theater

Nach der vielbesuchten und lebhaften Kurzeit des Jahres 1780 zog im Herbst wieder Ruhe in Wilhelmsbad ein. Da wurde der früher schon ausgesprochene Gedanke aufgegriffen. in Wilhelmsbad auch ein Gebäude zum Theaterspielen zu errichten. Zu diesem Badeort gehörte das kleine Kurtheater, das nun wiedererstanden ist, als unablösbares Element. Der Erbprinz war im Hanauer „Comödienhaus“  einige Male selbst aufgetreten. So verwundert es nicht, wenn der Bauherr der Wilhelmsbader Kur‑ und Badeanlagen die Einrichtung eines Kurtheaters förderte.

Erbprinz Wilhelm von Hessen war wie seine Mutter Maria, eine geborene Prinzessin von England, und seine Brüder Karl und Friedrich ein großer Theaterliebhaber und hat gleich diesen in jungen Jahren selbst auf den Brettern gestanden. Seine Theaterleidenschaft erklärt es auch, daß er schon 1768, vier Jahre nach seinem Regierungsantritt, in seiner Residenzstadt Hanau ein Hoftheater errichten ließ, das von Anfang an auch bürgerlichen Kreisen offenstand. Sie macht es darüber hinaus verständlich, daß der 1777 privat in Hanau lebende junge hannoversche Edelmann Friedrich Adolph von Knigge, der spätere Autor des weltberühmten Romans „Über den Umgang mit Menschen“, den der Erbprinz sonst gar nicht mochte, Zugang zum Hanauer Hof finden konnte, wo sich unter seinem Einfluß eine förmliche Theater­gruppe bildete. Ihr ließ der Erbprinz im Stadtschloß sogar einen eigenen Theatersaal herrichten.

Das Beispiel des Hofes übertrug sich auf die Hanauer Bürgerschaft. Auch hier formierte sich eine Liebhaber­gesellschaft und veranstaltete dramatische Aufführungen in den „Zwei Löwen“ in der Vorstadt. Und nicht nur dies: Selbst die Wilhelmsbader Kurgäste wurden vom Theaterfieber befallen. Am 10. Juli 1780 fand zur Feier des Geburtstages der Erbprinzessin im Hanauer Stadtschloß eine Aufführung von Voltaires „Nanine“ statt, bei der eine bayrische Gräfin Bergheim mit Tochter und ein westfälischer Graf Münster, die damals in Wilhelmsbad zur Kur waren, die Hauptrollen spielten.

Der Prinz hatte schon einigen Kunstsinn bewiesen, ehe er seinem Architekten Franz Ludwig Cancrin den Auftrag gab, ihm den Plan für eine Reihe von Bauten an dem 1709 in einem unwegsamen Steinbruchgelände entdeckten „Heil‑ und Gesundbrunnen“ vorzulegen. Wilhelm schrieb an seinen Architekten Cancrin am 11. September 1780, daß dieser unverzüglich die Arbeiten für ein Haus „zum Behuf derer allhier aufzuführende Comedien“ zu vergeben habe. Es solle „eine Bude von Brettern, hinter der Küche an dem ihm angewiesenen Platz, von gleicher Länge, Breite und Höhe wie der große Saal in der Arcade“ sein.

Schon am nächsten Tag waren acht Zimmermeister erschienen, sie wurden aufgefordert, ihre Gebote abzugeben. „Der Meister, welcher dieses Gebäu accordiret, macht solches auf Ablieferung des Schlüssels fertig“, es sollte „nur eine gehobelte Pritsche zum Theater“ haben, 1800 Taler kosten und zu Anfang März 1781 auf geschlagen werden, so stand es im Bauprotokoll.

Mochte der Erbprinz auch sonst sehr sparsam mit seinen Mitteln umgehen, für das Theater hatte er eine offene Hand. Das zeigen nicht zuletzt die Garantie­summen, die er für die in Hanau gastierenden Theatergruppen aussetzte. So ist beispielsweise bekannt, daß er der „Neuhaus’schen Truppe“, genannt nach Christian Ludwig Neuhaus, einem 1749 in Weimar geborenen und am Gothaischen Hoftheater zu schauspielerischem Ruhm gelangten Mimen, ein monatliches Einkommen von 800 Gulden zusicherte, als er sie im Dezember des Jahres 1778 nach Hanau verpflichtete.

Diese Truppe war es dann auch, die Ende August 1780 den Theaterbetrieb in Wilhelmsbad eröffnete. Gespielt wurde „Jeanette“, ein Schauspiel des damals hochangesehenen Gothaischen Regierungs­beamten und Dichters Friedrich Wilhelm Gotter (1746‑1797). Aufführungsort war das kurz zuvor auf der Wiese vor dem Karussell angelegte „grüne lebendige Theater zu Wilhelmsbad“, ein Hecken­theater üblicher Art, dessen Bild uns auf einem historischen Kupferstich über­liefert ist. Offenbar hat es aber nur diese eine Aufführung erlebt:

„Weil das grüne Theater noch nicht dicht genug bewachsen war“", entschloß man sich „für den nächstfolgenden Komödientag“ im großen Kursaal ein „kleines Theater“ zu errichten, wobei anzumerken ist. Daß das 18. Jahrhundert unter dem Begriff „Theater“ nur die Bühne verstanden hat. Bis zum 1. Oktober folgten acht weitere Komödientage (gespielt wurde sonntags und mittwochs), dann setzte Prinzipal Neuhaus mit seinem aus 11 Damen und 14 Herren bestehenden Ensemble den Theaterbetrieb im Komödienhaus in der Stadt Hanau fort.

Im Winter 1780/81 müssen dann die Pläne zur Errichtung des massiven Wilhelmsbader Theaters gereift sein, nachdem man den zwischenzeitig aufgekommenen Gedanken, für die theatralischen Aufführungen eine Holz­bude zu bauen, wieder hatte fallenlassen. Doch es kam nicht zum Aufstellen der „Bude“. Wegen der Feuersgefahr hat Cancrin wohl den Erbprinzen davon überzeugen können, das geplante Wilhelmsbader Kurtheater nicht als „Bretterbude“, sondern in Stein errichten zu lassen. Die Hanauische Rentkammer erhielt am 26. Januar 1781 den Befehl, Gelder „zur Erbauung eines Comoedien Hauses zum Wilhelmsbad“' bereit zu stellen. Im Sommer 1781 entstand neben dem kleinen Badepavillon in Wilhelmsbad unter der Leitung des Baumeisters Cancrin ein Sommertheater, das sogenannte „Scheunentheater“.

 

Cancrin konnte sich bei seinen Plänen für das Wilhelmsbader Theater auf seine Erfahrungen bei der Errichtung des Theaters in Hanau stützen. Hier war das Vorbild für das kleine Kurtheater schon etliche Jahre mit Erfolg erprobt. Es gab zudem zu dieser Zeit schon Theatergebäude in Deutschland, die diesen Bautyp für das 18. Jahrhundert verbindlich vorgetragen hatten. Eini­ge Idealentwürfe von Theaterbauten waren überall zur Hand. Der Hanauer Architekt selbst hat sich mit einer Anzahl von Schriften in die Reihe der Architektur­theoretiker des 18. Jahrhunderts gestellt. In seinen „Grundlehren der Bürgerlichen Baukunst nach Theorie und Erfahrung vorgetragen“ und in Gotha 1792 erschienen, behandelt er im § 170 ausführlich die „Einrichtung der öffentlichen Opern‑ und Komödien­heuser“. Hier beruft er sich auf seinen Theaterbau in Hanau und weist darauf hin, daß diese Gebäude „besonders inwendig immer mit sehr viel Pracht gebauet sein müßten, „weil eben auf den Theaters sehr erhabene Gegenstände vorgestellt werden“. Neben diesen allgemeinen Redensarten aber gibt er genaue Anweisungen über die Anbringung der Außentüren. über die Größen der Logen, die Art der Theater­maschinen usw.

Ein stilgeschichtlich und theatergeschichtlich wichtiger Bau wurde das kleine Theater in Wilhelmsbad. Ähnlich wie in Lauchstädt bei Weimar gab man diesem Theater die äußere Gestalt einer Scheune, ein französisches Theater im Zopfstil. Im Inneren war es ein geschmackvolles Rokokotheater. Der beab­sichtigte Reiz dieses Baues lag in der Gegensätzlichkeit der schlich­ten Außenseite gegenüber der prächtigen Innenausstattung. Von außen wie eine Scheune wirkend, verriet dieses Sommertheater nichts von seiner inneren Schönheit: mit roten Polstersesseln be­stuhlte Logen rahmten das nach hinten leicht ansteigende Parkett ein. Vor einigen Jahren spürte der Besucher noch etwas von dem früheren Glanz dieses Hauses. Es war bekannt für seine gute Akustik.

Das Wilhelmsbader Theater konstruierte Cancrin über einem gestreckt‑rechteckigen Grundriß von (nach heutigem Maß) 29,40 x 12,60 Meter. Zwei übereinander angeordnete Fenster­bänder zu 9 Achsen an den Lang‑ und 3 Achsen an den Schmalseiten geben dem mit Walmdach versehenen, gut proportionierten Gebäude seine äußere Gliederung. Im Erdgeschoß waren die mittleren Achsen jeweils als Türen ausgebaut. Fenster‑ und Türöffnungen erhielten glatte Sandsteingewände, lediglich an den Türrahmen wurde ein leichtes Sockelprofil angebracht.

Ein langgestreckter Quaderbau mit einem an den Schmalseiten abgewalmten Satteldach diente dem Architekten als Gehäuse für den Einbau eines Zuschauerraumes aus Holz. An den Schmal­seiten gibt es jeweils drei Fensterachsen, die Breitseiten haben in zwei Stockwerken übereinander, je neun sandsteinumrahmte, rechteckige Fensteröffnungen, die mit Läden geschlossen wer­den können. Die Mittelachsen sind jeweils im Untergeschoß als Eingangstüren ausgebildet, die ebenerdig in den Zuschauerraum führen. . Eigentliche Fenster besaß der Bau nicht, auf sie konnte man im Hinblick seine Funktion als Sommertheater verzichten.

 

In der Grundrißgliederung folgte er dem im 18. Jahrhundert für Theaterbauten entwickelten Grundschema, indem er in der einen (nördlichen) Hälfte des Gebäudes die mit einer geneigten Spielfläche (Fall) versehene Bühne unterbrachte und die andere als Zuschauerraum nutzte. Die Trennung erfolgte durch eine ebenfalls aus Holz konstruierte Portalwand (Portalgröße 6,20 x 4,30 Meter). Unmittelbar davor war ein 1,30 Meter breiter Streifen des Parketts für die Unterbringung eines kleinen Orchesters abgegrenzt.

Der Gestaltung des Zuschauerraumes liegt wie bei zahlreichen anderen Theatern der Zeit die Vorstellung eines antiken Amphitheaters zugrunde, nur hat Cancrin die in zwei Etagen übereinender gestaffelten Logenreihen nicht im Zirkelschlag, sondern U‑förmig angeordnet, wobei die seitlichen Parterrelogen – bis auf die  Proszeniumslogen ‑ der nach rückwärts ansteigenden Neigung des Parkettfußbodens folgen. Die Proszeniumslogen unterscheiden sich von den anderen außerdem dadurch, daß sie bis zur Außenwand reichen, weswegen auch das zugehörige Fenster ‑ ob bereits 1781 oder erst zu einem späteren Zeitpunkt, muß allerdings offen bleiben ‑ mit einem Einstelladen versehen wurde. In allen anderen Fällen konnte auf solche Läden verzichtet werden, weil sämtliche übrigen Logen nach rückwärts durch eine bis zur Decke reichende Bretterwand abgeschlossen waren.

Jede Loge besaß ihren eigenen Zugang von dem hinter der Verbretterung entlangführenden Gang aus. In die Brüstungen hat der Architekt einfache, zur Decke hin sich leicht verjün­gende Holzsäulen eingestellt, die in erster Linie statische Funktion haben. Die ihnen entsprechenden Pfosten vor der Logen­rückwand sind kastenförmig verbrettert. Die Verbindung zwischen Parkett und Rang vermittelten hölzerne Podesttreppen, die in den rückwärtigen Mauerwinkeln untergebracht waren. Als Deckenabschluß begnügte man sich mit einer einfachen Leinenbespannung. Auf eine bei Hoftheatern übliche Fürstenloge hat der Bauherr hier bewußt verzichtet. Sie hätte überdies auch nicht zu dem Gesamt­charakter des Baues gepaßt.

Dem Zeitgeschmack entsprechend war das etwa 200 Plätze enthaltende Theater ganz in weiß gefaßt. Zusätzliche Dekorationen befanden sich an der Portalwand, die dafür ebenso wie die Decke mit starkfädigem Leinen überspannt war. Von dieser Bemalung haben sich unter einer jüngeren Malschicht, von der noch zu berichten sein wird, allerdings nur geringe Farbspuren erhalten. Wie bei dem späteren Zustand dürfte es sich jedoch um eine in Farbe aufgetragene Scheinarchitektur gehandelt haben, so wie vermutlich auch die Decke von Anfang an als gemalter Himmel gestaltet war, der dem Theaterbesucher die Illusion vermitteln sollte, sich in einem nach oben offenen Amphitheater zu befinden. Als Dekoration der Brüstungsfelder verwendete Cancrin in weiß vor hellem Grauton aufgemalte Baluster, die erst jüngst wieder zum Vorschein gekommen sind und die, wie von Gerhard Bott bereits ausgeführt wurde, der Architekt auch an anderen Stellen der Kur‑ und Badeanlage verwendet hat. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 5.356 Gulden, 8 Albus.

Der Innenraum ist in zwei fast gleiche Teile geteilt. Die eine Hälfte nimmt der in die Tiefe gestreckte, leicht ansteigende Parterreraum ein, den zwei Logenreihen, übereinander gestaffelt, umziehen. Der Orchesterraum liegt vor der Bühne, durch eine Holzbrüstung vom Zu­schau­erraum getrennt. Ein Bühnenausschnitt öffnet sich über einer Brüstung in die Tiefe des Bühnenraumes, der die gleiche Ausdehnung wie der Zuschauerraum hat. Hier waren auch die Bühnenmaschinen untergebracht, die vom Schnürboden die Kulissen herunterlassen konnten. Wie im Hanauer Theater hatte der „.Kunstmeister Philipp Petter“‑ die Mechanik eingerichtet und zu betreuen.

Hatte das Gebäude außen keinerlei Schmuck aufzuweisen, so war das Innere  gemäß der „Baulehre“ des Architekten reicher ausgestattet. Die Brüstungen vor den Logen, deren obere Reihe auf vollrunden Säulen ruhte, waren, wie sich bei der Restau­rierung ergeben hat, mit aufgemalten Balustern verziert, in der gleichen Form, die Cancrin als Musterbeispiele in seiner Baulehre veröffentlicht hat und wie er sie ähnlich vor den Balkons des Arkadenbaues aus Eisenguß hat anbringen lassen. Die kühlen Farben des Klassizismus bestimmten den Charakter des Raumes: die weißen gemalten Baluster mit dunkelgrauen Schatten standen vor grauem Grund. Grau und weiß waren die Grundfarben der Innenausstattung. Der Pächter des Jahres 1852 hat diesen Grundton „überdekoriert“. Zum Glück sind die alten Holzbauten des Zuschauerraumes weitgehend unangetastet gelassen worden, so daß der ursprüngliche Wohlklang des Cancrinschen Theaters jetzt wieder hergestellt werden konnte, der mit der „ländlichen“ Architektur der ganzen Bauanlage völlig übereinstimmt.

Fassen wir zusammen, dann können wir sagen: Das Wilhelmsbader Komödien­haus stellt ein zwar kleines, aber sowohl durch gute Proportionen als auch durch seine gediegene Ausstattung ausgezeich­netes Stiltheater der Zeit unmittelbar vor der Französischen Revolution dar. Als Parktheater ist es das einzige seiner Art in Deutschland.

Und doch hat es dem Architekten möglicherweise auch Tadel eingebracht; oder sollte es nur die eigene Erkenntnis gewesen sein, wenn er im § 223 seiner schon mehrfach zitierten, 1792 erschienenen „Grundlehren der bürger­lichen Baukunst“ schreibt, daß es für den Blick zur Bühne hin sehr gut ist, wenn die Logen auf keinen Pfeilern ruhen, sondern ihr Gebälke hinten an der Wand des Komödienhauses befestigt ist. Das Wilhelmsbader Komödienhaus besitzt diesen Vorzug nicht.

Bis zum Beginn der Kurzeit des Jahres stand das von  „Comoedienhaus“ aus Stein auf dem angewiesenen Platz, östlich an die Gebäudegruppe angegliedert, ein wenig abseits neben der vorbeiführenden Straße,  für die Aufführungen von Theaterstücken bereit. Der Erbauer Franz Ludwig Cancrin muß ein großer Meister gewesen sein ‑ der noch, wie es im 18. Jahrhundert üblich war, den Beruf des Architekten und Ingenieurs in einer Person vereinigte ‑ um mit knappen 5.356 Gulden und in nur sechs Monaten das Theater hinzuzaubern, das seit seiner Eröffnung im Juli 1781 nun fast zweihundert Jahre standhielt.

 

Am 8. Juli 1781 fand die Einweihung statt durch eine Aufführung der Neuhaus’schen Truppe mit der Operette „Tom Jones“ von dem französischen Komponisten Francois André Danican.

Der Musiker, Komponist und Autor, dessen in Wilhelmsbad zur Theatereröffnung aufgeführtes Stück 1765 entstanden war, entstammte einer alten Musikerdynastie. Als Musiker hatte er der königlichen Kapelle in Versailles angehört und später zahlreiche Operetten komponiert. Als Anhänger der Revolution starb er 1795, fast 70jährig in London. Während der vielbesuchten sommerlichen Kurzeiten waren in Wilhelmsbad im Kurtheater, wie Johann Philipp Hettler 1794 berichtet, „gewöhnlich Mittwochs und Sonntags Vorstellungen gegeben worden“, von denen auch in dem „Brief eines Reisenden von Hanau und Wilhelmsbad“ im 3. Vierteljahr 1785 des „Teutschen Merkur“ erzählt wird: in der Saison werden dort „sowohl deutsche als französische Schauspiele von guten Trupps aufgeführt.“

Seit der kunstsinnige und reiche Reichsgraf Franz Anton von Spork in Kukus an der Elbe bei einer neu entdeckten Quelle an der Wende vom 17. zum 18. Jahr­hundert einen ausgedehnten architektonischen Komplex als Musterbeispiel eines Kur‑ und Badeortes von Grund auf errichten ließ, gehörte es beinahe zwangsläufig zu dieser nun überall auftretenden neuen Bauaufgabe, ein Haus zum Theaterspielen innerhalb der Gebäudereihe eines Badeortes zu errichten. Die in Mode gekommenen „Badereisen“ hatten im Laufe des 18. Jahrhunderts den Aufenthalt an einem Kurort zur höfischen Repräsentanz werden lassen, die hauptsächlich der Zurschaustellung der ökonomischen Verhältnisse der herrschenden Gesell­schaftskreise diente. An vielen größeren Badeorten gab es daher am Ende dieses Jahrhunderts ein Kurtheater: Im von Hanau nicht fernen Bad Brückenau entstand 1777 ein „Comödienhaus“. In Lauchstedt bei Weimar ließ Goethe Stücke aufführen, Pyrmont und Warmbrunn hatten ihre eigenen Theatergebäude aufzuweisen.

Bis zum Jahre 1860 wurde während der Sommer­monate ständig Theater gespielt, samstags und sonntags sowie zeitweise auch zweimal wöchentlich. Das Theater hatte knapp 200 Sitzplätze. Wenige Tage nach dem ersten Theaterabend zog Wilhelm in seine „Burg“ und blieb während der ganzen Kurzeit dort wohnen. Er genoß die Abgeschiedenheit in Wilhelmsbad als eine Annehmlichkeit des Lebens, als „großes Glück“, das ihm an den Höfen „beobachtet von Günstlingen und belauscht von Höflingen“ sonst, wie er glaubte, nicht beschieden sein konnte.

 

Die Wilhelmsbader Theatergeschichte gliedert sich in drei Abschnitte. Der erste begann bald nach Eröffnung des Kur‑ und Badebetriebs im Sommer 1779 und endete bereits sechs Jahre später im Jahre 1785, als Erbprinz Wilhelm von Hessen‑Kassel nach dem Tode seines Vaters Friedrich II. als Wilhelm IX. die Regierung der gesamten Landgrafschaft übernehmen mußte und seine ständige Residenz nach Kassel verlegte. Dann erloschen zum ersten Mal die Lichter. Als der Wilhelmsbader Brunnenmedikus Johann Philipp Hettler 1794 sein Schriftchen über die „Bade‑Anstalten zu Wilhelmsbad“ veröffentlichte, gedachte er darin des Theaters mit keinem Wort mehr.

 

Als zweiten Abschnitt lassen sich zwei Spielzeiten zusammenfassen, die das Theater in den Jahren 1859 und 1861 erlebte. Über den zweiten Abschnitt der Wilhelmsbader Theatergeschichte liegen einstweilen nur spärliche Nachrichten vor. So viel aber ist sicher, daß er auf das engste mit dem Namen des Franzosen Isidor Aimé Briquiboul verbunden ist, der 1847 nach Wilhelmsbad gekommen war.

Briquiboul war in diesem Jahr als Afterpächter in das Vertragsverhältnis, das die Kurhessische Regierung mit einem Grafen de Balanthier, ebenfalls einem Franzosen, als eigentlichem Konzessionär abgeschlossen hatte, eingetreten. Um den Kurort und vor allem seine Spielbank, der Briquibouls besonderes Interesse galt, noch attraktiver zu machen, hat er umfangreiche Restaurierungen durch­führen lassen. So ist den Aufzeichnungen des Hanauer Chronisten Wilhelm Ziegler zu entnehmen, daß 1851 „wieder einige 1000 fl. für Verschönerungen pp. Verwendet“ wurden.

An der Innenarchitektur wurden kaum Veränderungen vorgenommen. Durch Neugestaltung der Portalwand und Logenbrüstungen, durch Anstrich der Logenrückwände mit roter Farbe und durch Installation einer neuen Beleuchtung des Zuschauerraums wurde jedoch das Bild des Raumes tiefgreifend verändert. Die Neubemalung der Portalwand durch den „Pariser Künstler“, deren Restaurierung Prof. Kurt Bunge aus Kassel besorgt hat, ist in bewußter Abkehr von dem kühlen Weiß der Erbauungszeit des Theaters auf einem wärmeren Chamois als Grundton aufgebaut. Sie verrät eine qualifizierte Hand und läßt einen ausgeprägten Kunstsinn erkennen. Pilaster und Gebälk der aufgemalten Architektur sind farblich fein nuanciert, die ergänzenden Eierstabornamente mit flottem Pinsel aufgemalt. Das Können des Malers zeigt sich nicht minder in der Art, wie er die Marmorierung von Portal- und angrenzenden Wandflächen beherrscht. Vor allem aber kommt sie in figürlichen Kompositionen zum Ausdruck, die er im Bereich der Portalleibung sowie beidseits davon in die vorgezeichnete Scheinarchitektur eingefügt hat. Bei den in antiker Tracht dargestellten Personengruppen handelt es sich  um Szenen aus Theaterstücken bekannter französischer Bühnenautoren. Auffällig dabei freilich, daß in dem Theater, in dem man dann reine Unterhaltungsstücke spielte, nur hochdramatische Szenen angebracht wurden.

Eine Neugestaltung erfuhren auch die Logenbrüstungen. Im Parterre wurden die Baluster der Erbauungszeit über­strichen, und auf der neu geschaffenen Grundierung wurde eine auf aufgemalten Linienornamenten beruhende Felder­gliederung vorgenommen. Im Rang erhielt die Außenseite der Brüstung einen Leinenüberzug. Aber auch hier fehlte eine Gliederung nicht. Unter Bezugnahme auf die durch die Säulenarchitektur gegebenen Systeme wurden doppelte Rahmungen aus silberbeschichteten. Mit Goldlack überzogenen Biedermeierleisten aufgelegt. Die einzelnen Flächen hat unser „Pariser Künstler“ dann in sehr feiner Abstufung zwischen weiß und ganz hellem Grau farblich gegeneinander abgesetzt und - um dem Ganzen einen besonders festlichen Charakter zu eben - die Innenfelder mit Blattgirlanden behängt. Gleichartiges Blattwerk aus ausgestanzten Stoffblättern wurde am oberen Ende der Säulenschäfte angebracht. Schließlich fanden sich Reste davon auch noch im Bereich eines an die Decke gemalten Ovals in Gestalt eines gefloch­tenen Korbes, das selbst primär wohl mit der Lösung der Beleuchtungsfrage in Zusammenhang zu bringen ist. Über der Mitte der Portalöffnung wurden zwei einander zugekehrte Schriftrollen haltende Löwen angebracht.

Als Lichtquelle dürfte dem Theater ursprünglich ein Kronleuchter gedient haben, der über der Mitte des Parketts auf­gehängt war und mit Hilfe eines auf dem Dachboden aufgestellten Haspels abgesenkt bzw. hochgezogen werden konnte. Offenbar genügte bei der Restau­rierung 1851/52 diese Beleuchtungsart nicht mehr, weswegen man sie durch Kerzenhalter ersetzte, die an der dem Parkett zugekehrten Seite der Säulenschäfte unterhalb der Rangbrüstung appliziert wurden.

 

Schon 1849  strömten die Menschen bei heiterstem Wetter wieder vor die Tore der Stadt Hanau: .....Auf der Eisenbahn sollen heute von hier, Frankfurt und anderen Orten nach Wilhelmsbad über 16.000 Menschen befördert worden sein. Ein neuer Kur‑ und Spielpächter, Briquiboul, hatte dann 1850 das Pfingstfest noch prächtiger als die vorigen ausgerichtet: ..das Gedränge war so groß, daß ein Kind verloren ging.“

Das Frankfurter Konversationsblatt vom 16. Juli 1852 berichtete von einem Besuch in Wil­helmsbad: „Die Nymphe ist unleugbar matt ... sie ist eine phleg­matische Schöne, aber sie ist und bleibt eine Schöne...“. Der leider seinen vollen Namen nicht preisgebende Schreiber „R.“ in der „Belletristischen Beilage zur Postzeitung“ freute sich darüber, daß er in dem wohl­erhalte­nen Badeort mit der „matten“ Heilquelle, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts fast vergessen worden war, wieder ein reges Leben angetroffen hatte. Die neu eingerichtete Eisenbahn brachte seit Jahren an den Pfingsttagen Tausende von Frankfurtern in den Wilhelmsbader Park und in die dortigen Restaurants. Ein Musikpavillon, „eine von Gußeisen erbaute Musikhalle“, gab am Pfingstmontag 1847 erstmals einer Musikkapelle von 30 Mann ein Dach über den Kopf. Alle Gebäude waren in diesem Jahr neu gestrichen worden, wie der Hanauer Chronist Ziegler erzählt.

Als der Frankfurter Berichterstatter „R.“ im Juli 1852 das Treiben in Wilhelmsbad bewunderte, fand er bemerkenswert daß seit dieser Saison zur Belustigung der Gäste auch wieder Theater gespielt wurde: Einen ganz besonderen Genuß bietet Wilhelmsbad noch in dieser Saison durch ein französisches Theater, dessen Personal die Unternehmer aus dem „Gymnase Vaudeville“ etc. aus Paris zu einem vorzüglichen Ensemble recrutirt haben. Das für die Vorstellungen die­nen­de Gebäude, für eine Bühne bestimmt, blieb schon lange diesem Zweck entfremdet. Die Spielpächter haben es durch eine ausnehmend gefällige und elegante Ausstattung für den Dienst der heiteren Muse wieder eingerichtet. Die Darstellung der Lustspiele und Vaudevilles ist excellent, das Zusammenspiel insbesondere meist unübertrefflich ...“

 

Der französische Kur‑ und Spielpächter der gesamten Wilhelmsbader Anlagen hatte also 1852 das Theaterspielen als Anreiz zum Besuch des Wilhelms­bades wiederentdeckt. Er bediente sich französischer Emigranten‑Schauspieler, die das politisch unruhige Paris verlassen und dort schon Erfahrungen im Spiel von „Vaudevilles“ gesammelt hatten. Hauptlieferant solcher „Vaudeville“ ‑Stücke war Augustin‑Eugène Scribe (1791‑1861), dessen bekanntestes Lustspiel „Das Glas Wasser“ im Jahre 1929 auf dem Wilhelmsbader Theater gespielt wurde. Nach Spottliedern aus der normannischen Provinz Vaux de Vire trugen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts halb­musikalische Possen, die Vorläufer der französischen „Oper“", d. h. der um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Mode gekommenen burlesken Oper oder der „Operette“, diesen Namen, mit dem auch Mozart das Finale seiner „Entführung aus dem Serail“ bezeichnete. Die Lustspielbühne des „Gymnase‑Dramatique“ in Paris war 1820 gegründet worden.

Eröffnet wurde das restaurierte Theater am Mittwoch, dem 16. Juni 1852. Die Darsteller kamen von berühmten Pariser Bühnen unter der  Direktion eines Ms. Camille. Lustspiel und Ballett wurden von der Presse gefeiert. Man spielte hauptsächlich in französischer Sprache. Damit wurde die gesamte Saison bestritten, man verfügte über ein Repertoire von mehr als 50 Stücken.

Mit einem in der Hanauer Zeitung mehrfach abgedruckten Inserat wurde auf das Ereignis hingewiesen. Die Anzeige enthält den für unseren Zusammenhang wichtigen Satz: „Im Monat Juni wird das von einem der besten Pariser Künstler neu decorirte Theater der Fashion seine Räume öffnen und eine französische Vaudeville-Gesellschaft ihre Vorstellungen beginnen“. Doch das ist auch das einzige, was bisher über den „Restaurator“ zu ermitteln war.

Dazu kam eine ganze Reihe prominenter Gäste: Unter anderem haben damals auf den Brettern des Wilhelmsbader Theaters gestanden. Drei Gala­vorstellungen gab es zum Ende der Saison mit einer Ballettaufführung „La dispute amoureuse“, getanzt von Angehörigen der Familie Jerwitz‑Lindor. Es erübrigt sich fast zu sagen, Spiel in französischer Sprache stattfand (die damals noch allgemein verstanden wurde). Publikum und Presse waren begeistert.

Nur dauerte die Herrlichkeit nicht lange. Als sich am 15. September 1852 der Vorhang mit dem aufgemalten Bild des Schlosses Philippsruhe zum letzten Mal senkte, war wieder ein Kapitel Wilhelmsbader Theatergeschichte zu Ende. Briquibouls Vertrag wurde nicht verlängert. Er kehrte nach Paris zurück.

 

Im Jahre 1861 schloß das Theater wieder. Das kleine Theater wurde zum Dorn­röschenschlaf verurteilt, als in den Jahren von 1860 bis 1865 in Wilhelmsbad die Quellen ver­siegten und ein schneller Rückgang eintrat. Es dauerte indessen nicht lange, bis der Spielbetrieb unter einem neuen Direktor fortgesetzt wurde. Am 4. Juni 1861 kündigte Adolph Hommel in der Hanauer Zeitung an, daß er die Leitung des Wilhelmsbader Theaters übernommen hat und am 9. Juni die Saison „mit einer neu organisierten Lustspiel- und Vaudeville‑Gesellschaft, welche Künstler von namhaflen Bühnen aufweist“, zu eröffnen beabsichtigt. Am Premierentag bestand das Ensemble aus je 5 Damen und Herren. Es war, wie man aus dem Inserat ersieht, eine bunt gemischte Truppe, die wöchentlich dreimal ‑ mittwochs, sonnabends und sonntags ‑Vorstellungen gab. Die Aufführungen begannen um halb 6 und endeten gegen 8 Uhr. Gespielt wurde jetzt in deutscher Sprache. Zwar sind französische Autoren noch immer recht zahlreich im Repertoire vertreten, unter ihnen erstmalig der bekannte Augustin Eugène Scribe, sie erscheinen aber nunmehr in (zumeist freier) Übersetzung.

Zur Eröffnung dieser Spielzeit scheint auch die östliche Proszeniumsloge als Fürstenloge neu gestaltet worden zu sein. Sie erhielt abgepolsterte Wandbespannungen aus rotem Samt, wobei sowohl das Türchen zum Gang hinter den angrenzenden Logen als auch das im Logen­bereich vorhandene Fenster geschlossen wurden. Eine entsprechend gestaltete, ab­gehängte Decke wurde mit gepreßten, in Rokokoformen ornamentierten und außen vergoldeten Messingblechen verkleidet. Zugänglich war die Fürstenloge über eine kleine Sandsteintreppe vom Parkett aus.

Als im September 1861 die Saison in Wilhelmsbad endete, konnte Hommel seinen Gönnern und Freunden mitteilen, daß ihm inzwischen die Leitung des The­aters in der Stadt Hanau für mehrere Jahre übertragen wurde. In Wilhelmsbad blieb für lange Zeit der Vorhang geschlossen.

 

Der dritte Abschnitt schließlich folgte im Abstand von rund 70 Jahren, als man sich im Jahre 1929 anschickte, das 150jährige Bestehen der Kur‑ und Badeanlage  festlich zu begehen. Landgerichtsrat Dr. Walter M. Fraeb (Vorsitzende Hanauer Geschichtsvereins und des Verkehrsvereins) und Baurat Albert Tuczek (Staatsbauamt Hanau) waren diesmal die Initiatoren.

Die Beschäftigung mit den Vorbereitungen zur Feier des 150jährigen Bestehens von Wilhelmsbad weckte wieder den Gedanken, geeignete Schritte zur Wiederbelebung des Ortes, um den es sehr still geworden war, zu unternehmen. Wilhelmsbader Freilichtaufführungen sollten mit dazu beitragen. Schon 1928, also ein Jahr vor dem eigentlichen Jubiläum, nahm das Vorhaben greifbare Formen an. Auf der Wiese vor dem Karussell, wo einst das Heckentheater gestanden hatte, wurde eine Bühne errichtet und mit Sophokles „Elektra“ in Szene gesetzt von dem in Hanau lebenden Intendanten Johannes Poetsch, ein erster, außergewöhnlich erfolgreicher Versuch gestartet, dem weitere Inszenierungen folgten.

Nachdem man sich dabei des alten Theaters als Werkstatt zur Herrichtung der Dekorationen bedient hatte, war es naheliegend, daß die Überlegung aufkam, in diesem Theater zum Jubiläumsfest eine Aufführung vorzubereiten. Auch dieser Plan wurde Wirklichkeit. Am 7. und 8. September 1929 erlebten, ebenfalls in der Regie von Poetsch, etwa 600 begeisterte Theater­freunde in drei Aufführungen eine nicht minder exzellente Einstudierung von Augustin Eugène Scribes „Le verre d’eau“.

Die Hanauer Künstlerin Erna Kreuter, die die Herzogin spielte, war eine der Stützen der Aufführung. Gleich doppelt beteiligt war Fräulein Kreuter auch bei der Aufführung, die wiederum von Intendant Poetsch in Szene gesetzt, im Herbst 1930 als weitere und zugleich letzte dieses Abschnitts im alten Komödienhaus stattfand: Sie spielte in Scribes „Frauenkampf“ (Batailles de dames) nicht nur die Hauptrolle, sie hatte auch die Übersetzung, dazu in Versform, besorgt. Zuvor hatten am 26. April 1930 Mitglieder des Schillerkränzchens an der Hohen Landesschule zu Hanau die beiden Einakter „Die Hanauer Sieben“ und „Ein Spätsommertraum 1812“‑ zur Aufführung gebracht. Unter anderem wurde auch „Wilhelm Tell“ gespielt.

Zu Veränderungen am baulichen Zustand des Theaters ist es damals nicht gekommen. Unsere Übersicht sollte aber festhalten, daß Bühne und Zuschauerraum für die Aufführung des Jahres 1929 mit elektrischem Licht ausgestattet wurden. Auch ein neuer Bühnenvorhang scheint erforderlich gewesen zu sein. Einen Eindruck vom damaligen Zustand des Hauses vermittelt eine alte Postkarte, die hier als nahezu einziges Bilddokument aus dieser Zeit reproduziert ist.

Im „Dritten Reich“ hatte man eine Reihe von Plänen, was mit dem alten Komödienhaus geschehen sollte, verwirk­licht wurde davon jedoch nichts. Lediglich die Mauer der südlichen Schmalseite, die baufällig geworden war, wurde durch eine neue Wand ersetzt. Gleichzeitig wurde das Gebäude nach Süden hin um etwa einen Meter verlängert.

 

Für das Theater hat sich der Schlummer besonders nachteilig ausgewirkt, da es über Jahrzehnte hinweg praktisch funktionslos blieb ‑ im Gegensatz zu den übrigen Gebäuden, die auch weiterhin genutzt wurden ‑ und dann in Not‑ und Krisenzeiten für Zwecke verwendet wurde, die seiner Erhaltung wenig bekömmlich waren. Es diente als Magazin und mußte Trödel der verschiedensten Art beherbergen. Nach beiden Weltkriegen wurde es den in Wilhelmsbad untergebrachten Evakuierten‑ und Flüchtlingsfamilien in Ermangelung von Kellerräumen zur Einlagerung von Kartoffeln, Brennstoffen und anderen Vorräten zur Verfügung gestellt. Schließlich trugen Schäden in der Dachhaut das ihre dazu bei, das Theater in einen erbarmungswürdig‑desolaten Zustand zu versetzen.

Geschichts‑, Heimat‑ und Theater­freunde haben diese Entwicklung seit vielen Jahren mit großer Sorge verfolgt und dabei keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, zur Rettung des Wilhelmsbader Theaters aufzurufen: Die Presse hat ihr Bemühen wacker unterstützt und dafür gesorgt, daß das Interesse einer breiten Öffentlichkeit an diesem kulturhistorischen Denkmal lebendig geblieben ist

Doch mehr zu tun, war ihnen nicht gegeben. Selbst die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten, der die Betreuung der dem Lande Hessen gehörenden Wilhelmsbader Anlagen obliegt, konnte kaum mehr zuwege bringen, als das Dach des historischen Komödienhauses instandzusetzen: zu weiteren Sicherungs‑, geschweige denn zu Restaurierungs­maßnahmen reichten auch ihre Möglichkeiten nicht aus: Es fehlten einfach die Mittel.

Bei den Bemühungen um die Verbesserung der Theatersituation in Hanau aber hat man ein Kleinod wiederentdeckt, das beinahe in Vergessenheit geraten ist: das „Scheunentheater“ draußen in Wilhelmsbad, das den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, das zweitälteste Theater Deutschlands zu sein (das älteste befin­det sich in Lauchstädt, Thüringen). Die Volksbühne Hanau hat sich das Ziel ge­setzt, das Theater wie­der herzurichten.

Mitglieder des Volksbühnen‑Vorstandes statteten gemeinsam mit Oberbaurat Backe vom Staatsbauamt, einem Vertreter der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten in Bad Homburg und den Hanauer Journalisten dem „Dornröschen“ einen Besuch ab, um sich an Ort und Stelle von dem Zustand des Theaters überzeugen. Der Zahn der Zeit hat an dem Raum,

kräftig genagt. Der einst so schmucke Raum ähnelt einer Rumpelkammer, in der u.a. auch die Gondeln für das Karussell untergestellt sind. Dennoch war der Eindruck, den das Theater den Besuchern vermittelte, so, daß er Hoffnungen bei den Be­suchern erweckte.

Man erwog die Möglichkeit, das Wiesbadener Theater oder Fritz Rémond während des Sommers in Wilhelmsbad spielen zu lassen. Oberbaurat Backe ging in seinen Ausführun­gen auf die baulichen Möglichkeiten ein. Die Frage, wie hoch sich die Kosten für die Wieder­her­richtung des Theaters stellen würden, konnte der Leiter des Staatsbauamtes Hanau nicht kon­kret beantworten, da die Summe sehr von der Ausstattung abhängig ist. Der Oberbaurat meinte aber, daß die Baukosten sich zwischen 300.000 und 400.000 DM belaufen würden.

 

Um das Wilhelmsbader Theater zu retten, bedurfte es außergewöhnlicher Anstrengungen. Es bedurfte der Zusammenarbeit einer ganzen Reihe behördlicher Stellen, die es für dieses Vorhaben zu gewinnen galt. Was kaum einem anderen möglich gewesen wäre, das hat der Hanauer Alt‑Oberbürgermeister und Landtags­abgeordnete, Staatsminister a. D. Heinrich Fischer erreicht. Als Vorsitzender des Rundfunkrates des Hessischen Rundfunks verstand er es, Intendanz und Programm­direktionen dieser Anstalt für das Wilhelmsbader Theater zu interessieren, die dann auch die Möglichkeiten erkannten, die ein solches Theater für ihre Produktionen ‑ sowohl des Fernsehens als auch im Bereich des Hörfunks ‑ zu bieten vermag.

Und nachdem sich die „Werbung im Rundfunk G.m.b.H.“ in dankenswerter Weise bereit erklärt hatte, die Hälfte der für Restaurierung und Ausbau erforderlichen Mittel zu übernehmen, konnten sich das Land Hessen als Eigen­tümer der Wilhelmsbader Anlagen und die Stadt Hanau ihrer Verpflichtungen diesem in seiner Art einzigartigen Kultur­denkmal gegenüber nicht entziehen. Sie übernahmen die andere Hälfte der auf 1,4 Millionen DM ermittelten Kosten. Die Instandsetzungsarbeiten konnten beginnen.

Rechtsträger ist die „Comoedienhaus Wilhelmsbad Betriebsgesellschaft in Hanau m.b.H.“, die eigens zu diesem Zweck gegründet wurde und ihre Legitimation aus einem Erbbaurechtsvertrag mit dem Lande Hessen herleitet. Als Aufsichtsorgan der Betriebsgesellschaft  ist ein aus je 4 Vertretern des ­Hessischen Rundfunks und der Stadt Hanau gebildetes Kuratorium. Leitender Architekt bei der Durchführung der Restaurierungs‑ und Umbaumaßnahmen war Universitätsbaudirektor i.R. Dipl.‑Ing. Ferdinand Kramer (Frankfurt).

Land, Stadt und Hessischer Rund­funk ließen das Theater im Jahr 1968 restaurieren. Die Restaurierung begann am 2. Dezember 1968. Ihr Ziel war es, das historische Gebäude so weit wie möglich in seinem ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Dieser Grundkonzeption waren natürlich von vornherein in mehrfacher Hinsicht Grenzen gesetzt. Denn einmal galt es zu prüfen, inwieweit es angesichts der Maßnahmen des 19. Jahrhunderts, die in dem oben geschilderten Umfang größtenteils erst im Zuge unserer Restaurierung erkannt wurden, überhaupt möglich war, das Gebäude in der Gestaltung der Erbauungszeit wieder herzustellen. Zum anderen mußte dabei den Forderungen und Auflagen der Brandschutzbehörden Rechnung getragen werden. Und sollte die eingangs genannte Betriebsgesellschaft als Rechtsträgerin der Restaurierungsmaßnahme ja ein Haus schaffen, das sowohl den Anforderungen des Hessischen Rundfunks entspricht als auch im Rahmen seiner künftigen örtlichen Nutzung vollauf funktioniert.

Was die Anliegen der Denkmalpflege angeht, so zeigte sich, daß durch die Instandsetzung unter dem Pächter Briquiboul im Bereich der Portalwand und der Decke der ursprüngliche Zustand völlig ausgelöscht, im übrigen aber unter der jüngeren Fassung nahezu restlos erhalten war. Konsequenterweise ergab sich, daß Portalwand und Decke in dem Zustand, den der anonyme „Pariser Künstler“ geschaffen hatte, restauriert wurden, alle übrigen Teile aber wurden in der Fassung der Erbauungszeit des Theaters wieder hergestellt.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Zustand des Theaters tiefgreifend verändert. Damit warfen sich Fragen auf, an denen die Restaurierung nicht vorübergehen konnte. Grau und weiß waren die Grundfarben der Innenausstattung. Der Pächter des Jahres 1852 hat diesen Grundton „überdekoriert“. Zum Glück sind die alten Holzbauten des Zuschauerraumes weitgehend unangetastet gelassen worden, so daß der ursprüngliche Wohlklang des Cancrinschen Theaters jetzt wieder hergestellt werden konnte, der mit der „ländlichen“ Architektur der ganzen Bauanlage völlig übereinstimmt.

Voraussetzung für die Sachgemäße Restaurierung eines historischen Gebäudes ist die Kenntnis seiner Baugeschichte. Dabei genügt es nicht, über seine Erbauung und möglicherweise auch über seinen Baumeister informiert zu sein. Ebenso wichtig ist es, daß klare Vorstellungen über etwaige spätere Veränderungen bestehen, weil dadurch der ursprüngliche Zustand unter Umständen völlig verändert sein kann.

Der Feuerschutz forderte getrennte Zugänge für Parterre und Rang. Er verlangte außerdem, daß die alten Türen an den Langseiten des Gebäudes künftig nur noch als Fluchtwege benutzt werden, daß die Trennwand zwischen Bühne und Zuschauerraum feuerfest auszuführen ist und daß bei Verwendung hitzeerzeugender Aggregate ein angemessener Abstand zu dem alten Balkenwerk eingehalten wird (um nur die wichtigsten Auflagen zu nennen). Da aber gerade die zuletzt genannte Forderung im Bühnenbereich nicht zu erfüllen gewesen wäre, wenn man die sehr eng gelagerten alten Holzbalken erhalten hätte, fiel sehr bald die Entscheidung, im Bühnenteil des Gebäudes den hölzernen Dachausbau durch eine Eisenkonstruktion zu ersetzen.

Diese Lösung bot zugleich die Möglichkeit, eine vielseitig verwendbare moderne bühnentechnische Einrichtung zu installieren, womit in einem Zuge auch ein besonderes Anliegen der künftigen Benutzer des Hauses erfüllt wurde. Das Theater und die funktionell mit ihm verbundenen Nachbargebäude – das mittels eines neuen Verbindungsganges angeschlossene Foyer im Erdgeschoß des Kavalierhauses und das neue, in bewußtem Gegensatz zu den historischen Gebäuden in moderner Flachbauweise erstellte Garderobenhaus - wurden mit Heizung und allen erforderlichen sanitären und sonstigen Einrichtungen ausgestattet.

 

Ursprünglich ein Guckkasten‑Theater von beinah shakespearischer Primitivität in all seinen sinnreichen Vorrichtungen und dabei von vorzüglicher, noch heute befriedigender Akustik des hölzernen Gehäuses, kann das kleine Haus nach der Erneuerung nicht nur Spielbühne im traditionellen Sinn sein, sondern auch als Aufführungsraum für Rundfunk‑ und Fernsehsendungen dienen.

Die Aufgabe des Architekten bestand demnach darin, den historischen Cancrin‑Bau in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen, von zwischen­zeitlichen Zutaten wie von Spuren zeitbedingter Verwahrlosung zu befreien und andererseits ihn der heutigen Zweckbestimmung anzupassen, sowie einige zeitgemäß unerläßliche Bequemlichkeiten anzubringen.

Den Vorschriften gemäß mußten die Eingänge des Theaters von der Langseite nach der Schmalseite, der Parkpromenade, verlegt werden. Sie führen nun mit zwei symmetrisch angeordneten, gewendelten Stufen zum Parkett und mit zwei gesondert angeordneten Wendeltreppen zum Rang.

Der alte hölzerne Dachstuhl über der Bühne, statisch nicht ausreichend dimensioniert für 11 neue Kulissenzüge, wurde durch eine Eisenkonstruktion und der hölzerne Abschluß der Bühne zum Feuerschutz durch eine Betonwand ersetzt, wobei die Malerei auf der vierten Wand sorgfältig abgelöst, restauriert und wieder auf­getragen wurde. Hingegen konnte im Zuschauerraum, nachdem die 1850 angebrachten Dekors der Logen­brüstungen entfernt waren, die ursprüngliche, illusionistische Bemalung, Baluster in weißen und grauen Tönen mit schwarzen Schlagschatten, wieder hergestellt werden.

Da sich in dem Theater außer der Bühne und dem Zuschauerraum keine Räumlichkeiten befanden, erhielten die Schauspieler ihre Garderobe in einem eilig errichteten modernen Annex mit direktem Zugang zur Bühne und das Publikum im nächst gelegenen Kavalierhaus ein kleines Foyer, das mit dem Theater durch einen verglasten Gang verbunden ist. Derart dürfte insgesamt die ursprüngliche Form des Hauses gewahrt und zugleich im besten Wortsinn „erneuert“ worden sein

Nur dank einer glänzenden Zusammenarbeit aller Beteiligten war es möglich, die Restaurierung des Theaters in der unwahrscheinlich kurzen Zeit von 10 Monaten zum Abschluß zu bringen. Ein verglaster Gang verbindet heute das Kultur­tempelchen mit dem Kavaliersbau, in dem sich einst vier Baderäume und zehn Gäste­zimmer befanden.

 

 

Badebetrieb: Die Kuren in Wilhelmsbad

Vorgeschichte 1710:

Im Mal des Jahres 1709 waren zwei Kräuterweiber im öden Steinbruchgelände der „Wachenbucher Terminey“ auf ein kleines, klares „Brünnlein“ mit merklichem Ockerniederschlag gestoßen. Das Wasser für Wilhelmsbad trat nicht aus dem Zechstein, sondern aus einer Ver­werfungs­spalte des Basaltes zu Tage. Die Zusammensetzung des Wilhelmsbader Wassers wurde auch nicht als Sole, sondern als eisenhaltiges Wasser gepriesen.

Bald gab es Berichte über erstaunliche Wirkungen des Wassers. Es gab heftigen Durchfall und heilte vor allem Frauenleiden und Unfruchtbarkeit. Man sagte ihr wahre Wunder nach: Das Wasser sollte stärkend sein, den Appetit steigern, Verstopfung, Sodbrennen, Bleichsucht, Rheuma, Gicht, Lähmungen und Geschwüre heilen. Ebenso wurden Stummheit und Blindheit geheilt.

Der Bericht der Frauen über den nicht alltäglichen Geschmack und die erstaunliche Wirkung rief den Hanauer Leibmedicus Dr. Jeremias Müller auf den Plan. Er veröffentlichte eine Analyse des Wassers mit Hinweisen auf große therapeutische Möglichkeiten und Müller ließ 1711 eine Beschreibung des neuen, offensichtlich eisenhaltigen Gesundbrunnens mit einer langen Liste von Indikationen und bereits zehn Hellungsberichten drucken.

Auf Kosten seines hohen Herrn Graf Philipp Reinhard durfte er die als „Guten Brunnen“ bezeichnete Quelle in einen Kasten aus vier Steinplatten fassen lassen. In der Nähe wurde ein Brunnenhaus mit sechs Gemächern errichtet.

Die Quelle wurde schon 1710 von Hunderten von Kranken aufgesucht.  Seit dem 3. Juni 1710 gab es eine „Brunnenordnung“. Brunnenmeister und Brunnenknecht wurden eingestellt. Die Quelle war sehr beliebt und ein bescheidener Badebetrieb begann.

Viele Einheimische und einige hundert auswärtige Gäste tranken das ockerfarbene eisenhaltige Wasser, das ge­gen Verstopfung, Sodbrennen, Bleichsucht, Rheuma und sonstige Pein zu helfen verhieß. Wegen der erwünschten, in freier Natur jedoch Peinlichkeiten auslösenden raschen Wir­kung, wurden bei dem Tempelchen sechs Toiletten aufgestellt.

Man muß verstehen, welch ein Ereignis zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Entdeckung eines eisenhaltigen, eines „martialischen“ Gesundbrunnens war. Was erwartete man nicht alles ‑ auch und gerade unter Medizinern ‑ damals von Heilquellen, und erst recht von dem so geschätzten Eisen. Es war die große Zeit der Eisenquellen, mochten sie auch noch so wenig davon enthalten.

Das neue Wasser sollte wahre Wunder wirken. Den allgemeinen Lehren der damaligen Medizin entsprach die Zuversicht, es werde stärkend sein (besonders für einen „blöden und schwachen Magen“), den Appetit steigern, Verstopfung, Säfteverderbnis, Sod­brennen, Bleichsucht, Rheuma, Gicht und Lähmungen beheben, Geschwüre heilen, bei Bandwürmern wie auch bei allerlei Frauenleiden helfen, die so erwünschten Blutabgänge aus der „güldenen Ader­“ (also Hämorrhoidalblutungen) befördern und Fruchtbarkeit bringen. Gerade die gynäkologischen Heilanzeigen waren so abwegig nicht. Aber die Hoffnung, darin etwa Pyrmont gleichkommen zu können, erschien schon den Zeitgenossen verwegen.

Immerhin ‑ Stummheit. Blindheit und Lähmung, hat der „Gute Brunnen“ gleich anfangs geheilt, wenn wir dem Leibarzt Müller glauben wollen und schon im Sommer 1710 sollen allmorgendlich Hunderte von Kranken an der Quelle Hilfe gesucht haben. Einige Unordnung war die Folge, der gesteuert werden mußte.

Bald jedoch wurde es wieder still um den Brunnen. Mag sein, daß der Reiz des Neuen rasch verflog, vielleicht auch, daß Müllers Eifer von den anderen Ärzten unkollegial empfunden wurde und so eine stumme Gegenpropaganda herauf beschwor ‑ dem sensationellen Beginn folgte kein sonderlich intensiver Kurbe­trieb. Gelegentlich besserte man etwas aus, wenn Diebstahl und Verfall den Bestand bedrohten. Auch konnten die Hanauer das Wasser in der Stadt kaufen.

Heute sind wir skeptisch beim Lesen der dramatischen Heilungsberichte. Wohl enthielt das Wasser Eisen, aber der Mangel an freier Kohlensäure entwertete den ohnehin geringen Eisengehalt und ließ ihm wenig mehr als den Charakter einer Verunreinigung, die man heute vor der Verwendung eines solchen Wassers als Trinkwasser entfernen würde. Das Wasser aus der Quelle dürfte heute erst nach Entfernung des Eisens getrunken werden. Kohlensäure enthielt es auch nicht. Dieses „Heilwasser“ war schlechter als die meisten Brunnen auf Hanauer Stadtgebiet. Es gab in Hanau gewöhnliche Brunnen, deren Wasser mehr gelöste Bestandteile enthielt als diese „Mineralquelle“.

 

Und sie sprudelt eben doch wieder...                                                                25.10.2012

Quelle im Kurpark Hanau-Wilhelmsbad ist nach Baumaßnahmen in Betrieb

„Wenn das der Erbprinz sehen könnte: Im „Guten Brunnen“ in der Kuranlage Wilhelmsbad sprudelt es wieder. Ein aufmerksamer Leser hörte es auf seinem Herbstspaziergang durch den Park plätschern und ging der Sache auf den Grund. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im Äskulap-Tempel wurde er fündig - auf Nachfrage teilte die Verwaltung Hessischer Schlösser und Gärten mit, was es mit dem plötzlichen Wassersegen auf sich hat.

Beginnen wir mit der Geschichte. Manfred Handke von der Schlösser- und Gärtenverwaltung hat die Fakten noch einmal zusammengefaßt. Schaut man sich diese an, steht schon mal fest: So richtig viel Glück hatte Erbprinz Wilhelm mit seinen Heilquellen ja nicht immer. Im Jahre 1709 wurde zwar in dem Steinbruchgelände der Wälder von Hanau eine mineralhaltige Quelle entdeckt, der man Heilwirkung zuschrieb - deren Ergiebigkeit ließ jedoch bald nach und auch die Heilwirkung überzeugte nicht mehr so richtig.

Dann aber meinte es das Schicksal nochmal gut mit dem kur- und gesellschaftsliebenden Erbprinzen: 1772 nämlich entdeckte man eine zweite, wesentlich ergiebigere Quelle. Diese hatte überdies einen viel mehr versprechenden Mineralgehalt. Wilhelm war begeistert, ließ daraufhin 1777 ein Badehaus errichten und eröffnete ein Jahr später die erste Badesaison. Sie war so erfolgreich, daß er sich zu einem weiteren Ausbau der Anlage entschloß. Im Jahre 1860 versiegte die Quelle - Schluß mit Planschen und Promenieren.

Lange bevor das aber passierte, ließ Erbprinz Wilhelm über dieser zweiten Quelle, dem „Guten Brunnen“, den uns heute bekannten Brunnen als sechsseitigen Tempel mit seinen Rundbogenarkaden errichten und bekrönte das Kuppeldach mit einer Statue, die den griechischen Gott der Heilkunst, Äskulap, darstellt.

„Es war letztlich die Geburtsstunde der Badeanlage von Wilhelmsbad so wie wir sie heute erleben dürfen. Die Grundsteinlegung des Brunnens erfolgte am 3. Juni 1779, anläßlich der Geburtstagsfeierlichkeiten des Erbprinzen“, so Handke. Aha, und damit sind wir wieder mitten im Hier und Jetzt, bei der sprudelnden Quelle nämlich. Auf die Frage, wie der Brunnen versorgt werde, sagt er: „Wir haben es hier mit einer Quelle zu tun, die aus dem in Wilhelmsbad grundsätzlich sehr hoch anstehenden Grundwasser gespeist wird. Ab einer Tiefe von maximal 1,20 Meter trifft man auf teilweise sehr ergiebige Wasseradern. Um den Besuchern eine sprudelnde Quelle zeigen zu können, ist eine Pumpe eingebaut worden, um das Geräusch plätschernden Wassers zu erzeugen und für die Sinne erlebbar zu machen.“

Moderne Technik trifft den Geist des „Guten Brunnens“: Die Pumpe, so Manfred Handke, laufe über eine Zeitschaltuhr bis 24 Uhr solange wie der Brunnen ab der Dämmerung auch illuminiert sei. Das mit dem fröhlichen Gesprudel im Tempel ist indes nicht neu: Wegen der umfangreichen Baumaßnahmen der vergangenen Jahre, bei denen auch Elektroleitungen, Frisch- und Abwasserleitungen erneuert wurden, mußte das Ganze allerdings zwischenzeitlich abgeschaltet. Seit vier Wochen sei er jedoch schon wieder in Gang.

Aber auch drumherum hat sich einiges getan. Manfred Handke: „Im Frühjahr wurde die Rückfront des Tempels, also der Böschungsbereich, nach alter Vorlage neu gestaltet, so daß sich der Tempel innerhalb der Promenade gefälliger zeigt und als bedeutende Parkarchitektur besser in Erscheinung tritt. Auch die dahinter auf dem Hügel stehende historische Eiche kommt wieder zur Geltung. Diese wiederherstellende Pflegemaßnahme wurde von den Mitarbeitern der Außenstelle Hanau-Wil­helms­bad nach gartendenkmalpflegerischen Vorgaben ausgeführt.“ Ach ja, wenn das der Erbprinz sehen könnte. Der hätte seine helle Freude.

 

Badesitten:

Zur Vorgeschichte sollte man sich vergegenwärti­gen, daß es für Adel und Bürgertum ehe­mals eine wasserlose Hygiene gegeben hatte und daß Wasser im wahren Sinn des Wortes erst wiederentdeckt werden mußte. Nach dem aus der Antike tradier­ten medizinischen Gefahrenkonzept nahm man an, daß ein Fäulnisprozeß im Körper selbst krank mache. Folglich müs­se „der Leib in Fluß bleiben und von schlechten Säften befreit“ werden, wozu vornehmlich Aderlaß sowie der Gebrauch von Klistier und Schröpfköpfen dienten.

Die Vorstellung von vier Säften im Leib korrespondierte mit der Temperamenten­lehre: Sanguiniker ‑ Blut, Phlegmatiker ‑ Schleim, Choleriker ‑ gelbe Galle; Me­lancholiker ‑ schwarze Galle. Parallel gab es die ebenfalls überlieferte Medika­tion mit tierischen und pflanzlichen Pro­dukten und schließlich die Prophylaxe nach sechs Kategorien einer gesunden Lebensführung. Dazu gehörte auch die Di­äthetik (Ernährungslehre).

Während dem gewöhnlichen Volk der Umgang mit Wasser bei der Arbeit und auch zum Baden immer vertraut gewesen sei, hat der Adel und das ihn imitierende Bürgertum Wasser als gefährlich für den Körper erachtet und auf Puder, Schminke und Parfüm, die drei Attribute des Reich­tums, gesetzt. „Die höfischen Bäder waren weniger zum Ba­den gedacht, sie waren Treffs für eroti­sche und amouröse Abenteuer.“

Mit der Aufklärung kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Bäder­-Boom. Auf diesen Zug wollte Wilhelm auf­springen und die Aristokratie Europas nach Hanau locken. Man hat Heilwasser getrunken, „wobei eine gelinde Bewegung dienlich“ sein sollte, und man hat darin gebadet, übrigens auch kollektiv.

 

Wiederbelebung 1748:

Der Versuch einer Wiederbelebung des Kurbetriebes im Jahre 1748 hatte nur geringen Erfolg. Erst Erbprinz Wilhelm sah in dem „Guten Brunnen“ eine willkommene Gelegenheit zu geradezu leidenschaftlicher Betätigung. Es sollte  s e i n  Bad werden ‑ und bleiben. Motive gab es genug. Beinahe jeder große und kleine Fürstenhof dieser Zeit besaß ein Bad als ländliche Sommerresidenz. Höfische Repräsentation und verspielte Laune wären Anlaß genug gewesen, was kam es da auf ein Gran mehr oder weniger im Wasser an!

Dazu kam seine Bauleidenschaft, die er noch nicht hatte betätigen können. Überdies hätte er kein vorsorglicher Regent ‑ und nicht er selbst sein müssen - wenn ihn nicht auch die wirtschaftliche Seite eines solchen Unternehmens gereizt hätte. Welche Aussicht, Geld ins Land zu ziehen.

Aber er hatte noch ein „Steckenpferd“, das durchaus ernst genommen verdient. Er war an balneologischen Fragen lebhaft interessiert, wie es heiß seit einem Reitunfall, dessen Folge (eine Quetschung) ihm das Wasser des „Guten Brunnens“ gelindert hatte. Allerdings sollte er später mit anderen Quellen mehr Glück haben: Bad Nenndorf wurde ein großer Erfolg, er hat es zum wirklichen Kurort entwickelt und dabei die in Wilhelmsbad gesammelten Erfahrungen nutzen können.

 

Neubau 1777:

Das einstige „Kurmittelhaus“ ist ein technisch vorbildliches, mit großen Ambitionen geradezu luxuriös ausgestatteten Heilbades des späten 18. Jahrhunderts.

  • Bäder: Hinter dem Zimmer des Badearztes befanden sich vier Bäder. Der Kurgast saß in der warmen Wanne und richtete einen ungeteilten Wasserstrahl auf den leidenden Körperteil. Dazu war für Massage gesorgt. Rheuma, Gicht, Gelenkkontrakturen wurden so behandelt. Da das Wasser aus einem 15 Meter hoch im Dachstuhl angebrachten Behälter in die Kabi­nen geleitet wurde, verfügte es somit über den nötigen Druck. Der Wasserstrahl war kräftiger als der in den gerühmten Anstalten von Aachen und Ems.
  • Duschbäder, man nannte es auch „Tropfbad“:  Dazu pumpte man mit einer handbetriebenen Pumpe etwa 50 Liter Wasser 15 Meter hoch bis unter das Dach des Badhauses. Von dort kam es durch bleierne Röhren in die zur Dusche bestimmten Zimmer und endete in einer ledernen beweglichen Röhre. Seit 1794 erweiterten auch ein „Schower“-Bad (unsere Brause) den Kurplan
  • Wannenbäder im „Langen Bau“: Weiterhin gab es Wannenbäder. Diese waren aus Stein oder Marmor, fünf Stufen in den Boden eingelassen und verfügten über fließendes kaltes und warmes Wasser. Man badete eine Stunde lang, bezahlte für das Feuer, für das Bett, wenn man sich nach dem Bad erholen wollte, für das Bettzeug und das Betthemd ebenso. Außerdem konnte man einen Frotteur oder eine Frotteuse mieten, die einen badeten. Es gab unterschiedliche Preise für Tagesgäste oder Logiergäste.
  • Dampfbad im „Langen Bau“: Auch das Dampfbad war schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bekannt. Nachdem Wasser erhitzt war, führte man es in ein steinernes Bassin, über dem der Körper des Kranken lag. So konnte der Wasserdampf den gesamten Körper umspülen und seine heilende Wirkung entfalten. Die ersten Bäder mit Nauheimer Sole wurden in Wilhelmsbad verabreicht, 17 Jahre ehe Nauheim Bad wurde. Die speziellen Eigenschaften der Nauheimer Kochsalztherme mit dem reichen Kohlensäuregehalt konnten aber natürlich nicht mit der Lauge nach Wilhelmsbad gebracht werden.
  • Auch der zweite Pavillon, gegenüber dem Brunnentempel, enthielt noch Baderäume. Von den mehr als 20 meist marmornen Badewannen ist heute nur noch eine erhalten. Einst stand jede Wanne in einem freundlichen Zimmer, eingelassen in den Fußboden, mit Klingelzug und Badethermometer versehen. Es gab natürlich fließendes kaltes und warmes Wasser ‑ jedenfalls solange genügend davon vorhanden war: auch Kräuter und Schwefelzubereitungen konnte man dem Badewasser zusetzen.
  • Zusätzlich gab es Trinkkuren. Das Wasser aus dem „Guten Brunnen“, der in einem Tempelchen gegenüber dem Kursaal sprudelte, durften die Besucher im Prinzip kostenlos entnehmen. Nicht nur zahlungskräfti­ge Bürger und Honoratioren edlen Geblü­tes befanden sich darunter. Manch ar­mem Kranken und Soldaten gewährte der Landesvater freie Kur in Wilhelmsbad. Da das Wasser der Wilhelmsbader Anlage aber nie reichlich sprudelte, bekamen nur Kranke echtes Wilhelmsbader Wasser, vergnügungssüchtige Gäste bekamen Wasser aus Nauheim, das nachts herangekarrt wurde. Dieses Wasser mußte Wilhelm nicht extra bezahlen, denn Nauheim gehörte mit zu seinem Besitz.

Es herrschte eine heitere Atmosphäre, trotz der 1779 erlassenen ausführlichen Bade­ordnung. Beachtenswert ist das Fehlen einer „Distinction“ an der öffentlichen Tafel für alle Gäste mittags um 12.00 und abends um 7.00 Uhr; ungeachtet seines Ranges oder seiner Herkunft, nahm jeder Platz wo er einen leeren Stuhl fand. Wilhelm mischte sich gern unter die Besucher, wollte sogar oft unerkannt bleiben, wobei die Gäste gutmütig mitspielten, wie schlecht das Inkognito auch gemimt sein mochte.

 

Mangel an Heilwasser:

Der Born, der Anlaß für die frühe Kureinrichtung bot, bereitete ständig Ärger. Sein Wert als Heilquelle war zweifelhaft. Die „Quellymphe“, heißt es in den Annalen, „war matt!“ Schon zu Beginn des Baus war be­reits bekannt, daß die Wassernixe „schwächlicher Natur“ war. Das galt das in einem fatalen Doppelsinn. Nicht genug damit, daß das Wasser der Quelle nach heutigen Begriffen den Namen einer Heilquelle nicht verdiente. Die Qualität des Wassers war minderwertig, im Som­mer gab es zu wenig, um die marmornen Wannen zu füllen. Es hörte schließlich auch noch auf zu fließen.

Die „Mineralquelle“ trat in altem Steinbruchgebiet zutage, dem anstehenden eisenhaltigen Basalt verdankte sie ihren Eisengehalt und das Häutchen mit dem schillernden Pfauenaugenmuster. Mit dem fortschreitenden Abbau im benachbarten Wachenbucher Steinbruch verringerte sich die Ergiebigkeit ständig: besonders in trockenen Sommern und bei großer Kurgastzahl war kaum genug Wasser vorhanden, die Wannen zu füllen.

Dem Kurort fehlte ihm nur eines ‑ eine wirkliche Heilquelle! Es war bei allen seinen Vorzügen  „ein Bad, wo man nicht baden konnte“. So lästerten boshafte Zungen schon vor 1796, während Wohlmeinende wünschten, die Quellen von Karlsbad, Pyrmont oder Selters herbeizaubern zu können. Hanauer Ärzte strit­ten sich über den Sinn der Trinkkuren und der ebenfalls verabreichten rötlichen Schlamm­bäder, die Nutzung ging zurück.

 

Die Erfolge der Hydrotherapie gerade in diesen Fällen sprechen durchaus für die Wirksamkeit der Behandlungsmethoden, besonders des „Duschbades“; mit der Beschaffenheit des Quellwassers haben sie nichts zu tun.

Für die Trinkkur - frühmorgens bei Musik - wurden nun auch auswärtige Mineralwässer, aus Pyrmont oder Schwalbach etwa, gleichfalls vorrätig gehalten. Dazu konnte sich jeder Kurgast nach Wunsch weitere kommen lassen. Seit 1790 wurde Schwalheimer Sauerbrunnen sogar kostenlos abgegeben, was freilich seinen guten Grund hatte. Die Wahlmöglichkeit wurde nicht aus reiner Nächstenliebe eingeräumt: Das Wasser von Wilhelmsbad erfüllte weder qualitativ noch quantitativ die Ansprüche eines Heilmittels. Auch dieser Gesundbrunnen in Schwalheim  gehörte ja Wilhelm, man mußte nicht an Fremde zahlen.

Schlimmer stand es bald um die Wannenbäder.

Man hatte bis zur baulichen Vollendung vier oder fünf Quellen entdeckt, dazu einen Wirtschaftsbrunnen. Zuerst behalf sich der Brunnendirektor damit, daß er heimlich und des Nachts Wasser aus dem Wirtschaftsbrunnen im Gemüsegarten schöpfen und ins Badehaus bringen ließ, um tags die Badewannen füllen zu kön­nen. Das war peinlich und mühsam, mußte doch dieses Wasser erst durchgeseiht und von mehr oder weniger „ekelhaften“ Fremdkörpern befreit werden, die hineingefallen waren. Auch durften natürlich die Kur­gäste davon nichts bemerken.

Im Jahr 1796 erteilte der Fürst schließlich die Erlaubnis, den Küchenbrunnen kunstgerecht und dauernd anzu­zapfen und auf diese Weise einen Ersatz für das Mineralwasser zu schaffen ‑ unter strenger Geheimhaltung. Niemand durfte darüber sprechen, es standen ja Jahreserträge in der Größen­ordnung von 20.000 Gulden auf dem Spiel! Das schlechte Gewissen beruhigte die Auf­fassung, „daß der ungleich größere Theil der Kurgäste, die Bäder mehr zum Vergnü­gen und zur Bequemlichkeit, als wegen körperlicher Mängel gebrauche“. Bei dieser Gelegenheit wurde deutlich der Unterschied betont zwischen solchen Kurgästen, die ohnehin nur des Vergnügens und der Bequemlichkeit wegen badeten, und den wenigen wirklich Kranken, die auch weiterhin „echtes“ Wasser bekommen sollten. Solange der Vorrat an mineralischen Sub­stanzen ausreichte, mochte es ja noch angehen. Doch die Zusammensetzung veränderte sich offenbar nachteilig.

Auch hatte inzwischen das Solbad als neue medizinische Er­rungen­schaft allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Einer Anregung des Badearztes Osius folgend, holte die Kurdirektion zur Saison des Jahres 1818 erstmals Mutterlauge und Salz aus der Saline Nauheim herüber. Der Transport des Wassers war nicht nur umständlich, sondern auch unrenta­bel. Und das schmucke Modebad, „für alle gesellschaftlichen Stände gedacht“, sollte doch Geld in die Staatskasse füllen. Aber auch dieser Versuch einer Wiederbelebung in der Mitte des 19. Jahrhunderts blieb erfolglos.

 So kam es aber, daß die ersten Bäder mit Nauheimer Sole nicht dort, sondern im Wilhelmsbad verabreicht wurden ‑ 17 Jahre, bevor Nauheim selbst Badeort wurde. Allerdings konnte man die Kohlensäure nicht mit herüberschaffen, deren Wirkung bei Kreislauferkrankungen man überdies noch nicht erkannt hatte. Der Aufstieg Nauheims zum Herzbad ist durch diese Episode nicht aufgehalten worden.

 

 

Andere Möglichkeiten Kurgäste heranzuziehen:

Natürlich waren die wirklich Kranken bei weitem in der Minderzahl. Trotz allem Hang zur Romantik wußte der Erbprinz aber auch, daß Gesundheit allein nicht die zahlungskräftigen Massen anlocken würde. Je mehr erkannt wurde, daß Wilhelmsbad ein mondänes Bad aber ohne Heilquelle war, umso mehr versuchte man mit psychologischen Faktoren, die Menschen zu beeinflussen, dennoch nach Wilhelmsbad zu kommen. Dazu errichtete man eine Spielbank. Man spielte das Pharaospiel, ein Glücksspiel, das nirgendwo sonst in Hessen gespielt werden durfte, sowie Roulette, Biribi und Bakkarat.

Was die Besucher anlockte, war vor al­lem das große Unterhaltungsangebot. Allerlei Kurzweil diente nicht nur der Unterhaltung der Gäste, sondern auch dem Heilzweck. In Wilhelmsbad heilte zwar nicht das Wasser, aber Roulette, Tanz oder Kegeln. Theater, Musik, Spaziergänge, Boots­fahrten auf dem zum künstlichen See auf­gestauten Braubach, Geselligkeit, Spiele wie Pharao oder Roulette sowie Tanz erhei­terten das Gemüt. Die gemeinsamen Mahlzeiten an der Brunnentafel wurden unter den Augen des Badearztes eingenommen, der dienstlich zur Teilnahme verpflichtet war.

Kegeln und Vogel­schießen, mehrere Schaukeln und zwei Karussells verstanden die Zeitgenossen als gesunde körperliche Betätigung. Gerade diese „Kurmittel“ erregten noch Anfang des 19. Jahrhunderts die Bewunderung von Fachleuten, galt doch damals die passive Schaukel‑ und Drehbewegung als heilsam bei nervösen Leiden wie bei Melancholie, Hysterie und sogar „Wahnsinn“, aber auch bei Schwindsucht! Und nirgends als am Wilhelmsbad waren sie in Kurorten zu finden.

Bliebe noch zu sagen, daß die Saison gewöhnlich vom 15. Juni bis zum 31. August, wohl auch einmal in den September hinein dauerte, daß nicht weniger als elf Kioske unterhaltsame und leckere Kleinigkeiten feilhielten, und daß die Liste der Kurgäste im Jahre 1779 mit 301 Namen abschloß.

Es war ein Bad, das sich sehen lassen konnte. In vielen Beschreibungen findet sich der Respekt der Zeitgenossen glaub­haft festgehalten. Man pries die Perfektion der technischen Einrichtungen, die geschmackvollen Räume, die Schönheit der Bauten und des Parks, die sinnvolle Ordnung und die wohlfeilen Preise. Die „Krone deutscher Bäder“ hätte das Wilhelmsbad sein können.

Aber Wilhelmsbad versank in den „Dornröschenschlaf“, seine Zeit war vorüber. Das Wilhelmsbad hat seinen Gründer nicht lange überlebt: Wilhelm war 1821 gestorben. Und auch er hat, im Alter von Gicht geplagt, Zuflucht und Linderung nicht hier, sondern in Bad Nenndorf ge­sucht.

Wilhelmsbad blieb auch abseits, als die Kaltwasserheilanstalten des 19. Jahr­hunderts überall von sich reden machten, so vorzüglich es auch dafür eingerichtet sein mochte. Osius blieb der letzte Badearzt am Wilhelmsbad. Als er 1856 dieses Amt aufgab, hatte es längst seinen früheren Inhalt verloren: Kurgäste waren schon seit Jahren nicht mehr gekommen.

Der schon bald versiegende „Gute Brun­nen“ rettete die Bausubstanz vor Veränderungen. Das hatte das auch sein Gutes: Durch die Bedeutungslosig­keit als Kurort im 19. Jahrhundert ent­ging Wilhelmsbad den in vielen attrakti­ven Bädern dieser Zeit erfolgten Um‑ und Ausbauten. „Es ist als wohlerhaltenes Bei­spiel einer Kur‑ und Badanlage aus dem 18. Jahrhundert einzigartig in Deutsch­land.“

 

Wilhelmsbader Fest 1832

Am 22. Juni 2007 jährt sich zum 175. Mal ein Tag, der zu den stolzesten in der Hanauer Geschichte gehört. An diesem Tag wurde in den Kuranlagen von Hanau-Wilhelmsbad das »Wilhelmsbader Fest« gefeiert, das als bedeutendste Nachfolgeveranstaltung zum berühmten »Hambacher Fest« begangen wurde. Das »Hambacher Fest«, das in allen deutschen Ländern zündende Reaktionen auslöste, hatte vom 27. bis 30. Mai 1832 an die 60 000 Bürger auf dem Schloß Hambach in der Pfalz zusammengebracht, die endlich einmal mutig für garantierte Bürgerrechte und gegen Fürstenwillkür und Zollschranken eintreten wollten.

Gut drei Wochen später wurde wiederum zu einem »Fest« eingeladen, diesmal nach Hanau. Nur unter dem Namen »Fest« war es angesichts der strengen Zensur überhaupt möglich, politische Meinungen öffentlich zu äußern. Viele Hambach-Teilnehmer waren dabei, hinzu kamen Bürgerrechtler aus Hanau, Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Fulda, Kassel, dem Frankenland und Sachsen. Was offiziell als »Mittagsmahl« bezeichnet wurde, sollte zu einer »gewaltigen Demonstration des Volkswillens« werden.

Unübersehbar waren in Wilhelmsbad unterschiedliche politische Positionen. Während die dem Bürgertum angehörenden Teilnehmer am Festmahl im Saal auf vorsichtige Reformen innerhalb des monarchischen Systems setzten, wurden von den im Regen ausharrenden Handwerksgesellen, Tagelöhnern und Bauern auch staatsumwälzende Forderungen erhoben. Trotz aller Unterschiede: Hier setzte sich eine stolze Hanauer Tradition fort, die ihren Niederschlag in den 1848er-Auseinandersetzungen um Pressefreiheit, Verfassungsrechte und in einer bedeutenden Arbeiterbewegung fand.

 

Krawaller erkämpfen fortschrittliche Verfassung.

Wenige Monate vor dem Wilhelmsbader Fest trat am 7. Januar 1831 die erste kurhessische Verfassung in Kraft. Auf dem Hanauer Markplatz feierte die Bevölkerung stürmisch den schwer erkämpften Sieg über Fürstenwillkür und Rechtlosigkeit der Bevölkerung. Diese Verfassung galt als die freiheitlichste in den deutschen Ländern. Man konnte damals noch nicht wissen, daß durch ständige Willkür des Landesfürsten die so schwer erkämpfte Verfassung später zu Makulatur werden würde.

Blicken wir noch einige Monate weiter zurück: Blanke Existenznot, aber auch die Nachrichten von der Juli-Revolution 1830 in Paris hatten in ganz Europa Rufe nach Freiheit und Gleichheit ausgelöst.  In Hanau machte sich der Zorn der Bevölkerung vor allem gegen die Beschwernisse der Zollschranken rings um Hanau Luft. Der Hanauer Magistrat hatte eine Delegation aus städtischen Honorationen nach Kassel geschickt, um »untertänigst« die Aufhebung der Zollschranken und die Aufhebung der Mautgesetze zu erbitten. In Kassel herrschte, wie in Hanau, wegen der großen Not der Bevölkerung, aber auch wegen »der schamlosen Mätressen- und Günstlingswirtschaft« Ver­bitterung gegenüber dem Landesherrn. Kasseler und Hanauer forderten von dem Kurfürsten, die Landstände einzuberufen und dem Land eine Verfassung zu geben. Der Kurfürst nahm die Petition zwar entgegen, verweigerte aber ein Entgegenkommen auf die Forderung nach Aufhebung der Zollschranken.

Als die Delegation am 24. September 1830 wieder in Hanau eintraf und auf dem Neustädter Markt von der ablehnenden Haltung des Kurfürsten berichtete, brach die Menge mit dem Ruf »Freiheit und Gleichheit« zum Licentamt am Heumarkt (von der Bevölkerung auch »letztes Hemdamt« genannt) und zum Zollamt am Mainkanal auf. Die Gebäude wurde demoliert, die Akten auf die Straße geworfen und angezündet. Von Hanau aus weitete sich der Aufstand auf weite Teile Kurhessens und andere Staaten aus.  Kurfürst Wilhelm II. mußte nachgeben. Mit der Verkündung der Verfassung am 7. Januar 1831 endeten die in ganz Europa bekannt gewordenen »Hanauer Krawalle«

 

Das Fest vor 175 Jahren

Das Wilhelmsbader Fest haben angesehene Hanauer Bürger organisiert. Die Obergerichtsanwälte Blachiere, Emmerich und Manns, der Pfarrer Merz, die Herren Brand, Häußler, Leisler und Pelissier hatten in den liberalen Zeitungen zu einem Festmahl nach Wilhelmsbad eingeladen Der Obrigkeit wurde als Zweck die »Stärkung des Geistes der Verbrüderung unter den deutschen Volksstämmen« genannt.

 Trotz des harmlos klingenden Namens »Festmahl« wurden die Verantwortlichen der kurhessischen Regierung, vor allem der Minister des Inneren Ludwig Hassenpflug (Schwager der Brüder Grimm), in Aufregung versetzte. In einem Protokoll erklärte Hassenpflug (er wurde später im Volksmund »Hessenfluch« genannt), daß die Regierung nicht die Absicht habe, das geplante »Mittagsmahl« zu stören, solange es dabei um die Vereinigung deutscher Stämme zu einem Staatenbund gehe. Allerdings werde die Regierung keinerlei »verbrecherische Regungen dulden, wie sie auf dem Hambacher Fest vorgekommen« seien. Reden, die auf eine Auflösung des Deutschen Bundes und die Schaffung eines deutschen Einheitsstaates zielten, waren ausdrücklich verboten. Um Ausschreitungen zu verhindern, wurde Militär bereit gestellt.

 

»Ohne Freiheit kein Leben«

Getreu dem Hambacher Vorbild begann das Fest am Morgen des 22. Juni mit einem Festzug, der vom Hanauer Gasthaus »Zur Goldenen Schachtel« ausging. Viele schwarz-rot-goldene Fahnen wurden mitgeführt, die erste Fahne enthielt die gestickte Inschrift »Einheit Deutschlands, Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit«, auf einer anderen stand »Ohne Freiheit kein Leben«. Alle liberalen Hanauer Vereine waren dabei.

In  Wilhelmsbad angekommen, wurde der Zug von Pfarrer Merz begrüßt, er betonte daß vor allem die Vereinigung der deutschen Bruderstämme  der Zweck des Festes sei. Dann wurden alle Fahnen auf dem Balkon aufgestellt, und man wählte den Redakteur Dr. Förster aus Fulda zum Festpräsidenten. Das angekündigte Mittagsmahl wurde im Festsaal des Kurhauses aufgetragen. Alle 300 Teilnehmer mußten dafür den für damalige Verhältnisse sehr hohen Preis von einem Kronentaler zahlen.

Nur für geladene Gäste.

Diese Summe, und der Umstand, daß das Mahl an einem Freitagmittag, also während der Arbeitszeit normaler Sterblicher stattfand, zeigt, daß nur das gehobene Bürgertum, Akademiker und wohlhabende Kaufleute teilnehmen konnten. Das führte bei den Tausenden, die bei strömendem Regen im Freien ausharrten und auf die Ansprachen der Festredner warteten, zu erheblichem Unmut.

Als Redner trat unter anderen der Kandidat Dehnhard aus Hanau auf. Im Polizeibericht hieß es dazu, »Dehnhard habe sich in gesetzlichen Ausdrücken bewegt«. Minister Hassenpflug hatte nämlich zahlreiche Spitzel und Polizeibeobachter nach Wilhelmsbad geschickt. Letztere sollten aufrührerische Redner sofort verhaften. Die Spitzel sollten als amtliche Zeugen für freisinnige Reden bereitstehen.

Gleich zu Beginn des Festes sprach der aus Bayern ausgewiesene Redakteur Dr. Georg Fein, der betonte, die Bestrebungen der Bürger zielten auf Reform. Sollte diese aber nicht erreicht werden, so werde man die Einstimmigkeit aller Stände auch auf anderem Wege zu erreichen wissen. Wörtlich: »Wenn der gesetzliche Weg uns abgeschnitten würde, wenn die rohe Gewalt uns alles Recht entreißen wollte, sollten wir dann auch als Männer Blut und Leben der großen Sache weihen«

Auch im Festsaal waren Polizisten und Spitzel in großer Zahl vertreten. Sie registrierten, daß sich unter den Gästen zahlreiche ehemalige Burschenschaftler, so der Hambacher Redner Karl Heinrich Brüggemann sowie viele Frankfurter befanden. Von den Teilnehmern wurde ausdrücklich bedauert, daß zahlreiche angemeldete Gäste aus Bayern nicht kommen konnten, weil die Polizei in Aschaffenburg die Gäste angehalten hatte.

Während die Gäste im Kursaal speisten und wiederum Reden gehalten wurden, stand das Volk draußen im Park im Regen und konnte kaum die mitgebrachten eigenen Speisen verzehren. Schimpfwörter flogen in den Festsaal, mehr und mehr breitete sich Unwillen aus.

Gegensätze werden deutlich

Gegensätze zwischen den Akademikern und Kaufleuten im Saal und dem »Volk« draußen taten sich auf. Da trat der Student Karl Heinrich Brüggemann aus Heidelberg auf den Balkon und »unternahm es, das Fest wieder in eine Sache des Volkes zurückzuverwandeln«, wie der Chronist Heinz Winkler berichtete.

Brüggemann hielt eine leidenschaftliche, mitreißende Ansprache. Er wandte sich gegen die Mätressenwirtschaft des Landesherrn, die Despotie der Fürsten und forderte das Volk auf, sich nichts mehr von seinen Rechten nehmen zu lassen.

Brüggemann: »Jeder Mensch ist zur Freiheit geboren, nicht zum Lasttier. Auch der Tagelöhner muß gut leben können und nicht 13 Stunden am Tag arbeiten, sondern nur sechs oder acht Stunden« Es gehe auch nicht an, daß alles, was der Bauer in einem Monat oder Jahr erbringen könne von einem einzigen Fürstenhofe an einem Tage verpraßt werde. Das Volk habe das Recht auf Widerstand gegen die Fürsten. Wenn es nicht anders gehe, müsse man die Fürsten an die Laternen knüpfen. Brüggemann erntete enthusiastischen Beifall, viele bezeichneten ihn als »zweiten Luther«.

Zum Tode verurteilt

Brüggemann wurde kurz nach dem Wilhelmsbader Fest wegen seiner politischen Aktivitäten als Burschenschafter in Heidelberg und wegen seiner Reden in Hambach und Hanau verhaftet und nach Preußen ausgeliefert. In einem Prozeß wurde er zum Tode durch das Rad verurteilt. Später wurde das Urteil in »Lebenslänglich« umgewandelt und nach der Thronbesteigung von Friedrich Wilhelm IV. wurde er begnadigt.

In den folgenden Tagen nach dem Wilhelmsbader Fest wurden »viele Teilnehmer schwersten polizeilichen Verfolgungen ausgesetzt«. Winkler schließt seinen Bericht: »Ebenso wie das Hambacher Fest, wenn auch in kleinerem Maßstab, war das Wilhelmsbader Fest ein Schrei der Unterdrückten und ein Ausdruck der deutschen Sehnsucht nach einem geeinten Vaterlande, ein Meilenstein auf dem Wege der deutschen Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts«

Die Folgen des Wilhelmsbader Festes zeigten sich Jahre und Jahrzehnte später in Hanau. In vielen Gruppen und Clubs, auch in den neu gegründeten Turn- und Gesangvereinen und den ersten Arbeitervereinen (sie verstanden sich überwiegend als »demokratisch-republikanisch«) wirkten die freiheitlichen, sozialen und die reformerischen Ideen des Wilhelmsbader Festes nach. Ihren Höhepunkt fanden die freiheitlichen Bestrebungen der Hanauer in den Revolutionswochen von 1848, als in Hanau der offene Kampf ausbrach »gegen die fürstlichen Tyrannen«.

 

Von Mätressen, Flenn- und Krawallwalzern

Die Hanauer und ihre aufmüpfigen Zeitungsorgane und Streitschriften verstanden es, ihre Anliegen immer wieder mit Satire, Humor, mitunter auch Galgenhumor, deutlich zu machen.     Ziel des Spotts war die vom Volk gehaßte Mätresse des Kurfürsten, die Reichenbach. In jener Zeit entstanden eine Fülle herrlicher musikalischer Kabinettstückchen, Karikaturen und freche Verse, die die Mätressenwirtschaft des Landesfürsten aufs Korn nahmen. Und die alten Hanauer jener Tage tanzten mit Vergnügen den »Crawallwalzer für Pianoforte« und den »Flennwalzer«, der der Gräfin Reichenbach gewidmet war. Die »Gräfin«, mit bürgerlichem Namen Emilie Ortlepp, Tochter eines Berliner Juweliers, war zuvor vom Zorn der Kasseler Bevölkerung aus der Residenzstadt vertrieben worden, hatte sich zunächst in Frankfurt niedergelassen und war auf »untertänigste Bitten« einiger Hanauer Geschäftsleute, die ihre Ausgabefreudigkeit kannten, im März 1831 nach Wilhelmsbad umgezogen. Die Bitten jener Geschäftsleute hatten die Reichenbach so gerührt, daß sie in Tränen ausge­brochen war. Ein Witzbold kom­ponierte darauf den »Flennwalzer«, der über viele Jahre in Hanau ein »Hit« war, wie wir heute sagen würden. Die Originalkomposition wird im his­torischen Museum aufbewahrt, am Festwochenende 2007 wird sie am Samstag, den 23. Juni, noch einmal vom Glockenturm des Rathauses am Marktplatz erklingen.

 

 

Vorträge der Volkshochschule

Die Vorträge finden im Souterrain es Deutschen Goldschmiedehauses m Altstädter Markt in Hanau statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

15. Mai: Dr. Günter Rauch: Der Hanauer Oberbürgermeister Bernhard Eberhard

22. Mai: Dr. Günter Rauch: Hanau im Vormärz 1830 bis 1848

5. Juni: Joachim Volke: Heinrich Heine und die Philosophie der Freiheit

12. Juni: Dr. Anton Merk: Bilderbögen und Karikaturen aus der Zeit des Vormärz 1830 bis 1848

19. Juni: Joachim Volke: Georg Büchner: Radikale Freiheit und Revolution

 

Festablauf 22. - 24. Juni 2007

Freitag, 22. Juni

18.00 Uhr Empfang im Comoedienhaus in Wilhelmsbad.

Da das Comoedienhaus nur eine begrenzte Anzahl an Gästen aufnehmen kann, wenden Sie sich wegen Eintrittskarten bitte an Frau Rodenstein beim Fachbereich Kultur. Der Eintritt ist frei, allerdings müssen die Getränke selbst bezahlt werden.

18.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung historischer Karikaturen

19.00 Uhr Oberbürgermeister Claus Kaminsky: Begrüßung der Gäste, offizielle Festeröffnung Grußworte von Karl Weber, Leiter der Verwaltung Hessischer Schlösser und Gärten Festrede von Günter Mick, Historiker und Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Thema »Pressefreiheit«

20.00 Uhr Premiere des Theaterstücks »Ein Fest der Freiheit«, eine Inszenierung der Dramatischen Bühne Frankfurt unter der Leitung von Thorsten Moravietz

22.00 Uhr Fackelführung durch den Park mit Heidrun Merk unter dem Motto: «Parkluft macht frei«

 

Samstag, 23. Juni:

11.00 Uhr Glockenspiel im Rathaustürmchen: »Krawallwalzer«, Flennwalzer«

15.00 Uhr Festbeginn in Wilhelmsbad

Auf der Kurpromenade wird es eine lange Tafel geben, die – diesmal im Freien – die historische Situation nachstellt. Es darf Platz genommen werden. Jeder kann ein Pick-nick mitbringen oder sich an den Ständen des Kulturvereins und des Wilhelmsbader Karussellvereins mit Getränken, Kaffee und Kuchen versorgen. Ab 18 Uhr serviert der Hanauer Köcheverein warme Speisen.

Es wird ein Kinderprogramm angeboten, ganz in der Nähe der Tafel, damit Eltern und Kinder entspannt das Fest genießen können. Der Eintritt ist frei.

15.00 Uhr Hanauer-Jazz-Big-Band unter den Linden im Park

16.30 Uhr Dezentrale Lesungen im Park: Schüler der Hola lesen aus dem »ABC-Buch der Freiheit« von Wilhelm Sauerwein aus dem Jahr 1832 und andere Texte

Der Förderverein der Stadtbibliothek Hanau bietet im Musikpavillon Lesungen für Kinder an.                                                                                               Sue Ferrer, Sologeigerin, begleitet die Festgäste mit einem klassischen Programm.    

18.00 Uhr Impressionen an das historische Fest mit Schauspielern der »Prinzenrolle« und Professor Boehncke in der Rolle des Studenten Heinrich Brüggemann. Die musikalische Umrahmung gestaltet die Blue Moon Company

19.00 Uhr »Von Swing bis Sting« mit der Blue Moon Company

19.30 Uhr »Ein Fest der Freiheit« der Dramatischen Bühne Frankfurt (Comoedienhaus), Eintritt 10 Euro, Kartenreservierung bei den Hanauer Vorverkaufsstellen

21.00 Uhr »Ladies Night« begleitet in den Sommerabend: Vocal-Jazz mit Elementen aus Soul, Pop, Blues, Latin und Swing

22.00 Uhr »Ein Fest der Freiheit« der Dramatischen Bühne Frankfurt (Comoedienhaus), Eintritt 10 Euro, Kartenreservierung bei den Hanauer Vorverkaufsstellen

 

Sonntag, 24. Juni:

11.00 Uhr Philosophische Matinee unter der Leitung von Dr. Axel Wüstenhube. Diese Gesprächsrunde der Volkshochschule diskutiert aktuelle Bezüge zum Thema »Freiheit«. Der Unkostenbeitrag für neu hinzukommende Teilnehmer beträgt 5 Euro. Musikalische Begleitung: Heike Matthiesen und Holger Lützen

Die Ausstellung Historische Karikaturen im Comoedienhaus ist am Samstag und Sonntag geöffnet.

Zur Finanzierung des Festes werden »175-Jahre-Wilhelmsbader-Fest«-Buttons zum Preis von 5 Euro verkauft.

 

Zu den Bildern:

Schon vor 25 Jahren, im Juni 1982, zogen Mitglieder des Hanauer Kulturvereins wie die Bürgerrechtler im Jahr 1832 von der Hanauer Innenstadt nach Wilhelmsbad. Da dieser Umzug als Demonstration angemeldet war, durften keine Sensen mitgetragen werden.

 

»Ein Fest der Freiheit« ist der Titel eines Potpourri aus Spielfilm und Theater der Dramatischen Bühne Frankfurt unter dem Intendanten Thorsten .Morawietz, das beim Wilhelmsbader Fest 2007 rangeführt wird. Premiere ist am Freitag, dem 22. Juni um 20 Uhr. Weitere Aufführungen finden am Samstag, dem 23. Juni, uni 19.30 Uhr sowie um 22 Uhr im Conmoedienhaus statt. Das Bild zeigt Aufnahmen einer Filmszene, die in das Theaterstück integriert wird..

 

 

Nach den vielen Reden auf dem Wilhelmsbader Fest 1832 sind die Leit’' nicht gleich nach Hause gegangen. Viele waren noch in der »Fuchs'schen Wirtschaft«, die in einer Zeitungsanzeige zur «Gartenillumination« eingeladen hatte; zugleich wird sich die rühmlichst bekannte Steyerische National-Sängerin Maria Jansa hören lassen«

 

Wir laden am Festabend ein zur »Ladies-Night«. Die drei »Ladies« im Bild mit aufregenden, klangvollen Stimmen und ein Trio profiartiger Instrumentalisten verschmelzen zu einem Programm aus Jazz, Soul, Pop und Blues. Vor den »Ladies« spielt die Blue Moon Company  »Von Swing bis Sting«.

 

Krawallfahrt:

Warum kam es gerade in Hanau zu den Krawallen? Die ungefähr 50 Kilometer lange Fahrradtour soll den Blick auf eine der Ursachen lenken – die Zollpolitik, unter der Hanau aufgrund seiner geographischen Lage besonders zu leiden hatte. Im Jahre 1828 hatten sich Preußen und Hessen-Darmstadt zu einem Zollverbund zusammengeschlossen; der Kurfürst von Hessen-Kassel, zu dem die »Provinz Hanau« damals gehörte, hatte sich mit starrköpfigem Beharren auf seiner Souveränität geweigert, diesem Verbund beizutreten und darauf bestanden, eigene Zölle auf Importe und Transitwaren zu erheben.

Die kurhessische Provinz Hanau wurde dadurch auf fast allen Seiten durch eine Zollgrenze vom freien Handel abgeschnitten. Zwischen der Stadt Hanau und Frankfurt bildete der Main die Grenze zum Großherzogtum Hessen; im Westen wurden an der Mainkur die Zölle für die Waren aus Frankfurt erhoben, im Norden grenzte die Provinz an der Nidder wieder an Hessen-Darmstadt; nur fünf Kilometer südöstlich der Stadt wurde der bayerische Zoll erhoben.

Die Folgen waren höhere Preis für Importe, gesunkene Exportmöglichkeiten für in Hanau hergestellte Produkte, Arbeitslosigkeit und Schmuggel: Die Wut der »Krawaller« entlud sich an dem  »Lizentamt« am Heumarkt und den Zollämtern am Mainkanal, an der Mainkur und an der Grenze zu Hessen-Darmstadt zwischen Heldenbergen und Windecken.

Unterwegs wird in Bergen der Ort besucht, an dem schon am 31. Mai 1832 ein politisches Volksfest mit Hanauer Beteiligung stattgefunden hat.  Anschließend wird auf der Hohen Straße eine Pause mit einem Krawallschoppen eingelegt (Verpflegung bitte mitbringen).

 

Krawallschoppen zum Fest

Während das liberale Bürgertum im Saal das »Mittagsmahl nebst einer Flasche Wein zum Preis von einem Krontaler« einnahm und dabei unter Aufsicht des Polizeidirektors den mehr oder weniger angepaßten Reden zuhörte, standen die Krawaller im Regen und bekundeten lautstark ihren Unmut - und tranken Krawallschoppen.  Grundlage des Krawallschoppens war und ist der Bohnapfel, der von den Fachleuten »besonders zu Obstpflanzungen auf dem Lande« empfohlen wurde. In Hanau und Umgebung waren deshalb die Bohnäpfel seit verbreitet; der Bohnapfel war der »Brotbaum des kleines Mannes«.

Keltermeister Jörg Stier hat für das Wilhelmsbader Fest einen Krawallschoppen kreiert. Seine mild-süffige Note läßt auch heute noch an Krawall denken, wenn nicht sofort der Bembel wieder aufgefüllt wird ...

Den Krawallschoppen gibt es in der Kelterei Stier, Am Kreuzstein 25 in Bischofsheim, ausgeschenkt wird er beim Wilhelmsbader Fest und dem Lamboyfest sowie in der Gaststätte »Alt-Kesselstadt« in Hanau und im neu eröffneten Gartenlokal »Werner's blauer Bock« zwischen Heldenbergen und Windecken, in unmittelbarer Nähe der historischen Zollstation.

 

Das Fest und das Geld

Wer hat das Wilhelmsbader Fest 1832 finanziert? Durch ehrenamtliche Arbeit wurden die Ausgaben gering gehalten. Zu vermuten ist, daß ein Teil des überhöhten Preises für das Festmahl« zur Kostendeckung verwendet wurde. Die Redner, die als Journalisten arbeiteten, wurden von dem 1832 gegründeten »Preßverein« unterstützt, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Der Verein finanzierte sich aus Spenden seiner Mitglieder; auch in Hanau gab es aktive und finanzielle Unterstützung

Und heute? Die Helfer arbeiten ehrenamtlich. Die Stadt Hanau unterstützt uns und wir danken unseren Sponsoren. Wir hoffen auf Einnahmen aus dem Getränkeverkauf und erwarten, daß jeder Festbesucher einen Festbutton für 5 Euro (oder mehr) erwirbt.

 

Kurpark

Da auch für die Unterhaltung der Gäste gesorgt werden mußte, wurde der Wald um das Bad allmählich in einen englischen Park umgestaltet und für eine Reihe zusätzlicher Abwechslungen gesorgt: ein Karussell in der Form eines Rundtempels, in dem sich die Badegäste im Ringelstechen üben konnten, eine Kettenbrücke über dunkler Felsenschlucht, eine künstliche Burgruine, ein künstlicher Teich mit einer Insel und einer Pyramide, ein Heckentheater, ein Schießplatz und eine Eremitage In einem der Kursäle durften Glücksspiele durchgeführt werden.

Die Bauten wurden in umfangreiche Gartenanlagen eingebettet, die man unter geschickter Benutzung unebener Geländeverhältnisse im Bereich eines aufgelassenen Steinbruches anlegte. Sie waren in einer für jene Zeit neuartigen, aus England auf den Kontinent gelangten Manier, im sogenannten Stile des englischen Landschaftsparkes, gehalten, wobei an die Stelle von streng geformten Parterres, von geschnittenen Hecken und geraden Wegen in französischer Manier nunmehr gewundene und unregelmäßig geführte Wege getreten waren, was im Zusammenhang mit einer naturhaften Bepflanzung durch Busch‑ und Baumgruppen beim Promenieren schöne Durchblicke und wechselnde Ausblicke ergab. Die einzige Ausnahme bildete die schon erwähnte, parallel zu den Kurgebäuden verlaufende Allee, unentbehrliches Zutat für die am Brunnentempel promenierenden Kurgäste, die sehen und gesehen werden wollten.

 

Christian Hirschfeld

Entlang einer Allee reihen sich die spätbarocken Kurgebäude. umgeben von einem Park im Stil englischer Landschaftsgärten. Er zählt zu den frühesten Schöpfungen dieser Art in Deutschland ein hervorragendes Dokument eines „empfindsamen“ Landschaftsgartens. dessen stimmungsvolle Kleinbauten (Burg. Pyramide, Eremitage, usw.) den auf sentimentale Ausstrahlung zielenden Gestaltungswillen der Zeit veranschaulichen.

Der herausragende Gartentheoretiker der damaligen Zeit war Christian Cay Lorenz Hirschfeld, der in mehreren Bänden seine Vorstellungen einer zeitgemäßen Gartenanlage beschreibt. Er gab an, wo Licht, wo Schatten in einem Park sein soll. Er bezeichnete die Wilhelmsbader Anlage trotzt der starken Konkurrenz durch die Bäder in Schwalbach, Pyrmont u. a. als die Krone der deutschen Bäder.

Unter dem Titel „Ein Gemisch von melancholischem Schauer und sanfter Wehmut“ führte die Kulturanthropologin Heidrun Merk durch den Wilhelmsbader Park, um den „Spuren von Christian Cay Ludwig Hirschfeld“ zu folgen. Hirschfeld (1772-1792), Professor für Ästhetik an der damals dänischen Universität Kiel, galt Ende des 18. Jahrhunderts als der bedeutendste Gartentheoretiker Europas. In seinem Werk „Theorie der Gartenkunst“ (1779-1785; in fünf Bänden erschienen), beschreibt er ausführlich die Bedeutung und Funktion, die Natur und Architektur in der neuen, englischen Gartenkunst einnehmen und die er entschieden gegen die alte französische Gartentheorie verteidigt.

Bäume und Haine, Wiesen und Hügel, Bäche und Seen behandelt er in seinem Werk ebenso ausführlich, wie Wege und Brücken, Tempel, Ruinen sowie Einsiedeleien. Eigene Kapitel sind beispielsweise den „Gärten bey Gesundheitsbrunnen“ oder zahlreichen von ihm selbst besuchten Gärten gewidmet.

Sein Urteil über die ehemalige Kur- und Badeanlage Wilhelmsbad, die er im fünften Band seiner „Gartenkunst“ ausführlich behandelt, fällt geradezu enthusiastisch aus. Kein Wunder, wenn man weiß, daß Hirschfeld sich um den Posten eines Gartendirektors beim Erbauer des Kurbades, Erbprinz Wilhelms von Hessen-Kassel bemühte. Aus diesen Plänen ist nichts geworden, doch der ehemalige Badeort und jetzige öffentliche Park Wilhelmsbad zehrt noch heute von Hirschfelds Lob.

Moderne Freizeit-Experten hatten schon in den Erbauern von Wilhelmsbad würdige Vorgänger. Heute würde man „Erlebnispark“ dazu sagen. Scheinbar ganz anders präsentiert sich das geruhsame Wilhelmsbad. Ohne technische Errungenschaften und kommerzielle Animation ist die Parkanlage den Hanauern seit Jahrhunderten ein Gelände für Spiel, Spaß und Erholung.

Das Schöne am Kurpark von Hanau-Wilhelmsbad sind seine Überraschungen. Das Besondere ist seine Wildheit. Die Anlage im Nordwesten Hanaus mit eigenem Bahnhof ist in erster Linie ein frei zugänglicher Erholungsort zum Vergnügen der Menschen, großen wie kleinen. Auf empfindliches exotisches Gewächs muß der Besucher keine Rücksicht nehmen. Picknicks unter den großen Eichen, Linden und Buchen sind deshalb erlaubt. Das gilt auch für das Betreten des Rasens - ob auf zwei oder vier Beinen.

Der Park wurde zwischen 1777 und 1785 im gerade in Mode gekommenen Stil des englischen Landschaftsgartens angelegt, in bewußter Abkehr von barocker Strenge. Erbprinz Wilhelm wollte sich auch hier von lästiger höfischer Etikette lösen. Die Natur wurde nicht mehr geometrischen Formen unterworfen, sondern idealisiert. Heimische Baumarten wurden bevorzugt.

Den Zweck dieses Gartens der Empfindsamkeit hätte ein damaliger Zeitgenosse etwa so formuliert: die moralische Erbauung des Betrachters durch seelische Rührung. Bestimmten Elementen schrieb man bestimmte Wirkungen zu. So standen Gebirge und Felsen für Ehrfurcht und Schrecken, sanfte Anhöhen und Wiesen für Heiterkeit und Vergnügen. Stille, überschattete Seen wiederum sollten beim Betrachter Ernst und Trübsinn hervorrufen, Wälder mit hochragenden Stämmen an die heroischen Seiten des Lebens erinnern. Auch das Überraschungsmoment sollte dem Werk Spannung zu verleihen.

Der Garten sollte dem Spaziergänger Stimmungen vermitteln. Wer sich in ihm erging, fand hinter jeder Wegebiegung neue Überraschungen. Ein Pfad führte durch ein kleines düsteres Waldstück zu einer Einsiedelei, die als Stollen in einen Hang getrieben war. Auf einer Insel eines kleinen künstlichen Sees entstand die ebenso künstlich geschaffene Ruine einer Ritterburg, die der Herrscher zeitweise bewohnte; ihre kostbar ausgestatteten Innenräume kontrastierten mit dem scheinbaren Verfall des Äußeren. Auf einer zweiten Insel ließ Wilhelm eine Pyramide bauen, in deren Mitte das Herz seines im Alter von zwölf Jahren gestorbenen Sohnes Friedrich beigesetzt ist.

Cancrin entwarf für das Projekt nicht einmal einen Plan. Er war der Meinung, anhand eines solchen sei nicht zu erkennen, wie sich die Sache entwickeln würde. So entstand der Park von Wilhelmsbad gewissermaßen intuitiv - und doch bis ins Detail durchdacht.

 

Promenade

Für die Erschließung sorgt die Promenade. Damals wie heute ist sie der einzige Weg im Gelände, der befahren werden kann. Es ist zudem seine Aufgabe, zwischen dem im spätbarocken Stil erbauten Gebäudekomplex des Kurhauses und dem nach damaliger Auffassung modernen Park zu vermitteln. Nicht zu vergessen ist hierbei auch die kommunikative Funktion. Auf der Promenade treffen sich die Besucher, und im Schatten unter den Linden finden sie im Sommer auf den Bänken Platz zum Verweilen. Ganz in der Nähe befindet sich der Mineralbrunnen, das Herz der Kuranlage.

 

Schneckenberg

Der dem Theater in Wilhelmsbad benachbarte Aussichtsberg wird „Spitzberg“ oder „Schneckenberg“ oder „Tempelberg“ genannt. Er ist einer der wenigen künstlichen  Hügel dieser Art, von denen weltweit nur noch wenige erhalten sind. Diese Erhebungen gehören seit der Renaissance zur Ausstattung von Lustgärten. Er ist ein bis in die Antike zurückreichendes, immer wieder benutztes Zubehör des Gartens.

Aus dem Aushub des Braubachs entstand die Leute Schneckenberg genannte Erhebung. Früher konnte der Blick bis zur Fasanerie und über die große Wiese bis nach Hanau schweifen. Auch die Sichtachse entlang der schnurgeraden Burgallee zum Schloß Philippsruhe war damals noch frei und war ein gewollter Bestandteil des Parks. Mit der Zeit wuchsen die Bäume und nahmen die Sicht.

Ein spiralförmiger, von Heckenwerk eingefaßter, Weg führt zu einer Plattform, auf der sich der Janustempel befand. Janus war der altrömische Gott, der als Beschützer des Ein- und Ausgangs des Hauses und der Stadttore galt. Der ehemals die Hügelspitze bekrönende klassizistische Tempel war nichts anderes als ein verwandelter Nachfolger des Banketthauses auf den Gartenhügeln des englischen Renaissancegartens.

Der Kampfmittelräumdienst setzte um das Jahr 2000 das Georadar ein, um nach möglichen Bombenresten aus dem Zweiten Weltkrieg zu suchen. Vor einigen Jahren war bei Baggerarbeiten eine Bombe im Teich gefunden worden. Diesmal bestand der Fund nur aus vergleichsweise harmlosen Stabbrandbomben. Dank des Georadars stellte sich heraus, daß in der Nähe des Schneckenbergs in dem seit Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Landschaftspark einmal ein Dienerhäuschen stand. Davon zeugen Restfundamente und eiserne Zaunteile. Die Gärtenverwaltung deutete diesen historischen Fund mit einer Hecke an.

 

See

Da der Park in erster Linie für Kranke und Erholungssuchende gedacht war; versuchten die Planer, alles zu bieten, was zur Erbauung der Gäste dienen konnte. Ein See mit seiner belebenden und dennoch entspannenden Wirkung durfte nicht fehlen. Er war zudem ein Muß in jedem Landschaftsgarten.

Wasser bildete ja von jeher einen schier unentbehrlichen, elementaren Bestandteil des Gartens, dessen verschiedenartige optische und akustische Möglichkeiten man auf mannigfaltige Weise zu nutzen wußte. In der sentimentalischen Epoche schätzte man nicht mehr sonderlich die bewegten schäumenden und sprudelnden Wasserspiele der barocken Gärten, sondern bevorzugte die stillen, sanft strömend Gewässer. Und hier zeigen sich wieder die guten Voraussetzungen, die Cancrin auf dem Gelände antraf. Um den See anzulegen, mußte er lediglich den Braubach stauen, der das Gebiet durchfloß und benutzt wurde, ihn in einen kleinen See zu verwandeln. Zu Zeiten des Kurbetriebs bestand die Möglichkeit, sich auf kleinen Booten über das Wasser schippern zu lassen und so die sich immer verändernden Ausblicke auf den Park zu genießen.  Bis 1784 gab es im See nur die Insel mit der Burgruine, dann entstand die Pyramideninsel.

 

Pyramideninsel

Man wünschte im englischen Landschaftspark Stimmung in sentimentalischem Sinne zu erzeugen, eine Stimmung, die sich vornehmlich an Vergangenheit und Vergänglichkeit entzünden sollte und die nicht zuletzt in einer für jene Zeit bezeichnenden Todessehnsucht in Dichtung und Literatur gipfelte. Diesem Verlangen hat man auch in Wilhelmsbad mit einer in einem Nachen zu erreichenden Todesinsel im Kleinen Rech­nung getragen.

Auf der Insel sich erhebt eine Pyramide,  nach dem Vorbild des Cestiusgrabes in Rom (Gaius Cestius wurde um 20 vCh in Rom beigesetzt) von Wilhelm selbst entworfen. Das Vorbild für ein Inselgrab in einem Landschaftsgarten war auch das Grabmal von Jean Jacques Rousseau, der im Park von Ermenonville bei Paris begraben war.

Viele Eltern erzählen ihren Kindern, am Ufer stehend, die traurige Geschichte vom toten Fürstensohn, dessen Herz in einer Urne in der Pyramide liegt. Sie ist übrigens keine Legende. Tatsächlich ließ Erbprinz Wilhelm 1784  die so genannte „Pfaueninsel“ von der Burgruineninsel abtrennen, um ein Grabmal für seinen frühverstorbenen Lieblingssohn Friedrich zu errichten, der am 20. Juli 1784 im Alter von 12 Jahren an einer Kolik verstarb.

Vier Eingänge mit eisernen Gitterstäben führen in das Innere. Über jedem Eingang steht MEMORIAE FRIEDERICI SACRUM (dem Andenken Friedrichs geweiht). Im Innenraum befand ein sockelartiger Ständer aus schwarzem Marmor auf dem eine weiße marmorne Urne mit dem Herzen Friedrichs stand. Auf dem Marmorständer war ANTE DIEM (vor der Zeit) angebracht.

Im Inneren stand ein Sockel auf schwarzem Marmor, darauf eine weiße marmorne Urne mit dem Herz des Jungen. Es war ja uralte Sitte bei den Herrschern der abendländischen Reiche, daß das Herz des Gestorbenen gesondert von dem Leichnam, und zwar meist an anderem Orte, beigesetzt wurde - ein Brauch, der hier in sentimentalischer Weise ausgedeutet wurde. Ein späterer Nachfahre der Pyramide von Wilhelmsbad ist jene im Landschaftspark von Branitz, in der sich der Schöpfer dieses Parks, Fürst Pückler-Muskau, nach seinem Tode hat beisetzen lassen.

Diese Insel ist und war dem Besucher nicht zugänglich. Die Distanz zum Tod sollte dem Jenseits sein Mysterium erhalten. Die ursprüngliche Bepflanzung der Insel waren Pappeln.

 

Hinterer Teil des Kurparks:

Wenn nun der Parkbesucher den Schritt von der Ruine in den hinteren Teil des Gartens lenkt, trifft er auf eine ganz andere Art der Bepflanzung. Mit dichtem Gestrüpp, Büschen und Bäumen ist das Gelände hier als Wildnis gestaltet. Unübersichtlichkeit und Enge stehen dem im Verhältnis weiträumig und hell angelegten vorderen Teil des Parks entgegen. Entsprechend der damaligen Auffassung sollten den Gast hier Schrecken und Schaudern erfassen. Vielleicht mögen Schwanken und Kettenrasseln der dort befindlichen Teufelsbrücke bei den von Bequemlichkeiten verwöhnten, reichen Erholungssuchenden derartige Empfindungen hervorgerufen haben. Den heutigen Zeitgenossen wird sie wohl kaum mehr erschrecken. Cancrins ursprüngliche Idee eines gruseligen Höhlenlabyrinths mit unheimlichen Skulpturen in Ecken und Gängen hat der Kurfürst - wohl aus Sorge um den Seelenzustand seiner Gäste - dann aber lieber doch nicht genehmigt.

 

Burg und Karussell: siehe eigene Dateien

 

Teufelsbrücke,  auch Kettenbrücke genannt:

Sie brachte ein Moment der Bewegung in den Park. Durch diese schwankende, krachende Brücke sollten die Gäste in Angst und Schrecken versetzt werden. Hier trat man dem Teufel entgegen. Man kann auch durch einen engen, dunklen, grottenhaften Tunnel zur Teufelsbrücke gelangen. Auf dem Rückweg gelangt man langsam wieder ins Helle, ins Leben zurück mit seinem Karussell, das der Kurzweil diente.

 

 

 

 

Grotte

Grottenhaft bietet sich auch das sogenannte „Alte Gewölbe“ dar - ein tonnenüberwölbter Raum, der seit jüngster Zeit mit einer Neptunsfigur geschmückt ist, die sich ehemals an einer barocken, später zerstörten Brunnenanlage im oberen Hof des Homburger Schlosses befand.

 

Spiele zur Leibesübung:

Es gab in Wilhelmsbad noch einiges, was heute nicht mehr vorhanden ist. So zum Beispiel verschiedene Vergnügungsspiele wie Schaukeln und Kegeln. Auf der Wiese vor dem Karussell befand sich einstmals ein Heckentheater, über das jedoch nicht viel bekannt ist. Außerdem gab es ein zweites, inzwischen leider verschwundenes, unbedecktes Karussell, das sich in der Nähe des „Alten Gewölbes“ in dem Gelände des heutigen Spielplatzes befunden hat.

In Wilhelmsbad gab es viele Möglichkeiten zur Leibesertüchtigung:

* ein großes Karussell - 12 x umrunden - 12 Kreuzer

* ein kleines unbedecktes Karussell - 02 Kreuzer

* zwei Vertikalschaukeln - 04 Kreuzer

* eine Horizontal- und Muschelschaukel

* eine Balancierschaukel

* Kegel- Schwanen- und Fortunaspiele

* Wasserkegelspiel, bei dem sich die Kegel selbst wieder aufrichten

* Schachspiel

* Persisches Bogen- und Armbrustschießen

* Schießstand zum Vogel- und Scheibenschießen

* Kahnfahrten in bedeckten und unbedeckten Gondeln

Alle Spiele wurden von bezahlten Tagelöhnern bewacht, die vom Hofgärtner und Hofkammerrat angestellt wurden. Alle Spiele waren nur gegen Bezahlung zu benutzen. Erbprinz Wilhelm war damit eine Art Vorläufer der geschäftstüchtigen Disney World Manager.

Auf dem Spielplatz vor dem Grotteneingang ging es vergnüglich zu. Dessen Wiederherstellung bezeichnet Modrow als einen Höhepunkt der Restaurierungsarbeiten. Zwar ist der momentane Zustand eher trostlos, doch originale Skizzen sind noch erhalten und lassen erahnen, wie sich die feinen Herrschaften hier ihre Zeit vertrieben: auf Wippen, einem offenen Karussell, beim Kegeln oder indem sie einem Maulaffen Bälle in den geöffneten Schlund warfen. Nach diesen mehr als 200 Jahre alten Plänen sollen die Spielgeräte nun rekonstruiert und auf dem neu gefaßten Platz aufgestellt werden - allerdings so, daß sie abmontiert und in der Grotte gelagert werden können.

 

Tempel

Im Jahre 1847 wurde in der Nähe des Brunnentempels ein achtseitiger, gußeiserner Tempel errichtet, bei dem über einem Sockel sich acht schlanke kannelierte Säulen erheben, die das achtseitige, mit neugotischem Zierat geschmückte Zeltdach tragen. Stäbe zwischen den Säulen bilden eine Brüstung. Das luftige Bauwerk gehört einem Typus an, dessen Vertreter in der Mehrzahl der Ungunst der Zeit zum Opfer gefallen sind.

 

Restaurierung des Parks:

Im Frühjahr 2002 herrscht ungewöhnliche Betriebsamkeit auf dem knapp 38 Hektar großen Areal. Lastwagen schütten Schotter auf den frisch eingefaßten Wegen ab, Gärtner stechen mit Spaten Pflanzlöcher für neue Stauden aus. Der Schneckenberg, der eine gute Aussicht über den Kurpark bietet, bekommt neue Geländer: Anfang Mai sollen die Arbeiten beendet, im frisch sanierten Fürstenbau eine Dauerausstellung zur Geschichte der Kuranlage zu sehen sein. Daß die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen nun doch noch kräftig in die Anlage investiert, hat auch mit der Landesgartenschau zu tun, die von 18. April bis 6. Oktober möglichst viele Menschen nach Hanau locken soll. Das offizielle Gartenschaugelände liegt zwar ein paar Kilometer entfernt. Doch wer, ergänzend dazu, Rückzug im Grünen sucht, findet in Wilhelmsbad idyllische Ecken. Eintritt frei.

Das Land Hessen investiert 750.000 Mark, um den Kurpark Wilhelmsbad bis zur Landesgartenschau 2002 zu restaurieren. Die Arbeiten umfassen vor allem den so genannten „heiteren“ Teil der Anlage - und finden somit im kommenden Jahr nur einen vorläufigen Abschluß. Grundlage für die Instandsetzung ist ein Parkpflegewerk, das ab nächstem Frühjahr auch gedruckt vorliegen soll.

Der mittlerweile verwilderte Park wird ausgelichtet, um historische Sichtachsen wieder herzustellen, es werden kleine Plätze geschaffen, und die ursprüngliche Bepflanzung der kleinen Hügel mit blütenreichen Sträuchern, Stauden und Blumen soll ebenfalls dazu dienen, den früheren Status quo für die Besucher erlebbar zu machen. Einige Wege werden neu geführt und gefaßt, Trampelpfade verschwinden. Weiße Holzbänke sollen steinernen Sitzplätzen weichen - denn so saß man im Kurpark zu Zeiten des Erbprinzen Wilhelm.

Die Schlösserverwaltung orientiert sich bei der Restaurierung an Skizzen und originalen Plänen sowie an Gemälden und Zeichnungen aus der Blütezeit des Parks Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Unter anderem haben Künstler wie Anton Wilhelm Tischbein oder Gotthelf Wilhelm Weise Wilhelmsbad in stimmungsvollen Bildern verewigt.

Berücksichtigt wird indessen nicht nur der Erstzustand, sondern auch die Gestaltungsgeschichte. So kam beispielsweise der Musikpavillon erst im 19. Jahrhundert dazu. Nach der „Situation von 1856“ soll er mit einem Sitzplatz ausgestattet und mit Blütensträuchern gefaßt werden.

Das Land beschränkt sich bei seinen Arbeiten allerdings fast ausschließlich auf den „heiteren“ Teil des Parks, der „schaurige, melancholische“ wird vorerst ausgespart. Die Gliederung in Gemütszustände  entsprach einer Mode der damaligen Zeit, Landschaftsgärten so zu konzipieren, daß sie die Spaziergänger  in verschiedene Stimmungen versetzen sollten. In Wilhelmsbad entsprachen dem heiteren Bereich die vielfältigen Spiele mit Karussell, Kegeln  und anderen Belustigungen, das nicht mehr erhaltene Heckentheater, der Schneckenberg, die prächtigen Gondeln, die exotischen Pflanzen auf den sanft modellierten Hügeln oder einfach nur die sonnigen Lichtungen.

Eine weitere Attraktion in Wilhelmsbad ist der Schneckenberg, von denen weltweit nur noch wenige erhalten sind. Er bekommt ein neues Geländer nach einer Ansicht von Tischbein und wird nach historischen Berichten mit Flieder und alten Rosensorten bepflanzt. Der Garten des ehemaligen Dienerhäuschens wird mit einer Hainbuchen-Hecke angedeutet.

Quer durch den Park flanieren können die Besucher auch künftig über die Burgallee - das Erlebnis wird allerdings ein wenig verändert sein: Denn der zur Zeit noch breite Weg wird schmaler, der Asphaltbelag wird entfernt und durch eine wassergebundene Decke ersetzt.

Der Schneckenberg bekommt ein neues Geländer nach einer Ansicht von Tischbein.

 

Die Landschaftsbauer des Dreieichener Unternehmens Fichter bauen darüber hinaus bis Anfang Mai noch weitere historisch nachgewiesene Wege neu oder arbeiten sie auf, insgesamt geht es um 2600 Quadratmeter Lauffläche. Sie haben Basaltkantensteine gesetzt und teils Eisenkanten wie vor hundert Jahren, die heutzutage auch helfen sollen, den Mountainbikern Einhalt zu gebieten. Zum Parkpflegewerk gehört, daß rund 1,4 Hektar Rasenflache überarbeitet sowie1300 Sträucher, 15.000 Stauden und 20.000 Blumenzwiebeln gepflanzt wurden. Riedgräser und Stauden finden sich insbesondere in Uferzonen, um diese zu verschönern und vor Publikum zu schützen.

Für den ersten Bauabschnitt des Parkpflegewerks gibt das Land rund 250.000 Euro aus. Darin enthalten sind allein 100.000 Euro für den Brunnentempel und den Musikpavillon, die beide restauriert wurden. Im Jahr 2000 war bereits die Lindenallee entlang der Kesselstädter Straße

aufwendig erneuert worden. Das Picknick auf dem Rasen und auf den neu herausgebildeten, mit Sandstein-Sitzplätzen versehenen Hügeln mit schönen Blickachsen selbstverständlich erlaubt, das Mountainbiken dagegen nicht.

Nach der Hanauer Landesgartenschau wird sich die Gärtenverwaltung insbesondere des Waldes annehmen. In dem sind wegen des hohen Grundwasserstandes Bäume haltlos geworden und umgefallen. Daher zu vergilt es, das Entwässerungssystem zu verbessern. Weitere Wege und Plätze sollen in diesem Parkteil ausgebildet werden.

Und wenn das Land mal wieder genug Geld haben sollte, dann ließen  sich auch die zwei historisch nachgewiesenen Bogenbrücken zu den Teichinseln wiederherstellen. Wer im Park genauer hinsieht, sieht vor der Ruine Geländenassen auf beiden Uferseiten, wo ehedem der Auflauf zu den Brücken war.

 

 

Zum Abschluß der Renovierungsarbeiten im Wilhelmsbader Park lud der Gartendirektor des Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten, Bernd Modrow, zu einem Rundgang ein. Unter dem Titel „Gartendenkmalpflege, was ist das?“ stellte der Experte im Mai 2002 die in den vergangenen Monaten geleisteten Arbeiten vor. „Gleichzeitig soll der Blick des Parkbesuchers für den sensiblen Umgang mit einem so hochkarätigen Gartenkunstwerk geschärft werden“, sagte Museumspädagogin Heidrun Merk, die im Auftrag des Landes Führungen verschiedenster Art durch den Park veranstaltet.

Grundlage für die Wiederherstellung von zugewachsenen Sichten, Wegen und Plätzen, der Neubepflanzung von Hügeln und Uferbereichen ist das „Parkpflegewerk Wilhelmsbad“, das am gleichen Tag von Staatssekretär Frank Portz zusammen mit dem Direktor der Schlösser und Gärten, Kai Mathieu, vorgestellt wurde. Das aufwendige und reich bebilderte Buch informiert über die Parklandschaft, rekonstruiert ihre Entstehung beziehungsweise Entwicklung und erläutert, was im Umgang mit der Anlage erlaubt ist und was nicht.

Anders als ein Schloß, ein Gemälde oder eine Skulptur sei ein Garten niemals wirklich vollendet oder abgeschlossen: „Wenn man diesen Park für zukünftige Generationen erhalten will, muß man einen behutsamen Umgang mit ihm sicherstellen“, so Portz. Deshalb sei das Parkpflegewerk« mit seinen Regieanweisungen für den täglichen Umgang mit dem Staatspark unverzichtbar.

Gartendirektor Bernd Modrow nannte drei Voraussetzungen dafür: „Man muß wissen, was das Ganze ist, etwas mit Kunstwert. Zweitens müssen wir die Menschen betrachten, die den Park erhalten und pflegen. Das geht nur mit Leuten, die kontinuierlich über lange Zeit mit Engagement dabei sind.“

Die dritte Voraussetzung sei, Firmen zu finden, die überhaupt in der Lage sind für solche Arbeiten: Wer zum Beispiel fragt, wo er mit seinem Dreiachser durchfahren darf, der ist schon draußen.“ Beim Rundgang äußert Bernd Modrow die Hoffnung, daß die Leute auch ein Gespür bekommen für diese „Fassungen des Geländes“.

Als besondere Attraktion ist unterhalb des Historischen Pferdekarussells der Spielplatz rekonstruiert worden, der Allerdings nicht für Kinder, sondern für Erwachsene gedacht war Die Pläne für die Anlage und die Geräte fand Bettina Clausmeyer-Ewers in den preußischen Staatsarchiven in Potsdam. Modrow bat um Verständnis dafür, daß die Spielgeräte wieder demontiert und verwahrt wurden. Sie dürfen nur unter Aufsicht benutzt werden - beispielsweise am Pfingstsonntag, 19. Mai, von 10 bis 18 Uhr.

 

Kurpark macht sich fit für den Frühling                                                            24.03.10

Neue Sichtachsen, neue Bäume und neue Wege: Arbeiten

Die Entschlammung des Teichs im Kurpark Wilhelmsbad und die landschaftsgärtnerischen Maßnahmen im Teichumfeld und auf der Burginsel stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Wie die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen mitteilte, sollen die Arbeiten, die insgesamt rund 400.000 Euro gekostet haben, Ende der Woche fertiggestellt sein.

Im Teich wurden 6.000 Tonnen Schlamm entfernt, der auf eine Deponie gebracht wurde. Teichentschlammungen sind alle 25 Jahre notwendig, die letzte wurde in Hanau 1983 durchgeführt. Der Wasserstand betrug zuletzt stellenweise nur noch zehn Zentimeter. Auch das baulich verfallene Wehr am Zulauf des Teiches ist neu errichtet worden.

Auf der Insel wurden nach dem Vorbild historischer Pläne Wege neu angelegt. Die ehemals vorhandene Trennung der Burginsel mit einem Maschendrahtzaun konnte entfernt werden, so daß die Burginsel jetzt wieder als Einheit begehbar ist. Der Rundweg rund um die Burg wurde neu angelegt. Hergestellt wurden auch bereits die Wegeanschlüsse für die ehemals zur Burginsel führende weiße Bogenbrücke. Die Bogenbrücke ist im Maßnahmenpaket noch nicht enthalten, die Finanzierung der rund 50.000 Euro teuren Maßnahme ist noch ungewiß. Der Standort wird aber neben den Wegen auch schon durch die Pflanzung zweier flankierender Pappeln im Gelände angedeutet.

Kranke, überalterte und nicht in den historischen Garten passende Gehölze wurden in den vergangenen Tagen gefällt, historische Sichtachsen sind nun wieder freigestellt. Als Ersatz werden in diesen Tagen zahlreiche Gehölze und Stauden neu gepflanzt, darunter 800 Efeupflanzen als Bodendecker. An den Böschungen und auf der Burginsel werden insgesamt 700 Quadratmeter Rollrasen verlegt. An der Wilhelmsbader Allee wurden zudem drei neue Linden gepflanzt, die die Allee ergänzen. In den Böschungsbereichen des Teichs werden Seggen gepflanzt, die von den Gärtnern der Außenstelle Wilhelmsbad und Gärtnern des Schloßparks Kassel-Wilhelmshöhe am Lac in Wilhelmshöhe ausgegraben wurden. Der Austausch der Pflanzen kommt beiden historischen Gärten zugute: In Kassel wird der zugewachsene Lac geöffnet, in Wilhelmsbad kann kostengünstig bereits gut durchwurzeltes und großes Pflanzmaterial eingebracht werden. Der an den Böschungen eingebrachte Kaninchengitterzaun zum Schutz der Pflanzen vor Fraßschäden durch Enten wird nach zwei bis drei Jahren entfernt. Auf der Pyramideninsel wurde die fehlende Pappel mit einem Großbaum von acht Metern Höhe ersetzt. Am Standort stand vor vielen Jahren eine Trauerweide. Die historischen Ansichten von Tischbein geben aber eine Pflanzung mit acht Pappeln als Rahmung der Pyramide vor. Auf der Insel werden deshalb Blühsträucher in historischen Arten gepflanzt.

Begonnen wurde auch schon mit der Entsiegelung der Burgallee im Bereich Promenade bis Brücke am Wehr. Der Weg wird in verringerter Breite (vier Meter) nach historischem Vorbild mit wassergebundener Decke als Parkweg wiederhergestellt. „Die Maßnahmen sind ein weiterer Meilenstein“, so die Schlösserverwaltung. Die erfolgten Arbeiten im Park sollen am 30. Mai mit einem Burginselfest mit Führungen in und um die Burg für Erwachsene und Kinder gefeiert werden.

 

Picknick-Pilger bevölkern in Scharen den Kurpark                                        24.07.2012

Tausende Besucher feiern bei Wilhelmsbader Sommernacht

Eine Wolldecke gehört zur Minimalausstattung, Kenner haben ihren halben Hausstand dabei - inklusive Kristallgläser und Kronleuchter. Am Samstagabend lockte die Wilhelmsbader Sommernacht erneut tausende Musikfreunde in den Kurpark. Dabei verwandeln sich die Wiesen stets in eine große Zelt- und Deckenlandschaft. Der riesige Ansturm der vergangenen Jahre auf das Konzert der Neuen Philharmonie Frankfurt blieb jedoch aus. Das unstete Wetter, das am Morgen noch für ordentlich Regen gesorgt hatte, verunsicherte selbst Liebhaber des musikalischen Großereignisses.

„Der Boden ist doch total aufgeweicht und voller Pfützen“, befürchtete eine Bekannte, die sonst zu den regelmäßigen Besuchern der Wilhelmsbader Sommernacht gehört, und blieb lieber daheim. Viele Gäste schienen sich erst spontan entschieden zu haben, das Risiko

auf sich zu nehmen, als am späten Nachmittag doch noch die Sonne durch die Wolken blitzte. Für ihren Mut wurden sie belohnt, den Rest des Abends blieb es zwar relativ frisch, doch trocken. „Diesmal nur ein wenig Knabberzeug mitgenommen“, berichtete Gabriele Hartmann. Der verregnete Vormittag hatte auch sie zögern lassen.

Schließlich siegte der Optimismus. „Aber immerhin müssen wir nicht auf dem Boden sitzen, Klappstühle haben wir dabei.“ Denn üblicherweise bereiten sich die Besucher des über die Grenzen Hanaus hinaus bekannten Musik-Events minutiös auf diesen Juli-Abend vor. Viele haben Stühle oder Sitzbänke dabei, doch den wirklichen Picknick-Pilgern sind, was die Ausrüstung betrifft, kaum Grenzen gesetzt. Im vorderen Bereich des Parks wächst stets eine ganze Zeltstadt aus dem Boden. An Komfort darf es hier nicht fehlen. Weiße Tischdecken, Kerzenständer, gutes Porzellan und Silberbesteck veredeln die Tische unter den Luxuspavillons. Mit Sackkarren und Bollerwagen schleppten die Komfort-Camper ihre Habseligkeiten herbei. Natürlich bereits Stunden vor Beginn des Konzerts. Schließlich waren die besten Plätze mit Blick auf die Bühne oder die Leinwand begehrt.

Erstaunlich, was aus den mitgebrachten Tupperdosen an Köstlichkeiten hervorgezaubert wird. Ganze Menüs mit mehreren Hauptgängen und Dessert in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Ganze Kuchentheken wurden aufgebaut. Während die einen mit Sekt anstießen, hatten die anderen auch mit einer Flasche Bier und Käsehäppchen auf der Picknickdecke ihren Spaß. Wer nicht schon in der Gruppe angereist war, traf sicherlich Bekannte - schließlich war hier halb Hanau auf den Beinen. Oder man lernte neue nette Menschen kennen. Während in den Stuhlreihen vor der Bühne, die traditionell von Musikkennern und Ehrengästen belegt werden, während des Konzerts gespannte Stille herrschte, ging die Plauderei auf den Decken und unter den Zeltdächern munter weiter - Richard Strauss hin oder her.

Die ungezwungene Konzertatmosphäre freute vor allem die Kinder. Während die Erwachsenen der Musik lauschten oder sich mit Bekannten unterhielten, durften sie ungehindert über die Wiesen und den Spielplatz toben. Ein „Pscht, ihr seid zu laut“ bekamen sie an diesem Abend nicht zu hören. Dies ist sicher einer der großen Pluspunkte der Veranstaltung und macht sie gleichermaßen beliebt bei jungen Familien wie reinen Musikkonsumenten. Das friedliche Nebeneinander von Pappbecher und Sektflöte trägt gewiß zum Erfolg der Wilhelmsbader Sommernacht bei.

 

 

Burg

Die zwischen 1779 und 1781 errichtete Burgruine, in unmittelbarer Nachbarschaft des Kurbades und doch abgesondert etwas abgeschieden auf einer künstlichen Insel hinter knorrigen Eichen gelegen, ist auf dem europäischen Kontinent das früheste und damit außerordentlich bedeutsame Beispiel einer pseudomittelalterlichen Parkburg mit Ruinencharakter. Das mittelalterlichem Vorbild nachempfundene Bruchsteingemäuer gilt als eines der ältesten Exemplare seiner Art auf dem Kontinent. In der vagen Andeutung von gotischen Bauformen und Renaissancebauformen gibt die Burg einen allgemeinen Eindruck vom Mittelalter wieder. Das Mittelalter war die Epoche uneingeschränkter Machtfülle der feudalen Oberschicht. Eine Ruine gehörte deshalb in einen englischen Landschaftsgarten hinein. Die Burgruine war von Anfang an als solche konzipiert.

Die Anregung zur Burg  erhielt der Bauherr oder dessen Architekt Franz Ludwig von Cancrin möglicherweise von dem im Jahr 1747 in London erschienenen Stich von J. B. Langley, der auch die künstliche, 1772 erstellte Burg von Shrubbs Hill enthielt. Vielleicht gab aber auch die Mutter Wilhelms, Maria von England ( gestorben 1772) die Anregung zur Burgruine und zu dem in Deutschland außergewöhnlich frühen englischen Landschaftspark.

Der Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel ließ das Gebäude in den Jahren 1779 bis 1781 als Lustschlößchen im Stil einer mittelalterlichen Burgruine errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte im September 1779.

Die Ruine hatte der Erbprinz keineswegs als reines Symbol geplant. Knapp zwei Wochen nach Eröffnung des Comoedienhauses, am 21. Juli 1781, verbrachte er die erste Nacht in dem 19 Meter hohen Turm, den er sogar dem städtischen Schloß Philippsruhe vorzog. Abseits der Regierungsgeschäften und dem Trubel des Kurbetriebs, lebte er inmitten der Natur. Es war die Zeit der Romantik, der Empfindsamkeit. Nachdem er 1785 nach Kassel. umsiedelte, verwaiste das Gebäude.

Der äußerlich unscheinbare Bau wirkt von außen rustikal, düster, ungemütlich. Er zielt aber auf Überraschung des Besuchers ab: Im Innern beherbergte er nämlich eine höchst elegante, prachtvolle Inneneinrichtung im englischen Stil und einen prachtvollen Kuppelsaal. Stuck und Gold beherrschten die Szenerie und versetzten den Besucher in helles Erstaunen. Das Innere strahlt Behaglichkeit, Luxus und Wärme aus. Der Kontrast zwischen herbem Äußeren und wertvollem Inneren war gewollt. Wer die Wasserburg betrat, sollte überrascht werden von kunstvollen Holztäfelungen, Schnitz- und Stuckwerk, Malereien von dem vom Straßburger Bürger Ferrier angefertigten Mobiliar. Ein Reisender beschrieb 1785, er habe sich „mit süssem Entzücken“ in einem „bezauberten Feenschloß“ gewähnt. Die Burg wurde im späten 19. Jahrhundert ihrer gesamten Ausstattung beraubt. Heute empfangen den Besucher wieder die nach historischen Inventaren eingerichteten Räume.

Der Grundriß zeigt einen achteckigen Innenraum mit vier nach außen abgehenden Nebenräumen in Form von Ecktürmen. Das Erdgeschoß enthält ein elegantes Wohnappartement: Ein Vorzimmer, eine Garderobe, ein Großes Cabinet  mit der einen Wandschrank vortäuschenden Geheimtür und ein Schlafzimmer. Gemälde, Vasen, kostbare Seidentapeten und die Louis-seize-Möbel veranschaulichen die historische Nutzung der Zimmerfolge. Je weiter man vordringt, desto stärker nähert man sich dem Allerheiligsten. Die Pracht nimmt zu. Zugang hatten nur des Grafen engste Vertraute.

Man betritt den Turm durch einen der Türme und kommt zunächst in ein kleines Vorzimmer, in dem auch unter einem Fenster der Nachtstuhl steht. Der erste richtige Raum ist das Empfangszimmer, in dem sich über den Türen Bilder mit italienischen Motiven finden. Außerdem sind dort die Porträts der Brüder des Erbprinzen, Friedrich und Karl. Es wird auch als Spielzimmer bezeichnet, in dem der Erbprinz Karten zockte und über dem Schachbrett grübelte.

Das „Grand Kabinet“, in blau-beige gehalten, schließt sich an. Es war das Wohn- und Speisezimmer. Die Bilder an den Wänden zeigen in freier Darstellung die Hanauer Schlösser Philippsruhe, Steinau und Babenhausen. Hinter einer Schrankwand befindet sich ein Dienerzimmer, das aber auch einen Zugang von draußen hatte (wie man an der Außenseite der Burg sehen kann).

Das Wohnzimmer bietet nicht nur einen eleganten Parkettboden mit dunklen Rauten und hellen Karos, sondern auch Mobiliar vom Feinsten: Elegante Stühle, kostbare Gemälde und seidene Tapete, die in Rahmen gespannt ist. Das Lieblingsstück der weiblichen Gäste sei aber der Spiegel, meint die Führerin schmunzelnd. „Sie gucken hier so gerne rein, weil er bronze getönt ist und einfach schöner macht.“

Der nächste Raum ist das Schlafzimmer. Eine reich verzierte gewölbte Stuckdecke zieht die Blicke an. Die Bilder zeigen Motive aus Wilhelmsbad: die Kurpromenade, den Blick über die Pyramideninsel zur Burg und die Burg mit Blick zum Karussell (der Wachtposten steht in einem ausgehöhlten Baum). Die Bilder wurden gemalt von Anton Wilhelm Tischbein, damals Hofmaler des Erbprinzen und befanden sich im Schloß Babenhausen.

Das Bett ist ziemlich kurz, weil in jener Zeit die Menschen mehr im Bett saßen (Liegen galt als Zeichen des Todes). Hier lebte der Erbprinz mit seiner Mätresse Rosette Ritter, mit der er sieben Kinder hatte (das achte erkannte er nicht an). An den Raum schließt sich das „Petit Kabinett“ mit der wunderbaren Decke an, in dem der Erbprinz mit seiner Geliebten Schokolade trank. In dem Durchgangszimmer steht eine Kommode, die ein Dienerbett enthält. Der Fußboden ist in jedem Zimmer anders gemustert.

Drei der Ecktürme enden als Dachterrassen für das nächste Geschoß. Der vierte Turm mit einer Wendeltreppe im Innern erschließt das nächste Stockwerk. Darüber ist noch ein Zwischengeschoß, das sogenannte „Verließ“ und dann die Dachterrasse.

Im Obergeschoß nimmt ein außergewöhnlicher runder Festsaal die gesamte Etage ein. Der Saal mit einer frühklassizistischen Holzverkleidung hat eine stuckierte Kuppel. Ihn schmücken 16 korinthische Pfeiler, eine klassizistische Kuppel mit scheinarchitektonischen Kassetten und Stuckornamenten. Eine kunstvoll verzierte Decke und elegante Kronleuchter lassen vergessen, daß man sich in einer verfallenen Ruine befindet.

Der in lindgrün und beige gehaltene runde Saal mit den aufwendigen Stuckarbeiten ist der absolute Höhepunkt in dem Turm. Die zwischen den Fenstern mit Originalbeschlägen plazierten 16 Säulen aus Eichenholz müssen kein Gewicht tragen. Sie besitzen nur einen dekorativen Charakter. Auf dem Holzboden in der Mitte des Saals breitet sich ein zwölfzackiger Stern aus. Eine große Messinglaterne in der Gewölbemitte und 16 Wandleuchter erleuchten den Raum.

Zur Ausstattung des Kuppelsaals gehört eine Ahnengalerie, guirlandengerahmte Medaillons mit Brustbildern der Fürsten aus dem Hause Hessen-Kassel von dem Hanauer Hofmaler Anton Wilhelm Tischbein in Grisaille gemalt. Diese Portraits waren, wie die Burgruine selbst, eine Beschwörung der Vergangenheit, romantische Erinnerung an Leben und Taten der hessischen Ahnen des Prinzen. Zu sehen sind die Brustbilder der Fürsten des Hauses Hessen-Kassel seit Philipp dem Großmütigen zu sehen.

An den Wänden befinden sich die Bilder der Familie des Kurfürsten: Der Großvater der ihn zum Erben einsetzte, die Mutter Marie, eine Prinzessin von England, der Vater, der enterbt wurde, weil er zum Katholizismus übertrat, die zweite Frau des Vaters, der Erbprinz selber, seine Frau, eine Prinzessin von Dänemark (er war dort erzogen worden) und schließlich die Brüder des Erbprinzen.

Den Spiegel über dem Kamin hat Wilhelm in Paris hatte herstellen lassen. An der Wand stehen zwei Spieltische, die man auseinanderfalten konnte. In dem Raum steht auch eine Staffelei mit einem Bild des Malers Reinhold Ewald, der hier sein Atelier hatte.

Eine Tür auf die Dachterrasse läßt sich öffnen und ermöglicht einen Blick in Richtung Schloß Philippsruhe. Sogar eines dieser progressiven Plumpsklos hatte Architekt Cancrin nicht vergessen. Dieses ebenfalls restaurierte stille Örtchen befindet sich neben dem prächtigen Kuppelsaal im Obergeschoß. Um des nachts sein Geschäft zu erledigen, mußte der Landesfürst allerdings nicht den steilen Wendelgang mit den aufgemalten Rundbögen und Bruchsteinmotiv heraufklettern. Die Herrschaften benutzten einen Nachtstuhl. Der befand sich im Kabinett, direkt neben dem Schlafzimmer.

Nebenbei bemerkt ist die Wilhelmsbader „Burg“ gleichsam ein Vorentwurf, eine Skizze. für die später im Park von Wilhelmshöhe bei Kassel - im Auftrag, des nunmehr zum Landgrafen aufgestiegenen Erbprinzen - von Heinrich Christoph Jussow erbaute Löwenburg, die nicht nur im Außenbau, sondern auch in der Innenausstattung an die Welt des Mittelalters anzuknüpfen versucht, wie man sie sich damals vorstellte.

 

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte mit dem Maler Reinhold Ewald vorübergehend wieder Leben ein. Er war von den Nazis wegen seiner „entarteten Kunst“ verfemt und erhielt deshalb von den Amerikaner die Erlaubnis, die Burg nutzen zu dürfen. Vor allem Frauen sind es, die sich bei den Führungen im Turm regelmäßig nach Reinhold Ewald erkundigen, erzählt Friedel Brunckhorst von der Museumsabteilung der Hessischen Schlösserverwaltung. Eine Besucherin hatte dem Künstler gar selbst in seinem Atelier im ersten Stock des Märchenturmes Modell gesessen. Viele Damen sind im Laufe der Zeit die steinerne Wendeltreppe hinauf gegangen, um sich von Ewald malen zu lassen.

Sein eigenwilliges Verhältnis zum weiblichen Geschlecht sorgt noch heute für Gesprächsstoff. Obwohl verheiratet (insgesamt dreimal), zog der Künstler die räumliche Trennung vor. Während er im verwunschenen, von Efeu umrankten Turm residierte, lebte die Gattin in der Hochstädter Landstraße. Selbst als Ewald sein geliebtes Domizil verließ, zog er nicht zu ihr, sondern suchte sich eine eigene Wohnung.

Von 1945 bis 1970 hat Reinhold Ewald in dem romantischen Turm gelebt. Die Wohnung des Künstlers war im Erdgeschoß, sein Atelier im ersten Stock, dem ehemaligen Festsaal des Burg. Feudal hat Ewald hier nicht gelebt, im Gegenteil. Und er selbst hat überdies nicht unbedingt zum guten Zustand der Zimmer beigetragen.. Ein kleiner Brandfleck im Boden zeugt noch heute davon.

Seit der aufwendigen Renovierung der Räume sind fast alle Spuren des Malers getilgt. Ob das Stilleben aus dem Bestand des Hanauer Museums, das auf einer Staffelei an exponierter Stelle im früheren Atelier steht, auch dort von Ewald gemalt wurde, vermag man nicht Gewißheit zu beantworten. Auf jeden Fall ist das Bild aber einer Schaffensperiode zuzuordnen, die mit der Zeit im Turm übereinstimmt: Zwischen 1945 und 1950 muß das „Stilleben mit Iris“ entstanden sein. Damit steht das Bild am Anfang der „Wilhelmsbader Phase“, in der sich Reinhold Ewald entfernte vom kubistisch und expressionistisch beeinflußten Stil, der sein Werk zwischen 1910 und 1930 geprägt hatte, und einen leichteren, lockeren Pinselstrich entwickelte. Das „Stilleben mit Iris“ wird von Pastellfarben dominiert. Um die Vase mit Ewald Lieblingsblumen und das lässig drapierte weiße Tuch im Mittelpunkt gruppieren sich eine Weinflasche und Zitronen, die wie verstreut auf dem Tisch liegen.

 

Es hat jedoch auch Zeiten gegeben, in denen die Ruine wortwörtlich ruiniert war - auch von innen: Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie ihrer gesamten Ausstattung beraubt, Mitte des letzten Jahrhunderts kroch in ihr der Schwamm hoch. Erst in den 80er Jahren wurde sie renoviert. Man hat einen Keller gegraben, die Ruine luftdicht geschlossen und drei Jahre lang begast.

Nachdem Ewald ausgezogen war, blieben die Türen verschlossen. Weil Fremde eindringen wollten, mußte der Turm mit einer Alarmanlage und einem Zaun gesichert werden (aber auch andere Einrichtungen in Wilhelmsbad sind wiederholt schon Opfer von Vandalen geworden).

Die Hessische Schlösserverwaltung hat im Zuge der 17 Jahre dauernden Arbeiten die ursprüngliche Ausstattung des romantischen Lustschlößchens von Erbprinz Wilhelms rekonstruiert. Die Recherchen für das Nachempfinden des Originalzustands vor 220 Jahren waren akribisch und die Baustelle auf einer Insel mit nur schmalem Brückenzugang war schwierig.

Die Burgsanierung kostete das Land über fünf Millionen Mark. Man sieht oft nicht, was darin an Finanzmitteln steckt. Wer auf der künstlichen Insel durch die bleiverglasten Fenster sieht, kann es zumindest erahnen.

Die einmalige Burganlage blieb ohne wesentliche Verluste und fast unberührt erhalten. Alle Fußböden, Zwischenwände, Stuckdecken und hölzernen Wandverkleidungen mußten vorübergehend herausgenommen und gegen Hausschwamm behandelt werden. Im runden Saal mit dem Kuppeldach glänzen die edlen Holzdielen wieder. Ob die kunstvollen Holzböden oder die schnörkelreichen Wandkassetten: Alles erstrahlt in neuem Glanz. Der einst von in Mainz ansässigen Italienern angebrachte Stuck wurde saniert, zum Teil wiederhergestellt. Gleiches gilt für die Baldachine. Selbst die Kamine stammen aus der damaligen Zeit.

Die ursprüngliche Ausstattung unter Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel wurde nach Inventarlisten und Archivalien rekonstruiert. In den Werkstätten der hessischen Schlösserverwaltung im Schloß Fasanerie bei Fulda wurden die Originalmöbel nachgebaut. Aus dem Schloß Fasanerie bei Fulda stammen die ursprünglichen Stühle für den Festsaal. Auch das Bett wurde dem Bett im Schloß Fasanerie bei Fulda nachgestaltet. Um die kostbaren Seidentapeten der Wandbespannung rekonstruieren zu können, mußten sie anhand von Original-Stoffresten mit einem aufwendigen Verfahren in den USA nachgewebt werden. Allein die Nägel, die den Stoff an den Stühlen befestigen, kosteten 10.000 Mark.

 

Seit 1999 können Besucher das im Louis-Seize-Stil eingerichtete einstige Liebesnest und Refugium des Erbprinzen besichtigen. Als Museum soll „einer der frühesten Bauten dieser Art auf dem Kontinent“ von Wilhelmbads Blütezeit künden. Gleichzeitig veranlaßte man auch Erhaltungsarbeiten in der Ruine nebenan, wo sich die Küche der Residenz des Fürsten befand. Damit ist die Burg wieder zu dem Kleinod geworden, das der Landgraf damals schätzte.

 

Die Hessische Schlösserverwaltung bietet jedes Wochenende Führungen durch die Ruine an: Samstag jeweils um 14, 15 und 16 Uhr sowie sonntags um 11, 12, 14, 15 und 16 Uhr. Termine außerhalb dieser Zeiten können unter der Telefonnummer 06181 / 83376 oder unter 069 / 595818 vereinbart werden. Es finden nur geführte 15köpfige Besuchergruppen samstags ab 14 Uhr und sonntags ab 11 Uhr Einlaß in die Burg. Anmeldungen sind nicht mehr erforderlich, es sei denn es handelt sich um Besuche in der Woche. In solchen Fällen ist die Telefonnummer 06181/ 83376 zu wählen.

 

 

Juwel erstrahlt in neuem Glanz                                                                         04.06.10

Wilhelmsbader Burginsel saniert und neu bepflanzt - Rund 500.000 Euro investiert

Die Burginsel im Kurpark Wilhelmsbad erstrahlt in neuem Glanz. Am Sonntag wurde die für rund eine halbe Million Euro renovierte Sehenswürdigkeit, in der sich ein Museum befindet, wiedereröffnet. Neu sind ein kompletter Rundgang um das Museumsgebäude sowie eine Bepflanzung, die sich an das Vorbild der historischen Landschaftsgestaltung anlehnt.

Die Gewässer rund um die Insel wurden entschlammt. Mit Kosten von rund einer halben Million Euro war die Neugestaltung jedoch alles andere als kostengünstig. Die sichtbaren baulichen Maßnahmen verleihen der Burginsel nun einen deutlich gepflegteren Eindruck. „Die Flächen wurde mit Rollrasen bepflanzt, vor dem Museum wurde Pflasterstein gelegt“, erklärte Michael Handke und räumte ein, historisch nicht ganz genau nach dem Vorbild des Erschaffers Christian Hirschfeld gearbeitet zu haben. „Es ist ein Tribut an das Museum, denn die originalen Kieswege verschlammen bei Regenwetter schnell. So tragen die Besucher nicht zu viel Matsch ins Innere der Burg“, sagte der kommissarische Leiter des Fachgebietes Garten bei der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten des Landes Hessen. Dabei hatte sich die Behörde vorgenommen, nach der Architektur des Gartentheoretikers Hirschfeld, der den Park Ende des 18. Jahrhunderts konzipiert hatte, zu renovieren. Überliefert sind die Vorstellungen Hirschfelds unter anderem auf den Gemälden und Skizzen des Hanauer Hofmalers Anton Wilhelm Tischbein.

Besonders besucherfreundlich ist die Tatsache. daß nun ein kompletter Rundgang um das alte Gemäuer zum Erkunden des märchenhaften Bauwerkes einlädt. Bestehende Elemente, wie die im Boden eingelassenen Flutlichtstrahler, wurden in das neue Konzept eingearbeitet. Die historisch korrekte Umsetzung setzt sich bei der Blumenauswahl fort. Rund um die Burginsel schießen nun Blütengehölze aus dem Boden - und zwar genau die Pflanzen, die schon Wilhelmsbads Urvater Hirschfeld ausgewählt hatte. Künftig blühen hier weißer Jasmin, wildwachsende Brombeeren und eine alte Holundersorte.

Mit der Staphylea wurde zudem eine Pflanze eingesetzt, die eine besonders lange Garten­­bautradition besitzt. Die Bäume auf der Insel wurden bewußt einzeln angelegt, um nicht den Eindruck von Wildwuchs zu erwecken. „Es war meine persönliche Intention, diesen Teil von Wilhelmsbad nach dem Vorbild seines Erschaffers zu gestalten. Die Burginsel ist schließlich das Juwel dieses Parks“, so Michael Handke.

Noch umfassender gestalteten sich die baulichen Maßnahmen. So wurden die Gewässer rund um die Burginsel nach 25 Jahren komplett entschlammt. „Die Enten und Schwäne schwammen ja schon fast auf dem Trockenen“, berichtete Handke. Fast sechs Tonnen entfernten die Arbeiter. Anschließend wurde der Schlamm auf Schadstoffe untersucht und mit negativem Befund für die landwirtschaftliche Nutzung als Düngemittel freigegeben. Im Zuge der Reinigung wurden außerdem zahlreiche Brandschutzmaßnahmen getroffen, die als Konsequenz aus dem Brand in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek deutschlandweit für historische Gebäude umgesetzt werden.

Auch die Uferränder, deren Jungpflanzen momentan noch mit einem Gitter vor den Wassertieren geschützt werden, wurden instand gesetzt. Hier sollen sich bald Amphibien, zum Beispiel Molche oder Frösche, einnisten. „Damit sind wir dem Naturschutz entgegengekommen“, betonte der kommissarische Fachbereichsleiter der Bad Homburger Behörde.

Um den neuen Glanz zu schützen, wird die Insel künftig mit Einbruch der Dämmerung geschlossen. „Eine Maßnahme gegen Vandalen“, begründete Handke. Ginge es nach ihm, stünden weitere bauliche Maßnahmen an. Doch schon die bisherigen Maßnahmen verschlangen rund eine halbe Million Euro, einen Großteil dieser Summe verursachte die Entschlammung. In den Überlieferungen werden zwei prachtvolle Bogenbrücken gezeigt, die über den Wassergraben führen. Die Baukosten für eine Kopie wird jedoch mit 50.000 Euro taxiert, die momentan nicht zur Verfügung stehen.

 

Karussell

An den idyllischen Park als Spiel- und Vergnügungsort für die Kurgäste erinnert das große Karussell, ein Meisterwerk damaliger Ingenieur­baukunst. Es ist das schönste Ausstattungsstück der Wilhelmsbader Anlage und das einzige seiner Art. Es ist das einzige zur Kurzweil errichtete Gebäude, das noch vorhanden ist und das wohl älteste derartige Karussell der Welt. Hier, auf einem der künstlichen Hügel im stillen Park von Wilhelmsbad in Hanau, ist die Zeit stehengeblieben - mitsamt dem Karussell aus dem Jahr 1781, in Deutschland wohl das älteste seiner Art. Das Wilhelmsbader Karussell ist nicht nur das wahrscheinlich älteste erhaltene Karussell der Welt, es wurde zur Zeit seiner Erbauung1780 auch mit technischen Finessen ausgestattet, die zuvor nicht gewagt worden waren.

Um Einsamkeit und Stille zu betonen, bediente man sich an gewissen Stellen des Kontrastes, um diesen zugleich dem Vergnügen der Kurgäste dienstbar machen. Deshalb benutzte man als das Gegenstück zum „griechischen“ Janustempels den „römischen“ Rundtempel mit zwei Säulenreihen ein, um dort ein mit schmucken Pferden und Wagen besetztes Karussell zu schaffen. Es ist eines der heitersten Elemente des Landschaftsgartens. Und das Wilhelmsbader Modell ist wirklich eine erwähnenswerte Besonderheit. Rundtempel mit Säulen waren seinerzeit zwar eine beliebte und häufig anzutreffende Zierde der Gärten. Aber daß darunter ein Karussell angebracht ist, stellt eine interessante Variante dar, die in ihrer Art wohl einmalig ist.

 

Bau des Karussells:

Um Ende des 18. Jahrhunderts mehr Besucher in die Kur- und Badeanlage von Wilhelmsbad zu locken, ließ sich Landgraf Wilhelm damals vom Architekten und Ingenieur Franz Ludwig Cancrin das Pferdekarussell errichten. Es wurde von Ende 1779 bis Oktober 1780 errichtet. In seiner Entstehungszeit war das Karussell ein technisches Wunderwerk

Der offene Pavillon ist einem römischen Rundtempel nachempfundenen. Die Tempel waren ein beliebter Gartenschmuck im Barock und auch der Zeit des Klassizismus. Wild bäumen sich die Pferde auf. Zwischen ihnen stehen vier bunte Götterwagen, dekoriert mit Schnitzereien, eingelegten Spiegeln. Mittels eines kunstvollen. verborgenen Mechanismus drehten sich Pferde und Wagen wie von Geisterhand bewegt. Die Pferde waren so auf dem Laufkranz befestigt, daß sie bei Bewegung schaukeln konnten.

Das Karussell war eine Vergnügungsstätte, in dem Elemente der ritterlichen Lebensertüchtigung weiterlebten. Von großen Holzpferden und Wagen aus suchten Damen und Herren bei schneller Umdrehung einen Puppenkopf absäbeln, Bälle in weit aufgerissene Mäuler von Mohren werfen. Auch das Ringelspiel (in Österreich noch heute die Bezeichnung für ein Karussell) war beliebt, bei dem man den Ring, den eine künstliche Taube auf- und abfliegend schwenkte, treffen mußte. Ein Zitat aus der damaligen Zeit: „Mit kindlichem Ernst, ja fast feierlicher Miene trieb man das Ringstechen und Pfeilwerfen, säbelte im Vorüberfahren oder Reiten Türkenköpfe ab oder schleuderte Bälle in eines Mohren weit geöffneten Mund. Das schöne Geschlecht schloß sich keineswegs aus von den kriegerischen Übungen“. Eine solche Karussellanlage -  allerdings ohne Pferde und Wagen - steht im Park von Ludwigsburg bei Stuttgart. Sie sind eine letzte Erinnerung an festliche Aufzüge der Barockzeit, bei denen man hoch zu Roß in Wagen und in Schlitten in einer Arena nach einer vorgeschriebenen Ordnung, das sogenannte „Carousel“, geritten oder gefahren ist.

 

Franz Ludwig Cancrin ersann 1779 eine neuartige Konstruktion, deren bewegliche Teile wie von Geisterhand aus dem Untergrund angetrieben wurden. Um diese Illusion perfekt zu inszenieren, ließ er einen schwebenden Boden bauen, unter welchem sich im Verborgenen Antrieb und Drehmechanik frei bewegen konnten. In einem Schreiben im Mai 1780 unterbreitete Cancrin Wilhelm, Erbprinz von Hessen-Kassel und Graf von Hanau, die Vorzüge seiner „neuen Erfindung”, eines Karussells mit feststehendem Innenboden. Aus einer Bauakte des Staatsarchivs Marburg:

1. Unterthänigster Bericht: Das bedeckte Caroussel wird so eingerichtet, daß Pferde und Phätons (Wagen) auf einer Scheibe bewegt werden. Es stehet aber auch so einzurichten, daß sich allein Pferde und Wagen bewegen, und am letzteren die Räder umdrehen. Durch die letztere Einrichtung werden. folgende Vorteile erhalten.

1. Das Umdrehen einer Scheibe (mitlaufender Innenboden) macht etwas schwindelig, bei gedachter anderer Einrichtung aber fällt solches meist weg.

2. Die Maschine ist leichter und mit wenigem Menschen zu bewegen; und dann

3. gewinnet das Umfahren ein besseres Ansehen.

4. Es wird vielleicht etwas dabei an den Kosten erspahret. Allein es sind bei dieser Sache auch einige Anstände, und kommt es dabei darauf an,

1. ob Ihro Hochfürstliche Gnaden wegen der schleunigen Verfertigung dieses Baues einige Nachsicht haben, und dann

2. nicht in Ungnade bemerken wollen, wenn etwa der Maschine noch nach geholfen werden muß, wenn solche nicht so gleich so genau umläuft, das eine Sache ist, die fast bei allen neuen Erfindungen vorkommt.

Wolten also Ihro Hochfürstl. Durchlaucht gnädigst geruhen, mir beide Punkten zu accordiren: So will ich suchen, eine Einrichtung in Wirklichkeit zu bringen.“

Das Schreiben Cancrins ist mit folgender Anweisung Wilhelms vom 13. Mai 1780 versehen: „Wird approbirt und scheint diese neue Erfindung dem Carroussel einen neuen und nie bekannten Vorzug zu ertheilen. Hanau d 13ten May 1780 Wilhelm EPzHS“ (Erbprinz zu Hessen). Cancrin erhielt also von seinem Fürsten die Erlaubnis zur baulichen Umsetzung des innovativen feststehenden Innenbodens. Der Bau wurde 1780 abgeschlossen und ist uns im Kern in seiner historischen Substanz erhalten.

 

Das Karussell besteht - seiner Funktion nach - aus zwei Teilen: Dem sichtbaren und feststehenden oberen Teil, der als antikisierender Rundtempel gestaltet wurde. Ein kuppelförmiges Dach ruht auf zwei konzentrischen Säulenreihen, zwischen denen Pferde und Wagen im Kreis fuhren. Der innere Boden des Karussells wurde freischwebend am Dach aufgehängt. Dies wurde konstruktiv durch den Bau sogenannter Hängewerke erzielt.

Durch den Einsatz dieser Bindertypen erzielt man stützenfreie Räume, indem die Deckenbalken nicht auf der Unterkonstruktion aufgelegt, sondern an der Dachkonstruktion aufgehängt werden. Von ihm gehen zahlreiche Speichen nach allen Seiten, die zur Stabilisierung von schräg von der Achse zu den Speichen verlaufenden Hölzern unterstützt werden. So wie man einen Schirm drehen kann, so konnte man dieses Rad anfänglich drehen.  Die Last des inneren Fußbodens und des Daches wird auf den äußeren Säulenkranz übertragen. Es lastet fast kein Gewicht auf dem Kellerraum, außer dem äußeren Ring des Erdgeschoßfußbodens.

 

 

Im Publikumsbereich ist vom beweglichen Teil nur ein Reif im Fußboden zwischen der inneren und der äußeren Säulenreihe sichtbar, der Pferde und Wagen trägt. Auf dem Boden im Inneren sollte wo nach den Vorstellungen des Architekten Cancrin ein Orchester Platz nehmen. Dieser innere Fußboden wurde an einem Säulenkranz befestigt, der wiederum von der Deckenkonstruktion getragen wird.

Der Drehreif liegt auf einer schirmförmigen beweglichen Stützkonstruktion mit mittlerer Welle, die im Untergeschoß mit Muskelkraft angetrieben wurde. Ursprünglich mußten Strafgefangene herhalten, um das Karussell unterirdisch anzutreiben. Später mußten Esel oder Maultiere, Pferde und Ochsen, unten im Dunkeln im Kreis laufen, damit sich oben das bessere Volk vergnügte. Nach seiner Eröffnung 1780 galt es in ganz Europa übrigens als derart exklusiv, daß eine einzige Fahrt mehr kostete als eine Übernachtung im besten Zimmer der Kuranlage.

 

Durch den Hügel, auf dem das Karussell steht, wurde ein grottenhafter Gang gelegt, der durch seine Länge, Enge und Finsternis Schauder zu erregen vermochte und so eine ähnliche Wirkung wie die benachbarte, an Ketten aufgehängte Teufelsbrücke auslösen sollte, die beim Betreten unversehens in Bewegung und ins Schwanken gerät. Aus der düster inszenierten Wildnis stieg man dann wieder zum fröhlichen Teil des Parks empor

 

Das Karussell ist qualitätvoll und aufwendig konstruiert worden. Der erhaltene Teil der ursprünglichen Zimmerarbeiten verdient noch heute unseren hohen Respekt. Aber es war „ein sehr weit vorgewagtes Experiment“(Cancrin). Mangels Erfahrung hatte Cancrin den Dachstuhl des dynamischen Karussells so geplant, als wäre dieser statisch. Er hatte nur Erfahrungen mit Mühlrädern und stellte die Pferde und Wagen gewissermaßen auf den Rand eines waagrecht liegenden Mühlrads. Das war der Denkfehler. Die Figuren sollten sich drehen, während die Plattform in der Mitte stillsteht. Oder, wie es Cancrin in seinem Schlußbericht 1871 formulierte: „Es ist dies ein Caroussell, wovon der Boden ganz frei in der Luft an der inneren Reihe Säulen hängt, das erste seiner Art.“

 

Schwierigkeiten:

Doch schon während der Bauzeit wurden auch die Schwierigkeiten der gewagten Konzeption deutlich. Die Holzbalken unter dem Dach arbeiteten, die Konstruktion verzog sich. Obwohl die Dachkonstruktion mit beachtlichen Holzquerschnitten hergestellt worden war, ist sie zu weich. Die Ausführung des oberirdischen Teiles als Rundbau macht an zentralen Stellen im Dach Durchdringungen notwendig. Dadurch wurden die hölzernen Knotenpunkte geschwächt. Erschwerend kam hinzu, daß die relativ niedrige Kuppel, die der Erbauer für die Außenform des Daches wählte, im Inneren der Konstruktion mit sehr ungünstiger Winkelung der Holzanschlüsse hergestellt worden ist.

Die Konstruktionsmängel führten zu Durchbiegungen und zum Absinken der Dachbinder. Da der innere Boden am Dach abgehängt ist und dadurch zwangsläufig mit absinken mußte, drohte damit die Blockade des beweglichen Drehkranzes der Antriebsmechanik. Als sich schon bald, nachdem das Karussell in Betrieb genommen worden war, das Dachgebälk senkte, schleifte der Fußboden über die drehende Scheibe und blockierte sie bald völlig.

In der Anfangszeit konnte man dieses Absinken noch durch Einstellmöglichkeiten an der Aufhängung des Innenbodens ausgleichen. Die Durchbiegungen der Dachkonstruktion konnten durch die Einfügung eiserner Verbindungsmittel offensichtlich in Grenzen gehalten werden.

Die notwendigen Änderungen während der Bauzeit und besonders die Ergänzungen mit den teuren eisernen Verbindungsmitteln führten dazu, daß sich die veranschlagten Baukosten für die Zimmerarbeiten fast vervierfachten. Die erhaltenen Bauakten bezeigen, daß der beauf­tragte Zimmerer sich nach der Fertigstellung den Lohn für die stark erweiterten Leistungen erstreiten mußte.

Daß Cancrin bereits während der Bauzeit die Grenzen der Belastbarkeit der Konstruktion erkannt hat, zeigt sein Schreiben an den Erbprinzen Wilhelm 1780: „Auf den innern Boden des Caroussels dürfen höchstens nur 50 Personen gelassen werden, wenn der Tempel keiner Gefahr ausgesezt werden soll.“

 

Geschichte:

Nach der Fertigstellung im September 1780 war das Karussell aber möglicherweise bis 1866, also 86 Jahre lang, funktionstüchtig und eine Hauptattraktion des Parks. Die Ausstattung bestand in dieser Zeit aus sechs Pferden und zwei Wagen. Im Jahr 1816 wurden die hölzernen Pferde samt der beiden Götterwagen erneuert.  Im Jahre 1866 fügte  preußische Artillerie dem Karussell starke Beschädigungen zu. Daraufhin sollte die gesamte Karussell-Einrichtung verkauft und der Tempel abgerissen werden.

Die Aufsicht über alle in Wilhelmsbad abgehaltenen Spiele hatte Mitte des 19. Jahrhunderts jeweils der Hofgärtner. Für kurze Zeit wurde das Karussell von den Spielpächtern unentgeltlich betrieben mit der Auflage, es zu bewachen. Von 1850 bis 1868 war es an den Hanauer Bürger J. P. Derlon verpachtet.

In den Jahren 1870/71 sind im Zusammenhang mit der Einrichtung eines französischen Reservelazaretts in Wilhelmsbad weitere Zerstörungen am Karussell und seiner Einrichtung geschehen. Das Ministerium für Forsten und Domänen in Berlin entschied, daß das Karussell abgerissen werden sollte, nachdem die Pferde und Kutschen 1872 schon verkauft worden waren. Das Karussell hatte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich eine Phase von mindestens sechs Jahren ohne Bauunterhalt hinter sich.

Doch die Hanauer Bürger wollten das nicht hinnehmen und protestierten dagegen.  So erfolgte ab 1873 die Sanierung des einsturzgefährdeten Karussellpavillons und 1896 wurde das Karussell mit der Auflage der Wiederinbetriebnahme verpachtet. Im gleichen Jahr soll sich das Karussell bereits wieder gedreht haben.

 

Im Jahre 1896 wurde der Tempel für 20 Jahre verpachtet mit der Auflage, das Karussell wieder einzurichten und in Betrieb zu nehmen. Diese zweite Ausgabe der Pferde und Kutschen ist die heutige Ausstattung des Karussells: vier Wagen mit insgesamt 16 Pferden.

 

Im April 1898 erhielt es eine neue, wesentlich erweiterte Ausstattung mit vier Wagen und 16 fast mannshohen Pferden sowie eine neue Farbfassung im Inneren, die im Stil des 19. Jahrhunderts recht farbenfreudig ausgefallen ist. An der Antriebstechnik wurden Veränderungen vorgenommen. Ein Motor samt Vorgelegewelle und Zahnradkranz wurde eingebaut, sowie gußeiserne Räder und eine runde Führungsschiene für den Antrieb im Untergeschoß.

Im Jahre 1916 wurde der Zustand der „Pachtsache Karussell“ als gut beschrieben. Im Jahre 1922 wurde das Karussell als baugeschichtlich hochwertiges Denkmal eingestuft, das unbedingt zu erhalten sei. Von 1920 bis 1925 dreht sich das Karussell mit Pferdekraft und Musikbegleitung. Im Jahre 1926 schreibt Regierungsbauführer Dipl. Ing. Werner Görig, Potsdam, nach einer Untersuchung des Karussells: „... daß die Konstruktion heute ebenso wie vor 135 Jahren ihren Dienst tut!“, eine gründliche Instandsetzung aber bald erfolgen solle. Im Jahre 1926 wurde ein Elektromotor eingebaut. Beim letzten Instandsetzungsversuch 1928 wurde sogar in den Raum unter dem Karussell ein Dieselmotor(?) zum Antrieb installiert, der allerdings schon nach drei Wochen durch das verklemmte Mühlrad seinen Geist aufgab.

 

Mehrere Male hatte man das Dachwerk angehoben. Aber der Erfolg war jedesmal nur von kurzer Dauer. Der letzte Versuch stammt aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Für etwa 20 Pfennige konnte man mit dem Karussell fahren. Der damalige Pächter der Parkwirtschaft, Schmidt, vergab einen Reparaturauftrag in Höhe von 24.000 Goldmark. Umsonst. Die Reparaturen im Dachstuhl hielten gerade einmal drei Wochen, so die  mündliche Überlieferung. Dann war der Boden wieder gesackt, stand das Karussell erneut still.

Im Jahre 1934 wurde das Karussell umfassenden Reparaturen unterzogen. Es existiert eine recht detailgetreue zeichnerische Darstellung des Bauzustandes von 1934, die dem Hanauer Maler Adam Bastian zugeschrieben wird. Die Dachhaut und die Gipskonstruktionen waren abgebaut. Die zerstörten Hölzer des Daches wurden größtenteils zurückgeschnitten und ersetzt oder angestückelt. Nahezu der gesamte äußere Architrav und sämtliche Gipsschalen samt ihren Unterkonstruktionen wurden bei diesem Eingriff erneuert. Die Reparaturen von 1934 erreichten aber leider nicht annähernd die Qualität der ursprünglichen Konstruktion. Insbesondere die Verbindungen zu den älteren Hölzern wurden teilweise mangelhaft ausgeführt. Im Jahre 1936 soll sich das Karussell aber wieder gedreht haben.

Durch einen Bombentreffer bei einem Luftangriff im November 1944 wurde das Karussell dann schwer beschädigt. Eine Sprengbombe schlug unmittelbar an einer der Außensäulen ein und riß das Mauerwerk des Untergeschosses und den steinernen Stufenring sowie einen Teil des äußeren Bodenringes ein. Die Drehmechanik im Untergeschoß wurde stark beschädigt. Davon zeugen noch die stark verbogene Stahl-Profilschiene und das Fehlen von fünf Lagerrädern im Untergeschoß. Im Erdgeschoß stürzte eine der äußeren Säulen ein, während die Verkleidungen von zwei der inneren Säulen zwar barsten, die Innensäulen aber aufrecht blieben. Diese Schäden sind durch ein zeitgenössisches Photo dokumentiert. Im Dach rissen wahrscheinlich beide eisernen Ringanker, von denen der untere bis heute nicht repariert wurde.

Durch den seitlichen Einschlag der Bombe wurde das gesamte Dachwerk auch in der Horizontalen stark verformt. Der zentrale Kaiserstiel im Dach ist heute etwa 17,5 Zentimeter aus der Mitte nach Nord verlagert. Die ehemals runden Bauteile des Karussells wurden im Grundriß zur Eiform gedrückt. Der Südteil des aufgehenden Bauwerkes ist dabei größtenteils lotrecht und am angestammten Platz geblieben, nach Norden hat sich die Konstruktion geweitet.

Der abgehängte Innenboden folgte dieser Verlagerung und ist insgesamt etwas nach Nordwest verschoben, wo die Bewegung durch die feststehende Konstruktion des Außenbodens gehemmt wird. Das notwendige Spiel zwischen Innenboden und Drehreif ist in nördlicher Richtung vollständig verloren, freies Drehen ist bei dem hohen seitlichen Druck an dieser Stelle nicht möglich. In der Folge sank das Dachwerk zunehmend ein.

Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten übernahm 1948 die Anlage. Welche Anziehungskraft das historische Karussell aber für viele Hanauer hat, davon zeugt ein Vergleich eines Besuchers: „Pisa hat seinen schiefen Turm, Hanau das Karussell von Wilhelmsbad.“ Eines, das in seiner Konstruktion weltweit einzigartig ist.

Die Reparaturen waren bis 1945 erfolgreich. Bis in diese Zeit sind mehrere Phasen des Betriebes mit wechselnden Antrieben belegt. Die Reparatur 1934 und der nachfolgende Bombenschaden in Kombination mit den beschriebenen konstruktiven Schwächen haben seitdem einen Betrieb des Karussells nicht mehr erlaubt.

 

Bis 1968 wurden die Pferde und Kutschen im Komoedienhaus gelagert. Während der Restaurierung des Komoedienhauses 1968/1969 wurden auch die Pferde und Kutschen durch den Hessischen Rundfunk restauriert. Zur Sicherheit wurden Gitterstäbe am Karussell angebracht, die jedoch nicht verhindern konnten, daß zwölf Pferde gestohlen wurden. Sie wurden im Gießener Raum wieder gefunden und erneut restauriert: In den 70ern mußte der Außenstellenleiter der Schlösserverwaltung als getarnter Ermittler tätig werden, um die geklauten Pferde wieder in ihren Stall mit der Rundkuppel zurückzuholen.

Im April 1976 wurde der Fernsehfilm „Ein Winter, der kein Sommer war“ gedreht. Für die Drehzeit stellte der Hessische Rundfunk Pferde und Kutschen beweglich wieder ein, befestigte sie also nicht am Bauwerk. Durch Kamerafahrt und die Fahrt einer einzelnen Kutsche entstand im Film die Illusion von einem sich drehenden Karussell. Die Mechanik war zu dieser Zeit insgesamt nicht mehr beweglich. Dennoch hat der Film vielfach die Erinnerung an ein sich drehendes Karussell hinterlassen.

Konzepte zur Sanierung gab es seit den 70er Jahren. „So ziemlich jede Generation hat schon versucht, es zu aktivieren“, sagt Thomas Ludwig, der bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens das Fachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege leitet. Die derzeitige Generation nimmt jetzt einen Anlauf.

Seit 1991 wurde das Karussell umfangreichen Untersuchungen unterzogen: Die verfügbaren Archivalien und Vermessungsunterlagen wurden ausgewertet, ergänzende Messungen wurden vorgenommen. Schäden, Umbauten und bisherige Reparatureingriffe wurden differenziert erfaßt. Ziel dieser Untersuchungen war die Klärung der Frage, ob das Karussell repariert werden könnte.

Das Bauwerk dokumentiert, daß im Lauf seiner Geschichte immer wieder versucht worden ist, das Karussell im Sinne seiner ursprünglichen Konstruktionsidee zu reparieren

 

Die statische und mechanische Wirkungsweise des Karussells haben die Darmstädter Fachleute erstmals 1992 untersucht. Zeitgleich haben Maschinenbaustudenten der Fachhochschule Wiesbaden die Möglichkeiten einer Inbetriebnahme der alten Mechanik analysiert. Die Dachhaut, das Dachtragwerk und die übrigen Oberflächen sowie die ursprüngliche Antriebsmechanik sollten nach den beschriebenen Untersuchungsergebnissen lediglich repariert und konservierend behandelt werden.

Der Gebietsreferent der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten und das Architekturbüro Bingenheimer, Hädler und Schmilinsky kamen zu dem Ergebnis, daß durch einen erneuten Versuch einer Reparatur des Bestandes und der Wieder-Inbe­triebnahme im Sinne des alten Konzeptes das bekannte Schadensbild längerfristig mit höchster Wahrscheinlichkeit erneut aufträte. Darüber hinaus hätte diese Reparaturmaßnahme inakzeptabel erscheinende Verluste an originaler Substanz bedeutet.

 

Förderverein:

Am 23. April 1998 gründeten 17 Hanauer Bürger in der „Kleinen Parkwirtschaft“ den „Förderverein für das Karussell im Staatspark Hanau Wilhelmsbad e.V.“. Vorsitzende wurde Bankfachmann Stefan Bahn. Er kam zu den Pferdchen wie die Jungfrau zum Kinde: „Ich saß mit meinem Freund Ludger Wösthoff beim Bierchen zusammen, und wir haben darüber nachgedacht, was wir denn so machen könnten in Hanau. Und da ist uns das Karussell eingefallen und die Tatsache, daß dieses Bauwerk einfach verfällt und sich keiner drum kümmert - das war eine ganz spontane Idee. Wir wußten damals nicht, was auf uns zukommt.” Die Frage, ob die Beiden sich dieser Sache auch angenommen hätten, wenn sie den Aufwand geahnt hätten, beantwortet Stefan Bahn mit einem stillen Lächeln.

In ihrer Naivität hatten die beiden Vereinsgründer seinerzeit „einfach nur gewollt, daß es sich wieder dreht”, aber schon nach kürzester Zeit feststellen müssen, daß sie die ganze Technik zunächst überhaupt nicht verstanden: „Wir haben ja allein schon ein halbes Jahr gebraucht, um das Bauwerk zu kapieren. Langsam kamen wir dann auch dahinter, was im Laufe der Jahre mit dem Holz und vor allem mit der Statik passiert ist.”

Der Zustand des Karussells war dramatisch, die öffentliche Schatulle jedoch leer. Seite an Seite mit vielen engagierten Bürgern ist Bahn seitdem dabei, Spenden zu sammeln und viel Überzeugungsarbeit bei Stadt und Land zu leisten. Im Jahr 2001 waren bereits 140.000 Mark gesammelt. Davon flossen bereits mehr als 50.000 Mark in ein „Drehbuch der Sanierung“ samt Instandsetzungsplan.

Ziel war es, das älteste Pferdekarussell in Deutschland, das zudem von seiner Konstruktion her eine Einmaligkeit darstellt, wieder in Gang zu setzen. Mit der Wiederaufnahme des Fahrbetrieben rechnete man im Jahr 2005, wenn das Karussell seinen 225. Geburtstag hat. Mit dem funktionierenden Karussell wird sich außerdem ein weiterer Aufschwung für Wilhelmsbad ergeben, von dem etwa das benachbarte Hessischen Puppenmuseum oder die fürstliche Lustburg aus der Romantik mit zusätzlichen Besuchern profitieren würden.

Laut einem Gutachten müssen runde 1,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, die erst einmal verdient sein wollen. Die Restaurierung der schönen Holzpferde und -kutschen wird etwa 150.000 Euro kosten und die Wiederherstellung der Holzkonstruktion im Inneren des Gebäudes und des römischen Tempelnachbaus selbst, der die Figuren umgibt, schließlich stolze 1.350.000 Euro.

Durch das Einziehen von stählernen Elementen, die später nicht mehr als solche zu erkennen sind, soll der drehbare Innenbereich mit dem Kranz für die Pferde und Kutschen sowie in der Mitte die Plattform für das Orchester nicht nur statisch gesichert, sondern um 30 Zentimeter angehoben werden.

Der Verein vertrieb inzwischen Tassen mit dem Karussell als Motiv. Sie waren für zehn Mark in der Albertis-Hofbuchhandlung in Hanau (Hammerstraße) zu erhalten. Der Verkaufserlös kam dem Verein zugute. Da wegen der Produktionskosten aber wenig übrig blieb, suchte der Verein noch Sponsoren für den Einkauf der Becher, die in einer Auflage von jeweils 1000 immer wieder mit neuen Motiven bedruckt wurden. Bahn konnte berichteten, daß dieses Souvenir reißenden Absatz finde.

Im  Jahre 2005 mußte ein schwerer Schaden aus jüngster Zeit repariert werden. Ursache waren die heftigen Regengüsse, die dem Gewölbe im Karussell Wilhelmsbad mächtig zugesetzt haben. Felsbrocken waren aus dem Gewölbe gespült worden, die den Eingang zur Technik des Karussells versperrt haben. Deshalb nahm man dringend notwendige Stützungsarbeiten im Gewölbe vor.

 

Am Samstag, dem 16. Juli 2005, wurde zum 225-jährigen Bestehen des historischen Spielgerätes die erste „Lange Wilhelmsbader Karussellnacht“ veranstaltet.  Der Förderverein lud dazu ein gemeinsam mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, dem Köcheverein und der Freiwilligen- Agentur Hanau.

Der Köcheverein bot Kulinarisches aus der heimischen Küche an, dazu schenkte der Förderverein seinen bewährten Karussellwein aus. Unter dem Titel „Es war einmal ein Prinz“ wurden um 19.30 Uhr Kostümführungen für Kinder in der Burgruine angeboten. Thomas Ludwig, Fachgebietsleiter für Bauangelegenheiten und Denkmalpflege in der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten, erläuterte ab 20 Uhr im Karussell dessen Konstruktion, während ab 20.30 Uhr im „Roten Salon“ die Filme „und es dreht sich doch“ und „Wilhelmsbader Karusselltechnik“ von Ernst-Thomas Pürschel gezeigt worden. Um 21 und 23 Uhr las der Frankfurter Schriftsteller und Krimiautor Berndt Schulz („Novembermord“) unter dem Titel  „und dann und wann ein weißer Elefant“ Gedichte und Geschichten im Karussell vor. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vor dem Kurhaus von Holger Lützen mit Gitarrenimprovisationen. Um Mitternacht lud Heidrun Merk von der Schlösserverwaltung zu einer Fackelführung durch den Wilhelmsbader Park ein.

Ernst-Thomas Pürschel hat in einem Vier-Minuten-Film mit Hilfe zahlloser Fotografien und entsprechender Computer-Technik dem Karussell Leben eingehaucht hat. Die hölzernen, bunt bemalten Pferdchen ziehen ihre Runden, kleine Stützräder hoppeln auch mal über eine hervorstehende Schraube  und am Schluß macht einer, den man gut kennt, im Gewölbe das Licht aus. In einem weiteren zehn Minuten langen Streifen erklärt Pürschel per aufwendiger Computeranimation die komplette Konstruktion und Technik des historischen Karussells. Der 66-Jährige ehemalige Richter am Landgericht hat den Bau von der Spitze der flachen Kuppel bis zum Lager der Mittelachse im vom Hügel umschlossenen Gewölbe komplett zerlegt - digital natürlich. Element für Element, Balken für Balken entsteht vor den Augen des faszinierten Betrachters eine technische Konstruktion, die in ihrer ur­sprünglichen Form bereits 1780 vollendet war. Ernst-Thomas Pürschel, Amateurfilmer seit 1960, hat diesen neuen Film bei einschlägigen Wettbewerben eingereicht. Für „... und es dreht sich doch“, vor etwa einem Jahr produziert, gab es einen ersten Preis beim Hessischen Amateurfilmwettbewerb, beim Bundes-Trickfilm-Wettbewerb war es Bronze, bei den renommierten Deutschen Amateurfilm-Festspielen in diesem Jahr erhielt er einen Sonderpreis was ihn, in aller Bescheidenheit, sehr freut. Alle Erlöse kamen dem Karussell zu Gute und werden von der Stadt Hanau dann noch einmal verdoppelt.

 

Am Sonntag, 28. August 2005, ab 14 Uhr veran­staltete der Förderverein für das Karus­sell im Staatspark Hanau Wilhelmsbad unter Schirm­herrschaft von Landrat Erich Pipa sein Karussellfest und sorgte für allerlei Kurzweil im Wilhelmsbader Park. Mitglieder des Fördervereins standen bei den Führungen (von 14 bis 18 Uhr, stündlich) Rede und Antwort und erklärten die Tech­nik. Für die musikalische Unterhaltung sorgte, im Rahmen der Reihe Konzerte im Park, das Blasorchester Wachenbuchen, das be­reits in den vergangenen Jahren viele Be­sucher von nah und fern mit ihren Melo­dien erfreute. Mit dabei sind auch die Landfrauen aus Niederdorfelden, die für das leibliche Wohl (Kaffee und Kuchen) sorgten. Gekühlte Getränke waren natürlich auch vorhanden. Der Förderverein war mit einem Info-Stand präsent und präsentierte seine vielfältigen Souve­nirs. „Es muß etwas passieren:”, warben auch die Landfrauen aus Niederdorfelden, die das Fest mit dem Verkauf von Backspezialitä­ten des Café Schien unterstützten.

 

In weiteren Untersuchungen durch das Architekturbüro Bingenheimer, Hädler und Schmilinsky sollten die Schadensbefunde und das Baualter der unterschiedlichen Konstruktionshölzer und Verbindungsmittel erfaßt werden um Entscheidungsgrundlagen für das Maß der Rückverformbarkeit und des Austauschs geschädigter Konstruktionshölzer zu liefern, damit die ursprünglich erhaltene Substanz bei der Sanierung möglichst geschont werden kann. Auch sollte die ur­sprüngliche Geometrie der Konstruktion zeichnerisch rekonstruiert werden.  Das Ergebnis seiner Untersuchungen hat das Büro Studio Baukultur (ehemals BHS) auch vorgelegt.

Nun sollte die Werkplanung für die Durchführung erstellt werden. Neben einzelnen Details muß entschieden werden, ob die schweren Gitter und Vorhänge zwischen den Säulen wieder eingebaut werden müssen oder ob ein anderer Schutz vor Vandalismus, Wetter und Diebstahl möglich ist. Auch die Farbgestaltung wird noch diskutiert. Vorgesehen ist, die teilweise bunte Fassung des 19. Jahrhunderts wieder herzustellen, die zeitlich zur heutigen Ausstattung der Pferde und Kutschen gehört. Die Planung sieht die Durchführung der Instandsetzungsmaßnahmen im Laufe von insgesamt drei Jahren vor.

Emil Hädler, Architekturprofessor an der Fachhochschule Mainz, hat das Karussell ausführlich untersucht. Anhand seiner Ergebnisse haben Maschinenbau-Studenten der Fachhochschule Rüsselsheim ein neues Antriebskonzept entwickelt.

Große Sorgen bereiten auch die Pilz- und Holzbockschäden an den ohnehin nicht besonders harten Bohlen. Der Beschädigungsgrad ist sehr hoch. Ungefähr 40 Prozent der Hölzer müßten bearbeitet werden, einige Sparren und Gebälkstrecken sogar ausgetauscht werden.

Auch beim Mauerwerk werden die Handwerker vermutlich alle Hände voll zu tun bekommen. Der Mörtel zwischen den Sockelsteinen besteht nur noch aus Sand. Ursache ist die Dauerfeuchtigkeit aus dem direkt anliegenden Erdreich. Rund 20.000 Mark wollte der Förderverein dafür verwenden, Insekten zu vernichten, die sich im Holzkarussell eingenistet haben und durch ihre Brut die alten Kiefernbalken bedrohen. Man muß den Verfall erst stoppen, ehe man mit der Sanierung beginnen kann.

 

 

Weitere gute Neuigkeiten konnte Bahn von der Restaurierung der Karussellpferde berichten. Insgesamt seien sechs Pferde aus dem Karussell ausgebaut, zwei befän­den sich im Informationszentrum im Fürs­tenbau, vier stünden zur Restaurierung an. Dies werde in einer Spezialwerkstatt in Otzberg/Odenwald vorgenommen. Die Pferde wurden in den 70er Jahren schon einmal restauriert. Damals wurden sie mit ei­ner Schutzfarbe versehen, nachdem laut Rechnung des Restaurators die ursprüngli­che Farbfassung komplett abgebeizt wor­den war. Doch der Mann hatte geschum­melt, denn obwohl er das Abbeizen in Rechnung gestellt hatte, ist diese Arbeit nicht ausgeführt worden, vielmehr hat man die Schutzfarbe direkt aufgebracht. Diese Schummelei erwies sich nun als Glücksfall für die aktuelle Restaurierung, kam doch jetzt die ur­sprüngliche Farbge­bung nach dem Abtrag der alten Schutzfar­be ans Tageslicht und kann nun als Vorla­ge und Farbmuster für die Restaurierung dienen. Diese schlägt im Schnitt pro Pferd mit rund 15.000 Euro zu Buche.

 

Der mehr als 200 Mitglieder umfassende Förderverein verschickt seine Rundschreiben und Einladungen zur Jahreshauptversammlung inzwischen nach Belgien, England, Finnland, USA und Australien und hat zudem das gespannte Interesse der Fachwelt geweckt, die sich in Wilhelmsbad buchstäblich die Klinke in die Hand gibt. Die National Carousell Association (NCA), ein amerikanischer Verein, der sich mit historischen Karussells weltweit befaßt, hat das Wilhelmsbader Objekt als „eines der wichtigsten weltweit” bezeichnet. Um dies zu unterstreichen habe die NCA dem Förderverein 3.000 US-Dollar gespendet, erklärtermaßen die höchste Summe, die der Verein jemals außerhalb der USA gespendet hat. Jedes Jahr besuchen mehrere Mitglieder des Vereins Hanau um den aktuellen Stand zu erkunden und auf der Jahreskonferenz der Karussellfreunde vorzustellen. Im Jahre 2007 veröffentliche die NCA einen elfseitigen Bericht über das Karussell in einer amerikanischen Zeitschrift.

 

Im August  ­kündigte Stefan Bahn 2006 an, das Karus­sell werde komplett eingehaust, also mit einer Wetterschutz-Überbauung versehen. Damit werde dem weiteren Verfall des schiefergedeckten Daches, besonders im Hinblick auf die bevorstehende Winterzeit, Einhalt geboten. Eindrin­gender Regen und Schmelzwasser vom Schnee hatten in den letzten Jahren der Dachkonstruktion so zugesetzt, daß sich sogar die Dachdecker geweigert hätten, dort hinaufzusteigen. Wie bisher bekannt, verdoppele ja die Stadt Hanau jeden Spenden-Euro. Den bereits verdoppelten Spendenbetrag werde das Land Hessen nochmals verdop­peln. So würden aus einem gespendeten Euro gleich vier. Erstmals habe man eine feste Zusage des Landes erhalten, sich an den Kosten zu be­teiligen. Rund 1,6 Millionen Euro kostet die Renovierung des Karussells nach aktuellen Schätzun­gen. Mit den bisher eingegangenen 250.000 Euro an Spenden kann man jedoch trotz Vervierfachung die Kosten nicht decken. Weber hatte noch eine weitere gute Nach­richt. Die Deutsche Stiftung Denkmal­schutz wolle das Projekt mit 500.000 Euro unterstützen. Man wisse allerdings noch nicht genau, ob das Geld in dieser Höhe fließe.

 

„Wir wissen nur, daß es wahr­scheinlich irgend etwas gibt”, betonte We­ber. Deswegen seien die Hanauer weiter aufgerufen, zu spenden, betonte er. „100.000 Euro brauchen wir noch”, fügte Bahn hinzu.

Erst im Dezember 2006 konnten
Vorarbeiten für die Einhausung des Karussells beginnen. Die Kosten von rund 90.000 Euro mußte jedoch der Förderverein finanzie­ren. Die Restaurierung des Karussells sollte dann im Frühjahr 2007 beginnen. Bis Sommer 2009 sollten die Sanierungsarbeiten abge­schlossen sein. Dabei würden rund 60 Prozent der Bausubstanz erhalten, betonte Weber.

Helmut Noll aus Hanau übergab dem Förderverein eine Spende in Höhe von 15.000 Euro. Damit übernimmt er die Kosten für die Sanierung ei­nes der 16 hölzernen Karussellpferde. „Das Karussell liegt mir sehr am Herzen und wir müssen sehen, wie wir es wieder hinbekommen”, sagte er. Schließlich verbindet er Kindheitserinne­rungen mit der historischen Anlage. Be­reits als Kind sei er den Wilhelmsbader Karussellhügel mit dem Schlitten herunter gerodelt. Dies ist bereits die dritte Paten­schaft dieser Art. Der Gönner erhielt vom Fördervereinsvorsitzenden Stefan Bahn eine Patenschaftsurkunde.

Am Tag der deutschen Einheit (Montag, 3. Oktober) stand das Federweißenfest auf dem Programm. Schließlich gab es am Freitag, 17. November, einen weite­ren Grund zum Feiern: In den Räumen der Sparkasse Hanau wurde in einem Festakt das 225-jährige Bestehen des einzigartigen Karussells be­gangen.

 

Vor der Versammlung in der Kleinen Parkwirtschaft im Jahre 2007 bekamen die Mitglieder direkten Einblick in den geöffneten Dachbereich des 1780 errichteten Karussells. Architektin Christiane Colhoun erläuterte nach der Abnahme der Schieferdachschindeln die historische, teilweise mit alten Hornissen- und Wespennestern durchsetzte Holzkonstruktion.

Den Mitgliedern wurde eine Bau­steinaktion vorgestellt. Hierfür sind die ersten 50 Schieferdachschindeln bereits ge­säubert und mit historischen Motiven des Wilhelmsbader Karussells versehen. Ge­gen eine Mindestspen­de von zehn Euro kön­nen Unterstützer der Sanierung die Schie­ferplatten als Souve­nir mit nach Hause nehmen. Förderver­einsmitglied Eberhard Schmitt hatte die Idee zur Bausteinaktion, die mindestens 20.000 Euro in die Kassen spülen soll. Schmitt G. Fischer-Defoy hat extra 2000 Dachschieferplatten gebor­gen und mit seinem Handwagen gesichert.

Der Förderverein verkauft auch regelmäßig Porzellanbecher, Wein, Zwiebelkuchen oder aktuell Dachschiefer des Karussells, um die mittlerweile angelaufene Sanierung mit zu finanzieren.

Daß sich das Wilhelmsbader Karussell, bei dem der kleine Stefan Bahn sich als Junge durch die Gitterstäbe gequetscht hat, wieder drehen wird, davon ist der große Bahn ganz fest überzeugt: „Ich hab‘s versprochen: Mir selbst, meiner Tochter und der Ur-Ur-Enkelin Franz-Ludwig von Cancrins, Christine Langenscheidt, auch. Und was ich verspreche, das halte ich auch.“

 

Das Gros der Schäden, die am Karussell festzustellen sind, hat sich seit 1934 in Folge von Kriegs-Einwirkung, durch mangelnden Bauunterhalt, ungeeignete Reparaturen und holzzerstörende Pilze eingestellt. In der Folgezeit erreichte man die Beweglichkeit der Drehmechanik nicht mehr. Die erheblichen Setzungen der Dachbinder wurden durch den Einbau von eisernen Verbindungsmitteln fixiert. Die starken Verformungen in der Horizontalen, welchen die runden Bauteile des Daches zum Oval auseinandergezogen hatten, konnten nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden.

Zum Schutz der Konstruktion wurde das Karussell im Sommer 2007 mit einer Einhausung überbaut, die gleichzeitig ein Baugerüst ersetzt. Zur Vorbereitung der Untersuchungen und Instandsetzungsarbeiten wurde dann die Schieferdeckung entfernt, das Dachwerk freigelegt und gereinigt. Pferde und Kutschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebaut und in die Werkstatt des Restaurators verbracht worden.

Durch die Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren wurden auch die Farbfassungen im Gebäude untersucht. Neben den ursprünglichen hellgrauen und späteren Fassungen kam auch die teilweise bunte Bemalung aus dem Jahr 1898 zum Vorschein. Mit der neuen Ausstattung an Pferden und Kutschen war das Karussell auch neu angemalt worden.

Das Tragwerksplanungsbüro Reuter und Mittnacht (Würzburg, heute Mittnacht) legte eine Konzeption zu einer Hilfskonstruktion vor. Zur Bewahrung des Bestandes, der sich nicht mehr selbst tragen kann, ist diese Hilfskonstruktion notwendig, die später die Tragwerksfunktion des Daches übernehmen soll. Das hölzerne Tragwerk mitsamt seinen Reparaturergänzungen soll nach Möglichkeit mit wenigen Eingriffen unverändert erhalten werden.

Die geplante Hilfskonstruktion soll als ergänzende Stahlkonstruktion zwischen und neben die Hölzer des Dachtragwerkes eingepaßt werden. Bogenförmige Doppelprofile, die in ihrer Form etwa dem äußeren Dachverlauf folgen, sollen jeweils beiderseits der hölzernen Dachbinder angebracht und an einem mittleren Druckring oben zusammengefaßt werden.

Das Dach wird im Anschluß behutsam soweit zurückgeformt, bis der Innenboden wieder auf dem ursprünglichen Niveau liegt und das Spiel zwischen dem feststehenden Innenboden und dem beweglichen Drehschirm wiederhergestellt ist. Dazu müssen im Dachwerk eiserne Verbindungen gelöst und verschiedene Reparaturhölzer verändert werden, welche den verformten Zustand derzeit noch fixieren.

Der Innenboden erhält zur Verstärkung zwischen den waagerechten Tragbalken noch wenige Stahlprofile, an denen dünne Stabstähle angebracht werden, die als neue Abhängung dienen. Die neue Abhängung des Innenbodens soll von außen nicht sichtbar durch die Verkleidung der Innensäulen geführt werden. Diese Konzeption erlaubt, die beweglichen Teile des Karussells im Sinne der ursprünglichen Konzeption und unter Nutzung der jüngeren gußeisernen Einbauten für einen Antrieb mittels Elektromotor weitestgehend wieder zu nutzen. Drehschirm, Drehreif und Welle, die seit dem 19. Jahrhundert im Untergeschoß auf gußeisernen Rollen geführt sind, werden sich nach ihrer Reparatur wieder frei drehen können.

Das komplette Dachgerüst soll um rund 25 bis 30 Zentimeter angehoben werden. Das aber, so Dr. Thomas Ludwig, könnte zur Folge haben, daß die eingearbeiteten metallenen Teile reißen oder das Holz extrem beschädigen. Daher muß ein Spezialkran bei der Dachanhebung regelrecht Millimeterarbeit leisten.

 

Im Rahmen eines kleinen Empfangs im Oktober 2008 in den Räumlichkeiten der Sparkasse Hanau am Marktplatz feierte der Förderverein für das historische Karussell im Staatspark Wilhelmsbad seinen zehnten Geburtstag. Wie Vorsitzender Stephan Bahn berichtete, habe man bisher 700.000 Euro gesammelt, die in die Restaurierung des Kleinods investiert werden sollen. Derzeit ist im Servicebereich der Sparkasse eine Ausstellung über das Karussell zu sehen, die mit vielen selten gesehenen Exponaten lockt. Im Frühjahr 2009 sollen die Ausschreibungen für die Restaurierung beginnen, kündigte Dr. Tho­mas Ludwig von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten im August 2008 an. Gleichzeitig bat er um Geduld, daß sich die Sanierung weiter hinzieht.

 

 Eine Ausstellung in der Sparkasse zeigt das Karussell durch die Augen von bildenden Künst­lern. von Fotografen und Architekten und präsentiert der Öffentlichkeit sogar eines der gerade erst restaurierten Karussellpferde. Bahn hofft, daß die Exponate zu mehr Aufmerksamkeit für den Förderverein beitragen, der derzeit 240 Mitglieder zählt. Gemeinsam organisieren sie Vorträge, Feste und andere Aktionen rund um das Karussell, das sich unter Kennern weltweiter Berühmtheit erfreut.

 

Die Holzpferde, bei den vorhandenen handelt es sich um die zweite Generation, wurden 1896 in Thüringen gefertigt. Die Schlitten entstanden etwa zeitgleich. „Unser Anspruch ist nicht, sie wie neu aussehen zu lassen“, erläutert der Restaurator. Vielmehr müsse man den historischen Figuren ihr Alter auch ansehen. So verlange es der zeitgenössische Umgang mit Kulturgütern. Über die Jahre litten die Pferde vor allem unter den extremen Wetterbedingungen. „Das Holz war sengender Hitze genauso ausgesetzt wie eisiger Kälte, Wind und Regen“, erinnert der Experte, „für seinen Erhalt war es deshalb nötig, bestimmte Schichten abzunehmen.“

Das Team bediente sich Lösungsmitteln, Wärme und Kleinstwerkzeugen, um möglichst nah an die ursprüngliche Oberfläche zu gelangen. „Es geht nicht um Übermalungen, sondern darum, extreme Verletzungen zu retuschieren“. bemerken die Experten. Im Interesse der Restauratoren stehe nicht Schönheit, sondern Authentizität: „Wir möchten das zeigen, was an Originalfläche erhalten blieb“, heißt es.

Gleiches gilt für die Schlitten. „Hier schufen die Macher einen kunterbunten Stilmix“, sagt der Chef und zeigt auf große Engelsköpfe, florale Elemente oder dicke Borten. Die einzelnen Arbeitsschritte sind sehr aufwendig. Derzeit überlegen die zuständigen Ämter, wie sie das Karussell zukünftig vor Diebstahl, aber auch vor der Witterung schützen können. „Denn das Holz wird weiter arbeiten“, wie der Restaurator feststellt. Die Brüder und Schwestern der Hanauer Karussellpferde, tatsächlich sind Unterschiede zwischen Hengsten und Stuten zu erkennen, verteilen sich heute über den gesamten Erdball. Besonders die Amerikaner zahlen Unsummen für die glasäugigen Apfelschimmel, Rappen oder Falben mit Schweifen aus echtem Pferdehaar. „Das Wilhelmsbader Karussell ist das älteste Erhaltene“, weiß Bahn, „deshalb ist es für Kenner weltweit von so großer Bedeutung.“ Selbst in der schlichten Werkstatt strahlen die Pferde, und das obwohl sie teils noch mit Staub und Spinnenweben überzogen sind.

 

Im Jahre 2009 wollte man, daß sich das Karussell sich 2011 dreht. Die erste Fahrt auf dem sanierten Karussell im Staatspark Wilhelmsbad soll im August 2011 möglich sein. Das ist der feste Wunsch von Stefan Bahn, dem Vorsitzenden des Fördervereins. Wenn nichts absolut Unvorhergesehenes mehr dazwischen kommt, wird dieser Wunsch wohl auch in Erfüllung gehen, denn im Herbst beginnen die Bauarbeiten.

Bei der  Jahreshauptversammlung  wurde bekanntgegeben: Bei der neuen Konstruktion werde von unten nach oben mit Hilfe einer Abstützungskonstruktion vorgegangen. Eine wichtige Funktion nähmen dabei die Hängesäulen ein, die zur Ableitung der Lasten benutzt würden. Schweißarbeiten seien nicht notwendig, denn viele Teile würden über Schablonen vorgefertigt und schließlich vor Ort zusammengeschraubt. Rund 30 Zentimeter Platz müßten geschaffen werden, damit das Karussell sich schließlich wieder drehen könne, erläuterte der Ingenieur. Die Ausschreibungen für die Arbeiten am Karussell sollen Ende des Sommers erledigt sein. Im Herbst werden dann die Restaurierungsmaßnahmen weitergehen. Fünf Pferdepatenschaften seien abgeschlossen worden. Der Verein, fast 250 Mitglieder stark, wolle mit dem Schiefertafelverkauf 15.000 Euro zusammenbekommen, um selbst eine Patenschaft übernehmen zu können, so Bahn. Der 10.000. Bocksbeutel-Karussellwein sei außerdem verkauft worden. Im Berichtsjahr habe man weiterhin wieder Besuch aus den USA gehabt.

 

Von Freitag, 28. August, bis Sonntag, 30. August 2009 war wieder das  Karussellfest, diesmal das elfte. Dazu kam ein historisches, funktionsfähiges Doppelstockkarussell aus dem Jahr 1856. Ein anonymer Sponsor habe es möglich gemacht, daß das Karussell der ältesten Schaustellerfamilie Deutschlands, Adolf Stey aus Frontenhausen in Bayern, nach Hanau komme. Drei Lastwagen reisten zu diesem Zweck an, eine Woche lang werde aufgebaut. Die Einnahmen flößen zu 100 Prozent in die Sanierung des Wilhelmsbader Karussells.

Am Samstag stellte um 17 Uhr stellt Ingrid Wilke im Kleinen Roten Saal des Fürstenbaus ihr jüngst erschienenes Buch „Ochs am Berg“ über Kindheitserinnerungen in Wilhelmsbad vor. Um 18 Uhr gibt es eine Führung durch das alte Wilhelmsbader Karussell. Am Samstagabend gab die Jazzband „feel the mood“ ein Stelldichein unter dem Motto „Wein meets Jazz“. Am Samstag sorgte auf der Parkpromenade die bekannte Hanauer Formation „Second Spring“ für Unterhaltung.

Der Sonntag startet um 10 Uhr mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel. Pfarrer i.R. Jahn hielt den Gottesdienst. Im Anschluß war ab 11 Uhr ist ein Frühschoppen. Für Stimmung auf der Parkpromenade sorgt erstmals das Blasorchester des TV Großkrotzenburg. Gegrilltes gibt es vom Köcheverein Hanau. Der Karussellverein schenkte seinen beliebten Karussellwein ebenso wie weitere alkoholhaltige und alkoholfreie Getränke aus.

Ab 14 Uhr geht es weiter mit dem Blasorchester Wachenbuchen, das im Rahmen der „Konzerte in den Parkanlagen“ auf der Parkpromenade ein Konzert gibt. Für ausreichend Kaffee und Kuchen sorgen die Landfrauen aus Niederdorfelden, der Karussellverein wird mit einem Informationsstand über die Sanierung des Kleinods berichten.

 

Der Verein beteiligte sich am Lamboyfest und an der Wilhelmsbader Sommernacht sowie dem Federweißen-Fest am 3. Oktober und am ersten Sankt-Martins-Fest in Wilhelmsbad am 7. und 8. November mit Laternenumzügen, einem Kunsthandwerkermarkt, kulinarische Köstlichkeiten von einer großen Metzgerei, Crepe-Stände, Martinsweck und Veranstaltungen mit dem Puppenmuseum.      Es gab Glühwein, Kinderpunsch, Weckmänner und andere Köstlichkeiten, Holzschnitzerei, Glasgravuren, Destillerie, Kerzen, handgemachte Seifen, gepaart mit süßen Leckereien wie Pralinen und hausgemachte Marmeladen.

 

Bei der Jahreshauptversammlung im Mai 2010 wurde bekanntgegeben, daß der Verein bisher rund 771.000 Euro aus Spenden gesammelt hat. Aus dem Vereinsvermögen werden 325 000 Euro nach einem bei der Mitgliederversammlung gefaßten Beschluß dem Land Hessen für die Sanierung der Karussellkonstruktion zur Verfügung gestellt. Zwei der insgesamt 16 historischen Karussellpferde sind fertig restauriert und werden beim Karussellfest am 28. und 29. August erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Arbeiten sollten bis Ende Juli vergeben sein. Dr. Karl Weber, Direktor der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten Hessen, bezifferte die Kosten für den wesentlichsten Bauabschnitt auf rund 900.000 Euro. Die Finanzierung ist gesichert.

 

 

 

Ende August war wieder das Karussellfest. Erstmals wurden im Rahmen des Festes die ersten beiden sanierten Karussellpferde der Öffentlichkeit vorgestellt. Für die kleinen Gäste war die Hüpfburg der Sparkasse Hanau aufgebaut sein, ebenso gab es Kutschfahrten. Abgerundet wird das Programm durch Führungen in der Ruine. Ein ganz besonderes Schmankerl wartet am Sonntag bei der Tombola: Verlost werden drei Tragschraubergleitflüge über Hanau. Hessische Puppenmuseum hat an diesem Festwochenende geöffnet.

 

Am Sonntag, 3. Oktober, war wieder das Federweißenfest, das neunte. Der Förderverein für das Karussell mit seinen über 250 Mitgliedern engagiert sich seit fast zwölf Jahren für das Karussell und hat in dieser Zeit schon die stolze Summe von über 850. 000 Euro zusammengetragen. Kurz vor dem Federweißenfest konnte an dem Karussell der erste Spatenstich für die Baumaßnahmen vollzogen werden. Darauf stießen die Besucher des beliebten Fests mit dem leckeren Federweißen des Hofguts Hörstein an. Rund 900 Liter wurden ausgeschenkt. Natürlich durfte dabei der Zwiebelkuchen nicht fehlen. Dieser wurde wie auch in den Vorjahren von einer Hanauer Konditorei angeliefert. 1300 Stück Zwiebelkuchen und 700 Stück gemischter anderer Kuchen gingen da über die Theke. Für den herzhaften Genuß hatte eine Stadtmetzgerei außerdem einen Grill aufgebaut. Wer es lieber süß mochte, kam an einem Crepes-Stand voll auf seine Kosten. Auch das nicht-kulinarische Programm des Festes, das von etwa 80 Helfern mit großer Tatkraft unterstützt wurde, konnte sich sehen lassen. So sorgte das Jugendblasorchester Wachenbuchen für gute Unterhaltung. Das Trio „Wie einst im Mai“ erfreute die Gäste mit altbekannten Melodien aus den 50er Jahren und sorgte so für richtige Federweißen-Stimmung.

Am Samstag, 6. November, von 16 bis 20 Uhr und am Sonntag, 7. November, von 12 bis 20 Uhr lud der Verein wieder auf die Kurparkpromenade zum Martinsfest ein. Dabei standen Lampionumzüge, ein Kunsthandwerkermarkt mit 25 Ständen, Weckmänner, Glühwein und vieles mehr auf dem Programm.

Der Verein hatte mit Datum 31. Dezember 2010 über 800.000 Euro auf seinem Konto liegen. Allerdings gingen Schätzungen davon aus, daß letztlich 2,5 bis drei Millionen Euro für die Komplettsanierung benötigt würden. Weil aber das Land die vom Verein zur Verfügung gestellten Mittel ebenfalls verdoppeln würde, sei die Finanzierungslücke überschaubar und „dann sammeln wir eben weiter“, so Vorsitzender Stefan Bahn.

 

Am 8. Februar 2011 begann man mit dem langsamen Anheben des Teils des Bauwerks, der bisher das Drehen der weltweit einzigartigen Konstruktion verhindert. Damit begannen die eigentlichen Rekonstruktionsarbeiten an dem technischen Wunderwerk. Wenn Architekten, Statiker und ausführende Firmen keine unliebsamen Überraschungen erleben, dann könnte sich das historische Karussell im Kurpark Wilhelmsbad im Frühjahr 2013 wieder drehen, meinte man damals.

Rund 17 Tonnen schwer ist der Teil der Konstruktion, der ganz langsam angehoben wurde. Durch einen Bombentreffer und bauliche Veränderungen war der feststehende Teil abgesackt und hatte den um ihn herum führenden beweglichen Teil des Karussells blockiert. Am Dienstag war das Ziel, die ersten 17 von insgesamt rund 30 Zentimeter Niveaudifferenz auszugleichen. Wechselweise wurden Hydraulik pressen im „Untergeschoß“ und im „Erdgeschoß“ des Karussells vorsichtig bedient, um mit Kreisellasern die gleichmäßige Anhebung der Mittelkonstruktion zu überprüfen.

Wie letztlich die komplexe Konstruktion auf den Kraftakt reagiert, war im Vorfeld nur schwer abzuschätzen. Statiker und Architektin waren aber zuversichtlich, daß alle Berechnungen richtig sind. Vor Ort ließ sich das nachvollziehen, denn schon nach wenigen Zentimetern konnte das Dachgebälk über den äußeren zwölf Säulen soweit angehoben werden, daß die inneren Säulen frei schwebten und später herausgenommen werden können.

Nach und nach soll dieser Prozeß fortgeführt werden, bis sich das zu einem Oval verformte Dach wieder zu einem Kreis ausdehnt. Erst dann wird in die Holzkonstruktion, die später keine Lasten mehr tragen soll, eine Stahlkonstruktion eingepaßt und mit einem speziell angefertigten Ringbalken über den äußeren Säulen verbunden. Danach können das historische Dachwerk und der abgehängte Innenboden mit Zugstäben an die Stahlkonstruktion angehängt werden. Danach wird die Drehmechanik wieder gangbar gemacht und das Karussell kann, bestückt mit den Pferden und Kutschen, voraussichtlich im Frühjahr 2013 wieder seine Runden drehen.

 

Kunst, Kulinarisches und Laternenumzüge                                                   18.10.2011

Martinsfest in Wilhelmsbad am ersten Novemberwochenende

„Warm anziehen und ab in den Park!“ So lautet das Motto für das dritte St. Martinsfest in Wilhelmsbad, das der Förderverein Historisches Karussell am Wochenende des 5. und 6. Novembers 2011 auf der Parkpromenade in Hanau Wilhelmsbad veranstaltet. Nach der erfolgreichen Veranstaltungen in den Vorjahren lädt der Karussellverein wiederum Anfang November in den Park ein.

Am Samstag beginnt das St. Martinsfest um 16 Uhr und endet gegen 20 Uhr, am Sonntag öffnen die Stände bereits um 12 Uhr (bis 20 Uhr). Am Martinsfest stehen Glühwein, Kinderpunsch, Weckmänner und Co. auf dem Programm. Ausgewählte Künstlerstände und diverse kulinarische Leckereien laden zum Verweilen ein. Holzschnitzerei, Glasgravuren, Destillerie, Kerzen, handgemachte Seifen gepaart mit süßen Leckereien wie Pralinen und hausgemachte Marmeladen - das und noch vieles mehr erwartet die Besucher.

Für die jungen Besucher haben die Verantwortlichen des Fördervereins einen besonderen Leckerbissen parat: Ein kleines Kinderkarussell wird auf der Parkpromenade seine Runden drehen und sicherlich wehmütig zu seinem großen Bruder im Park schauen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt: Eine Metzgerei bietet eine reichliche Auswahl leckerer Speisen an und der Förderverein schenkt Glühwein, Kinderpunsch, Softgetränke und eine Auswahl der beliebten Karussellweine aus. Ebenso wird ein Kaffeestand dabei sein.

Natürlich werden auch an beiden Tagen Laternenumzüge mit den Kindern durch den Park stattfinden - begleitet mit St. Martin hoch zu Pferd und musikalisch unterstützt von einer Bläsergruppe des Blasorchesters Wachenbuchen.

Treffpunkt für die Umzüge ist am Brunnen auf der Kurpromenade jeweils um 17.30 Uhr. Der Förderverein Historisches Karussell erwartet hier wieder einen großen Lampionumzug quer durch den Park mit hunderten kleiner Lampions. Dies wird - wie in den Vorjahren auch - sicherlich wieder ein großes Spektakel, hegt der Veranstalter bereits große Vorfreude. Ein Kunsthandwerkermarkt rundet die Veranstaltung noch ab. Ausgewählte Kunsthandwerker präsentieren sich im historischen Ambiente direkt auf der Kurpromenade.

 

Besichtigung im „Sarkophag“                                                                             29.05.2012

Restaurierung des Wilhelmsbader Karussells macht Fortschritte. 

Außen steht nach wie vor der „Holz-Sarkophag“, aus dessen Innerem man es gelegentlich Klopfen, Hämmern, Sägen und Krachen hört. Doch nur, wenn man sich zufällig in jenen Teil des Wilhelmsbader Kurparks begibt, in dem das alte Karussell steht. Am Donnerstag, anläßlich der Jahresmitgliederversammlung des Fördervereins für die Restauration dieses historischen Kunstwerks im Staatspark, waren ausnahmsweise die Türen der Einhausung sperrangelweit geöffnet, konnten die Vereinsmitglieder den Stand der Arbeiten besichtigen.

Hier hat sich eine ganze Menge getan, seit im September des Jahres 2010 die Sanierung begann. Die Arbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, schließlich ist die Konstruktion des „abgehängten“ Karussells nicht gerade alltäglich. Außerdem hatte eine Weltkriegsbombe dem Verfall etwas „nachgeholfen“.

Das wichtigste aber: Die Höhendifferenz zwischen der Plattform und dem eigentlichen Karus­sell­rahmen, der an Säulen hängt und auf dem die Pferdchen und Wägelchen sich drehen, ist ausgeglichen. Damit läuft der abgesackte Holzreif wieder frei, die Restauration kann weitergehen, dank einer imposanten Hilfskonstruktion, die zwischenzeitlich eingebaut wurde. Doch ein öffentlicher Betrieb wird nach Schätzungen Stefan Bahns, dem Vorsitzenden des Fördervereins, wohl erst im Sommer 2014 erfolgen können.

Das Jahr 2014 könnte somit auch für den gesamten Vorstand des .Fördervereins ein Jahr der Entscheidung werden. Denn Bahn deutete bei der Mitgliederversammlung, die nach der Baustellenbesichtigung in der kleinen Parkwirtschaft stattfand, schon an, daß die kommenden beiden Jahre seine letzten als Vorsitzender sein könnten. 16 Vorstandsjahre wird er dann „auf dem Buckel“ haben. Bis dahin aber ist er als Erster Vorsitzender wiedergewählt, wie auch der komplette übrige Vorstand. Einstimmig ohne Gegenstimme. Mit einer Ausnahme: Eberhard Schmidt ist neuer Zeugwart, Bernhard Hoffmann hatte nicht mehr kandidiert.

Thomas Schmidt legte als Schatzmeister zudem eine überzeugende Bilanz vor, mit einem Überschuß für das Jahr 2011 von knapp 30.000 Euro. Die Summe, welcher der Verein für die Restauration bisher gesammelt hat, beläuft sich somit auf weit über 850.000 Euro. Darin enthalten sind auch bereits Gelder der Stadt Hanau, die zugesagt hat, jeden Spendeneuro am Ende zu verdoppeln. Für die Kommune waren bei der Mitgliederversammlung Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold auch Fachbereichsleiter für Bauaufsicht, Denkmal- und Umweltschutz sowie die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck anwesend; somit beste Adressaten für die Frage, wann denn der nächste Geldbetrag käme.

Piesold wollte die Auskunft gerne dem Stadtkämmerer überlassen, sich selbst jedoch nicht äußern, mit Ausnahme eines eindeutigen Statements: „Wenn Hanau das versprochen hat, dann hält die Stadt das auch!“ Dafür sprach er dem Verein den Dank der Stadt aus für dessen großes Engagement um den „Diamanten Wilhelmsbad, in dessen Mitte noch etwas ganz besonderes wartet“: das Karussell. Direkt mit einem wenn auch nicht üppigen Scheck war Dr. Hans Katzer, Kreisbeigeordneter des Main-Kinzig-Kreises, zur Versammlung gekommen.

Der Kreis ist ebenfalls Mitglied im Verein. In weiser Voraussicht auf eine mögliche Erweiterung der Vereinsfunktion nach erfolgter Restauration prägte Piesold auch noch einen weiteren, nicht unerheblichen Satz: „Wenn das Karussell sich wieder dreht, wird es auch einen Verein brauchen, der es unterhält“.

Vielleicht hatte er dabei Langenselbold im Blick. In der Gründaustadt war der „Förderkreis Schloß Langenselbold“ kürzlich in eine kleine Sinnkrise geraten, nachdem das Schloß weitestgehend saniert war und der langjährige Vorsitzende dann zurücktrat.

 

 

Das Federweißenfest lockt wieder nach Wilhelmsbad                                             26.09.20112

 

Bereits zum zehnten Mal findet am Mittwoch, 3. Oktober, das Hanauer Federweißenfest statt. Von 11 bis 18 Uhr werden im Wilhelmsbader Kurpark Federweißer und Zwiebelkuchen angeboten. Nachdem im vergangenen Jahr das Federweißenfest aufgrund von verfrüht gereiften Trauben abgesagt werden mußte, steht in diesem Jahr der zehnten Auflage des beliebten Fests nichts im Weg. Das Blasorchester des TV Großkrotzenburg wird ab 12 Uhr die Gäste erfreuen, um 14 Uhr ist dann das Jugendblasorchester aus Wachenbuchen an der Reihe, ehe um 15 Uhr das Blasorchester Wachenbuchen die Gäste unterhält.

Auch das weitere Programm kann sich sehen lassen: Die Hessische Schlösserverwaltung wird außer der Reihe Führungen in der bereits renovierten Burgruine anbieten, und zwar um 14, 15 und um 16 Uhr. Auch das neu eröffnete Hessische Puppenmuseum hat seine Pforten geöffnet und lädt zum Besuch ein. Wilhelmsbader Kutschfahrten werden ebenfalls angeboten. Für das Federweißenfest erhoffen sich die Veranstalter einen ähnlich großen Zuspruch wie in den vorigen Jahren. Der Federweißer wird vom renommierten Hofgut Hörstein gestellt, das seine Weinberge auf dem Hörsteiner Reuschberg hat. Wie es sich gehört, wird zum Federweißen auch Zwiebelkuchen angeboten. Ebenso wird für den herzhaften Genuß ein Grill aufgebaut, so daß auch Bratwürste und Steaks das Angebot abrunden.

Bei dem historischen Karussell im Wilhelmsbader Park handelt es sich um die größte Attraktion dieser Kuranlage, dessen Pferde und Kutschen sich zwischen den Säulenreihen wie von Zauberhand drehten. Baumeister Franz Ludwig von Cancrin kam auf die Idee, Pferde und Wagen auf den Rand eines großen, waagrecht liegenden Mühlrades zu stellen, angetrieben durch einen Drehstiel, der im Inneren des aufgeschütteten Hügels verborgen ist, von wo aus das Karussell angetrieben wurde. Eine weitere Besonderheit , ist der schwebende Fußboden. Auf dem gemauerten Rundbau stehen zwölf äußere Säulen. Die sich gegenüberstehenden Säulen sind durch eine stabile Holzkonstruktion, ein so genanntes Sprengwerk, miteinander verbunden. Auf den Sprengwerken liegt die Dachhaut.

Innen, hinter den Säulen, drehen sich die Pferde mit den Kutschen, aufgeschraubt auf der Außenkante des liegenden, sich drehenden Rads. Der innere Fußboden hängt durch den inneren Säulenkranz von den Sprengwerken der Dachkonstruktion und scheint so zu schweben.

 

Restaurierte Säulen werden in das Karussell eingebaut                              24.06.2013

Die Arbeiten am Karussell im Staatspark Wilhelmsbad gehen voran. Anläßlich der Mitgliederversammlung des Fördervereins in der „Kleinen Park-Wirtschaft“ am Mittwochabend, hatte der Vorstand die Mitglieder vorab zu einem exklusiven Besuch am Karussell eingeladen. Etwa 50 Interessierte verschafften sich einen Überblick über den Stand der Arbeiten.

Christiane Colhoun von der Bauleitung führte die Besucher über die Baustelle, die im ersten Moment chaotisch aussah. Doch Colhoun erklärte jeden Schritt, wie seit 2007 an dem Projekt gearbeitet wird. Denn seitdem ist das Karussell eingerüstet und nicht mehr zu sehen.

Derzeit werden die alten restaurierten Säulen des Karussells wieder eingebaut. Danach stehen vorwiegend Feinarbeiten an. Wie Christiane Colhoun in der anschließenden Mitgliederversammlung erklärte, geht es jetzt zum Beispiel darum, ob die restaurierten Pferde und Kutschen in Zukunft weiter bewegt werden sollen. „Das sollten auch die Mitglieder des Fördervereins mitbestimmen“, sagte sie. Zudem müsse über die Abdeckung des Karussells entschieden werden. Und das sei sehr kompliziert, so Colhoun.

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky hatte sich vorab das Karussell mit angesehen und überraschte dann die Mitglieder des Fördervereins damit, daß der Magistrat für dieses und für das kommende Jahr insgesamt weitere 150.000 Euro für die Instandsetzung zur Verfügung stellt. Bekanntlich hat die Stadt bereits 313.000 Euro für die Restauration bezahlt. Insgesamt wird das Projekt rund 2,5 Millionen Euro verschlingen. Den größten Batzen davon hat der Förderverein unter der Leitung seines Vorsitzenden Stefan Bahn aufgebracht, nämlich mehr als eine Million Euro. Aktuell hat der Förderverein rund 250 Mitglieder.

In diesem Jahr fließen laut Bahn noch einmal 400.000 Euro an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die für den Staatspark zuständig ist. Auch das Land Hessen hat sich großzügig an der Restaurierung des Karussells beteiligt. Noch fehlen derzeit rund 250.000 Euro zur Gesamtfinanzierung, die in einem Kraftakt aller Beteiligten aufgebracht werden müssen. Oberbürgermeister Claus Kaminsky lobte das Karussell als das älteste auf dem gesamten Globus, denn es ging im Oktober 1780 in Betrieb.

Wieder in Bewegung setzen soll sich das Karussell im Juli 2014. „Ab dann wird sich das Karussell wieder drehen“, sagte Bahn am Mittwochabend. Doch erst einmal wird in diesem Jahr im August das Richtfest stattfinden. „Das genaue Datum werden wir noch bekannt geben“', so Bahn.

 

Das Dach in Form gebracht                                                                                19.10.2013

Von außen überdeckt immer noch eine Holzkonstruktion das historische Karussell im Wilhelmsbad. Das kann nur eines bedeuten: Es handelt sich dabei weiterhin um eine Baustelle. Ein Blick ins Innere bestätigt diese Vermutung. Denn auch dort zeugen die sorgfältig gestapelten Zementsäcke, die in Reih und Glied aufgehängten Schutzhelme und vor allem der frische Holzstaub davon, daß unter der Fassade fleißig gewerkelt wird. Am vergangenen Mittwoch wurde dennoch schon mit dem einen oder anderen Gläschen angestoßen. Es war schließlich Richtfest.

Für die Arbeiten am Karussell bedeutet das, daß die wesentlichen Teile des Holzbaus abgeschlossen wurden und das Karussell damit anfängt, Formen anzunehmen. „Es ist eine wichtige Zwischenstation“, sagte Karl Wagner, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen in Bad Homburg. Sein besonderer Dank ging in diesem Zusammenhang an den Zimmerpolier Olav Kämmerer und sein Team. Nun gelte es aber, „die Schlagzahl bis zum Sommer kommenden Jahres hochzuhalten“. Bis dahin soll sich das Karussell nämlich wieder drehen. „Wir haben ein sehr ehrgeiziges Ziel, an das ich immer noch glaube. Und wir werden alles daran setzen, damit es eingehalten wird“, sagte Wagner.

Der „Förderverein für das Karussell im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad“ und die Stadt Hanau versuchen jedenfalls ihr bestes, damit es nicht an finanziellen Mitteln scheitert. Der Vorsitzende des Fördervereins, Stefan Bahn, verkündete, daß am vorvergangenen Freitag weitere 300.000 Euro an die Schlösserverwaltung überwiesen wurden. „Damit ist die Liquidität für die weiteren Baumaßnahmen gesichert“, erklärte er. Damit hat der Förderverein mit Unterstützung der Stadt bisher insgesamt 850.000 Euro der Baukosten getragen. 1,1 Millionen sollen es am Ende insgesamt werden. „Wir hoffen, bis zum 24. Juli weitere 250.000 Euro zur Verfügung stellen zu können“, berichtete Stefan Bahn.

So paßte es ins Bild, daß Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Mittwoch bereits vor dem Richtfest aus dem Rathaus verkündete, 100.000 Euro als weiteren städtischen Beitrag zu der aufwendigen Restaurierung der historischen Attraktion im Parkgelände an die Vertreter des Fördervereins überreicht zu haben. Damit sind bereits 313.000 Euro aus der Stadtkasse auf das Konto des Fördervereins geflossen, um das Versprechen von Kaminsky einzulösen, jeden „Bürger-Euro“, den der Förderverein zugunsten der Restaurierung einwerben kann, zu verdoppeln.

Nun biegt das Projekt auf die Zielgerade ein. Mit der Sanierung des Tragwerks sei die schwierigste Aufgabe abgeschlossen, sagte Bauleiterin Christine Colhoun vom Architekturbüro Studio Baukultur in Darmstadt. Die Bohlenbinder, welche dem Kuppeldach seine charakteristische Form wiedergeben, wurden eingebaut. Bislang seien alle vorgesehenen Arbeiten dank der „detaillierten Planung auf der Grundlage der umfassenden Voruntersuchungen und dem behutsamen Vorgehen der Zimmerleute“ mit bestem Erfolg ausgeführt worden.

Gleichzeitig werden die laufenden Mauer- sowie die Naturwerksteinarbeiten fortgeführt. Die nächste Aufgabe wird die Wiederherstellung der Oberflächen sein. Dazu gehören dann Dachdeckung-, Klempner-, Schreiner- und Malerarbeiten. Des Weiteren sollen Planungen für eine Schutzeinhausung und das Antriebskonzept einschließlich der Genehmigung einer Betriebserlaubnis erstellt werden.

 

 

Pferdchen drehen ihre Runden später                                                            25.01.2014

Von offizieller Seite bestätigt: Fertigstellung des Wilhelmsbader Karussells nicht mehr 2014

Am Mittwoch wurde noch dementiert, jetzt ist es amtlich: Das Historische Karussell im Staatspark Wilhelmsbad wird in diesem Jahr nicht mehr in Betrieb genommen. Das wurde am Donnertag in einem Pressegespräch des Förderereins für das Karussell im Staatspark Wil­helmsbad mit Hanaus Oberbürgerleister Claus Kaminsky, Karl Weber, Direktor der Verwaltungsstelle Schlösser und Gärten in Hessen (VSG), sowie Förderereinsvorsitzenden Stefan Bahn verkündet. Somit wird der geplante Eröffnungstermin im Juli nicht eingehalten werden. Ein neuer Termin wurde noch nicht konkret an einem Datum festgemacht. Voraussichtlich wird dieser aber erst Ende Anfang Juni 2015 sein.

Das ist für Oberbürgermeister Claus Kaminsky keine Jubelmeldung, aber im Hinblick auf die schon erreichten Etappenziele sei sie „nicht so tragisch“ Als Grund für die Verzögerung nennt Karl Weber den Fahrgastbetrieb, der mit dem Objekt aufgenommen werden soll. Jener sei bei historischen Bauten nicht ganz einfach, da besondere Richtlinien eingehalten werden müßten. Eine weitere Schwierigkeit sei die Definition des Objekts: Ist es ein fliegender Bau, wie ein Jahrmarktkarussell, oder ist es ein historisches Objekt, welches unter besonderen Bedingungen betrieben werden müsse, erläutert Weber die Bezeichnungsoptionen. Stefan Bahn nennt als eine weitere Aufgabe den Schutz des Karussells vor Vandalismus.

Auch bei der Finanzierung wird mit mehr Geld gerechnet werden müssen. 2,5 Millionen Euro waren ursprünglich zur Stemmung des Projekts anberaumt. Eine Endsumme könne noch nicht genannt werden, Weber sei froh, wenn am Ende der Maßnahmen eine drei vor den Millionen stehe. Kaminsky läßt wissen, daß weitere finanzielle Unterstützung von der Stadt nicht

möglich sei. Die Stadt hat sich bisher mit 400.000 Euro an dem Projekt beteiligt. 680.000 Euro Spendengelder konnte der Förderverein sammeln und hofft auf weitere Unterstützung durch Bürger aus der Region, so Bahn. Recht entspannt sieht er die aktuelle Lage und ist froh, daß das Projekt im kommenden Jahr trotz des „Spannungsfeldes Denkmalschutz und Nutzung“ fertiggestellt werde könne. „2015 dreht sich das Karussell mit Personenbetrieb“, blickt Bahn zuversichtlich in die Zukunft.

In vier bis sechs Wochen soll es einen weiteren Termin im Staatspark geben, um die Fort­schritte zu präsentieren. Die Pferdchen und Kutschen seien schon fertig restauriert und würden nur auf die Fertigstellung des Karussells warten. Wenn alle Arbeiten erledigt sind, soll die Nutzung des Karussells aber etwas Besonderes bleiben. Bahn schwebt eine Inbetriebnahme an vier bis fünf Sonntagen im Jahr vor. Und auch bei der Gastronomie im Staatspark geht es voran. Die Vorplanungen inklusive Kostenkalkulation seien bereits angelaufen. Parallel dazu werde die Ausführung der Fassaden- und Dachsanierung am Arkadenbau betrieben, so Weber abschließend.

Bis das Karussell wieder Fahrt aufnimmt, müssen sich die Kinder noch etwas gedulden. Für Ende Mai/Anfang Juni 2015 ist der neue Fertigstellungstermin geplant.

 

Fasanerie

In der Nähe Wilhelmsbads liegt die Fasanerie. Mit dem Bau der Fasanerie begann Johann Reinhard III., Bruder und Nachfolger des Philippsruhe-Erbauers Philipp Reinhard. Im Jahre 1713 legte er im Flurstück „Klause“ ein Jagdrevier an.  Ein Jahr später ließ er das Jagd- und Lustschloß bauen. Am Eingang zum Golfplatz kann man einen Blick auf die Gesamtanlage werfen. An der Stelle des Restaurants stand früher das Jagdschloß.

Im Jahre 1722 wurde mit der Kastanienallee der Blickkontakt zum Schloß geschaffen. Ursprünglich gab es elf Alleen, die vom Mittelpunkt der Fasanerie ausgingen. Jede Allee war mit einer anderen Baumart bepflanzt (Kastanien, Eschen, Linden, Eichen, Hainbuchen). Teilweise wurden sie nach außerhalb der Fasanerie fortgesetzt.

Erbprinz Wilhelm ließ 1768 das Fasanenhaus bauen („das Palais derer von Goldfasan“) und legte die Baumschule neu an. Die Fasanerie diente der Aufzucht der Fasanen. Man unterschied wilde Fasanen, bei denen die Henne die Eier selbst ausbrütet, und zahme Fasanen, bei denen Haushühner das Brüten übernehmen. In der Fasanerie wurde nicht nur gejagt, sie war auch ein wichtiger Posten auf der herrschaftlichen Speisekarte.

Außer Fasanen wurden Hirsche, Rehe und Mufflons gejagt. Deshalb mußte die Fasanerie auch eingehegt werden. Die Mauern verhinderten ein Eindringen von Wilddieben und Wölfen und begrenzte die Flurschäden. Für die Kurgäste in Wilhelmsbad war die Fasanerie  als Ausflugsziel geöffnet. Außerdem gab es landwirtschaftliche Flächen, die an Bauern verpachtet waren.

Jagdgebiet blieb die Fasanerie bis in die jüngste Zeit. Der Dunlop-Direktor Bailey wohnte im ehemaligen Jagdschloß. Später wurde der Fachwerkbau abgerissen und ein Neubau diente als Altersheim. Prinz Wolfgang von Hessen (1896 bis 1989) gründete 1959 die Golfanlage. Das Altersheim wurde 1961 zurückgekauft und daraus das Golf-Restaurant errichtet. Im Jahre 1986 wurde das alte Fasanenhaus abgerissen.

Die Gärtnerhäuser sind die einzig erhaltenen historischen Bauten in der Fasanerie. Den typischen Hanauer Stil - Bruchstein und Sandsteinverbindungen - findet man auch in der Mauer wieder. Der Basalt stammt aus den Wilhelmsbader Steinbrüchen, die Eckverbindungen sind aus Main-Sandstein. Die Mauer ist etwa zwei Meter hoch und 3,3 Kilometer lang. Ursprünglich war sie nicht verputzt. Alle Torpfosten waren früher mit einer Kugel geschmückt. So wie heute noch die Wilhelmsbader Allee war früher der gesamte Weg um die Mauer mit Bäumen bepflanzt.

 

Wenn man die Fasanerie weiter umrundet kommt man zur Ochsenwiese; durch die der von Bruchköbel kommende Krebsbach fließt. Er teilt sich am gegenüberliegenden Waldrand. Der östliche Arm heißt weiter Krebsbach und mündet beim Heinrich-Fischer-Bad in die Kinzig. Der andere Arm fließt als Salisbach auf die Fasanerie zu. Unter einer Erle entdeckt man ein Wehr, an dem die Braubach abgeleitet wird, die durch die Fasanerie und Wilhelmsbad fließt.

Die Mauer verläuft dann parallel zur Umgehungsstraße. Doch dies ist nicht der historische Verlauf. Die Mauer ging ursprünglich weiter in Richtung Stadt, wurde aber für den Bau der Umgehungsstraße abgebrochen und neben der Straße neu aufgebaut (Reste der alten Allee sind noch in der Nähe des Rollschuhplatzes zu erkennen).

 

Hinterer Park

Die Rotbuchen beim Kurhaus stammen aus der Anfangszeit des 19. Jahrhunderts. Die daneben stehende Säuleneiche wurde baumchirurgisch behandelt und kann seit der Zeit weiterleben. Die Wiese hinter dem Kurhaus mit dem sanierungsbedürftigen Herkules wird auch Sonnenmannwiese genannt.

Die Gebäude hinter dem Kurhaus beherbergten in der damaligen Zeit die Wirtschaftsbereiche, nachdem die Meierei bzw. Schweizerei gegenüber dem Karussell nicht mehr zur Kuranlage gehörte.

 

Eremitage

Ein herausragendes Beispiel für einen damaligen Landschaftsgarten finden wir im Hinterpark mit der Eremitage, der Einsiedelei. Eine Eremitage gab es schon in den früheren Renaissancegärten (Wiedergeburt etwa 1350 bis ins 16. Jahrhundert). Die 1786 vollendete Eremitage im Wald rückseitig der Kurgebäude ist eines der kuriosesten Gestaltungselemente des Wilhelmsbader Parks. Ein bißchen verwunschen wirkt der Ort noch heute, man kann den Abgang zu der Höhle leicht verpassen. Bewußt liegt die Höhle daher entfernt vom rauschenden Vergnügen der Badeanlage und ist aus rauhen Steinen kärglich gestaltet.

Der Legende nach soll bereits im Mittelalter ein Mönch als Einsiedler im Wachenbucher Wald gelebt haben. Diese Erzählung greift die Eremitage auf. Sie stellt die Behausung eines Mönchs dar, der abgewendet von weltlichen Dingen in der Einsamkeit lebt. Die Grotte, in einen künstlichen Hügel integriert, ist völlig eingewachsen. Die Fassade orientiert sich in ihrer Gestaltung wiederum an der Gotik. Stützpfeiler und Spitzbögen sind typische Stilmittel dieser Epoche.

Das Gemäuer, das sich am Fuße eines dicht bewachsenen Hügels auftürmt, stammt aus dem Jahre 1785. Es wurde eine komplett ausgestatteten Eremitenwohnung mit mehreren Räumen eingerichtet. Wie aus alten Parkbeschreibungen hervorgeht, waren Schlafgemach, Werkstatt, Küche und Wohnraum komplett möbliert, freilich ohne Bequemlichkeit, sondern eher wie eine Mönchszelle gehalten. Aus alten Ansichten, weiß Kulturanthropologin Heidrun Merk, ist überliefert, daß das Mobiliar noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten blieb.

Der Bau war das letzte Werk des Erbprinzen Wilhelm IX., bevor er Hanau verließ und als Landgraf die Regierung in Kassel übernahm. Eremitagen waren damals in Mode. Nur teilweise dienten sie ihren Bauherren jedoch tatsächlich als Rückzugsdomizil in die Einsamkeit.

Weit häufiger handelte es sich bei den Einsiedeleien um reine Inszenierungen. Auch in Wilhelmsbad war die Grotte von Anfang an Staffage. Der hölzerne, damals an Kopf und Händen bewegliche Einsiedler, mit Zutaten von Reh und Rabe, stand als Symbol für die Entsagung des sündigen Daseins. Diese moralische Mahnung hatte seine Bedeutung in der Philosophie des Landschaftsparks. Im Sinne einer Architektur, die heitere, ernsthafte oder auch melancholische Stimmungen hervorbringen sollte, symbolisierte der Eremit ein anspruchsloses Leben im Einklang mit der Natur und thematisierte damit gleichzeitig die Vergänglichkeit des irdischen Lebens und den höheren Weg zu Gott.

Zunächst hatte der Erbprinz angeblich versucht, einen Freiwilligen zum demonstrativen Leben in den unwirtlichen Gemäuern gegen Bezahlung zu finden. Dies gelang ihm auch, doch der Kandidat konnte sich nicht längerfristig für eine solch beobachtete Existenz zur Belustigung der Gäste erwärmen.

Auch die heute noch dort vorhandene Figur des lesenden Mönches gab es damals schon. Heute sitzt die stumme Holzfigur wehrlos neben dem Reh in ihrer Grotte im Wald. Der Einsiedler bietet das stimmungsvolle Ambiente für Lesungen, die Kulturanthropologin Heidrun Merk im Auftrag der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten organisiert.

Während die Badeanlage aus der Mode geriet, im 19. Jahrhundert zum Spielcasino umgewandelt wurde und schließlich nur noch als Ausflugsziel diente, siechte der Einsiedler dahin. Das Holz vermoderte, die Bettlade brach zusammen, die Kutte wurde von Mäusen zerfressen. Bettler, Prostituierte und Landstreicher, so ist überliefert, trieben ihr Unwesen. Mehrmals wurden Figur und Mobiliar erneuert, mehrmals wurde dem armen Gesellen wieder der Kopf abgeschlagen.

Über seine jüngere Geschichte ist wenig bekannt. Heidrun Merk weiß von Gerüchten, daß die Amerikaner den Eremiten nach dem Zweiten Weltkrieg über den großen Teich geschickt haben sollen, bewiesen ist die Entführung allerdings nicht. Im Zuge der Sanierung des Comoedienhauses stiftete der Hessische Rundfunk in den 60er Jahren ein Exemplar aus Gips. Die aktuelle Gestalt besteht aus Styropor und hat wie einst nur ein kleines Reh zur Gesellschaft. Nicht ganz stilecht, sind Plexiglasscheiben vor dem Eingang und den Fenstern aufgespannt, die den Einsiedler vor Zerstörung schützen. Denn auch in jüngster Zeit wird er immer mal wieder mit Steinen oder Bierflaschen bombardiert. Fünfmal mußte der Hessische Rundfunk schon einen neuen Einsiedler spendieren.

Durch eine Gittertür konnte der Besucher schon immer ins Innere der Einsiedelei blicken. Die Grotte wird für Spaziergänger von einem Bewegungsmelder erleuchtet. Heute ist sie für Lesungen geöffnet. Für Erwachsene werden sie von dem Frankfurter Autor Bernd Schulz betreut werden. Für den Nachwuchs von FR-Lesern organisiert Heidrun Merk eine Grusellesung für 8- bis 14-Jährige, zu der auch ein Rundgang durch die Grotte gehört.

Die Kinder können die Zimmer der Eremitage erforschen, dem Einsiedler über die Schulter schauen und sie erfahren auch einiges über die Bedeutung der Grotte. Anschließend gibt es in der Dämmerung kindgerechte Geschichten von Roald Dahl bis zu Edgar Allan Poe zu hören. Als Nervennahrung werden Gummibärchen serviert.

 

Schießstand

Im Bereich der Anlage des 1. Hanauer Tennis- und Hockeyclubs war in der Zeit des Erbprinzen Wilhelm ein Wiesental mit Sportanlagen. Dieser Bereich war ein starker Kontrast zu dem dunklen, unheimlichen Wald bei der Eremitage. Man konnte auf einem Schießplatz schießen- eine Unterhaltung, die besonders in deutschen Landen geübt wurde, wenn man den Erinnerungen vielgereisten Lady Montague trauen darf.

Reste von diesem Schießstand haben sich hinter den heutigen Tennisplätzen erhalten, die als moderne Zutat im Rahmen des Wilhelmsbader Parks insofern nicht fehl am Platze sind, weil gerade das Ballspiel jahrhundertelang ein beliebtes gesellschaftliches Vergnügen dargestellt hat.

Auch den Minigolfplatz darf man als modernen Nachfahren der alten Stockspiele, wie sie ehemals in Wilhelmsbad betrieben wurden, ansprechen. Er sucht weit und breit seinesgleichen, weil er gepflegt ist und von seiner heimeligen Umgebung mit den hohen, alten, Schatten spendenden Buchen und Kastanien zehren kann.

Der seit den 60er Jahren bestehende, anfangs von einem Verein genutzte Platz mit seinen - teils doppelt vorhandenen - 18 Bahnen gehört einer in der Schweiz Ansässigen, die den Grund von der staatlichen Verwaltung für Schlösser und Gärten gepachtet hat. Sie besaß früher mehrere solcher Anlagen. Nur die attraktivste und offenbar lukrativste in Wilhelmsbad behielt sie.

Und das nicht zuletzt deswegen, weil sie sich seit 25 Jahren auf die Betreuerin des Platzes verlassen kann. Irmgard Tauchert heißt die gast- und servicefreundliche Hüterin der Bälle und Schläger. Sie wohnt nebenan in einem der historischen Wilhelmsbader Häuser im Park. „Frühjahr und Herbst sind die arbeitsintensivsten Zeiten“, berichtet Tauchert. Nicht nur wegen der Blüten und des herunterfallenden Laubes. Vielmehr sei darauf zu achten, daß die Bäume keine dürren Äste aufwiesen, die herabstürzen und die Minigolf-Spieler verletzen könnten. Hinzu kommt, daß der Saisonbeginn im Frühjahr stets damit verbunden ist, alle Bahnen mit einem Hochdruckreiniger zu säubern.

Die Unbilden des Wetters können auch im Sommer mit unberechenbar viel Arbeit verbunden sein. Sei beispielsweise ein Gewitterregen herunter platzt, muß das Wasser schnellstmöglich von den Bahnen geschafft werden. „Denn die Leute sind ruckzuck wieder da,“ so ihre Erfahrung. Etwa 500 bis 700 Gäste sind es an Spitzentagen, die mit möglichst wenig Schlägen auf jeder Bahn den Ball im Zielloch unterbringen wollen. So viele kommen allenfalls sonn- oder feiertags, die Woche über sind es dann weniger. Der Andrang hängt vom Wetter ab. Sommers ist auch an lauen Abenden noch viel Betrieb.

Wenn es dunkel wird, schaltet Tauchert die bunten Lampen an den Bahnen ein. „Der Platz ist schon immer sehr gut gelaufen, das kann man nicht anders sagen“, freut sich die Wilhelmsbaderin. Einen leichten Besucheranstieg habe sie noch verzeichnen können, seit die „Kleine Parkwirtschaft“ nebenan besser bewirtschaftet werde.

Von deren rustikalen Holzbänken aus können Eltern auch mal ihre Sprößlinge alleine spielen lassen und das beobachten. Wie sich der Nachwuchs beispielsweise an der am meisten gefürchteten Bahn mit der Rampe und dem Fangnetz für den Ball abmüht. Spätestens hier stirbt meist der Traum derer, die glauben, sie könnten den seit vielen Jahren bestehenden Bahnrekord angreifen. An den heranzukommen bedürfe es ohnehin mitgebrachter Spezialbälle und häufigen Trainings.

Die gute Atmosphäre, die sie pflegt, scheint auf das Publikum vielfach auszustrahlen. Mit dem ist sie „im Großen und Ganzen sehr zufrieden“, insbesondere mit den jungen Menschen. Freilich gebe es unter den Kindern auch mal Rabauken - insbesondere dann, wenn Schulklassen oder Geburtstagsgruppen zu Gast sind.

Störend empfindet sie nur, wenn mehrere mit einem Schläger spielen wollen. Dabei ist die Ausleihe von Schläger und Ball  ein ausgesprochen preisgünstiges Freizeitvergnügen. „Ins Kino können Sie auch nicht zu dritt mit einer Eintrittskarte gehen und zwei von dreien machen während der Vorstellung die Augen zu“, wirbt sie in solchen Fällen um Verständnis. Aufpassen müsse sie auch, daß Zeitgenossen nur einmal Eintritt zahlen und die Bahnen mehrmals durchzuspielen versuchen, erzählt sie weiter. Wie kann sie das einschätzen, insbesondere, wenn viele Spieler zu Gast sind? Im Laufe der Jahre habe sie ein Gespür für solche Kandidaten entwickelt, zudem habe das Verkaufshäuschen auch ein Fenster zur Rückseite.

Jährlich von Frühjahr bis Herbst täglich präsent sein zu müssen, dafür verliert Tauchert aber allmählich die Lust. Nun da ihr Mann in Pension gegangen ist, will sie auch mal einen Sommerurlaub genießen und nicht mehr selbst anderen andauernd ein Freizeitvergnügen ermöglichen. Dieses Jahr will sie noch in altgewohnt verläßlicher Manier ihren Minigolf-Platz betreuen. „Was danach kommt, wissen wir nicht“, fügt sie hinzu und verbindet es mit einer Lösungsvariante, die aber noch nicht spruchreif ist.

Der Minigolf-Platz in Hanau-Wilhelmsbad ist werktags ab 11 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags ab 10 Uhr. Je nach Bedarf schließt er abends. Interessierte Schulklassen sollten sich bei Irmgard Tauchert unter Telefon 0 6181 / 83 379 anmelden. Für Kinder-Geburtstage ist das nicht erforderlich.              

 

Führungen:

Gruselgeschichten in der Grotte des Einsiedlers, eine Begegnung mit dem Prinz oder Liebesgeschichten aus Wilhelmsbad. Im Jahr der Landesgartenschau bietet auch die Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten ab Ostersonntag einige Attraktionen in der ehemaligen Kur- und Badeanlage, die neben dem optischen Reiz der Anlage Wissen anschaulich vermitteln sollen.

Unter dem Titel „Ein Gemisch von melancholischem Schauer und sanfter Wehmut“ gibt es nach telefonischer Anmeldung Parkführungen, die auf Wunsch auch mit einem Besuch der Burgruine kombiniert werden können. Erstmals werden bei Erlebnisführungen historische Zeitzeugen auftauchen. Die Kosten pro Führung schwanken zwischen 35 bis 50 Euro, zuzüglich des Eintritts in die Burg.

Schön schaurig geht es dann ab Mai jeden ersten Samstag im Monat in der Grotte des Einsiedlers zu: ab 20 Uhr werden Gruselgeschichten vorgelesen. Am Internationalen Museumstag gibt es dann zwei kostenlose Führungen durch den Park, die in die Ausstellung „Natur wird Kultur - Gartenkunst in Hanau“ eingebunden sind, die am 12. Mai eröffnet wird. Auch an der langen Nacht der Museen beteiligt sich die Schlösserverwaltung in diesem Jahr. Um 22 und um 23 Uhr brechen Interessenten „Zum Rendezvous im Dunkeln“, einer nächtlichen Burgführung, auf Kutschen werden wieder vom Schloß Philippsruhe nach Wilhelmsbad fahren.

Daneben gibt es eine Reihe von Themenführungen. Am Sonntag, 26. Mai, geht es um „Amouren, Mieder und Mätressen - Liebesgeschichten aus dem Wilhelmsbad“. Für Schulklassen und Kindergruppen bietet diese Saison etwas Neues. Neben dem bisherigen Suchspiel durch die ehemalige Kur- und Badeanlage kann sich der Nachwuchs bei einer Führung mit der Geschichte der Blaublüter befassen: Landgrafen, Prinzen und königliche Hoheiten - Die Ahnengalerie in der Burgruine in Wilhelmsbad für Kinder. Sie kostet 25 Euro und 22 Euro Eintritt in die Burg.                 

Nähere Information und Anmeldung sind bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Außenstelle Hanau-Wilhelmsbad, Telefon 06181 / 83376, und bei Heidrun Merk, Telefon 069 / 595818, möglich.

 

Gaststätten:

Wer nach einem Rundgang Hunger oder Durst verspürt, kann wählen zwischen karibisch- europäischer Küche im restaurierten Bahnhof Wilhelmsbad, dem Café an der Kuranlage oder der Parkwirtschaft mit dem großen beschatteten Biergarten.

Bei der „Kleinen Wirtschaft“ befindet sich heute noch ein Tiergarten im Kleinen - letzte Erinnerung an die Menagerie der großen Barockgärten und Vorläufer des modernen Zoo.

 

Das Café an der Parkpromenade hat täglich von 11 Uhr bis in den frühen Abend geöffnet. Hinter der Kuranlage liegt die Kleine Parkwirtschaft (Telefon 0 6181 / 83378), wo es auch deftige Speisen gibt ‑ täglich 11 bis 24 Uhr.

Der ‑Platz (Telefon 0 6181 / 83379) ist während der Saison werktags ab 11 Uhr geöffnet, sonn‑ und feiertags ab 10 Uhr.

Über Veranstaltungen im Comoedienhaus und Park informiert das Kulturamt Hanau unter Telefon 06181/9977666. Weitere Informationen via Internet www.museen‑hanau.de/Wilhelmsbad.

 

 

Die ehemalige Meierei - Der Wilhelmsbader Hof

Die ehemalige Meierei wurde 1780 - 1781 mit einem Wohnhaus mit Strohdach, einer Scheune und Viehställen errichtet. Cancrins Idee für den Bau eines eigenen Viehhofes mit Feldern fand Anklang beim Erbprinzen Wilhelm: „Diese Idee ist so hübsch, daß sie mir von allen anderen die angenehmste ist und habe  den gefaßten Plan völlig entschieden.“ Eine Trockenmauer wurde gebaut, um Erde aufzuschütten und einen Weinberg anzulegen. Eine Brennerei und eine Brauerei wurden gebaut.

Die Meierei diente neben dem Bedürfnis für die adelige Gesellschaft für das Nachempfinden und Erleben des einfachen, ländlichen, bäuerlichen Lebens auch zur Eigenbewirtung in der Kuranlage. Zitat: „Die herrschaftliche Schweizerey versiehet nicht nur die Wilhelmsbader Küche mit der nöthigen Milch, sondern giebt auch den Kurgästen Gelegenheit dorthin angenehme Promenaden zu machen, und sich mit einem ländlichen Mahle von Butter, Milch und Käse bewirthen zu lassen.“

 

Bismarckturm

Der Turm wird 1903/04 zu Ehren des Feldmarschalls und Reichskanzlers Bismarck errichtet. Entstanden ist der Bismarckturm aus dem Geist nationaler Begeisterung Ende des 19. Jahrhunderts ‑ eine Folge der Ei­nigung des deutschen Reiches durch Otto von Bismarck. In dieser Stimmung schrieb die studentische Jugend 1899 einen Wettbewerb zum Bau von Türmen zu Ehren Bismarcks aus, der ein Jahr zu­vor gestorben war. Sieger war der junge Dresdner Architekt Wilhelm Heinrich Kreis, der damals noch nicht einmal sein Diplom in der Tasche hatte. Nach seinem Entwurf wurden in Deutschland mehr als 50 Bismarcktürme gebaut, darunter auch der in Wilhelmsbad. Insgesamt entstan­den in jener Zeit sogar an die 400 Türme zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers. Davon haben 175 die Kriege und die politischen Veränderungen der ver­gangenen hundert Jahren überdauert, darunter auch der Turm in Wilhelmsbad.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck hatte energisch die Einigung des Deutschen Reiches betrieben, die schließlich 1871 er­reicht wurde. Mit seinem Tod 1898 verfiel die nationalgesinnte deutsche Studentenschaft in ihrem Personenkult um den „Eisernen Kanz­ler” in die Forderung, „Feuersäulen” im gan­zen Reich samt der deutschen Kolonien aufzustellen. Schon ob des grob bearbeiteten Materials wirkt der Bau martialisch. Er ist ein Gleichnis für einen starken Nationalgedanken mit Boll­werk­symbolik und (aus heutiger Sicht) für einen von absoluten Machtwillen getrieben Politiker. Zwar sorgte Bismarck für eine fortschrittliche Sozialgesetzge­bung, die sei aber nur darauf ausgerichtet ge­wesen, der Sozialdemokratie die Arbeiter ab­spenstig zu machen, erklären Historiker.

Im allgemeinen Bismarck‑Fieber wollte auch die Stadt Hanau nicht fehlen. Die Hanauer Bürger spendeten kräftig und man entschied sich für den Entwurf des Dresdner Architekten Wilhelm Heinrich Kreis, der das Modell „Götterdämmerung“ kreiert hatte. Aus nahegelegenen Steinbrüchen karrte man Basaltsteine an, die zu dem wuchtigen Bauwerk aufgeschichtet wurden. Einfach, prunklos und massiv ‑ so die Formensprache der Zeit. Ein ganzes Jahr verstrich, bis der Turm stand. Er soll Stadt und Stifter 24.000 Mark gekostet haben. Die Gemeinde Wachenbuchen gibt dafür ein Stück Wald ab und stellt auch Material aus dem Steinbruch für den Ausbau der Straße.

Am 3. September 1905 war der große Tag. Ganz Hanau war auf den Beinen. In Kut­schen fuhren die Stadtväter sowie die Abordnungen der Vereine nach Wil­helmsbad, während die Bevölkerung die Eisenbahn vom Westbahnhof aus benutzte oder sich Ehrenformationen anschloß, die in ihren Paradeuniformen in Richtung Kurhaus marschierten. Schulklassen zogen singend durch die Straßen, mit von der Partie auch die Vertreter der Kriegervereine, geht aus Zeitungsberichten hervor.

Feierlich zogen die Honoratioren, Bür­ger und Schüler an der Kurpromenade vorbei zu dem 18 Meter hohen Turm, der wenig später feierlich enthüllt wurde. Auf dem Dach des Turms steht eine riesige Schale von gut zwei Metern Durchmesser. Die Idee war es, über das ganze deutsche Reich Feuerfanale zu verbreiten.

Als endlich der Reichsadler mit dem Namen des ersten deutschen Kanzlers zu se­hen war, loderte oben auf der Kuppel die Flam­me aus der Feuerschale. Wie oft es auf dem Bismarckturm tatsächlich ge­brannt hat, ist nicht überliefert. Belegt ist, daß zur Eröffnung am 3. September 1905 die Flammen loder­ten. Vor allem an Otto von Bismarcks Geburtstag am 1. April und an dessen Todestag wurde das Feuer in den Folgejahren entzündet. Feuer brannte aber auch am Tag der Reichseinheit (18. Januar 1871) oder bei Son­nenwendfeiern.

In ihrem Inneren gibt sich die Wilhelms­bader Bismarcksäule, die übrigens nie als Aussichtsturm gebaut wurde, ziemlich un­pathetisch. Der Aufbau bildet einen riesigen

Hohlraum, an dessen Innenwänden sich eine sehr schmale Stahltreppe nach oben win­det, heute noch original erhalten. Der Bau ist auch sonst augenscheinlich nicht marode.

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Bauwerk in Wilhelmsbad wegen sei­ner massiven Mauern aus Basaltsteinen als Sicherheitslager. Hier wurden zeit­weise Bücher der Stadtbibliothek vor ei­nem Bomberangriff in Sicherheit ge­bracht.

In den 50er Jahren brannte es noch einmal auf dem Turm, als Hanauer Bürger dort Reifen verbrannten zum Protest gegen das Vorhaben der Stadt, den Turm abzureißen, weil er mitten in der Straße steht. Das Interesse der Bürger an der Säule nahm in der Nachkriegszeit zunächst immer mehr ab. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren geändert, als Mitar­beiter der Stadtverwaltung den Zugang beim „Tag des offenen Denkmals“ öffne­ten.

Die Stadt Hanau, in deren Besitz der markante Turm seit vielen Jahren ist, hat nur geringen Pflegeaufwand mit dem Bauwerk. Es sind allerdings weniger bauliche Mängel oder Reparaturen, die auf ihr Konto gehen, sondern in erster Linie gärtnerische Tätigkeiten. Denn im­mer wieder sprießen aus der Plattform die unterschiedlichsten Birken und an­dere Pflanzen. Diese Form der Dachbegrünung kann aber irgendwann durch eindringende Nässe ins Auge gehen, weshalb die An­fluggehölze regelmäßig entfernt werden, wie es im städtischen Bauverwaltungsamt heißt.

 

„Waldportal“:

Der Bund der Steuerzahler hat am 27.09.2007 die Verschwendung öffentlicher Gelder durch Fehlplanungen und sinnlose Projekte angeprangert. Unter den in Berlin vorgestellten Beispielen sind auch acht aus Hessen, wie der hessische Landesverband in Wiesbaden mitteilte. Kritik gibt es auch an einem Bauwerk in Hanau-Wilhelmsbad. Es soll einen Beitrag zur regionalen Identität stiften. Gemeint ist das Hanauer „Waldportal”. Es ist Be­standteil einer Regionalparkroute, mit dem der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main die reizvollsten Prunkte der Region verbinden will und bin­det Hanau an die Route „Hohe Straße” an. Aber einen wirklichen Sinn kann man dem Bauwerk nicht abgewinnen, kritisiert der Bund der Steuerzahler.

So handele es sich bei dem „Entree” nur um zwei Mauerstückchen aus gelbem Sandstein vor einem Waldweg. Der Steuer­zahlerbund schreibt auf seiner Homepage: „Die offizielle Begründung für dieses Bauwerk hilft auch nicht viel weiter: Die Mauer nehme ein wichtiges Stilelement einer Straße auf, auf der ebenfalls solche Mäu­erchen zu finden sind. Und da die alte We­geverbindung auch Polen tangierte, habe man das Material für die gelben Sandstein­mäuerchen aus einem Ort in Polen be­sorgt, der ebenfalls an dieser Straße liegt.” Stolze 40.000 Euro hätten die Steuerzahler dafür aufwenden müssen, lautet die Kri­tik.

 

 

Eisenbahn

Die Errichtung der Bahnlinie vom Hanauer Bahnhof in Frankfurt (unweit des heutigen Ostbahnhofs) zum Hanauer Westbahnhof eröffnete dem Kurbad eine völlig neue Zukunft. Nachdem schon 1846 der Theaterpächter Briquiboul mit neuen französischen Stücken wieder ein größeres Publikum nach Wilhelmsbad in das Comoedienhaus locken konnte, brachte die Bahnlinie einen wahren Publikums-Sturm auf die alte Kuranlage.

Errichtet wurde die Bahnstrecke in den Jahren 1847/48 von einer privaten Aktiengesellschaft mit kurfürstlichem Privileg. Anderthalb Millionen Gulden kostete die Strecke nebst sämtlicher Baulichkeiten. Investoren waren neben dem Hanauer Handels- und Gewerbeverein auch die Bankhäuser Brüder Bethmann und Du Fay aus Frankfurt.

Empfangsstation für das anreisende Publikum war der Bahnhof Wilhelmsbad, jenes architektonische Kleinod, das nach umfangreicher Restaurierung als „Fürstenbahnhof“ wiedererstanden ist. Sein Erbauer ist der kurfürstliche Hofbaurat Eugen Julius Ruhl (1796 bis 1871), der als Generaldirektor der kurhessischen Eisenbahnen in Kurfürst Friedrich Wilhelm einen dem modernen Verkehrsmittel Eisenbahn äußerst aufgeschlossenen Landesherrn fand. Ruhl plante den Bahnhof nicht allein für seinen späteren Zweck. Er sollte ein repräsentatives Empfangsgebäude für den Kurfürsten sein und ist somit eine Besonderheit unter den historischen Bahnhöfen jener Zeit in Hessen.

Zentraler Raum ist das Fürstenzimmer in der Mitte des Gebäudes mit direktem Zugang zum Bahnsteig. So konnte der Fürst vom Zug direkt in den Empfangsraum gelangen. Die Wartesäle der billigeren Klassen waren links und rechts in eingeschossigen Anbauten untergebracht. Der Bahnhof war also zuallererst dem fürstlichen Repräsentationsbedürfnis verpflichtet. Dafür spricht auch die äußerst massive und nicht gerade billige Bauweise in Spessartsandstein. Auch die äußere Gestaltung mit den gekrönten Kaminen unterstreicht den repräsentativen Charakter. Das Gebäude mit seinem zweigeschossigen Mittelbau und seinen eingeschossigen Seitenflügeln erinnert durchaus an die Architektur eines Schlosses.

 

Am 10. September 1848, einem Sonntag, dampfte der erste Zug von Frankfurt nach Hanau. Ganze 37 Minuten brauchte der Zug bei seiner Jungfernfahrt für die 16,6 Kilometer lange Strecke. Zuvor hatten schon Probefahrten stattgefunden, zu denen man allerlei Prominenz eingeladen hatte, so die Hanauer Stadtverordneten und die Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung. Zweiundzwanzig Wagen zog die Lokomotive.

Die Eröffnung war eine Sensation. „Nur unter Drängen und Stoßen“, schrieben die Gazetten, war die Kasse in dem repräsentativen Empfangsgebäude erreichbar. Auch in Frankfurt waren die Fahrkarten hart umkämpft und am Hanauer Bahnhof in Frankfurt herrschte „ein ungeheures Gedränge“. Der Hanauer Chronist Ziegler berichtet von „äußerst ausgelassener Stimmung“, welche das Unternehmen begleitete.

Das moderne Verkehrsmittel Eisenbahn verhalf dem Kurbad zu einer Renaissance von ungeahnten Ausmaßen. Für die feine Frankfurter Gesellschaft gehörte es alsbald zum „guten Ton“, sonntags mit der Bahn nach Wilhelmsbad zu fahren, um dort zu flanieren. „Auch der Kurfürst ließ es sich nicht nehmen, zeitweilig in Wilhelmsbad Logis zu nehmen und die bürgerliche Gesellschaft durch seine Anwesenheit zu adeln.“

 

Sonntag;, 10. September 1848: Morgens 5 ½ Uhr begannen die regelmäßigen Fahrten auf der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn nach dem bekanntgemachten Tarif . Um ½8 Uhr fuhr der neu gebaute Eisenbahn-Omnibus, in welcher die Fremden nach und von der Eisenbahn befördert, durch die Straßen, und lockte durch sein schellenartiges Geläute viele Neugierige herbei. Durch die Eisenbahn hat diese Woche die Politik sogar weichen müssen, ein solches Interesse hat man für diese in Hanau. Nachmittags, 2 Uhr, war ein ungeheurer Zudrang zu der Abfahrt nach Wilhelmsbad - derselbe ist aber unbeschreiblich, wie er Nachmittags, 4 Uhr an der Kasse war. Es war ein ungeheures Drängen, und nur durch dieses konnte man zu derselben gelangen. 24 Wagen waren nicht hinreichend,  Alle Platz finden zu lassen. Vielen wurden das Geld wieder zurückgegeben und auf den nächsten Zug vertröstet.

Auf der Eisenbahn sollen heute auf ihrer ganzen Strecke 15.000 Personen befördert worden sein, welche eine Einnahme von 15.000 Gulden erzielt hat. Abends 3 Uhr kam der letzte Zug hier an. Es haben viele Extrazüge stattgefunden. Es fuhren 3 Locomotiven, „Frankfurt“, „Hanau“ und „Main“.

 

Aber die Bahn fuhr auch in andere Gegenden. See und Alpen rückten näher. Das elegante Publikum traf sich fortan in mondänen Kurorten, die früher fast unerreichbar gewesen waren. Nun dauerte die Reise dorthin nur noch Stunden, vielleicht einen Tag oder zwei Tage. Wilhelmsbad wurde mehr und mehr Naherholungsort und Ausflugsziel.

Über die direkte Schienenverbindung waren die Frankfurter übrigens nicht immer glücklich. Im Jahr 1848 sollen sie die Gleise verbogen haben, damit die revolutionären Hanauer nicht zum Aufstand in die Main-Metropole fahren konnten.

Mit dem Anschluß Hessens an Preußen nach dem Deutschen Krieg von 1866 war es zu Ende mit der fürstlichen Pracht in Wilhelmsbad. Freilich erfreute sich das Kurbad auch weiterhin regen Zuspruchs des Publikums aus Hanau und Frankfurt. Doch der Glanz des Hofes fiel nun nicht mehr auf die Kuranlage. Dahin war die Pracht. So blieb auch dem kurfürstlichen Bahnhof allein seine Funktion als Bahnstation an der zunehmend befahrenen und nunmehr zweispurig ausgebauten Strecke Hanau-Frankfurt.

Die äußere und innere Pracht wich ganz allmählich den technischen Erfordernissen des Bahnbetriebs. Stellwerk, Kartenausgabe, Büros und Lagerräume, im ersten Stock eine Wohnung, dies war die Nutzung bis in die frühen 80er Jahre unseres Jahrhunderts. Dann machte der technische Fortschritt auch diesen Bahnhof durch Fahrkartenautomaten und automatische Stellwerke überflüssig. Zunehmend nagte aber auch der Zahn der Zeit an dem Gebäude. Der Putz bröckelte, Gebäudeteile verfielen, und die einstige Pracht war nur noch zu ahnen, wenn der Baukörper an sich auch in noch so miserablem Zustand imposant von den gestalterischen Fähigkeiten seines Erbauers kündete.

Die Bundesbahn als Eigentümer hatte weder ein Interesse noch Mittel, das Bauwerk, eines der letzten technischen Denkmale aus der Frühzeit der Eisenbahn in Hessen, zu erhalten. Wacher Bürgersinn und das Engagement des Hanauer Geschichtsvereins indes verhalfen dem Anfang der achtziger Jahre vom Abriß bedrohten Baudenkmal zum Eintrag in die Denkmalliste des Landes Hessen. Die Stadt Hanau schließlich erwarb auf Initiative des Stadtbaurates Professor Anderle das Gebäude und das umgebende Gelände im Jahre 1989 nicht zuletzt mit dem Ziel, das Denkmal zu nutzen und damit den Erhalt zu sichern.

Erworben hat den Bahnhof drei Jahre später der Kesselstädter Malermeister Hanspeter Geibel. Als engagiertem Hanauer Bürger war ihm am Erhalt des seine Umgebung prägenden Baudenkmals gelegen, als in Restaurierungsangelegenheiten erfahrenem Handwerksmeister war das Unternehmen Bahnhof Wilhelmsbad für ihn eine Herausforderung. So gelang denn in vorbildlicher Weise die Restaurierung des Wilhelmsbader Bahnhofes. Die Erfahrung und das Können der Handwerker im Zusammenspiel mit dem Blick für das Machbare hatte zu einer idealen Lösung geführt: Als Baudenkmal erhalten und als „Fürstenbahnhof“ gastronomisch genutzt, hat das historische Bahnhofsgebäude von Wilhelmsbad exemplarischen Charakter im Umgang mit Zeugnissen der Geschichte.

Mitte Juli (1997?) öffnet der „Fürstenbahnhof“ im denkmalgeschützten Bahnhof Wilhelmsbad seine Pforten. Das fast 150 Jahre alte Gebäude ist einer - wenn nicht der - markanteste historische Bahnhof in Hessen und wurde mit größter handwerklicher Sorgfalt und unter Erhaltung des Stils und der Atmosphäre des Bauwerkes in den letzten beiden Jahren für die gastronomische Nutzung umgebaut.

Die Einrichtung des „Fürstenbahnhofs“ wurde ganz auf die historische Bausubstanz abgestimmt, Raumschmuck und Ausstattung nehmen Bezug auf die einstige Nutzung des Bauwerks. Der Gast erfährt die Atmosphäre eines historischen Gebäudes ohne Ersatzstücke und historisierendem Schnickschnack und braucht dennoch nicht auf die Annehmlichkeiten eines modernen Gaststättenbetriebes zu verzichten.

Innen besticht der Fürstenbahnhof durch sein geschmackvolles Interieur und seine Architektur. Denn durch die hohen Decken wirkt der Raum luftig und läßt nicht das Gefühl von Enge aufkommen, trotz der 100 Sitzplätze. Der Chef vom Service Reinhardt Alexander heißt den Gast herzlich willkommen. Mit seiner langjährigen Erfahrung organisiert er Familienfeste wie Hochzeiten, Geburtstage etc. Die eleganten Räumlichkeiten werden entsprechend dekoriert und sind für feierliche Anlässe geradezu prädestiniert.

Modernste Haustechnik in der Küche und an der Theke wurden installiert, Schallschutzfenster lassen vergessen, daß in unmittelbarer Nähe des „Fürstenbahnhofs" die Bahnlinie Hanau-Frankfurt vorbeifährt. Im Ausschank findet der Gast Henninger und Patrizier Biere, für die Küche wurde der Meisterkoch Franz Josef Osterloh verpflichtet. Die Küche orientiert sich an der Jahreszeit und stellt frische Produkte in den Vordergrund. Regionale Spezialitäten, gehobene Kochkunst, aber auch deftiges für den großen und kleinen Hunger stehen auf der Speisekarte.

Im idyllischen Biergarten des Fürstenbahnhofs in Wilhelmsbad sitzen die Gäste unter hellen Sonnenschirmen, genießen südländisches Ambiente und lassen es sich gutgehen. Mit 350 Sitzplätzen ist es einer der wirklich großen Biergärten unserer Region. Ob Handkäs’ mit Musik oder gekochte Eier mit Grüner Soße, dazu einen Schoppen oder ein Bier, Ausflügler finden hier neben raffinierten Menüs auch leichte Kost.