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Schmalkalden Kirchenkreis

EIN GANG DURCH DEN KIRCHENKREIS SCHMALKALDEN

 

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Schmalkalden1: Ein Gang durch den Kirchenkreis Schmalkalden: Barchfeld, Herrenbreitungen, Trusetal, Fambach, Schmalkalden

Schmalkalden2: Ein Gang durch den Kirchenkreis Schmalkalden: Brotterode, Kleinschmalkalden, Seligenthal, Floh, Oberschönau, Steinbach-Hallenberg, Springstille.

Die Bilder sind historisch, zum Teil schon älter, zum Teil aus der Zeit um 1980.

 

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Barchfeld

Wer von Eisenach nach Schmalkalden reist trifft mit Barchfeld die erste Gemeinde des Dekanats Schmalkalden. Der Industrieort Barchfeld gehört heute politisch zum Kreis Bad Sal­zun­gen. Im Ort stehen noch das Schloß des Landgrafen von Hessen Philippsthal Barchfeld, in dem heute das Fleischkombinat untergebracht ist, und in unmittelbarer Nachbarschaft das Schloß der Grafen von Stein, das im Verfall begriffen ist. In der Nähe steht auch die Kirche von Barchfeld. Für die Grafen war extra ein Kirchenstuhl in der Kirche aus dem Jahre 1749/51 reserviert. In der Nähe stehen das Pfarrhaus und das 1965 errichtete Gemeindehaus. Außerdem unterhält die Kirchengemeinde einen Kindergarten mit 45 Plätzen. Früher wohnten in Barchfeld viele Juden, von denen noch die Grabsteine auf dem Friedhof zeugen. In der Nazizeit wurden alle verschleppt und ermordet.

 

Herrenbreitungen

Hinter Barchfeld gelangt man wieder auf thüringisches Gebiet. Der Ort heißt heute „Brei­tungen“. Dieser Name wird in einer auf den 1. Juni 933 datierten Urkunde zum ersten Male erwähnt. Seit 1137 aber tauchen schon die Bezeichnungen „Alten­breitungen“ und „Königs­breitungen“ auf. Da seit alten Zeiten auf einem Felsvorsprung zur Werra hin eine fränkische Pfalz stand, hält sich auch der Name „Burg­breitungen“ bis ins 16. Jahrhundert. Auf der anderen Seite der Werra entstand 1150 ein Prämonstratenserkloster, das etwa 100 Jahre später nur noch Nonnen beherbergte. Deshalb heißt der Ortsteil „Frauenbreitungen“.

Auf dem Burghügel entstand ein 1112 geweihtes Benediktinerkloster. Der dazugehörige Ortsteil wurde „Herrenbreitungen“ genannt. Das Kloster wurde nach Abzug der Mönche im Jahre 1552 zu einem Schloß der Grafen von Henneberg umgebaut. Nur das Langhaus der Klosterkirche mit dem Zylinderdach ist erhalten; es ist die älteste erhaltene Kirche der Hirsauer Kongregation in Thüringen.

In der Nähe der Kirche steht die Dorfkirche aus den Jahren 1731 38. Die Emporen zeigen einen symbolischen Gemäldezyklus in Delfter Blau. Der Turm der Dorfkirche hat zu einer 1183 erwähnten „Michaelskapelle“ gehört. Neben der Dorfkirche steht das Gemeindehaus aus dem Jahre 1953. So zeigt sich hier auf engstem Raum ein Beispiel für die kirchliche Entwicklung von der Klosterkirche über die Missionskapelle zur Dorfkirche und schließlich zum Gemeindehaus, in dem sich die Gemeinde von heute trifft.

Auf dem Friedhof Herrenbreitungen steht außerdem noch eine „Gottesackerkirche“ von 1726/28. Durch den „Salzunger Vertrag“ vom August 1583 wurde das Dorf verwaltungsmäßig getrennt: Herrenbreitungen fiel an Hessen, Alten  und Frauen­breitungen an Sachsen. Daher gehören heute Alten  und Frauenbreitungen zur Superintendentur Bad Salzungen, während Herrenbreitungen zum Kirchenkreis Schmalkalden zählt. Die drei Ortsteile bilden eine Großgemeinde mit etwa 6.000 Einwohnern, von denen etwa 1.250 zu Herrenbreitungen gehören.

 

Trusetal

Über Winne und Wahles führt ein Abstecher an den Fuß des Gebirges nach Trusetal. Der Ort ist 1950 aus den Ortstellen Trusen, Herges Vogtei, Auwallenburg, Elmenthal und Laudenbach entstanden. Die Kirche aus dem Jahre 1744 steht in Trusen und wurde 1760 mit Ornamenten im Zopfstil ausgemalt. In Trusen sind auch das Pfarrhaus und das Gemeindehaus, in Herges ein neues Gemeindehaus mit Katecheten­wohnung.

Bekannt ist der Ort wegen seines 1865 an der Straße nach Brotterode künstlich angelegten Wasserfalls mit 50 Meter Fallhöhe, der im Winter abgestellt wird. Auf dem Hainberg liegt die Wallenburg, die 1249 errichtet und mit einem doppelten Wallgraben versehen wurde. Die Burg, auf der 1516 Götz von Berlichingen weilte, ist im Bauernkrieg ausgebrannt. Von dem 27 Meter hohen Turm hat man einen guten Blick ins Werratal. Wirtschaftlich herrscht der Bergbau vor: Eisenmanganerz, Schwerspat und Flußspat werden abgebaut.

 

Fambach und Heßles

Zum Kirchspiel Trusen gehörte bis 1968 auch der Ort Heßles, den man über den „Drehberg“ erreichte. Er hat seinen Namen von der Sitte her, bei Leichenzügen nach Trusen dort oben den Sarg zu drehen. Heßles hat einen Kirchsaal (Simultangebäude), der an das Bürgermeisteramt angebaut wurde. Das Gebäude wurde 1865 aus Mitteln des Gustav Adolf Werkes errichtet. Im Jahre 1965 wurde das „Paul Schneider  Haus“ gebaut. Es dient als Gemeinde  und Unterrichtsraum und Sommerquartier für kirchliche Urlauber. Noch weiter hinten im Tal liegt Nüßles mit einem idyllischen Freibad und einem Campingplatz.

Heßles gehört heute zum Kirchspiel Fambach, dessen Kirche aus dem Jahre 1616 (Turm 1716 erneuert) sich auf einem Hügel über dem Werratal erhebt. Die Kirche ist an den Emporen mit Bildern aus dem Alten und Neuen Testament ausgemalt. Die Deckengemälde zu biblischen Geschichten wurden 1778 von den Brüdern Leyh aus Tann geschaffen. Eine Kostbarkeit sind Altar (1623) und Kanzel (1620), die von dem einheimischen Kunsttischler Franz Heller (gestorben 1635) gearbeitet und mit Einlegearbeiten versehen wurden. Das farbige Maiglöckchen am oberen Ende der Kanzeltreppe ist einmalig in Deutschland. Eine weitere Kostbarkeit ist der Taufstein von 1629.

Neben der Kirche steht das „Albert Schweitzer Haus“, eines der schönsten Gemeindehäuser im Dekanat. Im Jahre 1959 gab der Urwalddoktor in einem persönlichen Brief seine Zustimmung, daß das Haus seinen Namen tragen darf.

 

Schmalkalden

Zum Kirchspiel Schmalkalden gehören eine Reihe von Vororten und Dörfern, die zugleich Predigtstätten sind. Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen finden statt in Haindorf, Aue, Weidebrunn, Näherstille, Grumbach, Mittelstille, Breitenbach und Asbach. Die Dörfer ohne Kirche haben eine Kirchenschule, ein „Simultangebäude“, wo sich unter einem Dach die Räume für die Bürgergemeinde (Schule, Kindergarten, Bürgermeisteramt, Schwesternstation) und für die Christengemeinde befinden (auch „Kirchsaal“ oder „Betsaal“ genannt). Es sind durchweg würdige und schöne Räume, alle mit Orgeln ausgestattet. Sie bieten 50 bis 100 Personen Platz. Der Rat der Gemeinde ist für die bauliche Instandhaltung des Äußeren zuständig sowie für die Turmuhr, während die Kirchengemeinde die alleinige Verfügung über den Innenraum hat. Dieses Nebeneinander hat sich bewährt; gelegentlich hilft man sich auch mit Stühlen aus. Solche Simultangebäude findet man u. a. in den Schmalkalder Dörfern Weidebrunn, Näherstille (1851), Grumbach, Mittelstille (1864) und Breitenbach (1854) sowie in Bermbach.

 

Haindorf und Asbach

nehmen eine Sonderstellung in der Kirchengemeinde Schmalkalden ein, weil sie einen eigenen Kirchenvorstand und eine eigene Kirche haben. Haindorf wird heute von Herrenbreitungen pfarramtlich verwaltet. Die Kirche wurde in den Jahren 1444 67 errichtet und ist somit die älteste Kirche des Kirchenkreises.

Sie war zu Luthers Zeit eine berühmte Wallfahrtskirche. In der Kirche befindet sich eine steinerne Nachbildung des „Heiligen Grabes“ (des Grabes Jesu, die aus der Heilig Grabes Kapel­le in Asbach stammt.

Eine Besonderheit sind die beiden Glocken: Die erste trägt die Inschrift: „anno domini 1463 hilff got maria brot“, die andere: „anno domini 1464 nomen osanna“. Sie wurden während des Baues der Kirche von einem Wandergießer aus der Naumburger Gegend gegossen; seinen Namen kennen wir nicht, er wird der „Meister mit dem Rankenmotiv“ genannt. Die Haindorfer Glocken sind wohl die letzten noch erhaltenen Werke jenes Meisters. Sie kamen im Zweiten Weltkrieg auf den Glockenfriedhof in Hamburg und waren zum Einschmelzen für Kanonen vorgesehen. Nach dem Krieg wurden sie von dem Ortspfarrer Fischer in Hamburg aufgefunden und wieder nach Haindorf gebracht.

Im Stadtteil Aue befindet sich die „Christliche Pflegeanstalt“ mit 140 Plätzen, die vom Bund Evangelisch  Freikirchlicher Gemeinden getragen wird. Auch dort finden regelmäßig Heimgottesdienste statt, die wechselweise von den verschiedenen Konfessionen gehalten werden.

 

Schmalkalden

Die Altstadt Schmalkaldens wird überragt von der Stadtkirche Sankt Georg. Sie geht auf eine Pfarrkirche aus dem 11. Jahrhundert und eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert zurück. Der Bau der heutigen gotischen Kirche begann 1437 mit dem Chor, der 1500 durch den Bischof von Würzburg geweiht wurde.

Der Nordturm aus dem Jahre 1447 trägt die „Große Oster“, die zweitgrößte Glocke in Thüringen. Der Südturm wurde 1570/71 bis zur Höhe des zweiten Obergeschosses abgetragen und mit Steinen des abgerissenen Augustinerklosters neu gebaut. Zu Luthers Zeiten hatten die Türme wahrscheinlich spitze Helme.

Die Hallenkirche hat einen fast quadratischen Grundriß, und alle drei Schiffe haben annähernd die gleiche Höhe. Die Gewölberippen zeigen unterschiedliche Muster. Die steinerne Kanzel stand ursprünglich am zweiten südlichen Pfeiler, wo jetzt das Bildnis Luthers in Stein gehauen ist. Die heutige Kanzel ist von 1669, der Taufstein und der Gotteskasten von 1560, der Kronleuchter von 1642. Im Raum über der Sakristei, der ursprünglich Paramentenkammer und Bibliothek war, befindet sich heute das Kirchenmuseum mit einem Schnitzaltar, mehreren Ölbildern, einem Meßgewand, einem Schmerzensmann, Musikinstrumenten und anderem. Der Raum wird „Lutherstube“ genannt.

In Schmalkalden gibt es eine ganze Reihe von Gebäuden, die mit der Kirchengeschichte verbunden sind. Hervorgehoben seien nur die Hospitalskapelle vor dem Weidebrunner Tor aus dem 14. Jahrhundert, die heute noch von der Gemeinde genutzt wird.

Die Schloßkirche aus dem Jahre 1590 ist richtungweisend für den protestantischen Kirchenbau in Deutschland. Man hat keinen Zentralbau geschaffen, wie sonst gern im Barock, sondern eine typisch evangelische Predigtkirche, in der Kanzel und Emporen eine herausragende Rolle spielen. An drei Seiten sind zwei Emporen, an der anderen Seite sind Taufstein, Altar und Kanzel und manchmal noch die Orgel in einer Achse angeordnet.

Die Schloßkirche wurde Vorbild für viele Kirchen in der Umgebung, die in der Zeit des Landgrafen Karls I. entstanden und deshalb „Karlskirchen“ genannt werden. Treibende Kraft dafür war der in Schmalkalden wohnende hessische Landbaumeister Adam Johann Erdinger. Meist haben diese Kirchen keinen vollständigen Turm, sondern nur einen aufgesetzten Dachreiter.

 

Zwischen Hospitalskapelle und Schloß befinden sich drei kirchliche Gebäude, die heute wichtige Funktionen erfüllen: Das Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die im Dekanat stark vertreten ist und außerdem noch eigene Häuser in Asbach, Floh und Steinbach Hallenberg hat. Zum andern das neue Gemeindehaus mit einem großen Gemeindesaal sowie Räumen für Christenlehre, Gruppengespräche, Jugendarbeit und die Stadtkirchenkasse. Das Gemeindehaus konnte nach großzügiger Genehmigung der staatlichen Stellen und mit Hilfe der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck errichtet werden. Auch aus der Gemeinde kamen reichliche Spenden; auch das Dekanat hat den Bau finanziell unterstützt. Am 27. September 1986 konnte es in Gegenwart der Bischöfe Dr. Jung (Kassel) und D. Leich (Eisenach) vom Dekan des Kirchenkreises, Kirchenrat Schreiber, eingeweiht werden. Schließlich steht hier der Evangelische Kindergarten mit etwa 60 Plätzen, eine besondere Äußerung kirchlichen Lebens in der Stadt.

Auf der anderen Seite des Schlosses erstreckt sich ein kleines Neubaugebiet mit etwa 5.000 Einwohnern. Die Gemeindeglieder dort gehen entweder zum Gottesdienst nach Näherstille oder in die Stadt (die Entfernung beträgt in beiden Fällen etwa zwei Kilometer). Da ist es gut, daß in dem großen staatlichen Feierabend  und Pflegeheim im Neubaugebiet mit seinen 300 Bewohnern jede Woche ein Gottesdienst gehalten werden darf (einmal im Monat vom katholischen Pfarrer). Weiter Einzelheiten zu zur Stadt Schmalkalden finden sich unter „Luther in Schmalkalden“.

 

Asbach

An das Neubaugebiet und die Gebäude des Werkzeugkombinats schließt sich Asbach an, das größte der Schmalkalder Dörfer mit 1.500 Einwohnern. Die Kirche ist 1723 im Barockstil errichtet und löste ein Gotteshaus von 1556 ab. Der Altar und der Taufstein sind ebenfalls im Jahre 1723 hergestellt worden, während das Abend­mahls­bild an der Decke unter der Orgelempore 1747 von T. G. Fabarius gemalt wurde, ein schönes Beispiel bäuerlicher Kunst. Außerdem gab es am Ortsausgang in Richtung Schmalkalden die „Kapelle zum Heiligen Grab“.

 

Brotterode

In einem weiten Talkessel, der sich nach Westen öffnet, schon jenseits der Schmal­kaldequelle, liegt Brotterode. Die Kleinstadt mit ihren fast 4.000 Einwohnern liegt durchschnittlich 580 Meter hoch am Fuße des 916 Meter hohen Inselberges. Jährlich kommen Tausende von Urlaubern und viele Wanderer in dieses sehr schöne Gebiet. Für die Hobbysportler ist Brotterode im Sommer und Winter Ausgangspunkt des Rennsteig Massenlaufes. Viele Weltmeister und Olympiasieger im Skispringen sind aus diesem Ort hervorgegangen. Neben der zweitgrößten Schanze des Landes (Schanzenrekord 110 Meter) gibt es noch sechs Schanzen für sportbegeisterte Kinder und Jugendliche.

Jahrhundertelang wurde in Brotterode Eisenerz gefördert und verarbeitet. Namen wie „Zainhammer“ und „Drahthammer“ weisen heute noch auf diesen Erwerbszweig hin. Um die Jahrhundertwende blühte die Zigarrenindustrie. Neben einigen Großbetrieben wurden in vielen Häusern Zigarren in Handarbeit hergestellt. Frauen und Männer hatten dadurch Arbeit, denn die Landwirtschaft wurde wegen der Höhenlage und der langen Winter nur im Nebenerwerb betrieben. Heute (1985) werden in Brotterode hauptsächlich Scheinwerfer und Signalhörner für Autos produziert; dazu kommen Erzeugnisse der Metallverarbeitung.

 

 

Der verheerende Brand von 1895 äscherte 729 von 842 Gebäuden ein. In nur zwei Stunden war der ganze Ort ein Raub der Flammen. Auch die 1778/79 gebaute Kirche (heute auf einem Glasfenster im Altarraum dargestellt) und das Pfarrhaus brannten völlig nieder. Der gesamte Ort wurde danach neu geplant und in wenigen Jahren wieder aufgebaut sowie an das Eisenbahnnetz angeschlossen. In knapp zwei Jahren wurde die große neugotische Kirche mit kreuzförmigem Grundriß errichtet. Sie konnte fünf Jahre nach dem Brand am 10. Juli 1900 eingeweiht werden und faßt an die 1.000 Personen. Nach vielen Vorarbeiten wurde 1982 eine gründliche Renovierung abgeschlossen. Vor der Kirche steht das Pfarrhaus, in dem sich auch zwei kleine Gemeinderäume befinden.

 

Kleinschmalkalden (zeitweise: Pappenheim)

Mit Brotterode eng verbunden ist Kleinschmalkalden, weil vom Brotteroder Pfarrer die lutherischen Gemeindeglieder und vom Kleinschmalkalder Pfarrer die reformierten in beiden Gemeinden versorgt wurden. Kleinschmalkalden gehörte von 1360 1583 drei Landesherren, danach Hessen und Sachsen Coburg Gotha. Entsprechend hat es auch zwei Kirchen, zwei Pfarrhäuser und zwei Friedhöfe. Die Gemeindeglieder links der Schmalkalde gehören zur Superintendentur Friedrichroda, sind aber verwaltungstechnisch dem Kirchenkreis Schmalkalden angeschlossen. Ihr Ortsteil ist aus dem Forsthaus des Herzogs von Gotha und den Häusern seiner Waldarbeiter hervorgegangen. Ihre Kirche stammt aus dem Jahre 1854 und wurde nach einem Streit zwischen den beiden Kirchengemeinden gebaut. Sie wird im Sommer für Gottesdienste und Amtshandlungen genutzt.

Auf der „hessischen Seite“ steht die Kirche aus dem Jahre 1719. Im dortigen Pfarrhaus wohnt auch der Pfarrer. In unmittelbarer Nähe steht die Kirche der Methodisten. Der Ort wurde 1945 umbenannt zu Ehren des Schmalkalder Journalisten Ludwig Pappenheim, der in der Nazizeit in einem Konzentrationslager umgebracht wurde. Die Einwohner ernährten sich früher vorwiegend von Korbflechterei, heute herrscht die Produktion von Lederwaren, Kulturwaren und Kleinmetallwaren vor.

 

Seligenthal

Zum Kirchspiel gehören die Ortschaften Hohleborn, Seligenthal mit Atzerode, Reichenbach und Schnellbach mit dem fast am Rennsteig liegenden Nesselhof. Neben der kargen Landwirtschaft lebten die Seligenthaler früher von verschiedenen Handwerken und vom Bergbau. Die Glockengießerei Bittorf und die Orgelbaufirma Peternell waren vor allem in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bekannt. In der Seligenthaler Kirche ist noch eine Peternellorgel erhalten; leider wurden in den fünfziger Jahren größere Umbauten an der Orgel vorgenommen, so daß nur noch 60 Prozent des Werks original sind.

Die Kirche selbst wurde 1687 98 gebaut. Die Emporen zeigen 42 Szenen des Alten Testaments, an der Decke sind 21 größere Bilder des Malers Valentin Merkel zu Szenen des Neuen Testaments zu sehen. Lange Zeit war eine kleine Tanne, die auf dem Torbogen des Kirchhofs wächst, das Wahrzeichen für Seligenthal. Der Kirchengemeinde stehen noch ein Kirchsaal und verschiedene Gemeinderäume zur Verfügung. Die kleinere und schlichtere Schnellbacher Kirche ist 1740 fertiggestellt worden. In den Jahren 1983 85 kam noch ein kleiner Kirchsaal hinzu.

 

Floh

Der Ort Floh wird 1401 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, ist aber viel älter. Die ältesten Ortsbezeichnungen stammen durchweg von den Gewässern, an denen sie liegen.

Floh liegt an der „Floh“, was „schnellfließendes“ oder „fliehendes Wasser“ bedeutet. Der Name „Floh“ ist als Ortsname einmalig. Der jetzige Kantor ung hat ein „Flohlied“ geschrieben und vertont: „... Floh, Floh, heißt nun mal so, so, es ist gar kein Floh und doch heißt es so..“. Der Ort liegt an der alten Handelsstraße, die über den Thüringer Wald nach Tambach-Dietharz führte. Da hier eine „Ausspanne“ war, siedelten sich schon früher Fuhrleute, Waldarbeiter und Bergleute an, und der Ort gewann rasch an Bedeutung. Als am 26. Februar 1537 der todkranke Luther den Schmalkalder Konvent verließ, ist er durch Floh und Schnellbach gefahren.

Im Jahre 1672 wurde in Floh eine reformierte Pfarrstelle eingerichtet. Ein Teil des Pfarrstelleneinkommens bestand aus Frischbier, das von jedem Gebräu dem Pfarrer abzuliefern war. Aus diesem Grunde, sagt man, würde die Pfarrkonferenz des öfteren in Floh gehalten.

In den Jahren 1710 12 wurde eine Kirche „aus Stein“ gebaut, die am Westeingang das schöne Wappen des Landgrafen Karl I. trägt. Der Opferstock aus dem Jahre 1598 erinnert noch an die alte Holzkirche. Um die Jahrhundertwende wurden über 400 Häuser des Ortes durch drei Großbrände vernichtet, denen auch das Pfarrhaus mit dem größten Teil des Archivs zum Opfer fiel. Das Dorf wurde wieder aufgebaut und ist heute mit seinen 1.800 Einwohnern ein beliebter Ferienort. Weitere Erwerbszweige sind die Holzverarbeitung (Sportgeräte) und erstaunlicherweise auch Fischindustrie. Neben das Pfarrhaus wurden 1950 ein Kirchsaal und ein Unterrichtsraum gebaut.

 

Struth Helmershof

Das drei Kilometer entfernte Struth Helmershof mit seinen 1.400 Einwohnern ist Filialort. Außer der 1776 erbauten Kirche hatte man bis jetzt dort keinen kircheneigenen Raum. Nach altem Recht werden die Christenlehre, der Konfirmandenunterricht und alle kirchlichen Abendveranstaltungen in Räumen der Schule abgehalten. Durch Eigeninitiative des Kirchenvorstandes und der Gemeindeglieder ist jedoch ein stattliches Gemeindehaus im Entstehen. In Struth Helmershof sind heute besonders die Kunststoffverarbeitung und das Drechslerhandwerk zu Hause.

 

Oberschönau

Das Kirchspiel Oberschönau ist das jüngste im Dekanat, denn es wurde 1902 vom Kirchspiel Steinbach  Hallenberg abgetrennt. Zwischen den Bergen des Thüringer Waldes liegen die Orte Oberschönau und Unterschönau im engen Haseltal. In früherer Zeit dröhnten hier am Lauf der Hasel die sogenannten „Zainhämmer“, mit denen die Nagelchmiede ihr Handwerk betrieben. Heute hat sich in beiden Orten eine vielseitige Metallindustrie entwickelt. Wegen der reizvollen Umgebung (Höhenlage 500 700 Meter) kommen jährlich viele Urlauber nach Oberschönau.

So mancher findet auch den Weg in die Oberschönauer Kirche, in der im Jahre 1701 zum ersten Mal gepredigt wurde. Diese Kirche steht in einer Reihe mit den Wohnhäusern und könnte von daher ein Ausdruck der reformierten Glaubensrichtung sein, die alle prunkvolle Hervorhebung vermeiden will. Bis 1930 gab es auch in Oberschönau noch lutherische und reformierte Gemeindeglieder, die dann zu einer einzigen evangelischen Gemeinde vereinigt wurden. Das Pfarrhaus liegt sehr idyllisch am Hang des Petersberges oberhalb der Kirche.

Talabwärts kommt man in die Filialgemeinde Unterschönau. In der Mitte des Dorfes steht neben Schule und Bürgermeisteramt die malerische kleine Kirche. Sie wurde im Jahre 1900 anstelle eines baufällig gewordenen Betsaales gebaut. In den Jahren 1961/62 wurde in Eigenleistung noch ein Gemeinderaum angebaut.

 

Steinbach Hallenberg

Am Fuße der 1228 erstmals erwähnten Hallenburg entstand das Dorf Obersteinbach, im Erbstal oberhalb der Kirche das Dorf Untersteinbach. Beide Orte hatten seit 1590 eine gemeinsame Verwaltung, den „Zwölferstuhl“, und auch eine gemeinsame Kirche.

Die heutige Stadtkirche ist die dritte an dieser Stelle und in den Jahren 1653 56 erbaut. Sie hat eine Kanzel, die von der Figur des Evangelisten Johannes getragen wird und an der die fünf Hauptstücke des Katechismus dargestellt sind. Sie wurde von einem unbekannten Nürnberger Meister geschaffen. Der Kanzeldeckel ist von 1660. An den drei Emporen sind 101 Bilder zu biblischen Geschichten des Alten und Neuen Testaments von dem Schmalkalder Maler Johann Fabarius, um das Jahr 1700 gemalt, zu sehen. Durch eine neue Orgel der Firma Böhm in Gotha mit 27 Registern ist es seit 1981 möglich, im Sommerhalbjahr Konzerte durchzuführen, die besonders von den Urlaubern gern besucht werden.

Steinbach Hallenberg hat noch eine Friedhofskirche aus den Jahren 1616 und 1739, zwei Pfarrhäuser und ein Gemeindehaus aus dem Jahre 1898, in dem ein Kindergarten mit 60 Plätzen, Gemeinderäume, Büroräume und die Schwesternstation untergebracht sind. Eine Besonderheit dürfte das in diesem Haus befindliche Rüstzeitheim mit 24 Plätzen sein, das allein von der Kirchengemeinde getragen wird und Gruppen aus dem Dekanat und dem ganzen Land offen steht.

In Steinbach Hallenberg gibt es noch eine Altlutherische Kirche mit Pfarrhaus. Diese Gemeinde hat sich 1874 um den reformierten (!) Pfarrer Rohnert gebildet, der in der Zusammenlegung der Kirchenregierungen (Konsistorien) einen ersten Schritt zur Union nach dem Vorbild Preußens sah und dem nicht folgen wollte.

Zur Kirchengemeinde gehören noch Rotterode mit einer Kirche aus den Jahren 1952 55 und Altersbach mit einem Kirchsaal aus dem Jahre 1852 in einem Simultangebäude. In ihrem Bereich befindet sich die größte Gesenkschmiede des Landes aus den Jahren 1950/51, das Kombinat Haushaltswaren mit Sitz im Ortsteil Herges, ein Betrieb für Handwerkzeuge mit Sitz in Altersbach und eine Werkzeugfabrik mit Sitz in Rotterode. Große Bedeutung hat der Fremdenverkehr.

 

 

Springstille

Der Ort liegt im „Stiller Grund“ am Fuße des östlichsten Ausläufers des „Stiller Stein“ und des „Stiller Berg“. Der Name „Stille“ bedeutet in der keltischen Sprache „kleines Wasser“, wohl im Gegensatz zu der wasserreicheren Schmalkalde. Dicht beim Dorf liegt der Quellteich, das „Gespring“. Die älteste Erwähnung von „Stillaha“ findet man in einer Urkunde von 948, worin Kaiser Otto I. das Dorf dem Stift Hersfeld schenkt. Die mittelalterliche Kirche war Sankt Peter und Paul geweiht, ein Beweis ihres hohen Alters (Urpfarrei). Die Dörfer Steinbach, Altersbach, Breitenbach und Helfers (Wüstung) waren in Springstille eingepfarrt. Noch heute gebraucht man bei Fragen, auf die man keine Antwort weiß, in Steinbach Hallenberg die Wendung: „Da mußt du mal den Stiller Pfarrer fragen“. Diese Redewendung dürfte aus jener Zeit stammen, da der Pfarrer von Springstille der einzige gebildete Mensch in der Umgebung war.

 

Im Jahre 1628 wurde das Kirchspiel Springstille gebildet mit den Filialen Herges   Hallenberg, erstmals erwähnt 1425, und Bermbach, erstmals erwähnt 1360, die damit von ihrer bisherigen Mutterkirche Viernau getrennt wurden. Das Pfarrhaus wurde in Springstille gebaut, von dem aus bis heute die Filialgemeinden betreut werden. Die Pfarrei Springstille ist die einzige im Dekanat, die immer lutherisch war.

Springstille ist von der Landwirtschaft geprägt, in den beiden Filialen ist der Einfluß der Industrie stärker. Die heutige Kirche in Springstille stammt aus dem Jahre 1728. Der Turm ist sehr altertümlich und gehört wohl einer früheren Kirche an. Herges Hallenberg ist der größte Ort und hat neben der Dorfkirche von 1706 noch eine methodistische Kirche mit Pfarrhaus. Bermbach hat einen Kirchsaal von 1879 im Oberstockwerk eines staatlichen Gebäudes (Simultangebäude).“

 

Die vorliegende Ausarbeitung ist aus dem Jahr 1985.Sie wurde so beibehalten, wie sie für das Lutherjubiläum und für das Buch „Schmalkalden, Artikel des Glaubens“ ausgearbeitet wurde. Die Bilder sind zum Teil schon damals historisch gewesen. Aber auch die anderen Aufnahmen wurden beibehalten, auch wenn mit der heutigen Technik bessere Aufnahmen möglich wären. Angefügt werden noch einige Bilder aus dem damaligen Gemeindeleben, die aber heute zum Teil auch schon überlebt sind:

 

Geleitet wurde das Dekanat (heute: Kirchenkreis) von der Dekanatssynode, zu der alle Pfarrer und je zwei weitere Vertreter der Gemeinde gehörten. Sie tagte im Gemeindehaus in Schmalkalden, auf diesem Bild noch im alten Gemeindehaus. Am Kopf des Tisches steht Herr Häfner, der damalige Vorsitzende der Synode.

Jedes Jahr fand der Gemeindetag statt, der unter einem bestimmten Thema stand, das in Arbeitsgruppen besprochen wurde. Es ging aber auch um die Begegnung der Gemeinden und das gemeinsame Leben. Gegessen wurde in den Familien oder auch in einer Gaststätte:

Dann gab es das Missionsfest, bei dem aus der Mission berichtet wurde und für die Missionsarbeit gespendet wurde.

Zu den anderen christlichen Kirchen bestand ein guter Kontakt, nicht nur zu denen am Ort wie bei einem gemeinsamen Gottesdienst in der Stadtkirche in Schmalkalden, sondern auch zu den Kirchen in Afrika und Amerika.

Eine Besonderheit war das Rüstzeitenheim im Gemeindehaus in Steinbach-Hallen­berg, das allein von der Kirchengemeinde getragen wurde und Gruppen aus dem ganzen Land aufnahm.

Die Kirchweih („Kirmes“) war trotz aller Anfeindungen ein kirchliches Fest, zu dem die Kirmesgesellschaft in der Kirche erschien.

Unter Kantor Gottfried Preller bestand ein „Dekanatschor“ mit Sängern aus dem ganzen Dekanat.

Zum Schluß noch eine Erinnerung an einen Ausflug der Pfarrfamilien zur Eberts­wiese