Start » Maintal » Allgemein
 
Maintal Allgemein

 

 

Ursprung der Maintaler

Die Hochstädter stammen aus Ostafrika

Im Jahre 1756 wurde Johann Meerbott aus Hochstadt an die Engländer verkauft, um als Soldat gegen die Amerikaner zu kämpfen, die ihre Unabhängigkeit erringen wollten. Er überstand den Krieg und heiratete Sarah Inman und wurde der Stammvater eines weitverzweigten Geschlechts der Marbut, das heute Tausende von Nachkommen in den USA und der ganzen Welt hat.

Einer von ihnen, Jason Marbut aus Covington in Texas, hat nun die DNA seines Sohnes bei der Firma Genbase in Kanada analysieren lassen. Dabei stellte sich heraus: Die Familie gehört zu der Haplogruppe E 3 b. Diese hat ihren Ursprung in Ostafrika und hat dann ihren Weg genommen  durch Ägypten, Palästina, Türkei und vielleicht auch noch durch Polen. Da aber die Familie Meerbott eine alte Hochstädter Familie ist (auch wenn es heute keine Namensträger mehr am Ort gibt) und alle alten Hochstädter Familien miteinander verwandt sind, kann man sagen: Die Hochstädter stammen aus Ostafrika, das ja sowieso die „Wiege der Menschheit“ sein soll.

Der Name Meerbott ist im Gebiet des Frankenreiches bis nach Schlesien verbreitet gewesen

Schon von 30 v.Chr. bis 37. n.Chr. gab es einen markomannischen König Marbod“ oder „Merobaudes“, von dem der Familienname herkommen könnte.

 

 

Vom „Erbfeind“ zum Partner

Maintal und die Franzosen.

 

Lange Jahrhunderte betrachteten sich Deutsche und Franzosen als „Erbfeinde“. Doch im Grunde gibt es gar keine Erbfeinde bzw. es sollte sie nicht geben. Alle Völker sind gleichberechtigt und haben Platz auf dieser Erde. Seit über 50 Jahren können auch Deutsche und Franzosen friedlich miteinander leben. Es sind sogar echte Freundschaften entstanden, weil die Menschen sich begegneten und einander kennenlernen konnten. Ein Beispiel dafür ist die Partnerschaft zwischen Maintal und Luisant, die nunmehr schon mehr als 25 Jahre besteht. Der Besuch der französischen Freunde ist Anlaß, einmal einen Blick in die wechselvolle Geschichte zwischen beiden Völkern in unsrer Stadt zu tun. In der Vergangenheit waren die Begegnungen meist kriegerischer Art. Die offizielle Geschichtsschreibung liest sich deshalb oftmals wie eine Geschichte von Kriegen. Aber heute ist das Verhältnis geprägt von Verständnis, Zusammenarbeit und Freundschaft.

 

            Nach der Schlacht bei Höchstädt im Jahre 1704 wurde der französische General Talland als Kriegsgefangener nach Hanau gebracht. Sein Hanauer Hauswirt hatte schöne Weinberge in Hochstadt. Vom Wein hat der Franzose oft mit Vergnügen getrunken. Eines Tages aber fragte er nach dem Herkunfts­ort des Weines. Sein Gastgeber sagte ihm, daß er aus Hochstadt sei. Das lautete aber so wie der Ort der Niederlage des französischen Generals. Seitdem hat er den Hochstädter Wein nicht mehr kosten wollen.

In der Vergangenheit waren die Begegnungen zwischen Deutschen und Franzosen meist kriegerischer Art. Auch in den Orten der heutigen Stadt Maintal war das nicht anders. Die offizielle Geschichtsschreibung liest sich deshalb oftmals wie eine Geschichte von Kriegen.

            In den Jahren 1741 bis 1748 war der österreichische Erbfolgekrieg, in dem die Kaiserin Maria Theresia zusammen mit England, Hannover und den Nieder­lande ihre Ansprüche auf den Kaiserthron verteidigte gegen Preußen, Bayern und Frankreich. In unsrer Gegend kam es 1743 zur Schlacht bei Dettingen.

In Dörnigheim standen österreichische und verbündete Truppen am 8. Mai im Oberfeld, in zwei Linien von den Kesselstädter Weinbergen bis zum Fechenheimer Wald. Sie haben sämtliche Winter- und Sommerfrucht ruiniert und die Wälder niedergehauen und das Holz verbrannt. Der Schaden wurde auf 4200 Gulden geschätzt. Überhaupt wurde in den Jahren 1741 bis 1745 viel Schaden von durchziehenden Truppen angerichtet. Für einen Durchmarsch mußten allein 892 Gulden bezahlt werden. Am 10. September 1743 zogen die Truppen nach der Schlacht bei Dettingen wieder ab.

            In Bischofsheim war von Anfang Juni bis 5. September das Lazarett der Hannoveraner, wo auf einmal 1700 Mann versorgt werden mußten. Es waren nicht nur die Wunden aus der Schlacht bei Dettingen zu versorgen, sondern auch viele Soldaten mit „Haupt und Brust Schwachheit“ und der roten Ruhr. Natürlich wurde auch die Bevölkerung davon ergriffen. Im Jahr 1743 starben in Bischofsheim 326 Menschen, davon 63 Bischofsheimer. Sie wurden am oberen Breul begraben, einmal waren es dreizehn und einmal 19 Menschen an einem Tag.

            Hochstadt hatte erst 1745 und 1746 unter dem Krieg zu leiden. Zunächst kamen ungarische Husaren und Panduren und verlangten große Mengen an Rindfleisch und Hafer. Ebenso taten es auch die Franzosen. Die Gemeinde mußte 2858 Gulden aufbringen und mußte sich von 8 Bürgern 1020 Gulden leihen. Die Husaren hatten sich im Feld Wachthütten eingerichtet und viele Säcke mitgehen lassen und nicht zurückgegeben. Auch 1746 kamen noch einmal kaiserliche Soldaten und Husaren mit 16 Pferden.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 kamen die Franzosen an sich als Freunde und Befreier. Sie hatten sich mit den Widersachern Friedrichs des Großen verbündet, raubten aber das Land völlig aus. In Bischofsheim forderten sie erst einmal hohe Kontributionen und drohten bei nicht restloser Erfüllung ihrer Forderungen die Plünderung des Ortes an. Von den Kanzeln und durch Anschläge wurden die Einwohner gewarnt, kein böses Wort über die „Gäste“ fallen zu lassen.

            Auch Hochstadt litt unter dauernden französischen Einquartierungen. Die Franzosen bedienten sich oft auch selbst, brachen Scheunen auf und entwendeten Stroh. Sie stahlen Säcke und ließen sich fahren. Der Dolmetscher mußte bezahlt werden. Weißbrot wurde geliefert. Mehl mußte mit Fuhrwerken bis nach Marburg gebracht werden. Für Schultheiß und Gericht war es oft schwierig, den Schaden festzustellen und zu schätzen.

 

            Am 13. April 1759 kam es zur Schlacht bei Bergen. Zunächst waren die Franzosen gegen Hessen-Cassel vorgerückt. Doch Friedrich der Große schickte ein Heer unter dem Herzog von Braunschweig entgegen. Am 12. April vertrieben die preußischen schwarzen Husaren die Franzosen aus Hochstadt und Bischofsheim, so daß sie in wilder Flucht nach Bergen zogen, wo sich die Franzosen sammelten. In Hochstadt hatte der französische Markentender (Verpflegungsbeschaffer) 3 Ohm Wein zurückgelassen, die von den Husaren sofort beschlagnahmt wurden. In Bischofsheim wurden etwa 10 verspätete Franzosen niedergemacht oder gefangengenommen.

            Am 13. April kam es zur Schlacht. Die Franzosen hatten etwa 35 000 Mann beisammen und errichteten ein festes Lager westlich von Bergen. Die Alliierten aus Preußen, Braunschweig, Hannover und Hessen hatten etwa 27 000 Mann. Von Bischofsheim aus stürmten die Hessischen Grenadiere durch die Baumstücke nach Bergen. Doch ihr Anführer, Prinz Casimir von Isenburg, wurde bald erschossen. Die Franzosen konnten sich behaupten, nachdem beide Seiten schwere Verluste erlitten hatten.

Als die Franzosen nach Hochstadt zurückkehrten, mußte die Gemeinde 50 Gulden für die drei Ohm Wein bezahlen. Die Franzosen zahlten aber auch einen Teil der Verpflegung. Dennoch entstanden viele Kriegskosten: Hähnchen und Tauben mußten an die Kommandantur in Hanau geliefert werden. Für die französischen Offiziere mußten Servietten gewaschen und Silber geputzt werden.

Noch 1762 zahlte Hochstadt 33 Gulden für die Einquartierung: Durchmarsch­geld, Quartiergeld, Botengänge, Fouragefahrten, Schlachtkühe, Krämerwaren, Dolmetscherkosten. Sogar ein Sack Kohle mußte geliefert werden. Oft holten sich die Franzosen auch die Verpflegung gleich vom Feld. In Hochstadt mußte auf Anordnung der Franzosen ein Torschreiber eingesetzt werden.

            In Bischofsheim waren sämtliche Handwerker in Bewegung, um die Wünsche der französischen Herren zu erfüllen. Besondere Anforderungen stellten sie bei der Unterbringung der Pferde, die Ställe mußten mit immer neuen Einrichtungen versehen werden. Die Wachen brauchten Holz, die Offiziere besondere Betten. Im Rathaus wurden ein Lazarett und eine Wachstube eingerichtet. Oft mußten die Bauern mit ihren Kuhgespannen weite Transporte durchführen. Die Soldaten brauchten Unmengen an Kerzen, weil sie mit dem Wachs auch ihre Haare einschmierten. Als der Krieg 1763 zu Ende ging, feierte man in Bischofsheim ein großes Lob- und Dankfest.

            Doch die nächsten Kriege ließen nicht auf sich warten. In Frankreich kam es 1789 zur Revolution und in ihrem Gefolge auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den deutschen Staaten in den sogenannten Koalitionskriegen. Der erste begann 1792. Zunächst wurden die Dörfer von den vereinigten deutschen Armeen besetzt und mußten für sie zahlen.

            Der Waffenstillstand von Ende 1795 führte zu keinem Frieden. Im Frühjahr 1796 standen sich in unsrer Gegend die Österreicher unter Erzherzog Karl und die Franzosen unter General Jourdan wieder gegenüber. Am 6. Juli schlug der kaiserliche General von Wartensleben sein Hauptquartier im Hochstädter Rathaus auf, der Ort erhielt 100 Mann Einquartierung, der Stab lag in der Stein‘schen Wirtschaft. Am 9. Juli zogen die Österreicher wieder ab und lieferten sich am 10. und 11. Juli 1796 eine Schlacht mit den Franzosen bei Friedberg und Mehlbach.

Am Mittwoch, den 13. Juli, kamen Teile der geschlagenen österreichischen Armee erneut durch Hochstadt, von den Franzosen verfolgt. Am 15. Juli kamen viele Franzosen zur Einquartierung. Auf dem Hartigfeld wurde ein großes französisches Lager aufgeschlagen. Im Ort entstand ein großer Tumult und alles ging drunter und drüber. Die Franzosen haben in Wald und Feld große Verwüstungen angerichtet. Nach ihrem Abzug hatte eine Kommission von vier Schultheißen vier Tage zu tun, um den Flurschaden festzustellen. Auch die Hartig war schwer verwüstet, denn die Franzosen hatten viele Bäume für ihr Lagerfeuer abgehauen; hier brauchten drei herrschaftliche Forstleute drei Tage den Schaden festzustellen.

            Zwei Generäle mit ihrem Stab und einer starken Kavallerieabteilung waren im Ort einquartiert. Die Generäle waren in der Stein‘schen Wirtschaft (jetzt: „Zum Tiger“), wo auch die Offiziere ihre Mahlzeiten einnahmen. Johannes Schales mußte aus Hanau Kalb- und Hammelfleisch herbeischaffen. Ebenso mußten Weck und Weißbrot für die Offiziere besorgt werden. Beim Schmiedemeister Georg Klees wurde eine französische Schmiede eingerichtet; die Franzosen hatten dessen ganzen Vorrat an Hufeisen, Nägeln und Kohlen beschlagnahmt. Johannes Stein war während der sechstätigen Besetzung der Dolmetscher zwischen dem französischen Oberkommando und dem Schultheißen Strohl von Hochstadt. Von den Einwohnern wurden allerdings keine Kriegskosten erhoben, denn die Gemeinde war reich genug.

            In Bischofsheim nahmen die Franzosen alles und zahlten nichts. Sie ließen Dreck und Eingeweide von geschlachteten Tieren zurück. Die Gemeinde mußte sofort 2 000 Gulden aufbringen, um die größten Schäden zu beseitigen Im Dörnigheimer Gemeindebuch ist 1796 vermerkt: „Dies ist das schlimmste Kriegsjahr, wo dieser an der Straße liegende Ort zweimal von den Franzosen und zweimal von den Reichstruppen besetzt und viele Exzesse verübt und großer Schaden entstand.“

 

            Im zweiten Koalitionskrieg ab 1800 errichteten die Franzosen vom 6. bis 7. Juli ein Lager zwischen Bergen und Bischofsheim. Aus beiden Orten wurden Hafer und Gerste, Heu und Stroh geholt.

Man raubte Schafe aus den Ställen und besorgte sich Frauen und Mädchen aus den Häusern und schändete sie. Die Häuser wurden ausgeplündert und jedes gute Kleidungsstück mitgenommen, so daß die armen Menschen nicht einmal sonntags in die Kirche gehen konnten.

            Am 10. Juli überschritten starke deutsche Truppen den Main bei Hanau und rückten bis Windecken, Hochstadt und Bischofsheim vor. In den frühen Morgenstunden machten sie einen Angriff nach Bergen hin, auch Kanonen wurden eingesetzt. Abends bezogen beide Teile wieder ihre Stellungen. Die Franzosen hatten etwa 7000 bis 8000 Mann und standen auf der Linie Vilbel-Bergen-Bischofsheim-Offenbach-Isenburg-Sprendlingen. Die Deutschen hatten etwa 9000 bis 10 000 Mann. Am 12. Juli war das Gefecht. Gegen 13 Uhr war zwischen den Höhen und Wäldern von Hochstadt, Bischofsheim und Niederdorfelden die Kanonade und das Kleingewehrfeuer sehr stark. Es gab auf beiden Seiten starke Verluste. Aber beide Teile nahmen ihre vorigen Stellungen wieder ein. Am 13. und 14. Juli wurde nur noch geplündert, am 18. Juli ein Waffenstillstand geschlossen.

            Im Französisch-Preußischen Krieg 1806 bis 1807 hatten die Orte zunächst nicht so sehr zu leiden. Hochstadt hatte Wein, Branntwein und Brot für eine französische Patrouille und für einen Mainzer Verwundeten zustellen. Allerdings wurden die Botengänge teuer, wohl wegen der Gefahr durch fremde Truppen. Auch mußten die Bauern tagelang Palisaden fahren. Im Jahre 1807 hatte Hochstadt Einquartierungen, erst Preußen, dann viele Franzosen. Diese kamen in kleineren Gruppen, bleiben aber bis zu 26 Tagen; sie hatten viele Pferde bei sich. Die Kriegskosten beliefen sich auf über 5.000 Gulden, doch es wurde keine besondere Umlage von den Bürgern erhoben.

            In Dörnigheim wurde die Hälfte aller Ausgaben durch Kriegslasten verursacht. Menschen und Tiere mußten verpflegt werden, Verwundete gepflegt, Fuhrwerke gestellt (die Transporte gingen bis nach Mainz und Kassel). Kleider, Schuhe und Sättel mußten instandgehalten werden. Die Offiziere wollten Pulver und Blei für die Jagd.

            In Dörnigheim hatten die Franzosen gefangene Preußen untergebracht und die Bischofsheimer mußten für diese Brot backen. Für die Versorgung der französischen Soldaten mußten Selterswasser, schwarzes Wachs, Schnupftabak, Farbe und Seile aufgebracht werden. Für die durchmarschierenden Franzosen wurden genaue Verpflegungssätze festgelegt: täglich 2 Pfund Brot, 1 Suppe, ein dreiviertel Pfund Fleisch, eine Portion gekochtes Gemüse, 1 Maß Bier oder Apfelwein oder ein Schoppen Wein.

            Im Jahre 1807 mußte Bischofsheim 2140 Gulden aufbringen. Aber dort wurden auch die Anschläge der französischen Regierung bekritzelt, durchgestrichen und abgerissen. Das Amt Bergen bat flehentlich darum, daß dies unterbleibe, sonst würden sie sich Franzosen durch neue kostspielige Einquartierungen rächen. Die Franzosen ließen sich sogar von den Bauern den Mist ihrer einquartierten Pferde bezahlen. Ein durchreisender französischer Arzt ließ sich beim Wirt 30 Flaschen Wein auf Kosten der Gemeinde geben. Die Weinberge waren völlig verwüstet, es gab keine Weinlese.

            In den Befreiungskriegen von 1812 bis 1815 war es für die kleinen Leute nicht besser, denn die Befreier verlangten die gleichen Leistungen wie ihre Gegner. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig verlegte am 27. Oktober 1813 der französische Stadtkommandant von Hanau sein Hauptquartier nach Hochstadt. Am 30. Oktober kam es bei Hanau zu einer Schlacht, wo die Bayern unter dem General Wrede dem geschlagenen Napoleon den Weg verlegen wollten, aber von den Franzosen geschlagen wurden.

Am 2. November 1813, drei Tage nach der Schlacht bei Hanau, wurde im Gasthof „Zum Adler“ (Frankfurter Straße/Ecke Schwanengasse) der „Vertrag von Dörnigheim“ geschlossen. Dabei trat Hessen-Nassau aus dem mit Frankreich verbündeten Rheinbund aus und schloß sich Österreich und Bayern an und beteiligte sich nunmehr an der Verfolgung Napoleons.

           

 

Bei einem kleinen Gefecht am Schützenhäuschen in Hochstadt sind 18 Franzosen gefallen. Ein Hochstädter in der Bogenstraße hat von seinem Dachgiebel aus den Vorgang beobachtet, ist über die Stadtmauer geklettert und hat sich die Gewehre der 18 der toten Franzosen geholt. Von dem Erlös soll er sich später eine Scheune gebaut haben. Eine Reiterpistole aus der Zeit Napoleons wurde 1960 in der Leithecke gefunden

            Napoleon hatte im Ysenburgischen Schloß in Langenselbold übernachtet, dann war die Schlacht von Hanau. Danach zog er über Wilhelmsbad Richtung Frankfurt. Seine Nachhut unter General Mortier hörte in Langenselbold Kanonendonner aus der Stadt Hanau und umgingen diese: über Langendiebach, Bruchköbel und Hochstadt zogen sie nach Bergen.

            Im Jahre 1813 waren in Hochstadt 270 Offiziere, 9135 Soldaten und 4633 Pferde einquartiert. Für sie mußten die Bewohner abliefern: 6 Pferde, 14 Ochsen, 28 Kühe, 400 Malter Gerste, 470 Malter Hafer, 520 Fuder Stroh, 2960 Zentner Heu, 66 Klafter Holz, 68 Ohm Wein, über 27 Ohm Branntwein, über 167 Ohm Apfelwein, über 25 Ohm Bier, 15 670 Pfund Fleisch, 21 095 Pfund Brot, insgesamt für 118 000 Gulden. Außerdem wurde der Typhus eingeschleppt, an dem viele Einwohner starben.

 

            Der Krieg von 1870 bis 1871 endete siegreich für die Deutschen. Auf dem Bischofsheimer Kirchhof wurde am 2. Mai 1872 ein Stein eingeweiht ,,zum Andenken an die Siege, die Deutschland über Frankreich, den Erbfeind, davontrug“. In Hochstadt steht ein entsprechendes Denkmal noch neben dem Kirchturm. Der frühere Stadtrat Dr. Schreiber war zwar der Meinung, solche Denkmäler seien heute überholt und sollten entfernt werden. Aber als geschichtliche Zeugnisse sollten sie erhalten bleiben, ebenso wie die entsprechenden Denkmäler in Frankreich. Nur können sie keine Siegesdenkmale mehr sein, sondern nur Mahnstätten gegen den Wahnsinn des Krieges.

            Auch für die Toten der beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert gibt es Gedenktafeln in den Orten: In Hochstadt im Durchgang des Turms, in Bischofsheim auf dem Friedhof (Ehrenmal und Gedenksteine mit Namen), in Dörnigheim auf dem alten Friedhof (1. Weltkrieg) und in Wachenbuchen eine Gedenktafel an der Kirche und ein allgemeines Denkmal auf dem Kirchhof.

            Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten die Franzosen dem 10. April 1919 das Untermaingebiet, um Wiedergutmachungsleistungen zu erpressen. Von Mainz her besetzten sie auch Frankfurt und Hanau. Hochstadt hatte besonders stark zu leiden: eine Artillerieabteilung mit einigen hundert Pferden wurde einquartiert. Das lag daran, daß Hochstadt seit Napoleons Zeiten als beträchtliche Festung in den französischen Karten eingezeichnet war. In den Zeitungen des Jahres 1920 war zu lesen: „Die Festung Hochstadt wurde ohne Widerstand besetzt!“ Aber man ließ starke Besatzungstruppen dort.

            Die mehrfachen Besatzungen haben vielleicht bis in unsre Zeit hinein aber auch noch andere Spuren hinterlassen: Man sagt den Mainhessen eine leichtere Lebensart nach, mehr Freude, und Aufgeschlossenheit als den Oberhessen. Sie seien keine ,,blinden Hessen" mit einem sturen Kopf, sondern eher weltmännisch. Ob das vielleicht auch mit auf den französischen Einfluß zurückzuführen ist? Geschichtliche Ereignisse wirken oft lange nach. Vor allem das 19. Jahrhundert bestimmt noch immer unser Leben mit.

            Aber noch ein anderes französisches Erbe war bis vor einiger Zeit vor allem in der älteren Generation lebendig: eine Reihe französischer Ausdrücke, die nicht als allgemeine Lehnwörter in der deutschen Sprache vorkommen, sondern zusätzlich in unsrer Gegend üblich sind bzw. waren. Das mag natürlich auch mit den Einwanderern in die Hanauer Neustadt, nach Neu-Isenburg und nach Friedrichsdorf im Taunus zusammenhängen. Es könnte aber auch in den mehr kriegerischen Kontakten zwischen beiden Völkern zu tun haben.

 

 

            Einige Beispiele für französische Ausdrücke: In der Wohnung hat man Chaiselongue, Kommode und Buffet. Sein Geld hat man im Portemonnaie, sonstige Dinge im Etui, Briefe kommen ins Kuvert. Fußgänger benutzen auf der Straße das Trottoir. Der Gendarm stand oft vis-à-vis und paßte auf und verzog die Visage, wenn es einem zu sehr pressierte und er etwas falsch machte. Manchmal nahm er es aber auch légèr und verdrückte sich auf das Pissoir, damit kein Malheur passierte. Man fuhr mit der Chaise über die Chaussee oder die Allee in den Nachbarort, die Bagage durfte man dabei nicht vergessen. Wenn man ging, sagte man „Adieu“, wenn es losgehen sollte, sagte man „allez“ oder „allez-hopp“. Wenn man mit der Eisenbahn verreist, kaufte man sich zunächst ein Billet, stieg dann auf den Perron (Plattform) oder in das Coupé (Abteil), die Karten wurden vom Kontrolleur nachgesehen, den Zug begleitete der Kondukteur. Im Speisewagen gab es eine Boullion und eines Tages kam man auch wieder ,,retour“. Auch die Vorliebe für Jean (statt Johannes) und Louis (statt Ludwig) gehört hierher. Und vielleicht ist auch das Wort „Simpel“ über das Französische zu uns gekommen.

            Heute aber lernen viele Maintaler die französische Sprache richtig und vollständig. Die Kinder haben Französisch zu einem großen Teil als zweite Fremdsprache. Besonders die Einstein-Schule in Bischofsheim will sich der Partnerschaft mit Frankreich widmen. Seit dem 21. April 1973 gibt es nämlich eine Verschwisterung zwischen Hochstadt und der Stadt Luisant in Frankreich, eine „jumelage“. Diese wurde dann von der Stadt Maintal übernommen und wird heute immer weiter ausgebaut. Schüler aus Luisant waren Gäste in Maintal, Maintal Schüler fahren nach Luisant. Es gibt einen Austausch zwischen Vertretern der Städte, zwischen den Vereinen und unter vielen Privatleuten. Das Stadtmuseum stellt eine Puppe aus Luisant als Symbol der Partnerschaft aus. Nicht mehr Feindschaft bestimmt das Verhältnis zwischen Maintal und den Franzosen, sondern Partnerschaft und sogar Freundschaft in einem größeren Europa.

 

 

Entstehung der Ortsteile der Stadt Maintal

 

Dörnigheim

Die Siedlungsstelle am Fluß war schon in der mittleren Steinzeit als Siedlungsgebiet begehrt und wurde bereits vor rund 10.000 Jahren vor Christus von Menschen bewohnt. Jenes Mesolithikum war die Zeit, in der sich an Stelle der eiszeitlich bedingten Tundra und Steppe durch Erwärmung wieder ausgedehnte Wälder ausbreiteten und sich die Jäger und Sammler waldfreie Gebiete nahe hochwassergeschützten Dünen suchten. In dem Fundamentgraben für eine Werkhalle nördlich des heutigen Massa‑Marktes wurde eine Schlagstätte mit zahlreichen Abschlägen und zerschlagenem Rohgestein entdeckt.

Aus den umherziehenden Jägern und Sammlern wurden in der Jungsteinzeit (6.000 bis 2.000 vor Christus) Ackerbauern, die sich in ausgedehnten Dörfern mit großen Rechteckhäusern aus Holz und Lehm, mit Dächern aus Riedgras und Schilf niederließen. Sie züchteten Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen. Zum ersten Mal horteten die Menschen ihr Essen: Sie fertigten große Vorratsschalen aus Ton mit bänderartigen Linienverzierungen. Solche bandkeramische Scherben kamen an vier verschiedenen Stellen auf Dörnigheimer Gebiet ans Tageslicht.

Siedler kamen erst in der mittleren Bronzezeit (1.500 vor Christus) wieder. Vor allem Hügelgräber zeugen davon. Einige Bronzefunde wie ein massiver Armring, eine verzierte Gewandnadel und ein Absatzbeil gehörten wohl einst zur Ausstattung der Gräber, die im Laufe der Jahrhunderte Pflüge geschleift haben.

Zwischen Braubach und Main, etwa 1750 Meter nordöstlich des alten Dörnigheimer Ortskernes, erheben sich auf einem Dünenrücken zwölf solcher Grabhügel aus der Bronzezeit. Auf dem größten Hügel stand als Grabstein ein Findling, der heute an seinem Fuß liegt (jetzt auf dem Bauhof).

Nach und nach veränderte sich das Siedlungsbild: Die Menschen wohnten in relativ kleinen Häusern in hochwassergeschützten Bereichen an Bach‑ und Flußläufen oder Seen. Sie verbrannten ihre Toten auf dem Scheiterhaufen. Die Asche, wurde in Urnen in der Erde beigesetzt. Zwei solcher Urnengräber wurden beim Verlegen einer Wasserleitung vor dem Haus Kreuzgartenstraße 6 gefunden. Der wohl bedeutendste urnenfeldzeitliche Bronzefund aber, ein Griffzungenschwert, lag im Main und wurde mit einer Lanzenspitze beim Tieferbaggern der Fahrrinne entdeckt.

In der jüngeren Steinzeit ‑ etwa 2500 bis 1600 v. Chr. ‑  ließen sich Menschen hier nieder. Sie waren aus dem Gebiet der mittleren Donau eingewandert und kannten bereits Ackerbau und Viehzucht. Eisen war der neu entdeckte Werkstoff, der um 800 vor Christus der Eisenzeit seinen Namen gab. Gewonnen aus Eisenerz in Ofen bei Temperaturen von über 1000 Grad, wurde es vor allem für Waffen und Werkzeuge verwendet. Auch die Keramik änderte sich: Die Formen wurden weicher und neben groben Tonbehältern schufen Handwerker sehr dünnwandige Vasen mit Verzierungen, eingeritzten Mustern oder geometrischen Farbbemalungen. Solche Keramikbruchstücke wurden in Dörnigheim nahe der Braubach nördlich der Bahn und am Rand einer Kiesgrube, die heute Anglerteich ist, gefunden.

 

Etwa 500 v. Chr. ließen sich Kelten am Untermain nieder. Bronzearmringe, ein Gürtelhaken, eine Fibel und Stücke von Flaschen und Schalen wurden auch am Ost‑ und Westrand der Dörnigheimer entdeckt. Doch gehen die Archäologen davon aus, daß sich dieses Volk dort nicht großflächig niedergelassen hat. Um 100 v. Chr. wurden die Kelten von den germanischen Sueben abgelöst, deren Kultur allerdings zahlreiche keltische Elemente übernahm. Ein großes Sammellager der Chatten befand sich in der Nähe von Kesselstadt. Die vereinzelt gefundenen Schuhleistenkeile und Steinbeile, die Scherben, die auf Grabbeigaben schließen lassen, bedeuten dennoch keine dauerhafte Seßhaftigkeit.

Unter Kaiser Augustus ‑ 30 v. Chr. bis 14. n. Chr. ‑ drangen die Römer vom Rhein her nach Osten vor und dehnten die Grenzen des Römischen Reiches bis zur Elbe hin aus. Ihre Spuren hinterließen die Römer auch in Dörnigheim. Jakob Dammköhler pflügte 1904 aus seinem Acker eine römische Münze (Denar des Kaisers Hadrian) aus, ein römisches Grab wurde eineinhalb Kilometer östlich des Dorfes aufgedeckt, in der Kiesgrube unter der Starkstromschneise buddelte man einige Mauerzüge, Reste einer Brunnenfassung und mit Keramik gefüllte Abfallgruben aus.

 

Im fünften Jahrhundert war das Römische Imperium nördlich der Alpen endgültig zusammengebrochen. Die Franken bauten sich das ihre auf. Wertvollen Besitz hat ein Franke hinterlassen. Bei Baggerarbeiten wurde im Jahre 1939 der wohl spektakulärste Fund unter der heutigen Mozartstraße 17 gefunden. Hier war ‑ vermutlich neben anderen ‑ ein wohlhabender Franke begraben. Der zuckerhutförmige Schildbuckel und die Flügellanzenspitze sind typische Waffen der Zeit des 8. Jahrhunderts und danach. Somit handelt es sich wohl um ein Kriegergrab, das zu Beginn des 8. Jahrhunderts niedergelegt wurde. Nach neueren Gesichtspunkten könnte es sich allerdings auch um das Grab eines bewaffneten Mönches gehandelt haben, der für seine Missionsarbeit die Becken als Weihegefäße verwendet haben könnte.

In dem Grab in 2,20 Meter Tiefe lag eine gut erhaltene koptische Bronzeschale, ein Goldblechband, eine eiserne Flügellanzenspitze mit dazugehörigem Lanzenschuh und eisernem Schildbuckel. Besonders die gut erhaltene koptische Bronzeschale ging als Rarität in die archäologischen Berichte ein. Das Becken mit dem durchbrochenen Standfuß zählt zum Typ der gegossenen koptischen Bronzebecken aus dem frühchristlichen Ägypten, von wo es durch den Fernhandel vor allem in der Zeit um 600 nach dem Westen gelangte.

 

 

Unter Kaiser Karl dem Großen erlebte das frühe Mittelalter seine Hochblüte. Die christliche Lehre setzte sich durch und die karolingische Kunst, angelehnt an römische Vorbilder, wird Grundlage der abendländischen Kultur. In seine Regierungszeit fällt jenes Jahr 793, als Dörnigheim als erster der heutigen Maintaler Stadtteile in der genannten Schenkungsurkunde erwähnt wurde.

 

Den ersten schriftlichen Beweis seiner Existenz schon im ersten Jahrtausend verdankt Dörnigheim einer Schenkung an eine kirchliche Institution. Im besagten Jahre 793 vermachte ein Wolfbodo dem Kloster Lorsch neben anderem auch alles Gebiet, das im Maingau in „Turincheim“ lag. Diese Schenkung wurde schriftlich festgehalten und ist darum überliefert. Aus der erhalten gebliebenen Abschrift der Schenkungsurkunde geht hervor, daß Wolfbodo „dem heiligen Nazarius, dessen Körper im Kloster Lorsch ruht, wo der ehrwürdige Richbodo als Abt vorsteht“, im Maingau über dem Fluß Main alles Gebiet zwischen Braubach und Surdafalache vermachte, samt der Kirche über dem Main, die zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet wurde. („in pago Moynachgowe ‑ super fluvio Moyn ‑ inter Briubah et Surdafalacha“). Durch Handschlag bekräftigt. Geschehen im Kloster Lorsch, am 3. Februar 793, im 25. Jahr des Königs Karl.

Im Jahre 826 reichte dann eine Frau namens Imma fünf Tagewerk nach, „in pago Moynachgowe in Thurincheim iuxta ecclesiam nostram“ (im Maingau in Dörnigheim neben unserer Kirche). Das deutet bereits auf bebautes Ackerland hin und setzt ein Hofgut voraus. Die Schenkung einer Kirche in Dörnigheim zeigt, daß die Region des heutigen Maintal bereits von der Christianisierung erfaßt war, die Bonifatius um das Jahr 720 dann in den Schoß der römisch-katholischen Kirche lenkte. stand eine Kirche. Teile des Fundaments der Kirche auf der kleinen Anhöhe über dem Main wurden bei Renovierungsarbeiten unter der heutigen Kirche gefunden (?). Heute geht man davon aus, daß die Kirche etwa 50 Jahre vor der Ausstellung der Urkunde erbaut wurde.

 

Das alte Dörnigheim erweist sich durch seine Struktur als fränkische Gründung. Für diese sind die Ausrichtung der Häuser mit dem Giebel zur Straße hin und der geschlossene Ring typisch, den die Wirtschaftsgebäude innerhalb der Befestigungsanlage bilden. Viele fränkische Ortsgründungen endeten auf „‑heim“.

 

Dörnigheims erste Bezeichnung war „turinchheim“. Was der Ortsname einst bedeutete, ist bislang nicht mit Sicherheit geklärt. „Turinchheim“ könnte vom althochdeutschen „turnen“ (=drehen) abgeleitet sein, möglicherweise auch etwas mit Dornen zu tun haben oder auch den Namen eines fränkischen Herrn beinhalten, dem Güter in diesem Gebiet gehörten. Oder es könnte personenbezogenen „das Heim des Thüringers“ bedeuten. Im 19.  Jahrhundert wurde der Name von dem Hanauer Geschichtsschreiber Bernhard folgendermaßen interpretiert: „Dornickheim, da es vermutlich von einem dornischten Orte, da es erbauet, benannt ist.“

 

Durch Mißernten entstanden Hungersnöte sowie Seuchen, kriegerische Einwirkungen und Raubzüge führten seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem Bevölkerungsrückgang, der die Wüstung zahlreicher Orte zur Folge hatte. So mag das im Zusammenhang mit Dörnigheim in der Schenkungsurkunde des Jahres 793 erwähnte Wicrameshusen, dessen Standort ungewiß ist, zu dieser Zeit ausgegangen sein.

Im Mittelhochdeutschen bedeutet „wic“ Kampf, Krieg, Schlacht; „wic‑husen“ bedeutet so viel wie „mit Verteidigungswerken versehen“, der „wic‑graf“ war ein Untervogt; demnach könnte Wicrameshusen ein befestigtes Gebäude gewesen sein, von dem später die Flurbezeichnung „Auf der Burg“ abgeleitet wurde.

 

Ebenfalls ausgegangen ist das um 1285 belegte Vorderhausen, das sich im Gebiet der heutigen „Schleusenhäuser“ südlich von Bischofsheim befunden haben soll und dessen Ländereien Dörnigheim zugeschlagen wurden. Gerade an Flußläufen und in Niederungen gelegene Siedlungen wurden durch Überschwemmungen hinweggespült oder gerodete Sandböden erschöpften sich sehr schnell.

 

Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zerfiel das bis dahin bestehende Fronhofsystem, in dessen Mittelpunkt der Fronhof als herrschaftlicher Eigenbetrieb des Grundherrn stand. Zwar blieben die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Herrenhof liegenden Bauernhöfe in herrschaftlicher Abhängigkeit von denen aus die Hörigen Arbeitsfronen zu leisten hatten, aber das bäuerliche Alltags‑ und Wirtschaftsleben bezog sich jetzt stärker auf das sich entwickelte Dorf. In Dörnigheim wurde der Herrenhof mit seinen Ländereien an Bauern verliehen, er blieb jedoch sowohl Sammelstelle für bäuerliche Zins‑ (Bede) und Zehntleistungen (Zehntscheuer) als auch Dingstätte für die Hofgerichtssitzungen der Hofgenossen. Im dörflichen Wirtschaftsleben behielten die alten Herrenhöfe gewöhnlich noch gewisse Vorrechte wie etwa den Vorschnitt zur Erntezeit, aber auch Pflichten wie das Halten von Zuchttieren.

 

Nach 793 n. Chr. sind noch mehrere Schenkungen aus der Dörnigheimer Gemarkung urkundlich belegt. Im Jahre 1064 gibt Kaiser Heinrich IV. dem Jakobskloster in Mainz die Zusage, „daß das erwähnt löbl. Closterstifft in die Possession des eigentümblichen Dorffs Dornickheim samt leybeiglichen herrschaftlichen appertinentien schon 1064 gesetzt worden sei.“ „Wir, König Heinrich, übergeben dem Sankt Jakobskloster zu Mainz 25 Mansos, gelegen in dem Ort Turincheim genannt im Maingau, in der Grafschaft des Grafen Berchtold, mit allen Zubehörden.“ 25 Mansos entsprachen etwa der Größe eines Hofgutes. Voraussetzung für die Schenkung war die Bestellung des Gutes durch einen Vogt. Belehnt wurden damit später die Grafen von Rieneck. Durch die Schenkung Wolfbodos erhielt das Jakobskloster ein Vogteirecht über Dörnigheim.

 

Die Herren von Rieneck gehörten schon zu den Gefolgsleuten der Frankenkönige mit Landbesitz im Spessart und dem heutigen Mainfranken. Der erste urkundlich erwähnte aus dem Rienecker Geschlecht ist Gerhard I. Seine Regierungszeit hat zwischen 1085 und 1106 gelegen. Dieser hatte das damals bedeutsame Amt eines Burggrafen von Mainz inne und war gleichzeitig Vogt des Mainzer Erzstiftes. Als Burggraf war er der Vertreter des Kaisers in Mainz und als Vogt (abgeleitet von Advocatus) hatte er den Schutz der weltlichen Besitztümer seines geistlichen Herren, in diesem Falle also des Erzbischofs von Mainz, zu garantieren.

Die Mainzer Geistlichkeit verfügte damals über Besitz in Dörnigheim, zwar nicht das Erzstift, sondern das Jakobskloster, und dies aus einer Schenkung von König Heinrich, der spätere Kaiser Heinrich IV. Es liegt daher auf der Hand, daß der Vogt des Erzstiftes von Mainz auch das Vogteirecht über andere Mainzer Besitzungen ausübte. Allerdings ist davon auszugehen, daß die Rienecker Adligen zu keiner Zeit selbst in Dörnigheim anwesend waren. Dies hätte die Vielzahl ihrer Besitzungen auch nicht zugelassen. Sie betrauten vielmehr andere Herren des niederen Adels mit der Ausübung des Vogteirechtes

Die Belehnung der Herren von Rieneck in Dörnigheim muß nach 1064, dem Datum der Schenkungsurkunde des König Heinrichs, erfolgt sein. Da ein verläßliches Datum bisher nicht auszumachen war, ist eher davon auszugehen, daß sie in der Regierungszeit jenes Gerhard I. stattfand, also näher an 1085.

Gerhard I. beschloß, seine einzige Tochter mit dem Grafen Arnold von Loon zu verehelichen. (eine wohlhabende Grafschaft bei Lüttich). Durch diese Vernunftehe konnte Gerhard I. seinen Besitz nebenbei erheblich vergrößern und gleichzeitig die Burggrafenwürde in Mainz für seine Nachkommen sichern.

Die Schwester Ludwigs V. (1291 ‑ 1333), Elisabeth von Rieneck und Rothenfels, heiratete 1272 Ulrich I. von Hanau. Hieraus leitet sich der Anspruch der Hanauer auf die Nachfolge am Vogteirecht über Dörnigheim ab, daß sie höchstwahrscheinlich 1333, also nach Ludwigs Tod, erstritten. Mit Philipp III., verheiratet mit Margarete von Erbach, erlosch 1559 das Grafengeschlecht.

Nach dem Aussterben fiel Schloß und Burg Rieneck an den Erzbischof von Mainz, der ab 1673 die Grafen von Nostitz in Böhmen mit dem Besitz belehnte. Warum ausgerechnet ein Geschlecht in Böhmen? Nun, die Herren von Nostitz erkauften sich mit dem Rienecker Lehen Sitz und Stimme im fränkischen Reichsgrafenkollegium des Reichstages. Graf Anton von Nostitz‑Rieneck blieb noch bis 1794 Besitzer der Burg und des Dürnhofes. Das Lohrer Schloß hingegen behielten die Mainzer Erzbischöfe.

Nach dem Aussterben der Grafen von Rieneck im Jahre 1333 hatten die Grafen von Hanau das Recht, Vögte in Dörnigheim einzusetzen. Aus diesem Vogteirecht heraus versuchten die Grafen, ein Eigentumsrecht an Dörnigheim zu entwickeln.

 

Das Weistum von 1366 wurde nach langem Eigentumsgerangel zwischen dem Jakobskloster in Mainz und den Grafen von Hanau in Anwesenheit eines Vertreters des Mainzer Abtes und sieben Schöffen von einem kaiserlichen Schreiber niedergeschrieben. „Dem Abt gehört die Eigenschaft zu Dörnigheim“ heißt es da, und „daß niemand über den Main fahren soll um Lohn denn in einem Weiden-Nachen, außer einem Ferchen (einem Fährmann)“, der vom Abt die Fähre zu Lehen hatte. Und: „Auch wär’s, daß ein Abt möchte durch Kurzweil oder Wollust im Mai zu Dörnigheim wollte sein, so möchte er im Walde jagen mit zwei Vogelhunden“ usw. Dem Vogt aber sollten unter anderem ein Drittel „von den Bußen und Freveln an eines Abts Gericht“ zufallen. Als Zeugen anwesend waren neben dem Kaplan zu Dörnigheim Jäckel von Bruchköbel, Erwin von Rumpenheim und „andere viele biedere Bescheidene“. Aus dem Weistum geht hervor, daß der Abt von St. Jakob in Mainz Eigentümer und Herr der ganzen Gemarkung und des Dorfes Dörnigheim war.

Der Mainzer Abt konnte allerdings durch die Jahrhunderte hindurch seine Eigentumsrechte nicht behaupten. Es kam immer zu Streitigkeiten darüber mit dem Grafen von Hanau. Der Streit zwischen den Grafen von Hanau und der Abtei in Mainz um das Hoheitsrecht in Dörnigheim wurde gerichtlich nie entschieden. Dieser Streit wurde erst im Jahre 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß beendet. Durch diesen formalen Akt wurden alle geistlichen Güter in Deutschland säkularisiert, was nichts anderes bedeutet, als daß sie einem weltlichen Besitzer übergeben wurden.

Die Eigentumsrechte gingen von Hanau über Kurhessen im Jahre 1866 auf die preußische Hoheit über und blieben dort bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Nach Kriegsende wurde der Staat Preußen verboten und aufgelöst. Seitdem gehört Dörnigheim zu dem in dieser Form neu gegründeten Bundesland Hessen.

 

Die Ringmauer entstand etwa um 1350, nachdem Friedrich II. den Orten im Maingau 1231 die Anlage von Befestigungen erlaubt hatte. Sechs Meter hoch und durch Wehrtürme verstärkt, schützte sie bis ins 18. Jahrhundert das Dorf nach Norden und nach Westen. Schottersteine aus dem Mainbett und Quader aus den Steinbrüchen von Wilhelmsbad und Dietesheim bildeten das Baumaterial. Hinter der Mauer verlief ein Weg.

Die Wehrmauer hatte zwei Tore, das Obertor und das Untertor. Das Obertor befand sich zwischen Café Saladin und Gasthaus Adler (Kennedystraße/Ecke Schwanengasse); das Untertor, auch Frankfurter Tor genannt, befand sich zwischen Café Rauch (Frankfurter Straße) und dem gegenüberliegenden Haus. Über den Zeitpunkt der Beseitigung der beiden Wehrtore liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.

 

Der Ringmauer nach Westen vorgelagert war die zwanzig Meter breite Landwehr. Sie wurde erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. Sie hatte einen vier bis fünf Meter tiefen Graben und eine undurchdringliche Hecke, das Gebück, und bildete die Befestigung im Westen in circa 150 Meter Entfernung vom Dorf Dörnigheim. Gebück und Graben hatten eine Breite von etwa 20 Metern. Dörnigheim hat sich von 800 bis 1800 nicht über die Wehrmauer ausgedehnt. Das erste Haus außerhalb der Befestigungsanlage war das Zollhaus an der Stelle der heutigen Raffeisenbank.

Ihre größte Höhe erreichte die Mauer etwa um 1620, nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Dennoch wurde Dörnigheim mehrfach gebrandschatzt und verwüstet. Die zentrale Funktion der Ringmauer aber blieb erhalten. Während sich an der einen Seite die 1780 mit Schotter befestigte Straße „von der Hanauer Kinzigbrücke über Dörnigheim nach Mainkur“ erstreckte, grenzten im Dorfinnern - zur Frankfurter Straße hin - allein vier Gastwirtschaften an die Mauer. Von Osten gesehen waren es: der „Adler“, der „Löwe“, das „Weiße Roß“ und der „Rappen“. Und auf der anderen Seite der Frankfurter Straße gab es drei weitere: den „Schwanen“, die „Krone“ und den „Hirsch“. Die Anzahl der Wirtschaften in dem kleinen Dörnigheim zeigt, welche Bedeutung der Handelsstraße und damit auch der schützenden Mauer zukam.

Im Jahre 1620, kurz nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Ringmauer auf sechs Meter erhöht. Vor Plünderern konnte sich Dörnigheim zwischen 1621 und 1636 nicht erwehren. Mehrere Male wurden die Bewohner des kleinen Ortes ausgeraubt. Die Banditen, höflicher auch Truppen genannt, hatten wechselnde Nationalität.

Mit der Weiterentwicklung der Kriegswaffen allerdings nahm die Ringmauer mit ihren Toren und Wehrtürmen als Befestigung an Wichtigkeit ab. Im 18. Jahrhundert begann man mit ihrem teilweisen Abbruch und die Steine fanden 1752 Verwendung bei der Errichtung der Mainmauer und später beim Bau von Häusern.

 

 

Bischofsheim

Sicher erwiesen ist in der Bischofsheimer Gemarkung das Auftreten von Menschen in der jüngeren Steinzeit (2.500 bis 1.600 v.Chr.). Die frühesten Siedler unserer Gegend sind Bauern gewesen. Sie wanderten vom Südosten aus dem Gebiet der mittleren Donau ein und brachten wesentliche und für die gesamte künftige Entwicklung entscheidende Kenntnisse mit. Man bezeichnet sie als Bandkeramiker. Aus der Bronzezeit (1600 bis 1200 v. Chr.) sind am Mainufer Reste von Siedlungen gefunden worden, die wahrscheinlich Fischerdörfer waren. Aus der Urnenfelderzeit (1200 - 800 v. Chr.) stammen zahlreiche Funde.

Aus der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit, 800 - 500 v. Chr.) stammen die meisten Funde. In den Jagen 13 und 14 des Bischofsheimer Gemeindewaldes sowie in dem anschließenden Jagen 6 des Enkheimer Waldes liegt eine Gruppe von 30 Grabhügeln. Westlich des Halweges vom Jagen 13 bis in das Jagen 5 lag eine Sanddüne, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Baustoff abgetragen wurde und heute völlig verschwunden ist. Insgesamt konnten 18 Gräber festgestellt und ihr Inhalt geborgen werden.

In der Latènezeit (Jüngere Eisenzeit, 500 bis 50 v.Chr.) sind die Träger der Kultur die Kelten. Kennzeichnend für die keltische Tracht ist der Halsring. Armringe und Gewandnadeln (Fibeln) sind weiterhin typisch; der Mann trug ein zweischneidiges Eisenschwert und eine Lanze.

Im beginnenden 1. Jahrhundert v. Chr. wanderte ein Großteil der keltischen Bevölkerung, die am Untermain sitzenden Helvetier, nach Süden ab. In das entvölkerte Gebiet drangen aus Mitteldeutschland Germanen ein, die unter dem Sammelnamen Sueben bekannt sind. Die von den Germanen getragene Spätlatènekultur des letzten vorchristlichen Jahrhunderts ist ihrer Herkunft nach keine rein germanische Kultur, sondern eng mit der keltischen Kultur verbunden.

Unser Gebiet war damals dicht besiedelt, Gräberfunde und Reste der Siedlungen sind vielfältig. Die Linienführung des Limes beweist ganz deutlich das Bestreben der Römer, landwirtschaftlich gut nutzbare Ländereien in ihren Besitz zu bringen. Rechts der Straße nach Bergen etwa an der Stelle des neuen Pfarrhauses auf dem Bornberg hat wahrscheinlich eine römische Villa gestanden; denn auch dort fand man diese Ziegel und römische Vasen.

 

Um 260 n. Chr. war dann unser Land von den Römern geräumt, die Alemannen zogen in das Land ein und ließen sich hauptsächlich in den verlassenen Kastellen nieder. Sie wurden im Jahre 496 von den Franken geschlagen und in den südlichen Schwarzwald und an den Alpenrand zurückgedrängt. Die Franken ließen die chattischen Siedlungen vorerst ungeschoren und gründeten in den Niederungen neue Siedlungen, deren Namen meistens mit der Silbe „-heim“ endeten. Die Gründung dieser Orte geschah wohl in der Zeit zwischen 500 und 600. Unser Gebiet kam zum Merowinger-Reich und seit Karl Martell (714 - 741) und Pippin (741 - 768) zu dem Reich der Karolinger.

Kaiser Karl der Große regierte von 768 - 814. In der Regierungszeit seines Enkels Ludwig des Deutschen (843 - 876) fand die Schenkung der Bischofsheimer Kirche an die Frankfurter königliche Salvatorkapelle statt. Die Urkunde über diese Schenkung von 852 ist nicht mehr vorhanden, aber sie wird in einer späteren Urkunde aus dem Jahre 880 erwähnt. Das bedeutet aber nicht, daß Bischofsheim erst zu der Zeit entstanden ist; durch diese Urkunde erfährt man nur, daß Bischofsheim um diese Zeit schon bestand.

Man kann annehmen, daß um die in der Urkunde erwähnte Kapelle herum schon damals eine Siedlung war. Die Silbe „-heim“ bedeutet nicht nur das Haus, sondern wird in ihrer Bedeutung unserem Wort „Dorf“ gleichkommen. Ansiedlungen mit der Endung „-heim“ gehören zu der Gruppe von Ortsgründungen, die in die merowingische und karolingische Zeit bis zur Einführung des Christentums fallen, also in das fünfte bis achte Jahrhundert.

Es läßt sich aber mit Bestimmtheit sagen, daß eine Dorfanlage schon um 852 bestand, als die Salvator-Kapelle in Frankfurt geweiht wurde. Bischofsheim liegt als einziges Dorf an dem Südufer des alten Flußlaufes. Vielleicht war es eine Reichsgründung zur Sperrung der alten vorgeschichtlichen Gelnhäuser Straße.

 

Die Original-Urkunde, die in lateinischer Sprache abgefaßt ist, soll wegen ihrer großen Bedeutung hier vollständig in der Übersetzung erscheinen: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! Ludwig, durch die Gunst göttlicher Gnade König. Wenn wir den gottgeweihten Orten unserer königlichen Herrschaft einen Vorteil verschaffen, dann wird dies - das glauben wir gewiß -  uns zur Ergreifung des ewigen Seelenheils von Nutzen sein.

Deswegen sollen alle unsere Getreuen sowohl die gegenwärtigen wie die zukünftigen mit Eifer erfahren, wie unser sehr frommer Vater aus Liebe zum Herrn und zur Vermehrung seines ewigen Heils einige Dinge aus seinem Eigentum an das Stift zu Frankfurt, das gegründet ist zur Ehre des Heilandes, unseres Herrn Jesu Christi, übergeben und die Übergabe bestätigt hat.

Es ist dies: Die Kapelle zu Kostheim, das Kloster zu Ursel, die Kirche auf dem Gut, das Stetten genannt wird, die Kirche zu Florstadt, das Gut, das Bürgel genannt wird, mit der Kirche und dem zu ihr gehörigen Zehnten, wie es Ruotkerus zu Nießbrauch innegehabt hat, und die Kirche zu Sprendlingen mit der zu ihr gehörigen Hufe, die Kirche zu Bischofsheim mit allem Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und was Ruotkerus in Seckbach besaß, die Kirche zu Schwanheim mit allem Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und die drei Hufen zu Kelsterbach, die Kapelle zu Nierstein mit allem dazu gehörenden, wie sie Aaron dort zu Nießbrauch hatte, und das Gut, das Kelkheim genannt wird, mit allem, was zu ihm gehört, die Kapelle zu Bornheim und was Heinrich in Niederkirchen zum Nießbrauch innehatte und was Ruotlind an diese Kapelle übergeben hat, das hat er schriftlich bestätigt.

Diese vorbeschriebenen Dinge also in all ihrer Vollständigkeit, d.h. mit allen zu ihnen gehörigen Häusern, Gebäuden, Knechten, Feldern, Äckern, Wiesen, Weiden, Weingärten, Wäldern, gepflegt und ungepflegt, Wässern und Wasserläufen, beweglichen und unbeweglichen, hat unser frommer Vater an das schon genannte Stift übergeben, damit es fortan ewiglich zur Vollbringung des Dienstes an Gott dort verbleibe ohne Hindernis oder Widerspruch.

Und er hat festgesetzt, daß an diesem Ort zwölf Geistliche verweilen sollen, um Gott zu dienen, ausgenommen die Priester, die an den dazu gehörigen Orten dienen. Und diese Menschen sollen von den vorgenannten Dingen ihren nötigen Unterhalt haben, und von dem Abte, dem dieses Stift übertragen sein wird, soll niemals die Heeresfolge verlangt werden.

Dazu hat er auch verordnet, daß Abt Williherius, dem dieses Stift übertragen ist, es zu seinen Lebzeiten innehaben soll mit allem zu ihm gehörigen, und keiner möge ihm etwas davon zu entfremden wagen, wie er es königlicherseits damals zu Nießbrauch offenbar besessen hat mit allem vorher Beschriebenen und nach Fug und Rechts dazu gehörenden an Zehntgefällen oder anderen dazu gehörigen Dingen.

Der väterlichen Übergabe stimmen wir zu, und wir haben daher diese schriftliche Aufzeichnung unserer Zustimmung anfertigen lassen, durch welche wir verordnen, daß - wie unser frommer Vater alles Vorgeschriebene festgesetzt und bestätigt hat - es auch fortan bestätigt und befestigt bleibe ohne Widerspruch.

Und damit diese Beurkundung unserer Bestätigung eine unverletzliche Festigkeit bewahre und auch in zukünftigen Zeiten von unseren Getreuen bewahrt und beachtet wird, haben wir sie mit eigener Hand unten bestätigt und mit unseres Ringes Aufdrückung zu besiegeln befohlen. Zeichen des Ludwig (M), des gestrengsten Königs. Ich, Arnolfus, Kanzler, habe es an Stelle Luitberts, des Erzkapellan, durchgesehen und gezeichnet.

Gegeben am 17. November im Jahre der Menschwerdung des Herrn, in der Dreizehnten Indiktion, im fünften Jahre der Herrschaft des allerstrengsten Königs Ludwig. Verhandelt zu Frankfurt. In Gottes Namen zum Heile. Amen.“ (Anmerkung: Indiktion = Kaiserzinszahl)

 

Es handelt sich hier also um die Bestätigungsurkunde einer Schenkung. Ludwig der Deutsche (843 - 876) hatte am 1. September 852 die von ihm gestiftete Salvatorkapelle in Frankfurt eingeweiht. Diese Kapelle wurde 1240 durch die Bartholomäuskirche ersetzt und später zum Dom ausgebaut. Da Ludwig die Kapelle gestiftet hatte, blieb sie auch sein Eigentum, ebenso alles, was er den Kirchen und Klöstern schenkte. Die kirchlichen Einrichtungen waren also nur Nutznießer auf bestimmte Zeit. Bei der allgemeinen Rechtsunsicherheit, die damals herrschte, war eine solche Urkunde ein äußerst wichtiges Dokument, daher ist es verständlich, daß man sich die Urkunde nach dem Tode des Ausstellers wieder bestätigen ließ.

So liegt eine Bestätigung aus dem Jahre 881 vor, ausgestellt am 11. Dezember 881 in Frankfurt. Zu dieser Zeit befand sich der Kaiser in Rom, die Urkunde ist daher eine Fälschung: Man hatte auch den im Original nicht enthaltenen Namen des Dorfes Fechenheim in die Urkunde hineingeschmuggelt.

Karl III. bestätigt 882 nochmals die Schenkungsurkunde, von der vier Ausfertigungen gemacht wurden. Zwei blieben in Frankfurt, zwei kamen nach Trier, von wo sie später durch die Revolutionswirren in die National-Bibliothek nach Paris gelangten.

Nur ein Teil der Schenkung ist dem Stift zu Frankfurt erhalten geblieben, bald machten andere Herren ihre Ansprüche geltend. Über Bischofsheim hat allerdings das Stift zu Frankfurt bis zum Jahre 1803 Patronatsrecht ausgeübt, d. h. daß unser Ort bis zu diesem Zeitpunkt kirchlich nach Frankfurt gehörte. Im Jahre 1806 ging das Patronatsrecht an die Gemeinde, 1829 an die Staatsregierung.

 

 

 

Wahrscheinlich hat das Dorf früher einmal einen anderen Namen gehabt. Auf eine vorchristliche Gründung weist jedenfalls die Endung „-heim“ hin. Nur bei Bischofsheim wurde die alte germanische Endung nicht mit dem Namen des Gründers, sondern mit der christlichen Amtsbezeichnung „Bischof“ verbunden. Bischofsheim steht also ganz allein unter den vielen Ortsnamen mit der Endung -heim.

Bischofsheim scheint jünger zu sein als die anderen Siedlungen an dem alten Mainlauf. Es ist der einzige Ort auf dem Südufer, zudem in Schutzlage durch mancherlei feuchte Niederungen südlich des Dorfes. Vielleicht war es von Mainz aus ins Leben gerufen und trug den Namen des Gründers. Für die Umwohner war es das Heim, das ein Bischof gebaut hatte; der eigentliche Gründername verschwand mit dem Tode des Bischofs gänzlich.

Das Dorf kann aber auch sehr wohl einmal an einen verdienten Bischof - es muß nicht einmal ein Mainzer gewesen sein - verliehen worden sein. Er bezog dann auf Lebenszeit die Einkünfte. Nach seinem Ableben fiel die Leihe dann an das Reich zurück. Es scheint demnach erst in der Hausmeierzeit entstanden zu sein (714 - 751), denn damals begrub man die Toten nicht mehr an den Straßen, sondern auf dem Kirchhof.

Wir kennen ja auch nicht den alten Kirchenheiligen. Prothus und Hyacinthus, die Schutzheiligen der Bischofsheimer Kirche, gehören in Bischofsheim frühestens ins 11. Jahrhundert. Die Bischofsheimer Kirche ist aber bereits in karolingischer Zeit vorhanden und war zudem Pfarrkirche. Vergleicht man die Urkunden, so wird man feststellen, daß beinahe in jeder Urkunde eine andere Schreibweise auftritt.

 

Der Bannforst Dreieich: Jede Gemeinde hatte ihre eigene Gemarkung, die aus Ackerland und Wiesen bestand. Der Wald dagegen gehörte allen Gemeinden gemeinsam, jeder Märker konnte dort Brenn- und Bauholz holen und sein Vieh weiden lassen. Auch jagen durften die Märker im Wald, der von Förstern überwacht wurde. Auf den Sandflächen konnte sich hier ungestört das größte Waldgebiet Südwestdeutschlands entwickeln, das die eigentliche Grenze zwischen Süd- und Mitteldeutschland bildete.

Dieser Wald begann an der Mainmündung, ging dann mainaufwärts bis Griesheim-Schwanheim und folgte nach der Einmündung der Nidda deren Lauf bis Vilbel, ging dann bis vor Hochstadt den Braubach entlang bis zum Main und folgte dem Mainlauf bis Aschaffenburg, führte dann in fast gerader Linie über Großostheim-Schaafheim-Niederklingen bis zum Grenzpunkt Westergiebel, von dort nach Pfungstadt~Stockstadt/Rhein und wieder zur Mainmündung.

Dieses riesige und wildreiche Waldgebiet sicherten sich die fränkischen Könige sofort, zumal es das einzige Waldgebiet der Mainebene war. Fast genau in der Mitte des ausgedehnten Waldgebietes wurde eine Siedlung gegründet, die „Im Hain“ hieß. Im Jahre 977 wird sie urkundlich zum erstenmal „Dreieich“ genannt. Dort setzte der Kaiser den Reichsvogt über den ganzen Wald ein.

Weiterhin schuf man zur besseren Überwachung des Waldes 36 Waldhubendörfer. Es waren echte fränkische Gründungen, deren Namen bekannt sind. In jedem dieser Dörfer wurde ein meist adliger Mann als Hübner eingesetzt, der eine Hube Land in der Größe von 30 Morgen bekam.

Außer den Hübnern gab es in dem Reichsforst zahlreiche Förster, von denen einer auch wohl in Bischofsheim war. Die Förster führten einen Spieß bei sich, später auch ein Beil. Sie waren aber nicht jagdberechtigt. Im Jahre 1452 nahm der Schultheiß von Frankfurt zum letzten Mal als Vertreter des Kaisers an einem Maygericht in Langen teil. Im Jahre 1556 wurde das letzte Maygericht abgehalten. Der damalige Reichsvogt, ein Herr von Isenburg betrachtete das Gebiet als sein Eigentum und regierte darüber wie ein Landesfürst. Durch kaiserliche Schenkungen waren große Teile des Waldes in den Besitz des Deutsch-Ritterordens gelangt, der sie später an die Stadt Frankfurt verkaufte. Die Jagd gehörte aber weiter den Reichsvögten; daraus ergaben sich dauernde Streitigkeiten.

Von der Herrschaft Hagen oder Hain in der Dreieich erhielt Hanau 1/6 und Falkenstein 5/6. Die Orte der Herrschaft Hain in der Dreieich liegen bis auf das kurhessische Bischofsheim alle in der großherzoglich-hessischen Provinz Starkenburg im früheren Obermaingau und Rodgau

Die Herrschaft Hagen war ein uraltes Besitztum der Edelherren von Hagen, die danach den Namen führten. Die Edelherren von Münzenberg haben diese Herrschaft als der Hauptstamm der hagenschen Dynastie ganz oder teilweise besessen, oder Ulrich I. von Münzenberg hat dieselbe ganz oder teilweise durch seine erste Gemahlin Adelheid, Erbtochter Eberhards Waro von Hagen, erhalten, einen anderen Teil von hagenschen Miterben gekauft.

Bei der Teilung des münzenbergischen Erbes fielen den Herren von Falkenstein von der Herrschaft Hain in der Dreieich - außer den mit Hanau gemeinschaftlichen Anteilen am Dreieichenhain - folgende Besitzungen zu: .....Bischofsheim bei Bergen, denn Philipp von Falkenstein kaufte 1283 den Anteil der Dynasten von Hohenfels (Urkunde von 1275).

Nach dem Vertrag von 1458 betreffs Erbteilung zwischen Philipp dem Jüngeren (Münzenberger) und Philipp dem Älteren (Lichtenberger) erhielt Philipp der Jüngere unter anderem auch das Zentgericht des Bornheimer Berges. Die jetzigen Justizämter Bockenheim und Bergen (worüber mit Frankfurt noch Streit war) hatte Hanau seit 1320 in Besitz.

Von den Orten, über welche sich die Zentgerichtsbarkeit erstreckte, gehörten acht ganz zu Hanau, nämlich: Bergen, Berkersheim, Bockenheim, Eckenheim, Enkheim, Gronau, Massenheim, Preungesheim. Drei oder vier hatte es nur zur Hälfte: Vilbel, Seckbach, Praunheim und vielleicht auch Bischofsheim. Die übrigen sieben oder acht dagegen besaß es nicht, nämlich Bornheim, Hausen, Oberrad, Offenbach, Nied, Griesheim, Fechenheim und vielleicht auch Bischofsheim („gehören“ = Grundbesitz und niedere Gerichtsbarkeit).

Das Zentgericht Bornheimer Berg hatte 1607 noch 17 Dörfer. Von den ehemals 19 dazu gehörigen Orten wurde das isenburgische Offenbach im Jahre 1500 und die drei Frankfurter Orte Bornheim, Hausen, Oberrad 1481 aus dem Zentverbande entlassen. Hanau aber vereinigte die 1478 angekauften Dörfer Eschersheim und Ginnheim mit dem Gerichte, so daß nun wieder 17 Dörfer zum Zentgericht Bornheimer Berg gehörten.

Frankfurt verzichtete 1481 auf seinen Anteil an der Zentgerichtsbarkeit, wodurch ein langjähriger Streit beendet wurde. Hanau erwarb das Eigentum und die niedere Gerichtsbarkeit in Fechenheim 1473 und 1484; in Bischofsheim 1500, in Seckbach 1503 und 1504, zu einem Viertel in Praunheim 1470. Es hatte nun außer der Zentgerichtsbarkeit über alle 17 Orte das Eigentum und die niedere Gerichtsbarkeit in 13 ganzen Dörfern, nämlich Bergen, Enkheim, Berkersheim, Gronau, Bischofsheim, Fechenheim, Massenheim, Preungesheim, Seckbach, Bockenheim, Eckenheim, Eschersheim und Ginnheim, dazu auch noch in der einen Hälfte von Vilbel und Praunheim. Eigentum und niedere Gerichtsbarkeit fehlte ihm aber in der anderen Hälfte der letztgenannten Dörfer und in den zwei mainzischen Dörfern Nied und Griesheim.

 

Die Zentgrafschaft (Cent) „Bornheimer Berg“: Die Zentgrafschaft Bornheimer Berg mit ihren 19 bzw. 20 Dörfern war von alters her königlicher Besitz. Die Verwaltung der Grafschaft erfolgte von der königlichen Pfalz in Frankfurt aus, wo die königlichen Beamten saßen. Das Gebiet der Zent bildete zusammen mit dem Frankfurter Territorium den Fiskus Frankfurt, es war für die Stadt im Hinblick auf die Ernährung der Bevölkerung sehr wertvoll.

Als die Stadt Frankfurt „Freie Reichsstadt“ wurde, ihre eigene Verwaltung bekam und die königlichen Beamten abzogen, wurde die Grafschaft Bornheimer Berg von Frankfurt abgetrennt, da sie weiter königlicher Besitz blieb. Von diesem Zeitpunkt an versuchten die Hanauer Grafen Einfluß auf das Gebiet der Cent zu bekommen, um ihre Macht nach Westen auszudehnen und wichtige, das Gebiet berührende, Handelsstraßen zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt begann auch der jahrhundertelange Kampf zwischen der Stadt Frankfurt und den Hanauer Grafen um die Grafschaft. 

Die Kaiser waren aus finanziellen Gründen häufig gezwungen, Gerichte, Regalien (königliche Rechte), Städte und Landschaften zu verpfänden. So verpfändete Karl IV. im Jahre 1351 die Grafschaft Bornheimer Berg für 10.000 Goldgulden an den zahlungskräftigen Grafen Ulrich III. von Hanau. Nun suchte sich der Pfandinhaber an seinem Pfande schadlos zu halten und die verbrieften Rechte der Einwohner zu beschneiden, was zu vielen Beschwerden führte.

Der Stadt Frankfurt kam die neue Nachbarschaft recht ungelegen; Frankfurt machte dreimal einen vergeblichen Versuch, sich in den Besitz des Pfandes zu bringen. Die Situation wurde für Frankfurt aussichtslos, als die Hanauer Grafen Vögte der Wetterau wurden und damit Reichsgut zu verwalten hatten. Die Beziehungen zum Kaiser wurden so eng, daß sie im Jahre 1429 sogar Reichsgrafen wurden.

Im Jahre 1434 gab Kaiser Sigismund gegen eine weitere Zahlung von 1.000 Goldgulden dem Grafen Reinhard II. von Hanau die Grafschaft Bornheimer Berg als Mannlehen (erbliches Lehen). Damit waren die Hanauer Grafen endgültig mit der Grafschaft belehnt, aber der Streit mit Frankfurt ging weiter. Im Jahre 1481 bekam Frankfurt nach langwierigen Verhandlungen die Orte Bornheim, Hausen und Oberrad als Reichslehen und entsagte dafür allen weiteren Ansprüchen. Die wirkliche Aufteilung fand aber 1485 statt, die förmliche Belehnung erst 1494.

Im Jahre 1481 entsagten die Frankfurter allen Ansprüchen am Bornheimer Berg. Hanau gab dafür an Frankfurt die Gerichtsbarkeit über Bornheim, Hausen und Oberrad ab. Der Schöffenstuhl wurde nach Bergen verlegt (dort ist er als Amtsgericht bis zum 15. Juli 1943 verblieben und ist dann an das Amtsgericht Frankfurt gekommen). Der Streit zwischen Frankfurt und Hanau ging aber weiter, der Zankapfel war nun Offenbach. Dieses gehörte den Isenburg-Büdingern, gerichtlich unterstand es aber als eines der neunzehn Dörfer des Bornheimer Berges der Zent. Den Isenburgern war das lästig. Gleichzeitig gab es zwischen den beiden Streit um Bischofsheim. Durch Vergleich trat im Jahre 1500 Graf Ludwig II. von Isenburg seine Vogtei - und obrigkeitlichen Rechte zu Bischofsheim an Hanau ab, wogegen Hanau dann Offenbach vom Gericht Bornheimer Berg freigab.

 

 

Hochstadt

Erst aus der jüngeren Steinzeit (um 4.500 v.Chr.) gibt es ein Steinbeil, das der Schüler Norbert Weilbächer im März 1953 auf einem Schuttplatz der Gemeinde fand; aber es ist nicht sicher, ob es nicht nachträglich dorthin gekommen ist. Aus der Bronzezeit (seit 2200 v.Chr.) ist systematisch erforscht eine Grabhügelgruppe im Töngeswald südlich der Straße nach Hanau. In einem Hügel fand man die Reste einer Männerbestattung mit dem berühmten Griffplattenschwert aus dem ostalpinen-ungarischen Raum (es erhielt sogar den Namen „Typ Hochstadt“).

Ein Depotfund mit 43 Stücken wurde 1838 nördlich des Dorfes gefunden. Er wurde in der jüngsten Bronzezeit oder frühen Hallstattzeit (um 1200 v.Chr.) vermutlich von einem Händler oder auch Schmied auf der Flucht vergraben. Zu diesem Fund gehören Schwerter, Lanzenspitzen, Messer, Pferdegeschirr, Armringe und Gußbrocken.

Brandgräber aus der Hallstattzeit wurden 1931 bis 1938 in der Gemeindesandgrube nördlich der Straße nach Hanau gefunden. Sie enthielten eine Koberstädter Urne und einen Spitzbecher; und in der Nähe fanden sich noch drei Schalen. Aus der Hallstattzeit ist auch der Grabfund im Flurstück Burgheege mit einer Urne und Resten von Bechern und Schalen sowie der Fund eines Bronzerings, der „an einem alten Weg in Hochstadt“ gefunden wurde.

 

Die erste urkundliche Erwähnung Hochstadts geschah in einer Schenkungsurkunde, die heute verschollen ist. Es handelte sich um eine Überlieferung des Klosters Fulda aus der Zeit des Abtes Rabgar, der von 802 bis 817 oder 819 amtierte.

Diese Urkunde kann jedoch nicht als Ersterwähnung Hochstadts gelten, weil sie nur einen Zeitraum angibt, nicht aber ein genaues Jahr. Der Wortlaut ist in Reimers Urkundenbuch erhalten: „Gerhard und seine Frau Reinacha schenken dem Heiligen Bonifatius die halbe Hofraite, einen Teil ihres Weinbergs und einen Morgen Land im Gaue Wettereiba im Dorfe Hochstadt“.

Die erste erhaltene Urkunde ist datiert vom 1. März 846 und befindet sich im Staatsarchiv in Würzburg. Der Text lautet: „Ich, genannt Geroche, bestimme hiermit, daß mein Leib ruhen solle im Kloster Lorsch, da der Abt Samuel vorsteht, und vermache dem Kloster Lorsch meine in der Gemarkung Hochstadt im Gaue Wetterau liegende Güter, Hofraiten, Acker, Wiesen, Weinberge, Baumgärten, Wasser und Weiden. Geschehen den 1. März im 68. Jahr Ludwigs des Deutschen“. Die Urkunde ist lateinisch abgefaßt, die entscheidenden Worte heißen in Latein: „in pago Wetdereiba in Hohunsteter marca.“

Die nächsten Erwähnungen Hochstadts finden sich einige Jahre später: Im Jahre 850 wird der Ort „villa Hohenstat“ genannt, im Jahre 855 macht Escrich eine Schenkung an das Kloster Lorsch. Die nächste Urkunde stammt erst wieder aus dem Jahre 1166, in der Hochstadt unter den fünf Stammorten der Herren von Dorfelden vorkommt.

Nach einer Erwähnung im Jahre 1256 folgt eine Urkunde von 1270, nach der Siegfried am Graben aus Marburg und seine Frau Gisela ihre Güter in Hochstadt dem Zisterzienserkloster Haina (Kreis Waldeck-Frankenberg) vermachen. Im Jahre 1338 lautet der Ortsname „Hoenstadt“ (das  o  und das  e  werden dabei getrennt gesprochen).

 

Die erste Befestigung in Hochstadt war der befestigte Kirchhof mit einer Mauer aus dem 13. Jahrhundert (oder noch früher) und mit dem Wehrturm als Eingang. Schon 1231 war den Reichsfürsten befohlen worden, die Städte durch feste Mauern zu schützen. Auch Dörfer umgaben sich mit Ringmauern und Gräben. In unserer Gegend sind dies Bergen, Fechenheim, Hochstadt, Wachenbuchen und Dörnigheim; Bischofsheim hatte einen Wall und Graben. Die Befestigungsanlagen erfüllten auch durchaus ihren Zweck: Noch im Jahre 1689 suchten Leute aus Groß-Dorfelden und Bischofsheimer Familien wegen kriegerischer Unruhen eine Zuflucht in Hochstadt.

Es gab nur zwei Zugänge zum Dorf: vom Osten das Obertor und im Westen das Untertor. Entsprechend wurden auch die Straßen an das Dorf herangeführt: Ein Weg nach Dörnigheim ging über die heutige Klosterhofstraße und einer über die heutige Hanauer Straße und Jägerstraße.

Das Obertor wird 1589/90 errichtet. Es wurde durch den Schweinehirten auf- und zugeschlossen, der im Haus neben dem Tor wohnte. Im Jahre 1771 wird außerdem ein Wachthäuschen am Obertor erwähnt. Der Torbogen war durch ein doppelflügeliges Holztor gesichert. In der Decke des Bogens ist eine Öffnung, durch die man Wasser oder Pech oder Steine auf mögliche Feinde schütten konnte. Als 1866 die Preußen vor Hochstadt erscheinen, lassen sie die Torflügel an beiden Toren aushängen, 1868 werden sie verkauft - Hochstadt ist keine Festung mehr.

Das Untertor soll im Jahre 1283 errichtet worden sein, im Jahre 1590 wird es neu gebaut. Die Steine holt man aus Büdingen. Auf dem Tor befand sich das „Bäuelin“, ein Stockwerk aus Holz mit einem Ziegeldach und mit einer Stube für den Pförtner. Den Dienst als Pförtner an der Unterpforte versah in der Regel der Bäcker.

Der viereckige Turm an der Nordmauer in der Nähe des Untertores wird bis heute „Narrenhaus“ genannt. Hier wurden die Geisteskranken aus Hochstadt und Umgebung untergebracht. Er könnte aber auch - neben den Tortürmen - als Gefängnis benutzt worden sein.

Einen Eingang gibt es nur von der Seite des Wehrgangs aus. Der untere Raum ist überwölbt. Rechts war bis kurz vor 1900 das Halseisen angebracht, an das die Verbrecher und Geisteskranken angeschlossen wurden; dort waren sie dann völlig von der Außenwelt abgeschnitten, denn kein Lichtstrahl drang in diesen Raum.

Der Turm hat im oberen Teil keine Schießscharten wie die Rondelle, war also wohl mehr ein Beobachtungsturm. Bis um 1800 war er mit einem spitzen Dach versehen.

 

Südwestlich Hochstadts lag bis in die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges das Dorf Groschlag. Es zog sich zu beiden Seiten des alten Groschlager Weges hin. Das ist die verlängerte Fahrgasse von der Kreuzung mit der Klosterhofstraße bis zur Groschlaghohl (auch: Riederhohl) einschließlich der Hofgerichtstraße. Im Jahre 1933 werden von dem Landwirt Peter Heckert einige Mauerreste auf dem Grundstück südwestlich der Kreuzung mit der Klosterhofstraße freigelegt. Das letzte Haus Groschlags stand nordwestlich dieser Kreuzung.

Der Ort kommt in folgenden Namensformen vor: „Graslach, Grasloch, Graslock, Grasloc, Greaslog, Graßloch“, seit dem 15. Jahrhundert „Groslag“ und „Graßlach“. Bei den Hochstädter Flurnamen kommen noch vor: „Graslog, Groißlach, Groislach, Graszlach, Groschlog, Großlach“. Schließlich wird der Ort „Groschlag“ genannt (man sollte diese Namensform auch heute einheitlich für die Straßennamen verwenden). Einen Ort „Graslock“ gibt es übrigens auch bei Babenhausen.

Der erste Namensbestandteil deutet wohl darauf hin, daß die Siedlung auf einem freien Grasland entstand. Der zweite Namensbestandteil ist wohl nicht von „Lache“ herzuleiten, sondern von „Lohe“, das heißt „Buschwald“. Die Geschichte Groschlags wurde von Wilhelm Mankel ausführlich erforscht und in einer Schrift dokumentiert.

Die Entstehung des Ortes liegt im Dunkel. Die erste Urkunde über Groschlag stammt vom 15. Mai 1270. Damals schenken Siegfried am Graben von Marburg und seine Frau Gisela ihre Güter in Hochstadt dem Zisterzienserkloster in Haina. Diese bilden einen Bestandteil des Landsiedels des Klosters Haina zu Groschlag, das demnach also schon früher bestanden hat.

Die Zisterzienser trieben Obst- und Weinbau sowie Viehzucht in Eigenwirtschaft. Deshalb versuchten sie, ihren Besitz abzurunden. Sie gründeten Ackerhöfe, die vielfach von Laienbrüdern betrieben wurden. Sie wurden zu Musterhöfen und Ackerbauschulen der damaligen Zeit.

Im Jahre 1360 besitzt das Kloster Patershausen (bei Heusenstamm) eine Hufe Land in Groschlag, ebenso das Liebfrauenkloster in Frankfurt. Auch 1444 werden beide Klöster noch als Eigentümer erwähnt.

Am 22. Oktober 1364 werden erstmals der Dinghof und das Gericht zu Groschlag erwähnt. Der Ritter Frank von Kronberg schließt damals einen Vergleich mit dem höfischen Schultheißen (dem Schultheißen des Hofs Groschlag), den Schöffen und Dingleuten über die Lieferung von Beedwein. Der Ritter hatte den Dinghof vom Kloster Sankt Gallen in der Schweiz erhalten. Man kann vermuten, daß die ausgestorbenen Ritter von Groschlag den Hof den Benediktinermönchen in Sankt Gallen vermachten.

Philipp Karl, Freiherr von Groschlag, Domherr zu Mainz, ist der letzte Sproß dieses ritterlichen Adelsgeschlechts von Groschlag. Als kirchlicher Würdenträger steht er dem erzbischöflichen Stuhl in Mainz sehr nahe und vermacht den Hof deshalb einer kirchlichen Einrichtung, nämlich den Benediktinern. Diese geben ihn als Lehen weiter und erneuern das Lehen 1444.

Am 29. August 1393 sitzt Johann Gruß als Landsiedel auf dem Hof des Klosters Haina und vergleicht sich mit dem Kloster folgendermaßen: Als Pacht zahlt er jährlich 24 Achtel Korn Frankfurter Maß, zwei Gänse und zwei Hühner, außerdem von den dazugehörigen Weinbergen zwei Pfund und fünf Schillinge.

Es gab also in Groschlag zwei Hofgüter, von denen der Dinghof mit 210 Morgen der größere war. Der eine Hof gehörte den Zisterziensern, der andere den Benediktinern.

Da die Benediktiner die Höfe nicht selbst bewirtschafteten, teilten sie sie auf in Parzellen und verpachteten sie. Diesen Vorgang nannte man damals „verdingen“ und daraus ist das Wort „Dinghof“ abgeleitet. Solche Dinghöfe waren  in der Wetterau durchaus üblich.

 

 

Die Dingleute (oder: „Hübener“) kamen in den Besitz eines Stückes urbaren Landes. Dafür mußten sie sich auf eine gewisse Leibeigenschaft gegenüber einem Oberen einlassen. Sie mußten ihm gewisse Abgaben („Präsentationen“) leisten in Form von Früchten, Wein, Hühnern oder Geld und sich auch seinem Gericht unterwerfen.

Mit der Ausweitung der Macht der Landeshoheit fiel aber die Gerichtsbarkeit fast überall weg und wurde bedeutungslos. So war es auch in Groschlag, wo die Dingleute 7 Gulden und 23 Kreuzer an Geldzinsen und 21 Ohm Wein zu zahlen hatten, außerdem jährlich ein „Leibhuhn“ und ein „Fastnachtshuhn“ als Zeichen ihrer Leibeigenschaft.

In dem Grenzweistum von 1434 wird erwähnt, daß ein „magister grangiae“ als Hofmeister schon 36 Jahre dem Dinghof vorsteht und eine geistliche Person ist. Er wird Heinrich von Graslock genannt. Auf dem Hof wohnen damals drei Familien. Bei der Verhandlung am 24. Juni in der Wohnung des herrschaftlichen Schultheißen Herte Schröder in Hochstadt werden vielfach die Mönche des Klosters Haina erwähnt. Auch in den Heberegistern des Dinghofs in den Jahren 1444 bis 1503 werden vielfach die „Mönche von Haines“ als Nachbarn der höfischen Güter erwähnt.

Nach dem Besuch des Abtes Kaspar aus dem Kloster Sankt Gallen auf dem Generalkapitel der Benediktiner in Erfurt wird am 17. Mai 1444 der Lehnsbrief über Dinghof und Gericht zu Groschlag erneuert. Er wird als ein Erblehen dem Ritter Frank von Kronberg übergeben, der darüber einen Reversbrief ausstellt. Bei dieser Gelegenheit werden die gegenseitigen Rechte und Pflichten geregelt. Es wird ein „Weistum“ (Zusammenstellung der Rechte) aufgestellt sowie eine Ordnung über die Kauf- und Sterberechte und über die Regelung des „Besthaupts“. Damit ist gemeint: Der Gerichtsherr kann sich im Erbfall das beste Stück Vieh aus dem Stall holen (nach dem Dreißigjährigen Krieg in einen Geldbetrag umgewandelt). Eine „Formalia“ gibt in allen Einzelheiten Auskunft über die Hegung und die Zusammensetzung des höfischen Gerichts.

Aus dem Weistum von 1444 erfahren wir alles über den Sinn und den Ablauf des „höfischen“ Gerichts, also des örtlichen Gerichts über das Hofgut im Ort Groschlag. Weistümer gibt es auch für viele andere Orte in Deutschland. Sie wurden erstellt, als man die bisher mündlich überlieferten Grundsätze der Rechtsprechung schriftlich festlegte. Man berief eine Anzahl sachkundiger und gut beleumdeter Männer zusammen, die nach ihrer Erinnerung anzugeben hatten, was rechtens sei und wie in diesem oder jenem Fall früher geurteilt worden war.

Die Weistümer hatten aber keine allgemeine Rechtskraft, sondern bezogen sich nur auf  e i n e n  Ort oder ein Amt. Vor allem ging es dabei um den Schutz der alten Rechte gegenüber der Landesherrschaft.

Quelle für das Groschlager Weistum ist das am Montag nach Pauli Bekehrung 1549 angefangene Gerichtsbuch. Danach setzt sich das höfische Gericht zusammen aus dem höfischen Schultheißen und sieben Schöffen aus den Reihen der Dingmänner. Aufgabe ist es, für den Eingang des Gültweins, der Zinsen und der Hühner Sorge zu tragen und die Heberegister in Ordnung zu halten, damit dem Dinghof kein Stück Land verlorengeht.

Gerichtstag ist immer ein Wochentag. Anfangs wird dreimal im Jahr Gericht gehalten: nach Neujahr, nach Walpurgis (30. April) und nach Martini (11. November). Der Tagungsort ist der höfische Gerichtsplatz, ein Grasgarten, der zwei Viertel und elf Ruthen groß ist und „neben Peter Schröder und dem gemein Weg“ liegt, also am westlichen Ende der verlängerten Fahrgasse bzw. Hofgerichtstraße. Hier stand früher der herrschaftliche Hof zu Groschlag auf der sogenannten „adeligen Freiheit“.

Geblieben ist davon nur der Gerichtsplatz, umzäunt und mit einem Tor versehen, vor dem die „Falltorsäule“ (ein Tiergatter) stand. Dieser Gerichtsplatz mußte von leibeigenen Einwohnern gemäht werden, das geerntete Heu oder Grummet wurde von der gräflichen Verwaltung dann nach Schloß Rödelheim gebracht.

 

Das Gericht wird in Gegenwart der Beamten von Solms-Rödelheim in der Wohnung des höfischen Schultheißen von Groschlag abgehalten (dieser konnte auch in Hochstadt wohnen). Alle Dingmänner müssen bei Androhung von Strafe erscheinen. Nach der Gerichtsverhandlung findet das Schöffenessen statt, das fast immer zwei bis drei Tage dauert und meist in ein übles Saufgelage ausartet. Die Kosten muß der Gerichtsherr tragen. Der höfische Schultheiß bekommt eine Ohm Wein, um sie mit den Schöffen zu vertrinken, sowie fünf Gulden dreißig Kreuzer für die Beschaffung des Mahls.

Das Dorf Groschlag hatte keine eigene Verwaltung, sondern wurde von Hochstadt mit verwaltet. Auch kirchlich war es nach Hochstadt eingepfarrt. Die Einwohner waren meist arm, denn das Beederegister weist nur geringe Beträge im Vergleich zu Hochstadt aus. Hauptbeschäftigung der Einwohner ist der Fischfang. Aber es gibt auch Handwerker wie Kleiber, Maurer, Mehlhändler, Schmied und Schäfer.

Einige Straßennamen sind bekannt: Die Fahrgasse wird 1503 erwähnt als Weg nach Hanau. Dann gibt es eine Horgasse (neben dem Floß) und eine Borngasse (wo der Brunnen steht). Unten vor der Groschlager Hohl befindet sich die sog. Weedt, die als Löschwasserbecken und Pferdetränke dient. Es gibt einen öffentlichen Brunnen, an dem die Messingrolle und das Brunnenseil mit dem kupfernen Eimer durch Hochstadt unterhalten werden muß. Auch gibt es ein Kelterhaus, das wohl Gemeindeeigentum ist. Einige Wohnhäuser stehen auch auf der Gamer südlich der Fahrgasse.

Durch die Schenkungsurkunde vom 4. April 1506 gehen Dinghof und Gericht zu Groschlag an die Gräflich Solms-Rödelheim'sche Familie über. Grund ist die Heirat einer Enkelin des Ritters Frank von Kronberg mit Philipp, dem Grafen von Solms-Rödelheim und Herren zu Münzenberg.

Doch in der Reformationszeit wird das Kloster Haina vom Landgrafen Philipp säkularisiert und im Jahre 1553 in ein Hospital verwandelt. Seit dieser Zeit werden die Mönche von Haina auch in Groschlag nicht mehr erwähnt. Der Hof ist wohl in andere Hände übergegangen. Auch der andere Hof ist wahrscheinlich in der Reformationszeit endgültig in das Eigentum der Grafen von Solms-Rödelheim übergegangen.

Im 15. und 16. Jahrhundert wird Groschlag laut Beede-Liste von 37 Familien bewohnt, hat also etwa 140 bis 150 Einwohner. Im Jahre 1585 sind es dann noch 32 Familien. Die Weedt wird 1590 noch einmal erneuert. Auch 1598 stehen noch 34 Namen auf der Beedeliste, es gehen aber nur 20 Gulden 13 Schilling und 6 Pfennig an Steuer ein.

Im Jahre 1600 nimmt der Oberschultheiß noch einmal etliche Büchsenschützen mit nach Groschlag, um am „Schultheißen-Imbiß“ teilzunehmen. Das war vielleicht das letzte in Groschlag gehaltene Gericht alter Art, denn von nun an gibt es keine Beedelisten aus Groschlag mehr, sondern die Einwohner werden mit auf der Hochstädter Liste geführt. Allerdings wird im Jahre 1601 als Schöffe noch einmal ein Hans Gebauer aus Groschlag erwähnt.

Doch der Ort wird so von Feuersbrünsten heimgesucht, daß zuletzt nur noch ein Haus nordwestlich der Kreuzung Fahrgasse/Klosterhofstraße übrigbleibt. Als der letzte Bewohner, Johannes Heß, im Jahre 1615 stirbt, wird auch dieses Haus abgerissen.

Es ist also nicht so, daß Groschlag während der Belagerung Hanaus in den Jahren 1635/36 bzw. im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden ist. So hat es anfangs Wilhelm Mankel vermutet, der die Geschichte Groschlags ausführlich erforscht hat. Die Zahlung der Steuern ist kein Argument dafür, daß der Ort noch im Dreißigjährigen Krieg bestanden habe, denn die Steuern liegen ja auf den Grundstücken.

 

 

 

 

 

 

Wachenbuchen

Eine frühe Besiedlung gibt es mindestens seit der Jungsteinzeit (ab 5700 v. Chr.). Der älteste Fund ist eine Hammeraxt mit Facetten, 1879 auf dem südlichen Hügel der Burg derer von Buchen gefunden. Aus der Bronzezeit (2200 v. Chr.) findet Kaspar Puth VII. in dem Gewann „Am Baudert“ östlich des Hühnerbergs ein Grab aus der späten Hügelgräberbronzezeit. Schon zur Eisenzeit (800 v. Chr.) muß man rechnen eine Fundstelle, die dem Autobahnbau weichen mußte, die aber auch noch Bronzefunde enthält.

Aus der Römerzeit ist besonders ein Fund in der Kirche herausragend. Beim Umbau der Kirche im Jahre 1903 wird ein Viergötterstein gefunden, der im alten Mauerwerk verbaut war. Der Stein war wohl der Fuß einer Gigantensäule, die vor einem Gehöft am Weg aufgestellt war. Es gibt aber noch eine Reihe weiterer Funde aus römischer Zeit: Eine  Handmühle, im Wald die Mauerreste eines römischen Hauses, ein  römischer Grabhügel am Simmichtsweg, eine Sandsteinkiste in der Flur „Im Auborn“, mehrere  Scherben „Auf  den Mauerecken“ unterhalb des Schäferküppels.

 

Viele Orte verdanken ihre erste Erwähnung einer Schenkung von Landbesitz an ein Kloster. Auch der Name „bucha“ kommt erstmals in einer Urkunde des Klosters Lorsch vor. Die Urkunde  lautet in einer dem heutigen Sprachgebrauch angepaßten Übersetzung aus dem Lateinischen: „In Gottes Namen schenke ich, Liubertus, nach meinem unabänderlichen Willen für das Heil meiner Seele ein Geschenk für ewige Zeiten. Ich schenke es dem heiligen Märtyrer Nazarius, der leiblich im Kloster Lorsch ruht, wo der verehrliche Abt Richbodo vorsteht. Es handelt sich im Gau Wetterau um zwanzig Joch urbares Land im Dorf Stierstadt und in der Gemarkung Buchen um eine Hufe, die ich zum ständigen Besitz gebe. Dem kann nicht widersprochen werden. Geschehen im Kloster Lorsch unter dem 1. Juni im 30. Jahr des Königs Karl!“ Schon im Vorjahr ist Liubert in Lorsch gewesen und hat dem Kloster all seinen Besitz in Oberursel und Kalbach vermacht. Nunmehr gibt er Güter in Stierstadt und Buchen. Ein Jahrzehnt später fährt er noch einmal nach Lorsch und schenkt noch einmal 30 Morgen Land in Eschbach.

Es wird noch nicht unterschieden zwischen den späteren Orten Wachenbuchen, Mittelbuchen und Lützelbuchen. Es könnte sogar sein, daß gar nicht ein bestimmtes Dorf gemeint ist, sondern mehr das Gebiet („marca“) um die Burg von Buchen. Liubert macht die Schenkung für sein Seelenheil, wie so viele seiner Zeitgenossen. Lorsch und Fulda sind damals die bekanntesten Klöster, die durch solche Übereignungen ihren Besitz, ihr Ansehen und ihre Macht vergrößern. Er schenkt den Besitz dem Heiligen Nazarius, dem Märtyrer aus Mailand. Dessen Gebeine ruhen aber im Kloster zu Lorsch. In Wahrheit beschenkt er also das Kloster, wo jetzt Richbodo der Abt ist. Mit König Karl ist der spätere Kaiser Karl der Große gemeint.

Für die folgende Zeit gibt es zwar allerhand Urkunden über Buchen und Wachenbuchen (und natürlich auch Mittelbuchen und Lützelbuchen). Aber im Grunde weiß man aus dem Mittelalter doch sehr wenig. Deshalb hat man in der Vergangenheit aus den wenigen Angaben ein ganz bestimmtes  Geschichtsbild entworfen, das etwa so aussieht:

Benannt ist Wachenbuchen nach dem Grafen Wacho, der seine Burg zwischen dem Dorf und dem Wald besitzt. Um diese Burg lassen sich dann bald Handwerker, Händler und Ackerbauern nieder. Es entsteht die Siedlung Wachenbuchen. In den kriegerischen Zeiten des Mittelalters wird der Ort aber zerstört und nicht mehr in den sumpfigen Wiesen, sondern mehr auf der Anhöhe wieder aufgebaut. Mit dem 1168 zuletzt genannten Gerlach von Buchen ist das Stammgeschlecht derer von Buchen ausgestorben. Von Wachenbuchen aus gründeten die Herren von Buchen einen Burgsitz an der Kinzig. Wo später das Hanauer Schloß steht, stand ehemals das Ritterschloß der Grafen von Buchen. Die Stadt Hanau ist eine Gründung der Herren von Buchen, und die späteren Grafen von Hanau sind die direkten Nachkommen der Herren von Buchen.

Doch hier wird von dem heutigen Erscheinungsbild ausgegangen und nicht von dem urwaldähnlichen Sumpfgebiet früherer Zeiten. Der Wohnplatz lag schon immer außerhalb des Sumpfgebiets. Das ist ja gerade die Frage, weshalb man die Burg nicht auf die Anhöhe gesetzt hat, sondern in die Ebene. Hier gilt es, auf möglichst sicherem geschichtlichen Boden zu bleiben. Deshalb zunächst einmal einige Überlegungen zur Herkunft des Ortsnamens.

 

Wenn man nicht weiß, woher der Name eines Ortes kommt, dann behauptet man einfach: Der Name kommt von seinem Gründer. So findet man in vielen Festschriften zu Vereinsjubiläen die Angabe, Wachenbuchen sei von einem gewissen „Wacho“ gegründet worden. Dieser soll natürlich Burgherr auf der südlich von Wachenbuchen gelegenen Burg derer von Buchen gewesen sein: Wacho war einer der Herren von Buchen, am liebsten natürlich der Erste von ihnen. Er hätte dann auf der Anhöhe über der Burg ein Dorf für sein Personal gegründet. Leider ist ein Ritter dieses Namens unbekannt, der Name ist nirgendwo urkundlich belegt, auch nicht im Staatsarchiv Marburg, wie es ein früherer Wachenbucher Lehrer behauptet hat. Eine andere Vermutung äußert Eugen Sauer in seiner Chronik von Mittelbuchen: In Wachenbuchen hätten sich die Wachen für die Burg von Buchen angesiedelt oder ihre Garnison gehabt. Und noch schöner wäre natürlich, wenn es schon die Wachen für die Kastelle und Gutshöfe der Römerzeit gewesen wären. So nimmt es Heinrich Eckhardt an, der die Römer für die Namengeber hält. Doch die Römer werden wohl kaum Deutsch gesprochen haben. Hier handelt es sich um eine volkstümliche Erklärung, die einfach von einer Namensähnlichkeit ausgeht.

Mir scheint eine andere Ableitung des Namens sinnvoller, die der Hanauer Geschichtsschreiber Zimmermann im Vorwort seines Buches „Hanau Stadt und Land“ vorgenommen hat (S. XXXII). Weil die Fundstelle etwas versteckt ist, hat sie bisher niemand so richtig wahrgenommen.

Der Ort „Buchen“ war ursprünglich so etwas wie eine „Großgemeinde“ mit den Ortsteilen Wachenbuchen, Mittelbuchen und Lützelbuchen. Das Dorf Lützelbuchen lag nordöstlich von Mittelbuchen und ging zwischen 1500 und dem Dreißigjährigen Krieg ein. Die Bewohner bauten sich eine neue „Siedlung“ an der Nordwestseite des damaligen Mittelbuchen. Dieser eingegangene Ort war „Klein-Buchen“, denn das Wort „lützel“ bedeutet nichts anderes als „klein“ (engl. little). Der Name Mittelbuchen ist leicht zu erklären: Es ist das Buchen zwischen den beiden anderen Buchen-Orten.

 

Bleibt noch der Name „Wachenbuchen“. Er kommt von dem kleinen Bach, der durch den Ort fließt, durch die heutige Bachstraße. Im Volksmund hat er einfach den Namen „die Bach“. Der weibliche Artikel ist dabei nicht ungewöhnlich, denn man sagt ja auch „die Braubach, die Krebsbach, die Fallbach“ (vielleicht weil die germanische Bezeichnung eine weibliche Endung hat).

Wachenbuchen ist also das „Buchen an der Bach“ oder „Bachenbuchen“. Nun muß nur noch der erste Buchstabe ausgewechselt werden, und die heutige Namensform ist entstanden.

In der Tat sagen die Fachleute der deutschen Sprache, daß da tatsächlich ein Zusammenhang bestehen könnte. Die Buchstaben B und W sind nämlich eng miteinander verwandt. Das Wort „aber“ zum Beispiel wird im hiesigen Dialekt zu „awwer“. Besonders ist das der Fall vor hellen Vokalen wie a, e, i. Dagegen geschieht das nicht bei dunklen Vokalen wie o und u. Deshalb bleibt auch das zweite b in dem Wort Wachenbuchen erhalten, da bleibt es bei „Buchen“. Aus dem ursprünglichen „Bachenbuchen“ wird so mit der Zeit „Wachenbuchen“.

Eine Schwierigkeit ist, den Namen Buchen einem der beiden Orte Wachenbuchen oder Mittelbuchen zuzuordnen. So kann man sich vielleicht darauf einigen, daß der kirchliche Schwerpunkt in Mittelbuchen lag, der weltliche aber in Wachenbuchen (obwohl Wachenbuchen sehr bald auch eine eigene Kirche hat). Diese Aufteilung würde auch erklären, weshalb die beiden Orte als eine Doppelgemeinde erhalten blieben (Lützelbuchen war ja nur ein Anhang an Mittelbuchen).

Der Name „Wagghenbuche“ taucht 1243 erstmals in einer Urkunde Reinhards von Hanau auf. Die Buchstabenkombination „ggh“ ist nur eine andere Schreibweise des Kehllautes „ch“. Reinhard bestätigt in der Urkunde dem Kloster Eberbach eine Schenkung seines Onkels Heinrich in Wachenbuchen. Es handelt sich um einen Hof, die Güter, die ein gewisser Reso bearbeitete (allerdings ohne die Weinberge) und die Güter, die für 20 Mark dem Ritter Robert von Hochstadt verpfändet waren. Seine Witwe Lutgard von Isenburg bestätigt ihrerseits auch die Schenkung.

Doch es gibt tatsächlich auch die Namensform „Bachenbuch“. In einer Urkunde vom 21. Juni 1333 kauft Rudolf von Rückingen für 120 Mark ein Drittel des Zehnten von Wachenbuchen. Diesen Teil setzt er seiner Frau als eigenes Einkommen aus für den Fall, daß sie Witwe wird (ein sogenanntes „Wittum“). Der Lehnsherr Gottfried von Hohenlohe, Herr zu Brauneck, genehmigt den Vertrag und belehnt die Frau seinerseits mit dem „dritteil des zehenden ze B a c h e n b u c h, der von uns ze lehen geht“.

 

Um die Jahrtausendwende ist im Raum Buchen ein großer Besitz der Konradiner nachzuweisen (Konrad I., 911-918). Er ermöglicht zahlreiche Schenkungen der salischen Könige und Kaiser (Konrad II., Urenkel Konrads I., 1024-1039, erster salischer König). Der König will treue Dienste belohnen und beschenkt deshalb viele Grundherren und die Kirche.

Die Herren von Buchen bekommen wahrscheinlich zwischen 800 und 1000 die Herrschaft Buchen zu Lehen. Einen ersten Hinweis auf die Herren von Buchen findet man im Jahr 1062. In diesem Jahr übergibt Reginbodo dem Kloster in Fulda auch eine Hufe in Buchen (Buocho). Zeugen dabei sind Dammo und Reginhard. Diese Namen kommen später unter den Herren von Buchen öfter vor. Deshalb können diese Zeugen mit aller Vorsicht in Zusammenhang mit den Herren von Buchen gesehen werden.

Typisch ist die Zersplitterung der kleinen Orte unter der Herrschaft der geistlichen und weltlichen Herrschaften. Es gibt auch Reichs- und Königsgut. Den Herren von Buchen aber gelingt es, das Vogteirecht über die Besitzungen des Mariengredenstiftes zu erlangen. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Aufstieg dieses Geschlechts. Ab dem Jahre 1122 ist das Geschlecht derer von Buchen mit Dammo von Buchen und Hagenowe in den schriftlichen Quellen nachzuweisen.

Doch im Bereich Hanau gibt es noch keine Ansiedlung, sondern nur etwas weiter südlich das kleine Kinzdorf mit einer Marienkirche. Die Buchener aber bauen jetzt auf einer Kinziginsel die Burg Hagenowe (an der Stelle des späteren Hanauer Schlosses) und legen damit den Grundstock der Stadt Hanau. Diese Stadt verdankt ihre Ersterwähnung einer Unterschrift der Herren von Buchen unter eine Urkunde aus dem Jahre 1143, während deren Stammburg in Wachenbuchen nicht erwähnt wird.

Interessant ist dabei, daß aus „Dammo von Buchen“ plötzlich ein „Tammo von Hanau“ wird. So nennt er sich dreimal in diesem Jahr. Aber im nächsten Jahr ist er wieder Dammo von Buchen. Weil Hanau noch nie vorher in Urkunden erwähnt ist, schließt man daraus, daß Dammo von Buchen der Erbauer der Burg in Hanau ist. Bis zur Fertigstellung der Burg hätte er dann noch vorwiegend in Wachenbuchen gewohnt. Bis zum Jahr 1145 wird Dammo noch elfmal als Dammo von Hanau als Zeuge erwähnt (z. B. 1128, 1130, 1135, 1144). Er ist also eine wichtige Persönlichkeit und nicht zu umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

                                               Die Herren von Buchen-Hagenowe

                                                                      

                                               Dammo I.

                                               von Buchen und Hagenowe

                                               1122 - 1144

 

    ?                                              ?                                  ?                                ?    

Arnold                                               Gerlach                     Dammo II.                 Christian

von Hagenowe und Buchen        von Buchen             von Hagenowe        von Buchen

1144  - 1158                                     1146 - 1168              1148 und 1151        1160

                                                                                                                     

                                                                                         ?                                                 

                                                                                  Dammo III.

                                                                                  von Hagenowe

                                                                                  Domherr zu Mainz

                                                                                  1175  

                                  

 

Die Herren von Dorfelden-Hagenowe

 

                                                                                   

Konrad                                                                                 Reinhard I.

von Dorfelden                                                                                von Dorfelden

1166                                                                                     1168

     ?                                                                                              ?

Heinrich I.                                                                            Reinhard II.

von Hagenowe                                                                   von Dorfelden

1191 - 1210                                                                         1191

 

     ?                                               ?                                             ?

Heinrich III.                           Heinrich II.                            Reinhard III.

von Hagenowe                    von Hagenowe                    von Dorfelden und Hagenowe

Domherr zu Mainz              1234 - 1241                          1216 - 1234

1216 und 1222                                                                           ?

                                                                                              Reinhard I.

                                                                                              von Hanau

                                                                                              1243 - 1281

                                                                                              Erster in der Hanauer Linie.

 

 

Die Familie derer von Buchen hat aber wohl keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Herren von Dorfelden, die 1166 erstmals erwähnt werden und die Stammväter des Hanauer Geschlechts sind. Sie wagen erst lange nach dem Aussterben der Buchener sich als „von Hagenowe“ zu bezeichnen. Konrad kann es 1166 noch nicht tun, weil Gerlach von Buchen noch lebt und regiert.

Erst Heinrich I., der vielleicht schon in Hanau wohnt, nennt sich 1191 erstmals „von Hagenowe“, während sein Neffe Reinhard noch in Dorfelden bleibt. Als Heinrichs Sohn dann aber Domherr wird, geht die Hanauer Erfolge auf die Dorfelder Linie über, so daß sich Reinhard III. dann „von Dorfelden und Hagenowe“ nennt, während Reinhard I. und Reinhard II. sich nur „von Dorfelden“ zu nennen wagen. Doch die eigentlichen Hanauer Grafen beginnen mit Reinhard von Hanau, der von 1243 bis 1281 regiert.

 

Das Geschlecht der Herren von Buchen stirbt 1168 aus. Ihre Burg in Wachenbuchen wird nicht mehr bewohnt. Sie fällt an die Herren von Dorfelden-Hagenowe. Diesen fällt damit aber auch Hanau zu, als Heinrich II. von Hagenowe kinderlos bleibt. So erben die Dorfelder die Burg Hagenowe, die die Herren von Buchen gebaut oder zumindest doch wohl mit gebaut haben.

Es ist aber deutlich, daß sowohl die Herren von Buchen als auch die Herren von Dorfelden Anspruch auf Hagenowe erheben. Beide Familien nennen sich bald nach dem alten Namen, bald nach dem beanspruchten Namen. Aus dieser Tatsache kann man aber nicht schließen, daß die Grafen von Hanau sich später wieder „von Buchen“ genannt hätten und die Herren von Buchen also das Stammgeschlecht der Hanauer gewesen wären.

 

Grafen von Hanau werden sie erst 1243 mit Reinhard I. Vorher ist es noch unentschieden. Durchgesetzt haben sich schließlich die Dorfelder, weil die Herren von Buchen aussterben: Als Gerlach von Buchen stirbt, geht es im gleichen Jahr mit den Dorfeldern weiter. Doch immerhin kann man sagen: Als an der Stelle von Hanau noch Sumpf ist, gibt es schon die Burg von Buchen und Wachenbuchen. Die Verkehrswege laufen noch am Rand der Höhenzüge oder auf diesen. Die Ebenen dagegen sind hochwassergefährdet und von dichtem Wald bedeckt. Dieser gehört den Herren von Buchen und Hanau. Die Stadt Hanau ist also auf dem Grund und Boden Wachenbuchens gebaut. Aber mit der Zeit wird der Wald gerodet, der Sumpf entwässert. Die Kinzigmündung wird mit der Zeit bedeutender als der alte Herrensitz am Rande des Sumpflands.

Die Herren von Buchen hatten schon den Titel „Herren von Hagenowe“ geführt und waren damit schon Grafen von Hanau. Leider sind sie dann ausgestorben, so daß es den Personen nach keine direkte Verbindung von Buchen nach Hanau gibt: Die späteren Hanauer Grafen stammen von den Dorfeldern ab, wie der Hanauer Geschichtsforscher Zimmermann schreibt. Aber die Wachenbucher Tradition lebt in den Grafen von Hanau fort. Zu einem nicht unwesentlichen Teil haben sie ihre Wurzeln in Wachenbuchen.

Jedenfalls nimmt Hanau einen schnellen Aufstieg. Aus der „Aue im Wald“ (=Hagenowe) wird eine befestigte Siedlung („castrum“). Auf dem kleinen hochwasserfreien Rücken südlich der Burg Hagenowe entstehen zunächst einige Burgmannenhöfe für die Burgmannen, die den Ritterfamilien der Nachbarschaft entstammen. Daran anschließend entwickelt sich eine kleine bürgerliche Ansiedlung. Auf Bitten Ulrichs von Hanau verleiht König Albrecht I. der Siedlung am 2. Februar 1303 die Stadtrechte. Die Stadt erhält die gleichen Rechte wie Frankfurt, ist also reichsfrei. Aber erst 1436 wird Hanau auch Residenzstadt. Hanau hat damit seine „Mutter“ Wachenbuchen überflügelt.

 

Die Tradition der „Burg von Buchen“ hängt aber nun einmal an der Stelle etwa einen Kilometer südlich des Ortskerns, in einem ebenen Wiesengelände, wo heute ein kleines Wäldchen ist. Die Westseite trägt den Flurnamen „Die Burg“. Solche Namen haften sehr sicher an ihrem Ort.

Die Burg ist etwa 150 auf 130 Meter groß. Aber sie ist in großen Teilen verschleift, die Hügel abgetragen, die Gräben eingeebnet, im Nordteil ist sie sogar überackert. Doch läßt sich im Gelände und durch Luftbildaufnahmen ein Bild gewinnen über den ehemaligen Grundriß der Burg.

Kern der Burg bildet ein aufgeschütteter Hügel im Süden der Anlage. Er ist rechteckig mit gerundeten Ecken. An der Basis ist er etwa 40 mal 50 Meter groß, die Kuppe bietet bei einer Höhe des Hügels von fünf Metern einen Platz von etwa 20 mal 28 Metern. Die Kuppe erhebt sich etwa 2,60 Meter über die tiefste Stelle des eingeebneten, etwa zehn Meter breiten Grabens.

Dem Burghügel ist im Norden noch eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert, aber etwas nach Osten versetzt, von der Burg durch einen Wassergraben getrennt. Diese Vorburg ist ebenfalls aufgeschüttet, allerdings nur gut einen Meter hoch. Die Basis ist etwa 40 mal 60 Meter groß, oben sind es etwa 25 mal 40 Meter. Auch um diese Vorburg läuft ein Wassergraben. Sie ist aber rundum angegraben und von einem Netz vom Grabungsschnitten und Suchtrichtern überzogen.

Um die Gesamtanlage läuft ein ovaler Wassergraben in durchschnittlichem Abstand von zehn Metern vor den inneren Gräben. Er schließt mit einer deutlich ausbiegenden Verbreiterung an den südlichen Graben des Burghügels an. Im Süden der Westseite bricht er unvermittelt ab und wird durch einen anderen querlaufenden Graben abgeschnitten. Hier stand wohl eine andere Vorburg, die dem Burghügel in einer jüngeren Bauphase nach Westen vorgelagert wurde. Auch diese Vorburg war von einem Graben umgeben, der die Verbindung zum Graben der nördlichen Vorburg darstellte (vielleicht wurde der ovale Umfassungsgraben bei dieser Erweiterung aufgegeben).

Bert Worbs, der derzeit beste Kenner der Burgen im Altkreis Hanau, meint: Bei der Burg handelt es sich wohl um eine Turmburg auf künstlich aufgeschüttetem Hügel mit danebenliegendem befestigtem Wirtschaftshof. Dieser Typ einer Talburg ist im 11. und 12. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet und auch im Rhein-Main-Gebiet an mehreren Orten nachzuweisen.

 

Die älteste Urkunde im Pfarrarchiv ist eine Abrechnung vom 21. Mai 1406, in der der Priester gegenüber dem Kämmerer des Landkapitels Roßdorf abrechnet über die Einnahmen und Ausgaben der Pfarrei in den Jahren 1406/07. Das Latein ist sehr mangelhaft, einfach Wort für Wort aus dem Deutschen übersetzt, manchmal bleibt auch ein deutsches Wort stehen.

Erwähnt werden folgende Orte: Hohenfels, Steinau, Aufenau, Gelnhausen, Gründau, Büdingen, Altenstadt, Friedberg, Kaichen, Heldenbergen, Kilianstädten, Windecken, Ostheim, Issigheim, Hirzbach, Mittelbuchen, Wachenbuchen, Hochstadt und Frankfurt. Aber vor allem geht es um die Orte des Landkapitels Roßdorf (nicht um das Antoniterkloster Roßdorf).

Die Urkunde befindet sich im 19. Jahrhundert in Hanau, entweder im Archiv der Regierung oder beim Konsistorium. Weshalb sie der Archivar nach Wachenbuchen gegeben hat, ist nicht klar. Vielleicht hat es seinen Grund darin, daß Wachenbuchen zunächst der Sitz des Landkapitels war, ehe dieses nach Roßdorf verlegt wurde.

Die älteste Urkunde im Staatsarchiv Marburg ist aus dem Jahre 1472 (oder sogar schon 1422). Sie beschreibt eine "gütliche Handlung" zwischen Eberhard von Heusenstamm und Graf Dieter von Heßberg (oder Wemberg), einen Hof und eine........ (nicht lesbar) zu Wachenbuchen betreffend. Offenbar geht es um Grundbesitz.

 

 

„Hexen“ in Maintal:

Hochstädter Walpurgisnacht

In der Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai veranstaltet die Jugend aus Hochstadt und den umliegenden Orten ein Fest, das vom Pfarrer „Paliafest“ genannt wird. Es geht zurück auf den Feld- und Waldgott Pan und den Aberglauben vom Hexentanz, den es auch anderswo gibt.

Auf einem Kreuzweg wird ein riesiges Feuer aus gestohlenem Holz oder Stroh angezündet. Man tanzt um das Feuer und springt auch darüber. Dabei stößt man wilde und böse Wörter aus. Es werden sowohl ehrbare als auch verdächtige „Weibspersonen“ mit den schändlichsten Namen belegt, die der Teufel eingibt. Auch werden Schnaps, Bier und Wein getrunken.

Im Jahre 1771 verbietet der Pfarrer Franz Daniel Kühn am vorhergehenden Sonntag in der Predigt den Teufelsdienst so ernstlich, daß kein junger Bursche in der Nacht draußen ist.

Er spannt auch Schultheiß, Kirchenälteste und ehrbare Hausväter und Hausmütter ein und führt Privatgespräche. Er macht im Mai einen Bericht an das Konsistorium.

Aber 1773 wird das Paliafest wieder abgehalten, nun aber umso wüster: Der Pförtner hat entgegen dem Verbot die Hochstädter und Dörnigheimer Burschen hinausgelassen. Es wird getanzt bis in den Morgen. Grölende Kilianstädter und Hochstädter verprügeln die Dörnigheimer Jugend und schlagen einen fast zu Tode. Die Funken des Feuers fliegen in den Ort.

Der Feuerwächter in Hanau denkt, Hochstadt stünde in Flammen. Einige Einwohner laufen mit Eimern hinaus, um zu löschen. Der Hochstädter Pförtner läßt die Hochstädter Jungen dann wieder herein. Doch nun trommeln sie mit Knüppeln an die Fensterläden des Pfarrhauses und bewerfen den Pfarrer mit Steinen, so daß er um sein Leben fürchtet. Das ist vor allem die Rache dafür, daß der Pfarrer die Gitter an der Empore hat entfernen lassen, hinter der sich die Burschen versteckten, Unsinn machten oder schliefen. Das Konsistorium weist das Amt Büchertal an, das Paliafest in Zukunft zu verbieten. Im Jahre 1774 lärmt und musiziert die Jugend im Wirtshaus. Dann hört man nichts mehr von dem Fest.

 

Der Bischofsheimer Hexenprozeß vom 9. März 1564:

Etwa vom Jahre 1540 an war das Hanauer Landgericht wegen der großen Überhandnahme des Hexenunwesens in ein peinliches Halsgericht umgewandelt worden. Die erste Anklage wegen Hexerei vor diesem neuen Gericht erfolgte am 9. März 1564. Ein Einwohner von Bischofsheim zeigte damals an, daß ihm seine Milch durch eine Frau verzaubert worden, so daß ein seltsamer Käs, „wie ein Kröss“, daraus entstanden sei. Die Frau wurde sofort nach Bergen in Haft gebracht und eine umfangreiche Untersuchung in Bischofsheim angestellt. Man wollte gerne erfahren, ob es in Bischofsheim noch mehr solcher zaubrischer Weiber gebe. Obwohl man zunächst die Absicht gehabt hatte, den seltsamen verzauberten Käs in die Hanauer Gerichtskanzlei bringen zu lassen, nahm man nachher von dieser Anordnung doch wieder Abstand.

Aus den Hanauer Regierungsakten geht nun nicht klar hervor, welches Ergebnis diese hochnotpeinliche Untersuchung gehabt hat, und ob eine Verurteilung erfolgte. In denselben Akten lesen wir aber unter dem 24. Oktober desselben Jahres: „Die Aussage der zauberischen Weiber aus Bischofsheim, die hier in Haft liegen, ist der Länge nach verlesen worden. Es wurde gefunden, daß sie ihre Aussagen etwas ungleich machen, eine mehr Personen als die andere anzeigt, obgleich sie doch alle in einem Ort und Tanz beieinander gewesen sind. Da die Sache sehr wohl erwogen werden muß, hat man festgelegt, daß aus ihren Aussagen ordentliche Fragestücke formuliert werden, sie dann danach jeder Frau getrennt vorgehalten werden. Ihr Bericht und Anzeige sollen gehört und dazu aufgezeichnet werden. Danach ist zu entscheiden, ob jemand einzuziehen oder was gegen die Verhafteten vorzunehmen sei.“

Einige Wochen später, am 7. November, wurde protokolliert: „Über die Zauberischen ist entschieden worden, daß dieselbigen alle fünf - nämlich Brieckel Mergk, Liesch Anna, Gotts Else, Gerlachs Anna und Gotts Anna - vor das peinliche Halsgericht gestellt und angeklagt werden sollen. Alle wurden zunächst zum Tode verurteilt. Weil Gotts Anna aber noch jung war und durch ihre Mutter und Brieckel Mergk verführt wurde durch Eingebung eines Stückes Brodes, hat die Obrigkeit genehmigt, sie zu begnadigen und eine andere Strafe zu verhängen. Die anderen Zauberischen aber, da sie beständig auf ihre Aussage bleiben, wurden zum Tode verurteilt. Außerdem wurde verfügt, daß die weiter angegebenen Zaubrischen alsbald auch ergriffen und eingezogen werden sollen, um ihnen ihre rechtliche Strafe auch widerfahren zu lassen“.

Am 9. Februar 1565 sollten die genannten fünf Zaubrischen vor das peinliche Halsgericht gestellt werden. Das Urteil über die jüngste Zauberin, Gotts Anna, wurde den Schöffen von den Kammerräten im Namen der hanauischen Vormünder ebenfalls vorgeschrieben.

 

Sie sollte drei Sonntage nacheinander in der Kirche zu Hanau vorgestellt werden, „durch den Pfarrherrn der Gemein angezeiget“ und eine „christliche Vermahnung" erhalten, hiernach soll sie der Stadt Hanau verwiesen und „doch darauf wiederum in die Grafschaft Hanau verbannt werden“. Der Oberamtmann solle dem Pfarrherrn und Kaplan befehlen, daß diese fleißig zu den armen Weibern gehen und sie fleißig mit Gottes Wort trösten und unterrichten, damit sie ihres begangenen Übels und ihrer Sünden halben Reue und Leid haben mögen.

Zwei andere der Zauberei verdächtigte Frauen, die Schwaben Barb und die Schweitzerin, sollen befragt und sofort ins Gefängnis gebracht werden, wenn sie verhext befunden und Indizien vorhanden sind. Über das für den 9. Februar festgesetzte Halsgericht und über die sofort zu erfolgende Hinrichtung der vier Unglücklichen ist in den Hanauer Regierungsakten nichts mehr enthalten. Die Hinrichtung hat jedoch sicher zu der festgesetzten Zeit stattgefunden.

Von der jüngsten Zauberin, Gotts Anna, erfahren wir zwei Jahre später, am 1. Juli 1567, noch einiges: „Gotts Anna wurde wegen Zauberei in die Grafschaft verbannt. Sie sollte den Flecken anzeigen, darin sie wohnen wolle. Dem Schultheißen wollte man deswegen Befehl geben.

Darauf hat aber ihr Mann angezeigt, daß er und sein Weib nirgends aufgenommen werden, weil keine Dorfschaft sie in ihre Gemeinschaft annehme. So hätten sie sich auf den Höfen vor der Stadt Hanau niedergelassen. Er bittet ihnen zu erlauben, daselbst ein Häuslein zu kaufen und die Wohnung zu gestatten. Das wird ihnen erlaubt, jedoch den Förstern befohlen, ihr Augenmerk auf sie zu richten: Wenn die Personen den Wald betreten und sich ungebührlich hielten, sind sie anzuzeigen, und aus dem Walde zu weisen“.

 

 

Krieg und Frieden in Maintal

Der Tag des offenen Denkmals am 11. September 2005 steht in diesem Jahr unter dem Thema „Krieg und Frieden“. Der Verein „Heimat-Museum Maintal“ wird aus diesem Anlaß eine

kleine Ausstellung im Museum zeigen und eine Führung in Hochstadt durchführen und unter anderem die Inschriften auf den Kriegerdenkmälern und auf dem Friedhof erläutern. Zur Vorbereitung wird im Maintal Tagesanzeiger eine kleine Artikelserie veröffentlicht.

Bei dem Thema „Krieg und Frieden“ ist es sicher leichter, über den Krieg zu schreiben als über den Frieden. Es ist so wie in der Geschichte aus Rußland, wo ein alter Mann die Kinder tadelte, weil sie immer nur Krieg spielten. Doch die Kinder fragten ihn zurück: „Großväterchen, wie spielt man Frieden?“ Der Krieg liegt offenbar in der Natur des Menschen. An sich sollte aber der Frieden das Normale sein. Aber wenn man so den Blick durch die Jahrhunderte streifen läßt, dann werden sie eher von den Kriegen geprägt. Aber unsere Aufgabe ist es, den Frieden zu lernen.

 

Ringmauern und Landwehren sichern den Frieden

Zum Thema „Frieden“ in Maintal fällt auf Anhieb nur der „Vertrag von Dörnigheim“ ein.

Aber es lassen sich auch noch einige andere Beispiele finden. So dienten zum Beispiel die Ringmauern und Landwehren der Abschreckung und damit dem Frieden. Schon 1231 war den Reichsfürsten befohlen worden, die Städte durch feste Mauern zu schützen. Auch Dörfer umgaben sich mit Ringmauern und Gräben. In unserer Gegend sind dies Bergen, Fechenheim, Hochstadt, Wachenbuchen und Dörnigheim; Bischofsheim hatte einen Wall und Graben. Die erste Befestigung in Hochstadt war der befestigte Kirchhof mit einer Mauer aus dem 13. Jahrhundert (oder noch früher) und mit dem Wehrturm als Eingang.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das Unvermögen der Reichsgewalt immer offensichtlicher, den Landfrieden aufrecht zu erhalten. So stellte sich bei den Landesherren mehr und mehr das Bedürfnis ein, ihr Gebiet gegen den Raubadel und beutegierige Standesgenossen zu schützen. Wo die Natur durch Berge, Wälder, Wasserläufe oder sumpfige Niederungen natürliche Schutzlinien bot, wurden diese benutzt. Wo dies nicht der Fall war, half man durch den Bau der Landwehren nach.

Die Bischofsheimer Landwehr zog von der Nidder bei Niederdorfelden über Bischofsheim zum Main bei Dörnigheim. Auf der Höhe an der Südwestecke der Großen Lohe schneidet die Landwehr die Hohe Straße. Dort verzeichnet ein Riß vom Jahre 1599 zwei überbrückte Gräben und eine Warte in viereckigem Hofe. An diesen Schlag erinnern die Flurnamen „Am neuen Schlag“ und „Am Eisernen Schlag“.

Zwischen Bischofsheim und Hochstadt zog am Nordrande des Hochstädter Riedes die Landwehr entlang nach der Hochstädter Grabenbrücke unterhalb der Kreuzung mit der Querspange. Zwischen der Landwehr und dem Ried verlief ein Weg, der in der Bischofsheimer Gemarkung „Hochstädter Riedweg“ in der Hochstädter Gemarkung aber „Landwehrweg“ hieß. An der Hochstädter Brücke sperrte die Landwehr die dicht südlich an Bischofsheim vorüberziehende Gelnhäuser Poststraße. Auch der erwähnte Landweg sowie die Wege von Rumpenheim und von der Braubachbrücke trafen vor der Hochstädter Brücke zusammen.

Von der Hochstädter Brücke an benutzte die Landwehr, die hier Landgraben heißt, ein von Norden kommendes Wasserläufchen bis zu dessen Einmündung in das Braubachknie. Nun übernimmt der Braubach den Schutz bis zur Straße Hochstadt-Dörnigheim. Das letzte Ende bis zum Main ist wieder eine künstliche Landwehr.

 

Kriege belasten auch das Gebiet der heutigen Stadt Maintal

Bekannt ist der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648, unter dem alle Dörfer schwer zu leiden hatten. Obwohl der Krieg 1648 zu Ende geht, dauert die fremde Besatzung noch zwei Jahre. Hochstadt leidet wieder schwer unter dem schwedischen Oberst Benz. Er liegt bei dem Schreinermeister Johann Emmel im Quartier, der Stab ist in Kesselstadt. Als die Gemeinde sich weigert, über 1.753 Gulden „Stabsgelder“ zu zahlen, wird der Hochstädter Schultheiß Diez Hirst vier Tage lang im Wirtshaus „Zum Ochsenkopf“ in Hanau in Arrest gelegt, bis die Gemeinde dann schließlich das Geld doch bezahlt.

 

Weniger bekannt ist der Reunionskrieg, der auch ein dreißigjähriger Krieg war. Dieser Krieg wird von 1667 bis 1697 gegen Ludwig XIV. von Frankreich geführt. Wie er sich auf Hochstadt auswirkt, zeigen die Chronik des Andreas Emmel aus den Jahren 1672 bis 1676 (siehe das Buch „Aus dem Leben der alten Hochstädter“) und das Kirchenbuch:

Als die Hochstädterin Anna Elisabeth Schneider 1678 einen Koch aus Österreich heiratet, der mit den Soldaten in den Ort gekommen ist, muß der Oberstleutnant als Vorgesetzter des Bräutigams und die Hanauer Kanzlei für die Braut die Einwilligung geben. Die Hochzeit findet in Andreas Ecksteins Haus in Dörnigheim statt im Beisein verschiedener Soldaten und Jungfrauen. Auch im Jahre 1697 kommt es noch einmal zu einer Hochzeit, allerdings sind beide Eheleute von außerhalb. Die Kriegshandlungen erschweren also nicht nur die Taufen und führen zu Flüchtlingen aus den Nachbardörfern, sondern sie haben auch einmal ein erfreuliches Ergebnis.

Im Jahre 1689 fliehen wegen Kriegsunruhen nach Hochstadt: Die Familie Hischer aus Niederdorfelden  und die Bischofsheimer Familien Engelbert Schernick, Erhard Kaiser und Johann Peter Rohrbach. „Ein Soldat von fremden Haufen“ mit Namen Johannes Beckmann wird am 22. Dezember 1689 begraben.

 

Direkte Auswirkungen auf unser Gebiet hat auch die Schlacht bei Dettingen. Im Jahre 1743 werden nämlich mehrere Soldatenkinder in Dörnigheim getauft. Einige sind Kinder von Soldaten, die ihre Ehefrauen dabei haben, andere sind uneheliche Kinder von Soldaten mit Dörnigheimer Frauen. In Dörnigheim lagen Regimenter der Hannoveraner und der Schweden. Sie waren dort stationiert für die Schlacht von Dettingen am 27. Juni 1743. Dabei unterlag die Armee Karls V. der von König Georg II. von England geführten „Pragmatischen Armee“. Kaiser Karl VI. hatte in seiner „Pragmatischen Sanktion“ die österreichische Erbfolge auf dem Kaiserthron festlegen wollen. Georg von England setzt sich für diese Erbfolge ein. Auf beiden Seiten kämpften damals hessische Soldaten, weil der hessische Landgraf seine Leute an die Engländer verkauft hatte. Man vermied es aber, die hessischen Soldaten direkt gegenüber zu stellen. In der Folge dieser Schlacht wird im Juli 1743 Johann Philipp Schmöhl im Alter von 30 Jahren erschossen. Er wollte zusammen mit anderen fremde Pferde von der Getreidefrucht wegtreiben, die teils den Engländern, teils den Österreichern gehört haben.

 

Dann gab es den Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 mit der Schlacht bei Bergen. Infolge eines Vertrages von 1755 wird Hessen in den Siebenjährigen Krieg auf der Seite Englands und Preußens hineingezogen. Vergebens bemüht sich der Landgraf, die Neutralität für die Grafschaft Hanau durchzusetzen. Doch sie wird schon 1756 von den Franzosen besetzt. Es werden unerschwingliche Mengen an Geld und Lebensmittel gefordert. Die Franzosen bedienen sich oft auch selbst, brechen Scheunen auf und entwenden Stroh.

Nur einmal scheint die Stunde der Befreiung zu schlagen. Im April 1759 stößt Herzog Ferdinand von Braunschweig mit hessischen, preußischen und braunschweigischen Truppen gegen Frankfurt vor, um die Franzosen aus dem Maingebiet herauszuwerfen. Am 12. April ist er in Windecken, am 13. April (am „blutigen Karfreitag“) beginnt der Angriff auf die französischen Stellungen in Bergen und bei der Berger Warte. Der Wegweiser „Bad Vilbel“ an der Hohen Straße zeigt in Richtung auf das Schlachtfeld der „Schlacht bei Bergen“. Die Franzosen und Württemberger können sich aber mit ihren überlegenen Kräften behaupten, der Angriff wird abgeschlagen, der Herzog tritt den Rückzug nach Kassel an.

 

In den Sterberegistern der Bischofsheimer Kirche befindet sich ein Bericht des Pfarrers Johann Frey, in dem der Ablauf des Geschehens geschildert wird: „Außer den aufgeführten Sterbefällen sind noch auf unserem Kirchhof dieses Jahr begraben worden ein französischer Soldat, der in des Wirt Kellers Haus den 13. April morgens erschossen wurde, und der Tambur von dem Hessischen Regiment Hanau, welcher an seinen in der Schlacht bei Bergen empfangenen Verwundungen die Nacht darauf verstorben ist (weitere Einzelheiten in der Chronik von Herbert Lippert........).

Hier war alles voller Verletzter und Verwundeter, die zurückgelassen werden mußten, auch zwei Wachen von Infanterie und Kavallerie. Nachts um zwölf Uhr kam ein Befehl, wer fort könnte, der sollte sich fort machen zu dem Tannenbusch zwischen hier und Kilianstädten, weil die Armee sich zurückzöge. Da hat sich dann alles fortgemacht bis auf ungefähr 16 Mann, die zu hart verwundet waren und den Franzosen in die Hände fielen. So endete dieser Tag, an welchem wir unsere Befreiung erhofft hatten.

Den folgenden Morgen kam ein Kommando von den Freiwilligen aus dem Elsaß, auch Schweizer und aus dem Regiment Piemont, um Gefangene zumachen. Sie zogen aber vor den Husaren bald wieder aus. Die Husaren haben noch einen Marquetender und einige andere Personen hier gefangen genommen. Als diese sich aber wieder zurückzogen, wurden die Gräben um das Dorf von den Franzosen mit Infanterie besetzt. So konnten sie nicht mehr ankommen, bis diese gegen Abend auch wieder abgegangen waren.

Am Sonnabend mußte ich, da es schon finster war, einem schwarzen Husaren noch eine Flasche Wein für seinen Rittmeister geben, welcher auch der letzte gewesen ist, der in das Dorf gekommen ist. Den ersten Ostertag haben die Freiwilligen aus dem Elsaß den Ort besetzt. Die Vereinigte Armee aber hat bis zum zweiten Feiertag abends bei Windecken und Kilianstädten gelagert und sich sodann zurückgezogen.“

Ein Soldat vom Zweibrücker Regiment versuchte zu desertieren. Ihm wurde auf der Flucht ein Bein zerschossen. Der Jude Salmon mußte 8 Ellen Tuch liefern, auf dem der Soldat zum Kriegsgericht getragen wurde. Das Urteil lautete auf Tod durch den Strang. Er wurde hingerichtet und in dem Tuch begraben. Die Gemeinde bezahlte es. Die Baulade (Kirchenkasse) war schon 1757 versiegelt mit allen Schätzen der Kirche nach Hanau in Sicherheit gebracht worden.

In dem Rathaus war ein Lazarett eingerichtet worden, ebenfalls eine Wachstube. Dauernd wurde neues Roggenstroh verlangt, neue Kochtöpfe, neue Kübel, neue Lichter. Französische Kuriere machten kurze Zeit Rast und ließen sich auf Kosten der Gemeinde verpflegen. Bei Michael Kaiser waren ein Jahr lang 42 Franzosen einquartiert. Dafür konnte der arme Mann vorerst nur mit 2 Gulden 28 Albus entschädigt werden, den Rest erhielt er erst sehr viel später.

Im Jahre 1762 waren in dem Rathaus fünf Wachstuben eingerichtet, für die unter anderem täglich 20 Lichter verlangt wurden. Bei der Überprüfung der Rechnung beanstandete das Amt diesen hohen Verbrauch an Kerzen, aber der Bischofsheimer Zentgraf berichtete, daß die Soldaten diese Mengen verlangten. Sie brauchten diese Kerzen zwar nicht alle zur Beleuchtung. aber die übrigen benötigten sie zum Einschmieren ihrer Haare; Beschwerden bei den zuständigen Offizieren seien erfolglos geblieben.

Diese Schlacht wirkt sich auch bis nach Hochstadt aus: Johann Peter Heckarth sollte am 30. April 1759 Pate werden. Er war damals Soldat im Hanauischen Regiment und wurde am 13. April verwundet und war noch nicht völlig kuriert. Deshalb mußte sein Vater Valentin die Stelle bei der Taufe vertreten.

 

Nicht zu vergessen ist auch der Amerikanische Befreiungskrieg von 1776 bis 1783: Erbprinz Wilhelm von Hessen-Hanau schließt am 4. Februar 1776 einen Beistandsvertrag mit König Georg III. von England. Danach werden am 14. März 760 Soldaten des Regiments Erbprinz auf dem Main nach Amerika verschifft, um im Dienste Englands gegen die amerikanischen Freiheitskämpfer zu kämpfen. Der Erbprinz hatte ein stehendes Heer errichtet, zu dem nicht mehr geworben wird, sondern zu dem die jungen Männer mit mehr oder weniger viel Zwang verpflichtet werden, um gegen Bezahlung militärische Dienste zu leisten. Kürzlich hat jemand in der Zeitung geschrieben, die Soldaten seien ja nicht verkauft, sondern nur ausgeliehen worden. Aber den für England gefallenen Soldaten wird dieser kleine Unterschied wohl egal gewesen sein

Unter den Soldaten sind auch acht Hochstädter, die alle nicht wiederkommen: Peter Horn, Jakob Lind, Andreas Ebert, Johannes Schröder und sein Bruder Philipp Schröder, Philipp Wagner, Jakob Stein und Johann Burger. Nur ein neunter Soldat, Philipp Kauß, desertiert schon in Offenbach. Von Beruf ist er Faßbinder (Küfer), sein Geburtshaus steht in der Bogenstraße (vielleicht Nr. 12). Von den insgesamt 2.400 Hanauer Soldaten kommen 900 nicht wieder zurück. Der Feldzug dauert sieben Jahre und endet 1783 mit dem Frieden zu Washington und der Unabhängigkeit der USA.

Erst kürzlich wurde bekannt, daß ein weiterer Hochstädter das englischer Soldat nach Amerika kam, weil seine Nachkommen nach ihren Vorfahren forschen: Johann Meerbott wurde am 24. Juli 1756 in Hochstadt geboren. Er war Soldat im Regiment Erbprinz und blieb in  Amerika. Nach Unterlagen im Staatsarchiv Marburg wurde er zum Diener ausgebildet. Er heiratete in South Carolina eine Sarah Inman. Sie haben heute Tausende von Nachkommen in den USA und in der ganzen Welt und führen den Familiennamen „Marbut“.

 

Nach der französischen Revolution kommt es zu Übergriffen der Franzosen auf Deutschland, den Koalitionskriegen von 1786 bis 1805. Die Kanonade von Valmy im September 1792 hatte die Invasionstruppen der alten Mächte zum Rückzug aus Frankreich gezwungen. Im Oktober wurden Speyer, Worms und dann Mainz, schließlich Frankfurt von den Revolutionsarmeen besetzt. Hanau war in dieser Zeit zugesperrt, die Tore bleiben geschlossen und die Zugbrücken hochgezogen. Im Kirchengebet wird 1793 erstmals die „französische Unruhe“ erwähnt (und natürlich um den Segen für die Waffen der Alliierten gegen die Franzosen gebetet).

Am 11. Oktober 1795 stirbt in Hochstadt das 14 Wochen alte Kind Friedrich Asten, als der Vater mit Familie auf dem Durchmarsch des Kaiserlichen Infanterie-Regiments „Fürst Hohenlohe“ ist (weitere Einzelheiten in „Aus dem Leben der alten Hochstädter“).

Ein französisches Heer dringt 1800 bis Frankfurt vor. Die Franzosen streifen im Juli bis nach Hochstadt und Dörnigheim. Am 10. Juli überschreiten dann starke deutsche Truppen den Main bei Hanau und rücken bis Windecken, Hochstadt und zu den Baumstücken in Bergen vor. Als ihnen aber die polnische Legion in die Flanke kommt, müssen sie sich wieder zurückziehen.

Am 11. Juli hört man in Hanau eine heftige Kanonade, die von einem Gefecht bei Hochstadt herrührt. Die Österreicher versuchen, vom Wald aus gegen Hochstadt vorzugehen, werden aber von der französischen Artillerie zurückgeschlagen, die ihre Geschütze vom Obertor bis zum „Kerker“ (östlich von Hochstadt) stehen hat. Die Österreicher müssen sich bis zum Neuhof und zum Neuwirtshaus zurückziehen.

Am 12. Juli kommt es dann zur großen Schlacht. Die Franzosen stehen etwa auf der Linie Vilbel - Bergen - Bischofsheim - Offenbach - Isenburg mit 7.000 bis 8.000 Mann. Die Deutschen haben mit 9.000 bis 10.000 Mann ihre Stellungen etwa auf der Linie Windecken - Hochstadt - Rumpenheim - Heusenstamm - Sprendlingen. Gegen 13 Uhr ist das Gefecht bei Hochstadt besonders stark. Die Deutschen können bis zur Sachsenhäuser Warte vordringen, aber am Ende sind alle wieder in den alten Stellungen. Am 18. Juli wird dann ein Waffenstillstand abgeschlossen.

Joseph Anthon Krim aus Walldürn ist am 12. Juli 1800 in dem Gefecht gegen die Franzosen geblieben. Die Leiche hat vier Tage gestanden und ist in einem Weinberg begraben worden (wenn also auf dem neuesten Friedhof in Hochstadt ein Skelett ausgegraben werden sollte, dann weiß man, wer das ist).

Am 9. Mai 1807 muß Philipp Fix Kriegsfrondienst am Schloß Philippsruhe leisten. Beim Auslichten starker Eichbäume wird er von einem nachrollenden Baum ergriffen und am Unterleib ganz zerquetschet. Er wird in das dortige französische Lazarett gebracht und versorgt. Er stirbt aber am 13. August und wird nach Hochstadt gebracht.

Anna Maria Basermann ist 23 Jahre alt  und hat erst 1811 geheiratet. Am 2. November 1813 wird sie von einem „Unglücksfall“ betroffen: Russische Kriegsvölker treiben sie dermaßen in die Enge, daß sie in einen Brunnen springt. Ihr Leben endet, ohne daß man ihr Hilfe leisten kann.

Am 5. November 1813 wird wieder ein Kind beim Durchmarsch geboren: Paul Schibil, Sohn des Joseph Schibil aus Mähren und dessen Frau Katharina. Der Vater gehört zum Regiment Kaiserliche Reiter Nummer 1, Escadron Herr Rittmeister Erben. Pate wird Paul Seypel, ein Reiter aus Kreuznach von diesem Regiment und dieser Escadron.

 

Durch Einquartierungen und Durchmärsche wird eine Krankheit eingeschleppt, bei der es sich wohl um Typhus gehandelt hat (nicht Pest oder Blattern). Jedenfalls hatte Dörnigheim damals schon einen Arzt, und der hat die Krankheit wohl als Typhus diagnostiziert. Von November 1813 bis Februar 1814 sterben 96 Einwohner Hochstadts, die ohne Sang und Klang beerdigt werden, nachdem jede Familie ihre toten Angehörigen selbst auf den Friedhof geschafft hat. Durch Kriegseinwirkungen verlieren außerdem etwa 100 Einwohner ihr Leben.

Andreas Ebert aus der Familie des Schuhmachermeisters Andreas Seipel stirbt 1814 als Soldat im Lazarett in Koblenz. Der Pfarrer schreibt den ganzen Totenschein ab: „Totenschein über Andreas Ebert, gebürtig aus Hochstadt im Hanauer Amt Büchertal in Hessen, 18 Jahre alt, welcher als Gemeiner bei der dritten Kompanie 2. Bataillon Kurprinz von Hessen gestanden und ein Viertel Jahr gedient hat, ist am 25. April in das Schloßlazarett Nr. 1 zu Koblenz gebracht und daselbst am 13. Juni1814 an den Folgen des Mertenfiebers (?) gestorben, welches hiermit von dem unterzeichneten Dirigenten des Lazaretts, dem Chirurgisch Oberen und dem Ökonomie-Inspektor der Station, sowie von dem Chirurgen und dem Aufseher des Reviers, worin der Verstorbene während seiner Krankheit behandelt ist, bescheinigt wird. Koblenz, am 14. Juni 1814.  Diffenbach als Dirigent des Schloß-Lazaretts und chirurgischer Oberer der Station, Venent als Lazarett-Inspekteur der Station, Mautz als Aufseher des Reviers. Seite 13, Nummer 353 des Totenbuchs bei dem 2. Bataillon Kurprinz.“ Den Totenschein erhalten und eingetragen. Hochstadt, am 1. September 1814 . Hoene. Nachtrag: Der Todesschein ist der Frau des Andreas Seipel, Maria geborene Ebert, gegeben worden (der Mutter des verstorbenen Soldaten).

 

Der Vertrag von Dörnigheim führt zum Frieden

Am 30. und 31. Oktober stellt sich Napoleon noch einmal den nachrückenden bayrischen und österreichischen Truppen bei Hanau zum Gefecht ‑ und wehrt sie erfolgreich ab ‑ selbst in diesem heruntergekommenen Zustand eine schlagkräftige Truppe. Zwei Tage später, am 2. November 1813, kommt es dann zu dem Vertrag, der in Dörnigheim zwischen einem Vertreter des Großherzog von Hessen und dem Österreichischen Feldmarschall‑Leutnant geschlossen wird.

Mit einem Ereignis tritt Dörnigheim in die große Geschichte ein. Als Napoleon 1813 nach seinem mißglückten Rußlandfeldzug und dem Rückzugsgefecht im Hanauer Lamboywäldchen durch Dörnigheim gen Frankfurt hindurch gezogen war, eilen schleunigst der hessische Hofmarschall und Geheime Rath Freiherr du Thil und der österreichische Feldmarschall‑ Leutnant Graf Fresnel im Gasthaus „Zum Adler“ zusammen, um den Vertrag zu Dörnigheim zu beschließen.

Der Großherzog Ludwig I. hat um diese Unterredung gebeten. Du Thil  besitzt vom Großherzog die Vollmacht für uneingeschränkte Verhandlungen. Ludwig hat die Nase voll von diesem Bündnis mit den Franzosen: Eine  Million Franken mußte allein in Form von Anleihen von den Gemeinden in Hessen aufgebracht werden. Kurz darauf war die zweite Zwangsanleihe von 75.000 Gulden für Militärausgaben befohlen worden. Ganz zu schweigen von den immerwährenden Quartierlasten für die im Land liegenden französischen Truppen: 16.000 Mann und 2.000 Pferde. Dazu mußte man noch wehrhafte junge Männer stellen, wenn Napoleon irgendwo Krieg machte.

Freiherr du Thil  ist eifrig bestrebt, nicht allzu viele Vorteile an die bereits verbündeten Österreicher und Bayern zu verlieren. Die Bedingungen sind hart genug. Auch hier braucht man junge Männer im wehrfähigen Alter. Auch die Truppen der neuen Verbündeten müssen verköstigt werden, so lange sie sich auf hessischem Boden befinden. Trotzdem werden auch die einfachen Leute erkennen müssen, daß dies eine Befreiung ist. Man muß sich endlich aus der „Schutzmacht Frankreich“ lösen.

Das Großherzogtum Hessen‑Darmstadt löst sich damit aus dem Rheinbund und verbündet sich mit Österreich und Bayern gegen Napoleon, „wogegen ihm der Fortbestand als souveräner Staat zugesichert wurde“. Die Neuverbündeten verfolgen das Napoleonische Restheer und treiben es über den Rhein nach Frankreich.

 

Zwei kirchliche Ereignisse dienen  dem Frieden

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 verschaffen sich die Lutheraner immer mehr Zugeständnisse und bauen auch ein eigenes Gotteshaus, die heutige Johanniskirche in Hanau. Die Reformierten berufen sich auf den Erbvertrag, jedoch der Graf und sein Hofprediger verschaffen ihrer Religionsrichtung immer weitere Privilegien. Im Jahre 1670 wird ein Vergleich geschlossen, der den Lutheranern und Reformierten gleiche Rechte zugesteht. Einschränkend wird jedoch festgelegt, daß in der Hanauer Neustadt keine lutherische Schule und keine lutherische Kirche gebaut werden dürfen. Zudem wird den lutherischen Gemeinden auferlegt, daß sie ihre Pfarrer und Lehrer aus eigenen Mitteln zu besolden hätten. Ferner wird bestimmt, daß in dem Gericht Bornheimerberg, zu dem auch Bischofsheim gehört, sämtliche herrschaftliche Bediensteten der lutherischen Religion zugetan sein müssen, nur der Amtmann (Keller) und die fünf Zentgrafen in Bergen, Bockenheim, Preungesheim, Bischofsheim und Vilbel sollen reformiert sein.

In der ersten Zeit halten die sich bildenden lutherischen Landgemeinden ihre Gottesdienste und Versammlungen in Schul- und Privathäusern ab. Die Seelsorge obliegt den Geistlichen aus der Stadt. Bald aber werden eigene Gotteshäuser gebaut. In Hochstadt geschieht das 1668 und es entsteht eine lutherische Gemeinde. Die Bischofsheimer Lutheraner sind dort eingepfarrt, d. h. sie müssen nach Hochstadt zur Kirche, auch ihre Kinder gehen nach Hochstadt in die Schule. Zu dieser Kirche gehören auch die Lutheraner aus Dörnigheim, Wachenbuchen und Kesselstadt. Die Lutheraner, die alle Mittel für Kirche und Schule aus Privatmitteln aufzubringen haben, kommen deshalb bald in schwere finanzielle Bedrängnis, können sich aber halten.

Erst im Laufe des Jahrhunderts kommen sich die protestantischen Konfessionen näher und beschließen im Jahre 1817 die „Hanauer Union“, die einzige echte Vereinigung von Lutheranern und Reformierten bis nach dem Ersten Weltkrieg

Am 28. Mai zieht die Versammlung vom reformierten Konsistorium neben dem Neustädter Rathaus zur Aula der Hohen Landesschule, wo die Vertreter der beiden Konsistorien schon anwesend sind. Die Kirchliche Vereinigung wird beschlossen. Freudentränen fließen bei den Pfarrern der nun vereinigten Kirchen. Am 1. Juni wird die Synode geschlossen. Der Landesfürst bestätigt die Vereinigung am 4. Juli 1818.

Hochstadt wird vertreten durch Pfarrer Hoene, der 28 Gulden Diäten erhält  für die Teilnahme an der Synode. Einen eigenen lutherischen Pfarrer hat Hochstadt seit 1808 ja nicht mehr.

Am 2. März 1819 wird die Vereinigung in Hochstadt vollzogen. Die Sitzung beginnt mit einem Gebet. Pfarrer und Kirchenälteste geben sich die Hände zum Zeichen gegenseitiger Liebe und Treue. Das Presbyterium der nunmehr vereinigten evangelischen Kirche bittet um den Beistand Gottes für Frieden und Glück der Gemeinde mit wahrer Liebe und festem Vertrauen. Der feierliche Akt wird mit einem Gebet beschlossen. Ein Buch über die Union wird angeschafft.

 

Denkmäler erinnern an die letzten großen Kriege

Denkmäler und Gedenktafeln in den Stadtteilen Maintals erinnern an die Toten der beiden Weltkriege des vorigen Jahrhunderts: In Hochstadt im Durchgang des Turms, in Bischofsheim auf dem Friedhof (Ehrenmal und Gedenksteine mit Namen), in Dörnigheim auf dem alten Friedhof (1. Weltkrieg) und in Wachenbuchen eine Gedenktafel an der Kirche und ein allgemeines Denkmal auf dem Kirchhof.

Am Hochstädter Kirchturm steht ein Denkmal, das an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erinnert. Hier sind die Kriegsteilnehmer aufgeführt, aber auch die „Nicht-Kombattanten“, die also nicht in Kampfhandlungen einbezogen waren. Es gab zwei Opfer:

Caspar Hensel starb am 8. September 1870 im Lazarett St. Leon in Naury in Frankreich an Typhus mit hinzugetretener Lungenentzündung. Die Familie erhielt ein Schreiben des Oberbergrats Pfadicke aus Breslau als Subdelegierten für St. Leon vom 9. September 1870. Der amtliche Todesschein vom 16.11.1870 wurde ausgestellt vom Depot de Mendicité zu Naury. Nachkommen sind die Familie Hensel (Trinkbrunnenstraße 3) und Hensel/Löffert (Hanauer Straße 8).

Andreas Schales war ein unverheirateter Sohn aus der Hauptstraße 22.  Er starb am 29. Juni 1871 im Garnisonslazarett in Mainz an Lungenentzündung. Die Leiche wurde von den Eltern hierher nach Hochstadt gebracht.

Verwundet wurden Johannes Philipp Bechert (Bischofsheimer Straße 5 ?) am 6. August 1870  in der Schlacht bei Wörth, Johannes Huhn (Hauptstraße 40) am 1. September 1870 bei Sedan und Wilhelm Lind  (Hauptstraße 24) am 1. September 1870.

Nicht am Krieg nehmen teil die Soldaten: J. Schäfer, H. Habermann, W. Weber, C. Kraft, A. Krebs, J. Bauer, B. Goldschmidt, J. Stiebel (die beiden letzten sind Juden).

 

Offenbar war das „Veteran-Sein“ wichtig für die Kennzeichnung eines Menschen: Daß aus einem Kind später ein Veteran des Krieges von 1870/71 wurde, wird im Zusammenhang mit der Nachtragung des Todesdatums auch bei der Taufe vermerkt. Bei der Beerdigung des Kaspar Lenz im Jahre 1905 geht der Kriegerverein mit Fahne mit, obwohl er kein Veteran des Krieges war. Als letzter Veteran des Krieges 1870/71 stirbt am 15. April 1926 Philipp Schlegel (Am Kirchberg 4) aus dem Pommerschen Füselier-Regiment Nr. 34.

Ein weiterer Todesfall, die mit dem Krieg zusammenhängt, betrifft einen Italiener: Daniele Roland war ein italienischer Kriegsgefangener, der schon krank hier ankommt und deshalb die Arbeitsstelle bei Johannes Schröders Witwe nicht antreten kann. Er hat die Nummer 107407 des Gefangenenlagers in Meschede. Von Beruf ist er Bauer, evangelischer Konfession. Er ist Sohn des David Roland und dessen Frau Maria geborene Roland aus Torre Pelice (Torino). Er hat nach Angaben des Kriegsgefangenenlagers Influenza, laut Totenbuch Brustleiden. Er wird am 4. Dezember 1926 ausgegraben und die Gebeine kommen nach Köln zum Sammelfriedhof. Der Sarg wird hier wieder begraben und die Tafel wieder auf das Grab gesetzt.

Der frühere Stadtrat Schreiber wollte dieses Denkmal an der Hochstädter Kirche entfernen lassen, weil es nicht mehr zur deutsch-französischen Freundschaft von heute passe. Den Franzosen würde es nicht einfallen, ihre Denkmäler zu entfernen, obwohl sich dort viel schlimmere Inschriften finden als bei uns. Solche Denkmäler dienen dem Gedenken an die Opfer des Krieges, aber sie mahnen auch zum Frieden und sind deshalb auch heute noch sinnvoll. In einem vereinten Europa wollen wir die Geschichte nicht leugnen, sondern uns freuen über die neu gewonnene Zusammenarbeit aller Völker.

Das zwanzigste Jahrhundert erlebte zwei Weltkriege. Während im Geschichtsunterricht und im Fernsehen meist die großen Schlachten im Vordergrund stehen, ist es vielleicht wichtiger, die Auswirkungen auf die Familien oder zum Beispiel auf die Schule zu betrachten. Wenn im

Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 die Nachricht vom Tod eines Soldaten eintrifft (das kann erst fünf Monate nach dem Tod sein), dann wird eine Gedächtnisrede gehalten und ein Gedenkblatt übergeben.

Von den zwanzig Elsässern, die von der Militärbehörde im Elsaß nach Hochstadt  verpflanzt worden waren, stirbt am 9. Mai 1917 Genovefa Maillard, Tochter des Fabrikarbeiters Augustin Ruetsch und dessen Frau Magdalene geborene Schlaeflin.

In der Schule wird die Erteilung des Unterrichts immer schwieriger, aber dennoch glaubt man auch in den letzten Wochen immer noch an den Sieg. Ab 28. Januar 1918 hält ein Lehrer aus Fechenheim täglich von 8 bis 12 Uhr Schule, so daß wieder vier Klassen mit je zwei Jahrgängen gebildet werden können. Die „Wanderlehrerin“ Hagebald erteilt den Mädchen der ersten Klasse Hauswirtschaftslehre.

Am 11. Februar 1918 ist aus Anlaß des Friedens mit Rußland ab 11. 30 Uhr schulfrei. Pfarrer Reich hält eine Ansprache am Haupteingang des Schulhauses. Man singt „Nun danket alle Gott“, bringt das Kaiserhoch aus, singt die Nationalhymne und läutet mit allen Glocken.

Am 20. April 1918 kommen neue französische Kriegsgefangene und werden in der Schule untergebracht. Die erste Klasse wird im alten Schulhaus unterrichtet.

Im Juni erhalten die Kinder schulfrei zum Sammeln von Laub, Brombeerblättern und Bucheckern. Die Schule sammelt in diesem Jahr 85 Zentner Laubheu für Militärpferde und 5,70 Zentner Bucheckern. Aber am 16. August muß eine Lehrerkonferenz gehalten werden wegen der Diebstähle der Schüler. Nach Kriegsende kann die Schule auch weiterhin oft nicht genutzt werden. Die französischen Kriegsgefangenen sind zwar abgezogen, aber jetzt werden sächsische Jäger einquartiert. Schule wird im alten Schulhaus gehalten.

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 sind auch heute noch nicht überwunden, denn noch leben viele Kriegsopfer - Witwen, Waisen, Halbwaisen, Kriegsbeschädigte, Vertriebene - unter uns.

Alle vier Dörfer der heutigen Stadt Maintal hatten unter Bombenabwürfen zu leiden. In Bischofsheim geraten am 4. und 5. August 1941 infolge Brandbombenangriffes sieben Scheunen und die in der Jahnstraße gelegene Turnhalle in Brand und fallen den Flammen zum Opfer. Am 4. Februar 1944 werden durch einen Fliegerangriff 130 Brandstellen im Dorf ausgelöst und 32 Wirtschaftsgebäude, zwei Wohnhäuser und das Dach des Kirchturmes können  nicht gerettet werden. Bei den Rettungsarbeiten kommt der Bürger Heinrich Lambrecht ums Leben. In Hochstadt fallen die Bomben in die Streuobstwiesen und hinterlassen 24 Einschlagstellen. In Dörnigheim fallen die Bomben in den Wald (im Stadtarchiv liegen genaue Aufzeichnungen darüber vor). Am Schlimmsten trifft es Wachenbuchen am 6. Januar 1945, wo eine Spur der Vernichtung durch das Dorf gezogen wird und 32 Häuser und 23 Scheunen zerstört werden. Auch hat der Ort beim Heranrücken der Amerikaner unter Granatbeschuß zu leiden.

Eine Frau aus Hochstadt stirbt am 2. März 1944 in Bad Vilbel durch einen Bombenvolltreffer bei dem „Terrorangriff“ amerikanischer Flieger in der „Adolf-Hitler-Straße“ 143. Viele Hanauer sind in Hochstadt untergebracht. Ein Ehepaar, das Opfer des Bombenangriffs auf Hanau am 19. März 1945 ist, wird in Hochstadt beerdigt, weil der Sohn hier verheiratet ist. Ein Ausgebombter aus Hanau kommt in Hochstadt unter, stirbt aber am 30. März 1945.

Heinz Gustav Sch. stirbt am 12. April 1945 im Lazarett in Dörnigheim. Er ist verunglückt durch leichtfertiges Hantieren eines Kameraden mit einer am Sportplatz aufgefundenen Panzerfaust. Der Sportplatz war damals am späteren Klinggelände, heute Estergomer Straße. Die Panzerfaust lag wahrscheinlich dort seit dem Gefecht der drei in Hochstadt gefallenen Soldaten mit den einrückenden Amerikanern.

Die erste Flüchtlingsfrau stirbt am 8. April 1946 in Hochstadt. Sie stammt aus Neuberg Kreis Asch (Sudentenland) und ist in der Gaststätte „Zum neuen Bau“ untergebracht. Die zweite Flüchtlingsfrau stirbt im November 1946, ihr Mann stirbt einen Tag später.

Kriegsgräber auf dem Friedhof in Hochstadt

Im Sommer 2003 werden die Grabsteine der gefallenen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg am Hauptweg des Hochstädter Friedhofs neu hergerichtet. Vor allem wird die Schrift erneuert, die im Laufe der Zeit doch stark verbleicht war. Aus diesem Anlaß wird auf das Schicksal der Soldaten aufmerksam gemacht, denn erst am Einzelbeispiel werden die Schrecken des Krieges deutlich.

Kriegsgräber dürfen nach internationaler Übereinkunft nicht beseitigt werden. Deshalb werden sie auch auf dem Hochstädter Friedhof gepflegt und erhalten. Im Krieg 1870/71 gab es nur einen Gefallenen aus Hochstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Liste schon wesentlich länger und es gab keinen Sieg mehr zu feiern, sondern nur der Tod vieler Bürger war auf einer Gedenktafel zu beklagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Liste noch wesentlich länger. Es gibt Familien, deren Name in Hochstadt verschwunden ist, weil im Ersten Weltkrieg der Vater gestorben ist und im Zweiten Weltkrieg dann der Sohn.

Heute gedenken wir nicht nur der Soldaten, sondern auch der Opfer unter der Zivilbevölkerung und ganz allgemein aller Opfer von Gewalt und Machtherrschaft im Zusammenhang mit Kriegen und politischen Systemen. Diese werden manchmal als „unschuldige Opfer“ bezeichnet. Aber auch Soldaten sind unschuldig, auch sie wollten nicht kämpfen und nicht sterben. Der Tod eines Soldaten ist nicht dadurch gerechtfertigt, daß das Sterben gewissermaßen sein Beruf ist. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel, weil Krieg nicht sein darf und das Leben eines Menschen unendlich wertvoll ist und nicht mutwillig ausgelöscht werden darf.

Wie unsinnig das Sterben eines Soldasten ist, zeigen auch die Schicksale der in Hochstadt begrabenen Soldaten. Die beiden zuerst beerdigten Soldaten (von links nach rechts) starben im Hilfslazarett in Hochstadt, das sich in der Schule in der heutigen Klosterhofstraße befand.

1. Hans Gerhard Mohn war Sohn des Fleischermeisters Kurt Mohn in Freital-Deuben bei Dresden, An der Weißeritz 5. Er wurde am 15. Januar 1927 in Freital-Deuben geboren. Er war Grenadier und starb in Hochstadt an Nierenentzündung. Bestattet wurde er am 26. März 1945.

2. Ulrich Krüger wurde geboren 25. Mai 1925 als Sohn des Otto Krüger in Grimmen Kreis Stralsund, Zwenendamm 20. Er war Oberreiter im 3. Flieger-Ersatz-Bataillon, Regiment 1121, seine Erkennungsmarke lautete M 4788.  Gestorben ist er am 26. März 1945 in Hochstadt. Bestattet wurde er am 29. März 1945.

 

Drei Soldaten kamen bei Kämpfen südlich von Hochstadt um. Ein Dörnigheimer erzählt, sie hätten an der Straße von Dörnigheim nach Hochstadt die Amerikaner noch aufhalten wollen. An der Waldecke nördlich der Bahnlinie, wo später das Pförtnerhaus der Firma Kling stand, lag ein Betonring, an dem sie sich verschanzten. Eine Granate aus einem Panzer hat ihren Widerstand beendet. Bei einem der Toten ist allerdings im Kirchenbuch vermerkt, er sei durch eine Kopfschuß getötet worden. Die Soldaten starben am 28. März 1945 etwa um vier Uhr in der Nacht. Die Gefallenen wurden ausgeplündert in den Schützenlöchern gefunden. Begraben wurden sie um 17 Uhr ohne Sarg, weil es keine Särge gab. Totengräber war Johannes Fischer, der damals Gemeindearbeiter war.

3. Otto Behrens  wurde am 18. Mai 1920 in Gersterode in Nordthüringen geboren als Sohn des Bahnhofvorstehers Wilhelm Behrens  und seiner verstorbenen Frau Johanna geborene Ebenroth zu Niederorschel im Eichsfeld. Er war verheiratet mit Ingeborg geborene Aßmannn aus Rehrungen Kreis Grafschaft Hohenstein, Karl-Heye-Straße 17. Im Krieg war er Grenadier.

4. Lothar Hermann  wurde am 4. Dezember1919 in Ruhla bei Eisenach geboren als Sohn des Friedrich Herrmann und seiner Frau Anna geborene Stein. Er wohnte in Ruhla in der Bahnhofstraße 3. Seine Erkennungsmarke lautete „2551 O“. Bei ihm wurde noch sein Führerschein gefunden

5. Werner Seeger  wurde am 24. März 1920 in Berlin geboren als Sohn des Edmund Seeger und seiner Frau Elisabeth geborene Mohr. Er war verheiratet mit Ursula geborene Bohn. Zuletzt wohnten sie in Gotha, Eschleber Straße 116. Seine Erkennungsmarke lautete „2636 A“. Bei ihm fand sich ein Briefumschlag mit der Adresse an H. Seeger, Absender war Ursula Seeger.

Der sechste Soldat ist ein Hochstädter, der im Taubertal infolge von Kriegshandlungen umgekommen ist:

6. Ernst Seibel wurde am 24. März 1917 in Hanau geboren. Seine vollständigen Vornamen waren „Friedrich Wilhelm Ernst“. Er war von Beruf Buchdrucker und war seit 1943 verheiratet mit Herta geborene Bilz. Der Sohn Ernst wurde am 3. August 1944 geboren. Bei der Geburt starb die Mutter. Die Familie wohnte damals in der Bischofsheimer Straße 13, der Sohn wohnt heute in Dörnigheim.

Ernst Seibel hatte im Krieg den Rang eines Feldwebels und starb 12. April 1945 um 3 Uhr nachmittags in Waldmannshofen. Im Kirchenbuch ist mit Bleistift vermerkt: „Selbst ohne Waffen und Gegenwehr von Amerikanern feig erschossen“. Er hat sich wohl in Uniform auf die Straße begeben, und die Amerikaner wollten nichts riskieren und haben sofort geschossen. Ernst Seibel wurde auf Wunsch der Angehörigen nach Hochstadt überführt und dort beerdigt, ein genaues Datum ist nicht angegeben.

 

Es ist nichts bekannt über Angehörige der auswärtigen Soldaten. Die Gräber werden aber nicht nur von der Friedhofsverwaltung betreut, sondern auch vom Ehepaar Bauscher aus der Trinkbrunnenstraße, das zum Beispiel auch jedes Jahr zum Volkstrauertag Grablichter auf die Gräber stellt. Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ erkundigt sich jedes Jahr nach den Gräbern und gibt wohl auch Zuschüsse.

Im Internet kann man übrigens nachsehen, welche Namen von Gefallenen beim Volksbund erfaßt sind und ob vielleicht ein Grab des Betreffenden bekannt ist.

Vor allem die Einwohner, die kein Grab ihres gefallenen Angehörigen kennen oder es nicht besuchen können, haben auf dem Friedhof Gelegenheit, ihrer Verstorbenen zu gedenken. Dazu ist auf dem Hochstädter Friedhof das große Kreuz aus Basaltstein errichtet. Auf der Gedenktafel steht: „Den Toten der Weltkriege, den Opfern der Vertreibung“.

 

Unsere Verpflichtung zum Frieden

Beim Thema „Krieg und Frieden“ könnte man sich ja einmal überlegen, wo im Gebiet von Maintal Bezeichnungen vorkommen, die an den Frieden erinnern.

 

Das gibt es in Wachenbuchen im Flurstück „An der Pfaffenerle“ außer dem Taubenbrunnen auch einen Friedensbrunnen. Von hier wird seit 1874 das Wasser durch eine Rohrleitung in die schon vorhandene Wasserleitung ins Dorf geleitet. In Dörnigheim gibt es immerhin eine „Friedensstraße“, wenn auch etwas am Rande der Bebauung parallel zur Querspange. Und neuerdings hat die Siemens-Schule einen Friedensbaum gepflanzt.

Der Maintal Tagesanzeiger schreibt am 14. Mai 2005: Zum Gedenken des Kriegsendes vor 60 Jahren setzte sich die Werner-von-Siemens-Schule mit vielfältigen Projekten mit dem 8. Mai 1945 und seinen weit reichenden Folgen für das Nachkriegsdeutschland auseinander. Als beispielhafte Projekte seien die Podiumsdiskussion mit dem Zeitzeugen Horst Puhle und die Pflanzung eines Friedensbaumes näher beschrieben. Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Maintal wurde eine Stadtlinde als Friedensbaum im Schulgelände eingepflanzt. In seiner Rede dazu wies Schulleiter Kühhirt darauf hin, daß nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach 2077 Tagen einerseits Deutschland zerstört und überall Hunger und Leid beklagt wurde. Andererseits sei die Niederlage des national-sozialistischen „Dritten  Reichs“ aber auch Voraussetzung für die Entwicklung Deutschlands, einen neuen Aufbruch zu einer neuen Geschichte gewesen. Die Pflicht des Erinnerns betonte Rainer Kühhirt, „denn nur so kann man verstehen, was heute mit uns, um uns passiert, wie es dazu kam, was alles möglich geworden ist, was zu bewahren ist und wofür jeder sich einsetzen muß.“ Er führte dabei Frieden, Wiederaufbau, Leistung, Toleranz, das Miteinander von vielen Nationen und Kulturen auf....... Mit der Pflanzung eines Friedensbaumes sollten keine Schlußpunkte unter die Geschichte gesetzt werden, sondern neue Aufgaben beginnen: Den Friedensbaum pflanzen, ihn hegen und pflegen und durch seine Entwicklung an das erinnern, was vor 60 Jahren angefangen hat und was es zu bewahren gilt. Begleitet wurde die Pflanzaktion von den fünften Klassen, die unter Leitung von Hildegard Bauer das Lied „Der Friedensmaler“ von Frederik Vahle vortrugen und mit dem Gedicht „Der kleine Frieden“ darauf hinwiesen, daß „der es schwer hat in dieser lauten Zeit“.

Wir hatten jetzt 60 Jahre keinen Krieg. Es war nicht immer ein wirklicher Frieden, denn im sogenannten „Kalten Krieg“ gab es gefährliche Spannungen. Aber die Völker haben auch gelernt, gegen Aufrüstung und Krieg zu demonstrieren und vielfältig zu protestieren. Unvergessen sind die Proteste gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, gegen Atomwaffen, gegen die Nachrüstung mit Raketen, gegen den Vietnamkrieg und gegen die Irakkriege.

Wegen des Golfkriegs sagen die Käwern im Jahre 1991 ihre Veranstaltungen ab. In der Kirche findet ein Gebet für Frieden und Gerechtigkeit statt. Die Maintaler Friedensinitiative demonstriert in der Stadtverordnetenversammlung im Hochstädter Bürgerhaus. Am 20. Februar findet dort eine Bürgerversammlung zum Thema „Golfkrieg“ statt. Das Beratungsteam für Kriegsdienstverweigerer hat alle Hände voll zu tun, weil Bundeswehrreservisten den Kriegsdienst verweigern.

 

 

Unser Volk ist nicht mehr „kriegslüstern“, sondern seine Soldaten sind weltweit im Einsatz gegen Krieg und für eine friedliche Welt, sie zerstören nicht, sondern bauen auf, sie versöhnen und bilden aus. Unsre Aufgabe ist es weiter, Frieden zu lernen, nicht nur Frieden zu halten, sondern aktiv Frieden zu schaffen.

 

Rundgang zu Gedenkstätten in Hochstadt

1. Eine Ausstellung im Museum könnte Bilder zeigen von Soldaten, eine Tafel aller Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs und eine Tafel der Gefallenen und anderes.

2. Vor dem Museum weist man hin auf die verwitterte Inschrift „Luftschutzraum“. Hier könnte dann über die Bombenabwürfe in Maintal berichtet werden.

3. Die gegenüberliegende alte Schule ist Anlaß, auf die frühere Schule in der Klosterhofstraße hinzuweisen, die in beiden Kriegen als Lazarett genutzt wurde.

4. Kriegerdenkmal von 1870/71 (siehe unten)

5. Gedenkstätten gibt es auch in den anderen Orten: In Bischofsheim auf dem Friedhof (Ehrenmal und Gedenksteine mit Namen), in Dörnigheim auf dem alten Friedhof (1. Weltkrieg) und in Wachenbuchen eine Gedenktafel an der Kirche und ein allgemeines Denkmal auf dem Kirchhof.

6. In Hochstadt gibt es Gedenktafeln im Durchgang des Turms Siehe unten).

7. Bomben auf Wachenbuchen, Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt.

Eine Flakstellung war zum Beispiel vor dem  Wald nach Hanau, eine Radarwarnstation am Hühnerberg.

7. Soldatengräber auf dem Friedhof.

 

Denkmal Krieg 1870/71:

Hier kann man zu allen Kriegsteilnehmern etwas sagen. Sie werden vorgestellt (in der Reihenfolge auf dem Denkmal. Nicht alle lassen sich identifizieren, zwei Namen kommen doppelt vor:

 

Caspar Hensel (Familiennummer 364) starb am 8. September 1870 im Lazarett St. Leon in Naury in Frankreich an Typhus mit hinzugetretener Lungenentzündung. Die Familie erhielt ein Schreiben des Oberbergrats Pfadicke aus Breslau als Subdelegierten für St. Leon vom 9. September 1870. Der amtliche Todesschein vom 16.11.1870 wurde ausgestellt vom Depot de Mendicité zu Naury. Nachkommen sind die Familie Hensel (Trinkbrunnenstraße 1) und Hensel/Löffert (Hanauer Straße 8).

 

M. Fischer (Michael Fischer?).

 

J. Fischer  (evtl. Johannes Fischer, Hanauer Straße 14).

 

Johannes Philipp Bechert (Bischofsheimer Straße 5 ?) wurde verwundet am 06.08.1870  in der Schlacht bei Wörth.

 

Peter Koch (Am Kirchberg 3), Nachkommen sind u.a. die Familien Hensel (Ringstraße 2) und Koch (Weiherstraße 16).

 

Daniel Koch: Als er beerdigt wurde, spielte zum ersten Mal eine mit Militärmusik bei einer Veteranenbeerdigung. Nachkommen sind die Familien Koch (Klosterhofstraße 1) und Sauermilch (Hauptstraße 1).

 

Ph. Stein (nicht zu identifizieren).

 

P. Stumpf (Peter Stumpf, Ringstraße Nord 2).

 

W. Schäfer (evtl. Wilhelm Schäfer, Hauptstraße 44).

 

Johannes Huhn (Hauptstraße 40), verwundet bei Sedan am 1. September 1870.

 

Ph. Burger (evtl. Philipp Burger, Bischofsheimer Straße 13).

 

Wilhelm Lind  (Hauptstraße 24), verwundet am 1. September 1870, wird am 14. Januar 1891 beerdigt „mit militärischen Ehren als Invalide aus dem Krieg von 1870“

 

C. Fischer (vielleicht Caspar Fischer, Lutherstraße 1).

 

Philipp Schlegel (Am Kirchberg 4): Füselier im Pommerschen Füselier-Regiment Nr. 34, 1. Kompanie. Er starb am 15. April 1926 als letzter Veteran des Kriege 1870/71

 

Johann Carl Weber (Hanauer Straße 7) wird am 31. März 1891 „mit militärischen Ehren“ beigesetzt.

 

W. Huhn ( (er läßt sich nicht identifizieren, in der ganzen Kriegszeit ist kein Todesfall „Huhn“ eingetragen).

 

Johannes Fischer, Bahnhofstraße 1.

 

Ph. Lind (Philipp Lind, Am Pfarrhof 1).

 

Philipp Stein (Bogenstraße 7) nahm als Brigadist am Feldzug teil. Nachkommen sind u.a. die Familien Strohl (Weinbergstraße 2), Schmidt (Bogenstraße 12), Heck (Am Pfarrhof 5), Eibelshäuser (Klosterhofstraße 21), Fischer (Bahnhofstraße 1) und Krapf (Ringstraße 3).

 

 

Nicht am Krieg nahmen teil die Soldaten: J. Schäfer, H. Habermann, W. Weber (, C. Kraft, A. Krebs, J. Bauer, B. Goldschmidt, J. Stiebel, A. Schales ( (unverheirateter Sohn aus Hauptstraße 22, starb am 29. Juni 1871 im Garnisonslazarett in Mainz an Lungenentzündung. Die Leiche wurde von den Eltern hierher nach Hochstadt gebracht),  W. Strohl, J. Bechert. Reservist ist Jacob Bauer.

Karl Hermann Bühling, Füselier in der 8. Kompagnie des Hessischen Füselierregiments Nr. 80, geboren am 31. Januar 1851 in Mühlberg Kreis Liebenwerda, starb am 4. September 1872 während der Herbstmanöver an einem Hitzschlag.

Offenbar war das „Veteran-Sein“ wichtig für die Kennzeichnung eines Menschen: Daß aus einem Kind später ein Veteran des Krieges von 1870/71 wurde, wird im Zusammenhang mit der Nachtragung des Todesdatums auch bei der Taufe vermerkt. Bei der Beerdigung des Kaspar Lenz im Jahre 1905 ging der Kriegerverein mit Fahne mit, obwohl er kein Veteran des Krieges war.

Ein weiterer Todesfall, die mit dem Krieg zusammenhängt: Daniele Roland war ein italienischer Kriegsgefangener, der schon krank hier ankam und deshalb die Arbeitsstelle bei Johannes Schröders Witwe nicht antreten konnte. Er hatte die Nummer 107407 des Gefangenenlagers in Meschede. Von Beruf war er Bauer, evangelischer Konfession. Er war Sohn des David Roland und dessen Frau Maria geborene Roland aus Torre Pelice (Torino). Er hatte nach Angaben des Kriegsgefangenenlagers Influenza, laut Totenbuch Brustleiden.

Er wurde am 4. Dezember 1926 ausgegraben. Die Gebeine kamen nach Köln zum Sammelfriedhof. Der Sarg wurde hier wieder begraben und die Tafel wieder auf das Grab gesetzt.

 

Gedenktafeln im Kirchturm

(in der Reihenfolge des Todes der Gefallenen, unter Verwendung der Angaben auf der „Ehrentafel“ und eines „Gedenkblattes“, das als Fotografie noch erhalten ist, zum Beispiel bei der Bildstelle).

Hier kann man nicht jede Person einzeln vorstellen. Aber man sollte auf Wünsche der Teilnehmer eingehen, vielleicht gibt es Verwandte und Bekannte oder Menschen mit dem gleichen Familiennamen, sonst einfach von den Tafeln Namen ablesen lassen.

 

Erster Weltkrieg

Der erste Gefallene des Ersten Weltkriegs war der Versicherungsangestellte Wilhelm Rocholl geboren am 2. Oktober 1890 aus der Villa am Weg zum Bahnhof. Er war Leutnant im Infanterie-Regiment 99 und starb am 21. August 1914 bei Bieberskirch in Lothringen, in einem Gefecht um 7 Uhr bei Weyerwald. Er wurde in der Nähe von Bieberskirch beerdigt, der Tag ist nicht bekannt. 24 Jahre

 

Jacob Peter Stein, geboren am 18. Mai 1883, Landwirt, Musketier im Infanterie-Regiment Nr. 88, Kompanie 8, verwundet in der Schlacht  von Neuf-Chateau in Belgien. Dort starb er im Lazarett am 23. August 1914. Begraben auf dem Friedhof zu Neuf-Chateau. 31 Jahre.

Jungmann, Johannes: Unteroffizier, Infanterie-Regiment Nr. 80, 12. Kompanie, gefallen am 10. September 1914 in der Marneschlacht. 23 Jahre (nur auf Tafel, nicht im Totenbuch, in den Kirchenbüchern  ist er überhaupt nicht aufgeführt).

 

Wilhelm Weckmann, geboren am 24. Mai 1892, Landwirt und Wagner, Füsilier in der 10. Kompanie des Füselier-Regiments 80, gefallen am 29. September 1914 bei Champien durch Brustschuß. Begraben rechts von der Straße  Solente-Champien an einem Garten, der sich etwa 100 Meter von dem Orte Champien befindet. Massengrab mit Kameraden  der 11. Kompanie des Füselier Regiments  80.

 

Heinrich Koch, Landwirt, im 1. Infanterie-Regiment Nr.  88. 9. Kompanie. Bei der Geburt des zweiten Kindes 1915 „vermißter, jedenfalls gefallener  Krieger in Frankreich“. Durch Urteil des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 7. März 1918  für tot erklärt worden. Als Zeitpunkt des Todes ist der 30. September 1914 festgestellt. Im Gedenkblatt, das der Pfarrer in der Wohnung am 20. August 1918 abgab, war ebenfalls als Todestag der 30. September 1914 angegeben. 32 Jahre.

 

Philipp August Schales, geboren am 31. August 1892, Arbeiter, Füsilier im Füsilier Regiment Nr. 80, 9. Kompanie, gefallen am 4. Oktober 1914 bei Villers le Roye und dort auch begraben. 22 Jahre.

 

Georg Eibelshäuser, geboren am 18. März 1891, Eisendreher,  Jäger im Jäger-Bataillon  Nr. 11 (laut Gedenkblatt Jägerbataillon 13), 3. Kompanie.  Am 20. September wurde er verwundet in einem Gefecht  bei Nouvron Chevillecourt und ist am 11. Oktober 1914  im Militärhospital in Caen gestorben. 23 Jahre

 

 

 


 

Hermann Bürtel, geboren am 18. Dezember 1890, Arbeiter, Infanterist, Ersatzmann im Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 168, I. Bataillon, 4. Kompanie. Verwundet bei Lille am 1. November 1914 durch Granatschuß. Rückenmarks- und Lungenverletzung, Lähmung des unteren Körpers. Gestorben im Reservelazarett Dreifaltigkeitskrankenhaus in Köln-Braunsfeld am 19. November 1914. Begraben am 23. November in Köln.  24 Jahre.

 

Friedrich Karl Reich, geboren am 22. November 1890, Pfarramtskandidat, Kriegsfreiwilliger Gefreiter in der 9. Armee, 6. Armeekorps. Landwehr-Ersatz-Brigade 1, Regiment 4, Bataillon 4, Kompanie 2. Er erhielt am 3. oder 4. Dezember 1914 eine schwere Verwundung (Leibschuß), die in einem Nachgefecht  am 2./3. Dezember früh 3 Uhr geschah, bei Mogilno bei Lask in Russisch-Polen. Ort und Stunde des Todes sind unbekannt, ebenso Tag und Ort der Beerdigung. Diese Angaben machte der vierte Sohn des Pfarrers Reich, Fritz Reich, der mit seinem Bruder Karl in der gleichen Kompanie diente.  24 Jahre.

 

Heinrich Wandmacher, geboren am 9. Dezember 1894, Diakon, Kriegsfreiwilliger im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 Braunschweig. Am Yserkanal schwer verwundet und seinen Wunden erlegen zwischen dem 5. und 23. Dezember 1914. 21 Jahre.

 

Kaspar Schäfer, geboren am 15. August 1892, Knecht bei Philipp Stein, später Bahnarbeiter. Seit Herbst 1913 war er beim 5. Garde-Regiment zu Fuß in Spandau. Er kam an 12. August 1914 nach Namur und am 30. September 1914 nach Rußland, Er  wurde Unteroffizier. Seit dem 12. November 1914 war er im Hauptgarnisonslazarett in Kolberg (nicht Koblenz), dort ist er am 2. Januar 1915 gestorben und in Kolberg beerdigt (nach Angaben seines in Hochstadt wohnenden Bruders).

 

Wilhelm Emmel, geboren am 14. Mai 1886, Landwirt: Wehrmann in der 10. Kompanie (mit Bleistift: 9. Kompanie) des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 88, 21. Reserve-Division. Am 3. Februar 1915 bei der Erstürmung der Höhe 191 bei Massiges in Frankreich gefallen durch Leibschuß. Nach Angaben seines Kameraden Müller aus Hochstadt wurde er am 7. Februar bestattet unweit der Stelle seines Todes bei anderen Gefallenen. 29 Jahre.

 

Johannes Höhn, geboren am 10. November 1893, Knecht: Musketier der 10. Kompanie Ersatz-Regiment 223, 48. Reserve-Division, 24. Armeekorps. Gefallen am 7. Februar 1915 im Gefecht bei Wolosianka (Karpathen) durch Kopfschuß. 22 Jahre.

 

Philipp Rohn, geboren am 20. Januar 1886, Wagner: Reservist im Reserve-Regiment Nr. 88 (Gedenkblatt: Regiment 89), 4. Kompanie. Am 26. Februar 1915 um 0.30 Uhr auf Wache durch Granatsplitter am Kopf verwundet. Er war sofort tot. Von einer Verwundung im Dezember 1914 war er geheilt. Beerdigt wurde er am 26.02., abends 8.15 Uhr, in Bois de Ville-sur-Tourbe im Garten eines Gehöftes im Beisein von zwei Hochstädter Kameraden (Philipp Mankel und Wilhelm Seipel), wobei der Kompanieführer eine Ansprache hielt und das Vaterunser betete. 29 Jahre (Gedenktafel im Kirchturm: Todestag 25.02.).

 

Wilhelm Friedrich Stein, geboren am 21. Februar 1894, Bahnarbeiter: Gardefüselier im Lehr-Infanterie-Regiment, 12. Kompanie, Südarmee. Gefallen am 19. März 1915  in Galizien, am Zwinin II.  21 Jahre.

 

Georg Lotz, geboren am 1. April 1894, gefallen am 15. März 1915 (nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Johannes Karl Koch, geboren am 8. September 1893, Sattler: Diente bei der 4. Kompanie des 3. Garde-Ersatz-Bataillons, 2. Garde-Ersatz-Regiment, Armeeatt. Stranz, Garde-Ersatz-Division. Gefallen am 19. April 1915 beim Unterstandbauen durch Lungenschuß. Starb eine Stunde nach der Verletzung bei Essey. Begraben auf dem Friedhof in Essey bei Thiancourt, Meuse et Moselle, Frankreich.  22 Jahre.

 

Peter Ludwig Stumpf, geboren am 5. Juni 1890, Spengler: Ersatz-Reservist im Infanterie-Regiment Nr. 168, 2. Kompanie, 25. Reserve-Division. Musketier. Anzeige des Ersatz-Bataillon des 5. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 168 vom 12. Juni 1915: Er sei gefallen um 4 Uhr nachmittags. Gefallen am 5. Mai 1915, vormittags 10.30 Uhr in den Karpaten auf Höhe 640 bei Erstürmung des Dilec im Wirrawatal durch Gewehrschuß durch den Kopf. Begraben bei Virawa unter einer hohen Buche mit noch anderen Kameraden  auf der Höhe Dielec, Galizien. (Gedenkblatt: bei Viraco?), 25 Jahre.

 

Jakob Emmel, geboren am 21. Dezember 1888, Landwirt: Ersatz-Reservist im Infanterie-Regiment Nr. 172, II. Kompanie, XV. Armeekorps, 39. Division (Oberelsässisches Regiment 172). Gefallen am 9. Mai 1915, mittags 11-12 Uhr, beim Sturm auf einen Graben der Engländer bei Ypern. Sofort tot  durch Kopfschuß mit einem Infanterie-Geschoß. Unweit der Stelle, wo er fiel, in einem kleinen Gehölz vor der Parkmauer des Chateuaux südlich der Straße Ypern-Ghelmer begraben. 27 Jahre.

 

Philipp Heinrich Koch, geboren am 5. Dezember 1898, Lehrer: Musketier Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 222, vermißt im Ersten Weltkrieg, gefallen am 11. Juni 1915 in den Karpathen. 23 Jahre. Laut Gedenktafel im Kirchturm gefallen im Mai 1915. Nicht im Totenbuch.

 

Karl Reuß, geboren am 11. Oktober 1894, Sattler: Musketier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 83, V. Kompanie, 25. Reserve-Division, 50. Reserve-Infanterie-Brigade. Ausgezogen am 30. März 1915. Gefallen in Galizien am 23. Juni 1915 (Bleistiftvermerk: 22.06.1915 im Gefecht bei Wiesenberg, Gedenkblatt: Am 22.6.1915 bei Wiesenberg, Galizien). Beerdigt in einem Massengrab, dessen Bild das Ersatz-Bataillon, Reserve-Infanterie-Regiment 83, an die Eltern sandte. Das Grab ist von der Fliegerabteilung 63 hergerichtet  und mit einer Eisentafel mit eingemeißelten Namen der Gefallenen versehen, ein doppelter Fichtenzweig aus Schmiedeeisen unten. 21 Jahre.

 

Peter Daubert, geboren am7. Dezember 1879, Weißbinder: Seit 16. August 1903 Wehrmann im Reserve-Regiment Nr. 80, III. Bataillon, 9. Kompanie, 21. Reserve-Division. Am 9. September 1915 zwischen  Cernay-en-Dermois und Massiges durch eine Granate erschlagen, zugleich mit Heinrich Kaufeld, Kopf- und Halsschuß. Beerdigt auf dem Soldatenfriedhof am nördlichen Hang des Kanonenbergs, Höhe 199. 36 Jahre.

 

Andreas Heinrich Kaufeld, geboren am 19. September 1879, Maurer: Wehrmann im Reserve-Regiment Nr. 80 (Gedenkblatt: 88), 9. Kompanie. Am 9. September 1915 zwischen Cernay-en-Dermois und Massiges  mit noch einem Kameraden  (Peter Daubert) durch eine Granate erschlagen. Vormittags 8 Uhr. Rückenschuß. Beerdigt auf dem Soldatenfriedhof des Kanonenbergs, Höhe 199. 36 Jahre.

 

Karl Heinrich Huhn, geboren am 12. Oktober 1883,  Maurer, Dorfelder Straße 20: Ersatz-Reserve- Infanterie-Regiment Nr. 80, 11. Kompanie, vermißt seit 27. September 1915 in den Argonnen (laut Gedenktafel im Kirchturm gestorben am 25.09.15).

 

Max Wenzel : Landwehrmann im Infanterie-Regiment 116, V. Kompanie. Gefallen am 25. September 1915, vormittags zwischen 10 und 12 Uhr in der Gefechtsstellung zwischen Aisne und Argonnai (Dieusonstall ?) im Gefecht. Die Art des Todes ist der Kompanie nicht bekannt. Nicht auf der Gedenktafel im Kirchturm (Er war Dissident, irgendwann einmal verzogen).

 

Philipp Burger, geboren am 9. April 1878, Maurer: Landsturm-Regiment  Nr. 25 (Gedenkblatt: Landsturmmann Reserve-Infanterie-Regiment 25), 2. Kompanie. Am 24. oder 23. Februar 1916, nachmittags 6.30 Uhr an Nierenkrampf gestorben in der Revierstube des Regiments an der Aisne bei Autréches. Beerdigt im Dorf Autriches hinter der deutschen Stellung. 37 Jahre.

 

Wilhelm Ebert, geboren am 20. Februar 1893, Bijoutier: Infanterist im Infanterie-Regiment Nr. 81, 12. Kompanie, 21. Infanterie-Division, 18. Armeekorps (Gedenkblatt: Telefonist 12. Kompanie). Gefallen am 3. März 1916 nachmittags 10 Uhr, nördlich von Verdun durch Granatsplitter in den Kopf. Nach Unteroffizier Bornemann nachmittags 6.15 Uhr unweit des Fort Douaumont. Beerdigt an der Chambrettes Ferme in einem von uns angelegten Friedhof  bei Couvemont. Gedächtnisstein am 9. April 1916. 23 Jahre,

 

Valentin Ziegler, geboren am 24. Januar 1885, Schlosser, Hanauer Straße 7: Ersatz-Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 87, 4. Kompanie. Gefallen laut Gedenkblatt am 25. September 1915 bei Massiges, Höhe 191, 33 Jahre. Nicht im Kirchenbuch, nur auf der Gedenktafel im Kirchturm mit dem Todestag 18. April 1916.

 

Johann Ziegler, geboren am 8. April 1894 in Altengronau, Schuhmacher, Pionierkompanie 241, gefallen am 21. Oktober 1915 bei Villers-sous-Preny. Nicht im Kirchenbuch.

 

Wilhelm Georg Strohl, geboren am 7. September 1884, Landwirt: Gefreiter im Infanterie-Regiment Nr. 149, 7. Kompanie, 4. Infanterie-Division, Westgrenze. Am 4. Mai 1916 gefallen bei Verdun, Höhe 304, durch Granatschuß. 31 Jahre.

 

Konrad Dornemann, geboren am 17. Dezember 1888, Schlosser: Torpedo-Oberheizer der Reserve, 4. Kompanie, II. Torpedo-Division bzw. 18. Halbflotille. In den Dienst eingetreten am 4. August 1914. Gefallen in der Seeschlacht im Skagerag. am 31. Mai 1916 nachmittags 9.35 Uhr  in der Nordsee 56/44 Grad nördlicher Breite, 5/20 Grad Länge. Nach Ermessen der Halbflotille muß der Tod als einwandfrei erwiesen angesehen werden. Das Reichsmarineamt  teilt unter dem 31.10.1916 mit: „Leiche bisher nicht geborgen. Eintrag als ‚tot’ auf Grund militärischer Feststellungen.“ 28 Jahre.

 

Georg Gebelhardt, geboren am  25. Februar 1880: Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 88, gefallen am 2. Juli 1916 an der Somme. 36 Jahre (nur auf  Gedenktafel im Kirchturm, nicht im Totenbuch).

 

Jakob Philipp Bauer, geboren am 8. Juni 1888, Maurer: Ersatzreservist bei der 8. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 88. Am 1. August 1916 , vormittags 11 Uhr, nordöstlich des Fort Souville bei Verdun durch einen Granatschuß gefallen. 28 Jahre.

 

Wilhelm Konrad Seipel, geboren am 26. April 1888, Weißbinder: Gefreiter der Reserve bei der 4. Kompanie des Reserve-Regiments Nr. 88. Gefallen bei den Kämpfen um Verdun am 1. August 1916. 28 Jahre.

 

Johannes August Kohlhepp, geboren am 1. August 1891, Knecht: Seit 5. April 1915 Fahrer in der 1. Batterie, Bataillon 76, Fußartillerie im Regiment 9. In der Nacht vom 9. zum 10. April ist er in Roizy bei Arras beim Einsturz eines Hauses zusammen mit zwei Kameraden verschüttet worden und konnte nicht mehr lebend aus den Trümmern herausgeholt werden. Begraben auf dem Militärfriedhof Boult, Grab 159. 26 Jahre.

 

Heinrich Bauer, geboren am 28. Januar 1893, gefallen am 12. Februar 1916 (nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Kaspar Philipp Burger: Soldat im Infanterie-Regiment Nr. 57, 3. Kompanie. Gestorben am 12. Februar 1917 im evangelischen Krankenhaus in Dinslaken an Lungenentzündung (Fieberhafter Luftröhrenkatarrh und Lungentuberkulose). Er wurde in Hochstadt beerdigt am 18. Februar 1917.

 

Andreas Karl Schmidt, geboren am 15. Februar 1889, Landwirt: Seit 18. Mai 1913 war er bei der 3. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 88  Hornist-Gefreiter. Gestorben am 18. April 1917 (Gedenkblatt: 14. August 1914) bei einem Sturmangriff südöstlich des Ortes Juvincort nördlich von Reims durch Kopfschuß. Bleistiftvermerk: Grabstätte in der Stellung südwestlich des Dorfes Juvincort (Gedenkblatt: Fouvincourt). 28 Jahre.

 

Wilhelm Heckert, geboren am 11. Juli 1881, Weißbinder: Soldat im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 88. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiment 116, 2. Kompanie. Am 26. Juli 1917 im Heilig-Geist-Krankenhaus Frankfurt gestorben durch Schuß (Selbstmord). Krankheit: Magengeschwür bzw. Magenkrebs. Als Todestag ist (mit Bleistift) der 25./26. Juli 1917 angegeben.

 

Philipp Schales, geboren am 13. Oktober 1891, Landwirt: Gefreiter der Deutschen Feldpostexpedition Nr. 969. Durch eine Fliegerbombe schwer verwundet in Frankreich an der rechten Hüfte, Schenkel und Rücken am 5./6. Juli 1917. Gestorben am 4. August im bayerischen Feldlazarett Nr. 7. Beerdigt auf dem Soldatenfriedhof in Crecy-sur-Serre am 6. August durch den Feldgeistlichen Hertel. Überführung nach Hochstadt und Beisetzung hier am 1. November 1917 durch Pfarrer Wagner aus Bischofsheim, Leichenpredigt Metropolitan Reich. Eingefügter Zettel: Steckschuß rechte Hüfte mit schwerem Schußbruch des Oberschenkelhalses, Steckschuß rechte Rückenseite durch Fliegerbombe am 6. Juli 1917 bei Laon. 26 Jahre.

 

Wilhelm Strohl, geboren am 17. August 1898,  Landwirt: Grenadier im Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 261. 3. Kompanie. Gefallen in Flandern am 6. August 1917. Bleistiftvermerk: Bei Langemarck durch Erstickung.  Beerdigt auf dem Militärfriedhof Hooglede unweit Roulers, Graben 40, Einzelgrab beim Lazarett. 20 Jahre.

 

Johann Justus Hartmann, geboren am 27. Juni 1873, Fabrikarbeiter: Überzähliger Gefreiter des Landsturms, 8. Kompanie den Infanterie-Regiments Nr. 65. Gefallen am 27. Oktober 1917 in Kortemark in Flandern abends bei Vormarsch in Stellung durch Fliegerbombe. Beerdigt am 31. Oktober auf dem Soldatenfriedhof. 34 Jahre.

 

Hermann Merz, geboren am 31. März 1887, Schreiner: Ersatzreservist im Königs (?)-Infanterie-Regiment 145, 6. lothringisches, V. Kompanie, Inhaber der Silbernen Verdienstmedaille am Bande der Militärischen Karl-Friedrich-Verdienstmedaille. Gefallen am 30. November 1917 um 9.45 Uhr im siegreichen Angriff bei Villers-Guslain bei Cambrai durch Herzschuß mittels G...geschosses (?). Beerdigt auf dem Schlachtfelde bei dem Dorf Villers-Guislain bei Cambrai. 29 Jahre.

 

Johannes Hensel, geboren am 13. April 1898, Schreiner: Musketier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 261, Sturmkompanie. Gestorben am 10. Januar 1918 an Lungenschwindsucht als Soldat im Reservelazarett in Düsseldorf-Herd, begraben am 17. Januar 1918 in Hochstadt.

20 Jahre.

 

Johannes Heck, geboren am 27. Mai 1894, Zimmermann: Gefreiter in der Minenwerfer-Kompanie Nr. 121 (Gedenkblatt: Minenwerfer-Regiment), Deutsche Fahrpost Nr. 924. Gefallen am 12. Januar 1918 bei Combres-Höhe durch Minenvolltreffer. Begraben am 15. Januar 1918 auf dem Friedhof in Avillers. Wohnhaft in Hochstadt in der Ringstraße. 25 Jahre.

 

Johannes Heinrich Seipel, geboren am 1. Juli 1896, Schlosser: U-Boot-Maschinist bei der III. U-Boot-Flottille. Im Namen des Flottenchefs teilte der Kapitänleutnant der U-Flottille III unter dem 23. Januar 1918 mit, daß das U-Boot 87 bei der letzten Unternehmung nicht zurückgekehrt sei. 23 Jahre. Auf der Gedenktafel im Kirchturm Todestag: 12. Januar 1918.

Wilhelm Friedrich Seng, geboren am 6.November 1898, Metzger: Musketier Infanterie-Regiment Nr. 418, 9. Kompanie, gefallen am 13. Mai 1918 bei Albert, Frankreich. 21 Jahre

 

Wilhelm Philipp Burger, 26. April 1890, Maurer: Am 4. Dezember 1914 trat er in den Heeresdienst als Landsturmmann und Rekrut im Leicht-Infanterie-Ersatz-Bataillon Hanau, am 15. Dezember 1917 wegen Tuberkulose entlassen. Gestorben am 14. Mai 1918 in Hochstadt an Auszehrung. 29 Jahre.

 

Andreas Daubert, geboren am 2. Oktober1896, gestorben am 4. November 1918. 22 Jahre (laut Gedenktafel im Kirchturm Oktober 1918,  nicht im Totenbuch).

 

Wilhelm Seipel, geboren am 14. Februar 1880,  Landsturmmann: Landsturmmann des 4. Korps der Armierungsbataillons Nr. 45. Gestorben am 11. Oktober1918 im Ortslazarett Nr. 710 in Baranowitschi bei Dub an Lungenentzündung. Beerdigt am 13. Oktobermittags 12 Uhr auf dem Militär-Friedhof an der Lagerstraße in Baranowitschi (Seite 112. Nummer XXXIX). Heute Soldatenfriedhof Baranowitschi II (laut Kriegsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).

 

Zweiter Weltkrieg

Friedrich Herbert, geboren am 6. Juli 1916, wohnhaft in Kilianstädten, also kein Hochstädter mehr, gefallen in Belgien am 27. Mai 1940 (laut Gedenktafel im Kirchturm).

 

Philipp Seng, geboren am 30. Mai 1906: Gefreiter, Funker in der Luftnachrichten-Kompanie Langendiebach. Inhaber des EK II. Verwundet durch Bombensplitter am 14. November 1940 in Beaumont, gestorben im Lazarett in Cherbourg, bestattet am 18. November 1940 in Cherbourg. Erster Gefallener aus Hochstadt (Auf der Gedenktafel im Kirchturm Todestag 16. November 1940).

 

Ottomar Gerlach (auch: Otto Gerlach), geboren am 4. Juni 1913: Unteroffizier im Infanterie-Regiment I/279 (169. Division), Bataillon-Nachrichten-Stab (?). Gefallen am 5. Juli 1941 in der Schlacht bei Salla (Russisch-Finnland) durch Granatvolltreffer. Bestattet auf dem Heldenfriedhof bei Salla, am Ort, wo er gefallen war.

 

Philipp Strohl, geboren am 2. August 1920: Schütze in einem Infanterie-Regiment, verunglückt am 24. Juli 1941 in Rußland.

 

Georg Burger, geboren am 13. Mai 1920: Oberschütze im Infanterie-Regiment Nr. 392, 5. Kompanie, gefallen am 25. August 1941 in den Kämpfen bei Salla-Korja durch Kopfschuß, bestattet auf dem Friedhof in der Nähe des Kampfplatzes.

 

Ernst Meggle, geboren am 15. Februar 1914: Unteroffizier im Reserve-Regiment List, gefallen am 22. September 1941.

 

Wilhelm Gebelhardt, geboren am 11. Oktober 1913: Obergefreiter im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36, gefallen am 24. September 1941 im Gefecht bei Nagornaja in der Ukraine durch Kopfschuß (laut Gedenktafel im Kirchturm gefallen am 14. September 1941).

 

Johannes Philipp Mankel (auch: Hans Mankel), geboren am 24. September 1921: Sanitätsgefreiter, gefallen am 12. Februar 1942 bei Kokoschkino bei Rochew durch Granatvolltreffer.

 

Valentin Burger vermißt seit Dezember 1942 mit einem U-Boot. Eventuell Valentin Burger, geboren am 20. Oktober 1914 (Bleistifteintrag auf Seite 188 des Totenbuchs). Laut Gedenktafel im Kirchturm gestorben am 24. Februar 1942.

 

Johannes Philipp Jung (auch: Hans Jung), geboren am 29. Januar 1915: Oberfeldwebel. Inhaber des EK II und I sowie des Sturmabzeichens, gefallen durch Granatvolltreffer am 22. Februar 1942 bei Belgorod im Raum von Charkow.  Er war nach Mühlheim verheiratet.

 

Philipp Mankel, geboren am 7. Dezember 1920: Verwundet durch Kopfschuß am 8. März 1942, gestorben am 11. März im Lazarett.

 

Johann Karl Bechert, geboren am 9. Februar 1915: Unteroffizier im 5. Eisenbahner-Pionier-Regiment, aus einem überfallenen Stützpunkt im Osten mit Kopfschuß noch sechs Kilometer geflüchtet am 6. März 1942 und gestorben, am 1. April 1942 von einer  anderen Einheit tot aufgefunden.

 

Wilhelm Heckert, geboren am 14. Dezember 1909: Soldat bei der 2. Panzer-Jäger-Abteilung 113, gefallen durch Fliegerbombe am 6. Juni 1942 um 11.30 Uhr in den Kämpfen nordostwärts Charkow, bestattet am gleichen Tag an Ort und Stelle, wo er fiel. Anmerkung: Das Grab ist erhalten laut Auskunft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

 

Jakob Gießel, geboren am 31. März 1910: Gefreiter im Infanterie-Regiment Nr. 544, 8. Kompanie, erlitt am 30. Juni 1942 eine Verwundung bei Woltschansk bzw. Tichij am Donez, er der am 2. Juli erlag. Beerdigt am gleichen Tag auf dem Heldenfriedhof bei Woltschansk, Gedächtnisgottesdienst  am 6. September 1942 (erstmals Vermerk über so einen Gottesdienst).

 

Wilhelm Pistor, geboren am 11. Juli 1908: Kanonier in einem Infanterie-Regiment, gefallen durch Herzschuß am 27. Juli 1942 bei einem Spähtruppunternehmen, 100 Kilometer südostwärts des Ilmensees.

 

Heinrich Huhn, geboren am 26. Januar 1911: Gefreiter in einem Grenadier-Regiment, gefallen durch Bauchschuß am 15. November 1942 ostwärts der Geschützfabrik Barrikady in Stalingrad.

 

Justus Christ, geboren am 18. Mai 1921, gefallen am 16. Dezember 1942 (nur Bleistifteintrag auf Seite 188. Angaben von der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Wilhelm Huhn, geboren am 15. Dezember 1913: Obergefreiter in einem Grenadier-Regiment, gefallen am 27. Dezember 1942 bei Roschew, durch Granatsplitter am Kopf getroffen, Beerdigt am 29. Dezember auf dem Heldenfriedhof von Dubakino, 8 Kilometer südlich von Rochew.

 

Philipp Strohl, geboren am 5. Dezember 1916: Gefallen am 15. Januar 1943 bei Stalingrad, beerdigt 8 Kilometer nordwestlich Orlowka nördlich von Stalingrad am 16. Januar 1943. Kopfschuß durch einen Scharfschützen auf dem Weg nach einem vorgeschobenen Stützpunkt.

 

Heinrich Schwarz, geboren am 24. Juli 1912, gestorben am  20. Februar 1943 in Bad Nauheim (nur auf Gedenktafel im Kirchturm, im Totenbuch kein Hinweis auf Todesursache).

 

Valentin Weifenbach, geboren am 3. Juni 1904: Oberschütze in einer Nachschubkompanie, gestorben am 7. Mai 1943 durch eine Fliegerbombe. Beerdigt am 10. Mai auf dem Kriegerfriedhof bei Charkow.

 

Wilhelm Krebs, geboren am 7. April 1911: Unteroffizier in einer Panzerdivision, gefallen in der Schlacht bei Samodrowka (laut Gedenktafel im Kirchturm am 8. Juli 1943), 50 Kilometer südlich von Orel durch Herzschuß, beerdigt auf dem Soldatenfriedhof  in Bogerodigkoje.

 

Johann Philipp Hildebrand, geboren am 25.April 1911: Obergefreiter in einer Sanitätskompanie, Inhaber des EK I und II sowie noch fünf anderer Abzeichen. Verunglückt bei Kertsch, Halbinsel Krim am 26. September 1943, beerdigt auf dem Heldenfriedhof in Kertsch.

 

Heinrich Fieres, geboren am 7. August 1909, verheiratet nach Gundhelm, gefallen am 1. September 1943  (Nur Gedenktafel im Kirchturm).

 

Wilhelm Bürthel, geboren am 5. Oktober 1921: Obergefreiter in einer Sanitätskompanie, gefallen bei Tschernobyl in Rußland am 3. Oktober 1943.

 

Wilhelm Schäfer, geboren am 28. Juni 1906: Grenadier im Infanterie-Regiment Nr. 396, 6. Kompanie, gefallen bei Kosaragy (Dnjepr) am 18. Oktober 1943 durch Kopfschuß, beerdigt am Todestag an der Stelle, wo er fiel.

 

Georg Friedrich August Seibel, geboren am 26. Januar 1906 (laut Gedenktafel im Kirchturm, laut Traubuch am 25. Januar 1906 in Mittelbuchen). gestorben am 21. Oktober 1943 im Reserve-Lazarett Hanau II, war als SS-Panzeroffizier zum Heeresdienst eingezogen, aber an Krebs gestorben. (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Richard Trimbach, am 16. März 1920: Unteroffizier in einem Grenadier-Regiment, gefallen infolge eines Oberschenkelschusses auf der rechten Seite am 26. Oktober 1943, beerdigt mit militärische Ehren im Beisein eines Feldgeistlichen am 27. Oktober 1943 auf dem Heldenfriedhof Grudinowka, 30 Kilometer südöstlich von Mogilew.

 

Johann Philipp Koller, geboren am 23. November 1913: Obergefreiter in einem Grenadier-Regiment, 2. Kompanie, Division Füselier-Bataillon 260, gefallen durch Gewehrgranate am 14. November 1943 bei Kusminitschi, 45 Kilometer südöstlich Mogilew, beerdigt auf dem Soldatenfriedhof am 16. Januar 1943 bei Delgij Mock (Grab 125).

 

Hermann Konstantin Koch, geboren am 14. Juli 1912: Gefreiter in einem Pionierbataillon. gefallen am 9. März 1944 in  Kasanka westlich von Kriwoj-Rog durch Panzergranate-Volltreffer.

 

Peter Andreas Stier, geboren am 28. Mai 1916: Unteroffizier in der Beobachtungsabteilung bei der Artillerie, gefallen am 16. März 1944 am Dnjestr beim Jampol, wahrscheinlich durch Kopfschuß, wodurch er aus dem Kahn fiel und versank.

Ludwig Bernhard Liebler, geboren am 4. November 1914: Gefallen am 31. März 1944 bei Brody infolge Bauchschuß, beerdigt am 1. April 1944 auf dem Heldenfriedhof Brody, 110 Kilometer östlich von Lemberg.

 

Wilhelm Schmidt, geboren am 4. Juli 1916, gefallen am 1. März 1944 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Peter Hohmann, geboren am 3. Mai 1913, gefallen am 3. April 1944 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Wilhelm Peter Weber, geboren am 22. November 1912: Unteroffizier in einem Füsilier-Bataillon, gefallen  auf dem Rückmarsch zwischen Orcha und Minsk am 27. oder 28. Juni 1944 durch Artillerie-Volltreffer.

 

 

Karl Wilhelm Frischkorn, geboren am 12. April 1916: Feldwebel in einer Aufklärungsstaffel, Inhaber des EK I und II, gefallen am 5. Juli 1944 bei Brest-Litowsk im Luftkampf, beerdigt am 6. Juli auf dem Ehrenfriedhof der 45. Division bei Brest-Litowsk.

 

Heinrich Obmann, geboren am 4. September 1908: Gefreiter im 3. Grenadier-Regiment Nr. 251, Inhaber des Verwundeten-Abzeichens, gefallen  am 8. Juli 1944 bei Ostrow, südwestlich des Peipusees, beerdigt am 10. Juli auf dem Heldenfriedhof von Borki, 25 Kilometer südwestlich von Ostrow.

 

Wilhelm Hensel, geboren am 19. Februar 1914: Hauptfeldwebel im Panzer-Jäger-Regiment, gefallen am 29. Juli 1944 durch Granatsplitter, beerdigt in Lizona-Solka Kreis Ozatow.

 

Karl Wenzel, geboren am 29. August 1922: Obergefreiter in einem Panzer-Jäger-Regiment, gefallen bei Vire (Normandie) am 5. August 1944. Die Brust wurde durchbohrt durch einen Granatwerfer, beerdigt an der Hauptstraße Vire - St. Loo am 6. August am Westausgang in einem Garten zusammen mit zwei Kameraden.

 

Andreas Johannes Burger (auch: Hans Burger), geboren am 19. Januar 1925: Gefreiter in einem Grenadier-Regiment (Schwere-Maschinengewehr-Kompanie), gefallen durch Artillerie-Geschoß am 17. September 1944 nördlich Bauske in Lettland, beerdigt am 17. September in Karaukrogs, etwa 20 Kilometer nordöstlich von Bauske.

 

Georg Lotz, geboren am 5. April 1911: Im Krieg Lageraufseher bei der Reichsbahn und Gefreiter  in einem Grenadier-Regiment, gefallen am 7. Oktober 1944 bei Hogerheide bei Berg op Zoon, Holland.

 

Johannes Schales (auch: Jean Schales), geboren am  24. August 1922: Gefreiter im Panzer-Grenadier-Regiment „Großdeutschland“, Inhaber von EK II und Sturmabzeichen, gefallen bei Seda in Litauen am 7. Oktober 1944.

 

Wilhelm Burkhardt, geboren am 12. Mai 1924: Maschinengewehrschütze, gefallen beim Angriff auf Vizuli östlich von Vainode am 13. Oktober 1944, beerdigt mit militärischen Ehren in Dziras, Lettland (Fortsetzung nächste Seite). .

Der Vorgesetze schreibt: „Die Kompanie blieb nach etwa 600 Meter Geländegewinn in schwerem Artillerie- und Infanterie-Feuer liegen. Unsere MG-Schützen schossen wie rasend in die feindliche Stellung. Sofort einsetzendes eigenes Artilleriefeuer brachte den Angriff wieder ins Rollen. Als jetzt Wilhelm mit seinem Maschinengewehr Stellungswechsel vorwärts machte, bekam Wilhelm den tödlichen Schuß. Es war ein Kopfschuß und Wilhelm war sofort tot. Möge es Ihnen, lieber Herr Burkhardt, ein Trost sein, daß Wilhelm sein Leben gab für unser herrliches Vaterland und unseren geliebten Führer!“

 

Konrad Friedrich Hensel (auch: Fritz Hensel), geboren am 3. März 1929, gestorben am 14. Oktober 1944 durch Blinddarmentzündung (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Karl Eibelshäuser, geboren am 9. Januar 1904: Gefreiter beim Flugplatzkommando A, Langendiebach. Auf der Umgehungsstraße bei einer Dienstfahrt verunglückt gegen 18 Uhr, gestorben im Reservelazarett Hanau, Teillazarett Gustav-Adolf-Krankenhaus, am 27.11.44 (Schädelbruch mit Hirnstauchung).

 

Wilhelm Seibel, geboren am 6. August 1918: Obergefreiter in einer Gebirgsjäger-Division, gefallen am 1. Januar 1945 in der Nähe von Turin im Kampf mit Partisanen, beerdigt im Januar 1945 auf dem Heldenfriedhof in Turin.

 

Jakob Mankel, geboren am 22. Juni 1921: Obergefreiter in einer Panzerjäger-Division, gefallen am 17. Januar 1945 drei Kilometer südlich von Karolinowo, beerdigt im Januar 1945 auf dem Gemeindefriedhof von Dzialyn, 14 Kilometer südlich von Gollub.

 

Heinrich Müller, geboren am 16. Juni 1911: Unteroffizier in einer Nachrichten-Truppe, gestorben am 19. Januar 1945 im Reservelazarett Sparz bei Traunstein an Herzleiden infolge Gelenkrheumatismus, beerdigt am 22. Januar 1945 in Traunstein. Laut Seite 201, Nummer 967 (Doppeleintrag): Unteroffizier in einem Artillerie-Regiment. Exhumiert am 7. März 1946 und in Hochstadt beigesetzt am 11. März 1946.

 

Rudolf Helmut Rauch        , geboren am 6. März 1925, gefallen im Januar 1945 (Keine näheren Angaben im Totenbuch, nicht auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Karl Wilhelm Rohrbach, geboren am 22. Mai 1926: Sturmpionier in einem Pionier-Bataillon, gefallen durch Nierenschuß (Granatsplitter) am 29. Januar 1945 bei Gleba bei Scharfenwiesen an der ostpreußischen Grenze, beerdigt am 29. Januar in einem Einzelgrab bei Gleba neben einem Brunnen.

 

Heinrich Gießel, geboren am 6. März 1910: Gefreiter in der  Volksgrenadier-Division 560, gefallen Anfang 1945 bei Bitburg in der Eifel und tot aufgefunden, beerdigt auf dem Militärfriedhof in Hamm in Luxemburg, Grab 282, Reihe 12. Laut Gedenktafel im Kirchturm gestorben im Februar 1945.

 

Karl Meffert, geboren am 9. August 1908: Grenadier, gefallen am 5. Februar 1945 in Warlubin im Warthegau, beerdigt auf dem Kriegsgräberfriedhof in Warlubin, Grab 38, Reihe 2.

 

Kurt Konrad Zwicker: Leutnant 5./II. Fallschirm-P.-Regiment 21, gefallen am 27. Februar 1945 in Weeze-Kalbeck bei Goch im Rheinland, beerdigt auf dem Soldatenfriedhof in Weeze, Grab Nummer 131.

 

Wilhelm Philipp Stein, geboren am 2. Juni 1908, gefallen im Februar 1945  (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm, war Nazibürgermeister und Ortsgruppenleiter, im Jahre 1942 aus der Kirche ausgetreten, deshalb keine kirchliche Trauerfeier).

 

Wilhelm Damm, geboren am        11. März 1915, gefallen im Februar 1945 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm.

 

Karl Eugen Großmann, geboren am 14. September 1902: Obergefreiter in einem Feldzeug-Bataillon, gefallen in Adscheid bei Uckerath (Siegkreis) am 25. März 1945 durch Kopfschuß, beerdigt am 28. März in Uckrath auf dem Ehrenfriedhof  (umgebettet von Adscheit am 7. Juli 1946).

 

Bernhard Ebert: Gestorben im 34. evakuierten Hospital in Frankfurt infolge Oberschenkel- und Beckenverwundung, beerdigt in Butzbach auf dem deutschen Militärfriedhof am 11. April 1945, Platz B, Reihe 12, Grab 295.

 

Ernst Seibel, geboren am 23. März 1917, gefallen am 12. April 1945, um 3 Uhr nachmittags. („Selbst ohne Waffen und Gegenwehr von Amerikanern feig erschossen)“. Nach Hochstadt überführt und beerdigt (Datum nicht angegeben). Wohnung: Bischofsheimer Straße 13. Soldatengrab auf dem Hochstädter Friedhof, ganz rechts.

 

Heinrich Fischer: Seit 1941 zum Heeresdienst eingezogen, gefallen im Raum Deutsch-Altenburg in Niederösterreich zwischen März und Mai 1945. Begraben in Deutsch-Altenburg auf dem Ortsfriedhof.

 

Hans Gerstung: In einer Instandsetzungsstaffel in Kurland, gefangen genommen am 10. Mai 1945, gestorben im Hospital Petrosawodzk an Gelbsucht bzw. einer Leberkrankheit, im Lagerhospital Nr. 7120.

 

Wilhelm Klöss (oder: Klöß), geboren am 20. September 1907, gefallen im März 1945  (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm).

 

Fritz Drews, geboren am 8. März 1925, gefallen im März 1945 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm, nicht aus Hochstadt stammend).

 

Walter Fritsche, geboren am 15. Februar 1903, gefallen im März 1945 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm, nicht aus Hochstadt stammend).

 

Heinrich Philipp Völker, geboren am 20. August 1910: Bei Mondovi (Piemont) durch Banditen bei Beerdigung eines Kameraden aus dem Hinterhalt erschossen. Laut Gedenktafel im Kirchturm gestorben am 27. April 1945.

 

Johannes Heinrich Mankel, geboren am 6. August 1911: Unteroffizier, als Kraftfahrer in Rumänien, im August 1943 in russische Kriegsgefangenschaft geraten, wurde dann bis zur Wolga verschleppt und ist dort infolge Hunger, Ruhr und Entkräftung in Samara gestorben. Laut Gedenktafel im Kirchturm gestorben am 4.06.45.

 

Kaspar Lenz, geboren am  6. März 1903, gefallen am 23. Juli 1945 (Nur auf der Gedenktafel im Kirchturm. War Nazi-Bürgermeister in Bischofsheim und aus der Kirche ausgetreten, dadurch keine kirchliche Trauerfeier).

 

Johann Heinrich Diehl, geboren am 30. Mai 1915: Er war Sanitätsfeldwebel an der Ostfront und wurde gefangen genommen. Gestorben als Gefangener auf dem Marsch zwischen Thorn und Graudenz in der Zeit zwischen dem 10. und 17. August: Als er aus Hunger, um Tomaten aus dem Garten zu holen, aus dem Fenster seines Quartiers stieg, wurde er von russischen Wachmannschaften erschossen. Beerdigt auf einem Gutshof zwischen Thorn und Graudenz im Zeitraum zwischen dem 10. und 17. August 1945. Auf der Gedenktafel im Kirchturm Todestag 15. August 1945.

 

Philipp Heckert, geboren am 10. Dezember 1903: Seit Oktober 1943 zum Heeresdienst eingezogen, seit Januar 1944 nach Rußland, Februar 1944 in Kurland gefangen. In russischem Kriegsgefangenenlager gestorben.  Am 6. Dezember 1947 kam durch einen heimkehrenden Kameraden (die Nachricht), daß er am 10. Oktober 1945 infolge Hunger und Wassersucht im Lazarett 410 in Baranowitschi an Wassersucht verstorben sei.

 

Philipp Eibelshäuser, geboren am 17. August 1911: Stabsgefreiter, gestorben am 22. November 1945 in einem Lazarett in Kowel in Rußland an Wassersucht bzw. Wundstarrkrampf, beerdigt am 24. November 1945 auf dem Friedhof in Kowel.

 

Justus Koch, geboren am 12. Dezember 1913: Aus russischer Kriegsgefangenschaft am 26. November 1945 fast verhungert heimgekehrt, erkrankt an Grippe und Brustfellentzündung, starb am 11. Dezember 1945. Der Körper hatte keine Widerstandskraft mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeittafeln

Hochstadt:

2200 vor Chr.           Hügelgräber im Töngeswald südlich der Straße nach Hanau

83 nach Chr.            Die Römer dehnen ihre Herrschaft über die Wetterau aus

5. Jahrhundert         Mögliche Entstehungszeit der Siedlung Hochstadt

6. Jahrhundert         Die Franken besiedeln das Land planmäßig

um 819          Hochstadt wird im Zusammenhang mit dem Weinbau erwähnt

846                 Geroch vermacht seine Güter in Hochstadt dem Kloster Lorsch

12. Jahrh.      Errichtung der Kirchhofsmauer rund um die Kirche

13. Jahrh.      Bau der Ringmauer um den Ort

1270               Erste Erwähnung Groschlags (südwestlich von Hochstadt)

1398               Ulrich V. von Hanau versetzt Hochstadt für 600 Gulden an Frankfurt

um 1430        Bau der heutigen Kirche (Ausmalung 1490)

1543               Erster evangelischer Pfarrer in Hochstadt

1589/90         Bau der Tortürme (Untertor evtl. schon 1283)

1615               Nach dem Tod des letzten Groschlager Einwohners wird sein Haus abgerissen

1622               Die bayerische Armee unter Tilly richtet den Ort übel zu

1624               Hochstadt wird von protestantischen Kriegsvölkern drangsaliert

1627               Tillys Armee besetzt Hochstadt für 18 Wochen

1628               Die Kalkbrennerei wird wieder in Betrieb genommen

1631               Die Schweden befreien Hanau und Umgebung

1634-1636    Schwerste Notzeit im Dreißigjährigen Krieg

1642               Geburt siamesischer Zwillinge

1650               Die Schweden ziehen ab, die Hälfte der Bevölkerung ist ausgerottet

1683/84         Neubau des Rathauses (später wird es allerdings noch umgebaut)

1743               Franzosen verwüsten nach der Schlacht bei Dettingen das Land

1759               Nach der Schlacht bei Bergen halten sich die Franzosen in Hochstadt schadlos

1779               Gründung des Gasthauses „Zur goldenen Krone“

1800               Schlacht mit den Franzosen in Hochstadt und Umgebung

1813               Gefecht am Schützenhäuschen mit den abziehenden Truppen Napoleons

1841               Eröffnung des Friedhofs außerhalb der Ringmauer

1843               Erste Wasserleitung von der Börrwiese in den Ort

1846/47         Schwere Dürre und Hungersnot

1848               Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hanau - Frankfurt

1851               Neubau der Schule Hauptstraße 4

1861               Erstürmung Hochstadts durch auswärtige Turner

1866               Die Preußen annektieren Hessen und beseitigen die Torflügel am Obertor

1890               Gründung des Vereins „Arbeiterschutz“, Vorläufer der SPD

1894               Errichtung der Postagentur bei Daubert, Hauptstraße 57

1914               Auch Hochstädter ziehen in den Ersten Weltkrieg

1918               Gründung eines Arbeiter- und Bauernrates

1926               Der Segelflieger Espenlaub kommt zu Vorführungen an den Kochberg

1926               Bau der Wasserleitung und des Hochbehälters am Schützenhäuschen

1933               Der Tag der Machtergreifung Hitlers wird auch in Hochstadt groß gefeiert

1934               Die Gemeindeverwaltung zieht in die alte Schule, Hauptstraße 4

1945               Die Amerikaner besetzen Hochstadt am 28. März

1946/47         Kalter Winter, im Frühjahr Überschwemmung

1948               Währungsreform am 20. Juni

1964               Einweihung des Bürgerhauses

1973               Verschwisterung mit Luisant in Frankreich

1974               Gründung der Stadt Maintal

Dörnigheim:

3000 v. Chr.  Erste steinzeitliche Funde (Hammer, Beil, Schaber, Schuhleistenkeil)

100 n. Chr.    Römisches Brandgrab östlich des Ortes

700 n. Chr.    Funde aus fränkischer Zeit in der Mozartstraße 17

793                 Wolfbodo übergibt Land und Kirche an das Kloster Lorsch

1064               Kaiser Heinrich IV. schenkt Güter in Dörnigheim an das Mainzer Jakobskloster.

                        Dieses hat seinen Klosterhof auf dem Gelände des „Herrenhofs“ bei der Kirche

13. Jahrh.      Landwehr westlich des Ortes erstmals erwähnt

1333               Erste Erwähnung der Ortsbefestigung mit zwei Toren und drei Halbtürmen

1333               Die Hanauer Grafen beerben die Herren von Rieneck und erhalten das Vogtei-

                        recht. Die Vogtei ist auf dem Grundstück der Gaststätte „Zum Schwan“ (Ecke

                        Hintergasse/Schwanengasse) oder im „Schlößchen“ (Hintergasse; so Lapp).

1366               Ein „Weistum“ über die alten Rechte im Ort wird aufgestellt

15. Jahrh.      Ende des Jahrhunderts erhält die Kirche einen Turm (unterer Teil erhalten)

1553               Einführung der Reformation unter Pfarrer Heinrich Cless

1609               Erste Erwähnung des Pflastergeldes, das durchfahrende Kaufleute zahlten

1621               Spanische Truppen brandschatzen den Ort an der Frankfurt-Leipziger-Straße

1636               Bericht aus dem Dreißigjährigen Krieg: „Dörnigheim ist ganz abgebrannt“

1671               Das Haus Frankfurter Straße 5 wird erbaut, ältestes erhaltenes Haus im Ort

1705               Umbau der Kirche (neue Zugänge und Empore)

1743               General von Sommerfeld ist im „Schlößchen“ einquartiert bei Rat von Spener

1751               Bau der Mainmauer mit zwei Mainpforten (Obertor und Untertor)

1780               Schotterung der Chaussee von Hanau zur Mainkur

1792               Gründung des Gasthauses „Zum grünen Baum“ durch den Lehrer Hartenfeller

1798               Bau des Gasthauses „Zum Adler“, Frankfurter Straße 2

1813               Dörnigheimer Vertrag im Gasthaus „Zum Adler“ geschlossen

1814               Friedhof an der Frankfurter Landstraße angelegt

1836               Zuckerfabrik im ehemaligen Herrenhof eingerichtet, 1886 Schule

1838               Erste Häuserreihen außerhalb der Ortsmauer gebaut

1845               Beginn der Bauarbeiten für die Eisenbahn

1860               Gründung des Volkschors, des ältesten heute noch existierenden Vereins

1864               Neues Pfarrhaus neben der Kirche gebaut

1877               Erhöhung des Kirchturms auf das heutige Aussehen

1893               Erster Arzt, zunächst in der Schule, dann im Doktorhaus Mühlheimer Straße

1920               Flußkraftwerk im Main durch Preußen-Elektra errichtet, bis 1988

1923               Elektrifizierung des Ortes, gleichzeitig mit Hochstadt

1925               Siedlungsbau in der Bahnhofstraße durch eine Genossenschaft

1945               Explosion im Munitionslager am Bahnhof, vier Feuerwehrleute getötet

1947               Strenger Winter, der Main friert zu und kann mit Lastwagen befahren werden

1949               Erste Häuser in der Waldsiedlung

1964               Verleihung der Stadtrechte

1974               Mittelpunktschwimmbad

1979               Inbetriebnahme der Autobahn

1980               Bau der Maintal-Halle

 

Wachenbuchen:

5700 v. Chr.  Erste jungsteinzeitliche Funde (Hammeraxt, Steinklinge)

2. Jahrhundert         Römischer Grabhügel und weitere römische Funde

798                 Liubert schenkt  am 1. Juni dem Kloster Lorsch eine Hufe in Buchen

1168               Die Familie der Herren von Buchen stirbt aus

1237               Als erster Pfarrer wird Herr Ulrich, Erzpriester zu Buchen, genannt

1243               Erstmals Namensform „Wagghenbuche“ (Urkunde Reinhards von Hanau)

1406               Älteste Urkunde im Pfarrarchiv (Abrechnung vom 21. Mai)

1461               Bau des Kirchturms, Neubau der Kirche 1703 und Umbau 1903

1542               Einführung der Reformation unter Pfarrer Konrad Rulmann

1555               Bau des alten Rathauses, 1705 erneuert in der jetzigen Form

1616               Großer Brand am 7. April, 20 Wohnhäuser und 51 Scheunen brennen ab

1635               Die Einwohner fliehen im Dreißigjährigen Krieg mit dem Pfarrer nach Hanau

1673               Kaiserliche Truppen schlagen ihr Lager im Wachenbucher Feld auf

1706               Wilhelm von Speckhan, Kornett in einem Reiteregiment, stirbt am 7. Februar

1711               Bau des Geibelhauses durch einen Vorfahren des Dichters Emanuel Geibel

1731               Bau der „Küsterschule“ in der Kirchhofstraße 3 (erste Schule am Ort)

1748               Bau der Wasserleitung von den Quellen an der Pfingstweide nach Hanau

1750               Bau des alten Pfarrhauses in der Herrnstraße 2

1777               Wilhelmsbad wird unter Erbprinz Wilhelm zum Kurbad ausgebaut

1813               Kaiser Napoleon kommt am 31. Oktober nach Wilhelmsbad (damals Wachenb)

1832               Der „alte“ Friedhof außerhalb der Ringmauer an der Erbsenstraße angelegt

1835               Der Dichter Emanuel Geibel besucht das Stammhaus der Familie am Geibeleck

1863               Einrichtung der Gaststätte „Concordia“, Alt Wachenbuchen 10

1870               Bau der Synagoge in der Straße Alt Wachenbuchen neben der jüdischen Schule

1874               Gründung der „Spar- und Leihkasse Wachenbuchen“, heute Raiffeisenbank

1890               Bau der Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“, Feldstraße 1

1897               Errichtung der Wasserleitung vom Auborn in den Ort

1898               Der Jagdaufseher Kaspar Philipp Mankel wird von einem Wilderer erschossen

1902               Der Gemeinde-Steinbruch wird an die Firma Kaiser verpachtet

1906               Der Arzt Dr. Weitzel und der Wirt Pflug haben die ersten Autos im Ort

1909               Bau der Gaststätte „Zum Schwanen“ in der Schulstraße 12

1910               Beginn der Landhaussiedlung Hohe Tanne

1912               Erste Buslinie über Wilhelmsbad nach Hanau

1913               Bau des Pfarrhauses in der Mittelbucher Straße 20 zur Zeit Pfarrer Blendins

1918               Im Ersten Weltkrieg fallen 35 Männer aus Wachenbuchen

1920               Bau des elektrischen Ortsnetzes durch die Firma Siemans-Schuckert

1935               Der Hühnerberg wird mit einer Funk- und Leitstelle militärisch belegt

1938               Zerstörung des jüdischen Schulhauses am 8. November durch fanatische Nazis

1945               Luftangriff am 6. Januar, 32 Wohnhäuser beschädigt, die Kirche brennt aus

1946               Flüchtlinge treffen am Juni ein, vor allem aus dem Sudetenland

1948               Beginn des Baus der Siedlung am Klingerborn

1949               Neue Wasserversorgungsanlage am Simmichtsweg errichtet

1951               Das Edelsheim’sche Hofgut wird von der Familie Hanstein übernommen

1964               Neubau der Gaststätte „Zur Krone“, älteste Gaststätte am Ort

1969               Einrichtung der Poststelle in der Raiffeisenstraße 3

1970               Umbau der Schule in der Schulstraße 11 zu einem Rathaus

1971               Einrichtung der Filiale der Sparkasse Hanau in der Schulstraße 1

1974               Gründung der Stadt Maintal, Wachenbuchen wird Stadtteil

1985               Bau des Evangelischen Gemeindehauses neben dem Pfarrhaus

1996               Anschluß an die Gasversorgung der Maintalwerke

 

 

 

 

 

Bischofsheim:

2000 v. Chr.  Erste Bodenfunde in der Jungsteinzeit

800 v. Chr.    Gräber aus der Hallstattzeit im Wald beiderseits der Grenze nach Enkheim

um 100 n.Chr.          Römische Villa an der Straße nach Bergen (Nähe Pfarrhaus)

880                 Ludwig der Deutsche schenkt die Kirche an die Frankfurter Salvatorkapelle

1222               Der Frankfurter Propst Philipp v. Diez schenkt die Kirche dem Stift in Frankfurt

1283               Die Herren von Falkenstein erwerben den Ort

1434               Reinhard II. erhält von Kaiser Sigismund die Grafschaft Bornheimer Berg

1440               Landwehr zwischen Bischofsheim und Hochstadt unterhalb des Kochbergs

1460               Weistum der Gemeinde Bischofsheim (auch 1503)

1500               Hanau erwirbt die niedere Gerichtsbarkeit

1555               Untertor an der Ecke Schäfergasse/Hintergasse erstmals erwähnt

1555               Rathaus „neben der Weed“ erstmals erwähnt

1555               Reformation zur Zeit des Pfarrers Konrad Reuhl

1565               Jahreszahl in der Kirchturmspitze

1598               Dorf brennt vollständig ab und wird an der heutigen Stelle wieder aufgebaut

1615               Die Grenze nach Hochstadt wird mit Steinen markiert

1621               Viele Einwohner fliehen in das befestigte Hanau

1645               Gemeindewirt Johann Peter Ebert erwähnt

1646               Hanauisch-Isenburgischer Vertrag über die Rechte in Bischofsheim

1665               Schulhaus am Ende der Breulgasse, 1776 neu erbaut

1759               Schlacht bei Bergen fordert auch Todesopfer in Bischofsheim

1805               Für die Franzosen müssen Verpflegungskosten gezahlt werden

1810               Gründung des Großherzogtums Frankfurt (napoleonische Zeit)

1844               Fronhof südlich der Kirche wird zur Schule umgebaut, seit 1937 Rathaus

1847               Einweihung des neuen Friedhofs südlich der Kirche, 1908 neuer Friedhof

1894               Erste Postagentur in der Dienstwohnung des Lehrers Knöll

1899               Neues Pfarrhaus in der verlängerten Obergasse („Ranzen“)

1907               Schule in der Waldstraße erbaut

1911               Bau der Wasserleitung

1920               Elektrifizierung

1929               Erster Kindergarten in einer Baracke bei der Waldschule

1944               Eine Brandbombe zerstört am 4. Februar die Kirche und weitere Häuser

1946-1948    Zweimal Hochwasser, besonders im nördlichen Ortsteil

1959               Moderner Kindergarten in der Gänsseestraße (mit Dorfgemeinschaftshaus)

1968               Neues Rathaus in der Straße Alt Bischofsheim 28

1969               Erich-Kästner-Schule erbaut, Beginn eines Schulzentrums

1979               Inbetriebnahme der Autobahn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maintal.

um 3000 v. Chr.       Jungsteinzeitliche Funde in allen Stadtteilen (Hammer, Beil, Schaber)

um   800 v. Chr.       Gräber aus der Hallstattzeit im Bischofsheimer Wald

83 nach Chr.                        Die Römer dehnen ihre Herrschaft aus, Brandgräber und Hofgüter

6. Jahrhundert                     Die Franken besiedeln das Land planmäßig (Funde in der Mozartstraße)

793                 Wolfbodo schenkt dem Kloster Lorsch Güter und Kirche in Dörnigheim

798                 Liubert schenkt dem Kloster Lorsch eine Hufe in Buchen

846                 Geroch vermacht seine Güter in Hochstadt dem Kloster Lorsch

880                 König Ludwig schenkt die Bischofsheimer Kirche an die Salvatorkapelle

1064                           Kaiser Heinrich IV. schenkt Güter in Dörnigheim an das Jakobskloster in Mainz, das seinen  Hof auf dem Gelände des „Herrenhofs“  hat

1168               Die Familie der Herren von Buchen stirbt aus (Nachfolder: Dorfelden)

12. Jahrh.      Errichtung der Kirchhofsmauer rund um die Kirche in Hochstadt

1283               Die Herren von Falkenstein erwerben Bischofsheim

1270               Erste Erwähnung des Ortes Groschlag (südwestlich von Hochstadt)

13. Jahrh.      Bau der Ringmauer um Hochstadt mit zwei Toren und Halbtürmen

13. Jahrh.      Landwehr westlich von Dörnigheim erstmals erwähnt

 

1333               Die Hanauer Grafen erhalten das Vogteirecht in Dörnigheim

1333               Erste Erwähnung der Ortsbefestigung Bischofsheim mit zwei Toren 

1366               Ein „Weistum“ über die alten Rechte in Dörnigheim wird aufgestellt

1389               Im „Städtekrieg“ entstehen  Schäden in Dörnigheim und Wachenbuchen

 

1406               Älteste Urkunde im Pfarrarchiv Wachenbuchen (21. Mai)

um 1430        Bau der heutigen Kirche in Hochstadt (Ausmalung 1490)

1434               Reinhard II. von Hanau erhält die Grafschaft Bornheimer Berg

1440               Landwehr zwischen Bischofsheim und Hochstadt  errichtet

1460               Weistum der Gemeinde Bischofsheim (auch 1503 ein Weistum)

1461               Bau des Kirchturms in Wachenbuchen (Kirche 1703 und Umbau 1903)

1500               Hanau erwirbt die niedere Gerichtsbarkeit in Bischofsheim

1542-1553    Einführung der Reformation (Wachenbuchen 1542, Bischofsheim 1555).

1500-1565    Bau der Kirchtürme Dörnigheim und Bischofsheim

                        Bau der Tortürme Bischofsheim und  Hochstadt

1555               Bau des alten Rathauses in Wachenbuchen

1598               Bischofsheim brennt vollständig ab, an der heutigen Stelle neu aufgebaut

 

1609               Erste Erwähnung des „Pflastergeldes“ (Straßenzoll) in Dörnigheim

1615               Der Ort Groschlag südwestlich von Hochstadt geht ein

1615               Markierung der Grenze zwischen Bischofsheim und Hochstadt

1621               Einwohner Bischofsheims fliehen nach Hanau, 1635 die Wachenbucher

1621               Spanische Truppen brandschatzen Dörnigheim 

1622-1627    Hochstadt wird von der Armeen beider Seiten drangsaliert

1631               Die Schweden befreien Hanau von der kaiserlichen Besatzung

1634-1636    Schwerste Notzeit im Dreißigjährigen Krieg 

1642               Geburt siamesischer Zwillinge in Hochstadt, Gedenktafel an der Kirche

1646               Hanauisch-Isenburgischer Vertrag über die Rechte in Bischofsheim

1671               Das Haus Frankfurter Straße 5 wird erbaut, ältestes erhaltenes Haus

1683/84         Neubau des Rathauses in Hochstadt (später allerdings noch umgebaut)

1711               Bau des Geibelhauses in Wachenbuchen durch Vorfahren des Dichters

1743               Die Franzosen verwüsten nach der Schlacht bei Dettingen das Land

1743               General von Sommerfeld ist im „Schlößchen“ (Hintergasse) einquartiert

1748               Bau der Wasserleitung von Wachenbuchen nach Hanau

1751               Bau der Mainmauer mit zwei Mainpforten in Dörnigheim

1759               Die Schlacht bei Bergen fordert auch in Bischofsheim Todesopfer

1777               Wilhelmsbad (damals Wachenbuchen) wird zum Kurbad ausgebaut

1779-1798    Gasthäuser Krone (Hochstadt), Grüner Baum und Adler (Dörnigheim)

1780               Schotterung der Chaussee von Hanau zur Mainkur

 

1800               Schlacht mit den Franzosen in Hochstadt, Bischofsheim und Umgebung

1813               Dörnigheimer Vertrag im Gasthaus „Zum Adler“ geschlossen

1813               Kaiser Napoleon kommt am 31. Oktober nach Wilhelmsbad

1814-1847    Neue Friedhöfe in allen vier Orten (Dörnigheim (1814)

1835               Der Dichter Emanuel Geibel besucht das Stammhaus der Familie

1838               Erste Häuser außerhalb der Ortsmauer in Dörnigheim und Hochstadt

1844-1886    Neue Schulen in Bischofsheim (1844, Alt Bischofsheim 28), Hochstadt                          (1851, Hauptstraße 4), Dörnigheim (1886, Kirchstraße)

1845               Beginn der Bauarbeiten für die Eisenbahn Frankfurt-Hanau

1860               Gründung des Volkschors, des ältesten Vereins in Dörnigheim

1861               Erstürmung Hochstadts durch auswärtige Turner

1870               Bau der Synagoge in der Straße Alt Wachenbuchen 3

1874               Gründung der „Spar- und Leihkasse Wachenbuchen“ (heute Raiffeisen)

1894               Postagentur in Hochstadt (Hauptstraße 57) und Bischofsheim

1864-1899    Bau der Pfarrhäuser in Hochstadt (1862), Dörnigheim und Bischofsheim

1889-1893    Erste Ärzte in Wachenbuchen und Dörnigheim (eigene Doktorhäuser)

1897               Wasserleitung in Wachenbuchen (vom Auborn)

 

1906               Erste Autos in Wachenbuchen (Arzt Dr. Weitzel und  Wirt Pflug)

1907               Bau der Waldschule in Bischofsheim, 1929 mit Kindergarten

1910               Beginn der Wachenbucher Landhaussiedlung „Hohe Tanne“

1912               Erste Buslinie von Wachenbuchen über Wilhelmsbad nach Hanau

1911-1926    Bau der Wasserleitung in Bischofsheim (1911) und Hochstadt

1918               Gründung von Arbeiter- und Bauernräten in allen Orten

1920-1923    Elektrifizierung in allen vier Orten

1920               Flußkraftwerk im Main durch Preußen-Elektra errichtet, bis 1988

1926               Der Segelflieger Espenlaub kommt zu Vorführungen an den Kochberg

1938               Zerstörung des jüdischen Schulhauses in Wachenbuchen am 8. 11.

1938               Zerstörung der Synagoge in Hochstadt am 9. November durch Nazis

1944               Eine Brandbombe zerstört am 4.2. Kirche und Häuser in Bischofsheim

1945               Luftangriff am 6. Januar auf  Wachenbuchen (32 Häuser beschädigt)

1945               Die Amerikaner besetzen die Orte nördlich des Mains am 28. März

1945               Explosion im amerikanischen Munitionslager am Bahnhof

1946               Im Juni treffen Flüchtlinge ein, vor allem aus dem Sudetenland

1946/47         Der Main friert zu, im Frühjahr Überschwemmung ( bes. Bischofsheim)

1948/49         Siedlungsbau (Klingerborn Wachenbuchen, Waldsiedlung Dörnigheim)

1959               Moderner Kindergarten in der Gänsseestraße (Dorfgemeinschaftshaus)

1964               Verleihung der Stadtrechte an die Gemeinde Dörnigheim

1974               Gründung der Stadt Maintal mit vier Stadtteilen (Gebietsreform)

1979               Inbetriebnahme der Autobahn A66 quer durch Maintal

1980               Bau der Maintal-Halle

 

 

 

Alte Osterbräuche aus dem heutigen Maintal

Bettelnde Lehrer, sagenhaftes Osterwasser und ein Junge, der schon samstags den „Hasen holen“ wollte

 

Im Westen Hochstadts liegt unterhalb des Luisantrings das Riederwäldchen. Wenn man die

Fahrgasse in Richtung Bischofsheim entlanggeht. Am alten Versuchsgarten des Obst- und Gartenbauvereins vorbei kommt man bald zu einer Quelle in dem Wäldchen rechterhand. Vor einigen Jahren hat die Stadt Maintal die Quelle auf Vorschlag von Robert Föry wieder in Ordnung gebracht. Im Volksmund heißt die Quelle „Berlebörnchen“ oder etwas vornehmer „Berleborn“.     

 

Mit dem Wasser hat es eine besondere Bewandtnis; so hat es mir jedenfalls meine Großmutter erzählt, als wir auf der Wiese unterhalb des Riederwäldchens Heu machten. Hier ist nämlich der Brunnen in Hochstadt, aus dem man das „Osterwasser“ holt. Am Ostermorgen muß man sich vor Sonnenaufgang aufmachen. Man darf dabei nicht sprechen. Mit einem Krug schöpft man das Wasser und trägt es heim und hebt es das Jahr über auf. Es sollte bei allerhand Krankheiten und Beschwerden helfen. Heute allerdings ist der Genuß des Wassers nicht mehr zu empfehlen, denn es ist von Nitrat verseucht.

 

Gründonnerstag wird von den Lutheranern als ganzer Feiertag begangen. Aber nach der Union der reformierten und lutherischen Kirche wird der gestrichen. Der Karfreitag wird ab 1811 still begangen, aber als gesetzlicher Feiertag. Ab 1828 ist Karfreitag nur noch ein halber Feiertag, während des Gottesdienstes darf aber keine Arbeit und kein Verkauf stattfinden.

 

Ostern ist neben Weihnachten und Michaelis ein traditioneller Abendmahlstag. Die Zahl der Abendmahlsteilnehmer ist zunächst nicht sehr hoch: An Ostern 1778 sind es 48 Personen, davon 24 Jugendliche. Palmarum, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern werden gern als Konfirmationstermin genommen (neben Pfingsten, Advent, Trinitatissonntage).

 

 

Mit Ostern sind allerdings nicht so viele Bräuche verbunden wie mit Weihnachten. Aber auch in Hochstadt wird wie in Frankfurt an Gründonnerstag die „Grüne Soße“ gegessen, mit Eiern, Frühlingskräutern und Quark. Man ißt in unseren Breiten auch gern „grüne Pfannkuchen“, die mit Schnittlauch bestreut sind. Natürlich verzichtet man in der Karwoche wie anderswo auch auf den Genuß von Fleisch.

Eine Osterspeise ist auch das gebackene Osterlamm. Es wird aus Rührkuchenteig hergestellt und mit Puderzucker bestreut. Der Oberbäcker hat noch lange die gußeisernen Formen aufbewahrt. Es gab aber auch flache Osterhasen, aus einfachem Teig gebacken und mit einer Rosine als Auge.

 

Die Ostereier werden vorzugsweise mit Zwiebelschalen gefärbt. Sie werden nicht, wie teilweise in anderen Gegenden, schon am Gründonnerstag gesucht, sondern am Ostersonntag. Im Laufe des Sonntags gehen die Kinder mit einem Körbchen zu den Großeltern, Paten oder Bekannten, um „den Hasen“ zu holen.

Ein Junge wollte allerdings wollte nicht so lange warten und ging schon am Samstag zum Oberbäcker und sagte: „Gebt mir nur gleich meinen Has‘, dann geh ich auch wieder!“ Heute macht er es noch ähnlich und treibt Geld bei säumigen Schuldnern ein.

 

 

 

 

In früheren Zeiten war der Bettelgang zu Ostern eine bittere Notwendigkeit. Da mußte der

Lehrer sich bei jeder Familie ein Ei erbetteln - als Teil seiner Besoldung. In Hochstadt allerdings darf der Lehrer an Weihnachten und Ostern je einen Gang um Brot machen: Er darf zu jedem gehen, der einen Acker besitzt und um ein Brot bitten, als Entgelt für das Läuten der Glocken.

Wer keinen Acker hat, gibt sechs Schilling. So wird es 1596 festgelegt. Ab 1743 müssen

auch. die Witwen an Ostern eine Münze geben (einen Albus). Bauern mit Gespann aber müssen den „Läutelaib“ geben.

Im Jahre 1769 bekommt die lutherische Schule die Kaduk-Güter geschenkt. Die reformierten Einwohner meinen, das bei den Umgängen an Ostern und Weihnachten gespendete Brot solle allein der reformierte Lehrer erhalten. Früher hat der Lehrer das Brot ja auch von allen Einwohnern erhalten. Erst als es eine lutherische Lehrerstelle gab, haben die Lutherischen ihr Brot dem lutherischen Lehrer gegeben.

Der Lehrer Zeiss erhält um 1850 noch diesen Teil seines Einkommens, ehe er 1851 abgelöst wird durch über 18 Gulden im Halbjahr. Allerdings war die Lieferung über das ganze Jahr verteilt, denn er kann ja das Brot nicht auf einmal essen. Das wäre auch den Naschmäulern von heute zu empfehlen: nicht alles auf einmal essen, sondern gut verteilen. In diesem Sinne - ein gesegnetes Osterfest!