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Spaziergänge

 

Spaziergänge in Maintal

 

Einen Spaziergang macht man, weil man etwas Abwechslung im Alltag haben will und weil man sich körperlich etwas betätigen will. Dazu genügt es an sich, wenn man irgendeinen Weg entlang geht. Aber anregender und abwechslungsreicher ist der Weg, wenn man auf die kleinen Sehenswürdigkeiten am Rand achtet oder sie sogar ganz bewußt aufsucht. Dann bleibt der Weg besser in Erinnerung. Diesem Zweck sollen die nachfolgenden Vorschläge dienen. Man kann natürlich auch viele andere Spazierwege gehen, aber diese führen zu markanten Punkten in den Gemarkungen. Die Wege sind fast alle als Rundwege gestaltet, so daß man an jeder Stelle einsteigen kann. Wegen der Besucher von außerhalb ist aber immer ein günstiger Parkplatz als Einstieg angegeben. Natürlich kann man die Wege auch mit dem Fahrrad fahren oder auch in kürzere Etappen einteilen.

 

Regionalparkroute Hohe Straße

Der Name kommt daher, daß die Straße den Höhenzug von Frankfurt in Richtung Vogelsberg nutzt und damit die häufig überschwemmten Niederungen umging. In der Erdneuzeit (Beginn vor 67 Millionen Jahren) bildete sich im Wesentlichen das Gesicht der heutigen Landschaft. Der Oberrheingraben senkte sich ab und mit ihm die Hanau-Seligenstädter-Senke. Es bildete sich ein Meeresarm, der das Nord- und Südmeer miteinander verband. Danach wurde der Meeresarm aber wieder abgeschnitten, und es lagerten sich gewaltige Kalkbänke ab. Sie haben eine dunkelgraue bis bläulichgrüne Farbe und ziehen sich von Frankfurt über die Hohe Straße bis Windecken und waren früher ganz gut geeignet für Weinbau.

Die Straße kommt von Frankfurt-Höchst her und führt über Bockenheim und Bergen (Kreuzung mit den römischen Straßen Vilbel - Mainkur und Heddernheim - Kesselstadt)  an der Südgrenze der Großen Lohe entlang und dann südlich Kilianstädten zum Wartbaum südlich von Nidderau-Windecken und dann weiter nach Hammersbach-Marköbel und in den Büdinger Wald bis Fulda und Leipzig.

Die Regionalparkroute sollte besser an der Berger Warte beginnen. Aber da die Stadt Frankfurt sich nicht an der Regionalparkroute beteiligt, beginnt sie offiziell erst auf der Maintaler Gemarkung. Diese Strecke sollte man vorzugsweise mit dem Fahrrad fahren, da sie kein Rundweg ist. Einstieg könnte schon an der Berger Warte sein oder an der Straße „Hohe Straße“ in Bergen an der Querspange oder von Bischofsheim oder Hochstadt oder Wachenbuchen aus.

 

Berger Warte:

Sie steht auf Seckbacher Gemarkung und ist zwölf Meter hoch. Erstmals erwähnt wurde die Warte 1340 als „Geierswarte“. Den ursprünglichen, weitgehend aus Fachwerk, errichteten Turm brannten protestantische Truppen im Schmalkaldischen Krieg 1552 nieder, um damit das äußere Sicherungssystem der reichsstädtischen Landwehr zu durchbrechen. Doch dazu hat die Berger Warte nie gehört, obwohl sie formal deren spätgotischen Türmen entspricht und heute mit 212 Metern topographisch höchsten Punkt Frankfurts ist.

Vielmehr war die Warte immer dem Hanauer Grafen zugeordnet. Sie wurde als „Geleitwechselstation“ auf der Hohen Straße genutzt, die von Frankfurt über Leipzig bis nach Rußland führte.

Hier verabschiedeten sich die Frankfurter Soldaten, die weiterziehende Kaufleute „geleitet“ hatten und übergaben die wackeren Handelsleute in die Obhut ihrer Hanauer Kollegen. Mit Glück stößt man auch auf einen der Grenzsteine nahe der Vilbeler Landstraße, die die Grenze zwischen Königreich Preußen und Großherzogtum Hessen markieren.

Graf Philipp III. von Hanau ließ die Warte 1557 aus Stein erneuern, als Rundturm mit hochliegendem Eingang (eine mobile Leiter wurde nach dem Einstieg des Wächters hochgezogen) und Wächterstube im gemauerten Kegeldach, die allseitigen Ausblick gewährte.

Im Schutz eines kreisförmigen Wallgrabens stand die Warte völlig isoliert ‑ die heute sie umgebende Baumgruppe entstammt erst in den beiden letzten Jahrhunderten.

Während des Siebenjährigen Kriegs leitete Marschall de Broglie 1759 in der Schlacht von Bergen von hier aus die Operationen seiner französischen Kontingente und verhinderte somit den Vormarsch friderizianischer Allianztruppen auf Frankfurt.

Der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen‑Kassel zeigte sich 1844 von dem Panorama so beeindruckt, das eine Aussicht auf ehemals 200 Ortschaften bot, daß er eine Außentreppe zur Erleichterung des Warteinstiegs anlegen ließ. Dazu wurden teilweise Steine des daneben seit 1484 bestehenden Hanauer Galgens verwandt, den der hessische Kurfürst aus ästhetischen Gründen 1844 abreißen ließ.

 

Abstecher zur Ehrensäule: Man geht rechts am Umspannwerk vorbei und findet am Ende des kleinen Gehölzes die drei Meter hohe „gestümpfte Säule, die der Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel errichten ließ. Die Säule erinnert an den Besuch Kaiser Leopolds II. im Oktober 1790 (oder 1793) an der Berger‑Warte. Wegen der revolutionären Unruhen in Frankreich hatte auf Wunsch des Erzbischofs von Mainz Landgraf Wilhelm IX. von Hessen‑Kassel auf der damals zu seinem Herrschaftsgebiet gehörenden Berger Höhe ein Feldlager zum Schutz von Wahl und Krönung Leopolds II. im Jahre 1790 aufgeschlagen.

Am 23. September 1790 traf der Landgraf mit zehn Bataillonen und 14 Schwadronen ‑ das waren 6.000 Mann ‑ ein. Während drei Wochen fanden dort täglich Truppenübungen statt. Der Landgraf gab Empfänge. Viele Besucher kamen. Als nach der Wahl Leopolds II. am 30. September dreihundert Böllerschüsse von Frankfurts Mauern abgefeuert wurden, ertönten auch auf der Berger Höhe Ehrensalven und ließ der Landgraf eine Parade veranstalten und ein Freudenfeuer entzünden.

Am 11. Oktober zwei Tage nach der Krönung gaben der Landgraf und seine von Schloß Philippsruhe heraufgekommene Gemahlin dem neuen Herrscher und seiner Familie zu Ehren ein Festessen im Lager. Zur Erinnerung an diesen Tag, an dem sich 126 Personen in Zelten versammelt hatten, ließ der Landgraf diese Leopoldsäule  aufstellen. Ihre lateinische Inschrift  gibt uns über das Festmahl und die Gäste Auskunft. Wahl und Krönung waren friedlich verlaufen. Am 17. Oktober hatte sich der Landgraf wieder nach Kassel zurückgezogen.

 

Am Parkplatz an der Bundesstraße steht eine Informationstafel über die Streuobstwiesen und dort liegt der jüdische Friedhof. Er wurde in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichtet, als der Friedhof in der Ortslage voll war. Vom  Parkplatz geht man nach Osten und dann nach Süden auf der Straße „Landgraben“. Die Bundesstraße wird überquert. An  der nächsten Kreuzung geht es nach Osten in den Nordring, der schon auf die „Hohe Straße“  führt. Aber erst wenn man erneut die Landstraße überschritten hat, kommt man zum eigentlichen Eingangstor der Regionalparkroute „Hohe Straße“.

Schlacht bei Bergen:

Ein Wegweiser „Bad Vilbel“ zeigt in Richtung auf das Schlachtfeld der „Schlacht bei Bergen“. Am „blutigen Karfreitag“ dem 13. April 1759, lieferten sich hier im Siebenjährigen Krieg ein 35.000 Mann starkes französisches Heer und 28.000 preußische Soldaten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig, dem Schwager Friedrichs des Großen, eine blutige Schlacht. Mehr als 1.000 Mann kamen ums Leben, etwa 5.000 wurden verwundet, viele starben später an Wundstarrkrampf und Infektionen. Immer wieder werden bei Grabungen Knochen gefunden. Aber das war dann kein Ermordeter, sondern Reste eines Kriegers von damals, die als Verwundete reihenweise an Wundbrand gestorben sind. Die berühmte Schlacht fand ihren Weg in Kunst und Literatur. Goethe, der sie im  Alter von zehn Jahren drunten in Frankfurt miterlebte, erwähnt sie in Dichtung und Wahrheit, der britische Schriftsteller William Thackeray, der auf Seiten der Preußen mitgekämpft haben soll, hat sie in „Barry Lyndon“ verewigt.

 

Charlottenhof:

Rechts nördlich der Straße Frankfurt-Bergen nach Maintal-Bischofsheim sieht man den Aussiedlerhof „Charlottenhof“. Beim Bau des an das Wohnhaus anschließenden Stalles wurde bereits 1954 eine römische Mauer angeschnitten und Funde geborgen. An der östlichen Schmalseite der offenen Scheune wurde im April 1956 eine etwa einen Meter tiefe Baugrube von 9 mal 13 Meter für einen Putenstall ausgehoben. Dabei stieß man auf eine Mauer von etwa 70 Zentimeter Stärke. Diese aus plattig brechenden Kalksteinen gefügt, wie sie in diesem Gebiet unter dem Löß anstehen. Als Bindung wurde kein Mörtel, sondern gelber Ton verwendet.

Die Mauer verläuft in Richtung West-Südwest nach Ost-Nordost. Von der Südwand der Baugrube ist die Südkante der Mauer im Westen 7, 35 Meter entfernt, an der Ostwand 9,30 Meter.

Die Mauer scheint römischen Ursprungs zu sein, da sich im Aushub einige Scherben fanden, darunter das Randstück eines römischen Kochtopfs und einige vermutlich römische atypische Scherben. Außerdem fanden sich zwei vorgeschichtliche Gefäßbruchstücke.

 

Große Lohe:

Der erste große Wald, der erreicht wird, ist die „Große Lohe“, die von den Bischofsheimern „Buchwald“ genannt wird. Der Name kommt vom lateinischen „lucus“ und bezeichnet einen gemeinschaftlichen Wald, in dem mehrere Berechtigte eine private Holznutzung haben. Unmittelbar am Waldrand haben Modellsegelflieger ihr Übungsgelände (noch klären, welcher Verein das ist und wie seine Arbeit aussieht).

 

Warte:

Auf der Höhe an der Südwestecke der Großen Lohe schneidet die Landwehr die Hohe Straße. Dort verzeichnet ein Riß vom Jahre 1599 zwei überbrückte Gräben und eine Warte in viereckigem Hofe. An diesen Schlag erinnern die Flurnamen „Am neuen Schlag“ und „Am Eisernen Schlag“.

Nach anderer Angabe stand  an der „ferrst Lohe“ (vorderste Lohe), wo die Kreisstraße in den Wald eintritt, eine Warte, die 1554 als „alte Warte“ bezeichnet wird (hier könnte heute wieder ein Aussichtspunkt geschaffen werden).

 

 

Dreimärker:

Am östlichen Rand der Großen Lohe stand ein Grenzstein von 1615 ein Dreimärker, an dem die Gemarkungen von Hochstadt, Bischofsheim und Niederdorfelden zusammenstießen (diesen Stein könnte man wieder rekonstruieren entsprechend dem Stein am Zusammentreffen der Gemarkungen von Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim).

 Wüstung Hildrichshausen:

Auf einer Karte der Grafschaft Hanau-Münzenberg aus dem Jahre 1736 ist im Gebiet südlich der Großen Lohe eine Wüstung „Hondorf“ und „Hildrichshusen“ eingezeichnet. Es fällt auf, daß in der ansonsten eng besiedelten südlichen Wetterau auf der weiten Strecke zwischen Niederdorfelden und Hochstadt bzw. Wachenbuchen kein Dorf zu finden ist. Das könnte darauf zurückgeführt werden, daß hier ein Dorf untergegangen ist. Auch die Flurbezeichnung „Am Kellergewölbe“ könnte ein Hinweis darauf sein.

 

Bodenfunde:

An der Hohen Straße gab es keine großen Niederlassungen, aber sie ist durch begleitende Steingräber seit alter Zeit bezeugt. Im Frühjahr 1968 wurden bei einer Feldbegehung etwa elf Meter nördlich der Hohen Straße und rund 700 Meter westlich der Landstraße zwischen Maintal-Wachenbuchen und Niederdorfelden bandkeramische Keramik- und Steinartefakte aufgelesen. Ganz in der Nähe der Fundstelle wurden nach Georg Wolff im Jahre 1904 neolithische Gruben mit Scherben, von welchen einige Ornamente des Großgartacher Stils zeigten, sowie Hüttenlehm und zwei Feuersteinmesser aufgedeckt. Und 300 Meter östlich von der Stelle sah Dir.-Assistent Welcker im Herbst 1912 gleichfalls neolithische Gruben. Die damals geborgenen Funde gingen durch Kriegseinwirkung verloren. Zwischen 1916 und 1918 wurden an diesem Siedlungsplatz zahlreiche „bandkeramische Wohngruben“ entdeckt, die damals geläufige Bezeichnung für die entlang der Langhäuser angelegten Lehmentnahmegruben. Eine Besonderheit des Niederdorfelder Materials sind die „Notenkopfverzierungen“ auf oder am Ende von Ritzlinien.

 

Bonifatius:

Nach einer Überlieferung soll Winfried, genannt Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, bei seinen Reisen nach dem von ihm gegründeten Kloster Fulda die „Hohe Straße“ benutzt haben. Auf dieser Straße könnte auch 754 sein Leichnam von Mainz nach Fulda gebracht worden sein. Dabei strömt viel christliches Volk herbei, wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, ein Hinweis darauf, daß es damals schon viele Christen in der Gegend gab.

Allerdings ist der Verlauf der „Bonifatiusroute“ umstritten. Auch der Wetteraukreis hat ein Patent darauf angemeldet. Für die Historiker steht außer Zweifel, daß der Leichenzug am Nachmittag des 11. Juli 754 in Heldenbergen eingetroffen sei. Vermutet wird, daß die Gruppe zuvor die Mittagsrast auf dem Schäferkoppel westlich von Karben verbracht habe. Ein Bonifatiuskreuz an der heutigen Kreisstraße 245 („Römerstraße“) erinnere an den seinerzeit zurückgelegten Weg zwischen den beiden Orten. Im Main‑Kinzig‑Kreis soll diese Route von Büdesheim kommend nach Heldenbergen zum Bonifatiuskreuz führen. Anschießend geht sie nach Windecken und durch Eichen und wieder in den Wetteraukreis, Richtung Kloster Engelthal.

 

 

Aber auch der Main‑Kinzig-Kreis erhebt Anspruch darauf, daß der Leichenzug des heiligen Bonifatius 754 den Kreis durchquerte. Er wird dabei unterstützt von Heinrich Quillmann aus Nidderau-Windecken. Quillmann weist darauf hin, daß nur über die Etappen des Leichenzugs bis zum heutigen Frankfurter Stadtteil Kalbach Aufzeichnungen vorliegen. Sie setzen erst wieder kurz vor Fulda ein.

Der Raum dazwischen bleibt ein weites Feld für Forscher und Lokalpatrioten. Nach Quillmanns Meinung führt der Weg durch Windecken und von dort über den Ohlenberg nach Altenstadt.

Die Routenplaner vertreten eine andere These: Die Leiche des Heiligen sei am Nachmittag des 11. Juli 754, einem Donnerstag, in Heldenbergen eingetroffen. In jenem Dorf hat man diese Überzeugung im Jahre 1909 in Stein geschlagen. Auf einem Acker an der K 246 („Römerstraße“) erinnert ein Steinkreuz im irischen Stil an die dort vermutete Rast der Leichenträger. Das am „Bonifatiusacker“ in Heldenbergen errichtete Hochkreuz bezeichne eine sogenannte „Bonifatiusruhe“.

Quillmanns Hauptargument ist die Erwähnung eins „Bonifaicienburnen“ in einer Windecker Urkunde von 1349. Dort wird das Grundstück „Bonifatiusbrunnen“ zusammen mit den heute noch bekannten Fluren „Im Niederfeld, Im Steinhausen, Am Holzweg“ genannt. Quillmann vermutet es in der Nähe des Holzweges. Außerdem gibt es einen „Bonifaziusacker“ in einer Windecker Flurkarte von 1862, die Flur „An der Ruhhecke“ (möglicher Hinweis auf eine Rast der Prozession), „Am Heiligenstock“ und „Am Kreuzweg“ ‑ alles in wenigen hundert Metern Umkreis. Der Brunnen fehlt, doch es finden sich im Umfeld des Holzwegs zahlreiche Quellen und Brunnen, einige namenlos, einige im Lauf der Zeit versiegt. Aber der Name der Quelle, die im Bereich des Bonifatius‑ Ackers gesprungen ist, und den darunter liegenden „Wasserfall“ (1588) gespeist hat, ist leider nicht überliefert.

 

Kleine Lohe:

Der nächste Wald an der Hohen Straße ist die „Kleine Lohe“. Vor dem Ersten Weltkrieg standen am südlichen Rand des Weges durch die Kleine Lohe römische Gedenksteine mit lateinischen Worten und Bezeichnungen von Legionen und Kohorten (hier könnte man einen Stein nach Vorbildern an anderer Stelle rekonstruieren).

 

Hühnerberg:

Südlich liegen die Gebäude auf dem Hühnerberg. Dieser ist mit 197 Metern über dem Meeresspiegel (in  Höhe der Gebäude, am Übergang über die Hohe Straße sind es 205 Meter, östlich davon an dem Grenzstein ist es noch etwas höher) fast die höchste Erhebung Maintals. Die Bezeichnung „Hühnerberg“ könnte von den „Hühnengräbern“ herrühren, die man angeblich hier fand. Das Wort könnte aber auch von dem mittelhochdeutschen „huon“ = „hoch“"  kommen und also ganz einfach „hoher Berg“ heißen.

In der Zeit um1900  nimmt Wachenbuchen durch eine tüchtige Gemeindeverwaltung einen bedeutenden Aufschwung. Es wird ein beliebter und gern besuchter Ausflugsort für die Bewohner der nahen Dörfer und Städte. Im Jahr 1905 entsteht der Plan, auf dem Hühnerberg einen  Aussichtsturm  zu errichten. Er soll so aussehen wie der Bismarckturm in Wilhelmsbad. (Doch es ist nicht so, daß die Hanauer dafür gesorgt hätten, daß der Turm nicht auf dem Hühnerberg gebaut wird, sondern in Wilhelmsbad. Der Bismarckturm wird schon 1904 gebaut, das Grundstück ist schon vorher verkauft worden).

Bei der Zusammenlegung wird auf dem Hühnerberg ein Stück Land für die Gemeinde ausgewiesen, das dann verpachtet werden kann. Und 1910 wird das Grundstück für den Hühnerbergturm mit Bäumen aus dem Gemeindewald bepflanzt.

Vor dem Ersten Weltkrieg wird in allen Lokalen für den Bau eines Aussichtsturms auf dem Hühnerberg gesammelt, besonders von den Stammgästen der „Krone“ in Wachenbuchen. In Hanau bildet sich auch ein „Hühnerbergverein“ (oder auch „Verkehrsverein“), der das Geld verwaltet. Der Grundstein soll schon gelegt werden, da bricht der Krieg aus. Nach dem Krieg ist zwar Geld da, aber es wird durch die Inflation vernichtet. Außerdem sind einige Mitglieder des Verkehrsvereins inzwischen verstorben.

Auf der Höhe des Berges wird auf einer Fläche von etwa einem Hektar eine Funk- und Leitstelle für die Fliegerhorste Langendiebach und Rothenbergen errichtet. Die Luftwaffe bohrt einen 135 Meter tiefen Brunnen im südwestlichen Teil des Grundstücks, der heute in 60 Meter Tiefe gesprengt ist. Auch eine Lichtleitung wird schon gelegt; von dem Trafo am Lichtmast westlich des Grundstücks geht bis heute ein Erdkabel zu den Gebäuden.

Das Gebäude bestand aus der Funkstation mit einem Arbeitsraum im Erdgeschoß und den Sendeeinrichtungen im Keller sowie den Wohngebäuden westlich der Straße. Der Offizier wohnte in dem nördlichen Gebäude, die Mannschaften waren im südlichen Teil des Gebäudes untergebracht (dort kann man im Hausflur noch den Gewehrständer sehen). Bei Ausbruch des Krieges legt man dann noch eine Flakstation und eine Scheinwerfereinheit unterhalb des Berges an.

Im Krieg ist auf dem Hühnerberg ein militärisches Objekt, eine Funkstation. Den Kindern aber wird eingeschärft: „Wenn euch jemand fragt, was dort ist, dann sagt ihr: Eine Hühnerfarm!“ (Elli Wolf, Hanauer Landstraße 15).

Nach dem Krieg sind zunächst die Amerikaner auf dem Hühnerberg. Am 18. Oktober 1948 aber möchte das Landratsamt wissen, wie die Gebäude auf dem Hühnerberg verwendet werden sollen. Man will sie der Arbeiterwohlfahrt für ein neues Alters- und Erholungsheim zur Verfügung stellen. Sie gehen dann in das Eigentum der Bundesvermögensverwaltung über.

In den Jahren 1949 und 1950 ist Herr Tschepe der Pächter des Hühnerbergs. Er möchte das Haus an das Wasserleitungsnetz anschließen.

Ab Mai 1950 nutzt die United Press in Frankfurt die Gebäude. Sie möchte Wasser aus dem Hochbehälter entnehmen und erhält auch die Genehmigung für einen Grundpreis von 35 Mark im Monat. Aber der Plan wird nicht verwirklicht.

Am 1. Mai 1958 zieht Renate  Töpfer auf den „Hühnerberg“ und richtet dort eine Gaststätte mit Gastzimmer und Küche ein. Das Wasser wird mit Fahrzeugen aus Wachenbuchen geholt und in eine Zisterne gefüllt; von dort wird es in eine Wasserleitung gepumpt, so daß die Gäste gar nicht merken, daß hier keine echte Wasserleitung vorhanden ist. Das Abwasser aber darf nicht in die Feldmark geleitet werden, sondern es wird aus einer Grube abgefahren.

Der Gaststättenraum ist in dem ehemaligen Senderaum, die Abortanlagen sind in der ehemaligen Schaltanlage eingebaut. Am 23. Dezember 1958 wird die Gaststätte noch erweitert durch zwei Gasträume im Keller. Dort ist eine Bar mit Musikbox, ganz im Stil der damaligen Zeit. Mit der Gaststätte verbunden ist ein Kleintierpark mit Affen, Fasanen, usw. Die Station hat 1964 fünfzehn Bewohner und erhält die offizielle Bezeichnung „Hühnerberg (Hsgr.)“. Heute wohnen dort sieben Personen.

 

Im Jahre 1968 machen Frau Töpfer und Herr Petkow eine Bauvoranfrage, weil sie ein Hotel auf dem Hühnerberg bauen wollen. Aber auch aus diesem Plan wird nichts. Frau Töpfer kauft 1960 die Gaststätte „Waldschlößchen“ an der Hohen Tanne und baut sie zum Hotel aus.

Im November 1970 kauft Herr Hugo Bracker  das Grundstück auf dem Hühnerberg von der Bundesvermögensverwaltung. Gegen den Bauantrag zum Ausbau des Hühnerbergs bestehen keine Bedenken. Herr Bracker versieht das Sendegebäude mit einem Walmdach und läßt eine Leitung vom Wasserbehälter zum Hühnerberg verlegen. Die Abwasserleitung wird in den Jahren 1996/97 auf Kosten des Besitzers ins Dorf gelegt,

 

Gegenüber der alten Funkstation baut die Post 1963 eine  Funkrelaisstation. Der Stahlantennenträger wird im Jahre 1972 von der Post errichtet.

Südlich davon, östlich der Wohngebäude, befindet sich eine frühgeschichtliche  Fundstelle. Der Weg geht heute geschwungen den Abhang hinab. Aber das liegt nicht daran, daß er einem frühgeschichtlichen Gutshof ausweichen wollte, sondern der Weg wurde erst bei der Zusammenlegung angelegt, und zwar deshalb geschwungen, weil so das Gefälle leichter zu überwinden ist. Eine weitere Fundstelle befindet sich südöstlich des großen Steins an der Hohen Straße.

 

Grenzstein von 1822:

Dieser Stein steht am Schnittpunkt der Gemeinden Wachenbuchen, Niederdorfelden, Oberdorfelden. Dieser  Stein ist schon von 1822 und trägt den Buchstaben „W" oder „Wk". Das angedeutete „K" kann aber nicht Kilianstädten meinen, denn hier treffen sich erst die Gemarkungen von Niederdorfelden und Oberdorfelden. Dies dürfte aber die höchste Stelle in der Gemarkung sein. Der eigentliche Grenzstein steht südlich der Hohen Straße. Die Buchstaben ND und OD sind noch zu sehen, die andere Seite mit dem Buchstaben W ist abgeschlagen. Gleich daneben in östlicher Richtung liegt noch ein Stein, bei dem es sich um den 1855 erwähnten Dreieckspunkt dritter Ordnung aus rotem Sandstein handeln könnte. Den ältesten Stein, der an dieser Ecke stand, bewahrt aber Wilhelm Schäfer, Bachstraße 18, auf: ein Grenzstein von 1615.

 

Oberdorfelder Wald:

Der Oberdorfelder Wald reichte im Jahr 1855 bis an die Stelle des großen Grenzsteins. Er ist 1830 laut Staatsarchiv Marburg an Oberdorfelden verkauft worden. Der Wald heißt auch „Kleine Lohe“, wie ein Schild des Forstamtes ausweist. Die Hochstädter aber sprechen vom „Steder Wald“ (Kilianstädter Wald) und in Wachenbuchen sagt man „Äppel-Lohe“, weil sich südlich davon viele Apfelstücke befanden. Heute ist dort der Übungsplatz der Maintaler Modellflieger. In diesem Bereich verläuft die Grenze wieder südlich der Hohen Straße bis über den Wald hinaus.

 

Östlich des Waldes steht auf dem Schäferküppel – schon auf Oberdorfelder Gemarkung – der „Läusbaum“. Im Jahre 1855 reichte der Wald noch bis hierher und darüber hinaus. Er soll seinen Namen von Landfahrern haben, die zum Volk der Roma und Sinti gehörten. Diese hätten sich immer dort gelagert und ihre Läuse hinterlassen. Doch eher kommt der Name von „Geleitsbaum“, weil hier die Grenze der Ämter war und das Geleit für die Fuhrwerke gewechselt wurde (der nächste Geleitsbaum in Richtung Westen stand auf dem Heiligenstock bei Bad Vilbel). Unter dem Baum hat der Lions-Club Maintal einen Stein aufgestellt, der an die 1200-Jahr-Feier Wachenbuchens erinnert.

Der Stein liegt allerdings falsch, weil er den Eindruck erweckt, die Hohe Straße sei nördlich des Kilianstädter Waldes verlaufen. Er sollte weiter südlich vom Baum aufgestellt werden, und zwar in der Richtung, in der die Hohe Straße verläuft.

Die Hohe Straße führte allerdings nach der Beschreibung von 1855 nicht am Läusbaum vorbei, sondern bog vorher nach Südosten ab, knickte dann wieder nach Nordosten, überquerte die Wachenbucher Gemarkungsgrenze und verlief dann östlich der Gemarkung im großen Bogen in Richtung Windecken und Marköbel.

Der jetzt ausgebaute Teil der Hohen Straße ist jedoch eine gute Streckenführung. Sie geht nicht  in Richtung Kilianstädten weiter, sondern biegt dann auf dem zweiten Weg nach rechts ab. Dieser Weg führt wieder auf die historische Hohe Straße und genau zur Kreuzung mit der (ausgebauten) Straße Wachenbuchen-Kilianstädten und von dort (gut ausgebaut) zum Wartbaum bei Windecken (Länge der Strecke von der Berger Warte bis zum Läusbaum etwa 9,8 Kilometer, bis zum Wartbaum etwa 13,8 Kilometer).

 

Regionale Fortsetzungen nach Süden:

Von der Kreuzung der Hohen Straße mit der Straße von Wachenbuchen nach Kilian­städten führt ein gut ausgebauter Weg nach Wachenbuchen. Der Übergang über die Mittelbucher Straße ist durch eine Ampel gesichert. Durch die Burgstraße und Bleichstraße (nicht durch die Mittelbucher Straße) kommt man auf die Route nach Wilhelmsbad. Besondere markante Punkte gibt es erst in der Ebene: Burg von Buchen, Römergrab, Autobahn mit vorgeschichtlicher Fundstelle und Försterstein. In Wilhelmsbad ist der Weg südwestlich des ehemaligen Steinbruchs gut ausgebaut. Es gibt auch die Möglichkeit, nordöstlich des Steinbruchs und dann durch den Kurpark zu fahren.

Die zweite Route zweigt an der Südostecke der Großen Lohe ab und führt zunächst in Richtung Gemeindeweide in der Gemarkung Hochstadt. Hier sind folgende Punkte markant: Landwehr, Gemeindeweide,  Mühle, Kochbergkreuzung (siehe Hochstadt).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nördlich von Wachenbuchen

 

Der Ausgangspunkt ist am nördlichen Ausgang von Wachenbuchen die Bachstraße, wo einmal eine Mühle stand. Danach wurde wohl der Mühltorring benannt, auf  dem man nun nach Westen geht.  Dann muß man ein Stück die Landstraße nach Nordwesten aufwärts gehen, ehe man am Ende der Bebauung nach Südwesten geht.  Leider gibt es in diesem Gebiet keinen anderen Weg, weil der Feldbergring keinen Ausgang nach Norden hat und erst an der Grenze zu Hochstadt westlich der Börrwiese wieder ein Weg nach Norden führt. Man kann höchstens abkürzen, indem man schon auf dem Weg vor der Kreisstraße nach Nordwesten geht.

Wenn man aber nördlich des Feldbergrings weiter geht, kommt man in einem Einschnitt über den Hühnerberggraben. Er beginnt südlich des Hühnerbergs beginnt. Dann führt er durch den westlichen Teil des Feldbergrings und den westlichen Teil des Hessenrings und schließlich durch die Brucknerstraße, bis er südlich des Ortes wieder als Bachlauf zutage tritt und dem Wald zustrebt.

Der weitere Werg führt vorbei an der Gärtnerei Kaufeld (der Zugang zu dieser ist von der Straße „Am Berghof"). Die Gärtnerei wurde gegründet von Hella und Ewald Kaufeld. Den Gärtnerberuf lernt Ewald Kaufeld in der Gärtnerei Keim in Bruchköbel. Abschließend arbeitet er im Münsterland und in Köln, um seine Kenntnisse zu erweitern. Nach einer Beschäftigung bei der Stadt Frankfurt gründet er 1963 den jetzigen Betrieb. Seinen Wunsch nach Selbständigkeit kann er nur in Wachenbuchen verwirklichen. Er stammt ja aus dem Ort, in dem sein Vater Bürgermeister war, aber keinen Landbesitz hatte. Auch die kleine Gärtnerei seiner Schwiegereltern ist von städtischem Pachtland abhängig.

So freut er sich, als nach vierjährigen Bemühungen die damalige Nassauische Siedlungsgesellschaft es der Familie 1963 ermöglicht, in der freien Feldflur nordöstlich des Ortes eine „Siedlerstelle" zu errichten, obwohl die Gemeinde dort inzwischen Bauerwartungsland ausgewiesen hat. Von der Staatsdomäne können im Herbst 1962 drei Hektar Land gekauft werden. Im Jahr 1974 wird noch einmal ein Hektar von der Hessischen Landgesellschaft erworben (der westliche Teil des Geländes). Die Landwirte protestieren scharf, weil sie um die Grundstückspreise fürchten; aber nach außen kritisieren sie nur, daß man hier billiges Bauland hätte haben können.

Die Firma hat von Anfang an mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine Gärtnerei braucht Wasser. Dieses kann sie nur aus zwei Brunnen auf einem eigenen Grundstück an der heutigen Büchertalstraße beziehen. Fast 1,5 Kilometer Leitung sind in den damaligen Feldwegen zu verlegen (heute Brucknerstraße und Höhenweg). Die Genehmigung für die Wasserrechte muß der Regierungspräsident erteilen. Als dann im Süden des Ortes gebaut wird, müssen die Leitungen umgelegt werden. Es gibt Streit wegen der Übernahme der Kosten. Gleichzeitig läuft aber ein Antrag der Familie, das Wohnhaus auf drei Stockwerke zu erhöhen. Erst nach einem Verwaltungsgerichtsverfahren werden zwei Vollgeschosse genehmigt.

Das Trinkwasser soll 1968 aus dem öffentlichen Netz bezogen werden (laut Akten erst 1968, nicht von Anfang an, wie Herr Kaufeld angibt). Aber die Gemeinde will sich zunächst nicht mit einer Druckausgleichanlage belasten. Schließlich wird diese aber doch an der Ecke Dorfelderstraße/Hessenring gebaut, aber mit einem Begrenzungsventil versehen. Sie ist unterirdisch und  heute nicht mehr in Betrieb. Aus den Brunnen im Süden des Ortes wird weiterhin Wasser bezogen.

Außerdem wird Regenwasser in zwei Teichen gesammelt und für die Bewässerung genutzt. Der Bau der Straße wird zur Hälfte von der Gärtnerei und zur Hälfte von der Gemeinde finanziert.

Anfangs ist die Gärtnerei  ein Gemüsebaubetrieb. Aber 1981 wird sie auf Blumen und Zierpflanzen umgestellt. Im Jahre 1992 übergeben Ewald und Ella Kaufeld das Geschäft an Gärtnermeister Walter Kaufeld. Seine Frau Beate und seine Schwester betreiben das Blumengeschäft „Maintal-Blumen-Center" auf dem Betriebsgelände. Heute ist sie die größte Gärtnerei der Stadt mit zehn ständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und sieben Teilzeitkräften sowie Auszubildenden.

Die Gärtnerei hat heute 8.500 Quadratmeter Fläche unter Glas, wird aber noch expandieren müssen. Sie ist auf dem Blumengroßmarkt in Frankfurt und auf den Wochenmärkten in Hanau und Bischofsheim vertreten. Die Firma nutzt ihren Vorteil, nah am Verbraucher zu sein. Sie geht auch auf die Wünsche ihrer Großkunden ein und bietet eine schnelle Lieferung in großer Stückzahl und in gleich guter Qualität an. Westlich davon liegt der Aussiedlerhof Stein, der seinen Sitz in der Mittelbucherstraße 11 hat und 1969 nach hier aussiedelt.

 

Etwa in der Mitte der Gärtnerei geht ein Weg nach Nordwesten. Auf diesem geht man zwei Gewanne und dann rechts in Richtung Nordosten. Über die Kreisstraße nach Niederdorfelden kommt man hinüber zum  neuen Wasserbehälter. Ab 1949 baut Wachenbuchen eine neue Wasserleitung. Bis 1952 wird am Simmichtsweg eine Pumpstation errichtet. Das Wasser geht zunächst in das Ortsnetz. Auf den Bau eines neuen Hochbehälters verzichtet man zunächst noch. Der Überschuß wird in den 1928 gebauten Hochbehälter am Auborn (Fassungsvermögen 200 Kubikmeter) gedrückt. Im „Klapperfeld" (Bleichstraße und Umgebung) werden 1957 die Rohre verlegt. Am Klingerborn wird 1958 erweitert.

Doch in den Sommermonaten kommt in den höher gelegenen Teilen des Ortes kein Wasser mehr aus der Leitung. Dort muß man zum Beispiel zum Klingerborn gehen und Wasser mit dem Eimer holen. So baut man 1965/1966 für 1,1 Millionen Mark an der Landstraße nach Niederdorfelden noch einen Tiefzonenbehälter mit rund 600 Kubikmeter Inhalt. Dieser ist eine Zwischenlösung, denn ursprünglich wollte man am Ortsrand einen Tiefzonenbehälter bauen und am Hühnerberg einen Hochzonenbehälter. Dieser Plan wird verworfen.  Aber die Kosten für die Schuldentilgung sind dennoch sehr hoch, die Gebühren reichen nur für die laufenden Unterhaltungskosten.

Weil die Regierung in Wiesbaden keine Zuschüsse für die Erweiterung der Wasserversorgung geben kann, wird das Wasserwerk an die Kreiswerke abgegeben. Dadurch wird eine Preiserhöhung vermieden. Die Gemeinde wird am 1. Januar 1972Gesellschafterin der Kreiswerke Hanau GmbH. Diese sollen zur Sicherung der Wasserversorgung einen Hochzonenbehälter errichten, tun es aber auch nicht. Durch Mischung des harten Wassers aus Wachenbuchen mit dem Wasser aus dem Versorgungsnetz Frankfurts kann 1979 die Wasserhärte herabgesetzt werden. Heute läuft ein Teil des Wassers auch aus Dorfelden zu.

 

Man geht jetzt den Weg nach Norden weiter, bis der geteerte  Weg nach Osten abbiegt. Hier ist die Flur „Pfingstweide“, wo etwas westlich ein Quellgebiet ist und auch die frühgeschichtliche Fundstelle „Auf den Maueräckern". Wo heute noch eine Hecke vorhanden ist, begann die frühere Wasserleitung nach Hanau.

Einen Teil dieser Leitung wurde einmal etwas unterhalb der Pfingstweide beim Pflügen angeschnitten; dabei handelt es sich wohl um einen Schacht aus Backsteinen. Heute führt der Graben nur noch wenig Wasser. Erst weiter unten, wo der Weg vom Tiefzonenbehälter einmündet, kommt eine stärkere Quelle hinzu. Gegenüber ist ein Kontrollschacht, durch den das Wasser in den Bach beim Wasserwerk geleitet wird.

 

Östlich ist dann das alte Wasserwerk, dessen Eingang von Süden her ist. Die Inschrift ist noch zu erkennen: „Wasserwerk Wachenbuchen 1897 - 1928". Nördlich befindet sich der Wasserbehälter von 1897. Östlich ragen drei Rohre aus der Erde, wohl von den verschiedenen späteren Bohrungen. Außerdem gibt es dort zwei Schächte, aus denen Wasser austritt. Nördlich des Geländes des Wasserwerks steht ein Schuppen des Landwirts Mossel. Östlich des Weges zum Ort liegen drei Wasserleitungen: ganz unten die Leitung von 1897, auf halber Höhe eine Leitung aus weißem Material, die den Brunnen an der Ecke Herrnstraße/Rübenberg speiste, und schließlich noch weiter oben eine Leitung aus Holz, über deren Zweck man nichts weiß.

Der Überschuß an Wasser wird in den 1928 gebauten Hochbehälter am Auborn (Fassungsvermögen 200 Kubikmeter) gedrückt. Das Wasser ist hart und enthält kein Eisen. Eine Aufbereitung ist aber nicht nötig, sagt man. Der Behälter von 1898 (110 Kubikmeter Inhalt) soll als Brandreserve dienen und von den Quellen an der Pfingstweide gespeist werden. Aber er ist undicht und muß ausgeschaltet werden.

 

Westlich des Weges liegt die Flur  Auborn. Sie ist benannt nach einem Brunnen, der mitten in dem Gewann lag und von der Gemeinde unterhalten werden mußte. Er konnte kann beim Bau der Wachenbucher Wasserleitung 1897 nicht mit einbezogen werden. Die Quelle wird heute mit Röhren vom Acker abgeleitet in die Bach und hilft mit bei der Spülung des Kanalsystems.

Etwa in der Mitte des Gewanns, gegenüber der Stelle, wo der Weg den Hang herunterkommt, ist eine vorgeschichtliche Fundstelle. Beim Pflügen stieß der Landwirt Wilhelm Schäfer, Bachstraße 18, Ende März 1950 auf Steine. Es war eine fast viereckige, etwa 56 mal 62 Zentimeter große Sandsteinkiste mit einigen eisernen Nägeln, die wohl von einem Holzkasten herrühren.

Außerhalb der Kiste an der Südostseite standen drei einhenklige Krüge, 17 bis 20 Zentimeter hoch. Dazwischen lagen zwei größere Bruchstücke einer Bilderschüssel (terra sigillata) mit Medaillondekoration aus der Werkstatt des Rheinzaberner Töpfers Comitialis; eine der Scherben trägt den rückläufigen Stempel "LATIN(NI)". Die Kiste ist heute im Museum in Hanau-Steinheim, die Gefäße sind im Besitz des Finders.

Solche Steinkistengräber wurden in unsrer Gegend bisher nur in den Gemarkungen Wachenbuchen und Mittelbuchen gefunden. Alle diese Gräber liegen in der Nähe römischer Gutshöfe, so daß auch hier mit einem benachbarten Gutshof zu rechnen ist. Auf Luftbildaufnahmen sieht man in diesem Gewann (Flurstück) einen dunklen Fleck, der eine feuchte Stelle markiert. Hier könnte die Wasserquelle für die Ansiedlung gewesen sein.

 

 

Wenn man den Weg am Bach entlang hinunter geht, Kommt man zu den  Gebäuden des Landwirts Wilhelm Schäfer, Bachstraße 18: westlich des Weges eine Reithalle und östlich ein Stall und eine Scheune. Der Weg vom Auborn zum Stallgebäude Schäfer wird 1972 instandgesetzt, die Brücke am Auborn wird mit Beton abgesichert.

Die nächste Station ist der Spielplatz, der 1974 angelegt wurde. An diesem südlich entlang kommt man zum Mobilfunkmast am neuen Friedhof. Durch das Tor am Friedhof darf man sich nicht abschrecken lassen, es ist offen, so daß man den Friedhof überqueren kann.

Der  neue  Friedhof, der angelegt ist in einer Flur, in der früher die Weinberge waren. Im August 1984 beginnt der Bau des neuen Friedhofs, allerdings ein Gewann weiter südlich, als in den Stadtplänen eingezeichnet. Der erste Teil wird Mitte 1985 fertiggestellt. Ende September 1986 wird mit den Bauarbeiten für die Trauerhalle begonnen, 1988 wird sie in Benutzung genommen.

Mit der neuen Trauerhalle ist viel Ärger verbunden, die Architekten erheben 1987 schwere Vorwürfe gegen den zuständigen Stadtrat Schreiber. Der Fußweg zum neuen Friedhof wird 1989 ausgebaut, die Straße wird drei Meter breit. Wenig schön ist die Errichtung eines Mobilfunkmastes in unmittelbarer Nähe des Friedhofs.

 

Der befestigte Feldweg östlich des Friedhofs wird „Lohkatzenweg" genannt. Er führt zu einer Quelle links des Wegs, die heute durch ein Kunststoffrohr gefaßt ist. Hier handelt es sich um den sogenannten  Steinborn, dessen Wasser heute etwa einhundert Meter nach Osten läuft und dann versickert. Ursprünglich lief es aber in Richtung Süden, wie man an den heute noch vorhandenen Gräben sehen kann. Diese führen östlich des Geländes der Pfadfinder entlang auf das Wasserwerk am Simmicht zu und dann den Simmichtsweg entlang. Später hat man das Wasser in Röhren gefaßt und zum Bleichhaus am Simmicht geführt.

 

Die  Scheune  unterhalb des Friedhofs Richtung Dorf gehört dem Landwirt Bäuml, Bachstraße 4, die Blechscheune kurz vor dem Dorf dem Landwirt Edmund Schäfer, Rübenberg 8. Dieser hatte seine Scheune ursprünglich östlich des Kilianstädter Weges, dort wo heute noch eine etwas wüste Stelle ist. Hier waren früher ein Teich und später die Scheune, die 1958 bei einem Unwetter vom Blitz getroffen und zerstört wird.

Am nördlichen Ostrand  kommt man über den Mühltorring wieder zum Ausgangspunkt (Länge des Spaziergangs etwa 3,2 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südlich von Wachenbuchen

 

Kurzer Weg: Simmichtswerg bis kurz hinter dem Römergrab, dann nach Westen zum Sportplatz und wieder zurück nach Wachenbuchen.

 

Ausgangspunkt ist der östliche Ortsausgang am Beginn des Simmichtswegs.  Wegen der Länge des Weges empfiehlt  sich ein Fahrrad. Auf dem Simmichtsweg kommt man zunächst an der 1974 erbauten Maschinenhalle des Wasser- und Bodenverbandes des Main-Kinzig-Kreises vorbei. Auf der nordöstlichen Ecke des Geländes stand das Bleichhaus. Als das Wasser an der Bolane (Klingerborn) zu knapp wird, verlegt man die Gemeindebleiche auf die Gemeindewiesen hier am Simmichtsweg. Das Wasser wird vom Steinborn hierher geleitet. Die Wiesen waren früher auch Schweineweide (bis 1959) und Bullenwiese.

Am Kleinmüllplatz führt ein Weg zum heutigen Gelände der Pfadfinder. Hier wird 1953 von der Bundesanstalt für Flugsicherung eine Funkleitstelle für den Frankfurter Flughafen errichtet. Es wird ein Mittelwellenfunkfeuer mit zwei 15 Meter hohen Masten und einer Baracke errichtet. Der Gemeindevorstand weiß, daß er es nicht verhindern kann, holt aber folgende Gegenleistungen heraus: Die Bundesanstalt zahlt sowohl einen Zuschuß zu dem von ihr mit benutzten Elektrokabel für die Pumpstation als auch eine jährliche Summe für die Benutzung dieses Kabels, und die Arbeiten werden vorzugsweise an örtliche Handwerker vergeben. Der Vertrag wird am 9. Juni 1954 abgeschlossen. Zu den zwei Antennenmasten kommen 1955 noch zwei Abspannmasten. Die Anlage wird aber später wieder entfernt. Im Jahr 1971 wird das Gelände dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung gestellt. Nachher hat es der Hundeverein, und schließlich wird es 1989 zum Pfadfinderheim.

 

Der Blick geht hinüber nach Mittelbuchen. Nordöstlich der Büchertalschule steht der Vieh­stall von Johannes Borger, südwestlich die Maschinenhalle von Martin Hanstein,

die 1988 gebaut wird. Etwas weiter östlich beginnt die Gemarkungsgrenze nach Mittelbuchen zu. Südlich der Straße springt die Grenze noch einmal nach Osten zu einem Graben, der erst hier beginnt. Am Beginn des Grabens ist noch ein Grenzstein zu sehen.

Wo die Grenze noch einmal nach Westen springt, ist ein Schilfstück eingezäunt. Dann geht es noch einmal nach Westen und zum Wald. Hier am Wald bzw. im Wald laufen drei Bäche zusammen. Etwa hundert Meter im Wald steht ein Stein neueren Datums. Der Graben ist hier sehr tief, die Grenzsteine sind wohl unter dem Aushub verborgen.

 

Der Spazierweg führt aber zunächst auf dem Simmichtsweg weiter. Linker Hand liegt das Wasserwerk mit seinen drei Brunnen. Bald ist der Waldrand erreicht. Aber ursprünglich reichte der Wald bis an den Weg, der nach Osten führt.

Hier war ein großes Waldstück mit großen einzelnen Eichen, wo Waldfeste abgehalten wurden. Es handelt sich um die Wachenbucher „Leuchtstatt". Heute erinnert nur noch die Flurbezeichnung daran. Gemeint ist ein lichter Wald, in dem die Bevölkerung zu besonderen Anlässen zusammenkam. Hier wurden amtliche Bekanntmachungen feierlich verkündet und Feste gefeiert. Anfang des Jahrhunderts werden dort auch drei Fichtenschonungen angepflanzt. Aber einige Bauern wollen neue Wiesen gewinnen und dem Mangel an Brennholz und Futtermitteln abhelfen und holzen den Festwald 1920 ab. Weil nun der Schutz fehlt, werden die Fichten bei einer Sturmkatastrophe restlos vernichtet.

 

Westlich sieht man schon den Bereich der ehemaligen Burg derer von Buchen. Diese gehörte den Herren zu Buchen und war später Wohnsitz der Herren zu Dorfelden, die sich später Grafen von Hanau nannten.

Heute ist sie nur noch an dem kleinen Wäldchen zu erkennen. Wenn das Gras gemäht ist, kann man im Gelände noch gut die ehemaligen Gräben erkennen. Der nördliche Außengraben, der auf dem Feld noch weiter geht, wird heute durch den Weg durchschnitten.

Der Ort Buchen verdankt seine Ersterwähnung einer Schenkung an das Kloster Lorsch. Hinweise auf die Herren von Buchen und auf das Vorhandensein einer Burg finden sich aber nicht. Nur 1338 gibt Ulrich II. von Hanau „das erledigte Burglehen in Buchen" weiter. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist die Existenz einer Burg zwar sicher, über deren genaue Lage herrscht aber Unklarheit. Damals kommt man überein, die Burg südlich von Wachenbuchen als den namengebenden Stammsitz des Geschlechts anzusehen.

Erst in Karten des vorigen Jahrhunderts wird die Burg dort eingezeichnet, wo sie liegt, zum Beispiel auf der offiziellen Karte des Kurfürstentums Hessen aus dem Jahre 1856. Dort sind die beiden Hügel südöstlich des Dorfes Wachenbuchen eindeutig mit „Burg derer von Buchen" gekennzeichnet. Die Westseite trägt den Flurnamen „Die Burg". Solche Namen haften sehr sicher an ihrem Ort. Nie hat man es anders gewußt, als daß diese Stelle die Burg derer von Buchen war.

Die Beschreibungen weichen etwas voneinander ab. Georg Landau schreibt 1858: In sumpfigen Wiesen liegen nebeneinander zwei 10 bis 12 Fuß hohe Steinhaufen mit Spuren von Kellern und Mauerwerk. Beide sind mit 50 Fuß, stellenweise gegen 80 Fuß breiten, zum Teil versumpften Gräben umgeben. Die größere, nördlich gelegene Burgstätte ist 270 Fuß lang und 180 Fuß breit, die kleinere 210 Fuß breit und lang. Beide bilden unregelmäßige Formen und sind mit Bäumen bewachsen.

Schenck zu Schweinsberg spricht im Jahre 1876 von zwei 8 bis 11 Fuß hohen Erhebungen, die von einem gemeinschaftlichen breiten Graben umschlossen werden. Der nördliche Hügel habe 40 Schritt Länge und Breite, der südliche sei halb so groß.

Es handelt sich nicht um zwei beisammen liegende Burgen, denn der Abstand der Hügel ist dafür zu gering. Der Hanauer Geschichtsschreiber Arnd hat diese Theorie zunächst vertreten, aber im gleichen Buch dann doch wieder von nur einer Burg gesprochen.

Günter Binding schreibt 1963: „Die Burg bestand aus einer quadratischen, einst von Wassergräben umgebenen Wirtschaftsburg und einem getrennt davon stehenden Wachtturm, der ebenfalls von Wassergräben geschützt und wohl nur durch die Wirtschaftsburg zugänglich war!“

Die Burg ist etwa 150 auf 130 Meter groß. Aber sie ist in großen Teilen verschleift, die Hügel abgetragen, die Gräben eingeebnet, im Nordteil ist sie sogar überackert. Doch läßt sich im Gelände und durch Luftbildaufnahmen ein Bild gewinnen über den ehemaligen Grundriß der Burg.

Kern der Burg bildet ein aufgeschütteter Hügel im Süden der Anlage. Er ist rechteckig mit gerundeten Ecken. An der Basis ist er etwa 40 mal 50 Meter groß, die Kuppe bietet bei einer Höhe des Hügels von fünf Metern einen Platz von etwa 20 mal 28 Metern. Die Kuppe erhebt sich etwa 2,60 Meter über die tiefste Stelle des eingeebneten, etwa zehn Meter breiten Grabens.

Die Burg war sicher in wesentlichen Teilen aus Stein erbaut. Es gibt Berichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die „Spuren von Kellern und Mauerwerk" und einen Mauerrest auf dem südlichen Burghügel erwähnen.

Auch heute noch schauen einzelne Steine aus dem Erdreich der kurzen Hangschrägen hervor: Sie könnten ein Hinweis auf eine Steinmauer oder auch ein aus Steinen gemauertes Innengebäude sein.

Dem Burghügel ist im Norden noch eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert, aber etwas nach Osten versetzt, von der Burg durch einen Wassergraben getrennt. Diese Vorburg ist ebenfalls aufgeschüttet, allerdings nur gut einen Meter hoch. Die Basis ist etwa 40 mal 60 Meter groß, oben sind es etwa 25 mal 40 Meter. Auch um diese Vorburg läuft ein Wassergraben. Sie ist aber rundum angegraben und von einem Netz vom Grabungsschnitten und Suchtrichtern überzogen.

Um die Gesamtanlage läuft ein ovaler Wassergraben in durchschnittlichem Abstand von zehn Metern vor den inneren Gräben. Er schließt mit einer deutlich ausbiegenden Verbreiterung an den südlichen Graben des Burghügels an. Im Süden der Westseite bricht er unvermittelt ab und wird durch einen anderen querlaufenden Graben abgeschnitten. Hier stand wohl eine andere Vorburg, die dem Burghügel in einer jüngeren Bauphase nach Westen vorgelagert wurde. Auch diese Vorburg war von einem Graben umgeben, der die Verbindung zum Graben der nördlichen Vorburg darstellte (vielleicht wurde der ovale Umfassungsgraben bei dieser Erweiterung aufgegeben).

Bert Worbs, der derzeit beste Kenner der Burgen im Altkreis Hanau, meint: Bei der Burg handelt es sich wohl um eine Turmburg auf künstlich aufgeschüttetem Hügel mit danebenliegendem befestigtem Wirtschaftshof. Dieser Typ einer Talburg ist im 11. und 12. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet und auch im Rhein-Main-Gebiet an mehreren Orten nachzuweisen.

Die Anlage ähnelt dem Burgtyp der „Motte" (das Wort kommt aus dem Französischen), der Turmhügelburg, die aus Holz oder Stein erbaut wurde und meist einen Wirtschaftshof hatte. Dieser Typ tritt erst zu Beginn des Hochmittelalters in Erscheinung.

Es läßt sich nicht belegen, daß die Burg in den Jahren 1388/89 zerstört wurde, wie es der von der Heimatstelle des Main-Kinzig-Kreises herausgegebene Burgenführer schreibt.

In den dreißiger Jahren wird auf dem größeren der Hügel durch Heinrich Ricken ein Suchschnitt angelegt, der sich noch heute deutlich abzeichnet. Davon sind aber keine Aufzeichnungen oder Funde bekannt.

Immerhin werden Keramiken, die Schüler in der nördlichen Vorburg ausgewühlt haben, in das 14. Jahrhundert datiert. Die Burg könnte bis dahin bestanden haben. Dann erlitt sie das Schicksal vieler mittelalterlicher Burgen: Entweder wurden sie zum Schloß oder zur Festung ausgebaut wie die Burg von Hanau. Oder sie verfielen wie die Burgen in Buchen und Dorfelden und dienten als Steinbruch für Wohnhausbauten in den Dörfern der näheren Umgebung.

Auf dem Acker nordöstlich der Burg und auf dem Burggelände selber wurden Bodenfunde gemacht. Zeitweise war geplant, das ganze Gelände von der Burg bis zur Kreisstraße als Industriegebiet auszuweisen.

 

 

Burg von Buchen: Von tapferen Rittern keine Spur

Das seidene Taschentuch flattert im Wind, als das holde Burgfräulein seinem strahlenden Helden in schimmernden Rüstung zum Abschied winkt. Das Klappern der Pferdehufe verhallt im Burghof, als die Ritter über die Zugbrücke die trutzige Burg verlassen - Kinderphantasien. Die Realität hingegen entbehrt dem märchenhaften Charme.

Tatsächlich war die Burg der Herren von Buchen südöstlich des Ortskerns von Wachenbuchen im feuchten Wiesengelände nahe der ehemaligen Römerstraße - eine in ihren größten Ausmaßen 150 Meter auf 130 Meter messende Burganlage - Wohnsitz von Verwaltern.

Ihre Entstehung wurde zunächst auf das sechste Jahrhundert datiert, doch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft handelt es sich vielmehr um eine Anlage aus dem Hochmittelalter, wenngleich „die paar mittelalterlichen Scherben, die gefunden wurden, nicht für eine exakte Datierung ausreichen“, wie der passionierte Hobby-Archäologe Norbert Mankel erzählt, denn auch jungsteinzeitliche Funde wie ein Steinbeil und eine Feuersteinklinge wurden hier gemacht. Verräterisch ist jedoch der Aufbau. der erlaubt, die „Motte“ oder „Talburg“, so der archäologische Fachbegriff für diese spezifische Burgform, zeitlich in das zehnte oder elfte Jahrhundert zu verlegen.

Auch die Lage der Burg ist urkundlich nicht erwähnt, so dass lange Zeit gerätselt und spekuliert wurde, ob denn nun die Burgwüstungen in Mittelbuchen oder in Wachenbuchen Wohnsitz der Herren von Buchen waren. „Heute sind wir jedoch fast sicher, dass es die Burg auf Wachenbucher Gemarkung ist“, erzählt Norbert Mankel. „Doch Vorsicht ist geboten“, fügt der Hochstädter eilends hinzu.

Den Kern der Burg bildete ein Wohnturm, umgeben von Palisaden. Diesem war im Norden eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert. Hier bewirtschafteten Bauern einen Gutshof. Der Hügel der Vorburg, jetzt in einem Wäldchen liegend und zu großen Teilen noch erhalten, war von einem Wassergraben umgeben. Auch um die gesamte Burg verlief zum Schutz gegen ungebetene Gäste ein ovaler Wassergraben. Bis heute scheiden sich die Geister, ob die Burg aus solidem Mauerwerk bestand oder aus Holz. Während einerseits konstatiert wird, dass sie in wesentlichen Teilen gemauert war, vermuten andere Quellen, dass die Burg aus Holz bestand. „Nur Grabungen oder geomagnetische Untersuchungen können hier genauen Aufschluss geben“, zieht Mankel ein Fazit.

In den 30er Jahren wurde erstmals zum Spaten gegriffen. Damals unternahm der Hanauer Geschichtsverein umfangreiche Grabungen. Noch heute sind im Inneren des idyllischen Wäldchens die tiefen Suchgräben zu erkennen. Archäologische Auf zeichnungen sind jedoch nicht überliefert, berichtet Norbert Mankel.

Schweren Herzens muss sich der phantasiefreudige Maintaler zudem von der Vorstellung verabschieden, dass hier hochherrschaftliche Grafen und Ritter gelebt haben. Vielmehr war die Burg der von Buchen Wohnsitz von Verwaltern der umliegenden Ländereien, die für ihre Treue durch den Fürsten oder Kaiser mit Grundbesitz belohnt worden waren. Sie trieben von den Bauern die Abgaben ein und durften als Gegenleistung einen Teil davon behalten, erzählt Mankel. Keine tapferen Ritter mit glänzender Rüstung und geschliffenem Schwert, sondern lediglich Verwalter lebten hier.

Als Bodendenkmal untersteht die Burg dem Schutz des hessischen Denkmalschutzgesetzes, das heißt, ohne Genehmigung darf dort nicht der kleinste Spatenstich erfolgen. Grabungen, Schürfungen oder Wühlereien sind verboten. Lesefunde sind dem Kreisarchäologen zu melden, dürfen jedoch von dem aufmerksamen Finder behalten und stolz in der heimischen Vitrine betrachtet werden.

Den Blick der Öffentlichkeit auf archäologische Stätten zu richten, ist immer ein zweischneidiges Schwert, weiß Norbert Mankel und verweist auf den Konflikt, dem Archäologen und Museen seit ewigen Zeiten unterliegen. Denn auch Raubgräber werden so aufmerksam und zum verbotenen Buddeln animiert. „Doch nur was man kennt, kann man auch schützen“, sagt Norbert Mankel (MTA 25.08.2007).

Westlich des Simmichtswegs sieht man einen Stein, der das Fernmeldekabel der Post von Hanau nach Kilianstädten markiert. Ehe man ganz in den Wald hineinkommt, geht ein Weg nach Osten zu einer Jagdhütte, die an der Stelle der ehemaligen Forsthütte steht. Im Gelände südlich der Hütte wurde ein römischer Gutshof ausgegraben. Hier in der Nähe des Grenzgrabens liegt das Gelände etwas höher und ist für eine Ansiedlung geeignet. Westlich davon ist allerdings ein Sumpfgebiet, das in römischer Zeit eine Pferdeschwemme gewesen sein soll; aber belegt ist das nicht.

Weiter auf dem Simmichtsweg - schon ein Stück in den Wald hinein - kommt man zum „Römergrab“.  Es liegt  östlich der Römerstraße von Friedberg nach Kesselstadt und zur Mainbrücke. Der Hügel hatte 1,60 Meter Höhe und an sich 23 Meter Durchmesser und überschneidet sich auch mit der Römerstraße, so daß diese jünger ist als das Grab. Erst wenn Bäume und Büsche um das Grab entfernt würden, könnte man das wahre Ausmaß erkennen.

Der Hügel wird erstmals am 7. September 1875 untersucht, aber gefunden werden nur rohe Scherben. Doch als man erkennt, daß genau an dem Hügel eines römische Straße von 5,50 Meter Breite und mit Gräben an beiden Seiten vorbeiführt, gräbt man im Jahre 1898 noch einmal nach. Jetzt findet man im gewachsenen Boden neben einigen Scherben ein römisches Grab.

Die Aschenreste mit verschlacktem Glas und angebrannten Tonscherben des 2. Jahrhunderts sind in einer runden Sandsteinkiste mit Nasen untergebracht. Auf der oberen Seite ist sie sorgfältig geglättet, offenbar für einen Holzdeckel. Auf diesem steht eine eiserne Lampe von gewöhnlicher Form, die nach Verwitterung des hölzernen Deckels auf dem Rand der Kiste liegengeblieben ist, wo sie zerbrochen gefunden wird.

Es liegt deshalb eine Verbindung von römischem und germanischem Grabritus vor, denn die Verbrennung ist römisch, aber eine Totenlampe wäre wohl aus Ton gewesen. So kann man vermuten, daß der verbrannte Tote ein halbromanisierter Provinziale war, ein in römischen Diensten stehender  Kelte oder Germane.

Das Grab wurde in die Nebenstrecke der Regionalparkoute von Wilhelmsbad zur Hohen Straße einbezogen. Durch die Umgestaltung im Jahr 2007 hat man erneut „fremde“ Erde auf den Hügel gebracht. Außerdem wurde eine Mauer aus polnischem Sandstein um das Grab gelegt. Die Mauer rund um das Grab hat bei den Archäologen Anstoß erregt, weil sie an römische Gräber erinnert, die es nur im Hunsrück gibt, aber in unserem Gebiet nicht nachgewiesen sind. Bei der Regionalparkroute sind halt Architekten am Werk und nicht Archäologen. Sie wollen etwas schaffen, das ins Auge fällt, auch wenn es historisch nicht richtig ist. Jetzt sind die Steine in gerader Reihe gesetzt, aber echt ist das auch nicht.

Dr. Evelin Grönke, provinzialrömische Archäologin aus Hofheim, hat eine neue Theorie aufgestellt, wer hier beerdigt worden sein könnte. Nicht ein Provinziale - also Kelte oder Germane - sondern ein Römer, den nur ein solcher hätte sich ein solches Grab leisten können. Etwa 400 Meter östlich wurden mehrere würfelförmige Grabkisten mit Krügen und Scherben aus dem 2.  Jahrhundert gefunden. Zwischen ihnen und dem Grab fand man das Fundament eines römischen Gutshofs. Das gekennzeichnete Grab sei eines der „prominentesten“. Allein die imposante Größe sowie die Lage unmittelbar an der Römerstraße erlauben den Rückschluß, daß es sich bei dem Bestatteten um einen wohlhabenden Römer handelte. Die Theorie, daß es sich um einen romanisierten Kelten oder Germanen handele, sei nicht bestätigt. Weder seien Waffen noch Reste einer Tracht gefunden worden, die entsprechenden Rückschlüsse zuließen.  Aber es sind auch keine Waffen oder eine Tracht von einem Römer gefunden worden. Und die „gemischte“ Bestattungsform spricht doch auch für die ursprüngliche Theorie.

Informationstafel am Römergrab:

Archäologische Untersuchungen des hier sichtbaren Hügels fanden 1875 und 1898 stat. Die Ergebnisse wurden 1913 in einem kurzen Ausgrabungsbericht publiziert. Bei seiner Auffindung hatte der Hügel eine Höhe von 1,6 Meter und den beachtlichen Durchmesser von etwa 22 Meter. Er lag an der römischen Straße, die von Friedberg zum Kastell Hanau-Salisberg und von dort zur römischen Brücke aber den Main führte und von der seinerzeit der etwa 5,5 Meter breite Straßenbelag und die beiden seitlichen Gräben erfasst werden konnten.

Unter dem Grabhügel fand sich ein Brandgrab aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. - eine runde Sandsternkiste mit Ascheresten und verbrannten Glas- und Tonscherben. Auf dem Kistenrand stand eine eiserne Öllampe.

Damals wurde vermutet, dass die dort bestattete Person germanischer Herkunft war. Allerdings sind aus dem Grab kein dies bezügliches Trachtzubehör oder signifikante Waffen bekannt, die diese Annahme bestätigen

Beim Weiterlesen des Berichtes stellt sich zudem heraus, dass bereits 1880 und 1892 etwa 400 Meter östlich des Hügels mehrere würfelförmige „Grabkisten“ mit Krügen und Scherben aus dem 2.Jahrhundert n. Chr. gefunden wurden, die dort auf weitere Gräber schließen lassen.

Des Weiteren wurden zwischen diesen Graben und dem Hügel Fundamente eines Gebäudes mit anschließendem Kiesbelag aufgedeckt. Dabei legte man einen 6,45 Meter langen und 5,6 Meter breiten Raum frei. Auch hier fanden sich Keramikscherben des 2. Jahrhunderts.

Die Auswertung der gesamten Beschreibung lässt heute den Schluss zu, dass es sich bei den Befunden um die Reste eines römischen Gutshofes (villa rustica) in verkehrsgünstiger Lage an der römischen Straße aus der Wetterau zum Main handelte, zu der auch der Grabhügel gehörte.

De helle Trockenmauer vor dem Hügel wurde 2007 von der Stadt Maintal als modernes, gestalterisches Element errichtet.

 

Marcus Portius Cato (234 -149 v. Chr.), De agricultura 1,1-3: „Wenn du ein Gut anzuschaffen gedenkst. verfolge deine Absicht so.... Wenn möglich soll es am Fuße eine Berges. mit Blick nach Süden und in einer gesunden Gegend liegen, eine hinlängliche Zahl von Arbeitskräften und eine gute Wasserversorgung vorhanden sein, sich eine wirtschaftlich starke Stadt in der Nähe befinden, wenn aber nicht, entweder das Meer oder ein Strom auf dem Schiffe verkehren, oder eine gute und belebte Straße“.

 

Unmittelbar am Römergrab steht die „Simmichtseiche", auch „Dicke Eiche" genannt. Der bizarre und knorrige Baum ist etwa 300 bis 350 Jahre alt und weist bei einer Höhe von 23 Metern einen Stammumfang von sechs Metern auf. Auffallend ist vor allem die Form des Stammes, der sich vom Fuß her blasenförmig nach oben ausweitet. Der Wald auf der westlichen Seite ist erst 1971 angepflanzt worden. Früher hatte man hier einen weiteren Ausblick auf die Wiesen als heute.

Auf dem Simmichtsweg geht es dann weiter bis kurz vor die Autobahn. Wer mit  dem Fahrrad unterwegs ist, kann jetzt einen Abstecher nach Osten machen zu einer alten Burganlage im Mittelbucher Wald. Diese kann man allerdings auch erreichen,  wenn man von Mittelbuchen in Richtung Wilhelmsbad fährt und am Waldrand nach Osten zum Mittelbucher Sportplatz fährt und an der nächsten Wegspinne halbrechts weiter. Wer aber vom Simmichtsweg durch den Wald fahren will, der muß man schon sattelfest sein. Überhaupt fangen alle Wege von Wachenbuchen nach Osten und von Mittelbuchen nach Westen verheißungsvoll an, verlaufen sich dann aber im Wald. Allein dieser Weg entlang der Autobahn ist einigermaßen befahrbar.

Er knickt dann im rechten Winkel nach Norden ab, dann wieder im rechten Winkel nach Osten. Er führt auf den Übergang der Kreisstraße nach Mittelbuchen zu.  Aber wegen des Baus dieser Brücke mußte der ein Stück entlang der Straße nach Norden geführt werden, aber dieses Stück des Wegs ist besonders schlecht. Aber man kommt wenigstens zur Kreisstraße, die man überquert und nach Osten in den Wald hineinfährt - jetzt auf gutem Weg.  An der Schutzhütte biegt man nach Norden ab bis zu einer Wegspinne. Hier wählt man auf der anderen Seite des Querwegs den Weg, der halbrechts abgeht.  Er führt vorbei an einem Hochsitz, der an einer mit Schilf bestandenen Wiese steht. Kurz dahinter sieht man die Wälle der Alteburg, die etwa 500 Meter südwestlich des Kinzigheimer Hofs liegt.

Sie ist eine mittelalterliche Wallanlage mit bis zu drei Meter hohen und bis zu 20 Meter breiten Wällen, in Nord-Süd-Richtung etwa 120 Meter lang und 60 bis 100 Meter in der Breite. Die Anlage ist von einem Graben umgeben und liegt im feuchten bis sumpfigen Gelände. Nur an der Nordseite, die etwas höher ist, befindet sich ein Eingang,

In der Nordwestecke befand sich ein rechteckiges, turmartiges Gebäude, 19 mal 11 Meter groß und mit 1,80 Meter starken Grundmauern. Ein solches „festes Haus" ist im 9. und 10. Jahrhundert die Frühform der Adelsburg und kommt im 11. und 12. Jahrhundert neben den Wohntürmen immer noch vor.

Man muß sich vorstellen, daß neben diesem Steinbau die ganze Anlage von Holzbauten ausgefüllt war, sich also ein ganzes Dorf hier befand. Als Besitzer werden - allerdings nicht unwidersprochen - die Herren von Kensheim genannt, die im 16. Jahrhundert aussterben. Kensheim („Kinzigheim") wird 1235 und 1244 urkundlich genannt und lag im Bereich des Kinzigheimer Hofs.

Rückwärts fährt man wieder zur Wegspinne. Von dort aber geht es nach Westen.  Am Mittelbucher Sportplatz wählt man die linke Teerstraße und kommt zur Kreisstraße von Mittelbuchen nach Wilhelmsbad. Auf ihr fährt man nach Süden über die Autobahn direkt zum  Steinbruch westlich von Wilhelmsbad.

 

Wenn man aber auf dem Simmichtsweg bleibt,  geht es weiter über die Autobahn. Die Geschichte der Autobahn beginnt in Wachenbuchen mit der Planung für den Rhein-Main-Schnellweg. Im Jahre 1968 werden Vermessungen vorgenommen; die Trasse liegt aber weiter von der Hohen Tanne entfernt, als zunächst angenommen.

Im Jahre 1971 ist dann klar, daß die Autobahn nicht 120 Meter entfernt von der Hohen Tanne vorbeiführen wird, sondern 250 Meter. Allerdings soll zunächst ein Zubringer in unmittelbarer Nähe zu den Häusern gebaut werden. Aber schon bald danach heißt es wieder, die Auffahrt solle weit weg von der Hohen Tanne gebaut werden, der Zubringer soll in Richtung Hanau verschoben werden.

 

Ende 1972 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn. Beim Anhörungstermin für den Bau der Autobahn sollen folgende Forderungen gestellt werden: Erdwall nach der Hohen Tanne zu, Überführung des Weges zur Hohen Tanne mehr nach Westen, Überführung des Simmichtswegs, keine finanziellen Belastungen der Gemeinde und schließlich Ausgleich für den Verlust an Bauland bei der Hohen Tanne.

Wegen der Nähe zur Hohen Tanne wurde die Autobahn weiter nach Norden verlegt als zunächst geplant. Am 12. Februar 1973 stimmt die Gemeindevertretung der Trassenführung der Autobahn zu. Der Plan, die Autobahn weiter nördlich zwischen Ortslage und Wald zu verlegen, wird am 22. Oktober abgelehnt. Am 12. August 1983 wird das Autobahnteilstück zwischen der Hohen Tanne und dem Hanauer Kreuz für den Verkehr freigegeben.

 

Der Simmichtsweg  bog hier ursprünglich in Richtung Westen zum Hanauer Weg ab. Im Waldstück „In der Aue" liefen sie zusammen und führten mitten durch das spätere Steinbruchgelände auf das Kurhaus zu. Heute aber werden beide Wege gemeinsam über die Autobahn geführt, trennen sich jedoch wieder: Der Simmichtsweg führt nördlich des Steinbruchs bis zur Mittelbucher Straße und setzt sich fort auf dem Weg nordöstlich der Tennisplätze. Der heutige Hanauer Weg dagegen geht südlich am Steinbruch vorbei zur Kreuzung westlich des Kurhauses. An  seinem  Ende steht das „Waldportal“, der Eingang nur Nebenstrecke der Regionalparkroute, eine 40.000  Euro teure Schöpfung aus polnischem (!) Sandstein.

 

Schon die Römer nutzten den Steinbruch in der Nähe des heutigen Wilhelmsbad aus. Nur weil es dort Arbeit gibt, können sich in der Umgebung verschiedene Familien auch im wenig nutzbaren Schwemmland halten und Häuser bauen. Schon 1590 wird die „Gemeinde Steinkaute" laut einem Aktenstück im Staatsarchiv Marburg erwähnt.

Leider ist heute der ganze Steinbruch wieder verfüllt. Als er noch in Betrieb war, stellte er ein richtiges Fenster dar, durch das der Betrachter die ganze  Erdgeschichte  sehen konnte. In der etwa zehn Meter hohen Wand konnte man nach oben zu immer mehr Risse erkennen, bis der Stein schließlich überging in Lehm.

Die unterste Erdschicht stammt von Seen und Sümpfen her. Darüber hat sich bei einem Vulkanausbruch im Vogelsberg eine Basaltschicht geschoben, in die noch große Erdklumpen mit Resten von Bäumen eingeschlossen sind. Über dem Basalt liegt eine 2,5 Meter hohe Schicht von Kies, die aus Ablagerungen der Kinzig oder des Mains stammt. Sie ist durchsetzt mit Kieselschiefer (Lydit) aus dem Fichtelgebirge. Der Stein ist sehr hart und wurde von den Goldschmieden als „Probierstein" benutzt. Solche Steine findet man auch in der Wachenbucher Sandgrube. Über der Kiesschicht ist reiner Sand ohne Geröll, also Flugsand aus einer Trockenzeit. Durch Regen und Pflanzenwuchs wird die oberste Schicht dann zu Humus.

Der Steinbruch wird zunächst von der  Wachenbucher  Gemeinde betrieben und sichert damit wichtige Arbeitsplätze. Aber von einer Rentabilität kann zunächst keine Rede sein. Zur Ableitung des Wassers im Gemeindesteinbruch wird 1864 eine Dampfmaschine nebst Pumpe angeschafft. Dadurch wird nicht so viel Wald in Anspruch genommen, weil man mehr in die Tiefe gehen kann. Pächter ist 1865 der Steinbrecher Heinrich Heck.

Durch eine unsaubere Handlung bei der Verwaltung des Steinbruchs soll in dieser Zeit eine Schädigung der Gemeinde vorgekommen sein. Die Sache kommt ins Rollen anläßlich einer Wahl, als der Gemeinderechner Konrad Puth den Verdacht ausspricht. Auch unter Bürgermeister Stein kann keine Klarheit geschaffen werden.

Ein Steinelieferungsbuch wird 1901 angelegt. Die Kunden kommen aus dem westlichen und nördlichen Teil des Kreises Hanau. Unter dem Bürgermeister Kaspar Mankel wird der Steinbruch 1902 an die Firma Kaiser verpachtet und mit allen modernen Maschinen und Geräten bis zur Sohle ausgeweitet. Pachtpreis sind sechs Prozent des Umsatzes. Die Gemeinde erhält bei Eigenbedarf zehn Prozent Rabatt. Es wird auch vereinbart, daß bevorzugt Arbeiter aus dem Ort einzustellen sind.

Obwohl Konkurrenten versuchen, auch Fuß zu fassen, versteht es Kaiser vorzüglich, sich diese durch geschicktes Verhalten vom Hals zu halten. Er bekommt bei der Neuverpachtung immer wieder den Zuschlag. Das liegt auch daran, daß die Verträge eingehalten werden und die Gemeinde in vielen Notjahren auf das Geld angewiesen ist.

Im Jahre 1863 gründet der Pflasterermeister Adam Kaiser in Langendiebach ein Straßenbau- und Pflasterer unternehmen. Es führt zunächst Straßenbauarbeiten in den Gemeinden der Umgebung aus.

Der Sohn Karl Kaiser lernt im väterlichen Betrieb, besucht aber auch die Zeichenakademie. Im Jahre 1900 übernimmt er die Firma, verlegt sie nach Hanau und führt sie unter seinem Namen weiter. Die Firma wächst zu ansehnlicher Größe. Bezeichnend für die Weitsicht Karl Kaisers ist der Erwerb zweier Steinbrüche, durch die er das erforderliche Baumaterial stets zur Hand hat.

Im Jahre 1905 bittet Kaiser um Verlegung des Fußwegs nach Hanau im Bereich des Steinbruchs. Der alte Schornstein auf dem Steinbruchgelände wird 1906 abgerissen. Ein Aufsichtshaus wird 1914 gebaut.

Auch 1919 werden wieder 15 Ar Wald abgeholzt und als Baugelände verkauft. Aber es darf kein Anspruch auf Anschluß von Wasser und Licht gestellt werden.

Die Firma errichtet im Steinbruch den Bauhof und auch ein Landhaus. Im Jahre 1920 wird eine Verwalterwohnung gleich vorne an der Straße gebaut. Seit dieser Zeit ist der Name „Steinbruch Kaiser" ein feststehender Begriff. Im Jahre 1922 hat die Firma 21 Arbeiter. Die Steinbruchpacht beträgt 3.000 Mark. Geliefert werden Pflastersteine, Mosaiksteine, Kleinschlag, Chausseesteine, Sand und Grenzsteine.

Die  Arbeiter im Steinbruch stellen Pflastersteine her. Andere laden die Brocken auf Rollwagen, die mit Aufzugmaschinen an langen Drahtseilen hinaufgezogen werden, um zu Schotter oder Splitt verarbeitet zu werden. Gesprengt wird in der Regel zu den Essenszeiten.

Eine Brecheranlage wird 1928 gebaut, und eine Stützmauer wird umgebaut. Die Gemeinde tauscht 1929/30 mit der Firma Kaiser ein Stück Steinbruchgelände gegen eine Wiese. Dafür muß die Firma aber die Hintertorstraße und einen Teil der Hanauer Landstraße pflastern und mit Bürgersteigen versehen, bei einem Zuschuß der Gemeinde von 5.000 Mark.

Der Kreis möchte 1935 für Notstandsmaßnahmen unentgeltlich Steine aus dem Gemeindesteinbruch haben. Doch der Bürgermeister lehnt das ab, weil auch die Gemeinde bei ihren Notstandsarbeiten die Steine an den Pächter bezahlt hat.

Ab 1. März 1935 wird der Steinbruch wieder auf sechs Jahre verpachtet. Die Gemeinde erhält sechs Prozent des Umsatzes, die Lieferscheine müssen ihr monatlich vorgelegt werden.

Zum 40jährigen  Jubiläum der Firma im Jahre 1938 können 500 Betriebsangehörige an der Feier teilnehmen. Doch 1945 fallen die Büros und Wohngebäude in der Hanauer Wilhelmsstraße dem Luftangriff zum Opfer, der Bauhof wird geplündert. Im April 1949 stirbt Karl Kaiser.

Sein Schwiegersohn Fritz Schäfer übernimmt die Firma, stirbt aber 1954 im Alter von 46 Jahren. Seine Frau Elsbeth führt das Geschäft weiter, unterstützt vom Mitgesellschafter Dr. W. Schlenzig. Der Straßenbau wandelt sich von der Handarbeit zu einem hochmodernen Unternehmen. Auch im Steinbruch wird nun maschinell abgebaut. Ein Sprengstofflager wird 1948 genehmigt.

In der Brecheranlage wird der Stein mehrfach gebrochen und zu Schotter und Edelsplitt verarbeitet. In den Siebmaschinen wird nach Körnungen getrennt und in einer Mischanlage zu Mischgut für Schwarzdecken aufbereitet. Neben großen Mengen Baumaterials ist aber auch ein umfangreicher Maschinen- und Fuhrpark notwendig.

Unter den Jubilaren des Jahres 1963 ist auch Wilhelm Manns aus Wachenbuchen, der für eine 25jährige Betriebszugehörigkeit geehrt wird.

Im Jahre 1964 wird das Gelände als Wohnplatz „Steinbruch" mit sechs Einwohnern eingerichtet. Das  Geschäftshaus  (zweites Haus am Eingang links) wird 1950 umgebaut und 1970 mit einer Ölheizung versehen. Ein Sozialgebäude mit Waschräumen und Labor wird 1966 errichtet. Im Jahre 1967 stehen dann sieben Gebäude auf dem Gelände. Eine Bitumenmischanlage wird geplant. Eine Bürobaracke, eine Waage, eine Werkstatt und ein Lager werden gebaut. Es wird aber auch schon geklagt, daß im Steinbruch illegal Müll abgelagert wird. An der Nordseite in der Nähe der Straße wird 1970 noch ein Bürogebäude gebaut und 1974 eine Werkhalle. Damit ist allerdings der Höhepunkt der Entwicklung erreicht und die Firma nimmt wieder ab. Im Jahre 1993 endet die Geschichte der Firma.

 

Man geht vom verlängerten Simmichtsweg um den Steinbruch herum nach rechts. Kurz vor der Kreuzung ist das „Waldportal“. Der Bund der Steuerzahler hat am 27.09. 2007 die Verschwendung öffentlicher Gelder durch Fehlplanungen und sinnlose Projekte angeprangert. Unter den in Berlin vorgestellten Beispielen sind auch acht aus Hessen, wie der hessische Landesverband in Wiesbaden mitteilte. Kritik gibt es auch an einem Bauwerk in Hanau-Wilhelmsbad. Es soll einen Beitrag zur regionalen Identität stiften. Gemeint ist das Hanauer „Waldportal”. Es ist Be­standteil einer Regionalparkroute, mit dem der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main die reizvollsten Prunkte der Region verbinden will und bin­det Hanau an die Route „Hohe Straße” an. Aber einen wirklichen Sinn kann man dem Bauwerk nicht abgewinnen, kritisiert der Bund der Steuerzahler.

So handele es sich bei dem „Entree” nur um zwei Mauerstückchen aus gelbem Sandstein vor einem Waldweg. Der Steuer­zahlerbund schreibt auf seiner Homepage: „Die offizielle Begründung für dieses Bauwerk hilft auch nicht viel weiter: Die Mauer nehme ein wichtiges Stilelement einer Straße auf, auf der ebenfalls solche Mäu­erchen zu finden sind. Und da die alte We­geverbindung auch Polen tangierte, habe man das Material für die gelben Sandstein­mäuerchen aus einem Ort in Polen be­sorgt, der ebenfalls an dieser Straße liegt.” Stolze 40.000 Euro hätten die Steuerzahler dafür aufwenden müssen, lautet die Kri­tik.

 

Jetzt hat man Wilhelmsbad vor sich, das lange vergessene Bad des Erbprinzen Wilhelm. Darüber steht alles unter dem Link „Hanau- Stadt, Wilhelmsbad“ auf dieser Homepage. Das beste Buch aus neuerer Zeit ist von  Gerhard  Bott und heißt „Heilübung und Amüsement. Das Wilhelmsbad des Erbprinzen“. (Über die alte  Grenze zwischen Wachenbuchen und Wilhelmsbad vergleiche die Chronik  „Liebenswertes Wachenbuchen“).

 

Rechts sieht man den Bismarckturm. Der Turm wird 1903/04 zu Ehren des Feldmarschalls und Reichskanzlers Bismarck errichtet. Entstanden ist der Bismarckturm aus dem Geist nationaler Begeisterung Ende des 19. Jahrhunderts ‑ eine Folge der Ei­nigung des deutschen Reiches durch Otto von Bismarck. In dieser Stimmung schrieb die studentische Jugend 1899 einen Wettbewerb zum Bau von Türmen zu Ehren Bismarcks aus, der ein Jahr zu­vor gestorben war. Sieger war der junge Dresdner Architekt Wilhelm Heinrich Kreis, der damals noch nicht einmal sein Diplom in der Tasche hatte. Nach seinem Entwurf wurden in Deutschland mehr als 50 Bismarcktürme gebaut, darunter auch der in Wilhelmsbad. Insgesamt entstan­den in jener Zeit sogar an die 400 Türme zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers. Davon haben 175 die Kriege und die politischen Veränderungen der ver­gangenen hundert Jahren überdauert, darunter auch der Turm in Wilhelmsbad.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck hatte energisch die Einigung des Deutschen Reiches betrieben, die schließlich 1871 er­reicht wurde. Mit seinem Tod 1898 verfiel die nationalgesinnte deutsche Studentenschaft in ihrem Personenkult um den „Eisernen Kanz­ler” in die Forderung, „Feuersäulen” im gan­zen Reich samt der deutschen Kolonien aufzustellen. Schon ob des grob bearbeiteten Materials wirkt der Bau martialisch. Ein Gleichnis für einen starken Nationalgedanken mit Boll­werksymbolik und (aus heutiger Sicht) für einen von absoluten Machtwillen getrieben Politiker (Staat), der das Reich aufrüstete, im Kulturkampf die Stellung der Katholi­schen Kirche im Reich demontierte und das Sozialistengesetz nach dem Attentat auf Wil­helm I. (1878) erließ. Zwar sorgte Bismarck für eine fortschrittliche Sozialgesetzge­bung, die sei aber nur darauf ausgerichtet ge­wesen, der Sozialdemokratie die Arbeiter ab­spenstig zu machen, erklären Historiker.

 

Im allgemeinen Bismarck‑Fieber wollte auch die Stadt Hanau nicht fehlen. Die Hanauer Bürger spendeten kräftig und man entschied sich für den Entwurf des Dresdner Architekten Wilhelm Heinrich Kreis, der das Modell „Götterdämmerung“ kreiert hatte. Aus nahegelegenen Steinbrüchen karrte man Basaltsteine an, die zu dem wuchtigen Bauwerk aufgeschichtet wurden. Einfach, prunklos und massiv ‑ so die Formensprache der Zeit. Ein ganzes Jahr verstrich, bis der Turm stand. 24.000 Mark soll er Stadt und Stifter gekostet haben. Die Gemeinde Wachenbuchen gibt dafür ein Stück Wald ab und stellt auch Material aus dem Steinbruch für den Ausbau der Straße.

Als architektonische Vorlage galt ein massiv wirkender Kubus, dessen Ecken von gewaltigen Säulen eingenommen werden. Ein Baumuster, das sich bei vielen Bismarcksäulen durch die ganze Republik wieder findet. „Die Ausführung lag bei den Städten. Unternehmen und Privatleute sponsorten den Bau”, erklärt Helmut Vandre vom Geschichtsverein. Der Umgang ist  in 18 Meter Höhe. Die gusseiserne Schale von gut zwei Metern Durchmesser. Feuer brannte in der Schale etwa an Bis­marcks Geburtstag am 1. April, am Tag der Reichseinheit (18. Januar 1871) oder bei Son­nenwendfeiern.

Am 3. September 1905 war der große Tag. Ganz Hanau war auf den Beinen. In Kut­schen fuhren die Stadtväter sowie die Abordnungen der Vereine nach Wil­helmsbad, während die Bevölkerung die Eisenbahn vom Westbahnhof aus benutzte oder sich Ehrenformationen anschloß die, die in ihren Paradeuniformen in Richtung Kurhaus marschierten. Schulklassen zogen singend durch die Straßen, mit von der Partie auch die Vertreter der Kriegervereine, geht aus Zeitungsberichten hervor.

 

Feierlich zogen die Honoratioren, Bür­ger und Schüler an der Kurpromenade vorbei zu dem 18 Meter hohen Turm, der wenig später feierlich enthüllt wurde. Auf dem Dach des Turms steht eine riesige Schale. Die Idee war es, über das ganze deutsche Reich Feuerfanale zu verbreiten.

Als endlich der Reichsadler mit dem Namen des ersten deutschen Kanzlers zu se­hen war, loderte oben auf der Kuppel die Flam­me aus der Feuerschale. Wie oft es auf dem Bismarckturm tatsächlich ge­brannt hat, ist nicht überliefert. Belegt ist, daß zur Eröffnung am 3. September 1905 die Flammen loder­ten. Vor allem an Otto von Bismarcks Geburtstag und an dessen Todestag wurde das Feuer in den Folgejahren entzündet.

Im Dritten Reich brannte das Feuer bei Sonnenwendfeiern, Die Hitlerjugend schleppt das Reisig die Treppen hinauf. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Bauwerk in Wilhelmsbad wegen sei­ner massiven Mauern aus Basaltsteinen als Sicherheitslager. Hier wurden zeit­weise Bücher der Stadtbibliothek vor ei­nem Bomberangriff in Sicherheit ge­bracht. Amerikanische Soldaten, denen der Name Bismarck nicht ganz geheuer war, öffneten 1945 die Tür zu dem Trep­penaufgang und vergewisserten sich, daß hier kein geheimes Waffendepot un­tergebracht war. Denn dieses Gerücht hatte sich damals im Stadtgebiet verbrei­tet.

In den 50er Jahren brannte es noch einmal auf dem Turm, als Hanauer Bürger dort Reifen verbrannten zum Protest gegen das Vorhaben der Stadt, den Turm abzureißen, weil er mitten in der Straße steht. Das Interesse der Bürger an der Säule nahm in der Nachkriegszeit zunächst immer mehr ab. Das hat sich erst in den vergangenen Jahren geändert, als Mitar­beiter der Stadtverwaltung den Zugang beim „Tag des offenen Denkmals“ öffne­ten.

Die Stadt Hanau, in deren Besitz der markante Turm seit vielen Jahren ist, hat nur geringen Pflegeaufwand mit dem Bauwerk. Es sind allerdings weniger bauliche Mängel oder Reparaturen, die auf ihr Konto gehen, sondern in erster Linie gärtnerische Tätigkeiten. Denn im­mer wieder sprießen aus der Plattform die unterschiedlichsten Birken und an­dere Pflanzen. Diese Form der Dachbegrünung kann aber irgendwann durch eindringende Nässe ins Auge gehen, weshalb die An­fluggehölze regelmäßig entfernt werden, wie es im städtischen Bauverwaltungsamt heißt.

In ihrem Inneren gibt sich die Wilhelms­bader Bismarcksäule, die übrigens nie als Aussichtsturm gebaut wurde, ziemlich un­pathetisch. Der Aufbau bildet einen riesigen

Hohlraum, an dessen Innenwänden sich eine sehr schmale Stahltreppe nach oben win­det. „Ist die auch original”, wird Vandre im­mer wieder gefragt. „Ja, ja, die konnten mit Stahl umgehen, die haben auch schon Schlachtschiffe gebaut“, antwortet er.

Der Bau ist auch sonst augenscheinlich nicht marode. Das Geschrei im Jahr 1970 um die angebliche Baufälligkeit stellt Vandre in die ideologische Ecke. Eine Gruppe von Hei­matkundlern machte damals mit einer spek­takulären Aktion auf den vermeintlichen Abriss aufmerksam, indem sie ein gewaltiges Feuer in der Schale entfachte.

 

Wenn geht die Mittelbucher Straße weiter und nach rechts in den Wilhelmsbader Hof. Er ist fast 89 Hektar groß und heute Reiterhof und eine Gastwirtschaft. Bitte AUF DIE Pferde des Reiterhofs achten. Etwas links an den historischen Gebäuden vorbei kommt man duru8ch eine schmalen  Weg in die Meisenstraße. Dort geht man links in die Amselstraße und dann nach rechts in den Zeisigweg und den Falkenring.

 

 

Der  Grundstein für die Landhaussiedlung Hohe Tanne wird im Jahre 1906 gelegt: Am 23. Juni 1906 wird ein Stück Wald an der alten Sandkaute in der Nähe der Bismarcksäule an einem Kaufmann aus Kesselstadt verkauft. Doch erst am 6. November 1910 genehmigt die Gemeindevertretung einstimmig die Errichtung einer Villenkolonie im Wald „Hohe Tanne".

Am 14. Dezember 1911 schreibt der Bürgermeister an die Regierung in Kassel: „Die Gemeinde beabsichtigt, im Gemeindewald Hohe Tanne und Lange Heeg im Jagen 'Hinterm Hof 1a und Hohe Tanne 2a' eine Landhaussiedlung wie in Buchschlag bei Sprendlingen zu errichten.“ Man denkt an steuerkräftige Bewohner, vor allem auch Rentner. Mit sechs Interessenten sind schon Vereinbarungen getroffen.

Das Domänen- und Forstministerium ist einverstanden, weil dadurch die Grundstücke in Wilhelmsbad im Wert steigen. Der Kiefernwald ist nicht besonders wertvoll. Aber schöne Baumgruppen sollen stehen bleiben, damit der Charakter einer Waldsiedlung erhalten bleibt.

Im Jahr 1912 geht die Bautätigkeit so richtig los. Es werden zwei Hektar Wald abgeholzt und zwei Straßen angelegt. Das für den Bau geschlagene Holz wird an die Ortsbürger verteilt und mit der Lieferung für das nächste Jahr verrechnet. Mit der Gemeinde Dörnigheim wird ein Vertrag gemacht, daß Wachenbuchen die Schäden übernimmt, die durch die Hohe Tanne verursacht werden. Dort soll zum Beispiel am Waldrand ein Graben angelegt werden. Für eine Wasserleitung wird 1913 ein Lanz-Motor beschafft.

Auf einen Schlag werden zehn Bauplätze für zwei Mark pro Quadratmeter verkauft. Die Interessenten kommen aus Kesselstadt, Dörnigheim, Frankfurt, Heppenheim, Dornholzhausen, aber auch aus Wachenbuchen (Pfarrer Wilhelm Wittekindt, Wilhelm Fix, Zimmermann Welz).

Die  Baulandpreise werden nach dem Krieg auf vier Mark festgesetzt, aber offenbar hat sich der Preis nicht durchsetzen lassen. Noch 1921 hat die Kolonie zu wenig Einwohner, so daß eine Erschließung zu teuer kommt. Deshalb werden mehrere gemeindeeigene Bauplätze an den Architekten Bayer verkauft.

Die Häuser in der Kolonie liegen zunächst nur an der Landstraße. Nachher geht es weiter in Richtung der heutigen Amselstraße. Im Februar 1924 wird die Pumpstation auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Von einer Abtretung der Kolonie Hohe Tanne an eine neu zu bildende Gemeinde Wilhelmsbad spricht man schon Anfang 1928. Die Gemeindevertretung hat vorläufig nichts dagegen. Der Verkaufspreis für Bauland wird von zwei auf drei Mark erhöht. Zunächst werden nur Bauplätze verkauft, die an der Wasserleitung liegen. Ein Bebauungsplan wird aufgestellt. Es gibt jetzt viele Bauanträge, viele Bewerber sind aus Frankfurt. Das Bauland kostet ab 1930 pro Quadratmeter 3,50 Mark, aber schon 1931 wird wieder für 2,50 Mark verkauft. Es muß aber auch wegen der Anliegergebühren mit Bewohnern prozessiert werden. Die Hochstädter Landstraße wird ausgebaut.

Im Oktober 1936 wird die Hohe Tanne zwangsweise an die Kreisgruppenwasserleitung angeschlossen. Immer noch werden trotz der Kriegszeit Bauplätze in der Hohen Tanne verkauft. Ein Bebauungsplan wird 1947 von Regierungsrat Backe gemacht und beraten, auch über die Benennung der Straßen macht man sich Gedanken.

Schon 1947 macht die Stadt Hanau den Versuch, die Hohe Tanne einzugemeinden. Deshalb wird am 22. August 1947 einstimmig eine Entschließung gefaßt, die die Eingemeindungspläne Hanaus ablehnt. Auch der Vertreter der Hohen Tanne stimmt schließlich dafür.

Man habe viel Geld für die Erschließung der Siedlung aufgewendet, da brauche man jetzt ihre Steuerkraft. Auch der anwesende Landrat Voller lehnt eine Verkleinerung seines Landkreises ab. Die Gemeinde reagiert darauf, indem sie wieder Bauplätze verkauft, aber verbunden mit der Auflage, daß das Grundstück innerhalb eines halben Jahres zu bebauen ist. Auch im März 1949 wird das Eingemeindungsverlangen erneut abgelehnt.

Im Jahre 1949 will die Firma Fischer in der Hohen Tanne  „Kleinwohnhäuser“ zum Preis von 8.900 Mark errichten, die Gemeinde soll den Baugrund gegen eine Hypothek zur Verfügung stellen. Eine Ortssatzung für den Anschluß der Hohen Tanne an das Kanalnetz wird 1951 entworfen und für 21.000 Mark ein Kanal verlegt. Noch 1952 sind aber Häuser von den Amerikanern belegt. Der Bürgermeister soll über die Freigabe der beschlagnahmten Häuser verhandeln. Im Jahre 1955 wird noch einmal ein Plan für die baureifen Grundstücke aufgestellt.

Im Jahre 1957 wird am Ende der Drosselstraße eine  Notkirche für Hohe Tanne und Wilhelmsbad errichtet. Der Vertrag ist auf zehn Jahre befristet. Nach dessen Ablauf läßt Oberförster Langer dann auf dem Gelände 1970 einen Kinderspielplatz errichten und einzäunen, aber heute ist er wieder verschwunden. Die später erbaute Kirche in der Hohen Tanne ist inzwischen wieder abgerissen. Die Siedlung ist 1966 fast  ausgebaut.

 

Man geht nach Nordwesten in die Amselstraße, dann nach Westen weiter in den Zeisigweg und weiter in den Falkenring und dort nach Norden in die Schwalbenstraße. Dort führt ein Waldweg nach Westen, am nächsten Abzweig geht man nach Norden bis zur Kreisstraße von  Wilhelmsbad nach Wachenbuchen.  Nur hier kann man (aber ohne Gehsteig) die Autobahn überqueren

 

Ein Gräberfeld der Urnengräberkultur und der Hallstattzeit liegt südwestlich des Übergangs über die Autobahn und ist von dieser jetzt überbaut. Die beiden Hügel lagen dicht südlich des vorgeschichtlichen Weges, der von Bischofsheim kommend über Hochstadt in den Bruchköbeler Wald und zum Kastell Langendienbach führt. Schon im  Frühjahr 1955 fand man hier beim Roden eines Baumstumpfes ein Brandgrab der Stufe Hallstatt B, aus der Zeit etwa 700 bis 500 vCh. Dies bezeugt einen Wohnplatz der in Südhessen häufig vertretenen Koberstädter Gruppe.

Vor dem Bau der Autobahn gräbt man 1979 noch einmal nach. Der kleine Hügel erwies sich - von einzelnen Streuscherben abge­sehen - als fundleer; offenbar war das 1955 gefundene Grab die einzige Bestattung gewesen. Der größere Hügel, der von einem Kreisgraben umgeben war, ent­hielt dagegen insgesamt vier Gräber: Zwei Körpergräber mit Kera­mik- und Bronze-Beigaben und zwei Brandbestattungen in Urnen, dabei das Grab eines etwa vier- bis fünfjährigen Kindes. Die große Flugsanddüne gab in einer Tiefe von 1,3 bis 1,7 Metern drei Gräber frei. Alle Bestattungen - auch der Fund von 1955 - gehören der früh-keltischen Hallstattkultur (700 bis 500 vCh)an, und zwar der für Südhessen sogenannten Kober­städter Gruppe.

Zwei dieser von September bis Ende November geborgenen Grä­ber enthielten jeweils sieben zum Teil reich mit Graphitbemalung verzierte Gefäße,  dabei flachere Schalen mit einem außen auf dem Boden  eingeritzten  einfachen Kreuz, die in den Gräbern mit der Gefäßöffnung nach unten stan­den. Offenbar haben die Bodenkreuze ihre besondere Bewandt­nis.

 

Ungewöhnlich ist die plasti­sche Verzierung kleinerer Schalen mit nach innen gewölbten, von punktartigen kleinen „Tonlinsen“ gesäumten Dellen, die an Blumenmuster erinnert. Der Boden einer weiteren Schale war vor der Grab­legung offenbar mit Absicht ausge­brochen worden, ebenso der Rand einer der Urnen.

An Bronzefunden sind außer einem Armring, einer Pinzette und einem kleinen Kratzer mit tordier­tem Schaft ein späthallstattzeitli­che Fibel (Gewandspange) und eine Gewandnadel mit einfacher Schaftschleife zu nennen Bei der Nadel handelt es sich wahrscheinlich um das Erzeugnis eines einheimischen Bronzeschmiedes, da bis lang nur ein Vergleichsstück vorliegt, das im benachbarten Mittelbuchen gefunden wurde.

Ein kleines, verziertes Metallgewicht aus Bronze zählt zu einer in Mittel- und Westeuropa noch  seltenen Fundgattung. Die zahlreichen Tonscherben, die in der Aufschüttung der beiden Grabhügel gefunden wurden, wei­sen darauf hin, daß die Erbauer der Hügel bei der Beschaffung des notwendigen Materiales in der Umgebung der Denkmale ältere Siedlungen oder Gräber zerstört haben. Zu diesen „Streufunden“ gehört auch eine kupferzeitliche, sogenannte  „Armschutzplatte“ aus Kupfer, die dem Schutz des Armes dient, wenn die Bogensehne wieder zurückschnellt. Nördlich des Übergangs über die Autobahn war noch ein Grabhügel, der auf der Karte von Wolff eingetragen ist, über den man aber nichts Näheres weiß.

 

Nördlich dieser Stelle liegt die ehemalige Sand- und Kiesgrube der Gemeinde Wachenbuchen im nordwestlichen Winkel zwischen Autobahn und der Kreisstraße von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen. Unten im Wald führt noch ein Weg neben der Kreisstraße her. Von ihm aus kann man sehen, daß ein Teil der Grube dort war, wo der Wald sich lichtet. Wenn man in den Wald hineingeht, kann man dort auch noch die Vertiefungen finden, wo Sand abgebaut wurde.

Schon am 31. Oktober 1892 wird eine Polizeiverordnung über die Sandgrube erlassen. Die Gemeinde hat einen Sandgräber eingesetzt. Er muß von den Nutzern bezahlt werden. Eine zweispännige Fuhre Sand oder Kies kostet eine Mark; für den Eigenbedarf der Ortsbürger ist der Sand kostenlos. Von 1908 bis Anfang 1910 wird der Verkauf von Sand eine Zeit lang verboten. Besonders Auswärtige will man nicht mehr bedenken.

Die südlich gelegene Kiesgrube wird 1947 von Karl Mihm betrieben, die Sandgrube will die Gemeinde weiterhin selbst betreiben. Die Firma Welz möchte sie gern übernehmen, wird aber für diesen Wunsch mit einem Preis von drei Mark pro Kubikmeter bestraft.

Die Konsumgenossenschaft Hanau darf dagegen 25 Tonnen Kies aus der Kiesgrube entnehmen, weil man ein gemeinnütziges Unternehmen unterstützen will, das durch die Nazis an den Rand des Ruins gebracht wurde.

Ab 15. Juli 1948 sind Karl Mihm, Hainstraße 17, und Theodor Hoffmann, Alt Wachenbuchen 26, die Sandgrubenpächter. An Auswärtige (mit Ausnahme von Mittelbuchen) soll Sand nur in kleinsten Mengen abgegeben werden zum Preis von fünf Mark pro Kubikmeter. Im April 1950 legt Herr Hoffmann aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst in der Sandgrube nieder. Sein Nachfolger soll dann Johannes Fix IV., Erbsenstraße, werden.

Der Wald und speziell die Sandgrube werden aber auch als  Müllplatz genutzt. Schon 1927 wird im Wald ein Platz zum Abladen von Unrat eingerichtet. Die Müllabfuhr wird im März 1933 von der Kiesgrube in die Sandgrube verlegt. Nach dem Krieg wird in den Gruben Munition gesprengt und Kriegsmaterial aus dem Lager am Bahnhof Hochstadt-Dörnigheim abgelagert.

Zwar stellt man die Müllabfuhr 1949 einmal ein, aber sie wird doch wieder gewünscht, auch gegen Zahlung einer Gebühr. Im März 1950 wird die Müllabfuhr für fünf Mark pro Fuhre an Johann Simon, Mittelbucher Straße, vergeben. Als 1951 die Müllabfuhr eingestellt wird, weil Herr Simon nach Hanau verzogen ist, muß die Gemeinde bald doch wieder für die Abfuhr sorgen.

Der Müll wird in der Kiesgrube und der Sandgrube abgelagert, später auch im Steinbruch. Der Kreis will die Müllabfuhr in die Gemeindegrube nur noch bis 20. Oktober 1972 gestatten. Der Gemeindevorstand will aber weiter in die Grube abfahren lassen.

Aber ab 1. Dezember wird die Müllgrube geschlossen, und der Müll kommt nach Bruchköbel. In den Steinbruch darf zunächst nur noch Erdaushub und Bauschutt gefahren werden.

 

Jetzt könnte man die Straße benutzen, um zum Butterbaum zu kommen. Ein Stück weiter auf der Kreisstraße geht dann nach Osten der Weg zu den Kewa-Sportplätzen ab.

Am Butterbaum lädt eine Bank zum Verweilen ein. Der Name „Butterbaum“ kommt wohl von den nördlich gelegenen Butterwiesen, die sehr mageren Boden haben und deshalb oft mit „Butterblumen" (Hahnenfuß) bestanden sind. Hier am Butterbaum befindet sich eine Vogelfütterstelle. Südlich des Weges Richtung Hochstadt (ein Rest der Schneise von Wilhelmsbad zur Hartig bei Hochstadt) wurde eine vorgeschichtliche Handmühle gefunden.

Empfohlen wird jedoch der Weg, der am Ende der Überführung über die Autobahn nach Nordosten abzweigt (durch eine Schranke abgesperrt), obwohl dieser teilweise zugewachsen ist. Dieser Weg führt erst zur Autobahn, dann an ihr entlang. An einigen Stellen sieht man Kanaldeckel, wohl von der Abwasserleitung von Wachenbuchen zur Hohen Tanne. Der Weg biegt dann immer mehr noch Norden ab,  bis er auf den Weg von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen trifft.  Diesen Weg geht man noch ein Stück nach Norden weiter, bis man zu den KEWA-Sport­plätzen kommt.

Am Weg von hier zur Kreisstraße liegt nördlich der  alte Sportplatz, heute noch erkennbar an den erst neu angepflanzten Bäumen. Den Platz haben die Freien Turner angelegt und haben dort geturnt und Fußball gespielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Hundezüchterverein hier sein Übungsgelände. Die heutigen Sportplätze werden in den Jahren 1924 und 1978 angelegt.

Unter den Sportplätzen fließt in Rohren der Seulbach hindurch, der Wachenbucher Dorfbach. Als 1968 eine Schau des Seulbachs vorgenommen wird, muß man entscheiden, daß die Felsbank in der Nähe des Sportplatzes aus finanziellen Gründen nicht beseitigt werden kann. Südlich der Sportplätze vereinigt sich der Seulbach mit dem Graben, der unterhalb der Büchertalschule beginnt, an der Grenze zwischen Wachenbuchen und Mittelbuchen entlang führt und dann nach Westen abbiegt. Erst jetzt erhält der Bach eine kräftige Strömung. Der Bach läuft dann südlich des Butterbaums unter der Kreisstraße hindurch und westlich der Wachenbucher  Sandgrube in Richtung Waldschlößchen.

 

Der Fußweg nach Wilhelmsbad  hat schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Gemeinde bepflanzt den Weg zwischen 1824 bis 1826 mit Apfelbäumen und versieht ihn von 1831 bis 1834 mit einer Steinbahn. Das Kreisamt verlangt 1847, daß die Gemeinde den Weg durch den Staatswald am Wilhelmsbad ausbaut. Der Bürgermeister wird beauftragt, deswegen einen Prozeß anzustrengen. Eine Polizeiverordnung verbietet 1898 das Fahren, Reiten und Viehtreiben auf dem Fußpfad nach Wilhelmsbad.

Im Zuge der Zusammenlegung von 1906 will die Gemeinde auch die Straße neben dem Hanauer Fußweg bis an die Wiesen ausbauen. Der Fußweg nach Hanau soll nicht gepflastert werden, wie es der Bürgermeister will, sondern lieber mit guter Stückung, Kohlenplacken und Kies versehen werden. Für die Herstellung wird 1909 sogar eine Walze angeschafft. Auch 1924 wird der Weg vom Fußballplatz bis zur Höhe der Sandgrube mit Steinen und Kies aus dem Steinbruch hergestellt.

 

Der Fußweg nach Hanau darf 1934 an Wochenenden nicht mehr von Radfahrern benutzt werden. Wohlfahrtsempfänger bessern 1935 den Weg wieder aus. Heute ist er geteert und bei Fußgängern und Radfahrern sehr beliebt. Seit 1972 sind Fahr- und Gehweg in Ortsnähe durch Pfosten getrennt. Nach links geht man auf diesem Weg Richtung Wachenbuchen.

 

Wenn man aus dem Wald herauskommt, sieht man links den Aussiedlerhof Wenzel, der seit 1975 besteht und sich auf Milchvieh und Rinderzucht spezialisiert hat. Rechts der Hof des Schäfers Keim, der nebenberuflich noch eine Schafherde betreut In diesem Bereich verläuft auch die Fernwasserleitung aus dem Vogelsberg nach Frankfurt. Kurz vor dem Dorf befindet sich unter dem Weg seit Anfang der neunziger Jahre ein großes Regenwasserrückhaltebecken. Etwas weiter westlich tritt die Ortsbach wieder ans Tageslicht.

Östlich befindet sich der Festplatz. Als 1950 die „Textorwiese" von der Gemeinde angekauft wird, ist sie nur als Spielwiese für größere Kinder gedacht. Sie wird auch gleich eingezäunt und erhält 1969 Wasseranschluß. So können dort alle Feste des Ortes abgehalten werden. Nach rechts geht es in die Bleichstraße und wieder zum Ausgangspunkt des Spazierweges (Länge des Spaziergangs etwa 7,6 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südöstlich von Hochstadt

 

Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Waldsportplatz Hochstadt.  Man geht die Straße nach Hanau entlang. Am zweiten Weg nach rechts noch ganz in der Nähe der Kreisstraße liegt ein Grabhügel aus der Bronzezeit. Er ist noch fast an der Kreisstraße und noch gut zu sehen. Die Grabhügelgruppe im Töngeswald ist systematisch erforscht. Ur­sprünglich waren es zwölf Hügel, heute sind noch ein großer und drei kleinere erhalten. Der Hügel I enthielt ein Frauenbrandgrab mit Doppelradnadeln, Ringen, Perlen und Scherben einer weitmundigen Schale. Der Hügel II enthielt nur Scherben. Im Hügel III aber fand man die Reste einer Männerbestattung mit dem berühmten Griffplattenschwert aus dem ostalpinen-ungarischen Raum. Das Hochstädter Schwert ist weit entfernt vom ostalpin-ungarischen Raum, dem mutmaßlichen Herstellungsgebiet dieser Waffen, gefunden worden. Der Bronzegriff solcher Schwerter entstammt wohl einer Gießerwerkstatt des Voralpengebietes, die genau in den Griffschlitz eingepaßte Klinge wird man dem Einfluß ostalpinisch-ungarischer Werkstätten zuschreiben dürfen. Außerdem fanden sich in Grab III ein Absatzbeil, Nadeln, Spiralen und Reste einer Halskette.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite etwas mehr in Richtung Hanau und etwas im Wald ist die alte Gemeindesandgrube. Hier wurden 1931 bis 1938 Brandgräber aus der Hallstattzeit gefunden  Sie enthielten eine Koberstädter Urne und einen Spitzbecher; und in der Nähe fanden sich noch drei Schalen. Dann setzt man den Weg auf  dem Fußweg neben der Straße fort, bis nach Süden ein Weg abzweigt mit dem Wegweiser „Historische Ruhbank“.

 

Hier steht gleich links ein Dreimärker, auf dem die Buchstaben W und H zu sehen sind, auf der Dörnigheimer Seite ist der Stein leider abgeschlagen. Hier ist also der Grenzpunkt der Gemeinden Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim bezeichnet.

 

Etwas weiter südlich steht die Ruhbank. Sie diente den Marktfrauen zum Ausruhen, wenn sie mit ihrer schweren Last zur Stadt gingen. Eine solche Ruhbank besteht aus zwei Teilen: einer kleineren Sitzbank und einer höheren Bank zum Abstellen der Körbe. Der Volksmund nennt die Bank auch „Butterbank", wohl wegen der Butter in den Körben. Der Antrag des Tagelöhners Dorn aus Hochstadt zur Errichtung eines Schenkhäuschens für Limonade und Wasser an der Ruhbank wird 1906 aber abgelehnt. Früher stand die Ruhbank mehr an der Straße. Die Steine werden am Kriegsende von amerikanischen Panzern umgefahren und sind verschwunden.

Im Mai 2003 wurde eine Nachbildung der historischen Ruhbank wieder neu aufgestellt, weitgehend finanziert von Spenden von Firmen und aus der Bevölkerung. Sie wurde etwas weiter in den Wald hineingestellt und etwas weiter südlich genau auf der Grenze an dem Weg, der früher nach Hanau führte. Der Graben wurde durch eine Holzbrücke überbrückt. Dadurch ging man dem Grenzgraben aus dem Weg, der heute tiefer ist als früher.

Nicht klären läßt sich die Frage, ob diese Ruhbank etwas zu tun hat mit einer Geschichte über die Entstehung der Ruhbänke: Napoleon Bonaparte soll einmal - an der Spitze seiner Armee reitend - auf eine alte Frau mit schwerer Tragelast getroffen sein. Mit den Worten „Respect au Fardeau“ („Habet Acht vor der Bürde“) befahl er seinen Soldaten, die Straße freizumachen.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass dieser Vorfall der Ur­sprung zur Installation von Ruhesteinen oder Ruhebänken war. Ihr Zweck war, den Bauern oder Marktfrauen auf dem Weg eine Ruhepause von den schweren Tragelasten zu ermöglichen. Man findet sie in vielen Regionen, besonders im Nord-Elsaß, im Neckarland oder im Kraichgau - teilweise unter dem Namen „Napoleonsruhe“.

 

Dieser Weg führt auch zu einem Bereich zwischen der Hohen Tanne und Dörnigheim, wo die Braubach renaturiert werden soll. Eine Umlegung wurde schon durchgeführt. Dadurch soll auch Hochwasser oberhalb von Dörnigheim zurückgehalten werden. Main und Kinzig samt heutiger Fallbach (von Ravolzhausen), Krebsbach (von Bruchköbel) und Braubach bildeten ein verschlungenes Flußsystem. Daraus wird das Wasser gewonnen, das im Park von Wilhelmsbad zu einem See aufgestaut ist. Die Braubach hat also gar keine eigene Quelle, sondern sie ist künstlich angelegt unter Benutzung alter Flußläufe. Sie hat auch sehr wenig Gefälle und muß zwischen Wilhelmsbad und der Einmündung des Seulbachs südlich von Wachenbuchen oft gereinigt werden; unterhalb ist eine Reinigung nicht mehr nötig.

Der Seulbach ist die Fortsetzung des Wachenbucher Ortsbachs, der auf einer altenKarte, die im Schloß  Steinheim gezeigt wird, als Braubach bezeichnet wird. Beim Bau der Hanauer Burg werden Fallbach und Krebsbach in die Kinzig geleitet. Die Kinzig wird zur Burg geführt und von dort in den Main. Ein Flußlauf (in alten Karten als „Königsgraben" bezeichnet) zieht sich von Wilhelmsbad durch den Töngeswald bei Hochstadt und den Riedgraben bei Bischofsheim bis zum Enkheimer Ried und nach Frankfurt. Noch im Dreißigjährigen Krieg transportiert man Truppen von Frankfurt auf diesem Main-Kinzig-Lauf bis nach Hochstadt und Dörnigheim. Die Kinzig könnte bei Hochstadt in den Main gemündet sein.

Wieder zurückgekehrt zur Kreisstraße sieht man in Richtung Hanau. Dort  stand das Rindenhäuschen, eine Schutzhütte für 20 Personen, deren Wände innen mit Rinde verkleidet waren. Aber auch sie ist verfallen und nicht mehr vorhanden.

 

Heute sieht man dort noch das Schild „Hotel Waldschlößchen".  Hier stand ursprünglich die  Pumpstation für die Hohe Tanne. Dann kauft 1931 Direktor Busse das Gebäude samt umliegendem Gelände. Aber 1941 wird es zur gärtnerischen Nutzung verpachtet. Schließlich ist es im Besitz der Familie Felix Voigt aus Dörnigheim. Schon 1950 will Herr Voigt sein Wohnhaus erweitern und eine Gastwirtschaft einrichten. Erst im Juni 1957 kann er eine Schankwirtschaft mit zwei Gasträumen und Küche eröffnen. Im Jahre 1960 kauft Frau Renate Röder geborene Töpfer das Haus. Sie stammt aus Ostdeutschland, wohnt später in Hanau, macht sich 1958 selbständig und gründet auf dem Hühnerberg eine Gaststätte.

Nach zehn Jahren auf dem Hühnerberg übernimmt sie die kleine Gartenwirtschaft an der Straße von Hochstadt nach Hanau in der Gemarkung Wachenbuchen. Im Jahre 1965 ergänzt sie das mit dem Giebel zur Straße stehende Haus durch einen Querbau und schafft so das Hotel „Waldschlößchen" und eine Gaststätte (diese ist allerdings seit Anfang 1997 geschlossen).

Das  Hotel hat 32 Betten, alle mit Dusche und WC und teilweise auch Balkon. Von Vorteil ist auch der große Parkplatz. Es liegt verkehrsgünstig im Rhein-Main-Gebiet und wird gern besucht von Geschäftsreisenden, Monteuren und Gästen der Firmen in Maintal und Hanau.

Postalisch gehört das Hotel weiter zu Hanau, und wegen der auswärtigen Gäste ist das der Inhaberin ganz recht. Das Wahllokal für die ständigen Bewohner ist aber in Hochstadt. „Gemarkung Wachenbuchen" stimmt aber auch noch. Verwechslungen sind da natürlich vorprogrammiert.

Ursprünglich lag das Haus einmal idyllisch im Wald. Heute wird es umgrenzt von Autobahn, Autobahnzubringer und Kreisstraße. Aber bei den gut verglasten Fenstern und der Lärmschutzwand zur Autobahn stört das höchstens, wenn man im Sommer im Freien sitzen will. Durch den Autobahnbau hat sich allerdings der Grundwasserspiegel gesenkt, so daß sich Setzrisse am Haus bildeten.

Das Hotel ist aber Zug um Zug renoviert worden. Es wird ganz familiär geführt. Die Gäste sind oft auch längere Zeit da. Wenn sie es wünschen, wird ihnen abends auch noch einmal von der Chefin ein kleines Essen zubereitet. Der Gast ist König und kann sich wohlfühlen. Am Rande des Grundstücks verläuft der Seulbach, wird unter der Autobahn hindurchgeführt und mündet in die Braubach. Die Abwässer des Hotels werden durch eine aufwendige Schilfkläranlage gereinigt.

 

Nördlich der Kreisstraße geht es dann entlang der Gemarkungsgrenze auf einem kleinen Weg Richtung Norden. Der Wald ist hier sehr feucht, weil man alte Gräben zur Hochstädter Sandgrube wieder geöffnet hat, damit möglichst viel Wasser versickert und der Grundwasserspiegel gehoben wird.

Am ersten Querweg nördlich der Hochstädter Landstraße steht heute ein Gedenkstein, gerade noch auf Wachenbucher Gebiet. Es ist der „Mankel­stein“. Die Inschrift berichtet von dem landgräflichen Jagdaufseher Kaspar Philipp Mankel, der von einem Wilderer erschossen wurde. Die Inschrift auf dem „Försterstein" lautet: „Zur Erinnerung an unseren treuen Kameraden, den Landgräflichen Jagdaufseher Kaspar Ph. Mankel von Wachenbuchen. Als Krieger hatte er während des ruhmreichen Feldzugs 1870/71 dem Tod mit Ruhe ins Auge geschaut. An dieser Stelle wurde er am 30. März 1898 meuchlings durch Wilderers Hand erschossen. Ehre seinem Andenken!“ (Der Stein wurde offenbar vom Kriegerverein gesetzt).

Die Wilddiebstähle häuften sich so, daß Mankel vom Großherzog von Hessen gedroht wurde, falls es nicht anders werde, müsse er mit seiner fristlosen Entlassung rechnen. Am frühen Morgen des 30. März 1898, am Karfreitag, will Mankel in dem wildreichen Revier nach dem Rechten sehen. Da gewahrt er am Eingang zum Sandkautenweg zwei Wilderer. Er will sie stellen, aber sie antworten mit Schüssen. Durch den Schuß des Wilderes Morlok aus Hanau wird er von einer Schrotladung in den Unterleib tödlich getroffen.

Der Mörder wird noch am gleichen Tag oder einen Tag später gefaßt. Die beiden Wilderer sind aus Hanau und sind den Förstern der Gegend keine Unbekannten. Sie gestehen die Tat sehr bald und werden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Morlok erhält lebenslänglich, wird aber nach einigen Monaten durch Helfer befreit, die aus hohen Kreisen stammen und seine Beute im Hotel Adler gegessen haben. Er läßt seine Frau und drei Kinder sitzen, die nun auf mildtätige Gaben von Freunden angewiesen sind. Er entkommt nach Amerika, die Fahrt wird von seinen Gönnern finanziert. Um die Jahrhundertwende, also bald nach der Tat, stirbt der Täter in Amerika. Dies wird aber erst nach langen Jahren bekannt.

Der Mankelstein stand ursprünglich weiter östlich an der Wachenbucher Gemeindesandgrube, mußte dem Autobahnbau weichen. Es ging aber auch darum, daß er nicht auf dem Gebiet bleibt, das jetzt zu Hanau gehört.

Er kommt zunächst auf den Bauhof, bis ein Steinmetz die Schrift wieder neu in den roten Sandstein eingraviert. Förster Koch mit seinen Leuten und die Mitarbeiter des Bauhofs sorgen dafür, daß er einen gebührenden Platz an einem Hauptspazierweg erhält. Ein Bild des Jagdaufsehers findet sich in der Chronik „Liebenswertes Wachenbuchen“.

 

Vom Mankelstein geht man nach Westen unter der Hochspannungsleitung hindurch bis zu dem breiten Querweg. Diesen geht man etwa 150 Meter nach Norden in den Waldbezirk „Burgheege“.  Links geht dann der Stumpf eines Weges ab, der aber bald in einen Trampelpfad  übergeht. Nach etwa 50 Metern liegt rechts ein Grabhügel aus der frühen Hallstattzeit. Unter einer Steinpackung lagen die Urne und der Becher, unweit davon lagen die anderen Beigaben, eine Urne in Form eines Kegelhalsgefäßes, Scherben von Schalen und Spitzbechern, ein Schwert und ein Eisenmesser (der Hügel ist also erforscht und leer, ein Nachgraben hat keine Erfolg).


Auf dem breiten Weg geht man dann wieder nach Süden in Richtung Kreisstraße. Etwa 20 Meter vor dem querenden Graben geht nach Osten ein Weg zur Gemeindesandgrube. Nach Westen aber geht hier ein kleiner Trampelpfad ab, der zur Mankel-Eiche führt. Dieser Weg ist jedoch nur noch für  Unerschrockene geeignet. Wer nicht durch die Wildnis will, geht auf dem breiten Weg weiter und dann neben der Kreisstraße her nach Westen zum Parkplatz beim Waldsportplatz.

 

Die  Wilhelm-Mankel-Eiche“ steht am ersten Knick des Waldrandes. Sie ist aber heute stark gestutzt und am Stamm schadhaft und der schöne Blick auf Hochstadt ist auch zugewachsen.  Die Eiche soll 300 Jahre alt sein und soll erinnern an den Hochstädter Bürgermeister Wilhelm  Mankel. Nach Mankels Tod wurde die Eiche nach ihm benannt und von der Kreisstraße her (gegenüber den ersten Querweg vom Parkplatz her) ein Fußweg dorthin angelegt, der aber heute zugewachsen ist.

Wilhelm Mankel war von 1948 bis 1956 für die CDU Bürgermeister in Hochstadt. Er wurde am 2. August 1883 in Hochstadt geboren, heiratete 1910 seine Frau Catharine geborene Weber und hatte fünf Kinder. Er war von Beruf Landwirt und hatte einen Hof in der Bogenstraße Nr. 7.  Aber er hatte auch zwei gewichtige Hobbys: In der Bevölkerung war er als „Tauben-Mankel“ bekannt. Und er machte sich einen Namen als Heimatforscher.

Sein Interesse galt dabei besonders dem Weinbau, den Gaststätten und dem früheren Ort Groschlag südwestlich von Hochstadt. Für sein Buch „Das Dorf und Gericht zu Groschlag“ erforscht er die Archive von Assenheim bis St. Gallen. Er entwarf auch wahrscheinlich das neuere Hochstädter Wappen mit den drei Weinberggeräten Hacke, Karst und Wingertkneip. In einem Vortrag über den Hochstädter Weinbau beschreibt er nämlich diese Werkzeuge ausführlich, so daß man annehmen kann, daß er auch der Urheber des Wappens ist, das sich auch an seinem Haus findet.

Seine Arbeit als Bürgermeister war von einer konservativen Haltung geprägt. . Gestorben ist er am 22.10.1955 in Hanau. Ein Bild findet sich in der Chronik „Aus dem Leben der alten Hochstädter“ bei dem Zug der neuen Glocken durch den Ort (dort geht er zusammen mit dem Pfarrer und anderen hinter dem Auto her).

Der Weg geht dann weiter in Richtung Westen zur Kreisstraße zu einer Stelle zwischen dem Eintritt der Straße in den Wald und der Straße zum Sportplatz (Länge des Spaziergangs etwa 3,5 Kilometer).

 

Östlich von Hochstadt

 

Ausgangspunkt ist die Straße  „Am Felsenkeller“, Abzweig „Bücher  Weg“. Erster Anlaufpunkt ist die Schule. Die Fritz-Schubert-Schule (nördlicher Bau) ist die Hochstädter Grundschule, benannt nach einem früheren Landrat. An der Südwand ist noch eine Sandsteintafel mit der Jahreszahl 1911, die von der alten Schule in der Klosterhofstraße kommt. Die jetzige Schule wurde aber erst 1968 errichtet. Bis 1818 gab es zwei konfessionell unterschiedliche Schulen und danach  zeitweise auch eine jüdische Schule. Die Hochstädter reformierten und lutherischen Lehrer sind fast vollständig namentlich bekannt. In der Moritz-Diesterweg-Schule (etwas südlicher) werden Kinder mit Lernbehinderungen gefördert.

 

Rechts  liegt dann die Kelterei Höhl. Die heutige „Landkelterei Höhl“ ist hervorgegangen aus der Gaststätte „Zur goldenen Krone“. Wilhelm Höhl heiratete eine Tochter des Gastwirts und machte sich in der Hauptstraße 63 mit einer Kelterei selbständig. Dann verlegte er seinen Betrieb an den Ostrand von Hochstadt. Seit 2007 arbeitet die Höhl mit der Firma Rapps in Karben zusammen. Sie ist praktisch nur noch ein Außenlager dieser Firma und macht im Herbst noch etwas Schaukeltern.

 

An das Neubaugebiet schließt sich an die ehemalige Tongrube (Ziegelei) im Versuchsgarten des Obst- und Gartenbauvereins in der Flur „An der alten Ziegelhütte“. Ein kleiner Abbruch ist im unteren Teil des Grundstücks noch zu sehen.

 

Der Weg führt weiter in Richtung Wachenbuchen und noch vor der Überlandleitung kommt man zum Grenzweg zwischen Hochstadt und Wachenbuchen. Unten an der Kreisstraße war „Kennborn", der Kinderborn, aus dem angeblich die Wachenbucher Kinder kommen. Er war aus Beton und mit einem Eisendeckel versehen.

 

Nach Norden geht es zur Feldholzinsel „Börrwiese“. Hier stand früher ein richtiger Wald. Dort hat man aber die großen Bäume herausgenommen, damit mit der Zeit mehr eine Feldholzinsel daraus wird. An der südwestlichen Ecke dieses Feldgehölzes steht ein Grenzstein aus dem Jahre 1613 mit den Zeichen der Gemeinden Hochstadt und Wachenbuchen. Er wird 1968 nördlich des Wäldchens an der Börrwiese ausgepflügt und später an der Waldecke wieder errichtet. Inzwischen ist ein weiterer Stein dazugekommen und einige Grenzsteine stehen oder liegen dort noch herum.

Nördlich der Börrwiese ist die Flur Schindkaute. Sie wird links des Wegs durch einen Grenzstein von der Hochstädter Flur abgetrennt. Er steht gegenüber dem nach rechts abzweigenden Weg, ragt aber nicht aus dem Boden heraus.

Gut zu sehen ist aber der nächste Grenzstein zwischen dem Wachenbucher Flurstück „Am Birkenbaum" und der gleichnamigen Hochstädter Flur, etwas unterhalb eines nach links abzweigenden Weges. Allerdings steht der Stein heute verdreht, denn die Hochstädter Flur ist in Wirklichkeit westlich und die Wachenbucher östlich. Der Stein steht wohl nicht ganz an der ursprünglichen Stelle.

Der nächste Stein liegt in der Hecke, bei der die Grenze nach rechts abbiegt, um gleich danach wieder nach Norden zu führen. Ab hier gehört der Grenzweg nicht mehr zu Wachenbuchen.

 

Wo der Weg nach Norden noch einmal eine Rechts-Links-Linie beschreibt ist wieder eine Hecke, in der man vier Betonklötze erkennen kann. Hier stand während des Zweiten Weltkriegs ein Stahlturm für die Luftabwehr. Im Volksmund hieß er „Hermine", wohl nach dem früheren Luftwaffenchef Hermann Göring.

 

Man geht aber an der Hecke schon links weiter nach Westen, geht links an einem Strommasten vorbei und zur Nordseite der ehemaligen Lehmkaute. Hier sieht man zuerst Buschwerk, das zum Wald heranwächst und das für Jagdzwecke um die Hälfte nach Osten vergrößert worden ist. Hier holten die Hochstädter ihr Baumaterial  für  die Ausfüllung der Fachwerke.

Im Quartär (Beginn vor 1,5 Millionen Jahren) kommt es zu vermutlich sieben Eiszeiten. Aber unser Gebiet bleibt dabei eisfrei, es ist eine Art Steppenlandschaft. Durch heftige Stürme werden Massen von Verwitterungsprodukten als Löß in der Wetterau und an den Hanglagen der Hohen Straße abgelagert. Der hellgelbe Löß ist fruchtbarer Ackerboden. Bei Verwitterung geht aber der Kalk verloren und es entsteht Lößlehm und bei völliger Verwitterung dann wasserundurchlässiger Lehm. Durch Ausblasung der Gesteine lagern sich Flugsanddünen in den Ebenen ab. Die Grube wurde als Müllplatz genutzt, der heute mit Gebüsch überwachsen ist. Westlich der Straße von der Kleinen Lohe nach Hochstadt hat die Stadt Büsche und Bäume angepflanzt, um zu verhindern, daß der Weg wieder überackert wird.

 

Auf der geteerten Straße geht es hinunter zur Hartig. In diesem Bereich plante der Erbprinz Wilhelm IX. von Hessen‑Kassel, der Erbauer der Kuranlage Wilhelmsbad, ein „Lustschloß auf der Hartig“. Eine Schneise wurde von Wilhelmsbad in Richtung Hartigwäldchen durch den Wald geschlagen, um eine Allee bis zum Lustschlösschen anzulegen. Diese ist heute noch erhalten am Anfang  der Straße vom Wilhelmsbader Kurhaus nach Wachenbuchen. Wenn man diese Linie weiter auszieht, kommt man an der Hartig vorbei genau auf die Nordostecke der Hartig. Noch sinnvoller ist allerdings eine Stelle etwas weiter nördlich, weil man von dort die beste Rundumsicht hat: Nach Frankfurt, zum Taunus, ein Stück in die Wetterau und den Vogelsberg, in den Spessart und natürlich auch nach Hanau und Wilhelmsbad.  Außerdem liegt diese Stelle ein Stück näher an  Rendel, wo der Erbprinz eine seiner Geliebten hatte.

In der Stiftung Preußische Schlösser in Potsdam sind drei Entwürfe für dieses Schloß erhalten (im Buch von Gerhard Bott über Wilhelmsbadauf Seite 72). Das Gebäude sollte mit seiner Hauptfassade nach Wilhelmsbad ausgerichtet werden. Zu datieren sind diese Pläne in das Jahr 1779, da erst ab hier von Wilhelmsbad gesprochen wurde. Der Bau des Belvederegebäudes („Schöne Aussicht“) kam nie zur Ausführung, da an seiner Stelle die Burgruine im Kurpark zum selben Zweck als Privatgemächer des Erbprinzen (nicht für die Kurgäste) errichtet wurde.

 

Links liegt auch das Flurstück mit dem Namen „Hohehäuser“, der auf  einen früheren Aussichtspunkt deutet.

 

Etwas südlich der Informationstafel über die Streuobstwiesen ist auf der Ostseite die ehemalige „Weidekaute“, ein heute verfüllter Kalksteinbruch, daran erkenntlich, daß hier keine Obstbäume stehen. Zwischen Bergen und Hochstadt gibt es ausgedehnte Kalkvorkommen, die aus dem Tertiär stammen. Die Kalksteine wurden genutzt für den Hausbau und den Bau der Ringmauer.

Um die Steine zu gewinnen, grub man unterirdische Gänge, damit es keine Schwierigkeiten mit den Grundstückseigentümern gab. Außerdem hatte man gleich Transportwege, denn das Material wurde auf den unterirdischen Wegen mit Schubkarren an die Baustelle gebracht.

In Hochstadt erstreckte sich das Abbaugebiet von der nördlichen Ringmauer bis zum Hochbehälter am Schützenhäuschen und von dort über die Weidekaute bis zur Börrwiese. Durch den unterirdischen Abbau entstanden die heute noch vorhandenen Gänge und Höhlen, die stellenweise fünf Meter hoch und fünf Meter breit sind.

Die Kalkadern verliefen teilweise nur knapp unter der Oberfläche. Deshalb kam es im Laufe der Zeit zu Einbrüchen in das Tunnelsystem oder es wurden Zugänge freigelegt. Schon beim Bau der ersten Wasserleitung für Hochstadt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden im Bereich der Börrwiese mehrere Gänge angeschnitten; bei späteren Reparaturarbeiten soll man wieder auf sie gestoßen sein.

Der größte oberirdische Steinbruch war die „Weidekaute", etwa 100 Meter lang, 50 Meter breit und zwei Meter tief. Der Steinbruch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Müllkippe benutzt und dann mit Muttererde abgedeckt (heute noch erkennbar an der veränderten Grasnarbe und dem Fehlen der Bäume).

Viele Bauern hatten aber auch oberirdische Kalksteinbrüche beiderseits der Straße nach Dorfelden, wo sie Steine für den Eigenbedarf brachen. Besonders gut sichtbar sind sie, wo die Straße einen Rechtsbogen macht. Hier kreuzt aber auch ein Gang des Kalksteinhöhlensystems die Straße. Man kann die Stelle heute noch im Teer erkennen, weil hier eine leichte Vertiefung mit Rissen ist. An dieser Stelle ist kurz  nach dem Krieg ein Pferdefuhrwerk des Bauern Emmel eingebrochen, weil die Decke der Höhle einstürzte. Östlich davon war ein Einstieg in die Höhlen, der im Ersten Weltkrieg von Soldaten im Manöver benutzt wurde.  Die Straße führt dann wieder zurück zum Ausgangspunkt am Bücher Weg. (Länge des Spaziergangs etwa 3,5 bis 4 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nördlich von Hochstadt

 

Ausgangspunkt ist die Nordostecke des evangelischen Gemeindehauses am Wallgraben. Es wird 1975/76 gebaut und ersetzte die 1952 die zum Jugendheim und Gemeindehaus ausgebaute Pfarrscheune. Es wird von verschiedenen kirchlichen Gruppen genutzt und enthält einen Jugendkeller, einen Raum für Mutter-und-Kind-Gruppen, einen Übungsraum für die Chöre und einen Raum für den Kirchenvorstand sowie zwei große Säle für verschiedene Veranstaltungen.

Wenn man den Weg nach Norden aufwärts geht, liegt links der neue Friedhof, der wahrscheinlich etwas übereilt und viel zu groß hier mitten in den Streuobstwiesen angelegt wurde. Er hat keine Trauerhalle und auch sonst keine Infrastruktureinrichtung (außer einer Baustellentoilette).

Weiter oben sind dann die früheren Hochbehälter der Hochstädter Wasserleitung. Rechts stehen noch zwei Birken, die vor dem Eingang des Hochbehälters von 1923 gepflanzt wurden. Links liegt unter Gebüsch verborgen der Hochbehälter aus der Nachkriegszeit. Er dient nach seiner Stillegung eine Zeit der Firma Höhl als Apfelsaftlager, ist aber heute überflüssig.

 

Etwas weiter links ist das Schützenhäuschen. Die Schützenhäuschen waren Stützpunkte der Feldschützen und dienten vor allem auch zum Schutz vor schlechter Witterung. Erhalten ist nur noch das Häuschen an der Leithecke, das eines der Wahrzeichen Hochstadts ist. Anfangs gab es extra Weinbergschützen, die sogar Nachtwache hielten; dann aber übernahmen die Feldschützen diese Aufgabe mit. Es waren ursprünglich immer fünf Feldschützen, von denen einer aus dem Dorf Groschlag kam, solange dieses bestand. Jeder Einwohner war verpflichtet, zweimal während seines Lebens den Dienst als Feldschütz zu versehen. Die Feldschützen hatten Pistolen, zunächst einmal zu ihrem Schutz, aber vor allem, um in der Erntezeit die Stare und Krammetsvögel zu vertreiben. Am Kirchweihtag hatten die Feldschützen auch die drei Feldbrunnen zu fegen. Außerdem hatten sie einen Stock, mit dem sie jugendliche Übeltäter gleich in der Feldmark verprügeln durften. Ein ertappter Übeltäter mußte den Feldschützen eine Zeche im Wirtshaus bezahlen. Die Feldschützen veranstalteten dann manchmal ein festliches Gelage. Ein Übeltäter konnte aber auch vor das Dorfgericht gehen, wenn ihm die Zeche zu hoch erschien. Später trugen die Feldschützen Dienstmützen und glänzende Messingschilder mit ihrem Namen.

Am Ende der Weinlese war dann das große Erntedankfest am Schützenhäuschen. An den Weinlesetagen wurde besser gelebt: Kuchen wurde gebacken, zum Frühstück wurde ein Preßkopf oder ein Schwartemagen bereitgehalten, mittags gab es Schweinefleisch und Sauerkraut, abends dann Hammelbraten. An dem geschmückten Schützenhäuschen ging es besonders festlich her. Dort wurden von den Feldschützen zwei Fichten aufgepflanzt: Die eine wurde senkrecht aufgestellt, an der Spitze mit Bändern geschmückt. Die andere wurde waagrecht in die am Häuschen befestigten Eisen gesteckt (heute noch vorhanden) und auch mit Bändern geschmückt. Beide wurden miteinander verbunden und vorne an den Querbaum wurde ein mächtiger Kranz aus den schönsten Trauben gehängt.

Eine Musikkapelle spielte. Gegen Mittag wurde im Schützenhaus Sauerkraut und frisches Schweinefleisch zubereitet, der Wein floß in Strömen. Die Weinbauern kamen und aßen und tranken mit den Weinbergschützen, für die bei dieser Gelegenheit ein gutes Trinkgeld abfiel.

Die Schuljugend war auch dabei und vertrieb sich mit Freudenfeuerchen und anderen Spielen die Zeit. Von Zeit zu Zeit gaben die Weinbergschützen aus ihren Pistolen Schüsse ab. Auch die jungen Burschen schossen mit Pistolen, schließlich gehörten ja alle jungen Leute der Schützengilde an. Es gab allerdings auch Unglücksfälle. War der Wein einigermaßen geraten, so fand am Abend das Winzerfest mit Tanz statt. In besonders guten Weinjahren wurde es an mehreren Abenden wiederholt. Der „Herbst“, also die Weinlese, war das höchste Fest im Jahr.

 

An der Hecke entlang geht es dann zum „Insektenhotel“, einer Nisthilfe für Wildbienen:

Als Wildbienen bezeichnet man sämtliche Bienenarten der Überfamilie Apoidea mit Ausnahme der Honigbienen und nicht etwa wildlebende Urformen oder verwilderte Stämme der Honigbiene. Der Begriff hat in der Biologie keinerlei systematische Relevanz, er trägt lediglich der Tatsache Rechnung, dass bei der umgangssprachlichen Bezeichnung „Biene“ fast ausschließlich die bekannteste Bienenart, die „Westliche Honigbiene“ gemeint ist. Um in Publikationen für die breite Öffentlichkeit, etwa Tipps zum Naturschutz, zu verdeutlichen, dass die gesamte Gruppe der Bienen gemeint ist und beispielsweise die Anlage von Nisthilfen nichts mit Bienenzucht im Sinne von Imkerei zu tun hat, wird deshalb meist der Terminus „Wildbiene“ verwendet.

Die Wildbienen brauchen Röhren zum Eierablegen: Sie geben Pollen dazu, verschließen das Ei, legen das nächste usw. Vorne schließen sie den Gang richtig mit Lehm. Wildbienen leben als Einzelgänger und stechen nicht.

 

Der Weg führt nun zur geteerten Straße nach Niederdorfelden. Auf ihr geht man nach Norden Richtung Hartig. An der Kreuzung steht eine große Informationstafel über die Streuobstwiesen. Heute findet man nur noch etwas vom früheren Charakter der Landschaft im Norden des Ortes. Dort liegt der geschützte Landschaftsbestandteil "Distelberg" mit dem Naturschutzgebiet "Hartig". Das Gebiet ist geprägt von den Streuobstwiesen, auf denen hochstämmige Obstbäume aller Art in unregelmäßigen Abständen stehen. Sie dienten früher der Selbstversorgung und dem Zuerwerb, haben aber heute ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren.

Umso wichtiger ist die ökologische Bedeutung dieses 70 Hektar großen Gebietes, das wesentlich größer ist als die unter Schutz gestellte Fläche. Es gehört zu den größten Streuobstwiesengebieten Deutschlands und zieht sich über den Berger Hang bis nach Frankfurt.

In den hohlen Stämmen der alten Bäume gibt es viele natürliche Bruthöhlen. Dort brüten die seit  über 50 Jahren nicht mehr gesehenen Hohltauben, aber auch der ebenso seltene Steinkauz. Dazu kommen Kohlmeisen, Blaumeisen, Kleiber, Gartenrotschwanz, Grünspecht und Kleinspecht.

Außerdem hat man insgesamt 26 Kleinsäugetierarten festgestellt, vom Fuchs bis zur Zwergspitzmaus, auch Fledermäuse und Siebenschläfer. Ebenso sind Insekten reichlich vertreten: es finden sich allein 200 Schmetterlingsarten, aber auch Hornissen und Ohrwürmer.

Die Wiesen am Distelberg sind (bis auf Ausnahmen unterhalb der Hartig und an der Weid) typische Vertreter der Glatthaferwiesen. Sie haben einen hohen Krautanteil. Die häufigsten Gräser sind Glatthafer, Knäuelgras, Wiesenschwingel und Wiesenrispengras.

Eine Sonderform ist die Salbei-Glatthaferwiese auf magerem und basenreichen Unter­grund, deren Kennzeichen die Schlüsselblume ist.

Im Frühling findet man auf den Wiesen Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, Gänseblümchen, Hahnenfuß, Veilchen, Margeriten und Labkraut. Im Frühsommer ergibt sich die Mischung von gelbem Klappertopf und Labkraut mit blauem Wiesensalbei und Glockenblumen. Zur Erhaltung dieser Blumen dürfen die Wiesen nur einmal im Jahr gemäht werden, und zwar ziemlich spät.

Erwähnenswert sind noch die Speierlingsbäume, die ursprünglich aus Südeuropa stammen und bei uns nur auf kalkreichen, warmen und nicht zu feuchten Böden gedeihen. Die apfelförmigen oder birnenförmigen Früchte dieser Ebereschenart mit dem botanischen Namen „sorbus domestica" dienen als Zusatz zum beliebten Apfelwein und machen diesen durch ihre Gerbsäure zum Speierling. Wenn man in sie hineinbeißt, „zieht es einem die Löcher in den Strümpfen zusammen". Erst in der Edelfäule schmecken die Früchte hervorragend, weil dann die Gerbsäure  abgebaut ist. Ihr Saft wird als Zusatz zum Apfelwein verwendet und ist besonders bekannt als die Marke „Alter Hochstädter".

 

Ein Stück weiter steht ein moderner Behälter der Wasserversorgung. Von dort führt der Weg nach Westen zum Südosthecke Südostrand der Hartig. Hier ist ein Standort des Aronstabs. Dieser ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Aronstabgewächse. Arum ist eine von zwei mitteleuropäischen Gattungen aus dieser weitgehend tropischen Pflanzenfamilie. Die Areale reichen von Nordafrika über Europa bis zum westlichen Asien. Sie wachsen vor allen in anspruchsvollen Laubmischwäldern und Gebüschen.

Die mehrjährigen krautigen Pflanzen erreichen Wuchshöhen von etwa 15 bis 40 Zentimeter. Diese Geophyten bilden Knollen als Überdauerungsorgane. Die gestielten, einfachen Laubblätter haben eine spießförmige bis pfleilförmige Blattspreit, die Blattränder sind einfach. Sie sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der Blütenstand ist typisch für die Araceae. Der Kolben (Spadix) ist kürzer als das einzelne tütenförmige Hochblatt (Spatha). Der männliche Teil des Blütenstandes ist kürzer als der weibliche. Zwischen den fruchtbaren männlichen und weiblichen Blüten sitzen ein bis sechs Reihen steriler Blüten, die nach unten gebogen sind. Die männlichen Blüten bestehen nur aus drei bis vier Staubblättern.

Die Befruchtung der Blüten erfolgt durch Fliegen und Mücken, welche durch den intensiven Geruch (nach Aas) angelockt werden. Durch die Form der Blüte, die auch als Fliegenkesselfalle bezeichnet wird, gelangt ein einmal angelocktes Insekt immer an den Stempel, wodurch eine Übertragung der Pollen sicher gewährleistet wird. Die bei Reife roten Beeren enthalten viele Samen. Diese Pflanzenart kommt in Wäldern, Gebüschen und Hecken vor. Es gibt etwa 15 bis 25 Aronstab-Arten (Arum).

 Alle Teile der Pflanze sind giftig und enthalten in großen Mengen Oxalat, daneben flüch­tige Scharfstoffe, wie das bittere Saponin Aroin und das Alkaloid Coniin. Sogar beim bloßen Berühren der Pflanze kann es zu Rötungen der Haut und Blasenbildung kommen. Nach dem Verzehr von Pflanzenteilen, speziell der roten, süß schmeckenden Beeren, können sich Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle einstellen. Auch ein Anschwellen der Lippen sowie Entzündungen der Mundschleimhäute mit schmerzhaftem Brennen auf der Zunge und im Rachen können die Folge sein. Die Symptome treten meist innerhalb von fünf bis 25 Minuten auf. Wenn man die dreieckförmigen Blätter kaut, entsteht durch das Oxalat ein Piksen auf der Zunge. Vor allem beim Weidevieh wurden tödliche Vergiftungen durch Verzehr der Blätter im Frühjahr beobachtet.

Wegen des angenehm süßlichen Geschmacks entstehen Vergiftungen am ehesten durch die roten Beeren. Die Giftigkeit der Beeren kann je nach Standort und Reifegrad beträchtlich schwanken. Durch Abkochen und Trocknen verliert die Pflanze an Giftigkeit.

 

Die Namensgebung bezieht sich auf den Blütenkolben und wird mit Aaron in Zusammenhang gebracht: Altes Testament, Zitat (4. Mose 17, 21-23): „Mose redete mit den Israeliten, und alle ihre Fürsten gaben ihm zwölf Stäbe, ein jeder Fürst je einen Stab, nach ihren Sippen, und der Stab Aarons war auch unter ihren Stäben. Und Mose legte die Stäbe vor dem Herrn nieder in der Hütte des Gesetzes. Am nächsten Morgen, als Mose in die Hütte des Gesetzes ging, fand er den Stab Aarons vom Hause Levi grünen und die Blüte aufgegangen und Mandeln tragen!“ Mit diesem Zeichen wurde die Vormachtstellung Moses und Aarons über die Kinder Israel bewiesen.

 

Eine Stele weist darauf hin, daß die Hartig ein Naturschutzgebiet ist. Dazu gehören allerdings nur der Wald selber und die Wiesen südlich von ihm bis zu dem breiten Querweg, auf dem man sich befindet. Die Wiesen unterhalb davon sind (trotz eines dort stehenden Schildes) offiziell nicht einbezogen. Dabei kann man hier  noch gut die alten Weinbergterrassen zu erkennen. Hier blühen an den Steilstellen die Weinberghyazinten, ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Sie sind auch eine beliebte Gartenpflanze, aber hier wachsen sie noch wild. Hier gibt es besonders magere Wiesen mit Pflanzen, die der trockenen Hitze angepaßt sind. Auch sonst finden sich wärmeliebende Steppenpflanzen, die auf dem Kalkboden gut gedeihen. Hier gibt es sogar Orchideen. Früher gab es hier auch noch das Zittergras, dessen Blütenglöckchen sich ständig im Wind bewegten; doch es wurde durch Frankfurter Blumenhändler völlig ausgerottet.

 

Das rund 19 Hektar große Hartigwäldchen ist ein Rest eines Heide-Steppen-Waldes. Früher wurde sie alle 25 Jahre abgeholzt. Dafür ließ man sich allerdings Zeit und fällte über vier Jahre verteilt immer nur ein Viertel des Waldes. Aus dem Buschwerk bildeten sich immer wieder Bäume, aufgeforstet wurde die Hartig nie.

Seit 1994 steht sie unter Naturschutz. Geschützt werden vor allem seltene Käferarten, deren Larven sich im Holz abgestorbener Bäume entwickeln. Im Wald und den vorgelagerten Weisen befinden sich Schmetterlinge wie Perlmutterfalter, Kaisermantel und verschiedene Bläulinge. Darüber hinaus wird der Wald von Fledermäusen bewohnt, die auch zwischen hier und dem Hochstädter und Wachenbucher Wald hin und her wechseln. Die Hartig wird auch von zahlreichen Vogelarten wie Sperber und dem Waldkauz zum Brüten benutzt. Auffallend sind die teils armdicken Äste der Waldrebe, einer einheimischen Kletterpflanze, die bis in die Kronen der Bäume reichen.

Unter den Obstbäumen haben sich blütenreiche Wiesen entwickelt. Je nährstoffarmer die Flächen sind, desto artenreicher entwickeln sich Kräuter und Gräser. Typische Arten in diesem Gebiet sind  Salbei, Zottiger Klappertopf, Wiesenflockenblume, Wiesendost und Bunte Kronwicke (Bilder zeigen). Die Wiesen werden nur einmal im Jahr ab Juni gemäht, aber leider zum Teil nachher noch abgeweidet.

Die frühere Ausdehnung der Weinberge in Hochstadt kann man aus der Karte des Kurfürstentums Hessen aus dem Jahre 1856 entnehmen. Damals reichten die Weinberge auf der Ostseite bis zu einer Linie in der Mitte zwischen Dorfelder Straße und verlängerter Straße „Am Kirchberg“ zum Schützenhäuschen. Dort war auch die „Lützenhartig“ rechts der Leithecke noch Weinberggebiet. Südlich der Hartig aber begannen die Weinberge etwa in der Mitte des Waldes.

Die Grenze nach Norden war etwa die Linie in Verlängerung des Südrandes des Waldes nach Westen. Aber eine Spitze westlich des neu gepflanzten Waldstückes ragte noch nach Norden (auch heute noch ungefähr die Grenze der Streuobstwiesen). Im Westen war die Weid die Grenze. Der Hang oberhalb der heutigen Straße nach Bischofsheim war dann wieder Weinbaugebiet. In Hochstadt reichte es bis etwa zu dem Weg nördlich der Bischofsheimer Straße und bis zum heutigen Weinberghof. Ein Stück rechts des Weges zur heutigen Abfallsammelstelle war ausgeschlossen und natürlich die Gärten nördlich der Ringmauer (die allerdings vor allem im westlichen Bereich nicht so breit waren wie heute).

In dem Buch „Naturschutzgebiete in Hessen, Band 1, Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau, Seite 102, steht Folgendes über die Hartig: Das Naturschutzgebiet liegt im Naturraum Wetterau in der Untereinheit Bergener Rücken. Es nimmt die südexponierte Hangkante oberhalb des Distelberges 300 Meter nördlich von Hochstadt in einer Höhenlage von 150 bis 180 Meter ü. NN ein. Der Boden besteht aus kalkreichen tertiärem Tonmergel, der teilweise mit Lößlehm überlagert ist. Als Bodentypen sind vorwiegend Rendzinen mit Obergängen zu Braunerde ausgebildet. Durch diese geomorphologische Situation, den kalkreichen Boden und die extensiven Nutzungen kommen in dem Gebiet artenreiche Glatthaferwiesen, Halbtrockenrasen, Streuobstbestände und naturnahe Eichen-Hainbuchengesellschaften mit seltenen Tier- und Pflanzenarten vor.

Zwei Drittel des Naturschutzgebietes nehmen Waldbestände ein, ein Drittel besteht aus Streuobst und Grünland. Die Hartig ist Teil des größten in Hessen noch vorkommenden Streuobstwiesengebietes, das sich vorwiegend an den sonnseitigen Hängen von Hochstadt bis Bergen erstreckt.

Der Wald kann dem-auf trockenen Standorten vorkommenden Eichen-Hainbuchenwald zugeordnet werden. Er ist teilweise aus Niederwaldwirtschaft hervorgegangen. Es ist vorgesehen, die künftige Nutzung des Waldes an den Zielen des Naturschutzes zu orientieren. Die Umtriebszeit und der Totholzanteil soll durch Erhaltung des Altholzes erhöht werden. Die Verjüngung wird durch die Entnahme von einzelnen Bäumen, vor allem von Eschen gefördert. Hierdurch wird ein strukturreicher Waldaufbau geschaffen und erhalten. Nadelhölzer werden in den nächsten Jahren entnommen und somit der Wald ganz auf Laubholz umgestellt.

Die Grünlandflächen mit ihren reichen Strukturen sowie den eingestreuten Gehölzen und Brachen sollen durch Pflege und Nutzung als Lebensraum für seltene Arten erhalten und weiter entwickelt werden. In dem Gebiet wurden folgende schutzwürdige Pflanzenarten nachgewiesen: Berg-Klee, Erdbeer-Klee, Filz-Segge, Früher Ehrenpreis, Hühnerbiss, Kicher-Tragant, Mücken-Händelwurz, Schopf-Kreuzblümchen, Speierling, Stumpfblättrige Rose, Weiden-Alant, Wiesen-Goldstern, Wilder Lauch.

In den Streuobstbeständen brüten Steinkauz, Neuntöter und Gartenrotschwanz und in den Kalkmagerrasen wurde das veränderliche Widderchen nachgewiesen.

 

Weiter westlich auf dem Weg kommt man zu einem Imkerstand von Honigbienen. Wenn im April die Obstbäume zu blühen beginnen, tragen die Honigbienen maßgeblich zur Befruchtung der Blüten bei. Da Honigbienen in individuenreichen Staaten den Winter überstehen, sind sie schon im zeigen Frühjahr in ausreichender Zahl vorhanden, um die vielen Millionen Einzelblüten zu bestäuben. Sie sammeln den Honigtau der Blüten, verdunsten eine Teil des Wassers und reichern die verbleibende Masse mit Enzymen an, die verhindern, daß der Honig zu gären beginnt.

Im Jahresverlauf sammeln Bienen an unterschiedlichen Pflanzen Honigtau, weshalb sich im Laufe des Jahres Geschmack und Farbe des Honigs verändern. Neben der Fütterung der Larven verwenden die Bienen den Honig auch als Energiereserve im Winter. Darum bleibt bei der Honigernte immer ein Teil des Honigs im Stock, aber es wird ihnen auch Zuckerwasser als Ersatz angeboten.

 

Von der nächsten Bank hat man einen besonders schönen Ausblick auf die Mainebene.

Der Boden ist hier Schwemmlandboden, den das Meer und dann die Flußläufe aufgebaut haben. Die Flüsse sind nicht immer dort geflossen, wo sie heute ihr Bett haben. Die Braubach zum Beispiel benutzt heute ein altes Kinzigbett und im Unterlauf ein altes Mainbett.

Für unser Gebiet ist erdgeschichtlich zunächst bedeutsam das Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Erdschollen werden gehoben und gesenkt. Es entstehen zwei Verwerfungen zwischen Windecken und Dietesheim und zwischen Mühlheim und Kilianstädten. Sie sind der östliche Rand der Rheintalspalte, von der das westliche Gebiet absinkt, während das östliche stehenbleibt. Die Hochstädter Spalte könnte eventuell in Richtung Bruchköbel und Langenselbold weiterziehen.

In der Karbonzeit (vor etwa 350 Millionen Jahren) faltet sich das Variskische Gebirge auf und die Wetterausenke entsteht. Das Erdaltertum endet bei uns in der Permzeit mit dem Rotliegenden (vor etwa 285 Millionen Jahren). Dieser Lettenschiefer ist mit Eisenverbindungen angereichert und von Ton und auch verkitteten Geröllsteinen durchsetzt („Kon­glomerate“). Das Rotliegende bildet auch den Grundstock des Höhenzugs der Hohen Straße, die von der Mainebene bei Frankfurt bis zum Vogelsbergrand hinzieht (der Höhenzug ist also kein vulkanischer Ausläufer des Vogelsbergs). Heutzutage tritt das Rotliegende bei uns aber nur am Röderberg und am Riederwäldchen zutage, wo die Kinzig auf diesen Riegel traf und nach Süden umgelenkt wurde (der alte Mainlauf befand sich früher weiter südlich). Das Erdmittelalter hinterläßt bei uns keine wesentlichen Ablagerungen.

In der Erdneuzeit (Beginn vor 67 Millionen Jahren) bildet sich im Wesentlichen das Gesicht der heutigen Landschaft. Der Oberrheingraben senkt sich ab und mit ihm die Hanau-Seligenstädter-Senke. Es bildet sich ein Meeresarm, der das Nord- und Südmeer miteinander verbindet. Südlich von Bischofsheim lagern sich Sande und Schiefertone ab. Danach wird der Meeresarm aber wieder abgeschnitten, und es lagern sich gewaltige Kalkbänke ab.

Sie haben eine dunkelgraue bis bläulichgrüne Farbe und ziehen sich von Frankfurt über die Hohe Straße bis Windecken und waren früher ganz gut geeignet für Weinbau. Am Rande dieses Meeres bildete sich aber auch Braunkohle. So fand man oberhalb Hochstadts in sieben Meter Tiefe ein etwa 60 Zentimeter mächtiges Braunkohlenflöz, auch westlich des Ortes fand man Braunkohle mit Resten von Holz. Um 1780 ließ der Hanauer Graf durch seinen berühmten Baumeister Cancrin nach „Steinkohle“ schürfen und fand dabei auch ein etwa zwanzig Zentimeter hohes Flöz in blauen Letten eingelagert. Doch das Material war bröckelig und unrein und stank entsetzlich. Als man die Kohle im Salzwerk in Nauheim ausprobieren wollte, konnte sie die Sohle nicht zum Kochen bringen.

Im Miozän (vor etwa 26 bis 5 Millionen Jahren) senkt sich das Land wieder, das Südmeer reicht wieder bis in unser Gebiet. Ablagerungen fand man im Steinbruch unterhalb von Hochstadt, am heutigen Festplatz und an der Hartig. Das Vorkommen in verschiedenen Höhenstufen deutet auf erneute Verwerfungen.

Doch es kommt wieder zu einer Abschnürung der Einsenkung. Es lagern sich mächtige Kalkbänke ab. Sie überlagern das Rotliegende in den Hanglagen. Sie werden im 17. Jahrhundert in einem Kalkofen in Hochstadt verarbeitet. Am Ende dieser Zeit regen sich Vulkane im Vogelsberg, aber auch die Steinbrüche in Wilhelmsbad und Dietesheim stammen aus dieser Zeit.

Vor fünf Millionen Jahren beginnt die Entwicklung des heutigen Mains. Er füllt zunächst die Hanau-Seligenstädter-Senke zu einem See von der Größe etwa des Bodensees. Bis heute finden in diesem Gebiet Absenkungen statt, die Ränder heben sich, es kommt zu Erdbeben im Rhein-Main-Gebiet.

Im Quartär (Beginn vor 1,5 Millionen Jahren) kommt es zu vermutlich sieben Eiszeiten. Aber unser Gebiet bleibt dabei eisfrei, es ist eine Art Steppenlandschaft. Durch heftige Stürme werden Massen von Verwitterungsprodukten als Löß in der Wetterau und an den Hanglagen der Hohen Straße abgelagert. Der hellgelbe Löß ist fruchtbarer Ackerboden. Bei Verwitterung geht aber der Kalk verloren und es entsteht Lößlehm und bei völliger Verwitterung dann wasserundurchlässiger Lehm. Durch Ausblasung der Gesteine lagern sich Flugsanddünen in den Ebenen ab.

Auch durch die starken Temperaturunterschiede verwittert das Gestein, und der Schutt wird in die Täler gespült. Es entstehen Schwemmflächen und es erfolgt die Terrassenbildung des Mains, weil dieser in jeder Warmzeit durch die großen Wassermassen sich tiefer einschneidet. Der Main schafft sich zunächst einen Abfluß aus dem Becken in der Nähe des heutigen Neu-Isenburg und nachher am Sachsenhäuser Berg, wo sich sein Bett stabilisiert.

Die Hauptterrasse entstand vor etwa 600.000 Jahren und ist heute feststellbar an der Hohen Straße und an der Hartig.

Die Mittelterrasse findet sich am Distelberg (obere Mittelterrasse) und am Riederwäldchen (untere Mittelterrasse); die unterste Terrasse findet sich nur auf der Mühlheimer Seite und liegt wenige Meter über dem heutigen Flußufer.

In der Jetztzeit (seit 10.000 Jahren) vertorft der Flußlauf unterhalb des Riederwäldchens. Das Klima wird wärmer. Es wächst Urwald heran, aber auch eine Steppenheide, die sich noch am Berger Hang und an der Hartig bei Hochstadt erhalten hat. Auf diesen waldfreien Flächen siedeln sich auch Menschen an. Es ist fruchtbarer Lößboden da. Durch die Tone im Untergrund entstehen an den Abhängen Quellhorizonte. Die Voraussetzungen für eine Besiedlung sind günstig.

 

Von der Südwestecke der Hartig kommt ein Weg herunter, auf dem man nun abwärts geht in Richtung Dorf. Am Ende des Steilstücks liegt westlich der letzte Hochstädter Weinberg. Er wurde 1917 still gelegt, ist aber noch an der Weinbergmauer an seiner Nordseite zu erkennen. Ganz links in die Mauer ist ein Sandstein eingefügt mit der Aufschrift: „Wilhelm Schales 1859“. Zu dieser Zeit gab es drei Personen mit diesem Namen:

1. Ein Johann Wilhelm Schales (1803-186) wohnte 1853 in der Trinkbrunnenstraße 14 und 186 in der Trinkbrunnenstraße 18.  Aber falls der Stein aus einen Wohnhaus stammt, kann es nicht dieser Wilhelm Schales sein, weil das Haus Nummer 18 erst in den siebziger Jahren abgerissen wurde, der Stein im Weinberg aber seit undenklichen Zeiten schon dort sitzt, wie Heinrich Burkhard, der Vorbesitzer des Gartens, weiß.

2. An  der Ecke Hanauer Straße /Kalkhaustraße (nach unten) wohnte ein Wilhelm Schales, denn 1912 wird gesagt, daß die Familie Michael Adam Wolf „im Haus Schales“ wohnt. Das Haus hatte die alte Hausnummer 140 ½. Da das Haus Nummer 140 bereits stand, würde  das Haus 140 1/82 in  diese Zeit passen. Schales soll ein Schuhmacher gewesene sein, ist aber sonst weiter nicht bekannt. Außerdem ist nicht zu sehen, wo dort etwas abgerissen worden sein sollte.

3. Deshalb ist wahrscheinlich, daß Wilhelm Schales aus der Gaststätte „Zur goldenen Krone“ gemeint ist. Er lebte von 1910 bis 1861 und heiratete 1835. Das Grundstück oberhalb gehörte später der Familie Möbus, also der Verwandtschaft. Frau Elfriede Schöpel geborene Rauch, auch eine Nachkommin des Wilhelm Schales, meint sogar, dieser Stein sei extra für den Weinberg angefertigt worden.

 

Die Ursachen für das Ende des Weinbaus in Hochstadt sind vielfältig: Krankheiten, Mangel an Arbeitskräften, Konkurrenz auswärtiger und ausländischer Weine und die Flurbereinigung (Verkoppelung) in den Jahren 1911 bis 1915: Die Bauern wollten die Weinberge mit ihrer jährlich wiederkehrenden großen Arbeit und ihrer häufigen Mißernten ersetzen durch Obstbaumanlagen, die weniger Arbeit machen und einen zwar geringen, aber sicheren Ertrag versprechen. In den Weinbergen wurden Obstkulturen angelegt. Im Jahre 1921 waren alle Weinberge durch Wiesen und Obstbaumanlagen ersetzt, seit 1924 wird der Weinbaubezirk Bergen-Enkheim nicht mehr im Reichsgesetzblatt geführt.

 

Der Weg führt zu den Gärten am Nordrand von Hochstadt. Nur hier gibt es noch die ursprüngliche Abfolge früherer Dörfer: Bebaute Ortslage, Ringmauer, (Kraut-) Gärten, Streuobstwiesen. Auf dem schmalen Weg nördlich der Ringmauer geht es zurück zum Gemeindehaus  (Länge des Spaziergangs etwa 2 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weinbergsberg

[Der Weg ist weitgehend mit dem Weg “Nördlich von Hochstadt“ übereinstimmend, behandelt aber mehr das Thema „Weinbau“ und führt auch zu dem neuen Weinberg des Winzervereins].

Eine Wanderung durch die ehemaligen Weinberge Hochstadts kann man zum Beispiel an den Wirtshäusern in der Ortsmitte beginnen. Hier wurden die Hochstädter Weine ausgeschenkt. Der Weinschank bot eine gute Einnahmequelle für die Gemeinde. Zwar waren es 1585 nur 33 Gulden, die die Weinmeister ablieferten. Aber 1590 waren es 133 und 1596 immerhin 120 Gulden. Wegen Hagelschlag konnte im Jahre 1597 kein Wein geliefert werden. Aus dem Jahre 1598 ist die älteste originale Weinrechnung erhalten. Ein Fuder Wein kostete danach 78 Gulden. Ein solcher Gewinn war mit anderen Feldfrüchten nicht zu erzielen. Hier lag der Grund für den wirtschaftlichen Wohlstand Hochstadts.

Besonders günstig war natürlich, wenn man Wein lagern konnte für die Jahre, in denen der Preis besonders hoch war. Deshalb hatten die Hochstädter meist große Weinkeller, wie man heute noch an den hohen Kellern der Hauptstraße sehen kann. Das Fuder Wein wurde zum Beispiel im Einkauf mit 42 bis 56 Gulden bezahlt, aber nach einem Jahr konnte man es schon für 100 Gulden verkaufen.

Später wurde der Weinschank von der Gemeinde verpachtet: Die Wirte zahlten von jedem Fuder 15 Gulden und außerdem 15 Gulden Pacht für das Gemeindewirtshaus. Auch die Herrschaft erhielt vier Gulden „ständiges Ungeld“ vom Weinschank. Für jedes verzapfte Fuder Wein erhielt sie von den Weinmeistern drei Gulden (und für jede Ohm Bier fünf Albus). Außerdem wird von jeder jungen Maß Wein ein Heller erhoben und ebenso eine Abgabe von dem außer Landes verkauften Wein (um die Beiträge für die Hohe Landesschule aufzubringen).

Die Herrschaft setzte Weinmeister und sogenannte „geschworene Wirte“ und Weinmeister ein. Die Weinmeister hatten den Wein einzukaufen, zu schätzen und den Preis festzusetzen; sie stellen eine Rechnung auf, die in Hanau abgehört wurde. Am Aschermittwoch gingen die Geschworenen nach alter Gewohnheit, die Mängel im Weinberg („Bruch“) zu besichtigen. Aus diesem Anlaß bekamen sie gewöhnlich 24 Maß Wein. Zweimal im Jahr wurde Rüge gehalten, also das Gericht über die Feld- und Waldfrevel.

 

Von der Ortsmitte geht man die Bogenstraße hinauf. Das Haus Nummer 14 war die

Herrschaftliche Zehntkelter“, wo also der Wein der Hanauer Grafen gekeltert wurde und auch die der zehnte Teil der Weinernte von jedem Weinbauern abgeliefert werden mußte. Das Kelterhaus stand im westlichen Bereich des Grundstücks. Als 1834 der Zehnte abgeschafft wurde, verkaufte die Hanauer Verwaltung das Grundstück an Wilhelm Heckert. Ins Kelterhaus wurde 1895 ein Kuhstall eingebaut und das Gebäude als Scheune genutzt. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts  wurde sie allerdings abgerissen.

Am oberen Ende der Bogenstraße sieht man hinüber zur Kirche. Dort ist über der südlichen Empore ein Weinstock an die Decke gemalt als Hinweis auf einen Erwerbszweig, der früher sehr wichtig war. In den Schlußsteinen des Gewölbes ist ein Wingertkneipchen und eventuell eine Weinberghacke dargestellt.

Von der Kirche geht man nach Norden. Hier ist - als einziges Beispiel weit und breit - die alte Abfolge von Ortslage mit Ringmauer, Krautgärten und Streuobstwiesen erhalten. Wo heute die Streuobstwiesen sind, war früher aber weitgehend Weinbaugebiet. Dieses überblickt man am besten vom Schützenhäuschen aus.

 

Die frühere Ausdehnung der Weinberge in Hochstadt kann man aus der Karte des Kurfürstentums Hessen aus dem Jahre 1856 entnehmen. Damals reichten die Weinberge auf der Ostseite bis zu einer Linie in der Mitte zwischen Dorfelder Straße und verlängerter Straße „Am Kirchberg“ zum Schützenhäuschen. Dort war auch die „Lützenhartig“ rechts der Leithecke noch Weinberggebiet. Südlich der Hartig aber begannen die Weinberge etwa in der Mitte des Waldes.

Die Grenze nach Norden war etwa die Linie in Verlängerung des Südrandes des Waldes nach Westen. Aber eine Spitze westlich des neu gepflanzten Waldstückes ragte noch nach Norden (auch heute noch ungefähr die Grenze der Streuobstwiesen). Im Westen war die Weid die Grenze.

Der Hang oberhalb der heutigen Straße nach Bischofsheim war dann wieder Weinbaugebiet. In Hochstadt reichte es bis etwa zu dem Weg nördlich der Bischofsheimer Straße und bis zum heutigen Weinberghof. Ein Stück rechts des Weges zur heutigen Abfallsammelstelle war ausgeschlossen und natürlich die Gärten nördlich der Ringmauer (die allerdings vor allem im westlichen Bereich nicht so breit waren wie heute).

 

Zur Überwachung der Weinberge waren Feldschützen angestellt. Anfangs gab es noch extra Weinbergschützen, die sogar Nachtwache hielten; dann aber übernahmen die Feldschützen diese Aufgabe mit. Es waren ursprünglich immer fünf Feldschützen, von denen einer aus dem Dorf Groschlag kam, solange dieses bestand. Jeder Einwohner war verpflichtet, zweimal während seines Lebens den Dienst als Feldschütz zu versehen. Es wurden immer zwei ältere Männer und zwei oder drei jüngere bestimmt. Die Feldschützen hatten Pistolen, zunächst einmal zu ihrem Schutz, aber vor allem, um in der Erntezeit die Stare und Krammetsvögel zu vertreiben. Außerdem hatten sie einen Stock, mit dem sie jugendliche Übeltäter gleich in der Feldmark verprügeln durften. Später trugen sie auch Dienstmützen und glänzende Messingschilder mit ihrem Namen.

Die Besoldung der Feldschützen betrug jährlich drei Gulden. Bei der Verpflichtung vor dem Amtmann in Hanau bekamen sie einen Imbiß, bei ihrem Amtsantritt am Petritag (21. Februar) konnten sie ein Viertel Wein vertrinken. Am Kirchweihtag hatten die Feldschützen auch die drei Feldbrunnen zu fegen. Ein ertappter Übeltäter mußte den Feldschützen eine Zeche im Wirtshaus bezahlen. Die Feldschützen veranstalteten dann manchmal ein festliches Gelage. Ein Übeltäter konnte aber auch vor das Dorfgericht gehen, wenn ihm die Zeche zu hoch erschien.

Stützpunkte der Feldschützen waren die Schützenhäuschen, die vor allem auch zum Schutz vor schlechter Witterung dienten. Erhalten ist nur noch das Häuschen an der Leithecke, das eines der Wahrzeichen Hochstadts ist. Ursprünglich aber gab es drei Schützenhäuschen. Ein zweites stand „in der Heide“ (heute: „In der Heidt“) am Alten Schützenhäuser Weg westlich der Weinbergstraße. Er ging vom westlichen Ende der Straße „An der Hartig“ nach Norden in Richtung Landgraben. Das Häuschen könnte in der Flur Distelberg gestanden haben, an der Kreuzung mit dem „Steder Weg“, der von der Weid zur Nordostecke der Hartig führt. Dort macht der Weg einen Knick und heute ist dort eine Wiese durch eine Ligusterhecke eingepflanzt. Dieses Häuschen könnte gemeint ein, wenn im Jahre 1716 gemeldet wird, daß das Schützenhäuschen am Landgraben neu errichtet wurde. Das dritte Schützenhäschen müßte dann im Bereich der „Enggasse“ gestanden haben. Diese führt von der heutigen Abfallsammelstelle zum heutigen Westrand der Hartig. Wo dieser Enggassenweg kurz vor der Hartig einen kleinen Knick macht, könnte das Häuschen gestanden haben.

Die Arbeiten im Weinberg liefen das ganze Jahr. Nach der Weinlese im Herbst wurden zunächst die Wingertpfähle ausgerissen („ausgerugst“) und in Haufen hingelegt. Dann wurden zwei Pfähle überkreuz mit einer Witt zusammengebunden und in diese Gabel die Pfähle schräg hineingelegt, damit das Wasser ablaufen konnte. Die Haufen wurden sehr sorgfältig ausgerichtet in Reihen, wie überhaupt alle Arbeiten in den Weingärten sehr exakt ausgeführt werden.

Jedes Jahr gab es neue Weinberganlagen zu pflanzen, denn nach 15 bis 20 Jahren war der Weinberg nicht mehr ertragfähig und wurde ausgehackt. Die Kahlflächen („Wüstling“ oder „Wydach“ genannt) wurden einige Jahre mit Futterpflanzen bestellt und dann wieder neu angelegt. Im Winter, wenn der Frost nicht zu hart war, wurde das betreffende Stück umgerodet und zwei Spaten tief umgegraben.

Im Frühjahr wurde der neue Wingert mit ausgesuchten kräftigen Pflanzen neu angelegt. Wenn das Wetter einigermaßen gelinde war, wurde im Februar mit dem Wingertschneiden begonnen: Die alten Reben wurden bis auf die entsprechenden Triebaugen zurückgeschnitten. Man benutzte dazu die Hiebe oder den Wingert, wie er auf dem (neueren) Hochstädter Wappen erscheint. Das Benutzen der heute bekannten Baumschere kam erst später auf. Die Frauen und Mädchen lasen dann die abgeschnittenen Reben zusammen und banden sie zu Wellen zusammen, die dem Bäcker gegeben wurden, wenn man bei ihm Kuchen backen wollte.

Wenn dann im Frühjahr der Boden etwas abgetrocknet war, wurde mit dem Hacken begonnen. In früheren Jahren wurden die Wingerte sogar mit dem Spaten aufgegraben. Deshalb erscheint auch der Spaten in dem (neueren) Hochstädter Wappen. Diese erste Bearbeitung war die schwerste unter den Arbeiten im Weinberg. Die Stöcke wurden dabei so freigegraben oder freigehackt, daß zwischen den Reihen eine erhöhte Zeile entstand. Im Mai mußte dann zum zweiten Mal gehackt werden.

Auch das Düngen war sehr schwierig. Mit dem Wagen konnte man ja nur an die Weinberge heranfahren, die an den wenigen Wegen lagen. In die anderen mußte der Mist mit Körben getragen werden. Mit dem Schubkarren dufte man nicht fahren, weil dadurch die Stöcke beschädigt werden könnten. Der Mist wurde zu den Stöcken gelegt und beim zweiten Hacken gut mit Erde bedeckt. Für dieses Hacken, bei dem der Boden wieder eben gemacht wurde, benutzte man vielfach den Karst; dieser erscheint deshalb als drittes Symbol auf dem (neueren) Hochstädter Wappen.

Nach dem Hacken wurde ein Wingertpfahl zu jedem Weinstock gesteckt, damit nach einigen Wochen die Reben an ihm angeheftet werden konnten. Dazu benutzte man mit dem Dreschflegel gedroschenes Roggenstroh. Dieses wurde gut ausgeschüttet, damit kein Gras und keine Unkrauthalme dazwischen wachsen konnten. Dann wurde es in Bündel gebunden, auf etwa einen Meter Länge abgehackt, naß gemacht und gut getreten, damit es geschmeidig wurde. So konnte man mit dem Stroh die Reben gut anheften.

Danach wurden die Wingerte zum dritten Mal gehackt und die Erde wieder an die Stöcke gehäufelt. Nach der Getreideernte wurde das Laub von den Reben abgemacht und die hochgeschossenen Reben wurden mit der Sichel gleichmäßig abgeschnitten. Mit einer Rebe wurden sie dann zum Bündel gebunden und auf den Pfahl gesteckt. Wenn sie gut trocken waren, wurden sie mit einem Strohseil in große Gebunde zusammengebunden und schließlich heimgefahren. Dieses Wingertlaub lieferte im Winter ein gutes Viehfutter.

 

Oder es wurde gleich verfüttert. Dabei wurde nach dem Abendessen im Kuhstall ein Gebund Laub abgestriffelt, in eine Bütte geschüttet, mit Spreu oder zerkleinerter Dickwurz vermengt und heißes Wasser darüber gegossen. Dann wurde alles mit einem alten Tuch zugehängt, damit es bis zur nächsten Mahlzeit recht weich wird. Vor dieser kamen noch Kleie oder Treber dazu und der weiche Brei („Sitte“ genannt) wurde dem Rindvieh in die Krippe geschüttet. Das Vieh fraß es gern, weil das Wingertlaub sehr süß schmeckt; außerdem übt es einen fördernden Einfluß auf die Milchleistung aus.

Wenn dann die Trauben anfingen zu reifen, wurden die Wingerte geschlossen. Früher wurde dazu eine Dorfversammlung gemacht, später wurde der Termin durch die Ortsschelle bekannt gemacht. Es ist immer ein Werktag, meist ein Samstag, der „Ruhetag“ genannt wird. Dann läuteten alle Glocken, damit jeder wußte, daß jetzt die Weinberge geschlossen sind. Damit waren die Weinberge Sperrbezirk. Niemand durfte mehr hinein außer dem Gemeindevorstand und den Feldschützen. An den Feldwegen wurden sogar Schlagbäume aufgestellt.

Zum Abernten von Obst wurde ein Tag freigegeben, meist der Freitag, weil am Samstag der Markt in Hanau war. So sollten die Weinberge vor Dieben geschützt werden. Jetzt hatten die Feld- oder Weinbergschützen den Höhepunkt ihrer Tätigkeit. Sie stellten auch zusammen mit dem Schultheißen die Reife der Trauben fest. Zunächst mußte eine Probe auf die Ratskammer nach Hanau gebracht werden. Erst wenn die Trauben dort für reif befunden wurden, konnte der Beginn der Weinlese bestimmt werden. Die Keltern wurden in Ordnung gebracht, die Fässer werden sauber geschwenkt, Botten und Eimer blank geputzt. Meist bekamen die Männer neue Schürzen und Schuhe. Auch die Frauen und Mädchen putzten sich heraus.

 

Die Weinlese war dann ein Fest. An den Weinlesetagen wurde besser gelebt: Kuchen wurde gebacken, zum Frühstück wurde ein Preßkopf oder ein Schwartemagen bereitgehalten, mittags gab es Schweinefleisch und Sauerkraut, abends dann Hammelbraten.

An dem geschmückten Schützenhäuschen ging es besonders festlich her. Dort wurden von den Feldschützen zwei Fichten aufgepflanzt: Die eine wurde senkrecht aufgestellt, an der Spitze mit Bändern geschmückt. Die andere wurde waagrecht in die am Häuschen befestigten Eisen gesteckt (heute noch vorhanden) und auch mit Bändern geschmückt. Beide wurden miteinander verbunden und vorne an den Querbaum wurde ein mächtiger Kranz aus den schönsten Trauben gehängt.

Eine Musikkapelle spielte. Gegen Mittag wurde im Schützenhaus Sauerkraut und frisches Schweinefleisch zubereitet, der Wein floß in Strömen. Die Weinbauern kamen und aßen und tranken mit den Weinbergschützen, für die bei dieser Gelegenheit ein gutes Trinkgeld abfiel. Die Schuljugend war auch dabei und vertrieb sich mit Freudenfeuerchen und anderen Spielen die Zeit. Von Zeit zu Zeit gaben die Weinbergschützen aus ihren Pistolen Schüsse ab. Auch die jungen Burschen schossen mit Pistolen, schließlich gehörten ja alle jungen Leute der Schützengilde an. Es gab allerdings auch Unglücksfälle.

War der Wein einigermaßen geraten, so fand am Abend das Winzerfest mit Tanz statt. In besonders guten Weinjahren wurde es an mehreren Abenden wiederholt. Der „Herbst“, also die Weinlese, war das höchste Fest im Jahr. Aus dieser Feststimmung heraus wurde 1813 von dem Zehntschreiber Georg Breidenstein ein etwas holprige Gedicht verfaßt:

 

 

Ein Gespräch bei der Hochstädter Weinlese

Hochstadt im Amt Büchertal

liegt im Bezirk demnächst oval,

hat hohe Mauern rings ums Ort,

gesichert von Süd, West, Ost und Nord.

Zwei Thore, von Bohlen stark gemacht –

bei jedem auch ein Haus zur Wacht.

Und so im Ort viel schöne Häuser,

im Keller Wein, Birn und Karthäuser,

Borsdorfer, Mar- und Renettenäpfel

und ungeheuer viel Erdgeräppel.

 

Ein steinern Turm nah bei der Kirche,

worauf drei Glocken - ich bin Bürge -

man trifft wohl keine Harmonie

auf weit und breit so an wie die,

die mit so schönen Tönen spielen,

wie die es durcheinander wühlen.

Man trägt die Leichen durch den Turm,

Henning singt stark wie Glockenbrumm.

Soll da nicht mancher wacher werden

in seinem Sarg und auf der Erden?

Noch länger seine Geschäfte treiben,

denn der gibt’s viel, die gern hier bleiben.

Das Rathaus schön im Mittel steht,

dabei auch die gemeine Weedt,

in der man pflegt die Pferd zu tränken

und von dem Staube abzuschwenken.

Das Pflaster gleicht dem in der Stadt,

wenn es gleich keinen Vorzug hat,

so ist es doch in gutem Stand,

daß keins wird besser sein im Land.

 

Der Weinberg liegt schier gegen Süden,

in Lagen nicht viel unterschieden.

Die Sandgass nur hat was voraus,

so wie die Ros‘ im letzten Strauß.

Die Felder, Baumflur und die Wiesen,

so sich eins an das andere schließen,

sind überhaupt im besten Stand:

Ja allen Wert hat Hochstadts Land!

 

Und so sind auch die Untertanen:

Man hat’s nicht nötig, sie zu mahnen.

Und tut’s zuweil der geistlich Stand,

der weltlich reicht dabei die Hand.

Man wird vom Zwiespalt wenig hören,

noch daß sie gern Prozesse führen.

Ja, viele wissen es wohl nicht,

wo man die Zitationen kriegt.

 

Die Polizei wird respektiert,

man  gibt  dem Ehr‘, dem Ehr‘ gebührt,

hat auch stets acht auf Feuer und Licht,

und sorgt, daß niemand Leid’s geschieht.

Die letzte Ernt‘ im Herbst fürwahr,

hat wechselnd fett und mag’re Jahr.

Man hackt und gräbt wohl früh und spat,

so wie man es vor Jahren tat.

 

Die Helden mit den langen Stangen,

die haben auch ihr Herbst begangen,

so daß nichts mehr über blieben ist

als Stöck‘ und dürr Laub für den Mist.

Seitdem der Rhein und Main gebrennt

und man die Landleut‘ „Bauern“ nennt,

wird keiner in der Chronik lesen,

daß ein solch trollich Zeit gewesen.

 

Auch bei Herrn Weber und Herrn Stein,

da floß nur – es war schad – der Wein.

Und was noch Küh‘ und Kälber hatte,

das flog dahin als wie ein Schatte.

Und so ging’s durch den ganzen Ort

wer nichts mehr geben konnt, lief fort,

und war schier bei dem lauten Pochen

zur Schnecke in ihr Haus gekrochen.

 

Es starben auch viel Leut‘ im Ort,

man klagte schrecklich hier und dort.

Die Traurigkeit umgab viel‘ Seelen,

an Trost ließ es der Herr Pfarrer nie fehlen.

Dank sei dem Gotte in der Höh‘ -

der Friede scheint ja in der Näh‘ -

dem großen Gott soll von uns allen

ein ewig, ewig Lob erschallen.

 

Nun  seid gegrüßt von Tor zu Tor

und trinkt einmal hübsch nach der Schnur!

Das Glas hebt hoch, denn wie bekannt

ist’s Mode so im Wingertland!

Wenn der im Krug dort besser ist -

und du sollst sein, das was du bist -

so schenk noch mal jedem ein,

es soll der Hochstädter Gesundheit sein!

 

Nun auf den Rücken mit der Bott‘,

mach so, daß man nicht sagt, er hott.

Seid fleißig, mäßig, fragt nicht mehr

als fünfe Viertel nach Gebühr.

 

Und nun macht Fässer voll mit Wein,

das wünscht euch Georg Breidenstein,

der schon vor dreiundvierzig Jahr,

im Kelterhaus Zehnteschreiber war.

 

(Erläuterungen: „Henning“ war der Lehrer und Kantor, „gemeine Weedt“ ist ein Wasserbecken, „Vorzug“ ist der Gehsteig, „Zitationen“ sind Vorladungen vor Gericht, die „Helden mit den Stangen“ sind die Feldschützen, der „Herbst“ ist das Herbstfest zur Weinlese, Weber und Stein sind die Wirte in der Ortsmitte, die „Bott“ ist die Bütte zum Ernten der Reben, „er hott“ heißt „er hat getrunken“).

Nach der Weinlese wurde sofort mit dem Keltern begonnen. Die Trauben wurden aus den Bütten in einen Trog geleert, mit einem Stampfer zerstampft und auf die Kelter gebracht und ausgepreßt. Nachbarn oder die nächsten Verwandten und Bekannten halfen sich dabei gegenseitig. Zu der beschwerlichen Arbeit gabt es immer Kartoffelsalat und frische Bratwurst. Jeder Weinbauer kelterte selber, hatte auch sein eigenes Kelterhaus und seinen Weinkeller.

 

Vom Schützenhäuschen geht man an der Leidhecke entlang und dann hinunter zu der Teerstraße. Auf dieser entlang kommt man nach links zu dem Weinberg Sittig. Hier ist Gelegenheit, auf die Geschichte des Weinbaus im Hochstädter Raum einzugehen.

Eingeführt wurde der Weinbau wohl schon von den römischen Grundherren, die sich in der Gegend niedergelassen hatten. Die Klöster sorgten dann für die Verbreitung und Veredlung des Weins. Schon in den ältesten Urkunden über Hochstadt wird der Wein erwähnt, so in der nicht mehr vorhandenen und nicht mehr genau datierbaren Urkunde aus der Zeit zwischen 812 und 819 und der ältesten vorhandenen Urkunde aus dem Jahre  846.

Der Wein war der Haupterwerbszweig der Bewohner für viele Jahrhunderte. Er war das tägliche Getränk, selbst Knechte erhielten ihren täglichen Anteil. Der Wein gehörte zu jedem Kauf und Vertrag, zum Verdingen von Gesellen und Gesinde und zu den Verhandlungen des Gemeinderats.

Der Hang von Seckbach über Bergen und Bischofsheim nach Hochstadt war ein einziger Weinberg. In Hochstadt waren bevorzugte Lagen: Die Dietzgasse, Zu dem Breydenbaum, Am tiefen Weg, Im Distelberg, In der Horegasse.

Im Jahre 1374 verlieh der Hanauer Burgkaplan Johann Selbsmann seine Weingärten in Hochstadt nach den Bedingungen des Landsiedelrechts (Mittelding zwischen Erbleihe und Zeitpacht). Auch 1577 hatte der Pfarrer Nikolaus Krug aus Hanau zwei Morgen Weingarten in Hochstadt im Wert von 90 Gulden. Die Herrschaft hatte im Amt Büchertal 48¾ Morgen Weinberge, in Hochstadt waren es um 1500 rund 3½ Morgen und ein Viertel im Wert von 405 Gulden, im Jahre 1754 aber waren es schon 512 Morgen.

Die Herrschaft versuchte aber auch, den Weinzehnten an sich zu ziehen. So wurde 1527 ein Friedberger Burgmann gestraft, weil er in den Weinzehnten der Herren von Karben zu Hochstadt eingegriffen hatte und mehr genommen hatte, als ihm bei der Teilung zugestanden wurde.

Im Jahre 1539 kaufte die Herrschaft den vierten Teil des Weinzehnten von den Herren von Karben, der Äbtissin vom Throne (Kloster Thron bei Mainz) und Pfarrer Forstmeister. Die von Karben mußten allerdings erst die Erlaubnis einholen, weil ihr Teil der Zehnt ein Königstein‘sches Lehen war.

Im Jahre 1599 fand man schon im Juli reife Trauben und begann am 5. September mit der Weinlese. Es gab einen guten Wein. Das Fuder brachte zunächst nur 42 Gulden, aber im nächsten Jahr schon 100 Gulden. Die Gemeinde gab in diesem Jahr 766 Gulden für ihren Weinbau aus (für Schreiber, Steuern für die Herrschaft und Lohn für den Wirt); aber sie nahm auch 928 Gulden ein. Der Wirt erhielt von jeder Ohm Wein (155 Liter) vier Gulden. Der Überschuß ging an die Gemeindekasse. Im Jahre 1599 wurden in Hochstadt 13 Fuder 4 Ohm 2 Viertel Wein ausgeschenkt, das sind 6.568 Maß oder 26.272 Schoppen.

Wenn Wingerte verkauft wurden, waren es meist nur winzige Stückchen, die aber sehr teuer waren. So kostete 1605 ein Viertel Wingert 40 Gulden (= ein Viertel Morgen), im Jahre 1612 kosteten 1 Viertel 2 Ruthen Weingarten 26 bis 27 Gulden. Ein Maß Wein kostete zwei Batzen.

Die Wingerte durften aber in der Regel nicht beseitigt werden. Als ein Steffen King aus Wachenbuchen hat 1612 seinen Weinberg in Hochstadt entgegen dem herrschaftlichen Verbot ausgerodet hatte und der Hochstädter Amtsträger ihn deswegen zur Rede stellte, antwortete er: „Der tonner und hagelt ihn in die Scheuen geschlagen und sein Arsch aufgesperrt und er soll seine Zungen hineinstecken!“ Doch im nächsten Jahr wurde einem Wachenbucher Besitzer dann doch erlaubt, seinen Weinberg im Braunsberg auszuhauen, weil der mitten im Feld lag.

Es hatten also auch Auswärtige ihre Weinberge in Hochstadt. Im Jahre 1650 waren es 17 Auswärtige aus Hanau, Kesselstadt, Mittelbuchen, Bischofsheim und Frankfurt. Sie mußten die Trauben an extra für die Auswärtigen bestimmten Tagen lesen (1673).

Am 26. September 1681 erschien eine Weinleseordnung der Grafen von Hanau, die in 14 Paragraphen die Ordnung in den herrschaftlichen Weinbergen regelte. Vor allem ging es der Herrschaft darum, daß nur ja keine Traube verloren geht, daß nicht noch abends „Heil- oder Gruktrauben“ ins eigene Haus getragen werden und daß den Torschreibern jede Bütte gemeldet wird.

Für die Arbeiten in den herrschaftlichen Weingärten in Hochstadt und Kilianstädten mußten im Jahr 1716 über 32 Gulden ausgegeben werden. Die Einwohner mußten dafür Steuern bezahlen, die höher waren als die aufgewendeten Kosten. Es kam auch gelegentlich vor, daß so wie 1752 die Weinberge verhagelten.

Aber für die Herrschaft war der Wein eine gute Einnahmequelle. Im Jahr 1747 schrieb der „Wetterauische Geographus“ über Hochstadt: „Es wächst um diesen Ort ein guter Wein und viel Obst!“ Der Wein war ein wichtiger Erwerbszweig. Konrad Appel vermerkte jedes Jahr in seiner Chronik auch das Ergebnis der Weinernte.

Die größte Anbaufläche hatte 1754 die Gemeinde Bergen mit 565 Morgen, dicht gefolgt von Hochstadt mit 512 Morgen. Bischofsheim und Kilianstädten hatten über 200 Morgen. Außerdem gab es noch Weinbau in den Orten Windecken, Niederrodenbach, Marköbel und Rüdigheim.

Die Steuern für Wein und Bier wurden im Verhältnis 4 : 5 zwischen Gemeinde und Herrschaft aufgeteilt. Im Jahre 1765 kamen 120 Gulden ein, von denen die Gemeinde 52 Gulden erhielt, im Jahre 1762 waren es 40 Gulden. Dann waren es jahrelang 53 Gulden, ab 1789 dann 84 Gulden.

 

Die Weingärten im Säuerling erzielen besonders hohe Preise. Aber 1781 wurde darüber geklagt, daß die Hochstädter schlechten Wein als Zehnten abgeliefert hätten. Das Amt verfügte, daß der Wein schon vor der Kelter von den Steuerzahlern eingezogen wird, weil die Hochstädter sonst wieder „ein elendes Getränk“ zusammenschütten, das nicht einmal zum Essig taugt.

Aus dem Jahre 1769 wird wieder berichtet, daß viele kleine Weingärten abgehauen wurden und stattdessen andere Frucht angebaut wird. Doch immerhin legte ein Einwohner in den Jahren 1818 bis 1825 in der Schütt einen neuen Weinberg an.

Um 1790 zahlen Weinzehnt 150 Personen aus Hochstadt, 19 aus Wachenbuchen, je einer aus Dörnigheim und Oberdorfelden und 11 aus Bischofsheim (Die Jahreszahl ergibt sich aus den Lebensdaten der in der Liste erwähnten Personen, z.B. Pfarrer und Lehrer).

Im Jahre 1834 haben 20 Einwohner Wein zu versteuern. Die Lese war gut ausgefallen. Die etwa 150 Ohm wurden größtenteils nach Hanau verkauft. In den bevorzugten Lagen wurde die Sorte „Gutedel“ für den Hanauer Markt angebaut, sonst wurden noch „Riesling“ und „Sylvaner“ angebaut. Besonders gut sind die Lagen „Im Säuerling“.

Später wurde auch Wein in Fässern in Dörnigheim auf Schiffe verladen und zum Teil bis nach Mainz verkauft, wo er mit süßen italienischen und französischen Weinen verschnitten wurde. Er wurde aber auch in bauchige Flaschen abgefüllt, von denen einige in den Grundstein der alten Schule in der Hauptstraße Nr. 4 eingemauert sind.

 

Vom Weinberg Sittig geht man wieder hinunter zur Teerstraße und auf dieser ein Stück nach Westen und dann rechts hinauf. Dort ist links der letzte Hochstädter Weinberg. Er wurde 1917 still gelegt, ist aber noch an der Weingerbmauer an seiner Nordseite zu erkennen (seit kurzem ist er allerdings leider durch Wochenendhäuser verunstaltet). Hier ist der Ort, um das Ende des Weinbaus in Hochstadt zu schildern:

Im Jahre 1842 heißt es in einer Beschreibung des Kurfürstentums Hessen, daß der Weinbau im Hanauer Gebiet wieder im Steigen begriffen sei und sich die Weine durch Feuer auszeichnen. Doch 1857 wurden nur noch Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt, Kilianstädten und Langenselbold als Weinorte genannt. Im Jahre 1858 wurde sogar eine Polizeiverordnung erlassen, wonach die Weinberge nicht zum Ziehen von Gemüse und Feldfrüchten verwendet werden dürfen und nicht mit Bäumen bepflanzt werden dürfen.

Bei der Kurhessischen Landesaufnahme von 1853 wurde festgestellt, daß immer mehr Weinberge wüst bleiben oder mit Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzt werden. Im Jahre 1870 wurden Staatsweinberge und Baumstücke gemeinsam verkauft, sie standen also schon nebeneinander. Ein Weinbauer konnte z.B. sechs Zentner Äpfel verkaufen.

In Kilianstädten ging der Weinbau 1883 ein, in Bischofsheim 1889. In Hochstadt gab es 1893 noch 70 Weingärtner und 10 Hektar Weinberge. Die Ernte betrug 1.000 Zentner Trauben und ein Hektoliter Most kostete 37,50 Mark. Doch 1913 waren es nur noch 1½  Hektar Weinberg, die 30 Besitzern gehören. Auch in Hochstadt lief der Weinbau aus.

Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Einmal trat eine Krankheit auf, die Perenospera, die höchstens mit Spritzmitteln zu bekämpfen ist. Aber es gab auch Schädlinge jeder anderen Art.
  • Dazu kam der Mangel an Arbeitskräften, denn die Tagelöhner alter Art gingen lieber in die Industrie nach Fechenheim und Hanau.
  • Mit der Entwicklung der Verkehrsverhältnisse überschwemmten ausländische Weine den Markt in Deutschland und drückten die Preise so, daß sich um die Jahrhundertwende kaum das Pflücken lohnte. Mit den Preisen für das Obst stand es damals kaum anders.
  • Nicht zuletzt spielte auch die Flurbereinigung (Verkoppelung) in den Jahren 1911 bis 1915 eine Rolle. Der Landvermesser Faulenbach wollte extra Weinbergstücke vermessen. Aber die Bauern hatten kein Interesse mehr an einer Ausweisung von Weinbergen. Die Bauern wollten die Weinberge mit ihrer jährlich wiederkehrenden großen Arbeit und ihrer häufigen Mißernten ersetzen durch Obstbaumanlagen, die weniger Arbeit machen und einen zwar geringen, aber sicheren Ertrag versprechen.

In den Weinbergen wurden also jetzt Obstkulturen angelegt. So sind seit 1917 keine Weinberge mehr in Hochstadt vorhanden. Im Jahre 1921 sind alle Weinberge durch Wiesen und Obstbaumanlagen ersetzt, seit 1924 wird der Weinbaubezirk Bergen-Enkheim nicht mehr im Reichsgesetzblatt geführt. Jetzt kann man wieder in den alten Ortskern zurückkehren (Länge des Spaziergangs etwa 2,5 Kilometer).

 

Man kann aber auch noch zum neuen Weinberg des Winzervereins gehen.  Zu diesem kommt man, wenn man auf dem breiten Querweg unterhalb der Hartig nach Westen geht, dann nach Norden auf dem Hohe-Rain-Weg und am nächsten Weg wieder nach Westen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich ein Winzerverein neu in Hochstadt gebildet und einen Weinberg am Hohen Rain gepflanzt. Die Ge­schich­te des Winzervereins ist in verschiedenen Publikationen des Vereins dargestellt  (Länge des Spaziergangs etwa 3,3 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nordwestlich von Hochstadt

 

Über die Weinbergstraße geht man am Ortsrand Richtung Westen in die Straße „An der Hartig“. Kurz bevor diese einen Knick nach Süden macht, geht nach Norden der alte Schützenhäuser Weg ab. Dieser führt in leichtem Bogen über die geteerte Straße bis zu einem Garten, der von einer Hecke umzäunt ist. Hier am Knick des Weges ist der wahrscheinliche Standort Schützenhauses, eines der drei Schützenhäuser, die es in der Hochstädter Gemarkung gab. Vor dem Garten ging entlang dem Bach ein ganz alter Weg aus der Zeit vor der Flurbereinigung zum Hohe-Rain-Weg (Verlängerung der Weinbergstraße und Richtung Hartig, wo wahrscheinlich ein weiteres Schützenhaus stand).

 

Man geht dann den Weg weiter. An einer Hecke ist er stark bewachsen und manchmal auch durch einen Weidezaun abgesperrt. Dann kann man auch auf die Wiese östlich der Hecke ausweichen. Der Weg führt dann leicht nach unten und dann steigt er wieder leicht an. Hier ist südwestlich eine Stelle, die nicht gemäht wird, weil hier eine Vertiefung angelegt wurde, der den dort festgestellten Gelbbauchunken im Frühjahr als Lebensraum dienen soll.

Von dieser Stelle geht man aber nach Osten stark bergauf. Man kommt zum nördlichen Ende des neuen Weinbergs des Winzervereins. An diesem geht man entlang Richtung Süden und dann nach Osten zum Hohen-Rain-Weg, der Verlängerung der Weinbergstraße.

 

Diese führt nach Norden über den Berg mit schöner Aussicht zur Gemeindeweide. Das ökologisch wertvolle Gebiet war ursprünglich Weidefläche im gemeinsamen Eigentum des Dorfes. Ursprünglich waren hier Wiesen, von einem Bach durchflossen, der mit einzelnen Weiden gesäumt war. Heute ist hier viel Buschwerk und eine Menge Bäume aufgewachsen. Viele der alten Weiden wurden früher regelmäßig gestutzt. Die einjährigen Ruten verwendete man zur Korbflechterei. Dickere Äste dienten der Brennholzgewinnung.

Einige dieser als „Kopfweiden" bezeichneten Bäume sind auch heute noch am Ufer des Weidbaches zu finden. Ihre mächtigen, hohlen Stämme bieten zahlreichen Tieren Lebensraum. Im morschen Holz entwickeln sich seltene Bock- und Rosenkäfer, während in den ausgefaulten Ästen Meisen und Steinkäuze brüten.

Um die wertvollen Bäume zu erhalten, müßten in unregelmäßigen Abständen die nachwachsenden Äste abgesägt werden. Dies verhindert, daß die alten Stämme unter der Last der Krone zusammenbrechen. Heute sind viele alte Kopfweiden wegen mangelnder Pflege gefährdet.

Hier ist ein Feuchtgebiet mit vielen Quellen. Man geht an diesem Grünzug nachWesten weiter (am besten auf der Nordseite). Auf der unteren Gemeindeweide bei den Erlen war die „Kuhruh“, wohl der Rastplatz für die Kuhherde. Dort durfte der Dung nur mit einem hölzernen Kratzer zusammengeschoben werden.

 

Die Gemeindeweide geht dann in den Bereich der Landwehr. Mit dem Zerfall der Zentralgewalt in Deutschland gewinnen die kleinen Verwaltungsgebiete immer mehr an Bedeutung. Diese versuchen, ihren Bereich gegen den Raubadel und gegen die Nachbarn immer besser abzugrenzen. Wo natürliche Grenzen wie Berge, Wälder, Wasserläufe oder Sümpfe fehlen, behilft man sich mit dem Bau von Landwehren.

Das ist meist ein Graben, der meist durch Hecken und Baumreihen gesichert ist und an gefährdeten Stellen durch Balkensperren verstärkt. Die wenigen Durchgänge werden durch Schläge, Sperren und Warten gesichert.

Eine solche Landwehr gab es von der Nidder bei Niederdorfelden über Bischofsheim bis zum Main bei Dörnigheim. Sie stellt auch die Grenze zwischen dem Maingau und dem Niddagau dar und trennt somit auch den Wildbann Dreieich vom Hanauer Wildbann. Zwischen Hochstadt und Bischofsheim zog die Landwehr von der Großen Lohe zur Weid, sobald diese in Nord-Süd-Richtung verläuft. Der Flurname „Am Dornpfad“ bestätigt das. Interessant ist aber, daß es die Bezeichnung „Am Dornpfad“ in der Hochstädter Gemarkung zweimal gibt, nämlich auch in der Flur 20 in Richtung auf die Hartig. Hier könnte eine weitere kleine Landwehr zwischen Großer Lohe und Hartig bestanden haben. Die eigentliche Landwehr verlief dann entlang des Baches in der Weid, der auch hier schon „Landgraben“ heißt, wie die gleichnamige Flur ausweist.

 

 

 

 

Wo ein geteerter Weg von Osten den Hang herunter kommt und als breiter Weg die Weid kreuzt, geht es hinauf zum Flurstück „Mühlbach“.

Hier lag wahrscheinlich die Mühle, die schon im 14. Jahrhundert erwähnt wird. Über die Mahlmühle liegt lediglich eine Nachricht vor, und zwar vom 23. Mai 1348, als Ulrich III. von Hanau erlaubte, daß Heinrich von Eichen an Eberharden Schreiber von Heldenbergen und Ulin Schneider eine Korngült von einer Mühle bei Hochstadt verkaufe. Gelegen war die „mulen zischen Hohinstad und Byschovesheim”. Ende des 16. Jahrhunderts bestand die Mühle jedenfalls nicht mehr, denn 1587 war Hochstadt „Mahlgast” der Hanauer Herrenmühle. Dies bedeutete, daß der gesamte Ort in Hanau mahlen lassen mußte. Die Mühle müßte an dem Bach gewesen sein, der die Weid herunter kommt. Hier ist auch eine günstige Stelle, weil man das Wasser stauen kann, ehe es ins Flache kommt. Dadurch konnte man das Gefälle gut ausnutzen.

 

Zwischen Hochstadt und Bischofsheim zog die Landwehr entlang bis zur Brücke an der heutigen Kreuzung der Querspange mit der Straße Hochstadt-Bischofsheim. Hier war unterhalb der ehemaligen Pappelallee am Kochberg die Hochstädter Grabenbrücke. Hier sperrte die Landwehr die südlich von Bischofsheim vorüberziehende Gelnhäuser Poststraße. Schon in römischer Zeit war hier ein wichtiger Kreuzungspunkt vieler Straßen. Die Gelnhäuser Poststraße war die alte Verbindung nach Bischofsheim. Sie ist heute noch als Weg vorhanden, der sich südlich des Wohnblocks Gerhard-Hauptmann-Straße Nr. 6 verliert. Der Weg zum Einstein-Gymnasium ist auch schon alt und könnte der Rest einer Straße zum Bischofsheimer Bahnhof sein, die auf der Kurhessenkarte von 1856 eingezeichnet ist  und später wieder abgebaut wurde.

Vom Kochberg geht es dann wieder auf dem nördlich der Landstraße verlaufenden Weg zur Straße „An der Hartig“ (Länge des Spaziergangs etwa 4,5 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

Groschlag und seine Gemarkung

 

Ausgangspunkt ist die Kreuzung Klosterhofstraße/Fahrgasse. Im unteren Bereich der Fahrgasse, in der Sackgasse, kann man parken.

 

Groschlag - Verborgen unter dunkler Erde

Gemütliche Einfamilienhäuser, idyllische Gärten, in denen geschäftig der Rasenmäher brummt und das letzte Grün des Sommers kappt, eine verwilderte Wiese, die insbesondere pelzige Vierbeiner zum Tollen einlädt - nichts erinnert mehr daran, dass hier einst zwei Hofgüter und einzelne Hofgebäude standen. Allein ein Straßenschild verrät die fast vergessene Historie des Ortes: Groschlag Hohl steht da schwarz auf weiß, der Hohlweg nach Groschlag.

„Es gibt leider keine Aufzeichnungen, die Näheres über die Entstehung des Ortes oder den Alltag im Groschlag verraten“, zuckt der Hochstädter Hobby-Archäologe Norbert Mankel bedauernd die Schultern.

Das wenige Wissen speist sich vornehmlich aus Spekulationen und einigen wenigen Urkunden, die erlauben, die Besitzverhältnisse zu rekonstruieren. Alte Karten, in denen Groschlag verzeichnet ist, sind äußerst ungenau, von Detailtreue keine Spur. Oftmals ist dort Groschlag südöstlich von Hochstadt eingezeichnet, tatsächlich lag der Ort südwestlich zu beiden Seiten der Fahrgasse, zwischen Groschlag Hohl, Hofgerichtstraße und Klosterhofstraße. „Wanderer. die sich auf diese alten Karten verlassen würden, kämen in Teufelsküche“, umschreibt Mankel mit einem amüsierten Lächeln die Ungenauigkeit.

Erstmals Erwähnung findet Groschlag im Mai 1270 in einer Schenkungsurkunde eines Hofes an das Kloster Haina bei Frankenberg. Doch es steht zu vermuten, dass der Hof bereits zuvor existierte. 1364 wird erstmals das höfische Gericht zu Groschlag und ein Dinghof urkundlich genannt, der zu dieser Zeit dem Ritter Frank von Kronberg als Lehen des Benediktinerklosters in St. Gallen gehörte.

Da die Benediktiner ihre Höfe nicht selbst bewirtschafteten, verdingten sich Leibeigene in Viehzucht, Obst- und Weinbau. Daher die Bezeichnung „Dinghof“. Im Jahre 1506 gehen Dinghof und Gericht an die Solms-Rödelheim‘sche Familie über. Nach der Säkularisierung im 16. Jahrhundert fällt Groschlag in private Hände.

Ab diesem Zeitpunkt scheinen die Tage des Ortes gezählt. Viele Gebäude sind zwischenzeitlich Feuersbrünsten zum Opfer gefallen, und als 1615 der letzte Einwohner stirbt, sein Haus abgerissen wird, ist Groschlag eine Wüstung. Das Gericht besteht hingegen weiter bis 1831. Die Hofgerichtstraße zeugt noch heute von der Existenz der Judikative.

Erst viele Jahrhunderte später ersteht Groschlag wieder auf, kommen die Mauern des Ortes ans Tageslicht. Als in de 50er und 60er Jahren in Hochstadts Südwesten gebaut wird, stoßen die künftigen Eigenheimbesitzer auf Mauerreste und Knochen. „Es wurden jedoch keine archäologischen Grabungen vorgenommen“, erzählt Norbert Mankel mit stillem Bedauern und verweist auf die Zeitumstände: Nachkriegsjahre, knapper Wohnraum und kein Geld - wer hätte in dieser Situation Interesse und die finanziellen Mittel für eine Ausgrabung gehabt, weiß auch der Hobby-Archäologe.

So kommt es, dass die Geschichte Groschlags in weiten Teilen im Dunkel der Geschichte liegt. Zwar lassen sich über Urkunden noch am ehesten die Besitzverhältnisse zurückverfolgen, doch über das alltägliche Leben, die Bauweise, die exakte Größe ist nichts bekannt.

Weil parallel zu Groschlag auch die Namen Grasloch, Graslach oder Graslock existieren, lässt sich noch vermuten, dass die Siedlung auf freiem Grasland entstand.

Einnahmen aus der Grundsteuer erlauben den Rückschluss, dass um 1585 ungefähr 37 Familien und somit etwa 160 Einwohner in Groschlag lebten. Das „Bählebörnchen“ im Niederwald speiste die Hofgüter wohl mit Wasser. Kleinere Gebäude gruppierten sich vermutlich um die zwei Hofgüter. Weiter wagt sich Norbert Mankel selbst mit Vermutungen und Rückschlüssen nicht. Gewissheit können nur archäologische Grabungen bringen. Bis dahin ruht die Geschichte Groschlags in der dunklen Erde.

 

Der Maulwurf als archäologischer Helfer

Was studierte Archäologen bisher nicht geschafft haben, besorgt südlich der Hochstädter Hofgerichtstra ße seit Jahren der gemeine Maulwurf Die Grabung nach Resten des 1615 untergegangenen Ortes Groschlag bei Hochstadt. Das jedenfalls ist die lang jährige Erfahrung von Brigitte und Herbert Begemann, Gartenbesitzer auf historischem Grund. Die Begemanns haben im Laufe der vergangenen 20 Jahre lediglich aufgesammelt, was der grabungsfreudige Maulwurf ans Tageslicht beförderte. Dabei machten sie erstaunliche Entdeckungen: Bruchstücke eines gotischen Kachelofens, haufenweise Scherben keramischen Geschirrs mit und ohne Bemalung, ein mindestens 400 Jahre alter Fingerhut, übergroße Eisennägel, Bruchstücke so genannter Nuppengläser und vieles mehr.

 Alles Überreste des Ortes, der noch vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges aufgegeben wurde. Durch fachlichen Rat des Hanauer Museums konnten die Reste in den meisten Fällen den Gegenständen des täglichen Gebrauchs zugeordnet werden. Die unscheinbarsten, weil unglasierten Stücke stammen noch aus dem Mittelalter.  Ältestes Fundstück ist eine Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit. Das etwa 4000 Jahre alte Stück kam vor zehn Jahren ans Tageslicht und wurde beim Denkmalamt offiziell registriert. Unser Foto zeigt verschiedene Stücke des untergegangenen Ortes Groschlag bei Hochstadt aus dem Garten der Familie Begemann, darunter ein 400 Jahre alter Fingerhut und ein Eisennagel mit einem Kopf so groß wie ein Daumennagel.

 

 (1) Kreuzung Klosterhofstraße/Fahrgasse:

Südwestlich Hochstadts lag bis in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieges das Dorf Groschlag. Es zog sich zu beiden Seiten des alten Groschlager Weges hin. Das ist die verlängerte Fahrgasse von der Kreuzung mit der Klosterhofstraße bis zur Groschlaghohl (auch: Riederhohl) einschließlich der Hofgerichtstraße. Einige Wohnhäuser stehen auch auf der Gamer südlich der Fahrgasse.

Mit der Zeit zogen wohl viele Einwohner hinter die sicheren Mauern von Hochstadt. Der Ort wurde außerdem so von Feuersbrünsten heimgesucht, daß zuletzt nur noch ein Haus nordwestlich der Kreuzung Fahrgasse/Klosterhofstraße übrigblieb. Als der letzte Bewohner Groschlags, Johannes Heß, im Jahre 1615 starb, wurde  auch dieses Haus abgerissen.

Bei der Schreibweise herrscht bei der Stadt Maintal einige Verwirrung: Ganz falsch ist die Straßenbezeichnung „Zum Großschlag“, denn mit einem großen Schlag hat das nichts zu tun, weder mit einem Hieb oder einem Schlagbaum. Aber auch „Großschlaghohl“ ist aus demselben Grund falsch. Auch die Zuordnung von Straßen und Straßennamen ist nicht folgerichtig, denn die Fahrgasse heißt auf einmal „Hofgerichtstraße“ (wie das Straßenschild zeigt), obwohl die eigentlich Hofgerichtstraße parallel etwas weiter nördlich verläuft. Auf dem Stadtplan hat sie den Namen „Großschlaghohl“.

Der erste Namensbestandteil von „Groschlag“ deutet wohl darauf hin, daß die Siedlung auf einem freien Grasland entstand. Der zweite Namensbestandteil ist wohl nicht von „Lache“ herzuleiten, sondern von „Lohe“, das heißt „Buschwald“. Frei übertragen bedeutet der Name also „Dorf  am Grasland und Buschwald“.

 

Der Name Groschlag kommt auch in der Gegend von Babenhausen vor. Dort gibt es ein Flurstück „Groschlag“. In Dieburg gab es ein Geschlecht Groschlag von Dieburg, unter der Oberaufsicht des Grafen von Hanau, der „Obermärker“ war.

Das Gericht über vier Waldstücke, die 1554 gegen einen Hochwald in Eppertshausen ausgetauscht wurden wurde nicht nur im Namen des Hanauer Grafen, sondern auch im Namen des ältesten Groschlags gehegt.

Die Groschlags versuchten zäh und einfallsreich, ihre Gerechtsame zu verteidigen. Offenbar war es nicht leicht zu entscheiden, was in der Gegend von Babenhausen wirklich Groschlager Eigenbesitz und was Hanauer Lehensgut war.

In den Lehensakten des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt findet sich jedoch eine handschriftliche Quelle aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der ein Beamter der Hanauer Güterverwaltung eine Groschlagische Familiengeschichte und Besitzgeschichte zusammengetragen hat, also eine Art „Rechtsgutachten“, das bei weiteren Auseinandersetzungen mit den Groschlagen verwendet werden konnte.

Die namentlich bekannten Groschlage hießen alle Rudolph. Der erste Rudolph Grasloc (noch nicht „de Graslog“, wie es später üblich war) wurde 1236 als Lehnsträger erwähnt. Er könnte ein Nachkommen eines Herren von Münzenberg sein, also Ulrichs I. oder Ulrichs II. Dieser hätte  seinen Besitz vor dem Aussterben der männlichen Linie an einen Groschlag vermacht. So würde sich der nicht unbedeutende Besitz in Dieburg erklären.

Aber Hanau hatte weiter den Schultheiß von Dieburg zu bestimmen. Im Jahr 1254 schreibt der Dechant des Kapitels in Frankfurt an Ulrich von Münzenberg, der seine Mühle in Münster verliehen hat an Rudolph, seinem Schultheiß in Dieburg, er solle doch darauf achten, daß auch weiterhin die fünf Schilling an das Domkapitel in Frankfurt gezahlt werden.

Der Münzenbergische Schultheiß in Dieburg ist kein anderer als einer von Groschlag, vielleicht nicht der erste seines Namens, aber vielleicht sein Sohn. Er war Zeuge, als 1236 Ulrich I. von Münzenberg den Ort Babenhausen seinem ältesten Sohn Cuno zum Unterhalt abgetreten hat. Als Zeugen nahmen die Herren aber damals ihre Vasallen.

Früher lag ein Ort namens Groschlag in der Nähe von Hochstadt im Amt Büchertal. Die Ritterfamilie in Dieburg hat aber weder in alten noch in neuen Zeiten Besitz von dort nach Dieburg gebracht. Deshalb ist zu bezweifeln, daß sie ihren Namen von dort übernommen haben. Vielmehr ist anzunehmen, daß sie ihren Namen  von einem Stück Land haben, das in der Nähe des Dorfes Kleestadt haben, das man früher „im Groslog“ genannt hat

So weit der Bericht des Hanauer Beamten. Daß die Dieburger Groschlags nicht mit den Hochstädtern zu tun haben, ist nur seine Meinung. Aber es könnte doch auch umgedreht sein, daß die Dieburger bei Hochstadt Besitz hatten. Der letzte Groschlager aus dem Dorf bei Hochstadt war Geistlicher und hat seinen Besitz an das Kloster St. Gallen vermacht, das den Hof in Groschlag an den Ritter Frank von Kronberg gegeben hatte. Wenn 1270 Siegfried am Graben und seine Frau Gisela ihre Güter in Hochstadt dem Kloster Haina vermachen und diese ein Teil des Landsiedels (verpachtetes Gut) des Klosters Haina in Groschlag werden, dann bedeutet das nur, daß zu einem schon bestehenden Gut noch einige Äcker hinzugefügt werden. Diese Schenkung ist also kein Widerspruch zu der Tatsache, daß es die Groschlag von Dieburg im 13. Jahrhundert noch gab und diese deshalb Besitzer von Teilen des Hochstädter Groschlag gewesen sein können.

Die Groschlag von Dieburg hatten nämlich auch noch anderswo Besitz, Zum Beispiel im Spessart im Amt Krombach. Weshalb sollten sie nicht auch bei Hochstadt Besitz gehabt haben, zumal dieses ja auch Hanauischer Besitz war.

Es kann aber auch weiterhin die bisherige Vermutung gelten, daß es sich nur um eine zufällige Namensgleichheit handelt (Dieburger kleine Schriften 10/1992:Groschlag und Hanau (Archäologische und Volkskundliche Arbeitsgemeinschaft Dieburg e.V.).

 

Die Geschichte Groschlags wurde von Wilhelm Mankel ausführlich erforscht und in einer Schrift dokumentiert (Buch zeigen). Groschlag bestand aus zwei größeren Höfen und einigen kleineren Landarbeiterhäusern. Der eine Hof gehörte den Zisterziensern in Haina (bei Frankenberg). Im Zusammenhang mit diesem  Hof wird auch der Name „Groschlag“ erstmals erwähnt:

Am 15. Mai 1270 schenken Siegfried am Graben von Marburg und seine Frau Gisela ihre Güter in Hochstadt dem Zisterzienserkloster in Haina. Diese bilden nunmehr einen Bestandteil des Landsiedels (Pachtgut) des Klosters Haina zu Groschlag.  Daraus geht hervor, daß der Hof schon früher bestanden haben muß. Am 29. August 1393 sitzt Johann Gruß als Landsiedel auf dem Hof des Klosters Haina und vergleicht sich mit dem Kloster folgendermaßen: Als Pacht zahlt er jährlich 24 Ach­tel Korn Frankfurter Maß, zwei Gänse und zwei Hühner, außerdem von den dazugehörigen Weinbergen zwei Pfund und fünf Schillinge.

Der andere Hof  gehört den Benediktinern in St. Gallen. Man kann vermuten, daß Philipp Karl, Freiherr von Groschlag, der letzte Sproß des ritterlichen Adelsgeschlechts von Groschlag war. Er wurde aber Domherr zu Mainz vermacht wohl den Hof deshalb einer kirchlichen Einrichtung, nämlich den Benediktinern in St. Gallen. Die Benediktiner bewirtschaften aber solche Höfe nicht selber, sondern haben den Hof an die Ritter von Kronberg als Lehen weitergegeben. Am 22. Oktober 1364 schließt der Ritter Frank von Kronberg einen Vergleich mit dem höfischen Schultheißen (dem Schultheißen des Hofs Groschlag), den Schöffen und Dingleuten über die Lieferung von Beedwein. Hier werden erstmals der Dinghof und das Gericht zu Groschlag erwähnt.

Den Vorgang der Verpachtung nannte man damals „verdingen“ und daraus ist das Wort „Dinghof“ abgeleitet. Solche Dinghöfe waren  in der ganzen Wetterau durchaus üblich. Es gab also in Groschlag zwei Hofgüter, von denen der Dinghof mit 210 Morgen der größere war.

Wo die östliche Grenze der Groschlager Gemarkung gewesen ist,  läßt sich nur vermuten. Sie müßte an der heutigen Klosterhofstraße gewesen sein, die im Bereich der heutigen Autobahn nach Osten zum Wald abbog (früher einmal der einzige Weg nach Dörnigheim). Die Groschlager Grenze könnte in der Kurve nach Südwesten abgebogen sein, durch das Gelände der ehemaligen Firma Käse-Claus und dann entlang des Baches, der von der Groschlaghohl kommt und westlich am Schwimmbad vorbeiführt zum Landgraben. Der weitere Verlauf der Grenze wird dann später beschrieben.

 

(2) Am Garten Begemann (zweites Gartentor auf der Südseite):

Im Jahre 1933 werden von dem Landwirt Peter Heckert einige Mauerreste auf dem Grundstück südwestlich der Kreuzung mit der Klosterhofstraße freigelegt, als er einen Teil der Wiese umackerte (Zeitungsartikel zeigen). Er verwendete übrigens immer noch das Wort „Groschlag“, wenn er die Wiese meinte (bzw. die Wiese hieß die „Bitz“, aber man fuhr mit dem  Ackerwagen „ins Groschlag“).

Seit Jahrzehnten achtet Familie Begemann in ihrem Garten auf Kleinstfunde aus früherer Zeit. Der wertvollste Fund ist wohl eine Pfeilspitze mit herzförmigem Umriß. Sie hat feinst retuschierte (sägeartige) seitliche Flügel und ist aus weißem Feuerstein.

Die Länge beträgt 2,4 Zentimeter, die Breite 1,85 Zentimeter und der größer Durchmesser 0,45 Zentimeter. Außerdem dort fanden sich hier zahlreiche Funde aus der Zeit Groschlags. Diese Funde sind sozusagen ein Stück  „Groschlag zum Anfassen“.

Etwas weiter westlich ist noch der Stumpf eines Weges zu sehen, der nach Süden geht. Dies war der Weg zur Wieblos, der dann nach rechts abbog und auf einer Brücke über den Graben ging, der von der der Groschlaghohl herunter kam. Danach teilt er sich an der sogenannten „Gemeinde-Dreispitz“.

 

(3) In der Mitte der alten Ortslage: Das Dorf

Das Dorf Groschlag hatte keine eigene Verwaltung, sondern wurde von Hochstadt mit verwaltet. Der höfische Schultheiß von Groschlag  war einer der Gemeindevertreter in Hochstadt. Auch kirchlich war es nach Hochstadt eingepfarrt. Die Einwohner waren meist arm, denn das Beederegister (Steuerregister) weist nur geringe Beträge im Vergleich zu Hochstadt aus. Im 15. und 16. Jahrhundert wird Groschlag laut Beede-Liste von 37 Familien bewohnt, hat also etwa 140 bis 150 Einwohner. Im Jahre 1585 sind es dann noch 32 Familien. Die Weedt wird 1590 noch einmal erneuert. Auch 1598 stehen noch 34 Namen auf der Beedeliste, es gehen aber nur 20 Gulden 13 Schilling und 6 Pfennig an Steuer ein.

Einige Straßennamen sind bekannt: Die Fahrgasse wird 1503 erwähnt als Weg nach Hanau. Dann gibt es eine Horgasse (neben dem Floß) und eine Borngasse (wo der Brunnen steht). Unten vor der Groschlager Hohl befindet sich die sogenannte Weedt, die als Löschwasserbecken und Pferdetränke dient. Es gibt einen öffentlichen Brunnen, an dem die Messingrolle und das Brunnenseil mit dem kupfernen Eimer durch Hochstadt unterhalten werden muß. Auch gibt es ein Kelterhaus, das wohl Gemeindeeigentum ist.

Hauptbeschäftigung der Einwohner ist der Fischfang. Man muß sich ja vorstellen, daß die  Ebene unterhalb von Hochstadt  sehr wasserreich war. Es gab ja hier einen richtigen alten Mainarm, der den Namen „Königsgraben“ hatte und auf dem im Dreißigjährigen Krieg Truppen von Hanau nach Frankfurt transportiert wurden. Auch heute verläuft die 100-Meter-Höhenline (das sind 2,5 Meter über dem Main) über den Höllsee und den Surfsee zum Gebiet nördlich des Schwimmbads, an der Querspange und unter  dem Riederwäldchen entlang bis nach Bischofsheim hinein und darüber hinaus. Nur durch Aufschüttungen ist das heute etwas verdeckt. Aber es gab in Groschlag auch Handwerker wie Kleiber (Lehmwandstreicher), Maurer, Mehlhändler, Schmied und Schäfer.

 

(4) Am letzen Haus: Der Dinghof

Der herrschaftliche Hof zu Groschlag stand am Ende des Dorfes an der Riederhohle. Er wird auch „Dinghof“ genannt. Das kommt von den „Dingleuten“ (oder: „Hübener“), die in den Besitz eines Stückes urbaren Landes kamen, aber dafür mußten sie sich auf eine gewisse Leibeigenschaft gegenüber einem Oberen einlassen. Sie mußten ihm gewisse Abgaben („Präsentationen“) leisten in Form von Früchten, Wein, Hühnern oder Geld und sich auch seinem Gericht unterwerfen.

Mit der Ausweitung der Macht der Landeshoheit fiel aber die Gerichtsbarkeit fast überall weg und wurde bedeutungslos. So war es auch in Groschlag, wo die Dingleute 7 Gulden und 23 Kreuzer an Geldzinsen und 21 Ohm Wein zu zahlen hatten, außerdem jährlich ein „Leibhuhn“ und ein „Fastnachtshuhn“ als Zeichen ihrer Leibeigenschaft (das war aber eine zusätzliche Zahlung zu der Beed).

Nach dem Besuch des Abtes Kaspar aus dem Kloster Sankt Gallen auf dem Generalkapitel der Benediktiner in Erfurt wird am 17. Mai 1444 der Lehnsbrief über Dinghof und Gericht zu Groschlag erneuert. Er wird als ein Erblehen dem Ritter Frank von Kronberg übergeben, der darüber einen Reversbrief ausstellt. Bei dieser Gelegenheit werden die gegenseitigen Rechte und Pflichten geregelt.

Es wird ein „Weistum“ (Zusammenstellung der Rechte) aufgestellt sowie eine Ordnung über die Kauf- und Sterberechte und über die Regelung des „Besthaupts“. Damit ist gemeint: Der Gerichtsherr kann sich im Erbfall das beste Stück Vieh aus dem Stall holen (nach dem Dreißigjährigen Krieg in einen Geldbetrag umgewandelt).

Eine „Formalia“ gibt in allen Einzelheiten Auskunft über den Ablauf („Hegung“) und die Zusammensetzung des „höfischen“ Gerichts,  also des örtlichen Gerichts über das Hofgut im Ort Groschlag. Das höfische Gericht setzt sich zusammen aus dem höfischen Schultheißen und sieben Schöffen aus den Reihen der Dingmänner. . Alle Dingmänner müssen bei Androhung von Strafe erscheinen.

Aufgabe ist es, für den Eingang des Gültweins, der Zinsen und der Hühner Sorge zu tragen und die Heberegister in Ordnung zu halten, damit dem Dinghof kein Stück Land verlorengeht.

Gerichtstag ist immer ein Wochentag. Anfangs wird dreimal im Jahr Gericht gehalten: nach Neujahr, nach Walpurgis (30. April) und nach Martini (11. November).

 

Über die „Hegung“ des Gerichts wird festgelegt: Um zwölf Uhr begibt sich das Gericht in langen Mänteln und mit Schlapphüten, der Schultheiß mit der Amtskappe, in feierlicher Prozession auf die höfische Gerichtsstätte und nimmt an dem dort aufgestellten Tisch Platz. Dann stellt der Schult­heiß genau vorgeschriebene Fragen an die Schöffen: ob jetzt die rechte Zeit für das Gericht ist, in wessen Namen das Gericht gehalten werden soll, ob das Gericht recht gehegt worden ist. Dann sagt der Schultheiß unter anderem: „Wo nun einer oder der andere etwas vorzubringen hat, der trete hervor und tue es mit Bescheidenheit, so soll ihm verholfen werden und das Unrecht bestraft werden wie es recht ist!“

 

Durch die Schenkungsurkunde vom 4. April 1506 gehen Dinghof und Gericht zu Groschlag an die Gräflich Solms-Rödelheim'sche Familie über. Grund ist die Heirat einer Enkelin des Ritters Frank von Kronberg mit Philipp, dem Grafen von Solms-Rödelheim und Herren zu Münzenberg.

Doch in der Reformationszeit wird das Kloster Haina vom Landgrafen Philipp säkularisiert und im Jahre 1553 in ein Hospital verwandelt. Seit dieser Zeit werden die Mönche von Haina auch in Groschlag nicht mehr erwähnt. Auch der andere Hof ist wahrscheinlich in der Reformationszeit endgültig in das Eigentum der Grafen von Solms-Rödelheim übergegangen.

Als der Hof nicht mehr bestand, wurde das Gericht dennoch an gleicher Stelle im übriggebliebenen  Grasgarten abgehalten. Er war zwei Viertel und elf Ruthen groß ist und liegt „neben Peter Schröder und dem gemein Weg“, also am westlichen Ende der verlängerten Fahrgasse bzw. Hofgerichtstraße. Dieser Gerichtsplatz mußte von leibeigenen Einwohnern gemäht werden, das geerntete Heu oder Grummet wurde von der gräflichen Verwaltung dann nach Schloß Rödelheim gebracht. Der Platz war umzäunt und mit einem Tor versehen.

 

Das Gericht wurde weiter nach den alten Vorschriften abgehalten. Nur hielt jetzt der herrschaftliche Beamte eine Ansprache. Hauptsache war jetzt das Schöffenessen nach der Gerichtsverhandlung, das fast immer zwei bis drei Tage dauert und meist in ein übles Saufgelage ausartet. Die Kosten muß der Gerichtsherr tragen. Der höfische Schultheiß bekommt eine Ohm Wein (155 Liter, also für jeden rund 20 Liter), um sie mit den Schöffen zu vertrinken, sowie fünf Gulden dreißig Kreuzer für die Beschaffung des Mahls.

Schon 1615 wollte man den Dinghof auflösen. Im Jahre 1775 gibt es immerhin noch 54 Dingmänner, die höfisches Gut in Besitz haben. Dennoch bringt der Dinghof nichts ein. Die Abhaltung des Gerichts ist mehr eine Volksbelustigung: Neun bis zehn gesetzte Männer in langen Mänteln gehen in der Gesellschaft von 80 bis 100 lärmenden Kindern durch den Ort, plappern auf dem Gerichtsplatz die Formel herunter und gehen dann wieder nach Haus und fressen und saufen zwei Tage lang

Im Jahre 1787 schließt man noch einmal einen Vertrag. Doch die Pächter verweigern die Zahlung. Das „höfische Gericht“ wurde noch bis ins 19. Jahrhundert abgehalten. Solms macht 1830 das Angebot an die Zinspflichtigen, die Gefälle zum Betrag von 700 Gulden abzulösen. Der Vertrag tritt 1832 in Kraft. Der Schultheiß wird entlassen und die Gerichtsmahlzeit gestrichen (1830 oder 1831). Nach 15jähriger Ablösungszeit wird der Dinghof 1847 aufgelöst.

Der höfische Gerichtsplatz wird 1885 an Johannes Schäfer verkauft, dazu die Fronwiese am hinteren Riederwäldchen. Der Ort Groschlag besteht nur noch in einer Art Flurbezeichnung und neuerdings in Straßennamen fort.

 

Vor dem Hof stand die „Falltorsäule“, ein  Tiergatter, das an Säulen angehängt war und von selbst wieder zu fiel, so daß das Vieh nicht aus dem Dorf heraus konnte.

 

(5) Berleborn

Die Quelle – die zuletzt von Herrn Föry hergerichtet wurde – diente sicher auch der Wasserversorgung von Groschlag. Sie lag früher mehr im Wald, von der beim Bau der Querspange ein Stück verloren ging. Die Hochstädter haben an Ostern vor Sonnenaufgang das „Osterwasser“ aus dem Berleborn am Riederwäldchen geholt. Der ganze Weg mußte aber schweigend zurückgelegt werden. Das Wasser wurde im Krug aufgehoben und sollte das ganze Jahr über gegen Krankheit helfen. Die Quelle ist ein Beispiel für die Quellhorizonte, die es überall an dieser ersten Terrasse über dem Gelände des Mainbettes erhob.

 

(6) Vor der Unterführung: Riederwäldchen

Der kleine Wald nördlich der Querspange ist der letzte von mehreren kleinen Wäldern südlich von Hochstadt (Jäger, Bornnessel, Wieblos, Riederwäldchen). Es ist ein Beispiel für einen „Niederwald“, in dem die großen Bäume immer wieder entfernt werden bzw. die ganze Fläche frühzeitig abgeholzt wird. Nur einige große Bäume bleiben, damit sie sich von selber wieder aussäen (auch bei der Hartig war das so). Für bestimmte Tier- und Pflanzenarten ist das von Vorteil.

 

(7) Hinter der Unterführung: Storchennest

Der Gemarkungsname „Im Storchennest“ weist auf das Nest eines Schwarzstorchs, der im Wald nistete. Er erinnert an das Storchennest, das es früher in jedem Dorf des heutigen Maintal gab. Die letzten Störche gab es in Bischofsheim, weil die Feuchtwiesen ihnen noch lange genügend Nahrung boten.

Das Schilf an dieser Stelle ist übrigens nicht der Rest des „Bischofsheimer“ Schilfs, sondern erst nach Aufgabe der Wiesennutzung neu gewachsen. Das Bischofsheimer Ried (das die Bischofsheimer übrigens „Hochstädter Ried“ nannten, aber es war das gleiche Ried) begann erst jenseits des Landgrabens.

Die Feuchtwiese besteht zum Teil aus Ackerland im Westen (wechselweise Mais- und Getreideanbau), aus feuchten und nassen Wiesenbereichen. Im Frühjahr steht die Wiese mit ihren großen Schilfbeständen größtenteils unter Wasser.

Hier finden sich mehrere Pflanzengesellschaften an, von denen drei auf der Roten- Liste Hessens 1988 stehen: Kohldistelwiese auf wechselfeuchtem Boden, Walsimsenwiese  auf nasser Wiese, Wiesenkopf-Silgenwiese   auf wechselfeuchter Wiese, Sumpfdotterblumenwiese auf nasser Wiese, Wasserdost-Hochstaudenflur auf wechselfeuchter Wiese, Weidenröschen Uferflor  auf wechselfeuchter Wiese, Flutschwaden-Röhricht auf wechselfeuchter Wiese und Teichröhricht, Mädesüß-Gesellschaft auf feucht-nasser Wiese (Rote Liste) mit Blutweiderich, Baldrian, Sumpfhelm­kraut, Mädesüss und viele mehr. Auf den Naßwiesen wächst auch die in Deutsch­land besonders geschützte Sumpfdotterblu­menwiese mit Kohldistel, Sumpfvergißmeinnicht und auch der Sumpfdotterblu­me.

 

Die feuchten und nassen Wiesen sind durch menschliche Nutzung entstanden. Sie gehören zu den farbigsten Lebensräu­men. Vor dem Bau der Autobahn und der Umge­hungsstraße waren diese Wiesen voll mit Orchideen. Das Besondere solcher Feucht‑ und Naßwiesen ist, daß sie das Wasser zurückhal­ten, den Wasserhaushalt der Wiesen regu­lieren und zur Grundwasserbildung beitragen. Zum Schutz und Erhaltung de feuchten und nassen Wiesen in der „Grünen Mitte“ ist die Beibehaltung der bislang üblichen Nutzung von großer Bedeutung Jede Veränderung zerstört den typischen Charakter dieser Lebensräume (nach Loeki Häger-Hogerland).

 

(8) Am Autobahnzubringer: Der Wiebloswald

Südlich des Riederwäldchens lag der Wiebloswald („Wiewweles“). Er war etwa 18 Morgen groß und aus Eichen, Buchen und Rüster gemischt. Seit 1613 wurde er von Hanau beansprucht, weil es nicht im Weistum steht und nicht im Register über die Groschlager Gefälle (was in Groschlag an Einnahmen anfällt). Man sagt: Der Wald ist von den höfischen Gütern abgetrennt und wird vom Hanauer Förster betreut, der auch dort den angerichteten Schaden bestraft. Außerdem haben schon die Schöffen von Groschlag dem Grafen Solms mehrfach Stämme aus dem Wald versagt.

Solms dagegen führt an, daß man den Wald absichtlich abgetrennt habe. Es waren ja gerade die Groschlager Schöffen und nicht die Hanauer Beamten, die dem Grafen von Solms die Stämme verweigert haben. Einen Förster hat man nicht gestellt, weil der Wald zu gering ist und auch von dem höfischen Schultheißen betreut werden kann. Beim höfischen Gericht werde auch das Wäldchen durchzogen. Und die Groschlager Dingleute müßten ein Huhn dafür geben, daß sie ihr Vieh in den Wald treiben. Auch erhielten die Groschlager Schöffen Holz aus dem Wald.

Der Streit kommt ins Rollen, als der höfische Schultheiß eine Geldstrafe nach Hanau zahlen soll, weil er vier Buchenstämme geholt hatte. Als er nicht zahlt, werden ihm zwei Ochsen gepfändet. Die Sache geht bis vor das Reichskammergericht. Am 12. Oktober 1615 werden viele alte Leute aus Hochstadt und Groschlag auf das Rathaus nach Hochstadt geladen. Graf Friedrich von Solms ist mit einem Rechtsbeistand anwesend. Von Hanauer Seite ist Katharina Belgica gekommen, die Witwe des Hanauer Grafen als Vormund für ihre Kinder.

Die Pfändung der Ochsen wird aufgehoben, aber in der Hauptsache wird nichts entschieden. Im Dreißigjährigen Krieg aber nimmt Hanau den Wald ohne viel zu fragen in Besitz. Nach dem Krieg rollt Solms die Sache noch einmal auf, kann aber keine Zeugen aufbieten, die über den alten Brauch noch Bescheid wissen. Die wenigen, die in Frage kommen, wollen gegen den Hanauer Landesherrn nicht aussagen.

So bleibt das Wäldchen bis 1780 im Besitz Hanaus, als es mit Wilhelmsbad getauscht wird. Das Gelände des heutigen Wilhelmsbad war also vorher zum Teil Hochstädter Privatbesitz. Außerdem hatte die Gemeinde die „Hutgerechtsame“ auf der „Steinwiese“ (südöstlich des Kurhauses), sie durfte also Kühe, Schweine und Schafe im Bezirk von Wilhelmsbad weiden lassen. Die Hochstädter durften ihr Vieh übrigens gegen einen Wertausgleich auch durch den Wachenbucher und Mittelbucher Wald treiben, aber dort nicht im Pferch halten.

Nach dem Tauschvertrag von 1780 erhält Hanau die Nutzstämme aus dem Wiebloswald zugesprochen, die Gemeinde Hochstadt das Oberholz. Dann wird der Ostteil der Fläche (der herrschaftliche Wieblos-Wald)  in Ackerland und der Westteil in Wiesen umgewandelt und geht in Privatbesitz und Gemeindebesitz über.

Nördlich des herrschaftlichen Wiebloswaldes war noch ein privater Wiebloswald. Südlich war das Bornesselwäldchen, das später der Landwirt  Michel Schales erhielt (zwischen Autobahn und Schwimmbad). Heute ist ein großer Teil dieser Flächen von der Autobahn und den angrenzenden Straßen belegt (Alte Flurkarte zeigen).

 

(9) Am Landgraben/ Landwehr

Zwischen Hochstadt und Bischofsheim zog von Niederdorfelden her eine Landwehr entlang bis zur Brücke an der heutigen Kreuzung der Querspange mit der Straße Hochstadt-Bischofsheim. Hier sperrte sie die südlich von Bischofsheim vorüberziehende Gelnhäuser Poststraße. Von hier aus benutzte die Landwehr den „Landgraben“ bis zur Einmündung in die Braubach.

Die Landwehr zog sich von der großen Lohe nach Süden durch das Bachtal zur Kochbergkreuzung (noch kenntlich an der zweifachen Flurbezeichnungen „Am Dornpfad“) und dann weiter nach Dörnigheim zum Main ging (Straße „An der Landwehr“). Diese Landwehr müßte noch in germanische (fränkische) Zeit hineinreichen, als hier die Grenze zum Niddagau war. Hochstadt gehörte zur Wetterau, Dörnigheim zum Maingau, Bischofsheim aber zum Niddagau. Das Amt Bergen kam erst später zur Grafschaft Hanau, so daß diese Landwehr überflüssig wurde.

Hochstadt muß 1749 einen Beitrag zur Ausräumung des Landgrabens zahlen. Um 1840 wird dann der mit hohen Dämmen versehene „neue Landgraben“ gebaut, um das Wasser aus der Weid in die Braubach zu führen. Die Bischofsheimer hatten sich nämlich beschwert, daß jedes Frühjahr ihre Keller unter Wasser standen. Der Graben wird auf einem Damm geführt. Der alte Landwehrgraben wurde 1870 zugeschüttet und als Ackerland verpachtet. Aber Kellerüberflutungen gab es weiterhin in Bischofsheim, bis dann die Straße höher gelegt und das Bischofsheimer Ried entwässert wurde.

Erstaunlich ist, daß die Grenze zwischen Hochstadt und Bischofsheim nicht entlang des Landgrabens verläuft, sondern weiter westlich. Der Grund liegt darin, daß Hochstadt die gesamte Flur von Groschlag erbte. Die ganze Landwehr lag dadurch mehr auf Hochstädter Gebiet als auf Bischofsheimer.

Um die Grenze zwischen Hochstadt und Bischofsheim gab es einen 500 Jahre dauernden Streit. Es ging um einen beachtlichen Streifen Land zwischen dem alten Landgraben und der heutigen Gemarkungsgrenze.

Erst am 26. April 1611 wird das Land endgültig Hochstadt zugesprochen. Am 15. September 1615 setzen die Hochstädter und Bischofsheimer Landscheider insgesamt 30 Steine, deren Ort und Entfernung voneinander genau verzeichnet und im Landscheiderbuch festgeschrieben werden.

Die Pflanzenvegetation der Wallhecke ist typisch für vernäßte, lehmige Böden an Entwässerungsgräben mit Scharbockskraut, Hoher Lerchensporn, Buschwindröschen, Aronstab, Schlehe, Weißdorn, Holunder, Hainbuche und Weidenarten.

 

(10) Die Grenze nach Bischofsheim: Albert-Einstein-Schule

Südlich des Anglersees verlief die Grenze entlang des geteerten Fußwegs an der Brücke über die Autobahn vorbei (deshalb heißt der Anglerverein zu Recht „AV Groschlag“). Nach einigen Metern geht nach Süden ein Weg ab, der die Dörnigheimer Grenze markiert. Hier stand der alte Dreimärker an der Grenze der drei Gaue. Die Grenze überspringt dann die Autobahn westlich der Fußgängerbrücke und folgt dem den Zaun westlich des Fußwegs Richtung Schulzentrum. Dieses wurde erbaut, als es schon die Stadt Maintal gab. Deshalb wurde ohne Rücksicht auf alte Gemarkungs-Grenzen gebaut.

Vor der Schule geht die Grenze erst nach Nordwesten, dann nach Nordosten auf das Heizhaus zu (entlang des ursprünglichen Wegs). Dann im rechten Winkel nach Nord­osten auf die Südwestecke der „Villa Kunterbunt“ zu. Hier biegt sie rechtwinklig nach Westen ab. Sowohl die „Villa Kunterbunt“ als auch die „Einstein-Schule“ stehen also auf Hochstädter Gebiet.

Anders war es mit der Grenze bei der Errichtung der Wohnblocks nördlich der Schule, denn damals nahm man noch Rücksicht auf die Gemarkungsgrenze. Die Hochstädter Gemarkung reicht bis an die Wohnblocks. Sie verläuft entlang der Wohnblocks bis hinter den Block Goethestraße Nr. 57. Dort steht an der Nordseite ein Stein. Hier knickt sie nach Westen ab und nach etwa 30 Metern steht wieder ein Stein. Dort knickt die Grenze nach Norden ab und geht entlang des Hauses Goethestraße Nr. 43. Dann führt sie weiter bis zur südlichen Hausecke des Hauses Gerhard-Hauptmann-Straße Nr. 6, wo auch die alte Gelnhäuser Poststraße kreuzte. Durch Bäume und Büsche und teilweise einen Zaun ist der weitere Verlauf gut zu erkennen. Die Grenze geht in einem Bogen nach Nordosten und trifft auf die Kreisstraße, die zum Kochberg führt, der sie dann ein Stück folgt. Der kürzeste Weg an dieser Stelle ist das Schulgelände der Albert-Einstein-Schule. Dieses ist aber verschlossen nach 16 Uhr und in den Ferien. Dann muß  man über die Goethestraße und die Gerhard-Hauptmann-Straße durch das Gelände der Wohnblocks gehen. Reizvoller ist allerdings der Weg östlich um die Schule herum, der zum Landgraben führt. Allerdings ist er gerade dort sehr schmal und bei hohem Gras schwierig zu begehen. Er führt zur Kochbergkreuzung.

 

(11) Bischofsheimer Ried:

Durch das Ried verlief ein Weg, der in der Bischofsheimer Gemarkung „Hochstädter Riedweg“ in der Hochstädter Gemarkung aber „Landwehr­weg“ hieß. Das Hochstädter Ried im Osten Bischofsheims bestand aus einigen wenig er­tragreichen Äckern, die in Privatbesitz waren, und einem etwa zwei Hektar großen gemeindeeigenen Sumpfgebiet. Rohr und Schilf wucherten dort, Wasserflächen bildeten sich im Frühjahr und im Herbst und luden durchziehende Bläßhühner, Haubentaucher und Wildenten zu kurzer Rast ein, gaben unzähligen Fröschen einen gesicherten Lebensraum und versorgten das auf dem Pfarrhause nistende Storchenpaar mit einem immer gedeckten Tisch.

(12) Unterhalb der Kochbergkreuzung: Alte Straßen

Wo sich heute die Querspange mit der Straße Hochstadt Bischofsheim kreuzt, war schon seit alten Zeiten eine wichtige Kreuzung. Zu römischer Zeit kreuzten sich hier die Straßen von der Saalburg über Vilbel nach Kesselstadt mit der Straße von  Heddernheim (Nida) über Bergen nach Langendiebach. Im Mittelalter kamen dazu ein Seitenzweig der Straße Frankfurt - Leipzig von Seckbach nach Hanau (diese Straße wurde vor allem benutzt, wenn die Straße über Dörnigheim überflutet war)

Dazu kam die Gelnhäuser Poststraße von Höchst über Enkheim durch die Jahnstraße in die Zwingerstraße und über Langendiebach nach Gelnhausen. Im Bereich der Kreuzung ist diese Straße noch erhalten in dem Feldweg, der auf die Wohnblocks zuführt.

Der Weg zur Einstein-Schule ist der Rest einer wieder abgebauten Straße zum Bahnhof Bischofsheim.

Ein weiterer Weg setzte östlich des Landgrabens an, führte fast bis zur heutigen Autobahn und schlängelte sich südlich des Wieblos-Wäldchens zu den Falltorwiesen östlich der Groschlaghohl. Er ermöglichte die Umfahrung Hochstadts (deshalb „Fahrgasse“)(Alte Karte zeigen).

Wo der Bach wieder unter der Straße hervortritt, stehen einige alte Maulbeerbäume entlang des Baches. Ihre Blätter dienten schon vor dem Ersten Weltkrieg der Seidenraupenzucht, damit Deutschland auch selber Seide produzieren konnte.

 

(13) Oberhalb der Kochbergkreuzung:

Wenn man in der Kurve des Fußwegs in das Wiesental nach Norden sieht, blickt man in ein  Gebiet, in dem früher einmal eine Mühle gestanden hat. Über eine Mahlmühle in Hochstadt  liegt lediglich eine Nachricht vor, und zwar vom 23. Mai 1348, als Ulrich III. von Hanau erlaubte, daß Heinrich von Eichen an Eberharden Schreiber von Heldenbergen und Ulin Schneider eine Korngült (eine Gült ist an sich eine Anleihe) von einer Mühle bei Hochstadt verkaufen. Gelegen war die „mulen zwischen Hohinstad und Byschovesheim”.

Ende des 16. Jahrhunderts bestand die Mühle jedenfalls nicht mehr, denn 1587 war Hochstadt „Mahlgast” der Hanauer Herrenmühle. Dies bedeutete, daß der gesamte Ort in Hanau mahlen lassen mußte  (Literatur: Reimer III Nr. 749,  Heckert, Peter, 1996) (Aus: Mühlen im Main-Kinzig-Kreis, Seite 392). Die Flur „Auf der Mühlbach“ wird auch 1514 als „Molnbach“ und „mulen bach“ erwähnt.

Die Mühle könnte an der Flur „Mühlbach“ gelegen haben. Zu dieser kommt man, wenn man am Ortsausgangsschild Richtung Bischofsheim auf dem Betonweg nach Nordwesten geht. Dann kommt man an eine Kreuzung mit dem Weg, der vom Hohenrainweg (verlängerte Weinbergstraße) herunterkommt. Dort geht man nach links, über den Bach und drüben wieder nach oben. Rechts liegt dann die Flur „Auf der Mühlbach“.

Der in westlicher Richtung ansteigende Weg sieht aus wie der Damm eines Mühlteiches. Hier ist eine günstige Stelle, an der man das Wasser stauen kann, ehe es ins Flache kommt. Die Mühle könnte gleich an dieser Stelle gewesen sein. Es könnte aber auch hier erst ein Mühlgraben begonnen haben, der an der Höhenlinie entlang führt, so daß an der weiter unten gelegenen Mühle ein ordentliches Gefälle entsteht.

Nach ein Wort zu der Bezeichnung „Weidbach“: Es gibt in Hochstadt einen Bach, der offiziell „Weidbach“ heißt. Er entwässert den Einschnitt zwischen Schützenhäuschen und Hartig, geht an der Abfallsammelstelle vorbei und dann östlich der Reithalle weiter, unter dem Reitplatz hindurch und auf die Ritterstraße zu. Der Bach ist aber praktisch trocken gefallen und auf den Karten gar nicht mehr eingezeichnet. Aber der Straßenname „In der Weidbach“ ist noch erhalten.

 

Fälschlicherweise wird aber auch noch ein anderer Bach in der Gemarkung Hochstadt als „Weidbach“ bezeichnet. Es ist der Bach, der in der Flur „Gemeindeweide“ zwischen Hartig und Großer Lohe entspringt und das ganze Tal bis zur Kochbergkreuzung entwässert. Von dort an wird er als „Landgraben“ bezeichnet und ist von zwei Wällen eingeschlossen, damit das Wasser aus dem Tal nicht nach Bischofsheim hineinläuft. Der Graben geht dann durch den Anglersee und mündet beim Surfsee in die Braubach (auf arten wird der etwas weiter östlich gelegene, vom Riederwäldchen kommende Bach fälschlicherweise als „Landgraben“ bezeichnet).

Oberhalb der Kochbergkreuzung ist kein Name für den Bach auf den Karten angegeben (deshalb ja die fälschliche Bezeichnung „Weidbach“). Man könnte den Namen „Mühlbach“ vermuten, weil die Flur westlich des Baches so heißt. In diesem Bereich muß auch die Mühle zwischen Hochstadt und Bischofsheim gestanden haben.

 

 

Doch dieser Name ist nicht zwingend. Vielmehr ist die Bezeichnung „Landgraben“ auch in diesem Bereich sinnvoll. Die Flur östlich der „Mühlbach“ heißt nämlich „Im Landgraben“. Dieser Name wird sich auf die Landwehr beziehen. Deshalb sollte man den Bach in diesem Tal zwischen Hochstadt und Bischofsheim auch „Landgraben“ nennen.

 

Der Rückweg führt erst ein Stück die Bischofsheimer Straße entlang, dann in die  Philipp-Weber-Straße und über den Luisantring in die Altkönigstraße. Dort geht man östlich der Wohnblocks auf der rechten Seite nach Süden in die  Groschlaghohl. Von dieser geht nach Osten die Hofgerichtstraße ab, eine Groschlager Straße und nach dem höfischen Gericht benannt. Beim Bau dieser Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg traten

Mauerzüge zu Tage. Aber diese wurden nicht  archäologisch untersucht, weil man mit anderen Problemen beschäftigt war. Die  Hofgerichtstraße macht einen Bogen nach Süden auf die Fahrgasse, auf der man wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt (Länge des Spaziergangs etwa 3,6  Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bischofsheim

 

Ausgangspunkt ist das Ende der Bebauung in der Stumpfgrabenstraße. Hier liegt zunächst an eine Wiese, an deren Ende man aber schon das Schilf am Tränkebach sieht. Nachher geht die ganze Fläche in Schilf über. Man kommt zum Gelände der Geflügelzüchter und zu einer Informationstafel über da Enkheimer Ried. Dann folgt wieder eine Schilffläche, die in einen kleinen Teich übergeht, der vom Tennisclub unterhalten wird.  Dessen großes Gelände mit Vereinsheim und Kinderspielplatz schließt sich an. Am Ende des Platzes geht man nach Norden bis zur Brücke über den bis hierher begradigten Tränkebach. Hier steht auch eine Informationstafel, auf der die Gründe für den strengen Schutz dieses Gebietes beschrieben werden.

Der Tränkebach entspringt nördlich von Bischofsheim, durchfließt das Rothersried, vereinigt sich mit dem Dortelfelder Bach. Das Wasser fließt nun durch eine Wiese, verschwindet in einem Rohr unter der Um­gehungsstraße und passiert die Reitanlage Hubertus. Dort verschwindet der Tränke­bach unter dem Stadtteil Bischofsheim und

taucht in der Aue wieder auf. Der Tränkebach wurde 1927 begradigt und zwischen 1970 und 1974 in Betonhalbschalen verlegt.

Frau Loeki Häger-Hogerland hat mit ihrer Gruppe das Wasser im Naturschutzgebiet mit einem Was­serkasten der Firma Merck chemisch und makrobiologisch untersucht. Eine chemische Untersuchung am 16. Februar 2004  im Naturschutzgebiet selbst, hinter dem Tennisplatz und dem Geflügelzuchtgelände, an der Hubertus‑Reitanlage und in einem Graben unterhalb der Schäferei, ergab kein schönes Ergebnis. Hinter dem Tennisplatz an der Brücke waren die Ammonium‑ und Nitritgehalte zu hoch. Der Nitratwert von75 Milligramm pro Liter lag noch über dem Krebsbach mit 50 Milligramm pro Liter. Hinter der Geflügelzuchtanlage waren Ammonium und Phosphatgehalt zu hoch, im Graben unterhalb der Schäferei unweit des „Kleeblatts“ waren pH‑Wert, Ammonium, Phosphat und die Karbonathärte zum Erschrecken. Nitrit, Ammonium und Phosphat sind Indikatoren für fäkale Verunreinigungen.

Auf der Brücke kann man noch gut beim Blick nach Osten sehen, wie der ganze Bach einmal ausgesehen hat: Der Bach war zu einem öden, lebensfeindlichen Kanal geworden. Nach Westen dagegen beginnt der renaturierte Tränkebach. Allerdings klagen jetzt Anlieger in Bischofsheim, das Wasser fließe nicht mehr schnell genug ab und sie hätten deshalb  im Keller Probleme mit dem Wasser. Aus diesem Grund hatte man ja auch nicht den ganzen Bach renaturiert.

Man kann dann auf gutem Weg südlich des Tränkebachs weiter gehen. Aber eine bessere Übersicht hat man von dem Weg nördlich des Tränkebachs, der aber nicht so gut zu gehen ist. Man kann aber anhand der wechselnden Schilfzonen erkennen, wo die renaturierten Flächen sind und wo noch Wiesen genutzt werden. In der Vegetationsper­i­ode kann man allerdings nicht erkennen, wie der Bach mäandert und sich durch die Wiese schlängelt (der Bach entlang des südlichen Wegs dient nur als Sammler).

 

Renaturierter Tränkebach: Im Herbst 1997 wurden die Betonschalen aus dem Tränkebach herausgenommen und der Bach wurde auf einer Strecke von etwa 600 Metern zwischen der Stadtgrenze von Frankfurt und den Tennisplätzen in Bischofsheim naturnah ungestaltet. In sanften Schwün­­gen mit flacheren und steileren Ufern mit schnel­ler und langsamer fließenden Ab­schnitten mäandert das 1997 aus seinem Betonbett befreite Bächlein verschlafen dahin. Dabei hat man nur sparsam Erlen, Weiden, Schilf und Lilien angepflanzt.

Die Pflanzen fügen sich inzwischen so in das Landschaftsbild, als ob sie schon immer dort gestanden hätten. Zwischen 1998 und 2000 wurde die Entwicklung der Renaturierungsmaßnahmen wissenschaftlich begleitet von Dr. Beate Alberternst und Professor Dr. Rüdiger Wittig, Abteilung Ökologie und Geobotanik des botanischen Instituts der Universität Frankfurt.

Je schneller das Wasser der Zuflüsse noch einem Regen in den Fluss gelangt, desto eher entwickelt sich ein gefährliches Hochwasser. Natürliche Bäche mit mäandrierendem Verlauf, zeitweise überfluteten Wiesen und Schilfgürtel halten große Wassermengen zurück und verringern die Hochwassergefahr. Die naturnahe Umgestaltung des Tränkebachs trägt so zum Schutz vor Hochwasser des Mains bei.

Die Renaturierung des Tränkebachs hat sich sehr positiv auf Pflanzen- und Tiergemeinschaften des knapp 13 Hektar großen Naturschutzgebiets „Bischofsheimer Wiesen“ ausgewirkt. Es hat sich prächtig entwickelt und dank des Schilfes wird auch das Wasser rein und sauber blei­ben. Der Bach hat sich im Laufe der Jahre fast völlig erholt, Libellen zeugen von seiner Reinheit.

An Pflanzen finden sich Schein-Zyper‑Segge, Großes Flohkraut und Zungenhahnenfuß.

Im Frühjahr kann man wieder beobachten, wie aus Kaulquappen quakende Grünfrösche werden. Auch Wasserläufer und Furchenschwimmer sowie andere Wasserkäfer kann man dann wieder sehen. Bachflohkrebse nehmen erneut ihre wertvolle Arbeit auf und zerkleinern die übrig gebliebenen abgestorbenen Pflanzenteile. Sie liefern so Nahrung für reinigende Bakterien im Bach und gleichzeitig sind sie Futter für Fische und Vögel wie die Wasseramsel. Um Vogelarten wie Wasserralle, Bekassine oder Rohrweihe zu schützen, sollte man das Naturschutzgebiet nicht betreten und Hunde an die Leine nehmen.

Wenn man Glück hat, kann man vielleicht sogar einer der höchst seltenen europäischen Sumpfschildkröten begegnen. Es ist durchaus möglich, dass das eine oder andere Exemplar sein Rückzugsgebiet Enkheimer Ried verlässt und den Tränkebach entlang wandert.

Im Sommer 2008 stellte man nach einigen Wochen genauer Beobachtung und mit Hilfe von Tonbandaufnahmen der Balzgeräusche fest, daß der vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) als Lurch des Jahres 2008 gewählte Laubfrosch wieder da ist.

In den warmen Mai- und Juni-Nächten hört man mit etwas Glück auch von den Wegen an seinen Laichgewässern am Tränkebach aus, den lauten Balzruf der Laubfrosch-Männchen. Der Lockruf gilt den Weibchen, die diesem aus größeren Entfernungen folgen. Nach der Frosch-Hochzeit wird der Laich in Laichballen abgelegt. Nach etwa 50 bis 80 Tagen entwickeln sich Kaulquappen, die dann im Sommer zu Jungtieren herangewachsen sind.In den flachen, warmen Gewässern ist im Umfeld des Naturschutzgebietes Tränkebach für den Laubfrosch wieder ein idealer Lebensraum zum Laichen entstanden.

 

Der Weg führt bis zu einem kleinen weißen Gebäude. Hier führt nach Norden der Weg hoch zum Bergen-Bischofsheimer Hang: Das 1954 ausgewiesene, zehn Hektar große Naturschutzgebiet ist das nördliche Steilufer eines alten Mainarmes. Seine geographische Lage be­dingt ein mildes und warmes Klein­klima. Hier blüht alles ein wenig früher als im restlichen Frankfurt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier noch Wein angebaut.

 

Das heutige Streuobstgebiet Berger Hang ist eine alte Kulturlandschaft ganz anderer Art als der Urwald im Ried. Feuchte Wiesen und knorrige Apfel‑ und Speierlingbäume prägen den Hang, der bis hinter Hoch­stadt reicht und sowohl als größtes zu­sammen­hän­gendes Streuobstgebiet in ganz Hessen gilt als auch den größten hessischen Steinkauzbestand aufweist. Aber ganze Baumgenerationen fehlen, denn umfangreiche Rodungen, die in den sechziger und siebziger Jahren sogar vom Land Hessen unterstützt und prämiert wurden, haben hier große Lüc­ken hinterlassen. Den hohen Naherholungswert berühren diese Sünden der Geschichte indes nicht: Blau schim­mernder Wiesensalbei, der zottige Klap­pertopf und andere Naturschönheiten wachsen hier weiter ungestört.

Ein Problem am Fuße des Hangs sind die zahlreichen Privatgärten mit standortfremden Hölzern und Pflan­zen, ökologisch wertlos und der Allge­meinheit entzogen. „Verstädterung des ländlichen Raumes“ würden Soziologen sagen. Teilweise sind es vor Jahrzehnten genehmigte, teilweise infolge illegaler Landnahme entstandene Gärten, die hier ihren Platz am Rande des Land­schaftsschutzgebietes gefunden haben. Problematisch ist vor allem das Müllpro­blem: Es gibt wohl einige, die Unrat aus den Gärten einfach im Riedbereich „ent­sorgen“.

Jenseits der Gärten findet sich ein Bei­spiel naturnaher Rinderhaltung: Auf saf­tigen Wiesen weidet eine Herde, ein­schließlich der Bullen, und fühlt sich sichtlich wohl. Die Rückansiedelung von Weidetieren, also Schaf‑ und Mutterkuh­herden, ist durchaus gewollt und wird un­terstützt, denn es gibt keine natürlichere und zugleich preiswertere Form der Gründlandpflege, das Mahdgut muß nicht teuer entsorgt werden.

Der Ber­ger Hang ist mit seinen Streuobstwiesen und dem gemähten Halbtrockenrasen von überregionaler Bedeutung. Ein Vier­tel des hessenweiten Bestands der Streuobstwiesen findet sich hier, ein Wiesentyp, den es in Hessen kaum noch gibt. Seine Existenz verdanke dieser Lebensraum dem regelmäßigen Mähen. Er ist selten geworden, weil das Interesse der Landwirte schwindet.

.Obwohl das Gebiet so groß ist, ist es nicht eintönig. Es gibt botanisch interessante Übergangszonen von der Hecke zur Fläche, Wiesensäu­me mit lilafarbenen Wicken, verschieden stark geneigte Hanggebiete und die schat­tigeren Flächen unter den Obstbäumen. Überall fühlten sich andere Pflanzen be­sonders wohl. Man hat 288 höhere Pflanzenarten im Naturschutzgebiet ge­zählt, auf rund 100 bringt es allein der Halbtrockenrasen.

Auf den Wiesen wachsen kalklieben­de Blütenpflanzen. Allein acht zum Teil geschützte Orchideenarten wurden hier schon gesichtet. Nur hier gedeihen  die schon fast verblühte rosafarbene Orchidee „Helmknabenkraut“, sein gerade erblühen­des Schwesterchen, das hellrosa‑violett blühende „Händelwurz“, das rosa‑violett blü­hende seltene „Kreuzblümchen“ und das im Wind zitternde Zittergras sowie Stendelwurz und Bienen-Ragwurz.

Einer der Stars des Gebiets ist der violett blühende Große Ehrenpreis, eine selten gewordene Pflanze, die nur an außergewöhnlichen Standorten gedeiht und deshalb auf der Roten Liste der geschützten Arten steht: Sie mag keine sauren Böden, liebt Wärme und viel Licht, kann aber Nährstoffreichtum nicht aushalten. Sobald gedüngt wird, ist sie fort.

Der Kleine Klappertopf ist ein Halb­parasit und heißt so, weil die trockenen Samen in den Früchten klappern, wenn man sie schüttelt. Ein Halbparasit ist das Pflänz­chen, weil es sich an die Wurzeln anderer Pflanzen dran hängt. So spart es sich, selbst lange Wurzeln auszubilden.

Ein blattloses gelblich blühendes Pflänzchen ist die „Würger“ genannte Schmarotzerpflanze „Orobanche“, eine Rote‑ Liste‑Art, die ‑ ohne Blätter ‑ keine Photosynthese machen, also Zucker und Starke nicht mehr aus der Luft gewin­nen kann und deshalb die Wurzeln ande­rer Pflanzen anzapfen muß. Gewürzpflanzen wie Oregano, auch Thy­mian und Rosmarin, sind typische Ge­wächse trockener Böden. Je trockener, des­to größer die Gefahr, vom Vieh gefressen zu werden. Die Gewürzpflanzen wehrten sich mit starkem Aroma gegen die Pflan­zenfresser

Buchfink, Kuckuck und Grauammer brüten im Gebiet, der Rote Milan zeigt sich immer mal wieder auf der Durchreise.

Die Aufrechte Trespe( bromus erectus )ist Namensgeber und mit vielen anderen Gräsern zusammen die dominante Art der Pflanzengesellschaft Mesobro­metum, die auf dem gemähten Halbtro­ckenrasen gedeiht. Angesichts der bunten Blütenpracht ist dieser Wiesentyp ein Tummelplatz für Insekten.

Im Osten durchschneidet ein kleiner Bach den Hang und trennt die Magerfläche von einem fuß­ballplatzgroßen Flachmoor, das in ei­ner Senke am Hang entstanden ist.

Hier sieht man mit einem Blick fünf verschiedene Biotoptypen: eine feuchte Kohldistelwiese, Seggenried, Röhricht, eine sumpfige Flut­rasengesellschaft und ein Kalkflachmoor, und das alles auf engstem Raum.

An der südlichen Grenze des Naturschutzgebiets stehen die Buschgewächse: Hundsrose darunter, Schlehe, Holunder, Weißdorn, Hagebutte, Sauerkirsche. Und am Wiesensaum, dort, wo vermutlich nicht im­mer ganz gründlich gemäht wird, weil die­se Pflanze das nicht verträgt, eine weitere, pinkfarben blühende Besonderheit des Ge­biets: der „Blutstorchschnabel“.

An vielen Stellen des Hanges treten lokal auch kleine Quellhorizonte auf. Diese nassen Stellen sind bewachsen mit Schilf und Sauergräsern. Auf dem größten Horizont finden sich eine Erlen­gruppe, Sumpfdotterblumen und Lungen­kraut. Das Besondere des Hanges ist der Umstand, daß hier Pflanzen der trockenen Steppen direkt neben sol­chen der Feuchtbiotope vorkommen. Solche Quellhori­zonte finden sich auch in Hochstadt und eben am Bischofsheimer und Berger Hang. Das hiesige Gebiet wurde schon früh besie­delt, weil der Boden fruchtbar war und es Wasser im Überfluß gab.

 

In südlicher Richtung geht man an dem kleinen Gebäude hinunter.  Westlich liegt das

Enkheimer Ried: Der Riedteich ist ein verlandeter Altarm des Mains. Die Mainschlinge führte ursprünglich am Berger Hang entlang und versumpfte später. Als der westliche Abfluß abgeschnitten wurde, verlande­te er langsam. Es entstand eine fünf Meter dicke Torfschicht, die zwischen 1829 und 1864 teilweise abgebaut wurde. Wieder begann das Ried zuzuwachsen und zu verlanden.

Dieser Prozeß wurde erst unterbrochen, als zwischen 1884 und 1924 die Firma Eis‑ Günther begann, hier Natureis zu ge­winnen. Sie ließ die gesamte Fläche des heutigen Naturschutz­ge­biets fluten, so daß ein riesiger See entstand. Immer im Sep­tember wurden Schilf und Wasser­pflanzen entfernt, um möglichst sau­beres Eis zu gewinnen, das im Winter mit Eispflügen in meterbreiten Tafeln gestochen wurde. Das Eis wurde in Hallen gelagert und im Sommer zum Kühlen benutzt.

Als man 1924 zum Kunsteis überging, geschah das zu Lasten des Rieds: Weil aus dem Wei­her nicht mehr regelmäßig die Biomasse in Form von Wasserpflanzen rausgeholt wurden, unterstützte das die fortschreitende Verlandung.

 

Seit dieser Zeit waren es zunächst zwei Riedteiche, doch ihr biologischer und ökologischer Wert nahm mit der Zeit eher ab: Diverse Einleitungen ließen vor allem den westlichen Riedteich „zum Himmel stinken“. Eine Starenplage sorgte bei Anwohnern für Verdruß.

Das Enkheimer Ried steht seit 1937 (oder 1935) unter Naturschutz. Damals umfasste das Naturschutzgebiet eine Fläche von 8,63 Hektar. Aber die Vernachlässigung während des Zweiten Weltkriegs führte dazu, daß das Ried immer mehr verlandete und Ende der 50iger Jahre praktisch kein feuchtes Gebiet mehr war.

Im Jahre1958 war das Ried zu 99 Prozent verlan­det. Nur eine Radikalkur half damals.

Um das Jahr 1960 wurde der westliche Riedteich schließlich trockengelegt und zuge­kippt, es entstanden dort die heutigen Sportanlagen. Zwei­mal wurde das Feuchtgebiet bis 1969 ausgebaggert und entschlammt. Einmal holten die nicht zimperlichen Ried‑Retter 38.000 Kubikmeter Schlamm und 38.000 Quadratmeter Schilf aus dem Weiher, ein anderes Mal 50.000 Kubikme­ter Schlamm.

Seither wurde der alte Teil des Naturschutzgebiets nicht mehr groß angefaßt. Ein Auenwald und Schilfzo­nen bildeten sich, die Vegetation konnte sich frei entfalten. Hier darf ein Baum so alt werden, bis er stirbt. Rund14 Hektar sind eingezäunt, es gibt keinen direkten Zugang. Mit der Zeit wird der östliche Riedteich verlanden, doch die hohe Wasserqualität verlangsamt diesen Prozeß. Im Jahre 1973 wurde das Ried vergrößert auf 15,44 Hektar. Im Jahre 1986 beantragte die  Arbeitsgemeinschaft „Heimischer Orchideen“ die Gebietserweiterung nach Osten. Ein Gutachten von Bönsel (1992) belegte die Schutzwürdigkeit der Erweiterungsfläche. Das Naturschutzgebiet „Enkheimer Ried“ wurde darauf mit der Verordnung vom 6. Oktober 1995 nach Osten unter Einbeziehung von Teilen des Tränkebachtals in Bi­schofsheim auf eine Gebietsgröße von 28,23 Hektar erweitert.

An Tieren finden sich Kormorane, Haubentaucher oder die Knäk-Ente. Dazu Brutvögel

wie Beutelmeise, Teichrohrsänger und Gelbspötter, alles bedrohte Vögel von der Roten Liste. Ebenfalls schüt­zenswert sind die Fischarten Moderlieschen, Hecht und Dreistachliger Stichling.  Außerdem gibt es die Gebänderte Prachtlibelle, die Erdkröte und den Teichfrosch, sowie Käfer und Amphibien.

Von internationaler Be­deutung ist das Enkheimer Ried durch den in ganz Westeuropa einzigen, sich selbst vermehrenden Bestand an Europäischen Sumpf­schildkröten, der allerdings nur noch aus knapp zehn Exemplaren besteht und vom Ausster­ben bedroht ist. Zu sehen bekommt man die Tiere allerdings nicht, erstens sind sie sehr rar, zweitens menschenscheu und drittens sehr ruhebedürftig. Am westlichen Ende des Teichs gewährt eine kleine Lich­tung mit einer Plattform einen kurzen Einblick in das Ried­-Reich der Sumpfschildkröte. Eine „künstliche Düne“ mit lockerem Substrat hat die Obere Naturschutzbehörde hier anlegen lassen, um die seltenen Tiere, die bis zu 130 Jahre alt werden, zum Eierle­gen zu animieren. Im Jahre 1986 schlüpf­ten hier letztmals Jungtiere.

Einer Diplomarbeit ist es zu verdanken, daß man über die Herkunft der Sumpf­schild­kröte nun Genaueres weiß: Durch kriminologisches „Finger‑Printing“, Blutproben, DNA‑Analysen und der Un­tersuchung fossiler Schildkrötenpanzer aus dem Berger Heimatmuseum ist es der Studentin Sylvia Hanka gelungen, die überwiegend südeuropäische Herkunft der Sumpfschildkröte zu belegen.

Die Monate Mai bis Juli sind die gefährlichs­ten für Hessens Schildkröten. Sie leben fast ihr ganzes Leben im Wasser, hier schlafen und fressen sie und verbringen sogar den Winter .Aber jetzt ziehen sie, von ihren Instinkten ge­leitet, oft für vie­le Tage an Land.

An Land aber lauern zahlreiche Gefahren. Manche Tiere werden Opfer des Straßen­verkehrs, der die kleine hessische Popula­tion weiter ausdünnt. Mehrere Exemplare wurden bereits in Ortschaften oder am Rand verkehrsreicher Straßen aufgefun­den, so Dr. Matthias Kuprian, der das Artenschutzprojekt Sumpfschildkröte zusam­men mit Sibylle Winkel koordiniert.

Eine weitere Gefahr ist überzogene Tierlie­be, gepaart mit Unwissen. Viele der Wild­tiere werden bei ihren Wanderungen auf­gesammelt und von ihren Findern für ent­laufene Terrarientiere gehalten. Oft lan­den die Findlinge dann im privaten Gar­tenteich oder Aquarium. Finder des seltenen Reptils wenden sich bitte an Sibylle Winkel, Tele­fon (0179) 2644134, oder an Dr. Matthias Kuprian, Telefon (0173) 3751580.

Die Ursachen für das Wanderverhalten der urzeitlichen Panzerträger sind vielfältig. Die Weibchen suchen meist an Land geeig­nete Eiablagestellen. Hier legen sie bis zu 16 Eier, die von der Sonne ausgebrütet werden. Da Brutplätze immer seltener in Gewässernähe zu finden sind, wandern die Tiere im Juni und Juli lange Strecken über Land, um geeignete Stellen zu finden. Be­reits ab Mai wandern männliche Tiere manchmal mehrere Kilometer weit auf der Suche nach neuen Lebensräumen oder Weibchen, denn die heimische Population ist bereits so ausgedünnt, dass sich die Ge­schlechtspartner kaum noch begegnen.

Insgesamt sind es vier Schildkrötenarten, die im Enkheimer Ried heimisch gewor­den sind: Die Hauptpopulation sind die aus Nordamerika stammenden Rotwangenschildkröten, die den Weg aus Frankfurter Aqua­rien ins Ried gefunden haben, die aber die Natur­schützer gar nicht gern sehen, da sie die anderen verdrängen. Aufgeschüt­teter Sand für Sonnenplätze und gefällte Pappeln dienen aber immer auch den amerikanischen Zu­wandern.

Der BUND Hessen hat daher gemeinsam mit Naturschützern, Biologen und dem Zoo Frankfurt ein Zucht‑ und Auswil­derungsprogramm ins Leben gerufen, dem sich in diesem Sommer aus Taucher der Hanauer Tauchschule von Claus Wilkens, „Die Tauchpartner“, angeschlossen haben.

Unter der Leitung von Andreas Volz, ei­nem Ausbilder des Tauchteams, und der Biologin des Frankfurter Zoos, Silke Schweitzer, werden derzeit die im Zoo lebenden Europäischen Sumpfschildkrö­ten gefangen und anschließend in renatu­rierte Biotope in Südhessen und dem Enk­heimer Ried wieder ausge­setzt. Im Enkheimer Ried leben derzeit nur noch knapp zehn Exemplare der heimi­schen Schildkrötenart. Vor ihrer Auswilderung werden die Tie­re auf Krankheiten und Geschlecht unter­sucht. Damit sie später wiedergefunden und bestimmt werden können, wird den Schildkröten zudem ein Minisender und winziger Computerchip eingebaut.

Ob die knapp zehn Exem­plare im Enkheimer Ried tatsächlich einen Stammbaum haben, der jahrhunder­telang nach Enkheim und nur nach Enk­heim reicht, darf durchaus bezweifelt wer­den. Genetische Untersuchungen­ deuten darauf hin, daß wohlmeinende Schildkrötenliebhaber irgendwann einmal die in Oberitalien hei­mische Europäische Sumpfschildkröte hier ausgesetzt haben könnten. Denn in den Genen der hiesigen Verwand­ten finden sich Hinweise, die nach Oberita­lien weisen.

Den Stars unter den Pflanzenar­ten, die im feuchten Ried prächtig gedei­hen, fehlt es an Bühnenpräsenz. Entwe­der sie sind tief im unzugänglichen Schilf verborgen, wie das Fleisch­farbene Knaben­kraut, das Alberternst an der Nordseite des Riedweihers noch im Frühjahr mit mindestens 80 Exemplaren gesichtet hat.

 

 

Auch die Pflanzen sind gefährdet. Heute müssen sie ihren Lebensraum gegen gierige Einwanderer wie den Riesenbären­klau oder die Kanadische Goldrute behaupten ‑ was nicht überall gelingt. Die medizinballgroßen weißen Blütendolden, die auf bis zu 3,50 Meter großen Stengeln ruhen, blitzen auf der Nord­seite des Feuchtgebiets immer wieder durchs Schilf Die gelbblühende Goldrute hat am Wegesrand ganze Lichtungen unter Kon­trolle gebracht. Das lichtliebende in Gär­ten hübsch anzusehende Gewächs wird hier erst zu­rückgedrängt, wenn das Auwäldchen wie­der zu einem dichten Wald herangewach­sen ist.

 

Auf der Grenzschneise, die auch Halweg genannt (im Dialekt für Hell = Höllweg) wird, überquert man den Tränkebach und geht Richtung Wald.  Am Waldrand geht nach Osten ein Weg ab. Hier beginnt ein großes Feld, auf dem die Gemeinde Bischofsheim nach dem Zweiten Weltkrieg Sand abgebaut hat, um damit ein Mörtelwerk zu betreiben. Eine Stele links am Grenzweg nimmt darauf Bezug: Vom Main abgelagerte Sande wurden nach der letzten Eiszeit durch den Wind an vielen Stellen zu Dünen aufgetürmt. Durch die ständige Umlagerung und das schnelle Austrocknen im Sommer konnten sich auf den Dünen keine Bäume und Sträucher ansiedeln.

Ebenso wie die Dünen der Meeresküsten wurden diese „Binnendünen" daher ur­sprünglich nur von besonders spezialisierten Pflanzenarten besiedelt. Zum Teil blieben sie vegetationsfrei. Dem Menschen erschienen Dünengebiete mit ihrer wenig produktiven Pflanzendecke jedoch oft nur als Ödland. Dem entsprechend beutete man die Sandvorkommen zur Gewinnung von Baumaterial aus, oder versuchte durch gezielte Aufforstungsmaßnahmen - meist mit Kiefern - die Dünen zu befestigen und nutzbar zu machen. Heute weiß man, dass Dünen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenorten sind und schützt die wenigen noch vorhandenen Dünensande. Reste ehemaliger Binnendünen finden sich in Frankfurt an der „Leuchte“ in Bergen-Enkheim und im Naturschutzgebiet „Schwanheimer Düne".

 

Durch den Sandabbau kamen aber viele Bodenfunde zu Tage, von denen aber heute im flachen Gelände nichts mehr zu erkennen ist. In diesem Walddistrikt 5 fanden sich nahe am Weg, aber etwas weiter nördlich Siedlungsreste und Streufunde aus der Urnengräberkultur (1200 bis 800 vCh).

Etwas weiter östlich und etwas südlich gab es gleich drei Funde aus verschiedenen Zeiten: Im Herbst 1951 ließ die Leitung des Mörtelwerkes einige Probelöcher von etwa 1,50 x 1,50 Meter graben um die Beschaffenheit des Sandes festzustellen. In einem der Löcher stieß der Arbeiter auf vermutlich zwei Brandgräber der Spätlatènezeit, deren Inhalt er nicht weiter beachtete. Im Mai 1952 erhielten die Bodendenkmalpfleger davon Kenntnis. Das in Frage kommende Probeloch konnte durch einige auf dem Sand liegende Scherben rasch ermittelt werden.

Die Durchgrabung des Sandes ergab eine große Anzahl Scherben von acht Gefäßen, von denen fünf zusammengesetzt und ergänzt werden konnten. Außerdem fanden sich zwei eiserne Spätlatènefibeln, ein eisernes Rasiermesser, ein Wetzstein, Reste einer feingliedrigen Bronzekette und viele Knochenreste.

Im Verlauf des im Mai 1952 beginnenden Abbaues wurden noch sieben Gräber ge­funden, aus denen Töpfe, Schüsseln, Fla­schen, eine Schale und Ringe aus Eisen geborgen wurden. Damit ist ein kleines,  bisher nicht bekanntes Gräberfeld der Spät­latènezeit festgestellt

Bei Bergung der Latènegräber wurden auch bandkeramische Siedlungsfunde gefunden, die auf eine kleine band­keramische Siedelung an dieser Stelle schließen lassen. Außerdem legte der Greifer am 24. April 1953 70 Zentimeter unter der Oberfläche einen schnurkeramischen Becher frei. Der Becher stand aufrecht im Sand und war ganz erhalten bis auf ein fehlendes Randstück.

 

An der nächsten Kreuzung quert die alte Gelnhäuser Poststraße. Sie wird auf dem Wegweiser nur „Gelnhäuser Straße“ genannt und der Weg weiter südlich wird dann als „Poststraße“ bezeichnet, aber es gibt nur eine „Gelnhäuser Poststraße“. Diese Straße kam Höchst  am Main und verlief westlich Seckbach nach Enkheim. Dann streift sie die Sanddüne in Richtung Bischofsheim und geht in die heutige  Jahnstraße und die Zwingerstraße über. Durch die heutige Gerhard-Hauptmann-Straße geht sie auf die Kreuzung am Kochberg zu, über Hochstadt in den Bruchköbeler Wald  und nach Langendiebach, Langenselbold, Rothenbergen nach Gelnhausen.

An der Südwestseite dieser Kreuzung steht eine Schutzhütte.  An der Südostseite sieht man ein Stück Fichtenwald mitten im Laubwald. An dieser Stelle stand das Mörtelwerk der Gemeinde Bischofsheim, von dem ein Weg Richtung Gänsweiher zum westlichen Ortseingang führte.

 

Südlich der Gelnhäuser Poststraße wurden im Walddistrikt 13 weitere Bodenfunde gemacht. Hier kam es nach 1920 zu einer Raubgrabung (die genaue Fundstelle ist nicht bekannt), bei der ein vierrädriger bronzener Kesselwagen aus der Hallstattzeit von etwa einem halben Meter Höhe gefunden wurde. Der Wagen wurde damals zerschlagen und als Altmetall verkauft. Es soll auch eine gerichtliche Untersuchung gegeben haben (Die Hügel sind heute alle untersucht und die Funde ausgegraben, ein Nachgraben würde keinen Erfolg haben].

Etwas nördlicher fand man auch römische Keramik, Hals- und Wandungsstücke eines römischen Krugs aus hellrotem Ton aus dem zweiten Jahrhundert. Etwas weiter drin im Wald, aber wieder südlicher, fand Herr Lehrer Lippert am 4. Mai 1951 vier Bronzeringe und einige Scherben, die im Schüttelsieb des Mörtelwerkes gefunden waren. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Baggerarbeiten ununterbrochen kontrolliert, so daß insgesamt achtzehn Gräber der Späthallstattzeit festgestellt werden konnten.

Aus der Urnenfelderzeit (1200 - 800 vCh) stammen zahlreiche Funde, die 1929/30 hier im Gemeindewald  geborgen wur­den. Die Scherben sind Überreste eines groben sandgelben Gebrauchsgeschirrs wie auch gelber, feiner, gut geglätteter Riefenware. Auch Schaber stammen aus den Funden.

 

Der nächste Querweg wird als „Poststraße“ bezeichnet. Südlich von ihm liegt der Walddistrikt 11. Er wurde nur noch zu einem kleinen Teil von der Sandgrube angeschnitten, so daß hier noch viele Hügel  zu sehen sind. In diesem ganzen Bereich des Bischofsheimer Ge­meindewaldes liegt eine Gruppe von etwa 30 Grabhügeln. Auch auf der Enkheimer Seite sind Hügelgräber zu finden.

 

Gut zu finden ist jedoch nur der eine Hügel, der direkt an der Grenz­schneise liegt und auch durch eine Stele gekennzeichnet ist. Hier werden noch Urnen und Schmuckstücke aus der Bronzezeit (1550- 1200 vCh) erwähnt, die aber nicht in den Fundberichten aufgeführt sind. Sie sollen im Heimatmuseum Bergen liegen und als Besonderheit eine Verzierung mit Korallen tragen.

Der nächste Querweg ist der Bischofsheimer Weg, die heutige Hauptverbindung durch den Wald zwischen Bischofsheim und Enkheim. Hier geht man nach Osten bis zur nächsten Kreuzung. An dem Weg, der von hier nach Norden führt, steht bei einer besonders schönen Gruppe von Eichen eine Stele zum Thema Eichwald mit folgendem Text:  „Die alten Eichen dieses Waldes werden von über 250 Tierarten genutzt. Mehrheitlich sind dies Insekten wie Schmetterlinge, Käfer oder Heuschrecken. Aber auch der seltene Mittelspecht sowie die Bechsteinfledermaus leben hier. In einigen Eichen fand man den Eichenheldbock, eine große und heute seltene Käferort, dessen Larven sich in absterbenden Eichen entwickeln. Dieses Vorkommen ist das nördlichste bekannte dieser Art in Hessen. Um es zu erhalten, wurde 2004 ein Teil des Waldes als „FH-Gebiet" ausgewiesen. Damit gehört der Wald zu dem europaweiten Schutzgebiets- Netz ‚NATURA 2000‘. Wenn bei der Bewirtschaftung des Waldes genügend alte Eichen als Lebensgrundlage der Käfer erhalten bleiben und regelmäßig junge Eichen nachgepflanzt werden, finden die Käfer jetzt und künftig günstige Lebensbedingungen vor. Da junge Eichen viel Licht benötigen, werden Freiflächen geschaffen, in denen ausreichend Sonne auf den Waldboden gelangt. Die Eichenpflanzungen in diesem Wald sind daher inselartig im Wald verstreut.“

 

Man geht aber an der Wegkreuzung weiter nach Süden zur nächsten Kreuzung. Hier geht nach Osten der Weg zum Gänsweiher ab. Westlich der Kreuzung und südlich des Weges, liegt ein Hügelgräberfeld. Hier ist auch ein besonders hoher Hügel zu finden.

Man muß dazu über die Mitte des Walddistrikts hinausgehen. Wo der dichte Wald endet, kann man zwischen den Eichen hineingehen.  Man kommt an einem niedrigen Hochsitz vorbei  und geht ungefähr noch einmal so weit in den Wald hinein, dann liegt etwas rechts der Hügel.

Hier ließ der Bürgermeister im Jahre 1863 ein Hügelgrab öffnen. Man fand das Bruchstück eines offenen Bronzearmrings mit Scheiben an den Enden, die Hälfte einer Bronzetrense, am kräftigem Maulstück die Ösen mit vierkantigen Zügelringen, Durchmesser 5 Zentimeter, das untere Ende eines Eisen-Schwertes und Bruchstücke des Griffes mit Nieten aus Bronze und Bronzeresten von Scheide und Bruchstücke zweier eiserner Armringe, einer mit dem Durchmesser 6,5 Zentimeter.

Im Juli 1912 nahm der Forscher Wolff mit Lehrer Bingemer vier Hügel in diesem Gebiet auf. Einer dieser Hügel, der sich durch eine stattliche Größe (noch 2,5 Meter Höhe bei 30 Meter Umfang) auszeichnet, der südlichste von allen, zeigt in der Mitte eine alte schachtartige Grube, von der sich ein nicht aufgefüllter Graben nach Nordosten zieht. Er ist offenbar der Hügel, aus dem die Funde stammen, die Amtsgerichtsrat Hille (Bergen) im Jahre 1873 dem Hanauer Geschichtsverein schickte und die der Bürgermeister etwa zehn Jahre früher in einem Hügelgrab gefunden hatte (Nach anderer Angabe waren es sechs Hügel, die in den Jahren 1887 und 1911/12 angeschnitten und untersucht wurden. Fünf sollen Brandgräber der mittleren Hallstattzeit, einer war ein Grab aus der Spät­hallstattzeit enthalten haben).

Von der Kreuzung geht man nach Osten zum Gänsweiher. Man kann auf der Südseite weitergehen oder ihn nördlich umrunden. Der  See heißt „Gänsweiher“ oder „Gänssee“ und nicht „Gänsseeweiher“, denn See und Weiher ist ein doppelt gemoppelter Begriff. Es gibt in Bischofsheim eine „Gänsseestra­ße“ und ohne groß darüber nachzuden­ken, wurde diese Bezeichnung auch für das Naherholungsgebiet verwendet und an den „See“ einfach noch ein „Weiher“ angehängt ‑ fertig war der „Gänsseewei­her“. Es muß aber nach wie vor wie früher „Gänsweiher“ heißen.

 

 

Ursprünglich war hier ein Sumpfgelände, in das man die Gänse trieb. Der „Gänsweiher“ ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Eine Luftmine hatte einen Krater und viele abgeknickte Bäume hinterlassen. Der Krater hat sich mit Grundwasser gefüllt, die Bäume sind schließlich gero­det worden.

Der Uferbereich wurde schließlich durch damalige Baggerfirma Kern ‑ sie durfte das Gewässer für den Kiesabbau nutzen ‑ bepflanzt und eine Insel als Nistplatz für Enten und andere Wasservögel geschaffen. So entstand der heutige Anglersee auf dem Gelände des Gänsweihers.

Als eigentliches Naherholungsgebiet der heutigen Form wurde das Gänseweiher‑ Gelände übrigens am 11. Juli 1970 eingeweiht. So kann man sich heute bei gemütlichen Spaziergängen an der herrlichen Natur, an seltenen Pflanzen und Vögeln rund um den Gänseweiher freuen.

 

An der Nordostseite des Gänsweihers geht man noch ein Stück nach Norden und an der Minigolfanlage nach Osten nördlich am Friedhof entlang. Amr Eugen-Kaiser-Ring geht man nach Norden und dann auf einem schmalen Weg weiter bis zu einem Garten. Dort geht man nach Osten und an der nächsten Kreuzung immer weiter nach Norden. Es kommt dann noch ein Stück geteerte Straße und dann wieder ein Schotterweg bis zum Teich an der Tennisanlage und dann nach Osten  (Länge des Spaziergangs etwa 4,8 Kilometer ohne Abstecher).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grüne Mitte

 

Die „Grüne Mitte“ zwischen Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt wurde 1974 bei der Bildung der Stadt Maintal bewußt frei gehalten. Es wurde kein neuer Stadtmittelpunkt geschaffen, sondern das Gebiet sollte frei bleiben für die Erholung der Einwohner. Das hat jedoch nicht verhindert, daß im Laufe der Zeit allerhand Begehrlichkeiten sich auf diese grüne Mitte richteten. Die stärkste Gefährdung war der Plan, bei einem Erfolg Frankfurts als  Olympiastadt hier eine Ruderstrecke anzulegen. Als diese Pläne sich aber zerschlugen, folgten Versuche ein Golfabschlagplatz und eine zentrale Sportstätte dort anzulegen. Der erste Plan scheiterte an der Unteren Naturschutzbehörde, der zweite Plan wird am Hessischen Hochwasserschutzgesetz scheitern, weil die Fläche nördlich des Schwimmbads Überschwemmungsgebiet ist.

Die „Grüne Mitte“ ist nicht nur eine wichtige Kulturlandschaft mit einigen Zeugnissen menschlichen Wirkens, sie zeichnet sich auch aus durch eine seltene Pflanzen- und Tierwelt.  Diese wird hier dargestellt nach den Ergebnissen der Biotopkartierung von Frau Loeki Häger-Hogerland, Luisantring 44..

Am Anfang jeder Maßnahme in der „Grünen Mitte“ - egal welcher Art - steht immer die Biotopkartierung. Ohne eine Erfassung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren haben wir keine Informationen darüber, wo es biologisch und ökologisch wertvolle Flächen gibt und welche Arten in und auf ihnen vorkommen. Erst im Anschluß an eine Bestandsaufnahme ist es möglich, Vorschläge zur Erholung und zum Schutz der Natur in die Tat umzusetzen. Die Ergebnisse der Biotopkartierung sollen als Grundlage dienen für Pflanzungen zum Schutz von Flächen und zur Schaffung neuer sich selbst überlassener Bereiche in der „Grünen Mitte“. Dadurch soll eine Vernetzung von Lebensräumen und Pufferzonen für empfindliche Flächen  wie Flugsanddüne, Braubachaue, Reinhardslache, Feuchtbiotope und Vogelschutzgebiete geschaffen werden.

 

Der Main ist nicht immer dort geflossen, wo er heute sein Bett hat. Alte Flußläufe, Mäander, Seen und Sümpfe entstanden und verlandeten. Feuchte Wiesen und Bruchwälder bei Enkheim, Bischofsheim und Hochstadt sind noch deutlich als alte Arme des Mains zu erkennen. Der Boden des Mainbeckens wurde von Schottern, Sanden und Kiesen gebildet, so wie sie der Main und seine Nebenflüsse im Laufe der Jahrtausende abgelagert haben. Nördlich des Mains finden wir als langgestreckte Erhebungen  in der „Grünen Mitte“ südwestlich von Hochstadt Binnensanddünen.

Maintal gehört zu den wärmsten und niederschlagsärmsten Gebieten in Hessen. Besonders am Südhang des Hartig-Wäldchens und Bischofsheimer Hanges kann es im Sommer sehr warm werden. Die Hauptwindrichtung ist Südwest. Sie führt im Sommer kühlere Luft heran. Deshalb soll die „Grüne Mitte“ offen bleiben und nicht aufgeforstet werden. Wenn der Wind über das kalte Wasser der Kiesseen streicht, wird es von den Menschen in Dörnigheim und Hochstadt als wohltuend empfunden.

 

Biotop-Typen der „Grünen Mitte“:

  • Stehende Binnengewässer: Seen, Erlenbruch, temporäre Gewässer
  • Fließende Binnengewässer: Bäche und Gräben
  • Grenzsystem Wasser-Land: Schilfgürtel und Hochstaudenflure
  • Halbtrockenrasen und Trockenrasen, Sandrasen:  Magerrasen,

Eisenbahnbereich, Binnendünen

  • Brachen: Natur- , Acker- , Wiesen- Bauschutt- und Industriebrachen
  • Wiesen: Streuobstwiesen, feuchte, nasse und wechselfeuchte Wiesen
  • Saumbiotope: Hecken, Ufersäume, Obstbaum- und Kopfweidereihen
  • Wald: „Flughafenwald“
  • Acker: Mais- und Getreideflächen
  • Kleinbiotope: Totholz, Streu, Faeces, Vogelnester, Steilwände, Maulwurfshügel, Mäuerchen, Steinhaufen, Pfützen, Wagenspuren, Pflanzenstengel, Distelköpfe, Brennesselbestände, Tierleichen, Grasbüschel.

 

A. Die nördliche „Grüne Mitte“ zwischen Bischofsheim und Hochstadt, Landgraben, Autobahn und Umgehungsstraße L 3209 ist beschrieben beim Spaziergang „Groschlag und seine Gemarkung“.

 

B. „Grüne Mitte Mittelteil“: Gebiet zwischen den Gewerbegebieten von Bischofsheim und Hochstadt, Autobahn und Eisenbahnlinie. Ausgangspunkt ist der Parkplatz  am Schwimmbad.  Man geht nach Westen und vor dem Surfsee nach Nordwesten zum Anglersee.  Östlich des Sees ist ein Biotop seltener Pflanzen. Südöstlich des Sees begann das Bornesselwäldchen, das nach Osten spitz zulief und fast bis zur Querspange reichte. Im Süden ging es bis zur Braubach. Nördlich des Wäldchens war früher das größte Grundstück in der Hochstädter Gemarkung, wahrscheinlich ein Stück gerodeter Wald, das jetzt als Ackerland genutzt wurde.

Diese ehemaligen Kies-Seen haben einen Kreislauf, der ei­gentlich aus vier Teilen besteht: zwei Zir­kulations‑ und zwei Stagnationsperioden. Während des Sommers stellt sich eine aus­geprägte „Sprungschicht“ ein. Mit einem Thermometer könnte man sogar feststel­len, wo sich diese Schicht befindet. In den ersten zehn bis fünfzehn Metern ändert sich die Wassertemperatur kaum. Bis zu dieser Tiefe beträgt sie zum Beispiel 20 Grad Celsius. Doch plötzlich zeigt das Thermometer innerhalb weniger Meter ei­ne drastische Temperaturabnahme bis auf etwa zehn Grad Celsius, darunter ändert sich bis zum Boden der Temperatur kaum noch etwas. Es befinden sich im See nun zwei Wasserkörper, die durch eine deutli­che Schicht getrennt sind. (Sommerstagna­tion)

Im Herbst sinkt nun das sich abkühlende Oberflächenwasser nach unten. Kräftige Herbststürme wühlen den See tief auf. Die Sprungschicht wird zerstört und das Was­ser durchmischt. (Herbstzirkulation). Im Winter befindet sich das dichteste Was­ser von vier Grad Celsius am Boden. Kälte­res und weniger dichtes Wasser schichtet sich darüber. Der See kann zufrieren (Winterstagnation). Wenn das Eis schmilzt und die Sonne das Wasser erwärmt, mischen Frühjahrsstür­me das Wasser durch (Frühjahrszirkulati­on). Stürme haben also auch ihre guten Seiten.

Im Sommer bildet sich wieder eine Sprung­schicht und der Kreislauf beginnt von neuem. Die ersten zehn Meter werden gut durchsonnt, es gedeihen grüne Algen und Plankton, genügend Sauerstoff ist vorhan­den, aber wenige Nährstoffe stehen zur Verfügung. Unterhalb der Sprungschicht gibt es wenig Sauerstoff, keine Pflanzen, aber viele Nährstoffe, da ständig Pflanzen- ­und Tierleichen herunter sinken. Durch ihre Zersetzung werden Stickstoff‑, Phos­phat‑ und Schwefelverbindungen freigesetzt. Diese können leider nicht über die Sprungschicht nach oben und stehen den Organismen dort nicht zur Verfügung. Ab­sinken bedeutet in einem See immer Absterben. Wer schwebt, wie das lebende Plankton, wird von den Fischen gefressen. Man sieht das was sich unter der Wasseroberfläche abspielt, ist eine höchst kompli­zierte Sache.

Der Anglersee (und auch der Surfsee) sind tiefe Kiesseen. Ihr Wasser ist kalt. Auch Kies-Seen unterliegen einem Jahresrhythmus von Stagnation und Zirkulation. Der Anglersee ist trotz des Verkehrslärms der Autobahn ein schön gestaltetes Fischgewässer mit zum Teil steilen Ufern und einigen Verlandungszonen mit Schilf, Iris, Blutweiderich und Seerosen. Eine üppige, nicht immer standorttreue Strauch- und Baum-Schicht umrandet das Gewässer.

Die ökologische Bewertung dieses Sees mit dem „pseudo-naturnahen“ Gehölzsaum, winzigen Verlandungszonen und Schilfgürtel ist als „mittel“ einzustufen. Über Entwicklungsmöglichkeiten der Uferlinien sollte nachgedacht werden.

Die steilen Ufer des Surfsees haben einige Erosionsstellen. Am Uferstreifen befindet sich ein Naturnaher Saum mit Sauergräsern, Erle, Salweide und Esche. An der kleinen Verlandungszone an der Westseite tummeln sich Enten. Nachmittags fliegen Mauersegler dicht über die Wasseroberfläche und finden hier reichlich Insektennahrung. (laut Loeki Häger-Hogerland).

 

Nach Westen geht es zur Brücke über die Autobahn. Zur Entlastung der Bundesstraße 8/40 war zunächst der „Kleine Rhein-Main-Schnell­weg“ gedacht. Dann wurde die Strecke zur Autobahn Bingen-Fulda hochgestuft. Dörnigheim und Hochstadt waren im Gegensatz zu Bischofsheim mit dem Autobahnbau einverstanden. Die Autobahn zwischen Hessen-Center und der Hohen Tanne wurde im Jahr 1979 in Betrieb genommen, die Fortsetzung nach Hanau im Jahr 1983. Die Autobahn zerschneidet zwar die Stadt Maintal, ist aber aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken.

 

Geradeaus trifft der  Weg über die Autobahn auf die Flugsanddüne. Im Quartär (Beginn vor 1,5 Millionen Jahren) kommt es zu vermutlich sieben Eiszeiten. Aber unser Gebiet bleibt dabei eisfrei, es ist eine Art Steppenlandschaft. Durch heftige Stürme werden Massen von Verwitterungsprodukten als Löß in der Wetterau und an den Hanglagen der Hohen Straße abgelagert. Der hellgelbe Löß ist fruchtbarer Ackerboden. Bei Verwitterung geht aber der Kalk verloren und es entsteht Lößlehm und bei völliger Verwitterung dann wasserundurchlässiger Lehm. Durch Ausblasung der Gesteine lagern sich Flugsanddünen in den Ebenen ab.

Die Flugsanddüne südlich des Anglersees - auch „Kahlenberg“ genannt - entstand vor zehntausend Jahren in der letzten Kaltzeit. Sie ist 135 Meter lang, 40 Meter breit, 3 Meter hoch (0,55 Hektar). Sie ist die letzte Sanddüne auf freiem Feld in Maintal, da nach dem Krieg viele Sandvorkommen für Bauzwecke abgebaut wurden. Das NSG „Flugsanddüne“ liegt südlich der Autobahn. Die eigentliche Binnendüne ist um ein Vielfaches größer. Die Silbergrasflur ist eine lockere, lückenreiche Pioniergesellschaft auf losem, trockenem, humus- und stickstoffarmen Flugsand.

Bei Bestandsaufnahmen der Pflanzenarten in 1999 und 2001 wurden viele seltene Pflanzen gefunden, darunter Rote-Liste-Arten wie Frühlingsspark, Bauernsenf, Silbergras, Sand-Fingerkraut4, Steppen-Wolfsmilch und Thymian. Dazu kommen Sand-Segge und Berg-Sandglöck­chen   

Die wichtigste Vorbedingung für das Entstehung und die Erhaltung der Silbergrasfluren ist die mechanische Verletzung der Pflanzendecke. Ein ständiges Überwehen von Sand bewirkt ein kräftiges Wachstum der Silbergrasflurvegetation. Kommt der Sand zur Ruhe, wird sie nicht mehr von Menschen begangen oder von Kaninchen umgebuddelt, siedeln sich weitere Arten an wie Schafschwingel.

Der Pflegebedarf für den Sandrasen der „Grünen Mitte“ ist ziemlich gering: Aufkommender Gehölzbewuchs von Zitterpappeln ist zu entfernen. Es ist dafür zu sorgen, daß Ruderalpflanzen und Ackerunkraut nicht die Oberhand gewinnen, da sie die typische und empfindliche Sanddünenvegetation verdrängen. Zurzeit ist die Düne nur „sichergestellt“, es darf keine Sandentnahme mehr vorgenommen werden, aber die Düne ist noch kein Naturdenkmal.

Das Gebiet südlich der Flugsanddüne  ist interessant, da sich hier mehrere kleine Feuchtbiotope befinden mit Flatterbinsen (eine Sumpfpflanze), Landreitgras (eine Pflanze, die Sand- und Kiesböden befestigt) und Eisenkraut (der mit seinen etwa 60 Zentimeter langen Wurzeln versucht, im abgelagerten Bauschutt ans Grundwasser zu gelangen).  Östlich dieser Brache liegt ein aufgegebener Spargelacker mit interessanter Wildkrautflora wie Rote Taubnessel, Krummhals, Acker-Vergißmeinnicht, Reiherschnabel und Ehrenpreis.

 

Flugsanddüne: „Was darunter liegt, ist entscheidend“

So weit das Auge reicht, erstreckt sich eine meterhohe Sanddüne. Der Spaziergänger muss angestrengt blinzeln, um das gesamte Ausmaß der gewaltigen Düne in der Ferne erahnen zu können. Bis ins benachbarte Fechenheim dringen die Ausläufer der Maintaler Flugsanddüne vor. Ein eindrucksvolles Naturschauspiel, das sich jedoch schon vor vielen Jahrzehnten von der Bühne der Weltöffentlichkeit verabschiedet hat.

Heute ist die Flugsanddüne in der Nähe des Höllsees nicht viel mehr als eine sanfte Erhebung, überzogen von einem grünen Teppich, in dem munter die Grillen zirpen. 150 Meter in der Länge, 40 Meter in der Breite und drei in der Höhe sind von den einstmals eindrucksvollen Ausmaßen der Düne übrig geblieben. Der Grund: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier fleißig mit Schippe und Schubkarren angerückt, um Sand für den Wiederaufbau der zerbombten Dörfer und Städte abzutragen. Auch die Erosion ließ die Flugsanddüne allmählich schrumpfen. Als Binnendüne untersteht sie nun als gesetzlich geschütztes Biotop dem wachsamen Auge des hessischen Gesetzes.

Die Geburt der Düne datiert auf das Pleistozän, das geologische Eiszeitalter zwischen 1,5 Millionen bis 10.000 Jahre vor Christus. Damals dominierte ein tundraähnlicher Bewuchs das Landschaftsbild im Rhein-Main-Gebiet. Frostverwittertes Gesteins- und Untergrundmaterial aus den umliegenden Mittelgebirgen hatte sich hier abgelagert.

Trockene Witterung führte zum steten Ausblasen des Bodens und Gesteins - die Maintaler Flugsanddüne war geboren. Als die Temperaturen in den folgenden Jahren wieder stiegen, kehrten die Pflanzen zurück, besiedelten die Düne und konservierten durch ihre Wurzeln die Sandansammlung. Seltene Pflanzen wie das Berg-Sandglöckchen oder das Silbergras gedeihen hier. Heute gibt allein ein unauffälliger Hügel Zeugnis von der Flugsanddüne - für das Auge eines laienhaften Spaziergängers eine unscheinbare Erhebung. Der Kenner jedoch schmunzelt nur wissend: „Das, was darunter liegt, ist entscheidend“, verrät der Ilochstädter Norbert Mankel, seines Zeichens Hobby-Archäologe, mit einem verschmitzten Lächeln.

 „Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“, wusste schon Antoine de Saint-Exupery - und so verhält es sich mit der Maintaler Flugsanddüne ähnlich. Ganz so bedeutungslos wie sie unauffällig ist, ist die Flugsanddüne in der Grünen Mitte nämlich nicht. Denn der Sandabbau förderte ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit, Brandgräber und Scherben aus der Urnenfelder- zeit, Gräber und Keramik aus der frühen Keltenzeit und germanische Keramiken aus der Spätkeltenzeit zutage. Letztere wiederum sind der einzige gesicherte Nachweis, dass in vorrömischer Zeit Germanen im heutigen Maintaler Stadtgebiet siedelten. Keltische und germanische Keramik auseinander zu halten, ist für den Fachmann ein Leichtes: Die Verzierungen der Scherben geben zuverlässig Aufschluss über den „Hersteller“. Während die Kelten ihre Keramik auf der Töpferscheibe herstellen, bedienten sich die Germanen der schlichteren Wulsttechnik.

Übrigens ist die Flugsanddüne am Höllsee nicht die einzige auf Maintaler Gebiet. In den Wäldern von Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt halten sich weitere Sanddünen versteckt, die dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind und sich nur dem aufmerksamen Betrachter zu erkennen geben [Statt „Höllsee“ muß es „Anglersee“ heißen] (MTA 15.08. 2007).

 

Südlich der Flugsanddüne und auch an anderen Stellen findet sich auch das Saumbiotop „Streuobstwiese“. Im Biotopverbundsystem sind hochstämmige Äpfel- und Kirschbäume als Einzelbaum oder als Baumreihe ein wichtiges Korridorbiotop in der „Grünen Mitte“. Durch Neupflanzungen von heimischen Apfelsorten wird versucht, auch hier das Netzt von Streuobstbiotopen zu vergrößern. Das ist eine wichtige Maßnahme für die bedrohten Vogelarten wie Steinkauz, Wendehals, Kleiber, Grünspecht und Wildbienenarten. Empfehlenswert für Brachen, auf denen auch Streuobst-Hochstämme angepflanzt werden können, sind auch Holunderbäume

 

Kommt man auf der Fußgängerbrücke über die Autobahn und geht etwa 100 Meter weiter nach rechts in westlicher Richtung, so biegt bald links ein Weg in Richtung Dörnigheim ab. Er markiert die Dörnigheimer Grenze. Hier stand der alte Dreimärker, der „Karolingerstein, an dem drei Grenzen aufeinander treffen. Seit der Karolingerzeit stand hier ein Grenzstein“, der die drei alten Gaue voneinander trennte: Hochstadt gehörte zum Gau Wetterau, Bischofsheim zum Niddagau und Dörnigheim zum Maingau. Er trennte auch die Gemarkungen von Hochstadt, Bischofsheim und Dörnigheim. Die Hochstädter Südgrenze verläuft nach Westen an der Nordseite des Weges, in Richtung Osten auf der Südseite des Weges Richtung Anglersee. Weil die Grenze hier von einer Seite des Weges auf die andere springt, war der Grenzverlauf zwischen Hochstadt und Bischofsheim umstritten, denn es konnte so aussehen konnte, als stünde der Stein südlich der Hochstadt-Dörnigheimer Grenze. Der Stein ist zwar schon lange verschwunden. Aber hier könnte man einen mannshohen Stein mit entsprechenden Inschriften errichten, um diesen Punkt wieder aufzuwerten.

 

Die Fläche südlich der Autobahn und östlich des verlängerten Dörnigheimer Wegs war im Jahre 2006 vom Magistrat freigegeben worden für ein Golfspielfeld („Driving Ranch“). Hier sollte man das Abspielen von Golfbällen üben. Der Plan eines Investors aus Darm­stadt wurde dank des Eingreifens der Unteren Naturschutzbehörde aber vereitelt, die darauf hinwiesen, daß sich hier geschützte Pflanzen befinden. Das Golfspielfeld wurde deshalb westlich des verlängerten Dörnigheimer Wegs auf einer verwilderten Fläche eingerichtet.

 

 

In der „Grünen Mitte“ finden sich heute viele Brachflächen. Früher wurden die meisten Brachen aufgeforstet. Dann setzte ein Umdenken ein und man bemerkte, daß die Brache als Standort für die Erstbesiedler der Pflanzen- und Tierwelt immer seltener wurde. Man begann die Brache als Biotop zu schätzen und zu schützen. Auch die Brachen in der „Grünen Mitte“ sind kleine „Miniaturlandschaften“ mit unebenen Böden, Nährstoffarmut, Trockeninseln, Wasserpfützen und vielen kleine Pionierflächen - äußerst wertvoll für den Artenschutz. Brachen sind

-  wichtige Nahrungsstätte für Tagfalter, Schwebfliegen, Bienen, Hummeln und samenfressende Vögel

-  Ausweichmöglichkeiten für blütenbesuchende und samenfressende Tiere, wenn auf Kulturflächen geerntet oder gemäht wird

-  Flächen für reichlich Beutetiere, die Nahrung sind für Spinnen und Libellen

-  Fluchträume für Amphibien, Jungvögel, Rebhuhn und Fasan, Tageseinstände für Feldhase, Igel und Reh

-  Brut- und Geburtsstätte für Rehe und Hasen, weil die Brache ein ungestörte Vegetationsdecke hat

-  Überwinterungsplätze für die Tiere der Brache selbst und für Überwinterer der angrenzenden Landwirtschaft. Hier finden sie reichlich Streu und hohle Pflanzenstengel für Insekten. Diese sind Nahrung für Meisen, die wiederum von Sperbern gefressen werden. Auf Brachen gibt es genügend Winternahrungsketten

-  stabile Biotope mit einem natürlichen Gleichgewicht. Hier gibt es eine natürliche Schädlingsvertilgung durch Vögel. Nutzinsekten verbessern die Erträge der auf Bienenbefruchtung angewiesenen Nutzpflanzen. Brachen sind farbenfroh und wichtig für den Imker. Auch Obstbäume und Holunderbäume können auf Brachen angepflanzt werden. Lesesteinhaufen sind wichtige Lebensräume für Zauneidechse

-  Frischluftlieferanten.

 

Beiderseits des Weges von Bischofsheim nach Dörnigheim gibt es giftige Altlasten im Boden. Deshalb wird das Grundwasser durch Meßstellen ständig überwacht, um bei Gefahr eingreifen zu können. Typische Pflanzen der überwachsenen Bauschuttdeponien und Altlasten sind: Floh-Knöterich, Vogel-Knöterich, Weiße Lichtnelke, Schmalblättriges Weideröschen, Schwarzer Nachtschatten, Kleinblütige Königskerze, Acker-Distel, Echte Kratzdistel, Gewöhnliches Bitterkraut, Gemeines Greiskraut, Land-Reitgras, Eisenkraut, Wildrosen-Arten und Brombeere.  Eine Anzeigerpflanze für Hausmüll, Industriemüll und Flugasche der Müllverbrennungsanlagen ist das in der „Grünen Mitte“ reichlich vorkommende Eisenkraut, vor allem auf der Brache. Südwestlich der Flugsanddüne trifft man es überall an.

 

In den Sandgruben westlich der Straße von Bischofsheim nach Dörnigheim wurden verschiedene Bodenfunde gemacht. Aus der Sandgrube Kern südlich der Unterführung unter der Autobahn wurde ein bauchiger Topf mit kurzem Schrägrand geborgen. In der Sandgrube Klobedanz an der Bahn fand man ein trapezförmiges Beilchen aus der Jungsteinzeit, ein Brandgrab der Urnenfelderkultur und ein Gräberfeld der Hallstattzeit.

 

Der Weg führt nördlich der Bahnlinie entlang zum Surfsee. Man überschreitet die Brau­­bach über die Sperranlage, geht an der Ostseite des Sees entlang und dabei wieder nach Westen über die Braubach.

Der Surfsee ist auch durch Kiesabbau entstanden. Er hat seinen Namen daher, weil bis in die 90iger Jahre hier Windsurfer ihr Revier hatten. Heute ist dieser Sport eingeschlafen. Wenn man südlich um den See herumgeht, kommt man am Durchlaß der Braubach unter der Eisenbahnlinie vorbei zu einem Grillplatz, den die Stadt Maintal nach dem Jahr 2000 hat anlegen lassen. Er ist sehr kompakt gebaut, weil die vorher dort stehende Grillhütte immer wieder von Besuchern zerstört worden war. Der Weg geht zurück nach Norden zum  Anglersee. Dort kann man an der Ostseite beobachten, wie der Landgraben durch den Anglerseee geführt wird, während der Graben, der vom  Riederwäldchen kommt, daran vorbei geführt wird.  Erst hinter dem See  vereinigen sich die Bäche wieder und fließen nach Süden auf die Braubach zu.

Im Rahmen ihres „Wassertags“ im Juli 2004 entdeckten Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 a des Albert-Einstein-Gymnasiums einen großen Flusskrebs aus der Braubach direkt am Dörnigheimer „Surfsee“ (hinter dem Maintalbad gelegen) „fischten“. Einen so großen Flusskrebs, so die Hochstädter Biologin Loeki Häger-Hogerland, die die Wasseruntersuchung der Einsteinschüler gemeinsam mit Dr. Christiane Gräf, Biologie- und Chemielehrerin an der Bischofsheimer Schule, betreute, sei für die Maintaler Gewässer eine „Sensation“. Er kann aber nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen, sondern ist sozusagen über mehrere Gewässer hinweg „eingeschwommen“ sein.

Braubach und Braubachaue sind ein empfindliches Fließwassersystem, das nicht zerstört werden darf. Östlich des Surfsees fließen mehrere Fließgewässer zum „Knotenpunkt“ Braubach zusammen, denn hier kommt  Wasser aus dem Bereich zwischen der Straße von Bischofsheim nach Niederdorfelden bis nach  Mittelbuchen, indirekt sogar bis aus Marköbel und Hüttengesäß.

Die Braubach wurde vor Hunderten von Jahren künstlich angelegt unter Benutzung alter Flußläufe und hat wenig Gefälle. Wenn sie eine Rolle im Wasserverbundsystem spielen sollte, bräuchte sie an erster Stelle eine vielgestaltete und geschwungene Linienführung. Fließgeschwindigkeit, Wassertiefe und Bodensubstrate sollten ständig wechseln. Flachwasserzonen sollten angelegt werden. Vom „Knotenpunkt“ fließt die Braubach in einer breiten Aue durch den Höllsee zum Main.

Vom Surfsee geht man wieder nach Osten zum Parkplatz am Schwimmbad  (Länge des Spaziergangs etwa 2,4 Kilometer).

 

(C) „Grüne Mitte Süd“: Gebiet zwischen der Straße nach Rumpenheim und Umgehungsstraße L 3209, Eisenbahnlinie und Bundesstraße 8/40. Ausgangspunkt ist der kleine Parkplatz an der Querspange gegenüber der Einmündung der Westendstraße.

Man geht nach WestenRichtung Höllsee und westlich der Gärten geht dann ein Weg nach Norden. Er führt auf die Ostseite des Fischteich Fischer. Er wird gesäumt von einer Vielzahl von Baum- und Strauchschichten, wie Salweide, Silberweide, Birke, Schwarzerle, Weißdorn, Wildrose, Edeltannen und 15 Hybridpappeln. Zu diesem Freizeitgrundstück gehört auch eine Streuobstwiese. Viele Vogelarten sind zu finden. Reiher ernähren sich vom Fischbestand.

Bei der Anlage des Fischteiches wurde eine fragmentierte Kanne mit Bandhenkelöse geborgen. Auf der Schulter in Ritztechnik umlaufendes, etwa 1,5 Zentimeter breites Band aus gegenständlich angeordneten Dreiecken zwischen parallelen Einfassungslinien. Die Tonfarbe ist rotbraun, die Oberfläche gut geglättet. Die Höhe beträgt 12 Zentimeter, der Durchmesser des Randes 7 Zentimeter.

 

Der Weg stößt dann auf  die Reinhardslache, die bis zur Querspange reicht. An geht nach Nordwesten an ihr entlang. Die Reinhardslache ist ein Rest des früheren Flußsystems im Bereich von Main und Kinzig und müßte wieder von der Braubach her bewässert werden. Ursprünglich war das ganze nördliche Mainufer bis zur ersten Flußterrasse sehr wasserreich und sogar sumpfig. Bei Hochwasser (Rückstau der Braubach) kann man noch sehen, welche Bereiche früher mehr oder weniger ständig überflutet waren. Erst durch Vertiefung und Begradigung der Bäche wurden die Wiesen trockengelegt.

Die Reinhardslache ist ein 30 Meter breiter und 350 Meter langer Erlenbruch, in der Mitte mit einem Naßbiotop. Der Wasserstand der Lache unterliegt starken Schwankungen („Lache“).

Erlenbrüche stellen das Endstadium einer langen Vegetationsentwicklung dar bei der Verlandung von Gewässern. Typisch ist das ganzjährig von der Bodenoberfläche stehende Wasser. Erlenbrüche sind als prägendes Landschaftselement ein wichtiges Feuchtbiotop  für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Sie stehen auf Böden, die gut mit Nährstoffen versorgt sind. Die auf ihnen wachsenden Schwarzerlen vertragen auch langanhaltende Überschwemmungen.

Eine Kartierung der Lache zeigt eine reiche Pflanzenwelt. Die wichtigsten sind: Sumpf- Mädesüß, Blut-Weiderich, Sumpflabkraut, Sumpf-Weidenröschen, Sumpf-Storchschna­bel, Sumpf-Vergißmeinnicht, Bach-Ehrenpreis, Pfennigkraut, Land-Wasser-Knöterich, Zaunwinde, Wolfstrapp, Sumpfziest, Bittersüßer Nachtschatten, Froschlöffel, Akelei­blättrige Wiesenraute ( Rote-Liste-Art), Rohrglanzgras, Schlanke Segge, Waldsimse, Flatterbinse, Sumpf-Segge, Blasen-Segge, Kleine Wasserlinse, Echte Nelkenwurz, Gift-Hahnenfuß, Schaf-Champion, Pfaffenhütchen, Schwarzer Holunder, Schwarzerle, Silberweide, Ohrweide, Roter Hartriegel, Hainbuche, Weißdorn, Brombeere und Kleines Springkraut.

Wegen der enormen Vielfalt der Pflanzenarten muß die Reinhardslache unbedingt geschützt werden: Vor allem an der Nordseite, wo sie an landwirtschaftliche genutzte Flächen grenzt, ist eine Pufferzone von mindestens zwanzig Metern notwendig, um die Lache fernzuhalten von schädlichen Einflüssen.

Dazu eignet sich gut ein Teil der Ackerbrache nördlich der Lache, die im Frühjahr oft unter Wasser steht. Darauf wächst eine typische Zwergbinsengesellschaft mit Feuchtezeigern. Diese Gesellschaft ist in Deutschland inzwischen sehr rar geworden. Auf Hackfruchtäckern, besonders auf Maisflächen, lebt auf nährstoffarmen, sandigen Böden und Brachäckern die Fadenkissengesellschaft. Da die Brache in unmittelbarer Nähe des Erlenbruchs liegt, gesellt sich dazu noch eine Zwergbinsengesellschaft, die typisch ist für periodisch unter Wasser stehenden Sand, die vor allem in Sommer gut entwickelt ist, wenn genügend Regen fällt. Die wichtigsten Wildackerkräuter, die sich hier finden, sind Sumpf-Ruhrkraut, Kleines Flohkraut, Mutterkraut,  Vogelknöterich, Hühnerhirse, Grüne Borstenhirse, Niedrige Gerstenhirse, Acker-Ziest, Schwarzer Nachtschatten, Grünlicher Amaranth, Floh-Knöterich, Hirtentäschelkraut und Acker-Stiefmütterchen (nach Loeki Häger-Hogerland).

Nach Nordwesten trifft man auf den Weg östlich der Braubach. Etwas nördlich und westlich des Weges ist noch ein kleinerer Teich, der aber auf einem Privatgrundstück nicht zugänglich ist. Leider gibt es in diesem Bereich keinen Übergang über die Braubach (der Weg zu einem Holzsteg ist völlig zugewachsen). So geht man auf dem Weg östlich der Brauch wieder nach Südosten und Süden. Man kommt an der anderen Seite des Fischteichs Fischer vorbei

 

Die Braubach ist das größte Fließgewässer in diesem Gebiet ist. Sie  fließt heute durch den Höllsee und mündet dann in den Main. In vorgeschichtlicher Zeit floß sie jedoch bis Frankfurt und mündete erst dort („Braubachstraße“). Sie hat nur  e i n e n  richtigen Quellbereich, nämlich den oberhalb von Wachenbuchen herkommenden Bach, der früher „Braubach“ hieß und im unteren Bereich „Seulbach“ heißt. Die Verbindung zum See im Park von Wilhelmsbad wurde im Zuge des Ausbaus von Wilhelmsbad erst künstlich gegraben. Der Wilhelmsbader See wiederum erhält sein Wasser aus der Krebsbach. Man sagt übrigens „die“ Braubach, weil in der germanischen Sprache die Flüsse und Bäche weibliche Endungen hatten.

Das ganze Ufergebiet der Braubach, die Reinhardslache und die Feuchtwiesen dazwischen mit dem Verbindungsgraben bilden beim Frühjahrshochwasser eine große Wasserfläche. Ein großer Teil der Grünen Mitte ist Sammelgebiet für Hochwasser (Retentionsgebiet).

Fließgewässer sind von Natur aus netzartig verbreitet und bieten sich gut an für ein Biotopverbundsystem. Sie sind auch Saumbiotope, die durch einen besonderen Struktur- und Artenreichtum ausgezeichnet sein könnten, wenn der Bach naturnah gestaltet ist. Am Braubachufer finden sich Schwarzerle, Gemeiner Schneeball, Hartriegel, Silberweide, Salweide, Schwarzer Holunder, Stiel-Eiche, Hundsrose, Weißdorn, Schlehe, Große Brennessel, Blut-Weiderich, Sumpf-Vergißmeinnicht, Frauenflachs, Fluß-Ampfer, Sumpf-Weidenröschen, Mädesüß und Herbstzeitlose      .          

Wenn die Braubach im Frühjahr über ihre Ufer tritt, wird auch die Aue im südlichen Teil der „Grünen Mitte“ überflutet. Die mitgeführten Sedimente und Nährstoffe setzen sich ab und bringen Lebenskraft und Fruchtbarkeit in die Aue. Für die Pflanzen‑ und Tierwelt haben Auen eine besondere Bedeutung. Sie sind die Kinderstube für Insekten, Amphibien, Fische und viele Vogelarten. Über 90 Prozent der ehemaligen Bach‑ und Flußauen in Deutschland sind verschwunden. Damals fehlte das Wissen um die kompli­zierten ökologischen Zusammenhänge zwi­schen Wasser, Pflanzen und Tieren.

Im Bereich der Braubachaue kann man ein atemberaubendes Schau­spiel von unglaublicher Schönheit beob­achten. Eine große Anzahl von über sieben Zentimeter großen Blauflügel‑Prachtlibel­len, gleich schwarzblau schimmernden Edelsteinen, fliegt umher. In Europa gibt es hiervon vier Arten, in Deutschland zwei und eine davon in Main­tals „Grüner Mitte“. Die Männchen haben ihr Revier am Bach­ufer und verteidigen es energisch gegen Ri­valen. Das Weibchen legt mit einem Lege­bohrer seine Eier an Wasserpflanzen ab. Dazu muß es manchmal tief ins Wasser tauchen. Die Prachtlibelle braucht kleine Fließge­wässer mit schattigen Stellen. Auffallend ist, daß sie meist im hohen, schattigen Gras unter den Streuobstbäumen herum­fliegt. Ein wohl sehr glücklicher Zufall. Der Maintaler Förster Koch hat angeregt, diesen Bereich der Braubach zu renaturieren, in dem der  Bach wieder mäandrieren darf (nach Loeki Häger-Hogerland).  

 

Hier gibt es feuchte, nasse und wechselfeuchte Wiesen und Gräben mit Schilfgürteln. Dieser Feuchtgebietstyp zeichnet sich dadurch aus, daß der Boden durch Überschwemmungen oder zeitweilig hohem Grundwasserstand besonders in Mulden und Senken feucht bis naß ist. Solche Wiesen gibt es im Auenbereich von Bächen, und sie werden einmal im Herbst gemäht. Feuchtigkeitsliebende Pflanzen gedeihen hier gut.

Typische Pflanzenarten der fetteren Wiesen in diesem Gebiet sind zum Beispiel Wiesenschaum­kraut, Kriechende Günsel, Scharfer Hahnenfuß, Waldengelwurz und Herbstzeitlose.

An den Gräben gibt es eine typische Vegetation für Naßwiesen: Mädesüß, Sumpfziest, Beinwell, Wasserdost, Sumpfschachtelhalm, Blut-Weiderich, Sumpf-Vergißmeinnicht, Großer Weisenknopf, Sumpfdotterblume, Kohldistel, Zaunwinde, Wasserminze, Pfennigkraut und Sumpflabkraut.

An den Pflanzenarten kann man die Art der Wiese erkennen. Überschwemmungsanzeiger sind zum Beispiel: Wasserminze und Sumpflabkraut. Zeiger für wechselfeuchte Wiesen sind: Sumpfziest und Blutweiderich. In Feuchtwiesen leben Tausende von Tierarten, von denen die meisten zu den kleinen Insekten gehören: Milben, Spinnen, Tausendfüßler, Zikaden, Schlupfwespen, Blattkäfer, Bienen, Hummeln, Libellen, Heuschrecken, Schmetterlinge.

Feuchtwiesen sind hochgradig gefährdet durch Trockenlegung. Die einzige Möglichkeit, Feuchtwiesen in ihrem ursprünglichen Zustand zu bewahren, ist die Beibehaltung der bislang üblichen Nutzung. Jegliche Änderung zerstört den typischen Charakter dieser für den Naturschutz wertvollen Lebensräume (nach Loeki Häger-Hogerland).

 

Die Braubach führt nach Süden zum Höllsee, an dem man nur nördlich vorbeigehen kann. Nach der Volksmeinung soll der Name daher kommen, daß der steinige Boden bei Sonneneinstrahlung viel Wärme entwickelte („wie in der Hölle“) und die Frucht oft verbrannte. Sprachwissenschaftler aber sagen, der Name „Hölle“ käme von  „Halde“ (d.h. Abhang).

Süd- und Westseite sind dicht bewaldet mit zum Teil nicht standortgemäßen Gehölzen (Hainbuchen bis ans Ufer).  Der See strahlt Ruhe aus und wird gerne besucht. Leider fehlen eine geschwungene Uferlinie mit der Möglichkeit von Nischen für Laich und Brut sowie Verlandungs- und Flachwasserzonen. Er ist aber ein wichtiges Vogelschutzgewässer für Reiher, Rallenhuhn, Entenarten, Schwärmer, Haubentaucher, Mauersegler und Eisvogel (der wahrscheinlich am Fischteich Fischer seine Höhle hat). An der Ostseite sind Erle, Weide und Sauergräser zu finden.

Als der Main­taler Umweltpreisträger Kurt Göritz im östlichen Teil des Main‑Kinzig‑Krei­ses ei­nen Film über Eisvögel drehte, konnte nie­mand vermuten, daß Maintal heute auf dem Weg zur „Stadt der Eisvögel“ ist. Am Höllsee gibt es bereits acht Eisvögel. Abgeschottet finden die scheuen Tiere dort optimale Bedingungen vor: Steilwände, kleine Fische und tiefes, sauberes Wasser. Die blau und orange gefärbten Vögel sitzen stundenlang bewegungslos auf einem Ast, um dann plötzlich im Wasser nach Beute zu tauchen. Nist‑ und Fischfangplätze wer­den energisch verteidigt.

Eisvögel sind überall in Deutschland ge­fährdet, die Brutbestände gering. Die Tiere stehen auf der sogenannten „Verwarnlis­te“, sie gehören somit zu jenen Arten, von denen zu befürchten steht, daß sie in eini­gen Jahren im Bestand gefährdet sein werden, weil sie an immer seltener werdende Lebensraumtypen gebunden sind.

 

Die Straße Richtung Bischofsheim geht nach dem Höllsee in Richtung Nordwesten weiter. Nach Nordosten geht dann die Straße „Am Linnen“. Hier kommt man an einem weiteren See vorbei. Unmittelbar hinter ihm geht es links ab und am anderen Ende des Zauns halblinks in Richtung auf die Anlage des Hundesportvereins.

Das Gelände ist hier deutlich höher als auf den südlicher gelegenen Feuchtwiesen. Hier entwickelten sich Halbtrocken­rasen und Binnendünen, die vor Jahrhun­derten durch die damalige Bewirt­schaftung entstanden, nicht nur durch spä­te Mahd und Entbuschung, sondern auch durch extensive Schafbeweidung. Harte, stachelige oder scharf schmecken­de Kräuter werden von den wolligen Zeit­genossen nicht gefressen.

So haben unter anderem die seltenen Pflanzen Esparsette, Grasnelke, Hauhechel, Minze, Orchideen, Thymian, Salbei und Silbergras die Mög­lichkeit, sich auszubreiten. Gleichzeitig gedeiht die Insektenwelt, denn dort, wo die genannten Gewächse sprießen, fühlen sich Blattkäfer, Schmetterlinge und Zikaden wohl.

Gerade die „Grüne Mitte“ biete den Scha­fen ausreichend Futter. Hier finden sich neben den Biotopen auch zahlreiche für die Beweidung geeignete Grünlandflächen, Äcker und Brachen. Durch den Wegfall dieser Flächen wäre zu befürchten, daß Maintal für den Schäfer ein wirtschaftlich unat­traktives Gebiet würde, so daß auch Flä­chen außerhalb der „Grünen Mitte“ nicht mehr beweidet würden und somit ihren biologischen und landwirtschaftlichen Reiz verlören. Als Folge verschwänden viele seltene Tiere und Pflanzen wieder (nach Loeki Häger-Hogerland).

 

Man kommt zur Brücke über die Eisenbahn. Die Eisenbahn zwischen Hanau und Frankfurt, die erste in Hessen, wird am 30. August 1843 genehmigt. Die reichen Bauern in Hochstadt behinderten lange Zeit den Fortschritt, auch den Bau der Eisenbahn. Für den Bau der Bahn stellt nur die Gemeinde Dörnigheim Gelände zur Verfügung. Am 27. Oktober 1845 wurden die Bauarbeiten feierlich eröffnet. An der ersten inoffiziellen Fahrt am 9. September 1848 nehmen Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung teil, darunter der Anführer der Hanauer Turner August Schärttner. Am 10. September 1848 verkehrt der erste Zug auf der Strecke. Im Jahre 1856 wird die Strecke bis nach Aschaffenburg weitergeführt. Der Haltepunkt Bischofsheim-Rumpenheim wird erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Am 1. Juni 1958 wird die elektrifizierte Strecke in Betrieb genommen. Entlang der Eisenbahn stehen noch mehrere alte Bahnwärterhäuschen, so auch an diesem Übergang.

 

Südlich der Brücke liegt links das Gelände des Hundevereins. Auf überwachsenen Deponien entstand eine trockene Magerwiese mit verschiedenen Pflanzengesellschaften, darunter ruderale Staudenfluren der Schuttplätze, Trümmerplätze, Böschungen und Bahndämme. An den trockensten Stellen auf Kies- und Schotterböden stehen Pflanzen der farbenfrohen Eselsdistelfluren mit Natterkopf, Echter Steinklee, Nachtkerze, Wilde Möhre, Aufrechtes Fingerkraut, Hopfenklee, Königskerze und Graukresse.        

Auf den wärmsten Flächen (die Temperatur kann am Boden im Sommer über 55 Grad Celsius erreichen) gedeiht noch die Schwarznessel  und am Zaun des Hundevereins der Gute Heinrich. Die Anzeigerpflanze Eisenkraut fehlt auch hier nicht. Der Magerrasen mit der ausdauernden Ruderalflur ist erhaltenswert.

 

Westlich des  verlängerten Dörnigheimer Wegs geht es am ersten (geteerten) Weg nach Westen in den sogenannten „Flughafenwald“, der südlich dieses Weges liegt. Der Wald wurde zum Ausgleich für den Flächenverbrauch am Frankfurter Flughafen (Startbahn West) angepflanzt. Betreut wird er heute von der Ortsgruppe Maintal des Naturschutzbundes.  Auf der Südseite geht die Wiese in einen Waldstreifen über. Hier geht man aber noch nicht nach Süden, sondern erst an einer Wiese vorbei und dann am eigentlichen Waldrand nach Süden. Am nächsten Weg – wo man schon die Gartenzäune sieht -  geht es aber nach Osten. Im zweiten Garten südlich liegt etwas versteckt ein kleiner Privatsee  mit sehr steilen Ufern. Das Ufer ist, wo das möglich ist, bepflanzt mit Salweide und neun perfekt geschnittenen Kopfweiden, die für die Vogelwelt wertvoll sind.

Hinter dem Privatsee geht man nach Süden und dann nach Osten zum Höllsee und wieder zurück zum  Parkplatz (Länge der Wanderung etwa 3,5 Kilometer)

 

IV.  „Grüne Mitte Mainufer

[Diesen Weg wird man wegen der Länge und weil er naturgemäß kein Rundgang ist vorzugsweise mit dem Fahrrad zurücklegen]

 

Campingplatz „Mainkur“:

Das Gelände ist der westlichste Zipfel des Main-Kinzig-Kreises. Vielen ist unbekannt, dass der idyllisch am Mainufer gelegene Campingplatz Mainkur noch zu Dörnigheim gehört. Das Areal mit altem Baumbestand ist gut gepflegt und verbindet das Erlebnis von Natur und Flusslandschaft mit einer guten Anbindung an die Großstadt Frankfurt mit ihren vielfältigen Freizeitangeboten. Im Mai 2009 wurde nun das 50-jährige Bestehen gefeiert.

Zu der Übergabe einer Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau fanden sich die Besitzer Norbert und Gisela Stroh, Dr. Andreas Freundt von der IHK, Bürgermeister Erhard Rohrbach, Anke Gemein von der Maintaler Wirtschaftsförderung und die Tochter des Ehepaares Stroh, Heike Borgstedt, mit ihrem Mann Frank Borgstedt ein.

Nach der feierlichen Übergabe wurden die Gäste über das Gelände geführt. Im Besonderen die sauberen und ge­pflegten sanitären Anlagen, die Koch- und Spülgelegenheiten, Dusch- und Waschräume konn­ten die Gäste überzeugen und belegten die Auszeichnung des Campingplatzes durch den Deutschen Tourismusverband mit vier Sternen. Nach dem Rundgang wurde zu einem kleinen Sektempfang geladen. Hier ergab sich die Gelegenheit, über die Vergangenheit und Gegenwart des Campingplatzes noch ein wenig mehr zu erfahren.

Die Geschichte des Campingplatzes ist eigentlich noch ein wenig älter, denn das Gelände wurde schon ab 1932 vom Schwimmverein „Wasserfreunde Fechenheim“ als Sommer- und Trainingsgelände genutzt. Im Jahre 1946 übernahm die Familie Stroh das Areal und baute es zu einem Flussbad und Freizeitgelände aus. Da durch die zunehmende Wasserverschmutzung des Mains der Badebetrieb nicht mehr möglich war, wurde 1954 mit dem Ausbau zum Zeltplatz „Mainkur“ - benannt nach der damals noch vorhandenen Schleuse - begonnen. Im Jahre 1959 fand das Flussbad sein endgültiges Ende.

Nach dem Tod von Fritz Stroh wurde 1985 der Campingplatz von dessen Sohn Norbert Stroh und Familie übernommen. Seit dem Jahr 2000 bringt nun die dritte Generation, Heike und Frank Borgstedt, ihre Ideen in den Betrieb ein.

Der Campingplatz verfügt über 40 Touristen- und 44 Dauerstellplätze. In der Anlage gibt es einen Kinderspielplatz, einen Kiosk mit Lebensmittelverkauf und am Ufer eine Slipanlage und Abstellplätze für Boote. Der Campingplatz ,.Mainkur“ ist Mitglied des Vereins „Ecocamping“, ein Verein zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz, Sicherheit und Qualität in der Campingwirtschaft. Er möchte seinen Gästen umweltfreundlichen Tourismus bieten.

Auskünfte sind unter Telefon (069) 41 21 93, der Faxnummer (0 61 09) 653 64 und der E-Mail-Adresse „campingplatz-mainkur@9 t-online.de“ zu erhalten. Informationen. auch zur Anreise, gibt es ebenfalls im Internet. „www.campingplatz:mainkur.de“

 

 

Campingplatz an der Mainkur erhält die Auszeichnung „Ecocamping“ für vorbildliches Umwelt- und Qualitätsmanagement                                                                       05.11.09

Der Campingplatz an der Mainkur setzt hohe Maßstäbe in puncto Umweltbewusstsein. Für ihr vorbildliche Engagement für einen nachhaltigen Tourismus im Campingbereich konnten Gisela Stroh und ihre Tochter Heike Borgstedt als Betreiber des familiengeführten Stellplatzes vergangene Woche im Nationalparkzentrum Kellerwald die Auszeichnung „Ecocamping Hessen“ entgegennehmen. In Verbindung mit den vier Sternen, die der Deutsche Tourismusverband in diesem Jahr erneut für eine erstklassige Gesamtausstattung vergeben hat, besitzt der Campingplatz nun ein weiteres Qualitätszertifikat.

Dämmerungsschalter, verbrauchsarme Duschköpfe, Sensortechnik bei den Wasserhähnen oder die Warmwasserversorgung durch eine Solaranlage sind nur einige Beispiele, die das Umwelt- und Qualitätsmanagement des Campingplatzes dokumentieren. Während sechs ganztägiger Workshops, die im Rahmen des Projektes „Ecocamping Hessen“ stattfanden, sammelte Heike Borgstedt weitere Anregungen für eine umweltverträgliche und naturnahe Gestaltung des Platzes, die sukzessive realisiert werden sollen. „Priorität hat der Bau einer kleinen Kläranlage“, erläutert Heike Borgstedt. Weil der Campingplatz an der Mainkur nicht an das Kanalsystem angeschlossen ist, geschieht die Abwasserentsorgung derzeit kostenaufwändig über eine geschlossene Grube. Kleinere Projekte wie Hinweistafeln, die über Flora und Fauna auf dem Campingplatz informieren, oder auch Nisthilfen, sollen zeitnah umgesetzt werden. Dafür ist jetzt die beste Zeit, denn von November bis einschließlich März ist der Campingplatz geschlossen. Mit Beginn der neuen Saison können Gäste den Stellplatz mittels eines Fragebogens außerdem bewerten.

 

Mit der Teilnahme an dem Projekt „Ecocamping Hessen“ können Betriebe zeigen, dass Ökologie und Ökonomie durchaus Hand in Hand gehen können. Das Projekt wird vom hessischen Wirtschaftsministerium mit Fördermitteln in Höhe von 75.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt. Die geplanten Maßnahmen auf den Campingplätzen werden künftig alle drei Jahre überprüft, um eine langfristige Qualitätssicherung zu gewährleisten.

Der 1,7 Hektar große Campingplatz an der Mainkur besteht seit mittlerweile 75 Jahren und war zunächst Flussbadeanstalt, ehe die ersten Camper den direkt am Main vor den Toren Frankfurts gelegenen Platz für sich entdeckten. Vor allem in den 60er und 70er Jahren florierte der Platz, berichtet Gisela Stroh. Doch auch das Jahr 2009 bescherte den Betreibern eine unvergleichbare Saison - trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise. „So eine phantastische Saison hatten wir noch nie. Während des Turnfestes waren wir acht Tage lang komplett ausgebucht“, bilanziert Heike Borgstedt zufrieden. Publikumsträchtige Veranstaltungen wie der Ironman oder Messe-Veranstaltungen bescherten zusätzlich Gäste. Insgesamt 15 hessische Campingplätze erhielten die Auszeichnung „Ecocamping".

 

 

 

 

Der Jachthafen am westlichen Ende der Dörnigheimer Gemarkung ist Rest der früheren Schleuse. Die Schleuse wurde abgebaut, weil man durch neue Schleusen den Main höher stauen konnte. Die Schleusenhäuser waren Wohnungen für die Angestellten der früheren Schleuse. Im Gebiet der heutigen „Schleusenhäuser“ südlich von Bischofsheim soll das um 1285 belegte und ausgegangene Vorderhausen gelegen haben und dessen Ländereien Dörnig­heim zugeschlagen wurden. Gerade an Flußläufen und in Niederungen gelegene Siedlungen wurden durch Überschwemmungen hinweggespült oder gerodete Sandböden erschöpften sich sehr schnell.

 

Am Mainufer entlang kommt man zu den Tennisplätzen und der Fähre (Rumpenheim).

Die Fähre wird, schon im Jahre 770 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt. Bei den nachfolgenden Besitzwechseln des Kammergutes Rumpenheim wurde stets gefordert, daß sie unbedingt dazu gehört.  Sie  gleitet noch heute hinüber und herüber, lautlos, um Autos, Fahrräder, Camper, Schüler, Angler, Sportler und Ausflügler überzusetzen. Die Fähre, der Landgrafen „fliegende Brücke“, war immer wichtig für das Schloß, die ohne Gasthaus nicht denkbar ist. Das „Schiffchen“ steht hier seit dem 18. Jahrhundert, äußerlich sich treu geblieben, innen neuerdings fein geschniegelt. Rumpenheim war nach der Landseite hin von einem wehrhaften Mauerzug umgeben, durch den zwei Tore führten. Von der Ummauerung bestehen noch wenige Überreste

Rumpenheimer Fähre darf wieder bis 2,60 Meter fahren                                        19.12.2008

Udo Dill vom Familienbetrieb der Rumpenheimer Fähre atmet auf Kürzlich waren die Gutachter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Aschaffenburg vor Ort und haben die Neuerungen an seiner Fähre begutachtet. Alles ist in Ordnung, ab sofort darf er wieder bis 2,60 Meter Wasserhöhe übersetzen - zuvor waren nur 2,10 Meter erlaubt.

 

Wir haben die Seile und die Befestigung der Oberstrommastanlage verstärkt“, erklärt Dill. Zudem sei das Gierseil, das die Fähre mit dem Hochseil verbinde, von zwölf auf 16 Millimeter verstärkt worden. Udo Dill ist glücklich über diese Freigabe, bis 2,60 Meter Wasserhöhe fahren zu dürfen. Aufgrund der vorherigen Einschränkung auf 2,10 Meter musste er im Januar und Februar jeweils eine Woche den Fährbetrieb aussetzen, im März und April waren es insgesamt sogar acht Wochen. „Das war für uns absolut existenzbedrohend“, erklärt Dill.

Die Investition, um die Fähre für eine Wasserhöhe von 2,60 Meter zuzulassen, beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Dennoch ist Dill überzeugt, dass sich diese Investition gelohnt habe. Die nächste Prüfung steht erst wieder in sechs Jahren an. Die Stammkunden wird die Nachricht freuen, sie können wieder wie üblich einmal hin und einmal zurückfahren, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Die Preise sind gleich geblieben, für eine 20er Karte werden 12,50 Euro für ein Auto fällig, Fahrradfahrer zahlen 5,50 Euro, Fußgänger 4,50 Euro. Eine anderen Möglichkeit sind Monats- (25 Euro) oder Wochenkarten (sechs Euro) für Autofahrer, die jedoch nur selten genutzt würden, wie Dill aus Erfahrung weiß.

Wer die Rumpenheimer Fähre seltener benutzt, für den rentiert sich eher ein Einzelticket, das für ein Euro (Auto), 40 Cent (Rad) oder 30 Cent (Fußgänger) zu haben ist. Bei anderen Wünschen ist der Familienbetrieb gerne bereit, mit sich reden zu lassen - einfach nachfragen.

Und nicht vergessen: Die Karten für die Fähre haben andere Konditionen als beispielsweise Monatskarten für Busse und Bahnen. Einmal hin und zurück sind auf der Rumpenheimer Fähre erlaubt, wer mehr will, sollte sich besser gleich für eine 20er Karte entscheiden.

 

 

 

Ins Auge fällt das im Zweiten Weltkrieg ausgebombte Schloß Rumpenheim, das in vielen Jahrzehnten erst wieder hergerichtet werden konnte. Hier stand seit 1674 zunächst ein Landhaus des Hanauer Kammerpräsi­denten Georg Seiffert von Edelsheim. Wahrscheinlich besaß bereits dieser 1680 auf hochwassersicherem Gelände erbaute Sommersitz einen Garten, der sich auf der Ostseite an das Herrenhaus anschloß. Es war Keimzelle der späteren Residenz, die heute noch mit ihren Umfassungs­mauern im „Corps de Logis“ erhalten ist.

Bald kam der Besitz an Hanau zu­rück und fiel 1736 als Erbe an Hessen­-Kassel.

Landgraf Friedrich I. (1747-1837) wurde durch seine acht an in- und ausländische Höfe verhei­rateten Kinder zum „Großvater Europas“. Doch nach dem Übertritt des Erbprinzen Friedrich II. zum katholischen Glauben trennte sich 1755 die Landgräfin Marie (eine geborene Prin­zessin von Großbritannien und Tochter von König George II.) von diesem und nahm 1763 in Hanau ihren Wohnsitz, um dort die Regentschaft für ihren ältesten Sohn auszu­üben.

Im Jahre 1768 erwarb ihr zweiter Sohn Carl die Edelheim’schen Güter in Rumpenheim.

An das ältere Gebäude des Hofgutes wurden zwei kleine Seitenbauten angefügt. Carl stellte das Schloß seiner Mutter zur Verfü­gung. Die Landgräfin verbrachte ihre Sommer­monate ab 1769 nicht mehr in Schloß Phi­lippsruhe, sondern in den fürstlichen Ge­mäuern am südlichen Mainufer in Rum­penheim.

Entsprechend der Herkunft der Landgräfin Maria er­hielt der Rumpenheimer Sommersitz eng­lische Gartenarchitekten. Im Jahre 1780 erhielt das Schlößchen zwei seitliche dreiachsige Anbauten und auf der Rückseite die für eine kleine Holhaltung notwendigen Ökonomie- und Nebengebäude sowie eine Vergröße­rung und Verfeinerung des Parks mit ver­schiedenen Lustbauten. Der Garten wurde im anglo-chinoisen Stil umgestaltet, vielleicht auch erwei­tert und mit verschiedenen Staffagen ausgestattet.

Nach dem Tod der Landgräfin 1772 verkaufte Carl Ende 1780 Rumpenheim an seinen jüngeren Bru­der Friedrich, Begründer der nicht-regier­en­den Seitenlinie Hessen-Rum­pen­heim. Landgraf Friedrich baute das Schloß weiter aus. Er kaufte Bauernhöfe hinzu und umgab das Schloß mit einem großen Garten. Die 1756 erbaute Kirche kam dadurch in den Bereich des Schloßgartens.

 

 Friedrich ließ bereits im Januar 1781 Schloß und Gar­ten zeichnerisch aufnehmen und eine Erweiterung planen. In kurzer Zeit wur­den die beiden Seitenflügel angefügt und 1787 als Gelenk zwischen diesen und dem Mittelbau ein Pavillon eingepaßt und 1788 ein Uhrturm  aufgesetzt. Er ließ ein drittes Geschoß auf der Mainseite aufsetzen und das Mausoleum (in dem zeitweise ein Architekt wohnte) erbauen. Von 1804 bis 1805 wurden die beiden erhöhten Pavillons an der Mainfront errichtet. In Verbindung mit dem Uhrturm auf dem mittleren Hauptgebäude und der längs des Kranzgesims hinziehenden Attika verhelfen die Pavillons der im Ganzen schlichten dreigeschossigen Uferfassade zu einer gewissen architektonischen Wirkung.

Gleichzeitig vergrößerte Friedrich den Garten beträchtlich nach Osten und Süden durch sukzessive Geländekäufe, wofür die ursprünglich dort befindlichen Hofreiten sowie das Pfarr- und Schulhaus des Dorfes Rumpenheim niedergelegt und weiter westlich neu errichtet wer­den mußten.

Nach dem Tod von Friedrich 1837 übernah­men es insbesondere seine beiden Söh­ne Georg und Friedrich, Rumpenheim weiter auszugestalten und die Gärten zu verschönern. Die Anlage einer Wasser­leitung ermöglichte ab 1850 die Inbe­triebnahme von Springbrunnen. Im Jahre 1857 konnte durch den Ankauf von 4 Hektar Gelände mainaufwärts die Gartenfläche nahezu verdoppelt werden.

Das Schloß wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Treffpunkt der Fürstlichkeiten aus aller Welt. Hier promenierten Kaiser Franz Joseph von Osterreich, die Könige von Sachsen, Bayern und Hannover anläßlich des Frankfurter Fürstentages 1863. Von einem dieser Feste holten sich Griechen gleich ihren neuen König nach Athen, Friedrichs Enkel Wilhelm von Schleswig-Holstein-Glücksburg  (1863). Letzter monarchischer Besucher war Kai­ser Wilhelm II. zum Geburtstag seiner hessisch verheirateten Schwester Marga­rethe (1898).

Die land­gräfliche Familie bewohnte Rumpen­heim regelmäßig bis 1902. Preußen hatte kein Interesse an der südmainischen Exklave und trat Rumpenheim an Hessen-Darm­stadt ab. Der Ort wurde 1942 nach Offenbach eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg erhielt der Mittelteil des Schlosses im Jahre 1943 Bombentreffer und brannte aus und war seitdem eine Ruine.

Im Jahre 1965 gingen Schloß und Park von der Kurhessischen Hausstiftung in den Besitz der Stadt Offenbach über, ohne daß allerdings Klarheit über die künftige Nutzung dieser ehemals feudalen Resi­denz bestanden hätte. Die Stadt gab es an Pläneschmieder in Erbpacht, die es weiter brach liegen ließen. Obschon Schloß, Park und Kirche seit 1921 unter Denkmalschutz standen, begann sich in einem 1973 durchgeführ­ten Wettbewerb abzuzeichnen, daß an ihrer Stelle Wohnhochhäuser die künfti­ge Mainsilhouette bestimmen sollten. Nur durch die Gründung einer Bürger­initiative und deren engagierten Einsatz über Jahre ließ sich der drohende Abbruch verhindern. Seit 1985 sind die Seitenflügel des Schlosses sowie der ehemalige, parallel dazu stehende Mar­stall zu Wohnungen ausgebaut worden, wobei im Äußeren der Zustand der Zeit um 1805 wiederhergestellt ist. Im Jahre 2004 wurden die Eigentumswohnungen im Mittelbau samt Uhrturm fertig (Weiteres über den Garten und die Kirche beim Verfasser).

Wenn an weiter am Main entlang nach Osten geht, kommt man zu einer Zufahrt für Panzer, die den Main überqueren sollen (sogenannte „Nato-Rampe“). Ein Stück weiter kommt man zum Braubachknie, wo die Braubach in den Main mündet. Dieser Zugang soll jetzt aufwendig neu gestaltet werden. Geplant ist eine Herstellung eines natürlichen Mündungsbereichs zur Wiederherstellung der ökologischen Funktion des gesamten Fließgewässers. Die vorhandenen Abstürze, Verrohrungen, Schwellen, Sedimente und Ufergehölze werden in den Jahren ab 2008 zurückgebaut bzw. neu angelegt und verbessert.

 

Die Fähre führt hinüber nach Mühlheim im Kreis Offenbach. Westlich sind noch eine Schiffsanlegestelle und ein kleiner Bootshafen. Brücken über Flüsse gab es früher wenige, wichtig waren deshalb flache Bereiche (Furten), die ein Durchqueren von Menschen und Fuhrwerken zuließen. Bei Dörnigheim gab es eine solche Furt. Urkunden von 1366 zufolge unterstand die kommerzielle Beschiffung dem Mainzer Jakobskloster in Dörnigheim. Der Abt setzte den Fährmann ein. Nur kleine Weidenboote durften kostenlos übersetzen.

Im 17. Jahrhundert wurde der Fährbetrieb wegen des niedrigen Wasserstandes eingestellt. Ein Stechkahn genügte, um ans andere Ufer zu gelangen. An einer besonders flachen Stelle konnten sogar Fuhrwerke den Main passieren. Erst durch die Kanalisierung wurde der Main tiefer und die Verbindung unterbrochen. Deshalb richtete der Landkreis Offenbach 1904 eine Wagen-Gierseilfähre ein. Diese nutzt die Wasserströmung zur Querung des Flusses. Sie ist an einem im Fluss verankerten Drahtseil befestigt, das sich kurz vor der Fähre in zwei Enden aufteilt. Durch Veränderung der an Bug und Heck befestigten Seillängen wird der Winkel des Bootes zum Strom verändert. Der Druck des anströmenden Wassers schiebt die Fähre an das jeweilige Ufer. Das Drahtseil wird zur Sichtbarkeit für die anderen Schiffe mit Bojen markiert.

Von 1923 bis 2001 betrieb die Familie Schäfer über vier Generationen die Fähre, von

von 1904 bis 1946 als Gierfähre. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff durch eine größere, mit einem Elektromotor betriebene Fähre ersetzt. Seit 1971 wird der Betrieb mit einer neuen vollautomatischen Dieselfähre versehen.

 

Dann folgt das Mainufer entlang der Ortslage Dörnigheim. Hier soll noch eine Aufwertung erfolgen. Hier ist eine „Freitreppe zum Main“ vorgesehen. Gedacht ist an die Errichtung eines attraktiven Zugangs zum Main im Bereich der Mühlheimer Fähre in Form einer Anlage aus Wegen, Treppen, Podesten, Rampen und Sitzgelegenheiten (auch für Veranstaltungen).

Am östlichen Ortsrand war früher eine Badeanstalt und später eine beliebte Badestelle mit vielen Weidenbüschen. In diesem Bereich war auch früher eine Insel im Main bzw. der Main war hier so breit, daß in der Mitte bei Niedrigwasser eine Insel blieb.

 

Der Weg am Main entlang ist der alte Leinpfad (Treidelpfad). Früher  wurden die Marktschiffe und Kähne von Pferden stromaufwärts gezogen. Bis zu sechs Pferde - je nach Schiffsgröße - liefen den Main entlang auf eigens dazu angelegten Lein- oder Treidelpfaden und zogen das Schiff an Leinen. Gegen die Strömung lag die Höchstgeschwindigkeit bei drei Kilometer in der Stunde. „Leinreiter“ führten die Pferde und die Steuerleute mussten darauf achten, dass ihr Schiff nicht mit dem Ufer kollidierte. Da der Main zwischen Hanau und Frankfurt flach war, mussten selbst stromabwärts größere Schiffe über seichte Stellen gezogen werden.

Das Treideln, obwohl schon von den Römern praktiziert. erreichte seine Hochphase an diesem Mainabschnitt im 17. Jahrhundert, als befestigte Leinpfade angelegt wurden. Bis in unsere Tage waren auch die tiefen Rillen sichtbar, die das Schleppseil der Leinreiter im Laufe der Jahre in den Sandstein einer Brücke auf der Philippsruher Allee gefressen hat.

Es war eine beschwerliche Reise. Von Frankfurt nach Steinheim war das Gespann sieben Stunden unterwegs. Die Leinreiter-Rast (Am Maintor 6) in Steinheim diente als Quartier für die Nacht. Zwischen neun und zehn Stunden brauchen die Pferde, um das Schiff von Steinheim bis nach Aschaffenburg zu schleppen, je nach Witterung. In Aschaffenburg angekommen, geht es dann auf der anderen Seite des Mains wieder zurück. Für die Tiere ist das dann wie Urlaub. Denn auf dem Rückweg gibt es für sie nichts zu schleppen, außer dem Wagen, auf dem der Leinreiter nach Hause fährt.

 

Eine Vergnügungsreise war das Treideln zu keiner Jahreszeit. An trockenen, heißen Tagen plagten Durst und Stechmücken Ross und Reiter. Bei Eis und Hochwasser kämpften die Pferde, teilweise bis zum Bauch im Wasser, gegen Kälte, tückische Strudel und reißende Strömung. Oft standen die Tiere die Knochenarbeit nicht länger als ein Jahr durch, bevor sie ihr letzter Ritt zum Abdecker führte. Dementsprechend billig war das Fleisch der Tiere zur Zeit des Leinritts: Um die 20 Pfennig kostete ein Pfund Pferdefleisch im vergangenen Jahrhundert.

Doch auch für die Männer, die das Treideln besorgten, war die „Reise” von Frankfurt bis Aschaffenburg durchaus kein Zuckerschlecken. Aber die vergleichsweise gute Bezahlung entschädigte die rauhen Burschen für das harte Geschäft: Zwischen 60 und 90 Pfennig pro Kilometer betrug ihr Lohn Mitte des 19. Jahrhunderts. Den sollen sie aber meist schon auf dem Rückweg in einer der eigens für sie eingerichteten Gaststätten versoffen haben.

Wer sich für die Leinreiterei und die Schiffahrt auf dem Main in vergangenen Tagen interessiert, sollte dem Heimatmuseum in Großkrotzenburg einen Besuch abstatten. Geöffnet ist das Museum am zweiten Sonntag eines jeden Monats von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. Wer sich lieber in seinen eigenen vier Wänden schlau machen will, dem sei das Buch „Unsere Heimat am Main - Ein Fluss im Wandel der Geschichte” von Eddi Daus empfohlen. Ein Exemplar des Buches befindet sich im Besitz der Hanauer Stadtbücherei. Ebenfalls ein Experte in Sachen Leinreiterei in unseren Gefilden ist der Steinheimer Heimatforscher Anton Mahr, der zu diesem Thema bereits eine Reihe von Vorträgen gehalten und auch einige Schriften veröffentlicht hat.

 

Erst die industrielle Revolution läutete den Niedergang der Leinreiterei ein. Mit der Erfindung der Dampfmaschine brach um 1820 das Zeitalter der Kettenschifffahrt an. Ab 1886 zog sich - angetrieben durch eine Dampfmaschine - die allseits bekannte „Maakuh“ an einer Kette mainaufwärts bis Aschaffenburg. Die Kette lag auf dem Grund des Mains und  wurde jeweils vom Schleppdampfer aufge­nommen, lief über Deck und senkte sich am Ende wieder ab. Von weitem glichen eine „Maakuh” einer Fähre mit Schornstein: Die Schiffe waren etwa 50 Meter lang, sieben Meter breit und hatten einen Tiefgang von einem halben Meter. Bis zu 30 Schiffe zog eine „Maakuh“ aus eigener Kraft hinter sich her. Anstelle des Peitschenknalls der Leinreiter war nun immer häufiger das Heulen der „Maakühe” zu hören, wie die Kettenschiffe im Volks­mund genannt wurden. Mittels einer Sirene, die sich anhörte wie das Heulen einer Kuh, warnten die Kapitäne der „Maakühe” entgegenkommende Schiffe - daher rührt dann der Spitzname.

Der Siegeszug der Eisenbahn bedeutete dann das endgültige Aus für die Leinreiterei. Schon seit 1848, mit dem Bau des Wilhelmsbader Bahnhofs, war Hanau über die Schiene mit Frankfurt verbunden. Als dann 30 Jahre später der Hanauer Bahnhof mit seinen sechs Strecken hinzu kam und der Frachtverkehr immer mehr auf die Schiene verlegt wurde, mussten die Leinreiter ihre Pferde für immer ausspannen.

 

Auf dem Leinpfad kommt man an die Schleuse. Vor der Schleuse hingen früher Flechtkörbe, die als Signalkörbe zur Rege­lung der Schiffahrt Verwendung fanden.  Im  Jahre 1883 begann der Ausbau des Mains, der die Anbindung an die Rheinschiffahrt sichern sollte. Heute sorgen von Mainz bis Miltenberg elf Anlagen, teils mit Sportbootschleusen und Fischtreppen nachgerüstet, für freie Fahrt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Mühlheim  eine Staustufe und ein im Main stehendes Kraftwerk gebaut, wegen sei­ner markanten Architektur „Kirche im Main“ genannt. Beim weiteren Mainausbau nach 1965 wurde die Staustufe Mühlheim erneuert. Die neue Schleusenanlage (Länge 300 Meter, Breit 12 Meter, Fallhöhe 3,77 Meter) wurde 1980 in Betrieb genommen und später mit einem Wehr und einer Bootsschleuse ergänzt. Das alte rechtsmainische Wasserwerk wurde 1989 abgerissen und durch eine moderne Anlage mit Turbinen und einer Leistung von 4.800 Kilowatt ersetzt. An der Schleuse  soll einmal ein altes Verzahnungsgetriebe des ehemaligen Flußkraftwerks aufgestellt werden, mit einer Informationstafel und umgeben von einer attraktiven Rast- und Aufenthaltsfläche.

 

Am Ende des Abgangs von der Schleuse in Richtung Kesselstadt steht der „Hutebaum“. Die 300 bis 450 Jahre alte Flatterulme diente dem wei­denden Vieh als Schat­tenspender, allerdings war sie auch als weithin sichtbarer Einzelbaum Sammel­platz fürs Militär, was ihr außerdem den Namen „Läusbaum“ eintrug.

Wenn man dann auf dem Mainuferweg wieder zurück geht und nach Norden abbiegt sieht man rechts den Wasserturm. Er dient seit 1890 der Wasserversorgung. Im Jahre 2006 wird er saniert.  Er soll irgendwann in den siebziger Jahren einmal eine bedeutende Rolle in einem Kriminalfilm gespielt hat. Selbstverständlich spielte das runde Bauwerk sozusagen die Hauptrolle in dieser Tatort-Folge. Immerhin steht das Gebäude ja auf Dörnigheimer Gebiet und ist quasi nur an die Nachbarn in der Brüder-Grimm-Stadt ausgeliehen.

Nördlich der Kreisstraße ist das Flurstück  „Auf der Burg“, nach dem auch eine Straße benannt ist. Hier ist wohl eine frühere Siedlungsstelle, wo eine Ansiedlung gewesen sein könnte, vielleicht sogar der erste Standort Dörnigheims. Hier könnte das 893 ausge­gangene „Wicramshusen“ gelegen haben. Es könnte auf dem in Landkarten dargestellten Hügel, unweit des Kesselstädter Römerkastells, gestanden haben. Es ist bekannt, daß nach dem Fall des Limes viele Römer in den zu­vor besetzten Gebieten in friedlicher Ko­existenz mit der einheimischen Bevölke­rung lebten. Der Name „Wicramshusen“ entstammt allerdings einer späteren Periode. Ortsnamen mit dem Grundwort „‑hausen“ entstanden zur Zeit der Völkerwanderung (375 bis 6. Jahrhundert). Zur näheren Bestimmung wurde dem Grundwort zum Beispiel ein Personenname beigefügt. In unserem Fall würde das bedeuten, daß hier ein Mann namens „Wicram“ wohnte (Länge des Spazierwegs etwa 4,5 Kilometer). Nach Norden schließt sich der nun folgende Spaziergang östlich von Dörnigheim an (Länge des Spaziergangs etwa 6,5 Kilometer).

 

 

 

 

 

 

 

Dörnigheim

Von der Straße Eichenheege geht nach Osten die Daimlerstraße ab. Man geht in den Wald und biegt rechts ab auf einen breiten Weg. Von diesem geht nach rechts ein schmaler Weg ab. An ihm  liegt links  eine hohe Flugsanddüne. Er führt zunächst zu einer kleinen Lache auf der rechten Seite und dann zu dem neuen Mobilfunkmast, der ziemlich nahe an den Wohngebieten liegt.

Von dort geht es links herum nach Süden weiter und östlich an der Nurlache vorbei. Hier befinden sich ein Kleingartengebiet und ein Vogelschutzgebiet. Die Nurlache ist wahrscheinlich der Rest eines alten Mainarms. In der ersten Urkunde über Dörnigheim von 793 wird die „surdafalacha“ genannt: Dörnigheim liege am Main zwischen Braubach und „surdafa­lacha“. Da die Braubach westlich von Dörnigheim in den Main mündet, müßte die „surdafa­lacha“ östlich des Ortes in den Main münden. Dann könnte es sich um die Fallbach handeln, die damals dort gemündet wäre. Jedenfalls kommt der Name „Fallbach“ im Bereich Hochstadt vor und wird dort vielleicht mit der Braubach gleichgesetzt. Man muß jedoch damit rechnen, daß das Bachsystem in früheren Zeiten anders war als heute und vor allem durch die Anlage der Burg in Hanau und später des Teiches in Wilhelmsbad mancher Lauf verändert wurde. Siedlungsraum war jedenfalls nur zu finden an einer erhöhten Stelle am Mainufer und nicht im Überschwemmungsgebiet an der Nurlache.

Aber hier wurden auch Siedlungsfunde  aus der Hallstatt-Latène-Zeit gefunden

Im Jahre 1966 hat Klaus Ulrich aus Kanalaushub verschiedene Scherben geborgen:

Zwei Randstücke einer dickwandigen Schale und eines vermutlich doppelkonischen Gefäßes mit gerundetem Rand sowie zwei Scherben vom Hals eines dickwandigen Gefäßes mit Fingertupfenreihe.

Vor den Hochhäuser geht es links weiter und am Ende der Wohnbebauung nach rechts. Man muß nicht wieder bis zur Bebauung gehen, sondern kann nach links abbiegen bis zu einem geteerten Weg. Dort geht es an der Integrativen Kindertagesstätte nach rechts weiter. Links liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Lache ein Bolzplatz. Am Südostrand dieses Platzes steht ein alter Hutebaum. Er  wird auch „Huntsbaum“ genannt, an dem die Jagdhunde gelagert haben sollen, aber das könnte  auch eine falsche Lesung von „Hutebaum“ sein.

 

Nach links geht es dann an den Sportplätzen „Dicke Buche“ vorbei. Am Ende des Zauns kann man schon einen schmalen Weg gehen. Aber bequemer ist es, noch ein Stück in den Wald hinein zu gehen und dann nach rechts in die Verlängerung des  Eschenwegs, von der man an der nächsten Kreuzung nach links abbiegt. Dieser leicht geschlängelte Weg führt zu den drei Teichen an der Tannenheege, die durch Kiesabbau entstanden sind. Die Kiesgruben sind 1977/78 als Abfalldeponie verfüllt worden und wurden im Jahre 1979 als Freizeitgelände ausgestaltet.

Heute ist hier ein Naturidyll entstanden, zum Teil schon durch Bäume und Büsche zugewachsen, aber auch mit sehr schönen Ausblicken auf Schilfgürtel und  Seerosen.

Hier entstand spätestens zu Beginn oder wenigstens im Laufe des ersten Quartals des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts an der Stelle eines älteren prähistorischen Siedlungsplatzes eine römische Ansiedlung. Man fand einige Mauerzüge, einen Brunnen und mehrere Abfallgruben. Da fruchtbarer Boden als eines der typischen Merkmale römischer Landgüter fehlt, ist die Wahl dieses Siedlungsplatzes nur mit den nur rund 500 Meter entfernten Wilhelmsbader Basaltsteinbrüchen zusammenhängen.

Hier wurden 1973 beim Kiesabbau  viele römische Siedlungsfunde geborgen. Auch in den Jahren 1974-1977 wurden noch Funde gemacht:  Sie waren aus Eisen oder Ziegelstein, man fand Tongrundig-rauhwandige Ware und römische Keramik, entweder glatt oder mit Reliefs. Dazu den Stempel des Macio aus Rheinzabern.

Nur wenige Meter weiter östlich der Fundstelle gibt es größere Vorkommen toniger Lehme. Und so scheint man hier auch in vorgeschichtlicher Zeit eine umfangreiche Keramikproduktion betrieben zuhaben, wie die sehr zahlreichen intensiv verbrannten und teilweise sicherlich als Fehlbrände zu bezeichnenden Scherben prähistorischer Gefäße nahelegen.

Am Beginn des 3. Jahrhunderts scheint die Siedlung ausweislich der Reliefsigillatascherbe noch bestanden zuhaben, die zugleich den jüngsten limeszeitlich datierbaren Fund bildet. Der Ort wurde dann im 4. oder 5. Jahrhundert nochmals aufgesucht oder genutzt, denn spätantike Scherben deuten darauf.

 

Man geht östlich der Seen entlang und, umrundet den nördlichen See bis etwa zur Hälfte.  Wo zwei Birken aus einem gemeinsamenStamm herauswachsen, geht es auf einem  schmalen  Weg nach rechts. Er führt auf einen breitenWeg, den man nach rechts weiter geht. Kurz vor der Bahnlinie (der Bedarfsübergang soll  geschlossen werden) geht es nach links in einen sehr schmalen Weg, der aber später breiter wird.

Nach einiger Zeit sieht man links eine hohe Flugsanddüne.

Ein Stück weiter sieht man rechts auf der Nordseite der Bahnlinie ein weiteres früheres Bahnwärterhaus. Hier biegt man nach links auf einen schmalen Weg ab. Er führt über eine  kleine Flugsanddüne bis zu einer Kreuzung, an der man rechts weiter geht.

Hier liegen zehn zum Teil sehr stattliche Hügelgräber aus der Hügelgräber-Bronzezeit. Die Gruppe beginnt rund 30 Meter westlich des Weges auf Höhe des Bahnwärterhauses und erstreckt sich 300 Meter weit entlang nach Westen, so daß der westlichste Hügel vom Waldgraben halb zerstört ist, während die übrigen 20 bis 70 Meter von ihm entfernt liegen.

Im Herbst 1928 wurde der am weitesten östlich gelegene Hügel untersucht. Gefunden wurden ein bronzenes Absatzbeils,  zwei rohe Scherben, ein Bronzearmreif und ein massiver, offener Ring.

Im Herbst 1927 wurde der kleinste, am weitesten nach Westen liegende  und der in der Nähe liegende größte Hügel der Gruppe untersucht. Am Fuße dieses Hügels (nördlich des Wegs) lag ein Findling, der sich bis vor wenigen Jahren auf dem Gipfel des Hügels befand. Es handelt sich um einen Gedenkstein („Stele“) mit einer rätselhaften Inschrift, die bisher  nicht gedeutet werden konnte. Der Stein wurde in ein Lager des Forstbetriebs gebracht und auch nach jahrelangen Bemühungen nicht wieder aufgestellt. Ein Tor zum Forstkamp, einem Lagerplatz der Försterei, der aber nur von der entgegengesetzten Seite aus zugänglich ist, sieht man auf der anderen Seite des Weges liegen.

Es wurden aber auch noch weitere bronzezeitliche Siedlungsfunde südlich der Bahnstrecke geborgen  sowie ein Einzelfund aus der Urnengräberkultur westlich der Hügelgräbergruppe (eine Lanzenspitze).

Der Weg nähert sich zunächst wieder der Bahnlinie, führt aber nach einem Querweg wieder von der Bahn ab wieder zur Daimlerstraße (knapp sechs Kilometer, auch gut mit dem Fahrrad zu fahren).

 

 

 

 

 

Ergänzungen und Berichtigungen werden gerne entgegen genommen