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Naturschutz

 

Die Befürworter der Sportanlage täuschen die Öffentlichkeit

Von Peter Heckert, Maulbeerweg 21

 

Die ökologischen und landschaftlichen Bereiche, die unter Naturschutz stehen, werden nicht berührt (Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn). Erste Ergebnisse im Jahr 2008 haben einen ganz wichtigen Aspekt beinhaltet: Flora und Fauna werden unberührt bleiben (Udo Becker, Vorsitzender der Germania). Markus Heber: „Eine Sportanlage dort ist mit dem Erhalt der Natur durch aus vereinbar!“ Diese erhöhe den Freizeitwert des Erholungsgebietes. In Sachen „Belange des Naturschutzes“ ist die Planung schon weit gediehen und die entsprechenden Behörden eingebunden (Bürgermeister Rohrbach).

Angeblich sind auch die Naturschutzbehörden „eingebunden“. Das hört sich so an, als wären sie damit einverstanden. Aber es wäre zunächst einmal zu überprüfen, ob sie überhaupt von dem Vorhaben informiert sind (laut Regierungspräsidium ist das nicht der Fall).

Eine Bürgerbeteiligung hat zwar stattgefunden (Planungswerkstatt Grüne Mitte, Planungsgrupe Sportstättenbau). Aber hier wurden die Pläne des Bürgermeisters abgelehnt, doch die Ergebnisse nachher verfälscht. Man muß sich überlegen, ob man an solchen Veranstaltungen teilnimmt, wenn man nachher derart mißbraucht wird, als sei man gefragt worden und habe zugestimmt oder zumindest keine Einwände gehabt.

Die ganze Fläche nördlich des Schwimmbads ist Landschaftsschutzgebiet. Und ein Vogel den der Roten Liste, der zufällig auf einem bestimmten Quadratmeter angetroffen wurde, bewegt sich natürlich im ganzen Gebiet. Man kann nicht „das Landschaftsschutzgebiet völlig herauslassen“, die frei zugänglichen Flächen lassen sich nicht so abgrenzen, daß nicht auch besonders schützenswerte Flächen beschädigt werden. Deshalb ist das ganze Gebiet wäre an sich unter Naturschutz zu stellen, aber das geht nicht wegen der Nähe zu Siedlungsgebieten und den dann notwenigen Einschränkungen für den Besucherverkehr. Aber der Status als Landschaftsschutzgebiet soll demnächst überarbeitet werden und mit einer Zweckbestimmung versehen werden. Auch Landschaftsschutzgebiete mit vielen naturnahen, vielgestaltigen und artenreichen Lebensraumstrukturen dienen der Stadtbevölkerung vor allem für die stille landschaftsgebundene Erholung  (lautRegierungspräsidium Darmstadt). Durch eine Sportbetrieb und vielleicht viele Besucher würden natürlich die Tiere sofort vertrieben und die Pflanzen mit der Zeit ausgerottet. Freizeitwert hat das Gebiet nur, wenn es unberührt bleibt. Natur ist Natur, sie bedarf keiner „Aufwertung“ durch den Menschen.

 

 „Falls es sich herausstellen sollte, dass es in der ‚Grünen Mitte‘ schützenswerte Pflanzen oder Tiere gibt, wird die Planung sofort gestoppt“ (Herr Rohrbach bei der Eröffnung einer Ausstellung des Vereins „Pro Natur“).

Auf einen Wortbruch kommt es ihm wohl nicht an! Nach dem Bundesnaturschutzgesetz bzw. Bundesartenschutzverordnung sind besonders geschützt: Kohldistel-Mädesüßwiesen, alte Schilfröhrichte, Plane Knöllchen-Steinbrech, Wasserfledermaus, großer Abendsegler, Zwergfledermaus, Buntspecht, Schilfrohrsänger, Zaun­eidechse, 13Tagfalterarten (u.a. Goldene Acht, Kleines Waldvögelein, Hauhechelblaulind, Braunkolbiger und Braundickkopf) und Libellen (u.a. Große Königslibelle, Plattbauch, großer Blaupfeil, große Heidelibelle, große Prachtlibelle und gemeine Federlibelle).

Auf der Roten Liste stehen: Glatthaferwiesen, Wiesenknopf-Silagenwiese (nur hier findet der geschützte Schmetterlings Hauhechelblaulind seine Nahrung und Brutstelle, er ist eng an die Pflanze gebunden),  Feucht- und Nasswiesen,  Fledermäuse (stark gefährdet: Bartfledermaus),

Stockente, Rohrammer, acht Arten Heuschrecken ( davon Rote Liste Hessen: Wiesengras­hüpfer und Sumpfschrecke).

Wenn aber zwei geschütze Pflanzen genügten, um das Golfspielfeld zu verlegen, dann ist es hier erst recht nötig.

 

 

 

Die Grünen sind für die Sportanlagen „so lange nichts Erhaltenswertes zerstört wird“ und verweisen auf die Ergebnisse der  Planungswerkstatt vor einigen Jahren.

Unter dem  „Erhaltenswerten“ verstehen sie vielleicht den Anglersee, alles andere wird zerstört. Unter einem Kunstrasen wächst nichts mehr. Und wenn man einen Vogel an einer bestimmten Stelle festgestellt hat, dann heißt das doch nicht, daß er nicht 100 Meter weiter auch anzutreffen wäre. Und unter der Belastung von Sporttreibenden und Spaziergängern leiden mit der Zeit auch die Pflanzen in den angeblich unberührt bleibenden Zonen.

Bei der Planungswerkstatt wurden Spielgeräte am Surfsee angeregt und eine Verbesserung des Teerbelags auf dem Weg nach Bischofsheim und ein Schwimmponton am Rand des Surfsees, aber eine Fußballanlage wurde ausdrucklich abgelehnt. Aber auch eine erneute Werkstatt mit der Sportstättengesellschaft wurde imErgebnis verfälscht. Man muß sich als Bürger überlegen, ob man an solchen Alibiveranstaltungen teilnimmt, wenn der Bürgerwille von den Auftraggebern verfälscht wird. Aber selbst Mitglieder des Naturschutzbundes vertreten die Meinung, man müsse auch einmal Opfer bringen.

 

Veränderungen nehmen wir nur bei den derzeitigen Ackerflächen vor (Dirk Schelhorn).

Es ist unverständlich, wie der Planer eine solche Aussage machen kann, wo er doch selber die Fußballfelder genau südlich der Ackerflächen  eingezeichnet hat. Auf diese Ackerflächen soll eine „Naturbikerbahn“, dann kommt der heutige Weg zum Anglersee und dann erst beginnen die Fußbalplätze. Diese liegen genau in der Mitte des in Aussicht genommenen Gebiets, jeweils etwa 200 Meter von der Autobahn und vom Schwimmbad entfernt. Hier geht erneut landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Betroffen sind die Landwirte Heinrich Burger und Gerhard Reichert aus Hochstadt sowie der Landwirt Bauer aus Ostheim.

 

Es ist notwendig, das Gelände zu erhöhen, was technisch kein Problem darstellt (Dirk Schelhorn).

Natürlich kann man das Gelände erhöhen. Die Frage ist nur, wo dann das Hochwasser bleiben soll, das bisher dort eine Retentionsfläche fand. Zur Frage des Hochwassers brauchen wir kein teures Gutachten, dieses Gutachten kann jeder Maintaler abgeben. Beim letzten großen Hoch­wasser Anfang 2003 stand es kurz vor dem (auch schon aufgeschütteten Schwimmbad). Noch zehn Zentimeter mehr und das Wasser läuft durch die beiden Durchlässe unter der Querspange in die Gewerbegebiete und auch in die Wohngebiete in Dörnigheim. Zumindest den nördlichen Durchlaß kann man nicht sperren, weil hier der Bach von der Groschlaghohl herabkommt. Die Lage wird nach verschärft durch die Hochwasserschutzmaßnahmen auf der Südseite des Mains. Und was ist, wenn beim Auffüllen des Geländes Schadstoffe mit abgeladen werden? Dann können auch die Angler ihren See vergessen.

 

Es gibt keine Probleme, das neue Sportgelände zu erreichen. Etwa alle 15 Minuten erfolgt ein Busstopp, gesicherte Fahrradwege aus allen Richtungen sind vorhanden (Herbert Begemann).

Der Bus erfaßt nicht alle Wohngebiete. Und wird die Stadt etwa  die Fahrkosten in Höhe von jeweils drei Euro in Form von Freifahrten für Vereinsmitglieder erstatten? Es gibt nur den einen Radweg durch die Edmund-Seng-Straße, der aber oft durch Lastwagen zugestellt ist. Der Weg entlang der Querspange ist kein Radweg. Eine andere Möglichkeit gibt es nur über die Brücke, die über die Bahn führt. Diese Anlage führt nur dazu, dass zahlreiche Mütter ihre Kinder mit dem Auto dorthin bringen. Im Bereich der Fußballplätze wird es dann ein ähnliches Verkehrschaos geben wie jetzt schon morgens und mittags an den Kitas und Schulen.

 

Mit dem Auto ist die Sportstätte ohnehin jederzeit anfahrbar (Herbert Begeman).

Die Sportstätte ist nicht anfahrbar, sondern immer nur der Parkplatz vor dem Schwimmbad.

Dennoch müssen natürlich auch die Fußbalplätze von Lastwagen, Feuerwehr, Krankenwagen usw. direkt erreichbar sein. Die dünne Linie auf dem Plan, die zu diesem Bereich hinführt, ist eine bewußte Fälschung.

 

Die Parkplatzsituation ist sehr entspannt. Immerhin ist sie elf Monate im Jahr als ausreichend anzusehen. Im Hochsommer könnte es für einige Wochen Probleme geben, allerdings ruht in dieser Zeit der Fußballbetrieb fast vollständig (Bürgermeister Erhard Rohrbach).

Wie die Parkplatzsituation heute schon ist, kann man an manchen Abenden an der Eichen­heege sehen. In Zukunft müßte fast jeder Sportler und Zuschauer mit dem Auto kommen. Es ist nicht einmal Platz für den Gästebus. Es gibt 150 Plätze (plus 30 vor dem Sportzentrum). Diese waren an einem Sonntag im Februar um 14 Uhr zu 75 Prozent besetzt. Im September wurde an einem Mittwoch auf der Wiese geparkt. Bei den Parkplätzen wird es gehen wie beim Kleeblatt in Bischofsheim, wo man erst nachher feststellte, daß die Parkplätze nicht reichen

Das Schwimmbad soll vielleicht zu einem Spaßbad oder Wellnessbad werden. Aber solche Konzepte tragen sich nur, wenn man viel Publikum lockt, und das will natürlich vor Ort parken. Parkplätze gehören also zum Geschäftsmodell dazu, und Fremdparker sind nicht gerne gesehen, denn sie nehmen den Kunden die Plätze weg. Das lässt sich dann einfach durch kostenpflichtiges Parken oder eine Schranke lösen. Notwendig ist ein großes Parkhaus vor dem Schwimmbad, natürlich kostenpflichtig.

Als die Wildtierfreunde ihre Station auf das Gelände des Geflügelzuchtvereins am Mainufer verlegen wollten, da war dort auf einmal „eine herausragende Auenlandschaft von europäischer Bedeutung“. Man fürchtet man eine Steigerung des Verkehrsaufkommens und eine Minderung des Erholungswerts. Bei der Grünen Mitte gibt es diese Befürchtungen aber nicht, dort wird eine Auenlandschaft „aufgewertet“.  Aber auch dort wird das Verkehrsaufkommen steigen. Der Erholungswert der Grünen Mitte wird sowieso sinken, durch neue Parkplätze aber noch mehr..

 

„Die Stadt tritt in die Vorfinanzierung ein, die Gegendeckung hängt davon ab, wie schnell das Gelände an der Eichenheege veräußert werden kann.“ Allerdings wird erst der Bau der Sportanlage und der Umzug des FC Germania erfolgen, dann der Bebauungsplan für die Eichenheege in Angriff genommen (Bürgermeister Rohrbach).

Ein größeres finanzielles Abenteuer kann man sich nicht denken. Auch für das Rathaus in Bischofsheim wollte Herr Rohrbach mehrere Jahre lang drei Millionen Euro einnehmen, bis jetzt hat es zunächst einmal fast eine Million Euro gekostet. Jetzt will man erneut „mehrere Millionen Euro“ durch Kredite finanzieren, ohne zu wissen, ob sich das Gelände an der Eichenheege vermarkten läßt. Hochstadt hat schon in der Weidekaute die teuerste Wiese Deutschlands, jetzt wird die Bornnesselwiese noch hinzukommen. Ein Investor bezahlt immer nur nach Baufortschritt. Was da einkommt, wird vielleicht gerade einmal für die Zinsen reichen. Wie so ein neues Baugebiet in Maintal läuft, sieht man am Baugebiet Hochstadt-Ost (bei der Rest-Kelterei Höhl). Auch die Stadt hat schon mangels Nachfrage den Plan aufgegeben, das Gebiet an der Kesselstädter Straße zu erschließen. Eine neue Idee ist es jetzt, daß ein Investor vorab das Gelände an der Eichenheege kaufen soll mit dem Versprechen, in vielleicht drei Jahren dort bauen zu können. Die Zinslast würde dann auf den Investor verschoben. Aber so einen Investor muß man erst einmal finden. Oder hat ihn der Bürgermeister wohl doch schon? Doch wenn das nicht der Fall ist, dann handelt es sich hier um einen Fall sträflicher Blauäugigkeit. Denn woher sollen bei abnehmender Bevölkerungszahl all die Menschen herkommen, für die man Häuser in zehn Baugebieten bauen will?

Andererseits stehen viele Wohnungen leer und Häuser und Bauplätze in Baulücken stehen zum Verkauf. Die immer wieder zitierten „jungen Familien“ müssen ja auch erst einmal das Geld zum Bauen haben, werden aber wohl kaum mindestens 260.000 Euro aufbringen können und sich bei der unsicheren Wirtschaftslage auch kaum verschulden wollen. Nach Aussagen des Bürgermeisters wird aber die Einwohnerzahl von Maintal in den nächsten Jahren um 5.000 Menschen abnehmen. Wie kann er da hoffen, diese Zahl anderen Gemeinden abjagen zu können? Was ist an Maintal schon attraktiv außer der relativ ursprünglichen Natur in der Nähe der Wohngebiete.

Der Magistrat plant Steuererhöhungen, will aber an unnützen Projekten wie des Bürgermeisters Lieblingsspielzeug „Sportanlage“ festhalten. Das Projekt „Grüne Mitte“ macht in einer Zeit der wirtschaftlichen Konsolidierung Sinn und nicht mitten in der vorherrschenden Krise. Ein solches Risiko-Spiel ist in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und einem städtischen Schuldenstand von über 55 Millionen Euro nichts anderes als Selbstmord.

Die FDP macht Ende 2009 die Freigabe der Mittel abhängig von einer Analyse der Finanzierungs- und Folgekosten, stimmt aber immer wieder zu. Die Vorfinanzierung verursacht große Zinskosten. So große Projekte kann sich die Stadt nicht mehr leisten, schon wegen der Folgekosten.

Am 23. März 2010 erklärte Herr Sachtleber, das Geld werde für die Grüne Mitte nicht mehr benötigt (?). „Wir haben ein Konzept vorgesehen, bei dem zunächst kein Geld nötig ist!“

Zunächst wolle man sich um das Plalnungsrecht für die Sport- und Freizeitanlage bemühen und sich dann um die Grundstücke mittels Tausch kümmern. Wenn das stimmt, wäre es eine späte Einsicht.

Andere Projekte werden nur begonnen, wenn auch das Land Zuschüsse zahlt, selbst einhundert Meter Radweg will die Stadt nicht mehr allein finanzieren. Bei diesem Großprojekt verläßt man sich aber allein auf Kredite und eine mögliche Refinanzierung durch Verkäufe.

 

„Für diese Anlagen wird nur ein Bruchteil des Gebietes in der Grünen Mitte gebraucht“ (Markus Heber, stellvertretender CDU- Fraktionsvorsitzender)

Aber dieses Feuchtgebiet ist eins der wertvollsten in der Grünen Mitte. Und wenn erst einmal mit dem Flächenverbrauch angefangen wurde, geht es leicht weiter.

 

Archäologische Fundstätte:

Vorfinanziert werden müßte auch die Ausgrabung einer archäologischen Fundstätte: Auf dem in Aussicht genommenen Gelände befindet sich eine Fundstätte der Michelsberger Kultur, wie durch Scherben nachgewiesen wurde. Von den Michelsbergern gibt es nur wenige Fundstätten. Sie siedelten sonst an sich nur auf Hügeln wie in Butterstadt. Deshalb ist eine Siedlung im Flachland eine noch größere Besonderheit. Es muß sich auch um eine größere Fläche handeln, die betroffen ist.

Der Landesarchäologe Dr. Guntram Schwitalla hat zwar der Stadt mitgeteilt, dass vor jeder Baumaßnahme in diesem Gebiet umfangreiche, zeit- und kostenaufwändige archäologische Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Der Kreisarchäologe Dr. Schmitt dagegen ist der Meinung, es genüge laut Gesetz, eine archäologische Fundstätte zu sichern, also zum Beispiel abzudecken, so daß man mit dem Pflug nicht mehr dran kommt. Auf Anfrage konnte er aber keine gesetzliche Grundlage nennen, so daß es sich hier nur um eine Praxis handelt, nicht aber eine zwingende Vorschrift. Diese könnte auch nur für die freie Landschaft gelten, nicht für eine Fläche, die bebaut werden soll. Diese Fußballplätze sind eine Baulichkeit mit Drainage im Fußboden und Fundamenten. Eine Aufschüttung von einem Meter oder mehr würde auf tausend Jahre die Fundstelle unzugänglich machen. Da könnte man ja die ganze Archäologie aufgeben und alles zuschütten. Am 15. und 16.März 2010 wurden geomagnetische Messungen vorgenommen. Es ergab sich, daß gerade dort, wo die Fußballplätze hinsollen, die meisten Wohnplätze sind, die jetzt näher untersucht werden müssen. Hier kann es sein, daß auch die Stadt sich an den Kosten beteiligen muß.

 

„Ein familienfreundliches Konzept mit Freizeitangeboten für alle Generationen“ (Dirk Schelhorn).

Da die „Grüne Mitte“ nicht nur die Vereine betrifft, sondern alle Bürger, die die „Grüne Mitte“ als Erholungsort nutzen, sollten über die Zukunft der „Grünen Mitte“ nicht nur die Vereine bestimmen. Vertreter der Bürger sind allerdings die Stadtverordneten, die hier allein die Verantwortung haben. Aber was kann man von einer Partei erwarten, deren erklärtes Ziel es ist, alle Vorschläge des Bürgermeisters unbesehen zu unterstützen? An die Zukunft wird dabei nicht gedacht, denn was ist, wenn zwar die Sportanlagen auf Kredit gebaut sind, das Gelände an der Eichenheege sich aber nicht vermarkten läßt. Dann wird der künftigen Generation nicht eine Zukunft eröffnet, sondern sie wird durch die Fehler von heute belastet. Man wirft mit dem Geld der Büprger herum, ohne zu wissen, ob überhaupt gebaut werden darf. Und das für die Spielstätte eines Vereins, der nicht einmal weiß, wer ihn als Vorsitzender führt.


Es geht nicht um die Wünsche der heutigen Mitglieder, sondern um die Zukunft der Nachfolgegenerationen. Und diese Zukunft kann nur im Stadion „Grüne Mitte“ liegen. Einwände wurden alle mit dem Schlagwort „Zukunft“ gekontert (Mitgliederversammlung der Germania).

Das bisherige Vereinsgelände war für jeden Dörnigheimer erreichbar, vor allem für viele Kinder und Jugendliche leicht zu Fuß zu erreichen. Die Germania hatte deshalb so Zulauf, weil ihr Platz in Dörnigheim war (und nicht in Hochstadt), nämlich in das gut besuchte Lokal.

In welchen Verein sollen dann die Kinder an der Eichenheege gehen? Das Interesse an der Germania kann durch den Umzug auf die „Grüne Mitte“ stark nachlassen kann, so daß junge Spieler dann lieber doch in einen anderen Verein gehen, der „bei ihnen um die Ecke“ liegt, zum Beispiel an der Dicken Buche.

 

Die Germania verlangt zwei Sportfelder, Clubheim (dem derzeitigen vergleichbar), Platzpflege durch die Stadt Maintal, Alleinnutzung durch den FC Germania. Die Germania wird die Verhandlungen platzen lassen, „sollte einer dieser Eckpfeiler ins Wanken geraten“ (Vorsitzender Udo Becker).

Wird die Germania aber am Schluss noch „Nein“ sagen können, nachdem sehr viel Geld geflossen ist? Sie wird dann doch Kompromisse schließen müssen. Vor allem die Pflege durch die Stadt Maintal wird sich nicht umsetzen lassen, denn bisher war die Pflege ja auch nur mangelhaft.  Auch eine neue Anlage muss immer wieder neu in Stand gehalten werden. Die leidvolle Erfahrung der letzten Jahre hat doch gezeigt, dass sämtliche Sportanlagen nicht ausreichend gepflegt wurden beziehungsweise dringende Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen mangels Masse einfach unterlassen wurden.

Die „Grüne Mitte“ ist außerdem von jeher ein Gebiet, das eine hohe Vandalismusproblematik hat, die selbst stählerne Bauten an den Seen nicht beheben konnten. Die Sportstätte liegt genug abseits, um sich in der Dunkelheit entsprechend austoben zu können. Auch ein Zaun ist leicht zu überwinden oder zu beschädigen.

Das Gutachten einer Beratungsgesellschaft aus Düsseldorf rät, im Umfeld der Gastronomie im Maintalbad (und im Sportcenter) auf eine weitere Gaststätte zu verzichten. Der Bürgermeister dazu wörtlich: „Der Magistrat macht sich diese Empfehlung nicht zu eigen.“ Aber eine Beratungsgesellschaft aus Düsseldorf hat geraten, auf eine weitere Gaststätte zu verzichten.

 

Die Entscheidung ist ein ganz wichtiger Punkt in Sachen Stadtentwicklung, um Maintal attraktiver zu machen, auch für Neubürger“  (Bürgermeister Rohrbach). „Mit unserer Mehrheitsentscheidung für das Projekt und dem nun vorliegenden Beschluss der Mitgliederversammlung der Germania ist ein für Maintals Sport- und Freizeitcharakter zukunftsweisendes Projekt in greifbare Nähe gerückt“ (Angelika Feuerbach, Fraktionsvorsitzende der CDU). Die geplante Sport- und Freizeitanlage soll neben den Plätzen für den Fußballverein Germania und dem benötigten Vereinsheim viele verschiedene Angebote für Freizeitsportler schaffen. „Die Anlage soll den Bedürfnissen und Erfordernissen vieler Sportler verschiedener Altersklassen gerecht werden und zum Verweilen ganzer Generationen einladen“ (Markus Heber). „Ein vielfältiges Freizeit- und Kulturangebot in Maintal ist für das Lebensgefühl der Bürger ebenfalls wichtig. In der „Grünen Mitte „soll doch eine attraktive Freizeitanlage für Jung und Alt und eben nicht nur ein Fußballplatz für Germania Dörnigheim entstehen“(Dr. Fritz).  „Ein generationen- und stadtteilübergreifendes Freizeitangebot“ (Frau Feuerbach).

Hier wird nichts für zukünftige Generationen getan, weil man wertvolle Natur zerstört und den Hochwasserschutz schwächt. Auch künftige Generationen wollen in einer unverbauten „Grünen Mitte“ spazieren gehen oder Sportarten wie Jogging, Nordic Walking oder Inlineskaten betreiben. Gerade die Natur rund um die Maintaler Wohngebiete ist ein Pluspukt für die Attraktivität der Stadt.

Bürgermeister Rohrbach hat seinen Posten nur errungen, weil die entscheidenden 300 Stimmen aus Hochstadt kamen. Jetzt liefert ausgerechnet ein Hochstädter einen Teil der Hochstädter Gemarkung an die Dörnigheimer aus. Aber es geht hier natürlich um einen Schatz für alle Maintaler. Man muß nur einmal in Ruhe mit dem Rad durch die Grüne Mitte fahren oder zu Fuß dieses Gebiet durchquert haben, da spürt man etwas vom Wert dieser Landschaft. Da braucht man keinen Aussichtsturm und keinen „Sinnenpfad“.

Inzwischen wird das Projekt immer mehr abgespeckt. Von dem Sport- und Freizeitzentrum für ganz Maintal und alle Maintaler Vereine und die ganze Bevölkerung ähnlich wie in Bad Hersfeld sind jetzt nur noch zwei Kunstrasenplätze und ein Übungsplatz für die Germania übriggeblieben, natürlich schön eingezäunt. Die Beschlußlage ist noch anders, aber Beobachter der Szene sehen höchstens einige Alibisportgeräte vor dem Zaun.

Jeder Mensch, der ein Baugrundstück erwerben will, vergewissert sich vorher, ob er eine Baugenehmigung erhalten wird. Aber entgegen anderslautender Behauptungen der Stadt weiß die Naturschutzbehörde offiziell nichts davon, geschweige denn hat sie zugestimmt. Die wasserwirtschaftliche Frage (Hochwasser) ist nicht geklärt. Und die Bodendenkmalpflege hat auch schon mitgeteilt, dass erst eine große archäologische Grabung durchgeführt werden muss. Aber wie schon so oft soll die Sache so weit vorangetrieben werden, dass man nachher sagen kann: „Jetzt haben wir so viel Geld ausgegeben, jetzt müsst ihr auch zustimmen!“ Soll es der Stadt Maintal so gehen wie dem Main-Kinzig-Kreis mit der Weidenkaute?

Immerhin hat man im März 2010 beschlossen, die 115.000 Euro, die für den Erwerb von Grundstücken in der Grünen Mitte vorgesehen waren, für den Ausbau der Kennedysttraße zur Verfügung zu stellen. Herr Sachtleber erklärte dazu, das Geld werde für die Grüne Mitte nicht mehr benötigt (?). „Wir haben ein Konzept vorgesehen, bei dem zunächst kein Geld nötig ist!“ Zunächst wolle man sich um das Plalnungsrecht  für die Sport- und Freizeitanlage bemühen und sich dann um die Grundstücke mittels Tausch kümmern. Doch dies betreffe nicht mehr das laufende Jahr [Er übernimmt also das, was ich mit meinem Leserbrief „Das Pferd von hinten aufgezäumt“ gefordert habe. Aber man muß natürlich bedenken, daß auch die Gelder für die Grüne Mitte kreditfinanziert waren].

 

Alternative:

Nach §14 des Hessischen Naturschutzgesetzes darf ein Eingriff nur zugelassen werden, wenn er aus zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses gerechtfertigt ist. Der Sport- und Freizeitpark mag im öffentlichen Interesse liegen, aber nicht an diesem Ort. Eine Anbindung an das Schwimmbad und das Sportcenter ist nicht zwingend, denn es wird wohl kaum jemand alle drei Sportstätten nacheinander nutzen. Es gibt Alternativen für den Standort, zum Beispiel der Sportplaltz an der „Dicken Buche“ (um einige Waldflächen erweitert).

Wenn die „ Dicke Buche“ renoviert wird, dann können dort auch zwei Vereine nebeneinander existieren, in Hochstadt geht das doch auch. Selbst die Grünen haben das schon ins Spiel gebracht, stimmen dann aber doch wieder für den Bürgermeister. Außerdem geht es hier nur um ein finanzielles Problem: Wenn Geld da wäre, dann wäre die Inanspruchnahme der geplanten Fläche nicht nötig.

Leider werden in Maintal immer nur die Pläne des Magistrats und der Verwaltung diskutiert, anstatt sich selber eigene Gedanken zu machen. Ein anderer Standort für die Sport- und Freizeitanlage ist nie erwogen worden. Warum muß man da unbedingt ein Feuchtgebiet in Hochstadt nehmen, das im Augenblick nur Landschaftschutzgebiet ist, aber nach dem Umweltgut­achten eigentlich ein Naturschutzgebiet sein sollte, denn hier gibt es allein elf Rote-Listen-Arten und eine Menge nach der Bundesnaturschutzverordnung geschützte Arten.

Aber angeblich will man zusammen mit dem Schwimmbad (dessen Zukunft sowieso unsicher ist) ein großes Freizeitzentrum schaffen. Dabei wird vorausgesetzt, daß man nach dem Fußballtraining auch noch ins Schwimmbad gehen möchte oder nach dem Schwimmbad sich noch auf dem Bolzplatz austoben möchte. Doch das ist alles lebensfremd.

Außerdem kann man dies auch erreichen,  indem man südlich der Bahnlinie die Sport- und Freizeitanlage baut. Dort ist zwar auch „Grüne Mitte“, aber nur ein Acker - und in der Gemarkung Dörnigheim. Nachdem man dort schon das Brauchbachcenter gebaut hat, könnte sich doch auch die Sportanlage anschließen Und wer unbedingt beide Einrichtungen nacheinander nutzen möchte, der kann über die vorhandene Brücke leicht wechseln, mit dem Auto oder zu Fuß. Ein Fußgängerschutzweg dürfte in einer Straße mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h kein Problem sein.

 

Schluß

In der Neujahrsansprache 2009 sagte der Bürgermeister: „Damit lässt sich der neue sportliche Mittelpunkt Maintals zu einem Freizeittreff für Jung und Alt umsetzen, ohne neue Schulden aufzunehmen. Während in anderen Städten, Wohnungen, Geschäfte und Büros die Mitte prägen, wird dies in Maintal mehr und mehr die Grüne Mitte mit der Verbindung von Bewegung und Natur werden!“ Aber die Grüne Mitte wird nicht mehr das Bild der Stadt prägen, weil es dort keine Verbindung mit der Natur mehr geben wird. Aber „eine attraktive Freizeitanlage für Jung und Alt“ wird vielleicht genauso wenig in Anspruch genommen werden wie die vielen Spiel- und Bolzplätze.

Wenn der Bürgermeister sagt: „Die Stadt Maintal kann mittelfristig keine zehn Fußballplätze mehr unterhalten beziehungsweise instand setzen!“ denkt man zunächst an einen Rechenfehler, denn neue Plätze verringern nicht die Gesamtzahl. Die Aussage hat nur Sinn, wenn man entweder auf den freiwilligen Zusammensnchluß der Fußballvereine hofft oder mit positivem Druck von oben  einen Zusammenschluss von Fußballvereinen erzwingen will. Dann ist einfach die Germania d e r  Maintaler Fußballverein („FC Maintal“), der allein von der Stadt gefördert wird, und die anderen können  sehen, wo sie bleiben.

 

 

Umweltverträglichkeitstudie „Sportanlage Grüne Mitte“ (Vorabzug)

Auftraggeber: Magistrat der Stadt Maintal Klosterhofstr. 4-6, 63477 Maintal

Projektleitung und Bearbeitung UVS:

Faunistische Untersuchungen: Büro Weiss & Becker

Dipl.-Ing. (FH) Sonja Weiss, Landschaftsarchitektin AKH, GUBPI

Partnerschaft der Dipl. Biol. Fox, Kristen, Vetter 35394 Giessen, Kerkarder Str. 7

Planstand. Oktober 2007

Weiss & Becker, Büro für Landschaftarchitektur und Umweltplanung, Buchwaldstraße 16, 35460 Staufenberg, Tel.: 06406-634084, Fax 06406-836384

 

[Die Eingangsseite fehlt aus technischen Gründen. Die lateinischen Namen der Pflanzen wurden meist weggelassen. Auch auf die Bilder wurde verzichtet]

 

3.5 Biotoptypen und Pflanzen

 

3.5.1 Methodik

Im Rahmen der Erhebungen zum Untersuchungsgebet wurden im Frühjahr, Sommer und Herbst 2007 flächendeckende Kartierungen der Realnutzung und der Biotoptypen durchgeführt. Die Realnutzungs- und Biotoptypenkartierung liefert einen vollständigen Überblick über die aktuelle Flächennutzung des Untersuchungsgebietes und ist ein wichtiges zentrales Element für die Analyse und ökologische Bewertung der Landschaft. Die Einstufung der Biotoptypen richtet sich in der Regel nach den Biotoptypenschlüssel für die Hessische Biotopkartierung (HB), im Falle einer stärkeren Differenzierung wurde die Liste der Biotop- und Nutzungskartierung gemäß der Kompensationsverordnung (KV 2005) verwendet.

Wichtige Grundlage für die Unterscheidung der einzelnen Biotoptypen ist die Methodik der Pflanzensoziologie. Die Abgrenzung der Biotoptypen beruht demnach in vielen Fällen auf der Unterscheidung von Pflanzen-Lebensgemeinschaften. Diese sind vor allem durch Standort und Nutzung in ihrer Ausfor mung geprägt. Als Literatur wurden hierbei insbesondere Wilmanns (1998), Ellenberg (1996) und Dierschke & Briemle (2002) verwendet.

 

3.5.2 Biotoptypen

Gehölze trockener bis frischer Standorte:

Am Rande des Gebietes befinden sich auf Straßen begleitenden Böschungsbereichen breite Baum- und Strauchhecken, die zum größten Teil angepflanzt wurden und sich nur in kleinen Teilbereichen durch natürliche Sukzession entwickelt haben. Die Baumschicht wird von Ahornbäumen (Acer campestre, A. platanoides, A. pseudoplatanus) und Linden (Tilia platyphyllos, Tilia cordata) dominiert. Die Strauchschicht ist ebenfalls aus einheimischen Arten aufgebaut, wobei Liguster (Ligustrum vulgare), Gemeiner Hartriegel (Comus sanguinea) und Gemeine Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) die bestandsdominierenden Arten sind. In den natürlichen Sukzessionsbereichen herrschen Pappeln (Populus trernula, Populus alba) sowie Brombeeren (Rubus fruticosus) vor.

Die wichtigsten Gehölzarten der Hecken auf den trockenen bis frischen Standorten im Untersuchungsgebiet sind folgende:

Bäume: Feldahorn, Spitzahorn, Bergahorn, Sandbirke, Hainbuche, Esche, Silberpappel, Zitterpappel, Salweide, Winterlinde, Sommerlinde, Bergulme, Gemeiner Schneeball.

Sträucher: Gemeiner Hartriegel, Hasel, Gemeiner Liguster, Gemeine Heckenkirsche, Traubenkirsche, Schlehe, Brombeere.

 

 

 

 

Gehölze feuchter bis nasser Standorte:

Auf den Uferbereichen der Entwässerungsgräben kommen Gehölze nasser bis feuchter Standorte vor. Bei den Baumarten handelt es sich vorwiegend um verschiedene Weiden, die vorwiegend in den Bachauen und Gräben auf regelmäßig überfluteten Standorten zu finden sind. Daneben wird der Graben des Flurstücks 101/8 von standortgerechten Sträuchern geräumt, wobei bei Gemeinem Hartriegel, Gewöhnlichem Schneeball und Heckenkirsche vor allem Schwarzer Holunder häufig vorkommt.

Folgende Arten wurden insgesamt bei der Kartierung erfasst:

Bäume: Silber-Weide, Bruch-Weide, Vogelkirsche.

Sträucher: Gemeiner Hartriegel, Gemeiner Liguster, Gemeine Heckenkirsche, Schlehe, Brombeere, Schwarzer Holunder.

Einzelbäume: Neben den solitär stehenden Weiden längs der Gräben befindet sich auf dem Flurstück 63/2 ein junger Walnussbaum. Auf dem Flurstück 81 /2 stockt ein vergreister Zwetschenbaum.

 

Streuobstwiesenbrache:

Am nördlichen Rand des Untersuchungsgebietes ist eine brach gefallene Streuobstwiese auf dem Flurstück 72/1 vorhanden, die mit einer zweizeiligen Obstbaumreihe bestockt ist. Bei den Obstbäumen handelt es sich vorwiegend um Zwetschgen, Pflaumen und Apfel, die stark vergreist und zum Teil abgängig sind und einen hohen Totholzanteil aufweisen. Aufgrund der fehlenden Pflege und Mahd haben sich Zwetschgensämlinge und Brombeeren flächig ausgebreitet, wodurch in Teilbereichen dichte Gehölzstrukturen entstanden sind. Gemäß § 31 HENatG zählen Streuobstbestände im Außenbereich zu den gesetzlich geschützten Biotopen.

 

Fließgewässer/Gräben:

Innerhalb des Untersuchungsgebietes verlaufen gradlinig drei Entwässerungsgräben, die südlich in den Braubach münden. Der Gräben sind naturfern ausgebildet.

Die Uferbereiche werden überwiegend von Schilf dominiert. Ferner haben dort Feuchtstaudenarten wie Mädesüß, Blut-Weiderich, Beinwellund Baldrian sowie nitrophile Ruderalfluren angesiedelt, die von Brennnessel dominiert werden. Auch finden sich hier Vertreter der Feuchtwiesenarten wie Sumpfdotterblume und Kohldistel sowie Wasserminze.

 

Folgende Arten wurden insgesamt bei der Kartierung erfasst: Große Klette, Sumpfdotterblume, Zaunwinde, Kohldistel, Mädesüß, Wiesen-Storchschnabel, Hopfen, Sumpf-Schwertlilie,

Weiße Taubnessel, Blut-Weiderich, Wasser-Minze, Brunnenkresse, Gewöhnliche Pestwurz,

Scharbockskraut, Sumpf-Ziest, Beinwell, Brennnessel, Echter Baldrian

 

Schilfröhrichte, Hochstauden:

Auf den feucht-nassen Bereichen der Flurstücke 47, 46, 63/2, die schon längere Zeit brach gefallen sind, haben sich Schilf-Landröhrichte mit der namensgebende Charakterart Schilf flächig ausgebreitet. Daneben kommen Arten der Hochstaudenfluren, die meist den Mädesüß-Uferfluren angehören, häufig vor Weiterhin finden sich verschiedene Seggenarten und typische Ruderalarten wie Brennnessel. In Teilbereichen verzahnen sich die Ruderal- und Hochstaudenfluren mit Brombeeren.

Die Schilf-Landröhrichte werden gemäß der Roten Liste der Pflanzengesellschaft Deutschlands (Rennwald 2000) als Gesellschaft eingestuft, die zurückgegangen, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Sie steht auf der so genannten „Vorwarnliste“. Auch laut der Roten Liste der gefährdeten Biotop typen Deutschlands (Riecken et al. 2006) ist derzeit noch keine Gefährdung der Land-Schilfröhrichte zu verzeichnen. Röhrichte unterliegen dem gesetzlichen Pauschalschutz i.S. des § 30 BNatSchG.

 

Grünland frischer Standorte:

Innerhalb des Untersuchungsgebietes befinden sich auf den frischen Standorten artenarme bis mäßigartenreiche Glatthaferwiesen. Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsintensität sowie Standortfaktoren (Bodenfeuchtigkeit und Nährstoffgehalt) haben sich unterschiedliche Ausprägungen der Glatthaferwiese entwickelt.

Im mittleren Bereich (Flurstück 66) hat sich eine relativ arme Glatthaferwiese entwickelt, die von Obergräsern dominiert wird. Daneben kommen typische Kräuter der Fettwiesen wie Löwenzahn, Wiesenbärenklau und Spitzwegerich. Die Hauptverbreitung dieser Wiesen liegt auf frischen bis leicht wechselfeuchten Böden. Typische Feuchtezeiger konnten hier nicht festgestellt werden.

Im nordwestlichen Teil des Untersuchungsgebietes (Flurstück 73/1, 126/69, 144/70, 147/71 und 81/2 teilweise) befinden sich ruderale Wiesenstorchschnabel-Glatthaferwiesen, die durch das häufige Vorkommen des Wiesenstorchschnabels geprägt werden. Durch die geringe Nutzungsintensität meist nur einmalige Mahd im Spätsommer können sich Ruderalerten verstärkt ausbreiten. Vereinzelt können auch Wechselfeuchteanzeiger bzw. Feuchteanzeiger wie Großer Wiesenknopf und Mädesüß vor.

Folgende Arten wurden bei der Begehung erfasst: Schafgarbe, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras, Wiesen-Kerbel, Glatthafer ,Wiesen-Flocken­blume, Gewöhnliches Hornkraut, Kratzdistel, Knaul-Gras, Madeüuß, Wiesen-Labkraut Echtes-Labkraut, Wiesen-Storchschnabel, Wiesen-Bärenklau, Honiggras, Wiesen-Knautie, Wiesen-Platterbse, Spitzwegerich, Wiesen-Rispengras, Scharfer Hahnenfuß, Kriechender Hahnenfuß, Sauerampfer, Großer Wiesenknopf, Wiesen-Silge, Rainfarn, Löwenzahn, Wiesenklee, Weißklee, Große Brennnessel, Gamander-Ehrenpreis, Vogelwicke.

Im Übergang zu den angrenzenden Gehölzbeständen ist der Aufwuchs von Gehölzen, vor allem von Brombeeren auf den Wiesenflächen festzustellen.

 

Eine magere Variante der Glatthaferwiese befindet sich am nordöstlichen Teil des Gebietes (Flurstück 185/59 und 58/1). Neben den typischen Fett-Wiesenarten treten vor allem in den Randbereichen häufiger Magerkeitszeiger wie z.B. Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granutata, besonders geschützte Art nach BNatSchG) und Hornklee auf. Weiterhin kommt dort neben den erwähnten Arten der Glatthaferwiese der Zottige Klappertopf und Gras-Sternmiere vor.

 

Obwohl die Glatthaferwiese die häufigste Grünlandgesellschaft Mitteleuropas ist, muss sie nach Nowak & Wedra 1988 als gefährdete Phytozönose gelten. Dies erklärt sich daraus, dass Glatthafer-Bestände die für die Landwirtschaft wertvollsten Futterwiesen sind und in den meisten Gebieten hoch- intensiv bewirtschaftet werden. Durch starke Düngung, häufige und oft sehr frühe Mahd sind deshalb die meisten Bestände der Glatthaferwiese floristisch verarmt. Die Rote Liste der Pflanzengesellschaften Deutschlands (RENNWALD 2000) stuft die Glatthaferwiese noch nicht als gefährdet ein, listet sie aber als Gesellschaft in der Vorwarnliste auf.

 

Grünland (wechsel-) feuchter bis nasser Standorte:

Auf (wechsel-) feuchten bis nassen Standorten haben sich aufgrund der verschiedenen Nutzungsintensitäten und Bodenfeuchtigkeit Grünlandgesellschaften unterschiedlicher Zusammensetzung ausgebildet.

Der Süden und Westen des Gebietes (Flurstücke 167/63, 168/63, 169/64, 170/64, 171/65, 66/3 sowie Flurstück 9/14, 15/4, 179/84 und 180/84) wird großflächig von Wiesenknopf-Silgenwiesen eingenommen, die in ihrem Bestand mäßig artenreich ausgebildet sind. Aus pflanzensoziologischer Sicht handelt es sich bei der Wiesenknopf-Silgenwiese um einen in seiner syntaxonomischen Stellung unklaren Wiesentyp, der nach Klapp ex Volllrath 1965 auch als Sanguisorbo-Silaetum bezeichnet wird.

Die als Kennart angegebene Silge hat eine recht weite Verbreitung in Feucht- bis Frischwiesen vorwiegend halbextensiver Nutzung. Die ein bis zweischürigen, relativ spät gemähten Wiesen, sind mittelwüchsig und reich an Kräutern, die vor allem im Hochsommer sehr bunte Blühaspekte ausbilden. Die Rote Liste der Pflanzengesellschaft Deutschlands (Rennwald 2000) stuft die Sanguisorba officinalis - Silaum silaus- Gesellschaft als gefährdet ein. Sie zählen zu den Pflanzengesellschaften, die in großen Teilen Deutschlands deutlich und stetig zurückgehen und lokal bereits verschwunden sind. Zudem zählen sie zu den FFH-Lebensraumtypen (6410, Pfeifengras-Rasen, Ordnung Molinieteila cerulaeae).

 

Bei der Kartierung wurden folgende Pflanzenarten erfasst:

Schafgarbe, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras, Wiesen-Kerbel, Glatthafer, Wiesen-Glocken­blume, Wiesen-Schaumkraut, Zweizeilige Segge, Wiesen-Kümmel, Wiesen-Flockenblume, Acker-Kratzdistel, Herbstzeitlose, Knaul-Gras, Rasen-Schmiele, Madesüß, Wiesen-Labkraut,

Echtes-Labkraut, Wiesen-Storchschnabel, Wiesen-Bärenklau, Honiggras, Wiesen-Platterbse,

Blut-Weiderich, Spitz-Wegerich, Wiesen-Rispengras, Wasser-Knöterich, Scharfer Hahnenfuß, Kriechender Hahnenfuß, Sauerampfer, Großer Wiesenknopf, Wiesen-Silge, Gemeiner Beinwell, Löwenzahn, Wiesenklee, Weißklee, Vogelwicke.

 

Ausgehend von dem angrenzenden Uferbereich des angrenzenden Bewässerungsgrabens breitet sich Schilf zunehmend auf den Wiesenflachen aus.

Am östlichen Rand des Untersuchungsgebietes (Flurstück 62/1/ und Flurstück 167/67) ist der Vegetationsbestand im Vergleich zu den zuvor beschriebenen Wiesen artenärmer ausgebildet. Hier hat sich Schilf über einen großen Teil der Fläche ausgebreitet. Daneben treten weitere Feuchtezeiger wie Beinwll, Mädesüß und Wasser-Knöterich auf. Zu den Feuchtzeigern gesellen sich typische Fettwiesenarten, wobei insbesondere der Löwenzahn das Blütenbild dieser Wiese im Frühjahr prägt. Aus pflanzensoziologischer Sicht lässt sich diese Wiese als Silaum-Molinietalia-Basalgesellschaft - also als degradierte Silgenweese kennzeichnen (Abbildung 5: Der Blick auf die degradierte Silgenwiese im Frühjahr zeigt eine weitgehend mit Löwenzahn bestandene Wiese).

Eine Feuchtwiese mit Hochstaudenfluren (Molinietalia-Basalgesellschaft) befindet sich auf dem westlichen Teil des Flurstücks 81/2 am nordwestlichen Rand des Gebietes. Aufgrund der extensiven Nutzung in Form einer einmaligen Mahd im Spätsommer zur Heugewinnung weist die Wiese schon deutliche Verbrachungserscheinungen in Form von schilf- und seggenreichen Dominanzbeständen auf. Zudem kommen häufig Arten nasser Hochstaudenfluren wie u.a. Baldrian, Blutweiderich, Mädesüß, Kohldistel und Rauhaariges Weideröschen vor.

 

Folgende Arten wurden bei der Kartierung erfasst: Wiesen-Fuchsschwanz, Zaunwinde, Sumpf-Segge, Zweizeilige Segge, Wiesen-Flocken­blu­me, Kohldistel, Acker-Kratzdistel, Herbstzeitlose, Knäul-Gras, Rasen-Schmiele, Rauhaariges Weideröschen, Sumpf-Schachtel­halm, Mädesüß, Wiesen-Labkraut, Echtes Labkraut, Wiesen-Storchschnabel, Honiggras, Wiesen-Platterbse, Kuckucks-Lichtnelke, Blut-Weide­rich, Wasser-Knöterich, Schilf, Kriechender Hahnenfuß, Sauerampfer, Knäul-Ampfer, Großer Wiesenknopf, Wiesen-Silge, Gras-Stern­miere, Gemeiner Beinwell, Gelbe Wiesenraute, Echter Baldrian.

 

Die Feuchtwiesen sind heute oft durch Nutzungsaufgabe bedroht, wonach eine sekundär progeressive Sukzession einsetzt. In den letzten fünfzig Jahren haben de Feuchtwiesen stark abgenommen und in manchen Gebieten sind sie vom Aussterben bedroht (Dierschke & Briemle 2002). Gemäß der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands werden extensiv genutztes Feucht- und Nassgrünland der planaren bis submontanen Stufe als stark gefährdet eingestuft.

 

Grünlandbrache:

Eine kleinflächige Grünlandbrache (Flurstück 192) grenzt unmittelbar an die Edmund-Seng-Straße an. Der Vegetationsbestand setzt sich überwiegend aus Ruderalarten frischer bis feuchter Standorte und typischen Kräutern und Gräsern der Fettwiesen zusammen. In Teilbereichen kommen de Brennnessel und das Gänse-Fingerkraut flächig vor Ferner ist bereits ein verstärktes Aufkommen von Gehölzen festzustellen, wobei neben Brombeeren vor allem Silberpappelsämlinge und einzelne Eichensämlinge vorkommen

Bei der Begehungen der Fläche wurden folgende Artenliste erstellt:

Wiesen-Fuchsschwanz Glatthafer, Kratzdistel, Zaunwinde, Knäul-Gras, Mädesüß, Wiesen-Storchschnabel, Wiesen-Bärenklau, Margerite, Spitz-Wegerich, Silberpappel, Gänse-Finger­kraut, Stieleiche, Kriechender Hahnenfuß, Krauser Ampfer, Brombeere, Raukenblättriges Kreuzkraut, Gemeiner Beinwell, Löwenzahn, Brennnessel, Vogel-Wicke.

 

Ruderalfluren meist frischer Standorte:

Ausdauernde Ruderalfluren meist frischer Standorte haben sich entlang der Gehölzstrukturen und seitlich der Wege entwickelt. Als vorherrschende Art tritt ein Brennnessel-Dominanzbestand auf. Ihr gesellen sich auch typische Wiesenarten wie Wiesen-Kerbel stris), Wiesen-Bärenklau, Knäulgras und Gewöhnliches Rispengras bei. In den exponierten Böschungsbereichen zur A 66 bzw. L 3195 hin haben sich häufiger Ruderalarten warm-trockener Standorte angesiedelt so z. B. Echtes Johanniskraut, Wilde Möhre und Rainfarn. In Teilbereichen ist Aufwuchs von Brombeeren festzustellen.

 

Acker/Ackerbrache:

Das Flurstück. 68 wird als Ackerfläche intensiv genutzt. Zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahmen ist das Feld mit Mais bewachsen und weist nahezu keine Wildkrautvegetation auf. Lediglich auf den begrenzenden Feldwegen finden sich einige meist stickstoffliebende Ruderalarten.

Die Mitte des Untersuchungsgebietes (Flurstück. 133/67, 32/67, 60 und 186/59) wird von einer großflächigen Ackerbrache eingenommen, die einen mäßig strukturreichen Vegetationsbestand aufweist. Im Arteninventar herrschen Obergräser vor, wobei das Land-Reitgras dominiert. Daneben finden sich typische Ruderalarten und Fettwiesenarten, die auf frischen und nährstoffreichen Standorten regelmäßig vorkommen. Der Aufwuchs von Pioniergehölzen weist neben dem sehr geringen Anteil an Ackerwildkräutern auf ein mehrjähriges Brachestadium hin (Abbildung 7 zeigt, daß selbst auf dem Maisacker das Wasser steht).

 

Garten:

Im nördlichen Teil des Gebietes befindet sich ein größeres Gartengrundstück (Flurstück. 122/69-125/69), das mit einem alten Baumbestand bestückt ist. Neben mehreren alten

Obst­bäumen sind am Rand des Grundstücks standortfremde Fichten und Lärchen vorhanden. Da das Gartengrundstück in größeren Teilbereichen keinerlei Nutzung bzw. Pflege unterliegt, haben sich Zwetschgen- und Pflaumensämlinge und vor allem Brombeeren massiv ausgebreitet. Insbesondere am Rand des Grundstücks hat sich ein undurchdringlicher, dichter Gehölz­aufwuchs entwickelt, der in die angrenzenden Flächen ragt.

 

Straße, asphaltierte Wege:

Im Untersuchungsgebiet sind keine asphaltierten Straßen vorhanden Lediglich ein kurzer Abschnitt eines Feldweges, der über ein Brückenbauwerk führt, ist asphaltiert.

 

 

 

 

Bewachsene Feldwege:

Durch das Gebiet führen laut Katasterplan zahlreiche Feldwege, die jedoch im Gelände größtenteils kaum wahrnehmbar sind, da ihr Artenspektrum dem angrenzenden Grünland entspricht. Auf den nur sehr selten genutzten Wegen haben sich zudem typische Ruderalarten angesiedelt und z.T. Brombeersukzession ausgebreitet.

Die häufig befahrenen Wege bieten überwiegend trittunempfindlichen Arten wie Breiter-Wegerich, Weiß-Klee, Einjähriges Rispengras, Vogelknöterich und Löwenzahn einen Standort. Insgesamt ist die Vegetation der Feldwege artenarm ausgebildet.

 

3.5.3 Bewertung der Biotoptypen:

In die Bewertung einzelner Bisotoptypen für fließen Parameter ein, die jeweils besondere Bedeutung im floristischen Bereich als auch für das faunistische Potenzial haben.

Die Bedeutung der Biotoptypen (§ 1 BNatSchG) ergibt sich aus folgenden Kriterien:

- Naturnähe

- Wiederherstellbarkeit (Entwicklungsdauer/Raum- und Standort)

- Seltenheit/Gefährdung von Vegetationseinheiten/Art/Standort

- Arten- und Strukturausstattung

 

Die Biotoptypen werden mit einer Skala von fünf Wertstufen bewertet Die fünfstufige Bewertung stellt sich wie folgt dar:

Wertstufe I: Sehr geringe ökologische - naturschutzfachliche Bedeutung

Wertstufe II: Geringe ökologische - naturschutzfachliche Bedeutung

Wertstufe III: Mittlere ökologische - naturschutzfachliche Bedeutung

Wertstufe IV: Hohe ökologische - naturschutzfachliche Bedeutung

Wertstufe V: Sehr hohe ökologische - naturschutzfachliche Bedeutung.

 

Tab.1: Bewertung der Biotoptypen im Untersuchungsgebiet

 

 

Biotoptypen

Bewertungskriterien

Wertstufe

 

Gehölze trockener bis frischer Standorte

Bedingt naturnah (Bepflanzung, Straßenböschungen), mittlere Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, häufig -keine Gefährdung/ Seltenheit, geringe bis mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe III

- mittel -

 

Gehölze feuchter bis nasser Standorte

Natürlich, mittlere Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, häufig - keine Gefährdung/

Seltenheit, - mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe III

- mittel -

 

Einzelbäume

Natürlich, mittlere bis hohe Entwicklungsdauer, langfristig wiederherstellbar, häufig- keine Gefährdung/ Seltenheit, mittlere Arten-und Strukturausstattung

Wertstufe III

- mittel -

 

 

Streuobstwiesenbrache

 

Naturnah, mittlere bis hohe Entwicklungsdauer, langfristig wiederherstellbar, selten - geschützt § 31 HENatG, mittlere bis hohe Arten- und Strukturausstattung,

Wertstufe IV

- hoch-

Fließgewässer/Gräben

 

Naturfern, geringe Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, häufig - keine Gefährdung/Seltenheit, geringe bis mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe II

- gering -

Röhrichte, Hochstauden

 

Natürlich, geringe Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, selten/teilweise gefährdet, - geschützt § 30 und§ 31 HENatG, mittlere bis hohe Arten-und Strukturausstattung

Wertstufe IV

- hoch-

Grünland frischer Standorte

Bedingt naturnah, mittlere Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, mittlere Häufigkeit, gemäß Rote Liste Vorwarnliste, mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe III

- mittel -

 

 

Grünland (wechsel-) feuchter bis nasser Standorte

Bedingt naturnah, mittlere Entwicklungsdauer, mit hohem Aufwand wiederherstellbar, gemäß Rote Liste gefährdet bis sehr gefährdet, mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe IV

- hoch-

Grünlandbrache

Bedingt naturnah, geringe Entwicklungsdauer, einfach wiederherstellbar, sehr häufig - keine Gefährdung/Seltenheit, geringe Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe II

- gering -

Ruderalfluren meist frischer Standorte

 

Naturnah, geringe Entwicklungsdauer, sehr einfach wiederherstellbar, sehr häufig - keine Gefährdung/Seltenheit, geringe bis mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe II

- gering -

Acker,

intensiv genutzt

 

Künstlich, sehr geringe Entwicklungsdauer, sehr einfach wiederherstellbar, sehr häufig- keine Gefährdung/ Seltenheit, sehr geringe Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe I

- sehr gering -

Ackerbrache

Naturfern, geringe Entwicklungsdauer, einfach wiederherstellbar, häufig - keine Gefährdung/ Seltenheit, geringe bis mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe II

- gering -

Garten mit alten

Obstbeständen

Bedingt naturnah, mittlere bis hohe Entwicklungsdauer, wiederherstellbar, - keine Gefährdung/Seltenheit, mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe III

- mittel -

 

 

Straße,

asphaltierte Wege

Künstlich, sehr geringe Entwicklungsdauer, einfach wiederherstellbar, sehr häufig, - keine Gefährdung/Seltenheit, sehr geringe Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe I

- sehr gering -

Bewachsene Feldwege

Naturfern, geringe Entwicklungsdauer, sehr einfach wiederherstellbar, sehr häufig - keine Gefährdung/ Seltenheit, geringe bis mittlere Arten- und Strukturausstattung

Wertstufe II

- gering -

 

 

3.7 Landschaftsbild und Erholungseignung

Bei der Erfassung und Bewertung der Landschaft wird die nach § 1 BNatSchG in besonderem Maße unter Schutz gestellte Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft beschrieben und beurteilt

Unter dem Aspekt der Vielfalt ist ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild zu verstehen, das durch vielfältige (flächige) Nutzungsformen sowie aus linearen und punktuellen Strukturelementen besteht. Es kann sowohl natürlich als auch kulturell entstanden sein. Darüber hinaus kann die Vielfalt auch eine zeitliche Dimension aufweisen z.B. jahreszeitlicher Aspektwandel.

Als Eigenart wird ein bestimmtes, charakteristisches Zusammenwirken natürlicher und kultureller Elemente verstanden, die in einem lesbaren „Entwicklungszusammenhang“ stehen und eine relative zeitliche und räumliche Kontinuität/Konstanz aufweisen. Sie bewirkt letztlich die Identifikation mit der Landschaft, und das Entstehen von „Heimat“ und ist daher auch für die Bevölkerung eine relevante Bezugsgröße. Die „Ursprünglichkeit“ einer Landschaft steht in engem Zusammenhang mit der zuvor beschriebenen „Eigenart“ und ist insbesondere für den geschichtlichen und kulturellen Stellenwert der [Fortsetzung fehlt, technischer Fehler].

 

 

Faunistische Untersuchung zur Umweltverträglichkeitsstudie Maintal, Sportanlage „Grüne Mitte”

Ergebnisse erstellt von GUBPI - Büro für Gutachten, Umweltbildung, Präsentation und Information. Partnerschaft der Dipl.-Biol. Fox, Kristen, Vetter, Kerkrader Str. 7, 35398 Gießen.

Bearbeiter: Dipl. Biol. Rene Krissten, Dipl. Biol. Oliver Fox, Dipl. Biol Monika Schütz,

Dr. Jorge Encarnagao

 

1. Einleitung

Die Stadt Maintal plant die Ausweisung eines Baugebietes westlich angrenzend an die bestehende Ortslage (Bereich südwestlich der Anschlussstelle 34 „Maintal-Dörnigheim“). Geplant ist der Bau einer Sportanlage. Das von Heckenstrukturen und Feuchtwiesen gekennzeichnete Gebiet grenzt unmittelbar südlich der Autobahn 66 an. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung wurden folgende Tiergruppen untersucht: Fledermäuse, Feldhamster, Vögel, Reptilien, Amphibien, Heuschrecken, Tagfalter, Libellen

 

Die praktischen Feldarbeiten wurden nach folgendem Zeitplan vorgenommen:

 

Tiergruppe

Begehungen

Termin

Fledermäuse

4 Begehungen

Mai bis September

Feldhamster

2 Begehungen

Mai und Juli

Vögel

7 Begehungen

April bis Juli

Reptilien

3 Begehungen

Mai bis Juli

Amphibien

3 Begehungen

April bis Mai

Heuschrecken

3 Begehungen

April bis August

Tagfalter

5 Begehungen

April bis September

Libellen

5 Begehungen

Mai bis August

 

Ziel der Untersuchung war es, eine möglichst aussagekräftige Datengrundlage zur Fauna zu erarbeiten um mögliche Gefährdungen durch die geplante Umgestaltung zu erkennen.

Die praktischen Feldarbeiten zur Bestandserfassung aller in Auftrag gegeben Tiergruppen konnten wie geplant erfolgreich abgeschlossen werden. Dieser Bericht liefert eine Darstellung der abschließenden Ergebnisse sowie Hinweise zu Gefährdung und Schutz der festgestellten Tierarten.

Gemeinsame Methoden für Tagfalter, Heuschrecken und Libellen:

Da die Bestandserfassung für die Heuschrecken, Tagfalter und Libellen große Gemeinsamkeiten aufweisen, wird die Methodik in den Grundzügen bereits hier erläutert. Zur Bestandserfassung wurde das Untersuchungsgebiet an verschiedenen Terminen begangen (siehe jeweilige Tabelle im entsprechenden Kapitel). Aufgrund der Große des zu untersuchenden Areals wurden drei Transekte durch das Untersuchungsgebiet gelegt, an dem sich die Untersuchungen orientierten (Abb. 1). Die Begehungen erfolgten zu verschiedenen Uhrzeiten bei jeweils gutem Wetter.

Damit sollten eventuelle durch die Art bedingte Unterschiede in der Aktivität der Tiere ausgeglichen werden (Abbildung 1: Lage der Transekte im Untersuchungsgebiet im Jahr 2007).

Während der Begehungen zeigte sich, dass die Einteilung des Gebietes in verschiedene Zonen bei der Darstellung der Resultate förderlich ist. Aus diesem wurde das Areal in sieben Zonen eingeteilt (Abb. 2). Dies erleichtert die Verortung der Tiere im jeweiligen Text und vermeidet umständliche Beschreibungen Die Darstellung anhand der Flurbezeichnungen erschien aufgrund der Kleinstrukturiertheit vieler Bereiche als nicht sehr praktikabel. Die Einteilung der Zonen orientiert sich nicht an bestehenden Kartierungen zur Pflanzensoziologie und dem Vorkommen bestimmter Tierarten Es handelt sich im Gegenteil um eine mehr oder weniger willkürliche Einteilung (Abb. 2: Übersicht über die Lage der Zonen für die Untersuchung der Heuschreckenfauna 2007).

 

Ergebnisse:

 

2.1 Fledermäuse:

Insgesamt konnten vier Fledermausarten über die akustischen Erfassungen im unmittelbaren Untersuchungsgebiet nachgewiesen werden (Tab. 1). Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die beiden Schwesternarten Große und Kleine Bartfledermaus akustisch nicht unterscheiden lassen. Quartierstrukturen sind innerhalb des Planungsraumes nicht vorhanden, so dass ausschließlich Fledermäuse nachgewiesen wurden, die das Planungsgebiet als Nahrungsraum oder als Transferraum zwischen Quartier (z.B. im Siedlungsraum) und der angrenzenden Landschaft nutzen (Abb. 3).

 

Tabelle 1: Übersicht aller nachgewiesenen Fledermausarten im Untersuchungsgebiet bei Maintal und deren Schutzstatus.

 

Art

Schutzstatus

Nachweis

 

Rote Liste Hessen

Rote Liste Deutschland

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Detektor

Bartfledermaus

3/2

3/2

IV

Wasserfledermaus

2

3

IV

Großer Abendsegler

3

3

IV

Zwergfledermaus

3

N

IV

Kategorien der Roten Liste: 1 vom Aussterben bedroht, 2 stark gefährdet, 3 gefährdet, V Arten der Vorwarnliste, N derzeit nicht gefährdet.

 

Tabelle 2: Nachweishäufigkeit der im Planungsbereich in Maintal mit dem Detektor nachgewiesenen Fledermausarten im Sommer 2007.

 

Art

Detektorbegehungen

Summe

07.05.07

11.06.07

02.08.07

07.09.07

Bartfledermaus

2

1

1

2

6

Wasserfledermaus

2

1

3

4

10

Großer Abendsegler

2

3

3

2

10

Zwergfledermaus

10

13

7

13

43

Summe

16

18

14

21

69

 

 

 

Bei den vier Defekttorbegehungen konnten insgesamt 69 akustische Kontakte, verteilt auf die vier Arten, registriert werden. Den größten Anteil nahm dabei die Zwergfledermaus ein, die auch stetig bei allen Begehungen detektiert wurde. Mit zehn Kontakten und ebenfalls hoher Stetigkeit waren die Wasserfledermaus und der Große Abendsegler am häufigsten vertreten.

Bartfledermäuse wurden bei jeder Begehung ein- bis zweimal nachgewiesen.

 

Bewertung: Der als Untersuchungsgebiet ausgewählte Landschaftsausschnitt westlich von Maintal-Dörnigheim erweist sich nach den Untersuchungen aus diesem Sommer als mittelwertiger Teillebensraum für Fledermäuse. Mit insgesamt vier sicher nachgewiesenen Arten wurde weniger als ein Viertel der in Hessen vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen, was für einen Offenlandlebensraum ein repräsentativer Wert ist.

Das Planungsgebiet hat als Teillebensraum für Fledermäuse eine mittelwertige Bedeutung als Nahrungsraum wie auch als Transferraum für Flüge zwischen Nahrungsräumen und zwischen Quartieren im Siedlungsraum und der umgebenden Landschaft. Wesentliche Qualitätsmerkmale des Planungsgebietes sind die Feuchtwiesen sowie die südwestlich angrenzenden Gewässer. Eine Bedeutung als Quartierraum hat das Planungsgebiet nur im nördlichen Bereich, da sich hier relevanten Strukturen (alte und hohle Bäume) im Planungsgebiet befinden.

Durch eine Bebauung wird der betroffene Landschaftsausschnitt als Fledermausteillebensraum im oben genannten Sinne entwertet. Die Trockenlegung der Feuchtwiesen führt unweigerlich zu einem Verlust von Nahrungsraum und die Bebauung lässt ein Meidungsverhalten erwarten.

Das Wegfallen der Feuchtwiesen wie auch die Beeinträchtigung des Gebietes als Transferraum ist durch eine entsprechende Gestaltung der geplanten Sportanlage teilweise kompensierbar. Durch die Neuschaffung natürlicher, linienförmiger und unbeleuchteten Landschaftselemente (Hecken, Alleen, etc.) zwischen dem Siedlungsraum und den westlich bzw. südwestlich gelegenen Seen könnte die Erreichbarkeit dieser wichtigen Nahrungsräume erhöht und neue Nahrungsräume für vegetationsnah jagende Fledermäuse geschaffen werden. Die direkte Beleuchtung der benachbarten Seen muss vermieden werden.

 

2.2 Feldhamster:

Im Rhein-Main-Gebiet kommt der Feldhamster nur noch zersprengt in einzelnen kleinen Po- pulationen vor. Im Rahmen der Untersuchung konnte kein Nachweis von einem Hamsterbau erbracht wer-den. Aufgrund der Lage im Maintal eignet sich das Untersuchungsgebet zwar

strukturell, nicht aber aufgrund der regelmäßig ansteigenden Bodenwassers als potentieller Lebensraum für den Feldhamster und es wurden an dieser Stelle bisher noch keine Nachweise erbracht (mündliche Mitteilung Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF- HA)).

 

2.3 Vögel (durchgeführt von Dipl. Biol. Monika Schütz)

Im Rahmen der Untersuchungen wurde eine Erfassung der Brutvögel sowie der Nahrungs- gaste durchgeführt. Die Erfassung der Avifauna erfolgte durch Verhören sowie Sichtbeo- bachtungen. Im Gebiet wurden zwischen April und Juli Begehungen durchgeführt, bei denen die Revierpaare der vorkommenden Arten an Hand singender Männchen erfasst wurden. Als Reviere zählten nur die Teile, in denen ein Paar mehrmals festgestellt wurde. Außerdem konnten noch einige direkte Brutnachweise durch fütternde Altvögel, Warnverhalten bzw. eben flügge Jungvogel nachgewiesen werden. Begehungen zur Erfassung von Brutvögeln und Nahrungsgästen wurden durchgeführt am 06.04.07, 18.04.07, 10.05.07, 23.05.07, 11.06.07, 24.06.07, 07.07.07.

 

Im Rahmen der Untersuchungen konnten 25 Arten als Brutpaare identifiziert werden. Die häu­figsten Arten sind der Zilpzalp mit fünf Brutpaaren sowie die Blaumeise und die Mönchs­grasmücke mit je vier Brutpaaren (Tab. 5, Abb. 4, Abb. 5).

Tab. 5: Nachgewiesene Brutvögel der Untersuchung 2007 mit Angaben zum aktuellen Schutzstatus sowie der Gefährdungssituation (Rote Liste):

 

Name

Anzahl der Brutpaare

Rote Liste

Sumpfrohrsänger

1

 

Teichrohrsänger

3

He - V

Stockente

1

He - 3

Ringeltaube

2

 

Rabenkrähe

2

 

Goldammer

2

 

Rohrammer

3

He - 3

Rotkehlchen

2

 

Buchfink

3

 

Feldschwirl

1

 

Nachtigall

3

 

Blaumeise

4

 

Kohlmeise

3

 

Sumpfmeise

1

 

Zilpzalp

5

 

Fitis

2

 

Elster

1

 

Heckenbraunelle

3

 

Star

1

 

Mönchsgrasmücke

4

 

Gartengrasmücke

1

 

Dorngrasmücke

2

 

Zaunkönig

1

 

Amsel

2

 

Singdrossel

1

 

 

Kategorien der Roten Liste: 1 vom Aussterben bedroht, 2 stark gefährdet, 3 gefährdet.

Hinsichtlich der Brutvögel konnte keine Art festgestellt werden, die nach der BArtSchVO beKgidert vier streng geschützt ist.

 

Die Rohrammer und die Stockente sind in der Roten Liste Hessens als „gefährdet“ (RL 3) eingestuft. Mit dem Teichrohrsänger kommt zudem eine weitere Art vor, die in der Roten Liste Hessen in die Vorwarnstufe klassifiziert wird. Alle anderen erfassten Brutvögel gelten derzeit weder auf Bundesebene noch in Hessen als gefährdet (Tab. 5).

Im Gegensatz zu den Brutvögeln kommen bei den Nahrungsgästen im Untersuchungsgebiet gleich einige sehr interessante und geschützte Arten vor (Tab. 6). Hier sind zum einen mit dem Mäusebussard, der Turmfalke und der Rotmilan die Raubvögel zu nennen. Alle Arten sind nach EG-ASchVo geschützt. Daneben sind mit dem Schilfrohrsänger und dem Grünspecht zwei Arten zu finden, die nach BArtSchVO streng geschützt sind.

 

 

 

 

 

 

Tab. 6: Nachgewiesene Nahrungsgäste der Untersuchung 2007 mit Angaben zum aktuellen Schutzstatus sowie der Gefährdungssituation (Rote Liste):

 

Art

Schutz

Rote Liste

Schilfrohrsänger

BArtSchVO, streng geschützte Art

He - 1, D - 2

Mauersegler

-

He - V

Graureiher

-

He - 3

Mäusebussard

geschützt nach EG- ASchVO, Anhang A

He - V

Hänfling

-

He - V

Stieglitz

-

He - V

Grünfink

-

-

Mehlschwalbe

-

D - V

Turmfalke

geschützt nach EG- ASchVO, Anhang A

-

Eichelhäher

-

-

Rauchschwalbe

-

He -3

Rotmilan

geschützt nach EG-ASchVO, Anhang A

D - V

Bachstelze

-

-

Feldsperling

-

-

Grünspecht

BArtSchVO, streng geschützte Art

D - V

 

Der Schilfrohrsänger führt zudem die Rangliste der gefährdeten Vogelarten an und stellt eine sehr seltene Vogelart dar. Mir dem Graureiher, der Mehlschwalbe und der Rauchschwalbe kommen drei weitere Arten vor, die laut aktueller Liste für Hessen als „gefährdet“ eingestuft sind. Mit Mäusebussard, Mauersegler, Hänfling, Stieglitz erweitert sich die Liste auf acht in Hessen gefährdete Vogelarten. Ergänzt man noch Rotmilan und Grünspecht, die auf Bundesebene zu den gefährdeten Vogelarten gezählt werden, kommt man auf zehn gefährdete Arten.

 

Bewertung und Empfehlung:

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung konnten 25 Vogelarten mit Revieren im Bereich nachgewiesen werden. Keine der nachgewiesenen Arten ist nach BartSchVO § 1 den streng geschützten bzw. den besonders geschützten Arten zuzurechnen. Allerdings ist zu bedenken, dass dieser Teil Maintals durch das Angebot an naturnahen Strukturen vielen Brutvögeln einen Rückzugsraum bietet, auch wenn die gefundenen Arten nicht zu den selten Arten gerechnet werden. Dennoch machen auch diese Vögel einen wichtigen Aspekt der Natur aus.

Hinsichtlich der Nahrungsgäste ist das untersuchte Gebiet sehr interessant und in einigen Bereichen erhaltenswert. Der interessanteste Nahrungsgast ist sicherlich der Schilfrohrsänger. Diese streng geschützte und stark gefährdete Art konnte im südöstlichen Bereich rund um den Graben (Zone 1, Abb. 2) und im nordwestlichen Bereich der Feuchtwiese (Zone 5, Abb.2) nachgewiesen werden. Da die Tiere jedoch nur zu einem Termin beobachtet werden konnten, handelte es sich vermutlich um durchziehende Exemplare. Unter den Nahrungsgästen fielen noch die Raubvögel (Mäusebussard, Turmfalke und Rotmilan) auf, die das Terrain hin und wieder zur Jagd nutzten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aus ornithologischer Sicht die Hecken- und Schilfbereiche entlang des Grabens (Zone 1, Abb. 2) und entsprechende Strukturen im nord- westlichen Bereich (Zone 5, Abb. 2) besonders erhaltenswert sind. Diese Bereiche werden auch vom Großteil der nachgewiesenen Brutvögel bevorzugt. Es ist anzumerken, dass aller Wahrscheinlichkeit nach, die bereits jetzt festzustellende starke Frequentierung des Gebiets (z. B. Spaziergänger, feiernde Jugendliche und freilaufenden Hunden) zu Beeinträchtigun- gen im Brutverhalten der Vögel führt.

 

 

Erläuterung der Arten der Roten Liste (aus HGON 2006):

Zur Kategorie 1 zählen Arten, deren Vorkommen seit der letzten Fassung der Roten Liste unverändert vom Erlöschen bedroht ist. Hinzu kommen solche, deren Bestände seitdem um mehr als die Hälfte abgenommen haben bzw die starke Arealverluste hinnehmen mussten und die heute nur noch mit weniger als 60 Brutpaaren oder an weniger als fünf Stellen in Hessen vorkommen. Auch Arten mit Bestandsabnahmen von 20-50 Prozent fallen in diese Kategorie, wenn sie zahlenmäßig selten sind (< 60 Brutpaare) oder nur an wenigen Stellen brüten und besondere Risikofaktoren hinzutreten. Wenn eine Art nach einer Bestandsabnahme um mehr als die Hälfte noch immer mit über 600 Paaren in Hessen brütet, kann das Vorliegen von Risikofaktoren gleichwohl auch zu einer Einstufung in Kategorie 1 führen. Gleiches gilt für Arten, die schon immer sehr selten in Hessen brüteten oder nur in geografisch eng begrenzten Räumen vorkommen.

Alle Arten der Kategorie 3 (gefährdet) haben einen Bestand der im Rückgang begriffen ist oder schon immer auf niedrigem Niveau war. Oftmals liegt dies an sehr regionalen Vorkom- men und oder an anthropogenen Einflüssen wie Lebensraumzerstörung und Verfolgung.

Alle Arten der Kategorie V haben entweder einen maximalen Bestand von bis zu 600 Brut- paaren in Hessen oder in den einzelnen Jahren Bestandsrückgang von 20 Prozent (Haussperling, Feldsperling) beziehungsweise waren seit jeher selten.

 

2.4 Reptilien (durchgeführt von Dipl. Biol. Rene Kristen)

Viele der heimischen Reptilien sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet. Aus diesem Grund sind alle Reptilien auf nationaler Ebene (BnatschG § 20 f, BartSchVO § 1) besonders geschützt. Auf europaweiter Ebene (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie [92143/EVVG] der Europäischen Union) sind derzeit acht Arten gesetzlich streng geschützt.

Zur Kartierung der Reptilien wurden besonders sonnenexponierte Stellen untersucht. Ein Schwerpunkt der Begehungen lag besonders auch in den kurzrasigen Bereichen, die an He- cken, Steinreihen und Hangstrukturen anschließen. Einerseits findet sich eine große Anzahl potentiell guter Unterschlupfmöglichkeiten für Reptilien und andererseits nutzen die Tiere vegetationsarme Stellen vor allem in den Morgenstunden um sich in der Sonne aufzuwär- men. Die Beobachtung ist zu diesem Zeitpunkt besonders vielversprechend.

Die Begehungen erfolgten an mehreren Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten (mit Schwerpunkt am Vormittag) bei jeweils gutem Wetter (Tab. 7) am 24.04.07, 08.05.07, 06.06.07, 16.07.07, 30.07.07.

Damit können eventuelle durch die Art bedingte Unterschiede in der Aktivität der Tiere ausgeglichen werden. Zudem wurden Reptilienbleche ausgelegt, um dadurch besonders attraktive Kleinstrukturen zu schaffen, an denen der Nachweis leichter gelingt. Dennoch ist der Erfolg des Nachweises von Reptilien im gewissen Maße von Zufällen abhängig.

 

Ergebnisse und Bewertung:

Im Rahmen der Untersuchungen konnte das Vorkommen der Zauneidechse im Bereich des

Untersuchungsgebietes festgestellt werden (Tab. 8, Abb.) Allerdings konnte nur ein Exem­- plar an einem Termin am westlichen Rand des Untersuchungsgebietes nachgewiesen werden. Zwar ist es möglich, dass die Eidechsen zu den jeweiligen Untersuchungszeitpunkten ……

 

[Hier fehlt die Seite 19, technischer Fehler]

 

Jetzt folgt eine längere Ausführung über die Biologie der Zauneidechse, die streng geschützt ist nach BArtSchVO; FFH-Richtlinie - Anhang IV und Rote Liste: 3 (gefährdet)

 

 

 

2.5 Amphibien (durchgeführt von Dipl. Biol. Rene Kristen)

Viele der heimischen Amphibien sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet. Aus diesem Grund sind alle Amphibien auf nationaler Ebene (BNatschG § 20 f, BArtSchVO § 1) besonders geschützt. Auf europaweiter Ebene (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie [921431EVVG] der Europäischen Union) sind derzeit zehn Arten gesetzlich streng geschützt.

Zur Kartierung der Amphibien wurden besonders die Laichhabitate untersucht. Ein Schwerpunkt der Begehungen lag hierbei auf dem Graben im südöstlichen Bereich des Untersu- chungsgebietes, dem Graben am westlichen Rand sowie dem Graben im zentralen Bereich der südwestlichen Wiese. Die Untersuchungen wurden hauptsächlich visuell und akustisch durchgeführt, im Bereich des südöstlichen und des westlichen Grabens wurden zusätzlich Molchreusen eingesetzt. Diese haben den Vorteil, dass sie automatisch über einen verhält- mäßig langen Zeitraum fangen und so auch scheue und schwerer nachzuweisende Tiere erfasst werden können. Einen Überblick über die Reusenstandorte liefert Abbildung 7. Die Begehungen erfolgten an mehreren Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten bei jeweils gutem Wetter (Tab. 9) am 24.04.07, 08.05.07, 06.06.07, 24.04. - 25.04.07, 08.05. - 09.05.07.

 

Ergebnisse und Bewertung:

Im Rahmen der Untersuchungen konnten vier Amphibienarten nachgewiesen werden. Dies waren der Teichfrosch, der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch (Tab. 10, Abb. 8).

Die Erdkröte konnte am häufigsten nachgewiesen werden und war im Frühjahr an nahezu jedem Gewässer anzutreffen. Nur am Entwässerungsgraben der südwestlichen Wiese war die Art nicht zu finden (Abb. 8). Der Nachweis der Erdkröte erfolgte sowohl visuell, akustisch als auch mit Hilfe der Reusen. Im südöstlichen Graben konnte über Kaulquappenfänge in den Reusen zudem die Reproduktion der Erdkröte nachgewiesen werden (Abb. 8).

Der Grasfrosch konnte mittels Reusen als Kaulquappe im südöstlichen Graben nachgewiesen werden. Damit ist gleichzeitig die Reproduktion dieser Art im Untersuchungsgebiet sicher bestätigt.

Der Teichfrosch konnte nur akustisch im nördlichen Teil des Grabens an der Westseite des Untersuchungsgebietes nachgewiesen werden (Abb. 8). Da im Gewässer keine Kaulquappen nachzuweisen waren, stellt der Graben eher eine Station für Wanderungen oder Ausweichmöglichkeit für das große Gewässer westlich des Untersuchungsgebietes dar. Als dauerhaftes Habitat für den Teichfrosch kommt der Graben aufgrund der Struktur nicht in Frage. Grünfrösche meiden in der Regel eher schattige und stark getrübte Gräben. Sie bevorzugen dagegen besonnte Teiche (Jedicke 1992).

Der Teichmolch war im Untersuchungsgebiet nur im Bereich des Grabens auf der Westseite nachweisbar (Abb. 8). Hier konnte er sowohl direkt visuell als auch mittels Reusen nachgewiesen werden. Aufgrund von Larvenfunden ist davon auszugehen, dass der Teichmolch den Graben auch als Reproduktionsgewässer nutzt.

Alle nachgewiesenen Arten sind derzeit auf der Roten Liste Hessens zu finden. Der Teichfrosch wird als „gefährdet" (RL 3) eingestuft. Die anderen Arten befinden sich auf der ,,Vorwarnliste" (Tab. 10). Daneben zählen die Arten, wie alle Amphibien, zu den besonders geschützten Arten in Deutschland (BArtSchVO).

Hinsichtlich der Erheblichkeit werden die nachgewiesenen Amphibien stärksten durch direkte Eingriffe an den Gewässern beeinträchtigt. Der südöstliche Graben dient dem Grasfrosch und der Erdkröte als Fortpflanzungshabitat, der Graben am westlichen Rand dem Teichmolch. Beide Gewässer sollten also unbedingt erhalten werden.

Als Sommerhabitate kommen für diese drei Arten zum einen die Bereiche in direkter Nähe zum Gewässer, die Feuchtwiese im nordwestlichen Bereich (Zone 5, Abb. 2) und Wiesen nördlich des Grabens (Zone 2, Abb. 2) in Frage. Eingriffe in diese Bereiche (Versiegelung der Oberfläche, Entwässerung usw.) würden sich negativ auf die Amphibien auswirken.

Nach dem jetzigen Stand der Untersuchungen, können Baumaßnahmen in jeglicher Form und in nahezu allen Bereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen der Amphibienfauna führen. Um präzisere Aussagen treffen zu können, welche Bereiche besonders sensibel reagieren, sind weitere Untersuchungen (z. B. zu Wanderbewegungen, frequentierte Sommerhabitate, Populationsstärken) notwendig.

 

Tab 10: Nachgewiesene Amphibien der Untersuchung 2007 mit Angaben zum aktuellen Schutzstatus sowie der Gefährdungssituation (Rote Liste):

 

Art

Schutz

Rote Liste

Froschlurche

Erdkröte

BArtSchVO. besonders geschützte Art

 

He - V

 

Grasfrosch

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

D - V, He - V

 

Teichfrosch

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

He - 3

Schwanzlurche

Teichmolch

BArtSchVO, besonders

geschützte Art

D -V, He - V

 

 

Es folgt jetzt eine längere Ausführung über die Biologie der Erdkröte, Grasfrosch, Teichfrosch und Teichmolch. Sie sind alle besonders geschützt nach BArtSchVO.

 

 

2.6 Heuschrecken (durchgeführt von Dipl. Biol. Rene Kristen)

Viele der heimischen Heuschrecken sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet. Aus diesem Grund sind 16 Heuschrecken auf nationaler (BArtSchVO § 1) besonders bzw. streng ge- schützt. Das vorliegende Kapitel stellt die Ergebnisse der Erhebungen zur Heuschreckenfauna aus der Saison 2007 dar.

Zur Bestandserfassung der Heuschrecken wurde das Untersuchungsgebiet an drei Terminen (24.04.07, 06.06.07 und 30.07.07) begangen (Tab 11). Aufgrund der Größe des Untersuchungsgebiets wurde drei Transekte durch das Untersuchungsgebietes gelegt an dem sich die Untersuchungen orientierten (Abb. 1). Die Begehungen erfolgten zu verschiedenen Uhrzeiten bei jeweils gutem Wetter. Damit sollten eventuelle durch die Art bedingte Unterschiede in der Aktivität der Tiere ausgeglichen werden. Die erste Begehung am 24.04.07 wurde bis in die Nacht ausgedehnt, um auch die Maulwurfsgrille nachweisen zu können. Die Tiere wurden während der Transektgänge akustisch sowie durch Käschern im Gelände angesprochen.

Zur einfacheren Zuordnung der ermittelten Daten wurde das Untersuchungsgebiet in sieben Zonen eingeteilt. Die räumlichen Angaben beziehen sich im Folgenden also nicht mehr auf die Transekte zur Erfassung, sondern auf die auf Abbildung 2 dargestellte Zonierung des Untersuchungsgebietes.

 

Ergebnisse und Bewertung:

Im Zuge der Untersuchungen konnten im Untersuchungsgebiet acht Heuschreckenarten

Nachgewiesen werden (Tab. 12). Diese verteilten sich auf drei Langfühlerschrecken der Arten „Gemeine Strauchschrecke“, „Rösels Beißschrecke“ und das Große Grüne Heupferd“. Zudem wurden mit den Arten „Nachtigallgrashüpfer“, „Brauner Grashüpfer“ „Wiesengrashüpfer“, „Gewöhnlicher Grashüpfer“ und der „Sumpfschrecke“ fünf Kurzfühlerschrecken gefunden.

Keine der nachgewiesenen Heuschrecken zählt nach Bundesartenschutzverordnung zu den „besonders geschützten“ Arten (Tab. 12, Abb. 9). Die Arten „Wiesengrashüpfer“ und „Sumpfschrecke“ sind in Hessen auf der Roten Liste zu finden.

Die Begehungen zeigten, dass nicht alle Heuschreckenarten gleichmäßig über das gesamte Untersuchungsgebiet verteilt waren. Vielmehr gibt es einige Arten, die ausschließlich entlang der Heckenstrukturen im nördlichen (Zone 4, Abb. 2) und nordöstlichen Teil (Zone 3, Abb. 2) zu finden sind. Dies ist vor allem die Gebüschart „Gewöhnliche Strauchschrecke“, die in den Hecken nachgewiesen wurde und „Brauner Grashüpfer“. Letztere Art war vor allem auf den kurzrasigen und wärmeren Teilen der Wiese am nordöstlichen Rand des Untersuchungsgebietes (Zone 3, Abb. 2) zu finden. Beide Arten sind in Hessen weit verbreitet und nicht gefährdet. Die“Sumpfschrecke“ konnte ausschließlich auf der feuchtere Wiese im nordwestlichen Teil gefunden (Zone 5, Abb. 2) wer den und meidet die trockeneren Bereiche. „Roesels Beißschrecke“ konnte dagegen jeweils eher in den zu diesen Zeitpunkten ungemähten Bereichen gefunden wer den und ist im gesamten Untersuchungsgebiet häufig.

Die weiteren Arten wie „Gewöhnlicher Grashüpfer“, „Wiesengrashüpfer“ sowie „Nachtigallgrashüpfer“ waren auf großen Teilen des Untersuchungsgebietes zu finden (Abb. 9). Das Mähregime wirkt sich hier allerdings stark auf das Vorkommen der Heuschrecken aus. So wechseln die Tiere, je nachdem welcher Teil gerade gemäht wurde, auf den ungemähten Teil bzw. konzentrieren sich in den Saumregionen bis die Vegetation wieder ausreichend nachgewachsen ist.

Hinsichtlich der Erheblichkeit eines geplanten Eingriffs müssen die beiden Rote-Liste-Arten getrennt voneinander betrachtet werden. Da sich das Vorkommen der „Sumpfschrecke“ räumlich stark auf den nordöstlichen Bereich (Zone 5, Abb. 2) beschränkt, würden Eingriffe in diesem Bereich das Vorkommen der Art vernichten. In Hinblick des Erhalts des Vorkom- mens dieser Art sollte daher von stärkeren Eingriffen in diesem Bereich abgesehen werden. Zudem sollten Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Entwässerung des Bereichs führen, da die „Sumpfschrecke“ auf solche Maßnahmen sehr sensibel reagiert.

Im Gegensatz zur vorherigen Art ist der „Wiesengrashüpfer“ in weiten Bereichen des Untersu chungsgebietes verbreitet (Abb. 9). Die Beeinträchtigungen werden für diese Art daher deutlich geringer ausfallen würden. Jedoch muss ausgeschlossen werden, dass alle Bereiche, in denen die Art vorkommt, baulich umstrukturiert werden. Für den Erhalt der Art an diesen Standort ist eine Mindestgröße der Population und damit auch ein Mindestanspruch an das verbleibende Habitat notwendig. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Tiere genügend Ausweichhabitate vorfinden, wenn eine Wiese gerade gemäht wurde. In diesem Augenblick verläßt der größte Teil der Population die frisch gemähten Bereiche und zieht sich, bis das

Gras nachgewachsen ist, in Bereiche mit höherer Grasvegetation zurück. Insgesamt ist der „Wiesengrashüppfer“ zwar wesentlich trockenheitstoleranter als die „Sumpschrecke, dennoch würde auch diese Art mit einer starken Entwässerung des Geländes stark leiden und unter Umständen völlig verschwinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tab. 12: Nachgewiesene Heuschrecken der Untersuchung 2007 mit Angaben zum aktuellen Schutzstatus sowie der Gefährdungssituation (Rote Liste).

 

Art

Fundort

Rote Liste

Feldheuschrecken

Nachtigallgrashüpfer

2, 3, 4, 7

 

Brauner Grashüpfer

3, 4

 

Wiesengrashüpfer

1, 2, 4, 7

He: 3 gefährdet

Gewöhnlicher Grashüpfer

1, 2, 4, 7

 

Sumpfschrecke

5, 7

He: 3 gefährdet

Laubheuschrecken

Roesels Beißschrecke

1, 2, 7

 

Gewöhnliche Strauchschrecke

3, 4

 

Grünes Heupferd

1,2

 

 

Es folgen jetzt Ausführungen zur Biologie von Wiesengrashüpfer und Sumpfschrecke, beide Rote Liste: 3

 

2.7 Tagfalter (durchgeführt von Dipl. Biol. Rene Kristen und Dipl. Biol. Oliver Fox)

Viele der einheimischen Tagfalter sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet. Aus diesem Grund sind sehr viele Tagfalter auf nationaler Ebene besonders bzw. streng geschützt. Auf europaweiter Ebene Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie sind derzeit zwölf Arten gesetzlich geschützt. Das vorliegende Kapitel stellt die Ergebnisse der Erhebungen zur Tagfalterfauna aus dem Sommer 2007 dar.

Zur Bestandserfassung der Tagfalter wurde das Untersuchungsgebiet an sechs Terminen (24.04., 08.05, 06.06, 16.07. und 24.08.) begangen. Aufgrund der Größe des Untersuchungsgebiets wurden drei Transekte durch das Untersuchungsgebiet gelegt und begangen (Abb. 1)

Neben der Erfassung von aktiven Tagfaltern wurden schwerpunktmäßig an jeweils nicht gemähten Bereichen die Vegetation nach Raupen abgesucht, vor allem im Randbereich der Gräben und Gewässer sowie an einigen weiteren Stellen findet sich eine große Anzahl potentiell geeigneter Futterpflanzen für Tagfalter. Besonderes Interesse galt hierbei den Beständen des Großen Wiesenknopfes, da diesem als Futterpflanze für verschiedene Maculinea-Arten eine exponierte Stellung zukommt. Die Begehungen erfolgten zu verschiedenen Uhrzeiten bei jeweils gutem Wetter. Damit sollten eventuelle durch die Art bedingte Unterschiede in der Aktivität der Tiere ausgeglichen werden. Die Tiere wurden- sofern möglich - direkt während der Transektgänge im Gelände angesprochen.

Im Rahmen der Untersuchungen konnten 13 Tagfalterarten aus fünf Familien nachgewiesen werden. Drei der nachgewiesenen Tagfalter zählen nach Bundesartenschutzverordnung zu den „besonders geschützten“ Arten (Tab. 14). Die geschützten Arten sind „Goldene Acht“, „Kleines Wiesenvögelchen“ und „Hauhechelbläuling“. Keine der nachgewiesenen Arten ist in den Anhängen II & IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie [92/43/EWG] genannt.

Da die Determination von Goldene Acht (colias hyale und colias australis) bereits in der Literatur als nahezu unmöglich beschrieben wird und auch der Vergleich der gefundenen Tiere mit der Vergleichssammlung für den Vogelsberg (Künanzhaussammlung) nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führte, werden die Schwesterarten im weiteren Verlauf mit beiden Artnamen bezeichnet. Dies erscheint hinsichtlich des Ziels dieser Untersuchung als ausreichend, da sie sich im Hinblick auf den Schutzstatus sowie in ihren ökologischen Ansprüchen nicht bzw. sehr wenig unterscheiden.

Insgesamt werden von den nachgewiesenen Arten zwei Arten (Goldene Acht, Senfweißling) in der Roten Liste der Schmetterlinge für Hessen als „gefährdet" bzw. in die „Vorwarnstufe" klassifiziert (Tab. 14).

Tab.14: Nachgewiesene Tagfalterarten der Untersuchung 2007 mit Angaben zum aktuellen Schutzstatus sowie der Gefährdungssituation (Rote Liste):

 

Art/ Name

Fundort

Schutz

Rote Liste

Weißlinge

Aurorafalter

2, 3, 4, 5

 

 

Goldene Acht

5

 

BArtSchVO, besonders

geschützte Art

He: G/3

gefährdet

Senfweißling

3, 4

 

He: V

Großer Kohlweißling

1, 2, 5, 7

 

 

Rapsweißling

1, 2, 3, 5

 

 

Kleiner Kohlweißling

2, 5

 

 

Dickkopffalter

Braunkolbiger Braundickkopf

2, 3

 

BArtSchVO, besonders

geschützte Art

 

Bläulinge

Hauhechelbläuling

5

 

 

Edelfalter

 

 

 

Kleiner Fuchs

1,2, 7

 

 

Tagpfauenauge

1, 2, 3,5, 7

 

 

Admiral

1, 2

 

 

Bräunlinge

Kleines Wiesenvögelchen

2, 4. 5. 7

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Schachbrett

2, 7

 

 

 

Wie die Begehungen gezeigt haben, sind nicht alle Arten der gefundenen Schmetterlinge flächig über das gesamte Untersuchungsgebiet verteilt. Vielmehr finden sich einige Arten, wie beispielsweise der Senfweißling und der Rapsweißling, die sich nahezu ausschließlich entlang der vorhandenen Heckenstrukturen (Zone 3 und 4) aufhalten. Andere Arten konnten schwerpunktmäßig in den zentralen Bereichen (Zone 2 und 7) nachgewiesen werden. Dies waren hauptsächlich die Arten Kleiner Fuchs, Kleines Wiesenvögelchen und das Schachbrett. Für die Arten Aglais uirticae und Vanessa atalanta konnten neben Imagines auch zusätzlich Raupen auf den Beständen der Brennnessel entlang des Grabens durch Zone 7 und am nördlichen Ufer des südöstlichen Grabens (südlicher Bereich der Zone 2) gefunden werden. Diese Arten vermehren sich also im Untersuchungsgebiet. Die Art Coenonympha pamphäus konnte während der Begehungen mehrmals bei der Eiablage beobachtet werden und ist damit als bodenständig anzusehen.

Die weiteren geschützten Arten wie Colas hyale/australis (Goldene Acht) und Polyomatus icarus konnten dagegen weder bei der Eiablage beobachtet, noch die Raupen der Falter gefunden werden. Es kann daher nicht abschließend geklärt werden, ob es sich lediglich um

überfliegende Exemplare handelte oder ob de Arten auf den untersuchten Flächen bodenständig sind. Die beiden Arten konnten nur sehr selten und auch nur in den Randbereichen festgestellt werden.

Hinsichtlich des Blütenbesuchs ist keiner der nachgewiesenen geschützten Schmetterlinge als ausgesprochen oligolektisch (auf wenige Blütenpflanzen spezialisiert) einzustufen.

Hinsichtlich der Erheblichkeit eines Eingriffs ist daher davon auszugehen, dass alle Arten von einer Baumaßnahme beeinträchtigt würden, da dadurch das Angebot von Futterpflanzen reduziert würde. Sicherlich werden die Imagines auf das Blütenangebot der Umgebung ausweichen.

-Die Reduktion von potentiellen Eiablagepflanzen/Futterpflanzen für die Raupen dürfte aber den Druck auf die Population erhöhen. Zwar bevorzugen alle Arten bei der Eiablage typische Pflanzen der Wiesen, wie beispielsweise die Wicke oder der Hufeisenklee.

In einer stark genutzten Kulturlandschaft kann aber auch die Verfügbarkeit dieser „Allerweltsarten“ in passender Umgebung problematisch sein. Es sollte daher darauf geachtet werden werden, Bereiche mit potentiellen Futterpflanzen zu erhalten bzw. geeignete Ausweichhabitate schaffen.

Mit dem Senfweißling wurde eine weitere Art nachgewiesen, die in Hessen auf der Roten Liste genannt wird. Diese Art wird derzeit in die „Vorwarnstufe“ eingeordnet. Da diese Art in ihrer Entwicklung an Platterbsenn bzw. den Hornklee gebunden ist, kann trotz fehlender Nachweise der Raupen nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Senfweißling auf den untersuchten Flächen vermehrt. Zwar handelt es sich auch hier bei bevorzugten Futterpflanzen keineswegs um seltene Arten. Dennoch verkleinert eine großflächige Baumaßnahme das Potential zur Fortpflanzung. Daher sollten auch in diesem Fall Bereiche mit potentiellen Futterpflanzen erhalten bzw. geeignete Ausweichhabitate geschaffen werden.

Es folgen wieder Angaben zur Biologie von:

Goldene Acht (besonders geschützt nach BArtSchVO und Rote Liste: C. hyale: „Gefährdung anzunehmen“, C. australis: 3),

Kleines Wiesenvögelchen (besonders geschützt nach BArtSchVO),

Senfweißling (Rote Liste: „Vorwarnstufe“),

Hauhechel-Bläuling (besonders geschützt nach BArtSchVO).

 

 

2.7 Libellen (durchgeführt von Dipl. Biol. Oliver Fox)

Libellen sind aufgrund ihres exzellenten Flugvermögens und der oftmals prächtigen Färbung bekannte Großinsekten. In Deutschland sind 80 Arten heimisch, von denen 62 in Hessen vorkommen. Alle einheimischen Libellenarten sind auf nationaler (BArtSchVO § 1) besonders geschützt, einige davon sogar streng geschützt.

Die sich räuberisch ernährenden adulten Tiere findet man vor allem in der Nähe von Gewäs- sern. Das gesamte Jagdrevier erstreckt sich aber gerade bei den Großlibellen noch über eine große Strecke von den Gewässern entfernt. Für die Fortpflanzung sind die Arten an Gewässer gebunden.

Viele der heimischen Libellen sind durch die stetig voranschreitende Zerstörung ihrer Lebensräume in ihrem Bestand gefährdet. Besonders zu nennen sind hier die Eutrophierung und wasserbauliche Veränderung der Gewässer-Lebensräume, aber auch die Trockenlegung von Feucht- und Nasswiesen. Aber auch Störungen im Uferbereich durch zunehmende Freizeitnutzung entsprechender Flächen stellen ein Problem dar. Aus diesem

[Hier fehlt die Seite 37, technischer Fehler]

Die gefundenen Libellen sind keineswegs gleichmäßig über das Untersuchungsgebiet verteilt. Die Untersuchungen zeigen ein deutliches Verbreitungsschema, das gut zu den im Untersuchungsgebiet vorhandenen Gewässern paßt.

Das Jagdrevier der Großen Königslibelle, die besonders in Zone nachgewiesen wurde, er­streckt sich über den angrenzenden Graben noch in Zone 2 und unterstreicht damit die Eigenschaft dieser Art, die als guter Flieger charakterisiert wird.

 

Einige Arten mit höheren Individuendichten finden sich vor allem in der als Zone 5 angesprochenen Fläche, die durch hohe Feuchtigkeit auffällt. Es sind dies die große Heidelibelle, die Große Pechlibelle und die Gemeine Federlibelle. Während die beiden letztgenannten Arten sich vornehmlich auf diese Zone beschränken, war die Große Heidelibelle auch im Grabenbereich in Zone 7 anzutreffen.

Keiner bestimmten Zone zuordnen ließ sich der Große Blaupfeil, von dem jeweils ein Individuum am nördlichen Ende des Untersuchungsgebiets in Zone 4 und in Zone 2 gefunden wurde.

 

Bewertung:

Der Schwerpunkt der gefundenen Libellen, sowohl in der Individuendichte als auch der

Anzahl der Arten liegt deutlich auf der Feuchtwiese in Zone 5. Aber auch der Graben durch Zone 7 und der zwischen Zone 1 und 2 gelegene Graben stellen zentrale Punkte in Revieren der gefundenen Großlibellen dar, die sich dann auf die angrenzenden Freiflächen erstrecken

Ein wirksamer Schutz der Libellenarten kann wegen ihrer spezifischen Biotopbindung

nur durch den Erhalt ihrer Lebensräume geschehen (Patrzich egt al 1996). Im Sinne der im Untersuchungsgebiet anzutreffenden Libellenfauna sollten daher besonders die Feuchtwiese im Nordwesten und der wasserführende Graben im Westen des Untersuchungsgebetes sowie der Graben zwischen Zone 1 und 2 inklusive eines ausreichend großen Randstreifens erhalten bleiben.

Zur Biologie der gefundenen Arten: Im Folgenden werden die nachgewiesenen Arten kurz in Steckbriefen dargestellt. Alle besonders geschützt nach BArtSchVO: Große Königslibelle, Plattbauch, Großer Blaupfeil, Große Heidelibelle, Große Pechlibelle, Gemeine Federlibelle.

 

 

3. Zusammenfassung und Bewertung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, daß das untersuchte Gebiet durchaus interessante

und schützenswerte Tierarten beherbergt. Hervorzuheben ist hier das Vorkommen der vier Fledermausarten (Zwergfledermaus, Wasserfledermaus, Großer Abendsegler, Bartfledermaus

und der Zauneidechse Diesen kommt eine exponierte Stellung hinsichtlich des rechtlichen Schutzstatus (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie [92/43/EWG]) zu.

Als Teillebensraum für Fledermäuse hat das Gebiet eine mittelwertige Bedeutung und dient als Nahrungs-Raum wie für als Transfer-Raum zwischen Nahrungsräumen und Quartieren im Siedlungsraum bzw. der umgebenden Landschaft. Wesentliche Qualitätsmerkmale des Planungsgebietes sind die Feuchtwiesen. Eine Bedeutung als Quartierraum kommt dem Planungsgebiet nur im nördlichen Teil zu, da sich hier relevante Strukturen (alte und hohle Bäume) befinden.

Eine Bebauung (Trockenlegung) würde den Landschaftsausschnitt als Fledermausteillebensraum (Nahrungsraum) entwerten. Die Beeinträchtigung des Gebietes als Transfer-Raum ist durch nur durch eine entsprechende Gestaltung mit natürlichen, linienförmigen und unbeleuchteten Landschaftselemente (Hecken, Alleen, etc.) zwischen dem Siedlungsraum und den westlich bzw. südwestlich gelegenen Seen möglich. Die direkte Beleuchtung der benachbarten Seen muss unbedingt vermieden werden.

Die Zauneidechse konnte mit nur einem Exemplar an einem Termin am westlichen Rand des Untersuchungsgebietes (Brücke) nachgewiesen werden. Hierbei konnte nicht abschließend geklärt werden, ob es sich um ein eingewandertes Tier der Umgebung handelte oder ob Zauneidechsen in diesem Bereich dauerhaft leben. Hinsichtlich der bevorzugten Strukturen mit einem Mix aus offenen und schütter bewachsenen Bereichen, Geröll bzw. Steinen, höherer Vegetation (z.B. hohes Gras, Röhrichte, Hecken) bietet diese Stelle die besten Voraussetzungen im Planungsgebiet. Zur Abschätzung, ob sich dort eine stabile und sich fortpflanzende Population handelt, wären allerdings detailliertere Untersuchungen vor allem zu Eiablageplätzen notwendig.

Es konnten 25 Vogelarten mit Revieren im Bereich nachgewiesen werden. Keine der nachgewiesenen Arten ist nach BartSchVO § 1 den streng geschützten bzw. den besonders geschützten Arten zuzurechnen. Allerdings stellt dieser Teil Maintals durch die naturnahen Strukturen für viele Brutvögel einen Rückzugsraum dar.

Hinsichtlich der Nahrungsgäste ist das untersuchte Gebiet sehr interessant und in einigen Bereichen erhaltenswert. Der streng geschützte und stark gefährdete Schilfrohrsänger konnte als durchziehender Vogel im südöstlichen Bereich rund um den Graben (Zone 1 und im nordwestlichen Bereich der Feuchtwiese (Zone 5nachgewiesen werden. Daneben fielen noch die Raubvögel (Mäusebussard, Turmfalke und Rotmilan) und der Grünspecht auf.

Aus ornithologischer Sicht sind die Hecken- und Schilfbereiche entlang des südöstlichen

Grabens (Zone 1) und entsprechende Strukturen im nordwestlichen Bereich (Zone 5) besonders erhaltenswert Negativ wirkt sich die starke Frequentierung des Gebiets (Spaziergänger, feiernde Jugendliche und freilaufende Hunden) auf das Brutverhalten der Vögel aus. Eine Bebauung und die daraus resultierenden noch stärkeren Belastung wird diese Situation weiter verschärfen.

Vier Amphibienarten besiedeln das Untersuchungsgebiet. Diese sind der Teichfrosch, der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch Der südöstliche Graben dient dem Grasfrosch und der Erdkröte als Fortpflanzungshabitat, der Graben am westlichen Rand dem Teichmolch. Beide Gewässer sollten also unbedingt erhalten werden. Als Sommerhabitate kommen für diese drei Arten zum einen die Bereiche in direkter Nähe zum Gewässer, die Feuchtwiese im nordwestlichen Bereich (Zone 5) und Wiesen nördlich des südöstlichen Grabens (Zone 2) in Frage. Eingriffe in diese Bereiche (Versiegelung der Oberfläche, Entwässerung usw.) würden sich negativ auf die Amphibien auswirken.

Neben diesen direkten Einflüssen kann das Verbauen von Wanderrouten die Amphibienbestände deutlich beeinflussen. Nach dem jetzigen Stand der Untersuchungen, können Baumaßnahmen in jeglicher Form und in nahezu allen Bereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen der Amphibienfauna führen. Für präzisere Aussage sind weitere Untersuchungen zu Wanderbewegungen, frequentierte Sommerhabitate und Populationsstärken notwendig.

Im Untersuchungsgebiet werden acht Heuschreckenarten gefunden.

Den beiden Rote-Liste-Arten Mecostothus grossus und Chorthippus dorsatus sollte besondere Beachtung geschenkt werden. Mecostehus grossus ist räumlich stark auf den nordöstlichen Bereich (Zone 5) beschränkt. Hier würden Eingriffe (Bebauung, Trockenlegung) das Vorkommen der Art vernichten. In Hinblick des Erhalts dieser Art sollte daher von stärkeren Eingriffen in diesem Bereich abgesehen werden. Chorthippus dorsatus in weiteren Bereichen des Untersuchungsgebietes verbreitet. Die Art ist zwar wesentlich trockenheitstoleranter als Mecostethus grossus. Dennoch würde auch diese Art mit einer starken Entwässerung des Geländes stark leiden und unter Umständen völlig verschwinden.

 

Im Rahmen der Untersuchungen konnten 13 Tagfalterarten aus fünf Familien nachgewiesen werden. Goldene Acht, Kleines Wiesenvögelchen und Hauhechelbläuling zählen nach Bundesartenschutzverordnung zu den „besonders geschützten“ Arten.

Alle geschützten Arten würden von einer großflächigen Baumaßnahme beeinträchtigt, da dadurch das Angebot von Futterpflanzen der Imagines und der Raupen reduziert würde. Zwar bevorzugen sie bei der Eiablage typische Pflanzen der Wiesen wie beispielsweise die Wicke oder der Hufeisenklee. In einer stark genutzten Kulturlandschaft kann aber auch die Verfügbarkeit dieser „Allerweltsarten“ in passender Umgebung problematisch sein. Daher müssen Bereiche mit potentiellen Futterpflanzten erhalten bzw. geeignete Ausweichhabitate geschaffen werden.

Mit dem Senfweißling kommt eine Art der Roten Liste von Hessen vor. Auch hier gilt, dass die Futterpflanzen (Platterbse und Hornklee) nach Möglichkeit erhalten werden sollten. Im Rahmen-Gebiet kommen sechs Libellenarten vor. Es handelt sich um bei uns weitverbreitete Arten, die nach der Roten Liste Hessens als nicht gefährdet eingestuft wurden. Dennoch zählen alle Libellen nach Bundesartenschutzverordnung zu den „besonders geschützten“ Arten.

Erwartungsgemäß lag der Schwerpunkt der gefundenen Libellen. sowohl in der Individuendichte als auch der Anzahl der Arten auf der Feuchtwiese in Zone 5 und entlang der Gewäs- ser. Als wirksamer Schutz der Libellenarten sollte wegen ihrer spezifischen Biotopbindung

mindestens die Feuchtwiese im Nordwesten und der Wasser führende Graben im Westen

des Untersuchungsgebietes inklusive eines ausreichend großen Randstreifens erhalten bleiben

 

Eine großflächige Umgestaltung wird weitreichende Auswirkungen auf die Fauna des Gebietes zur Folge haben. Im Hinblick auf die geschützten und gefährdeten Tierarten zeichnen sich aber besonders sensible Bereiche ab. Dies sind die Bereiche entlang des südöstlichen Grabens mit umgebenden Heckenstrukturen, die Feuchtwiesen nordwestlich, die feuchten Wiesen nördlich, sowie die trockeneren Wiesen in nördlichen Teil.

Die Bereiche entlang des Grabens im südöstlichen Teil sowie die direkte Umgebung mit He- cken und Schilfbewuchs erscheinen für viele Vogelarten, Fledermäuse. Amphibien und Libellen besonders erhaltenswert, wenngleich die Qualität und die Struktur des Gewässers sehr schwach einzuschätzen sind. Hier böten sich unter Umständen aber auch Möglichkeiten zu Kompensationsmaßnahmen.

Faunistisch erhaltenswert ist zudem die Feuchtwiese im nordwestlichen Teil. Hiervon profi- tierten Fledermäuse, Vögel, Libellen, Schmetterlinge. Heuschrecken und im südlich angren- zenden Bereich (bei der Brücke) auch die Zauneidechse. Für diese Art wäre allerdings auch

der Erhalt von weiteren geeigneten Strukturen notwendig. Aufgrund der ungeklärten Bodenverhältnisse dieser Art sollten mögliche Schutzmaßnahim Anschluss an weitere Untersu-

chungen gesondert geklärt werden.

Ein weiterer faunistisch interessanter Bereich ist die feuchte Wiese nördlich des Grabens. Die Umgestaltung bzw. Entwässerung dieses Bereichs hätte durch das Verschwinden der Pflanzengesellschaft Folgen für die Heuschrecken- und Fledermausfauna des Gebiets. Sie sollten unbedingt erhalten werden. Ähnliches gilt für die trockeneren Wiesen im nördlichen Bereich. Sie sollten in Hinblick auf Schmetterlinge, Heuschrecken und Vögel wenigstens in Teilen erhalten bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabellarische Übersicht:

 

Art/ Name

FFH

Schutz

Rote Liste

Fledermäuse

Bartfledermaus

IV

BArtSchVO, besonders geschützte Art

D - 3/2, He - 3/2

Wasserfledermaus

IV

BArtSchVO, besonders geschützte Art

D - 3, He -2

Großer Abendsegler

IV

BArtSchVO, besonders geschützte Art

D - 3, He - 3

Zwergfledermaus

IV

BArtSchVO, besonders geschützte Art

He - 3

Brutvögel

Sumpfrohrsänger

 

 

 

Teichrohrsänger

 

 

He -V

Stockente

 

 

He - 3

Ringeltaube

 

 

 

Rabenkrähe

 

 

 

Goldammer

 

 

 

Rohrammer

 

 

He -3

Rotkehlchen

 

 

 

Buchfink

 

 

 

Feldschwirl

 

 

 

Nachtigall

 

 

 

Blaumeise

 

 

 

Kohlmeise

 

 

 

Sumpfmeise

 

 

 

Zilpzalp

 

 

 

Fitis

 

 

 

Elster

 

 

 

Heckenbraunelle

 

 

 

Star

 

 

 

Mönchsgrasmücke

 

 

 

Gartengrasmücke

 

 

 

Dorngrasmücke

 

 

 

Zaunkönig

 

 

 

Amsel

 

 

 

Heuschrecken

Brauner Grashüpfer

 

 

 

Wiesengrashüpfer

 

 

He: 3

Gewöhnl. Grashüpfer

 

 

 

Sumpfschrecke

 

 

He: 3

Roesels Beißschrecke

 

 

 

Gewö. Strauchschrecke

 

 

 

Grünes Heupferd

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagfalter

Kleiner Fuchs

 

 

 

Aurorafalter

 

 

 

Kl. Wiesenvögelchen

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Goldene Acht

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

He: G/3

Tagpfauenauge

 

 

 

Senfweißling

 

 

He: V

Schachbrett

 

 

 

Großer Kohlweißling

 

 

 

Rapsweißling

 

 

 

Kleiner Kohlweißling

 

 

 

Hauhechelbläuling

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Braunkolbiger Braundickkopf

 

 

 

Admiral

 

 

 

Libellen

Große Königslibelle

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Große Pechlibelle

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Plattbauch

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Großer Blaupfeil

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Gemeine Federlibelle

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art

 

Große Heidelibelle

 

BArtSchVO, besonders geschützte Art